Die Reise nach Santros

Das Grasland macht seinem Namen alle Ehre. Weite Wiesen, geziert von Blumen, Sträuchern und Bäumen. Ein Beben hinterließ eine große Narbe in der schönen Ebene, eine große Schlucht, begehbar über eine dunkle Brücke
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Die Reise nach Santros

Beitrag von Janay » Samstag 1. August 2009, 14:06

Janay und ihre Begleiter kommen von der: Ankunft


Die junge Frau hatte mit einigem gerechnet, mit Schweigen, mit anklagenden Blicken, aber nicht mit dieser eher heftigen Reaktion. Und sie bestätigte genau das, was sie stets befürchtet und weswegen sie ihren Beruf bisher geheim gehalten hatte.
Wenigstens bewies Nell soviel Weitblick und machte ihr nicht innerhalb der Stadttore noch eine Szene. Doch dann ließ Janay die Worte über sich ergehen.
Es war nicht das erste Mal, dass sie eine derartige Reaktion erlebte, wenngleich sie ihr ungemein unangenehmer vorkam als bisher. Wahrscheinlich, weil ihr die andere zumindest sympathisch war.
Sie wollte ihre Begleitung erst einmal ausreden lassen. Allerdings schien diese sich nicht beruhigen zu können oder es gar zu wollen.
Jedoch war es für die Kleinen zu laut und das Mädchen wachte auf.
Die junge Frau konnte es nicht verhindern, dass sie instinktiv Nell einen etwas genervten Blick zuwarf, ehe sie sich in die Höhe drückte und nach hinten klettern wollte.
Da kam ihr der Junge bereits entgegen.
Janay verdrehte leicht die Augen und schüttelte ansatzweise den Kopf.
Danach ließ sie sich von ihrem Vorhaben nicht mehr abbringen, huschte in den hinteren Teil des Wagens und ließ sich neben der Hündin auf die Knie nieder. "Sch, sch...", machte sie mehrmals, ohne eigentlich zu wissen, wie sie ein Baby beruhigen sollte. Gleichzeitig legte sie ihre rechte Hand leicht auf die Kleine und bewegte sie sacht, als würde sie so genug bewirken können.
"Ja, da weint ein Kind.", gab sie anstelle von Nell dem Jungen eine Antwort.
Danach sah sie ihn an und deutete mit dem Kinn zu der anderen.
"Und los ist, dass Nell die Wahrheit nicht auf Anhieb verkraften kann." Ihre Stimme war neutral und ohne Vorwurf, obwohl ihre Augen den Schmerz, der sich in ihr Bewusstsein wühlen wollte, nicht vollständig verbergen konnten.
Als sich die Kleine langsam beruhigte, sah Janay die Hündin an und fragte flüsternd:"Kannst du darauf achten, dass sie wieder einschläft?" Es würde nicht schwer werden und sie vertraute auf den Instinkt des Tieres.
Dann drückte sie sich in die Höhe und zog Alex sanft von Nell weg. "Komm, leg dich wieder hin. Wir erklären dir morgen in der Früh alles, versprochen."
Sie ließ ihn gar nicht dazu kommen, sich gegen ihren Griff zu wehren oder einen anderen Weg einzuschlagen.
Danach kletterte die junge Frau wieder auf die Bank neben die andere und blickte gerade aus.
Als sie das Gefühl hatte, der Junge würde ihnen nicht doch noch heimlich lauschen können, erwiderte sie leise, beinahe schon sanft:"Es gibt Dinge, die weitaus widerlicher sind als die vielen Männer, die ich bedient hab." Und genau durch ihren Tonfall waren diese Worte noch eindringlicher, als hätte sie diese mit Bitterkeit gesagt.
Daraufhin schwieg Janay erneut und überließ es ihrer Begleitung, sich erst einmal zu fassen.
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Erzähler » Sonntag 2. August 2009, 20:19

Nell war während Alex und das Kleinkind zappelig geworden waren, nicht fähig gewesen etwas anderes zu tun, als den Karren zu lenken. Sie rollten nun in das weitläufige Grasland. Jetzt bei Nacht wirkte es anstatt farbenfroh, zwar eher grau und trist, doch vereinzelte Eulenrufe und das Bellen eines Hundes ließen das Grasland auch bei Nacht lebendig wirken.
Eigentlich mochte Nell das Grasland. Überall farbenfrohe Blumen, vereinzelte Bäume und Gehöfte, wo die Menschen einen meist sehr freundlich behandelten und eine Freiheit, die wirklich greifbar war. Bis zum Horizont nur bunte Wiesen. Es war sicheres Land, man musste nicht ständig fürchten überfallen zu werden und konnte ruhig schlafen.
Der Himmel war gegen Abend aufgeklart und zeigte nun eine Fülle von Sternen, die außerhalb der Stadt noch kräftiger zu leuchten schienen. Außerdem war es noch angenehm warm, man brauchte sich trotz der Jahreszeit noch nicht in einen Mantel hüllen.
Doch das alles fiel Nell nicht auf. Sie blickte nicht einmal auf, als Janay Alex wieder ins Bett schickte, oder versuchte die Kleine zu beruhigen.

Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Janay wieder zu ihr auf die Bank kletterte. Sie schwieg erst eine Weile, ehe sie wieder sprach:
"Es gibt Dinge, die weitaus widerlicher sind als die vielen Männer, die ich bedient hab."
Nell blickte auf. Ihre Augen waren gerötet. Warum hatte sie immer wieder mit solchen Leuten zu tun? Sie hatte an ihrer eigenen Mutter erfahren müssen, dass dieser Beruf viel dunklere Schattenseiten hatte, als andere. Und doch wollten das Freudenmädchen nie einsehen. Sie blickte Janay für einen Moment in die Augen, dann richtete sie ihren Blick wieder gerade aus.

Währenddessen war Alex dank dem gleichmäßigen Rollen längst wieder eingeschlafen und auch Kaya hatte sich beruhigt und schlief eng an ihren Bruder gekuschelt wieder ein. Auch die Hündin hatte sich nun, schützend vor dem Korb mit den Kleinen, hingelegt und döste.
Nell sog die Ruhe in sich auf, in dem sie einmal tief durchatmete. Eigentlich hätte es ihr ja sofort auffallen müssen, als sie Janays hübsches Äußeres gesehen hatte. Solchen Frauen war ja gar nicht zu trauen. Und doch... Janay war stets freundlich zu ihnen gewesen.
„Es ist nicht nur das Widerliche an dem Beruf“, begann Nell jetzt langsam zu sprechen, „sondern auch, dass ich nie etwas bemerkt habe und...“ Sie musste tief Luft holen, denn sie sprach nicht gerne über ihre Vergangenheit. „Der Beruf kann so gefährlich sein.“

Nell zitterte ein wenig, doch sie hatte sich wieder beruhigt. Niemals würde sie Hurerei gutheißen, aber momentan konnte sie es nicht ändern. Die grünen Augen fest geradeaus gerichtet meinte sie schließlich ruhiger: „Ich kann dir auch dabei helfen einen anderen Beruf zu finden. Einen Besseren.“
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Janay » Freitag 23. Oktober 2009, 17:34

Es war wirklich traurig, dass Nell so auf ihre Eröffnung reagiert hatte. Sie hatte zumindest gehofft, dass es nach dieser Zeit, die sie miteinander verbracht und sich vertragen hatten, nicht mehr so wichtig sein würde. Immerhin hatte sie Janay ohne diesem Wissen kennen gelernt und ihr Charakter blieb noch immer der gleiche.
Erstaunlich ruhig erwiderte sie den Blick der anderen, versuchte, ihr stumm deutlich zu machen, dass es wirklich nicht so schlimm war.
Zwischen ihnen herrschte Schweigen, sodass sie schließlich auch wieder nach vorne sah und die dunkle Umgebung beobachtete, ihre Gedanken schweifen ließ. Nur hin und wieder sah sie über ihre Schulter, ob mit den Babies auch ja alles in Ordnung war.
Es wunderte sie, dass Nell nicht sofort angehalten hatte, um sie los zu werden. Das wäre jene Reaktion, die zu erwarten wäre, die quasi zwangsläufig folgen würde.
Wann wäre es soweit? Würde sie die junge Frau mit den Kindern ausliefern? Und wie sollte sie sich mit den Babies ohne Aufsehen zu erregen durchschlagen bis zu ihrem Ziel? Klar, sie selbst würde es schaffen können, aber mit den Kleinen dabei war das schon um einiges schwieriger.
Was sie zu einer weiteren Frage brachte. Wie sollte sie die Knirpse überhaupt ernähren? Sie hatte keine Ahnung davon, ahnte lediglich instinktiv, dass es keine gewöhnliche Nahrung sein konnte, wie jeder Erwachsene sie vertrug. Was könnte es geben, dass Nell sie weiterhin in ihrer Nähe dulden und ihr helfen würde? Alleine würde sie es nicht schaffen und das hätte der Kerl eigentlich auch ahnen sollen. Sie wusste, wie sie die Männer um den Finger wickeln konnte, aber sie hatte keine Ahnung von Babies!
Leise seufzte sie auf, als sie die Stimme der anderen wieder vernehmen konnte. Froh darüber, von ihren eigenen Gedanken abgelenkt zu werden, sah sie Nell an.
Schließlich zuckte sie mit den Schultern. "Vielleicht hast du nichts bemerkt, weil ich mich nicht anders verhalte als jeder andere auch?", meinte sie mit leiser, versöhnlicher Stimme und brachte sogar ein schmales Lächeln zustande. Ob die andere es sehen würde oder nicht, war jedoch eine andere Frage, von der Deutung ganz zu schweigen. "Für mich ist es nun mal nichts Besonderes, nur ein weiterer Beruf." Erneut zuckte sie mit den Schultern.
Ja, es konnte gefährlich werden, das hatte sie am eigenen Leib schon erfahren müsste. Aber sie passte auf, eigentlich... Außer jemand wurde an ihrem Fenster ermordet oder schlug ihren Hinterkopf währenddessen irgendwo an und überließ ihr dann zwei Knirpse.
Ihr Lächeln wurde um eine Spur milder und sie schüttelte langsam den Kopf. "Danke, aber nein, danke. Im Moment bin ich an sich zufrieden damit." Sie hob ihren Arm zu einer beschwichtigenden Geste. "Jedoch bin ich noch jung und in ein paar Jahren bin ich diesen Beruf bestimmt überdrüssig. Dann werde ich mir einen anderen suchen."
Ja, das hatte sie wirklich vor, irgendwann einmal und dann würde sie vielleicht sogar wo sesshaft werden. Wenn ihr der Sinn danach stand und sie sich nicht zu schnell langweilen würde. Doch was das für ein Beruf werden könnte, das wusste sie jetzt noch nicht und war auch nicht gewillt, sich darüber Gedanken zu machen. Wozu auch? Noch war sie relativ zufrieden.
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Gestalt » Sonntag 25. Oktober 2009, 18:11

Nell schien überhaupt nicht zufrieden mit Janays Antwort. Warum konnte sie sich nicht jetzt einen besseren Beruf besorgen? Sie selbst hatte ja auch nicht gerade das, was andere Leute einen anständigen Beruf nannten, aber sie übte immerhin nich solch einen verruchten aus. Zweifelnd warf sie einen Seitenblick auf die junge Frau.
Doch sie antwortete erst einmal nichts. Bald würden sie die Dunkelbrücke erreichen. Eine Etappe, vor der Nell sich ein wenig fürchtete. Sie hatte schon viele Schauergeschichten gehört von dem Gargoyle, der dort lebte und immer einen Preis für die Überquerung der Brücke verlangte.
Ob sie sicher darüber kommen würden?
Nell schloss für einen kurzen Moment die Augen und zwang sich an Alex zu denken. An etwas Schönes. An irgendetwas, dass sie ablenkte.

Doch plötzlich ruckelte es ziemlich laut hinten am Karren, als sei etwas dagegen geflogen. Etwas Großes. Nell riss die Augen auf und bremste erst einmal scharf ab. Dann spähte sie in das hintere des Wagens. Die Kleinkinder schliefen, doch sie sah Alex’ Silhouette, die kerzengerade auf seinem Bett saß. Ob er etwas gesehen hatte?
Ihr lief es kalt den Rücken hinunter. Was flog so tief, dass es gegen die untere Hälfte des Karrens prallte? Die obere Hälfte nahm ja die Stoffplane ein, das hieß es musst etwas Größeres auf dem Boden gewesen sein, oder etwas extrem tief Fliegendes.
Jetzt sah sie wie Alex’ Hände zitterten, sein Gesicht wirkte im Mondlicht aschfahl. Sie wollte schon aufstehen und zu ihm nach hinten steigen, ehe er plötzlich schrie:
„Los, weiter, weiter! Schnell, weiter!“
Erschrocken und völlig perplex trieb Nell den Ochsen an. Was erschreckte Alex so? Sie konnte nun aber unmöglich nach ihm sehen.

Also musste sie nun doch wieder mit Janay reden. Seufzend lenkte sie den Wagen noch eine Weile und sagte nichts, ehe sie sich dem Freudenmädchen zuwandte.
„Würdest du bitte mal kurz nach hinten gehen und Alex fragen, was er hat?“, fragte sie, ohne Janay anzusehen.
Sie wusste nicht so recht, wie sie jetzt mit Janay umgehen sollte.
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Janay » Dienstag 27. Oktober 2009, 17:41

Sie konnte den zweifelnden Blick spüren, so kurz er auch war. So drehte sie instinktiv den Kopf zu der anderen und schenkte ihr ein feines, freundliches Lächeln, das hoffentlich auch erkannt werden konnte.
Danach jedoch richtete sie ihr Gesicht ebenfalls wieder nach vorne und gab sich ein wenig der Ruhe der Nacht sowie dem Schaukeln des Karren hin. Ihre Augen wurden dabei immer schwerer und sie hätte nichts dagegen gehabt, sich für die ein oder andere Stunde ein bisschen hinzulegen.
Allerdings wollte sie sich das jetzt nicht erlauben, da sie noch immer nicht wusste, ob Nell es vorerst würde akzeptieren können, welchem Beruf sie nachging. Obendrein waren da noch die schlafenden Babies, die sie nicht einfach allein lassen wollte, um selbst ins Traumland abzugleiten.
Lautlos seufzte sie und zwang sich, etwas besser zurück in die Wirklichkeit zu finden, wach zu bleiben. Zwischen ihnen herrschte Schweigen, was nicht gerade bei diesem Vorhaben half.
Doch irgendwie schaffte sie es halbwegs. Und als es auf einmal hinten unnatürlich heftig ruckelte, war sie endgültig hellwach.
Mit einem Mal klopfte ihr Herz schneller, noch dazu, als Nell so abrupt bremste.
Was war das gewesen? Ein Tier? Wenn ja, welches? Wäre es gefährlich? Wie sehr?!
Ihr erster Blick galt dem Korb mit den Knirpsen, allerdings schliefen diese so selig, als hätte es niemals diese Störung gegeben.
Bei Alex' Stimme zuckte sie erschrocken zusammen und musste sich mit einem Mal festhalten, als die andere die Ochsen derart hektisch zum Weiterlaufen anspornte.
Was war los?!
Diese Ungewissheit sorgte dafür, dass sie tatsächlich etwas wie Furcht verspürte, wozu auch die Uhrzeit und die Reaktionen beitrugen. Das jedoch führte dazu, dass sie erst einmal starr vor Schreck sitzen blieb, obwohl es sie ebenfalls irgendwo in ihrem Bewusstsein auch drängte, nach hinten zu klettern, um heraus zu finden, was los war. Sie schluckte lediglich schwer, das war das Einzige, was sie gerade tun konnte.
Ihre Gedanken hingegen rasten. War es wirklich nur ein Tier gewesen? Oder... hatten sie vielleicht diejenigen schon eingeholt, vor denen sie gewarnt worden war? Vor denen sie die Kleinen fortschaffte, um ihnen die Möglichkeit auf Leben zu bieten? Was würde sie erwarten? Würde sie kämpfen müssen?
Da hörte sie Nells Stimme, klar und deutlich, als wäre es ihre eigene, jene, die in ihrem Kopf vorhanden war. Das löste auch endlich die Starre, sodass sie nicken konnte.
"Ja, natürlich.", erwiderte sie und musste sich räuspern, da ihre Stimme äußerst belegt sowie kratzig klang.
Dann beeilte sie sich, nach hinten zu klettern und dabei die Babies, die zum Glück noch immer selig schlummerten, nicht zu wecken.
Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich bei dem Jungen war, der noch immer kerzengerade saß und angsterfüllt vor sich hin starrte.
Sanft und vorsichtig legte sie ihm eine Hand auf die Schulter, nachdem sie sich vor ihn hingekniet hatte. Trotzdem zuckte er zusammen und stieß ein leises Wimmern der Furcht aus.
Das erschreckte sie noch mehr und sorgte wieder dafür, dass sie schlucken musste.
"Alex, ich bin es. Was ist los? Was hast du?", fragte sie wispernd, da sie es nicht wagte, lauter zu sprechen.
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 29. Oktober 2009, 19:13

Alex saß aschfahl und kerzengerade aufgerichtet in seinem Bett. Die Decke bis ans Kinn hoch gezogen zitterte er wie Espenlaub. Belle winselte leise, doch er beachtete sie nicht. Er blickte aus einer kleinen fensterartigen Öffnung hinaus in die Nacht.
Als er Janays leise Stimme hörte drehte er langsam seinen Kopf.
„Da draußen waren Monster“, antwortete er flüsternd, mit seiner langsamen Stimme. „Monster mit Flügeln, Monster mit Reißzähnen. Sie haben uns beobachtet.“
Den letzten Satz stieß er keuchend hervor.

Plötzlich bremste Nell den Wagen ab. Da sie zuvor in einem ziemlich schnellen Tempo gefahren waren, fiel die Bremsung umso härter aus.
Alles im Wagen schien sich einige Zentimeter nach vorne zu verschieben, ehe es wieder zurück rückte. Doch die kleinen Kinder schliefen wenigstens weiter. Eines war für den Moment erwacht und hatte gewimmert, war aber beim Anblick seines schlafenden Geschwisterchens wieder eingeschlafen.
Die Stille, die nun folgte dröhnte in den Ohren. Die ganze Zeit hatte man das Quietschen der Räder, das Schnauben der Esel und die Geräusche aus ihrer Umgebung gehört und nun schien alles auf einmal verstummt. Wie eine Kerze, die man ausblies. Doch von den „Monstern“, die Alex gesehen hatte, fehlte jede Spur.

Nun war es Nell, die vorne auf ihrem Kutschbock saß und ziemlich ängstlich wirkte.
„Janay, könntest du bitte wieder her kommen?“, fragte sie, ihre Stimme war vor Angst unnatürlich hoch geworden.
Janay konnte die Dunkelbrücke erkennen. Also wartete nun das erste Hindernis ihres Weges auf sie: der Gargoyle. Ob Nell schon für ein Opfer gesorgt hatte? Doch Nells Angst schien nicht auf dem Gargoyle zu beruhen.
Ein dunkler Fleck hoch oben auf den Pfählen der Brücke verriet ihn. Ebenso wie der Gestank von Blut und Fleisch. Allein seine Anwesenheit schien alles Lebendige aus seiner Umgebung zu vertreiben. Die Esel scharrten nervös mit den Hufen und rollten mit den Augen. Die gelben Augen des dunklen Wesens glommen auf sie herab, doch er machte keine Anstalten ihre Überquerung zu verhindern.
Nell wandte sich um.
„Jemand muss gerade eben die Brücke überquert haben.“
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Janay » Sonntag 1. November 2009, 18:30

Sanft und hoffentlich beruhigend legte sie dem Jungen die Hand auf die Wange. Seine Worte machten selbst ihr Angst, aber das wollte sie instinktiv vor dem Kleinen nicht zugeben.
Gerade wollte sie deswegen zu einer beruhigenden Erwiderung ansatzen, als der Wagen hart zum Stillstand kam. Da Janay darauf nicht vorbereitet war, hatte sie auch nicht rechtzeitig nach Halt gesucht und purzelte entsprechend zur Seite. Unwillkürlich stieß sie einen leisen Laut des Erschreckens dabei aus.
Als es wenige Sekunden später wieder vorbei war, rappelte sie sich hoch und verharrte einige Momente in der Hocke. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust und das Blut rauschte leicht in ihren Ohren.
Ihr Blick ging zu Alex, der zwar noch immer zittern, allerdings unversehrt auf seiner Schlafstatt hockte und ängstlich in die Dunkelheit vor sich starrte.
Rasch drehte sie ihren Kopf zu dem Korb mit den Kleinen, doch auch diese verhielten sich ruhig, schienen beide selig weiter zu schlummern, trotz dieser Unterbrechung und des leisen Wimmerns.
So seufzte sie leise auf, ein wenig zumindest erleichtert darüber, dass die Knirpse nicht gleich zu brüllen begonnen hatten.
Allmählich beruhigte sich ihr Atem, obwohl er ihr noch immer überlaut vorkam, während ihre Augen langsam durch die Dunkelheit glitten, suchend, ob auch sie etwas entdeckte, was ihr nicht sonderlich behagen würde. Bis sie die Stimme der anderen hörte.
Nun wandte sie sich erneut Alex zu und bemühte sich um ein zuversichtliches Lächeln, das zwar vermutlich nicht zu sehen wäre in der Finsternis, aber in ihrer Stimme mitschwingen konnte. "Es wird alles gut werden. Versuch, dich noch ein wenig auszuruhen."
Noch einmal legte sie kurz die Hand auf seine Wange, dann drehte sie sich um und kletterte zurück neben Nell.
Dort sah sie sich um, bis ihr Blick diese gelben Augen traf.
Etwas in ihr regte sich, Stolz und der Wille, die Furcht nicht zu deutlich zu zeigen, glommen in ihr auf und brachten sie dazu, nicht gleich weg zu sehen, sondern ihn regelrecht zu fixieren. Blieb nur zu hoffen, dass es ihn nicht gleich zum Angriff provozierte, ihm lediglich zeigte, dass sie sich nicht derart schnell würde klein kriegen lassen.
Ihre Nasenflügel bebten bei dem Gestank und sie fragte sich jetzt schon, wann sie diesen ekligen Geruch jemals wieder los sein würde.
Den Rücken hatte sie intuitiv gestrafft und fühlte sich, als würde sie ein wenig aufblühen, in diesem stummen Machtkampf, der sich zwischen ihnen gerade austrug. Das konnte selbst Nells Stimme nicht beenden.
Trotzdem schaffte die junge Frau es, klar genug zu denken, dass sie ihr eine Antwort gab. Sie war zwar lediglich zischend, auch wandte sie den Blick von den gelben Augen nicht ab, aber immerhin war sie zu hören:"Dann sollten wir dem Beispiel folgen."
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Erzähler » Montag 23. November 2009, 17:35

Nell schluckte hörbar. Ihr behagte das Wesen überhaupt gar nicht. Was sollten sie tun, wenn es plötzlich von seinem Fressen abließ und auf sie hinunter stürzte? Bei dem Gedanken an Alex und auch an die beiden Hybridenkinder wurde ihr ganz klamm ums Herz. Sie hatten doch noch ihr ganzes Leben vor sich...
Doch die junge Frau fasste sich ein Herz, atmete tief durch und gab den Eseln zu verstehen, dass sie loslaufen sollten, auch wenn sie sich sichtlich dagegen sträubten unter solch einem Monstrum vorbei zu gehen.
Nell ließ ein paar Mal die Peitsche knallen.
„Alex, mach die Augen zu!“, rief sie mit zittriger Stimme nach hinten. Sie selbst schloss ebenfalls die Augen, als die Esel begannen die Brücke zu überqueren. Sie erwartete geradezu das Rascheln von ledernen Flügeln und dem tiefen Grollen eines Wesens, das nicht in diese Welt gehörte. Doch es blieb aus. Als die Schmatzgeräusche langsamer wurden. glaube Nell zwar, dass ihr Herz endgültig aufgehört hatte zu schlagen, doch als sie die Brücke überquert hatten, gab sie den Eseln freudig wieder an, schneller zu gehen.
Sie hatten es geschafft!
Doch Nells Stimmungshoch währte nicht für lange. Schnell fielen ihr wieder die „Monster“ ein, die sie verfolgt hatten. Doch sie brauchte den Eseln gar nicht mehr die Peitsche geben. Die Tiere selbst wollen nur so schnell wie möglich weg von diesem Gargoyle.

„Janay, wärst du so nett und würdest nach hinten gehen, um dort Ausschau nach dem zu sehen, was Alex gesehen hat?“, fragte sie atemlos. Dass ihre Reise durch das Grasland so turbulent werden würde, damit hatte sie wahrlich nicht gerechnet!
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Janay » Donnerstag 17. Dezember 2009, 23:26

Janay indes ließ ihren Blick nicht von dem Wesen. Das hätte vielleicht als Schwäche erscheinen können und irgendetwas... ihr Instinkt ließ nicht zu, dass sie das tat. So hielt sie sich zwar fest, ignorierte aber Nells Aufforderung an den Jungen, da sie ahnte, dass diese womöglich auch an sie gerichtet war. Zumindest wollte sie das glauben und eben genau deswegen übergehen.
Sie rührte sich nicht, selbst dann nicht, als die Tiere endlich anzogen. Allein ihre Augen bewegten sich, blieben weiterhin auf dem Wesen geheftet.
Aber das Ding... reagierte darauf nicht. Es ließ sich nicht durch diese nächtliche Störung in seinem Tun unterbrechen und schon gar nicht von ihren Blicken, die bestimmt bohrend waren, sodass einige intuitiv aufgesehen hätten, um diesem Gefühl auf den Grund zu gehen. Doch nicht so dieses Wesen.
So verrieten ihr lediglich ihre Ohren, wann sie auf der Brücke angekommen waren und wann sie diese wieder verließen, denn der Ton des Hufschlags änderte sich auch entsprechend des Untergrundes. Und schließlich konnte sie das Ding auch nicht mehr problemlos sehen, ohne sich umzudrehen.
Als dies soweit war, brach der Blickkontakt ab, da sie sich bestimmt nicht nach dem Wesen umdrehen und so vielleicht doch noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken würde. Deswegen richteten sich ihre Augen allmählich wieder nach vorne in die Dunkelheit der Nacht über die Rücken der Tiere hinweg.
Da hörte sie auch die Stimme der anderen.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie den Kopf drehte, um sie von der Seite her anzusehen, was sie eben als hellen Schemen erkennen konnte. Ihre Augenbraue hob sich etwas an und beinahe hätte sie leicht entnervt geseufzt.
Noch vor wenigen Minuten hatte Nell sie gebeten, wieder nach vorne zu kommen. Jetzt sollte sie erneut nach hinten. Warum konnte sich die andere nicht entscheiden?
Gerade noch rechtzeitig konnte sie sich zusammen reißen, während sie sich selbst wunderte, weswegen sie eigentlich so ruhig war. Zwar konnte sie fühlen, dass ihr Blut eine Spur schneller als sonst durch ihre Adern floss, allerdings war sie weit entfernt davon, Panik zu zeigen so wie Nell. Vielleicht lag es auch daran, was Janay nicht wissen konnte, dass sie die Geschichten um diesen Übergang nicht kannte. So hatte sie auch keine Vorstellung davon, was hier alles auf sie lauern könnte.
Sie griff nach der Rückenlehne, um sich festhalten zu können, während sie darüber kletterte und schließlich in das Dunkel des Wageninneren wieder tauchte.
Dort konnte sie lediglich aufgrund des Schluchzens, wobei sie still dafür dankte, dass die Kleinen noch nicht aufgewacht waren, Alex ausmachen.
Ohne lange zu überlegen, wieso sie das tat, nahm sie den Jungen kurz tröstend in die Arme. Dann drückte sie ihn zurück auf seine Schlafstätte.
"Es wird alles gut.", versuchte sie, beruhigend auf ihn einzuflüstern, bevor sie sich so platzierte, dass sie hinten hinaus sehen konnte.
Da war wieder die Brücke zu erkennen und der Platz des Wesens, das sie fast instinktiv wieder anstarren wollte. Aber jetzt waren sie vorbei und sie sollte nach anderen Dingen Ausschau halten. Also versuchte sie sich darauf zu konzentrieren und ihre Augen huschten durch die Dunkelheit.
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Erzähler » Montag 21. Dezember 2009, 14:50

Es war nichts zu sehen. Nur der Gargoyle, der sich nun umgewandt hatte, um sie mit seinen Blicken zu verfolgen. Schaurig legten sich seine Augen für einen Moment auf Janay. Außerdem befand sich in ihrem Blickfeld die Dunkelbrücke, an deren Seiten es steil hinab ging. Jeder der nicht schwindelfrei war, schloss lieber die Augen, anstatt auch noch hinunter zu sehen. Doch von Alex’ „Monstern“ war rein gar nichts zu sehen. Hinter den gelb leuchtenden Augen des Gargoyles spannte sich nur das weite Grasland. Ob er doch geträumt hatte? Oder gar erfunden? Aber warum sollte er das tun?
Alex hatte sich immerhin dank Janay wieder etwas beruhigt und hatte schon wieder die Augen geschlossen.
Anhand einer kleinen Erhebung, über die der Karren ruckelte und einem Blick nach vorne, konnte Janay sehen, dass sie die Dunkelbrücke inzwischen überquert hatten und sich nun wieder weites, offenes Land vor ihnen auftat. Normalerweise kündeten wenigstens ein paar Gehöfte von der Zivilisation des Graslandes, doch in der Nähe der Dunkelbrücke fand sich nicht einmal eine Hütte. Der Gargoyle wurde überall gefürchtet.
Nell atmete jetzt hörbar aus und ließ die Ochsen noch ein wenig schneller laufen, um genügend Raum zwischen sich und die Brück zu bringen.

[Ein kleiner Zeit- und Raumsprung nach Santros folgt, doch den werde ich dir wahrscheinlich morgen Nachmittag posten, warte also bitte bis der steht. Bisher läuft das Schreiben noch etwas holprig.]
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Re: Die Reise nach Santros

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 7. Januar 2010, 14:00

TBC (Janay und Begleitung): Santros - Wohnviertel - Auf den Straßen
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