Nadesha

Spieler kommen und gehen, Charaktere verschwinden spurlos oder sterben ruhmreich. Niemand soll vergessen werden. Deshalb findet ihr hier die Steckbriefe ehemaliger (Spieler-)Charaktere.
Gesperrt
Benutzeravatar
Nadesha
Gast
Gast

Nadesha

Beitrag von Nadesha » Sonntag 30. September 2012, 20:37

Nadeshas Steckbrief
Name: Nadesha

Rasse: Mensch/Samaerin

Alter: 20 Jahre

Geschlecht: Weiblich

Beruf: Diebin/Wüstendiebin, allerdings stiehlt sie auch "privat".

Heimat: Sarma

Gesinnung: Neutral

Magie: Keine

Sprache: (celcianisch) Sendli, Rendinea

Religion/Glaube: Manthala, allerdings nur dann, wenn sie Hilfe braucht oder danach gefragt wird. Eigentlich glaubt Nadesha hauptsächlich an sich, auch wenn sie überzeugt ist, dass Manthala ihr die Gabe der Sprache Rendinea gegeben hat... oder ihr zumindest beim Lernen geholfen hat.

Aussehen:
Schlank, hochgewachsen mit langen Armen und Beinen. Ihre Hände sind schmal mit langen Fingern. Sie ist wie die meisten Samaer sehr beweglich. Ihre langen, schwarzen Haare sind leicht gewellt und reichen ihr bis zur Hüfte. Sie trägt sie meist zu mehreren kleinen Zöpfen geflochten und mit einem Stirnband zurück gehalten. Das gibt ihr ein wildes Aussehen. Ihre Augen sind braun mit einem Stich hellgrün. Ihre langen Wimpern sind geschwungen, die Augenbrauen dunkel und schmal. Ihre Haut ist bronzefarben glänzend, allerdings etwas heller als bei den meisten Samaern. Sie wirkt Katzenartig mit ihren geschmeidigen Bewegungen. Ihre Augen mustern jeden Fremden durchdringend, sodass man sofort das Gefühl bekommt, etwas Falsches getan zu haben. Nadesha trägt meist ein hellgelbes, knielanges Kleid aus einem dünnen Stoff, der leicht mit Seide zu verwechseln ist. Darunter trägt sie eine ebenfalls knielange Hose aus Leinen. Um die Talle hat sie einen Ledergürtel, an dem einer ihrer Dolche befestigt ist. Zwei Goldreifen zieren ihre Handgelenke, ansonsten hat sie nicht viel für Schmuck übrig. Wenn sie "arbeitet", läuft sie meist barfuß, in der Öffentlichkeit trägt sie einfache Riemensandalen.


Persönlichkeit:
"Du bist wie eine Katze! Listig, undankbar und eine richtige, kleine Furie."

Aufgrund ihrer schweren Vergangenheit achtet Nadesha darauf, immer einen frechen Spruch parat zu haben. "Angriff ist die beste Verteidigung" lautet ihr Motto. Sie hat einen kleinen, festen Freundeskreis, dem sie vertraut. Auftraggeber sind für sie faule Säcke, Händler, die sie oft betrügt, arme Schweine. Sie liebt ihre Freiheit und würde lieber sterben, als einen Fehler einzugestehen. Nadesha kennt die Menschen gut genug, um zu wissen, wann man sich zurück halten sollte, tut es aber nur selten. Dass sie noch nicht eingesperrt oder getötet wurde, verdankt sie allein ihren Fähigkeiten als Diebin. Doch so skrupellos sie den meisten Menschen gegenüber ist, so hilfsbereit und liebenswürdig verhält sie sichbei Tieren. Sie waren früher ihre einzigen Freunde und genießen auch jetzt noch ihren Schutz und ihre Gesellschaft. Sie vertraut voll und ganz auf ihre Fähigkeiten und fürchtet (fast) keine Herausforderungen. Außerdem ist sie ein Sturkopf und will sich immer durchsetzen.

Stärken:
- Umgang mit Dolchen - überdurchschnittlich
- beweglich
- stehlen
- Tarnen und schnelles Verschwinden
- selbstbewusst (glaubt IMMER an sich)
- Unbewaffneter Kampf - rudimentär

Schwächen:

- Nicht stark
- miserable Schwimmerin, kann kaum zehn Meter weit schwimmen und nicht tauchen (hat es nie gelernt und mag das Wasser nicht sonderlich)
- Erkennt keine wirklichen Gefahren (zu eitel)

Lebensgeschichte:
Ziegen
"Nadesha! Komm, wir können spielen." Der kleine Junge winkte eifrig mit seiner winzigen Hand.
Nadesha sah auf. Sie war ungefähr ein Jahr älter als er, sechs. Ihre schwarzen Haare waren unter eine alte Mütze gestopft, ihre Kleidung war die einer einfachen Magd. "Tut mir leid, ich kann nicht. Papi hat gesagt, ich soll die Ziegen einfangen." Der kleine Junge zuckte mit den Schultern und ging weg. Nadesha sah ihm traurig nach und machte sich wieder auf die Suche nach den Tieren. Ihre Mutter kümmerte sich um den Haushalt, was ihr Vater beruflich tat, wusste sie nicht. Er war nur selten zu Hause und dann oft schlecht gelaunt. "Geh, fang diese Biester ein!" Das waren die Worte, mit denen er sie begrüßt hatte, bevor er an ihr vorbei und ins Haus war. Nadesha hatte gerade noch gesehen, wie eine Ziege hinter einer Hausecke verschwand. Das hellbraune Tier war schon alt, doch Nadesha wusste aus Erfahrung, dass sie es nicht wieder einfangen konnte. Nicht ohne Hilfe.

Ihre Füße waren wund, sie war fast zwei Stunden durch Sarma gelaufen und hatte ihn vergeblich gesucht. Den alten Hirten. Den Mann, der ihr schon so oft geholfen hatte, wenn ihr Vater ungerecht zu ihr war oder sie etwas nicht allein hinbekam. Wie jetzt. Doch er war nicht da. Nicht unter der alten Brücke, nicht auf dem Marktplatz, nicht am Hafen. Nadesha sah sich um. Wo war sie? Alles sah so fremd aus. Doch sie würde nicht weinen. Das vermied sie auch damals schon, denn ihr Vater hatte ihr gezeigt, was er von heulenden Kindern hielt. Sie spürte die Schläge noch immer. Da hörte sie auf einmal das Meckern einer Ziege. Ihrer Ziege. Nadesha rannte darauf zu und tatsächlich: Es waren ihre Ziegen. Ein Junge, etwas älter als sie, zog die Tiere hinter sich her. Sie hatten Stricke um den Hals gebunden. Er wollte sie stehlen, Nadesha war sich sicher das er es wollte. "Lass sie los! Es sind meine!" Sie rannte wütend auf ihn zu.
"Deine?" Er grinste hämisch. "Was man gefunden hat, darf man behalten, Kleine!"
"Das darf man gar nicht und jetzt gib sie her! Außerdem bin ich nicht klein!"
Nadesha war tatsächlich genauso groß wie er. Sie machte Anstalten ihm die Stricke aus der Hand zu reißen, doch da rief mit einem Mal jemand etwas in einer fremdartigen Sprache. "Junge, komm endlich! Lass dem Mädchen seine Ziegen, ich kenne es!"
Verdattert sah Nadesha dem Jungen nach, der sich flink über eine Mauer schwang. Wer war er? Wer hatte ihn gerufen? Wieso? Nadesha wollte ihm nachlaufen, da fielen ihr die Ziegen wieder ein. Sie griff nach den Stricken. Sie war viel zu lange fort gewesen. Ihr Vater würde sauer sein. Müde trottete sie nach Hause.

So ähnlich ging es noch einige Jahre weiter. Weder Nadesha, noch ihre Mutter verließen Sarma, der Vater kam immer öfter nach Hause, was mehr Schläge bedeutete und mehr Arbeit. Als Nadesha acht war fragte sie ihre Mutter, warum sie keine Sklaven hatten. Diese antwortete nicht. Wie sollte sie ihrer Tochter gestehen, dass sie einen Säufer als Mann hatte, der sie schlug? Und wie, dass sie in diesem kleinen Haus lebten, obwohl sie Geld hatten? Geld, das für Bier und Zigarren ausgegeben wurde. Nadesha wurde immer leichtsinniger, missachtete die Drohungen ihres Vaters und trieb sich immer öfter in den entlegensten Vierteln Sarmas herum. Sie wurde in Schlägereien verwickelt und von einem Penner fast ertränkt, dem sie eine Fuchsmünze gestohlen hatte. Doch trotz der Schläge der Straßenjungen und der ihres Vaters liebte sie diese Freiheit.
Mit zwölf Jahren begann ihr Vater dann von Heirat und Versklavung zu reden. Doch da war es ihrer Mutter entschieden zu viel. Sie hatte sich all die Jahre unterdrücken lassen und hatte nicht vor ihre Tochter dem gleichen Schicksal zu überlassen.

Allein

Nadesha war glücklich. Sie hatte bei einer Prügelei einen Dolch erbeutet, denn sie war gut, was das Schlagen und Treten anging, aber eine noch bessere Diebin. Zum zigtausendsten Mal zog sie die Waffe aus ihrem Gürtel. Es war gute Arbeit und sie fragte sich, woher der Junge sie gehabt hatte, dem sie sie abgenommen hatte. Er war stark gewesen, doch sie war schnell und gerissen.
Sie erreichte den alten Zaun zu ihrem Grundstück und schlagartig verschlechterte sich ihre Stimmung. Heirat, dröhnte es in ihrem Kopf, Sklavin, Pflichten, Arbeit. Nie im Leben würde sie ihre Freiheit wegen irgendeinem Mann aufgeben! Nie, nie, nie! Das würde ihr Vater schon einsehen müssen. Und wenn nicht? Sie wusste keine Antwort auf diese Frage, doch jetzt hätte sie vielleicht ihre Ruhe... vielleicht war er noch im Wirtshaus.

Natürlich hatte sie kein Glück. Ihr Vater saß am Küchentisch und starrte in einen halbleeren Bierkrug. Ihre Mutter wusch Geschirr und sah nicht einmal auf, als Nadesha die Tür hinter sich schloss. Er hatte sie geschlagen, Nadesha sah es sofort.
"Hallo!" Sie sagte es nicht freundlich. Wieso auch? Für sie gab es keinen Grund nett zu ihm zu sein und ihre Mutter war in Gedanken. Nadesha wollte weiter gehen, in den Raum, in dem sie schlief, eine kleine Kammer, doch ihr Vater hielt sie zurück. "Wegen deiner Heirat..." Er verlor den Faden, anscheinend hatte er viel zu viel getrunken. "Ich werde niemanden heiraten! Hörst du: NIEMANDEN!" Wütend schlug Nadesha auf den Tisch. "Oh doch!" Er musste aufstoßen. Angeekelt sah Nadesha ihn an und wollte sich losreißen.
"Du hast mich jahrelang gezwungen zu arbeiten. Du hast mich immer wieder geschlagen, obwohl ich nur ein Kind bin! Aber jetzt ist es vorbei! Ich gehe und komme nie zurück! Verflucht seist du! Du und dein Bier und deine Faulheit... und deine Grausamkeit!" Nadesha hielt inne. Das war kein Sendli gewesen... sie hatte tatsächlich flüssig Rendinea gesprochen... oder eher Rendinea gefuchtelt. Auch ihr Vater sah sie verblüfft an und ihre Mutter hatte sich umgedreht. Nadesha riss sich los, wollte fortlaufen. Doch dann blieb sie kurz stehen und holte aus. Ihr Vater konnte nicht mehr ausweichen. Die Kraft des Schlags ließ seinen Kopf zur Seite schwingen. Dann rannte Nadesha, so schnell sie konnte, aus dem Haus, die Tür ließ sie offen stehen und hastete durch den Garten und nach draußen in die Straßen Sarmas.

Sie hatte Angst. Sie hatte schreckliche Angst und Hunger. Warum war sie weggelaufen? Sie kannte Sarma gut und fand sich meistens allein zurecht. Doch im Laufe der Jahre hatte sie entschieden mehr Feinde als Freunde gewonnen. Wohin sollte sie gehen? Wer würde ihr helfen? Sie war allein... So allein.

Einige Wochen hielt Nadesha sich über Wasser. Sie stahl und verdiente sich etwas Geld durch Botendienste. Doch so konnte es unmöglich weitergehen, das sah sie schnell ein. Ihre Kleidung war unpraktisch und schon etwas zu klein. Sie schlief in einem eingefallenen Haus neben Straßenkatzen, die sich als sehr nützlich erwiesen. Sie hielten ihr Ratten und ähnliches vom Leib. Doch sie sehnte sich nach anderen Menschen, die ihr zuhörten. Nach ihrer Mutter. Doch zurück konnte sie nicht. Verzweifelt suchte sie nach jemandem, bei dem sie in die Lehre gehen konnte, doch sie war noch jung und außerdem ein Mädchen. Sie wäre wohl früher oder später gestorben oder doch zurück nach Hause gegangen. Doch eines Tages...

Ein alter Freund

Nadesha warf die Münze hoch. Ihre letzte Fuchsmünze. "Bauer, ich gehe zum Marktplatz, Leer, ich suche diese verdammten Diebe!" Die leere Seite landete oben. Seufzend hob Nadesha sie auf. Der Bund der Wüstendiebe war ihre letzte Hoffnung. Niemand hatte ihr sagen können, wo sich das Versteck der Gilde befand, man hatte sie höchstens merkwürdig angesehen und ihr geraten, sich einen anständigen Beruf zu suchen. Ein Mann, viel größer als sie und viel stärker, hatte versucht sie einzufangen, vermutlich als Sklavin. Nadesha entkam knapp und schwor sich auf keinen Fall weiter zu fragen. Doch dann hatte sie zwei Penner gefunden, die ihr etwas verraten hatten. Eigentlich hatte sie nur versucht, einem von ihnen ein Stück Brot zu stehlen, doch anstatt sie zu schlagen hatte er sie gefragt, ob sie gerne zu den Wüstendieben wollte. Nadesha dachte nicht, dass er die Wahrheit gesagt hatte, außerdem war er vermutlich verrückt. Doch jetzt folgte sie seinem Hinweis. Nadesha wusste nicht, dass er sich in diesem Moment in einem Haus befand, das nicht das seine war und Sachen mitnahm, die ihm nicht gehörten. Er war nicht verrückt. Er war ein Dieb, der sich einen kleinen Scherz erlaubt hatte. Und Nadesha würde dieser Scherz das Leben retten. Sie konnte nicht darauf hoffen, aufgenommen zu werden, wer dachte schon, dass ein zwölfjähriges Mädchen eine gute Diebin wäre, aber vielleicht konnte sie einen kleinen Botengang machen oder Vorräte stehlen... sie war verzweifelt, versuchte aber sich einzureden, dass es mit Sicherheit eine Aufgabe für sie geben würde.

Es gab eine. Doch auf so etwas hätte Nadesha nie gehofft. Sie schlenderte langsam durch Sarma. Natürlich nicht, weil sie unbekümmert oder froh war, sondern weil sie sich in der kurzen Zeit, die ihr voraussichtlich noch blieb, nicht abhetzen wollte. Doch sie schlenderte nicht ewig weiter. Sie musste schon nach kurzer Zeit anhalten. In einer engen Gasse lag ein Mann. Er war schwarz gekleidet und hatte ein Bündel unter den Arm geklemmt. Nadesha trat vorsichtig an ihn heran... Und zuckte zurück. Sie erkannte ihn. Es war der alte "Hirte" und er war blutverschmiert. Aber er lebte. Nadesha hatte ihn seit Jahren nicht mehr gesehen. Wie kam er hier her? Und wer hatte ihm das angetan? Wieso? Da öffnete er plötzlich die Augen. Blau wie das Meer. Er stammte nicht aus Sarma oder war zumindest kein reinrassiger Samaer. Nadesha sah sich kurz um, niemand zu sehen, dann beugte sie sich zu ihm herunter. "Ach du..." Er keuchte nur noch. Wie er sie erkannt hatte, wusste Nadesha nicht. "Was soll ich tun... soll ich eine Heilerin holen...?"
"Nein... jede Hilfe würde zu spät kommen. Meine Zeit ist um.", er stockte kurz," Geh und bring es meinem Neffen"Er machte eine schwache Kopfbewegung in Richtung des Bündels. "Wie...? Wer...?" Nadesha brachte nichts anderes heraus. Es war zu verrückt. "Du kennst ihn. Und er kennt dich. In dem... Beutel ist was, das du brauche könntest... jetzt lau-" Mehr brachte er nicht heraus. Ein letztes Zittern durchfuhr seinen Körper, seine Gesichtszüge entspannten sich. Nadesha sah ihn ungläubig an. War er wirklich... tot? Sie schluckte. Sie hatte schon viele Tote gesehen. Gehängte, Kranke. Doch das hier war etwas anderes. Das Bündel... Nadesha zog es unter seinem schlaffen Arm hervor. Bald würde sein Körper steif und kalt sein. Das Bündel... was war darin? Hatte man ihn deshalb getötet? Etwas, das du brauchen könntest... Nadesha öffnete es vorsichtig. Darin lagen mehrere Gegenstände. Ein versiegelter Brief, den Nadesha nicht öffnete, da sie sowieso nicht lesen konnte, ein Samttuch, in das ein silberner Ring eingeschlagen war, und Kleider. Ein Kleid und ein paar Sandalen. Nadesha betrachtete das hellgelbe Kleid ungläubig. Etwas, das du brauchen könntest. Wieder sah sie sich schnell um und schlüpfte dann in das Kleid. Es war ihr zu groß, aber immerhin besser als zu klein. Die Sandalen fühlten sich ungewohnt an, sie hatte noch nie Schuhe getragen. Nadesha packte die restlichen Sachen wieder in das Bündel und beugte sich ein letztes Mal über den "Hirten". "Danke!" Die Silben kamen von selbst über ihre zitternden Lippen.

Wie in Trance setzte sie ihre Suche fort. Das Haus, vor dem sie schließlich stand, war nicht das Gildenquartier, doch Nadesha erkannte den Dieb, der sich als Obdachloser ausgegeben hatte. Er lehnte an der Hauswand und Nadesha schöpfte neue Hoffnung. Sie wusste nicht, wieso er ihr die Wahrheit gesagt hatte, aber sie musste ihm vertrauen. Nadesha wollte sich gerade dem Haus nähern, als sie von hinten gepackt und in den Dreck gestoßen wurde...

Eine von ihnen
"Au! Ihr dreckigen Kerle, ihr..." Nadesha verstummte, als sie über sich einen Jungen erkannte, der kaum älter war als sie selbst. Er grinste sie schadenfroh an. Du kennst ihn. Und er kennt dich. Kein Zweifel: Er war es, der ihre Ziegen gestohlen hatte, damals vor sechs Jahren. Er hatte sie noch nicht wieder erkannt. Gut. Nadesha zwang sich einige Tränen in die Augen. Das Grinsen verschwand. "Oh, ´tschuldigung!" Er hielt ihr die Hand hin und sie griff danach. Dann zog sie mit einem Ruck so fest daran, dass er neben ihr im Staub landete. Mit einem Satz war sie auf den Beinen und stellte ihm einen Fuß auf die Brust. "Ach übrigens, dein Onkel ist tot!" Im nächsten Moment bereute sie was sie gesagt hatte, doch es war zu spät. "Was?" Seine braunen Augen weiteten sich vor Schreck. "Äh... tut mir leid aber... ja", begann Nadesha,"Ich... habe ihn vorhin gefunden. Das soll ich dir geben." Sie hielt ihm das Bündel hin. "Das... ich wusste, dass er nicht lange durchhält... aber das, das..." Seine Stimme versagte. Langsam griff er nach dem Bündel.

Den Ring hatte er achtlos beiseite geworfen, doch den Brief hatte er mehrmals gelesen. "Was steht drin?" Es beunruhigte Nadesha, dass sie mitten auf der Straße saßen, doch der Junge, Atarin hieß er wie er ihr später erzählen würde, wollte sich nicht rühren. "Was geht dich das an?", blaffte er, bereute es jedoch sofort. "Er war auf der Flucht. Er hatte die Gilde verlassen und ein bisschen Kram gestohlen. Sie wollten verhindern, dass er was ausplaudert und..." Er sprach nicht weiter, doch es war klar, was geschehen war. "Er war schon alt... aber egal! Du kommst jetzt mit!" Atarin richtete sich auf.
"Mit wohin?", fragte Nadesha, während sie sich den Staub vom Kleid klopfte.
"In das Quartier der Gilde, du Dummchen!"
Nadesha verkniff sich einen Kommentar und fragte ihn stattdessen etwas, das sie schon die ganze Zeit wissen wollte.
"Glaubst du, die Gilde nimmt mich auf?"
"Nachdem sie gesehen haben, wie du mich in den Staub geworfen hast? Natürlich! Aber eine Ausbildung ist hart... ich weiß nicht ob das was für dich ist..."
Jetzt lehnten bereits drei Männer an der Hauswand und beobachteten grinsend die beiden Kinder.
"Mein ganzes Leben war hart und solange ich nicht verhungern oder verdursten muss, bin ich zufrieden." Nadesha konnte es nicht glauben. Sie würde eine von ihnen werden. Eine Wüstendiebin.

Es war, wie Atarin gesagt hatte. Die Ausbildung war hart. Nadesha lernte lesen, schreiben, rechnen und die Sprache Rendinea, wobei ihr letzteres am einfachsten fiel. Durch ihre Zeit auf der Straße beherrschte sie bereits Teile davon und ab und zu kamen ihr unerwartet ganze Brocken so einfach über die Lippen, als wäre es ihre Muttersprache. Im unbewaffneten Kampf kam sie recht gut zurecht, trotz fehlender Stärke und ihr Dolch wurde ihr ständiger Begleiter, jetzt nicht mehr versteckt, sondern offen getragen. Sie bekam eine Leinenhose geschenkt, in der sie um einiges beweglicher war als in dem Kleid. Mit 13 durfte sie auf ihre ersten Streifzüge, das Training im Kampf wurde härter. Man brachte ihr bei mit Wurfsternen umzugehen, doch sie lehnt diese Waffen bis heute ab. Die Katze, die sie aus den Händen eines Pelzhändlers gerettet hatte, folgte ihr auf Schritt und Tritt. Atarin bezeichnete sie zunächst als "unnützes Mistvieh", doch auch er musste bald einsehen, dass sie sich als sehr nützlich erwies. Sie versorgte sich selbst und befreite so auch das Versteck der Gilde von Mäusen und Ratten. Wenn es zum Kampf kam, war sie mit Zähnen und Krallen eifrig dabei. Nadeshas spitze Zunge brachte sie oft in unangenehme Situationen, doch sie und ihre Fähigkeiten wurden geschätzt und in Atarin hatte sie einen echten Freund gefunden. Mit 15 bekam sie ihre ersten Einzelaufträge, seitdem "arbeitet" sie nur noch allein oder mit Atarin zusammen.
Sie waren wie Körper und Schatten. Sie vertrauten einander und wussten immer was der andere als nächstes tun würde.
Zu ihrem 17. Geburtstag schenkte Atarin Nadesha zwei goldene Armreifen. Sie trug bis dahin nie Schmuck, doch diese Reifen waren fortan ihr Markenzeichen. Als ihr das Kleid passte, weigerte sie sich, die Hosen wegzugeben, und trug sie nun unter dem Kleid. Ihr Haar tug sie in Zöpfen, seit Atarin ihr einmal welche geflochten hatte. Die Frisur nahm viel Zeit in Anspruch, aber wenn Nadesha etwas wollte, bekam sie es. Sei es ein Diamant oder eine Frisur.
Während der Herrschaft der Dunkelelfen blieb sie öfter im Quartier als sonst. Atarin sorgte dafür, dass niemand sie heraus ließ. Er hatte Angst um sie. Es war ungewohnt, aber sie hielt durch. Nachdem Sarma zurück erobert wurde, ging Nadesha wieder auf Streifzüge. Sie genoss diese Freiheit und machte Atarin klar, dass er sich aus ihren Angelegenheiten heraus halten sollte. Das war der erste heftige Streit zwischen ihnen, doch nach einer Weile besserte sich ihr Verhältnis wieder. Als Nachrichten von einem neuen Krieg eintrafen, floh Nadesha rechtzeitig aus dem Gildenquartier um Atarins Maßnahmen zu entgehen. Sie wollte den Krieg alleine überstehen, nicht umgeben von Leuten, die sich um sie kümmerten wie um ein kleines Kind. Sie kehrte in das alte Haus zurück, in dem sie als Zwölfjährige Schutz gesucht hatte. Mit einigen Wüstendieben blieb sie in Kontakt. Viel zu leicht konnte man sonst als Verräter gelten und getötet werden. Jetzt war sie bereit zu kämpfen und Sarma zu verteidigen, auch wenn das hieß ihren Vater zu verteidigen. Es hieß auch, sich selbst zu verteidigen...und Atarin.

Inventar:
  • Zwei Dolche (einer geklaut, der andere gekauft, einfach)
    Kletterseil (gekauft, am Gürtel befestigt)
    Proviant (dunkles Brot, Trockenobst und ein Käse)
    Gürteltaschen (gekauft, für Geld und Diebesgut)
    Hellgelbes Kleid, Leinenhose, Unterwäsche (geschenkt, trägt sie)
    Leinenbluse (gekauft)
    Sarmarsche Pluderhose (gekauft)
    Ledergürtel (gekauft, alter war zerschlissen, trägt sie)
    Ledersandalen (geklaut)
Die Kleidung und ähnliches bewahrt sie in ihrem Versteck auf.

Tierische Begleiter: Asche, eine hellgraue Katze, die ihr aus Dankbarkeit folgt, da Nadesha sie aus den Händen
eines Pelzhädlers gerettet hat.

Einstiegspost: Der östliche Teil Celcias > Die Insel Belfa > Die Wüstenstadt Sarma > Der Hafen Sarmas
Zuletzt geändert von Nadesha am Samstag 13. Oktober 2012, 17:59, insgesamt 4-mal geändert.

Gesperrt

Zurück zu „Ehemalige Spieler-Charaktere“