| Liveos Steckbrief |
Rasse: Mensch / Grandessaner
Alter: 17 Jahre
Größe 170cm
Gewicht 60 kg
Geschlecht: männlich
Beruf: Schweinehirte / Bauernknecht
Heimat: Bernar
Gesinnung: neutral
Magie: bunte Schelmenmagie (unkontrolliert)
Sprache: Garmisch und Celcianisch. Liveo kann weder Lesen noch Schreiben.
Religion/Glaube: Mit Ausnahme von Lysanthor verehrt Liveo alle Gottheiten mit guter Gesinnung, die er in seiner Heimat kennen gelernt hat. Sein Glaube ist einfach und naiv, er ist ein wenig abergläubisch, aber keineswegs fromm. Opfergaben und Stoßgebete richtet er meistens an Florencia und Phaun, die innigste Beziehung unterhält er aber zu Feylin: Liveo glaubt, dass ihm dieser Gott in Liedern und Erzählungen versteckte Hinweise und Ratschläge gibt und ihn so durchs Leben geleitet.
Aussehen: Liveo ist lockig blond, hat helle blaue Augen und ein ebenmäßiges, ein wenig rundes Gesicht. Er ist eine Spur kleiner als der Durchschnitt, hat zwar breite Schultern, doch sonst ist seine Gestalt eher schlank als muskulös. Seine Haut ist hell, allerdings nicht so blass wie bei den meisten Leuten, die in den südlichen Regionen Celcias leben. An der linken Schulter hat er eine große Narbe, die offenbar von einer Bisswunde herrührt. Er trägt die halblangen Haare offen und ist nur mit einer zerlumpten Hose, einer abgetragenen alten Tunika und einem verschlissenen Umhang aus schwerer Wolle bekleidet. - Trotz seiner abgerissenen und ärmlichen Bekleidung besitzt er große Ausstrahlung und ist ohne Zweifel gut aussehend.
Persönlichkeit: Liveo ist ein vorlauter Draufgänger. Nicht frei von Eitelkeit ist er begierig auf jeden Wettstreit, hat schnell ein keckes Liedchen auf den Lippen und scheint durchs Leben zu gehen, als wäre es ein Spiel. Sein Drang, sich hervorzutun und seine sorglose Unbefangenheit sind seine Art, gegen Armut und Unterdrückung anzukämpfen. Als Vorbild und Anregung für diese Haltung dienen ihm Legenden und Heldengeschichten. Von allen Erzählungen dieser Art ist er sehr fasziniert, sie beflügeln seine Neugierde und festigen seine Überzeugung, dass er das Zeug zum Abenteurer hat. Liveo ist körperlich sehr gewandt, meist zu übermütig um auf alle Gefahren Rücksicht zu nehmen, hat jedoch gelernt, sein überzeugendes Auftreten in den verschiedensten Situationen zum Vorteil für sich einzusetzen. Seine unkontrollierte Begabung zur Schelmenmagie bringt ihn dagegen mitunter in Schwierigkeiten und gereicht ihm eher zum Schaden. Er ist zwar ein wenig faul, versteht es aber in freier Natur zurechtzukommen und ist an harte Bedingungen gewohnt. Er verfügt über keinerlei schulische Bildung und weiß wenig vom Leben in den Städten und innerhalb der sozialen Eliten.
Stärken:
körperliche Vorzüge: Zwar ist Liveo nicht in auffallender Weise kräftig, aber er besitzt dennoch eine Reihe an körperlichen Vorzügen. Sie lassen sich durch seine Herkunft erklären. Was seine Gewandtheit angeht, bestätigt sich mit ihr der Ruf seiner Landsleute, die für diese Eigenschaft bekannt sind. Seine Bewegungen sind geschmeidig und gut koordiniert, er ist gelenkig, wendig und schnell und hat allgemein ein gutes Reaktionsvermögen. (gut) Seine manuelle Geschicklichkeit ist nicht so stark ausgeprägt und unterscheidet ihn nicht von der Mehrzahl der Leute. Eine weitere Eigenschaft, in der er zumindest Gleichaltrige oft übertrifft, ist seine Zähigkeit und Ausdauer: Liveo ist ein hartes Leben gewohnt und kann Anstrengungen und Entbehrungen besser Ertragen als die meisten Menschen. (durchschnittlich) Besonders stark ausgeprägt ist sein Widerstandsvermögen gegen Kälte. (überdurchschnittlich)
Auftreten: Egal wo er ist, Liveo sticht bald heraus: Seine Stimme ist melodisch, für einen Mann vielleicht ein wenig zu klar. Im Gespräch ist er lebhaft, er hat Witz und ist schlagfertig und wirkt stets unbeschwert und selbstsicher. Der Hang zur schlechter Laune und Missmut, der vielen Grandessanern anhaftet, ist ihm völlig fremd. Er zeigt offen seine Gefühlsregungen, tut dies aber nicht rückhaltlos, denn er versucht gern, andere in seinem Sinne zu beeinflussen. Sind die Voraussetzungen dafür günstig, hat mit seinem frechen Charme auch oft Erfolg: Stößt er nicht von vorne herein auf Ablehnung, kann er andere meist ohne Schwierigkeiten für sich einnehmen. Wenn er das will, gelingt es ihm in der Regel auch, sein Gegenüber zu provozieren oder einzuschüchtern. Es fällt ihm außerdem nicht schwer, anderen etwas vorzuspielen, sie zu täuschen und zu belügen. Nur wenige bemerken, dass er ein schlechter Zuhörer ist, der mehr darauf aus ist, sich selbst in den Vordergrund zu drängen als auf das Gegenüber einzugehen. Trotz aller Ausstrahlung hat seine Fähigkeit andere zu manipulieren dennoch Grenzen: Weder besitzt Liveo viel Menschenkenntnis, noch besonderes Einfühlungsvermögen. Und auch wenn er sich gut in Szene setzt, bleibt Liveo ein ärmlich gekleideter Siebzehnjähriger, der noch nie über sein Dorf hinausgekommen ist. (gut)
Lieder und Sagen: Hier handelt es sich um Liveos großes Interessensgebiet. Liveo singt gern und liebt alle Art von Geschichten. Er kennt daher so gut wie alle Volksweisen aus seinem Dorf und überraschend viele Legenden, Sagen und Mythen auch aus fremden Ländern. Er glaubt an diese Erzählungen, obwohl er sie nicht immer im wörtlichen Sinne für wahr hält. Aber er ist dessen gewiss, dass sich in ihnen eine tiefere Weisheit ausdrückt, auf die es sich oft zu hören lohnt. Aufgrund dieser Einstellung besitzt er zwar allerhand verstreute Kenntnisse, die man eigentlich nicht erwartet würde, hat aber auch eine naive Vorstellung von vielen Dingen und sitzt manchem Aberglauben auf. Dass er so von Erzählungen und Geschichten fasziniert ist, verstärkt seine ohnehin vorhandene Neugierde. Im kleinen Kreis trägt Liveo sowohl Lieder als auch Geschichten gern vor, zu einem Auftritt vor größeren Publikum ist es bis jetzt nicht gekommen.
Arbeiten in der Landwirtschaft: Zwar hat Liveo weder Erfahrung noch das Denken eines Bauern - einen Hof zu führen entspricht seinem Temperament nicht. Doch wenn es sein muss könnte er sich jederzeit als Knecht verdingen: Er weiß, wie man Korn aussäht und drischt, kann Stallarbeiten verrichten, Karren und Pflug führen, die Sense gebrauchen und versteht sich etwas auf allerlei verwandte Arbeiten wie etwa Holz zu schlägern und einfache Reparatur- und Bautätigkeiten. durchzuführen etc. Er hat ein gutes Gespür für Nutztiere, weiß eine Herde zu hüten und erkennt, wenn ein Tier krank wird. Melken, die Versorgung von Kleintieren, Textil- und Gartenarbeit, Lagerhaltung und Kochen sind in seiner Heimat jedoch vorwiegend Frauensache, weshalb er diese Tätigkeiten schlechter beherrscht. (rudimentär) Und weil er sich gerne vor Arbeit drückt, heißt es, dass er ein Meister darin ist, „in die Blia“ (=„in die Blüten“) zu gehen, wie man in Bernar sagt, was bedeutet, einen naturbelassenen Ort aufzusuchen, zu verschwinden, sich abzuseilen und unterzutauchen. Liveo beherrscht daher noch folgende Fertigkeiten:
Leben in der Wildnis: Liveo hat immer schon viel Zeit unter freiem Himmel verbracht und mag die Natur. Er ist kein Waldelf, aber er zählt zu den Leuten, die darauf angewiesen sind, sich die Ressourcen anzueignen, die ihnen ihre Umgebung bietet. Er besitzt einen guten Orientierungssinn und weiß etwa wie man einen geeigneten Rastplatz findet. Er kennt die in seiner Heimat verbreiteten Tiere und Pflanzen und auch die Gefahren, mit denen man typischerweise rechnen muss. Ihm ist praktisch jede Möglichkeit, innerhalb der weiteren Umgebung des Dorfes zu Nahrung zu kommen, bekannt. (überdurchschnittlich) Was sein Dorf und die umliegende Gegend angeht, so verfügt Liveo über nahezu perfekte Ortskenntnis.
Schleichen/Verbergen: Liveo versteht es recht gut, bei Bedarf unbemerkt zu bleiben. (durchschnittlich)
Klettern: Liveo ist darin geübt, Bäume, Felsen oder niedere Mauern zu erklettern. (durchschnittlich)
Schwimmen: Die Leute in seiner Heimat sind dreckige Landratten, aber Liveo badet regelmäßig im Fluss und kann sogar Schwimmen. (rudimentär)
waffenloser Kampf: Liveo besitzt viel Erfahrung aus Raufhändeln mit anderen Heranwachsenden aus seinem Dorf. Diese Auseinandersetzungen sind zwar wild, ums Leben geht es aber nie. Im Kampf vertraut Liveo vor allem auf seine überlegene Gewandtheit. Er versucht weniger mit Tritten und Schlägen zum Erfolg zu gelangen, sondern bevorzugt Griffe, Umklammerungen und Würfe. Um zu einer Entscheidung zu gelangen, tendiert er in der Regel dazu, das Kampfgeschehen auf den Boden zu verlagern. Gegen etwa gleich schwere Gegner hat er mit dieser Kampfweise gute Erfahrungen gemacht. Er ist in seinem Vorgehen und in der Wahl seiner Mittel aber nicht festgelegt, sondern kann seinen Stil je nach den Erfordernissen variieren.(überdurchschnittlich)
Seine eigentliche Spezialität ist es aber, sein Auftreten in die Auseinandersetzungen mit einzubringen und den Gegner im rechten Moment zu provozieren, einzuschüchtern, zu täuschen oder abzulenken und den Streit so durch Gewitztheit, Ausstrahlung und List für sich zu entscheiden. Kommt es zu einem gewalttätigen Konflikt, wird Liveo niemals zuerst zur Waffe greifen sondern immer den Weg einer waffenlosen Auseinandersetzung bevorzugen. Selbst wenn er in einen bewaffneten Kampf verwickelt wird, wird er wahrscheinlich bald zu Körperangriffen übergehen. Er beherrscht diese Kampfweise besser und hofft, so den Gegner überraschen zu können – Vor allem setzt er in so einem Fall aber darauf, so schnell als möglich zu entkommen.
Steinschleuder: Von Kindesbeinen an hat Liveo seine Schleuder nicht nur zur Jagd auf Kleintiere und Vögel verwendet, sondern auch zum Vertreiben von Raubtieren eingesetzt. Er weiß also, wie man sie mit Aussicht auf Erfolg einsetzt. Bis jetzt hat er aber noch nie auf andere Leute geschossen. (durchschnittlich)
Schwert: Sein Schwert würde Liveo nicht freiwillig weggeben, es hat aber rein symbolischen Wert. Er benutzt es zum Nachdenken über seine Erfahrungen und Erlebnisse. Es wäre für ihn ein großer persönlicher Schritt, wenn er es je zum Kampf einsetzt. Solange die Möglichkeit zur Flucht besteht, würde er es zur Zeit nicht einmal dann verwenden, wenn er mit einer Waffe angegriffen wird. (unkoordiniert) Er könnte es aber dazu benutzen, einen Gegner zu bedrohen oder einzuschüchtern - vorausgesetzt es bleibt nur beim Bluff.
Schwächen:
Eitelkeit und Leichtsinn: Liveo ist sehr selbstverliebt und zeigt dies mit verspielter, ungezügelter Offenheit. Er ist stolz auf alle seine Vorzüge und kehrt sie heraus, sobald er eine Gelegenheit dazu sieht, sie zu seinem Vorteil auszuspielen. - Auch dann, wenn dadurch Schwierigkeiten und Konflikte beschworen werden, denn sein stolzes Selbstbild verlangt nach Taten und muss immer wieder von neuem bestätigt werden. Sein Drang, sich zu beweisen, führt jedoch nicht dazu, dass er sich gut und edel verhält. Liveo macht es Spaß, andere zu übertrumpfen, er sucht den Wettstreit und legt es darauf an, Dinge zu wagen, die sich kein anderer zutraut. Das Prickeln angesichts einer Gefahr und die Freude, wenn ihm wieder einmal irgendein Wagnis gelungen ist, ist ihm oft wichtiger als moralische Bedenken oder der Gedanke an mögliche Konsequenzen. Liveo ist zwar leichtsinnig, aber er ist nicht zu tolldreist: Er sucht keineswegs den Tod und riskiert nur Dinge, bei denen er Chancen auf Erfolg hat.
Ressentiments: Allen Reichen und Mächtigen gegenüber empfindet Liveo stets eine starke Ablehnung. Ansetzen tut dieses Ressentiment bei niemand geringerem als Lysanthor, von dem er sich nach der brutalen Niederschlagung einer Bauernerhebung in seinem Heimatdorf ganz abgewendet hat. Für Arme wie ihn scheint dieser Gott nichts über zu haben, er hilft nach seiner Überzeugung nur den Oberen. Doch wer braucht diesen Gott? Die Sonne scheint für alle gleich und Tapferkeit und Gerechtigkeit sind offenbar Dinge, für die nur die Menschen selbst einstehen können. Man muss jedoch kein Gott sein, um bei Liveo auf Abneigung und Vorbehalte zu stoßen: Allzu viel außer guter Kleidung in grandessanischer Tracht oder eine Kriegsaxt oder Hellebarde braucht es nicht, um in den Augen Liveos als reich beziehungsweise als mächtig zu erscheinen. Kaufherren, Magier in den Roben einer Akademie, Söldner oder gar Adelige oder Steuereinnehmer fallen ohnehin in diese Kategorie. Bei einer Begegnung mit solchen Leuten verhält sich Liveo von vorne herein so abweisend als wären sie Dunkelelfen. Er wird diese Haltung auch nicht ohne weiteres ablegen. Handelt es sich bei den Betreffenden nicht um Grandessaner, sondern um Fremde, so ist sein Ressentiment spürbar schwächer ausgeprägt und leichter zu überwinden. Hier kommt ihm seine stete Neugierde und seine Faszination für ferne Länder zu Hilfe. Noch schneller schwinden seine Vorbehalte, wenn er auf Angehörige fremder Rassen trifft. Wenn sie dann überhaupt greifen, denn Liveo erscheint die Welt ja schnell im Gewand von Mythen und Sagen. Und da ist jeder Elf in Seide gekleidet und jeder Zwerg gut gerüstet.
Fehlende Erziehung und Lebensart: Ein Schweinehirt erscheint vornehmen Bürgern und Adeligen, grandessanischen all zumal, immer als ein Schwein ohne Manieren: Ohne sich etwas dabei zu denken, schnäuzt Liveo sich in die Finger, er kratzt sich, während er mit wem redet und schmatzt beim Essen. Er ist unfrisiert, trägt schmutzige Kleidung und riecht, wie alle Armen, nicht etwa nach Parfum, sondern nach Natur. Die Art wie er spricht ist bäurisch, sein unverfrorener Blick zeugt von einem widerborstigen und aufsässigen Charakter. Vielleicht mögen seine frechen Reden zuerst sogar erfrischend sein, und eine zeitlang ist seine Tölpelhaftigkeit sicher amüsant: Die Hilflosigkeit mit der er mit einer Gabel hantiert, die Verblüffung beim Anblick einer gefalteten Serviette, dem abgegriffenen Trinkspruch, wenn man ihn zu einem Toast auffordert. Doch er ist taktlos und unkultiviert und einem Gebildeten wird schnell klar, dass er zu einer angenehmen Konversation nicht in der Lage ist. Mehr noch, er ist unverschämt, ihm fehlt es nicht nur an anerzogener Höflichkeit, sondern sogar an jedem Respekt gegenüber Höhergestellten. Außerdem ist ihm der schockierende Stumpfsinn seines niederen Standes zu eigen: Er verfügt über keinerlei Bildung, sein Verstand bleibt ganz in lächerlichen Aberglauben verhaftet. Kein Wunder, dass er eine Menge ungesunder Angewohnheiten übernommen hat, wie etwa der, längere Strecken zu Fuß zu gehen oder sich mehrmals die Woche zu waschen. Seine Geschmacklosigkeit zeigt sich an seiner offensichtlichen Vorliebe für zotige Lieder und den langweiligen Märchen der Vorderen. Kurz, Liveo ist kein Mann von Ehre und dementsprechend beherrscht er auch keine der Künste, die einen solchen auszeichnen: Er kann nicht reiten, er kann nicht fechten und er beherrscht auch nicht die Kunst, Briefe zu schreiben.
unkontrollierte Schelmenmagie: Liveo hat Anlagen zur Schelmenmagie aber er hat keine magische Ausbildung genossen. Er kann seine Zauberkraft nicht kontrollieren und kennt auch nicht ihre genaue Natur. Immerhin ist er aber sicher, dass er eine magische Begabung besitzt, denn manche halten ihn einfach für einen Pechvogel oder meinen, er würde wohl von einem Kobold verfolgt. Grundsätzlich ist Liveo stolz darauf, dass diese Kraft in ihm schlummert, doch wenn sie sich regt, würde er sie meist lieber unterdrücken können, denn sie wird für gewöhnlich in den schlechtesten Momenten aktiv und führt dann zumeist dazu, dass Dinge geschehen, durch die er auf die eine oder andere Art bloßgestellt wird. Dass seine Schelmenmagie ihm zur Hilfe kommt und sein Gegenüber zur rechten Zeit wie einen Tollpatsch aussehen lässt, kommt gelegentlich vor, geschieht aber eher selten.
Lebensgeschichte:
Ein kleiner Held: Liveo ist ein Sohn besitzloser Dorfbewohner. Seine Mutter starb, als er sieben war. Sein Vater Aiolo ist, wie er selber, Knecht am Hof seines Onkels Timon. Er hat eine jüngere Schwester, zwei Cousins und eine Cousine – alle drei ein wenig älter als er. Auf dem kümmerlichen Hof seines Onkels gab es somit mehr als genug Arbeitskräfte, und so musste er tagsüber von klein auf die Schweineherde des Dorfes hüten, während er abends bei der Stallarbeit mithalf. Zumindest die meiste Zeit über, denn besonders wenn die Ernte anstand, hieß es für jeden am Hof zu zupacken. Obwohl die Familie arm war, war die Zeit seiner Kindheit doch keineswegs trist:
Er kannte den Wald und trieb die Schweine an Plätze, an denen sie ohne Gefahr wühlen konnte, oder überredete andere Kinder, statt ihm die Tiere zu hüten. Er streunte herum, badete im Fluss oder kraxelte auf Bäume und verbrachte den Rest der Zeit mit Faulenzen. - Wenn er nicht nach Essen suchte, denn nur selten kam er mit den Proviant aus dem Dorf durch den Tag. Wie alle Kinder suchte er je nach Jahreszeit nach Zwiebeln, Kräutern, Beeren, Vogelnestern, Wildobst, Pilzen und Knollen und mitunter auch nach kleinem Getier - Das war mühsam und oft genug enttäuschend, doch manchmal auch so ertragreich, dass er etwas davon nach Hause mitnehmen konnte. Er kannte die Stellen des Baches, wo man mit etwas Glück Fische mit freier Hand fangen konnte, und jagte mit seiner Schleuder nach Vögeln und Hasen. An besonders glücklichen Tagen gelang es ihm einen Bienenstock auszuräuchern und an den Honig zu kommen. Manches von dem, was man nirgendwo in der Wildnis finden konnte, verschaffte er sich durch kleine Diebereien – etwa Hühner, einen Mantel, der zum Trocknen aufgehängt worden war, oder eine Geldbörse mit einigen Münzen. Er bestahl jedoch nur die Fremden, die ohnehin reich waren. Vorzugsweise die Söldner vom nahe gelegenen Stützpunkt „West 1“. Das war jedes mal sehr gefährlich, da es im Falle einer Entdeckung zu einer harten Strafe für ihn und seine Familie gekommen wäre. Dieser Leichtsinn bescherte ihm so manche Tracht Prügel von Timon und Aiolo. Doch er hatte Glück und wurde nie erwischt und Schläge machten ihm nichts aus.
Liveo war ein aufgeweckter Bub, und sicher lebhafter und frecher als andere. Schnell hatte er jede Melodie und jede Stanze, die er wo hörte, auf den Lippen. Sah er wo umherziehende Wandersleute, sprach er sie an und wenn Barden oder Reisende aus fremden Gegenden einkehrten, schlich er gleich in die Gaststube. Ihren Erzählungen lauschte er dann mit großer Neugierde. Er versuchte alle Geschichten, die er hörte, im Kopf zu behalten, um sie sich selber später wieder und wieder erzählen zu können. Irgendwann verspürte er den Wunsch, auf Abenteuer auszuziehen, Heldentaten zu vollbringen und die bunte Vielfalt Celcias kennenzulernen - wenn er einmal groß war.
Noch deutete freilich wenig darauf hin, dass sein Leben dereinst nicht in gewohnten Bahnen verlaufen sollte. Ein erster Hinweis, dass es so kommen sollte, war freilich der Umstand, dass sich rund um ihn allerlei seltsame Vorfälle ereigneten: Öfter als eigentlich erklärlich landete Vogelkot in seinen Haaren oder auf seiner Schulter. Einmal geschah es, dass eine Tür eine zeitlang immer dann klemmte, wenn er sie öffnen wollte. Ein andermal verlor Liveo, während er lief, mit einem Schlag Hemd und Hose, sodass er kopfüber hinfiel und sich weh tat, was ihm zusätzlich zum Schmerz auch das Gelächter aller Umstehenden eintrug. Nicht immer war er es, dem komische Missgeschicke zustießen: Ab und an kam es vor, dass Leute eine Weile lang wie verrückt Gegenstände suchten, die sie gerade selber in der Hand hielten. Und so hatte auch er etwas zu lachen, zumindest solange, bis er vom aufgebrachten Gegenüber eine Ohrfeige kassierte. Meist wurden diese Dinge für Zufall gehalten und nicht weiter beachtet. Doch Liveo hatte das Gefühl, das er selber diese Geschehnisse hervorrief, obwohl er nicht sagen konnte, wie. Ihm waren jedoch viele Geschichten von Wundern und Magie geläufig und eines Tages verriet ihm ein Flüstern Feylins, dass irgendwelche Zauberkräfte in ihm steckten. - Diese Auskunft machte Liveo natürlich unglaublich stolz.
Ein junger Held: Liveos Kindheit kann man mit drei Worten beschreiben: idyllisch, unbeschwert, märchenhaft. Und genau so hätte auch seine Jugend und überhaupt das Leben im ganzen Dorf sein können: der Boden war gut, die Wiesen waren fett und Wälder, die Holz liefern, waren reichlich vorhanden. Bernar hätte reich sein können, aber nichts davon blieb den Bauern. Einst, zu Zeiten ihrer Vorväter, hatte ihnen das Land gehört, doch heute beanspruchten es die Steuereintreiber. Von den reichen Ernten, die sie Jahr für Jahr einfuhren, ließ man den Dörflern zu wenig, um ohne zu hungern durch die Dunklen Tage zu kommen.
Der Zorn und die Verzweiflung der Dorfbewohner wuchs über lange Zeit. Als Liveo dreizehn Jahre alt war, entschlossen die Bauern sich schließlich zum Aufstand. Doch ihre Erhebung scheiterte, nachdem ihr Aufgebot in einer Schlacht nahe dem Dorf von einer königlichen Armee schwer geschlagen worden war. Das Dorf wurde im Anschluss geplündert und zum Großteil niedergebrannt. Die Überlebenden wurden anderntags zusammengetrieben. Die Sieger ließen die erwachsenen Männer untereinander um ihr Leben würfeln. Wer verlor, wurde getötet. Aiolo und Timon hatten Glück und wie durch ein Wunder hat jeder aus Liveos Familie den Aufstand überlebt.
Das Dorf ist zwar inzwischen beinah völlig wiederaufgebaut, doch das Leid dieser Tage hat in jedem, der es erlebt hat, tiefe Spuren hinterlassen: Liveo hatte die Schlacht von einem Hügel aus beobachtet und konnte sehen, wie die im Krieg unerfahrenen Bauern von den besser gerüsteten und kampferprobten Söldnern niedergemetzelt wurden. Während die Häuser, in denen er aufwuchs, in Flammen aufgingen, rettete er seine Schwester mit knapper Not aus den von Feinden gestürmten Dorf. Am nächsten Morgen musste er hilflos zusehen, wie sein Vater und sein Onkel um ihr Leben spielten. Als es Nacht wurde, schlich er mit zwei Freunden auf das Schlachtfeld, um heimlich Gefallene zu bestatten. Dabei fand er das Schwert des getöteten Anführers der Bauern und nahm es an sich.
In den Monaten nach den Massaker hatte Liveo jede Hoffnung verlassen. Die Stimme Feylins war verstummt. Zuvor schien der Aufstand nichts als eine aufregende Geschichte zu sein, eine Geschichte, in der Sagen und Legenden mit einem Mal Wirklichkeit wurden. Doch die Wirklichkeit war viel grausamer als alles, was die alten Sagen erzählten. Die älteren Dorfbewohner hatten es gewagt und sind gegen ihre Unterdrücker aufgestanden. Sie waren tapfer, doch Tapferkeit hatte bei Weitem nicht gereicht. Der Aufstand war ein Fehler gewesen. Sie hatten sich zu einem Kampf hinreißen lassen, den sie gar nicht gewinnen konnten. Sie waren Bauern, keine Krieger. Der Aufstand war kein Kräftemessen gleichwertiger Gegner. Die niedergemetzelten Aufständischen starben, ohne etwas zu bewirken, sie gaben ihr Leben, ohne sich dafür wenigstens Ehre und Respekt verschafft zu haben. Der Aufstand hatte das Leiden der Gemeinschaft nur vergrößert. Ihr Schicksal schien unausweichlich zu sein.
Doch Liveo wollte sich nicht damit abfinden, dass es immer so sein sollte. Wenigstens nicht für ihn. Vorher wollte er alles geben. Wenn er dem Schicksal von Ausbeutung und Unterdrückung entrinnen sollte, dann musste er sich vor allen anderen auszeichnen. Er wollte Anerkennung und Respekt, er wollte etwas bewirken. Obwohl er von allen Erzählungen und Geschichten und ihren Botschaften und Versprechen inzwischen enttäuscht war, hatten sie ihn in der Zeit, als er noch an sie glaubte, ein ungewöhnliches Selbstvertrauen gegeben, das ihn auch jetzt nicht gänzlich verlassen hatte. Dazu kam das Wirken von Magie, dessen Anzeichen er weiter in sich spürte. Und so redete er sich, den Erfahrungen seiner Ohnmacht zum Trotz, wieder und wieder ein, dass er das Zeug zum Helden hätte, um gleich wieder von neuen Zweifeln übermannt zu werden: Denn wie konnte er ein Held sein? Ein Held musste doch Kräfte besitzen, mit denen er sich Bedrohungen entgegenstellen und sie überwinden kann. Wie sollte er, der nie gelernt hatte, eine Kriegsaxt oder ein Schwert zu führen, einem kampferprobten Krieger entgegentreten? Nach längerem Grübeln erkannte er, dass die nach dem, was er gesehen hatte, scheinbar ganz entzauberten Legenden hier doch eine Möglichkeit und einen Weg aufzeigten: Die alten Sagen erzählten ja nicht allein von Kampf, Krieg und Schlachten. Viele der Helden mit denen er vertraut war, bestanden ihre Abenteuer mit List, Witz und Gewandtheit. Nach dieser Einsicht war Feylins Geflüster wieder zu hören.
Nachdem Liveo Verzweiflung und Selbstzweifel überwunden hatte, kehrte seine alte Unbeschwertheit zurück. Daneben traten Wesenszüge, die schon vorher in ihm angelegt waren, deutlicher hervor. Er wurde wilder, wagemutiger und herausfordernder. Von nun an legte er Wert darauf, aufzufallen und sich Respekt zu verschaffen. Er wurde zum größten Angeber weit und breit. Langsam gelang es ihm, sich unter den Heranwachsenden des Dorfes in die erste Reihe zu drängen. Er ließ keinen Wettstreit aus und prügelte sich mit Rivalen, die deutlich älter waren. Und blieb nicht immer der Verlierer. Hauptsächlich verdankte er seinen Status innerhalb der Dorfjugend freilich dem Umstand, dass es ihm leicht fiel, andere für sich einzunehmen. Bei allem was er trieb, er blieb irgendwie sympathisch. Er besaß eine Ausstrahlung, mit der er Gleichaltrige - und nach und nach auch Erwachsene - in seinen Bann zog. Durch wilden Leichtsinn oder sein loses Mundwerk ließ sich freilich nicht jeder beeindrucken. Es war sein Glück im Unglück, das ihm zum ersten Mal zur Anerkennung des ganzen Dorfes verhalf: Es geschah in der Zeit der Dunklen Tage, er war gerade sechzehn Jahre, als ein Wolf in einem Waldstück recht nahe beim Dorf ein Schwein anfiel. Die Schleuder konnte er hier nicht einsetzen, und so wollte er das Tier mit seinem Stock vertreiben. Das war nicht ungefährlich, Wölfe waren immer unberechenbar, doch meist scheuten sie vor Menschen zurück. Dieser Wolf aber stürzte auf ihn los, riss ihn um, und unversehens musste Liveo um sein Leben kämpfen. Irgendwie konnte er das Tier mit seinem Messer töten, doch trug er eine Wunde an der Schulter davon und wäre in den Tagen danach beinahe am Fieber gestorben.
In letzter Zeit war das Leben in Bernar für Liveo noch einmal um ein gutes Stück gefährlicher geworden: Um einen neuerlichen Aufstand zu verhindern, hatte der König eine Schar Dunkelelfen gesandt, die seit mehreren Wochen dauerhaft im Dorf stationiert waren. Diese Krieger gingen ihrer Aufgabe gewissenhaft nach und verbrachten ihre Zeit damit, die Einwohner des Dorfes zu terrorisieren. Liveo war bisher klug genug, einen offenen Konflikt mit den Dunkelelfen, den er wohl kaum überleben würde, zu vermeiden. Ganz konnte er sein Draufgängertum freilich nicht verleugnen: Zwei Mal schon war er in den Keller der Elfen geschlichen, wo er aus ihren Fässern einen Krug Purpurwein zapfte. Die Elfen haben ihren Verlust bisher noch nicht bemerkt, doch Liveo machte aus den gelungenen Streichen nicht wirklich ein Geheimnis, sondern erklärte es gegenüber ein paar Gleichaltrigen prompt zur Mutprobe, den Wein mit ihm gemeinsam zu trinken. Vor einigen Tagen ist ein Paar Elfenstiefel verschwunden, was den Dunkelelfen wohl kaum entgehen konnte. Sein Vater Aiolo ist der Ansicht, dass Liveo sich über kurz oder lang wohl um Kopf und Kragen bringen würde, und hat ihm schon zweimal geraten, lieber das Dorf zu verlassen und fortzuziehen.
Inventar:
Liveos Kleidung besteht aus:
- Umhang/Decke aus schwerer Wolle, Tunika, Hose, Fußlappen. Als Gürtel dient eine kurze Hanfschnur.
- Messer in Hülle aus hartem Leder,
- Schleuder aus Leder
- kleiner geflochtener Weidenkorb
- 5 eiförmige Steine.
- Hirtenstab,
- Leinenbündel befestigt ist.
- Laib Brot und Zwiebel (= 1 Tag Proviant)
- Kürbisflasche (2l)
- Holzlöffel,
- Feuerbesteck: kleiner Lederbeutel, stark eingefettet und fest zugeschnürt, enthält Pyrit, Feuerstein, Zunder, Birkenrinde
- 3 Kienspäne
- Nähzeug (grober Zwirn, grobe Nadel)
- gegerbtes Wolfsfell,
- Alriks Schwert
Einstiegspost: Wenn der Charakter freigeschaltet ist, möchte ich den Einstiegspost in Bernar setzen.


