Der geschändete Tempel

Der Wassertempel zu Ehren der Göttin Ventha. Seefahrer besuchen diesen Tempel vor ihrer Abfahrt aufs Meer und beten für Wind in den Segeln, bringen sogar Opfergaben wie Seesterne oder eine Schale Wasser.
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Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. Mai 2012, 16:45

Azura kommt von Kata Mayan, die Todesinsel -> "Tanz der Toten"

Kühle empfing Azura, nachdem der Schmerz neuen Lebens langsam aus ihrem Körper wich. Lediglich am Kopf brannte es noch unangenehm, aber ansonsten gewöhnten sich Muskeln und Organe wieder daran, benutzt zu werden.
Sie lag, deshalb war es so kühl. Sie lag nämlich auf blankem Stein. Der Boden fühlte sich zudem feucht an. Es roch auch nach Wasser, allerdings lag da noch etwas Anderes in der Luft. Es war leich süßlich und doch weckte es einen Würgereiz, wenn man zu lange versuchte, den Ursprung dieses Dufts zu analysieren.
Nach und nach würden die schwarzen Sterne schwinden, die Azura selbst bei geschlossenen Lidern vor den Augen tanzten. Dann könnte sie erkennen, wo sie sich befand. Vielleicht war sie hier schon einmal gewesen. Gerade in Andunie war es von Vorteil einen Tempel der Ventha zu besitzen, denn die vielen Seefahrer kehrten oft hier ein, um für gute Winde zu beten. Aber auch bei den einfachen Anduniern war der Tempel immer sehr beliebt gewesen. Es gab regelmäßige Gottesdienste, zu denen sogar die eher tumben Apfelbauern die Arbeit niederlegten, um daran teilzunehmen. Sie lobten dann Ventha für ihre Güte, keine Stürme über das Land zu schicken und erflehten in heißen Zeiten der Abendsonne Regen für ihre Plantagen und Felder. Es gab sogar Wanderer, die von weit her reisten, nur um sich die Baukunst und magischen Wasserwege des Tempels anzusehen. Die Wassermagier der nahe gelegenen Akademie hatten dafür gesorgt, dass auch dieses Gebäude von einem System aus Rohren und Wassermagie geflutet wurde, so dass ein bezaubernd göttlicher Eindruck entstand. Es war eine Opfergabe für die Herrin von Wind und Wasser, die keine ihrer Launen jemals über den Tempel ausgelassen hatte. Offenbar gefiel er ihr.
Normalerweise war es auch ein wundervolles Gebäude mit einer großen Eingangs- und Bethalle, in der viele Springbrunnen standen. In der Mitte ragte Venthas Statue bis knapp unter die Decke, umringt von steinernen Möwen und Delphinen, die aus ebenso steinernem Wasser sprangen und in der Luft erstarrt schienen. Die Göttin selbst hielt einen gewaltigen Tonkrug, aus dem Wasser munter in das Becken plätscherte, das sie umgab. Die Säulen des Tempels waren nicht alle aus Stein. In der großen Bethalle gab es viele gläserne Varianten, die unterirdisch mit dem Meer verbunden waren. So schwammen oftmals Fische, kleine Krebse oder Quallen in diesen durchsichtigen Säulen umher, was vor allem Kinder zum Staunen brachte. Die Beleuchtung basierte auf ausgehöhlten Muscheln, die vor Kerzen an den Wänden befestigt worden waren. Es gab sogar einen Tempelgarten mit Dutzenden von Fischteichen und einer Stelle, die zum Strand führte, wo man Möwen füttern konnte.

All diese Pracht war von den Dunkelelfen zerstört und geschändet worden. Da sie allgemein nicht an Ventha glaubten oder zumindest nicht zu ihr beteten, war ihnen auch der Tempel der Göttin nicht heilig. Ihn zu einem Faldortempel umzuformen sahen sie allerdings zu anstrengend an, vor allem, weil es schwierig wurde, die wässrigen Systeme zu entfernen oder das Wasser durch Blut zu ersetzen. Beim Gedanken an Blut war dem dunklen Volk jedoch die Idee gekommen, den Tempel zu einem Sammelpunkt für ihre Opfer umzufunktionieren und so erstreckte sich das einstige Götterhaus nun jetzt als gigantische Leichenhalle über der Stadt.
Andunische Soldaten wurden hier gleichermaßen achtlos abgeladen wie alle anderen, die sich den Dunkelelfen kühn und dumm in den Weg gestellt hatten. So auch Azura ... sie hatte es gewagt, gegen die Frau vorzugehen, die sie als Sklavin nutzen wollte und ihr schließlich die Haare verbrannt hatte. Verbrannt roch es übrigens nicht mehr.

Azura lag, teilweise auf dem kalten Stein, teilweis auch auf einem Körper. Dieser lebte, das spürte sie, weil er warm war. Und weil sich die Brust unter ihr hob und senkte. Weil jemand leise wimmerte. Jener jemand hatte ihr geholfen, den Weg ins Leben zurück zu finden. Denn jener Jemand war es, der noch immer durch das goldene Kettchen mit ihrem Handgelenk verbunden war. Der hier halb unter ihr lag und aus dem das Leben strömte, das Azura im Reich des Gevatters über den leuchtenden Faden zurück in ihren Körper gelotst hatte. Corax Rabenschrei war schwer verletzt, dass es den Stein in unmittelbarer Umgebung rot färbte.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Sonntag 3. Juni 2012, 14:55

Die junge Frau hatte keine Ahnung, welche Wesen da auf sie zugekrabbelt gekommen waren, sie hatte einfach nur Todesangst vor ihnen gehabt, so paradox das vermutlich auch für jemnaden klingen würde, der wüsste, dass sie eigentlich schon gestorben war. Aber sie war unwissend in der Hinsicht und hatte sich auch sonst nie sonderlich dafür interessiert, was danach einmal kommen würde, wenn ihr schönes Leben in Andunie enden würde. Das Fest auf ewig wäre wahrscheinlich etwas nach ihrem Geschmack gewesen, hätte sie sich dort nicht so seltsam und teilweise auch ein wenig von dem Galan bedrängt gefühlt, der sie am Ende obendrein noch gekränkt hatte.
Nein, ihr war nicht bewusst, wo sie sich befand, geschweige denn warum, und somit hatte der Anblick dieser Kreaturen dafür gesorgt, dass sie endlich geflüchtet war von jener Stelle, auf der sie gelandet war. Ihre Beine hatten sich mit einem Mal wie von alleine bewegt, schneller, als sie es jemals zuvor in ihrem Leben getan hatte, sah man von der ein oder anderen kleinen Szene von ihr als Kind ab, und sie hatte erst nach mehreren Schritten überhaupt bemerkt, dass sie instinktiv dem Faden weiterhin gefolgt war. Er war ihr als der einzig richtige Leiter erschienen, sodass sie nicht einmal in die Versuchung gekommen war, ihre Richtung auch nur um Millimeter zu ändern.
Jedoch hatte bald schon das Licht damit begonnen, sie immer stärker werdend zu blenden, was sie dennoch nicht hatte langsamer werden zu lassen. Und dann wandelte sich erneut alles schlagartig und das auf eine derart gravierende Weise, dass Azura tatsächlich die Sinne schwanden.
Schmerz durchzuckte sie am gesamten Körper, außen wie innen, und durchbrach des Öfteren sogar die gnädige Dunkelheit, die sie einhüllen wollte. Vielleicht gelang es ihr auch für wenige Momente, vielleicht für Minuten oder mehr oder vielleicht auch gar nicht, da war sie sich im Nachhinein nicht so sicher. Sie konnte lediglich sagen, dass ihr Aufwachen beinahe so seltsam war wie jener Traum, den sie gerade gehabt hatte... oder war sie nun in einem Traum gefangen, da sie so schnell gelaufen war und geschwächelt hatte?
Die junge Frau war ganz durcheinander, spürte hier und da Schmerzen, stärker und schwächer, bewusster und unbewusster, ohne ihre Gedanken dadurch ordnen zu können. Auch breitete sich, wohl wegen der Anstrengung, eine leise Übelkeit in ihrem Bauch aus und drohte zu etwas Stärkerem heran zu wachsen. Dass dies an dem Geruch der Umgebung liegen könnte, auf die Idee kam sie noch nicht, dazu war sie viel zu mitgenommen.
Leise stöhnend wand sie sich ein wenig, ehe sie auf den Gedanken kam, dass sie versuchen könnte, ihre Lider anzuheben. Blinzelnd tat sie es und dennoch dauerte es viel länger als sonst, bis sie damit begann, ihre Umwelt auch sehen und vor allem erkennen zu können.
Natürlich kannte Azura den großen Tempel ihrer Heimatstadt und hatte ihn schon öfters besucht. Zwar hatte sie jene Zeiten gemieden, in denen viele Personen hier Eingang fanden, vor allem die Gottesdienste, die für sie eher langweilig waren, aber das hieß nicht, dass sie nicht auch ab und zu etwas für Venthas Gunst getan hatte. Nicht so viel, wie sie laut ihren Eltern hätte tun sollen, doch immerhin etwas, um der Göttin zu zeigen, dass es sie gab. Wenngleich sie sich niemals sonderlich viele Minuten in diesen Mauern aufgehalten hatte, weil es ihr schlichtweg zu feucht gewesen war.
Ein Umstand, der ihr schon ausreichend den Spaß an zu viel Beschäftigung mit ihrer Wassermagie verdorben und sich auch an diesem Ort ausgewirkt hatte, nämlich jenes Erbe, das eigentlich dem gegenteiligen Element, dem Feuer, zu zuschreiben war. Und auch jetzt fühlte sie sich miserabel, nicht nur wegen ihres körperlich Zustandes, sondern auch wegen all dem Wasser rund um sie herum, mochte man es nun sehen und hören können oder nicht. Die Nähe reichte schon, solange es sich um geschlossene Mauern darum handelte.
Mit einem weiteren leisen Stöhnen drehte sie sich mühselig zur Seite und versuchte, sich allmählich in die Höhe zu stemmen. Es war schwieriger, als es sein sollte, vor allem, da sie sich noch nicht erinnern konnte, was überhaupt mit ihr geschehen war. Noch dazu rutschte sie immer wieder leicht ab, wodurch sie erneut das Gleichgewicht verlor und zurück sackte, weil der Boden anscheinend nicht ganz so glatt und unnachgiebig war, wie sie es in Erinnerung hatte.
Zumindest bildete sie sich das ein, bis sie einen Laut dicht an ihrem Ohr hören konnte, der sie irritiert blinzeln ließ. Er sorgte dafür, dass sie langsam den Kopf drehte und zu erkennen versuchte, was dafür verantwortlich war, und wie sie dem entgehen könnte, um endlich auf die Beine zu kommen, so bleiern sie sich auch anfühlen mochten.
Allerdings war dieser Vorsatz keine zwei Sekunden später vergessen, als sie in ein bleiches Gesicht starrte, das ihr irgendwie bekannt vor kam, obwohl sie ihre Gedanken noch längst nicht sortiert hatte. Jedoch war darunter auch ein roter Blutfleck und so etwas erkannte sie trotz allem beinahe sofort.
Sie stieß einen spitzen, erschrockenen Schrei aus und prallte zurück, als wäre sie gegen eine Wand gelaufen. Dadurch rutschte sie endlich ganz von dem Körper herunter, der noch lebendig sich angefühlt hatte, und begann sofort damit, wegkrabbeln zu wollen von diesem Fleischberg. Die Übelkeit in ihrem Magen nahm schlagartig um ein Vielfaches zu und saurer Speichel sammelte sich bereits in ihrem Mund, noch ohne dass sie tatsächlich begriffen hätte, was sie da überhaupt sah... und wen.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Montag 4. Juni 2012, 16:58

Miriel mit Tochter und Ryld kommt von DieWüste Sar->“Die Suche nach der Prophezeiung"


Der Abschied war echt zügig gegangen. Shy-rash wünschte ihnen alles Gute für die weitere Reise. Das mit dem Propheten hatte sie mit einem Kopfnicken hingenommen. Vielleicht in den Wissen, dass dies vorherbestimmt war. So vieles war jedoch noch immer im Nebel verborgen.
Aber Miriel wollte nicht mehr. Sie hatte genug von Sand und Intrigen. Erhoffte sich in der Heimat endlich ein normales Leben führen zu können. Wollte Ryld das normale friedliche Leben zeigen und ihre Tochter in einer behüteten Umgebung aufziehen.
Ryld fiel der Abschied am schwersten mit seinem Skorpion. Es war ein treues Tier gewessen und er wollte es ungern zurück lassen. Doch es war eine Stadt , die sie als Ziel hatten. Und dort würde dieses Tier unglücklich werden.
Tatsächlich war es die Schamanin der Echsen, die ihn jedoch die Mögichkeit gab, sein treues Tier mitzunehmen. Ein Zauber- der durch die Macht der alten Echsen gewirkt wurde, schrumpfte das Tier auf Handgröße. So konnte er seinen Skorpion mitnehmen. Auf der Schulter sitzend wie eine hässliche Spinne würde sie ihren Herrn nicht verlassen. Er nickte nur dankbar ihr zu, wenn sein gesicht nicht gerade die größten Regungen zeigte.
Dann traten sie hindurch. Der Spiegel, welcher ein Portal war.
Die Echsen hoben zum Abschied die Hand und ließen ein furchterregendes Quitschen und Schnalzen entweichen.
Der Abschied.

Der Spiegel begann zu flimmern als Miriel durchtrat.
Farben wild und grell zogen an einem vorbei.
"Wohin soll es gehen?...ah, ich seh es!"
Schien eine emotionslose Stimme zu fragen.
Winde rauschten an einem vorbei. Heiß und kalt zugleich. Sie zerrten an einem, wollten jemanden mit sich reißen, wenn man nicht sein Ziel im Auge hatte.
Es fühlte sich an, als würde man in tausend Stücke zerrissen werden, dannn kamen die Bilder. Bilder von Ländereien.Von Wäldern und fremden Orten.
Vieles war durch dunkle Schlieren verborgen.
Dann konnte man es mehr und mehr erkennen. In schwaz und weiß und in Grautönen zeigten sich dann Bekanntes.
Die großen Stadtmauern- so wie Miriel es in Erinnerung hatte. Ihre Heimat.
Sie sah den Ort, wo sie ihr eigenes Leben aufgebaut hatte. Dort wo sie ausgebildet wurde und sich selbstständig machte. Es war zum Greifen nah - ihre Töpferwerkstatt, dann zog das Bild weiter. Zum Tempel der Venthra. Groß und mächtig, so wie er war..
„geh weiter, Miriel“ hörte sie aus Entfernung die Stimme von Ryld. Sollte sie sich umdrehen, so stand er jedoch direkt hinter ihr. Alles wirkte auf fremde Weise bizarr und absonderlich.
Nicht wirklich.
Vergangen.

Ein Tunnel hatte sich ergeben, seitlich spiegelten sich die Orte, welche Miriel kannte. Diese alle farblos, dann kam Farbe ins Spiel.
Oft sah sie Zerstörung. die Bilder huschten vorbei.
Sah ein gigantisches Tor, welches in Trümmern lag.
Sah das Meer, welches durch Schiffe die Totenkopfflaggen gehisst hatten, beherrscht wurde.
Eine Stadt im Wald, welche ducrh das dunkle Volk beherrscht wurde. Irgendwie gab es vieles, was durch Dunkelheit geprägt wurde.

Plötzlich fühlte man Boden unter sich, der bei jedem weiteren Schritt zu knirschen anfing. Die Bilder veränderten sich. Ryld schob Miriel vor, egal was jetzt kommen würde, sie mussten weiter. Und das helle Licht mit den freundlichen Bildern begann zu schwinden.
Die wirren Worte von Dunkelheit und das etwas fallen wird . Prophetische Aussagen eines wirren Magus, schienen wie ein Hall in der Luft zu liegen. Eine flackernde Oberfläche breite sich vor ihnen aus. Das Ende des Portals.
„Blicke nur nach vorne“ hörte sich die Stimme von Ryld nervös, ja fast schon entsetzt an?
Der Boden war plötzlich gepflastert. Nicht mit Stein- nein Leichen. Mehr und mehr. Verstümmelte und hingerichtete Menschen. Gesichter voller Gram und Schmerz, die nach dem Tod einen verfluchten und nach Erlösung riefen. Die Wände schienen rot vor Blut und Russ zu sein.
Ein schriller und grellender Frauenschrei hallte von irgendwo her.
Ryld hatte Miriel am Arm festgehalten. Sie wäre sonst gestolpert. Irgendwo waren sie.
Sie standen vor einer ehemaligen Abbildung von der großen Wassergöttin Venthra. Die Statue lag am Boden, nichts war mehr von ihrer Schönheit zu erkennen. Die Luft flimmerte einen kurzen Moment noch, dann hüllte einen der Gestank von Tod und Eisen und Feuer ein.
Wo waren sie?
Erst beim zweiten Blick würde Miriel den Tempel der Venthra erkennen. Den Tempel, werlcher in ihrer Wahlheimat stand.
Andunie.
„Was bei Manthala“
Nicht weit von ihnen lagen Tote. Nicht gerade wenig. Der Altar, wo man die Göttin huldigte war mit Blut besudelt.
Dies war eindeutig nicht das Andunie, welches Miriel kannte. Vielleicht wäre sie in der Wüste besser dran.
„Bleib hier“ befahl er ihr rasch und sah sich um. Seine Kleidung war noch die für die Wüste passend, verbarg wer er wirklich war. Ein Wüstenkrieger.
„Das ist Dunkelelfenwerk… hier wurde Faldor gehuldigt“ Er sah sie an. War das der Ort, den sie ihn zeigen wollte?
Irgendwo konnte man eine Gestalt sehen. Ryld hatte sofort seine Klinge aus Schatten in den Händen.
Man konnte entsetztes Keuchen hören.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 5. Juni 2012, 23:32

Was immer Miriel auch dachte was passieren würde, es war auf jeden Fall völlig anders. Kaum hatte sie die Oberfläche des Reisespiegels durchdrungen, überkam sie das Gefühl als würde sie durch einen Tunnel schreiten. Zu beiden Seiten des Tunnels zogen Bilder verschiedener Orte vorbei. Orte, an denen sie bereits einmal verweilte. Ihr Geburtshaus im Eldoras, Pelgar, Zyranus und ihre kleine Töpferei in Andunie. Kurz blieb sie stehen und drehte sich zu Ryld um, wollte ihn fragen, ob dies alles Austrittspunkte des Spiegels wären, doch Ryld ermahnte sie mit ernster Stimme weiter zu gehen. Er gab keine Erklärung, aber die Eindringlichkeit seiner Worte trieb Miriel weiter voran.
Dann endlich stolperte sie mit einem letzten Schritt aus dem Tunnel. Verdächtig schwankend versuchte sie Halt zu finden, versuchte, benommen wie sie war, nicht zu stürzen. Gleichzeitig suchten ihre Augen sich an das herrschende Dämmerlicht anzupassen. Kurz hinter ihr trat Ryld aus dem Tunnel. Sie sah es nicht, da sich ihre Augen noch nicht an das dämmrige Licht gewöhnt hatten, aber sie konnte Ryld hören.
„Sag mal, hast du auch die Stadt voller Dunkelelfen gesehen? Und dann das zerstörte Stadttor und die Piratenschiffe. Was sollte das denn sein?“, fragte sie ihn. Langsam konnte sie erste Konturen erkennen, während sie sich zu Ryld umdrehte.
Der Ort kam ihr seltsam vor. Nicht nur das dämmrige, schummrige Licht, auch der Geruch der hier vorherrschte und den Miriel erst jetzt bewusst wahrnahm. Es roch wie verwesendes Fleisch. Sie kannte diesen Geruch, denn oft genug war ihr während ihrer Reisen das Fleisch des Proviants verdorben. Und das hatte dann auch immer diesen süßlich ekligen Geruch an sich.
„Wo zum Geier sind wir hier gelandet, das ist doch niemals ...“
Rylds Ausruf erfolgte gleichzeitig mit Miriels entsetztem Aufschrei. Sich auf halbem Weg zu Ryld umdrehend hatte sie endlich ihre Umgebung wahrgenommen und was sie sah ließ sie schrill aufschreien. Mit vor Entsetzen geweiteten Augen taumelte sie bis zur rückwärtigen Wand wo sie mit zitternden Beinen krampfhaft Halt suchte. Ihr Blick war starr auf die vor ihr liegenden Leichen gerichtet. Leichen von Frauen, Männern und Kindern, entsetzlich zugerichtet. Die Männer mit deutlichen Zeichen von grausamster Misshandlung, die Frauen geschändet und die Kinder ... nein, sie konnte nicht länger hinsehen. Sie ertrug den Anblick einfach nicht länger. Sich abwendend übergab sie sich, würgte das Entsetzen, die Angst und den Ekel heraus bis sie schließlich nur noch brennenden schleimigen Magensaft empor würgte.

Nein! Neeeiiiiin!, schrieen ihre Gedanken. Das konnte nicht Andunie sein. Das durfte einfach nicht Andunie sein. Der Spiegel hatte sie an einen anderen Ort gebracht. Ja, das musste es sein. Doch dann sah sie die umgestürzte Statue. Die Statue Venthas und die schreckliche Erkenntnis brach sich in ihrem Kopf mit Gewalt Bahn. Dies war Andunie, dies war der Tempel Venthas, der Tempel, den sie schon so oft besucht hatte. Damals sah er noch erhaben aus, beherbergte keine Leichenberge.
„Was bei Florencia ist hier geschehen?“ hauchte sie fassungslos, den Würgereiz krampfhaft unterdrückend. Mühsam schluckte sie die aufsteigenden Magensäfte wieder hinunter, dann murmelte sie leise vor sich hin:
„Dunkelheit zieht über das Land ... alles wird fallen.“
“Was? Geht es dir gut?“ Besorgt trat Ryld zu Miriel und stützte sie, da sie noch immer zittrig auf den Beinen war.
“Nein Ryld es geht mir nicht gut. Schau dich doch um. Ich musste eben an Maurizius Worte denken: Dunkelheit zieht über das Land ... alles wird fallen. Ich glaube er meinte damit dies hier. Das ist nicht das Andunie, das ich kannte. Es muss etwas Grauenvolles geschehen sein.“
Ja, du hast recht. Dies hier ist Dunkelelfenwerk. Hier wurde Faldor gehuldigt.“

Ein gellender Schrei von irgendwo aus dem Tempel ließ die Erdmagierin zusammenzucken. Während Ryld sofort wachsam aufsprang begann Toireasa laut zu greinen. Schnell verschob Miriel das Tragetuch, sodass ihre Tochter auf ihrer Brust zu liegen kam und sprach beruhigend auf sie ein. Als die Kleine sich endlich beruhigte wandte sie sich wieder an Ryld, der weiter wachsam die Umgebung musterte.
“Wir brauchen Informationen. Wir müssen wissen was hier geschehen ist, was uns dort draußen außerhalb des Tempels erwartet.“
Die Gelegenheit kam schneller als gedacht. Der Schatten einer Gestalt taumelte in ihre Richtung, entsetztes Keuchen war zu hören. Sofort hatte Ryld sein Schwert in den Händen, bereit beim kleinsten Anzeichen von Gefahr, diese gnadenlos zu bekämpfen. Nun war er wieder der emotionslose Wüstenkämpfer als den ihn Miriel kennen gelernt hatte.
Wer auch immer da auf sie zukam, der Schrei und das Keuchen verrieten der Erdmagierin, dass die Person vom selben Entsetzen gepackt war wie sie selbst. Es handelte sich demnach mit ziemlicher Sicherheit nicht um Dunkelelfen. Sie erkannte aber auch, dass Ryld dann wohl der letzte war, dem diese Person hier begegnen wollte und dass der Dunkelelf, wenn sie Informationen bekommen wollten, im Moment eher hinderlich war.
“Ich glaube es ist besser wenn du dich im Hintergrund hältst. Lass mich sprechen und halte dich aus dem Blickfeld. Wer auch immer das ist, er dürfte nicht gut auf Dunkelelfen zu sprechen sein.“, flüsterte sie ihrem Begleiter zu. Der Dunkelelf nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte und zog sich in den Schatten zurück, sodass er mit dem dämmrigen Hintergrund verschmolz und für das ungeübte Auge so gut wie unsichtbar wurde.
Miriel überzeugte sich noch einmal, dass Ryld nicht zu erkennen war, dann rief sie in die Richtung, aus der die Geräusche kamen:
„Hallo? Ist da wer? Keine Angst, ich tu euch nichts. Könnt ihr mir sagen, was hier geschehen ist? Bitte, wenn ihr mir helfen könnt ...“
Vorsichtig, immer darauf bedacht, nicht auf eine der Leichen zu treten, näherte sie sich der Quelle der keuchenden Geräusche. Dabei immer auf ihre Magie konzentriert, bereit diese zu ihrem Schutz einzusetzen. Zum Glück bestand der Boden aus feinstem Granit und Marmor. Genug Material, um blitzschnell einen Erdschild um sich zu errichten. Schritt für Schritt tastete sie sich voran, bis sie endlich die Ursache der Keuchgeräusche sah. Eine Frau, recht jung noch, auf jeden Fall um einiges jünger als sie selbst. Und sie sah ebenso geschockt aus wie Miriel selbst es noch immer war. Leise, darauf bedacht die junge Frau nicht noch mehr zu ängstigen, wiederholte Miriel ihren vorherigen Zuruf. Sicherheitshalber hob sie zum Zeichen ihrer Friedfertigkeit beide Hände etwa auf Höhe ihrer Schultern, die leeren Handflächen der Frau zugekehrt. Sie wollte damit nur unterstreichen, dass sie ihr nichts böses wollte. Hoffentlich verstand die Frau diese Geste. In ihrem geschockten Zustand konnte sie durchaus unberechenbar sein.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Donnerstag 7. Juni 2012, 02:16

Die junge Frau hatte Dinge hinter sich, die noch lange brauchen würden, bis sie diese tatsächlich auch nur im Ansatz verarbeiten könnte. Höchstwahrscheinlich würde sie obendrein dafür Hilfe benötigen und eines stand jetzt schon fest: sie wäre eindeutig nie wieder die selbe wie noch vor zwei Tagen, ehe diese Harlunken in ihren Garten eingedrungen waren.
Noch war sie viel zu verwirrt, um überhaupt einen klaren Gedanken fassen zu können. Sie war sogar so sehr durcheinander und noch nicht vollständig ins Leben zurück gekehrt, dass sie die Geräusche ihrer Umgebung nicht einmal wahrnahm. Selbst der Schrei und das Würgen glitt an ihr vorbei, als wäre es nichts weiter, als das Echo eines verrückten Traums.
Das wurde erst recht nicht besser, als sie feststellte, ohne es recht begreifen zu können, dass sie auf einem blutenden Körper lag. Regelrecht entsetzt prallte sie zurück und schlug schließlich sogar die Hand erschrocken vor den Mund, als ihre Augen allmählich erkannten, was und in welchem Zustand ihr Liegeplatz gewesen war. Ihre Finger zitterten heftig und ihr Gesicht war so blass, wie es unter den Brandflecken nur sein konnte. Überhaupt ziepte und zog es an vielen Stellen ihres Körpers und in ihrer Nase lag ein Gestank, den sie nicht einmal wirklich identifizieren wollte. Auch ging ihr Atem viel zu hastig und hätte sie noch die Korsage getragen, hätte sie sich selbst innerhalb weniger Sekunden an den Rand einer erneuten Ohnmacht gebracht.
Es war zu schrecklich, ein Ablauf von Situationen, die sie überforderten und schockierten, sogar dann, wenn sie die Hintergründe niemals recht würde begreifen können. Sie interessierten sie nicht einmal vollständig. Nein, Azura wünschte sich nur in das Anwesen ihrer Eltern zurück, in den friedlichen, idyllischen Garten, in dem sie an jenem Vormittag gesessen und sich gelangweilt hatte.
Erst jetzt, als sich allmählich die Umgebung rund um sie zu klären begann, konnte sie ein Geräusch ausmachen, das sie absolut nicht einordnen konnte. Das Greinen eines Säuglings passte nicht in die Szenerie, sodass es sie vielmehr irritiert, als ihr half, endgültig in die Wirklichkeit zurück zu finden und auch wieder handeln zu können.
Noch immer starrte sie auf den blutenden Soldaten, den sie so oft schon die Pest an den Hals gewünscht hatte, und dessen Anblick ihr trotzdem die Kehle eng zuschnürte. Sie hatte sich auf allen Vieren weggestoßen von dem Körper und irgendwie schaffte sie es sogar, sich auf die Beine zu kämpfen, taumelte jedoch und brach bald wieder ein, sodass sie sich auf Händen und Beinen abstützen musste, um nicht zur Seite zu kippen. Außerdem war da ein Band um ihr Handgelenk, das sie nun anstarrte und krampfhaft versuchte, in ihrem Kopf zu suchen, was ihr daran so merkwürdig vorkam.
In diesem Zustand war sie, als sie glaubte, eine Stimme zu hören. Allerdings konnte sie sich das auch eingebildet haben, immerhin rauschte das Blut in ihren Ohren und ihr Herz schlug derart laut, dass sie das Gefühl hatte, als wolle es ihr aus der Brust heraus springen. Nein, die junge Frau bekam nichts mit, sondern war vollauf damit beschäftigt, sich in eine halbwegs bequeme, sitzende Position zu kämpfen, in der sie nicht zu sehr schwankte oder glaubte, sich bald übergeben zu müssen. Denn auch sie verspürte deutlich eine Übelkeit, die in ihren Gedärmen rumorte.
Und dann, sie hatte ihr Ziel beinahe erreicht, als die eingebildete Stimme erneut erklang, diesmal erheblich näher. Mit einem leisen Schrei des Entsetzens wirbelte sie herum und prallte unwillkürlich mit dem Rücken wieder gegen den dunkelelfischen, blutenden Soldaten.
Als hätte sie sich daran verbrannt, schrie sie erneut auf und versuchte, hastig von ihm wieder weg zukrabbeln. Sie schaffte ein paar Zentimeter, ehe sie sich an die fremde Person erinnerte. Ihr Kopf ruckte zu dieser und mit stark geweiteten Augen starrte sie zu ihr keuchend hoch.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. Juni 2012, 23:41

Hinweis: An dieser Stelle beginnt das Zwischenspiel zwischen Azura und Miriel Lefay. Die beiden Moderatoren, Kazel und Isildur, werden nur bedingt und in gemeinsamer Absprache eingreifen, bis das Zwischenspiel endet. Euch ist es erlaubt, die NPCs entsprechend ihres Charakters zu steuern. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie sie wohl reagieren würden, dafür aber kein Erzählerpost nötig wäre, kann das auch per PN mit dem Mod schnell abgeklärt und im eigenen Post dann übernommen werden.
Wir, die Moderatoren, behalten uns vor, in das Zwischenspiel einzugreifen, sollte es nötig sein. Ansonsten halten wir uns jetzt etwas zurück ;)

Und der Ordnung halber: Azuras Lebensenegie hat den Zustand: Bild


Azura konnte von Glück sprechen, dass die Götter sie mit der Gabe der Magie gesegnet hatten. Denn andernfalls wäre der Tod wohl beständig geblieben oder die Schmerzen hätten sie sofort die Nachwelt zurück befördert, kaum dass sie sich ihrer bewusst geworden wäre. Denn ohne ihre schützende und von selbst ausgebrochene Wassermagie hätte es die dunkelelfische Feuerhexe Serpentis Mortis mit ihrer hitzigen Kraft geschafft, Azuras Gesicht für immer zu entstellen. So hatte sich zwischen die feurigen Hände eine dünne Schicht magischen Wassers gelegt, die das Schlimmste hatte verhindern können. Ja, Azura besaß Verbrennungen und man konnte durchaus sagen, dass sie verletzt war und Hilfe brauchte, aber bei einer entsprechenden Heilung würden weder Narben noch unschöne Rückstände bleiben. Auch wenn man das im Moment nicht so ganz glauben mochte, denn Gesicht und Haare glichen einem unseligen Brandopfer. Ihr schönes Haar war natürlich kaum mehr zu retten gewesen. Da waren nicht nur die Spitzen angesengt. Das Feuer hatte sich durch ihre schöne Mähne gefressen und einige buschige Enden hinterlassen. Azura würde es das Herz brechen, in einen Spiegel zu schauen und ihre abstehenden Zotteln mit den brandgeschwärzten Enden entdecken zu müssen. Auch ihr Kleid hatte gelitten, nicht jedoch der kleine Parfumflakon, der jetzt, da sie erschreckt zurückwich, aus der Hand des Soldaten kullerte, dessen Anblick sie so erschreckt hatte. Corax Rabenschrei sah noch schrecklicher aus als sie selbst und auch sein Schicksal wollte man nicht freiwillig auf sich ziehen - zumal er im Begriff war, zu sterben.

Noch lebte er, aber wie lange noch, war ungewiss. Er sah furchtbar aus. Auf seiner dunklen Stirn stand der Schweiß, die Augen hielt er geschlossen, als wollte er die sonst so leuchtenden Rubine vor der Welt verbergen. Das weiße Haar klebte ihm schweißnass an der Stirn, hing über die spitzen Ohren herunter, die an den Enden irgendwie blässlicher wirkten. Auf seiner Wange prangte ein Kratzer, aber der war es nicht, was ihn flach atmen, leise wimmern und beinahe krepieren ließ. Grund für seinen vermutlich baldigen Tod waren die Strieme auf Brust und Rücken. Seine Rüstung - jedenfalls sein Harnisch - war verschwunden. Man hatte Corax ebenfalls entwaffnet. Er trug lediglich noch die dunkle Lederhose und seine Stiefel, aber über seinen Torso zogen sich so viele Striemen von Peitschenhieben, dass sie fast ein faseriges Muster bildeten. Ein Muster aus Blut. Es strömte ihm aus dem Körper, das Herz pumpte es im Sekundentakt heraus. Die Lache, in der er halb lag, halb an der kalten Steinwand lehnte, gehörte ihm allein. Der unebene Stein der Tempelwand drückte gegen die frischen Wunden, presste sich tief ins Fleisch und sorgte auf diese Weise für mehr Schmerz. Doch Corax spürte diese Pein kaum mehr. Es war nur noch blanker Schmerz, so brennend, dass er sich eiskalt anfühlte und ihm die Kehle zuschnürte.
Azura hätte den dunkelelfischen Soldaten und eigentlichen Lakaien der Feuermagierin einfach liegen und sterben lassen können. Sie beide hatten sich die ganze Zeit über kein bisschen verstanden. Er hatte sie Göre genannt, geschlagen und gedemütigt, indem er ihr die Kleidung vom Leib gerissen hatte. In Azuras Augen hatte Corax sein Schicksal vermutlich verdient. Das würde sie selbst entscheiden müssen. Allerdings entkam sie diesem Kerl nicht. Man hatte beide zwar in die umfunktionierte Leichenhalle gebracht, aber niemand hatte es für nötig befunden, zwei Todgeweihte von ihrer magischen Kette zu trennen. Das goldene Gliederkettchen, das aussah, als könnte man es mit bloßen Fingern zerreißen, verband die beiden immer noch und nur Azura und Corax wussten, dass Körperkraft sie nicht trennen würde.
So rutschte der Soldat mit einem Ruck nach vorn, als die Adlige vor ihm zurückwich, klappte fast in sich zusammen und gab ein schmerzerfülltes Stöhnen von sich, als die Wunden aufgrund der Bewegung teilweise noch weiter aufrissen. Die Haut hing ihm vom Leib, die Wunden waren klaffende Schluchten auf Rücken und Brust. Wenn man ihm nicht half, würde er hier sein letztes bisschen Leben aufhauchen und dann müsste Azura einen toten Elfen hinter sich her schleifen. Überhaupt schien er dem Tode bereits näher als dem Leben, denn auf die plötzlich eingetroffenen Fremden, von denen einer ebenfalls ein Dunkelelf war - wenn auch getarnt - reagierte Corax nicht. Auch nicht auf das Weinen des Säuglings oder die Worte Miriels, die jetzt erst einmal damit klar kommen musste, dass die wie verbrannte und zerschlagene Leichen aussehenden Gestalten keine waren - nocht nicht.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Donnerstag 14. Juni 2012, 22:39

Die Situation, in der sich Miriel und Ryld nach ihrem Durchgang durch das Spiegelportal wiederfanden, war vollkommen aberwitzig. Sie kam der Erdmagierin unwirklich und absurd vor. Statt in eine blühende und vor Lebenskraft sprühende Stadt kamen sie in einer albtraumhaften Welt aus Tod, und Gestank an. Zu allem Überfluss meinte Ryld dann auch noch, dass dies das Werk von Dunkelelfen sei, ihre Art Faldor zu huldigen.
Wenn sie es nicht besser wüsste, so würde Miriel glauben, Andunie wäre von Dunkelelfen überrannt worden. Das jedoch erschien ihr noch abstruser als die Leichen in Venthas Tempel. Andererseits, die Andunier würden nie auf solch eine frevelhafte Idee kommen und diesen Tempel in derartiger Weise schänden.
Sie wusste nicht was sie von der Situation halten sollte, ihnen fehlten einfach die notwendigen Informationen. Und dann trafen sie unvermittelt auf dieses Mädchen, die Möglichkeit, die so dringend benötigten Informationen zu bekommen.

Leider erwies sich das Unterfangen als erheblich schwieriger als von Miriel angenommen. Denn nun, da sie sich ihr bis auf wenige Schritte genähert hatte und sie ansprach, reagierte sie nicht einmal auf die Worte der Erdmagierin. Wie von Sinnen und von Angst getrieben war sie damit beschäftigt, von einem der dunkelelfischen Soldaten wegzukriechen, an den sie, wie Miriel erst jetzt bemerkte, mit einer goldenen Gliederkette gebunden war.
Da das Mädchen für den Moment nicht ansprechbar schien, nahm sich Miriel die Zeit, sie etwas genauer zu betrachten. Bis dahin hatte sie nur einen kurzen Blick auf sie werfen können, doch nun ... jedes noch so winzige Detail konnte wichtig sein. Was sie dann jedoch sah, stimmte die Erdmagierin noch trauriger, als sie so schon war. Die junge Frau befand sich in einem bemitleidenswerten Zustand. Das ehemals wohl volle und schöne kupferrote Haar hing ihr nur noch in versengten Strähnen vom Kopf. Stellenweise war ihr Haupt sogar völlig kahl. An diesen Stellen wies die Kopfhaut eindeutige Spuren von Verbrennungen auf. Auch ihr Gesicht und ihr Körper bis hinunter zu den Schultern und Oberarmen wies erhebliche Verbrennungen auf. Zu ihrem Glück waren sie nicht so schwer, dass die Haut Blasen warf, die später zu Narben führen würden, aber schmerzhaft waren ihre Verbrennungen allemal. Auch die Sachen, welche sie am Leib trug, einst sicher von ausgesuchter Qualität und wertvoll, bedeckten nunmehr ihren Körper mehr schlecht als recht. An vielen Stellen waren sie verkohlt und löchrig, anderswo hingen sie nur noch in Streifen herab. Was immer diesem Mädchen widerfahren war, es hatte sie in einen üblen Schockzustand versetzt. Wie ein verängstigtes Tier suchte sie sich zu verkriechen, machte sich klein und robbte von dem an sie geketteten Soldaten fort.
Dessen Zustand, so erkannte Miriel, war noch wesentlich schlimmer als der des Mädchens. Im Grunde war er dem Tod näher als dem Leben und sollte ihm nicht sofortige Hilfe zuteil werden, würde er binnen der nächsten Stunden sterben.

Den Blick auf den tödlich verletzten Soldaten gerichtet gewahrte Miriel aus dem Augenwinkel eine Bewegung des Mädchens. Deren Blick hatte sich unvermittelt auf die Erdmagierin gerichtet, ganz so als wäre sie sich erst jetzt der Anwesenheit Miriels bewusst geworden.
Einem Reflex folgend wollte das Mädchen vor Miriel zurückweichen, was diese dazu veranlasste schnell vor ihr in die Hocke zu gehen und ihre Hände zu ergreifen. Sanft strich sie mit ihren Fingern über die rauen,geröteten und rissigen Handrücken des Mädchens und sprach beruhigend auf sie ein:
“Scht, ruhig. Habt keine Angst. Ich will euch nichts tun. Ich möchte euch helfen, aber dazu brauche ich erst eure Hilfe. Versteht Ihr was ich sage?“
Intuitiv benutzte Miriel die Sprache ihres Volkes. Sie nahm an, dass es auch die Heimatsprache des Mädchens war. Immerhin war sie ein Mensch. Und es schaffte in den meisten Fällen ein instinktives Vertrauen, wenn man in seiner Heimatsprache angesprochen wurde. Zumindest hoffte es Miriel. Das Mädchen reagierte jedoch nicht auf ihre Worte, machte aber auch keine Anstalten erneut vor ihr zurückzuweichen. Sie starrte Miriel einfach nur an und ließ sie gewähren. Was auch immer hinter ihrer Stirn vorging, aus ihrem Blick ließ sich nichts ablesen. Nun, immerhin wich der gehetzte Ausdruck und machte einer ausdruckslosen Leere platz, ein erster wenn auch unbedeutender Erfolg. Also fuhr Miriel einfach fort, beruhigend auf das Mädchen einzureden.
“Wie ich schon sagte, ich will euch nichts tun. Mein Name ist Miriel und die Kleine hier ist meine Tochter. Ihr Name ist Toireasa. Ich komme ebenfalls aus Andunie, war aber für längere Zeit in der Fremde. Anscheinend hat sich inzwischen einiges verändert. Ich möchte euch gern helfen, aber dafür brauche ich vorher einige Informationen. Könnt ihr mir sagen was seit meinem Weggang geschehen ist. Das ist jetzt so ungefähr zwei Jahre her.“
Noch immer zeigte das Mädchen kaum eine Reaktion. Sie saß weiter nur da und starrte Miriel an. Wer wusste schon, ob sie der Erdmagierin überhaupt zuhörte. Miriel hatte keine Ahnung, ob sie mit ihren Worten zur dem Mädchen durchdrang, sie musste es einfach weiter versuchen. Das Mädchen war momentan ihre beste Möglichkeit Klarheit hinsichtlich ihrer Lage zu gewinnen. Also redete sie einfach weiter drauflos.
“Ihr seid ziemlich verletzt. Wollt ihr mir nicht sagen, was euch geschehen ist. Ihr müsst wissen, ich bin ein wenig mit der Tränkebrauerei vertraut. Ich könnte euch einen Heiltrank oder auch einen Stärkungstrank brauen, um eure Schmerzen zu lindern und eure Verletzungen zu heilen. Wir müssten dazu jedoch in meine kleine Töpferei. Wisst ihr, ich hatte damals, bevor ich fortging, hier in Andunie eine Töpferei. Ich hoffe, dass sie noch steht. Dort könnte ich eure Wunden versorgen. Das heißt, wenn ihr das möchtet. Ihr müsstet euch dafür natürlich von dieser Kette befreien. Ich glaube kaum, dass wir den daran hängenden Dunkelelfen mitnehmen können.“
Bei der Erwähnung der Kette und des Soldaten zeigte das Mädchen endlich eine erste Reaktion, wenn auch nur in der Art, dass sie ihren Blick von Miriel löste und dem im Sterben liegenden Soldaten zuwandte.
Miriels Hoffnung stieg, dass sie nun endlich ein paar Antworten bekommen würde. Ob dem tatsächlich so war oder ob das Mädchen erneut in ihren apathischen Zustand fiel war allerdings ungewiss. Sie konnte nur darauf warten was passierte.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Donnerstag 5. Juli 2012, 23:56

Die junge Frau war noch viel zu verwirrt, als dass sie sich tatsächlich an das hätte erinnern können, was vor diesem seltsamen Fest mit dem viel merkwürdigeren Galan geschehen war. Dann hätte sie womöglich versucht zu ertasten, was sich so ungewohnt in ihrem Gesicht und auf ihrer Kopfhaut anfühlte.
Zum Glück blieb ihr sogar ein Blick in den Spiegel vorerst erspart. Denn, sobald dies geschehen würde, würde sie nicht nur trauern, sondern garantiert einen Herzinfarkt darüber bekommen. Ihre Schönheit war erst einmal dahin und wenn die Götter weit weniger gnädig zu ihr wären als bisher, würde das für immer so bleiben. Doch soweit war ihre Erkenntnis ja noch nicht gekommen, wodurch sie allein mit den Schocks fertig werden konnte, die sie derzeit schon in ihrem Inneren toben hatte.
Erst einmal war sie entsetzt über den Anblick, den dieser Dunkelelf bot. Den kleinen Flakon bemerkte sie nicht, dazu waren ihre Augen zu stur auf diese Gestalt gerichtet.
In ihrem Magen rumorte es und hätte sie vor kurzem erst etwas zu sich genommen, wäre sie es vermutlich in den nächsten Momenten wieder los geworden.
Erneut war sie überfordert mit dem, was sie erleben musste, und anstatt ihm zu helfen, was bei ihrem nicht vorhandenen Wissen bezüglich der Heilkunde nicht sonderlich viel wäre, ihn einfach nur anstarrte. Er sah so furchtbar aus und etwas in ihr meldete sich, noch ganz leise, das sie dazu veranlassen wollte, ihm trotz allem irgendwie Linderung zu verschaffen.
Im Nachhinein würde sie sich vermutlich fragen, was in sie gefahren wäre, aber derzeit war sie noch unendlich weit davon entfernt, denn sie begriff nicht einmal, woher sie dieses Gesicht kannte. Geschweige denn, dass sie wieder gewusst hätte, was er ihr alles angetan und welche negativen Gefühle sie für ihn gehegt hatte. Stattdessen war neben dem Schrecken in ihr tatsächlich so etwas wie Sorge.
Dass sie vor ihm zurück prallte, war ja schön und gut, aber dass sie ihn dabei mitschleifte und obendrein für Schmerzenslaute sorgte, schnürte ihr regelrecht die Kehle zu und verstärkte das Grummeln in ihrem Magen. Vermutlich hätte sie ihn noch länger angestarrt und tatenlos zugesehen, wie er vor ihren Augen verblutete, wäre nicht etwas... jemand hinzu gekommen, der ihr den nächsten großen Schrecken verpasste.
Entsprechend waren ihr Blick mit den weit aufgerissenen Augen, der unstet blieb, ihre zitternden, leicht geöffneten Lippen und ihre gesamte Reaktion, die ausschließlich von der Angst diktiert wurde. Am Ende starrte sie diese fremde Frau an und wollte instinktiv auch vor ihr zurück weichen, als ob sie sich nun doch erinnern könnte.
Die Worte allerdings, diese Sprache... sie war ihr so vertraut, dass sie diese problemlos auch in diesem Zustand verstehen konnte. Trotzdem schüttelte sie zuerst den Kopf, um dann zu nicken und danach wiederum den Kopf zu schütteln. Sie war so schrecklich durcheinander!
Die andere sprach weiterhin auf sie ein und erreichte damit immerhin, dass hinter ihrer Stirn allmählich eine Leere entstand, sodass sie mit einiger Zeit wieder damit anfangen könnte, Schritt für Schritt zu denken und sich zu sortieren. Sogar flüchtig folgte ihr Blick dem Wink auf das Bündel, das vorhin gequengelt hatte, ohne es wirklich zu registrieren, was es bedeutete.
Wieder wurde eine Frage an sie gestellt und diesmal öffnete sie wenigstens den Mund, schloss ihn allerdings unverrichteter Dinge, um dann in einer hilflosen Geste den Kopf zu schütteln. Im Moment konnte sie gar nichts sagen, denn sie spürte, dass ihr die Stimme den Dienst nicht leisten würde dazu.
Die Worte sprudelten weiter hervor und sie konnte nicht anders, als dem Wink zu folgen und ein weiteres Mal zu dem Schwerverletzten hinzusehen. Schwer schluckte sie und schüttelte zum vierten Mal innerhalb kürzester Zeit den Kopf.
"Ni... nicht... ohne...", brachte sie mühsam hervor und hörte selbst, wie stark ihre Stimme krächzte und gleichzeitig zitterte.
Warum sie darauf bestand, wusste sie nicht, es war jedoch eindeutig in ihrem Inneren. Ob es mit der Kette zu tun hätte oder einem Wissen tief in ihr drin, dass diese nicht so einfach zu lösen wäre, war ihr trotzdem nicht klar. Es war schlichtweg so, sie konnte diesen Kerl hier nicht liegen und verbluten lassen, während sie womöglich versorgt werden würde.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Freitag 27. Juli 2012, 22:23

Es schien Miriel ewig zu dauern, bis sich bei dem Mädchen überhaupt eine Reaktion auf ihre Worte zeigte. Sie wusste nicht wie lange sie schon auf die Kleine einredete, die in ihrem eigenen Albtraum gefangen schien. Dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, nahm das Mädchen, von dem sie noch immer nichts weiter wusste, sie zum ersten Mal bewusst wahr. Auch wenn sie nichts sagte, so zeigte sie zumindest durch einfaches Nicken oder Kopfschütteln an, dass sie Miriels Fragen verstand.
Aufatmend nahm die Erdmagierin diesen ersten Erfolg zur Kenntnis. Nun galt es jedoch die Reaktionen des Mädchens richtig zu deuten. Wenn Miriel deren Gesten richtig verstand, dann gab die Kleine zu verstehen, dass sie Miriels Worten folgen konnte, auch wenn diese erste Reaktion noch etwas verwirrt erfolgte,
Auf ihre Frage, ob sie ihr sagen könnte was geschehen war, schüttelte sie wiederum den Kopf, was Miriel dazu bewog, ihre Stirn nachdenklich zu runzeln. Sie konnte sich nur schwer vorstellen, dass dieses an einen fast tödlich verletzten Dunkelelfen gekettete Mädchen nicht wissen sollte was in Andune vorging. Wahrscheinlicher war es wohl, dass sie es in ihrem Schockzustand verdrängte und ihre Erinnerung später wiederkehren würde.
Dann endlich, auf die Frage nach dem an sie geketteten Dunkelelfen, fand die junge Frau auch ihre Sprache wieder. Zwar unbeholfen und mehr krächzend als dass man sie wirklich verstand meinte sie, dass sie den Ort nicht ohne den mehr toten als lebendigen Dunkelelfen verlassen wollte.
Auch wenn Miriel nicht verstand warum das Mädchen sich so um den Dunkelelfen sorgte, obwohl er sehr wahrscheinlich einer ihrer Peiniger war, so nickte sie, wenn auch recht widerwillig. Leider ließ es sich nun nicht mehr vermeiden, dass Ryld in Erscheinung trat. Bei dem verwirrten Zustand des Mädchens hätte Miriel dies gern vermieden, aber sie brauchte den Dunkelelfen, um dessen Landsmann mit von hier wegzuschaffen. Sich umdrehend rief sie nach hinten in das Dämmerlicht des Tempels: „Ist gut Ryld, keine Gefahr. Kommst du bitte, ich könnte hier deine Hilfe gebrauchen. Wir sollten so schnell wie möglich verschwinden. Am besten wir gehen zu meiner alten Töpferei. Ich hoffe nur, dass sie noch steht.“

Schnell wandte sie sich wieder dem Mädchen zu, denn sie wusste, dass Rylds Auftreten die Sache nicht einfacher machen würde. Mit sanfter Stimme und weiteren beruhigenden Gesten versuchte sie dem Mädchen zu erklären, dass sie vor ihrem dunkelelfischen Begleiter, der sich den beiden gerade nach allen Seiten sichernd näherte, keine Angst haben musste.
“Hör zu, ich bin leider zu schwach, um dir und dem mit dir verbundenen Dunkelelfen zu helfen. Glücklicherweise habe ich einen Helfer. Du darfst jetzt nicht erschrecken, denn mein Freund ist ebenfalls ein ...“ Weiter kam sie nicht, denn gerade trat Ryld in das Blickfeld des Mädchens. Auch wenn er noch immer wie ein Bewohner der Wüste gekleidet war so ließ sich seine Zugehörigkeit zu den Dunkelelfen nicht völlig bestreiten. Auch die über sein Gesicht laufende Narbe ließ ihn nicht unbedingt vertrauenerweckender erscheinen, schon garnicht für eintraumatisiertes Mädchen. Vorsorglich versuchte Miriel dem Mädchen mögliche Ängste bereits von Anfang an zu nehmen und sprach wieder beruhigend auf sie ein.
“Schsch, ruhig. Keiner tut dir etwas. Keiner, auch nicht der Dunkelelf. Er ist mein Freund. Er beschützt mich. Und nun beschützt er auch dich.“ Und das wohl mehr als je zuvor., ging es ihr durch den Kopf. Ryld war momentan ihre beste und wohl auch einzige Lebensversicherung, wenn ihre Vermutungen tatsächlich zutrafen.
“Was ist los?“, wollte Ryld wissen. Er hatte in seinem Versteck leider nicht alles mitbekommen.
„Ich weiß es nicht. Ich kann nur Vermutungen anstellen. Was ich mir aus dem Wenigen zusammenreime ist dies, dass anscheinend die Dunkelelfen die Herrschaft in Andunie übernommen haben. Anders kann ich mir das alles hier nicht erklären. Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht wann, aber es kann noch nicht sehr lange her sein. Du weißt was das bedeutet.“
Ryld nickte verstehend. “Ja, du ... ihr seid nicht sicher hier. Ihr seid nicht mehr als Sklaven für die Dunkelelfen. Anders gesagt, ohne mich seid ihr verloren und ihr müsst euch zumindest in der Öffentlichkeit als meine Sklaven ausgeben.“
Diesmal nickte Miriel. Dabei wussten sie beide nur zu gut, dass Miriel als eine der Kristallträgerinnen in noch viel größerer Gefahr schwebte als jeder andere Mensch. Aber das spielte im Grunde keine Rolle, denn so oder so mussten sie erst einmal einen sicheren Unterschlupf finden, also Miriels alte Töpferei erreichen.
„Also gut.“ meinte die Erdmagierin entschlossen. Wir können nicht ewig hier herum sitzen. Wenn wir den beiden helfen wollen, dann müssen wir schnellstens von hier verschwinden und einen sicheren Unterschlupf aufsuchen. Am besten du nimmst deinen verletzten Landsmann, ich kümmere mich um das Mädchen. Wenn wir unterwegs aufgehalten werden liegt es an dir, uns da irgendwie rauszuhauen. Du bist der Herr, wir deine Sklavinnen. Was den verletzten Dunkelelfen angeht, musst du dir halt irgendwas ausdenken.
Brummend legte Ryld sich den Dunkelelfen über die Schulter, während Miriel versuchte die junge Frau weiter zu beruhigen.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Freitag 14. September 2012, 18:15

Es war mehr als schwer für die junge Frau, sich überhaupt wieder in ihrer Umgebung zurecht finden zu können. Alles war so verwirrend, so irreal und gleichzeitig wirklich, dass ihre Sinne schlichtweg überfordert waren. Von ihren Gedanken ganz zu schweigen! Und wenn Azura großes Pech hätte, würde ihr ein dauerhafter Schaden bleiben, dessen sie sich noch nicht einmal bewusst wäre.
So kam es eher schon beinahe einem kleinen Wunder gleich, dass sie auf die fremde Person, die mit ihr redete, reagieren konnte. Klare Überlegungen anstellen war für sie derzeit unmöglich und begreifen, dass sie etwas tat oder nicht, konnte sie ebenfalls kaum. So wäre sie vielleicht ehrlicher in ihren Handlungen und ihre Gefühle träten offensichtlicher zutage, jedoch war sie dadurch auch mehr als verletzlich und leicht zu lenken.
Es wurde besser, je mehr Zeit sie wieder zurück im Leben verbrachte, da die Bilder von vorhin vor der Realität verblassen mussten, schließlich besaß sie noch einen Großteil ihres Verstandes. Trotzdem benötigte noch mehr davon und der Geduld ihres Gegenübers.
Dass es anfing, war daran zu erkennen, dass sie allmählich wieder soweit war, Worten einen Sinn geben zu können. Allerdings von darauf verbal oder gar gekonnt zu antworten war noch keine Rede. Das würde vielleicht weitere Minuten brauchen oder Stunden oder noch länger. So wenig sie sich darüber auch im Klaren sein konnte...
Was sich auch daran zeigte, dass sie nicht nur rein instinktiv den Kopf schüttelte, also verneinte, dass sie etwas von dem Zustand ihrer Heimatstadt wusste, sondern tatsächlich keine rechte Kenntnis davon besaß. Immerhin war sie entführt worden und noch viel zu verstört über ihren eigenen Fall, als dass sie sich um andere gekümmert hätte. Und auch, wie sie an diese Kette mitsamt Anhang gekommen war, hatte sie einstweilen noch verdrängt. Doch diese Erinnerungen würden kommen, früher oder später, dazu war nichts weiter als noch mehr Geduld vonnöten. Sowie das richtige Timbre, das die Fremde anschlug, damit in Azura nicht erneut die Angst hochsteigen würde.
Danach aber zeigte sie einmal mehr Reaktion als bisher, auch wenn sie sich diese bei weitem nicht erklären konnte. In diesem Fall handelte sie ebenfalls nach Instinkt. Vermutlich würde sie nicht einmal im Nachhinein begreifen können, warum sie den ungehobelten Klotz nicht von sich trennen lassen wollte. Jedoch war es nun mal so und sie vorerst nicht davon abzubringen.
Kaum allerdings galt ihr nicht mehr die alleinige Aufmerksamkeit, verfiel sie in eine Art leichten Dämmerzustandes, in dem ihr Verstand sich darum bemühte, wieder in die vernünftigen Bahnen zu finden. Ihr wurde nicht lange diese Zeit der Erholung und Rückkehr vergönnt, denn schon wurde sie ein weiteres Mal direkt angesprochen.
Ihr Blick blieb in eine weite Ferne gerichtet und sie hörte die Worte kaum, bis sich etwas tat, das sie zurück holte. Abrupt und trotzdem nicht aufgrund der Erscheinung an sich. Im Gegenteil, die junge Frau konnte mit dem Begriff Dunkelelf kaum etwas anfangen, da sie sich nie so recht damit beschäftigt hatte, und schon gar nicht war seine Hautfarbe für sie eindeutig mit der Rasse ihrer Peiniger verbunden, an die sie sich ohnehin nicht bewusst erinnern konnte.
Für ihren Schrecken sorgte vielmehr sein Geschlecht. Sie erkannte ihn als Mann und da sie vor ihrer merkwürdigen Reise von gerade solch einem, dem sie nun paradoxerweise helfen würde, gequält worden war, reagierte ein weiteres Mal ihr Instinkt. Diesmal mit Angst, beinahe schon offensichtlich bis zur Panik gesteigert.
Ihre Augen weiteten sich, Furcht trat deutlich in ihren Blick und hätte sie gekonnt, wäre sie weggekrabbelt, um nur ja viel Abstand zu ihm zu bekommen. Dass sie letzteres nicht tat, lag an dem Schock, der ihr die Bewegung durch die Berührung mit ihrem Anhängsel verschafft hatte. So blieb sie starr, wie versteinert, auf dem Fleckchen hocken und sah mit zitternder Unterlippe zu dem Kerl hoch.
Damit noch nicht genug, fing sie ebenfalls an am gesamten Körper immer stärker zu zucken und nicht mehr lange, würde sie vermutlich in ihrer Angst auch zu schreien beginnen. Da halfen auch keine beruhigenden Worte von der Frau, die sich danach ohnehin von ihr abwandte und in einer fremden Mundart mit dem Fremden zu sprechen begann. Dieser Klang... er war furchtbar für ihre Ohren und verstärkte ihre Gefühle umso mehr, weil sie in ihrem Inneren Dinge wachrüttelten, denen sie definitiv noch nicht gewachsen war.
Zuerst hielt sie sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen, in die bereits Tränen schossen. Dann begann sie, den Kopf zu schütteln, als könne sie diese Laute so los werden. Als das nicht funktionierte und der Mann sich auch noch zu bewegen anfing, konnte sie nicht mehr anders. Ihre Lippen öffneten sich und leise, krächzende Schreie der Panik kamen aus ihrer Kehle.
Zu allem Übel wollte die andere etwas von ihr, wollte nach ihr greifen. Das war zuviel für Azura. Sie krabbelte versuchsweise weg, begann, um sich zu schlagen, und ihre Stimmbänder vibrierten wieder. Allein, dass diese so angeschlagen waren, war es zu verdanken, dass sie dabei nicht deutlich von den Wänden hallte und somit die tatsächliche Gefahr anlocken könnte.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Sonntag 7. Oktober 2012, 20:37

Die Umgebung war bedrückend und es hinterließ Spuren in den Veteran Ryld. Der Tod war hier so nah, so greifbar. Man sah diesen förmlich lauernd dort stehend. Nur wartend, dass Corax und auch die junge Azura wieder in seine Hände fielen.
Ryld spürte es und es ließ ihn unruhig werden. So als würde alles wieder ihn einholen, was er so lange hat verbergen können. Die Kälte und Härte die das Volk der Dunkelelfen besaß und die Grausamkeit. Man sah es in seinen Gesichtszügen, die nur wenn sie Miriel und ihre Tochter ansahen, eine Spur von Weichheit besaßen.
Ryld war nicht mal richtig auf die junge Frau zugetreten, als diese ihn fast schon panisch ansah. Sie schien kurz vor einem erneuten Schreianfall zu sein. Er blickte Miriel mit hochgezogener Braue an.
„das wird so nichts! Wir sind nicht glaubwürdig.“ Er strich sich nachdenklich übers Kinn, während von dem schwer verletzen Mann wieder ein leises Stöhnen kam.
Verdammt, wie er so was hasste. Er legte den Mann wieder ab.
„Beruhige sie!“ wies er Miriel abermals an. Der Dunkelelf hatte Respekt was Frauen betraf und nur weil er ihr eine geklatscht hätte, wagte er es doch nicht, sie so einfach hier zu lassen. Und das hatte nichts mit Miriel zu tun. Mal nebenbei, dass Mutter mit Kind nicht so furchterregend aussah, wie er als Krieger.
Ryld kniete sich neben den schwerverletzen Corax, schüttelte nur den Kopf.
Der ist so gut wie tot, nur Ballast
Wie sollten sie es logisch er klären, selbst wenn sie sich als Sklaven und meisterdurchgehen würden, wenn man zwei Schwerverletzte mitnahm. Mal nebenbei, dass um das Mädchen zu retten, es schon kompliziert war.
Er zögerte nicht, blickte kurz auf Miriel, die sich hoffentlich um die Frau kümmerte, und holte einer seiner Schwerter hervor.
Ohne auf weiteres zu achten, griff er die Kette und hob damit den Arm von Corax hoch. Seine Klinge sauste herab, das Ziel den anderen die Hand abzuschlagen, denn dass diese Kette magisch war, konnte er spüren.
Ein greller Blitz entwich, als seine Klinge die Haut des anderen streifte und Ryld wurde nach weggeschleudert. Auf dem Leichenberg kam er zum liegen, seine Klinge steckte in der Wand.
Schnaubend er hob er sich.
„bei Manthala…wenn wir den Kerl… nicht durchkriegen, zieht sie ewig eine Leiche mit sich. Verdammt“ Fluchte der sonst ziemlich besonnen wirkende Dunkelelf.
Er kam zu den drei wieder runter, warf sich den Dunkelelfen über die Schulter, ein Knurren war von Ryld zu hören und riss das Mädchen ebenfalls hoch.
„Ob sie schreit oder nicht ist mir egal… hier können wir nicht bleiben. Und Sklaven schreien öfters!" stieß er hervor. Er hasste es hier. Er war gerne in der Wüste gewesen, denn dort waren der Hass und die Zerstörung nie so groß, wie in der Heimat seiner Eltern. Er war ein Krieger gewesen, der zu einer Eliteeinheit gehörte, und die Narben in seinem Gesicht waren deren Erkennungszeichen. Legenden, wenn es auch nur noch wenige gab.
„ Weiß du wohin wir können?...die beide brauchen medizinische Versorgung“
Er funkelte Azura an, wies ihr mit einem Blick, der keinen Widerspruch, duldete in eine Richtung. Sie würden ja sonst nie hier wegkommen. Azura könnte merken, dass dieser Mann vielleicht sogar schlimmer sein konnte, als der den sie irgendwo in Erinnerung hatte und sie jetzt retten wollte.
"und bring sie zum schweigen"
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Montag 8. Oktober 2012, 23:22

Die Reaktion des Mädchens auf Rylds Auftauchen war noch verheerender als Miriel erwartet hatte. Mit einem in den Ohren schmerzenden Wimmern und Panik im Blick, versuchte die Kleine sich vor Ryld in Deckung zu bringen. Unglücklicherweise wurde sie durch die Kette effektiv an ihrem Vorhaben gehindert, was wiederum zur Folge hatte, dass sie nun damit begann, unkontrolliert mit Armen und Beinen um sich zu schlagen. Ihr Wimmern steigerte sich dabei zu Stakkato von hohen, spitzen Schreien, die fast noch unerträglicher als das Wimmern zuvor waren.
Unbehaglich verzog Miriel das Gesicht, denn so langsam bekam sie von dem Geschrei Kopfschmerzen. Und auch Rylds lapidarer Kommentar: “das wird so nichts! Wir sind nicht glaubwürdig.“, trug nicht unbedingt dazu bei, die Stimmung der Erdmagierin zu heben.
“Ach, was du nicht sagst!“, giftete Miriel und rieb sich die Schläfen, hoffend, das die Kopfschmerzen dadurch verschwanden. “Hast du vielleicht einen besseren Vorschlag?“ Nachdenklich strich sich Ryld über das Kinn und legte den Dunkelelfen vorerst wieder ab, blieb aber eine Antwort schuldig. “Aha, das dachte ich mir.“, interpretierte Miriel sein Schweigen als Eingeständnis, dass auch im nichts besseres einfiel.
Zu Miriels Leidwesen prallte ihr ätzender Spott an Ryld ohne Wirkung ab. Ganz im Gegenteil wies der seinerseits seine Begleiterin nun herrisch an: „Beruhige sie!“ Sprachlos über seine Unverfrorenheit, ihr in diesem Ton Anweisungen zu geben, klappte Miriel der Unterkiefer herunter. Als sie endlich ihre Sprache wiederfand murmelte sie vollkommen konsterniert vor sich hin: „Aber natürlich. Wie der Herr befehlen. Haben der Herr sonst noch Anweisungen?“
“Für den Anfang garnicht schlecht. Wenn du noch ein wenig übst, klingt es sogar glaubwürdig.“, entgegnete Ryld spöttisch. Inzwischen kniete er neben dem schwerverletzten Dunkelelfen und schüttelte ein ums andere mal den Kopf, während Miriel erneut versuchte die junge Frau zu beruhigen. Doch was sie auch versuchte, ob mit sanften Worten oder beruhigen Gesten, nichts schien zu helfen. Noch immer hockte das Mädchen wimmernd und schreiend da, in ihrem eigenen schrecklichen Albtraum gefangen. Eine Bewegung der silbernen Kette ließ Miriel aufblicken. Sie konnte gerade noch sehen, wie Ryld mit seinem Schwert ausholte, um die Kette samt Hand von dem Dunkelelfen zu trennen.
Ihr Aufschrei kam zu spät und war zudem völlig sinnlos. Ein greller Blitz und Schwert und Schwertschwinger wurden in verschiedene Richtungen davon geschleudert.
“Ja sag mal, bist du von allen guten Geistern verlassen?“, brüllte Miriel ihren Kameraden voller Sorge an. Sie hatte, genau wie er, die Magie der Kette erspürt, ihn aber für vorsichtiger gehalten, weswegen sie auch gleich weiter bellte: Du kannst doch nicht so einfach drauflos säbeln. Selbst du müsstest erkannt haben, dass die Kette magisch ist. Bei Florencia, das ist wieder typisch Mann, erst losprügeln und dann nachdenken.“
Ryld ließ die Tirade regungslos über sich ergehen bis es ihm schließlich zu bunt wurde und er Miriel böse anknurrte: “Schweig still Weib!“ Sofort schloss Miriel ihren Mund. Sie war nun lang genug mit diesem Dunkelelfen zusammen, um zu wissen, dass Ryld gerade an seine emotionalen Grenzen kam. In diesem Fall war es besser den Mund zu halten bevor der Vulkan explodierte.
„bei Manthala…wenn wir den Kerl… nicht durchkriegen, zieht sie ewig eine Leiche mit sich. Verdammt“ Fluchend zog er sein Schwert aus der Wand und stieg von dem Leichenberg, auf den es ihn geschleudert hatte, herunter. Erneut warf er sich den Schwerverletzten über die Schulter, doch diesmal zog er grimmig knurrend grob an der Kette, so dass das Mädchen schwungvoll hochgerissen wurde.
„Ob sie schreit oder nicht ist mir egal… hier können wir nicht bleiben. Und Sklaven schreien öfters. Weißt du wohin wir können?...Die Beiden brauchen medizinische Versorgung. Und bring sie verdammt nochmal zum Schweigen!"
Nichts wollte Miriel lieber, als das Mädchen endlich zum Schweigen zu bringen, denn deren Geschrei verursachte ihr inzwischen höllische Kopfschmerzen. Außerdem erreichte ihre Geduld ebenfalls gerade ihre Grenzen. Und Rylds geknurrte Zurechtweisung ließ ihre Stimmung schließlich gefährlich in den Keller sinken. Mit einem Ruck drehte sie sich zu dem Mädchen um und klatsch, klatsch verpasste sie ihr zwei kräftige Ohrfeigen, begleitet von einem wütenden Wortschwall: „Verdammt, halt endlich die Klappe. Dein Geschrei ist nicht gerade hilfreich, ganz davon abgesehen, dass ich davon höllische Kopfschmerzen bekomme hetzt du uns damit noch sämtliche Dunkelelfen Andunies auf den Hals. Wir versuchen hier dein und unser Leben so gut es geht zu retten, was durch dein Geschrei schier unmöglich gemacht wird. Also wenn dir etwas an deinem Leben liegt, dann halt endlich die Klappe, ehe ich versucht bin, dir eigenhändig den Hals umzudrehen und das Geschrei damit zu beenden. Denn eins lass dir gesagt sein, im Zweifelsfall liegt mir mein Leben mehr am Herzen als deines. Ist das endlich in dein Spatzenhirn vorgedrungen?“

Möglicherweise war es nicht die beste Methode, die Kleine zum Schweigen zu bringen, da aber alle anderen vorherigen Versuche kläglich versagten, wusste sich Miriel nur noch mit Schocktherapie zu helfen.
Wenn dieser letzte verzweifelte Versuch auch nichts half, dann mussten sie das Mädchen eben im Tempel ihrem Schicksal überlassen. Sie durften es nicht riskieren, ihretwegen in Gefahr zu geraten. Das Mädchen zweifelnd musternd, meinte sie nun wieder ruhiger an Ryld gewandt: “Ich habe in Andunie eine kleine Töpferwerkstatt. Sofern die noch steht, was ich hoffe, können wir dort unterkommen. Ein kleines Problem haben wir aber. Die Werkstatt ist im Händler- und Handwerkerviertel am anderen Ende der Stadt. Wir müssen also mit unserer Last, dabei warf sie einen zweifelnden Blick auf das angekettete Mädchen, quer durch Andunie.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Montag 15. Oktober 2012, 08:28

Dass Azura von Angst erfüllt war, war ihr nicht nur anzumerken, sondern auch verständlich, selbst, wenn man lediglich einen Teil der Umstände kannte. Schließlich hatte sie gerade vieles hinter sich, mehr, als ihre Seele vermutlich je würde verarbeiten können, und so etwas hinterließ schon dann Spuren, wenn es noch nicht einmal im Ansatz begriffen worden war.
Allerdings verband sie das nicht mit einer bestimmten Rasse, sondern hauptsächlich mit männlichen Personen. Deswegen schreckte sie auch bei seinem Erscheinen derart zurück und stand kurz davor, erneut in Panik zu verfallen, besonders bei seinem kalten, abweisenden Gesichtsausdruck.
Umso schlimmer machte er es, als er ausgerechnet jene Sprache verwendete, die sie zwar nicht verstand, jedoch eindeutig mit Qual und Schmach verband, sodass sie noch mehr in ihren Zustand zurück getrieben wurde.
Aber es war noch längst nicht alles, denn er verschlechterte alles noch um ein Vielfaches. Die junge Frau sah etwas aufblitzen, als er hernieder sauste, und schrie auf, als etwas gegen das Band knallte, das es hätte durchtrennen sollen.
Dass es nicht gelang, war alles andere als verständlich für sie, doch das Aufeinanderprallen tat ihr regelrecht in der Seele weh. Sie stöhnte auf, verzog ihr zerschundenes Gesicht und krümmte sich nach vorne. Ihr war, als würde jemand in ihren Eingeweiden herum hantieren, mit der Hand und alles andere als sanft oder gar rücksichtsvoll. Dadurch nahm sie gar nicht wahr, wie die anderen reagierten. Ihr wurde nur schlichtweg übel und es hätte vermutlich nicht viel gefehlt, dass sie sich übergeben hätte.
Noch in diesem leidenden, gequälten Zustand wurde sie plötzlich gepackt und auf die Beine gezogen. Mehr aus Überraschung, denn aus einem anderen Gefühl heraus schrie sie auf und musste sich mit der neuen Situation erst zurecht finden.
Was ihr noch nicht gelungen war, als sie derart kalt angesehen wurde, dass ihr Verteidigungswille wieder angefacht wurde. Diesmal waren ihre Schreie aus Angst und Verzweiflung geboren, während sie damit begann, sich heftig in seinem Griff zur Wehr zu setzen. Eine Reaktion, die es noch schwieriger machen würde, sie endlich beruhigen zu können. Denn zuvor hatte das Bemühen der anderen Frau absolut gar nichts gebracht, nun würden die Versuche noch weniger fruchten.
Plötzlich allerdings änderte sich die Situation völlig. Etwas klatschte gegen ihre Wange und kurz darauf auch gegen die andere. Für einen Moment verstummte sie tatsächlich, es blitzte sogar eine Spur ihrer alten Persönlichkeit in ihren Augen auf, denn der Trotz und die Empörung über diese Behandlung wollten in ihr hochsteigen.
Jedoch war die Angst noch viel zu präsent, sodass sie zwar nicht mehr schrie, dafür aber wieder zu wimmern begann.
Verschreckt wollte sie zurück weichen, doch kam sie nicht weit, denn die Kette war eindeutig zu kurz dafür. Ihr Arm war bereits ausgestreckt und weiter konnte sie nicht.
Tränen liefen ihr dabei über die Wangen und ihre Lippen zitterten. Leise wie ein Hauch, kaum wahrnehmbar, kam ihr ein verzweifeltes „Bitte…“ darüber, denn sie wollte nicht schon wieder Schmerzen erleiden müssen.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Dienstag 16. Oktober 2012, 21:26

Miriels Schläge bewirkten völlig unerwartet tatsächlich etwas. Der Effekt war zwar nur minimal, aber für einen kurzen Augenblick, für einen Wimpernschlag, spiegelte sich in den Augen des Mädchens etwas wider. Es war ein Aufblitzen, wie es nur durch Wut und Empörung verursacht wird. Für einen winzigen Augenblick hatte Miriel den Eindruck, dass das Mädchen gegen die ihr zuteil gewordene Behandlung aufbegehren wollte, blitzte ein Teil ihrer eigentlichen Persönlichkeit auf, nur um sogleich wieder dem verängstigten Wesen zu weichen.
Es tat der Erdmagierin in der Seele weh, zu sehen, wie ihr aufkeimender Funke der Widerspenstigkeit von Schmerz, Furcht und Resignation zurückgedrängt wurde. Tröstend wollte Miriel ihr über die Wange streichen, ihr zeigen, dass sie von ihnen nichts zu fürchten hatte, aber wie ein geprügelter Hund wich das Mädchen leise wimmernd vor ihrer Hand zurück. Was sollte Miriel nur machen? Was nur war dem Mädchen widerfahren, dass es derart reagierte.
Wenigstens schrie die Kleine nicht mehr voller Panik, dafür zog sie sich nun völlig in sich zurück, wippte leise vor sich hin wimmernd vor und zurück. Sobald Miriel versuchte sie zu berühren zuckte sie wie geschlagen weg und hauchte fast flehend nur ein Wort: Bitte.
Nur dieses eine Wort. Verlor keine Silbe daran worum sie bat. Nein, immer nur dieses „Bitte“. Für Miriel jedoch bedurfte es keiner weiteren Worte. Sie verstand worum das Mädchen bat. Sie bat um das, worum jede geprügelte und misshandelte Kreatur bitten würde, nämlich aufzuhören, ihr keine Schmerzen mehr zuzufügen, sie einfach in Ruhe zu lassen.
Im Grunde war es genau das, was Miriel und Ryld wollten. Sie wollten ihr helfen, wollten ihr keine Schmerzen mehr zufügen, wollten diese sogar lindern und doch taten sie das genaue Gegenteil. Was in guter Absicht geschah verkehrte sich für das Mädchen ins Gegenteil.
Nur zu gern wäre Miriel dem Wunsch des Mädchens nachgekommen, aber ihre Situation wurde nicht besser und Miriel wusste, dass sie das Mädchen noch weiter in Bedrängnis bringen würde.
Sie musste endlich begreifen, dass ihr die beiden keinen Schmerz zufügen wollten, dass sie ihr helfen wollten.
Langsam und äußerst vorsichtig trat Miriel an die Kleine heran, wohl wissend, dass diese wegen der Kette ihr früher oder später nicht mehr würde ausweichen können. Es war ein Risiko, denn wie bei einem Tier, dass sich in die Enge getrieben sah, war nicht vorherzusehen, wie das Mädchen in dieser Lage reagierte. Miriel ließ es einfach auf einen Versuch ankommen.
Machte sie einen Schritt auf das Mädchen zu, wich diese einen Schritt zurück. Schritt um Schritt bis die Kette straff gespannt war und ein weiteres Zurückweichen unmöglich machte. Mit jedem weiteren Schritt, mit dem sich Miriel dem Mädchen nun näherte, wurde diese immer unruhiger. Eine knappe Armeslänge vor dem Mädchen hielt Miriel dann inne.
Nun kam der eigentlich spannende Moment, als die Erdmagierin langsam ihrem Arm ausstreckte, das Mädchen zart an der Hand berührte und diese dann vorsichtig und ganz sacht in ihre eigene Hand nahm.
Vor Anspannung hielt sie regelrecht den Atem an, denn genau wie ein in die Enge getriebenes Tier, gab es auch für die Kleine nun keinen Fluchtweg mehr. Die Frage war also, würde sie, die Berührung durch Miriel lang genug zulassen, um zu sehen, dass ihr nichts geschah oder würde sie panisch versuchen, aus ihre ausweglosen Lage auszubrechen?
Sollte dieser letzte Versuch wieder scheitern, so blieb ihnen nur die Wahl, das Mädchen und den an sie geketteten halbtoten Dunkelelfen im Tempel zurückzulassen oder das Mädchen mit Gewalt mitzuschleifen. Beide Möglichkeiten gefielen Miriel nicht und sie hoffte inständig, dass sie endlich einen Durchbruch erzielte.
Ryld hatte sie im Moment völlig ausgeblendet, konzentrierte sich nur auf sich selbst und das Mädchen. Ihr dunkelelfischer Begleiter blieb somit eine Unbekannte in der Rechnung. Ein unbedachter Kommentar oder eine unbedachte Handlung und er konnte all ihre Bemühungen zunichte machen.
Doch außer Ryld war da noch jemand, den Miriel, vertieft in ihre Bemühungen, ganz vergessen hatte. Und dieser jemand machte sich in diesem heiklen Moment ganz plötzlich mit lautem Geplärr bemerkbar. Leicht erschrocken zuckte Miriel kurz zusammen, als Toireasa so unvermittelt kund tat, dass sie sehr hungrig war. Und auch das bebende Mädchen reagierte auf das plötzliche Babygeschrei.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Montag 22. Oktober 2012, 10:14

Es war leider ein zu kurzes Gastspiel ihres alten Ichs, das sich nach den Ohrfeigen zeigte. Aber jeder Optimist würde das positiv sehen, als Zeichen, dass ihr ursprüngliches Wesen noch in ihr schlummerte, nicht vollständig zerstört worden war. Auch wenn es wiederum eine andere Frage wäre, ob die verwöhnte Göre wirklich zu bevorzugen wäre…
Doch es kam gar nicht soweit, dass diese Fremden eine Kostprobe davon bekommen könnten, denn so plötzlich wie es aufflackerte, war es auch schon wieder weg, musste der verschreckten Art erneut Platz machen. Sie konnte gar nicht anders, dazu saß all das kürzlich erst Erlebte noch viel zu tief in ihrem Unterbewusstsein, hatten die geschlagenen Wunden ihrer Seele noch nicht einmal im Ansatz mit dem Heilungsprozess begonnen.
So wich sie auch ängstlich zurück, als eine weitere Berührung drohte, und konnte nichts anderes, als flehentlich zu wimmern. Es war lediglich ein Wort, allerdings selbst das kostete sie schon viel Überwindung.
Ihre Lippen zitterten und es würde nicht viel fehlen, dass sie zum wiederholten Male zu schreien beginnen würde… oder zu weinen, denn ihre Tränen waren noch nicht vollständig versiegt, als dass diese Gefahr nicht auch bestehen würde. Obwohl diese Reaktion wohl bei weitem unauffälliger wäre als ihr lautes Organ.
Jedoch wurde sie nicht geschont, da sie schon wieder körperlich bedrängt wurde. Nicht so, dass sie erneut geschlagen wurde, aber sie verspürte große Furcht davor und wollte eine möglichst große Fluchtdistanz. Zu ihrem großen Bedauern, wenngleich sie dieses gar nicht bewusst wahrnehmen konnte, wurde das nicht respektiert, sondern immer wieder die größere Nähe aufgebaut.
In ihrem Blick flackerte erneut Panik auf und es fehlte nicht mehr viel, ehe sie ein weiteres Mal zu schreien beginnen würde. Besonders brenzlig wurde es, als sie mehrmals an dem Band zog und trotzdem keinen Millimeter mehr an Raum bekam.
Hektisch atmend, einer Ohnmacht nahe, starrte sie aus großen, Angsterfüllten Augen der anderen entgegen. Sie näherte sich immer mehr und das wimmernde Flehen wurde wieder deutlicher, nachdem es einige Momente lang verklungen war. Und zu allem Übel kam hinzu, dass ihr Gegenüber sich davon nicht abschrecken ließ, sondern noch näher kam und letzten Endes sogar ihre Hand ergriff.
Azura erstarrte regelrecht zur Salzsäule und ihr war deutlich anzusehen, dass, wenn dieser Schock vorüber wäre, das Schreien von neuem beginnen würde. Es fehlte nur noch der letzte, zündende Funke…
Schon öffnete sich ihr Mund, bereitete sich ihr Körper darauf vor, als ihr jemand zuvor kam. Mit einem Mal erklang vom Rücken der fremden Frau ein Geplärre, das ihre überstrapazierten Nerven endgültig zum Zerreißen brachte.
Anstatt ebenfalls los zu schreien und somit die Situation noch brenzliger zu machen, verdrehte die junge Frau die Augen und sackte bewusstlos in sich zusammen. Es war eindeutig zu viel für sie gewesen.
Und dennoch… etwas Besseres hätte vermutlich nicht passieren können, denn nun bestünde wenigstens eine Gefahr weniger. War nur die Frage… wer sollte Azura tragen?
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Mittwoch 24. Oktober 2012, 22:14

Als Toireasa sich so plötzlich und lautstark in Erinnerung brachte, bewahrheitete sich einmal mehr die alte Weisheit, dass es, wenn man denkt es könnte nicht schlimmer kommen, meist doch noch schlimmer kam. In Miriels und Rylds Fall kam es insofern schlimmer, als das der Körper und Geist des Mädchen, bei Toireasas Plärren vollends überfordert, das Einzige tat, was in solch einer Lage vor Schlimmerem bewahrt, er schaltete vollkommen ab.
Toireasa hatte noch nicht richtig damit begonnen, ihre Bedürfnisse mit Greinen kund zu tun, als das Mädchen die Augen verdrehte und in eine sie erlösende Ohnmacht fiel. Es gelang Miriel gerade noch, die zusammensackende junge Frau aufzufangen und sacht zu Boden gleiten zu lassen.
“Aus, das wars. Sie ist ohnmächtig. Und nein, ich kann sie nicht tragen, also frag garnicht erst.“, kam Miriel Rylds Frage zuvor. Nun da das Mädchen ebenfalls ohne Bewusstsein war, konnten sich Miriel und Ryld ungestört Rylds Muttersprache bedienen.
“Und was nun? Lassen wir sie hier und gehen allein?“
Am liebsten hätte die Erdmagierin die Frage ihres dunkelelfischen Begleiters mit „ja“ beantwortet, denn ohne das Mädchen und ihr schwer verletztes und noch immer bewusstloses Anhängsel wären sie auf jeden Fall sicherer. Aber Miriel war noch nicht ganz so skrupellos wie Ryld. Der Kampf gegen Faldor und seine Wolken, die darauf folgenden Ereignisse und nun dieser Krieg hatten sie zwar härter und unnachgiebiger werden lassen, aber noch bewahrte sie sich einen Teil ihres Mitgefühls. Und dieser Teil konnte das Mädchen nicht so einfach ihrem Schicksal überlassen. Bei Hector in der Wüste war das anders, hier jedoch handelte es sich um ein unschuldiges Mädchen, dass ihrer Hilfe bedurfte.
So antwortete sie: “Nein, sie braucht uns, ohne unsere Hilfe ist sie verloren. Und ich bin nicht bereit, sie einfach so zu opfern.“
Für einen Augenblick maß Ryld sie mit skeptischem Blick, so als würde er überlegen, ob sie dies ernst meinte und er an ihrem Verstand zweifeln sollte. Schließlich legte er den Dunkelelfen von seiner Schulter wieder auf den Boden und entgegnete:
“Auch wenn du damit dich und vor allem deine Tochter in Gefahr bringst? Du wärst also bereit, eher deine Tochter zu opfern als dieses Mädchen?“
Miriel blieb ihm auf diese Frage eine Antwort schuldig, schaute stattdessen nur betreten zu dem ohnmächtigen Mädchen am Boden.
“Du schweigst? Dachte ichs doch. Und wie soll es nun weiter gehen? Du weißt genauso gut wie ich, dass es das Beste wäre, wenn wir die beiden ihrem Schicksal überlassen. Was kümmert es uns?“
“Mag sein ...“, seufzte Miriel, ohne Rylds Blick zu erwidern. “Mag sein, dass es das Beste ist, aber es wäre nicht das Richtige.“
Geschlagen hob Ryld die Arme, um sie sofort wieder theatralisch fallen zu lassen: “Also schön, wie geht es nun weiter? Denn beide können wir, wie du richtig erkannt hast, nicht tragen. Außerdem musst du auch noch deine Kleine versorgen.“
Ja, das war auch so ein Problem, denn noch immer lärmte Toireasa in ihrem Tragetuch und forderte Aufmerksamkeit ein.
“Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als die beiden vorerst hier im Tempel zu versorgen. Dazu brauche ich aber ein paar Dinge, die du mir besorgen müsstest. Ich bleibe solange hier, für den Fall, dass die Kleine wieder das Bewusstsein erlangt. Ich denke es ist besser, wenn ich dann bei ihr bin, außerdem dürftest du dich draußen problemlos bewegen können.“
Ryld schien dies zwar vernünftig, gleichzeitig machte er sich aber sorgen, Miriel allein im Tempel zurück zu lassen. Trotzdem nickte er zur Bestätigung.
“Gut, ich brauche für den Dunkelelfen eine Wundsalbe und Tücher. Es ist für dem Moment am wichtigsten, seinen offenen Rücken zu verbinden, um eine Wundinfektion zu verhindern. Und für die Kleine brauche ich etwas zur Beruhigung. Am besten du besorgst Baldriantropfen. Das sollte ihre überreizten Nerven etwas beruhigen und sie so vielleicht zugänglicher machen. Such am Markt einfach einen Quacksalber oder Alchemistenstand. Dort dürftest du das Gesuchte bekommen. Und Ryld, beeil dich! Ich weiß nicht wie lange der Dunkelelf noch durchhält.“
Sie gab Ryld 5 Lysanthemer, was fast die Hälfte ihres ganzen Reichtums darstellte. Der Dunkelelf steckte die fünf silbernen Münzen wortlos weg. “Was, wenn jemand kommt während ich weg bin?“
“Keine Sorge, ich weiß mir zu helfen. Du weißt doch, ich bin eine begnadete Erdmagierin. Mir wird also schon etwas einfallen.“
Ein leichtes Schmunzeln umspielte den Mund des Dunkelelfen, als sie sich als begnadete Erdmagierin bezeichnete. Noch bevor er ging, holte er Toireasa aus ihrem Sitz auf Miriels Rücken und gab sie ihrer Mutter in den Arm, dann verließ er wortlos den Tempel.
„Hoffentlich ist er bald wieder da.“ murmelte sie zu sich selbst. Ganz so zuversichtlich, wie sie sich Ryld gegenüber gegeben hatte, war sie dann doch nicht. Sie ließ sich neben dem Mädchen auf dem Boden nieder und schob sich so unter sie, dass ihr Kopf in Miriels Schoß zu liegen kam. Möglicherweise half es schon, wenn sie ein wenig Geborgenheit beim Erwachen fühlte.
Erst jetzt schenkte sie ihrer Tochter die notwendige Aufmerksamkeit. „Na du kleiner Schreihals? Da hast du die Mama aber ganz schön in Schwierigkeiten gebracht. Ich hoffe, du hast keinen dauernden Hang dazu. Aber bei den Eltern die du hast ...“ Den Rest ließ sie lieber offen. Stattdessen öffnete sie ihr Kleid über der Brust und legte ihre Tochter an die Brust, worauf das Geplärre aufhörte und durch ein zufriedenes Schmatzen ersetzt wurde.
Nun konnte Miriel nur noch warten. Warten darauf, dass das Mädchen ihr Bewusstsein wieder erlangte, darauf, dass Ryld mit den notwendigen Sachen zurück kam oder möglichrweise darauf, dass, was Florencia verhüte, etwas völlig Unerwartetes geschah.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Donnerstag 8. November 2012, 11:48

Azuras Nerven waren schon längst bis zum Zerreißen gespannt, sodass nun nur noch der letzte Funke gefehlt hatte, um das Maß voll zu machen. Das plötzliche Babygeschrei konnte sie gar nicht mehr als solches identifizieren, denn mit einem Mal wurde alles um sie herum schwarz.
Stille umhüllte sie, wohlige Dunkelheit, die sämtliche Sorgen und Ängste, aber auch sonstige möglichen Gefühle mit einem Schlag auslöschte. Zeit wurde unbedeutend und nicht mehr wahrnehmbar für sie, geschweige denn, dass sie mitbekommen könnte, was um sie herum alles im Folgenden geschah. Der Disput in ausgerechnet jener Sprache, die ihr Bewusstsein noch weniger vertragen hätte, ging an ihr vollkommen spurlos vorüber, auch, dass der Mann die kleine Gruppe verließ, erreichte sie nicht im Geringsten.
Erst, als das Geschrei des Säuglings verstummte, konnten sich ihre Nerven soweit erholen, dass die angenehme, vollständige Schwärze durchlässiger wurde und sie allmählich zurück in die Wirklichkeit gleiten ließ. Ihre Lider begannen zu zuckten und die Augen dahinter bewegten sich merklich sowie immer schneller. Ein leises Seufzen kam ihr über die Lippen und ihre Mimik verzog sich hin und wieder leicht, als hätte sie Schmerzen oder einen geistigen Anlass dazu.
Tatsächlich schoben sich Bilder vor ihr inneres Auge, die ihr Dinge zeigten, die sie nicht verstehen konnte. Ein aufdringlicher Galan, ein Maskenball, ein schönes Kleid an ihrem Körper und dieses seltsame, leuchtende Band, das sie einen furchtbaren Weg entlang geführt hatte. Es durfte nicht reißen, bloß nicht diese Verbindung kappen!
Ihr Seufzen wandelte sich zu einem Keuchen und Ächzen, als sie noch einmal ihre Flucht durchleben musste. Der gesamte Körper wurde unruhiger, sie drehte den Kopf von einer Seite zur anderen, ihre Glieder zuckten, die Hände öffneten und schlossen sich mehrmals hintereinander.
Und dann stieß sie die Erinnerung abrupt in die Wirklichkeit zurück, fuhr sie mit einem leisen Schrei auf den bebenden Lippen in die Höhe, die Augen weit aufgerissen und der Atem keuchend. Ein Zittern erfasste sie wieder und ihr Blick war verschleiert, als wäre sie noch in dieser anderen Realität gefangen.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Sonntag 11. November 2012, 01:53

Corax, der halbtote Dunkelelf, der nicht unweit von Azura lag, stöhnte gequält auf, als er sich bewegte. Er war zwar noch bewusstlos, doch die Haltung war ihm unangenehm, selbst in seinem Dämmerzustand. Seine Hand zuckte und dann berührten seine Finger die von Azura. Nur kurz und flüchtig, als überzeuge er sich, dass sie noch da war. Er murmelte etwas, dass so verwaschen klang, dass man nichts verstehen konnte.

Der große Raum war ruhig.
Die ehemalige heilige Stätte war ein Platz der Toten. Von irgendwo hörte man das Quicken einer Ratte. Ungeziefer war das was dieser Ort jetzt anzog. Hier lange zu verweilen, würde über kurz oder lang den Tod bedeuten. Krankheiten entstanden leicht, wenn zu viel tot an einem Ort war. Das wusste selbst das arrogante Volk der Dunkelelfen. Vielleicht hatten sie hier auch die Leichen nur hergebracht um sie dann hier zu verbrennen?
Toiressa war nach einem ausgiebigen Trinken an der Brust von Miriel eingeschlafen. Die Minuten, schienen sich ewig lang zu ziehen. Wurden zu Stunden- oder täuschte dies?

Da war also der Dunkelelf nach draußen aufgebrochen. Widerwillig war er losgezogen, so hieß es doch, dass Miriel mit ihrem Säugling alleine mit zwei Verletzten war. Aber es musste eben sein. Er war zwar stark, doch beide hätte er nicht tragen können, geschweige hätte es ihnen keiner geglaubt, wenn er angeblich deren Herr war. Ein Dunkelelf würde einen Sklaven nicht tragen, egal wie lieb und teuer sie ihm geworden sind.
Ryld hatte die Kapuze über den Kopf gezogen, selbst wenn er es hier nicht brauchte. Andunie war übernommen wurden.
Hatte der alte Kauz tatsächlich recht, er schüttelte nur den Kopf. Wie oft hätte er den alten Magier die Gurgel umdrehen wollen, doch er war jemand der mehr als alle anderen wusste. Wirklich der Prophet den die Echsen in ihn sahen. Man würdigte ihn keines Blickes, als er durch die Straßen trat. Schnellen Schrittes um irgendwo das zu finden was sie brauchten. Nachdem er sich durchgefragt hatte, wurde ihn von einen Mann, der Weg gewiesen. Wenn er anfangs gedacht hatte, es könne nicht schlimmer werden, dann sah er das Gegenteil. Diese Stadt sah nicht anders aus als Morgeria. Der Ort, den er damals verwiesen wurde. Nicht nur Miriel hatte ihre dunkle Vergangenheit, Ryld ebenso- selbst für jemanden seines Volkes.
Noch bevor er den kleinen Krämerladen betreten konnte, griff eine Hand nach seiner Schulter. Er fuhr so schnell rum und hatte die schwarze Klinge an der Kehle des anderen, dass dieser ihn überrascht ansah.
„Was willst du von mir?“ zischte Ryld und sein Skorpion kroch unter dem Umhang hervor. Der Dunkelelf grinste Ryld nur an.
„Nur ruhig! Ich wollte mich nur überzeugen, dass du einer von uns bist.“ Sagte dieser mit einem entschuldigen Lächeln.
Eine andere Klinge drückte sich seitlich an die Kapuze von Ryld Umhang vorbei und in sein Gesichtsfeld. Hinter ihn stand noch einer.
Ihm wurde die Kapuze runtergezogen…und sie erstarrten.
„Ein…ein Faldorkrieger?!... bitte vergebt uns“ Sofort wurden die Waffen gesenkt. Selbst, obwohl er zu dem letzten Krieger seiner Art gehörte, kannten die meisten die Krieger der Elite. Gezeichnet auf ewig mit den Schriftzeichen.
Ryld hob arrogant das Kinn.
„geht bei Seite…“ grollte seine tiefe Stimme. Die Männer wichen zurück und ließen ihn eintreten. Er hasste es, sich auf die alten Zeichen zu berufen zu müssen.
Aber so würde sich ihm wohl keiner in den Weg stellen und er hatte eine Möglichkeit, die gewünschten Sachen zu besorgen. Sich der dunklen Schattenmagie berufen, nutzte er die Möglichkeit durch die Schatten zu reisen. Etwas was er ewig nicht mehr getan hatte. Er zögerte, strich beruhigend seinen kleinen Skorpion. Würde er wieder durch die Tür gehen würde man ihn folgen. Er seufzte auf und sammelte die Magie ums ich. Der Verkäufer verkroch sich panisch im hintersten Winkel seines Ladens. Die Dunkelheit sammelte sich und umfing ihn wie einen Freund. Die Kälte war unangenehm, und kurz war ihm, als würden die alten Schriftzeichen in seinem Gesicht wieder brennen.
Mit einem Keuchen trat er beim Tempel durch den Schatten wieder durch.
„Bitte verzeihe mir Manthala…aber ich musste es tun“ Seine Hand griff das heilige Symbol seiner Göttin, bevor er sich wieder vollkommen gesammelt hatte und eintrat.
„Bin zurück…hier sind die Sachen! Ich habe einen Heiltrunk auch besorgen können“
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Donnerstag 15. November 2012, 21:58

In der nun herrschenden Stille des Tempels, die lediglich von den saugenden Schmatzgeräuschen Toireasas unterbrochen wurde, hatte Miriel endlich etwas Zeit zum Nachdenken. Seit sie mit Maurizius von dieser Drachendame aus Zyranus in die Wüste Sar versetzt wurde, war doch einiges Geschehen und mit einigem Schrecken erkannte Miriel, dass sich nicht nur das Land und die ganze Situation in Celcia verändert hatte, sondern dass auch sie selbst sich in dieser Zeit und durch die Geschehnisse veränderte. Auch die Geburt ihrer Tochter hatte mit dazu beigetragen, dass sie nicht mehr die sanftmütige Frau von einst war. Wenn sie es sich recht überlegte, so waren sie und Kri'il im Grunde vollkommen unverantwortlich gewesen, in diesen unruhigen und düsteren Zeiten ein Kind in die Welt zu setzen. Doch war es nun einmal geschehen und Miriel würde alles tun, um dieses Kind vor den Unbillen dieser Zeit zu schützen. Aber auch das Zusammenleben mit Ryld hatte ihren Charakter verändert.
Wann um Florencias Willen war aus der so sanftmütigen Erdmagierin diese kalte und zum Teil hartherzige Frau geworden? Allein wenn sie daran zurückdachte, mit welcher Kaltschnäuzigkeit sie Hektor in der Wüste einem qualvollen Tod preisgegeben hatte.
Erschüttert schüttelte sie ihren Kopf und blickte zu dem kleinen Bündel in ihren Armen, das nun, da es sich satt getrunken hatte, an ihren Körper geschmiegt schlief. Vorsichtig nahm sie die Kleine hoch und klopfte ihr sanft auf den Rücken bis Toireasa mit einem unüberhörbaren Rülpser die Luft aus ihrem Magen presste. Das Tragetuch vor die Brust ziehend setzte sie Toireasa wieder hinein, wo ihr kleiner Kopf sofort gegen die Brust ihrer Mutter sank.
„Was haben wir da nur getan?“, redete Miriel zu sich selbst während sie ihre friedlich schlafende Tochter betrachtete. „Ob du jemals in einer friedlichen Welt aufwachsen wirst?“ Im Augenblick waren sie weiter davon entfernt als jemals zuvor, wenn selbst eine so sanftmütige Frau wie Miriel zu einer eiskalten Mörderin wurde. Denn genau das war sie an Hektor geworden, eine Mörderin. Und wenn er es zehnmal verdient hatte, so war es doch falsch gewesen.
„War diese dunkle Seite schon immer ein Teil von mir?“, murmelte Miriel in das Dämmerlicht des Tempels. Hatte sie wirklich schon immer diese dunkle Seite besessen und sie nur tief in sich verborgen? Gut und Böse, schwarz und weiß, dunkel und hell. Wie auch immer, mit einem mal kam ihr wieder die Prophezeiung in den Sinn. Schwarz, weiß und grau. Waren sie alle grau, vereinten sie alle eine dunkle und eine helle Seite? Und legten sie nur durch das was sie taten fest, welche der beiden Seiten die Oberhand gewann?
"Wenn die Schwärze kommt, wird das Grau fallen, füge das Quellarkanum zusammen und du wirst vergehen, nutze die Splitter und werde eins mit ihm. Es wird eins, wer Licht und Schatten vereint und vom grau erwählt. Sucht das grau, denn nur das steht zwischen Ende und Anfang"
Wenn die Schwärze kommt. Ob damit die Herrschaft der Dunkelelfen gemeint war? Immerhin konnte man diese mit gutem Gewissen als Schwärze bezeichnen.
Füge das Quellarkanum zusammen. Ja, da ging es schon los. Wenn sie nur wüsste was dieses Quellarkanum sein sollte. Kri'il hätte sicher weiter gewusst, er hatte immer einen gewissen Hang zu solch mystischen Dingen gehabt. Miriel war da eindeutig anders. Obwohl, wenn sie Ryld ... Immerhin, es war eine Überlegung wert. Allein wegen dieser Prophezeiung hatte die Drachendame sie in die Wüste geschickt und dort hatte bereits Ryld gewartet. Hatte er nicht irgendwann mal etwas von einem Traum erzählt?
Vielleicht konnte Ryld ihr ja helfen. Überhaupt, Ryld, das war auch so eine Sache, die sie noch für sich klären musste. Sie wusste einfach nicht so recht was sie nun für ihn empfand. Sobald sie in ihrer Töpferei waren, musste sie diese Sache klären.
Aber dafür mussten sie erst einmal dorthin kommen, womit sie schließlich wieder bei ihren aktuellen Problemen angekommen war, der jungen Frau, die gerade mit dem Kopf in ihrem Schoß ruhte und dem mehr als halbtoten Dunkelelfen der mit einer nicht zu lösenden magischen Kette an sie gebunden war. Hoffentlich bekam Ryld alles was sie ihm genannt hatte. Wo blieb er überhaupt? Im Dämmerlicht des Tempels und in der Einsamkeit inmitten all der Toten, war es schwer zu sagen wieviel Zeit seit Rylds Aufbruch vergangen war. Sie hoffte, dass er noch zurückkam bevor das Mädchen aufwachte. Die bewegte gerade unruhig ihren Kopf in Miriels Schoß, seufzte und verzog ihr Gesicht, als würde sie von ihren inneren Dämonen im Schlaf verfolgt. Immer wieder kamen Laute über ihre Lippen, so als würde sie im Schlaf sprechen, doch noch war ihr Schlaf zu tief um aufzuwachen. Dies konnte sich aber von einem Augenblick auf den anderen ändern, wusste Miriel aus ihren eigenen Albtraumerlebnissen. Endlich hörte sie vom Eingang des Tempels Rylds Stimme: „Bin zurück…hier sind die Sachen! Ich habe einen Heiltrunk auch besorgen können“
Keine zwei Augenblicke später stand er neben der jungen Mutter und übergab ihr Salbe Tücher, Binden und zwei kleine Fläschchen, eines mit Baldriantropfen und eines mit dem von ihm erwähnten Trank.
„Einen Heiltrank?“ Vorsichtig entkorkte Miriel die Phiole und roch daran. „Alle Wetter, ein Trank der Stärkung!“, rief sie erstaunt aus. Als wirklich gute Tränkebrauerin hatte Miriel über die Zeit ein Näschen für die verschiedenen Tränke entwickelt und gerade der Trank der Stärkung war ihr besonders geläufig.
„Wie hast du den denn bekommen. Soviel Geld hattest du doch garnicht mit, um ihn bezahlen zu können. Du wirst doch nicht etwa den Besitzer dafür umgebracht haben?“
Ryld wusste, dass Miriel es nicht so ernst meinte wie es sich für einen Außenstehenden vielleicht anhörte, deshalb meinte er auch grinsend: “Ach, das war garnicht nötig, allein mein Anblick und mein grimmiges Gesicht reichten schon aus, damit er sich ängstlich in eine Ecke seines Ladens drückte. Die Angst vor uns Dunkelelfen ist allgegenwärtig. Du kannst sie in jedem Winkel Andunies spüren. Du wirst es schwer haben wenn du meine Sklavin spielen musst. Wenigstens ... „. Ohne ersichtlichen Grund verstummte Ryld ehe er das Thema wechselnd fortfuhr.
“Und was jetzt? Wie geht’s weiter?“
„Hm, durch den Trank der Stärkung hat sich die Situation zu unseren Gunsten verbessert. Ich würde sagen, du verteilst die Wundsalbe auf dem Rücken deines Landsmanns und verbindest die Wunden mit den Tüchern und den Binden. Wenn das erledigt ist flößen wir ihm den Trank ein. Durch den Trank sollte sich sein Zustand innerhalb eines Tages wesentlich verbessern. Den Baldrian gebe ich dann unserem Mädchen. Sie wird dadurch hoffentlich etwas ruhiger. Ein wenig Trank der Entspannung wäre noch wirkungsvoller, aber der Baldrian müsste es auch tun.“
“Natürlich, ich darf die Arbeit machen und die Dame ruht sich aus. Moment mal, du bist doch meine Sklavin!“, ein diabolisches Grinsen stahl sich auf Rylds Gesicht, das nun mit seiner Narbe beinahe einer dämonischen Fratze glich.
„Wie meinen?“ “Na ich bin dein Herr und du meine Sklavin. Oder etwa nicht? Also Sklavin, du wirst jetzt Augenblicklich meinen verletzten Kameraden versorgen oder du wirst dir wünschen die Sklavin eines anderen Herrn zu sein.“
Miriel klappte fast der Unterkiefer herunter. Anscheinend spülte ihre kleine Scharade, die sie der Außenwelt vorspielen musste, bei ihm alte Charaktereigenschaften an die Oberfläche. Andererseits hatte er in gewisser Weise recht, es war von Vorteil, wenn sie so früh wie möglich ihre Rollen einstudierten.
Ryld von unten unterwürfig ansehend meinte sie daraufhin:
„Wie ihr wünscht Herr. Es soll zu eurer Zufriedenheit geschehen.“
“Na also, und merk dir, solltest du noch einmal so aufsässig sein, werde ich dich zu strafen wissen. Es wird Zeit, dass du lernst wo dein Platz ist Sklavin.“
„Ja Herr, ihr habt ja soooo recht Herr.“, ätzte Miriel in seine Richtung, was ihn nur noch teuflischer grinsen ließ. Das Spiel schien ihm sichtlich Spaß zu machen.
Vorsichtig ließ sie den Kopf des Mädchens zu Boden gleiten, danach begann sie damit, den verletzten Dunkelelfen zu versorgen.
Ryld ließ sich etwas im Hintergrund an der Wand des Raums nieder und gab immer mal wieder einen gehässigen Kommentar ab.
Als sich die schlafende junge Frau zu regen begann, übernahm er jedoch Miriels Arbeit, so dass sie sofort bei ihr sein konnte, sollte sie aufwachen. Viel hatte Ryld auch nicht mehr zu tun. Nur noch die letzten freien Stellen verbinden und seinem Landsmann den Trank verabreichen.
Mit einem gellenden Schrei fuhr die junge Frau aus ihrem Schlaf hoch und sah sich mit zitternden Lippen und bebendem Körper orientierungslos um. Weder Miriel noch Ryld regten sich oder sagten ein Wort. Es war wohl das Beste, wenn die Frau von allein in die Wirklichkeit zurückfand und selbst erkannte, was sie gerade taten. Wenn sie mit eigenen Augen sah, dass sie dem an sie geketteten Dunkelelfen halfen, verlor sie vielleicht ihre Scheu und Zurückhaltung. Der Baldrian, den Miriel ihr zu geben gedachte, würde dann ein Übriges tun, sie zu beruhigen, so dass sie endlich aus dem Tempel heraus kamen.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Donnerstag 29. November 2012, 11:47

In ihrem Zustand bekam sie weder Geräusche, noch Berührungen mit. Wenngleich ihr Körper dennoch darauf reagierte, da auch ihre Finger zuckten, als wollten sie die Nähe erwidern. Das war allerdings auch schon alles, an das sie sich im Nachhinein auch nicht mehr erinnern würde.
So registrierte sie es auch nicht, dass sich ihre Unterlage bewegte und danach änderte, da es zu behutsam geschah, als dass es sie aus den Alpträumen geholt hätte. Dasselbe galt für die Rückkehr von dieser, die kurz vor ihrem Erwachen stattfand.
Es war heftig und abrupt, keine wirkliche Erlösung, da ihr Geist viel zu stark noch von den Bildern gefangen war. Entsprechend war ihre körperliche Reaktion, der Schrei, das Zittern, die weit aufgerissenen Augen mit dem entsetzten Ausdruck darin.
Doch es war nicht so einfach, dass sie allein wieder in die Realität zurück finden könnte, dazu war ihr Geist noch zu verwirrt und mitgenommen von allem Vorherigen. Somit wäre es vermutlich die geeignetere Methode, sie zu beruhigen, indem sie schon jetzt den Baldrian bekäme. Stattdessen aber wurde gewartet.
Ihr Blick klärte sich schon allmählich, sah nicht mehr Bilder aus ihrem Gedächtnis, sondern diejenigen, die vor ihren Augen tatsächlich stattfanden. Und das war nicht gerade ein Vorteil. Denn sie konnte sehen, wie dieser Mann, vor dem sie sich schon zuvor gefürchtet hatte, bei demjenigen kniete, an den sie gekettet war.
In Erinnerung daran, dass er schon vor ihrer Ohnmacht versucht hatte, das Band gewaltsam zu trennen, das sie beide verband, bekam sie Angst, er würde es erneut probieren. Dazu passend fiel ihre Reaktion aus und die war alles andere als hilfreich.
Erneut schrie sie auf, ein Laut, der entfernt an ein "Nein!" oder ein "Nicht!" erinnerte, und sie stürzte sich aus ihrer sitzenden Position heraus nach vorne. Direkt landete sie auf dem verletzten Dunkelelf, auf seinem Brustkorb, und fügte ihm damit unbewusst vermutlich einiges an Schmerz zu.
Trotzdem war das ihre Art zu versuchen, ihn vor der Trennung zu bewahren. Warum, das wusste sie nicht und im Nachhinein wäre es für sie selbst wohl kaum verständlich. Jedoch im Moment war sie hauptsächlich ein Instinktwesen, unfähig dazu, zuerst nachzudenken oder zu verstehen, aus welchem Grunde sie etwas tat.
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Miriel Lefay
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Freitag 30. November 2012, 22:36

Die Überlegung, Azura mit eigenen Augen sehen zu lassen, dass sie dem an sie geketteten Dunkelelfen halfen, war zwar gut gemeint und wäre unter normalen Umständen wohl auch hilfreich gewesen, doch die Umstände waren alles andere als normal. Zumindest was Azura anging waren sie alles andere als normal.
So fiel ihre Reaktion auch völlig anders aus, als sie von Miriel erwartet wurde.
Statt die Situation real zu erfassen und sich anhand dieser zu beruhigen, interpretierte Azura diese vollkommen falsch. In ihren Augen versuchte Ryld erneut die Kette zu durchtrennen, und um dem zu erwartenden Schmerz zu entfliehen und sein Vorhaben zu vereiteln stürzte sie sich wie ein wildes Tier auf den an sie geketteten Dunkelelfen, um diesen gegen Ryld zu verteidigen. Ryld hielt sofort in seiner Tätigkeit inne, da er mit dem Anlegen des Verbands bereits fertig war. Er wollte dem Dunkelelfen gerade den Trank verabreichen als Azura ihn so rüde unterbrach.

„Oh nein, nicht schon wieder! Nimmt dieses Mädchen denn nie Vernunft an?“, entfuhr es Miriel aufstöhnend. Zugleich versuchte Ryld Azura von dem Dunkelelfen zu scheuchen, damit er ihm endlich den Stärkungstrank geben konnte, doch Azura entzog sich beharrlich seinen Versuchen sie zu greifen und schlug ihrerseits in blanker Verzweiflung nach Ryld, um diesen von dem unter ihr liegenden Dunkelelfen abzubringen.
„Verdammt Mädchen!“, donnerte Ryld ungehemmt. „Verschwinde endlich von dem Mann! Du bringst ihn noch endgültig um!“
Um seinen Landsmann nicht noch mehr zu gefährden, Azuras Bewegungen auf seiner Brust mussten ihm höllische Schmerzen verursachen, zog sich Ryld ein Stück zurück und warf Miriel einen fragenden Blick zu.
„Ich weiß nicht, das hat doch alles keinen Sinn. Je mehr wir versuchen den beiden zu helfen, umso schlimmer wird es mit dem Weib. Wir sollten sie zurück lassen und gehen. So kommen wir nicht weiter. Du musst auch an deine Tochter denken.“
Ja, sie musste in allererster Linie an Toireasa denken. Alles andere war zweitrangig. Seit dem neuerlichen Ausbruch des Mädchens hatte Miriel ebenfalls daran gedacht, aufzugeben und die beiden einfach hier im Tempel zurück zu lassen. Würden sie das tun, bedeutete es den Tod des Mädchens, denn über kurz oder lang wäre sie an eine Leiche gekettet und spätestens dann verloren. Sie hier zurückzulassen käme im Grunde einem Mord gleich. Nein, einen Mord wollte sie nicht noch einmal begehen, schon garnicht an einem unschuldigen Mädchen, dass selbst ein Opfer war, ein Opfer der Herrschaft der Dunkelelfen.
Es war schon schlimm genug, dass sie einen Menschen getötet hatte, einen Menschen, der es wahrscheinlich verdiente und trotzdem, ihr Gewissen begann sie langsam aber sicher zu peinigen. So entschied sie sich, auch wenn sie inzwischen nicht mehr an einen Erfolg glaubte, ein letztes Mal zu versuchen, das Mädchen zu beruhigen oder dazu zu bringen, ihr soweit zu vertrauen, dass sie ihr den Baldrian verabreichen konnte.
Langsam trat Miriel an das auf dem Dunkelelfen hockende Mädchen heran und hielt ihr das Fläschchen mit Baldrian entgegen. Mit ernstem Gesicht und nicht allzu freundlicher Stimme redete sie auf Azura ein:
„Hör zu Mädchen! Ich habe es satt! Ich habe es satt, dass du unsere Hilfsbemühungen ständig störst und behinderst. Ich habe es satt, hier sinnlos kostbare Zeit zu vergeuden, Zeit die wir nicht haben. Und ganz besonders habe ich es satt, dass ich mich und mein Kind für nichts und wieder nichts in Gefahr bringe. Zum allerletzten Mal, wir wollen dir und deinem wer oder was auch immer nichts tun. Wir wollen euch nur helfen.“ Das Fläschchen vor ihrer Nase schwenkend meinte sie weiter:
„Dies hier ist Baldrian, der dich beruhigen wird und in der Phiole meines Begleiters ...“, Ryld hielt ihr nun auch den Stärkungstrank vor die Nase, „... ist ein wenig des Tranks der Stärke, welcher deinen ... dein Anhängsel heilen wird. Du hast nun zwei Möglichkeiten! Entweder du gehst von dem Kerl auf dem du hockst runter und lässt uns endlich dir und dem Kerl helfen oder du lässt es bleiben.
Entscheidest du dich für unsere Hilfe, werden wir euch beiden die Tränke geben, wir werden versuchen uns und euch einen sicheren Unterschlupf zu besorgen und wir werden euch gesund pflegen.
Entscheidest du dich dagegen, werden wir keine weiteren Hilfsversuche unternehmen, diesen Tempel wortlos verlassen und euch eurem Schicksal überlassen. Deine Entscheidung!“
Auffordernd hielten sie und Ryld ihr die beiden Tränke entgegen, ein letzter Versuch das Mädchen und den Dunkelelfen vor dem sicheren Tod zu bewahren. Es lag nun an Azura über ihr weiteres Schicksal zu entscheiden.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Dienstag 11. Dezember 2012, 12:02

Die junge Frau konnte nur schwer irgendetwas derzeit wirklich und rational erfassen, sondern alles nur viel zu stark vom Instinkt geprägt begreifen. Und dieser erinnerte sich daran, dass vorhin dieses magische Band hatte durchtrennt werden sollen.
Als sich dieselbe Person nun erneut an dem anderen zu schaffen machte, ließ Panik in ihr aufsteigen, er würde es dabei wieder versuchen. Warum, war ihr nicht klar, ihre Intuition vermittelte ihr lediglich, dass die Verbindung nicht getrennt werden durfte. Noch nicht…
Also versuchte sie einzugreifen und zu schützen. Dass er ihn gar nicht berührte, sondern ihm ein Gefäß an die Lippen halten wollte, bemerkte sie dabei nicht. Er war für sie einfach nur als Bedrohung viel zu nahe an dem Verletzten.
Sie warf sich auf den Dunkelelfen und schrie auf, um so hoffentlich ihr Ziel zu erreichen. Dem nicht so war, sodass sie sogar damit begann, um sich zu schlagen und auf diese Weise den vermeintlichen Angreifer zu vertreiben, während sie sich seinen Zugriffen entwand. Es war nicht einfach, doch ihre Verzweiflung gab ihr mehr Kraft, als sie eigentlich besitzen sollte in ihrem Zustand.
Die schimpfenden Worte halfen da auch nicht sonderlich, denn sie verstärkten aufgrund des Tonfalls die Angst dermaßen, dass sie ihnen erst recht keine Bedeutung beimessen konnte. So stammelte sie immer wieder nur ein eher hilfloses „Nein!“ und schüttelte dabei den Kopf.
Endlich schien er aufzugeben und sich zurück zu ziehen, sodass sie keuchend, zitternd und eindeutig erschöpft auf dem verletzten Kerl liegen blieb. Auch schluchzte sie trocken auf, da sie allmählich selbst nicht mehr weiter wusste, sofern sie sich überhaupt gedanklich darauf konzentrieren konnte, was um sie herum geschah.
Sie sah erst blinzelnd auf, als ihr ein Fläschchen direkt vor die Nase gehalten wurde. Fragend war ihr Blick, den sie zu jener Frau hoch schickte, die ihr bei weitem weniger gefährlich erschien für sie und ihr Anhängsel als deren Begleiter.
Doch die Stimme hatte sich geändert, war weniger freundlich, dafür umso ernster, fast schon vorwurfsvoll. Etwas, das sie verschreckte und innerlich sich noch mehr zurückziehen ließ. Gleichzeitig weckte es den tief in ihr verborgenen Trotz, der ihren Lebenswillen verstärkte. Was wiederum dazu führte, dass sich ihr Geist soweit klärte, dass sie endlich begreifen konnte, dass ihr geholfen werden sollte. Zwar war ihr noch nicht ganz klar, was ihr da genau gereicht wurde, weil sie sich nicht darauf konzentrieren konnte, die Bedeutung zu ergründen, aber sie verstand wenigstens, dass es helfen würde.
Schwer schluckte sie und befeuchtete sich mehrmals die spröden Lippen mit ihrer Zunge. Erst danach konnte sie langsam und auch dann nur sehr zögerlich nicken, während sie ihre zittrigen Finger nach dem Fläschchen ausstreckte.
„Ver…standen…“, stammelte sie heiser, auch wenn man in ihrem Blick erkennen konnte, dass sie nicht alles begriffen hatte. Jedoch wenigstens einen kleinen Teil, sodass sie bereit wäre, diesen Trank zu sich zu nehmen. Wenn es nur kein Gift wäre…
Runter ging sie von dem Verletzten zwar noch nicht, dazu würde es wohl trotz allem noch eine kleine Hilfe von fremden Armen benötigen, allerdings war sie ruhig und würde sich nicht dagegen sträuben. Sofern es die Frau täte und nicht deren Begleiter.
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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Miriel Lefay » Sonntag 16. Dezember 2012, 17:48

Waren es nun ihre ernsten Worte oder die Tatsache, dass sich Ryld wieder etwas zurückgezogen hatte, aber das Mädchen beruhigte sich sofort etwas und für einen kurzen Augenblick zeigte sich sogar Leben in ihren Augen. Ein kleiner Funken Widerstandsgeist, der jedoch so schnell erlosch wie er entfacht wurde. Trotzdem nahm sie das ihr von Miriel hingehaltene Fläschchen. Doch statt es zu trinken betrachtete sie es misstrauisch, ganz so als hätte sie Sorge man wollte sie vergiften. Wahrscheinlich bedurfte es nur noch eines kleinen Anstoßes. Deshalb nahm Miriel ihre Stimme etwas zurück und forderte das verschreckte Mädchen etwas freundlicher auf:
„Nun trinkt es endlich. Wir werden euch schon nicht vergiften. Wenn wir das wollten, dann hätten wir euch schon längst umbringen können. Begreift doch endlich, dass wir euch nur helfen wollen.“
„Ver…standen…“ Auch wenn dieses eine Wort nur gestammelt war und von der noch immer vorhandenen Scheu des Mädchens zeugte, so war es ein erster Lichtblick, denn endlich kippte sie den Inhalt des Fläschchens hinunter. Es würde sicher noch etwas dauern, bis der Baldrian seine volle Wirkung entfaltete, jedoch hatte die Verabreichung bereits einen ersten Erfolg. Das Mädchen erkannte endlich, dass man ihr helfen wollte. Zumindest zu der Erdmagierin schien sie so etwas ähnliches wie Vertrauen gefasst zu haben. Es lag wohl in der Hauptsache daran, dass Ryld ihr mit seinem Versuch, die Kette zu durchtrennen Schmerzen zugefügt hatte und daran, dass Ryld zum Volk ihrer Peiniger gehörte.
„Na seht ihr.“, meinte die lockenmähnige Magierin versöhnlich, nachdem das Mädchen den Baldrian zu sich genommen hatte. „War doch garnicht so schlimm. Und wenn ihr nun noch von eurem Begleiter herunterkommt, können wir ihm sicher auch helfen.“
Sie gab Ryld ein Zeichen, sich weiter im Hintergrund zu halten, was dieser momentan auch beherzigte.
Der Baldrian tat der Kleinen gut, aber sie war zu verängstigt, um von allein von dem Dunkelelfen runterzuklettern. Sie verteidigte ihn und war nicht bereit, ihn ohne Weiteres aufzugeben. Ihr Widerstand war nicht mehr so stark wie zuvor und so dachte sich Miriel, bedurfte es auch hier wohlmöglich nur eines kleinen Schubses in die richtige Richtung. Ganz nah trat sie an die verängstigte Seele heran und fasste sie sanft an den Oberarmen.
„Nun kommt. Wenn ihr ihm helfen wollt, dann kommt von ihm runter. Ich sorge dafür, dass der andere Dunkelelf ihm nicht zu nahe kommt. Wenn ihr es wünscht, so werde nur ich mich um ihn kümmern. Auch er braucht den mitgebrachten Trank und ich kann ihm diesen nur geben, wenn ihr es zulasst. Also bitte, kommt herunter und lasst mich meine Arbeit tun.“

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. Januar 2013, 10:54

Hinweis: Ich bitte an dieser Stelle darum, dass ihr berücksichtigt, euch nicht gegenseitig zu steuern, sondern (während des Zwischenspiels) nur die NPCs. Danke :)

Schwärze umfing ihn. Die süße Schwärze Faldors, der ihm immer ein guter Gott gewesen war, ebenso wie seine Herrin und Meisterin Serpentis Mortis gut zu ihm gewesen war, wenn er ihr loyal gedient hatte. Im Grunde genoss es Corax Rabenschrei, in diesem schwarzen Dunst des Nichts dahin zu vegetieren und einfach zu sein, ohne denken oder etwas tun zu müssen. Es hätte ein ewig währender, nicht unangenehmer Zustand sein können und er hätte sich ihm voll hingegeben, wären da nicht diese gleichmäßigen Schmerzimpulse gewesen. Etwas brannte und das bereitete ihm Unbehagen. Rücken, Arme, Brust, ein Brennen durchzog seinen Körper, das ihn nicht loslassen wollte. Es war nicht stark genug, ihn aus seinem Dämmerzustand zu reißen, aber trotzdem reichte dessen Penetranz aus, ihn am Sterben zu hindern. Trotz allem würde es den Dunkelelfen zu diesem Status führen, wenn nichts unternommen wurde. Er trug Wunden, von denen er bewusst noch nichts ahnte. Man hatte ihm schlimme Folter zugetan, an die er im Augenblick nicht dachte. Es war ein Schutzmechanismus des eigenen Körpers, die schlimmsten Traumata vergessen zu machen, damit der Geist weiterleben konnte und dennoch barg diese natürliche Handlung das Risiko, die gleichen Fehler zu einem erneuten Traum zu begehen. Im Augenblick konnte man allerdings beruhigt sein. Corax war noch immer bewusstlos und würde so schnell nicht selbstständig irgendwo hin gehen. Zumindest hätte man das glauben können und es wäre ihm wohl schlagartig besser gegangen, hätte Dunkelelf Ryld ihm den Trank der Stärkung einfach so einflößen können. Stattdessen war es Azura, die ihn weckte.

Schmerz, ungebändigt und zerreißend, aber er weckte ihn aus seinem Dämmerzustand. Unglücklicherweise fühlte sich Corax noch viel zu schwach, um Azura, die sich auf ihn geworfen hatte, um ihn vor fremden Handlungen zu schützen, von sich zu drücken. Er bekam ihren Arm zu fassen, denn seine Hand riss es instinktiv hoch. Er berührte sie, gab ein gequältes Ächzen von sich und riss die Augen auf. Pein funkelte in diesen puren Rubinen seines Blickes, zusammen mit Hass und hätte er in diesem Moment nicht Azura als ein vertrautes Gesicht wahrgenommen, seine Hand wäre weiter gewandert in dem Versuch, ihr die Augäpfel herauszureißen. So aber starrte er sie nur an, die Finger erschlafften und sein freier Arm sank zurück an die Seite, auf den kühlen toten Stein eines Tempels, der von seiner Göttin verlassen schien. Mit dieser Geste weiteten sich Corax' Augen erneut. Etwas trat in den Blick: bittere Erkenntnis. Langsam linste er umher, erkannte ein weiteres Gesicht. Eine Menschenfrau, ihm vollkommen unbekannt, der es endlich gelang, seinen Schmerz zu beenden, weil sie Azura von seinem Körper schob. Die magische, goldene Kette ließ es nicht zu, dass sie sich allzu weit von ihm entfernte. Seine roten Augen wanderten zu jener Bindung und er schluckte leer. Sie war noch vorhanden, aber er lag hier irgendwo - mit Erinnerungen an etwas, dass ihm das Herz stehen bleiben wollte. "Ich muss es akzeptieren", drangen sie Worte kaum hörbar über seine Lippen. Corax rührte sich nicht, würde so aber auch keinen Widerstand leisten. Den Trank der Stärkung konnte man ihm ungehindert einflößen. Für die Flüssigkeit, die alsbald seiner Kehle herab rinnen sollte, wäre er sogar dankbar, ohne natürlich auch nur ein Wort davon über seine Lippen kommen zu lassen.

Ryld hielt sich schweigend im Hintergrund. Er beobachtete die Szene und Miriel, wie sie sowohl den Baldrian als auch den Heiltrunk übergab. Seine Arme hielt er vor der Brust verschränkt, den Kopf leicht gesenkt, so dass die Kapuze ihr übriges tat, sein Gesicht zu verbergen. Vermutlich würde er sich ohnehin allgemein zurückhalten müssen. Das Mädchen hatte sich mehrmals dermaßen intensiv erschreckt, dass sie nicht - wie geplant - unauffällig zu Miriels Unterschlupf würden kommen können. Die Töpferei. Er hatte sich auf seiner Suche nach den nötigen Umtrünken umgehört. Sie war nicht weit, trotzdem mussten sie durch das eingenommene Andunie. Er käme durch, der verletzte Volkgsverwandte wohl auch und die Kette würde ihn glaubwürdig als Herrn ausmachen, der seine Sklavin an sich binden wollte. Jedoch seine Verletzungen. Ryld stieß ein unzufriedenes Seufzen aus. Im schlimmsten Fall würde er wiederholt die Kapuze abnehmen müssen.
Etwas Anderes seufzte ebenfalls, aber tonlos. Es stand links von Ryld, hielt sich gar an seinem Hosenbein fest, ohne dass der Dunkelelf es auch nur im Ansatz bemerkte. Die Fähigkeit, nicht gesehen oder entdeckt zu werden, wenn das Wesen es nicht wollte, hätte so manchem Faldorianer gefallen. Wen sie nicht alles für dieses Talent getötet hätten! Aber Ryld sah den kleinen Mann nicht, der sich da an sein Bein klammerte und neugierig unter einen langen, dunkelroten Zipfelmütze hervor lugte. Das Männchen zupfte sich den Bart. Es war neugierig zu wissen, ob der Baldrian bei Azura die Wirkung erzielen würde, die sich Miriel erhoffte. Ja, es kannte ihre Namen. Sämtliche Namen! Es wusste sogar, wer im Großteil seines Lebens ein guter Mensch - oder Elf - gewesen war und so bedachte er selbst Corax einmal eines milderen Blickes. Jedoch nicht lange. Die Aufmerksamkeit des kleinen Mannes lag auf beiden Frauen - bis etwas leise gluckste. Das Kind Miriel machte selbst im Schlaf noch die putzigsten Geräusche. Es stand am Anfang seines zarten Lebens und war demnach mit der reinsten Seele im gesamten Tempel versehen. Nichts war so unschuldig wie ein Säugling. Das Männchen wollte Miriel und ihr Kind belohnen mit einem Geschenk und auch Azura sollte etwas bekommen, denn Baldrian würde kaum genügen, sie endgültig ruhig zu bekommen. So löste das Wichtelmännchen die Hand von Rylds Bein und tappte einfach durch den Raum. Einen kleinen Mann, vollkommen in rot gekleidet, hätte man eigentlich sehen müssen. Er blieb unentdeckt und erreichte Azura, sowie Miriel. Letztere versuchte gerade, das Mädchen vom zerschundenen Körper des Dunkelelfen zu befördern. Die Situation war perfekt. Hastig kletterte der Wichtel an Corax hinauf. Er blieb ungesehen. Nicht aber wohl die Geschenke, die er nun für Azura und Miriel bereit legte. Er legte sie einfach auf Corax' Brust ab. Das eine war ein wunderschön gefaltetes Tragetuch. Die dreifach gezackte Rune von Algiz zum Schutz vor Giften, Magie und Verletzungen, war mehrfach auf das Tuch gestickt worden. Sie bildete mit ihrem Muster interessanterweise eine weitere Rune: Eiwaz, das Feinde abwehren sollte. Ob beide Runen auch die nötige Magie besaßen, um zu wirken, blieb angesichts dessen, dass das Tuch einfach so auf der dunkelelfischen Brust lag, noch ungeklärt. Doch es war nicht das einzige Geschenk des Wichtels. Auf dem Stoff selbst ruhte ein kleiner Flakon, in dem eine bläuliche Flüssigkeit waberte. Es war kaum mehr als ein Schluck, aber ein Kundiger, der es inspizierte, würde allein am Geruch erkennen, dass es ein Trank der Entspannung war und die Dosis ausreichen sollte, einen zerrütteten Geist zu beruhigen.
Das Männchen wirkte zufrieden über seine Geschenke. Es ließ sich an Corax hinab gleiten, bedachte ihn mit einem leichten Klaps, dass der Elf nochmals aufstöhnte und huschte in eine sichere Ecke, um von dort die Reaktionen zu beobachten. Jemand, der nicht länger beobachtete, war Ryld. Er stieß sich nun doch von der Wand ab, an der er gelehnt hatte, um auf die Gruppe zuzutreten. Sie hatten schon zu viel Zeit hier vergeudet. Sie mussten endlich Miriels Unterschlupf erreichen. Es war zu gefährlich, an einem Ort zu bleiben, den die Dunkelelfen auserkoren hatten, um dort Leichen zu lagern.

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Re: Der geschändete Tempel

Beitrag von Azura » Samstag 12. Januar 2013, 23:44

Wäre die junge Frau in ihrem gewohnten Zustand gewesen, hätte sie wohl kaum dieses Fläschchen angenommen. Gut, dann hätte sie es auch nicht gebraucht, aber das war derzeit ja bedauerlicherweise nicht der Fall. Und obwohl sie sich noch flüchtig sträubte, gab sie letzten Endes nach. Vielleicht... wäre es ja so wirklich besser und solange dieser Kerl sich von ihrem Anhängsel fernhielt, war für sie alles in Ordnung, sodass sie die Flüssigkeit auch zu sich nehmen konnte.
Wenn sie nur nicht so suspekt ausgesehen hätte... War das tatsächlich gut und hilfreich? Oder musste sie fürchten, Schaden davon zu nehmen? Konnte sie dieser fremden Frau trauen?
Immerhin war ihr Geist inzwischen soweit wieder zurück gekehrt, dass sie die letzten Worte, die sie zu hören bekam, auch begreifen konnte. Das nahm ihr den letzten Rest an Widerstand und das gab sie auch bekannt, wenngleich das eine Wort keineswegs flüssig über ihre Lippen kommen konnte. Ihre Stimme krächzte dabei und war äußerst leise, zeugte nicht nur von ihrer Angst, sondern auch davon, dass ihre Stimmbänder lädiert waren.
Kurz noch zögerte sie, sah auf das kleine Fläschchen, ehe sie es ansetzte und den Inhalt in ihren Mund stürzte. Es schmeckte... sonderbar und sie schüttelte sich danach. Ihr Gesicht verzog sich flüchtig und ihre ausgedörrte Kehle lechzte nach einem Schluck klaren Wassers oder köstlichen, schweren Rotweins, um diesen Geschmack zu verdrängen und ihren aufgeflammten Durst zu löschen. Damit noch beschäftigt, plätscherten die Worte zuerst an ihr vorbei.
Erst die Berührung ließ sie auffahren und zurück schrecken. Hastig entzog sie sich den Fingern, ohne von ihrem Anhängsel herunter zu klettern. Dafür war die Stimme ruhig genug, um ihr rasendes Herz wieder in einen langsameren Rhythmus zu versetzen.
Es dauerte endlos lange Sekunden, bis sie schluckte und zögerlich ein Nicken andeutete. Trotzdem entfernte sie sich nur Millimeter für Millimeter von ihrem Platz. "Wa... was... ist das...?", murmelte sie und blickte auf den Gegenstand, den die Fremde dem Bewusstlosen geben wollte.
Diese Antwort wollte sie ernsthaft hören, wäre da nicht etwas anderes geschehen. Schon wieder eine Berührung an ihrem Arm, die sie herumfahren ließ. Erschrocken blickte sie auf die kräftigen, verschmutzten Finger, die sich auf ihre nicht sonderlich sauberer Haut gelegt hatten. Doch das war noch nicht alles, denn endlich hatte er die Augen geöffnet. Sie starrten ihr entgegen, hielten sie regelrecht gefangen, während ihr das Herz erneut hämmerte und ihr das Blut in den Ohren zu rauschen begann.
Den Ausdruck konnte sie nicht deuten, dazu war sie noch zu verwirrt, und auch nicht wirklich etwas empfinden darüber. Azura war nervös und zitterte wieder, aber ansonsten fühlte sie nichts, vorerst noch. Wahrscheinlich wäre sie ewig so halb auf ihm hocken geblieben, wäre sie die letzten Zentimeter nicht mit sanfter Gewalt runter geschoben worden.
Weiterhin stur in sein Gesicht blickend saß sie nun auf dem Boden und zog instinktiv die Beine an, um sie mit ihren Armen zu umschlingen. Sie machte sich klein und legte ihr Kinn auf ihre Knie.
Allmählich zeigte das Mittelchen bei ihr Wirkung, sie wurde innerlich ruhiger und auch die Augenlider wurden ihr etwas schwerer. Die Erschöpfung, die sowieso ihren Körper noch im Griff hatte, machte sich nun wieder stärker bemerkbar. Ihr Blinzeln kam immer öfter und als es einmal länger als diesen besagten Lidschlag dauerte, stöhnte ihr Anhängsel wieder auf.
Hastig zwang sie sich zum Öffnen ihrer Augen und blinzelte ein weiteres Mal. Nun jedoch aus Überraschung, denn auf dem Schwerverletzten lagen auf einmal Gegenstände. Wo kamen die denn her? Was hatte das zu bedeuten? Was war das überhaupt?
Die Gedanken holten sie aus der Trägheit wieder etwas heraus und als sich auch noch der fremde Mann ihnen näherte, wurde sie unruhig. Ein leises, ängstliches Wimmern entrang sich ihrer Kehle und sie wollte instinktiv zurück zu ihrem Anhängsel, um ihn vor dem anderen zu schützen.
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