| Xhiras Steckbrief |
Name
Xhira
Rasse
Oblinox
Alter
13 Jahre
Geschlecht
weiblich
Beruf
Schlangenzüchterin und Jägerin
Heimat
Südliches Celcia – vulkanische Ebene (Stamm Karx)
Xhira lebte dort bis vor kurzen mit ihrer Familie in einer Lehmhütte.
Heute irrt sie ohne festes Ziel in der vulkanischen Ebene umher.
Gesinnung
Neutral mit Hang zum Bösen
Magie
Zitat Xhira: „Bleib mir bloß fern damit!“
Sprache
celcianisch
Religion/Glaube
Xhira glaubt ebenso wie alle ihres Volkes an den Urgeist, welcher seinen Anhängern auch im Krieg beisteht.
Aussehen
Zwar gehört Xhira zu einer humanoiden Art, ist jedoch auf den ersten, oberflächlichen Blick nicht mit Humanoiden zu vergleichen. Sie ist 2,11m groß und zudem recht schlank gebaut, da sie bloß 96 Kilogramm wiegt. Ihr Körper ist übersät mit dunkelroten Schuppen, die sich am meisten an den Schultern, den Gelenken und auf dem drachenartigen Kopf häufen. Ihre rot-orange Haut häuft sich demnach meist an den auch eher empfindlicheren Stellen am Körper, wie am Bauch oder den Innenseiten der Schenkel. Xhira sieht Ruax, dem Stammesoberhaupt von Karx ziemlich ähnlich, wenn man die Form des Kopfes betrachtet. Ihre kleinen Ohren, die lange Schnauze, die mit vielen spitzen Zähnen geziert ist und die extrem dunkelbraunen Augen zeichnen sie aus. Jedoch ist ihr gesamtes Erscheinungsbild sehr schmal und feminin, weshalb sie bei ihren männlichen Artgenossen durchaus als attraktiv angesehen wird. Demnach ist sie rein körperlich auch nicht für einen Kampf gegen andere Oblinox geeignet. Zwar besitzt sie diese typischen Merkmale der Oblinox, sprich die scharfen Krallen an den schuppigen Händen, die stacheligen Ausläufe an Ferse und Ellenbogen und die scharfen Zähne, aber körperlich ist sie nicht besonders muskulös gebaut. Sie repräsentiert quasi die Weibchen ihrer Art bestens und zeigt ein zur Abwechslung hübsches Beispiel ihrer Art.
Haarwuchs besitzt sie keinen, da ihre Art diesen komplett abgelegt hat. Zusätzliche Wärme würde ohnehin nicht besonders positiv in der Vulkanebene wirken.
Ihrer Art entsprechend trägt sie nicht allzu viel Kleidung. Lediglich zwei schwarze Stofffetzen bedecken ihren Busen und den Bereich rund um ihre Hüfte, um welche sich zusätzlich ein enger Gürtel aus Leder zurrt, an welchem sie ihren Dolch befestigt hat. Hierunter kann jedoch kein Dolch nach menschlichen Größenverhältnissen verstanden werden. Dass Xhira aufgrund ihrer Größe auch einen Dolch hat, den ein Mensch als Kleinschwert nutzen könnte, ist durchaus verständlich. Da die Oblinox wahre Waffenspezialisten sind, gibt es bei ihnen eben auch Waffen in sehr großen Formaten für Jedermann. Auch Schuhe und dergleichen muss sie nicht tragen, da ihre mit Krallen versehenen Füße mit einer dicken Schicht Hornhaut ausgestattet sind, die sich durch das ständige Barfußlaufen auf dem rauen und meist heißen Boden ihrer Heimat gebildet hat. Durch diese Hornhaut ist sie auch in der Lage, unbeschadet über spitze Steine zu gehen. Xhira besitzt einige Merkmale, die sie von anderen ihrer Art minimal unterscheiden. Da die Oblinox ein sehr strenges Leben führen, welches von Gewalt geprägt ist, wenn es darum geht, sich zu behaupten, hat Xhira die ein oder andere Strafe über sich ergehen lassen müssen. Einige circa 50 bis 60 Zentimeter langen Narben ziehen sich kreuz und quer über ihren Rücken, verblassen aber zunehmend. Durch die Narben hat sie damit ein paar dunkelrote Streifen auf ihrem Rücken. Auch die ein oder andere Schuppe ist dort dauerhaft eingerissen. Zwar lösen sich einige dieser Schuppen leicht ab, aber sie wehren sich derzeit noch vehement dagegen, abzufallen.
Xhira legt keinen Wert auf das, was man allgemein als Schönheit bezeichnet, trägt aber ein fein gearbeitetes Armband aus wenig hochwertigem Gold um ihrem rechten Handgelenk. Das Armband könnte für den uninteressierten Beobachter keine Bedeutung haben, jedoch ist Xhira das Fundstück, welches sie in Kindertagen an sich genommen hatte, sehr ans Herz gewachsen. Da eigentlich keine solch hübschen Dinge in eine karge Ebene wie die des Stammes Karx gelangt, schrieb sie diesem Gegenstand eine mystische Bedeutung zu und behielt ihn als Glücksbringer.
Persönlichkeit
Xhira ist zwar ein Paradebeispiel für die Weiblichkeit ihrer Rasse, aber keineswegs eine für ihren Charakter. Wenn jemand an die Oblinox denkt, hat er sofort einen kampfbereiten, kriegerischen und leider auch wenig intelligenten Vertreter ihrer Art im Kopf, der meistens dann auch noch männlich ist. Ohnehin werden die Männchen eher gesehen, als die Weibchen. Betrachtet man Xhira, so ist sie das ständige Krieg führen und den lästigen Aufbau der Lehmhütten leid. Sie hegt zwar auch oft bösartige Gedanken, die einen Konflikt dann eigentlich nur auf das gnadenlose Abschlachten des Gegenübens reduziert, ist aber auch eine der wenigen ihrer Art, die wirklich über etwas nachdenken. Oft versucht Xhira den Nutzen aus irgendetwas zu schlagen und schweigt einfach. Schweigen deswegen, weil sie um die Bestrafungen für ungefragtes Reden weiß. Frauen haben nichts dazu beizutragen, wenn Kriegspläne geschmiedet werden und das ist Xhira ein riesengroßer Dorn im Auge. Es macht ihr nichts aus, wenn man sie grob zur Seite drängt, ihr unfreundlich verpackte Ehrlichkeiten an den Kopf knallt oder sie zu einer ausdruckslosen Schlangenzüchterin degradiert. Aber wenn sie mitbekommt, wie die Männchen in ihrer überheblichen Art immer wieder die gleichen Fehler machen, die anscheinend nur sie zu sehen scheint, bricht das übermäßig vorhandene Temperament in ihr durch. Gerade die Kriegspläne sind in Xhiras Augen oftmals unüberlegt und schlichtweg dumm aufgebaut, sodass sie ihre Kritik darüber kundtun muss. Dass das eine Sache ist, die ihr jedes Mal wieder Schwierigkeiten bringt weiß sie, aber hier versteht sie einfach keine typische Rollenverteilung. Wahrscheinlich – und das redet sich die junge Frau gerne ein – ist sie einfach nur nicht so grob und dumm wie die anderen ihrer Art. Natürlich ist sie kein Genie und überlegt manchmal etwas zu lange, bis sie dann eine Lösung für ein Problem gefunden hat, aber sie denkt weitaus vielfältiger, als es andere ihrer Art tun. Jedoch besitzt sie kaum Empathie und ist demnach auch kaum für Gnade bereit, wenn sie irgendein Tier erlegen muss. So gesehen hat sich ihr Gewissen nicht in die typische Richtung entwickelt. Sie fragt sich im Nachhinein selten, ob eine Tat von ihr richtig war, sonder viel mehr fragt sie sich, warum die anderen sich so falsch verhalten. Sie kann zwar auch liebevoll sein, was eine selten gebrauchte Fähigkeit in ihrer Welt ist, aber sie bevorzugt es doch eher, ihren Stolz zu zeigen. Es gibt zwar nicht viel, worauf sie wirklich stolz sein kann, aber dennoch sind ihre weiblichen Fertigkeiten etwas, auf das sie beharrt. Dass sie besser jagen kann, als viele andere, das zeigt sie ganz offensichtlich und hat auch überhaupt keine Hemmungen, den anderen Jägerinnen zu zeigen, wie erbärmlich sie deren Jagdversuche doch eigentlich findet. Das beschränkt sich nicht nur auf einen abwertenden Gesichtsausdruck, sondern auch auf unfreundliche Gestiken. Unfreundlich sein kann sie ohnehin sehr gut. Wenn sie einmal entschieden hat, dass sie einer Diskussion nicht schweigend beiwohnen kann, dann achtet sie nicht darauf, sich höflich auszudrücken. Eine schlimme Nachricht höflich zu verpacken ändert auch nichts an ihrer Bedeutung. Xhira ist also auch sehr ehrlich und sagt das, was sie über jemanden denkt sehr schnell und zeigt es auch gerne. Misstraut sie jemandem – und das tut sie anfangs ohnehin jedem – dann behält sie einen großen Abstand bei um sich langsam an den Gegenüber heran zu tasten. Vielleicht hat sie auch einfach nur Angst vor einer Enttäuschung, wenn sie sich jemandem anvertraut und dann am Ende auch nichts weiter ist, als ein nebensächlicher Charakter im Leben eines anderen.
Was die junge Frau antreibt, ist etwa die Treue zu sich selbst. Sie strebt es nicht an, anderen zu helfen oder ihnen beizustehen, vielmehr möchte sie sich selbst am Ende des Tages sagen können "Ja, das hast du gut gemacht." Sie versucht alles so zu gestalten, dass sie von sich selbst eben jene Aufmerksamkeit bekommt, die sie von anderen nie erhalten hat. Würde nun plötzlich ein Wunder geschehen und jemand in ihr Leben treten, um rund um die Uhr für sie und niemand anderen da zu sein, könnte sich ihr Verhalten also grundlegend ändern. Solange sie aber die gewünschte Aufmerksamkeit und Liebe nur dadurch erhält, dass sie ihren eigenen Regeln und Grundsätzen folgt, dann macht sie das glücklich und gibt ihr das Gefühl, einen Sinn auf dieser Welt zu haben. Einen Sinn, den sie in stillen, einsamen Momenten aber zu gerne anzweifelt, weil sie die Realität überfällt und ihr ins Ohr flüstert, dass sie völlig allein ist. Vielleicht strebt sie es deswegen an, ihren eigenen Kopf durch zu setzen. Weil es eben kein anderer tut - für ihre Werte einstehen.
Man kann Xhira jedenfalls zugute halten, dass sie nicht ängstlich ist. Sie ist sehr selbstbewusst und weiß um ihre Fähigkeiten, sodass sie schnell in der Lage ist, irgendeine Situation einzuschätzen. Gerade bei der Jagd ist es für sie wichtig, zu wissen, ob es sich überhaupt lohnen würde, einer Beute zu folgen oder ob diese viel zu schnell für sie wäre. Schnell und wendig ist sie zwar auch, jedoch denkt sie sehr vorausschauend und wartet lieber einen Moment länger, als dann eine Pleite zu erleben. Man kann Xhira natürlich auch leicht gegen sich aufbringen, wenn man – wie bereits erwähnt – die natürliche Rollenverteilung ihrer Art betont. Xhira gegen sich aufzubringen bedeutet, im Schlaf erdrosselt zu werden. Die durch Rache sehr schnell zu motivierende junge Frau ist zwar niemand, der den direkten Kampf sucht, aber sie ist dazu bereit, sich auf hinterlistige Art an irgendwem zu rächen. Das macht sie sogar so gut, dass es am Ende doch keiner merkt. Xhira ist jemand, der öffentlich zwar mit Worten kämpfen kann, aber insgeheim dann eher auf einen Hinterhalt wartet. Auf eine Situation, in der ihr Feind hilflos, ungeschützt und im besten Fall auch Ahnungslos ist. In einem normalen Kampf hätte sie nun mal keine Chance gegen einen anderen Oblinox, weshalb sich die quirlige Dame gerne auf hinterhältigste Art und Weise von hinten anschleicht und dort eben jene Rache übt, welche sie sich in mühevoller, detaillierter Denkarbeit bereits imaginär ausgemalt hat. Nachdem einer der Männer sie vor versammelter Mannschaft als nichtiges Weibstück bezeichnet und sie zur betonten Erniedrigung auch noch freundlichst gegen einen Fels geschubst hatte, wurde seine Leiche am nächsten Tag in seiner Hütte aufgefunden. Da ein gewisser Egoismus auch nicht aus Xhiras Welt weg zu denken ist, der ihr immer den Gedanken lässt, dass ohnehin alle anderen etwas falsch machen, ist es nicht nötig zu erwähnen, dass sie ihn zu erst gedemütigt hatte. Einen Oblinox als Nachfahren der ehemaligen Magier der Oblinox zu bezeichnen ist nicht gerade eine freundliche Aussage.
Jedenfalls ist Xhira ihrem Charakter treu und lässt sich nur schwer durch andere Meinungen überzeugen. Sie geht gerne ihren eigenen Weg und versucht dabei erfinderisch zu bleiben. Da sie sich nur schwer an soziale Faktoren anpassen kann, fällt es ihr schon leichter, sich an ihre Umwelt anzupassen. Fegt nun plötzlich ein Sturm über die Ebenen ihrer Heimat, ist sie nicht diejenige, die sich noch freiwillig draußen aufhält. Alles in allem ist Xhira also jemand, den man sich schnell als Feind und schwer zum Freund machen kann.
Stärken
Xhira weiß um viele Funktionen verschiedener Waffen, kann jedoch nur mit einem Dolch umgehen.
Vielleicht ist noch zu erwähnen, dass sie ein besonderes Geschick bei der Jagd bewiesen hat. Sie ist durchaus geschickt und wendig und hat ebenfalls sehr gute Augen, sodass sie auch in weiter Entfernung scharf sehen und eventuelle Gefahren schnell erfassen kann.
Niemand ist perfekt und Xhira hat sicherlich mehr Fehler und Schwächen als Schuppen.
Zwar ist Xhira eine schnelle und wendige Frau, aber ihr Gehör ist keineswegs als gut zu bezeichnen. Manchmal glaubt sie sogar sie müsse angeschrien werden, um jemandem aufmerksam folgen zu können. Spricht jemand aus einer Entfernung von mehr als fünf Metern mit ihr, fragt sie mit einer 90 prozentigen Wahrscheinlichkeit noch einmal nach, was derjenige denn gerade gesagt hat.
Auch kann man ihr eine extreme Empfindlichkeit gegenüber Kälte zuschreiben. Bei Temperaturen unter 10 Grad ist sie nicht mehr glücklich. Ganz und gar nicht. Sie scheint dann schon fast in eine Kältestarre zu fallen und sich kaum noch zu bewegen.
Ebenfalls ist zu erwähnen, dass Xhira schreckliche Angst vor Magie hat. Das ist zwar durchaus normal bei den Oblinox, aber Xhira ist dieser Begabung gegenüber extrem skeptisch und kehrt dann dem Feind lieber den schutzlosen Rücken zu, als sich diesem zu stellen.
Lebensgeschichte
Ein gesamtes Leben in Worte fassen ist nicht leicht und schaut man sich ein mal Xhiras bisheriges Leben an, dann scheint es schier unmöglich. Zwar ist Xhira erst zarte 13 Jahre alt, was bei einem Menschen noch nicht ein mal das Ende der Jungend bedeuten würde, aber sie gehört eben nicht zu den einfachen Menschen. Als Oblinox vergeht das Leben schneller und somit hat Xhira in 13 Jahren auf der Welt schon mehr erlebt, als der ein oder andere Mensch zehn Jahre später.
Xhira wurde in einer lauen, friedlichen Nacht in der Hütte ihrer Eltern geboren. Sie war das zweite Kind ihrer Eltern und eigentlich überhaupt nicht gewollt. Da ihr Bruder noch nicht allzu alt war, lag es noch nicht im Interesse ihrer Eltern, sich um weiteren Nachwuchs zu kümmern. Wäre Xhira wohl ebenfalls ein Männchen gewesen, hätte man sie wohl noch in dieser Nacht einfach erstickt. Das wäre nicht einmal aus bösartigem Willen geschehen, sondern weil der Familienvater nicht in der Lage gewesen wäre, zwei Söhnen gleichzeitig das Kämpfen beizubringen. Das Schicksal meinte es wohl gut mit Xhira und so schenkte man ihr ein dennoch eher liebloses Leben. Während Xhiras Vater ausschließlich mit ihrem Bruder und dessen Perfektion im Bereich jeglicher Kampftechniken beschäftigt war, hatte auch ihre Mutter kaum Zeit, sich um ihre Tochter zu kümmern. Selbstverständlich war das auch Xhira bewusst gewesen, dass irgendetwas in ihrer Familie fehlte. Etwas, das man ihr nicht so viel entgegenbrachte, wie sie es sich doch im Herzen wünschte. Ein Baby möchte Liebe und Zuneigung erfahren, ob es nun ein Mensch oder ein Oblinox ist. Xhira etnwickelte also ein Urmisstrauen, welches sie daran hinderte, offen auf andere zu zugehen und sie dazu veranlagte misstrauisch zu sein, weil sie immer das Gefühl hatte, dass irgendetwas einen Haken hatte. Jedes freundliche Verhalten eines anderen wäre demnach an eine Bedingung geknüpft. „Ich erzähle dir noch eine Geschichte, wenn du bis heute Abend brav zu Hause bleibst.“ Ihre Mutter meinte es nie böse, aber es mangelte ihr einfach an ausreichend Mütterlichkeit. Schließlich waren es die Männchen, die sich um die Kinder kümmerten, kein Wunder, dass da ein Weibchen eher überfordert, als glücklich war. Aber Xhiras Vater hatte keine Zeit und somit kam sie schlichtweg immer zu kurz. Als Xhira dann etwa im Alter von einem Jahr krank wurde, kümmerte man sich nicht sonderlich darum. Sie hustete viel und schien die Luft um sich herum nicht vertragen zu können. Aber dieser Zustand hielt nicht lange an, wahrscheinlich hatte sich diese befürchtete Krankheit einfach nicht weiter bei ihr ausgebreitet. Sie ging weder als besonders stark, noch als verkümmert aus dieser Krankheitsphase hervor und wünschte sich nur zu sehr, dass ihre Kinder ein mal nicht darunter leiden müssten, knapp zwei Wochen das Gefühl von dauerhaftem Sterben zu haben. Etwa zwei Jahre nach ihrer Geburt brach ein neuer Krieg zwischen dem Stamm Karx und einem inzwischen ziemlich mächtig werdenden Nomadenstamm aus. Die Nomaden stahlen ständig die Lebensmittel und Baumaterialien der Karx, sodass irgendwann die völlige Vernichtung der ungewünschten Konkurrenz angeordnet worden war. Da Xhias Bruder bereist alt genug war, um wenigstens ein Schwert anständig halten zu können, wirkte auch er bei diesem Krieg mit. Xhira war zu dieser Zeit eher nutzlos und versuchte sich schon extrem früh daran, irgendwie ein gewisses Ansehen in ihrer Familie zu erreichen. Ihre Bemühungen wurden aber nicht gesehen und stattdessen wurde ihr Auftreten eher mit Kritik konfrontiert, als alles andere. Zwar hatte Xhira ihren Bruder immer irgendwie bewundert, weil er auch ein recht stattlicher Oblinox werden würde, aber insgeheim war so enorm eifersüchtig auf ihren älteren Bruder. Er bekam was sie wollte und er musste nicht mal darum betteln. Xhiras Trauer um die Situation in ihrer Familie war derart groß, dass sie sich aus dem Leben innerhalb der Familie zurück zog, da es ohnehin nur Kritik hagelte. Oft weinte sie sogar, wenn sie alleine war und bedauerte, dass man sie doch hatte leben lassen. Es war schwer für sie, ein junges Mädchen, das einfach nur Aufmerksamkeit und Liebe suchte, eben mit der herrschenden Situation zurecht zu kommen. Wie es Kinder nun mal taten, verglichen sie sich auch oft mit anderen Familien. Auch Xhira ließ davon nicht ab. Sie saß oft alleine in der Ecke, während die anderen Kinder in ihrem Alter spielten und dann in ihren Familien doch eher etwas von Liebe erfahren durften, als sie es durfte. Es dauerte sehr lange, bis Xhira lernte, dass sie damit leben musste, wie es eben war und dass sie auf niemanden angewiesen war.
Der Krieg dauerte nun schon zwei Jahre und der Feind hatte sich zunehmend zurückgezogen. Xhira half dabei, die Lehmhütten aufzubauen, ähnelte aber noch immer eher einem Kind und spielte mit der matschigen Masse eher rum, als sie an ihren eigentlichen Platz zu kleben. Im Alter von fünf Jahren hatte sich dann ihr Charakter so weit ausgebildet, dass sie die celcianische Sprache nicht nur dazu nutzte, um ihre Empfindungen zu äußern, sondern ganz gezielt kritisierte und sich erstmals unbeliebt machte. Für sie war diese Art der Äußerung der einzige Weg geworden, um auf sich aufmerksam zu machen. Dabei war es ihr auch egal geworden, ob es eine negative Aufmerksamkein war oder eben Kritik an ihr.
„Das ist nicht gerade.“, „Das sieht wirklich nicht nach wahrem Können aus.“ etwas derartiges zu sagen stand ihr nicht zu und sie wurde die ersten Male für unangebrachtes Verhalten bestraft. Bestrafungen sahen anfangs nicht so schlimm aus, vielleicht mal ein Klapps auf den Po oder ein Schlag auf die ausgebreiteten Hände, später aber waren ihre Strafen nicht mehr so angenehm. Als sie sich das erste mal bei einer Versammlung der Männchen einmischte und ungefragt gesprochen hatte, wurden ihr sofort fünf Peitschenhiebe auf den Rücken aufgedrückt. Das Problem daran war, dass der Schläger ein männlicher Oblinox war, der sowohl Xhira nicht leiden konnte und ihre Familie auch nicht. Zwischen diesem Kerl und Xhiras Vater hatte ständig ein Machtkampf geherrscht, der nun an Xhira weitergeführt werden sollte. Die Schmerzen waren jedes Mal aufs Neue unerträglich und brachten die junge Frau an die Grenzen ihrer Beherrschung. Denn die meist eher in sich gekehrte Oblinox wollte keine Schwäche zeigen. Sie vermied es deswegen so gut es eben ging, vor Schmerzen zu schreien und ihrem Peiniger damit eine gewisse Bestätigung zu geben, die er ihrer Meinung nach nicht verdiente. Sie wurde bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr sieben Mal zu Peitschenhieben als Strafe verdonnert und jedes Mal war es der gleiche verbitterte Kerl, der die Peitsche grinsend auf ihren Rücken jagte und nach Schreien suchte. Nach einigen Vergehen gegen die ungeschriebenen Gesetze der Oblinox lernte sie – wenn auch langsam - dazu und schwieg öfter als sie es wollte, erhielt aber weniger Schläge.
Es dauerte nicht lange, da wurde Xhira bei ihren männlichen Artgenossen nicht mehr als pubertierende Ziege angesehen, sondern zunehmend als hübsche junge Frau. Ein junger Bewerber um ihre Person hatte sich dann daran versucht, eben diese eine Dame für sich zu gewinnen. Da Oblinoxe nicht die besten Romantiker waren, sahen seine Annäherungsversuche durchaus etwas grob und taktlos aus. Die misstrauische Xhira aber hatte noch nicht gänzlich die Hoffnung verloren und ließ sich tatsächlich auf den hübschen Oblinox ein. Die ersten Wochen in seiner Gegenwart fühlte sie sich sehr geborgen und sogar ein Stück weit akzeptiert. Es schien so, als würde auch die gesamte Sippe, welche sie bisher doch eher ausgrenzte, Xhira nun eher wahrnehmen. Das ganze war jedoch irgendwann zu verwirrend für Xhira geworden, weil sie mit dem plötzlichen Umdenken der anderen nicht wirklich konform ging. Sie fragte sich, ob die Akzeptanz innerhalb der Gruppe wirklich davon abhängig sein sollte, ob man einen Mann an seiner Seite hatte oder eben nicht und begann an der inzwischen engeren Bindung zu Rixos zu zweifeln. Ihre Zweifel konnte sie dann auch nicht lange für sich behalten und hatte damit leider den Stolz eines männlichen Oblinox auf dem falschen Fuß erwischt. Obwohl Xhira bloß eine Antwort hören und eigentlich ihren bisher ersten und einzigen Verehrer nicht vergraulen wollte, tat sie es doch. Er sprach davon, dass sie immer die selbe bleiben würde und niemand jemals etwas mit ihr anfangen könnte. Xhira streubte sich davor, ihm zu glauben, weil sie ihre eigene Situation eigentlich noch nicht so schlimm eingeschätzt hatte. Sie sah sich noch nicht als ignorante, egoistische Einzelgängerin. Aber genau das war sie inzwischen geworden. Also entwickelte sie sich in den folgenden Jahren zu einer eher wenig an Artgenossen interessierten Persönlichkeit und konzentrierte sich darauf, einfach zu funktionieren, weil der einzige Versuch in ihrem Leben, sich zu öffnen an ihrer ehrlichen Art gescheitert war. Als sie alt genug war, lebte sie nicht mehr bei ihren Eltern, sondern machte sich daran, eine eigene Lehmhütte zu bauen. Das war zwar ein sehr untypisches Verhalten, weil eigentlich jede Familie sich gesammelt in einer Hütte aufhielt, jedoch interessierte es die künftige Einzelgängerin herzlich wenig, was die Gebräuche und Sitten ihrer Art anging. Sie hatte ihren eigenen sturen Kopf, dem sie nun mehr glaubte, als den Worten ihrer Artgenossen. Sie entwickelte sich also zu einem Einzelgänger, der hier und da etwas für die Gruppe tat, um nicht gänzlich isoliert zu sein. Wenn sie Erfolg bei der Jagd hatte, dann behielt sie stets nur einen kleinen Teil für sich ein und spendete den Rest der Gruppe. Am liebsten hätte sie alles für sich behalten, aber auch das wäre wieder mit einer weniger schönen Strafe behaftet gewesen. Xhira lebte nun schon seit Monaten allein und mied auch ihre Eltern zunehmend. Sie war ihnen nicht böse, dass sie eine so lieblose Kindheit hatte, aber sie hatte auch kein Bedürfnis, dass sie irgendwie dazu trieb, täglich mit ihnen zu reden. Auch mit ihrem Bruder hatte sie wenig zu tun, weil er viel damit beschäftigt war, Krieg zu führen. Er hatte sicherlich schon vergessen, dass es jemanden wie Xhira überhaupt gab. Die junge Frau wurde verbittert und verlor komplett das Vertrauen zu anderen. Sie vertraute nur noch sich selbst und dem, was sie tat. Wenn sie ein mal nicht jagte, dann kümmerte sich sich um ihre Schlangen, die früher oder später auch mal auf irgendeinem Teller landen würden. Aber dennoch war es eine Beschäftigung wert und irgendwie mochte sie ihre Arbeit, weil die Schlangen nicht redeten. Sie hörten sogar vielmehr zu, sodass Xhira tatsächlich ein mal daran dachte, eines der Tiere als Haustier zu halten. Diesen Gedanken verwarf sie dann aber wieder, als sie daran dachte, dass sie lieber ihr Haustier essen würde, wenn sie verhungern müsste, als ihren eigenen Fuß.
Alles was der inzwischen 13 jährigen Xhira irgendwie am Herzen lag, verlor an Bedeutung, als einer der von Ruax ausgesuchten Lagerplätze während eines Kriegszugs sich als extrem unklug erwies. Xhia durfte als eine der wenigen Frauen dem Kriegszug beiwohnen, um den Verwundeten erste Hilfe zu leisten und diese schnell wieder kampffähig zu machen. Sie selbst hielt diese Entscheidung gerade sie dafür einzuteilen für dumm, aber jeder musste ein mal sein Leben aufs Spiel setzen und im Krieg nützlich sein. Die Feinde würden zwar keine Rücksicht darauf nehmen, dass sie eine Frau war, aber dennoch war Xhia sich darüber bewusst, dass sie hier eine Aufgabe hatte und diese erfüllen musste. Bisher war der Vulkan an dem sie sich niedergelassen hatten sehr friedlich gewesen. Doch eines Nachts zeigte sich sehr unerwartet, dass der Vulkan bald schon ausbrechen würde. Xhira, die noch immer nicht den Glauben an die Vernunft von Ruax verloren hatte, suchte diesen auf und berichtete ihm davon, dass der Vulkan nicht länger ruhig bleiben würde. Doch entgegen ihrer Erwartungen nahm er sie kein bisschen ernst. Er lachte und sprach davon, dass ein Weibchen wie sie sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen sollte, sondern sich um die Verwundeten kümmern sollte. Xhira war empört, wagte es aber nicht, Ruax ihre Gedanken an den Kopf zu knallen, also verließ sie schweigend seine aus Gesteinsbrocken erbaute Hütte und verriet niemandem etwas von ihrer Beobachtung. Sie selbst wollte nicht sterben oder sich weiterhin als Dumm darstellen lassen, also verließ sie still und heimlich den Lagerplatz.
In diesem Moment konnte sie eigentlich überhaupt nicht objektiv denken. Sie war so von ihrer Wut auf Ruax getrieben, dass sie nicht an Konsequenzen dachte. Die Egoistin hoffte sogar irgendwie, dass dem überheblichen Pack eine Lehrer erteilt würde, die sie nicht vergessen würden. Letztendlich war es ihr aber egal, weil sie in diesem Moment nicht weiter als einen Schritt voraus dachte.
Noch in der selben Nacht, als Xhira bereits einige Kilometer hinter sich gebracht hatte, brach der Vulkan tatsächlich aus. Xhira weiß demnach überhaupt nicht, was aus den Kämpfern geworden ist und irrte nun ziellos und alleine umher. Sie verschwendete keine Gedanken daran, wieder zurück zu gehen, weil sie jeden Fehler bloß bei den anderen sah und sich selbst keinesfalls für irgendetwas rechtfertigen wollte. Also verdrängte sie einfach die gesamte Situation im Lager und schaute eher voraus, als zurück. Vielmehr war sie inzwischen neugierig. Sie war nun vollkommen alleine und hatte keine Verantwortung mehr. Sie wollte wissen, ob es eine Welt außerhalb der ihren gab und sie wollte wissen, wie diese aussehen würde. Denn gesehen hatte sie noch nie etwas anderes, als ihre bisherige Heimat. Einen Ort, von dem sie nichts mehr gewinnen konnte, der ihr nur noch psychische Stärke abverlangte, die sie irgendwann nicht mehr aufbringen könnte. Das wusste sie genau, denn irgendwann würde auch ihre Stärke brechen und sie würde sich dem System fügen, weil niemand auf ihrer Seite stand und mit ihr kämpfte. Sie legte also ihre Hoffnungen in etwas Fremdes, etwas Unerforschtes und wahrscheinlich etwas viel zu Gefährliches.
Inventar
keine
Einstiegspost
Ardéris, die Vulkaninsel > Die vulkanische Ebene > Das Umland
Xhira
Rasse
Oblinox
Alter
13 Jahre
Geschlecht
weiblich
Beruf
Schlangenzüchterin und Jägerin
Heimat
Südliches Celcia – vulkanische Ebene (Stamm Karx)
Xhira lebte dort bis vor kurzen mit ihrer Familie in einer Lehmhütte.
Heute irrt sie ohne festes Ziel in der vulkanischen Ebene umher.
Gesinnung
Neutral mit Hang zum Bösen
Magie
Zitat Xhira: „Bleib mir bloß fern damit!“
Sprache
celcianisch
Religion/Glaube
Xhira glaubt ebenso wie alle ihres Volkes an den Urgeist, welcher seinen Anhängern auch im Krieg beisteht.
Aussehen
Zwar gehört Xhira zu einer humanoiden Art, ist jedoch auf den ersten, oberflächlichen Blick nicht mit Humanoiden zu vergleichen. Sie ist 2,11m groß und zudem recht schlank gebaut, da sie bloß 96 Kilogramm wiegt. Ihr Körper ist übersät mit dunkelroten Schuppen, die sich am meisten an den Schultern, den Gelenken und auf dem drachenartigen Kopf häufen. Ihre rot-orange Haut häuft sich demnach meist an den auch eher empfindlicheren Stellen am Körper, wie am Bauch oder den Innenseiten der Schenkel. Xhira sieht Ruax, dem Stammesoberhaupt von Karx ziemlich ähnlich, wenn man die Form des Kopfes betrachtet. Ihre kleinen Ohren, die lange Schnauze, die mit vielen spitzen Zähnen geziert ist und die extrem dunkelbraunen Augen zeichnen sie aus. Jedoch ist ihr gesamtes Erscheinungsbild sehr schmal und feminin, weshalb sie bei ihren männlichen Artgenossen durchaus als attraktiv angesehen wird. Demnach ist sie rein körperlich auch nicht für einen Kampf gegen andere Oblinox geeignet. Zwar besitzt sie diese typischen Merkmale der Oblinox, sprich die scharfen Krallen an den schuppigen Händen, die stacheligen Ausläufe an Ferse und Ellenbogen und die scharfen Zähne, aber körperlich ist sie nicht besonders muskulös gebaut. Sie repräsentiert quasi die Weibchen ihrer Art bestens und zeigt ein zur Abwechslung hübsches Beispiel ihrer Art.
Haarwuchs besitzt sie keinen, da ihre Art diesen komplett abgelegt hat. Zusätzliche Wärme würde ohnehin nicht besonders positiv in der Vulkanebene wirken.
Ihrer Art entsprechend trägt sie nicht allzu viel Kleidung. Lediglich zwei schwarze Stofffetzen bedecken ihren Busen und den Bereich rund um ihre Hüfte, um welche sich zusätzlich ein enger Gürtel aus Leder zurrt, an welchem sie ihren Dolch befestigt hat. Hierunter kann jedoch kein Dolch nach menschlichen Größenverhältnissen verstanden werden. Dass Xhira aufgrund ihrer Größe auch einen Dolch hat, den ein Mensch als Kleinschwert nutzen könnte, ist durchaus verständlich. Da die Oblinox wahre Waffenspezialisten sind, gibt es bei ihnen eben auch Waffen in sehr großen Formaten für Jedermann. Auch Schuhe und dergleichen muss sie nicht tragen, da ihre mit Krallen versehenen Füße mit einer dicken Schicht Hornhaut ausgestattet sind, die sich durch das ständige Barfußlaufen auf dem rauen und meist heißen Boden ihrer Heimat gebildet hat. Durch diese Hornhaut ist sie auch in der Lage, unbeschadet über spitze Steine zu gehen. Xhira besitzt einige Merkmale, die sie von anderen ihrer Art minimal unterscheiden. Da die Oblinox ein sehr strenges Leben führen, welches von Gewalt geprägt ist, wenn es darum geht, sich zu behaupten, hat Xhira die ein oder andere Strafe über sich ergehen lassen müssen. Einige circa 50 bis 60 Zentimeter langen Narben ziehen sich kreuz und quer über ihren Rücken, verblassen aber zunehmend. Durch die Narben hat sie damit ein paar dunkelrote Streifen auf ihrem Rücken. Auch die ein oder andere Schuppe ist dort dauerhaft eingerissen. Zwar lösen sich einige dieser Schuppen leicht ab, aber sie wehren sich derzeit noch vehement dagegen, abzufallen.
Xhira legt keinen Wert auf das, was man allgemein als Schönheit bezeichnet, trägt aber ein fein gearbeitetes Armband aus wenig hochwertigem Gold um ihrem rechten Handgelenk. Das Armband könnte für den uninteressierten Beobachter keine Bedeutung haben, jedoch ist Xhira das Fundstück, welches sie in Kindertagen an sich genommen hatte, sehr ans Herz gewachsen. Da eigentlich keine solch hübschen Dinge in eine karge Ebene wie die des Stammes Karx gelangt, schrieb sie diesem Gegenstand eine mystische Bedeutung zu und behielt ihn als Glücksbringer.
Persönlichkeit
Xhira ist zwar ein Paradebeispiel für die Weiblichkeit ihrer Rasse, aber keineswegs eine für ihren Charakter. Wenn jemand an die Oblinox denkt, hat er sofort einen kampfbereiten, kriegerischen und leider auch wenig intelligenten Vertreter ihrer Art im Kopf, der meistens dann auch noch männlich ist. Ohnehin werden die Männchen eher gesehen, als die Weibchen. Betrachtet man Xhira, so ist sie das ständige Krieg führen und den lästigen Aufbau der Lehmhütten leid. Sie hegt zwar auch oft bösartige Gedanken, die einen Konflikt dann eigentlich nur auf das gnadenlose Abschlachten des Gegenübens reduziert, ist aber auch eine der wenigen ihrer Art, die wirklich über etwas nachdenken. Oft versucht Xhira den Nutzen aus irgendetwas zu schlagen und schweigt einfach. Schweigen deswegen, weil sie um die Bestrafungen für ungefragtes Reden weiß. Frauen haben nichts dazu beizutragen, wenn Kriegspläne geschmiedet werden und das ist Xhira ein riesengroßer Dorn im Auge. Es macht ihr nichts aus, wenn man sie grob zur Seite drängt, ihr unfreundlich verpackte Ehrlichkeiten an den Kopf knallt oder sie zu einer ausdruckslosen Schlangenzüchterin degradiert. Aber wenn sie mitbekommt, wie die Männchen in ihrer überheblichen Art immer wieder die gleichen Fehler machen, die anscheinend nur sie zu sehen scheint, bricht das übermäßig vorhandene Temperament in ihr durch. Gerade die Kriegspläne sind in Xhiras Augen oftmals unüberlegt und schlichtweg dumm aufgebaut, sodass sie ihre Kritik darüber kundtun muss. Dass das eine Sache ist, die ihr jedes Mal wieder Schwierigkeiten bringt weiß sie, aber hier versteht sie einfach keine typische Rollenverteilung. Wahrscheinlich – und das redet sich die junge Frau gerne ein – ist sie einfach nur nicht so grob und dumm wie die anderen ihrer Art. Natürlich ist sie kein Genie und überlegt manchmal etwas zu lange, bis sie dann eine Lösung für ein Problem gefunden hat, aber sie denkt weitaus vielfältiger, als es andere ihrer Art tun. Jedoch besitzt sie kaum Empathie und ist demnach auch kaum für Gnade bereit, wenn sie irgendein Tier erlegen muss. So gesehen hat sich ihr Gewissen nicht in die typische Richtung entwickelt. Sie fragt sich im Nachhinein selten, ob eine Tat von ihr richtig war, sonder viel mehr fragt sie sich, warum die anderen sich so falsch verhalten. Sie kann zwar auch liebevoll sein, was eine selten gebrauchte Fähigkeit in ihrer Welt ist, aber sie bevorzugt es doch eher, ihren Stolz zu zeigen. Es gibt zwar nicht viel, worauf sie wirklich stolz sein kann, aber dennoch sind ihre weiblichen Fertigkeiten etwas, auf das sie beharrt. Dass sie besser jagen kann, als viele andere, das zeigt sie ganz offensichtlich und hat auch überhaupt keine Hemmungen, den anderen Jägerinnen zu zeigen, wie erbärmlich sie deren Jagdversuche doch eigentlich findet. Das beschränkt sich nicht nur auf einen abwertenden Gesichtsausdruck, sondern auch auf unfreundliche Gestiken. Unfreundlich sein kann sie ohnehin sehr gut. Wenn sie einmal entschieden hat, dass sie einer Diskussion nicht schweigend beiwohnen kann, dann achtet sie nicht darauf, sich höflich auszudrücken. Eine schlimme Nachricht höflich zu verpacken ändert auch nichts an ihrer Bedeutung. Xhira ist also auch sehr ehrlich und sagt das, was sie über jemanden denkt sehr schnell und zeigt es auch gerne. Misstraut sie jemandem – und das tut sie anfangs ohnehin jedem – dann behält sie einen großen Abstand bei um sich langsam an den Gegenüber heran zu tasten. Vielleicht hat sie auch einfach nur Angst vor einer Enttäuschung, wenn sie sich jemandem anvertraut und dann am Ende auch nichts weiter ist, als ein nebensächlicher Charakter im Leben eines anderen.
Was die junge Frau antreibt, ist etwa die Treue zu sich selbst. Sie strebt es nicht an, anderen zu helfen oder ihnen beizustehen, vielmehr möchte sie sich selbst am Ende des Tages sagen können "Ja, das hast du gut gemacht." Sie versucht alles so zu gestalten, dass sie von sich selbst eben jene Aufmerksamkeit bekommt, die sie von anderen nie erhalten hat. Würde nun plötzlich ein Wunder geschehen und jemand in ihr Leben treten, um rund um die Uhr für sie und niemand anderen da zu sein, könnte sich ihr Verhalten also grundlegend ändern. Solange sie aber die gewünschte Aufmerksamkeit und Liebe nur dadurch erhält, dass sie ihren eigenen Regeln und Grundsätzen folgt, dann macht sie das glücklich und gibt ihr das Gefühl, einen Sinn auf dieser Welt zu haben. Einen Sinn, den sie in stillen, einsamen Momenten aber zu gerne anzweifelt, weil sie die Realität überfällt und ihr ins Ohr flüstert, dass sie völlig allein ist. Vielleicht strebt sie es deswegen an, ihren eigenen Kopf durch zu setzen. Weil es eben kein anderer tut - für ihre Werte einstehen.
Man kann Xhira jedenfalls zugute halten, dass sie nicht ängstlich ist. Sie ist sehr selbstbewusst und weiß um ihre Fähigkeiten, sodass sie schnell in der Lage ist, irgendeine Situation einzuschätzen. Gerade bei der Jagd ist es für sie wichtig, zu wissen, ob es sich überhaupt lohnen würde, einer Beute zu folgen oder ob diese viel zu schnell für sie wäre. Schnell und wendig ist sie zwar auch, jedoch denkt sie sehr vorausschauend und wartet lieber einen Moment länger, als dann eine Pleite zu erleben. Man kann Xhira natürlich auch leicht gegen sich aufbringen, wenn man – wie bereits erwähnt – die natürliche Rollenverteilung ihrer Art betont. Xhira gegen sich aufzubringen bedeutet, im Schlaf erdrosselt zu werden. Die durch Rache sehr schnell zu motivierende junge Frau ist zwar niemand, der den direkten Kampf sucht, aber sie ist dazu bereit, sich auf hinterlistige Art an irgendwem zu rächen. Das macht sie sogar so gut, dass es am Ende doch keiner merkt. Xhira ist jemand, der öffentlich zwar mit Worten kämpfen kann, aber insgeheim dann eher auf einen Hinterhalt wartet. Auf eine Situation, in der ihr Feind hilflos, ungeschützt und im besten Fall auch Ahnungslos ist. In einem normalen Kampf hätte sie nun mal keine Chance gegen einen anderen Oblinox, weshalb sich die quirlige Dame gerne auf hinterhältigste Art und Weise von hinten anschleicht und dort eben jene Rache übt, welche sie sich in mühevoller, detaillierter Denkarbeit bereits imaginär ausgemalt hat. Nachdem einer der Männer sie vor versammelter Mannschaft als nichtiges Weibstück bezeichnet und sie zur betonten Erniedrigung auch noch freundlichst gegen einen Fels geschubst hatte, wurde seine Leiche am nächsten Tag in seiner Hütte aufgefunden. Da ein gewisser Egoismus auch nicht aus Xhiras Welt weg zu denken ist, der ihr immer den Gedanken lässt, dass ohnehin alle anderen etwas falsch machen, ist es nicht nötig zu erwähnen, dass sie ihn zu erst gedemütigt hatte. Einen Oblinox als Nachfahren der ehemaligen Magier der Oblinox zu bezeichnen ist nicht gerade eine freundliche Aussage.
Jedenfalls ist Xhira ihrem Charakter treu und lässt sich nur schwer durch andere Meinungen überzeugen. Sie geht gerne ihren eigenen Weg und versucht dabei erfinderisch zu bleiben. Da sie sich nur schwer an soziale Faktoren anpassen kann, fällt es ihr schon leichter, sich an ihre Umwelt anzupassen. Fegt nun plötzlich ein Sturm über die Ebenen ihrer Heimat, ist sie nicht diejenige, die sich noch freiwillig draußen aufhält. Alles in allem ist Xhira also jemand, den man sich schnell als Feind und schwer zum Freund machen kann.
Stärken
Xhira weiß um viele Funktionen verschiedener Waffen, kann jedoch nur mit einem Dolch umgehen.
Vielleicht ist noch zu erwähnen, dass sie ein besonderes Geschick bei der Jagd bewiesen hat. Sie ist durchaus geschickt und wendig und hat ebenfalls sehr gute Augen, sodass sie auch in weiter Entfernung scharf sehen und eventuelle Gefahren schnell erfassen kann.
- Umgang mit ihrem Dolch: sehr gut
Niemand ist perfekt und Xhira hat sicherlich mehr Fehler und Schwächen als Schuppen.
Zwar ist Xhira eine schnelle und wendige Frau, aber ihr Gehör ist keineswegs als gut zu bezeichnen. Manchmal glaubt sie sogar sie müsse angeschrien werden, um jemandem aufmerksam folgen zu können. Spricht jemand aus einer Entfernung von mehr als fünf Metern mit ihr, fragt sie mit einer 90 prozentigen Wahrscheinlichkeit noch einmal nach, was derjenige denn gerade gesagt hat.
Auch kann man ihr eine extreme Empfindlichkeit gegenüber Kälte zuschreiben. Bei Temperaturen unter 10 Grad ist sie nicht mehr glücklich. Ganz und gar nicht. Sie scheint dann schon fast in eine Kältestarre zu fallen und sich kaum noch zu bewegen.
Ebenfalls ist zu erwähnen, dass Xhira schreckliche Angst vor Magie hat. Das ist zwar durchaus normal bei den Oblinox, aber Xhira ist dieser Begabung gegenüber extrem skeptisch und kehrt dann dem Feind lieber den schutzlosen Rücken zu, als sich diesem zu stellen.
Lebensgeschichte
Ein gesamtes Leben in Worte fassen ist nicht leicht und schaut man sich ein mal Xhiras bisheriges Leben an, dann scheint es schier unmöglich. Zwar ist Xhira erst zarte 13 Jahre alt, was bei einem Menschen noch nicht ein mal das Ende der Jungend bedeuten würde, aber sie gehört eben nicht zu den einfachen Menschen. Als Oblinox vergeht das Leben schneller und somit hat Xhira in 13 Jahren auf der Welt schon mehr erlebt, als der ein oder andere Mensch zehn Jahre später.
Xhira wurde in einer lauen, friedlichen Nacht in der Hütte ihrer Eltern geboren. Sie war das zweite Kind ihrer Eltern und eigentlich überhaupt nicht gewollt. Da ihr Bruder noch nicht allzu alt war, lag es noch nicht im Interesse ihrer Eltern, sich um weiteren Nachwuchs zu kümmern. Wäre Xhira wohl ebenfalls ein Männchen gewesen, hätte man sie wohl noch in dieser Nacht einfach erstickt. Das wäre nicht einmal aus bösartigem Willen geschehen, sondern weil der Familienvater nicht in der Lage gewesen wäre, zwei Söhnen gleichzeitig das Kämpfen beizubringen. Das Schicksal meinte es wohl gut mit Xhira und so schenkte man ihr ein dennoch eher liebloses Leben. Während Xhiras Vater ausschließlich mit ihrem Bruder und dessen Perfektion im Bereich jeglicher Kampftechniken beschäftigt war, hatte auch ihre Mutter kaum Zeit, sich um ihre Tochter zu kümmern. Selbstverständlich war das auch Xhira bewusst gewesen, dass irgendetwas in ihrer Familie fehlte. Etwas, das man ihr nicht so viel entgegenbrachte, wie sie es sich doch im Herzen wünschte. Ein Baby möchte Liebe und Zuneigung erfahren, ob es nun ein Mensch oder ein Oblinox ist. Xhira etnwickelte also ein Urmisstrauen, welches sie daran hinderte, offen auf andere zu zugehen und sie dazu veranlagte misstrauisch zu sein, weil sie immer das Gefühl hatte, dass irgendetwas einen Haken hatte. Jedes freundliche Verhalten eines anderen wäre demnach an eine Bedingung geknüpft. „Ich erzähle dir noch eine Geschichte, wenn du bis heute Abend brav zu Hause bleibst.“ Ihre Mutter meinte es nie böse, aber es mangelte ihr einfach an ausreichend Mütterlichkeit. Schließlich waren es die Männchen, die sich um die Kinder kümmerten, kein Wunder, dass da ein Weibchen eher überfordert, als glücklich war. Aber Xhiras Vater hatte keine Zeit und somit kam sie schlichtweg immer zu kurz. Als Xhira dann etwa im Alter von einem Jahr krank wurde, kümmerte man sich nicht sonderlich darum. Sie hustete viel und schien die Luft um sich herum nicht vertragen zu können. Aber dieser Zustand hielt nicht lange an, wahrscheinlich hatte sich diese befürchtete Krankheit einfach nicht weiter bei ihr ausgebreitet. Sie ging weder als besonders stark, noch als verkümmert aus dieser Krankheitsphase hervor und wünschte sich nur zu sehr, dass ihre Kinder ein mal nicht darunter leiden müssten, knapp zwei Wochen das Gefühl von dauerhaftem Sterben zu haben. Etwa zwei Jahre nach ihrer Geburt brach ein neuer Krieg zwischen dem Stamm Karx und einem inzwischen ziemlich mächtig werdenden Nomadenstamm aus. Die Nomaden stahlen ständig die Lebensmittel und Baumaterialien der Karx, sodass irgendwann die völlige Vernichtung der ungewünschten Konkurrenz angeordnet worden war. Da Xhias Bruder bereist alt genug war, um wenigstens ein Schwert anständig halten zu können, wirkte auch er bei diesem Krieg mit. Xhira war zu dieser Zeit eher nutzlos und versuchte sich schon extrem früh daran, irgendwie ein gewisses Ansehen in ihrer Familie zu erreichen. Ihre Bemühungen wurden aber nicht gesehen und stattdessen wurde ihr Auftreten eher mit Kritik konfrontiert, als alles andere. Zwar hatte Xhira ihren Bruder immer irgendwie bewundert, weil er auch ein recht stattlicher Oblinox werden würde, aber insgeheim war so enorm eifersüchtig auf ihren älteren Bruder. Er bekam was sie wollte und er musste nicht mal darum betteln. Xhiras Trauer um die Situation in ihrer Familie war derart groß, dass sie sich aus dem Leben innerhalb der Familie zurück zog, da es ohnehin nur Kritik hagelte. Oft weinte sie sogar, wenn sie alleine war und bedauerte, dass man sie doch hatte leben lassen. Es war schwer für sie, ein junges Mädchen, das einfach nur Aufmerksamkeit und Liebe suchte, eben mit der herrschenden Situation zurecht zu kommen. Wie es Kinder nun mal taten, verglichen sie sich auch oft mit anderen Familien. Auch Xhira ließ davon nicht ab. Sie saß oft alleine in der Ecke, während die anderen Kinder in ihrem Alter spielten und dann in ihren Familien doch eher etwas von Liebe erfahren durften, als sie es durfte. Es dauerte sehr lange, bis Xhira lernte, dass sie damit leben musste, wie es eben war und dass sie auf niemanden angewiesen war.
Der Krieg dauerte nun schon zwei Jahre und der Feind hatte sich zunehmend zurückgezogen. Xhira half dabei, die Lehmhütten aufzubauen, ähnelte aber noch immer eher einem Kind und spielte mit der matschigen Masse eher rum, als sie an ihren eigentlichen Platz zu kleben. Im Alter von fünf Jahren hatte sich dann ihr Charakter so weit ausgebildet, dass sie die celcianische Sprache nicht nur dazu nutzte, um ihre Empfindungen zu äußern, sondern ganz gezielt kritisierte und sich erstmals unbeliebt machte. Für sie war diese Art der Äußerung der einzige Weg geworden, um auf sich aufmerksam zu machen. Dabei war es ihr auch egal geworden, ob es eine negative Aufmerksamkein war oder eben Kritik an ihr.
„Das ist nicht gerade.“, „Das sieht wirklich nicht nach wahrem Können aus.“ etwas derartiges zu sagen stand ihr nicht zu und sie wurde die ersten Male für unangebrachtes Verhalten bestraft. Bestrafungen sahen anfangs nicht so schlimm aus, vielleicht mal ein Klapps auf den Po oder ein Schlag auf die ausgebreiteten Hände, später aber waren ihre Strafen nicht mehr so angenehm. Als sie sich das erste mal bei einer Versammlung der Männchen einmischte und ungefragt gesprochen hatte, wurden ihr sofort fünf Peitschenhiebe auf den Rücken aufgedrückt. Das Problem daran war, dass der Schläger ein männlicher Oblinox war, der sowohl Xhira nicht leiden konnte und ihre Familie auch nicht. Zwischen diesem Kerl und Xhiras Vater hatte ständig ein Machtkampf geherrscht, der nun an Xhira weitergeführt werden sollte. Die Schmerzen waren jedes Mal aufs Neue unerträglich und brachten die junge Frau an die Grenzen ihrer Beherrschung. Denn die meist eher in sich gekehrte Oblinox wollte keine Schwäche zeigen. Sie vermied es deswegen so gut es eben ging, vor Schmerzen zu schreien und ihrem Peiniger damit eine gewisse Bestätigung zu geben, die er ihrer Meinung nach nicht verdiente. Sie wurde bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr sieben Mal zu Peitschenhieben als Strafe verdonnert und jedes Mal war es der gleiche verbitterte Kerl, der die Peitsche grinsend auf ihren Rücken jagte und nach Schreien suchte. Nach einigen Vergehen gegen die ungeschriebenen Gesetze der Oblinox lernte sie – wenn auch langsam - dazu und schwieg öfter als sie es wollte, erhielt aber weniger Schläge.
Es dauerte nicht lange, da wurde Xhira bei ihren männlichen Artgenossen nicht mehr als pubertierende Ziege angesehen, sondern zunehmend als hübsche junge Frau. Ein junger Bewerber um ihre Person hatte sich dann daran versucht, eben diese eine Dame für sich zu gewinnen. Da Oblinoxe nicht die besten Romantiker waren, sahen seine Annäherungsversuche durchaus etwas grob und taktlos aus. Die misstrauische Xhira aber hatte noch nicht gänzlich die Hoffnung verloren und ließ sich tatsächlich auf den hübschen Oblinox ein. Die ersten Wochen in seiner Gegenwart fühlte sie sich sehr geborgen und sogar ein Stück weit akzeptiert. Es schien so, als würde auch die gesamte Sippe, welche sie bisher doch eher ausgrenzte, Xhira nun eher wahrnehmen. Das ganze war jedoch irgendwann zu verwirrend für Xhira geworden, weil sie mit dem plötzlichen Umdenken der anderen nicht wirklich konform ging. Sie fragte sich, ob die Akzeptanz innerhalb der Gruppe wirklich davon abhängig sein sollte, ob man einen Mann an seiner Seite hatte oder eben nicht und begann an der inzwischen engeren Bindung zu Rixos zu zweifeln. Ihre Zweifel konnte sie dann auch nicht lange für sich behalten und hatte damit leider den Stolz eines männlichen Oblinox auf dem falschen Fuß erwischt. Obwohl Xhira bloß eine Antwort hören und eigentlich ihren bisher ersten und einzigen Verehrer nicht vergraulen wollte, tat sie es doch. Er sprach davon, dass sie immer die selbe bleiben würde und niemand jemals etwas mit ihr anfangen könnte. Xhira streubte sich davor, ihm zu glauben, weil sie ihre eigene Situation eigentlich noch nicht so schlimm eingeschätzt hatte. Sie sah sich noch nicht als ignorante, egoistische Einzelgängerin. Aber genau das war sie inzwischen geworden. Also entwickelte sie sich in den folgenden Jahren zu einer eher wenig an Artgenossen interessierten Persönlichkeit und konzentrierte sich darauf, einfach zu funktionieren, weil der einzige Versuch in ihrem Leben, sich zu öffnen an ihrer ehrlichen Art gescheitert war. Als sie alt genug war, lebte sie nicht mehr bei ihren Eltern, sondern machte sich daran, eine eigene Lehmhütte zu bauen. Das war zwar ein sehr untypisches Verhalten, weil eigentlich jede Familie sich gesammelt in einer Hütte aufhielt, jedoch interessierte es die künftige Einzelgängerin herzlich wenig, was die Gebräuche und Sitten ihrer Art anging. Sie hatte ihren eigenen sturen Kopf, dem sie nun mehr glaubte, als den Worten ihrer Artgenossen. Sie entwickelte sich also zu einem Einzelgänger, der hier und da etwas für die Gruppe tat, um nicht gänzlich isoliert zu sein. Wenn sie Erfolg bei der Jagd hatte, dann behielt sie stets nur einen kleinen Teil für sich ein und spendete den Rest der Gruppe. Am liebsten hätte sie alles für sich behalten, aber auch das wäre wieder mit einer weniger schönen Strafe behaftet gewesen. Xhira lebte nun schon seit Monaten allein und mied auch ihre Eltern zunehmend. Sie war ihnen nicht böse, dass sie eine so lieblose Kindheit hatte, aber sie hatte auch kein Bedürfnis, dass sie irgendwie dazu trieb, täglich mit ihnen zu reden. Auch mit ihrem Bruder hatte sie wenig zu tun, weil er viel damit beschäftigt war, Krieg zu führen. Er hatte sicherlich schon vergessen, dass es jemanden wie Xhira überhaupt gab. Die junge Frau wurde verbittert und verlor komplett das Vertrauen zu anderen. Sie vertraute nur noch sich selbst und dem, was sie tat. Wenn sie ein mal nicht jagte, dann kümmerte sich sich um ihre Schlangen, die früher oder später auch mal auf irgendeinem Teller landen würden. Aber dennoch war es eine Beschäftigung wert und irgendwie mochte sie ihre Arbeit, weil die Schlangen nicht redeten. Sie hörten sogar vielmehr zu, sodass Xhira tatsächlich ein mal daran dachte, eines der Tiere als Haustier zu halten. Diesen Gedanken verwarf sie dann aber wieder, als sie daran dachte, dass sie lieber ihr Haustier essen würde, wenn sie verhungern müsste, als ihren eigenen Fuß.
Alles was der inzwischen 13 jährigen Xhira irgendwie am Herzen lag, verlor an Bedeutung, als einer der von Ruax ausgesuchten Lagerplätze während eines Kriegszugs sich als extrem unklug erwies. Xhia durfte als eine der wenigen Frauen dem Kriegszug beiwohnen, um den Verwundeten erste Hilfe zu leisten und diese schnell wieder kampffähig zu machen. Sie selbst hielt diese Entscheidung gerade sie dafür einzuteilen für dumm, aber jeder musste ein mal sein Leben aufs Spiel setzen und im Krieg nützlich sein. Die Feinde würden zwar keine Rücksicht darauf nehmen, dass sie eine Frau war, aber dennoch war Xhia sich darüber bewusst, dass sie hier eine Aufgabe hatte und diese erfüllen musste. Bisher war der Vulkan an dem sie sich niedergelassen hatten sehr friedlich gewesen. Doch eines Nachts zeigte sich sehr unerwartet, dass der Vulkan bald schon ausbrechen würde. Xhira, die noch immer nicht den Glauben an die Vernunft von Ruax verloren hatte, suchte diesen auf und berichtete ihm davon, dass der Vulkan nicht länger ruhig bleiben würde. Doch entgegen ihrer Erwartungen nahm er sie kein bisschen ernst. Er lachte und sprach davon, dass ein Weibchen wie sie sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen sollte, sondern sich um die Verwundeten kümmern sollte. Xhira war empört, wagte es aber nicht, Ruax ihre Gedanken an den Kopf zu knallen, also verließ sie schweigend seine aus Gesteinsbrocken erbaute Hütte und verriet niemandem etwas von ihrer Beobachtung. Sie selbst wollte nicht sterben oder sich weiterhin als Dumm darstellen lassen, also verließ sie still und heimlich den Lagerplatz.
In diesem Moment konnte sie eigentlich überhaupt nicht objektiv denken. Sie war so von ihrer Wut auf Ruax getrieben, dass sie nicht an Konsequenzen dachte. Die Egoistin hoffte sogar irgendwie, dass dem überheblichen Pack eine Lehrer erteilt würde, die sie nicht vergessen würden. Letztendlich war es ihr aber egal, weil sie in diesem Moment nicht weiter als einen Schritt voraus dachte.
Noch in der selben Nacht, als Xhira bereits einige Kilometer hinter sich gebracht hatte, brach der Vulkan tatsächlich aus. Xhira weiß demnach überhaupt nicht, was aus den Kämpfern geworden ist und irrte nun ziellos und alleine umher. Sie verschwendete keine Gedanken daran, wieder zurück zu gehen, weil sie jeden Fehler bloß bei den anderen sah und sich selbst keinesfalls für irgendetwas rechtfertigen wollte. Also verdrängte sie einfach die gesamte Situation im Lager und schaute eher voraus, als zurück. Vielmehr war sie inzwischen neugierig. Sie war nun vollkommen alleine und hatte keine Verantwortung mehr. Sie wollte wissen, ob es eine Welt außerhalb der ihren gab und sie wollte wissen, wie diese aussehen würde. Denn gesehen hatte sie noch nie etwas anderes, als ihre bisherige Heimat. Einen Ort, von dem sie nichts mehr gewinnen konnte, der ihr nur noch psychische Stärke abverlangte, die sie irgendwann nicht mehr aufbringen könnte. Das wusste sie genau, denn irgendwann würde auch ihre Stärke brechen und sie würde sich dem System fügen, weil niemand auf ihrer Seite stand und mit ihr kämpfte. Sie legte also ihre Hoffnungen in etwas Fremdes, etwas Unerforschtes und wahrscheinlich etwas viel zu Gefährliches.
Inventar
- ein Dolch
keine
Einstiegspost
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