| Rikkas Steckbrief |
Ihr wollt meinen Namen wissen mein Freund? Nun denn, geboren wurde ich als Rikka von Aurisgaard, einzige Tochter des Grafen Nathan von Aurisgaard und der Gräfin Verna von Aurisgaard. Einzige Tochter deswegen, weil meinen Eltern sonst nur noch zwei Jungen geschenkt wurden. Mein älterer Bruder Richard von Aurisgaard, künftiger Erbe des Hauses von Aurisgaard und mein jüngerer Bruder Warren von Aurisgaard. Warren schlug die militärische Laufbahn ein und dient heute als ranghoher Offizier in der Armee Grandessas. Wie ihr seht mein Freund, entstamme ich dem alterwürdigen grandessanischen Adelshaus derer von Aurisgaard, doch werde ich heutzutage dort nicht mehr als zugehörig betrachtet. Wie es dazu kam? Vielleicht erzähle ich euch später davon, wenn ihr mir noch einen Wein spendiert.
Nun, wie dem auch sei, der Name Rikka von Aurisgaard ist heute kaum noch bekannt. Fast jeder kennt mich inzwischen nur noch unter meinem Vornamen Rikka. Diejenigen unter uns jedoch, welche per Steckbrief gesucht werden, nennen mich hinter vorgehaltener Hand nur die Bluthündin.
Rasse:
Wie ihr unschwer erkennen könnt mein unbekannter Freund, habe ich weder spitze Ohren noch einen roten Rauschebart und auch sonst sehe ich durch und durch wie ein Mensch aus. Weswegen ich wohl mit Fug und Recht behaupten kann, zu dem meist verbreiteten Volk Celcias, den Menschen, zu gehören.
Alter:
Nein, wie unhöflich! Ihr wisst anscheinend nicht, dass es unschicklich ist, eine Frau nach ihrem Alter zu fragen. Wenn es um das Alter geht, so sind wir Frauen ungemein eitel. Das solltet ihr aber wissen. Nun, was soll man auch von einem Rohling von Mann wie ihr es seid erwarten? Wohl kaum Verständnis für die Probleme einer Frau. Sei's drum. Meine Wenigkeit zählt mittlerweile 25 Jahre. Ein gebildeter Mann würde mich wohl mit einer Rose in voller Blüte vergleichen. Ah, euer genießerischer Blick verrät mir, dass ihr mir zustimmt. Vielleicht seid ihr ja doch kein solcher Rohling wie ich zuerst dachte. Ich neige dazu, eure ungebührliche Frage großzügig zu vergessen, so es euch beliebt, mir noch ein Glas Wein zu kredenzen.
Beruf:
Mein Beruf? Ah, ich verstehe. Ihr fragt euch, warum eine hochwohlgeborene Adelsdame hier mit euch in dieser schummrigen Taverne sitzt und sich mit Wein aushalten lässt? Glaubt mir, das ist eine lange Geschichte und sie hängt damit zusammen, dass ich süchtig bin. Nein, nicht nach Alkohol, ich bin süchtig danach zu jagen. Zuerst war es nur die Jagd auf Wild, die mich aufputschte, meinen Herzschlag in ungeahnte Höhen trieb. Später erkannte ich, dass die Jagd auf Menschen noch viel aufregender ist. Wild zur Strecke zu bringen ist nicht halb so erregend wie die Jagd auf einen Menschen. Es ist unvergleichlich, berauschend, es ist wie eine Droge, die deine Sinne vernebelt und dir ungeahnte Glücksgefühle beschert.
Ihr könnt euch denken, dass meine Familie nicht allzu begeistert von meiner Passion war. Eine adlige Frau hatte höchstens gut auszusehen, mit den edlen der Gesellschaft gepflegte Konversation zu halten und irgendwann einen Adligen zu heiraten, den sie nicht liebte, nur um den Fortbestand der Adelshäuser zu sichern. All das war mir jedoch zuwider, nur die Jagd zählte noch für mich. So kam es denn, dass mich meine Familie verstieß und ich meine Passion zum Beruf machte. Heute ziehe ich als Kopfgeldjägerin durchs Land und führe all jene, die per Steckbrief gesucht werden, ihrer gerechten Strafe zu. Dies bringt mich ab und an dazu, in Tavernen abzusteigen und mich in die Gesellschaft des niederen Volksstands zu begeben. Verzeiht mir mein Freund, manchmal falle ich noch in alte Verhaltensmuster zurück.
Heimat:
Heimat? Was ist Heimat? Für mich gibt es so etwas wie Heimat nicht mehr. Wenn ihr mit Heimat den Ort meint, an dem ich aufwuchs, so war dies unser herrschaftlicher Stammsitz im inneren Ring der Hauptstadt des grandessanischen Reichs, Grandea. Doch jetzt würde ich mich als heimatlos bezeichnen. Ich lebe mal hier, mal dort, je nachdem wohin mich mein nächster Auftrag verschlägt. Ob ich mein altes Leben vermisse? Nein, sicher nicht. Ich lebe nur für die Jagd und daran wird sich nichts ändern.
Gesinnung:
Ha, was glaubt ihr wohl? Ja, ich sehe es eurem Blick an. Sagt nichts, ihr haltet mich, nun, da ihr meine Profession kennt gewiss für ein blutrünstiges Monster in einem engelsgleichen Körper. Ihr glaubt ich wäre gefühllos, hinterhältig, gemein und bösartig. Zu einem gewissen Teil mögt ihr da sogar recht haben und doch, nur weil ich einer düsteren Tätigkeit nachgehe heißt das nicht, dass ich keine Gefühle hätte. Nur weil ich mit Verbrechern zu tun habe bedeutet das nicht, dass ich ebenfalls ein Dieb, Mörder und Verbrecher bin.
Natürlich bin ich nicht das liebe Mädchen von nebenan, ich müsste lügen, würde ich das behaupten. Bei meiner Tätigkeit muss ich, gerade als Frau, noch härter, rücksichtsloser und auch skrupelloser sein als ihr Männer. Aber, und dass sage ich ganz offen, ich würde nie, niemals, unter garkeinen Umständen meine Beute aus Mordlust töten. Ich habe bis jetzt noch immer meine Ziele lebend abgeliefert. Ich bin keine gewissenlose Mörderin, aber ich würde ohne mit der Wimper zu zucken töten, sollte meine Sicherheit, mein Leben bedroht sein.
Nein, ich bin nicht lieb und gut, genauso wenig jedoch abgrundtief böse. Ich stehe irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Im Grunde interessiere ich mich nur für mich selbst und alle anderen sind mir mehr oder weniger egal.
Was ich von den Dunkelelfen und ihrem Feldzug halte wollt ihr wissen? Nicht viel wenn ich es recht bedenke und es stimmt mich schon traurig, dass sich unser König auf deren Seite geschlagen hat. Aber es passt zu uns findet ihr nicht. Ich wünschte nur, dass sich Grandessa aus allen Kampfhandlungen heraushalten würde, denn ich habe Angst um meinen kleinen Bruder. Nur fürchte ich, dass es Wunschdenken bleibt. Ich hoffe inständig, dass er auf sich aufpasst. Ihr seht, wenn es nach mir ginge, gäbe es erst garkeinen Krieg. Sollen doch die Dunkelelfen ihren Feldzug allein führen. Andererseits, als Auftraggeber sind sie für mich lebenswichtig. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich die meisten und auch lukrativsten Aufträge diesem Volk zu verdanken. Arch, es ist zum Haareraufen. Wenn sie doch nur nicht so eroberungssüchtig wären, dies verflixten Dunkelelfen.
Magie:
Wie? Ich sei eine Hexe! Guter Mann, macht euch nicht lächerlich. Ich bin genauso wenig Hexe wie ihr Magier seid. Was? Ach so, vom Charakter meint ihr wäre ich eine Hexe. Gut, da mögt ihr wohl recht haben, aber mit Magie habe ich nichts zu schaffen. Andererseits frage ich mich, ob ihr nicht mein Weinglas auf magische Weise nochmals auffüllen könnt. Ihr seid doch sicher begierig, noch mehr von mir zu hören und ich für meinen Teil würde gern noch etwas von diesem herrlichen Tropfen genießen.
Sprache:
Nein mein Freund, ich habe kaum andere Sprachen außer der Allgemeinsprache und Garmisch gelernt. Auch wenn landläufig angenommen wird, dass wir Adligen mehrere Sprachen sprechen würden. Gut, es mag wirklich zutreffend sein, mir war es aber immer ein Graus. Ach ja, die Sprache der Dunkelelfen ist mir noch leidlich geläufig. Das dürfte allerdings kaum verwundern. Immerhin kamen die meisten Aufträge von diesem kämpferischen Volk.
Religion/Glaube:
Zuhause, also in meiner Familie, wurde dem großen Heils- und Lichtbringer Lysanthor gehuldigt. Nicht verwunderlich werdet ihr sicher sagen und liegt damit nicht einmal falsch. Ich selbst habe es dagegen schon früh mit seiner dunklen Schwester Manthala, der Tochter des Mondes, der Schutzpatronin aller Geschöpfe der Nacht gehalten. Wahrscheinlich fragt ihr euch warum nicht Faldor? Ich sagte euch doch schon, dass mir das Töten zuwider ist und Faldor steht für den Tod und das töten wie kein anderer Gott. Nein, ich halte es lieber mit Manthala.
Aussehen:
Was sagt ihr? Ihr haltet mich für zu klein und zu zierlich für eine Kopfgeldjägerin. Oho mein Freund, dass ihr euch da mal nicht täuscht. Ich mag mit gerade mal 1,56 m klein und auch sehr schlank und zierlich sein, doch bin ich auch wieselflink, drahtig und gewandt. Schon viele haben mich unterschätzt und dachten, mit so einem Kind spielend fertig zu werden. Doch ihr müsst zugeben, mit meinem schulterlangen, weizenblonden Haar, der hellen, fast schon blass zu nennenden Haut und dieser Figur bin ich in der Lage, die Sinne eines jeden Mannes zu vernebeln. Und wenn ich dazu noch meine blauen Augen verschämt niederschlage und mit den langen, schön geschwungenen Wimpern klimpere – wer würde da nicht dahinschmelzen und alles um sich vergessen. So manch Ziel wurde allein schon durch meine Reize besiegt. Und ich betone sie noch bewusst durch meine Kleidung. Hautenge gefütterte braune Hosen aus Hirschleder, an den Seiten geschnürt, darüber der lederne Waffengürtel. Am Gürtel befestigt auf der lnken Seite ein Langdolch und der Köcher mit ca. 30 cm langen Pfeilen, zudem noch auf der rechten Seite das Holster für meine Einhandarmbrust. Dazu im Sommer wahlweise ein schwarzes oder weißes luftig und locker sitzendes Oberteil aus feinstem Linnen, das, wenn ich es will, mehr zeigt als es verhüllt. Im Winter dagegen lagärmelige Hemden aus Schurwolle, ebenfalls in Schwarz und weiß gehalten. Abgerundet wird das alles durch einen blauen, knielangen Kapuzenumhang. Ach ja, nicht zu vergessen die gefütterten, wadenhohen, braunen Lederstiefel. Bewusst verzichte ich auf solchen Schnickschnack wie Schmuck und dergleichen. Er würde mich nur bei meiner Arbeit behindern. Dies gilt auch für mein Haar, das ich nur selten offen trage. Auf der Jagd habe ich es regelmäßig zu einem Pferdeschwanz gebunden, der lustig in meinem Nacken wippt und mich dann noch wesentlich ungefährlicher erscheinen lässt. Einzig einen Siegelring meiner Familie nenne ich mein Eigen, doch trage ich ihn nur selten. Die meiste Zeit ist er gut in meinem Gepäck verwahrt.
Persönlichkeit:
Ihr wollt mich also etwas besser kennen lernen mein Freund? Mich nicht nur nach meinem Aussehen beurteilen? Ihr wollt etwas über den Menschen Rikka erfahren? Da muss ich euch wohl enttäuschen. Nicht dass ich euch dies nicht sagen will, ich weiß nur bisweilen selbst nicht mehr wer genau ich bin. Ihr müsst verstehen, dass ich mir im Laufe meiner Zeit als Kopfgeldjägerin eine Menge Masken zugelegt habe. Mein wahres ich ist seitdem immer mehr hinter diesen Masken verschwunden. Nicht wahr, eine unerfreuliche Entwicklung! Für jeden Anlass eine Maske und der eigentliche Mensch verschwindet langsam. Am ehesten könnte man mein Innerstes noch mit den Attributen affektiert, blasiert und hochnäsig, jedoch nicht unkultiviert bezeichnen. Man kann anscheinend seine Erziehung nie völlig ablegen. Wenn ihr wisst, wie es im Adel zugeht und wie die Kinder in adligen Familien erzogen werden, so könnt ihr euch ein gutes Bild von meinem innersten Wesen machen. Ich versuche es so gut es geht zu verdrängen, aber bisweilen schlägt die adlige Dame noch durch. Grauenvoll wenn man bedenkt, wie ich dann auf meine Umgebung wirke. Das Aussehen eines gemeinen Waldläufers und Jägers und das Auftreten einer das Herrschen gewohnten Adligen. Es hat mich schon in manch heikle Situation gebracht.
Glücklicherweise bricht mein Kindheitsverhalten nur noch selten durch. Meine Arbeit hat inzwischen andere Attribute in den Vordergrund gerückt. Meine Arbeit erfordert vor allem ein gerüttelt Maß an Gerissenheit, Durchtriebenheit und Irrsinn. Ja, ich bin wohl wenn man es recht bedenkt ein klein wenig irre und wenn es um die Jagd an sich geht auch fanatisch. Denn, habe ich einen Auftrag erst einmal angenommen, ruhe ich nicht eher, als bis er, auf welche Art auch immer, abgeschlossen ist. Habe ich erst ein Ziel, dann kann sich diese Person zu keiner Zeit, an keinem Ort mehr sicher wähnen. Ich werde sie irgendwann aufstöbern und in Gewahrsam nehmen. Ja, so sieht mein Wesen heute aus, aber wie gesagt, ich trage inzwischen viele Masken. Man kann deshalb nie mit Sicherheit sagen, ob man gerade mit der wahren Rikka spricht oder mit einer ihrer Masken.
Stärken:
Um ehrlich zu sein, ich bin kein Übermensch. Sicher, in manchen Dingen, vor allem in denen, die ich für meine Arbeit brauche, bin ich vielleicht etwas besser als andere, aber sonst zeichnet mich nichts gegenüber anderen Menschen aus. Ich habe ein paar Talente, die ich in harter Arbeit verbessert habe. So kann ich recht gut mit meinen Dolchen umgehen und bin auch nicht schlecht, wenn es um das Anschleichen und Einbrechen geht. Wenn man jagt, ist anschleichen lebenswichtig. Auch im Umgang mit der Armbrust bin ich nicht schlecht, doch sonst. Reiten? Nein nein, das ist nichts Besonderes. Das können andere sicher sogar besser als ich. Wie gesagt, ich bin kein besonderer Mensch mit besonderen Stärken, ich bin nur gut in meiner Arbeit.
Schwächen:
Oh ja, ich habe natürlich nicht nur Stärken, sondern, wie jeder Mensch, auch meine Schwächen. Doch würde ich sie euch verraten, müsste ich euch umbringen. Nun schaut nicht so, wo kämen wir hin, wenn jeder von meinen Schwächen erführe? Dann könnte ich meine Arbeit auch gleich an den Nagel hängen. Und wenn ihr genau überlegt, dann könnt ihr euch selbst zusammenreimen, dass allein schon die Tatsache, dass ich eine kleine, zierliche Frau bin, meine größte Schwäche ist. Stellt euch nur mal vor, ich müsste gegen einen muskelbepackten Kerl kämpfen! Was glaubt ihr wohl wie dieser Kampf ausgeht? Selbst meine Künste im Umgang mit dem Dolch würden mir da nicht weiter helfen. Deswegen bin ich immer darauf bedacht, einen Gegner mit meiner Armbrust kampfunfähig zu machen ehe ich mich ihm direkt stelle. Geht das nicht, so ist ein taktischer Rückzug in jedem Fall besser als ein offener Kampf. Den vermeide ich so gut es geht.
Tja, sonst ist es wie mit meinen Stärken, nichts besonderes, halt alle menschlichen Schwächen, wie sie wohl jeder Mensch kennt. Obwohl, gelegentlich erliege ich dem Wahn, meine inneren Stimmen, die fast immer im Streit miteinander liegen, zu vermenschlichen. Manchmal geht das so weit, dass ich ihnen nicht nur gedanklich Einhalt gebiete. Zuweilen kommt es dann vor, dass mich meine Mitmenschen in diesen Situationen für verrückt halten. Hihi, einmal wollten sie mich deswegen sogar ins Irrenhaus schicken. Man meinte, nicht vorhandene Stimmen zu hören und auf diese zu antworten wäre nicht normal. Ha ha ha, was ist schon normal? In gewisser Weise sind wir doch alle ein wenig verrückt. Schließlich konnte ich ihnen doch entwischen. Ich und ins Irrenhaus, ha ha, ein guter Witz.
Lebensgeschichte:
Tja mein Freund, ich würde ja gern noch ein wenig mit euch plaudern, doch sehe ich mit erschrecken, dass ich nichts mehr zu trinken habe. Nun schaut nicht so entgeistert, mit trockener Kehle redet es sich halt nicht so gut wie mit einer ordentlich angefeuchteten. Und ich sehe es an euren Augen, dass ihr begierig seid, noch die eine oder andere Begebenheit von mir zu erfahren. Ja, zuweilen vermag ich einen Menschen allein mit Worten zu fesseln. Ah, wie ich sehe hatte ich mit eurer Neugier recht. Alsdann, zum Wohl mein Freund.
Was soll ich sagen, das meiste habe ich euch ja schon erzählt und was mein bisheriges Leben betrifft ... Nun, die Jahre meiner Kindheit waren nicht allzu aufregend. Meine Tage waren mit lernen erfüllt, ich sollte schließlich später einmal als gebildete Dame einen adligen Herrn heiraten. Tagein tagaus nur Tanzunterricht, Sprachunterricht, Unterricht in gutem Benehmen, vortragen von Gedichten und Sonetten und dergleichen mehr. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich nicht gerade glücklich war. Aber wenn man es nicht anders kennt. Ich bildete mir auf diese meine Herkunft und Lebensart tatsächlich auch noch etwas ein. Das ging sogar so weit, dass ich meine mir zugeteilten Bediensteten wie Dreck behandelte und mich weit über ihnen stehend dünkte. Wie gesagt, ich wusste und kannte es nicht anders.
Dies änderte sich erst mit meinem dreizehnten Lebensjahr, als ich reiten lernte. Schon von Anfang an saß ich nicht graziös im Rüschenkleid im Damensattel sondern mit Lederhosen und Wolljacke bekleidet wie ein Mann. Reiten bedeutete für mich Freiheit, das Ausbrechen aus den starren Konventionen meines Adelshauses. Mit einem Mal war mir, als würde ich erst jetzt zu leben beginnen. Und als mich Vater dann zum ersten Mal auf einen Jagdausflug mitnahm, Mutter war zwar dagegen, aber Vater wollte mir eine Freude machen, da war es um mich geschehen. Ich glaube, hätte Vater gewusst was er da anrichtete, er hätte mir mein Pferd weggenommen und mich im Haus eingesperrt. Ich bin ihm noch heute dankbar, dass er sich gegen Mutter durchsetzte, auch wenn er es später sicher bereute. Aber ich schweife ab.
Die Jagd war ein Erlebnis sondergleichen. Das Gefühl, das Wild zu stellen, es in die Enge zu treiben und es am Ende zu erlegen war unglaublich und einmalig. Es versetzte mich in eine Erregung, wie ich sie bis dahin nicht kannte und von Stund an wusste ich, dass ich nicht mehr davon loskommen würde.
Vater erkannte schnell seinen Fehler und schränkte meine Freiheiten drastisch ein. Aber zu spät, es hatte nichts mehr genützt. Irgendwie fand ich immer einen Weg, um mich aus dem Haus zu schleichen und meiner Leidenschaft zu frönen. Das ging am Ende so weit, dass ich eines Tages, als wir mal wieder über den Markt schlenderten, an einem Stand, an dem allerlei Waffen feilgeboten wurden, stehen blieb, weil ich ein wahres Kleinod entdeckte. Lag dort nicht eine Einhandarmbrust, eine Waffe wie für mich geschaffen. Ich nutzte die Gunst der Stunde, erwarb das gute Stück, welches der Händler irgendwo am Straßenrand aufgelesen hatte, und setzte mich schleunigst nach Hause ab, um sie gut zu verstecken. Von da an gab es fast jeden Tag in unserem Haus Wildbrett und ich wurde süchtig nach der Jagd. Es war nicht die Erregung zu töten, oft ließ ich meine Beute am Ende sogar entkommen, nein, es war das Messen der Kräfte, das Gefühl geistiger Überlegenheit wenn es mir gelang die Tarnung des Wildes zu enthüllen, besser zu sein als die Beute, die sich vor mir versteckte. Es war für mich wie ein Rausch der Sinne.
In dieser Zeit lernte ich jeden wilden Ritt im Gelände zu meistern und meine Armbrust zielsicher zu beherrschen. Musste ich anfangs noch beide Hände dazu benutzen, so konnte ich am Ende in vollem Galopp mit nur einer Hand treffsicher schießen.
Wahrscheinlich wäre dies ewig so weiter gegangen, wäre es nicht an meinem sechzehnten Geburtstag zu einem Ereignis oder besser gesagt zu einer Begegnung gekommen, die mein Leben von Grund auf verändern, ja regelrecht auf den Kopf stellen sollte. Seit drei Jahren frönte ich nun schon der Jagd, während mir mein Leben ansonsten wie die pure Langeweile vorkam.
Vielleicht sollte ich noch sagen, dass Machtkämpfe in Adelskreisen nicht ungewöhnlich sind und dass dabei gelegentlich auch mit unschönen Mitteln gearbeitet wird. So kam es, dass in der Zeit um meinen sechzehnten Geburtstag ein verarmter Landadliger dachte, er könne durch gestreute Gerüchte und Intrigen den Ruf unseres Hauses in Misskredit bringen und selbst in der Gunst des Königs steigen, um so mehr an Macht, Einfluss und Reichtum zu gewinnen. Ihr könnt euch vorstellen mein Freund, dass mein Vater nicht erfreut war und alles daran setzte, diesem entgegenzuwirken. Doch der Konkurrent stellte sich nicht ungeschickt an und meinem Vater blieb somit keine andere Wahl, als den Mann mittels eines gedungenen Mörders zu beseitigen. Lange Zeit gelang es ihm jedoch nicht, einen geeigneten Auftragsmörder zu gewinnen. Den meisten war der Auftrag einfach zu heikel.
Doch eines Abends, ich wollte mich gerade wieder einmal aus dem Haus schleichen, hörte ich eine fremde Stimme, die sich mit Vater unterhielt. Neugierig schlich ich in den Schatten der offen stehenden Tür und spähte in den Salon. Und da stand sie! Sie verströmte eine Aura von Macht und Tödlichkeit, wirkte gleichzeitig aber auch elegant, hoheitsvoll und gebieterisch. Ohne zu wissen wer diese Frau war, ihr Gesicht wurde von einem Tuch verhüllt, war ich sofort fasziniert und in ihren Bann gezogen. Instinktiv ahnte ich, dass diese Frau die Jagd bis zur Perfektion beherrschte, ja, dass sie die Jagd lebte. Glaubt mir, hättet ihr sie gesehen, ihr würdet mich jetzt besser verstehen. Ich schätze aber, wenn ich euch ihren Namen nenne, werdet ihr mir zustimmen, denn es war niemand geringeres als Morticia, die man auch die Todesfee nannte. Ah, ich sehe, auch euch ist der Name geläufig.
Nun, lasst es mich kurz machen. Während ich glaubte, in meinem Versteck unentdeckt zu sein, ruhten mit einem Mal Morticias Augen genau auf der Stelle, an der ich mich befand. Ich war mir sicher, dass man mich nicht sah, denn der verwirrte Blick meines Vaters, der darauf ebenfalls in meine Richtung sah, zeigte, dass er mich nicht wahrnahm. Doch bei Morticia hatte ich das untrügliche Gefühl, dass sie genau über mich bescheid wusste. Ein verräterisches Aufleuchten in ihren Augen hatte es mir gezeigt und mir gleichzeitig einen erregenden Schauer über den Rücken gejagt. Ich hatte genug gesehen und sah zu, dass ich lautlos und unerkannt verschwand.
Weit kam ich allerdings nicht, denn urplötzlich, wie aus dem Nichts, stand sie vor mir und beim Blick in ihre Augen überkam mich eine Gänsehaut. Wenn ich dachte, dass ich nun Ärger bekam, so sah ich mich getäuscht. Ganz im Gegenteil war diese Todesbringerin von meinem Talent, mit meiner Umgebung zu verschmelzen, recht angetan.
Wir unterhielten uns noch eine Weile und sie zeigte mir, als ich ihr meine Leidenschaft gestand, ihre Art der Jagd, gab mir einen Einblick in eine Welt, die mir einen Schauer purer Erregung und Begierde bescherte. An diesem Abend ging ich nicht mehr jagen, auch nicht am nächsten und übernächsten, wie auch den folgenden. Volle zwei Wochen dachte ich über das, was sie mir gesagt und gezeigt hatte, nach. Zu Beginn der dritten Woche nach meiner Begegnung mit Morticia schlich ich mich zum ersten Mal wieder aus dem Haus. Diesmal jedoch, um mit einer Jagd zu beginnen, die weit mehr versprach als die Jagd auf wilde Tiere. An diesem Abend nahm ich meinen ersten Auftrag als Kopfgeldjägerin an.
Der Rest ist schnell erzählt. Mein erster Auftrag wäre fast mein letzter gewesen, da ich, nur die Jagd auf Tiere gewöhnt, die menschliche List und Tücke völlig unterschätzte. Ich machte Fehler über Fehler und wäre schließlich, als ich in eine Falle meines Auftragsziels tappte, beinahe umgekommen. Nur mit viel Glück, ich musste einen riesen Fürsprecher bei den Göttern haben, konnte ich der Falle entkommen, den Spieß umdrehen und meinen Gegner fangen. Jeden anderen hätte diese Erfahrung dazu gebracht, der Jagd auf Menschen abzuschwören, nicht so bei mir. Im Gegenteil, es reizte mich noch mehr, hatte ich nun endlich Widersacher, die ebenso intelligent waren wie ich, die ihren Verstand ebenso zu gebrauchen wussten, was die Jagd um ein Vielfaches erregender machte. Endlich konnte ich meinen Verstand mit dem eines anderen messen, siegte die bessere Taktik, die klügere List, der größere Verstand. Und im Gegensatz zu Morticia, die die Befriedigung ihrer Lust im Töten des Gegners fand, fand ich diese Befriedigung darin, meine Beute nur ob der Überlegenheit meines Verstandes zu fangen. Bis heute kam es nur ein- oder zweimal vor, dass ich einen steckbrieflich Gesuchten tot ablieferte. Mein Bestreben liegt darin, diese Leute immer lebend zu übergeben. Meinen Gegnern zu zeigen, dass mein Verstand dem ihren überlegen ist. Die Drecksarbeit des Tötens jedoch ist unter meiner Würde.
Zwei Jahre schaffte ich es, unentdeckt unter den Augen meiner Familie meiner Leidenschaft zu frönen bevor mein Vater, und das auch nur durch Zufall, meinem Doppelleben auf die Schliche kam. Es kam zum Eklat in dessen Folge ich von meiner Familie verstoßen wurde. Glaubt mir mein Freund, ich war nicht allzu gram darüber. Anfangs vermisste ich zwar den Luxus, den ich bis dahin genoss, doch mit der Zeit siegte meine Begierde über meine Ansprüche. Bis heute habe ich weder mit meinen Eltern noch mit meinem älteren Bruder wieder ein Wort gewechselt. Nur zu Warren, meinem jüngeren Bruder, habe ich noch gelegentlich, wenn ich mich in Grandea aufhalte, Kontakt. Durch seinen Dienst in der Armee war er der Einzige, der mich, wenn auch nur ansatzweise, verstand und das was ich tat tolerierte.
So ziehe ich seit meinem achtzehnten Lebensjahr, also seit gut sieben Jahren, durch die Lande, immer auf der Suche nach Leuten, auf die ein erklecklich Sümmchen an Kopfgeld ausgesetzt wurde. Gelegentlich nehme ich auch persönliche Aufträge an, dies aber nur, wenn ich wirklich knapp bei Kasse bin oder wenn der Auftrag eine besonders ungewöhnliche Herausforderung erwarten lässt.
Nun mein Freund, der Abend ist schon weit fortgeschritten und ich habe euch auch nichts weiter zu berichten. Seid mir wegen des Weins nicht gram, denn jedes Glas war sein Geld wert. Nein, ihr könnt mir da nichts vormachen, eure Augen verraten euch. Ich sehe es eurem Blick an, dass ihr schon seit langem nicht mehr so gut unterhalten wurdet. Dies sollte euch die paar Gläser Wein wert sein. Doch nun bin ich müde und werde mich auf mein Zimmer zurückziehen.
Also, gehabt euch wohl mein Freund, vielleicht kreuzen sich ja unsere Wege irgendwann noch einmal. Denn wie heißt es so schön, man sieht sich im Leben immer zweimal.
Adieu und gute Nacht
Inventar:
- Reiserucksack
- ein Langdolch
- eine Einhandarmbrust mit Köcher und Pfeilen
- Hanfseile für Fesselungen jeglicher Art
- Ersatzwäsche
- Winterkleidung
- Wolldecke
- Wasserschlauch
- Siegelring ihrer Familie
im Moment keine, sonst hin und wider ein Pferd
Einstiegspost
Angaben zu Armbrust und Pfeilen:
Länge der Armbrust ---> ca. 50 cm
Spannweite ---> ca. 35 cm
max, Reichweite ---> ca. 50 m
Kernschussweite ---> ca. 25 m (Weite bis zu der max Durchschlagskraft erzielt wird)
Material ----> Eichenholz
Gewicht: ca. 2 kg
Pfeile:
Die Pfeile sind ca. 30 cm lang Durchmesser ca. 0,5 cm mit runder Eisenspitze. Die Pfeilspitze hat keine Widerhaken oder ähnliches, so dass sie Problemlos entfernt werden können (vergleichbar mit Dartpfeilen nur entsprechend größer).
Sie dienen nicht dem Töten, also nicht der Erzielung maximalen Schadens, vielmehr ist ihre Konstruktion darauf ausgelegt, das Ziel nur zu verwunden, bewegungsunfähig zu machen bzw. Schmerz zuzufügen, um dessen Kampfkraft zu verringern oder es vollständig kampfunfähig zu machen. Nebeneffekt: Die Pfeile sind wiederverwendbar und es müssen so nicht ständig neue beschafft werden.
Giftpfeile oder ähnliches kommen nicht zum Einsatz, das Risiko drs Todes, selbst bei nur lähmendem Gift ist zu groß.


