Die Wohung Leys

Hier wohnen die Bürger Sarmas, vom einfachen Sklaven bis hin zum hohen Handelsherren oder angesehenem Magier. Je nach Reichtum und Machtverhältnis findet man hier kleine Barracken oder prachtvolle Anwesen aus Sandstein und Marmor.
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Ririn
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Die Wohung Leys

Beitrag von Ririn » Dienstag 22. November 2011, 06:14

Ririn kommt aus: Rettung?

Ririn brauchte länger für den Rückweg, als sie zum Haus Ferris Bin Ramdans gebraucht hatte. Ihre Beine waren von Müdigkeit schwer und doch lief sie schnell und zielsicher zurück in Richtung Marktplatz, an dem Schauplatz des Überfalls vorbei. Der Mann war verschwunden, wie Ririn bemerkte, als sie vorbei hetzte. Den Blutfleck am Boden, versuchte sie aus ihren Gedanken zu verbannen. Es war das Blut ihres Freundes. Sie stützte sich an die Tür die zu Leys kleiner Wohnung führte und klopfte mit zitternder Hand an. In ihr sprudelten die Gefühle in merkwürdigen Mischungen umher; Sorge und Hoffnung, Hass und Angst, Wut und Misstrauen. Wie sollte sie Ley entgegen treten? Konnte sie ihr noch vertrauen? Vorhin als Ley sie losschickte, hatte ihre Freundin gehetzt und schnell gesprochen. Das hatte sie früher auch getan, wenn sie lügte obwohl sie nicht lügen wollte. War diese alte Angewohnheit womöglich vorhin wieder durchgesickert? Oder bildete Ririn sich den möglichen Verrat vielleicht nur ein? Nur eines war sicher; Ley hatte sie zu Ferris geschickt und nun war sie Eigentum des Wüstendiebes. Ihre Freundin öffnete die Tür. Ihr Haar war zerzaust, ihre Stirn war in Falten gelegt und ihre Augen waren dunkel... vor Sorge? ...vor Angst? ... oder vor Schuld? Ihr Blick hellte sich auf, als sie Ririn erblickte und er huschte sogleich zu ihren Händen, wo sie das Kräuterpäckchen entdeckte. "Du hast sie bekommen!" sagte Ley erleichtert. Ririn versuchte immer noch ihre Freundin unvoreingenommen zu betrachten. Ley war erleichtert, das ja, aber weshalb? Weil sie zurück gekehrt war? Weil sie die Kräuter hatte? Oder vielleicht fürchtete sie Strafe der Wüstendiebe, hätte Ririn abgelehnt und war erleichtert, dass sie die "richtige" Entscheidung getroffen hatte? Ihre Freundin schien von Ririns Analysierungsversuchen nichts mitzubekommen und zog sie schnell ins Haus. Ririn übergab Ley die Kräuter, ihr fiel der Geruch in diesem Raum auf. Es roch krank... und nach...nach Tod. "Weißt du, was du mit den Kräutern machen musst?" fragte die junge Frau müde, während sie mit zittrigen Beinen auf Leys Bett zu und daneben auf die Knie ging. Sie vermutete, dass ihre Freundin genickt hatte, denn nun hörte sie sie murmeln: "Es muss ein Tee werden, der 5 Minuten ziehen muss, möglichst genau 5 Minuten... die restlichen Kräuter lege ich auf die Wunde ... und... Ririn?" Sie stoppte mitten im Satz. Anscheinend war ihr die Wandlung ihrer Freundin doch aufgefallen. "Und dann musst du dreizehn Stunden warten." sagte diese tonlos. Ley schien zu verstehen, dass Ririn nicht reden wollte. "Genau." murmelte sie leise und Ririn hörte, wie sie sich in ihrer kleinen Küche ans Werk machte.
Ririns ganze Aufmerksamkeit war Koh gewidmet, wie er totenblass auf Leys Bett lag. Er keuchte und seine Stirn war heiß und seine Kleidung von Schweiß durchtränkt. Ihr grüner Blick wanderte besorgt über Kohs vertraute und gleichzeitig so veränderte Züge. Es war eine Grimasse seines sorglosen Ichs. Mit immer noch eiskalten Fingern strich Ririn ihm die feuchten Haare aus der Stirn und sprach beruhigend auf ihn ein, während dieser mit Personen in seiner ganz eigenen Fieberwelt sprach. Sie versuchte gar nichts zu fühlen, einfach an nichts zu denken, was ihr auch ganz gut gelang. Nur ein Gedanke ging ihr nicht aus dem Kopf: Was tue ich wenn Koh stirbt? Was wäre ihr Leben dann noch wert? Ein Leben in Sklaverei und dass ... ohne "Bezahlung". Ohne den Grund für ihr Abkommen. Ohne Koh. Doch sich selbst das Leben nehmen, dafür war Ririn... zu feige? ... oder zu mutig, zu willenstark? Sie würde ihre eigene Philosophie nicht verletzen, niemals aufzugeben. Doch... der Gedanke war da.
Als Ley Koh den Tee eingeflößt und die Kräuter auf seine Wunde aufgetragen hatte, war Ririn schon in einen unruhigen Schlaf in unbequemer knieender Haltung am Kopfende des Bettes gefallen.
Trotzdem musste sie lange geschlafen haben, denn als sie erwachte... sah Koh viel gesünder aus. Seine Gesichtsfarbe war beinahe normal und sein Atem ging schon fast regelmäßig! Es war nicht mehr dieses ungesunde Keuchen, dass Ririn bis in ihre Träume verfolgt hatte. "Koh?" murmelte Ririn zaghaft. Hoffnung keimte in ihr auf, doch noch traute sie sich nicht sich daran zu klammern, aus Angst hart aufzuschlagen sollte sie sich in Luft auflösen. Es war tiefste Nacht doch eine Kerze erhellte den Raum und sofort hörte sie hinter sich die Stimme von Ley: "Er wird es schaffen, Ririn. Aber jetzt lass ihn schlafen... was du auch noch tun solltest." Nach einem Aufseufzen und einem kurzen geflüsterten Streit; Ley wollte Ririn ein Bett bauen und diese wollte nicht von Kohs Seite weichen, legte Ririn den Kopf wieder gegen den Rand der einfachen Pritsche, sie hatte gewonnen, und strich Koh durchs wieder trockene aber vom Schweiß verdreckte Haar, bis sie wieder in einen unruhigen Schlaf hinüber glitt.
Als sie erneut erwachte, der Morgen graute, war sie einen Moment verwirrt. Was hatte sie geweckt? Es war irgendein Geräusch gewesen. Hatte jemand ihren Namen gesagt? Ley vielleicht? Sie wollte sich aufrichten, da spürte sie eine Hand auf der ihren und sie stockte in ihrer Bewegung. Das konnte nicht sein. So schnell konnte dieses große Desaster nicht aus ihrem Leben getilgt sein. Doch die Kräuter schienen Wunder vollbracht zu haben. Sie blickte mit unggläubig aufgerissenen Augen Koh an. Dieser sah sie, ein wenig verwirrt aber mit klarem Blick, an und wiederholte das leicht gekrächzte Wort.
"Ririn."

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Re: Die Wohung Leys

Beitrag von Erzähler » Dienstag 22. November 2011, 12:59

Ririn's Müdigkeit, die sie seit diesem schrecklichen Angriff unterdrückt hatte, bahnte sie nun ihre Wege und zeigte sich von der erbarmungslosen Seite. Lange genug hatte sie darauf gewartet, gehört zu werden und jetzt musste Ririn eben fühlen. Unruhige Träume, halb wach, halb entschlummert quälten ihren Geist und ihren Körper. So war das immer: Wenn man etwas durcheinander gebracht hatte, einen immerwährenden Rhythmus gestört und unterbrochen hatte, wurde man daür bestraft. Hier war es so, dass erst wieder alles ins Lot kommen musste, bevor sich der Geist und auch der Körper von den Strapazen der letzten Stunden erholen konnte. Und es würde sicher noch eine weitere Nacht dauern, bis die junge Frau ihre alte Stärke wiedererlangt hatte.
Am nächsten Morgen, war Ley nicht im Haus und Ririn wurde von Koh geweckt, dem es deutlich besser ging. Zwar hielt er immernoch seinen Rmpf etwas gebeugt, da die Wunde nach wie vor vorhanden war, doch die Vergiftung des Blutes war geheilt und die Wunde konnte sich nun in Ruhe schließen und verheilen. Das würde seinen normalen Gang nehmen, das war gewiss, dennoch hatten die Kräuter von Ferris Bin Ramdan ihre Wirkung nicht verfehlt. Koh's Haut hatte den bronze-farbenen Ton zurückerlangt und auch seine Augen glänzten wieder spitzbübischer als zuvor. Ein leicht zittriges Lächeln lag auf seinen spröden Lippen - die sicherlich durch den harten Kampf ausgetrocknet waren - und er hatte die Hand auf Ririn's Schulter. "Ririn!" brachte er mit krächzender Stimme hervor und hustete, räusperte sich, und sprach dann mit altbekannter Stimme weiter. "Möchtest du frühstücken?" Sein Lächeln wurde breiter und er deutete auf den kleinen Tisch in Ley's Wohnung. Er hatte ihn gedeckt und etwas Brot und Obst bereitgelegt. "Ich schule dir ja nach wie vor ein Essen, oder?" Es war erstaunlich, dass er sich so schnell erholt hatte und wieder ganz der Alte schien.

Sich noch vorsichtig bewegend, ging er dann, nachdem er ihre Schulter losgelassen hatte, zum Tisch und nahm Platz. Sie würde ihm folgen, das wusste er. Wenn Ririn sich ihm gegenüber gesetzt hatte, würde eine lange Pause entstehen, in der er sich Brot abschnitt und mit einem Stückchen Käse vertilgte. Danach begann er einen Apfel zu schneiden und schien betrübt zu sein. Die Situation war eigenartig und die Freude über die Rettung aus irgendwelchen Gründen überschattet.
Endlich, so schien es, ergriff ihr alter Freund erneut das Wort und es schien, als hätte er sich dafür gewappnet: "Ririn... Um mich zu retten, musstest du einen Pakt schließen." Woher wusste er das? Hatte sie im Schlaf geredet?! Was war mit Ferris' Drohung? Doch Koh sprach weiter: "Ich weiß, dass man die Kräuter gegen eine Blutvergiftung nicht einfach so bekommt- Ley hats mir erzählt." Ley! Was wusste sie alles? Natürlich war sie eine begabte Heilerin und bisher eine treue (ach wirklich?) Freundin gewesen, doch seit der Begegnung mit dem Wüstendieb, zweifelte Ririn an ihrer Loyalität. Koh blickte die Braunhaarige über seinen Apfel hinweg an. Es lag etwas seltsames in seinem Ausdruck, etwas, das nicht richtig greifbar war und doch klar auf der Hand lag: Er hatte Schuldgefühle. "Ririn, es tut mir leid, aber du bist... du bist reingelegt worden." Die Worte schienen ihn mehr zu schmerzen, als seine Wunde, die er sorgfältig abschirmte vor jeglicher Berührung. "Das ganze war eine abgemachte Sache. Der Angreifer, die Rettung durch Ferris, der Pakt." Das war hart und doch auch wieder nicht, denn begreifen konnte man das schließlich nicht mit einem einfachen "achso" und dann zur Tagesordnung übergehen. Also der Reihe nach:

Koh's Einladung zum Essen, das Wettrennen zum geheimen Treffpunkt, der ekelhafte Mann, die Attacke gegen Koh, Ley die nichts mehr tun konnte und schließlich die rettende wie unheilvolle Idee hatte, Ferris Bin Ramdan um Hilfe zu ersuchen - all das war geplant gewesen? Von wem? Von Ferris? Von den Wüstendieben? Von Koh, Ley? Von wem?!
Wenn Ririn bisher verwirrt gewesen war, musste sie das aus der Bahn werfen. Um sie herum Lug und Trug; ihre besten Freunde bereit bei einer solchen Abscheulichkeit mit zu machen. Und nun saß Koh vor ihr, frühstückte, als sei nicht wirklich etwas gewesen, als hätte sie nicht vor Sorge umkommen können, als wäre sie nicht bereit gewesen ihr Leben einzutauschen, für seines. - Aber ja... Genau das hatte sie doch getan, oder? Sie hatte ihr Leben eingetauscht für einen... Fremden? Wie um sie weiter zu quälen und in einen neuerlichen Strudel aus Ereignissen zu werfen, setzte ihr bester Freund erneut an: "Lass' es mich erklären: Ich.. ich gehöre seit einiger Zeit zum Bund der Wüstendiebe. Ich.. und Ley. Wobei Ley eher am Rande aushilft, wenn einer der Wüstendiebe rasche, unkomplizierte Heilung braucht. Ich... ich hielt es für angebracht, dich auch diesem Bund zu verschreiben." Das war die Höhe! Der Gipfel aller Ungerechtigkeiten, oder nicht? Koh war auch noch derjenige, der die IDee zu dieser Scharade gehabt hatte?! Koh?! Wie fühlt man sich damit? Was mochte in RIrin vorgehen? War sie erzürnt, entsetzt, enttäuscht? Oder erleichtert, dass die Aussicht, sich unter die Hand von Ferris' zu stellen, bedeutete, dass sie und Koh zusammen bleiben konnten? Aber unter welchen Umständen war dies geschehen? Warum dieser Umweg? Wieso nicht gleich fragen... Weil du nicht ja gesagt hättest, weil Ferris' dich nun in der Hand hat, du stehst in der Schuld der Wüstendiebe. mochte es flüstern. Koh, der nach wie vor etwas betreten aussah, richtete noch einmal das Wort an Ririn: "Ferris wird dir alles erklären." Es klang wie der blanke Hohn, da Koh offenbar nicht den MUt aufbrachte, ihr die Sachlage und vor allem seine Gründe selber zu erklären. Verdiente jahrelange Freundschaft das? Verdiente sie überhaupt noch die Bezeichnung >Freundschaft< ?
Was würde Ririn jetzt tun? Was konnte sie tun?
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Re: Die Wohung Leys

Beitrag von Ririn » Dienstag 22. November 2011, 19:33

Wie Ririn reagierte?
Sie... schwieg. Noch nie hatte sie vor Koh geschauspielert und es wäre auch unsinnig gewesen, da er in ihr besser lesen konnte als in einem Buch. Während Ririn schlecht die Mienen anderer entziffern konnte, war Koh zumindest bei ihr ein Meister dieses Fachs. Oh und eben hatte er viel lesen können!
Den Anfang des Tages war ein erleichtertes Glänzen und ein leichtes Lächeln nicht aus ihrem Gesicht gewichen. Wie war sie froh gewesen, dass es Koh wieder gut ging! Alles wäre es wert um ihren "Bruder" zu retten, denn sie war der festen Überzeugung, dass Koh dasselbe tun würde um ihr zu helfen, hatte er ihr doch immer zur Seite gestanden. Am Frühstückstisch war ihre Miene zunehmend besorgter geworden. Warum schwieg Koh? Was war geschehen? Hatte er gar Schmerzen? Unsicher knabberte Ririn an ihrem Stück Käse, ihr Magen sprang beinahe aus ihrem Mund um eher an das Essen zu kommen, doch vor erneut aufkeimender Sorge konnte Ririn kaum Schlucken. Dann... begann ihr Freund zu sprechen und Schrecken zeichnete sich in ihren Augen ab. Würde Koh in Gefahr geraten, weil er wusste was sie getan hatte? Die Drohung Ferris hallte in ihrem Kopf und wieder sah sie Koh vor ihrem geistigen Auge totenblass auf einen Bett liegen oder blutüberströmt. Da sprach er weiter, erzählte, dass sie reingelegt worden war. Was Ririn da fühlte? Sie wusste es selbst nicht so genau, hatte sie doch schon vermutet, dass dies alles geplant gewesen war. Doch... bisher hatte die junge Samaerin nur Ley, und selbst das mit großem Widerstreben, einen solchen Verrat zugetraut. Sie schluckte. Warum wusste Koh davon? Und wie viel wusste er? Anscheinend mehr als sie selbst. In ihr bahnte sie sich ein grauenhafter Gedanke an, klopte an die Tür die aus ihrem Unterbewusstsein führen würde. Doch Ririn schlug mit aller Kraft diese Türe zu, als sie sich öffnen wollte. Daran konnte sie nicht denken! Koh steckt mit drin. Er hat mitgemacht. Wo hatte dieser Gedanke ein Schlupfloch gefunden? Hatte Ririn eine Lücke übersehen? Wie um sich selbst von Gegenteil zu überzeugen schüttelte sie den Kopf. Nein, das konnte ...durfte nicht wahr sein. Inzwischen war ihr Blick beinahe flehend geworden. Sprich nicht weiter. schien etwas in ihr zu sagen. Dann kann ich glauben, dass ich dir vertrauen kann, dass alles wie immer ist. Doch Koh schien ihr diesen Gefallen nicht tun zu wollen.
"Lass' es mich erklären: Ich.. ich gehöre seit einiger Zeit zum Bund der Wüstendiebe. Ich... und Ley. Wobei Ley eher am Rande aushilft, wenn einer der Wüstendiebe rasche, unkomplizierte Heilung braucht. Ich... ich hielt es für angebracht, dich auch diesem Bund zu verschreiben."
Alles unter ihr war weggebrochen und auch das letzte hauchdünne Netz aus verzweifelter Hoffnung war mit diesen Worten gerissen. Er hatte nicht nur mitgemacht! Nein! Er war es gewesen, der es geplant hatte! Ririn drehte ihren Kopf weg und schloss die Augen. Am vergangenen Tag war sie durch die Hölle gegangen, doch es hatte einen Sinn gehabt. Sie hatte Koh so retten wollen, hatte alles aufgegeben was ihr wichtig war um den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zu erhalten. Doch all das war ein einziges Theater, ein abgekartertes Spiel gewesen! Der Angriff... Kohs Verletzung, warum hatte er diese Schmerzen auf sich genommen? Dieser ganze Trick, auf den sie wie ein naives Mädchen herein gefallen war. Dieser ganze Aufwand! Und das alles nur, damit sie sich dem Bund anschloss. In eine merkwürdige neue Welt war sie geraten.
... und all dies. Ihre schwere Entscheidung, ihre panische Sorge die tiefe Spuren hinterlassen hatte, ihr verkauftes Leben. War am Ende alles umsonst gewesen? Diese Verletzungen die sie erlitten hatte, würden so schnell nicht verheilen.
Noch nie hatte Ririn sich so verraten gefühlt... und so verlassen. Früher... wenn sie sich verloren gefühlt hatte, war Koh immer ihr Fels in der Brandung gewesen. Doch dieser schien weggebrochen zu sein, war nur Schein gewesen wie alles was ihr bisher richtig und wahr erschienen war.
Sollte Koh doch den Schmerz auf ihrem Gesicht sehen, sollte er merken was er ihr angetan hatte!
...doch Ririn war so nicht. Sie wusste; Koh hatte den Gedanken nicht ertragen können, wie sie sich über Wasser hielt. Wollte ihr helfen und hatte wahrscheinlich keinen anderen Ausweg gesehen, als ihr bei den Wüstendieben eine "sichere" Zukunft zu besorgen. Und sie wusste auch... dass sie ihm trotz allem nicht verzeihen konnte. Nicht jetzt und nicht in nächster Zeit.
Ihre Lippen und Hände zitterten leicht, wie ein paar Stunden zuvor in Ferris Büro. Dessen Eigentum sie noch immer war.
Für nichts und wieder nichts.
Es kam ihr alles so lächerlich vor. Das ganze Leben war lächerlich. Am Ende erwartete alle das Gleiche, ob reich ob arm; Enttäuschung, Verrat und Tod.
Doch ließ es sich nicht ändern... und das Leben würde immer weiter gehen, egal was geschah. Doch aus welchem Grund? Ririn hörte auf zu zittern und ihre Schultern sanken herab. Dies war der letzte Stoß gewesen, der sie zu Fall gebracht hatte. Das was Ferris und die drohende Knechtschaft nicht geschafft hatten, war Koh mit einigen wenigen Worten gelungen. Die junge, sonst so willensstarke Samaerin hatte aufgegeben. Hatte aufgehört gegen das Gefühl der Hilflosigkeit anzukämpfen. Was jetzt auch auf sie zukam, es war ihr egal. Was hatte es denn noch für einen Sinn zu kämpfen, wenn es nichts mehr gab wofür es sich zu kämpfen lohnte? Ihre restliche Freiheit, die sie noch hatte, war ihr genommen worden. Als könnte sie jetzt Sarma noch verlassen... und ihre Freunde? Tja, ihre "Freunde" die hatten sie betrogen. Warum also sollte sie für sie kämpfen? Ferris würde die perfekte Sklavin besitzen. Keine Widerworte...nichts. Warum auch? "Ich... ich bin müde." war ihre einzige, beinahe geflüsterte Antwort auf Kohs Schilderungen.
Keine Fragen, kein Geschrei, keine Wut, keine Tränen. Nichts.
Sie sah ihn nicht an, konnte nicht in dieses fremdvertraute Gesicht blicken. Sie erhob sich, nahm ihren Teller und stellte ihn in die Waschwanne. Dann ging Ririn in Richtung Bett und dort angekommen legte sie sich einfach oben auf die verdreckte Decke, dem Raum den Rücken zugewandt. Sie blickte die Wand an, während sich eine hinterhältige Träne den Weg auf ihr Gesicht stahl. Ririn wischte sie etwas ungeschickt weg. Koh war es nicht wert, noch mehr Tränen zu vergießen. Vielleicht war er es nie wert gewesen.

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Re: Die Wohung Leys

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. November 2011, 11:12

Oft ist es gar nicht der Verrat an sich, den wir betrauern, sondern viel mehr betrauern wir den Verlußt einer geliebten Person, die damit einhergeht. Werden wir verraten von „irgendjemanden“, so werden wir wütend und oft spöttisch, doch nicht, wenn diese Person uns so sehr vertraut ist.
Eigentlich war Ririn’s Reaktion das Schlimmste, was Koh hätte passieren können. Der junge Mann blickte reumütig auf den zierlichen Rücken seiner ehemals besten Freundin und schwieg für eine sehr lange Zeit.
In einem Zug, trank Koh das letzte Bisschen Milch aus und wischte sich geräuschvoll über seinen Mund. Dann scharrte der Stuhl auf dem maroden Boden zurück und er erhob sich. Noch einmal ging sein Blick zu Ririn, doch auch wenn ihm viel auf dem Herzen lag, kamen doch keine Worte über seine Lippen. Ihm war durchaus bewusst, dass er mit seinem Verhalten das Mädchen, das ihm bisher am meisten bedeutet hatte, verletzt hat. Er wusste auch, dass der Fehler nicht unbedingt in seiner Absicht lag, Ririn den Dieben schmackhaft zu machen, denn seiner Art und Weise, wie er es letztendlich getan hatte. Schuldbewusst, doch Pflichtorientiert, schob er erneut den Stuhl furchtbar laut an den Tisch heran. Irgendwie wirkte dieses scharrende, kreischende Geräusch in der dicken Stille zwischen den beiden, wie ein höhnisches Gelächter. Er zuckte selber kurz bei dem Geräusch, ehe er dann die Tür zu Ley’s Wohnung öffnete, und selbige wenige Sekunden, ohne noch etwas über die Angelegenheit zu sagen, verließ. Mit einem unheilvollem „klonk“, fiel die Tür ins Schloss und hatte den bösen Beigeschmack von einem endgültigem „Lebewohl“. Sollte das wirklich das Ende der Freundschaft sein? Sollte sie so zu Ende gehen? Es war schon seltsam: Es brauchte Tage, Wochen vermutlich Monate oder Jahre, bis man einen Freund wirklich einen Freund nannte und nur wenige Augenblicke, bis aus dieser Bezeichnung nur bröselige Reste übrig blieben…

Die folgenden Tage waren eine Art „Schwebezustand“. Nichts passierte und doch änderte sich alles. Ley und Koh gehörten zu den Wüstendieben wie Ririn selber jetzt auch. Doch nach diesem verhängnisvollen Gespräch zwischen Koh und der jungen Frau, hatte sich keiner der Diebe an sie gewandt. Auch Ferris hatte sie nicht rufen lassen und so befand sich Ririn in einem Übergang. Sie gehörte nicht mehr wirklich als Prostituierte auf die Straße, hatte aber auch keine andere Aufgabe den ganzen Tag über. Niemand schien Notiz von ihr zu nehmen und keiner sprach sie an. Etwas hatte sich eindeutig verändert seit dieser Situation und das lag nicht alleine an der neuen Regierung, die nun vor kurzem benannt wurde. Die ganze Stadt schien sich verändert zu haben und alles wirkte verschleiert und kraftlos. Da die Regierung nun gewechselt hatte, gelang es Sarma nur mühsam wieder zu einer alltäglichen Ordnung zurück zu finden. Nach wie vor waren die Geschehnisse der dunklen Epoche Gesprächsthema Nummer eins und auch die Befreiung der dunkelelfischen Herrschermacht war ein mystisches Thema und viele spannende Geschichten rankten sich darum. Waren nicht zuletzt auch die Wüstendiebe an der Befreiung Sarma’s beteiligt gewesen? Waren sie es nicht, die aus dem Untergrund empor schossen und zuschlugen?
Ganz gleich wie sie es angestellt haben, es lag wie eine bleierne Brühe über der Stadt und machte die einstige Sonnenmetropole stickig und karg.

Sicherlich war die Angst vor dem neuen Unbekannten ein großer Faktor, bezüglich der Gefühlslage und
Doch war es auch einfach die Ungewissheit, was nun geschehen würde. Seit Tagen hatte Ririn nichts mehr gehört von irgendjemandem; es war fast so, als hätte man sie ihrer Existenz beraubt und keiner scherte sich mehr um sie. Ob sie selbst zu Ferris gehen sollte? Ob sie beobachtete wurde? Vielleicht schaute man erst mal, was Ririn nun anstellen würde? Und Koh? Was er wohl trieb? Seit jenem Abgang hatte auch er sich nicht mal ansatzweise irgendwo blicken lassen. Ansonsten hatte man den schlaksigen Jungen zwischen den Menschen auf dem Marktplatz gesehen, doch seit Sarma von der Außenwelt abgeschnitten wurde, da die Dunklen die Meere belagerten und die Händler nicht mehr an frische Waren kamen, war ohnehin viel weniger los. Auch Ley hatte sich seitdem nicht mehr gezeigt und es schien, als wäre Ririn von aller Welt verlassen worden. Aufgrund einer „Idee“ eines Freundes, den sie zu kennen glaubte, war ihr komplettes Leben zunichte gemacht worden. Doch wie hieß es so schön? Das Leben schließt niemals eine Tür, ohne eine andere zu öffnen. Und tatsächlich ergab es sich, dass, eine Woche nach der „großen Offenbarung“, ein kleiner Junge an Ririn herantrat und ihr einen in Fetzen hängenden Zettel überreichte. Ohne Worte, verschwand der ausgemergelte Junge zwischen einigen anderen Menschen und ward nicht mehr gesehen. Die Notiz war eindeutig und es lag auf der Hand, von wem sie stammte: Bei Sonnenuntergang! Nun also würde sich die Tür zu Ririn’s bisherigem Leben endgültig und unwiderruflich schließen und vor ihr lag ein neuer Weg. Wohin mochte er sie führen? Was mochte er bereithalten? Die Antwort würde nicht lange auf sich warten lassen…
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Re: Die Wohung Leys

Beitrag von Ririn » Dienstag 29. November 2011, 20:25

Ririn war, wie so häufig in den letzten Tagen, durch Sarma gelaufen und hatte nichts mit sich anzufangen gewusst. Sie musste nicht mehr arbeiten, doch auch von Ferris erhielt sie keine Nachricht. Das Mädchen erhielt allgemein keine Nachricht. Koh meldete sich nicht, worüber Ririn froh war, Ley meldete sich nicht, worüber Ririn froh war und auch Ferris gab keinerlei Zeichen, dass sie etwas zu erledigen hatte. Ob sie darüber froh sein oder sich lieber Sorgen machen sollte, wusste Ririn nicht. Es war wie ein Beweis ihrer Gedanken. Sie war nur eine winzig kleine Angelegenheit zwischen vielen anderen wichtigeren Dingen die der Wüstendieb zu erledigen hatte. Schließlich galt es das System Sarmas wieder aufzubauen. Die neue Regierung war ernannt und überall ging das Gerücht umher, die Wüstendiebe hätten einen großen Einfluss auf die Befreiung Sarmas gehabt. Nur langsam begann wieder Alltag in Sarma einzuziehen und genauso aufgewühlt wie das Leben der Stadt, war auch das Innenleben der jungen braunhaarigen Frau. Sie hatte das Gefühl nun ganz alleine zu sein, von allen verlassen denen sie vertraut hatte. Die junge Sarmaerin strich durch die Gassen und Straßen, denn sie hatte nichts zu tun und wusste nicht was sie mit all dieser unnützen Zeit tun sollte. Die, im Vergleich zu den anderen Einheimischen, blasse Frau lief bis ihre Füße schmerzten, ihr Hunger sie quälte und ihre Beine beinahe nachgaben. Sie aß kaum in diesen Tagen und sah müde aus. Sie versuchte noch immer zu begreifen, wie Koh ein so hinterhältiges Spiel mit ihr hatte treiben können. Sie konnte seine Gründe verstehen, warum er sie hatte in den Bund eingliedern wollen. Aber warum hatte dies auf diese grausame Weise geschehen müssen? Kannte er sie denn gar nicht? Die meiste Zeit schlich Ririn in der Nähe des Marktplatzes herum. Vielleicht hoffte sie unbewusst dort auf Koh zu treffen, doch das würde sie sich selbst nie eingestehen und er ließ sich auch nicht blicken. Eines Tages, jucks in dem Moment als Ririn sich fragte ob Ferris sie mit dieser Warterei wieder absichtlich quälen wollte, drückte ihr ein kleiner magerer Junge einen abgewetzten Zettel in die Hand und verschwand wieder in der Menge. Ein waldgrüner Blick folgte dem schwarzhaarigen Jungen bis er nicht mehr auszumachen war. Wie alt er wohl sein mochte? 7 Jahre? Vielleicht 8? Seufzend blickte Ririn auf das zerfledderte Stück Papier zwischen ihren Fingern. Eine Nachricht, endlich. Sie faltete ihn auseinander und entzifferte flink die beiden Worte. Bei Sonnenuntergang! Mehr enthielt die kurze Notiz nicht. Merkwürdig. Gab es diesesmal keine geheimnisvoll wirkende Parole? Die schienen Ferris doch so zu gefallen. Ririn grinste spöttisch. Nun ja, es war bereits später Nachmittag und Sonnenuntergang lag nicht mehr fern. Vielleicht sollte sie vorher ruhen? Sie sah keineswegs gesund aus. Nun war daran auch nichts mehr zu ändern, sagte sich Ririn. Das einzige was sie tat, war dass sie ihre Haarbürste aus ihrer Tasche zog und sich ein paar mal damit durch die Haare fuhr, bis sie glatt lagen und glänzten. Die leichten Augenringe jedoch, ihr erschöpftes Gesicht... das würde sie nicht verbergen können. Die Bürste verschwand wieder an ihrem angestammten Platz und mit gemächlichem Schritt machte sich Ririn auf den Weg zu Ferris´ Haus. Während sie sich ihrem Ziel näherte, zog die Sonne weiter. Ririn war diesen Weg noch nie ohne Eile gegangen und irgendwie wirkte er anders, wirkte wie der Rest der Stadt seit neuestem anders. Deprimierend, erdrückend, brütend. Wer weiß, vielleicht lag es auch an ihr selbst. Als sie die 13. Tür in der Gasse Richtung Akademie im Händlerviertel erreicht hatte, verschwand soeben die Sonne hinter den Dächern Sarmas. Wie pünktlich sie doch erschien, Ririn wunderte sich selbst, dass sie die Zeit so gut eingeschätzt hatte. Aber sie war in der letzten Woche so viel gelaufen, dass sie wohl ein Gespür dafür entwickelt hatte. Was brachte es, den Moment weiter heraus zu zögern? Nichts. Er würde trotzdem einkehren. Die junge Frau schloss einen Moment die Augen, atmete durch und klopfte dann, leicht zögernd, an.

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Re: Die Wohung Leys

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. Dezember 2011, 22:50

Ririn geht schweren Herzens zurück zu Ferris.
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