Beim Bürgermeister

Ein prunkvolles Haus erhebt sich in der Nähe des Stadttores. Dort haust der Bürgermeister, welcher die Stadt leitet. Hier bekommt ihr aber auch jegliche Informationen zur Stadt, aber auch Landkarten und Souveniers.
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Beim Bürgermeister

Beitrag von Erzähler » Dienstag 26. September 2006, 17:48

Der wohlgekleidete Diener des Bürgermeisters führte Reo und Khanderin die lange und breite Marmortreppe in den ersten Stock hinauf. Der Klang ihrer Stiefel hallte laut durch die ganze Halle und vermischte sich mit den Donnerschlägen von draußen.

Die Boten folgten dem Diener einen langen vertäfelten Korridor entlang, der mit einem ebenso langen dunkelrotem Teppich ausgelegt war. Am Ende dieses Ganges befand sich eine hübsch verzierte Holztür. Links und rechts davon waren Wächter postiert. Ihr Blick zeigte diszipliniert geradeaus und keine Regung trat auf ihre ernsten Gesichter. Die Rüstungen waren glänzend poliert und die Schwerter griffbereit.

Der Diener klopfte gegen die kleine Tür. "Herr Bürgermeister, die Boten aus Pelgar sind hier."

Für einen Moment blieb es still. Dann hörte man von der anderen Seite der Tür einen Stuhl rücken, dessen Geräusch von einem weiteren Donnerschlag verschluckt wurde.

"Lass sie ein und geh dann wieder an deine Arbeit, Rudger!", rief eine tiefe Bass-Stimme. Der Diener verneigte sich leicht, obwohl niemand es zu Kenntnis nehmen konnte, öffnete dann die Tür und schaute sowohl einladend als auch auffordernd zu Reo und Khanderin. "Der Bürgermeister wird euch jetzt empfangen, bitte tretet ein."
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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. September 2006, 18:12

Im Raum des Bürgermeisters war es recht stickig. Anscheinend öffnete dieser Mann selten die Fenster oder zumindest schon seit einigen Stunden nicht mehr. Fürchtete er das Unwetter? Jedenfalls hatte er eine Menge Wächter in seinen Räumlichkeiten aufstellen lassen. Nicht nur vor seiner Tür, nein, auch in seinem Zimmer standen zwei Wachen, links und rechts des breiten Schreibtisches aus Eichenholz postiert. Dahinter stand der Bürgermeister vor einem großen Ohrensessel aus feinstem Leder und machte ein neugieriges Gesicht.

Er war kein unsympathischer Mann, trotz seiner etwas massigeren Körperfülle. Sein rundes Gesicht zeigte sowohl Besorgnis als auch Interesse, was wohl Pelgar dazu veranlasst hatte, ihm zwei Boten mit einer Nachricht zu schicken. Aus wässrigen Schweinsäuglein, von denen sich eines hinter einem Monokel versteckte, schaute er Khanderin und dann Reo an.

"Ich erfuhr bereits von meinen Torwächtern, dass ihr auf dem Weg zu mir wart. Das Brieftaubensystem steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber es hat sich bereits bewährt. Bitte, setzt euch, während ich die Nachricht in Empfang nehme." Der Bürgermeister wies auf zwei bequem aussehende Stühle, die vor einem der Fenster standen und von hohen Bücherregalen flankiert wurden.

Während Reo und Khanderin sich niederließen, immer wachsam beäugt von den Wächtern, setzte sich der Bürgermeister zurück in seinen Ohrensessel und brach das Siegel des Umschlags. Er holte ein langes Stück Pergament daraus hervor und las eine Weile im Stillen. Plötzlich sprang er auf, stieß dabei einen kleinen Schrei aus und ging schnellen Schrittes an eines der Fenster. Noch immer hielt er das Pergament in Händen. Seine kleinen Augen schauten besorgt zum Himmel, dann öffnete er das Fenster und unter einem aufgleißenden Blitz warf er einen Blick nach draußen. Er schaute zum Stadttor, ganz so als erwartete er das Ankommens eines Fremden – eines unerwünschten Fremden.

Schließlich schloss er das Fenster wieder. "Es ist unfassbar", sagte er. "Die Wolken sollen von Faldor persönlich ausgesandt worden sein? Man hat seinen Boten, das Schwarze Einhorn, gesichtet. Und jetzt ist dieses pechschwarze Verderben schon über der Stadt. Ja, die Warnung kam spät, aber nicht umsonst."

Ohne auf Reo oder Khanderin zu achten marschierte der Bürgermeister im Zimmer umher, holte Pergament und Federkiel und schrieb seinerseits ein paar Zeilen. Dann packte er seine Nachricht in einen Umschlag und versiegelte diesen mit Wachs und dem Symbol der Hafenstadt Andunie.

"Ihr da", wandte er sich schließlich an die beiden Boten aus Pelgar. "Ihr habt euer bestes bereits für eure Stadt getan, nun tut dies noch einmal für unsere Stadt. Die Wolken sind ein böses Omen, vermutlich steckt der Gott Faldor dahinter und das verheißt nichts Gutes. Alle müssen gewarnt werden, nicht nur Andunie. Ich gebe euch hiermit den Auftrag, mit einem Schiff nach Belfa zu fahren und dort unsere Partnerstadt Sarma zu benachrichtigen. Auch sie müssen von dem herannahenden Unheil erfahren und Vorbereitungen treffen." Er drückte Khanderin die Botschaft in die Hand und kehrte dann zu seinem Schreibtisch zurück, um ein weiteres Pergament zu holen, welches er Reo gab. "Dieses Blatt ist von mir unterschrieben und erlaubt euch, den Befehl über ein Schiff und dessen Mannschaft. Sucht euch eines am Hafen. Wer meine Unterschrift sieht, wird der Stadt Folge leisten müssen. Wählt ein schnelles Schiff. Ich hörte, Kapitän Raubarts <i>Graue Nixe</i> gehört zu den besten. Es sei schnell und robust, außerdem müsste es noch an den Docks vor Anker liegen. Eilt euch, die Zeit drängt. Warnt Sarma und seine Bewohner und ihr sollt bei eurer Rückkehr von Andunie reich belohnt werden. Und nun sputet euch, sonst sind die Wolken schneller über dem Meer als ihr auf dem Schiff!"

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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 28. September 2006, 10:32

Während sich Reo mit dem Versprechen, den Auftrag anzunehmen und auszuführen auf seltsame Art und Weise verabschiedete und draußen vom Pagen empfangen wurde (der ihn zu einem Waschraum brachte), wurde Khanderin von einem weiteren Pagen aus dem Raum des Bürgermeisters gebracht.

Er führte sie wieder durch den langen Korridor und die Treppe hinunter, bis an die Tür. Dort verbeugte er sich in höflicher Art, öffnete die Tür und stellte sich daneben, um mit Khanderin auf Reo zu warten.

Dieser kam nach einer Weile zurück, etwas blass im Gesicht und nachdenklichem Blick. Schweigend verließ er mit Khanderin das Rathaus. Sie schwangen sich draußen wieder auf ihre Pferde und ritten weiter zum Hafen. Die Wolken hingen bedrohlich über ihnen, daher war Eile geboten.



<i>[Weiter in Der Hafen -> Abreise nach Belfa]</i>

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Elwin Fock
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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von Elwin Fock » Donnerstag 19. April 2007, 23:44

Elwin zuckte fast unmerklich zusammen als plötzlich ein Räuspern hinter ihr und Viktor erklang. Sie wandte sich um und erkannte den Stadtschreiber. Er stand in dem großen Eingangstor des Rathauses und schien bereits auf sie zu warten. Dies bestätigte sich, als er meinte, der Bürgermeister würde sie erwarten. Elwin nickte zur Verständnis und kam seiner Bitte ihr zu Folgen nach. Aber zuvor wanderte ihr Blick zurück zu dem Barden, der noch immer mit einem Grinsen auf dem Gesicht da stand. Ohne ein weiteres Wort an ihn zu verlieren, ging die junge Wassermagierin nun hinter Medion Liarpa her.

<b>Soll dieser Sängerjunge nun tun was er will. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf die Sache mit Zitter. Der Bürgermeister muss einfach etwas unternehmen. </b>

Elwin bemerkte fast gar nicht, dass Viktor ihr folgte. Schließlich vor einer breiten, mit Gold geprägten doppelflügrigen Tür blieb der Mann stehen und klopfte zweimal an. Danach öffnete er die Tür und mit einer Verbeugung wies er die Besucher an einzutreten. Erst jetzt realisierte die junge Frau, dass der Barde hinter ihr stand. Sie kamen der Aufforderung nach und betragen das prunkvolle Zimmer. Aus der Mitte des Raumes klang die Stimme eines Mannes zu ihnen herüber, der sie bat es sich auf den zwei Holzstühlen, die beide einem Thron näher kamen als einem einfach Sitzmöbel, bequem zu machen. Elwin setzte sich und erkannte in der Mitte des Raumes den Bürgermeister stehen, aber nicht für lange, denn nun lehnte er sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht locker an seinen Schreibtisch.

<b>Was für ein respektvoller Mensch! Er strahlt vielleicht eine Autorität aus, bei Ventha! Viktor? Was macht dieser fremde Dummkopf da? </b>

Elwin sah, dass der Barde sich nicht gesetzt hatte und stattdessen, den Bürgermeister aus pfiffigen Augen heraus anfunkelte. Schnell ergriff die junge Wassermagierin das Wort, bevor Viktor etwas Unüberlegtes machen konnte.

„Verzeiht, Bürgermeister Rossherr. Dieser Mann ist mir einfach gefolgt und weiß sich scheinbar nicht zu benehmen.“, meinte sie mit einem verzweifelten Grinsen auf dem Gesicht. Dann wandte sie sich an den Barden. „Viktor, seid nicht unhöflich und setzt Euch gefälligst! Der Bürgermeister hat es Euch ebenso angeboten wir mir!“

Die Stimme der Wassermagierin klang nicht bittend, sonder vielmehr bedrohlich fordernd und als Viktor das erkannte, wollte er seinen Schein des guten Reisegefährten weiter aufrecht erhalten und setzte sich mehr widerwillig neben die junge Frau.

„Das wird noch Folgen haben. Das kann ich Euch versprechen!“, flüsterte sie ihm schnell zu bevor sie sich wieder an den Bürgermeister wandte. „Bürgermeister Rossherr, ich bin hier her zu Euch gekommen um Euch in Kenntnis eines Verbrechens Eures Hauptmannes der Stadtwache zu informieren.“, sagte sie ruhig.

„Seid Ihr über den Gefangenen Woltov… nein vielmehr Darak informiert?“, fragte sie nüchtern. „Er kam zusammen mit mir und drei weiteren Reisenden hier in der schönen Stadt Andunie an. Er und Elena, eine rothaarige Frau, wurden verhaftet. Sicherlich wisst Ihr auch über den Ausbruch der Frau bescheid.“

Nun wurde der Ausdruck auf Elwins Gesicht herzlos und eiskalt. Sie würde tatsächlich die Taten ihrer Freunde verraten, aber im Moment spielte das für sie keine Rolle, denn sie wollte nur Genugtuung für das Verbrechen von Hauptmann Zitter. Für jemanden, der Wassermagier nicht gut kannte, mochte es aussehen, als ob sie dabei keinerlei Hemmungen oder Gefühle zeigte. Aber da eine der größten Wasserakademien auf Celcia in Andunie stand war der Bürgermeister Sehrwohl mit den Eigenheiten dieser Magier vertraut.

„Was würdet Ihr sagen, wenn ich Euch jetzt erzähle, dass Euer Hauptmann eine nicht unwesentliche Rolle bei der Flucht von Darak spielte. Ich vermute Euch hat man erzählt, oder gar habt Ihr es selbst gesehen, das Darak bewusstlos in das Hafenbecken geworfen wurde. Das aber war alles nur Schein. Er lebt und ist geflohen, mit der Hilfe des Hauptmannes der Stadtwache von Andunie!“

Elwin blickte Bürgermeister Rossherr unverwandt an und zeigte keinerlei Emotionale Reaktion auf das eben von ihr gesagte. Sie wartete einfach auf eine passende Erwiderung des Oberhauptes der Stadt.

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fremder Mann
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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von fremder Mann » Freitag 20. April 2007, 00:27

Der Bürgermeister wartete geduldig ab, bis sich seine Gäste beide gesetzt hatten. Dass ihn der junge Mann geradezu verschmitzt anfunkelte, entging ihm nicht, doch er schwieg und stand somit über der Situation. Er war schließlich nicht umsonst Andunies Bürgermeister.

Kaum hatte sich die junge Frau gesetzt, deren Kleidung und Verhalten auf eine Kundige der Wasserakademie schließen ließ, begann sie auch schon zu erklären, weshalb sie überhaupt hier war. Ihr Haustier, ein schöner blauer Vogel, hockte derweil ruhig auf ihrer Schulter und zupfte sich das Gefieder zurecht.

Karl von Rossherr starrte jedoch nicht lange den Vogel an. Seine Augen hefteten sich an Elwins Mund. Er glaubte kaum, was er da hörte. "Natürlich habe ich von Woltov erfahren. Warum Ihr ihn Darak nennt, ist mir schleierhaft, aber dass er tot und nicht bewusstlos war, weiß ich sehr wohl."

<b>Aber woher weiß diese Frau davon, dass wir seine Leiche im Hafen versenkten?! Hat sie mich gesehen und erkannt?</b>

Rossherr ließ sich nichts anmerken. Ein einziger kleiner Schweißtropfen war alles, was auf seinen derzeitigen Gemütszustand schließen ließ. Das Schweißperlchen rollte in einer dünnen und schnellen Bahn kurz vor seinem Ohr hinunter und tropfte dann vom Kiefer. Doch der Bürgermeister hatte kaum Zeit, noch weiter über die Sache mit dem Hafen nachzudenken.

<b>Hat diese Frau gerade meinen Hauptmann erwähnt? Zitter? Aber er hat doch ...</b> "Er ist in die Sache verwickelt? Aber was – eine rothaarige Frau? – Aus dem Kerker entkommen?! Aber sie war doch die Nichte!!!"

Langsam geriet das Ganze doch außer Kontrolle. Der Bürgermeister vergaß ganz, sein Pfeifchen anzustecken, kaute aber auf dem Mundstück herum, dass es knirschte.

<b>Hier stimmt etwas nicht, ich muss meine Gedanken ordnen. Hauptmann Zitter rief mich zu sich, weil dieser Woltov oder Darak oder wie auch immer Selbstmord begangen hatte. Und seine Nichte war anwesend, die angeblich verhaftet und aus dem Kerker geflohen war. Außerdem ist ein Dunkelelf entkommen ... und der Kerkermeister steht unter Arrest. Ist meine Stadt denn in völligem Chaos versunken?</b>

Karl Rossherr sammelte sich. Lange Zeit sprach er nicht, gemahnte allerdings auch seine Gäste zum schweigen. Schließlich meinte er: "Habt Ihr Beweise für Eure Worte, junge Frau? Denn ich selbst sah den Leichnam des Verbrechers, der drei Morde in unserer Stadt beging. Er hat sich selbst umgebracht. Das einzige, was Eure Aussage wirklich interessant werden lässt, ist die Sache mit der Rothaarigen – ich habe sie kennengelernt, allerdings nicht als Gefangene. Sie war die Nichte Woltovs. Das sagte sie zumindest. Wenn sie wirklich mit diesem dreifachen Mörder unter einer Decke steckt, könnten sie meinen Hauptmann und mich ausgetrickst haben. Denn die Geschichte, dass ein so ehrlicher und aufrichtiger Mann wie Zitter in dieses Verbrechen verwickelt ist, kann undm ag ich nicht glauben. Da muss ich es erst selbst von ihm hören."

Der Bürgermeister ging in einen Nebenraum und sprach dort mit jemandem. Kurze Zeit später, nachdem er szurückgekehrt war und sich in seinen Lehnsessel gesetzt hatte, klopfte es an der Tür.
Hauptmann Zitter trat ein, verbeugte sich und blieb vor dem Schreibtisch stehen. Als er Elwin erblickte, zuckte er kurz zusammen, kümmerte sich dann aber nicht um sie. "Herr, Ihr habt mich rufen lassen?"

"Allerdings", gab Rossherr zurück, "diese Dame hier behauptet, Ihr hättet einem gewissen Woltov zur Flucht verholfen. Sagt Euch der Name etwas? Er soll ins Hafenbecken geworfen worden sein, Hauptmann. Sagt Euch <i>das</i> irgendetwas?"

<b>Der Hauptmann weiß, dass ich am längeren Hebel sitze. Er darf mich praktisch nicht verraten. Aber die Sache mit seiner Verwicklung bezüglich dieser seltsamen Flucht interessiert mich. Ich bin gespannt, was er zu sagen hat. Immerhin stehen dann immer noch Aussage gegen Aussage.</b>

Der Hauptmann stand stramm da und doch wirkte er verkrampft. Auf seiner Stirn bildete sich mehr Schweiß als auf der des Bürgermeisters. Er schluckte, ehe er fragte: "Herr, habe ich das Recht, die Aussage zu verweigern?"
Zuletzt geändert von fremder Mann am Freitag 20. April 2007, 00:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Erzähler
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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. April 2007, 16:06

Der Bürgermeister knirschte mit den Zähnen auf dem Mundstück seiner Pfeife. Es knackte schon bedrohlich, bald würde es brechen, kaum einer zweifelte daran.
Indessen stand der Hauptmann wie ein steifer Besen am Schreibtisch, den Blick ebenso starr wie die Haltung geradeaus gerichtet und die Schweißperlen ignorierend, die lange salzige Bahnen über sein von Sorgenfalten zerfurchtes Gesicht zeichneten.

Der Bürgermeister befand sich in einer verzwickten Lage. Zitters Reaktion auf seine Fragen hin, bewiesen ihm schon, dass sein Wächter tiefer in der Sch... in dem Schlamassel saß als er geglaubt hatte. Niemals sonst hätte ein aufrichtiger und von Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn geprägter Mann wie Zitter gebeten, seine Aussage zu verweigern.
Doch ehe Karl Rossherr überhaupt diesen unausgesprochenen Schrecken verarbeiten konnte, mischte sich nun der fremde junge Mann ein, der bislang geschwiegen hatte.

Zitters Kinnlade klappte herunter, der Bürgermeister starrte den Mann, der sich als Viktor Samum vorstellte, nur entgeistert an.
<b>Ein Harfner? Hier in Andunie?! Ich hörte von diesen Gestalten, kaum ein Celcianer hat je einen Harfner getroffen und doch ... existieren da diese Geschichten. Was mag einen Harfner in unsere kleine Stadt führen?</b>

Viktor gab prompt Antwort. Er sprach schnell, selbstbewusst und kontinuierlich – wahrlich hatte dieser Mann wenig Zeit. Während er sprach wurde Hauptmann Zitter immer bleicher. Der Stadtwächter dachte in einem Anlauf von Verzweiflung an Darak und wie er ihm zur Flucht verholfen hatte. Er dachte an das tiefgreifende Gespräch mit dem Mann, der zwar vor der Stadt drei Morde gestanden hatte, tatsächlich aber 40 Menschenleben auf dem Gewissen hatte. Fieberhaft fragte sich Zitter, ob Darak wirklich nur ein Spiel mit ihm getrieben und absichtlich verschwiegen hatte, dass ihm die Harfner auf den Fersen waren. Oja, Hauptmann Zitter kannte die Harfner – sicher sogar um Längen besser als der Bürgermeister. Zwar gehörte er ebenfalls zur großen Masse, die nie persönlich mit ihnen zu tun hatte, aber in Kasernen erzählte man sich weitaus mehr Geschichten über sie als auf offener Straße.

Vollkommen blass und mit vor Schreck geweiteten Augen blickte Hauptmann Zitter den mutmaßlichen Harfner an. Niemals würde er dessen Identität in Frage stellen – er war nicht lebensmüde! Oder etwa doch? Er hatte einem von den Harfnern gesuchten Mörder zur Flucht verholfen! Somit hatte er sich zum Komplizen gemacht.
Trotzdem haderte der Wächter mit sich selbst. Versprechen waren ihm bei den Göttern wichtiger als das Pflichtgefühl eines Wachmannes und er hatte Darak das Versprechen gegeben, nichts auszuplaudern. Zumindest nichts über die anderen Morde.

"Es ist wahr", gestand der Wachmann. "Ich habe Darak und Elena – der rothaarigen Frau – zur Flucht verholfen. Dieser Mann ist nicht tot, es war ein Trick mit dem Trank des letzten Atemzuges. Wo sie jetzt jedoch sind, kann ich nicht sagen. Elena unf Darak schwammen aus der Stadt Richtung Bucht. Sie sind sicher schon irgendwo in der Stillen Ebene unterwegs."

"Also ... das ... das ist ... ZITTER!!" Der Bürgermeister verschluckte sich fast an seiner Pfeife, die nun mit einem dumpfen Schlag auf dem Teppich aufkam und ihr Innerstes darauf verteilte. Rossherr sog die Luft ein, hustete, wischte sich über die Stirn und gewann endlich einen Teil seiner Fassung wieder. "Wie konntet Ihr es wagen, Hauptmann?! Gerade Ihr! Das wird Folgen haben, verlasst Euch darauf! Ihr seid die längste Zeit ein Wächter meiner Stadt gewesen. Euer Abzeichen könnt ihr sofort aushändigen! Da hol mich doch der Augenteufel! Zitter, ich bin mehr als enttäuscht."

Der Hauptmann löste seine Dienstmarke, das in Messing gegossene Symbol der Stadtwache, von seinem Harnisch und legte es auf den Schreibtisch. Sogleich nahm er auch seinen Schwertgurt mitsamt der Waffe ab und legte sie daneben. Er seufzte und dann breitete sich eine bedrückende Stille aus.

Schließlich meinte Karl Rossherr zu Viktor: "Ihr sollt jegliche Unterstützung von mir bekommen, die Ihr für Eure Verfolgung benötigt. Sagt mir einfach, was Ihr braucht und ich werde Euch zu Diensten stehen."

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Elwin Fock
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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von Elwin Fock » Freitag 20. April 2007, 21:35

Elwin wartete geduldig bis der Bürgermeister eine Erwiderung auf ihre Worte hervor brachte. Es schien aber zunächst so, als dass er darüber nachdachte und als der Mann dann seine Stimme erhob klang es in erster Linie ungläubig. Scheinbar wollte der Stadtvorsteher die Wahrheit, dass sein treuer Kommandant gegen das Gesetzt verstoßen und einem Verbrecher zur Flucht verholfen hatte, nicht wahr haben. Aber langsam und ganz allmählich zeigte sich doch ein klein wenig ungläubige Verständnis auf den Zügen des Bürgermeisters. Er erwähnte die rothaarige Frau, welche sich als die Nichte von Darak ausgegeben hatte. Elwin schaute Konfus direkt in das Gesicht von Rossherr.

<b>Elena hat sich als Nichte von diesem… Schuft ausgegeben? Warum sollte sie so etwas tun? Naja sie hat ihm ja auch zur Flucht verholfen. Sie muss nicht bei Sinnen sein, so einem zu helfen. Aber das gehört jetzt nicht hier herein!! </b>

Kurz darauf ließ der Bürgermeistern Hauptmann Zitter in sein Büro bestellen. Die Tür ging auf und es trat der Wächter ein. Er verbeugte sich vor seinem Herren und begrüßte ihn höflich, wie es sich für einen Stadtwächter gehörte. Als der Blick des Hauptmannes auf Elwin fiel, zuckte er kurz zusammen, versuchte dann aber die junge Dame einfach zu ignorieren. Rossherr gab die Tatsachen streng wieder und fragte den Mann vor ihm ob er damit etwas anfangen konnte. Daraufhin schluckte Zitter schwer und gab nur eine kurze verräterische Antwort zurück.

Noch bevor Elwin etwas dazu entgegnen konnte, schaltete sich plötzlich Viktor Samum in das Gespräch ein. Entgeistert wanderte ihr Blick von dem Bürgermeister und dem Hauptmann zu dem Mann neben ihr. Sie glaubte nicht, dass er dazu etwas sagen konnte.

<b>Woher weiß Viktor davon? Was hat er mit diesem… Darak zu tun? Wo bin ich hier nur reingeraten? Ich wollte doch eigentlich nur zusammen mit meinen sogenannten Freunden nach dem Wasserkristall suchen und jetzt das alles! </b>

Dann offenbarte Viktor seine wahre Identität. Er behauptete ein Mitglied der berüchtigten Geheimorganisation der Harfner. Die Erkenntnis brach in Elwin hervor und ihr Kiefer fiel bei den Worten des Barden nach unten. Auch sie hatte schon von dieser Gruppe gehört, nicht nur die Geschichten, welche auf den Straßen erzählt wurden, nein auch hatte sie in seltenen und alten Büchern über die Harfner gelesen. Sie wusste davon, dass diese Männer und Frauen für die Gerechtigkeit kämpften, jedoch nicht so wie Gardisten es taten. Sie hatten ganz eigene Methoden, auch hatte sie die Geschichte des Stadtvorstehers gehört, welcher von den Harfner an den Turm genagelt wurde.

Die Besorgnis war deutlich in das Gesicht der jungen Wassermagierin geschrieben. Sie konnte einfach nicht glauben, dass der nette und doch so hämische junge Mann, den sie vor den Toren Andunies kennen gelernt hatte ein Mitglied dieser Organisation war. Es verschlug ihr die Sprache und nun konnte sie nur noch gezwungener Maßen zuhören, was Viktor weiter zu Bürgermeister Rossherr und Hauptmann Zitter sprach. Er erwähnte eine Aufgabe und das er Darak aufspüren und erwischen musste. Sie wurde immer verwirrter.

<b>Er muss Darak erwischen? Warum das denn? Er ist zwar ein Verbrecher und hat sogar Menschen umgebracht, aber das deswegen die Gilde der Harfner hinter ihm her ist! </b>

Nach einem kurzen hin und her ergriff der Bürgermeister erneut die Stimme und diesmal klang er bei weitem ungläubig, aber doch hart und fordernd. Er weiß seinen Hauptmann an seinen Posten niederzulegen und bereuend folgte Zitter dieser Anweisung. Er nahm sein Abzeichen und seinen Waffengürtel ab und legte es seinem ehemaligen Vorgesetzten auf den Schreibtisch. Viktor ergriff die Utensilien und überreichte sie mit freundlichen aber doch drohenden Worten ihrem vorigen Besitzer. Zitter nickte nur und nahm sie an. Als sich Viktor dann an den Bürgermeister wandte und ihn bat Zitter seinen alten Posten zurückzugeben, konnte Elwin sich wieder fassen. Diese Worte passten ihr ganz und gar nicht. Sie wollte das Zitter bestraft wurde und selbst die Worte Viktors, dass Zitter keinen Fehler mehr machen sollte, denn sonst würde sich die Organisation seiner annehmen, konnten dies nicht ändern.

Den Rest des Gespräches hatte sie nicht wirklich weiter verfolgt, denn ihr schossen Unmengen ungeordneter Gedanken in Form von Widersprüchen, Beschimpfungen und der gleichen durch den Kopf. Aber schließlich beruhigte sie sich wieder. Sie war hier um Zitter leiden zu sehen und das tat er. Er war bleich und hin und wieder zitterte er leicht am ganzen Körper. Auch wenn er versuchte es zu verbergen, der jungen Wassermagierin fiel es sofort auf. Nun setzte sie ein zufriedenes Lächeln auf und schaffte es endlich ihre Stimme zu erheben.

„Es verwundert mich dies alles gehört zu haben, aber nun gut. Vielleicht habt Ihr Recht Viktor. Zitter soll seine Stelle behalten, aber unter dem Vorwand den Ihr schon genannt habt!“, meinte sie mit ihrem spöttischen Grinsen. Dann wandte sie sich an den Bürgermeister: „Habt Dank für Eure Zeit und dafür, dass ihr uns helfen werdet. Natürlich weiß ich dies zu schätzen und ich würde gern als Gegenleistung, auch wenn ich dies Weisgott nicht tun müsste…“, nun lächelte sie freundlich, „…etwas für Euch leisten. Ihr könnt Euch meiner Hilfe Gewiss sein, solltet Ihr sie benötigen! Lasst es mich einfach wissen, sollte der Tag gekommen sein.“

An Viktor gewandt sagte sie noch:

„Wie geht es jetzt weiter? Was schlagt Ihr vor jetzt zu tun?“

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Re: Beim Bürgermeister

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. April 2007, 23:57

Der Bürgermeister machte ein entrüstetes Gesicht, als Viktor den Schwertgurt und das Abzeichen nahm und beides an Zitter reichte, zusammen mit den Worten, dass ihm vergeben würde. Allerdings stieß dieser Mann von den Harfnern noch eine Warnung aus, doch diese hörte der Bürgermeister nicht mehr. Er tauschte einen kurzen Blick mit dem ungläubigen Hauptmann. Dann schaute er Elwin an, die ihrerseits ihre Hilfe anbot.

Die Magierin wandte sich dann sogleich an Viktor, fragte ihn, was nun noch nötig sei und wartete auf dessen Reaktion. Unterdessen richtete sich Karl Rossherr an seinen Wieder-Hauptmann. "Zitter, Ihr kennt die Geschichten um die Harfner sicher besser als ich, aber täusche ich mich, wenn ich behaupte, dass sie sehr selten jemanden mit einer Warnung davonkommen lassen – <i>verdächtig</i> selten?"

Oha! Zeigte sich da etwa Misstrauen in den Worten des Bürgermeisters? Scheinbar, der er fragte jemanden um Rat, den er selbst eben noch hatte von seinem Beruf befreien wollen. Hatte sich Viktor durch seine Barhmherzigkeit zu verdächtig gemacht? Es musste ja schief gehen. So viel Glück mochte wohl niemand haben, denn auch wenn der Bürgermeister seine Unterstützung gesichert hatte ... mit so vielen Bedingungen wie Viktor sie stellte musste ja Skepsis auftreten.

"Herr, ich weiß nicht genug über die Harfner, um ein solches Urteil zu bilden. Ich weiß nur, Herr, dass sie eine eigene Weise haben zu richten – und diese für den Verurteilten im Grunde nicht gerade milde ausfällt. Kennt Ihr die Geschichte von dem armen Tropf, den man am Turm aufgespießt hat, Herr?" Zitter schnallte sich indessen wieder seinen Schwertgurt um und befestigte auch sein Abzeichen an der Brust. Harfner hin oder her, die Gelegenheit, weiterhin der Stadt zu dienen, ließ er sich nicht entgehen.

Doch der Bürgermeister schaute nicht begeistert. "Ein Harfner weist sich niemals aus, nicht wahr? Dennoch", wandte er sich an Viktor und seine große Gestalt strahlte wieder vor Autorität, "woher weiß ich, dass Ihr einer seid. Es könnte jeder dahergelaufen kommen und wenn er nur ein halb so guter Schauspieler wie die meisten Spielleute auf dem Markt ist, leistet er eine vortreffliche Vorstellung. Andererseits finde ich es gut, dass Ihr Euch um diesen Sträfling ... diesen Darak kümmern wollt. Und daran werde ich Euch gewiss nicht hindern, zumal Ihr Euch wohl keine Belohnung erhofft, was ein weiteres gutes Zeichen für unsere Stadtkasse ist."

Er schritt durch sein Zimmer, beugte sich zum Teppich nieder und hob seine Pfeife auf. Der Tabak war herausgefallen und hatte sich in den Teppichfransen verewigt. Da war nichts mehr zu machen. Kein Pfeifchen zur Beruhigung. Rossherr legte das gute Stück auf den Schreibtisch.

"Ich gebe Euch, was Ihr braucht, Viktor Samum, Mitglied der Harfnergemeinschaft. Es wird keine Vollmacht sein und auch mit Gold kann ich Eure Taschen nur mäßig füllen. Wie gesagt, seit dem Erscheinen der schwarzen Wolken fahren die Seehändler nicht mehr aus. Andunie macht dadurch schwere Verluste, die alle mit dem Gold der Stadt beglichen werden müssen. Trotzdem werde ich Euch nicht ohne ein paar hilfreiche Gesten meinerseits ziehen lassen."

Er umrundete den Schreibtisch, setzte sich kurz nieder, nahm Pergament und Feder und begann zu schreiben. Lange schrieb er, obwohl nicht viele Worte zu Papier gebracht wurden. Endlich erhob er sich, ließ etwas Kerzenwachs auf das Pergament tropfen und drückte den Siegelring der Stadt in das Wachs. Dann kam er mit dem Papier zu Viktor und überreichte es ihm.
"Das hier ist eine Bescheinigung. Sie erlaubt es Euch, den Verbrecher Darak im Namen Andunies an jeglichem Ort Celcias verhaften zu dürfen. Sollte Andunie zu weit fort sein, so sei Euch ebenfalls die Erlaubnis erteilt, den Häftling im nächstgelegenen Kerker unterzubringen. Für die Suche nach Darak alias Woltov entsende ich Euch, sowie drei meiner Stadtwächter. Einer davon wird Hauptmann Zitter sein. Ich entscheide darüber, da ich ihn auf der einen Seite zunächst ungern in den direkten Dienst der Stadt stellen möchte und zum anderen, damit er erneut mein Vertrauen gewinnen kann, solltet Ihr auf dieser Mission erfolgreich sein. Proviant wird Euch für eine Woche zur Verfügung gestellt, außerdem erhaltet Ihr 50 Goldmünzen, um Eure Kosten zu decken. Mehr kann ich nicht aufbieten, zumal ich mir Gedanken darüber mache, dass die große Gemeinschaft der Harfner eines ihrer Mitglieder so mittellos auf eine solch gefährliche Mission ausschickt. Aber ich will nicht weiter an Euch zweifeln. Nehmt, was ich Euch geben kann und zieht alsbald los. Ihr hattet es ja immerhin so eilig."

Mit einem Mal lächelte der Bürgermeister. Er war mit sich und seiner Entscheidung sehr zufrieden. Die Harfner konnten ihm nichts anhaben, sollte Viktor tatsächlich zu ihnen gehören. Er half ihm bi zu einem gewissen Maß aus und es war nur sein Recht, ihm nicht blind zu vertrauen. Andunie würde durch diese Entscheidung keinen Fehltritt gewagt haben.
Und was Elwins Aussage und Zitters Geständnis betraf ... nun, der Hauptmann hatte jetzt eine Möglichkeit, sein Pflichtgefühl zu beweisen. Ohne Schwur und ohne Eid. Es war seine Entscheidung, was die Götter oder das Schicksal für ihn bereit hielten. Und wenn er sich davon machte, sobald die Mauern Andunies hinter ihm lagen, so hatte der Bürgermeister wenigstens kein schlechtes Gewissen, einen sonst so ruhmreichen und gewissenhaften Mann in den Kerker hatte stecken zu müssen. Ja, er war sehr zufrieden mit sich, diese verzwickte Lage ohne allzu großen Aufwand gemeistert zu haben.
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