Lucias Zimmer

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Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Samstag 19. Mai 2007, 01:35

Lino führte sie in den etwas kühleren Flur und dann direkt rechts neben ihnen zu einer Tür. Man sah eine Treppe, die nach oben führte, doch das wäre nun mehr als unpraktisch.
So öffnete er die Tür (er kam sich auf einmal ziemlich wichtig vor) und führte sie in ein kleines Zimmer, in dem links und rechts je ein Bett stand. Hinzu noch eine kleine Kommode auf der sich eine Waschschüssel befand.
„So da wären wir“, sagte er und machte eine ausladende Bewegung.
„Ist ja gut Junge, du brauchst hier niemanden zu beeindrucken“, grummelte Olgas und ließ die Frau vorsichtig auf das linke Bett sinken.
Auch die beiden Männer blickten Lino feindselig an, wahrscheinlich waren sie eifersüchtig. Doch dann ließen sie auch den Jungen vorsichtig in das Bett sinken. Noch immer schien er wie von Sinnen zu brabbeln und sich umher zu werfen. Mal murmelte er unverständliche Worte, mal waren es nicht zusammen hängende Sätze.
Wer auch immer den Jungen verhext hatte; entweder er war ein fürchterlicher Stümper oder er war während des Zaubers unterbrochen worden.
Aber es würde sehr schwer werden ihn zu heilen. Lucia konnte glücklich sein, wenn es Schattenmagie gewesen war, denn dann wäre Lichtmagie das einzig gute Gegenmittel, doch es gab auch dunkle Magiearten ohne wirkliche Gegenmagie und dann würde es sehr schwer und Kräfte zehrend werden.

Lino entzündete ein paar Fackeln für mehr Licht, während die anderen beiden Männer unschlüssig herumstanden. Sie schienen alle nicht so recht zu wissen, was sie tun sollten.
Olgas ergriff als Erster wieder das Wort und fragte Lucia:
„Wie wollt Ihr weiter vorgehen? Wen heilt ihr zuerst? Braucht ihr Gehilfen?“
Es war wichtig, dass das Ganze nun nicht in einem Chaos ausartete.

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. Mai 2007, 18:34

Lino und Olgas nickten, dann schickte Olgas die beiden anderen Helfer wieder nach draußen.
„Sonst stehen wir uns alle nur im Weg herum.“
Die Männer schienen ganz froh gehen zu dürfen, anscheinend vermuteten sie, dass sich Lucia bei Tageslicht in ein Monster oder Schlimmeres verwandeln könnte.
Dennoch verrenkten sie sich wieder die Köpfe nach der Nachtelfe als sie nach draußen gingen. Wie immer. Olgas hatten Lucias Worte nicht groß gestört, er wusste, dass nachtelfische Haut nur einfach sehr empfindlich auf Sonnenlicht reagierte.

Als die beiden gegangen waren, ordnete Olgas an:
„Lino, geh du zum Wirt und sag, er soll eine Brühe für die Frau hier kochen. Ich werde mich um das Wasser kümmern.“
Die beiden nickten Lucia noch kurz zu und verließen dann den Raum. Lino stieß sich, als er sich zu der hübschen Nachtelfe umwandte, den Kopf am Türrahmen. Puterrot ging er nach draußen.
Ja, es gab wenig elfische Wesen in Pelgar, die zudem noch so nett waren, weswegen Lucia allerseits beliebt war.

Sie ließen Lucia für das Erste allein. Man hörte die Stimmen aus dem Schankraum nun nur noch sehr gedämpft. Das Zimmer war allerdings durch die Nähe zum Schankraum recht gut beheizt.
Umso plötzlicher kam der plötzliche Schrei des Jungen.
„Nein!!! Lasst sie in Frieden! Nicht töten. NICHT TÖTEN!“

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. Mai 2007, 19:19

Der Junge vernahm Lucias Worte kaum, er schien in einen Albtraum gefangen.
Doch was war es für Magie? Schattenmagie? Geistermagie? Assassinenmagie?
Der Junge schwitzte, seine Stirn begann zu glühen, er wälzte sich von einer Seite auf die andere und stöhnte schmerzvoll auf. Lucia wusste, wenn sie nicht sofort etwas tat würde er nicht mehr lange leben.

Als sie das Licht um sich sammelte spürte sie allerdings auch, welche Magie das war – und das war keineswegs gut.
Es war die Magie der Mörder und Attentäter. Feige, hinterhältig und gemein.
Es war Assassinenmagie.
Gegen welche es keinen Gegenzauber gab. Da der Spruch allerdings nicht gut oder unvollständig ausgeführt worden war, konnte es mit Lichtmagie zu schaffen sein.
Aber es würde selbst einer so erfahrenen Heilerin, wie Lucia Kraft kosten.

Würde sie sich danach überhaupt noch um die Frau kümmern können? Brauchte die Frau überhaupt Hilfe, oder würde sie wieder von selbst zu sich kommen? Sollte Lucia warten, bis Olgas oder vielleicht Lino zurück waren? Aber dauerte das nicht zu lange?
Nun hing vielleicht sogar das Leben zweier Menschen an der Nachtelfe.

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. Mai 2007, 20:35

Lino kehrte als Erster wieder. Klar, er hatte den schnelleren Job gehabt. Er blieb ergriffen am Türrahmen stehen, den Mund halb geöffnet, als er Lucia die Lichtmagie anwenden sah. Solch eine schöne Magie ließ die Gesichtszüge der Heilerin noch sanfter und anmutiger erscheinen.
Lino traute sich gar nicht mehr zu bewegen. Doch als Olgas mit zwei vollen Wasserschalen zurück kam musste er gezwungenermaßen zur Seite treten.
In einer Ecke des Zimmers blieb er stehen und schaute Lucia einfach nur weiter an.

Olgas bugsierte schnaufend und, wie Lino fand, viel zu laut die Wasserschalen durch das Zimmer und stellte sie auf die Kommode. Er war für das Wasser ziemlich weit gelaufen.
Schnaufend stemmte er sich die Hände in die Hüften und blickte zuerst zu Lucia, als er feststellte, dass diese sich um den Jungen kümmerte, wandte er sich der Frau zu.
Er tätschelte ihre Backen so lange, bis sie die Augen wieder leicht öffnete. Beinahe erschrocken über das Ergebnis fragte er sie.
„Hunger? Durst? Müde?“
Die Frau meinte nach einiger Zeit mit heiserer Stimme:
„Alles.“
Olgas gab ihr daraufhin von der Wasserschale zu trinken.
„Lino“, raunte er seinem Gesellen zu, um Lucia nicht zu stören, „bring mir noch eine Wasserschale.“
Nur widerwillig löste sich Lino vom Anblick Lucias und ging nach draußen.
Die Mutter war noch viel zu schwach, um nach ihrem Sohn zu fragen. Benebelt blieb sie liegen.

Während der Junge innerlich gegen die schwarze Magie ankämpfte. Lucias Magie gab ihm die Kraft diesen Kampf fortzusetzen. Er wusste, dass er ihn gewinnen würde, doch wann war fraglich und ob Lucias Kräfte dafür ausreichen würden.
Und auch Lucia kämpfte. Die Anstrengung war ihr deutlich im Gesicht abzulesen.

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Dienstag 22. Mai 2007, 21:09

Lucia perlte bald der Schweiß von der Stirn. Nur langsam setzte ihre Magie an. Doch waren die Bewegungen und das Stöhnen des Jungens gerade noch stark und laut, so beruhigte er sich langsam ein wenig.
Auch Lino kam wieder herein und beobachtete gebannt Lucia.
Während Olgas sich um dessen Mutter kümmerte, welche, nachdem sie genug getrunken hatte, sich hastig und aufrichtete und panisch fragte:
„Wo ist mein Junge?“
„Schhh“, machte Olgas beruhigend und leise, „Lucia heilt ihn gerade.“

Mit einem letzten panischen Blick zu dem gegenüberliegenden Bett ließ sich die Frau müde wieder in ihre Kissen sinken. Olgas fütterte sie währenddessen regelrecht mit der Brühe, doch schon nach ein paar Löffeln schob die Frau seine Hand weg.
„Kommt doch, isst noch! Die Suppe ist wirklich gut!“
Und nach kurzer Zeit fügte er noch hinzu:
„Mein Name ist übrigens Olgas.“
„Ravanja“, sagte die Frau nur und ließ sich wieder müde zurück in die Kissen sinken, wo sie sofort wieder einschlief, oder zum mindest die Augen schloss.
Mit den Schultern zuckend stellte Olgas die noch fast volle Schale zurück auf die Kommode.
„Kein Wunder ist die so dünn.“

Währenddessen heilte Lucia ohne Unterlass, ohne ihre Umgebung zu beachten. In einer stillen Vollkommenheit ließ sie den Jungen immer mehr zu Kräften kommen, während sie selbst ausgezehrt wurde.

Endlich, nach einigen Stunden öffnete der Junge seine dunklen Augen und blickte sie verwirrt um.
Lucias Job was getan.

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. Mai 2007, 20:29

Olgas bemerkte sofort Lucias Leiden. Die Verbrennungen... stammten die von ihrer Magie, oder vom Licht, das ins Zimmer fiel? Nein, es musste von der Magie stammen, denn Lino achtete peinlichst genau darauf, dass kein Licht ins Zimmer drang.
Ja, Lino schien richtig verliebt inzwischen und seine Gefühle schienen über eine harmlose Schwärmerei hinaus zu gehen.
Auch er hatte Lucias Schwäche bemerkt und war nun sofort zur Stelle.
„Braucht Ihr Hilfe? Vielleicht ein Bett?“
Doch Lucia winkte ab, natürlich winkte sie ab. Immerhin waren beide Betten von zweien Patienten belegt.

Doch der kleine Junge richtete sich nun verwirrt auf.
„Wo bin ich? Wo ist meine Mami? Sind sie weg?“
Während Lino hilflos die Schultern zuckte, kam Olgas auf eine Idee. Die dünne Frau schien noch eine Weile schlafen zu wollen, auf jeden Fall schlief sie jetzt tief und fest und wenn der Junge auch noch müde war?
„Sch, sch... Sie sind alle weg“, meinte er ruhig, obwohl er überhaupt nichts verstand, „sag, bist du müde?“
Der Junge nickte und gähnte, wie um dies noch zu unterstreichen.
„Magst du dich dann zu deiner Mami legen? Sieh, sie liegt dort.“
Ungläubig stand der Junge auf und lief zu dem anderen Bett.
„Mami!“, rief er freudig, doch selbst davon wachte sie nicht auf. Sie schien tatsächlich etliche Stunden, wenn nicht Tage keinen Schlaf mehr gehabt zu haben.
Jetzt kuschelte sich der Junge zu ihr und schloss selbst die Augen.

Olgas bugsierte Lucia in das nun freie Bett.
„Legt Euch schlafen. Lino wird auf das Lich aufpassen. Wenn Ihr wach seid, so könnt Ihr nach mir rufen lassen.“
Lino schien sehr erfreut über Lucia wachen zu dürfen. Er setzte sich auf einen Schemel und ließ seine Augen immer wieder zwischen den Fenstern und der Nachtelfe umherwandern, dabei war er auf das Höchste konzentriert.
Es musste inzwischen früher Morgen sein. Jetzt sollten alle ihren wohlverdienten Schlaf erhalten.
Seufzend verließ Olgas das Zimmer.

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Sonntag 27. Mai 2007, 15:14

Die Sonne wanderte von Osten über den Süden nach Westen und trotzdem rührte sich keiner der drei Schlafenden.
Sie waren beinahe zu Tode erschöpft gewesen und genossen nun die weichen Federbetten. Es war ein schöner, sonniger Tag gewesen, dennoch hätte Lino mit keinem tauschen wollen.
Er war Lucia nun schon so viele Stunden nahe und er hatte sich noch immer nicht an ihr satt gesehen. Sein Herz klopfte so sehr, dass er trotz des Schlafmangels kein einziges Mal einnickte.

Doch irgendwann trat Olgas herein, schloss leise die Tür und legte Lino seine Hand auf die Schulter.
„Welch schönes Bild sie abgeben“, flüsterte er.
Und meinte sowohl die Mutter und ihren Sohne, welche eng aneinander gekuschelt schliefen, als auch die Heilerin, die mit einem Lächeln auf den Lippen in ihrem Bett lag.

Olgas schickte Lino nun fort, welcher sich ohne größere Proteste von Lucia löste. Inzwischen war auch er müde.
„Ich werde wiederkommen“, flüsterte er Lucia zu, obwohl sie ihn nicht hören konnte.
Als Olgas diese Worte vernahm konnte er nur traurig lächeln.
Und gerade als Lino die Tür leise hinter sich schloss, schrie der kleine Junge auf.
Sein Schrei weckte sowohl seine Mutter, als auch Lucia.

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Re: Lucias Zimmer

Beitrag von Erzähler » Montag 28. Mai 2007, 13:10

Lucias Worte beruhigten den Jungen ein wenig. Er zitterte zwar immer noch, doch er hatte sich in die Arme der Nachtelfe sinken lassen und versuchte wieder ruhig zu atmen.
Seine Mutter richtete sich neben ihm auf, auch sie hatte gut geschlafen, die Augenringe waren verschwunden, doch sie war immer noch dünn, viel zu dünn.
Was Olgas auch gleich einmal zum Anlass nahm Lino herbei zu rufen, welchem er verordnete ein kräftiges Mahl zu bestellen.
„Damit wir uns alle vollständig erholen können“, meinte er mit einem gutmütigen Grinsen, schließlich hatten sie alle lange nichts mehr gegessen.

Jetzt löste sich der Junge aus Lucias Armen und warf der Katze einen interessierten Blick zu.
„Wie heißt sie? Beißt sie?“
Ohne eine Antwort abzuwarten machte er sich vorsichtig daran sich der Katze zu nähern und streckte ihr zum Beschnuppern seine Finger entgegen.

Ravanja seufzte und rutschte zur Wand, an welcher sie den Kopf anlehnte. Auch ihre Augen huschten immer wieder nervös zur Tür. Als diese plötzlich aufging zuckten sie und der kleine Junge regelrecht zusammen, doch es war nur Lino.
„Olgas, du musst kommen! Die Taverne ist so überfüllt, dass wir das nicht mehr alleine schaffen.“
Linos Blick streifte Lucia und prompt wurde er rot, doch dann verschwand er wieder.
Olgas seufzte und richtete sich auf.
„Ich denke ihr kommt so lange alleine zurecht. Euer Essen bringe ich euch sobald es fertig ist.“
Dann verließ auch er die kleine Gruppe.

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