Rast im Fischerdorf

Nordöstlich des Flusses Ilfar befindet sich dieses kleine idyllische Dorf, in dem sich einige Fischer niedergelassen haben. Das Fischerdorf wird vom dunklen Volk unterdrückt. Die Fischer sind Sklaven der Dunkelelfen und Orks.
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Darak Luthrokar
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 28. Dezember 2008, 20:03

Es war der Blick Caraths welcher Darak dazu verleitete seiner Bitte zu folgen und sich hinzusetzen. So hockte er sich auf die kühle Erde und wartete darauf dass Carath es ihm gleich tat.

Darak starrte den Mann an als er begann seine überaus schmerzvolle Geschichte zu erzählen. Nein, Valrocks Tod würde offenbar niemanden eine trauernde Träne kosten. Er senkte sein Haupt. Damit hatte selbst er nicht gerechnet. Aber dass Valrock solche Taten zuzutrauen waren war wohl unbestritten. „Es… tut mir Leid.“ Murmelte der ehemalige Sklaventreiber und meinte es wahrlich aufrecht. „Das mit der Nase und so… und deine Geschichte.“ Er war ja selbst einer von dem man sagen konnte dass er den Tod mehr als verdiente. Er seufzte. Nun lag es an ihm zu trösten. Er rutschte an Carath heran und klopfte ihm väterlich auf die Schulter. Er schwieg einen Moment ehe er weiter sprach. Sein eigenes Herz wog schwer von all diesen Schicksale an denen er teil hatte. Carath musste seine Eltern töten. Elena musste viel zu jung Sterben. Alma focht immer wieder den Kampf gegen den Tod und Lilith? Auch sie trug etwas schweres in ihrem Herzen was ihm aber noch nicht offenbart worden war.

„Nun… Freund…“ begann er schliesslich versöhnlich. „Wohin wird dein Weg nun gehen? Folgst du uns zu den Amazonen oder kehrst du zurück auf deinen Pfad?“

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von fremder Mann » Mittwoch 31. Dezember 2008, 10:46

Carath Molsags Geschichte rührte Daraks Herz bereits jetzt. Dabei hatte er erst angefangen. Es lag noch so viel im Dunkeln, aber der Nichtgenannte wollte es nicht dort belassen. Er musste das ganze Ausmaß Valrocks sich nun von der Seele reden. Er spürte, dass es gut tat ... wie damals. So nickte er nur, als sich Darak bei ihm entschuldigte und fuhr dann mit seinen Erzählungen fort.
"Bis dahin war es nur erschütternd. Es war erschreckend, dass ich meinen Bruder auf so entsetzliche Weise verloren hatte. Und nun zwang er mich auch noch, meinen Vater durch eigene Hand zu verlieren." Carath schwieg kurz. Seine Augen waren glasig. "Ich tat es. Ich hab ihn umgebracht, mit einem Knüppel von hinten erschlagen. Ich habe es für meine Mutter getan, sie sollte nicht sterben. Sie hatte ... immer so gut für uns gesorgt. Aber nachdem die scheußliche Tat vollbracht worden war ... nahm Valrock unser beider Mutter einfach mit. Ich folgte ihm, freiwillig und voller Sorge. Wir gingen nach Rumdett. Dort geschah so einiges, das jetzt zu lange dauern würde, um es zu erzählen."
Carath hob den Kopf, als Darak ihm einen Arm auf die Schulter legte. Sein Gesicht war eine gequälte Fratze und vielleicht hätte man sich nun gewünscht, in sein zweites, kupfernes Antlitz zu schauen. "Der Kapitän hat meine Mutter vergewaltigt und Valrock dabei zusehen lassen. ER HAT NICHTS DAGEGEN UNTERNOMMEN, außer, dass er mit dem durch seine Mutter verdientem Geld einen Saufen gegangen ist." Der Nichtgenannte zitterte, mehr vor Zorn und Hass auf seinen getöteten Bruder, denn aus Entsetzen.
"Ich habe auch sie umgebracht, weil ich nicht ertrug, wie sie leiden musste und sonst nichts tun konnte. Ich bin ... ein Mörder wie du. Ich war bereits Sklave des Kapitäns und sollte nach Sarma verschifft werden. Als Valrock von meiner Handlung erfuhr, schleifte er mich in eine Baracke, fesselte mich dort und entzündete ein Feuer. Mit Mühe und Not gelang es mir damals, mich zu befreien."
Daher hatte er wohl alle die Brandnarben im Gesicht, wo seinem Bruder Pocken geblieben waren. Beide waren sie gezeichnet. "Valrock segelte unter seinem Kapitän davon. Ich hörte nichts mehr von ihm, wurde zum Bettler und Obdachlosen in Rumdett. Ich war dem Tode nahe und der Schmerz auf meiner Seele war mein Henker. Bis mich ein solches Gesicht anschaute und fragte: 'Willst du Lernen, den Schmerz zu akzeptieren und wieder frei atmen zu können?' Ich habe ja gesagt und diese Entscheidung war richtig."

Seufzend endete er. So war Carath Molsag also zu einem Nichtgenannten geworden und jetzt war sicherlich auch verständlich, warum er den Weg des Schmerzes für den seinen gewählt hatte. Dieser Pfad war, wie ihn die Nichtgenannten beschritten, erträglich für diesen Mann. Alle Alternativen hätten Herz und Seele gesprengt.
Vielleicht verstand er besser als jeder andere von Daraks Freunden – besser als Alma – wie sich der Gehörnte bei Elenas Verlust gefühlt haben musste. Oder weit vorher beim Verlust seines Beines. Nein, Carath verstand es nicht, er <i>wusste</i> es. Sie beide kannten den Schmerz wie jemand, der mit ihm verheiratet worden war. Unfreiwillig und kaum fähig, dieser Bindung zu entgehen.

<i>"Nun ... Freund ..."</i> "Ja, Freund?" Carath legte seine Hand auf jenen Arm, der seine Schulter berührte. Er drückte sie. Ja, sie waren Freunde. Sie verband genug, um eine Freundschaft daraus entstehen zu lassen. Mehr als nur ein geplanter Mord, der geglückt war.
<i>"Wohin wird dein Weg nun gehen? Folgst du uns zu den Amazonen oder kehrst du zurück auf deinen Pfad?"</i>
"Ich habe meinen Pfad nie verlassen und er wird es sein, der mich führt. Ich ... lasse meinen Schüler in so schweren Zeiten nicht allein ziehen." Der Mann lächelte matt. Er war jünger als Darak und nannte ihn dennoch Schüler. Er war froh um das Gespräch. Es hatte ihm gezeigt, dass er Darak nicht aufgeben sollte. Auf keinen Fall jetzt. Dieser Mann, dieser gehörnte Brüllaffe, hatte so viel Schmerz und Potenzial. Sie würden voneinander lernen können. Es wäre ein Fehler, ihn zu verlassen. "Ich gehe mit dir."

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 3. Januar 2009, 13:38

Darak senkte sein Haupt und lauschte weiter der erdrückenden Geschichte seines „Lehrers.“ Ihm wurde bewusst wie Sinnvoll der Weg des Schmerzes für diesen Mann sein musste. War es auch seiner? Er befürchtete dass dem hingegen nicht so war. Er selbst kannte den Schmerz auch und war auch sehr stark mit ihm in Kontakt doch sein Weg, dies glaubte er zumindest, war jener der Busse. Damals in Andunie jener Stadt die so weit nicht von hier entfernt war hatte er diese Gewissheit zum ersten Mal so richtig verspürt. Doch auch er war nüchtern genug um zu wissen dass jegliche Form der Busse nie ungeschehen machen würde was er anderen angetan hatte. Aber er wollte nicht so wie ein Valrock Moslag enden den man abschlachten musste um endlich ruhe zu verspüren. Er seufzte und fragte sich wie viele Menschen sich in diesem Moment wohl auch seinen Tod herbeisehnten oder noch immer den Wunsch nach Rache in ihrem Herzen trugen.

Was Carath über seinen Bruder erzählte bestätigte Daraks Vermutung dass dieser Mann ein lausiger Folterer gewesen war. Offenbar hatte ihn seine quälfreude völlig unüberlegt werden lassen. Denn er brach seine Opfer nicht sondern säte in ihnen die beinahe unstillbar drängende Gier nach Rache. Er selbst war da besser vorgegangen seine Sklavinnen hätten ihn vermutlich nicht einmal mehr versucht zu töten wenn sie die Gelegenheit dafür gehabt hätten. Er war in der Lage gewesen dafür zu sorgen dass sie es nicht mehr konnten. Valrock hingegen hatte seinen schlechten Ruf geliebt. Ein Fehler den er nun mit dem Leben bezahlt hatte mitten im eigenen Reich.

Er schnaubte. Es war unglaublich dass er aktuell wegen eines SOLCHEN Mordes hängen sollten. Bei dem kleinen Mädchen oder den anderen Sklaven hatten sie ihn nie so intensiv gesucht wie jetzt. Pelgar war offenbar im eigenen Stolz verletzt. Hoffentlich streuten sie nicht auch noch in anderen Städten seinen Steckbrief.

Er schluckte leer als Carath von der Vergewaltigung seiner eigenen Mutter sprach und berichtete wie es zu seinen Narben gekommen war. „Wir sind beide von ihm gezeichnet.“ Bemerkte er. Ihm hatte er die Beine genommen und Carath das Gesicht. Doch nun waren es im übertragenen Sinne auch Valrocks Taten welche Darak und Carath wieder näher aneinander brachte. Sie versöhnten sich. Zumindest zeigte Darak keinerlei Aggressionen mehr ihm gegenüber. Er war inzwischen zu dem Schluss gelangt dass er die Stimme des Foltermeisters wohl besser würde ertragen können als dieser arme Tropf vor ihm.

<i> "Ich habe meinen Pfad nie verlassen und er wird es sein, der mich führt. Ich ... lasse meinen Schüler in so schweren Zeiten nicht allein ziehen."</i> Darak nickte und drückte erneut Caraths Schulter. „Na dann auf zu den Amazonen.“ Meinte er leise und wandte sich um. „Cattie? Komm her süsse!“ Er lockte das Huhn zu sich und hob es wieder auf. Natürlich wusste er dass Cattie auch ganz gut alleine laufen konnte aber er brauchte im Moment einfach etwas zum knuddeln. Er klemmte sie unter den Arm und erhob sich. Reichte Carath die Hand um ihm aufzuhelfen ehe er zurück zur Truppe gehen würde.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Sonntag 4. Januar 2009, 01:10

Niemand würde Valrock Molsag jemals auch nur den Hauch einer Träne nachtrauern und jenes Andenken an ihn hätte der brutale wie inkompetente Foltermeister auch garnicht verdient. So glaubte es wohl Darak und so dachte der Bruder, der ihn aufgrund seiner Nichtgenannten-Karriere nicht selbst hatte töten dürfen. Diese Art der Rache hatte er sich dadurch verbaut, dass er seine eigene Seele hatte retten lassen. Ohne die Art und Weise, wie er gelernt hatte, mit Schmerzen umzugehen, wäre er wohl an all diesen erdrückenden Gefühlen, der Schuld und der Last einfach zersplittert wie ein Glashaus, auf das man mit Steinen warf.
Er musste sich damals ähnlich gefühlt haben wie Darak zu jenem Zeitpunkt, da Elena ihn verlassen hatte. Ein solcher Schmerz würde niemals verschwinden, aber man konnte lernen mit ihm umzugehen und einfach weiter zu machen.

"Schmerz spüren ist wichtig, da weiß man, dass man noch lebt. Doch Schmerzempfinden abzuschalten gibt Kraft, zu überleben", murmelte Carath und hob den Kopf, als Darak seine Schulter drückte. <i>"Na dann auf zu den Amazonen."</i> /Der Nichtgenannte nickte und während Darak sein neues Haustier – Glucke Cattie – zu sich rief und auf den Arm nahm, griff Carath wieder zu seinem kupfernen Gesicht. Dies Maske kam ihm derzeit sehr Recht, verdeckte sie doch die Spuren von Daraks Wut. Seine Fäuste würden noch eine ganze Weile einen bleibenden Eindruck bei dem Bruder des toten Folterers hinterlassen.

Carath ließ sich aufhelfen, dankte dem anderen und schulterte seinen Rucksack. In jenem Moment näherten sich Alma und Lilith Blütentau. Sie hatten soweit gepackt und waren ebenfalls bereit zum Aufbruch. Von Fischersfrau Irmchen hatte man sich rasch mit Worten und ein paar Münzen als Dank für die Gastfreundschaft verabschiedet.
"Hast du zu Florencia gebetet? Wird sie uns beistehen?", fragte die Elfe, als sie bei den beiden Männern ankam. Darak brauchte ihr nicht zu antworten, denn die Rückäußerung kam prompt.

"KRAAAAAAAAAAHHHK", kreischte jemand – oder besser gesagt: etwas – plötzlich über ihren Köpfen. Ein dunkler Schatten fiel auf das Fischerdorf und ihm folgte ein zweiter.
"Nicht schon wieder Drachen", rief ein schreckhafter Fischer und zeigte zum Himmel, während er schon das Weite suchte. Ihm steckten die Erinnerungen an die Zeit noch in den Knochen, da die Drachen auf Celcia wieder erwacht, zurückgekehrt und über die Stille Ebene hinweg geflogen waren. Doch hierbei handelte es sich nicht um Drachen, dazu besaßen diese Geschöpfe eindeutig zu viele Federn und zu wenig Schuppen.

Sanft glitt das erste von insgesamt drei Wesen nach unten. Es segelte wie ein Blatt im Wind, drehte sich langsam, aber elegant, ehe es schließlich mit den vorderen Vogelkrallen und den raubkatzegleichen Hinterpranken auf dem Erdboden aufsetzte. Der majestätische Adlerkopf neigte sich zur Seite und Daraks Gesicht spiegelte sich im schwarzen Auge des Greifen wider.
Noch einmal krächzte der Greif, als seine zwei Begleiter – beide besaßen Köpfe von Falken – bei der Gruppe landeten. Obwohl Alma, Lilith, Darak und Carath nun schon des Öfteren mit Greifen zu tun gehabt hatten und das sicher häufiger als überhaupt sonst jemand hier im Fischerdorf, so war es immer wieder beeindruckend, ein solches Wesen in unmittelbarer Nähe stehen zu sehen. Und dieses Mal waren es sogar drei. Derjenige Greif mit dem Adlerkopf musste Darak bekannt vorkommen. Es war jenes Geschöpf, das ihm damals die Auszeit in der Höhle gegönnt hatte. Nun trat es an den Gehörnten heran und musterte ihn. Dann senkte es den Kopf zu Cattie herunter. Das Huhn machte seinem Namen alle Ehre und gackerte wild. Es verteidigte ihr neues Herrchen. Der Greif antwortete mit leisem Krächzen, ehe er seinen Schnabel an Catties viel kleinerer Version rieb. Schon schlossen die beiden Federtiere Freundschaft und das Huhn wurde ruhig.

"Ein Wunder", gab Lilith mit aufgerissenen Augen und einem Strahlen im Gesicht zurück. "Ja", bestätigte Alma brummend. "Nehmen wir das Wunder in Anspruch ehe die nächste Katastrophe über uns hereinbricht. Wenn die Pelgarer auch nur den Hauch eines Hirns haben, werden sie auch außerhalb ihrer Stadtmauern nach uns suchen. LOS JETZT!"
"Und das sagst du?", grinste die Elfe. Sie spielte auf Almas Flugangst an. Jeder hatte gehört, dass sich die Heilerin mit den Ausmaßen eines eigenen Planeten nicht sonderlich wohl in der Luft fühlte. Und auch jetzt machte sie nicht gerade ein freudiges Gesicht. "Geht nicht anders und so kommen wir am schnellsten voran", murrte sie, suchte sich einen der falkenköpfigen Greifen aus. Carath bestieg ohne Umschweife den zweiten.

"Dann ist der Adlergreif wohl für uns gedacht", hauchte Lilith Daraks ins Ohr, tätschelte Cattie liebevoll den Kopf und saß auf.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 5. Januar 2009, 16:04

Darak lief Lilith entgegen und wollte sie gerade belehren lieber nicht auf die Götter zu vertrauen als… sein Gebet erhört wurde. Er zuckte zusammen als er das Krächzen hörte. Wie hatte es sein können dass sie das herannahen dieser Ungeheuer nicht bemerkt hatten? Es schien ihm so als wären sie gänzlich aus dem Nichts aufgetaucht! Er wandte sich um und starte den stolzen und zweifelsohne Imposanten Tieren entgegen die gerade zum Landeanflug ansetzen. Er erkannte „seinen“ Greif wieder dessen Kind er Bedroht hatte. Er schluckte leer und erinnerte sich mit einem Anflug von schlechtem Gewissen daran. Doch der Greifenpapa war nicht nachträglich. Diesem entging nicht dass die Gruppe sich verändert hatte. Stadt Elena blickten ihm nun die neugierigen Augen Catties entgegen die sich um ihren Besitz fürchtete. Darak seufzte. Wie gerne wäre er mit seiner Geliebten über die Wolken geflogen. „Elena…“ Hauchte er schmerzlich und senkte sein Haupt. Für einen Moment erschien der Gehörnte völlig weggetreten.

Er begegnete dem Blick des Adlers. Ob der seinen erneuten Schmerz spürte? Er seufzte nur und tätschelte den gewaltigen Schnabel der ihn wohl speergleich hätte zerfetzen können. Irgendwie schien Darak gar nicht richtig wahrzunehmen dass er es hier nicht mit einem Huhn sondern einem überdimensionalen Raubvogel zu tun hatte. Leider ging der ganze Glanz dieses Wunders an ihm vorbei auch wenn er durchaus überrascht war. „Danke Florencia.“ Hauchte er während er das Gefieder des Adlergreifen streichelte und zu Lilith hinüberguckte. „Man muss wohl einfach zu den richtigen Gottheiten beten.“ Beschloss er schliesslich. So versöhnte er sich mit Florencia ohne Lysanthor Respekt zollen zu müssen. Eine akzeptable Lösung für ihn.

So würde ihre Reise nach Xytras wohl viel schneller vorangehen als erst gedacht. Aus Wochen würden Tage oder gar Stunden werden, so genau kannte er die Distanz zu der Sagenumwobenen Insel nicht.

Es dauerte nicht lange bis Darak der einzige war der noch nicht auf einem Greif hockte. Eigentlich hätte er mit Elena fliegen sollen dachte er düster. Dann reichte er Lilith Cattie und stieg selbst auf ehe er das Huhn wieder entgegennahm und es auf seinem Schoss platzierte damit es nicht wegrutschte und er es halten konnte. So quetschte er das Tier zwischen sich und Liliths Rücken leicht ein und bildete ihm einen natürlichen Überstand. Er blickte zurück zum Fischerdorf. Jener Ort wo er Elena kennen gelernt hatte. Er wusste dass wenn er diesen Ort verliess er auch ein Stück seines Lebens zurücklassen würde. Er seufzte erneut und versank abermals in trauriges Schweigen.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Dienstag 6. Januar 2009, 17:25

<i>weiter in Der Wald Neldoreth -> <a target="_blank" href="http://69169.rapidforum.com/topic=10676 ... Nächtliche Rast</a></i>
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. August 2013, 11:55

Eáránë Fefálás kommt von Der Wald Arus -> Reise durch den Arus

Es war bereits Nacht, als die beiden Nachtelfen Akái Samthauch und Eáránë Fefálás das Fischerdorf erreichten, das in der Stillen Ebene sich ans Ufer des Ilfar schmiegte. Es war ihre Zeit. Der Mond Manthalas schien hell auf die Ebene herab, so dass man mehr als graue Schatten ausmachen konnte. Außerdem leuchteten in unmittelbarer Umgebung einige Fenster der Dorfhäuser golden auf, sowie brannten hier und dort Lagerfeuer.
"Moment! Lagerfeuer?" Akái griff nach Eáránës Arm, um sie am Weitergehen zu hindern. Auch ihr treuer Begleiter, der weiße Wolf, legte die Ohren an. Er witterte, begann leise zu knurren. Der Nachtelf gemahnte ihn mit einem sachten Laut zum Schweigen und Wolf hörte auf ihn. Akái reckte nun seinerseits den Kopf etwas hoch, versuchte in der Dunkelheit genug zu sehen, um zu erkennen, was im Dorf, nur wenige Meter vor ihnen, vor sich ging. Er erklärte: "Ein Lagerfeuer wäre nichts Ungewöhnliches. Hier und da eine Fackel auch nicht. Die Menschen laufen gern im Dunkeln Wache, aber sieh dir all die Feuer an ... und die riesigen Schatten drumherum. Das sind keine Menschen, Eáránë. Wir müssen vorsichtig sein."
Zerknirscht prüfte er den Wasserschlauch an seinem Gürtel. "Trotzdem haben wir keine Wahl. Wir müssen ins Dorf. Unsere Vorräte sind aufgebraucht. Selbst wenn wir Wasser aus dem Fluss beziehen, so brauchen wir doch auch neue Nahrung. Jetzt kannst du deine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wir sind nicht hier, um uns mit den Dörflern anzufreunden. In erster Linie versuchen wir nur, an etwas Essbares heran zu kommen. Wenn wir gestellt werden, überlass zunächst mir das Reden, in Ordnung? Spiel jegliches Spielchen mit, das ich ihnen auftischen werde. Ein Spion muss vor allem zwei Dinge beherrschen: Lügen und Schauspielerei."
Langsam nun näherte sich Akái dem Fischerdorf. Dabei schlich er nicht wie ein kleiner Meisterdieb umher. Nein, er ging aufrecht, wollte dadurch weniger auffällig erscheinen. Einem heimlichen Schleicher schaute man misstrauischer nach als jemandem, der durch die Umgebung schlenderte, als wäre er Teil davon. Trotzdem hielt er sich bevorzugt in den Schatten, ging nicht zu nahe an die Feuer heran. Und dann konnten beide sehen, was da um die Lager hockte: Orks. Dutzende von ihnen! Sie fraßen Fisch und Fleisch, tranken Bier und ruhten ihre gewaltigen Arme auf den noch gewaltigeren Waffen aus, die sie an ihre Körper lehnten. Hier und dort balgten sich einige, spielten Würfel und in einer Ecke konnte man schmerzhafte Laute ausmachen. Sie schändeten ... Fischersfrauen, wie es schien. Akái eilte sich, gerade an dieser Stelle vorbei zu kommen. Er schaute nicht hin und das war ihr erster Fehler.
"Heda! Ihr seid keine Orks, aber auch nicht von hier!" Eine junge Stimme erhob sich und dann trat ein Bursche, nicht älter als sechzehn Sommer vielleicht, aus den Schatten. Er sah schrecklich aus. Sein rechtes Auge war zugeschwollen, an Armen und Beinen musste er ob der vielen blauen Flecke schwer misshandelt worden sein. Die Fußknöchel lagen in Eisenketten und er hielt eine Axt, sowie einen kleinen Holzscheit in Händen. Seine Kleidung war schmutzig, ebenso sein Haar, das wild zerzaust zu allen Seiten abstand. "Ich ... ich rufe die Orks", warnte er, furchtsam ob der fremden Gestalten, die Akái und Eáránë darstellen.
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Donnerstag 27. Februar 2014, 16:59

Es erleichterte die Nachtelfe sehr, dass Akái sie wohl doch verstand. Und auf seine folgenden Worte hin, nickte sie leicht mit einem sanften Lächeln. Niemals hatte jemand gesagt, dass dies leicht werden würde und Eáránë hatte es sich auch durchaus nicht leicht vorgestellt. Und ihr war durchaus sehr bewusst, dass es sehr schwierig werden würde das Leben als Spion mit dem Dasein eines Kristallhüters zu vereinbaren. Ihr würde mit Sicherheit noch viel Schwierigeres bevorstehen. Dennoch war sie bereit diesen Weg einzuschlagen und auch fest entschlossen. Und mit der Hilfe des Nachtelfen, würde sie die ein oder andere Schwierigkeit schon meistern können. Insgeheim hoffte die junge Frau auch, dass sich ihre Wege nicht trennten und sie hoffentlich auch nicht in einen Konflikt untereinander geraten würden. Denn das Gespräch eben zeigte, dass durchaus dieses Potenzial da war.
Seine Hand fühlte sich so wunderbar an, wie er über ihre Wange strich. Aber sie konnte nichts mehr sagen. Zudem wüsste sie auch nicht, was sie noch hätte sagen sollen. So hatte sie seinen Worten gelauscht und schenkte ihm einfach ein zartes Lächeln.

Wolf kam nun wieder an Eáránës Seite und sah sie fragend und leise winselnd an. Die junge Nachtelfe hob eine Hand und legte sie ihrem besten Freund auf den Kopf und streichelte diesen. Sie erwiderte seinen Blick, schüttelte leicht den Kopf. Es war schon alles gut und es würde noch alles gut werden. Ganz bestimmt. Sie musste nicht zu ihm sprechen, es gab nichts mehr zu sagen. So nahm sie wieder ihre Hand weg und Folgte gemeinsam mit Wolf Akái, der vorausgegangen war.

Sie kamen wieder an an der Stadt Kosral vorbei, doch der Spion sagte, dass Moth eine höhere Priorität habe und sie auf ihrem Rückweg wieder hier her kommen würden. Dem konnte die Frau nur zustimmen, die war nämlich alles andere als scharf darauf, in diese Stadt zu gehen.
Als sie im Neldoreth angekommen waren mussten sie auch hier besonders vorsichtig sein. Denn auch hier befanden sich Orks und Dunkelelfen. Was sollte nur aus Celcia werden?Das Herz der Frau wurde schwer und die Situation schien hoffnungslos. Es war einfach nur schrecklich. Dennoch sollte dies nicht das Schlimmste Erlebnis gewesen sein...

Endlich hatten sie das Fischerdorf erreicht. Aber kaum waren sie angekommen, beschlich die Nachtelfe das Gefühl, gleich wieder gehen zu wollen. Akái hatte sie am Arm genommen, damit sie nicht weiter lief. Es war äußerst eigenartig, dass Lagerfeuer im Dorf brannten. Er erklärte ihr, dass diese Lagerfeuer nicht von Menschen entzündet worden waren. Dies konnte sie sich auch denken. Sie lauschte seinen folgenden Worten. Sie nickte zustimmend und bei seinen letzten Worten, konnte sie sich ein keckes Lächeln nicht verkneifen. „Lügen und schauspielern können Wolf und ich ziemlich gut.“ He, sie war immerhin auch Diebin. Wurde man erwischt, was es durchaus praktisch eine realistische und sehr überzeugende Ausrede parat zu haben. Und die Nachtelfe kam schon einige Male in die Situation lügen und schauspielern zu müssen. Doch wurde ihr Gesichtsausdruck wieder ernst.
Sie machte seine aufrechte und selbstsichere Haltung nach. Auch Wolf schlenderte neben den beiden her. Wie gut, dass ihre Kapuze tief in ihr Gesicht gezogen war. Die Schmerzensschreie der Frauen ließen ihr Gesicht vor Wut erröten. Feste biss sie ihre Zähne zusammen, sodass es ihr wehtat. Wolf konnte ihre Anspannung spüren, berührte mit seiner Schnauze ihre zur Faust geballten Hand. Am liebsten würde sie sofort zu diesen Bestien hin und ihre geballte Wut auf diese niederprasseln lassen. Ihnen das alles heimzahlen! Die Schreie der Frauen hallten in ihrem Kopf, immer und immer wieder. Eáránë biss sich auf ihre rote Unterlippe. Heftig schlug ihr Herz gegen ihren Brustkorb. Kaum merkbar zuckte der ein oder andere Schatten in ihrer Nähe. Glücklicherweise war es Nacht, sodass dies wirklich nicht auffiel.

Plötzlich ertönte eine Stimme. Die Nachtelfe war so in ihren Gedanken gewesen, so sehr in ihrer Wut versunken, dass sie erst durch die Stimme wieder zurückgeholt wurde. Sie musste aufpassen. Sie musste ihre Gefühle unter Kontrolle halten. Als sie aber den Jungen sah... Das hielt sie hier nicht mehr lange aus. Man musste diesen Menschen doch helfen! Irgendwie musste sie bei dem Jungen an Yann denken. Der Fremde müsste ungefähr in seinem Alter sein. Bei Phaun... Akái sagte noch nichts. Sie wollte aber nicht das Wort ergreifen, da er zuvor meinte, dass sie ihn reden lassen sollten. Doch hatte sie ihren Kopf soweit erhoben, dass der Junge ihr Gesicht ein wenig erkennen konnte. Ihre Augen waren ein wenig mit Tränen gefüllt, zumindest schienen diese ein wenig zu glitzern. Natürlich wollte sie nicht, dass er die Orks holte. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass ihr die Situation hier schmerzte. Kurz öffnete sie den Mund, um etwas zu sagen. Aber sie erinnerte sich, dass Akái reden sollte. Die Schreie der Frauen waren noch immer zu hören und sie ließen die Nachtelfe zusammenzucken. Der Spion würde ihr deutlich ansehen können, dass sie es hier nicht mehr länger aushielt, aber auch, dass sie bestimmt nicht einfach so gehen würde. Sie wandte sich zu ihrem Begleiter. Ihr Blick sagte ihm, dass sie ihnen helfen mussten. Sie konnten die Menschen hier nicht einfach im Stich lassen. Und Eáránë würde eindeutig etwas unternehmen wollen. Und die Orks konnten sich auf etwas gefasst machen. Die Frauen würden ihre Rache bekommen. Dafür würde die Nachtelfe sorgen!

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 5. März 2014, 22:22

Im Gegensatz zu Eáránë zeigte sich Akái wesentlich ruhiger. In ihm kochte offensichtlich keinerlei Wut gegenüber den Orks auf, aber auch kein Mitleid für die Schreie der geschändeten Frauen oder aufgrund des Anblicks des Jungen, der die beiden auf einmal bemerkt und angesprochen hatte. Der Nachtelf blieb vollkommen ruhig, geradezu distanziert. Es war nicht sein erster Einsatz als Spion. Jahrzehnte lang hatte er gelernt und vermutlich schon wesentlich mehr in dieser Richtung erlebt als seine Begleiterin. Für ihn war es nichts Neues mehr und so hatte er gelernt, wann er Mitleid zeigen konnte und wann es wichtiger war, der eigenen Aufgabe nachzugehen.
Vielmehr konnte man Alarmbereitschaft in seiner Haltung erkennen. Der Junge drohte ihnen an, den Orks Bescheid zu geben. Etwas, das Akái nicht zulassen konnte. Es würde sie unnötig in Gefahr bringen und ihre Pläne nicht nur behindern, sondern vielleicht sogar durchkreuzen. Nein, das durfte nicht passieren. Er ging leicht in die Knie, dass er eine federnde Haltung einnahm.
"Ich hol die Orks", wiederholte der Bursche seine Worte, um ihnen mehr Nachdruck zu verleihen. Dabei reckte er geradezu provokativ das Kinn vor. Es handelte sich um eine eindeutige Schutzhaltung. Was sollte er auch schon tun? Seine Knöchel lagen in Ketten! Er brauchte mediznische Pflege und sicherlich nagte Hunger an seinem zerlumpten Leib. Aber Akái ließ das alles von sich abprallen, ebenso wie Eáránës Blick. Einzig ein sachtes Kopfschütteln schenkte er ihr noch, da stieß er sich auch schon mit den Füßen vom Boden ab. Nun ging alles sehr schnell. Die Nachtelfe wurde Zeugin von dem, was einen Spion ihresgleichen ausmachte. Es war kein kämpferisches Geschick, um einen übermächtigen Gegner umzubringen. Ein Spion war kein Krieger. Ein Spion war kein Meuchler. Aber ein Spion war schnell, überragend schnell.
Akái sprang auf den Jungen zu. Dieser riss noch die Arme hoch, schützend vor das Gesicht, während ihm der Besen aus den Händen fiel. Aber es war zu spät. Er konnte nicht einmal mehr schreien. Wolf stieß ein Bellen aus, das einige Orks in der Nähe die Köpfe heben ließ. Sie spähten in die Dunkelheit, konnten aber noch nichts erkennen. Jetzt galt es, weiterhin ruhig zu sein.
Der Junge würde sie jedenfalls nicht mehr verraten. Akái hatte seine Arbeit getan, aber wie gesagt: ein Spion war kein Mörder und so auch er nicht. Bewusstlos nach dem gezielten Hieb gegen die Schläfe sank der Junge in seinen Armen zusammen. Behutsam ließ der Nachtelf ihn zu Boden gleiten, zog ihn in den Schutz eines Fasses, damit er anderen nicht sofort auffiel. Anschließend streifte sein wachsamer Blick Eáránë.
"Uns bleibt keine Zeit, wählerisch zu sein. Komm, eilen wir uns." Er streckte bereits die Hand nach ihrem Arm aus, wollte sie ergreifen. "Ein Haus. Wir brechen in eines der Häuser ein, nehmen mit, was wir tragen können und verschwinden von hier. Es ist zu gefährlich für uns. Wir wissen nicht, ob die Orks uns tolerieren werden."
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Donnerstag 17. Juli 2014, 14:13

Wie war das noch, dass sie gut im Schauspielern sei? An sich stimmte es schon, sie konnte richtig gut darin sein. Sehr überzeugend auf andere wirken. Doch das hier... Das war eine gänzlich andere Situation. In ihrem jungen Leben hatte Eáránë so etwas noch nicht erlebt. Hatte sich bisher noch nicht direkt in einer belagerten Stadt oder in einem belagerten Dorf befunden. Aus Pelgar konnten sie ja flüchten, noch bevor es ein genommen wurde. Es war ja auch nicht so, dass sie es sich nicht vorstellen konnte, wie die Situation so war. Dennoch war es etwas gänzlich anderes dies direkt mit zu erleben. Gerade stieß die junge Nachtelfe an ihre Grenzen der Selbstbeherrschung. Schauspielern? Das fiel ihr gerade äußerst schwer. Das hier ging ihr wirklich sehr nahe. Wie sollte sie nur damit umgehen? Sie wusste es nicht. So hielt sie sich dann doch lieber im Hintergrund, ließ Akái den Vortritt. So war es besser. Am Ende richtete sie noch irgendeine Dummheit an, weil sie sich und ihre hochkochenden Emotionen nicht im Griff hatte. Und der Junge... Sie musste irgendwie an Yann denken. Keine Ahnung warum. Aber prompt musste sie an ihn denken. Wie es ihm wohl ging? Und Lyrien? Oh wie sehr sie ihre Freunde vermisste. Ob es Miriel gut ging? Sie hoffte es sehr. So wie sie die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatte, sie alle wieder zu sehen. Ihre Wege mögen sich vorübergehend getrennt haben, aber noch nicht ihre Schicksale, oder?

Die Nachtelfe vernahm das leichte Kopfschütteln. Sie zog die Kapuze tiefer in ihr Gesicht. Zuckte leicht zusammen, als ihr Begleiter sich plötzlich in Bewegung setzte. Schnell und gezielt war er. Und sie staunte über diese Geschwindigkeit nicht schlecht. Es tat ihr schon irgendwie weh nun den bewusstlosen Jungen am Boden liegen zu sehen. Aber er hätte sie in Gefahr gebracht. Es war notwendig gewesen, dies war ihr bewusst. Als Wolf einmal aufbellte sah sie ruckartig zu diesem. Hielt ihr Zeigefinge ran ihre Lippen. Eine Geste, dass er still zu sein hatte. Der Wolf senkte sein Haupt. Hatte wohl verstanden. Nur kurz strich sie ihm durch sein Fell an seinem Kopf. Lauschte aber gleichzeitig auch in die Dunkelheit, ob jemand kam. Doch schien dem nicht zu sein. Und dennoch konnte die Frau nicht gänzlich erleichtert aufatmen. Noch nicht.
Sie sah zu Akái, als dieser das Wort an sie richtete. Eáránë würde sich von ihm an Arm nehmen lassen, schreckte nicht zurück als seine Hand schon nach ihr ausgestreckt wurde. Ein leichtes Nicken. Sie hatte verstanden. „Können wir den Menschen hier denn nicht helfen? Gäbe es keine Möglichkeit für uns, sie von den Orks zu befreien? Sie müssen doch dafür bezahlen, was sie den Bewohnern des Dorfes antun!“ Man konnte sie doch nicht ungestraft davon kommen lassen. Bei Phaun! Bitte hilf den Menschen hier. Bitte hilf den Dorfbewohnern Phaun! Oder gib uns Kraft und ein Zeichen, dass wir die Orks hier vertreiben können. Bitte Phaun... Irgendetwas werden wir doch tun können. Irgendetwas...

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Samstag 26. Juli 2014, 08:05

Wolf legte schuldbewusst die Ohren an und senkte den Kopf etwas. Auf das Winseln verzichtete er. Das Tier hatte im Affekt gehandelt und da war ein Bellen schon einmal schneller als der Verstand. Doch was nun? Der Bursche würde Akái und Eáránë vorerst nicht verraten. Reglos lag er am Boden, neben ihm der Besen. Der Nachtelf zog sich etwas zurück, betrachtete das Bild, das sich ihm bot. Er nickte. Ja, es sah beinahe nach einem Schwächeanfall des Jungen aus. Niemand würde Verdacht schöpfen, wenn sie jetzt nur schnell genug waren. Sie mussten in eines der Häuser gelangen, so wie Akái es eben schon angedeutet hatte und zwar ohne noch lange an Ort und Stelle zu verweilen. Orks mochten tumber sein als Dunkelelfen, aber auch sie zeigten Misstrauen und schauten lieber zwei Mal nach, wenn ihnen etwas merkwürdig vorkam. Ein Wolfsbellen mitten in der Nacht zählte zu solcherlei Merkwürdigkeiten.
Akái beantwortete Eáránës Frage zunächst nicht. Er zog seine Begleiterin mit sich. Wolf folgte auf dem Fuß, ging sogar in geduckter Haltung, während sie sich einem der Häuser näherten. Der Nachtelf hatte sich für ein unbeleuchtetes entschieden. Entweder schliefen die Insassen bereits oder sie hatten Glück und das Haus lag verwaist vor. Letzteres war der Fall wie Akái schnell feststellen durfte, denn die Tür hing nur noch in den Angeln. Kaum dass er das Gebäude betreten hatte, machte er umgeworfene Möbelstücke aus. Die Orks hatten es bereits verwüstet und bedauerlicherweise wohl auch geplündert. Dennoch war es die richtige Entscheidung gewesen, das Haus aufzusuchen.
"Schnell!" Akaí zog Eáránë zu sich und drückte sich mit ihr an eine im Schatten liegende Wand. Sie konnte seinen flachen Atem an ihrem Hals spüren und die Wärme, die sein schlanker Körper ausstrahlte. Akái schloss die Augen. Seine spitzen Elfenohren zuckten leicht, als er lauschte. Sowohl er als auch seine Gefährtin waren mit einem besseren Gehör gesegnet, als es das eines Menschen je sein würde. Akái Samtnacht hatte die orkischen Schritte gehört. Sie kamen näher.
"Hier hat doch eben irgendein Hund gebellt."
"Vielleicht war's einer der Warge."
"Ne, die sind auf der anderen Seite des Dorfes eingepfercht. Außerdem war's viel zu hell. Unsere Warge bellen doch nicht so, als hätte man sie kastriert."
Orkisches Lachen war zu vernehmen, dann weiteres Murmeln, das langsam abflaute. Die beiden Misstrauischen entfernten sich wieder. Endlich atmete Akái aus. Noch einen Moment lauschte er, bis er sich flüsternd an Eáránë wandte: "Die Gefahr ist zu groß und das hier ist nicht unser Krieg. Wir müssen verhindern, dass er zu uns herangetragen wird. Lass uns die Vorräte nehmen und weiterziehen. Falls wir überhaupt noch welche hier finden. Sieh dich um, aber sei leise."
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Mittwoch 6. August 2014, 02:12

Eine Antwort blieb zunächst aus. Stattdessen wurde Eáránë von Akái mitgezogen. Wolf folgte, gar geduckt. Ihm hatte sie zuvor eine Hand auf seinen großen Kopf gelegt. Nein, sie war ihm nicht böse. Und doch sagte ihr Blick ihm, dass er vorsichtiger sein sollte. An sich konnte er es. Doch gerade hatten sie keine Zeit um näher darauf einzugehen. Wolf hatte verstanden und somit war es gut. Sie mussten sich erst einmal verstecken. Die junge Nachtelfe dachte sich schon, dass die Orks womöglich auf das Bellen aufmerksam gemacht wurden. War es doch mitten in der Nacht und relativ still. Zumindest schien jedes noch so kleine Geräusch um so viel lauter zu sein, als es am Tag zu sein schien. Man wagte in solch einer Situation kaum zu atmen!
Und so betraten sie ein wohl verlassenes Haus. Auch Wolf verbarg sich im Schatten. Er war sehr groß und sein Fell an sich sehr weiß, doch hatte er gelernt sich zu verstecken. Was ihm wohl glücklicherweise auch jetzt gelang. Die Diebin selbst wurde von ihrem Begleiter gegen eine Wand gedrückt. Seine Nähe ließ sie ein wenig erröten. Hatte den Kopf leicht weggedreht. Und wäre dies keine so brenzlige Situation, so hätte sich augenblicklich ihr Atem beschleunigt. Doch wagte sie es kaum durchzuatmen. Für wenige Augenblicke hielt sie gar die Luft an. Doch ihre hellen Augen huschten zu Akái. Es war nur ein Bruchteil eines Momentes. Kaum ein Flügelschlag eines Schmetterlings, als sie ihn ansah. Sie schluckte trocken und ihr Herz pochte doch recht stark gegen ihre Brust. Und dies nicht nur weil sie aufgrund der nahenden Orks doch recht aufgeregt war. Ein wenig, nervös war. Sie wollte sich nicht ausmalen was geschah, wenn die drei entdeckt wurden.
Sein Atem an ihrem Hals... Und diese Wärme... Oh wie schwer es ihr gerade fiel mit ihren Gedanken nicht abzuschweifen. Sich zu konzentrieren. Wie gut, dass ihre Kapuze in ihr Gesicht gezogen war und sie sich gerade im Schatten verbargen. Sonst könnte er ja noch ihre Röte sehen. Moment... Nachtelfen konnten recht gut um Dunkeln sehen! Verdammt... Stimmt... Da war ja was. Aber nein. Er hatte seine Augen geschlossen, außerdem schweifte er nicht ab! Also, reiß dich zusammen Eáránë! Und die schweren Schritte der Orks riefen sie wieder zurück. Auch sie lauschte aufmerksam. Hatte ihre Augen geschlossen. Vernahm dieses... Grunzen. Man hörte, wie sich zwei unterhielten. Was sie aber sprachen, konnte die Nachtelfe nicht verstehen. Beherrschte sie ihre Sprache doch nicht. Ob Akái wusste, was diese Orks sprachen? Vielleicht... In diesem Moment wurde der jungen Frau klar, dass sie eigentlich... Kaum etwas über ihn wusste. Und doch... Wohl mehr als so manch anderer. Es war eigenartig. Sie konnte es nicht wirklich in Worte fassen. Im Gegensatz zu ihn, hatte sie doch sehr viel über sich selbst erzählt. Vor allem über ihre Freunde. Ob dies ein Fehler gewesen war? Aber es fühlte sich nicht falsch an. Es fühlte sich alles andere als falsch an diesem Mann zu vertrauen. Und das tat sie. Irgendwie. Und das wirklich nicht zu knapp.

Und dieser Moment schien wie eine Ewigkeit! Eben noch schien ihr Herz fast noch am platzen gewesen zu sein, als es dann für einen Augenblick auszusetzen schien. Diese orkischen Stimmen... Dieses Lachen... Bah! Wie sie es verabscheute! Selbst als das Gemurmel in der Ferne schien, wagte sie es noch nicht aufzuatmen. Wolf ebenso wenig. Erst als der Nachtelf leise durchatmete, wagte sie es wieder Luft zu holen. Leise und vorsichtig sog sie Luft in ihre Lungen. Und atmete diese genauso vorsichtig wieder aus. Sah in die grünen Augen des Mannes, als er leise zu ihr sprach. Aber sie konnten doch die Menschen hier nicht einfach im Stich lassen. Aber Eáránë verstand. Fast schon wehmütig nickte sie leicht. Wolf bemerkte, wie schwer es ihr fiel, sah zu ihr. Alles wird gut. Sie schenkte ihrem Freund ein leichtes Lächeln, das aber schon schnell wieder verblasste.
Noch immer war sie an die Wand gedrückt. Zu gerne hätte sie einfach ihren Kopf auf seine Schulter gelegt. Das alles war einfach viel zu... Grausam... Und doch riss sie sich zusammen. Hatte ihre Gefühle unter Kontrolle. Sie wagte es nicht ihnen gerade freien Lauf zu lassen und um die Bewohner dieses Dorfes zu weinen. Den Besatzern ihre Wut entgegen zu schleudern, auf dass die Schatten die Menschen hier rächen würden. Nein. Erneut atmete sie tief durch. Es fiel so schwer. Aber sie verstand Akái. Weshalb sie nicht aufbegehrte. Zumal sie doch nun seine Schülerin war und sie hatte auf ihn zu hören, oder? Außerdem... Schien er mit solchen Situationen eher vertraut als sie es war. Er konnte es bestimmt besser einschätzen als sie. War sie doch noch sehr jung. Unerfahren. Auch wenn sie in letzter Zeit einiges durchgemacht hatte, so war solch eine Situation Neuland für sie. Wie nur damit umgehen?
Als der Nachtelf sie gegen die Wand gedrückt hatte, hatte sie automatisch ihre Hände leicht gehoben, sodass diese sich nun auf seinem Brustkorb befanden. Allmählich aber kehrte nun Bewegung in ihren Körper. Wenn auch noch leicht zögernd. Ein wenig zitternd. Aber nicht viel. Und doch würde es dies wohl mitbekommen. Die junge Frau hatte ihren Blick gesenkt. Hm... Akái fühlte sich so angenehm warm an. Gerne wäre sie noch etwas mit ihm im Nachtelfenreich geblieben. Für diese kurze Zeit konnte sie endlich den Krieg hier draußen vergessen. Die Zerstörung Pelgars... All das Leid, das nun durch das Land zog.
Ihre Hände hatten sich an seinem Stoff festgehalten, was sie erst jetzt bemerkte, als sie sich lösen wollte, um sich umzusehen. Auch wenn sie sich noch nicht ganz von ihm selbst gelöst hatte, so waren ihre Augen schon durch den Raum gehuscht. Irgendwie... Machte es sie gerade verlegen Akái direkt anzusehen. Besonders wenn er ihr noch so... Nahe war. Noch immer waren ihre Wangen leicht rötlich gefärbt. Ein sanfter Hauch, mehr nicht. Welch eine ungünstige Situation dies doch gerade war... Etwas sagen? Auch das truate sie sich nicht wirklich. Nicht zuletzt, weil sie befürchtete, dass man sie hören könnte.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Montag 25. August 2014, 17:16

Wolf folgte ganz seinem Instinkt. Er suchte sich ein passendes Versteck, hinter das er sich ducken und lauern konnte. Dann legte er sich flach auf den Bauch, zog die Lefzen hoch. Nur die Ohren blieben aufgestellt, um möglichst schnell jedes noch so gefahrvolle Geräusch einzufangen. Er mied es, direkt dorthin zu blicken, von wo aus er die Gefahr witterte, denn die Reflektion des Mondlichts in seinen Augen könnte ihn verraten. Dass es ebenso mit seinem Fell vonstatten ging, war dem Tier nicht bewusst. Aber er lag flach genug am Boden und wurde zudem noch von dem Inneren des Hauses in Schatten getaucht. Sein Versteck war gut gewählt. Solange die Orks nicht direkt das Haus betraten, um sich umzuschauen, solange würde man ihn auch nicht finden. Und wenn sich diese Bestien dazu entschlossen, entdeckten sie sicherlich auch Earanë und Akái.
Der Nachtelf drückte sich dicht an seine Gefährtin und Dank der Vorsicht, die beide wegen der Bedrohung durch die Orks walten lassen mussten, schaute er auch gen Tür anstelle zu Eáránë. So entging ihm ihre verlegene Röte, die doch so verräterisch auf den Wangen leuchtete. Noch mehr Sicherheit gab es, zumindest in dieser Situation, als Akái seine Augen schloss, um zu lauschen.
Das Grunzen der Orks hielt an. Es wurde lauter, ebenso wie ihre Schritte, als sie sich näherten. Schließlich standen sie direkt beim Haus. Ihr Gestank drang durch den Türspalt bis in die Kammer, in der sich die beiden Nachtelfen gegen die Hauswand drückten. Durch das nur von Läden geschlossene, glaslose Fenster vernahm man ihre fremdartige Unterhaltung.
"Sollen wir in jedem Haus nachsehen?"
"Willst du dir die Arbeit wirklich machen?"
Der zweite Ork brummte, eindeutig missmutig. Es erinnerte an einen faulen Stallburschen, dem man die Mistgabel in die Hand drückte und verkündete, dass er nun die gesamten Hinterlassenschaften der Pferde allein ausmisten durfte. Dementsprechend knurrig reagierte der andere Ork auf ihn. "Fauler Hund! Du willst doch nur wieder zu der Fischsuppe zurück."
"Jau, stimmt schon. Die Menschen mögen klein und mickrig sein, aber ihre Frauen kochen besser als unsere."

Es folgte zustimmendes Grunzen. "Hast ja Recht und wenn wirklich was wäre, würden die Warge anschlagen. Die wittern einen Menschen weit."
"Oder Elfen ... riechen Waldelfen anders als die Dunklen?"
"Was weiß ich! Hab noch keinem am Arsch geschnuppert."

Das Lachen, welches sich nun einstellte, war tief und brummig. Es lud nicht gerade dazu ein, it einzustimmen. Vielmehr konnte sich so manche arme Seele von einem echt orkischen Lachen mehr als eingeschüchtert fühlen. Akái ließ sich davon nicht beirren. Er blieb ganz ruhig bei Eáránë stehen. Sie konnte ihn einmal tiefer Luft holen und sie erleichtert ausstoßen hören. Das geschah kurz nachdem die Orks am Fenster sich erneut hörbar in Bewegung setzten. Ihr Lachen verhallte mit ihren Schritten. Sie entfernten sich. Akái tat es ihnen gleich, als er sich etwas von der Nachtelfe löste. Einen Moment wartete er noch ab, dann blickte er ihr direkt in die Augen. Seine Worte, sich zu beeilen und noch schnell im Haus nach Nützlichem zu suchen, folgten. Er wollte nicht länger als nötig in diesem Dorf verweilen. Es war dem Feind zum Opfer gefallen und der Elf zeigte keine Ambitionen, den Bewohnern zu helfen. Weder dem Jungen, der sie beinahe verraten hatte, noch einem anderen Bürger des Ortes. Er würde sein Leben nicht auf diese Weise riskieren, dafür war er als Spion nicht gemacht.
Das Grün seiner Seelenspiegel ruhte etwas länger als notwendig auf Eáránë. Prüfend musterte er sie, bis er nickte. "Du verstehst es", raunte er anerkennend. Ein erstes Lob vom Lehrmeister an seine Schülerin. Sie begriff schnell und schien bereit, seinen Pfad zu gehen. Es erfüllte Akái irgendwo mit Stolz, doch ein Lächeln dafür blieb aus. Die Gefahr hatte sich etwas entfernt, war aber noch lange nicht gebannt. Sie durften nicht zu viel Zeit vergeuden. "Du ... kannst mich jetzt loslassen." Er unterdrückte ein Räuspern, griff aber behutsam nach ihren Handgelenken, damit sich ihre Finger aus seiner Kleidung lösen mochten. Jedes Wort, jede Geste ... nirgends schwang Abneigung mit. Wenn, dann hörte man die weitere Vorsicht heraus. Dies war nicht die richtige Zeit, noch der richtige Ort für sie beide ... später ... vielleicht.

Wolf kroch aus seinem Versteck. Er begann, das Innere des Hauses zu untersuchen. Es mochte unbewohnt sein, aber wirklich geplündert hatte man es kaum. Einige Schubfächer standen offen, doch die Möbel waren nicht umgestoßen worden. Den Orks lag nicht daran, ihren Lagerplatz zu demonlieren. Das Fischerdorf war zu einem Stützpunkt für Verstärkungstruppen geworden, einem Vorort, wenn man nach Pelgar eindringen wollte. Warum ihn also hinderlich zerstören?
Sicher, da lag eine Vase zerbrochen am Boden. Die Blumen waren zertreten und nur noch Fasern aus Stengeln und Blüten. Aber Tisch und Stühle hatte niemand umgeworfen, ebenso wenig wie die beiden Betten, die durch einen halb herunter gerissenen Vorhang vom restlichen Stübchen getrennt wurden. Wolf schnupperte nahe der Kochstelle. Sie war kalt. Dennoch schob er seine Schnauze immer wieder zwischen einige Körbe. Sie mussten gefüllt sein, denn es gelang dem Tier nicht, sie mit dem Kopf beiseite zu drängen.
Akái deutete unterdessen zu einem kleinen Wandschrank, der auch über zwei Reihen Regalnischen verfügte. Man erkannte im Dunkeln nicht, was er beherbergte, aber vielleicht fand sich etwas Nützliches. Die Order war klar: Eáránë sollte sich dort umsehen.
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Montag 25. August 2014, 22:23

Auf Wolf konnte die Nachtelfe keinen Blick mehr erhaschen. Stand doch Akái direkt vor ihr und drückte sie an die Wand hinter sich. Kurz hatte sie zu ihm gesehen, ehe sie wieder weg sah. Versuchte sich zu konzentrieren. Ruhig zu bleiben. Nicht nur, da der Nachtelf es selbst war, der gut dafür sorgte, dass das Herz der Frau direkt schneller schlug. Ihr Blut nun viel schneller durch ihre Adern fließen ließ. Sodass ihr warm wurde. Verdammt warm. Gerade war aber nicht die richtige Situation sich zu fragen, was gerade mit ihr los war. Schwärmereien kannte sie ja… Aber das hier? Eher… Nicht. Und so vergeudete sie tatsächlich wenige Gedanken an ihrer Verlegenheit. Und die Frage, ob ihr Begleiter dies bemerkte. Ein erneuter Blick zu ihm. Scheinbar nicht. Er war voll und ganz auf die nahenden Orks konzentriert. Schließlich sah sie, wie er seine Augen schloss.
Dies war der Moment, in dem auch sie sich nun besser auf das eigentliche Problem konzentrieren konnte. Sie selbst konnte nicht richtig zur Tür sehen, da der Körper des Mannes sehr nahe an dem ihren war. Sich an ihren drückte. Ihre zierlichen Hände auf seinem Brustkorb, den Stoff festhaltend. So, als ob sie selbst Halt suchte.
Ihr eben noch sehr schnell pochendes Herz, dessen Schlag sie so laut in ihren Ohren vernahm, ebenso wie das Rauschen ihres Blutes, schien nun plötzlich fast stehen zu bleiben. Die Stimmen waren nun bei ihnen. Bei Phaun! Zu gerne würde die Diebin wissen, was diese Wesen sprachen. Sie hoffte darauf, dass Akái diese Worte verstand. Unangenehm klang diese Sprache in den empfindlichen Elfenohren. Fast schon… Beleidigend. Und das Lachen war einen Ticken… Widerlicher. Es ließ ihr einen unangenehmen Schauer über den Rücken laufen. Doch wagte sie es nicht ihren schmalen Körper leicht zu schütteln. Wagte Eáráne es doch noch nicht einmal wirklich richtig zu atmen. Zu sehr fürchtete sie sich davor, dass noch so die kleinste Bewegung zu laut sein könnte. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Die Nachtelfe hatte keine Ahnung von den Orks. Sie wusste nicht wie gut nun ihre Sinne waren. Natürlich, man erzählte sich. Aber wer wusste schon, was von all dem der Wahrheit entsprach?
Endlich gingen sie aber. Sie konnte deutlich die Schritte hören, die sich entfernten. Auch sie atmete durch. Wenn auch nach wie vor sehr vorsichtig. Erneut sah sie zu Akái, als dieser sich dann ein wenig von ihr löste. Warum sah er sie so lange an? Und warum fragte sie sich dies überhaupt? Sein Lob ließen ihre Mundwinkel leicht zucken. Doch sann erröteten wieder ihre Wangen. Oh… Sie hielt ihn fest… Nun ja, sie hatte sich an seiner Kleidung festgehalten. Recht zärtlich umschloss er ihre Handgelenke. Verlegen sah sie zur Seite. Gerade schien der Boden doch sehr interessant zu werden… So mehr oder weniger. Ob er ihre Röte gesehen hatte? Womöglich. Ihre Finger ließen den Stoff los. „Bitte verzeih.“ Flüsterte sie leise. Nein, ihre Stimme war kaum ein Hauch. Flüstern wäre doch noch viel zu laut, oder?
Ihre Augen aber suchten dann nach Wolf. Und da die Nachtelfe nicht mehr an die Wand gedrückt wurde, konnte sie ihn nun sehen, wie er gerade aus seinem Versteck kam und begann sich umzusehen. Eáráne tat es ihm und Akaí gleich und durchsuchte so leise wie möglich die Räumlichkeiten. Ihr fiel auf, dass Wolf wohl etwas entdeckt haben musste, gerade wollte sie zu ihm gehen, als dann auch schon der Nachtelf ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie gab ihrem Freund ein Zeichen, dass sie gleich zu ihm kommen würde und ging dann zum Mann hin. War dessen Anweisung eindeutig. Sie selbst deutete zu Wolf, dass dieser etwas entdeckt hatte, bevor sie sich dann dem Wandschrank widmete. Vorsichtig trat sie näher an diesen heran. Lauschte aufmerksam, ihre Ohren zuckten minimal. Vorsichtig schlich die an diesen Schrank heran, um in diese Nischen hineinspähen zu können. Ob sie durch die Schatten erspüren könnte, dass sich vielleicht etwas dort drin befand? Dies war eine interessante Frage, die sich ihr stellte. Vielleicht konnte sie sich in diese einfühlen oder dergleichen? Seit dem sie auf Reisen war bemerkte sie, wie viel sie eigentlich nach zu holen hatte in Sachen Schattenmagie. Nun gut, darum würde sie sich noch früh genug kümmern. Jetzt galt es zunächst einmal diesen Wandschrank zu untersuchen. Was sie nun auch tat.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Montag 29. September 2014, 11:55

Akái nickte der Nachtelfe zu. Es gab nichts zu verzeihen, allerdings hatte er auch keine Worte für sie übrig. Worte waren hier fehl am Platz. Sie erzeugten nur Lärm und beide Elfen wussten, dass sie sich leise verhalten sollten. Jedes noch so kleine, jedes noch so unnötige Geräusch konnte sie verraten. Sie durften sich nicht auf ihrem Glück ausruhen, gerade zwei orkischen Wachen entgangen zu sein. Diese mochten sich entfernt haben, aber genauso schnell konnten sie wieder erscheinen. Es brauchte nur ein falscher Laut, eine verdächtige Kleinigkeit ... Akái beließ es bei einem Nicken. Er würde Gelegenheit erhalten, mit Eáránë zu sprechen, noch früh genug. Und in seinem nachtelfischen Innern freute er sich darauf. Gleichermaßen hoffte er, dass er wirklich die Chance erhielt, noch einmal zu ihr sprechen zu können.
Einen Deut zu lang betrachtete der Elf sein Gegenüber in dem Moment, da sie ihre Finger aus seinem Stoff löste. Wie zart ihre Hände waren! Eáránë besaß sehr filigrane Finger. Man würde sie perfekt für alle Geschicklichkeit erfordernden Aufgaben einsetzen können. Ebenso würde sie in sehr kleine Nischen greifen oder komplizierte Mechanismen lösen können. Sie besaß wirklich diebisches Potenzial! Aber solche Gedanken machte sich Akái nicht, als er sie ansah. Sacht blinzelte er, dass das Grün seiner Augen kurz flimmerte. Dann wandte er sich ab, scholt sich insgeheim selbst, konzentriert zu bleiben.

Sie alle gingen nun ihren Aufgaben nach. Es galt, etwas Brauchbares zu finden, allem voran Proviant, der sie auf der weiteren Reise stark halten würde. Denn noch immer wollte man nach Andunie gelangen, um diesen anderen Nachtelfen - diesen Moth - zu finden. Er sollte nähere Informationen zu Eáránës Schattenkristall und vor allem dem darin befindlichen Geisterwesen geben. Der Geist des Kristalls hatte schon lange keinen Kontakt mehr zur Nachtelfe aufgenommen. Sie spürte seine Präsenz wie ein seichtes Glühen, ein warmes Glimmen auf der Haut. Allerdings musste Eáránë sich auch eingestehen, dass es schwächer geworden war. Sie musste sich schon gezielt auf den Geist konzentrieren, um ihn wahrzunehmen. Jetzt, da sie sich in dem verlassenen Fischerhaus umschaute, glitt das Gefühl für das Wesen im Kristall der Schattenmagie ebenso in Vergessenheit wie andere Dinge, über die sie gerade nicht nachdachte.
Eáránë tauschte Signale mit Akái und Wolf aus. Der Nachtelf näherte sich dem Tier, da es etwas entdeckt zu haben schien. Mit neugieriger Vorsicht untersuchte er Wolfs Fund. Währenddessen begab sich die Elfe zum Wandschrank, um einen Blick in dessen Untiefen zu riskieren. Was konnte schon Gefährliches in einem Schrank zu finden sein? Man erwartete jedenfalls nichts Bedrohliches, weshalb Eáránë sich auch umblickte. Das erste, was ihr begegnete, war eine kleine Spinne, die wie ein schwarzer Knopf fett in ihrem Netz hing. Jenes spannte sich etwas unter dem Zug der sich öffnenden Schranktür. Es versetzte das Krabbeltier in Aufregung, woraufhin es sofort eine geschütztere Ecke aufsuchte. Nun konnte die Elfe sich ungehindert umsehen. Tatsächlich hatte man den Großteil des Inhalts geplündert. Hier standen nunmehr ein Kehrbesen, ein alter Wassereimer mit Lappen und Schrubberbürste, aber auf einem Regalbrett zeigte sich dann doch etwas Nützliches: Angelhaken und Schnur, dazu lehnte neben dem Besen auch eine Angelrute. In einem unscheinbaren Kästchen mit Verschluss würde Eáránë außerdem über einige Köder fündig werden. Zum Glück keine Maden, die hätten sich vermutlich auch schon durch das Holz gefressen. Nein, darin lagen wunderschön glitzernde Köder, die man an den Angelhaken befestigen konnte. Sie alle besaßen die Form von Insekten, erinnerten an Libellen und dicke Käfer. Und ihre Flügel waren aus einem silbrig bunt schimmerndem Material. Es funkelte selbst im matten schein des Zwielichts, welches in den Schrank drang. Rosa, grün, gelb und blau schillerte es der Elfe entgegen. Jedes dieser Fundstücke hätte mit entsprechender Bearbeitung auch einen wundersamen Schmuck für ihr Kleid abgeben können. Allerdings wäre es eine Narretei, dies nun umzugestalten, geschweige denn zu tragen. So wie die Köder funkelten, würde sie mit jedem Schritt auf sich aufmerksam machen. Dann wären die Orks schneller an ihren Fersen als Akái nun, der sich zusammen mit Wolf an sie herangeschlichen hatte.
Oh, seine Bewegungen waren katzengleich! Er konnte so lautlos sein. "Hast du etwas gefunden?", fragte er mit samtweicher Stimme. Es war nunmehr ein kaum vernehmbares Raunen im Raum. Schließlich deutete er auf ihren tierischen Gefährten und den Jutesack, welchen dieser im Maul schleppte. "Kartoffeln", gab Akái erklärend von sich. Über einem Feuer gebraten würden sie ihre Bäuche füllen. Sein Finger hob sich, zeigte weiter in die Stube hinein und zu einigen Weidenkörben mit Deckel. "Da hinten habe ich Fisch gesehen, außerdem finden sich am Grund eines der Körbe noch einige Kräuterreste. Wir nehmen alles mit. Es wird uns eine Weile ernähren. Wie sieht es bei dir aus?"
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Donnerstag 2. Oktober 2014, 19:32

Oftmals sagte Schweigen mehr als es Worte könnten. Und kleine Gesten, wie eben das leichte Nicken Seitens Akái. Die Nachtelfe verstand, er brauchte auch nichts weiter zu sagen. Wusste sie doch aus, dass es wichtig war nun so leise wie möglich zu sein. Und sie war froh, wenn sie endlich hier weg waren. Wenn sie wieder unter sich waren. Und dennoch würde sich Eáránë dennoch nicht gänzlich in Sicherheit wiegen. In diesen Zeiten war man nirgends wirklich sicher. Was würde sie dafür geben, endlich wieder dieses Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit zu empfinden. Endlich wieder… Sicher zu sein. Würde sie aber jemals wieder sicher werden? Vor allem bei dem Weg, den sie nun gedachte einzuschlagen? War man als Spion überhaupt noch sicher? Gerade aber schweiften die Gedanken der jungen Frau um andere Dinge. Auch kreisten ihre Gedanken nun weniger um den Geist des Schattenkristalls. Die Tatsache, dass die Verbindung zu eben diesen inzwischen schwächer war, war ziemlich in den Hintergrund gerückt. Zurzeit war sie voll und ganz beim Hier und Jetzt. Kaum, dass sie sich von Akái gelöst hatte, wagte sie es auch nicht mehr weiterhin über das eben noch Empfundene nachzudenken. Oder sich gar darüber Gedanken zu machen, dass er sie gerade etwas länger ansah. Sie würde, doch traute sie sich gerade nicht. Sie konnte es sich nicht erlauben. Und so lauschte man den Anweisungen und ging eben jenen nach.

Während sich Akái nun Wolf widmete, der sofort einen Fund gemacht hatte, inspizierte die Diebin den Wandschrank. Vorsichtig hatte sie die Türen geöffnet. Leise und langsam. Die Spinne hatte sie noch sehen könnten, doch dieser wurde keine wirkliche Aufmerksamkeit geschenkt. Stattdessen widmete sie sich den Gegenständen, die sich noch dort befanden. Und bei dem, was sie gefunden hatte, erhellte sich augenblicklich ihr Gesicht. Auch wenn die Nachtelfe selbst keine Ahnung von Angeln hatte, so war man froh diese Ausrüstung gefunden zu haben! Dies war einfach großartig!
Vorsichtig nahm sie die Schnur und den Angelhaken heraus, verstaute beides behutsam in ihrer Tasche, ehe sie das Kästchen zu sich nahm und dieses vorsichtig einen Spalt weit öffnete. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie die funkelnden und bunten Köder darin entdeckte. Schnell war eben jenes Kästchen auch schon wieder geschlossen und ebenso behutsam in die Tasche gesteckt, ehe sie die Angelrute zu sich nahm. Mit vorsichtigen Griffen holte sie diese hervor, um auch kein einziges Geräusch zu erzeugen.

Noch einmal ließ sie einen prüfenden Blick durch die Regale schweifen, ehe sie sich ihren Begleitern zuwandte. Zumindest als sie sich gerade umdrehte, stand auch schon der Nachtelf bei ihr. Kurz war sie zusammengefahren, hatte sie nicht mitbekommen, wie er sich zu ihr herüber geschlichen hatte. Und in diesem Moment wurde ihr bewusst, wie viel sie noch zu lernen hatte. Und sie war froh darüber, dass er ihr Lehrer sein würde. Es freute sie wirklich, dass er sie als Schülerin haben wollte. Sie unterrichten wollte. Zunächst aber kam sie nicht dazu seine Frage zu beantworten, wurde ihr Blick auch schon auf Wolf gelenkt, der Kartoffeln gefunden hatte. Sanft lächelte sie diesen an, deutete mit einem Nicken an, dass sie stolz auf ihn war. Ehe sie dann zu Akái sah und ihm die Angelrute zeigte. „Auch habe ich Köder, eine Schnur und einen Angelhaken gefunden. Diese habe ich schon eingesteckt.“ Informierte sie ihn, indem sie kaum mehr flüsterte. Vielleicht mehr ein Hauch. Eher tonlos. Fast so, als wolle man die vorherrschende Stille unter keinen Umständen stören. Als würde sie es nicht wagen einen Ton in ihrer Stimme mitschwingen zu lassen. Weitere Worte würde sie nicht mehr verschwenden, sich sondern daran machen, alles einzupacken was sie tragen konnte. So leise sie konnte würde sie sich im Raum umher bewegen. Möglichst in den Schatten verborgen.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Sonntag 5. Oktober 2014, 12:40

Eáránë erhält eine Angelausrüstung + Köder. Bitte im Profil aktualisieren.

Auch Eáránë besaß eine katzenhafte Art an sich. Eine Diebin wie sie musste nicht nur schnell sein, sollte der Umstand entstehen, dass man sie entdeckt hatte. Nein, es war im Grunde besser, gar nicht erst entdeckt zu werden! Somit wollte auch das heimlichtuerische Schleichen gelernt sein oder einfach die Kunst, kein Geräusch zu erzeugen, wo keines entstehen sollte. Die Nachtelfe besaß praktisch ein vom eigenen Volk gegebenes Privileg. Elfen waren nicht nur elegant, sondern in jeder Bewegung steckte eine Perfektion, die sie fließend langsam erscheinen ließ. Andere Rassen behaupteten, jeder Elf wisse genau, wo er seinen Fuß zu setzen hatte, damit nicht einmal ein Grashalm raschelte. Ob man diesen Behauptungen einen wahren Kern zusprechen konnte, war nicht erwiesen, doch selbst die Elfen sprachen von ihrer eigenen, erblich bedingten Eleganz, die ihnen einen Leisetritt bescherte, den kein noch so gut ausgebildeter Mensch hätte vollführen können. Vielleicht war diese Haltung arrogant, bei Eáránë traf sie im aktuellen Moment allerdings zu. Mit einer Präzision und Vorsicht holt sie die Angel aus dem Schrank, dass nicht einmal genug Luftbewegung erzeugt wurde, um die gewobenen Spinnenfäden in der Schrankecke zum Sirren zu bringen. Kein Ork würde sie hören.

Dieser Eleganz verdankte sie es, dass Akái nach einem erfolgreichen Fund fragte und dann erst die Angel in ihren Händen entdeckte. Zufrieden nickte er. Seine Augen blitzten grün, auch in ihnen stand die Freude über das Instrument. Ob Akái die Handhabung beherrschte? Es würde sich zeigen müssen, aber sie beide besaßen jetzt erst einmal ein Werkzeug zur potenziellen Nahrungsgewinnung. Dies setzte zwar voraus, dass sie nahe des Ilfar blieben oder ein anderes Gewässer aufsuchen mussten, aber vielleicht ließ sich mit der Angelschnur auch eine Kaninchenfalle bauen. Abgesehen davon hatten sie auch immer noch Wolf, der mit seinen Jagdfertigkeiten aushelfen konnte. War nur zu hoffen, dass die Stille Ebene wenigstens von Kleintieren bevölkert war. Der Weg nach Andunie würde ein noch sehr weiter sein und sie brauchten voll Mägen, um ihn erfolgreich beschreiten zu können.

Akái schmunzelte, als Eáránë zusammenfuhr. Milde legte sich auf seine Züge, dann wieder ein sachtes Nicken. Sie brauchten tatsächlich kaum Worte. Jede Spur, die die Nachtelfe von seinem Gesicht ablesen konnte, teilte ihr mit, dass er ihr diese Gewandtheit beibringen wollte. Auch sie würde lernen, sich noch leiser zu bewegen, ein Schatten zu werden, der mit der Umgebung verschmolz.
Ihr Begleiter war kein Assassine, das durfte Eáránë nicht vergessen! Er war Spion, doch auch diese eigneten sich oftmals eine gewisse Lautlosigkeit an. Vor allem erlernten sie schnell, unauffällig zu bleiben. Sie suchten die Perfektion in der Zugehörigkeit ihrer Umgebung, um mit jener ein akzeptierter Teil zu werden, der so unscheinbar war, dass andere keine Gefahr in ihrer Anwesenheit verspürten. So konnte selbst im offenen Beisein eines gut ausgebildeten Spions das Opfer arglos sprechen und ahnte nicht einmal, dass es sich damit selbst eine Schlinge um den Hals legte! Akái musste ein solcher Spion sein. Wie hatte Eáránë ihn kennen gelernt? Das war in einem Schneidergeschäft gewesen. Sie hätte dort auch mit irgendeinem wichtigen Menschen ebenso wichtige Geschäftsgespräche halten können. Wer achtete in einer solchen Situation schon auf einen einfachen Schneider, der im Hintergrund die bestellte Kleidung zusammenlegte? Akái würde ihr vieles beibringen können ...

"Zeit zu gehen", raunte Akái ihr zu, dicht an ihr spitzes Ohr geneigt, dass sein warmer Atem ihre Haut traf. Gemeinsam packten sie noch die erbeuteten Kartoffeln, etwas Fisch und die Kräuter ein. Es waren Reste und anhand des Geruchs von Petersilie und Rosmarin wohl als Würzkräuter für die Küche zu erkennen. Wenn sie all ihre neuen Vorräte damit garnierten, käme sogar eine gute Mahlzeit heraus. Sofern sie es wagten, Kartoffeln und Fisch über einem Feuer zu brutzeln ... außerdem fehlte dazu das nötige Holz.
Der Nachtelf schaute sich nicht mehr nach einem Scheit um. Holz war schwer, es behinderte nur und seine Worte hatten bereits klar gemacht, wie die weitere Planung aussah: Sie würden das Fischerdorf hinter sich lassen. Eáránë musste hierzu vermutlich über ihren Schatten springen ... die Hilflosen zurücklassen. Oder sollte sie einen letzten Versuch wagen, ihren Begleiter umzustimmen? Es lag an ihr. Noch gab es Gelegenheit, das Wort zu ergreifen.
Akái zog die Haustür gerade vorsichtig auf. Er spähte hinaus, deutete dann mit zwei winkenden Fingern an, dass man ihm folgen konnte. Die Luft war rein, die Orks nicht zu sehen. Auch hier half die bessere Nachtsicht der Elfen, denen sie angehörten. Wolfs Gehör half ihnen zusätzlich. Das Tier schob sich an Akái vorbei nach draußen, die Schnauze richtete sich auf den Boden. Er verfolgt die Spur der Orks ein Stück bis auf den Weg. Sein weißes Fell leuchtete fast geisterhaft in der Nacht. Dann hob Wolf den Kopf, spähte tiefer ins Dorf hinein, wo man im Zentrum noch den Schein von Lagerfeuern und in der Ferne die Zelte der Feinde als weiße Flecken erkennen konnte. Akái nickte. Sie würden in die entgegengesetzte Richtung entkommen müssen, denn von dort schien Wolf keine Gefahr gewittert zu haben. Ein letztes Mal sah er auf Eáránë zurück. Würde sie ihn jetzt nicht mehr aufhalten, läge das Fischerdorf in wenigen Minuten hinter ihnen.
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Eáránë Fëfalas
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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Eáránë Fëfalas » Dienstag 7. Oktober 2014, 00:50

Oh die junge Nachtelfe besaß durchaus diese lautlose Eleganz einer Katze, die in ihrem Volk vertreten war und auch sie nicht ausgelassen hatte. Und doch unterschied sich ihre Art der Bewegung von der Akáis. Ja, sie war durchaus sehr geschickt und flink. War auch recht gut in Sachen Heimlichkeit und doch unterschieden sich ihre Erfahrungen stark von denen ihres Lehrmeisters. Würde dieser bestimmt mitbekommen, wenn sie sich an ihn heranschleichen würde, wäre er aufmerksam genug. Immerhin war sie noch sehr jung und hatte viel zu lernen. Mal davon abgesehen war sie keine Meisterdiebin gewesen. Hatte sie doch eher aus Trotz und aus Verzweiflung nicht zu wissen wohin mit sich selbst erst diesen Weg eingeschlagen. Auch wenn sie es niemals nötig gehabt hatte zu stehlen oder gar diesen Weg ein zuschlagen. Und doch hatte sie es getan. Ob man dies vielleicht als eine Art Jugendsünde abtun konnte? Vielleicht. Dennoch war sie wohl nicht in die Ungunsten der Götter gefallen. Zumindest wurde sie von ihnen bisher dafür nicht gestraft worden. Und Phaun hätte sich ihr wohl kaum damals offenbart und würde ihr wohl auch kein offenes Gehört schenken, wenn sie eine schlechte Nachtelfe war. Nein, sie besaß ihr Herz am rechten Fleck und nutzte ihre gewonnen Fähigkeiten Zugunsten ihrer Freunde... Nun gut, auch für sich selbst natürlich. Doch niemals würde sie jemanden bewusst schaden wollen.

Nun gut, zurück zum Geschehen. Es blieb zu Hoffen, dass der Nachtelf zumindest Grundkenntnisse in Angeln besaß. Und wenn nicht, dann müssten die zwei es die Tage wohl lernen müssen. Wohl oder übel. Dennoch war auch die Freude der Frau recht groß dies gefunden zu haben. Aber auch über das andere Gefundene. Hatte sie doch zunächst kaum Hoffnungen gehabt, überhaupt etwas zu finden. Umso größer war nun die Freude über diese Dinge.
Wie sanft die Gesichtszüge Akáis doch gerade waren... Ein leichtes Lächeln umspielte die roten Lippen der jungen Frau. Ja, sie war wirklich froh darüber, dass er sie gefragt hatte, ob sie seine Schülerin werden wollte. Generell war sie glücklich darüber, ihn kennen gelernt zu haben. Und ja seine Tarnung war wirklich ausgezeichnet gewesen. Denn auch Eáránë hatte sich ihm recht schnell anvertraut. Sie selbst war sich bewusst gewesen, wie naiv und töricht dies eigentlich gewesen war. Immerhin war er ein Fremder gewesen. Und doch hatte er es geschafft, ihr das Gefühl zu geben... Dass sie ihm vertrauen konnte. Dies hätte auch ganz anders ausgehen können... Sie hatte gänzlich auf ihr Bauchgefühl gehört. Ob dies vielleicht daran lag, weil sie noch so jung und unerfahren war? Dies vermochte wohl kaum einer wirklich sagen zu können. Brachte es auch nichts weiter darüber nachzudenken. Derzeit zählte die Gegenwart. Und diese beanspruchte gerade äußerste Aufmerksamkeit.

Welch ein wohliger Schauer ihren Körper durchfuhr, als er so dicht die leisen Worte an ihr Ohr hauchte und sie gar seinen Atem spüren konnte. Wie eine zärtliche Brise streichelte der Atem ihre Haut. Was war dies nur für ein sonderbares Gefühl? Ein zarter rötlicher Hauch legte sich auf ihre Wangen und sie musste schlucken. Bei Phaun... Was war nur los?
Doch dieser Moment hielt nicht lange, ehe sie noch die ein oder anderen Dinge mitnahm, ehe sie sich dann zum Gehen bereit machten. Und ja, es fiel ihr gerade sehr schwer daran zu denken, all diese Menschen nun alleine mit den Orks zu lassen. Ihnen nicht zu helfen. Eáránë hielt für wenige Augenblicke inne. Hatte ihren Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Dies war die letzte Möglichkeit. Was tun? Einfach gehen und das Dorf seinem Schicksal überlassen, oder helfen?
Phaun, oft habe ich in letzter Zeit nicht zu Euch gebetet... Doch bete ich nun zu Euch für dieses Dorf. Sollte es für mich die Möglichkeit geben, den Menschen hier zu helfen auch ohne meinen Begleiter in Gefahr zu bringen, dann sendet mir bitte ein Zeichen. Sollte es mir nicht möglich sein selbst zu helfen, dann bitte ich Euch darum ihnen Hilfe zukommen zu lassen. Gerade weiß ich nicht was ich tun soll. Ob ich helfen, oder auf meinen Begleiter und Lehrmeister hören soll, um nun zu gehen. Ich erbitte Hilfe für dieses Dorf und dessen Bewohner und Euren Rat.
Sie hoffte, dass ihr doch recht rasches Gebet bei dem Gott ankommen würde. Akáí und Wolf waren gerade hinaus gegangen. Die Nachtelfe folgte zügig. Blieb im Schatten und folgte ihren Lehrmeister. Doch würde sie ihm kurz am Ärmel halten. Wolf bedeuten, dass er nun genauer auf die Umgebung achten sollte. Sie sah zu dem Nachtelfen hinauf, war er doch größer als sie. „Akái... Ich werde dir auf deinen Weg folgen, gleich wohin dieser führen mag“ Begann sie leise, kaum mehr als ein Hauch. „Sollte mir Phaun ein Zeichen senden, dass ich dem Dorf helfen soll, so werde ich dies tun. Aber ich möchte nicht, dass du wegen mir in Gefahr gerätst. Weshalb ich dann vorschlagen würde, dass du vor gehst und ich nachkomme. Sollte Phaun mir kein eindeutiges Zeichen schicken, dann bedeutet dies wohl, dass die Rettung des Dorfes nicht an mir liegt. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt.“ Er würde an ihrer Stimme hören können, dass es ihr schwer fiel, zum einen das Dorf dann alleine zu lassen. Aber es würde ihr auch schwer fallen, wenn sie nicht der vorigen Anweisung Akáis Folge leisten würde und sang und klanglos mit ihm verschwinden würde. Und doch gab es keine Option für sie, dass sie ohne ihn weiter machen wollte. Nein. „E-es ist nicht, dass ich dir nicht gehorchen möchte...“ Ob er sie verstand? Ihre Beweggründe? „Ich will deinen Weg gehen. Deine Schülerin sein. Dir folgen...“ Kurz hielt sie inne, ehe sie fortfuhr: „...Bei dir sein...“ Es schien fast so, als würde sie befürchten, dass sich ihre Wege endgültig trennen würden, sollte sie dem Dorf helfen. Wäre dem so? Eáránë hoffte nicht! Nein! Sie wollte nicht von ihm getrennt werden. Sie hatte gerade solche Angst davor. Und dies stand ihr deutlich in den Augen geschrieben. Weshalb sie erneut betont hatte, dass sie weiterhin seine Schülerin werden wollte. Und ihn weiter begleiten wollte. Sie wollte nicht mehr ohne ihn.
Wie ihr Herz raste... Und wie groß ihre Furcht vor Akáis Worten waren. Gewiss würde er etwas dazu sagen. Auf der einen Seite hoffte sie durchaus ein Zeichen von Phaun. Aber auf der anderen Seite... Irgendwie wollte sie gerade einfach nur noch weg. Nun war ihre Unsicherheit so groß. Woher sollte sie denn nun wissen, was sie zu tun hatte? Gerade wünschte sie sich einfach, dass sie Zeit stillstehen würde! Dass alles stehen blieb und sie Zeit zum Nachdenken bekam. Sie eventuell umher gehen könnte. Und doch war Zeit gerade etwas, das sie nicht hatten und dies war ihr bewusst. „Bitte verzeih...“ Sie hatte eine Hand in ihr Gesicht gelegt. Nahm die Nasenwurzel dann zwischen Zeigefinger und Daumen und massierte diese, ehe sie wieder zu Akái sah. „Wir sollten... Nun gehen...“ Der Gedanke das Dorf nun im Stich zu lassen tat ihr wirklich sehr weh. Es war keine leichte Entscheidung. Aber... Was konnte sie schon alleine ausrichten? Bisher hatte sie immer ihre Freunde an ihrer Seite gehabt. Und nun waren sie zu dritt. Und wie viele Orks waren hier? Definitiv zu viele. Sie war doch auch zu schwach. Wenn sie wenigstens gut mit ihrer Magie umgehen könnte... Aber selbst dann war sie auf den Geist des Kristalls angewiesen. Ja, die Nachtelfe sah ein, dass sie eher nichts tun konnte. Zumindest jetzt nichts. Vielleicht ergab sich ja zu einem späteren Zeitpunkt, dass sie zurückkehren konnte. Den Menschen hier helfen konnte. Und obwohl sie nun entschlossener schien, so war sie innerlich noch immer recht zerrissen.

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Re: Rast im Fischerdorf

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Oktober 2014, 09:29

Es war töricht gewesen, vielleicht ihrer Naivität zugrunde gelegt, die jedoch ein jeder in jungen Jahren noch an den Tag legte. Misstrauen kam mit den Jahren und gesammelter Lebenserfahrung ... mit Enttäuschungen im Leben, gemacht durch Personen, denen man vertraute. Doch sicherlich begegnete nicht jeder dem Schneider Akái auf diese Weise und dennoch war der Gedanke nicht abwägig, dass sich ihm in der Stadt viele anvertraut haben mochten. Ihm, einem Nachtelfen, der in Pelgar lebte! Allein das war doch schon für die meisten der Hauptstädlter Grund, ihm zu misstrauen. Trotzdem musste es der Elf irgendwie geschafft haben, seine Position Erfolg bringend zu halten. Andernfalls hätte die Stadtherrin des Reichs der Nachtelfen ihn doch sicherlich für wichtigere Aufgaben abgezogen.
Eáránë wusste noch so furchtbar wenig von Akái, aber das, was sie wusste, schien ihr zu gefallen. Vielleicht trug genau dieses Gefallen dazu bei, dass sie einsah, dass es keinen Weg gab, die Bewohner des Fischerdorfes zu retten. Jedenfalls nicht hier und heute, nicht, wenn sie nur zu dritt waren. So ließ sie sich wenigstens die nötige Zeit, eine Bitte an jemanden zu richten, der doch genug Macht besitzen müsste. Immerhin war Phaun ein Gott.

Akái sah sich nach seiner Begleiterin um. Aha, da kam sie. Wolf senkte die Schnauze zu Boden. Ihn erkannte man im Dunkel noch am ehesten, was seinem weißen Fell geschuldet war. So hob der Nachtelf kurzerhand seinen Umhang, um ihn über den langen Rücken des Tieres auszubreiten. Wenigstens im Stand mussten sie nicht gesehen werden.
Eáránë sah dafür etwas ganz Anderes. Noch bevor sie nach Akáis Ärmel fassen konnte, entdeckte sie zwischen der Schwärze zweier Häuser ein kurzes Aufblitzen. Vielleicht war es nur ein fahler Streifen Mondlicht oder Wolfs Fell reflektierte in einem der Fenster ... nein, sie konnte sich sicher sein, dort eben eine kleine Gestalt gesehen zu haben. Silbrig weiß, mit großen neugierigen Augen und einem warmen Lächeln. Seltsamerweise war das Bildnis nur so lange für sie sichtbar, solange sie sich nicht darauf konzentrierte. Dann schwand es, als wäre es nie da gewesen. Nur ein helles, sanftes Lachen erreichte ihre Spitzohren und das Zucken ihres Begleiters deutete darauf hin, dass er es auch gehört haben musste. Oder nicht? War er nur wegen ihrer Berührung sacht zusammengefahren?

Er drehte den Kopf weit genug, dass sein hellgrüner Blick sie erreichte. "Phaun, ja?" Kurz zog er die Brauen zusammen, nickte dann. "Also gut, komm nach. Ich warte eine halbe Stunde." Vielleicht hatte Akái doch etwas gehört oder ihm war ebenfalls dieses silberne Blitzen einer Gestalt aufgefallen. Ob das Phauns Zeichen war? Aber es hatte ihm nicht ähnlich gesehen! Phaun zeigte sich in Form seines Götterboten, als erhabener weißer Hirsch. Das Bildnis, das vage zwischen Eáránës Gedanken schwirrte, war das eines Jungen gewesen.
Sie erhielt die Chance, es herauszufinden, wenn sie denn wollte und wenn sich überhaupt etwas finden ließ. Eine halbe Stunde gewährte ihr der Nachtelf. Und dann? "Länger warte ich nicht. Danach bin ich fort." Er nickte ihr auffordernd zu. Ihre Zeit lief. Akái selbst wandte sich in eine andere Richtung, raus aus dem Fischerdorf. Wolf stand winselnd zwischen beiden. Er konnte sich noch nicht recht entscheiden, neigte den Kopf leicht und suchte den Blick seiner treusten Freundin. Sollte er mit ihr gehen wie immer, das alte Duo? Oder sollte er Akái folgen, auf ihn aufpassen?
Der Nachtelf hörte noch ihre Entschuldigung und dann durchfuhr seinen agilen Körper ein lauer Ruck. Über die Schulter spähte er zurück. Er hatte ihr doch eine halbe Stunde gewährt und nun entschied sie sich, mit ihm zu kommen. Was in Akái vorging, konnte Eáránë nicht erahnen und doch schien es, als mache sein Herz einen Hüpfer, der seine schlangengrünen Augen erreichte. Sie blitzten einmal im fahlen Zwielicht der Nacht. Wieder nickte er. Nicht, weil sie sich richtig oder falsch entschieden hatte, sondern weil eine Entscheidung getroffen war. Endgültig. Nun sparte Akái mit Worten, winkte ihr nur, ihm zu folgen. Gemeinsam suchten sie einen Weg aus dem Dorf und es stellte sich als überraschend einfach heraus. Ständig hatte die Nachtelfe jedoch den Eindruck, ein helles Kinderlachen am Rand ihrer Wahrnehmung zu hören oder wieder dieses silberne Etwas zu entdecken, das ins Nichts zerfloss, wenn sie den Blick darauf richten wollte. Irgendetwas begleitete sie. Etwas, das ihnen offenbar nicht schadete, sondern sie sicher aus dem Dorf begleiten wollte. Was immer es war, Eáránë musste feststellen, dass es sich aufgelöst hatte, kaum dass sie, Akái und Wolf wieder in den Weiten der Stillen Ebene umher irrten. Die Gräser kitzelten sie, aber ihr Begleiter machte nicht Halt. Das Plätschern des Ilfar schwand nach und nach. Der Elf wandte sich Richtung Osten, Andunie entgegen.


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