| Kjartans Steckbrief |
Kjartan, Sohn von Baldor Eisbrecher und Elida Starkseil
Spitzname: Kjarti
Rasse:
Mensch – Mantroner
Alter:
24 Jahre
Geschlecht:
männlich
Beruf:
Krieger zur See am Eissegler „Drachenodem“
Heimat:
Kjartan lebt in seiner Heimatstadt Mantron im hölzernen Langhaus seiner Familie. Das Haus steht im Wohnviertel Mantrons neben den anderen Häusern und Hütten der Familienverbände. Es ist auf der Außenseite mit gegerbten Tierhäuten überspannt, um zum einen das Holz zu schützen und zum anderen die Kälte draußen zu lassen.
Kjartan wohnt hier mit seinem Vater Baldor, seiner Mutter Elida und seinen fünf jüngeren Geschwistern. Dies sind seine Schwestern Alvilde (22 Jahre), Ragnild (18), Sigyn (17) und Liva (12 Jahre) bzw. sein Bruder Sigvard (17).
Das Haus seiner Familie kann durchaus als groß bezeichnet werden. Tritt man durch die Eingangstür, so befindet man sich im Gemeinschaftsraum mit seinem langen Tisch aus Eichenholz. Hier findet das eigentliche Leben innerhalb des Hauses statt. Es werden Familienangelegenheiten besprochen und auch die Mahlzeiten werden hier gemeinsam eingenommen. Besucher werden ebenfalls im Gemeinschaftsraum bewirtet. In einer Ecke des Raumes befindet sich auch die Schlafstelle der beiden abgerichteten Familienwölfe „Mondruf“ und „Sonnentänzer“. Die beiden Tiere – ungeachtet der Namen übrigens beides Weibchen – bekamen ihre Namen wegen ihrer Vorlieben für die jeweilige Tageszeit. Während Sonnentänzer es liebt, wenn sich für einige wenige Augenblicke die Sonne am Himmel zeigt, blüht Mondruf erst bei Dunkelheit vollends auf. Kjartan sieht die Tiere als Familienmitglieder, zumal sie auch schon beinahe so alt sind wie seine jüngste Schwester. Er fühlt eine enge Bindung zu den Wölfen, auch wenn er nur sehr selten Zeit mit ihnen verbringt. Der junge Mantroner ist einfach zu oft auf See, als dass er dann seine freie Zeit an Land ständig mit den Wölfen verbringen möchte.
An den Wänden des Langhauses hängen Trophäen von Kjartans Ahnen. Waffen und Schilde von bezwungenen Feinden, Felle von erschlagenen Eisbären und anderen Ungetümen.
Vom Gemeinschaftsraum aus kommt man zum einen ins Untergeschoss, das als Lagerraum und Rauchstube dient bzw. ins Obergeschoss mit den Schlafgemächern. Die Küche mit Ofen und Herd findet sich im Erdgeschoss.
Gesinnung:
neutral mit einem Hang zum Guten
Magie:
Kjartan hat bisher keinerlei Begabung für Magie gezeigt. Da sich auch in seiner Ahnenreihe niemand mit magischer Begabung findet, ist wohl auszuschließen, dass sich hier noch etwas ändert.
Sprache:
Der Krieger spricht lediglich seine Muttersprache Esera und natürlich Celcianisch. Obwohl er durchaus Interesse an anderen Sprachen hätte, hat es sich für ihn einfach nie ergeben, eine Fremdsprache zu erlernen.
Religion/Glaube:
Wie jeder Mantroner huldigt auch Kjartan nur einer einzigen Gottheit: Ventha, der Beherrscherin von Wasser und Wind. Schon von Kindesbeinen an wurde ihm eingebläut, die Wilde stets zu achten und zu ehren. Immer bevor der Eissegler, auf dem er Dienst tut, in See sticht, betet der Tapfere vor einer Schale Wasser für eine sichere Rückkehr in den Hafen Mantrons. Wenn er sich bereits auf See befindet, so vollführt er sein Ritual vor jeder Schicht.
Der Mantroner kennt die Launen Venthas und weiß, wie einfach sie sich ein Schiff nehmen kann, wenn sie es nur möchte. Mehr als einmal kam die Wilde ihnen zuvor und holte sich ein Schiff der Piraten oder Sklavenhändler, noch bevor die „Drachenodem“ eingreifen musste.
Die Opferschale, vor der er betet, hat er vor 10 Jahren von seinem Vater Baldor geschenkt bekommen, als der Mantroner zum Mann und als fixer Bestandteil der Seemänner Mantrons anerkannt wurde. Die Schale befindet sich seit Generationen in Familienbesitz und wurde stets vom Vater an den ältesten Sohn bei dessen Dienstantritt weitergegeben.
Die Schale ist aus blauem Vensith gefertigt und wurde der Legende nach seinem Ururgroßvater Thorgert Auerkraft von einem dessarischen Steinmetz als Dank für die Rettung seiner Waren eigens angefertigt.
Aussehen:
Kjartan lässt sich mit Fug und Recht als das Sinnbild eines Mantroners bezeichnen. Mit seinen etwas mehr als zwei Metern Größe und über 100 Kilogramm geht er als waschechter Tapferer durch. Seine breiten Schultern betonen seine muskulöse, stämmige Statur und zeugen von seinen Bärenkräften.
Kjartans dunkelbraune Augen werden von heller und von Wind und Wetter gegerbter Haut umrahmt. Er hat aschblondes, beinahe braunes Haar, das ihm etwas über die Schultern ragt und zumeist zu einem Zopf gebunden ist. An den Seiten führt je ein geflochtener Zopf von den Schläfen nach hinten und fließt dann in seinen Hauptzopf ein. Üblicherweise zieren sein Gesicht braune Bartstoppeln.
Würde der Tapfere nackt vor einem stehen, würde man die Narben und Male bisheriger Kämpfe erkennen. Sein rechter Oberarm weist eine vertikale, zehn Zentimeter lange Narbe von einem Piratensäbel auf. Unterhalb seiner linken Schulter hat er eine rundliche Vernarbung eines Pfeiles, der über Kjartans Schulterblatt den Weg ins Fleisch gefunden hatte und vorne wieder die Haut durchschlagen hatte. Außerdem hat er eine Narbe von einem Dolcheinstich auf der rechten Seite seines Bauches.
Kjartan trägt – wie alle Mantroner – zweckmäßige Kleidung: Über seiner langärmligen, braunen Wolltunika trägt er ein schwarzes Wams aus Eisbärenleder. Es war der erste Eisbär, bei dessen Jagd er aktiv beteiligt war. Der Pelz des Tieres dient dem Wams als Innenfutter und soll den Krieger warmhalten. Das Wams ist beschlagen mit Eisenplättchen, um zusätzlichen Schutz vor Schwert- und Axthieben zu bieten. Kjartans Arme werden außerdem von braunen Lederarmschienen geschützt. Seine braune Hose ist aus Robbenleder gefertigt – wie es unter den Kriegern zur See sehr beliebt ist – und wird von einem schwarzen Ledergürtel mit einer aus Wolfsknochen geschnitzten Schnalle gehalten. In den Gürtel ist außerdem ein Trinkschlauch und eine etwa 20 mal 20 Zentimter große Ledertasche mit Gürtelschlaufen gehängt, in der Kjartan Ausrüstungsgegenstände aufbewahrt. Über der Hose trägt er Beinlinge aus Pelz- und Felllappen, die mit Lederriemen zusammengehalten werden. Außerdem trägt Kjartan mit Fell gefütterte, braune Lederstiefel. Über dem Wams trägt Kjartan häufig einen Lederriemen mit Schulterklappen aus Eisen, die im Kontrast zum schwarzen Wams stehen. Die Schulterklappen hat er – wie auch seine Opferschale – von seinem Vater zur Mannswerdung erhalten. Über alledem trägt Kjartan zumeist einen Überwurf aus Wolfsfell, der wie Kjartans Gürtelschnalle aus Wolfsknochen geschnitzt ist und einen Hammer darstellt.
Des Weiteren ist Kjartan im Besitz des Hornhelmes seines Vaters Baldor. Es handelt sich hierbei um den klassischen Helm eines Mantroners mit Wangenklappen und Nasenberge, wie er seit Generationen besteht. Mit dem Unterschied, dass hier die Hörner eines Auerochsen an den Seiten eingearbeitet wurden.
Zu seiner Rechten trägt Kjartan in einer Axthalterung, die an seinem Gürtel befestigt ist, seine einhändig zu führende Breitaxt. Diese hat ein einschneidiges, gebogenes Klingenblatt, das sich zum Schaft hin verjüngt, so dass es auch als Schildhaken fungieren kann. So kann Kjartan den Schild seines Gegners festhalten oder auch wegreißen. Das Blatt ist mit einem Auge am Schaft befestigt und durch eine Niete zusätzlich fixiert. Der Schaft aus Eichenholz verläuft gerade, ist aber am unteren Ende zur Klinge hin verbreitert, was die Handhabung verbessert.
Zu seiner Linken steckt ein Eisendolch in einer Lederscheide mit Mund- und Ortblech aus Eisen. Der Dolch verfügt über eine zweischneide Klinge mit langer Hohlkehle und einem schlichten, eisernen Handschutz. Der geschwellte Griff ist aus dunklem Hartholz gefertigt, an dessen Ende ein keilförmiger Knauf sitzt. Es ist jedoch anzumerken, dass Kjartan nicht mit dem Dolch kämpft. Dieser dient ihm lediglich zum Häuten von Tieren oder anderen Schneidetätigkeiten.
Auf seinem Rücken trägt der Mantroner an einem Riemen seinen Hartholzschild. Der bläulich gefärbte Schild hat einen Durchmesser von 70 Zentimetern und ist etwa zwei Zentimeter dick. Der mit Eisen verstärkte Schild ist zusätzlich gebeizt, und mit einem stählernen Buckler versehen. Am Buckler prangt der brüllende Eisbär Mantrons. Die Umrandung des Schildes ist ebenfalls mit Stahl versehen um die Kanten besser zu schützen. Die Rückseite ist mit Filz überzogen und bietet sowohl Griff, als auch Armschlaufe, was die Führung des Schildes sowohl mit dem linken, als auch dem rechten Arm erlaubt.
Ebenfalls am Rücken trägt er in einem ledernen Speerhalfter seinen Speer, dessen Schaft aus Eschenholz gefertigt ist. Am oberen Ende des Schaftes thront eine 9 Zentimeter lange, leicht konische Spitze aus Stahl.
Persönlichkeit:
Kjartan ist nicht nur äußerlich ein Mantroner mit Leib und Seele, auch seine Persönlichkeit spiegelt die Vorurteile der anderen Völker über die Tapferen wieder. Kjartan ist ein rauer Spießgeselle und etwa so feinfühlig wie eine Eisbestie. Er ist kein Mann großer Worte, dafür mit Sicherheit ein Mann der Tat. Seine derben Späße sorgen unter seinen Freunden stets für viel Gelächter und überhaupt liebt er es, Zeit mit anderen Mantronern (und Mantronerinnen) zu verbringen. Man kann Kjartan durchaus als geselligen Menschen bezeichnen, der – sofern unter Mantronern – keine Probleme mit dem Knüpfen von Kontakten hat. Nur eben für Nicht-Mantroner muss seine Art derb, ja geradezu barbarisch wirken.
Der Tapfere ist so extrovertiert, wie ein Mantroner es eben sein kann. Er liebt Geschichten und Legenden über vergangene Tage. Beispielsweise wie seine Familie zu ihrem Wappentier, dem Auerochsen, kam. Bereits als Kind hatte Kjartan davon geträumt, einst wie sein Ururgroßvater Thorgert durch bloße Kraft einen Ochsen zu besiegen. Auch wenn Kjartan stets bewusst war, im Hier und Jetzt zu leben und die Bedeutung dessen nie zu vergessen, so war es doch die Vergangenheit seines Volkes, die ihn am meisten faszinierte.
Der junge Mann lässt sich auf jeden Fall als hilfsbereit bezeichnen. Er steht ohne zu Zögern für seine Familie, Freunde und Waffenbrüder ein.
Er ist kein Freund von Diplomatie, Ränkeschmiede oder leerem Geschwafel, sondern ein von Grund auf ehrlicher und direkter Mann. Sofern er mit der Verhaltensweise seines Gegenübers nicht konform geht, pflegt er dies auch kund zu tun.
Den schier unendlichen Mut der Mantroner besitzt Kjartan ebenfalls. Er würde nicht zweimal darüber nachdenken, sich unbewaffnet einer Eisbestie zu stellen, wenn er damit einer ihm lieben Person helfen könnte. Diese Tatsache birgt aber auch einiges an Risiko und so kam es in der Vergangenheit bereits des Öfteren vor, dass sich Kjartan – teilweise völlig unnötig – in Gefahr begeben hat.
Ein weiterer unvorteilhafter Charakterzug ist seine Heißblütigkeit. Er reagiert zuweilen aufbrausend, was in schlimmen Fällen so weit geht, dass er alles um sich herum vergisst und in einen regelrechten Blutrausch verfällt.
Trotz seiner Verbundenheit zu seiner Familie und Freunden, braucht Kjartan doch auch des Öfteren Zeit für sich selbst. Er liebt die Freiheit und Unabhängigkeit. Aus diesem Grund verabscheut er Piraten, Sklavenjäger und andere mögliche Usurpatoren, die ihm über den Weg laufen könnten, umso mehr.
Stärken:
Kjartan würde als seine größte Stärke mit Sicherheit den Umgang mit der Breitaxt und seinem Schild nennen. Seit seiner frühen Kindheit an wurde er im Umgang mit Axt und Schild geschult, was ihm nun im Kampf gegen skrupellose Piraten und andere Feinde zugutekommt.
Außerdem erlernte er – wie beinahe jeder Mantroner – den Umgang mit dem Speer. Besonders die Krieger zur See haben eine Affinität für diese Waffe, da sie sich damit oftmals frisches Fleisch jagen, wenn sie auf längeren Patrouillenfahrten sind.
Durch die lange Zeit und den vielen Kämpfen auf See ist Kjartan außerdem mit der Seefahrt vertraut. Er kennt etliche Strategien und Taktiken, um Feinde zu jagen und zu versenken, sie zu umschiffen oder anderweitige Seemanöver durchzuführen. Damit verbunden ist auch seine Kenntnis über das Wetter und etwaige rapide Wetterumschläge.
Aufgrund seines harten Trainings ist Kjartan unglaublich kräftig geworden. Dies bietet ihm einen Vorteil sowohl in Handgemengen, als auch wenn es darum geht, schwere Lasten zu tragen. Eine weitere Stärke ist die Gabe seines Volkes, äußerst widerstandsfähig gegen die extreme Kälte zu sein.
Umgang mit Axt und Schild: sehr gut
Umgang mit Speer: durchschnittlich
Seefahrt: durchschnittlich
Handgemenge: rudimentär
Schwächen:
Kjartans Schwächen beziehen sich zu einem Großteil auf seinen Charakter und sein heißes Blut. Da er so etwas wie Feinfühligkeit absolut nicht besitzt, fällt es ihm zuweilen sogar unter Mantronern schwer, nicht durch Herzlosigkeit aufzufallen.
Außerdem neigt er in Nahkampfsituationen dazu, in eine Art Blutrausch zu verfallen. Er vergisst dann alles um sich herum, was ihn bereits des Öfteren in Gefahr gebracht hat, beispielsweise als er alleine die Kampflinie durchbrochen und sich mit einem Mal umzingelt von wütenden Piraten gesehen hatte. Der einzige vorteilhafte Aspekt für Kjartan daran ist, dass er seine Torheit selbst nicht mitbekommt.
Aber auch wenn er nicht in einen Blutrausch gerät, so kann es auch ganz einfach sein Übermut sein, der Kjartan stets in Gefahr bringt. Es ist nicht so, dass er sich selbst überschätzen würde; Kjartan weiß genau was er kann. Allerdings neigt er dazu, brenzlige Situationen und Feinde zu unterschätzen.
Kjartan besitzt aber noch eine weitere grundlegende Schwäche: er ist handwerklich unglaublich unbegabt. Niemals könnte er Fallen bauen wie die mantronischen Eisjäger. Seine Finger sind zu groß und breit, um akkurate Arbeiten zu verrichten und er besitzt auch ganz einfach die Geduld dafür nicht. Kjartans Profession sind die Schlacht und die Seefahrt, nicht das Handwerken.
Lebensgeschichte:
Kjartan wurde als erstes Kind seiner Eltern Baldor Eisbrecher und Elida Starkseil in Mantron geboren. Sein Vater Baldor war wie dessen Vater, und dessen Vater und dessen Vater Thorgert Auerkraft ein Krieger zur See. Baldor hatte sich durch seinen unerschütterlichen Mut und der Tatsache, dass er einem Waffenbruder, der im Packeis eingebrochen war, unter Einsatz seines eigenen Lebens, dessen Leben gerettet hatte, einen Namen unter den Mantronern gemacht. Doch auch die Ahnen Baldors waren stets angesehene Leute unter den Tapferen, waren sie doch Nachfahren des berühmten Thorgert Auerkraft. Mit bloßen Händen hatte er einen ausgewachsenen Auerochsen zu Boden gerungen, besagt die Legende. Es heißt, der Mann hätte selbst das Kreuz eines Ochsen und die Kraft eines Bären gehabt. Er konnte mit einem einzigen Axthieb Bäume wie Gegner gleichermaßen fällen. Ein wahrer Mantroner.
Kjartans Mutter Elida stammt aus einer berühmten Handwerkerfamilie, die sich wie kaum eine andere darin verstand, Taue und Seile zu drehen. Sie selbst stand ihren Ahnen in der Kunst, starke Taue herzustellen, um nichts nach, woraus der Beiname Starkseil resultierte. Wie wenig Kjartan doch nur von ihr hatte.
Seine Kindheit unterschied sich kaum von der Kindheit anderer Mantroner. Bereits mit fünf Jahren erlernte er spielerisch den Umgang mit Holzbeilen. Anfangs waren sie ihm noch zu schwer, doch schon bald war er stark genug, die Waffen aus gehärtetem Holz zu führen. Zu seinem siebenten Wiegenfest erhielt er dann von seinem Vater sein erstes richtiges Beil und stolz präsentierte er es seinen Angehörigen, Freunden und Nachbarn. Seit diesem Moment verging kein einziger Tag, an dem er nicht den Umgang mit der Axt übte. Meistens trainierte er seine Fähigkeiten mit seinem Vater, der ihm ein guter Lehrer war. Es dauerte aber auch nicht lang, bis er mit seinen Alterskollegen übte. Und wenn sonst niemand Zeit für ihn hatte, so übte er eben alleine verschiedene Schlagabfolgen oder trainierte seinen Körper, um noch kräftiger zu werden. Und selbst wenn er die Möglichkeit erhielt, mit in den Wald zum Holzarbeiten zu gehen, nutzte er sie. Hauptsache er konnte sich körperlich betätigen. Wenn er dabei noch ein Beil oder eine Axt in der Hand hielt, umso besser!
Die Eltern des jungen Mantroners schenkten ihm auch vier jüngere Geschwister: nur etwa zwei Jahre jünger ist seine Schwester Alvilde, ein Ebenbild seiner Mutter und unglaublich begabt im Seildrehen. Kjartan war das stets zu langweilig und eine Arbeit für Mädchen, spottete er seine Schwester. Dann, vier Jahre Später, es war noch bevor Kjartan sein erstes richtiges Beil bekam, kam seine Schwester Ragnild zur Welt. Auch sie stellte sich bald als äußerst begabt bei der „Mädchenarbeit“ heraus, auch wenn sie nicht ganz so mantronisch wie Alvilde und Kjartans Mutter Elida aussah. Sie war vom Körperbau her kräftiger und hätte es bestimmt auch zu einer guten Kriegerin geschafft, hatte sich Kjartan stets überlegt. Nur ein Jahr später kamen die Zwillinge. Sigyn und Sigvard. Beide kamen, wie Kjartan, mehr nach dem Vater. Der Tapfere beschloss am Tage ihrer Geburt, dass er von nun an Sigvards Beschützer sein müsse. Immerhin besaß er zu dem Zeitpunkt bereits ein richtiges Beil und Sigvard war doch sein einziger Bruder. Bis zum heutigen Tage verspürt er eine sehr enge Bindung zu ihm. Eine viel engere Bindung als zu seinen Schwestern. Möglicherweise liegt dies an seinem Beschluss, der nun 17 Jahre zurückliegt, möglicherweise auch einfach daran, dass Sigvard stets wie er selbst dem Kampfe näher stand als dem Handwerk oder anderen Spielereien.
Und dann, fünf Jahre später, niemand hatte mehr damit gerechnet, kam die jüngste der Familie zur Welt: Liva Zweileben. Sie hatte sich nicht gerührt, hatte keinen Mucks von sich gegeben, als sie zur Welt kam. Nicht einmal geatmet hatte sie. Die Hebamme kam aus dem Schlafgemach der Mutter und verkündete die traurige Nachricht, als plötzlich ein Schrei die drückende Stille, die über dem Hause Baldors schwebte, zerriss. Kjartan und seine Familie weiß bis heute nicht, wie dies möglich war, aber Liva lebte. Und sie war bei bester Gesundheit. Die Götter hatten ihr wohl ein zweites Leben geschenkt, erklärte Kjartans Vater. Und so kam Liva zu ihrem Beinamen, eine Ehre, die Kjartan bisher verwehrt blieb.
Ein Jahr nach Livas Geburt, Kjartan war dreizehn, durfte er das erste Mal richtig mit auf Eisbärenjagd gehen. Er war zuvor schon öfters mit den Männern der Stadt in den Wald zur Jagd gegangen, hatte sich auch gut angestellt. Doch nie zuvor war er mit seinem Vater und einigen anderen an die Küste gegangen, um Eisbären zu jagen. Stundenlang war er zuvor nochmals den Umgang mit dem Speer durchgegangen. Immer und immer wieder hatte er das Werfen geübt. Legte er all seine Kraft hinein, litt die Genauigkeit darunter, weniger Kraft bedeutete allerdings, dass er den Bären womöglich nur „kitzeln“ würde, wie sein Vater es nannte. Als es dann soweit war, und Baldor ihm sagte, dass es nun losging, fühlte sich Kjartan seltsamerweise nicht wirklich bereit. Die Vorfreude auf den Tag war so überwältigend gewesen, doch nun kam Zweifel in ihm auf. Was, wenn er versagen würde? Was, wenn er zu schwach werfen würde? Oder einfach gar nicht träfe? Wenn er einen Fehler in der Bewegung machte und plötzlich vor dem Bären stünde? Hätte er genug Zeit, seine Axt zu ziehen?
Kjartan, Baldor und vier weitere Männer marschierten, mit Speeren und Äxten bewaffnet und drei Schlitten hinter sich herziehend, an einen Küstenabschnitt, abgelegen von den Häfen Mantrons. Hier würde es Eisbären in Hülle und Fülle geben, erklärte ihm sein Vater. Sie kämen nur selten näher an Mantron und die Häfen heran, da sie die Tapferen fürchteten. Dies brannte sich in seinen Verstand: Nicht die Tapferen fürchteten die Eisbären, die Eisbären fürchteten die Tapferen. Kjartan wurde in diesem Augenblick bewusst, dass nicht der Eisbär hier der Jäger, der unbarmherzige Schrecken war. Kjartan selbst war es. ER war das Raubtier, das von allen gefürchtet wurde. ER war es, der seine Beute schaudern ließ. Die Angst war verflogen und nun freute sich der Junge wieder auf die bevorstehende Jagd.
Es dauerte auch nicht lange, bis sie einen ersten Eisbären zu Gesicht bekamen. Er labte sich gerade am Fleisch einer Robbe oder eines Seelöwen. Worum es sich genau handelte, ließ sich aus der Ferne nicht erkennen. Kurz ging sein Vater noch einmal die Taktik durch, während sich die Männer hinter einer Schneedüne verbargen. Zwei der anderen Krieger, Halbard und Olov, würden links und rechts den Bären umgehen und dann den Bären zurück in die Hände von Kjartan und den anderen treiben. Kjartan, sein Vater Baldor und die beiden anderen Mantroner würden das Tier stellen und ihm den Rückzugsweg blockieren, während Halbard und Olov wieder zu ihnen aufschließen würden. So weit so gut. Der Mantroner war bereit. Er war mehr als bereit und die ganze Angelegenheit schien sich endlos in die Länge zu ziehen. Er hatte den Eindruck, als würde er Stunden hier im Eis verharren, während sich die beiden anderen langsam, vorsichtig und vor allem mucksmäuschenstill ihren Weg zum Bären bahnten. Er verstand zwar, dass der Bär sie nicht hören dürfte, da er ansonsten ganz einfach in die andere Richtung geflüchtet wäre. Dennoch ärgerte es den jungen Mantroner. Er wollte endlich losschlagen.
Und dann war es plötzlich so weit. Mit einem Mal sprangen Halbard halb rechts hinter dem Bären und Olov halb links davon auf und schlugen immer wieder mit ihrer Axt gegen den Schild. Als wüsste der Bär, dass er sich nicht mit den Mantronern anlegen sollte, marschierte er mehr als dass er lief, genau in die Richtung von Kjartan und seinen Gefährten. „Es funktioniert“, kommentierte sein Vater kurz und der Junge umpackte seinen Speer fest mit der rechten Hand. Wieder schien es Kjartan, als würden Stunden vergehen. Immer wieder lugte sein Vater zum nichts ahnenden Bären. „Auf mein Zeichen“, flüsterte er. Nur wenige Sekunden später sprang er hoch, holte aus und schleuderte dem Bären, der nur noch wenige Meter von ihnen entfernt war, seinen Speer entgegen. Sofort schnellten auch die beiden anderen Männer und, mit etwas Verspätung, Kjartan hoch. Zwei Speere steckten bereits im Fleisch des Bären, einer der Männer hatte ihn verfehlt. Hinter dem Bären kamen nun Olov und Halbard brüllend angerannt. Auch sein Vater und die anderen Männer schrien und zückten ihre Äxte. Sogar der Bier schrie unter Schmerzen auf und war drauf und dran, auf die Männer zuzulaufen. Kjartan hatte nur diese eine Chance auf einen Wurf. Er streckte seinen rechten Arm weit nach hinten. Es war für ihn, als verginge die Zeit von nun an langsamer. Er machte einen kleinen Schritt mit dem linken Fuß nach vor, dicht gefolgt vom rechten und dann nochmals der linke. Sein Wurfarm schnellte nach vor. Der Speer verließ seine Hand und vor Erschöpfung schrie nun auch Kjartan laut auf. Der Bär hatte mittlerweile einiges an Geschwindigkeit aufgenommen und das Tier und die Männer stürmten auf einander zu, als Kjartans Speer an den Mantronern vorbeiflog – geradewegs auf den Eisbären zu. Keiner von ihnen zuckte oder drehte sich um. Sie vertrauten Kjartan. Sie waren sich sicher, dass er wusste, was er tat. Der Junge hatte sehr viel Kraft in den Wurf investiert, so fiel dieser etwas zu tief aus, um den Bären im Gesicht zu erwischen. Stattdessen fuhr der Speer in das linke Vorderbein des Tieres ein und zertrümmerte ihm die Knochen. Der Bär stolperte und fiel der Länge nach vor den Mantronern in den Schnee. Noch ehe das Tier begriff, was geschehen war, und noch bevor Kjartan seine Axt ziehen konnte, waren schon seine Gefährten über dem Bären und töteten ihn mit ihren Äxten. Der Junge schnaufte und schien in einer anderen Welt zu sein. Das lautstarke Jubeln der Männer nahm der Junge nur unterbewusst war. In seinem Kopf rauschte es, als hätte er einen Schlag bekommen. Jedes Gefühl war aus seinen Gliedern gewichen. All die Anspannung war von ihm abgefallen.
Erst als sein Vater ihn fest umarmte, kam Kjartan wieder zu sich. Nie zuvor hatte Baldor ihn umarmt. Er war kein Mann großer Gefühle. Aber an diesem Tag, muss er unglaublich stolz auf ihn gewesen sein. Die Männer jagten und erlegten noch zwei weitere Eisbären und kehrten dann mit beladenen Schlitten nach Mantron zurück. Die Tiere wurden gehäutet und ausgeweidet und jeder der Männer erhielt seinen Anteil. Der Großteil wurde jedoch in die Lagerhalle gebracht, um der ganzen Stadt zu dienen. Baldor hatte an diesem Tag lediglich auf die Haut von „Kjartans“ Eisbären bestanden.
„Daraus werden wir dir einen Wams machen lassen, wie ihn nur die stolzesten Mantroner tragen“, versprach ihm sein Vater damals. Und er behielt sein Wort und schenkte seinem Sohn wenig später ein schwarzes Wams aus dem Leder des Eisbären. „Du wirst noch hineinwachsen“, lachte sein Vater, als der Junge es anprobierte und enttäuscht feststellte, dass ihm das Wams viel zu groß war.
Nur ein knappes Jahr später war es dann so weit: Kjartan war endlich alt genug, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Kurz nach seinem vierzehnten Wiegenfest wurde der Tapfere in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen und trat seinen Dienst auf dem Eissegler „Drachenodem“ an. Es war für ihn immer klar gewesen, dass er wie seine Vorfahren als Krieger auf eines der berüchtigten Schiffe gehen würde. Für einen Handwerksberuf war er zu ungeduldig und zu unbegabt. Ein Leben als Wolfsausbilder hätte ihm womöglich zugesagt, wäre ihm aber wohl zu langweilig geworden. Vermutlich wäre er ein guter Eisjäger geworden, dennoch war ihm stets bewusst, dass er ein geborener Krieger zur See war.
Am Abend vor Dienstantritt saß Kjartan – wie es der Brauch wollte – mit seiner Familie im Langhaus und erhielt die Gaben und Geschenke zur Mannswerdung. Voller Stolz und gerüstet, als würde er in die Schlacht ziehen, trat Baldor vor seinen Sohn:
„Wie es die Tradition vorsieht, überreiche ich dir 3 Gaben: Eine davon aus längst vergangener Zeit, eine davon von mir, deinem Vater. Und eine dritte, neue Gabe. Die Gaben repräsentieren die Geschichte unserer Familie: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Die erste Gabe, ist die Opferschale deines Ururgroßvaters Thorgert Auerkraft.“ Seine Mutter überreichte ihrem Gemahl die blaue Opferschale mit Tränen in den Augen. „Sie wurde stets vom Vater an den ältesten Sohn weitergegeben, wenn die Zeit reif war. Die Schale hat mir ebenso gute Dienste geleistet wie meinem Vater und dessen Vater“, sprach Baldor und gab sie an Kjartan weiter.
„Die Gegenwart wird durch die zweite Gabe repräsentiert und stammt von mir“, erzählte der Mantroner weiter und nahm seinen Helm ab. „Mein Vater hat den Hornhelm für mich anfertigen lassen, als ich so alt war wie du. Er hat mir in so mancher Schlacht sehr gut gedient. Du bist einer aus der Sippe Thorgert Auerkrafts, deine Feinde sollen das nie vergessen.“ Baldor drückte Kjartan den Helm mit den an den Seiten eingearbeiteten Auerochsenhörnern in die Hand und fuhr fort: „Und die dritte Gabe, steht für die Zukunft. Für dich.“ Elida Starkseil stand auf und marschierte in ein Nebenzimmer und kam nach einigen Momenten mit leicht angestrengtem Gesicht wieder zurück. „Ich habe sie eigens für dich anfertigen lassen, Kjarti“, erklärte Baldor mit einem Lächeln im Gesicht. „Der Lederriemen lässt sich verstellen, so dass du die Schulterklappen auch noch verwenden kannst, wenn du noch etwas breiter geworden bist. Die Klappen sind aus gehärtetem Eisen und auf der Innenseite mit Pelz gefüttert. Der Schmied meinte, sie würden sogar einen Bärenschlag ohne Probleme abfangen.“ Baldor nahm seiner Gemahlin die Schulterklappen ab und legte sie Kjartan um. Prüfend klopfte er seinem Sohn auf die Schulter und lächelte. „Nun bist du ein Tapferer. Stehe deinen Schildbrüdern mutig bei und kämpfe für deine Heimat.“
Die Jahre flogen nur so dahin und mit der Zeit musste Kjartan den Lederriemen seiner Schulterklappen immer breiter stellen. Auch in seinen Bärenlederwams passte er nach einigen Jahren und er trug ihn stets mit Stolz und in Andacht an seine erste Jagd. Der Krieger diente stets tapfer und mutig auf seinem Drachenschiff und tat sich besonders in den Schlachten und Geplänkeln mit Piraten, Sklavenhändlern und anderen Bedrohungen hervor. Auch wenn er im Laufe der Jahre die eine oder andere Verletzung hinnehmen musste, so bereute er doch niemals, ein Krieger zur See geworden zu sein. Das war es, wo er hingehörte. Das war es, was er konnte. Er brauchte keine Reisen in exotische Länder. Er braucht keine anderen Kulturen und Sprachen kennen- und verstehen lernen. Er war ein Mantroner, ein Tapferer. Seine Heimat war die Insel und das umliegende Eismeer. Und diese zu schützen war seine Berufung. Selbst, wenn es sein Leben kosten würde. Und mit etwas Glück würde er schon bald einen Beinamen erhalten. Der Krieger freute sich schon seit seiner Kindheit auf den Tag, an dem aus ihm Kjartan Drachentod oder Kjartan Orkspalter werden würde. Es war nicht außergewöhnlich, dass ein Mann im Alter von 24 Jahren noch keinen Beinamen besaß. Einige Mantroner bekamen die Namen erst im hohen Alter, also mit 40 oder 45 Jahren. Andere, wie seine Schwester, schon bei der Geburt. Dem Tapferen bliebe hier also noch einige Zeit, dennoch konnte Kjartan es schon beinahe nicht mehr erwarten, einen solchen zu bekommen.
Eines Tages würde er eine Frau auf der Insel finden, mit ihr Kinder in die Welt setzen und sich einen Beinamen verdienen. Seinen Kindern würde er dieselben Werte lehren und dann, bei deren Mannswerdung würde er seinen Söhnen 3 edle Gaben überreichen. DAS war seine Welt. DAS war seine Geschichte.
Inventar:
- Breitaxt
- mantronischer Schild
- Speer
- Dolch
- blaue Opferschale aus Vensith
- Ledertasche
- Dose mit Robbenfett
- Trinkschlauch
- 1 Wetzstein
-
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