Meister Vanitas Aka Manah

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Meister Vanitas Aka Manah

Beitrag von Vanitas » Sonntag 29. August 2010, 15:02

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Name:
Die verblendeten Narren, die sich seine Eltern nannten, tauften ihren Sohn Ventus Astovidatu den VI., ein Name der bereits lange Tradition unter den männlichen Familienmitgliedern hatte. Doch es kam der Zeitpunkt, da der Sohn aus dem Schatten der Väter hervortreten wollte. Fortan nannte er sich selbst „Meister“ Vanitas Aka Manah der I.. Der Name lässt sich aus der Dämonensprache Harax ableiten und bedeutet wörtlich ’Meister’ „der Leere und des bösen Denkens“.


Rasse:
Ein Mensch vom Volk der Zyraner.


Alter:
Stolze 124 Jahre. Natürlich ist das nicht viel für einen Magier.


Geschlecht:
Männlich


Beruf:
Vanitas geht keiner niederen Arbeit mehr nach. Was er haben will, nimmt er sich einfach. Im Allgemeinen kann man ihn vielleicht als Lehrmeister bezeichnen, der hin und wieder begabten Schülern - mit entsprechender Gesinnung natürlich - das Magiehandwerk lehrt.


Heimat:
Lange Jahre war die magische Stadt Zyranus seine Heimat. Als er diese verlies, auf seinen eigenen Wunsch hin das Exil wählte, wurde eine Höhle, nahe des Flusses Ilfar der die Wälder des Arus von denen des Sarius trennte. Viel Zeit verbrachte er auf Reisen durch die gesamte Welt. Doch wenn er ehrlich zu sich selbst ist, erkennt Vanitas, dass er heimatlos wurde.


Gesinnung:
Gut zu sich selbst, böse allen Anderen gegenüber.


Magie:
Als Zyraner liegt ihm die Macht der arkanen Künste selbstverständlich im Blut. In der Wissenschaft der Wassermagie hat er bis heute die Stufe "Sehr Gut" erreicht, auch wenn er noch immer nach der Perfektion lechzt. Nicht nur Jahre, sondern ganze Jahrzehnte opferte er zum Studium des Wassers, der Flüsse, des Meeres. Seine Zauber und Rituale sind auf ganz Celcia einzigartig, denn die wahre Macht, die er in diesen Jahren der Askese erlernte, lehrte er niemanden, nicht einmal seinen Schülern. Für seine Magie kann Vanitas jede Flüssigkeit verwenden, sei es nun Wasser, Gift oder sogar Blut, Ausnahmen bilden nur Alkohol und alles, was von lebendigem Fleisch umgeben ist. Blut, welches aus einer Wunde austritt ist für Vanitas nutzbar, aber er kann es nicht aus einer Wunde herausziehen. Außerdem muss der Körper schon eine längere Zeit tot sein, um das Blut nutzen zu können, wenn jemand grade erst verstorben ist, sein Körper sozusagen noch warm ist, gilt das Gewebe noch als lebendig. Eine Ausnahme darin bildet sein eigenes Blut.
Die arkane Kunst der Eismagie beherrscht Vanitas zwar "Überdurchschnittlich", aber letztlich nicht so gut wie die Wassermagie. Da die beiden Magiearten sehr gut zusammenarbeiten, merkt man dies aber kaum. Hauptsächlich verwendet Vanitas Eismagie in direkter Verbindung mit Flüssigkeiten. Aber auch seine bloßen Berührungen können Eiseskälte verbreiten. Spezielle Zauber und Rituale, die nur auf Eis abzielen, beherrscht Vanitas so gut wie keine.


Sprache:
Melongiar, die Sprache der Magier spricht Vanitas sehr gut, schließlich ist es seine Muttersprache. Dazu kommen noch gute Kenntnisse in Garmisch.


Religion/Glaube:
Er hat einen Pakt mit den Göttern geschlossen: Solange sie sich nicht für ihn interessieren, interessiert er sich nicht für sie. Wozu auch gestaltlosen Namen huldigen, die sich wohl schon lange aus dieser Welt zurückgezogen haben, wenn es sie denn je gab? Das Einzige, woran Vanitas glaubt ist Kausalität, Aktion und Reaktion. Alles andere muss nicht sein.


Aussehen:
Es kommt oft vor, dass der Eindruck täuschen kann. Bei Vanitas trifft das in vielerlei Hinsicht zu. Sieht man ihn an, sieht man häufig einen gebeugten, alten Mann, mit müdem Gesicht und schlurfenden Gang. Ein fataler Irrtum.
Denn trotz seines fortgeschrittenen Alters ist der Zyraner noch erstaunlich gut in Form. Die gebeugte Haltung ist lediglich Fasse, mit der er seine wahre Größe von 1.94 Metern vertuscht. Sein Körper ist sehnig und schlaksig. Arme und Beine wirken sehr lang, ebenso wie die einzelnen Finger. Seine Brust vermittelt einen abgemagerten Eindruck, bei dem man jede Rippe sehen kann. Tatsächlich sah Vanitas Tag seines Lebens und zu seinen besten Zeiten nicht anders aus.
Im Gegensatz zu den meisten Bücherfressern, die niemals über die Ränder ihrer Folianten hinaus blicken, hat Vanitas eine eher gebräunte Hautfarbe, was wahrscheinlich von den unzähligen Stunden des Trainings in der Wildnis herstammt. Von Altersflecken und anderen Makeln wurde der Magier bis heute verschont.
Vanitas Gesicht ist typisch für einen Zyraner. Er hat elegante, aristokratische Züge und wirkt hochnäsig. Seine Wangenknochen sind sehr hoch und stark ausgeprägt, während seine Wangen eingefallen wirken. Seine Augenbrauenknochen ragen ebenfalls hervor. Deshalb hat es den Anschein, als säßen seine Augen, die von einem blassen, hellen Braun sind, das fast schon ins Gelbe übergeht, tief im Schädel. Seine Nase ist flach und schmal, die Nasenflügel nicht sonderlich breit. Der Hexer trägt stolz eine Glatze, die er sich allerdings selbst kahl rasiert. Dafür trägt er einen eleganten Kinnbart. Dieser ist ebenso wie seine Augenbrauen von weiß-silberner Farbe.

An seinem aktuellen Kleidungsstil kann man ablesen, dass er sich nicht mehr im geringsten um die Kleidersitten der Magier kümmert. Für gewöhnlich verhüllt er seinen ganzen Körper mit einem bodenlangen Kapuzengewand, mit weiten Ärmeln. Es ist von dreckig grauer Farbe und wirkt sehr unscheinbar und billig. Von außen scheint es keine Taschen zu haben. Dieses Gewand hat nur den einen den Zweck, den Eindruck eines gebrechlichen, armen, alten Mannes aufrecht zu halten. Um dieses Bild abzurunden, hat Vanitas stets einen wunderbar geschnitzten, weiß bemalten Holzstab dabei, der größer ist als er selbst und auf den er sich stützt. Dieser dient nicht als Waffe.
Seine wahre Kleidung trägt Vanitas unter dem Gewand. Sie besteht aus einem schwarzen Mantel mit dunkelrotem Innenfutter, unter dem er ein weißes Seidenhemd trägt. Der Mantel ist ebenfalls fast bodenlang und die Zierborke am unteren Rand und am Hals besteht aus schwarzen, glänzenden Schlangenschuppen. Sowohl Hemd als auch Mantel haben einen sehr hohen Kragen. Seine Hose ist ebenfalls schwarz, aus Leder gefertigt und von engem Schnitt. Lederstiefel und Handschuhe sind weiß. Um die Taille trägt er einen sehr breiten, schwarzen Gürtel mit weißen und grauen Verzierungen. An den Seiten dieses Gürtels befinden sich Halterungen, in denen fingergroße Glasflakons stecken, die mit unterschiedlich gefärbten Flüssigkeiten gefüllt sind. Obwohl Vanitas selbst diese Ausstattung sehr elegant und kleidend findet, kriegt sie trotzdem kaum jemand zu sehen.

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Persönlichkeit:
Grausam, machtbesessen, skrupellos und arrogant, gepaart mit einer Selbstverliebtheit, die bereits an Narzissmus grenzt. Das ist die passendste Beschreibung von Vanitas’ Persönlichkeit. Der Hexer gehört zu jener Sorte Menschen, die niemals den Wert eines Lebens begriffen haben und für die andere nur Mittel zum Zweck sind.
Sein ganzes Handeln und Denken ist von der Idee beeinflusst, das Magier besser sind als alle anderen Wesen und das jene, die mit der arkane Macht im Bunde sind mit Königen gleichgesetzt werden sollten. Und je mehr Macht jemand besäße, desto mehr Macht sollte man ihm zustehen.
Vanitas benimmt sich anderen gegenüber normalerweise höflich und zurückhaltend, doch schon im nächsten Moment kann er der Person ein Messer in den Rücken rammen! Es kommt nur selten vor, dass er den Schleier der Täuschung fallen lässt und jemanden zu spüren gibt, dass er ihn für einen wertlosen Haufen Dreck hält.
Der Hexer versucht stets die Illusion zu schaffen, dass er ein ungefährlicher, alter Mann sei. Zu diesem Zweck geht er stets vornüber gebeugt und bewegt sich beileibe nicht so schnell, wie es ihm möglich wäre. Die Arme verschränkt er grundsätzlich hinter dem Rücken, wenn er seinen Stab nicht festhält und fast immer hat er ein Lächeln im Gesicht. Zudem verbirgt er seine magischen Fähigkeiten grundsätzlich bis zuletzt und verwendet sie nur, wenn es wirklich nötig wird.


Stärken:
Ein Magier verlässt sich auf die mystische Stärke in seinem Inneren. Bei Vanitas handelt es sich dabei um die Macht der Wassermagie. Jahrzehntelange Askese und Training haben den Hexer in dieser Kunst "Sehr Gut" werden lassen. Im Kampf beweist er von Zeit zu Zeit eindeutig, dass Wasser nicht nur das Element des Lebens sondern auch der Zerstörung ist. Die Wassermagie kombiniert er gerne mit seinem Wissen um die Alchemie. Was das Mischen von Giften und Gegengiften angeht ist der Hexer ein Meister, da er sich allerdings auf sonst nichts versteht, kann man sein alchemistisches Können höchstens als Überdurchschnittlich bezeichnen.
Zudem kombiniert Vanitas seine "Überdurchschnittlich" beherrschte Wassermagie auch gerne mit Eismagie, da beide arkanen Zweige miteinander gut synergieren. Allerdings reicht seine Macht nicht besonders weit. Er kann Eismagie nur auf Flüssigkeiten anwenden oder als Berührungsfertigkeiten. Reine Eisprojektilzauber hat er nie gelernt
Darüber hinaus ist Vanitas ein Manipulator. Er kann gut mit Worten umgehen und andere auf seine Seite ziehen, sofern man ihn nicht durchschaut.


Schwächen:
Auch wenn er es niemals freiwillig zugeben würde, so ist Vanitas nicht frei von Schwächen. Da kommt zum einen seine völlige Unfähigkeit einem Gegner ohne Magie entgegen treten zu können. Nicht nur das ihm keine Kampftechnik bekannt ist, auch seine physische Kraft ist vergleichbar gering. Das fortgeschrittene Alter tut dabei seinen Rest.
Vanitas Sehkraft ist recht stark eingeschränkt. Auf dem rechten Auge ist er blind, seit er knapp 16 Jahre alt ist. Ursache dessen war der Biss einer Schlange, deren Gift die Gewebezellen seines Auges unheilbar zerstörte.
Außerdem ist Vanitas stark paranoid. Er vertraut niemanden und fühlt sich ständig in Gefahr hintergangen zu werden. Zwei seiner Schüler hat er bereits getötet, weil er anfing, ihnen zu misstrauen.
Aber das größte Hindernis für den Hexer ist ganz klar, dass er für seine stärkste Magie ein flüssiges Medium benötigt. Seine Macht steigt und fällt mit der Menge an ihm zur Verfügung stehenden Flüssigkeiten wie Wasser, Gift und Blut.


Inventar:
Giftsammlung (enthält verschiedene Toxine mit unterschiedlichen Wirkungen, wie Lähmung, Übelkeit oder Benommenheit, aber auch tödliche Gifte. Vanitas verwendet sie meist in Kombination mit seiner Magie)
Persönliche Notizen
Wanderstab
(Vanitas verzichtet auf das Startkapital von 100 Fuchsmünzen)












Lebensgeschichte:

„... Wir alle machen Fehler. Manche sind klein, andere groß. Doch seine Fehler, geboren aus Machtgier und übertriebenem Stolz, sind vielleicht die größten und schrecklichsten von allen ...“
- Zitat von Ratsmagier Kastro Elessart


Prolog
Die Akademie von Zyranus - vor 73 Jahren 3. der Zeit des Wandels

Ein Adept der eine graue Robe mit blauen Säumen trug streckte den Arm in die Luft, kaum hatte Meister Jolosin den Raum betreten. Ein resigniertes Stöhnen entwich seinen Lippen, während er den Lehrling vollkommen ignorierte und sich auf den Weg vor die Klasse machte. Dort blieb er stehen, durchsuchte die Dokumente und Niederschriften, die sein Vorgänger auf seinem Tisch hatte liegen lassen. Dabei wandte er der Klasse seinen Rücken zu, einfach um die vielen, erhobenen Arme zu ignorieren, denn da er den ersten Fragenden nicht beachtete, waren es nun fast alle Magiestudenten, die sich meldeten und allen brannte die selbe Frage auf der Zunge. „Wenn ich dieses Chaos richtig auffasse, wiederholen Sie momentan die hydrostatische Levitation, mit diesem Thema werden wir uns weiter beschäftigen und ...“, setzte Meister Jolosin mit müder Stimme an. Doch kaum war dieser Satz gesagt, wurde er auch schon unterbrochen.
„Verzeiht mir, Herr, aber stimmt es, dass Meister Astovidatu die Akademie und sogar die Stadt verlassen hat?“ Es brachte nichts, herauszufinden, wer da so rüde war, einen Lehrmeister in seinem Redefluss zu stoppen, denn nun tuschelte die ganze Klasse, alle über das selbe Thema, welches sie doch ohnehin schon Gerüchteweise komplett kannten.
Jolosin hatte genau diese Frage, genau diese Reaktion erwartet. Das war einer der Gründe gewesen, weswegen er nicht die Anwärter der Wassermagie hatte übernehmen wollen. Nun stand er hier vor knapp zwei dutzend Jugendlichen, die sich für nichts anderes interessierten, als das Verschwinden ihres alten Lehrmeisters, den sie wohl mehr als ins Herz geschlossen hatten. Der Magier, seines Zeichens eigentlich dem Element Eis und nicht dem Wasser verschrieben, nahm sich die Brille ab, tat so, als säuberte er die Gläser an seinem Gewand. In Wirklichkeit wollte er nur Zeit schinden. Er hatte das hier erwartet, im Kopf hatte er sich einige Antworten zurecht gelegt, aber wenn er nun in die Gesichter dieser jungen Männer und Frauen blickte, so schien es ihm, als würde keine davon das Publikum befriedigen.
„Ich würde nicht hier vor Ihnen stehen, wenn Ihr alter Lehrer noch seines Amtes nachgehen würde.“, begann er ausweichend und sofort wurde das Tuscheln und Flüstern intensiver. Eine schwache Zornader pochte auf der Stirn des alten Magiers. „Es reicht jetzt, Ruhe! Allesamt!“ Doch dieser Ausbruch trug nicht dazu bei, dass es im Zimmer leiser wurde, im Gegenteil. Jolosin räusperte sich. „Nun, da Sie nicht locker lassen werden, bis Sie die Wahrheit kennen, werde ich Ihnen kurz die Fakten darlegen, die mir bekannt sind.“ Augenblicklich herrschte Schweigen und alle hatten den Blick auf den gebeugten Magier ganz vorne gerichtet. Der war durch diese plötzliche Stille nun doch etwas irritiert, ließ sich aber nichts anmerken.
„Die Gerüchte, die Sie gehört haben sind wahr. Ihr Lehrmeister, Ventus Astovidatu der VI., der vor langer Zeit mein eigener Schüler und bis vor kurzem auch mein Kollege war, ist vor zwei Tagen nach einem Streit mit dem hohen Rat der Magie auf eigenen Wunsch ins Exil gegangen. Er hat nicht nur unserer Heimatstadt Zyranus den Rücken gekehrt, sondern auch dem Orden der Magie, allen Akademien UND Ihnen, seinen eigenen Schülern!“ Stille. Keiner wollte auf diese Erkenntnis hin noch etwas sagen. Innerlich hoffte Jolosin, dass das Thema damit beendet war und er nun endlich mit dem Unterricht beginnen konnte, als ein Mädchen den Arm hob. „Meister Jolosin?“, sagte sie noch ehe der alte Mann ihr das Wort erteilt hatte, „Worum ging es in diesem Streit? Es ist kaum vorstellbar, für uns alle meine ich, dass Meister Astovidatu aus niederen Gründen ins Exil gegangen ist ...“
Er stöhnte leise. Genau darauf wollte er nicht antworten. Der Dekan selbst hatte ihn gewarnt, was die Frage nach dem Grund des Streites anging. Doch was sollte er tun? Lügen? Nein, das kam nicht in Frage. Die Wahrheit? Eigentlich noch weniger. Schweigen? Das ging nun nicht mehr. Ihm blieb keine Wahl. Mit fester und scharfer Stimme begann Jolosin mit seiner Erklärung. „Soweit ich informiert bin, handelte es sich bei diesem Streit um etwas, das Astovidatu als Wohl der magischen Gemeinschaft bezeichnete. Er wollte wohl die Machtstellung unserer Zunft verbessern, allerdings auf mehr als zweifelhaftem Wege, was vom Hohen Rat einstimmig und zurecht, wenn ich das anmerken darf, abgewiesen wurde. Als er weiter nachsetzte, obwohl man sein Gesuch bereits abgelehnt hatte, brachte er wohl Argumente vor, die ich hier nicht aussprechen will und werde und die den Vorsitzenden des Rates dazu veranlassten, ihm den Rang als Abgesandter des Rats zu entziehen. Wie ich hörte wollte man auch mit dem Dekan darüber sprechen, dass Ihr Meister sein Amt als Lehrer an unserer Universität niederzulegen hätte, doch das war wohl zuviel und den Rest kennen sie. Nun, wenn sie nichts dagegen haben, werden wir mit der Wiederholung des Unterrichtsstoffes weiter machen, schließlich wollen Sie alle ja ihren Abschluss schaffen ...“


Kindheit
Die Akademie von Zyranus - vor 115 Jahren, 24. der Zeit des Erwachens

Es war eine kleine Gruppe von Jungs, die ihren freien Nachmittag auf dem Platz vor der Akademie verbrachten. Der Jüngste von ihnen war acht, der älteste nicht ganz elf Jahre alt. Die Rabauken kannten sich noch nicht lange, eigentlich war das einzige, was sie verband, dass sie alle erst vor kurzem ihr magisches Talent offenbart und noch kaum Zeit mit dem Studium der arkanen Künste hatten. Der Jüngste von ihnen schien seltsamerweise der Reifste zu sein, denn schon nach kurzer Zeit kristallisierte er sich als Anführer der Bande heraus. Keines von diesen Kindern machte sich bis jetzt groß Sorgen um ihre Zukunft, sie alle empfanden die viele Arbeit an der Universität als recht lästig und wollten lieber Spaß haben, anstatt zu pauken. Wild rannten sie durcheinander, während einer von ihnen versuchte einen der übrigen zu fangen und zum neuen Jäger zu machen.
Jolosin, ein junger Dozent an der Universität und zufällig auch ein Lehrer für eben diese Rotzlöffel, hatte den schönen warmen Sommertag nutzen wollen und war hinaus auf den Vorplatz gegangen, um an einem Steinpult unter der großen Eiche die Arbeiten eines älteren Jahrgangs durchzusehen. Doch die Bälger hatten ihn abgelenkt und amüsiert sah er ihnen beim Spielen zu. Noch wollte er es ihnen zugestehen, er war ja selber nicht so alt um noch zu wissen, wie man sich als Kind fühlte, wo man keine Sorgen kannte. Der achtjährige Junge, ein hübscher, großgewachsener Blondschopf, war nun der Häscher. Ein äußerst talentierter Knabe, der es wohl noch weit bringen würde, ging es dem Lehrer durch den Kopf. Wie hieß er gleich? Mit Namen tat der frisch ernannte Lehrer sich immer schwer. Er hatte sich sein Opfer bereits herausgepickt. Es dauerte nicht lange, da hatte er den Kleinsten von ihnen, einen mageren Schwarzkopf erwischt und war lachend weg gerannt. Jolosin empfand dies als unsportlich. Der arme Kerl, der nun einen anderen fangen musste, konnte ganz eindeutig mit niemanden mithalten. Aber jetzt, wo sich die Gedanken des Dozenten auf ihn fixiert hatten, tat er ihm noch aus anderen Gründen leid. Dieser Knirps, der dort prusten lang rannte, gehörte wohl zu den schlechtesten Neulingen, die Jolosin je gesehen hatte. Aber er schien dafür nicht einmal die Schuld tragen zu können, denn er bemühte sich wirklich redlich, wenn auch vergebens, im Unterricht mitzuhalten. Nein, dieser Junge war einfach zu langsam, nicht nur zu Fuß, sondern auch im Kopf. Auch wenn es etwas hart klang, dieser Junge war einfach dumm. Angestrengt dachte der Magier über den Namen des armen Tropfens nach. Irgendwas mit Wind, Wintis, oder Windus. „Aber ja, natürlich. Ventus war sein Name.“ Kam es dem hageren Mann über die Lippen. Schlagartig fiel ihm der ganze Name ein: Ventus Astovidatu VI. Wirklich ein Jammer. Der Knabe stammte aus einer guten Familie, die viele begnadete Windmagier hervorgebracht hatten. Aber dieser Apfel schien wohl mehr als nur weit vom Stamm gefallen zu sein, ihm fehlte fast jegliches Talent. Im Stillen fragte sich Jolosin sogar, ob er jemals einen Abschluss erreichen könne?
Doch diese Grübelei wurde mehr als schnell beendet. Nachdem es Ventus fast fünf Minuten lang nicht gelungen war, jemand anderes zu ergreifen, war er nun einer einzigen Spottserenade ausgesetzt. Die anderen Jungs deuteten mit dem Finger auf ihn, riefen Beleidigungen. „Ven, Ven, macht gar nichts, kann gar nichts, ist gar nichts!“, erschallte es im Chor. Jolosin wusste, dass er in diesem Moment hätte eingreifen müssen, aber er tat nichts. Stattdessen vertiefte er sich wieder in seine Unterlagen. Das waren doch Kinder, die wollten nichts böses, nur ihren Spaß.

Er hatte Tränen in den Augen. Wie ein kleines Häufchen Elend stand er da, den Blick zu Boden gerichtet, damit niemand sah, dass er weinte, es würde ja alles noch schlimmer machen. Um ihn herum standen im Halbkreis die Jungs, die er seine Freunde nannte. Wirklich tolle Freunde waren das. Sie triezten ihn ständig, gaben ihm dumme Spitznamen und behandelten ihn auch ansonsten wie Dreck. Jetzt grade sangen sie das Spottlied, das Seymour sich ausgedacht hatte. Der blonde Junge stand genau vor ihm, die Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger dem jämmerlichen Knirps zugewandt. Dabei bin ich nein, ein ganzes Jahr älter als du doofer Idiot. Natürlich half dieser Gedanke nicht viel und Ventus wischte sich nur verlegen die Tränen aus dem Gesicht, anstatt etwas zu sagen. Das war nie gut. Wenn er auf die Frage eines Lehrer etwas sagte, lachten sie ihn fast immer aus.
Aber andere als sie hatte der Knabe nicht. Seine Mutter hatte immer zu viel zu tun und sein Vater ignorierte ihn, oder was noch schlimmer war, schenkte ihm seine Aufmerksamkeit und versah ihn mit Prügeln. Und immerhin ließen die anderen hier wenigstens zu, dass er bei ihnen sein durfte. Dafür lachten sie ihn halt aus. Das war kein fairer Deal, aber besser als die Einsamkeit.
Ventus erzitterte, als ihn eine geschleuderte Hand voll Dreck gegen die Brust traf. Noch mehr Unrat flog heran und ruinierte seine ansonsten saubere Uniform aus grauem Stoff. Mit bebender Lippe sah er zu den anderen Jungs. Genau in dem Moment, da der schwarzhaarige Junge den Kopf hob, warf Seymour eine glitschige Schlammpackung in eben dieses. Einen Augenblick lang war Ventus mit der Situation überfordert. Dann brachen die anderen in schallendes Gelächter und er selbst in herzzerreißende Tränen aus. Sich Dreck aus den Augen wischend, rannte Ventus davon, auf direktem Weg nach Hause.


Stolz
Zyranus, elementarmagisches Viertel - vor 109 Jahren, 44. der Zeit der Abendsonne

Selten war Ventus so stolz auf sich gewesen. Er hatte es wirklich geschafft! Mit Hängen und Würgen zwar, aber er hatte es tatsächlich geschafft! Er war auf dem Weg nach Hause, rannte und war dabei bemüht auch bloß nicht zu stolpern und sein Gewand dreckig zu machen Wie oft hatten die anderen in seinem Jahrgang gesagt, er würde scheitern? Und nun war es doch so weit. Natürlich, er war nun fünfzehn und die meisten anderen waren längst einen Schritt weiter, doch war es denn schlimm, wenn man etwas langsamer war als die anderen? Heftig schnaufend hielt er vor dem Haus seiner Familie an und trat ohne zu klopfen ein. Das große, helle Haus schien auf den ersten Blick leer zu sein, Stille herrschte hier. Dann fiel dem Jugendlichen ein, dass wohl alle hinten im Garten seien mussten. Hastig durchquerte er den Wohnraum und trat durch die Schiebetür hinaus auf die Veranda. Dort saßen sie alle. Mutter und Vater und auch seine Cousinen und seine Tante. Silber war hier das vorherrschende Element, jedes Familienmitglied trug wenigstens ein Kleidungsstück in dieser Farbe. Es schien, als hätte sein Auftauchen eine nette Unterhaltung unterbrochen. Seine Cousinen, diese schnatternden Gänse, warfen ihm einen überheblichen Blick zu, hielten dann den Atem an und brachen in unterdrücktes Gackern aus. Die anderen warfen ihm keinen Blick zu, abgesehen von seiner Mutter, die ihn kurz anlächelte, bei seinem Anblick aber bleich wurde. Natürlich wurde er von Vater ignoriert. Bis heute war er die Schande der Familie gewesen, da er noch nicht in die praktische Lehre der Magie eingetaucht war, aber nun würde sich gewiss alles ändern. Mit vor Stolz geschwellter Brust öffnete Vanitas den Mund und achtete nicht auf die seltsamen Bewegungen seiner Mutter.
„Herr Vater? Es ist so weit. Ich habe endlich meine neue Robe bekommen. Ab Morgen werde ich das wahre Magiehandwerk gelehrt kriegen! Ich habe mein Element gewählt, das Element, das mir von allen am meisten zusagte.“ Tatsächlich wandte sein Vater ihm das Gesicht zu, doch sein vor Freude strahlendes Gesicht verwandelte sich augenblicklich in eine verstörte Grimasse. Es herrschte Stille. Die blitzenden Augen seines Vaters wanderten von den Ärmelenden zum Saum und wieder zurück. Etwas schien nicht zu stimmen. Mit sorgenvollem Gesicht sah sich Vanitas sein neues Gewand an, voller Panik er hätte es mal wieder dreckig gemacht. Doch dem war nicht so. Die Säume des ansonsten grauen Gewandes strahlten in einem satten Dunkelblau.
Sein Vater stand auf, ging direkt auf Vanitas zu und verpasste seinem Sohn eine schallende Ohrfeige. Damit hatte der Junge nicht gerechnet, mit allem, nur damit nicht. Er unterdrückte die Tränen, die sein Vater so hasste. „Wie kannst du es wagen...“, flüsterte dieser und seine Stimme bebte vor Wut. „Fünf Generationen lang. Eine Tradition, unsere Familientradition!“ Der Mann brüllte nun fast so laut, dass die Nachbarn ihn hören konnten. „Wie kannst du es wagen mir mit einem Wasser-Gewand unter die Augen zu treten und auch noch fröhlich zu sagen, dass du gewählt hast was am besten zu dir passte? WIR SIND WIND, DU VERDAMMTER IDIOT! Seit deinem Uhrahnen, Ventus Astovidatu I. studiert jedes Mitglied unserer Familie die Windmagie. Verschwinde, geh mir aus den Augen. Noch keine deiner unzähligen Diskrepanzen hat meinen Stolz so gekränkt wie das hier!“
Nun war es doch zu spät. Die Tränen flossen und schluchzend rannte Vanitas davon.


Über Schlangen und das wahre Wesen
Die Akademie von Zyranus - vor 108 Jahren, 12. der Zeit des Wandels

Der Kopf der kleinen Echse schoss in die Höhe und sofort ließ Ventus den Deckel des Terrariums zufallen. Diese Mistviecher waren allesamt giftig und ein Biss von ihnen konnte im schlimmsten Fall tödlich sein, dass hatte man dem Jungen so erklärt. Mit schlürfendem Schritt ging er zum nächsten Glasgefängnis, öffnete den Klappe an der Oberseite und ließ eine wild zuckende, kleine graue Maus hinein gleiten, die wohl bald als Abendbrot für einen Waran enden würde. Er mochte die Echsen, die Schlangen und die Spinnen, die hier unten im Untergeschoss der Akademie gehalten wurden. Die gefährlichen und seltenen Tiere, die allesamt zur Erforschung und Heilung ihrer Gifte hier gefangen halten wurden, zu beobachten, machte den Jungen irgendwie glücklich. Aus diesem Grund hatte er sich auch freiwillig gemeldet, dem alten Mac bei der Arbeit mit den Kriechtieren zu helfen.
Vom anderen Ende des Kellergewölbes kam ein metallisches Klirren, als hätte jemand mit einem Löffel gegen eine Glasscheibe gepocht. „Ich komme gleich Mac!“, rief Ventus über das Zischen, Zirpen und Kreischen der Inhaftierten hinweg, öffnete die nächste Luke und warf die letzte seiner Mäuse hinein. Dann hastete er durch den Raum zu dem längsten Terrarium, an dem Mac bereits wartete. Der Magieschüler mochten den alten, stummen Mann, der hier unten bei seinen Tieren lebte. Auch wenn er nicht sprechen konnte, so fühlte sich Ventus bei ihm verstanden, mehr als sonst irgendwo. Der Tierhüter war immer freundlich und dankbar für die Hilfe, die der Junge ihm bot.
Langsam, um ja keines der Tiere im Inneren aufzuschrecken, näherte sich der angehende Wassermagier dem Glaskasten, in dem die Drachennattern lebten. Sie waren wohl die gefährlichsten Schlangen hier unten, weswegen sie nur zu zweit gefüttert wurden. Diese Jäger waren heimtückisch. Ventus kniete sich nieder und zählte die Giftschlangen, damit er wusste wo jede einzelne war. Er stockte. „Es sind nur sechs, Mac, die siebte fehlt.“ Der Alte nickte und schrieb dann etwas auf die Schiefertafel, die er als Stimmersatz nutze. Ein blonder Junge war kurz vor dir hier und hat eine geholt. Meinte, die Professoren bräuchten sie im Unterricht.
Daraufhin zuckte der Jüngere von beiden nur mit den Schultern und half Mac dabei, gleich einen ganzen Beutel von Mäusen dem sicheren Tod zu übergeben.

Kreidebleich und panisch darauf achtend, keine hektischen Bewegungen zu machen, kroch Vanitas auf allen vieren nach hinten zurück. Auge in Auge vor ihm befand sich die siebte Drachennatter, die er vor nicht mal einer halben Stunde noch vermisst hatte. Seymour und seine Spießgesellen lachten, grölten fast vor Freude, während der blondhaarige Anführer die Schlange mit Eisblitzen immer weiter auf den schwarzhaarigen, schlaksigen Jungen zu hetzte. Blanker Angstschweiß stand ihm auf der Stirn, lief in seine Augen, doch er traute sich nicht zu blinzeln. Das war kein dummer Streich mehr, das hier war todernst!
Endlich spürte Ventus eine niedrige Mauer in seinem Rücken und wusste, dass er den Springbrunnen erreicht hatte. Das war seine Rettung. Mit einer fahrigen, zittrigen Bewegung hob der Magier einen Schwall des Wassers in die Luft und schleuderte die nasse Ladung auf das giftige Tier. Im gleichen Moment schoss die Natter nach vorne, doch sie knallte nun gegen eine feuchte, dafür aber stahlharte Mauer. Ventus strich sich den Schweiß von der Stirn. Er hatte es geschafft, das Untier in ein flüssiges Gefängnis einzusperren. Vorsichtig, damit der Zauber auch ja nicht abbrach, bewegte er den Wasserkasten in die Luft, mit der Absicht sie zurück in den Giftkreaturen-Keller zu bringen. Danach würde er zu einem der Dozenten gehen und erzählen, was Seymour getan hatte.
Doch dazu kam es nicht. Mit einem Mal gefror der heraufbeschworene Kasten, dann platzte er auf. Ventus hatte grade noch Zeit, den böse grinsenden Seymour zu sehen, der beide Hände erhoben hatte, dann spürte er einen schrecklichen Schmerz im Gesicht, der ihn in die Ohnmacht beförderte. Die wütende Natter hatte ihr Opfer gefunden.

Mitten in der Nacht wachte Ventus auf. Panisch sah er sich um. Dabei verhing etwas sein rechtes Auge. Im Dunkeln konnte er nichts deutlich erkennen und er hatte keine Ahnung, wo er war, oder wie er hier her gekommen war. Sein Kopf fühlte sich seltsam leicht und seitlastig an. Beunruhigt versuchte er sich zu erinnern, was ihm als letztes passiert war. Die Schlange hatte zugebissen. Es hatte sich angefühlt, wie wenn flüssiges Feuer durch seine Adern gepumpt worden wäre. Kaum kam die Erinnerung zurück, da folgte auch schon der Schmerz. Mit einem Mal saß der Junge kerzengrade im Bett, umklammerte mit beiden Händen seinen Kopf, den Mund zu einem Stummen Schrei geöffnet. Die langen, schwarzen Haare, fettig und zerzaust in diesem Augenblick, hingen ihm wirr ins Gesicht. Seine Hände ertasteten einen Verband, doch dessen Druck schien alles noch schlimmer zu machen. Hastig riss er sich die Mullbinden herunter, die quer über sein Auge gebunden worden waren. Der Verband landete im Bett, die Augen hatte er weit aufgerissen. Vorsichtig betastete er sein rechtes Auge. Es war frei, das Lid geöffnet, trotzdem sah er nichts. Er konnte auf dem rechten Auge nichts mehr sehen! Nicht einmal seine tastenden Finger spürte er, auch nicht, als er die Wange berührte. Er verpasste sich selbst eine Backpfeife, doch außer dem schon bestehenden Schmerz kam kein neuer hinzu. Ventus stand unter Schock. Fast seine komplette rechte Gesichtshälfte war wie tot. Aber er konnte nicht einmal weinen. Nein, er begann zu lachen. Dass er noch lebte, war das einzig Gute hier. Die Schlange hatte ihm mit ihrem Gift schlimm zugesetzt. Doch so seltsam das klang, er war ihr nicht mal böse. Diese Natter war provoziert worden, provoziert zu etwas, das in ihrer Natur lag. Eine Schlange verstellte sich nicht. Eine Schlange biss zu, wenn sie sich angegriffen fühlte und sie hatte gewiss kein schlechtes Gewissen darüber, wenn sie jemanden verletzte oder tötete. Das war nun mal ihr Wesen ....
Und da wurde es ihm schlagartig klar. Er hatte sich sein ganzes Leben über verstellt. Er hatte versucht, von allen akzeptiert zu werden, hatte sich verstellt, um anderen zu gefallen, hatte die schlechte Behandlung von anderen ertragen, um seine falschen Freunde nicht zu verscheuchen. Hier, in dieser dunklen Krankenstation, schwor sich Ventus etwas: Ab sofort würde auch er sein wahres Wesen zeigen. Und das hatte ganz schon viel mit dem dieser Schlange gemein.

Seit dem üblen Vorfall mit der Schlange konnte Ventus auf dem rechten Auge nicht mehr sehen. Man hatte ihm erklärt, dass eine Heilung des Gewebes nicht möglich war. Die Muskeln funktionierten noch, die Nerven waren unrettbar zerstört. Aber ein Gutes hatte der Angriff mit sich getragen. Seit diesem Tag hatte er endlich einen Ansporn, der ihn im Unterricht besser werden ließ, der sogar dafür sorgte, dass er letztlich besser war als jeder andere in seinem Jahrgang. Einen im Grunde ganz simplen Ansporn: Sich selbst zu beweisen, dass ER mehr wert war als alle anderen, besser, schlauer, mächtiger war als all die anderen Magiestudenten. Er war zum Einzelgänger geworden, denn der junge Mann, der schon vorher wenig Freunde hatte, legte nun keinen Wert mehr darauf, sich mit anderen abzugeben. Lehrbücher waren die einzige Gesellschaft die er duldete. Und die von Schlangen. Denn anstatt die giftigen Mörder fortan zu meiden, wie ein gebranntes Kind das Feuer, zogen sie ihn nun an. Er studierte die Drachennattern, was sein weiteres Interesse an Giften schürte. So eignete er sich neben dem Wissen über Wassermagie auch ein allgemeines Alchemienaturell an. Letzten Endes war er der Beste gewesen, der seinen Abschluss in der Lehre der Wassermagie machte.
Seymour, den man für diese Tat eigentlich verbannen wollte, verschwand noch vorher am selben Tag. Gerüchte besagen, er sei noch Morgeria gereist, um eine „andere“ Art der Magie zu erlernen.



Die Kugel
Die Akademie von Zyranus, Hörsaal - vor 90 Jahren, 69. der Zeit der dunkeln Tage

In all den Jahren, war sein größter Ansporn immer gewesen, besser zu sein als andere und heute Abend bestand die große Chance, dass dies öffentlich vor den besten Magiern bekannt gegeben wurde.
Ventus trug seine besten Kleider, gehalten in einem edlen Dunkelblau, die schwarzen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Neben ihm, zu seiner Rechten saß seine Mutter, die ihr typisches silbernes Äußeres zu ehren ihres Sohnes in die Farben der Wassermagie gehüllt hatte und glücklich strahlte. Er war nominiert worden, nominiert für eine der drei zyranischen Zauberkugeln. Gut drei Jahre hatte er in die Erforschung dieses Zaubers gesteckt, ein Ritual, mit dessen Hilfe man aus einer schlichten Wasserschale einen exakten Lügendetektor machen konnte. Das hier hätte der stolzeste Tag seines bisherigen Lebens sein sollen, doch das, was sich zu seiner Linken abspielte, stieß ihm sauer auf. Da saß sein Vater, der ungebrochene Windmagier, und trank ein Glas Wein nach dem anderen. Für ihn war diese Veranstaltung eine Schande, was er seinen Sohn spüren ließ.
Der Dekan war ans Rednerpult getreten und hatte damit begonnen, die Nominierten für die zweite der drei Kugeln bekannt zu geben und ihre Forschungen darzustellen. Als man Ventus’ Namen verlas, schwenkte sein Vater das Weinglas wild durch die Luft und wie in Zeitlupe sah Ventus, wie der Wein das Glas verließ und seine Robe benetzte. Doch sein Vater entschuldigte sich nicht einmal dafür, sondern glotzte nur blöd.
„.. darum verleihen wir die zweite Kugel an diesem Abend an Ventus Astovidatu VI., für seine Erschaffung des Ventus-Spiegels!“
Bitternis breitete sich in dem Magier aus und das obwohl er der Gewinner des begehrten Preises war. Der Ventus-Spiegel. Es war seine Schöpfung und sie bekam den Namen, den jeder in seiner Familie hatte. Dass man ihn aus reinen Klanggründen nicht den Astovidatu-Spiegel nannte, war schon alles. Nichts deutete daraufhin, dass der jüngste Spross ihn ersonnen hatte. Nicht einmal einen eigenen Namen hatte er der verfluchten Wasserschale geben dürfen. Und nun würde er sich mit seiner weinverschmierten Robe auch noch vor dem gesamten Publikum lächerlich machen, sobald er nach vorne ging.
Aber jetzt half es nichts mehr, er würde sich noch mehr blamieren, wenn er weiter hier säße. Der Dekan, der die Kugel umsichtig in seinen behandschuhten Händen hielt, sah bereits ungeduldig nach, wo denn nun der Gewinner saß. Auch der Preisträger trug Handschuhe, denn angeblich erhielt man Visionen über seine Zukunft, sobald man die Kugel berührte. Diese Visionen wollte er nicht vor einem Publikum haben. Mit einem leichten Stöhnen stand Ventus auf und ging den langen Weg nach vorne. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, in der alle Augen auf dem besudelten Gewand ruhten, dann stand er neben dem Rednerpult. Der Dekan übergab die Kristallkugel, die Ventus kurz triumphierend über sein Haupt hob. Eine Dankesrede würde er nicht halten, er hatte niemanden, bei dem er sich bedankte. Stattdessen wandte er sich ab und verließ nicht nur die Bühne, sondern auch den Hörsaal. Begleitet von zurückhaltendem Applaus und zurückhaltendem Gelächter.


Die Vision der Kugel
Zyranus, elementarmagisches Viertel - der selbe Tag

Die kleine Kristallkugel zog seinen Blick nahezu auf magische Weise an. Er saß im Schneidersitz auf seinem Bett, die Kugel lag am Fußende. Noch hatte er sich nicht getraut, sie mit der bloßen Hand zu berühren. Was, wenn er keine Vision haben würde? Was, wenn doch? Neugier und Angst kämpften wild in seinem Inneren miteinander. Seine Robe mit dem Weinfleck hatte er ausgezogen und achtlos auf den Boden neben seine Stiefel geworfen. Langsam, so als wollte er einen mit Blut angeklebten Verband entfernen, zog sich Ventus die Handschuhe aus, den Blick stur auf die Kugel gerichtet. Seine Hand wanderte über das Bett, aber kurz bevor er das kleine Ding berührte, zuckte er zurück, als hätte er sich verbrannt. „Beweise doch einmal im Leben Courage!“, murmelte er sich selbst Mut zu und ergriff dann ruckartig die Kugel. Zuerst geschah nichts und enttäuscht wollte der Magier die nutzlose Kugel wieder loslassen, als ihn ein elektrischer Schlag traf und alles schwarz wurde.

... Es war, als würde er von einer hochgelegenen Loge ein Theaterstück betrachten. Unter ihm bewegte sich jemand durch Gänge, die ihm nur allzu gut bekannt waren. Schlagartig wurde Ventus klar, wen er da sah. Die schulterlangen schwarzen Haare, das blaue Gewand ... er sah sich selbst zu! Jetzt, wo ihm das klar war, bemerkte er sogar den Weinfleck auf der Brust. Egal was hier passierte, wenn es in der Zukunft geschah, dann in einer sehr nahen! Der andere Ventus war in der Bibliothek stehen geblieben und rollte eine Leiter vom Eingang zur Mitte. Dort kletterte er hoch und nahm einige Bücher heraus. Dahinter stand quer im Regal ein kleines, schwarzes Notizbuch, das er griff...

Die Szenerie änderte sich. Der neue Ventus war eindeutig älter, nicht einmal mehr Haare trug er. Er lief durch ein kleines Waldstück und pflückte eine schöne, violette Blume mit großer Blüte. Ohne Vorwarnung, als wäre ihm grade etwas eingefallen, rannte er los, durch ein kleines Waldstück und zu einem Fluss, in den er hinein watete. Hinter seinem Zukunfts-Ich sah er Männer, manche mit Waffen, andere in Magierroben hereilen. Dann stand sein anderes Ich mitten im Fluss, hob beschwörend die Arme. Doch bevor etwas passieren konnte, wuchtete sich ein gewaltiger, schlangenförmiger Drachenkopf durch die Wasseroberfläche, aber anstatt ihn anzugreifen, attackierte er die Verfolger des alten Magiers ...

Wieder ein Wechsel, der sich durch totale Schwärze angekündigt hatte. Der glatzköpfige Ventus der Zukunft stand auf einem freien Platz, der durch einen Springbrunnen beherrscht wurde. Ihm gegenüber, am anderen Ende des Platzes befand sich ein weißhaariger junger Mann in einer schwarzen Rüstungen, die wie Glas schimmerte, bewaffnet mit einem sensenförmigen Schwert. „Du elender Verräter! Und dich nannte ich meinen Schüler!“ hörte Ventus sich selbst sagen. Der Krieger stürmte los und wieder herrschte Dunkelheit.

Es wurde nun zunehmend verstörender. Sein anderes Ich saß in einer Kerkerzelle, irre lachend und eine Wand betrachtend, die er wohl komplett mit Kreide beschmiert hatte. Ventus wollte lesen was dort geschrieben stand, doch schon wieder wechselte das Bild, so dass er nur die Skizze eines Dolches und die Worte „Hoher Tempel der“ links und „Narbe im“ rechts von der Dolchangel in der obersten Zeile erkennen konnte.

Anscheinend war sein zukünftiges Ich frei gekommen. Er stand im Inneren einer gewaltigen, hell erleuchteten Halle aus weißem Stein. Abgesehen von einem Steg mit einem Altar am Ende gab es keinen festen Untergrund, sondern nur Wasser. Der glatzköpfige Ventus schritt den Steg entlang bis zum Altar und zückte einen Dolch, welcher der Skizze bis aufs kleinste Detail ähnelte. „All deine Macht gehört rechtmäßig mir ... und MEIN wird sie sein!“ Die Worte hallten in der echoreichen Halle, dann stieß er sich selbst den Dolch in die Brust. Der Körper fiel vom Altar und versank im Wasser. Wie als wäre es Säure löste sich sein Körper auf, bis nichts mehr vorhanden war, außer seiner Kleidung und dem Dolch. Alles wurde finster, doch im letzten Augenblick erkannte Ventus eine Regung an der Wasseroberfläche ...


Ohne zu wissen wie, fand sich Ventus plötzlich auf seinem Bett wieder. Auf seiner Stirn stand kalter Schweiß und er zitterte leicht. Die Kristallkugel war vom Bett herunter gerollt und auf dem Boden gelandet. Jetzt bereute der Magier, dass er einen Blick in seine Zukunft riskieren wollte. Das war es also? Er würde auf der Flucht sein, verraten werden und noch schlimmer, am Ende sich im Wahnsinn selbst umbringen? Mit der geballten Faust schlug er gegen den Bettpfosten. Der Schmerz half ihm beim Nachdenken. Er wusste doch nun, was passieren würde, also konnte er es ändern! Er müsste einfach nur die Finger von diesem kleinen Notizbuch lassen, dann wäre alles in Ordnung. Und doch ... die angeborene Neugier des Menschen war geweckt. Ventus MUSSTE wissen, was in diesem Buch stand, was der Grund für diese üble Zukunft war! Ohne weiter über die Sache nachzudenken, sprang er auf, griff nach seinem Gewand mit dem roten Weinfleck und steifte es über. Warum er sich keine saubere Robe genommen hatte, war ihm selbst nicht klar. Diese Tracht zu tragen schien ihm einfach ... richtig.

Bild

Die Vision der Kugel
Die Akademie von Zyranus, die große Bibliothek - der selbe Tag

Die Gänge in der Universität waren wie ausgestorben. Niemand schien mehr auf den Beinen zu sein, kein Geräusch drang aus dem Hörsaal, als der Magier vor der Tür vorbei schlich. Wie spät es war wusste er nicht, ebenso wenig wie den Zeitraum, in dem er die Vision gehabt hatte. Natürlich kam ihm die leere Universität nun zugute. Endlich hatte er die Bibliothek erreicht und sah dort auch die Rollleiter, ganz am Eingang. Sofort ergriff Ventus das Geländer und zog sie an der Bücherwand entlang, bis er auf etwa der Hälfte grundlos stehen blieb. Dann erklomm er die Sprossen, bis er einen der Folianteneinbände erkannte. Schnell zog er das schwere Buch und seine drei Nachbarn heraus, legte sie auf die kleine Ablagefläche am Ende der Leiter und da war es: Klein, alt, schäbig. Ein Notizbuch mit schwarzem Einband. Es wirkte sehr unscheinbar. Warum man es wohl hier versteckt hatte? Noch auf seiner erhöhten Position schlug er das Buch auf und überflog die ersten Seiten. Es waren die Aufzeichnungen einen namenlosen Autors, der über versunkene Tempel und vergessene Schreine berichtete. Nichts Interessantes. Ventus begann schneller zu blättern. Dann hielt er inne, denn er hatte etwas erkannt. Auf einer Seite war genau mittig die Skizze des Dolches, die er gesehen hatte. Links und rechts daneben stand etwas in einer Schrift, die der Magier nicht entziffern konnte, ja er hatte sie noch nicht einmal je gesehen. Enttäuscht blätterte er weiter und las die Überschrift der nächsten Seite, die wieder in klarem Melongiar verfasst worden war. Sie lautete „Homunkulus Leviatan – Avatar der Meere“. Die nachfolgenden Textpassagen las Ventus nun viel interessierter und nach einer Weile ergaben sie alle einen Sinn:
Die Geschichte handelte von einer ... war es eine Macht oder war es ein Wesen? Das wurde nicht ganz klar. Doch was es war, es war die höchste und mächtigste Stufe, die ein Lebender in der Kunst der Wassermagie erreichen konnte, was jedoch an mehrere Bedingungen gebunden war. Man musste bereits in der Kunst des Wasserbändigens bewandert, nein, sogar sehr fortgeschritten sein. Danach brauchte man einen Dolch, der angeblich ein Geschenk der Göttin Ventha selbst war. Der Dolch konnte aber nicht erlangt werden, außer wenn ein ergebener Schüler ihn nähme um ihn seinem Meister zu übergeben. Zuletzt müsse man den verschollenen Tempel der Ventha finden und dort mithilfe des Dolches das eigene Leben aufgeben um ein anderes zu beginnen. Doch zu diesem Tempel verwies nur der unlesbare Text, für den es keine Übersetzung gab.
Es machte alles einen Sinn. Dieses Wesen im Fluss, das war kein Drache gewesen, es war ein Wasserzauber! Diese drei Ritter, die sich auf ihn stürzen würden, hatte er sie nicht Schüler genannt? Das Bild des Dolches an der Kerkerzelle, da schien es ihm gelungen zu sein, den Text zu übersetzten! Wieso nur war es ihm nicht möglich gewesen den Text zu lesen? Und schließlich ... er würde den Tempel finden und sein eigenes Leben aufgeben. War da nicht eine Bewegung im Wasser gewesen, nachdem sein Körper sich aufgelöst hatte? Er war nicht verrückt, nicht wahnsinnig geworden ... er hatte einen Weg zu mehr Macht gefunden, als sich jeder Magier in Zyranus jemals erträumen würde!
Hastig steckte sich Ventus das Buch in die Robe. Mit ihm stand alles in einem anderen Licht. Nun, aber sicherlich gab es einfachere Wege, diese Ziele zu erreichen, als die in seiner Vision. Er hatte ja nun einen klaren Vorteil, denn im Gegensatz zu seinem zukünftigem Ich wusste Ventus, dass er Erfolg haben würde. Fröhlich pfeifend kletterte der Magier die Leiter hinab und ging zurück nach Hause.
Der Tag endete nicht so schlecht, wie er begonnen hatte. Dass er das Buch ohne die Vision niemals gefunden hätte, kam ihm nicht in den Sinn.


Schüler
Die Akademie von Zyranus - vor 88 Jahren, 32. der Zeit des Wandels

„Nun, ich würde Ihnen vorschlagen, diesbezüglich einige Nachforschungen in der Bibliothek zu machen. Natürlich könnte ich Ihnen die Antwort nun geben, aber Sie haben wesentlich mehr davon, wenn Sie es im Zusammenhang lernen, aus allen Blickwinkeln.“ Ventus ordnete die Unterlagen auf seinem Pult, während er von einer kleinen Schar Jugendlicher umringt war, die allesamt das Dunkelblau der Wassermagier in ihren Roben trugen. Eine von ihnen, ein lockenköpfiges Mädchen, blickte etwas enttäuscht zu Boden, denn sie hatte mit einer anderen Antwort gerechnet. Kurz sah Ventus auf. „Aber ein kleiner Tipp, Kassio Mandolin beschreibt dieses Thema in Kapitel 16 und 17 seiner dritten Ausarbeitung am genauesten.“ Er zwinkerte dem Mädchen zu, das kicherte, sich bedankte und gefolgt von zwei anderen Schülerinnen den Raum verließ. Noch etwas über eine halbe Stunde redete Ventus weiter mit den Jugendlichen, bis sein Klassenraum sich endlich geleert hatte. Entspannt lehnte er sich in seinem hohen Lehnstuhl zurück, faltete die Hände hinterm Kopf und sah durch die großen Fenster nach draußen. Es tat gut. Es tat sogar verdammt gut! Ventus lächelte beim Gedanken an all die Studenten, die ihn fast wie einen Helden bewunderten. Es war so einfach ihr Vertrauen zu gewinnen, man musste sie nur besser behandeln als die anderen Dozenten, mehr auf ihre Interessen eingehen. Wozu sich die Mühe machen, irgendwo draußen in der Welt einen Schüler zu suchen, wo er hier in Zyranus doch nahezu unendlich viele Kandidaten gab?
Zwei Jahre war es nun her, dass Ventus die Vision über seine Zukunft gehabt und dabei das Buch gefunden hatte, das alles verändern sollte. Und seit anderthalb Jahren unterrichtete er an der Universität die Neulinge und jene, die sich für die Wassermagie entschieden hatten. Natürlich, die Lehrstellen waren begehrt und wer eine hatte, der gab sie nicht so schnell auf. Das traf auch auf seinen Vorgänger Paracelcus zu. Der störrische, alte Mann dachte nicht einmal im Traum daran, seinen Lehrstuhl abzugeben.
Ein leises Lachen drang aus der Kehle des Magiers bei diesem Gedanken. Tja, das war seine eigene Schuld. Hätte er seine Stellung freiwillig aufgegeben, würde der Narr noch leben. Mord, das klang immer nach so einer abscheulichen, unmachbaren Tat. Dabei war es gar nicht so schlimm, wenn man es erst einmal hinter sich hatte. Es waren nur ein paar Tropfen Gift im privaten Wein des alten Magiers gewesen. Alle hatten gedacht, sein Herz hätte versagt, darauf, dass jemand diesen freundlichen, in die Jahre gekommenen Mann absichtlich töten wollte, war niemand gekommen. Und praktischerweise hatte man ihm als ersten Bewerber den Lehrstuhl zugesagt, zumal ihn seine Auszeichnung durch die Zyranische Zauberkugel ohnehin hervor hob. Und nun saß er hier, an der Quelle für magisch begabte Menschen. Im Grunde könnte er sich schon jetzt einen von ihnen aussuchen und sich auf den Weg machen, diesen Dolch zu finden.
Aber er wollte nichts überstürzen. Nein, er würde sich Zeit lassen. Ein paar Jahre noch. So könnte er sich einen Überblick über die erdenklichen Studenten machen, sehen wer sich besonders hervor tat, wem man vertrauen konnte. Außerdem, wo sollte er mit der Suche nach dem Dolch anfangen? So ganz ohne Anhaltspunkte? Nein, er hatte Zeit ...


Exil
Zyranus, der Turm der Magie - vor 73 Jahren 1. der Zeit des Wandels

Endlich war es so weit! Ventus war ganz aufgeregt, dass man ihn nun endlich anhören würde. Wie treffend es war, dass seine Audienz vor dem Hohen Rat am ersten Tag der Zeit des Wandels war. Aufgeregt und mit einem freudestrahlenden Gesichtsausdruck ging Ventus auf und ab, wartete darauf, endlich eingelassen zu werden. Wenn man seine Vorschläge annehmen würde, so würde sich das Angesicht der Welt für immer verändern! Es war das Beste für alle Magier. Und gleichzeitig würde es seinen eigenen Zielen zugute kommen und ihm selbst mehr Macht und Ansehen einbringen. Bisher hatte er noch mit niemandem darüber geredet. Insgeheim fragte sich der Magier sogar, warum vorher noch keiner auf die Idee gekommen war ...?
Ein Bediensteter trat an Ventus heran und erklärte ihm, dass der Rat ihn nun anhören würde. Mit stolz geschwellter Brust trat er durch die Tür und betrat den Ratssaal. Es war ein erhebendes Gefühl vor den mächtigsten und weisesten der Magier von Zyranus sprechen zu dürfen! Der Ratsmagier Kastro Elessart erhob als erstes das Wort und verlas die Nachricht, die Ventus dem Gremium geschrieben hatte. Danach nahm er seine Brille ab und sah den Mann neugierig an. „Zusammenfassend, wollen Sie nun also über die Zukunft von Zyranus reden. Dabei haben Sie jedoch nicht gesagt, worum es genau geht. Normalerweise hätten wir Sie nicht vorgelassen, doch da Sie als Angehöriger des Universitätskollegium und Träger einer Kristallkugel einiges Ansehen haben, wollen wir Sie gerne anhören.“
Ventus räusperte sich und verschränkte die Arme hinter dem Rücken, eine Pose, die er zuvor lange geübt hatte. „Verehrte Ratsmagier, Höchste von Zyranus! Ich erscheine heute als untertäniger Diener, der seine Heimat und sein Volk liebt! Zyranus, das ist eine Stadt der Forscher, der Gelehrten. Uns alle, gleich welcher magischen Ausrichtung wir folgen, verbindet der Wunsch nach mehr Wissen und Macht. Und eben deshalb bin ich hier.“ Für eine kurze, dramaturgische Pause hielt der Magier inne und betrachtete die Gesichter der anderen Männer und Frauen. Die meisten wirken interessiert oder zumindest neugierig. „Ich bin im Besitz von Aufzeichnungen, die zu wahren Schätzen aus Wissen und Macht führen! Leider sind sie verschlüsselt, keiner unserer Übersetzer konnte mir da helfen. Doch das Wichtigste verstehe ich. Es gibt einige Dinge, die benötigt werden, Reliquien und Götzenbilder. Laut meinen Aufzeichnungen wären wir, sobald wir in den Besitz dieser Gegenstände kommen, in der Lage je einen Feuer-, Wasser-, Erd- und Geistmagier in wahrlich übermächtige Wesen zu transformieren, erfüllt mit einer Stärke, die das Antlitz der gesamten bekannten Welt verändern könnte! Und wer weiß, sobald wir erst einmal vier dieser Wesen geschaffen haben, finden wir sicher noch Wege und Möglichkeiten für die restlichen Magiezweige!“
Elessart beugte sich ein wenig nach vorne und musterte den Mann, der sich in seinem Vortrag selbst in Ekstase geredet hatte. „Und wie kommen wir in Besitz dieser Reliquien? Wie erschaffen wir diese Wesen?“ Seine Fragen waren scharf formuliert, denn ihm war die ganze Geschichte nicht geheuer, im Gegenteil es schienen mehrere Haken nicht bekannt zu sein.
„Für die Transformation muss sich ein Meistermagier der entsprechenden Kunst selber opfern. Ich selbst wäre bereit für diese Macht mein Leben zu opfern!“
„Aber wie bekommen wir die Gegenstände, die für die Verwandlung notwendig sind?“ setzte Elessart nach, seine Augen waren zu Schlitzen verengt.
Ventus schwieg. Er hatte einen Plan, aber konnte er es wagen, diesen offen auszusprechen? Blieb ihm in diesem Moment eine Wahl? Nein, vor diesen Magiern wollte der Mann mit offenen Karten spielen, wer würde ihn verstehen, wenn sie nicht? „Die Reliquien sind verschollen. Doch ich denke, dass wir sie in den Tempeln in den großen Städten finden. Die Objekte sind angeblich Geschenke der Götter. Dolche, Scheiben, Steine, Werkzeuge, solche Dinge. Doch sie müssen von einem Schüler genommen und willentlich an den Meister weitergegeben werden. Mein Plan, verehrtes Gremium, lautet daher, die Schüler der Universität im Kampf auszubilden und sie danach gewaltsam die Tempel plündern zu lassen. Kein Heiligtum würde seine Schätze offen verteilen, es ist die einzige Möglichkeit.“
Eine Ratsmagierin lachte schallend auf und wischte die bloße Vorstellung mit der Hand weg. „Das ist absurd!“, meinte die Alte mit rauchiger Stimme. „Ist Ihnen klar, dass wir damit nicht nur die Leben unserer Schutzbefohlenen riskieren, sondern auch einen Krieg mit der gesamten bekannten Welt?“
Das brachte Ventus ein wenig aus der Fassung. Ringsum kam ähnliches Gemurmel von den anderen Ratsmagiern. Sie verstanden es nicht, wieso verstanden sie es nicht? „Was sind schon die Leben von einem Schüler, oder auch von hundert Schülern, im Vergleich zu der Macht und dem Wissen, das wir gewinnen können? Und wenn wir erst einmal diese Wesen in unseren Reihen hätten, bräuchten wir keinen Krieg mehr scheuen, wir könnten eine magische Armee aufstellen und Celcia unterwerfen! Die Magier könnten danach die Welt regieren, mit Weisheit und Stärke und ...“
„Genug jetzt!“ Kastro Elessart war vor Wut aufgesprungen, eine Zornader pochte auf seiner Stirn. „Ventus Astovidatu, Sie sind ein kranker Mann, Sie sind wahnsinnig! Hören Sie sich eigentlich reden? Einen solchen Krieg wird es niemals geben! Der Rat der Magier weist Ihren Antrag ab. Nun gehen Sie, bevor wir uns entschließen, Sie in Ketten legen zu lassen!“
Ventus hatte die Augen weit aufgerissen, sein Mund stand leicht offen. Hatte denn keiner verstanden, was für Möglichkeiten er hier offenbarte? Was für eine Gelegenheit? Er ballte die Hände und sah reihum in die Gesichter der Magier und Zauberer. Sie alle blickten zornig, sogar ein wenig mitleidig auf ihn hinab. „Ich werde diesen Weg gehen, Ratsmagier. Mit oder ohne Ihre Zustimmung! An der Universität habe ich gut 50 Schüler, die mir jeden Befehl ausführen würden, ohne ihn zu hinterfragen. Da Ihr nicht auf meinen Vorschlag eingehen wollt, dann vielleicht auf meine Vorhersage: Sobald ich mit dem Ritual mit mir selbst fertig bin, werde ich genug Macht haben, um jeden in diesem Raum dazu zwingen zu können!“
Nun standen sie alle auf, brüllten und zischten Beleidigungen und Drohungen. „Das ist eine Frechheit sondergleichen.“ Die Worte von Elessart ließen die anderen verstummen. „Ventus Astovidatu, wie mir scheint, ist es zu gefährlich, Sie in Frieden ziehen zu lassen. Wir werden Ihnen das Amt als Dozent an der Universität entziehen und...“
Doch Ventus hob die Hand und unterbrach den älteren Magister. „Nein. Ich werde diese Stadt verlassen, die mir den Rücken gekehrt hat, die meine Genialität nicht versteht! Ich gehe ins Exil. Doch verspreche ich, dass die Welt nicht das letzte Mal von mir gehört haben wird!“
Er wandte sich abrupt ab und verließ den Ratssaal. Keiner der Meister interessierte sich für ihn. Für sie war das nur ein wahnsinniger, kranker Mann, der es nicht wert war, beachtet zu werden. Und wenn er Zyranus für immer verlassen wollte, dann sei es so. Niemand würde je wieder von ihm hören ...


Wiedergeburt
Der Wald Sarius, am Fluss Ilfar- vor 73 Jahren 20. der Zeit des Wandels

Die glatte Klinge des Rasiermessers wanderte immer wieder von vorne nach hinten über seinen Kopf. Zu Füßen des Mannes lagen unzählige Strähnen langen schwarzen Haares. Ein letztes Mal glitt die Schneide über den nun kahlen Schädel, dann klappte sein Besitzer das Messer zusammen und steckte es sich in die Tasche. Nachdenklich betrachtete der Magier sein ungewohntes Äußeres in der Reflektion des Wassers, dabei strich er sich über den kurzen Kinnbart, den er sich seit einigen Tagen stehen ließ. Seine Hand schlug ins Wasser und zerstörte das Abbild. Damit war es getan! Die Geschichte von Ventus Astovidatu VI. war endgültig beendet. Er hatte es auf die Art des weichen Mannes versucht und war gescheitert. Der gefühlvolle, vertrauensselige Narr war tot, kein Geschichtsbuch sollte diesen Namen mehr führen.
Mit der Hand glitt sich der Magier über den glatten Schädel und lächelte sein Spiegelbild böse an. Nicht länger würde er den Namen seiner Väter und Vorväter tragen. Ventus war gestorben. Und er war wiedergeboren. Wiedergeboren als Vanitas Aka Manah I., dem Mann, den die gesamte Welt bald „Meister“ nennen würde ...


Große Arkana: Der Kaiser
Der Wald Sarius, am Fluss Ilfar - vor 28 Jahren 17. der Zeit des Übergangs

Für Vanitas bestand das Leben in der Wildnis aus Routine. Er stand auf, ging etwa eine Stunde spazieren, um seinen Gedanken nachzugehen und verbrachte den restlichen Tag mit dem Training am Fluss oder dem Erforschen und Entwickeln von neuen Ritualen, Beschwörungen und Zaubern. Am Abend aß er von seinen Vorräten, die etwa einmal alle ein bis zwei Wochen von einem Boten der Waldmenschen aufgestockt wurden. Das war Teil eines Paktes, den er mit diesem seltsamen Waldvolk geschlossen hatte. Als Gegenleistung konnten sie auf sein Wissen in Alchemie zurückgreifen, wann immer sie es benötigten. Zudem gab Vanitas ihnen immer wieder geringe Mengen an magisch veränderten Eisbrocken, die von den Waldmenschen zur Reinigung ihres Trinkwassers benutzt wurden. So verstrichen die Tage, wurden zu Wochen. Wochen verstrichen und wurden zu Jahren. Zeit verlor langsam jede Bedeutung für den Magier. Seine Macht und sein Wissen um die Wassermagie hingegen wuchsen beständig. Letzten Endes erschuf er so gewaltige und grauenvolle Zauber, wie sie in dieser Kunst vorher kaum existierten. Kaum zwei Magiearten ähnelten sich wie die Wasser- und die Eismagie, deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Vanitas sich in diesen anderen Magiezweig vertiefte. Er schaffte es nie, die Eismagie so zu beherrschen wie die Wassermagie, doch wurde er mit der Zeit immerhin besser als die meisten anderen.
Doch die Jahre in Abgeschiedenheit und Askese machten Vanitas auch verbittert. Und er war einsam, was ihm erst sehr spät auffiel, doch nicht zu einem besseren Menschen machte, sondern nur den Wert von Gesellschaft lehrte.
Hin und wieder schickte man Kopf- und Magiejäger nach ihm aus, doch er hatte nicht die geringsten Probleme mit einer kleinen Gruppe fertig zu werden, solange er sich in der Nähe von soviel Wasser befand. Bis schließlich nach 45 Jahren des Lebens im Sarius eine großangelegte Jagd auf ihn veranstaltet wurde, deren Ursprung zweifelsfrei beim hohen Rat der Magie lag ...


Wie jeden Morgen wanderte Vanitas durch das Unterholz des Sarius. Fast jeden Tag nahm er die selbe Route, wich nur mal hier und da ein wenig von ihr ab. Im Grunde ging es gar nicht darum, die Umgebung zu genießen, er dachte nur nach. In der Ruhe des Waldes nachdenken zu können, war etwas herrliches. Es half den Geist zu befreien, Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, auf die man sonst nicht kam. Häufig war ihm an so einem Morgen eine Variation in einer magischen Formel gekommen, die diese um einiges verbesserte oder auch überhaupt erst möglich machte. Leise pfeifend und mit hinter dem Rücken verschränkten Armen bog Vanitas links um einen dichten Strauch, ging ein paar Schritte und blieb dann stehen. Sein Blick wanderte über den Boden, eine Blumenwiese, die ihm noch nie aufgefallen war. Nachdenklich durchquerte er das Blumenmeer und blieb fast mittig stehen. Eine große, violette Blüte mit einem riesigen Kopf fiel ihm besonders auf. Neugierig bückte er sich nach der Pflanze, pflückte sie und hielt sie sich vors Gesicht, um die Blütenblätter genauer zu betrachten. Sie war eigentlich sehr hübsch. Irgendwie kam sie ihm ungeheuer bekannt vor, auch wenn sich Vanitas nicht entsinnen konnte, sie je zuvor in Händen gehalten zu haben. Jäh wurde es ihm klar, wie Schuppen fiel es dem Mager von den Augen. Er ließ die Blume fallen und rannte los, wobei er gleich beim ersten Schritt die violette Blüte zertrat. Grade noch rechtzeitig, wie es schien, denn in diesem Augenblick zerschellten ein paar Pfeile und ein Feuerball genau dort auf dem Rasen, wo er grade noch gestanden hatte, wie Vanitas bei einem Blick über die Schulter bemerkte. Entfernte Flüche in verschiedenen Sprachen waren zu hören und die Umrisse von Männern zeichneten sich hinter ihm ab. Silhouetten, die darüber hinaus rasch näher kamen.
Vanitas war kein Sprinter, schnelles Rennen hatte er nie gebraucht, darum gewannen einige der Jäger rasch an Raum. Aber der Magier hatte den Vorteil zu wissen, dass er nicht lange wegrennen musste. Das hier war der Tag der Entscheidung! Er wusste es. Er hatte es gesehen! Die Frage war nur, ob es ihm gelingen würde, den Kampf zu gewinnen? Bisher war er bei diesem Zauber, den er nun seit fast einem halben Jahrhundert zu perfektionieren suchte, verzagt. Das Rauschen des Flusses kam nun immer näher. Dort, mit Unmengen von Wasser, die ihm als Waffe zur Verfügung standen, war er am sichersten. Er konnte sich wehren, ganz gleich was geschehen würde! Blitze, Feuer und Pfeile umschwirrten den flüchtenden Magier. Noch einmal blickte Vanitas zurück und konnte nun ganz nah die massigen Leiber von, mit Schwertern und Äxten bewaffneten, Kriegern sehen.
Um ihn herum wurde der Wald lichter, bis er endlich den Kies der Uferböschung unter seinen Füßen spürte. Ohne auf seine Stiefel zu achten, sprang der Magier ins Wasser und watete noch ein Stück bis zur Mitte des Flusses, dessen Strömung um ihn herum fast zum Stillstand gekommen war. Er schloss die Augen und hob die Arme wie ein Dirigent. Seine Hände bewegten sich fließend, wie das Wogen der Wellen, seine Finger öffneten, spreizten und ballten sich, wie die weiße Gischt. Etwas Heißes zischte an Vanitas vorbei, doch er achtete nicht drauf. Ihm war klar, dass die meisten der Jäger den Fluss erreicht hatten, er fühlte die Anwesenheit einiger innerhalb dessen. Leise flüsternd murmelte Vanitas seine Formel. Das Ergebnis seiner Studien, sein eigener Besitz ...
Vanitas drehte sich zu der blutgierigen Meute um und öffnete die Augen. „Nun lernt es kennen.“, sprach er feierlich und reckte die Arme nach vorne, „Das wahren Grauen! Große Arkana: Der Herrscher[/!“ Die Krieger, die ihn fast erreicht hatten, waren stehen geblieben und glotzten ängstlich. Einige ließen ihre Waffen fallen, andere suchten ihr Heil in der Flucht. Langsam ging Vanitas rückwärts, bis er die Liebkosung des kühlen Nasses fühlte. Wie ein Vorhang umgab es ihn. Dann ertönte ein schrilles Kreischen und der Kopf der gewaltigen Schlange wirbelte durch die Luft. Damit brach die Panik aus. Krieger, Bogenschützen und Magier, sie alle wichen vor der monströsen Riesenschlange zurück, die ohne Vorwarnung aus dem Wasser aufgetaucht war. Die Magier überwanden die Furcht zuerst und schleuderten alles, was sie hatten, gegen das durchsichtige Untier. Überall begann der Körper zu dampfen, doch Vanitas ließ jedes Mal die geschlagenen Wunden sofort verheilen. Auf ein Faustballen des Hexers hin, überzog sich der Körper der Schlange mit weißen Schuppen aus Eis. Noch einmal kreischte das magische Ungetüm und begann damit, seine Widersacher zu attackieren. Die Giftzähne mochten kein Toxin enthalten, doch sie waren groß genug, um einen erwachsenen Mann einfach aufzuspießen. Der Kopf schnellte immer wieder nach unten, blutige Leiber flogen durch die Luft.
Vanitas, der den Schutz des Schlangenkörpers wieder verlassen hatte und sein Monster von dessen Rücken aus dirigierte, lachte fast wahnsinnig. Dann hob er erneut die Arme und setzte das Ritual fort. Kurz danach schossen ein zweiter und ein dritter Kopf links und rechts aus dem Schlangenkörper. Das Wasser des Flusses hatte sich an manchen Stellen rot verfärbt, Leichen säumten die Böschung oder trieben mit dem Kopf unter Wasser. Die meisten Überlebenden waren geflohen, während die letzten mutigen Narren nach und nach von den drei wilden Köpfen zerfleischt wurden.

Vanitas überlebte diesen Tag und setzte Zyranus damit ein Zeichen. Stümper, Glücksritter und Anfänger zu schicken, war nicht genug, um einen Magier wie ihn zu beseitigen.
Gleichsam setzte dieser Tag einen Siegelstein auf der Straße von Vanitas’ Leben. Nun, da er mächtig genug war, um einen Fluss gegen seine Feinde hetzen zu können, hielt er sein Training im Exil für beendet. Viel stärker konnte er nicht mehr werden, zumal sein Leben auch nicht ewig währen würde. Bereits am nächsten Tag verließ Vanitas die Wildnis, um sich das erste Mal seit Jahrzehnten wieder unter Menschen zu wagen. Dafür wählte er den südlichen Teil von Celcia aus, denn in diesen Gefilden war der Magier nicht bekannt und lief nicht Gefahr, auf offener Straße attackiert zu werden, wenn man ihn erkannte. Nun, da er mächtig genug war, fehlte ihm ein Schüler und natürlich noch immer Informationen über den Dolch, der weiterhin verschwunden blieb. Viele magisch Begabte, Männer und Frauen, Krieger, Bauern, sogar einen Dieb, nahm Vanitas unter seine Fittiche. Sie alle waren früher oder später eine Enttäuschung. Bis Vanitas auf einen Jungen traf, der sich als Mörder verdiente. Alexej, ein Straßenkind aus Grandessa, der aufgrund seiner Herkunft als halb Nachtelf, halb Andunier von der Gesellschaft gemieden wurde, war ebenfalls ein Wassermagier und stellte sich als der begabteste heraus, den Vanitas je Schüler genannt hatte. Natürlich erkannte der Magier, der nun allmählich alt wurde, in Alexej jenen Kämpfer wieder, den er in seiner Vision gesehen hatte, doch letztlich hoffte er, einen so begabten Jungen nicht sinnlos töten zu müssen. Er war perfekt, es galt nur, sein Vertrauen und seine Treue zu festigen ...



Verräter
Grandessa - vor 15 Jahren, 1. der Zeit der Abendsonne

„Vier lange Jahre hast du mir treu gedient, Junge und nun das ...“ Vantias stand auf einem großen Platz im inneren Ring der Königsstadt Grandessa. In seinem Rücken plätscherte ein Springbrunnen. Es war noch vor Sonnenaufgang, die Leute im Adelsring schliefen wahrscheinlich noch alle. Niemand war hier, außer ihm und dem hochgewachsenen, weißhaarigen jungen Mann am anderen Ende des Platzes. Das Gesicht des Bengels brachte den alten Magier in Rage. Dieses selbstverliebte, überhebliche Grinsen! Alexejs Körper war von einem feucht schimmernden, schwarzen Panzer umhüllt. Nichts anderes als eine bewegliche Rüstung aus Wasser, die sich schwarz gefärbt hatte, wie alles, was der Hybrid auf magische Weise nutzte. Sein Können war unglaublich für sein kurzes Leben und seine noch kürzere Ausbildung! In der Hand hielt der Mann ein Schwert, dessen Spitze in einem Winkel von 90° abknickte und damit das Aussehen einer kleinen Sense annahm.
Bis vor zwei Tagen war sich Vanitas von seiner Treue sicher, zu sicher, wie es schien. Denn zwei Tage war es her, seit er seinem Schüler von dem Ritual erzählt hatte, mit dem er selbst aufsteigen wollte. Doch der verräterische Hund hatte ihn sofort verlassen, als ihm klar wurde, dass ihm diese Macht vorenthalten wurde! Nun standen sie beide hier ... Und nur einer durfte wieder gehen. Sie beide wollten die selbe Kraft, sie beide wollten den Dolch für sich selbst, sie beide wollten Macht. Aber am Ende konnte nur einer alles bekommen, der andere musste leer ausgehen.
Vanitas hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt, der lange schwarze Mantel umhüllte ihn wie ein Schatten. Außerhalb des Blickfelds des Verräters glitt eine kleine Glasphiole mit rötlichem Inhalt aus seinem Ärmel, platzte mitten in der Luft auseinander und die rote Flüssigkeit schwebte wie durch Geisterhand in den Brunnen hinein, wo es sich mit dem restlichen Wasser vermischte und seine Farbe verlor..
„Du elender Verräter! Und dich nannte ich meinen Schüler!“ In dem Moment, da Vanitas es brüllte, rannte Alexej los. Dummer Junge. Er, der Meister, hatte den Trumpf in seinem Rücken, die einzige Wasserquelle weit und breit. Sein Schüler hatte nur das schwarze Wasser an seinem Körper und natürlich sein lächerliches Schwert. Der Kampf zwischen beiden entbrannte, wild und schnell. Immer wieder schossen sie stahlharte Wasserpfeile aufeinander ab, attackierten sich mit Peitschen und Sensenangriffen. Sie schienen einander vollkommen gleichwertig zu sein. Vanitas landete nur immer wieder einen winzigen Kratzer, während Alexej zwar nicht direkt traf, aber seinen ehemaligen Meister immer weiter vom Brunnen weg trieb.
Am Ende machte sich das Alter bemerkbar und nach gut einer Stunde des Kampfes glitt Vanitas außer Atem aufs rechte Knie herab. Mit triumphierendem Blick fiel die schwarze Rüstung von Alexej ab und mit erhobenem Schwert ging er auf seinen alten Meister zu. Er wollte grade zu einer höhnischen Bemerkung ansetzen und Vanitas den letzten Schlag versetzten, als sein Körper steif wurde. Er ließ sein Schwert fallen und sank auf beide Knie, weißer Schaum stand ihm vor dem Mund. Anscheinend mit aller Anstrengung fasste sich Alexej an den Hals, wo ihn vor vielleicht zwanzig Minuten eine scharfe Woge geschliffen hatte. Das wenige ausgetretene Blut warf winzige Bläschen. Dann kippte er nach vorne, eindeutig tot. Letzten Endes hatte das Gift seine Wirkung gezeigt und das beendet, was Vanitas nicht zu tun imstande gewesen war.
„Es gibt nur einen Meister des Meeres, dummer Junge.“ meinte Vanitas und erhob sich. Nun brauchte er wieder einen neuen Schüler ...




Anstrebungen und Ziele:

Im Allgemeinen hat Vanitas noch folgende Ziele, die er erreichen will:
  • Er sucht noch immer nach dem Dolch von Ventha.
  • Er braucht die Übersetzung des Textes um den Tempel zu finden, wahrscheinlich auch den Dolch.
  • Er sucht einen neuen Schüler, dem er vertrauen kann.
  • Er sucht den verschollenen Tempel der Ventha.
  • Abweichend von allem anderen will Vanitas noch mehr Macht.


Einstiegspost
Meister Vanitas Aka Manah startete hier: Das Östliche Drachengebirge – Die hauptstadt Pelgar – Bibliothek – Der Weg zum Wissen

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Re: Meister Vanitas Aka Manah

Beitrag von Vanitas » Freitag 23. März 2012, 19:49

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Äußerlichkeiten

Äußerlich hat sich Vanitas mehr als nur stark verändert. Gegen seinen Willen hat die dämonische Kraft, die versucht ihn zu beherrschen, den Zyraner nicht nur von all seinen leiden geheilt, sondern sogar rapide verjüngt. Vanitas sieht nicht nur äußerlich aus, wie etwa 25 Jahre, er verfügt sogar wieder über einen gänzlich jugendlichen Körper, der sich nur in wenigen Punkten leicht von seinem ursprünglichen, jungen Ich unterscheidet. So ist Vanitas’ Haut zwar immer noch dunkler, als sie es früher war (eine folge des langen Lebens in der Sonne, außerhalb von Zyranus), dafür aber wieder so glatt und rein wie die eines jungen Mannes. Er ist zwar körperlich etwas kräftiger geworden als in seinem vorherigen Zustand, aber noch immer ein Zyraner und daher im vergleich zu jedem hart arbeitenden Bauer eher schwächlich. Auch wirkt sein Körper noch immer sehr mager und schlaksig und die Rippenbögen sind deutlich zu erkennen. Sein Gesicht ist nun ebenfalls faltenfrei ist. Die markanten Charakteristika seines Antlitz hat er jedoch bei behalten, sie stechen sogar noch mehr hervor. Sein ohnehin elegantes und aristokratisches Gesicht wirkt nun noch hochnäsiger als zuvor. Tatsächlich ist er sogar recht hübsch anzusehen, hat aber extrem grausame Züge. Vor allem seine gelben Augen wirken trotz ihrer warmen Farbe eiskalt. Der einzige wirkliche Unterschied zu seinem jungen ich besteht darin, dass seine Haare nicht wieder schwarz geworden sind, sondern silbrig weiß blieben. Durch die Verjüngung sind diese aber rapide gewachsen.
Auch seine Kleidung hat Vanitas leicht variiert. Zwar trägt er noch immer die selbe, schwarze Hose und auch den Phiolengürtel mit seiner Giftsammlung, den Rest aber hat er verändert. Seines braunen Gewandes hat er sich entledigt, da es ohnehin keinen nutzen mehr hatte. Sein schwarzer Mantel und das weiße Hemd hat er ebenfalls angelegt, da sie durch die Ereignisse in Pelgar schmutzig und leicht blutverschmiert waren. Stattdessen trägt er nun ein anderes, schwarzes Seidenhemd und darüber einen sehr langen, dunkelblauen Mantel mit silbernen Verzierungen und einem schwarzen Federkragen. Auch seine weißen Stiefel hat er gegen robuste, gehärtete schwarze Lederstiefel getauscht. Auf Handschuhe, wie er sie vorher trug, verzichtet Vanitas nun, da er sie ohnehin nur mit Blut verschmutzte.
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Persönlichkeit & Charakter

Vanitas Charakter hat sich nicht besonders verändert. Allerdings ist sein Gemüt in letzter Zeit stark gereizt und er verfällt schneller in Rage oder Verzweiflung, die jedoch genau so schnell wieder abflauen können. In seinem innern baut sich immer mehr Hass auf die Menschen allgemein, Zyraner im besonderen und seine gesamte Situation auf, die er auf immer brutalere Weise an seiner Umgebung auslässt.

Fertigkeiten, Stärken und Schwächen

Durch den unfreiwilligen Pakt mit dem Dämonen Samael hat sich Vanitas Fähigkeit zur Wassermagie verändert. Er wurde zwar stärker und beherrscht diese Kunst nun Meisterhaft, allerdings wurde seine Magie in die Katze Ancilliar verpflanzt, die diese verwaltet. So ist Vanitas nun auf das Wohlwollen der Dämonenkatze angewiesen, wenn er Magie verwenden will.

Beziehungen

Sammael: Vanitas ist nicht ganz sicher, ob dieses Wesen ein Elf, eine Ausgeburt des Harax oder etwas ganz anderes ist. Fakt ist jedoch, dass dieses Geschöpf ein ganz und gar übernatürliches Wesen ist von enormer Macht. Sammael begegnete ihm erstmals in Pelgar, wo er sich als magiebegabter Streuner ausgab, den Vanitas vorrübergehend als Schüler oder zumindest Laufburschen verwenden wollte. Später offenbarte er jedoch seinen wahres Wesen und versklavte Vanitas, um ihn zu seinen Lakaien zu machen. Vanitas wollte diesen Pakt zwar nicht eingehen, profitierte im nachhinein jedoch davon, da er so nicht nur seine Jugend sondern auch noch mehr Macht erhielt.

Ancilliar: Während Vanitas in der Bibliothek von Pelgar war, tötete er eine Katze, die ihm im Weg war. Genau jene Katze wurde von Sammael zu neuem Leben erweckt und mit einem Band an Vanitas geschmiedet. Ancilliar verfügt über annähernd menschliche Intelligenz und was noch wichtiger ist, sie verwaltet Vanitas’ Magie. Ohne ihr Einverständnis kann der Hexer nicht viel tun. Zu Anfang mochte er die Katze überhaupt nicht, aber so langsam beginnt er, wenn auch nicht sie zu mögen, so zumindest sich an sie zu gewöhnen.

Neph: Bei Neph handelt es sich um einen gealterten Krieger und Dunkelelfen. Beim Angriff auf Pelgar hatte er gewisse Kommandorechte. Er war es auch, der Vanitas in Gewahrsam nahm. Später jedoch erahnte er eine gewisse Chance in dem bösartigen Magier und befreite ihn, um mit Vanitas zusammen aus Pelgar zu verschwinden. Auf ihrer Reise nach Zyranus offenbarte Neph nicht nur sein Talent als Armbrustschütze und Kämpfer, sondern auch dass er unter seinem zunehmenden Alter zu leiden hatte. Vanitas, dem die opportunistische Art des Dunkelelfen gefiel, erklärte sich dazu bereit ihm zu helfen und schuf Neph einen neuen Arm aus Wasser, den er in einem grausamen und schmerzhaften an den Körper des Kriegers band.


Sonstige Angaben

Gegen seinen Willen wurde Vanitas zu einem Pakt mit dem dämonischen Wesen Sammael gezwungen, der verlangte, dass der Hexer 25 Seelen für ihn sammeln sollte. Damit war er jedoch ganz und gar nicht einverstanden und verfiel in einen Zustand blinden Hasses auf alles Leben. So beschwor Vanitas seine Arkane Macht III, die Kaiserin, einen gewaltigen, geflügelten Wasserdrachen, um den kämpfenden Pelgar den Todesstoß zu versetzen. Er sprengte das Haupttor und öffnete der dunklen Armee den leichtesten Weg zu einer Invasion. Entkräftet begab er sich daraufhin ins Lager der Dunkelelfen, in der Annahme, man würde ihn als Helden empfangen. Stattdessen wurde er jedoch gefangen genommen und eingekerkert. Im Kerker wurde allerdings die vorletzte seiner Visionen, die er von der Zyranischen Kugel erhalten hatte, wahr und er verstand endlich, wie man den Geheimtext in seinem Notizbuch übersetzen konnte.
Neph, ein Krieger der Dunkelelfen, dem Pelgar mehr als zuwider war und der sich nach Jugend und neuer Stärke sehnte, befreite Vanitas aus seiner Zelle und machte sich auf den Weg nach Zyranus. Unterwegs trafen die beiden auf eine junge Zyranerin, die ihnen ein neues Passwort für die magische Stadt nannte und anschließend von Vanitas getötet wurde. Neph offenbarte danach, dass ihm das Alter zu schaffen machte, worauf hin Vanitas und der Elf einen Umweg nahmen, um einen Halt in Clavis Vanitatum, dem Höhlenreich von Vanitas einzunehmen. Dort führte der Hexer ein dunkles Ritual durch, in dem er Neph zuerst den rechten Arm ab schlug und diesen dann auf sehr schmerzhafte weise durch eine Prothese aus Wasser ersetzte. Jedoch entkräftete ihn dieses Ritual sehr. Während er darauf wartete das der Dunkelelf wieder zu sich kam, wurde er von Selbstzweifeln übermannt. Ancilliar, die Katze die Sammael ihm als Begleiter mitgebracht hatte, erkannte dies und opferte eines ihrer Leben, um Vanitas zu heilen und ihn wieder zu verjüngen.

Gesperrt

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