Das Kasani-Anwesen

Hier wohnen die Nachtelfen in ihren dunklen Häusern. Kein Lichtstrahl ist je zu sehen, tief unter der Erde, nur der Schein der Fackeln erhellt die dunklen Gassen.
Antworten
Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4415
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Mai 2020, 12:46

Sarin kommt von Die Spinnenhöhle
Von Meister Londros Schneiderstube bis hin zum Heim ihrer Verwandten war es schon ein Stück. Unterwegs fand Sarin Zeit, eine kleine Mahlzeit einzunehmen, so dass sie nicht mit leerem Magen an der Schwelle der Kasanis stehen würde. Jafar hatte sich in den letzten Jahren eine neue Haushälterin angeschafft. Ihren Namen kannte Sarin gar nicht, aber sie wusste, dass es "die Neue" sein musste, die ihr die Tür öffnete. Ihr schmales Gesicht mit den kleinen Muttermalen unterhalb des linken Auges kannte sie nicht. Einige Strähnen lugten unschön unter der Haube hervor und der Kragen ihres Hausmädchen-Kleids wirkte etwas zerknittert. Außerdem schien sie ein scheues Ding zu sein, denn ihre Wangen waren gerötet, als sie die Pforte öffnete. Vielleicht war sie auch einfach nur erhitzt, ob der vielen Arbeit, die Sarins Onkel ihr aufhalsen mochte. Oder ihre Tante? Die Schneiderin hatte sich in letzter Zeit nicht sehr ausgiebig mit ihren Verwandten befasst, von Cousine Lucil einmal abgesehen. Sie musste sich eingestehen, dass sie gar nicht wirklich wusste, wie es ihnen aktuell ging. Aber es hatte sie eine ganze Zeit lang auch herzlich wenig interessiert. Dennoch gebot die allgemeine Höflichkeit, dass sie ihren Onkel von den Gegebenheiten unterrichtete und sich wenigstens bei ihm in Vertretung von allen verabschiedete.

Die Hausdienerin ließ Sarin ein und die Nachtelfe betrat die große Eingangshalle, welche bis in den ersten Stock hin offen war. Von den hohen Wänden hingen zwischen schwarzgrauen Wandteppichen mehrere Banner mit dem Familienwappen. Die ganze Halle wartete mit dem Prunk der Familie auf, um Gäste schon beim Eintreten zu beeindrucken ... und von den weniger prunkvollen Räumen etwas abzulenken, die sich im Rest des Anwesens gelegentlich finden ließen. Die Kasanis waren nicht verarmt, aber längst besaßen sie auch nicht mehr den hohen Status wie einst. Das lag vor allem daran, dass weder Lucil noch Sarin bisher verheiratet worden waren und beide somit keine Mitgift durch in die Familie geführte Ehemänner einbrachten, an denen Jafar sich hätte bedienen können. Um Reichtum zu investieren, musste man ihn ausgeben.
Trotz allem erkannte man, dass die Bewohner des Anwesens sogar noch jenseits der einfachen nachtelfischen Mittelschicht standen. Ein Dieb hätte hier reichlich Auswahl, wenngleich die meisten wertvoll aussehenden Dinge in der Eingangshalle zu klobig waren, um sie mitgehen zu lassen. Zumindest, wenn man von einem gierigen Dieb ausging. Eine der reich verzierten Porzellanvasen hätte schon genügt, um eine einfache Familie über Monate hinweg mit dem Nötigsten zu versorgen, aber bei ihrer Größe und dem Gewicht könnte man auch nicht mehr als sie entwenden. Oder die nachtelfischen Zierrüstungen, die unterhalb des Treppenbalkons kerzengerade aufgereiht worden waren. Ihre Helme bedurften ein wenig mehr Fürsorge. Schon auf den ersten Blick hin konnte Sarin die Spinnweben und sogar einige Bewohner entdecken.
Die Pflanzen hingegen waren gut versorgt. Von einigen der lichtscheuen Wurzeln wuchsen bereits erste Pilze empor, die ihre Lamellen weit gefächert geöffnet hatten, so dass sie wie violette und silberblaue Blumen wirkten. Und die Edelsteinlilien! Ihre Tante Neefri hatte damals extra einen zwergischen Glasbläser und Edelsteinhandwerker anreisen lassen, um sie herzustellen. Dutzende gläserner Pflanzenstiele samt Blättern dienten als Thron für die schillernden, zu Blüten angeordneten Edelsteine. Jedes noch so kleine Kerzenlicht brach sich darin zauberte reichlich Farben in die gesamte Halle. Es war wirklich ein willkommener Anblick, wenngleich Sarin nicht aus diesem Grund das Anwesen aufsuchte.
"Der Hausherr ist ... beschäftigt", erklärte die Haushälterin etwas kurzatmig und strich sich endlich die Strähnen zurück unter ihre Haube. Danach fummelte sie etwas unstets am Saum ihrer Schürze herum. Sie wagte keinen Blick in Sarins Gesicht. "Wenn Ihr möchtet, führe ich Euch zu Eurer Tante, der Fürstin Kasani." Sie machte einen Knicks vor Sarin, um dann die Haustür hinter ihr zu schließen. Doch bereits auf dem Weg zum Korridor, der in den Westflügel des Anwesens führen sollte, wurden beide aufgehalten. Anstatt die Empfangsräume, Gästesalons und Arbeitskammern der Kasanis aufzusuchen, zog ein Aufschrei die Aufmerksamkeit auf sich.
Das Hausmädchen zuckte erschrocken zusammen, entschuldigte sich und machte sich ganz klein. Sie hatte die Wut in der Stimme ebenso wahrgenommen wie Sarin es konnte. Und die Schneiderin erkannte die Stimme, auch wenn sie etwas schriller war als sonst.
"DU!" Mit Überschwang und nur in reichliche Schichten weißer und grauer Unterkleidung gehüllt, stand Lucil Kasani am oberen Treppengeländer. Wut brannte in ihren Augen und war nicht einmal durch die Tränen zu löschen, die ihr plötzlich die Wangen herabliefen. "Wie konntest du nur?!", schrie sie Sarin und dem Hausmädchen entgegen. Letzteres verbarg das Gesicht in den Händen, verbeugte sich immer wieder in Schuldbewusstsein und konnte das Schluchzen kaum verbergen. Lucil hingegen raffte ihre Unterkleider, um hastig die Stufen zu nehmen. Es dauerte nur wenige Herzschläge, bis sie am Fuß der Treppe angekommen war und noch weniger, um einen ihrer Hausschuhe von den Füßen zu lösen. Sie warf damit.
Die Haushälterin keuchte entsetzt auf und duckte sich instinktiv. Aber ihr galten weder die Wut noch der geworfene Filzpantoffel. Jener kam direkt auf Sarin Kasani zu!
Bild

Benutzeravatar
Sarin Kasani
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 27
Registriert: Mittwoch 28. August 2019, 13:54
Moderator des Spielers: Kazel
Aufenthaltsort: Stadt der Nachtelfen
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Nachtelfe
Sprachen: Herendia
Melongiar
Beruf: Runen-Schneiderin
Fähigkeiten: Runenmagie (gut)
Schneidern
Etikette
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 100F
Ausrüstung: - elegante, schlichte Gewandung
- Tasche mit Utensilien zum Schneidern
- kleiner Dolch
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 31. Mai 2020, 10:18

Mit der Pflanze der Hoffnung im Herzen schritt Sarin voran. Sie wusste, sie würde ihre alte Freundin noch einmal sehen, bevor sie ging...
...bevor ich gehe... nicht bevor man mich fort schleift in die Fremde!... Es ist eine Frage der Betrachtung, der Sichtweise! Und ICH entscheide, wie ich es sehen möchte!
Die Straßen der Stadt waren ihr so vertraut wie manches Gesicht was sie nickend grüßte. Hier ein freundlicher Händler, da eine alte Elfe die immer grimmig drein schauend auf ihrer Fensterbank lehnte. Sie war hier eine von vielen und fügte sich ins Bild, tauchte in der Menge unter. Sie liebte ihre Heimat.
Bald traf sie bei Meister Londro ein, bzw. bei seinem Gehilfen, der ihr die schlechte Nachricht über seine Verletzung übermittelte.
„Dann richtet ihm bitte meine besten Wünsche zur Genesung aus und ich werde mich später mit ihm in Verbindung setzen.“
Hier kam sie nicht weiter, also nahm sie einen anderen „Faden“ auf, der heute Abend ihr Schicksalsweg weben würde: Der Besuch ihrer Familie!

Das Gesicht der Dienerin war neu und ihre Kleidung derangiert.
"Der Hausherr ist ... beschäftigt"
, erklärte die Haushälterin etwas kurzatmig und strich sich endlich die Strähnen zurück unter ihre Haube. Danach fummelte sie etwas unstets am Saum ihrer Schürze herum. Sie wagte keinen Blick in Sarins Gesicht.
"Wenn Ihr möchtet, führe ich Euch zu Eurer Tante, der Fürstin Kasani."
Sarin nickte. Die Dienerin machte einen Knicks, um dann die Haustür hinter ihr zu schließen. Als sie sich wieder umdrehte machte Sarin sie mit einem Fingerzeig auf ihren verrutschten Kragen aufmerksam. In vielen Häusern gab es empfindliche Strafen für solch liederliches Auftreten, da die Angestellten den guten Ruf des Hauses wieder spiegelten. Sarin hatte plötzlich ein komsiches Gefühl im Magen.
Wenn es den Dienern nicht gut geht, geht es auch dem Haus nicht gut.... Ich war wohl sehr lange nicht hier? Ob Tante Neefri hier alles im Griff hat?
Weiter dachte sie aber nicht über den allgemeinen Zustand ihres einstigen Zuhauses nach, das sich eigentlich garnicht wirklich mehr danach anfühlte.
...Zuhause...
Sarin betrachtete die vertrauten großen und kleinen Dinge und ihre Gedanken wanderten kurz zurück in eine längst verblasste Vergangenheit.

Sarin saß unter dem Tisch in der großen Eingangshalle und hielt sich den Mund zu.
"Liebling, hast du unsere Tochter gesehen?"
Die Stimme ihrer Mutter trug ein unterdrücktes Lachen mit sich. Ihre schlanken Fesseln schritten suchend an Sarins Versteck vorbei und drehten sich im Kreis. Der Rocksaum bauschte sich um ihren langen Beine und jeder Schitt war leicht, wie von einer Tänzerin...

Doch weiter kamen ihre Gedanken nicht, denn bereits auf dem Weg zum Korridor, der in den Westflügel des Anwesens führen sollte, wurden beide aufgehalten. Ein Aufschrei zog alle Aufmerksamkeit auf sich. Das Hausmädchen zuckte erschrocken zusammen, entschuldigte sich und machte sich ganz klein. Sie hatte die Wut in der Stimme ebenso wahrgenommen wie Sarin es konnte. Und die Schneiderin erkannte die Stimme, auch wenn sie etwas schriller war als sonst.
"DU!"
Mit Überschwang und nur in reichliche Schichten weißer und grauer Unterkleidung gehüllt, stand Lucil Kasani am oberen Treppengeländer. Wut brannte in ihren Augen und war nicht einmal durch die Tränen zu löschen, die ihr plötzlich die Wangen herabliefen.
"Wie konntest du nur?!"
, schrie sie Sarin und dem Hausmädchen entgegen. Letzteres verbarg das Gesicht in den Händen, verbeugte sich immer wieder in Schuldbewusstsein und konnte das Schluchzen kaum verbergen. Lucil hingegen raffte ihre Unterkleider, um hastig die Stufen zu nehmen. Es dauerte nur wenige Herzschläge, bis sie am Fuß der Treppe angekommen war und noch weniger, um einen ihrer Hausschuhe von den Füßen zu lösen. Sie warf damit. Die Haushälterin keuchte entsetzt auf und duckte sich instinktiv. Aber ihr galten weder die Wut noch der geworfene Filzpantoffel. Jener kam direkt auf Sarin Kasani zu, die das Geschoss verletzer Eitelkeit geübt aus der Luft pflückte und unter ihrem Arm verstaute. Sarin kannte ihre Cousine schon zu lange und zu gut um nicht schön öfter Opfer ihrer Ausbrüche gewesen zu sein. Ihr Themperament war unbeschreiblich und Sarins Reflexe schnell und ihr Geist wach. Sie fühlte sich abermals an ihre Kindheit erinnert, als Lucil zu Besuch war und sie sich gerauft hatten wie kleine Jungen.
"Guten Abend, teure Base. ...und *wie konnte ich* was?"
, fragte sie nach um den genauen Grund von Lucils Ausraster zu erfahren. Gründe gab es wahrlich viele über die sich die Verwandte aufregen konnte. Von Kleinigkeiten, wie eine geplazte Naht, bis hin zu einer Hochzeit mit einem Dunkelelfen, die nicht nun wahrlich nicht Sarins Idee gewesen war! Mit möglichst neutraler Miene sah sie ihre Cousine an und wartete ruhig, bis der Sturm über sie hinweg gefegt wäre. Sie machte sich schnon mal auf die Brandungswelle gefasst und hoffte nur, dass Lucil wenigstens nicht handgreiflich werden würde. Wenigstens davor musste sie sich schützen und ggf mit harschen Worten und einer gezielten Warnungen.
Lucil ist nicht dumm. Sie ist nur unbeherrscht und impulsiv. ...
, nahm sie ihre Verwandte schon fast gedanklich in Schutz.
Sie schlägt nicht die Verlobte des Botschafters von Morgeria! ...Wie sich das anhört... Hihi
Fast hätte Sarin ein bisschen irre gekichert, aber unterdrückte den Impuls im Keim, den ein Lachen wäre gerade in dieser Situation das schlimmste, was sie tun könnte. Also wartete sie still auf die Vorwürfe, den Hass, die Schimpftirade, oder was auch immer Lucil über sie ausgießen wollte. Sie konnte es ertragen.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4415
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Erzähler » Samstag 20. Juni 2020, 10:48

Wäre die Dienerin an Sarins Stelle gewesen, der Schuh hätte sie definitiv erwischt. Aber es handelte sich nicht um das erste Mal, dass ihre Base etwas nach ihr warf. Sarin kannte Lucils Gefühlsausbrüche, war sie gewohnt. So geschah die Bewegung beinahe schon aus Reflex, die sie dazu befähigte, den geworfenen Schuh im Flug noch zu fangen. Sofort fühlte sie die Nähe des gestärkten Stoffpantoffels, konnte mit dem Finger über die verarbeiteten Stellen fahren, die die einzelnen Anteile miteinander verbanden. Sarin mochte keine Schusterin sein, aber als Schneiderin konnte auch sie die harte Arbeit erkennen, ohne hinschauen zu müssen. Und Lucil hatte ein so hochwertiges und kostbares Stück einfach von sich geschleudert! Doch weder die unachtsame Handhabung kostbaren Schuhwerks noch die Tatsache, dass sie der Pantoffel auch hätte am Kopf treffen können, brachten sie aus der Ruhe. Sarin hakte stattdessen nach. Sie wollte schließlich den Grund kennen, der Anlass für den Angriff gab.
Ihre Cousine hingegen konnte sich kein bisschen beruhigen. Nach wie vor rannen ihr dicke Tränen die Wangen herab. Es schenkte ihr aber auf bizarre Weise auch eine ganz eigene Schönheit, die all der Prunk des Hauses Kasani nicht ausstrahlen konnte. Durch die viele Flüssigkeit in ihren Augen schimmerten Lucils Iriden wie Edelsteine - hell und facettenreich. Sie drohten zu zerspringen, als Lucil endlich ihre Stimme erhob. Schrill überschlug sich diese mit jeder weiteren Silbe, dass sie zeitweise quietschig über ihre Lippen kam, zwischendurch aber auch mit einem kratzigen Brechen dafür sorgte, dass sich die Worte in den Gehörgang schabten.
"Stell dich nicht dumm, Cousine! Nach einem Abend, von dem jede junge Frau am Hofe nur träumen kann - und den du erlebt hast! - fragst du allen Ernstes, was mich so in Rage versetzt? Allen Ernstes?!" Sie schlug mit ihrer Hand auf den dicken Knauf am Pfosten des unteren Treppengeländers. Der Schlag hallte dumpf zwischen ihren Schluchzern auf. Sie verletzte sich selbst. Das würde garantiert eine blaue Handkante, vielleicht sogar einen verstauchten Finger geben. Lucil kümmerte es nicht. Sie schöpfte Energie und Ignoranz für ihren pyhsischen Zustand aus der Wut, die in ihr brodelte. "Du bist eine hinterhältige Schlange! Du wusstest, mit welchem Kleid du den Exotenprinzen in deinen Bann würdest schlagen können. Deshalb hast du meinen Freundinnen und mir auch nur so minderwertigen Schund angedreht. Er hat nicht einmal zu mir herüber gesehen, weil ich noch hässlicher als ein Mauerpilz war!" Sie begann ungehalten loszuheulen und auch die kaum vernehmbaren Versuche der Dienerin halfen nicht im geringsten, sie zu beruhigen. Deshalb machte sich das Hausmädchen auch sehr schnell aus dem Staub. Flüchtete sie? Jedenfalls schlug sie nicht die Richtung zu Sarins Tante ein, zu der sie den Gast ursprünglich hatte führen wollen. Nein, sie lief in einen ganz anderen Flügel des Hauses davon. Sie entkam Lucils Ausbruch. Sarin konnte das nicht, im Gegenteil. Wo der Pantoffel nicht geholfen hatte, da sollte es nun die bereits leicht angeschwollene Hand tun. Lucil versuchte, auf ihre Cousine einzuprügeln - natürlich halbwegs sittsam, wie man es ihr beigegbracht hatte. Eine noble junge Dame schlug nicht mit bloßer Faust zu. Wenn es zum Äußersten kam, verpasste sie ihrem unliebsamen Gegenüber eine Ohrfeige mit der flachen Hand. Das versuchte Lucil nun, obgleich ihre Treffsicherheit durch die Tränen und ihren Geisteszustand getrübt war. Würde sie allerdings treffen, säße die Ohrfeige, denn sie legte viel Kraft in den Hieb.
"Ich wollte ihn verführen! Er ist eine gute Partie und die Handelsbeziehungen, die zwischen dem Reich der Nachtelfen und Morgeria möglich gewesen wären ... unser Haus hätte Geschichte schreiben können. Durch mich! Aber du musstest dazwischenfunken. Ha! Als hättest du wirklich eine Chance! Wir wissen alle, dass es niemals zu einer Ehe kommen wird. Dein verfluchtes Kleid - die verfluchte Braut Sarin Kasani - wird es verhindern! Du hast alles ruiniert!"
Bild

Benutzeravatar
Sarin Kasani
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 27
Registriert: Mittwoch 28. August 2019, 13:54
Moderator des Spielers: Kazel
Aufenthaltsort: Stadt der Nachtelfen
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Nachtelfe
Sprachen: Herendia
Melongiar
Beruf: Runen-Schneiderin
Fähigkeiten: Runenmagie (gut)
Schneidern
Etikette
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 100F
Ausrüstung: - elegante, schlichte Gewandung
- Tasche mit Utensilien zum Schneidern
- kleiner Dolch
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Sarin Kasani » Sonntag 21. Juni 2020, 11:20

Es kam wie es kommen musste.
"Stell dich nicht dumm, Cousine! Nach einem Abend, von dem jede junge Frau am Hofe nur träumen kann - und den du erlebt hast! - fragst du allen Ernstes, was mich so in Rage versetzt? Allen Ernstes?!"
Sie schlug mit ihrer Hand auf den dicken Knauf am Pfosten des unteren Treppengeländers und verletzte sich selbst. Lucil heizte damit ihre Wut nur noch mehr an und Sarin ahnte schon, dass nun Vorwürde und jede Menge Beleidigungen über sie einbrechen würden.
"Du bist eine hinterhältige Schlange! Du wusstest, mit welchem Kleid du den Exotenprinzen in deinen Bann würdest schlagen können. Deshalb hast du meinen Freundinnen und mir auch nur so minderwertigen Schund angedreht. Er hat nicht einmal zu mir herüber gesehen, weil ich noch hässlicher als ein Mauerpilz war!"
Lucil begann loszuheulen, die Dienerin flüchtete und Sarin stand einmal mehr vor ihrer Cousine, die zur Ohrfeige ausholte. Das versuchte Lucil nun, obgleich ihre Treffsicherheit durch die Tränen und ihren Geisteszustand getrübt war. Innerlich erwartete Sarin schon den Schlag, das Brennen auf ihrer Wange und wie in Zeitraffer spulten sich Erinnerungen vor ihrem Auge ab, in denen Lucil sie schon so oft traktiert hatte. Damals waren sie noch kleiner gewesen, dann hatte Sarin das Haus verlassen und die Gemeinheiten hatten sich verlagert, aber noch immer steckte irgendwo in ihr das kleine geprügelte Mädchen. Für einen Sekunden Bruchteil gab es für Sarin zwei Möglichkeiten zu reagieren:
In der ersten blieb sie still stehen, nahm die Ohrfeige und empfing den Schmerz wie einen alten Bekannte. Dann würde sie ihrer Cousine kalt in die Augen sehen um ihr die Folgen ihres Handelns unter die Nase zu reiben in dem sie ihr zuraunen würde:
Was meinst du, was der dunkle Prinz, Dhansiar, Erbe von Fürst Raikhyn von Blutsdorn mit dir macht, wenn er erfährt, dass du seine Verlobte schlägst?! ...oder noch schlimmer... sein VATER!
Aber genau dieser Gedanke, ließ sie im letzten Moment, den Arm hoch reißen um ihr Gesicht zu schützen. Auch wenn Lucil manchmal ein verwöhntes Miststück war, so hatte sie doch nicht den Tod verdient...oder schlimmeres. Allein in Sarins Phantasie reichte aus um es ihr kalt den Rücken hinunter laufen zu lassen.
Nein...
Sie würde ihre Familie schützen - auch vor sich selbst! Sarins latent vorhandene Rachegelüste verpufften vor ihrer Sorge. Und eigentlich war Lucil ein fast bemitleidenswertes Wesen in Sarins Augen. Ihre Cousine hatte nie gelernt für sich selbst einzustehen, sich selbst zu versorgen, oder auch nur selbstständig zu denken. Sie war ganz Tochter und folgte den Zielen die man ihr eingegeben hatte. Ihr verletze Ego, das Leid, das sie empfand war verwoben mit dem Frust einer Niederlage in einem Kampf, den sie nie hatte gewinnen können. Und wenn sie gewusst hätte, worum es ging, hätte sie ihn vielleicht auch nicht gewinnen wollen. Oder doch? Kurz huschte ein Gedanke durch Sarins überreiztest Hirn:
...und wenn sie doch unbedingt meinen Platz einnehmen will...
Dann verlor sich die Idee aber sofort wieder in dem eintreffenden Schmerz an ihrem Arm. Der Schlag hatte gesessen und sie würde sicher einen blauen Fleck bekommen. Nichts was sie nicht kannte. Lucil hatte viel Kraft in den Hieb gelegt und taumelte leicht, was Sarin veranlasste ihre Cousine an den Handgelenken zu fassen und fest zu halten. Einerseits, damit sie sie nicht mehr schlug, andererseits um ihr Trost zu spenden... denn sie war ihre Familie. Durch den Tränenvorhang wimmerte Lucil weiter:
"Ich wollte ihn verführen! Er ist eine gute Partie und die Handelsbeziehungen, die zwischen dem Reich der Nachtelfen und Morgeria möglich gewesen wären ... unser Haus hätte Geschichte schreiben können. Durch mich! Aber du musstest dazwischenfunken. Ha! Als hättest du wirklich eine Chance! Wir wissen alle, dass es niemals zu einer Ehe kommen wird. Dein verfluchtes Kleid - die verfluchte Braut Sarin Kasani - wird es verhindern! Du hast alles ruiniert!"
Sollte sie sich doch ausweinen und sie beschimpfen. Es war beschlossene Sache und weder Sarin noch viel weniger Lucils Unmut darüber würden daran etwas ändern. Das einzige was Sarin unter weiteten Beschimpfungen und Prügelversuchen leise erwiderte, war:
„... du liegst in so vielem ...so falsch...“
Da es aber nicht Lucils Art war sich einfach zu beruhigen, so zehrten ihre Angriffe auch an Sarins Nerven. Sie ließ viel über sich ergehen aber es war einfach so vieles so falsch, was Lucil ihr anlastete. Irgendwann nutze sie einen weiteren Angriff, den Schwung und das Gewicht ihrer Cousine, ließ los und ließ Luci an sich vorbei ins Leere treten. Dabei achtete sie sogar darauf, dass nichts in der nähe war, woran sie sich vielleicht sogar hätte stoßen können. Ihre Stimme war nur ein wenig mehr erhoben als sonst und nur ein Hauch von Ärger klag in den wenigen Worten mit, bevor Sarin sich wieder fasste:
„DAS ALLES ...war … nicht meine Idee!“
Sarin machte zwei Schritte weg von ihrer Cousine und gab ihr damit den Raum, vielleicht endlich mal nachzudenken. Sie musste selbst erst ein zwei mal durchatmen, denn der emotionale Kampf mit ihrer Verwandten hatte auch sie in Aufruhr gebracht. Auch wenn sie versuchte Lucil mit den Augen der Liebe zu sehen, so war sie zuweilen doch recht anstrengend. Und dass sie wieder einmal ihren Fluch erwähnt hatte, ihr ihr Leid unter die Nase rieb, das machte es auch nicht besser. Ganz im Gegenteil, es zehrte von Sarins Selbstwertgefühl und ließ sie innerlich zusammen schrumpfen. Wäre sie nicht kurz zuvor von ihrer Spinnenfreundin aufgebaut worden, so wäre sie jetzt vielleicht daran zerbrochen.
Ich hab ja gewusst, dass es schwer werden würde... Aber das es so schlimm...
Mit einem Gemisch aus Wut und Trauer sah sie Lucil an.
„Ich geh jetzt auf mein Zimmer! Ich habe einige Dinge zu erledigen... Wenn du dich beruhigt hast und Onkel Jafar und Tante Neefri Zeit haben, dann erzähl ich euch allen gern, was **wirklich** passiert ist.“
Méntara hatte sie ja in keinster Weise zur Verschwiegenheit verpflichtet. Großartig herum erzählen würde Sarin es ohnehin nicht. Sie stand nicht gern im Rampenlicht, aber das hier, das war ihre Familie... der Rest davon.
Ach Mama, jetzt könnte ich wirklich deine Unterstützung gebrauchen...
Der Gedanke schmerzte fast noch mehr als alles andere, also verdrängte Sarin schnell wieder die hoch wallende Einsamkeit, die Sehnsucht nach einer liebenden Umarmung und versuchte sich an den Faden der Hoffnung zu klammern, der sie aus diesem Leben unter Lucils kalten Augen heraus führen sollte. Sie drehte sich um und eilte die Treppe hinauf. Dabei rief sie noch Lucil zu:
„...und lass nach deiner Hand sehen.“
Damit verschwand sie aus Lucils Sichtfeld, bog in den Gang zu ihrem meist verwaisten Zimmer ein und schloss dann bald die Tür hinter sich.

Einen Moment stand sie einfach nur schwer atmend im Raum und starrte auf ihr Bett. Zu gern hätte sie sich einfach wie einst als kleines Mädchen darauf geworfen und hemmungslos geweint. Ein kleiner Teil in ihr, das Kind in ihrer Seele, das hätte sich am liebsten unterm Bett verkrochen, aber die erwachsene Sarin wusste, dass sehr bald irgendjemand aus der Familie erscheinen würde und dann würde ein schreckliches Gespräch folgen. Sie musste sich dem stellen, also würde sie gepflegt und nicht mit verheulten Augen vor ihrer Familie erscheinen. Dieser ganze Zwist, der ständige Kampf gegen Lucils übergroßes Ego, die Kälte die mit dem Tod ihrer Eltern in dieses Haus eingezogen war, das alles würde sie definitiv NICHT vermissen.
Es ist eine Veränderung... und .. es könnte auch einiges sich zum Guten wenden...
Dieser Gedanke war besser und der silbrige Schicksalsfaden der Hoffnung gewann wieder an Stärke. Sarin schüttelte sich, rieb sich einmal die schmerzende Stelle am Arm und straffte dann die Schultern. Nachdenklich ging sie durchs Zimmer und überlegte, was sie von ihren Habseligkeiten mitnehmen wollte.
Es gab da einige Stücke die ihrer Mutter gehört hatten, Schmuck... ein paar Ohrringe, mit denen sie als Kind immer gespielt hatte. Sie klimperten so schön, ganz leise... und ein ein paar Kleider, die sie nie hatte weg geben können. Auch Bücher die ihr Vater ihr geschenkt hatte, aber genauso wie die Erinnerungen an ihre Eltern waren die Seiten schon sehr verblasst und sie gestand sich schweren Herzens ein, dass sie schon lange nicht mehr ihre wahren Gesichter im Kopf hatte. Es war mehr die Vorstellungen von ihnen. Da waren aber noch andere Erinnerungen, wie an ein Parfum, das ihre Mutter immer getragen hatte. Ilana hatte als Hohepriesterin Manthalas eine Schwäche für schwarze Rosen gehabt. Ihr Duft war schwer und sinnlich. Einen kleinen Flakon besaß Sarin davon noch und hütete ihn wie einen Schatz.
Sarins Vater, der Nachtfürst, war immer eine Person gewesen, zu der sie aufgeschaut hatte und an dessen Arme sie sich noch erinnern konnte – die Arme eines Vaters, die sich zu ihr streckten und sie aus einer Felsspalte heraus an seine warme Brust zogen. Seine raue brummende Stimme war ein ferner Nachhall in ihrem Herzen. Von ihm besaß sie noch ein Hemd und eine Pfeife. Manchmal hatte sie selbst darüber nachgedacht mit dem Rauchen anzufangen, aber es dann doch nur einmal versucht und als ekelig abgetan. Trotzdem waren diese wenigen Dinge ihr wichtiger als alles andere. Also wickelte sie den Schmuck, den Flakon und die Pfeife in das Hemd und verbarg alles ganz unten in einer Tasche. Darauf kamen dann erst einmal ein Satz Kleidung zum Wechseln, denn in nächster Zeit würde sie wahrscheinlich viel zu organisieren haben. So wuselte sie in ihrem Zimmer herum, packte ihre liebsten Dinge in eine Truhe die sie vor hatte mitzunehmen, lief umher, machte sich frisch und bürstete sich die Haare, räumte weiter, bis wohl jemand kommen würde um sie zu holen.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4415
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Erzähler » Freitag 3. Juli 2020, 12:24

Zum Glück erhob Sarin ihre Stimme. Denn wo sie nur verbal gegen ihre Base vorging, so versuchte Lucil nun, eine der auf den nahen Podesten stehenden Prunkvasen zu schnappen. Beinahe hätte sie diese wirklich nach Sarin geworfen. Sie hielt das kostbare Porzellan schon über ihren Kopf erhoben. Aber Lucil verharrte in der Position, ehe sie die Vase mit grobmotorischen, wackligen Bewegungen rechtzeitig absetzte, ehe sie ihr aus den Händen gleiten konnte. Ihre Finger und auch ihre Arme zitterten. Sie hatte sich so sehr in ihre Frustration gesteigert, dass ihr alle Kräfte entschwunden waren. Ihr ganzer Leib bebte und weitere, dicke Tränen rannen über ihr Gesicht. Entgegen aller Eleganz zog sie mit einem gedehnten Schniefen die Nase hoch. Dann aber reckte sie ihr Kinn. Sie wollte selbst jetzt noch, in dieser Position, selbstsicher wirken. Es gelang ihr nicht. Ihre Stimme sprang ihr viel zu spröde, viel zu leise, über die Lippen. Auch hier war jegliche Kraft entwichen.
"Geh nur. Ja, geh! Und lass dich nie wieder blicken, du elende Verräterin. Werde glücklich mit der schönsten schwarzen Rose in Manthalas exotischem Garten. Geh und heirate den Prinzen meiner Träume. Hau ab!" Mit ihrem letzten verzweifelten Ausruf schickte sie Sarin die Stufen empor, während Lucil am Fuß der Treppe in sich zusammensank und bitterlich schluchzte. Sarin aber konnte sich das Bild nicht länger geben. Sie musste an sich denken. Sie musste sich mental rüsten, denn auch mit Onkel und Tante würde sie noch ein Gespräch führen müssen. Vorerst aber brauchte sie Luft und etwas Raum. Ihr Raum. Sie kannte den Weg, brauchte keine Haushälterin, die sie anwies. Schnell fand sie die verhältnismäßig kleine und eher schlichte Kammer.
Dort fand sie etwas Ruhe und Zeit. Gerade genug, um einige Sachen zusammenzupacken. Alles wurde nach und nach, aber mit organisatorischer Ordnung auf dem Wett ausgebreitet. Die wichtigsten Erinnerungsstücke, die sie unbedingt sofort mitnehmen wollte, landeten in einer Umhängetasche aus geschmeidigem Leder, deren gefüttertes Inneres selbst Glas gut schützen würde. Alles andere - dicke Kleidung, klobige Bücher und einfach Dinge, die zu schwer waren - blieben gut sortiert als Stapel auf dem Bett liegen.
Gerade, als Sarin einige Schachtel und Kisten zusammengeklaubt hatte, um ihre Habseligkeiten darin zu verstauen, klopfte es an ihrer Zimmertür. Schon am rhythmischen Klang der drei Klopfzeichen konnte die Nachtelfe ihren Onkel erkennen. Er meldet sich stets auf diese Weise, mit kräftigem Pochen, das für manchen durch Mark und Bein ging. In Sarin weckte es aber nur Erinnerungen an frühere Besuche auf ihrem Zimmer. Sie wusste, dass er sich gleich ankündigen, aber keine Antwort abwarten würde. So war ihr Onkel und auch nach all den Jahren in dieser Hinsicht mehr als berechenbar.
"Ich bin es, dein Onkel Jafar. Ich trete ein." Das war es. Eine einzige Warnung, die keine Ablehnung zuließ. Und er öffnete die Tür. Viel zu schnell, um wirklich reagieren zu können. Was nützte eine Warnung, wenn man sich nicht mehr zurecht machen konnte? Vielleicht hatte ihre Cousine deshalb noch nie größeren Erfolg bei den Männern gehabt. Sie würde es nicht wagen, unter dem Dach ihres Vaters mit einem Verehrer in ihrer Kammer zu verschwinden. So schnell könnte sich dieser gar nicht unter dem Bett verstecken! Nicht, dass es bei Lucil jemals Anzeichen für derart unzüchtiges Verhalten gegeben hätte. Aber möglicherweise resultierte der vorhin Sarin gegenüber ausgelassene Frust auch in einem Mangel an ... sexueller Freilebigkeit. Oder einfach nur der Sehnsucht nach jemanden, wie Sarin es empfand.
Onkel Jafar lenkte von jeglichen Gedanken ab, als er das Zimmer betrat - kerzengerade und gestriegelt, wie man ihn kannte. Er gab sich keine Blöße wie das neue Hausmädchen, obwohl Sarin mit einem geschulten Blick den knittrigen Kragen seines Hemdes würde erkennen können. Der Onkel sollte sich eine bessere Hauswirtschafterin zulegen. Sie machte ihre Arbeit nicht gewisenhaft genug.
Er räusperte sich, ehe die Hand sich zu ihrem Bruder in den Rücken gesellte, wo Jafar sie im Steiß faltete. Er schaute sich kurz um, ließ den Blick über Sarin und ihre teils verpackten Besitztümer schweifen. "Du bereitest bereits deine Abreise vor, Nichte. Gut, gut. Viel Zeit bleibt dir nicht mehr." Er trat an sie heran, umrundete Sarin jedoch, um sich auf den Stuhl ihres Frisiertisches zu setzen. Sarins Zimmer war im Grunde nicht dazu gedacht, Besucher zu empfangen. Entsprechend spärlich waren die Sitzmöglichkeiten, vor allem jetzt, da noch so viele Dinge auf dem Bett verteilt lagen.
Der Onkel richtete den Schlag seiner Hose, überkreuzte die Beine und faltete die Hände dann über dem oberen Knie. "Du entgehst einem Tadel, werte Nichte. Eigentlich wollte ich dich aufsuchen, um dir eine Predigt zu halten. Denn auch ich war zunächst schwer enttäuscht von deinem Handeln, einem ausländischen Prinzen derart den Kopf zu verdrehen. Wir wissen schließlich alle um dein Schicksal und dass der Wunsch nach einer Ehe bei dir vordergründig zu einer ... nun ... Katastrophe führt. Meine Tochter Lucil hingegen wartet nur darauf, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Bei einem Dunkelelfen als Ehepartner hätte sie das tun können, auch wenn ihre Nachkommenschaft in den Augen der Morgerianer wohl als schändliche Mischlingsbrut durchginge. Zumindest in diesem Punkt solltest auch du dir im Klaren sein, dass Mischlingskinder bei Dunkelelfen kein Grund zur Freude sind. Deine Söhne und Töchter werden es schwer haben." Er räusperte sich wieder und konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen, selbst wenn er versuchte, ihn hinter gehobener Hand zu verbergen. "Nicht, dass ich überhaupt mit Nachkommenschaft rechne. Erst einmal muss eine Ehe gelingen..." Dann ein deutlich lauteres Räuspern. Onkel Jafar war nicht hier, um sich mit Sarin über noch nicht vorhandene Erben zu unterhalten. So weit dachte er nur bedingt. Ihre geplante Ehe stand nun im Vordergrund und er griff den Faden wieder auf: "Wie gesagt, zunächst war auch bei mir die Enttäuschung groß. Ja, sogar Furcht drängte sich an die Oberfläche. Was für ein Skandal würde es für das Haus Kasani bedeuten, wenn meine Nichte am Altar erneut eine Ehe ruiniert und noch dazu mit den dunkelelfischen Verwandten?! Du verstehst, warum auch ich mir eine andere Konstellation gewünscht hätte. Eine, in der meine Nicht im Glanz dieser Verbindung als Braut erblüht und unserem Namen Ehre macht. Aber ich bin nicht so impulsiv wie Lucil. Ich habe nachgedacht und glaube inzwischen, dass die Situation für dich nicht besser laufen könnte. Für uns! Denn seien wir ehrlich: Selbst als Schneiderin im Palast hast du dich noch lange nicht gut genug hervorgetan, als dass ich wirklich stolz auf dich sein könnte. Du hättest stärkere Verbindungen eingehen und das Haus Kasani bereits weiter an die Spitze treiben können. Die Stadtherrin sieht unsere Familie immer noch nur als eine von vielen. Kurzum, im Reich der Nachtelfen hast du noch nichts für das Haus Kasani beigetragen. Aber ich sehe die Chance, die du dir an der Oberfläche erhoffst. Morgeria, das klingt nach Möglichkeiten! Sei versichert, dass meine Erwartungen hoch sind. Eine reibungslose Hochzeit genügt nicht. Sieh zu, dass du endlich einen Nutzen für unser Haus hast. Mach uns in Morgeria bekannt. Mach unseren Namen groß. Gebäre diesem Prinzen so viele Kinder, wie es benötigt, um den Namen Kasani zu einem der bekanntesten bei den Dunkelelfen zu machen. Ich erwarte, dass es dir gelingt. Andernfalls, und das sollte dir von der ersten Sekunde klar sein, brauchst du nicht damit zu rechnen, in der Heimat jemals wieder Willkommen zu sein, werte Nichte."
Die Ruhe, mit der ihr Onkel eine Verbannung im Fall ihres Scheiterns aussprach, machte das Ganze beinahe noch erschreckender.
Bild

Benutzeravatar
Sarin Kasani
Spieler-Charakter
Spieler-Charakter
Beiträge: 27
Registriert: Mittwoch 28. August 2019, 13:54
Moderator des Spielers: Kazel
Aufenthaltsort: Stadt der Nachtelfen
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Nachtelfe
Sprachen: Herendia
Melongiar
Beruf: Runen-Schneiderin
Fähigkeiten: Runenmagie (gut)
Schneidern
Etikette
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 100F
Ausrüstung: - elegante, schlichte Gewandung
- Tasche mit Utensilien zum Schneidern
- kleiner Dolch
Zum Vorzeigen: [br][/br]

Re: Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Sarin Kasani » Mittwoch 8. Juli 2020, 21:17

Jafar, ihr stets unterkühlter Onkel, schaute sich kurz um als er ihr Zimmer betrat, ließ den Blick über Sarin und ihre teils verpackten Besitztümer schweifen.
"Du bereitest bereits deine Abreise vor, Nichte. Gut, gut. Viel Zeit bleibt dir nicht mehr."
Für einen winzigen Moment stutzte Sarin. Hatten sich die Gerüchte so schnell herum gesprochen, dass sie nur eine Woche Vorbereitungszeit hatte, das die dunkle Delegation aus Morgeria bald wieder abreisen würde, oder … warum sprach ihr Onkel davon, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb? Ein kalter Huch rann ihr den Rücken hinunter, gleich einer Ahnung, die sie aber sogleich unterdrückte und ihre Konzentration ganz auf Jafar richtete. Er trat an sie heran und seine Nähe machte sie heute ungewöhnlich nervös. Er umrundete Sarin jedoch, um sich auf den Stuhl ihres Frisiertisches zu setzen.
"Du entgehst einem Tadel, werte Nichte. Eigentlich wollte ich dich aufsuchen, um dir eine Predigt zu halten. Denn auch ich war zunächst schwer enttäuscht von deinem Handeln, einem ausländischen Prinzen derart den Kopf zu verdrehen...“
Warum soll eigentlich ich an allem Schuld sein? ER hat sich mich doch ausgesucht. Als wenn ich wirklich was dafür könnte! Ich wurde von Mentára dafür wie eine Schachfigur auf das Feld gesetzt.
, dachte Sarin grummelig in sich hinein, hörte jedoch weiter aufmerksam zu. Es schickte sich nicht seinen Onkel zu unterbrechen, auch wenn sie für einen winzigen Moment gern aufbegehrt hätte. Der Besuch bei ihrer Spinnenfreundin hatte doch noch etwas Mut in ihr zurückgelassen.
„... Wir wissen schließlich alle um dein Schicksal und dass der Wunsch nach einer Ehe bei dir vordergründig zu einer ... nun ... Katastrophe führt...“
Autsch!
Dahin war der Mut.
...dass du mich immer wieder daran erinnern musst! … Aber … du hast ja … vermutlich Recht...
Sarins Selbstbewusstsein war schon immer eine gute Angriffsstelle für ihn gewesen und zerbröselte unter seinem kalten Blick. Seine Worte schmerzten und Sarin schlug nur brav die Augen nieder. Dieser Mann hatte sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgezogen. Sie gehorchte ihm allein deswegen schon aus Prinzip und weil sie es nicht anders gelernt hatte. Sie war es ihm schuldig...
Trotzdem tat die Erinnerung weh und seine Worte waren wie Salz in einer Wunde. Es tat weh und sie sehnte sich nach etwas Zuspruch, den sie aber von Jafar sicher nicht zu erwarten hatte. Ihr Onkel hatte ja vermutlich Recht. Das alles barg zumindest eine große Chance im absoluten Chaos zu enden. Doch Sarin war nun mal ein feinsinniges Wesen, dass nicht nur an sich selbst dachte. Allein ihre Cousine so leidend, so verletzt zu sehen, hatte ihr keine Freude bereitet.
Wäre es vielleicht doch eine gute Idee einen offiziell Brauttausch von Onkel vorschlagen zu lassen? Wenn Prinz Dhansiar von meinem Fluch erfährt, WILL er mich bestimmt ohnehin nicht mehr...
„... Meine Tochter Lucil hingegen wartet nur darauf, ihr volles Potenzial auszuschöpfen...“
Das würde sie nur zu gern!
„... Bei einem Dunkelelfen als Ehepartner hätte sie das tun können, auch wenn ihre Nachkommenschaft in den Augen der Morgerianer wohl als schändliche Mischlingsbrut durch ginge. Zumindest in diesem Punkt solltest auch du dir im Klaren sein, dass Mischlingskinder bei Dunkelelfen kein Grund zur Freude sind. Deine Söhne und Töchter werden es schwer haben."
Und mein erstes Kind wird hier her zurück geschickt werden... Ein Spross eines Bündnisses zwischen Morgeria und den Nachtelfen, von der Stadtherrin befohlen und hoch angesehen, ein Spross erster Linie des Blutes Kasani...
Er räusperte sich wieder, unterbrach Sarins Gedanken, die sonst vielleicht auch bewusst darauf gekommen wäre, dass ein Kind von ihr der **rechtmäßige** „Thronfolger“ ihrer Familie werden würde. So blieb es ein unvollendeter Gedanke.
"Nicht, dass ich überhaupt mit Nachkommenschaft rechne. Erst einmal muss eine Ehe gelingen..."
Nicht einmal …
… die Fähigkeit ein Kind zu gebären sprach er ihr zu. Eine Art Nulllinie hatte sich bei seinen letzten Worten in ihrem Kopf gebildet und löschte alles andere aus.

Dann ein deutlich lauteres Räuspern von ihm und sie kehrte zurück in diese grausame Welt.
"Wie gesagt, zunächst war auch bei mir die Enttäuschung groß. Ja, sogar Furcht drängte sich an die Oberfläche...“
..zunächst...? Jetzt nicht mehr?
Doch dann fuhr Jafar fort und zerpflückte mit jedem neuen Satz den letzten Rest von Sarins Selbstbewusstsein:
„... Was für ein Skandal würde es für das Haus Kasani bedeuten, wenn meine Nichte am Altar erneut eine Ehe ruiniert und noch dazu mit den dunkelelfischen Verwandten?! …“
Das Bild, dass er in ihrem Kopf mahlte war von Blut unterlaufen und tränkte erneut ihr Brautkleid. Wieder und wieder.
„Du verstehst, warum auch ich mir eine andere Konstellation gewünscht hätte. Eine, in der meine Nichte im Glanz dieser Verbindung als Braut erblüht und unserem Namen Ehre macht. Aber ich bin nicht so impulsiv wie Lucil. Ich habe nachgedacht und glaube inzwischen, dass die Situation für dich nicht besser laufen könnte. Für uns!“
Wovon spricht er?
„Denn seien wir ehrlich: Selbst als Schneiderin im Palast hast du dich noch lange nicht gut genug hervorgetan, als dass ich wirklich stolz auf dich sein könnte. Du hättest stärkere Verbindungen eingehen und das Haus Kasani bereits weiter an die Spitze treiben können. Die Stadtherrin sieht unsere Familie immer noch nur als eine von vielen. Kurzum, im Reich der Nachtelfen hast du noch nichts für das Haus Kasani beigetragen.“
Ich weis, ...ich bin völlig nutzlos für dich.
„Aber ich sehe die Chance, die du dir an der Oberfläche erhoffst.“
Tu ich das?
Sarin blinzelte etwas irritiert.
Er glaubt also auch, dass das alles meine Idee war?
Für einen Bruchteil eines Atemzugs zweifelte sie an der Intelligenz ihres Onkels. Das Lucil ihr die Schuld gab war klar gewesen, aber ihr Onkel ahnte nichts von den Fäden die da im Hintergrund gezogen wurden? Doch er sprach weiter:
„... Morgeria, das klingt nach Möglichkeiten! Sei versichert, dass meine Erwartungen hoch sind. Eine reibungslose Hochzeit genügt nicht. Sieh zu, dass du endlich einen Nutzen für unser Haus hast. Mach uns in Morgeria bekannt. Mach unseren Namen groß. Gebäre diesem Prinzen so viele Kinder, wie es benötigt, um den Namen Kasani zu einem der bekanntesten bei den Dunkelelfen zu machen. Ich erwarte, dass es dir gelingt. Andernfalls, und das sollte dir von der ersten Sekunde klar sein, brauchst du nicht damit zu rechnen, in der Heimat jemals wieder Willkommen zu sein, werte Nichte."
Die Ruhe, mit der ihr Onkel eine Verbannung im Fall ihres Scheiterns aussprach, machte das Ganze beinahe noch erschreckender und eisige Kälte hatte sich in Sarins Knochen ausgebreitet.
Das bin ich also für dich... ein Brutnest der Familie... , sofern die Hochzeit überhaupt gelingt.
Sarin schluckte trocken. Eine leichte Übelkeit hatte sie erfasst und schnürte ihr die Kehle zu. Ihr Geist fror und ihr Herz war von Raureif überzogen. Scharfe Kanten von gebrochenem Eis malträtierten es bei jedem Schlag. Es war eine Sache verkauft und für einen guten Zweck im Auftrag seines Landes fort geschickt zu werden, aber noch eine ganz andere, die Rückkehr verstellt zu bekommen, wenn man nicht nach ihrem Willen funktionierte. Plötzlich fühlte sich Sarin nicht nur mehr allein, sondern auch noch entwurzelt! Tränen wollten in ihr aufsteigen, aber gefroren schon auf dem Weg zu ihren starrenden Augen.
Ohne es vielleicht zu ahnen, oder vielleicht auch im vollen Bewusstsein, hatte Jafar gerade den letzten Faden Zuneigung zu ihm, bzw. zum Blut der Kasani zerstört. Sie sollte ihren Namen groß machen? Ja! Sie würde eine „Blutdorn“ werden. Plötzlich war die Aussicht diese Stadt zu verlassen garnicht mehr so schlimm. Am liebsten wäre sie sofort ohne auch nur einen Erinnerungsgegenstand hinaus gerannt, aber so waren nun mal Gefühle. Morgen würde sie vielleicht anders denken. Nur jetzt gerade hätte sie sich zu gern, schnell davon gemacht. Doch anstatt sich ihrem Onkel nun lang und breit zu erklären, gefror ihr Herz.
Soll er doch denken was er will, glauben was er will. Ich bin ihm egal. Er ist mir egal. Soll er sich mit seinen falschen Annahmen bei Méntara lächerlich machten. Oh Manthala, möge der Name Kasani mit mir verschwinden und euch werde ich vergessen!
Letzteren Teil hatte ihr Unterbewusstsein fast wie eine Anrufung formuliert. Eine alte Angewohnheit aus Kindertagen, in der sie noch eine liebende Mutter gehabt hatte. Die gut erzogene Tochter in ihr wollte aufbegehren und würde sich vielleicht auch wieder aufrappeln, aber jetzt gerade war sie verletzt, geschlagen und eben auch ein bisschen zornig. Der Keim der Hoffnung kränkelte und bekam gerade nur bitteres Wasser voller Trostlosigkeit als Nahrung. Sarins Äußeres war erstarrt. Ihre Mine zeigte keine Regung, gleich dem Herz ihres Onkels. Lange hatte sie gehofft, dass er wenigstens seinem Bruder zu liebe, sie ein bisschen mögen würde, doch seine noch blutig jung verklungenen Worte hatten sie schwer getroffen. Ein eisiger Schauer löste ihre Erstarrung und ließ sie für einen Bruchteil eines Herzschlages erzittern, dann straffte sie sofort die Schultern und machte einen kleinen Knicks... schon allein um wieder Kontrolle über ihre Muskeln zu bekommen. Dann sagte sie jenen Satz, den sie immer für solche Situationen bereit hielt und der doch mehr Floskel kaum sein konnte:
„Ich werde mein Bestes geben.“
Ihr Herz wusste, dass es gegenüber ihrem Onkel eine blanke Lüge war, denn nicht an ihn, nicht an den Namen Kasani, oder an ihre Familie würde sie sie denken wenn sie fort war. Die Worte fühlten sich jetzt schon falsch auf ihrer Zunge an und schmeckten bitter. Allein an sich selbst und ihr Überleben in der Fremde musste sie nun denken! Sie musste ihren eigenen Weg finden. Egal unter welchem Namen und die kurze kleine „Floskel“ spielte Jafar in die Hände. Sarin gab die brave Nichte, die über die Stränge geschlagen hatte, mit „ihrem“ eigenmächtigen Handeln. Mit einem gewohnt höflichen Lächeln, dass sogar die Augen erreichte ( und das verlangte ihr einiges ab ) erhob sich sich aus dem Knicks und sah ihrem Onkel in die Augen.
„Ich danke dir, werter Onkel...“
Für Klarheit und Ernüchterung.
„... für deinen Rat und deine zielführenden Worte. Das motiviert mich sehr voran zu kommen. Und leider hast du Recht. Ich habe wirklich nur noch sehr wenig Zeit meine Angelegenheiten zu ordnen, nicht das es da viel gäbe, aber ich paar Dinge müssen wahrlich vorbereitet werden für ein Leben an der Oberfläche, wenn du verstehst.“
Ich muss hier weg!
Höflich wie gewohnt knickste sie erneut und ging zur Tür um sie ihm zu öffnen.
„Du wirst mir sicher nicht weiter beim Packen zusehen wollen und hast sicher wichtige Dinge zu erledigen. Ich werde mich selbstverständlich dann noch einmal bei allen verabschieden. ...Und wer weiß, vielleicht möchte Fürst Raikhyn von Blutsdorn ja noch den Mann kennen lernen, der mich aufzog. Ich werde nachfragen, sobald ich im Palast zurück bin.“
Sie stand an der Tür und offerierte ihm die Möglichkeit sich hoheitlich zurück zu ziehen und zeigte ihm durch den kleinen Einwand, dass sie seine politischen Ambitionen unterstützen würde.
Und wenn Jafar doch noch einen Brautwechsel zustande bekommen sollte, oder er sich mit dem Vorschlag in die Nesselpilze setzt, es soll mir mich recht sein.

Hatte das Oberhaupt noch etwas zu sagen? Noch weitere Grausamkeiten bereit, die sie noch weiter von ihm fort treiben würden? Sarins Herz blutete leise und still vor sich hin. Ihr Heim, ihr Zuhause, das alles war schon lange nicht mehr existent und es schmerzte fast noch mehr, dass sie es erst jetzt begriffen hatte. Sie sah geschäftig von einem Gegenstand zum anderen um zu zeigen, dass sie wirklich noch viel zu tun hatte, würde aber ihren Onkel in aller Form verabschieden und zu allem brav nicken.
Mein Leben steht an einem Wendepunkt. Ich habe es mir nicht so gewünscht, aber es ist nun mal jetzt so. Ich werde den Schicksalsfäden folgen und tatsächlich versuchen das **Beste** daraus zu machen.
Irgendwie musste die kleine Pflanze „Hoffnung“ doch überlebt haben.

Irgendwann schloss sich die Tür hinter Jafar und Sarin atmete ein paar mal hektisch durch. Fast hätte sie hyperventiliert und wäre in Panik ausgebrochen, doch ihr Verstand verbat ihren Gefühlen solches Vorgehen. Sie rubbelte sich ein paar mal kräftig über die Arme und beeilte sich nun wirklich das Notwendigste zusammen zu packen. Sie wollte dieses Haus so schnell wie möglich verlassen und wenn möglich auch nicht mehr betreten.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4415
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Das Kasani-Anwesen

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. Juli 2020, 23:24

Sarins Weltvorstellungen wurden auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur, dass sie vor kurzem hatte erkennen müssen, dass ihre Stadtherrin, der sie all die Zeit über so treu gedient hatte, sie zum Wohle des Nachtelfenreiches an einen gänzlich Fremden verkaufte wie ein Stück Vieh, nein. Jetzt trat auch noch ihr Onkel auf den Plan und machte ihr deutlich, wie wenig Wert sie in seinen Augen besaß. Waren diese Augen in den letzten Minuten kälter geworden, gar eisig? Sie wusste es nicht, aber Jafar stellte definitiv eine gewisse Distanz her. Für ihn war der dunkelelfische Prinz als potenzieller Heiratskandidat für seine eigene Tochter verloren. Jegliche Vorteile aus Handelsbeziehungen jedoch nicht. Und auch er war mehr als bereit, Sarin dafür wie einen kleinen Bauern auf einem Schachbrett einzusetzen. Ständig wurde sie weitergeschoben, Feld um Feld. Schwarz über weiß, mit jedem Zug brachte man sie näher an de feindliche Linie. In ihrem speziellen Fall auf unbekanntes Terrain, in eine gänzlich unbekannte Welt. Und wenn man sie so schob, wurde keiner der anderen müde, sie auch noch als den Sündenbock darzustellen. Es war ihre Schuld, ihre Entscheidung, ihr Handeln, das zur derzeitigen Lage geführt haben sollte? Aber als kleine, unbedeutende Bauernfigur konnte sie doch nur geradeaus gehen. Weitergehen. Stupide nach vorn, ihrem Schicksal entgegen, was auch immer es für sie parat hielt. Einzig ihre alte Freundin hatte ihr auf diesem unglückseligen Leidensweg einen Hoffnungsschimmer gezeigt. Jeder Bauer, der sein Ziel erreichte, konnte zur Dame werden, der mächtigsten Figur auf dem Feld. Und jene Figur, die anschließend so viele Richtungsmöglichkeiten offen hatte. Sie entschied, welchen Schicksalsweg sie einschlug. Sie sponn ihr Schicksal selbst!
Onkel Jafars Worte mochten ihr Selbstbewusstsein angekratzt haben, aber sie schürten auch eine kleine Flamme in ihrem Inneren. Sarin wollte hinter sich lassen, was nun an die Oberfläche gekommen war. Viele hatten ihre Masken abgelegt und nur wenige hatten ihr gezeigt, dass sie keine trugen. Jene würde sie vermissen, aber allen anderen konnte sie nun den Rücken kehren. Sie würde sich nicht mehr von ihnen ausnutzen lassen. Wer von ihnen sollte sie denn aufhalten, wenn sie erst einmal bei ihrem Prinzen in Morgeria lebte? Vielleicht war Dhansair im richtigen Leben genauso charmant und zauberhaft wie auf der Tanzfläche? Dann stünden ihr doch bessere Zeiten bevor als sie je erwarten könnte. Ein exotischer Prinz, der ihr eine neue Welt zeigte. Eine Welt, in der sie sich möglicherweise sogar nach Belieben entfalten konnte. Wer sollte sie aufhalten?
Einige Dinge mussten noch geregelt werden. Der Abschied von ihrem Onkel zählte nun nicht mehr dazu. Er zeigte sich auch nicht mehr sonderlich redselig. Die wichtigen Dinge waren geklärt. Die verfluchte Braut sollte endlich den Fluch brechen und von Nutzen sein. Mit ein paar Floskeln auf den Lippen, die so bedeutungslos waren, dass sie nicht einmal mehr in Sarins Ohren nachhallten, verabschiedete sich der Onkel und verließ ihre Kammer. Erst beim Hinausgehen mochte Sarin auffallen, dass er sich den Kragen nochmals richtete und flüchtig einen rosigen Fleck mit dem Daumen zerrieb. War das Blut? Nein, viel zu hell.
Das scheue Hausmädchen empfing Jafar bereits im Gang und schloss für ihn die Tür zu Sarins Kammer. Dann war Sarin erneut allein. Sie konnte in Ruhe die letzten Habseligkeiten zusammenpacken und entweder schriftliche Anweisungen für das Dienstmädchen hinterlassen oder - sofern die Last nicht zu schwer wäre - ihre Taschen selbst hinausbefördern.
Vorher wurde aber noch ihre Tante verabschiedet. Base Lucil ließ sich nicht mehr dazu herab. "Komm mir nie wieder unter die Augen!", schimpfte sie durch ihre verschlossene Salontür hindurch und dann klirrte etwas. Vermutlich hatte sie eine ihrer Porzellanfigürchen geworfen. Sie würde diese Form des Abschieds noch bereuen, wenn Sarin erst einmal fort wäre, vielleicht für immer. Spätestens wenn der nächste Ball anstünde und Lucil sich einen anderen Schneider suchen müsste, der ihr in letzter Minute noch ein gänzlich neues Ballkleid nähte. Sarin wäre nicht mehr verfügbar. Ohja, ihre Cousine würde noch bereuen. Sarin sollte es vorerst nicht erfahren.
Blieb noch ihre Tante. Eigentlich eher disntanziert lud sie Sarin heute mit recht freundlicher Geste in ihre Räumlichkeiten. Sie besaß ein eigenes Arbeitszimmer, das einer Bibliothek glich, auch wenn statt Büchern vor allem Karten und historische Aufzeichnungen der eigenen Blutlinie zu finden waren. Tante Neefris stille Leidenschaft war es, in der Historie der Familie Kasani zu versinken. Manchmal verschwand sie Tage lang von der Bildfläche, wenn sie irgendwo einen neuen Faden zu ihrer Familie aufgreifen konnte oder neue Schriften zum Übersetzen in die Hände bekam. Selbst Onkel Jafar sah sie dann nur zur gemeinsamen Nachtruhe.
Heute aber empfing die Tante Sarin und nahm sich sogar Zeit, ihr ein paar letzte Worte mit auf den Weg zu geben. "Suche dir eine Beschäftigung. Lebe dein Leben nicht für deinen Ehemann, er wird deiner schnell überdrüssig." Sie lächelte zwar, aber die Worte hingen schwer über ihrer beider Köpfe. "Du wirst mir in der Tat fehlen." War ihre Tante jemals so warmherzig zu ihr gewesen? Auf jeden Fall gab sie ihr den liebevollsten Abschied im eigenen Famlienanwesen. Wieviel davon ernst gemeint war, stand nicht zur Debatte. Sie blieb freundlich, höflich, sogar etwas herzlich. Zum Abschied gab es nämlich noch eine sachte Umarmung und den Hinweis, ihr zu schreiben, sollte es Schwierigkeiten geben. "Boten müssen meines Wissens nach einen weiten und beschwerlichen Weg hinter sich bringen, aber vielleicht findest du eine andere Möglichkeit. Eine Bekannte sprach von ... wie hießen sie ... Tauben? Was immer das ist, vielleicht wird dir der Rat von Nutzen sein." Natürlich wusste die Tante nichts vo den Vögeln. Die wenigstens Nachtelfen konnten sich gar unter der weißen Eule Manthalas etwas vorstellen. Im Reich der Nachtelfen waren ihre Rosen als Symbolbild deutlich stärker vertreten. Sarin würde vielleicht beides kennenlernen. Sie käme an die Oberfläche. Doch bis dahin blieb noch Zeit und ihre nächste Anlaufstelle war Meister Londro. Oh, sie hatte viel zu vuel Zeit im Anwesen der Kasanis verbracht. Der Meister wäre sicherlich längst wieder in seiner Stube. Sie sollte ihn aufsuchen...

Weiter bei "Meister Londros Schneiderei"
Bild

Antworten

Zurück zu „Die Wohnhäuser der Nachtelfen“