Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Hier wohnen die Bürger Sarmas, vom einfachen Sklaven bis hin zum hohen Handelsherren oder angesehenem Magier. Je nach Reichtum und Machtverhältnis findet man hier kleine Barracken oder prachtvolle Anwesen aus Sandstein und Marmor.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. Juli 2011, 22:53

Tipp: Du könntest mal Daraks Charakterliche Entwicklung ausfüllen, da hat sich inzwischen ja schon einiges angehäuft, was sich vom Steckbrief unterscheidet ;)


Vesta und Darak tauschten Blicke. Sie waren Partner gewesen, seit Darak die damals noch in Lumpen und mit Blessuren und blauen Flecken übersehene Hure in der Gosse getroffen hatte. Wie war es gewesen? Er hatte sich vor jemandem versteckt, weil der Luthrokar mal wieder für mächtig Ärger gesorgt hatte. Sie, die gerade einen unliebsamen Kunden losgeworden war, hatte ihn zusammengekauert erblickt und die Augen verdreht. Daraufhin war sie zu ihm gehuscht, hatte sein Handgelenk geschnappt und ihm zugeraunt, ihr zu Folgen, wenn er morgen noch atmen wollte. Vesta hatte ihn in ihr persönliches Versteck gebracht, einen kleinen Verschlag, bis auf den Eingangsspalt vollkommen verrammelt. Darin schlief sie in einem Haufen Lumpen und alter Laken. Dort versteckte sie sich am Tage, wenn Huren auf den Straßen ungern gesehen waren. Jeder beanspruchte ihre Dienste, aber niemand wollte sich mit ihnen am hellichten Tage sehen lassen. Huren waren Produkte der Gosse und Armut. Sie übertrugen Krankheiten, sie raubten und tauchten dann plötzlich mit rundem Bauch bei den Reichen auf, um finanzielle Unterstützung für das ungeborene Balg zu verlangen. Nun, in den meisten Fällen wurden sie untersützt - darin, es loszuwerden.
Vesta hatte Darak niemals gesagt, ob sie je schwanger gewesen war und ein Kind an die Meuchler des Adels verloren hatte. Über ihre Zeit, bevor sie zuerst ihn und er später sie gerettet hatte, redete sie nicht gern. Im Grunde sprach sie das Thema überhaupt nicht an. Es lag hinter ihr und Vesta war keine Frau, die sich lange im Kummer ihrer Vergangenheit suhlte. Sie blickte nach vorn, widmete sich unerledigten Aufgaben. Dinge, die man noch manipulieren und nach seinen Wünschen gestalten konnte. So auch jetzt.
Ja, ihr war eine Menge angetan worden und das nur, weil sie Handelspartnerin und enge Vertraute des Gehörnten war. Aber ihm hatte man mindestens ebenso viel Schrecken beschert. Er erzählte davon, obwohl Vesta bereits angedeutet hatte, er solle ihre Frage nach der Folter einfach vergessen. Es ging sie nichts an. Jetzt, da sie gehört hatte, was ihm widerfahren war, schaute sie direkt zu ihm herüber. Man sah im smaragdgrünen Blick der Bordellherrin niemals offen, wenn sie Mitleid hatte. Dabei konnte sie diese Emotion durchaus empfinden. Oft genug hatte sie Mädchen in der Schwarzen Spinne aufgenommen, die keinerlei Potenzial zu einer Hure ihres Standards besaßen. Aber mit etwas Übung und einer harten Ausbildung durch Vesta waren aus ihnen bei den Kunden beliebte Tänzerinnen und Huren geworden. Es war kein Luxusleben, bei weitem nicht, doch es war besser als eines direkt unter einem Sultan oder reichen Wüstenprinzen. Schon immer glaubte Vesta, dass man als private Lustgespielin ein schwereres Schicksal zugespielt bekam. Sie achtete auf ihre Mädchen. Sie zeigte Mitleid.
Und eben dieses Mitleid war nun in ihrem Blick erstmalig offen zu lesen wie in einem aufgeschlagenen Buch. Dieser Blick galt Darak. Was hatte man ihm angetan? Sie schürzte die Lippen, dann nickte sie und ihre Augen veränderten sich. Er hat es verdient, sprachen sie. Die Hure verstand Daraks Hass auf den getöteten Dunkelelfen. Sie konnte nachvollziehen, dass er diese Tat unter keinen Umständen reute.

Auch Alma schaute ihren Patienten an. Schweigend und mit kritischem Blick. Er war in der Stillen Kammer dem Wahnsinn verfallen? Dafür benahm er sich derzeit aber wieder sehr normal, doch es erklärte seine Erscheinung, als sie ihn bei dem gefolterten Da'rion gefunden hatten. Es erklärte seine Aura aus Hass und finsterer Rache, die sich zu dem Zeitpunkt um ihn aufgebaut hatte, ein Schutzwall mörderischster Empfindungen. Vielleicht würde Lilith ihm verzeihen und ihn wieder lieben können, wenn Alma ihr dies sagte. Er war unzurechnungsfähig gewesen, hatte nicht ganz darüber nachgedacht, was ... nein. Sie schüttelte den Kopf, paffte ihr Pfeifchen. Nein, das war nicht der richtige Weg. Darak und Lilith mussten das unter sich ausmachen, ganz allein. Niemand sollte sich da einmischen und der Elfe zu sagen, dass ihr Geliebter - wenn auch nur für gewisse Zeit - wahnsinnig gewesen war, konnte nicht helfen, die Beziehung zu retten. Wer konnte denn versichern, dass da nicht noch ein Funken Wahnsinn in Darak Luthrokar steckte?
Alma würde ihre Hand nicht dafür ins Feuer legen, im Gegenteil. Sie glaubte felsenfest, dass der Wahn noch vorhanden war. So etwas legte man nicht von einer Minute auf die andere beiseite. Er musste das verarbeiten. Sie würden reden müssen, wenn die Zeit reif war. Im Moment schien Darak damit klar zu kommen. Ihn bedrückten vielmehr sein aktueller Beziehungsstand zu Lilith, sowie die Tatsache, dass Vesta sein zertrümmertes-Bein-Schicksal teilte. Ja, sie würde sich ohne Magie nicht davon erholen.
"Wir könnten den neuen Stadtherrn Sarmas bitten, eine Nachricht nach Jorsan oder Zyranus zu schicken. Vielleicht auch nach Pelgar. Dort gibt es die besten und meisten Lichtmagier. Einen oder zwei werden sie wohl entsenden können." Es würde nur unendlich schwierig, den Magier nach Sarma zu verfrachten. Andunie war gefallen, wie man sich erzählte. Die Meere standen unter dem Regime des dunklen Volkes und einiger Piratengemeinschaften aus Rumdett. Es sah schlecht aus. Man konnte vorerst nichts tun. Außerdem war noch kein Stadtherr für das Wüstenreich gefunden. Diebe und Adlige diskutierten endlos.
"Toll ... verschlagen und vollgefressen. Sie werden sich nie einigen. Dafür sind die doch einfach zu verschieden."
"Wenn sie sich zusammenraufen, gelingt es. Wichtiger ist, dass jetzt überhaupt endlich ein Anführer gefunden wird. Die Dunkelelfen werden nicht ewig passiv bleiben, die sind bestimmt zornig, sobald sie vom Fall ihrer sarmaer Regierung erfahren", sagte Vesta. Sie seufzte. Darak hatte Recht. Beide waren mit der Sarmaer Kultur vertraut. Die Adligen würden nur an ihre eigene Haut denken, die Wüstendiebe wollten zwar einen Herrscher, aber am besten einen aus ihren Reihen - oder jemanden, der sich manipulieren ließ. Es durfte kein Rechtschaffener auf den Sitz, der am Ende noch ihre klar organisierte Unterwelt aushob. Das musste verhindert werden und so kämen beide Parteien nie zu einer Einigung. "Die bräuchten jemanden, der weder aus dem Bereich der Adligen, noch dem der Diebe kommt. Eine neutrale Person, mit der sich aber beide Sieten zufrieden geben. Und wir bräuchten einen Kriegsstrategen, einen Veteran." Es klang sehr hoffnungslos. Sarma war wieder den Menschen, doch für wie lange? Wenn es so weiter ging, würde es schneller zurück erobert sein als die dunklen Truppen die Häuser Andunies niedergefackelt hätten. Wie es den Bewohnern dort wohl ging? Auch Darak hatte Freunde dort zurückgelassen und starker Erinnerungen. Samantha würde ihn auffordern, wenigstens ihre Heimat zu retten, aber sie war verstummt. Sie hatte ein gutes Ende gefunden, endlich.
Es war Zeit, dass es auch für den Rest seiner Truppe - seiner Freunde - ein gutes Ende nahm. Nun ja, nicht unbedingt ein Ende, denn das wäre möglicherweise mit Tod verbunden. Aber die Zeiten sollten sich ändern, zum Guten für die Menschheit. Zum Schlechten für das dunkle Volk. Nicht nur Darak brachte ihnen inzwischen Verachtung entgegen. Vermutlich erging es zumindest Vesta ähnlich. Sie beide hatten viel gemeinsam.

Aber im Gegensatz zu Vesta fehlten Darak drei Tage seiner Erinnerung. In dieser Zeit, die ihm wesentlich länger vorgekommen war, hatte er sich dem Wahnsinn hingegeben. Er hatte geträumt und sich mit seinen Dämonen auseinander gesetzt. Zusätzlich war er von den Dunkelelfen stetig weiter an die Grenze zwischen Vernunft und Wahn getrieben worden. Beispielsweise hatten sie ihn mit stumpfen Klingen rasiert, nur um ihm Glauben zu machen, er müsse tatsächlich rasiert werden. Um das Zeitgefühl endgültig zu lösen. Sie hatten ihn zu den unterschiedlichsten Zeiten Mahlzeiten gebracht, durchsetzt nicht nur mit Speichel oder anderen Ekel erregenden Inhalten, sondern auch mit Rauschmitteln, die seine Träume intensiviert hatten. Wenn er dann schlief, hatten sie Mäusekot in der Kammer ausgeleert, Spinnen in die Ecken gesetzt, damit sie Netze woben oder einfach Schmutz auf seinen Körper aufgetragen, damit er glaubte, wirklich zu verwahrlosen. Da'rion war nicht grundlos Herrscher der Wüstenstadt gewesen. Über seine Gefangenen hatte er sich Gedanken gemacht. Sein letzter war ihm zum Verhängnis geworden, weil er annahm, dass dieser frühzeitig aufgegeben und den Tod gefunden hatte.

Allein beim Gedanken, was ihm drei Tage lang angetan worden war, wurde Darak schon wütend. Daher hakte er lieber noch einmal nach, dass auch Lilith nichts passiert war. Alma und Vesta gaben durch Kopfschütteln erleichternde Bestätigung. "Niemand hat sie angefasst. Sie ist gesund und wohlauf - körperlich", gab Alma zur Antwort. Doch dann kam eine Hiobsbotschaft. Da'rion hatte Vesta geschändet, aber nicht nur, weil er sie einfach benutzt hatte. Er hatte sie leiden lassen, direkt nach der Zertrümmerung ihrer eigenen Knie.
Sie wich Daraks Starren aus, indem sie erneut den Kopf weg drehte. Sein Knurren verursachte bei ihr eine Gänsehaut. Vesta präsentierte sich ihm schon immer als starke, als dominante Frau. Ein Wesen ohne Schwächen. Man konnte sie nicht in die Knie zwingen - ha! Eine beschissene Redewendung in ihrem derzeitigen Zustand! Aber sie wollte nicht, dass Darak sie in einem schwachen Moment sah. So spielte sie es mit einer abwinkenden Handbewegung herunter. "Ärgere dich nicht", sagte sie. "Alles halb so wild. Ich bin eine Hure, schon vergessen? Naja - jetzt wohl auch nicht mehr." Das zehrte viel mehr an ihr. Sie konnte keinem Kunden mehr gegenüber treten. Sie konnte ihnen nicht bieten, was normalerweise verlangt wurde. Sie könnte mit Darak nie wieder schöne Stunden wie früher verbringen. Nun war es an ihr zu knurren. "Genug, es reicht jetzt! Vom Plappern wird es nicht besser, da ändert sich nur meine Laune. Alma, könnten wir nicht einen der gefangenen Dunkelelfen herbringen lassen? Ich glaube, ich habe jetzt auch Lust zu foltern."
Alma schnaubte. Davon hielt sie nichts, auch wenn sie wusste, dass es nur scherzhaft gemeint war. Aber es kam trotzdem jemand. Ein Abgesandter der diskutierenden Wüstendiebe. Man wollte "den Befreier" in ihren Reihen sehen, wenn es möglich war. Die erste freundliche, ja geradezu heroische Betitelung für Darak Luthrokar.
"Du hast die Stadt vor Ach'ray Da'rion befreit", erklärte Alma. "Da passt der Titel doch ganz gut. Und Gehen? Nein, kannst du nicht. Nicht so." Sie drückte ihre Pfeife aus und erhob sich. Einen rollenden Stuhl hatte sie nicht dabei. Im Wüstensand wäre er ohnehin mehr als nutzlos, die ganzen Körnchen würden das Radgetriebe kaputt machen. "Wir haben in Sarma ander Möglichkeiten." Sie trat neben die Tür und schob einen der schweren Vorhänge zurück. Ein Seil mit Troddel am Ende kam zum Vorschein. Alma zog es und ein Glöckchen läutete. Sie klingelte zwei Mal. Es dauerte nicht lange, da tauchten zwei Sänften, jeweils von zwei Männern getragen, auf. Vesta bekam doch noch ihren Dunkelelfen zum foltern, denn die Männer, die diese Sänften trugen, gehörten dem Elfenvolk an. Sie lagen in Ketten. Man hatte sie kurzerhand zu nützlichen Gefangenen gemacht, das war besser als sie einzusperren und verrotten zu lassen. Sie zeigten verbissene Gesichter, waren offensichtlich ganz und gar nicht mit ihrer Situation zufrieden. Aber sie gehorchten, ließen die Sänften niedersinken und warteten.
Alma hob Vesta auf. So konnte Darak einen kurzen Blick auf ihre Beine erhaschen. Nichts, was man sich gern ansah. Etwas ragte aus Vestas Bein. Knochen? Oder nur ein Konstrukt der dicken Heilerin, um ihr den Schmerz ein wenig zu nehmen? Nein, das war ein Knochen gewesen, eine kleine, spitze Ecke! Sie musste mit Schmerzmitteln vollgepumpt sein, um das zu ertragen. Kein Wunder, legte sie sich eine Decke über die Knie. Diesen Anblick ertrug niemand. Verbissen schaute nun auch Vesta, als man sie in den Sänftenstuhl setzte. Dass sie getragen werden musste, gefiel ihr nicht. Es machte sie schwach.

Alma kam zu Darak, um auch ihn anzuheben. Zuvor reichte sie ihm aber noch ein ganz wichtiges Utensil. "Ohne Helm solltest du dich nicht zeigen", lächelte sie.
Man würde sie in den nahe gelegenenen Audienzsaal des ehemaligen Bürgermeisters von Sarma bringen. Dort saßen Angehörige der Adligen, Sultane, Prinzen und Fürsten mit Vertretern der Wüstendiebe zusammen. Diwane, breite Sitzkissen und teilweise auch bequeme Lehnstühle waren besetzt. Sklaven servierten Obst und andere Luxusgüter. Die Kultur Sarmas hatte sich mit der Versklavung der Menschen und dem anschließenden Sturz des Dunkelelfen nicht verändert. Aber dass diksutiert wurde, war schon einmal ein Fortschritt. Natürlich nahmen nur Männer an der Debatte teil. Frauen waren in Sarma nichts wert. Und so würde man Vesta vollkommen ignorieren, sie und Alma als Daraks Haremsgefolge ansehen, den Blick aber nur auf ihn richten.
"Endlich, der Befreier. Willkommen, Euer durchlauchte Hoheit. Setzt Euch, wir haben Wichtiges zu besprechen."
"Ich hoffe, er kann entscheiden, wer nun auf Sarmas Regierungsthron Platz nimmt. Wir kommen ja zu keinem Ergebnis", mischte sich ein Adliger ein. Er wurde von dem zuvor sprechenden Wüstendieb mit einem Schmunzeln bedacht. "Der Befreier kann Euch sehr gut verstehen, Sahib. Er stammt aus Sarma, soweit ich weiß." Irrglaube. Darak war Pelgarer, hatte nur sehr lange in Sarma gelebt. Aber das konnte man nach außen hin bei ihm kaum noch erkennen, so braun gebrannt wie seine Haut war.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 9. Juli 2011, 15:46

Betreten senkte Darak Luthrokar seinen Blick. Vesta war nicht nur seine Geschäftspartnerin gewesen sondern auch seine dominante Herrin im Liebesspiel die sich nie Gnädig gezeigt hatte, ihn gestraft hatte und ihn spüren liess dass er ein Verdammter gewesen war… genau dass hatte er jeweils gebraucht. Eine Frau die ihm auf quälend lustvolle Art und Weise klarmachte dass er ein böser Kerl war… und Vesta hatte ihn büssen lassen. Mit Peitsche und ihrem Körper. Er hatte bei ihr oft… und gerne „gebüsst“.
Doch die Zeit hatte sich geändert und seine unnahbare, ungnädige Herrin… hatte sich in eine gebrochene Frau verwandelt… die Mitleid mit ihm hatte. Denn er selbst hatte auch seinen Glanz verloren. War nicht mehr der ungestüme Sklaventreiber der über die Frauen gerutscht war auf dem Weg zu seinen neuen Abenteuern. Auch er war gebrochen. Sein Blick nicht mehr so unruhig, vor Tatendrang flackernd. Sondern eher tief und unergründlich, beinahe schon dumpf. Als hätte er etwas verloren.

Alma tippte dabei auf seinen Verstand. Bei Darak Luthrokar war dies schwierig einzuschätzen. War er nicht immer wahnsinnig gewesen? Schon vor der Folter? Schliesslich war er ein Massenmörder, ein Sklaventreiber, ein Killer der die Stimmen seiner Opfer gehört hatte… allein das hörte sich doch eigentlich nach einem Verrückten an. Nun zumindest würde Alma dies tun, wenn sie von der Existenz Samanthas Kenntnis gehabt hätte. Doch Darak hatte eben auch seine Geheimnisse vor der Heilerin. Vesta hingegen wusste von Samantha. Ihr hatte er sich schlieslich immer anvertraut als er noch oft in Sarma gewesen war. Sie kannte ihn ohnehin vielleicht sogar besser als Alma. Nun was seine Anatomie betrafen hatten beide aus unterschiedlichen Motiven schon viel Kontakt gehabt und wussten darüber bestens Bescheid. Aber Vesta kannte seine Gedankengänge, die manchmal erschreckend waren. Er hatte ihr oft erzählt wie er seine neueste Ware zu bändigen gedachte. Wie er sie aufspüren wollte und wie er dafür sorgen wollte den besten Preis bei der Auktion herauszuschlagen. Ja, sie wusste was für ein Mann er war. Sie wusste wie Kriminell er gewesen war, dies konnte Alma nur erahnen.
Doch Vesta hatte ihn wohl nie für Wahnsinnig gehalten. Er war ein Genie gewesen. Der erfolgreichste Sklaventreiber Sarmas… und dies bei ziemlich starker Konkurrenz! Um in Sarma zu bestehen musste man ein klarer Denker sein. Kein Wahnsinniger! Aber Darak hatte in seinem Leben immer lernen müssen viele Dinge wegzustecken und dennoch zu überleben. Alma holte ihn aus seinen Gedanken und führte ihn zurück ins Hier und Jetzt

"Wir könnten den neuen Stadtherrn Sarmas bitten, eine Nachricht nach Jorsan oder Zyranus zu schicken. Vielleicht auch nach Pelgar. Dort gibt es die besten und meisten Lichtmagier. Einen oder zwei werden sie wohl entsenden können." Er schüttelte seinen Kopf. „Wie sollen die uns denn erreichen, wir sind faktisch vom Festland abgeschnitten. Ausserdem wird Zyranus wohl kaum einen Lichtmagier entsenden… für Sarma. Diese Magier interessieren sich doch nur für das was in ihren Mauern geschieht!“ Er selbst war schon in der Nähe von Zyranus gewesen, junge Magierinnen warfen hohe Preise ab. In der Stadt hingegen war er nie gelangt. Er wusste nicht ob er dort gesucht wurde, möglich wäre es, denn er hatte sehr viele junge Mädchen verschwinden lassen. Auch wenn er es gehasst hatte. Magierinnen waren immer so schwer einzuschätzen gewesen und die eine oder andere war ihm damals sogar auch entkommen. Eine hatte sogar kurz mal sein bestes Stück eingefroren. Nur Vesta hatte er dies mal erzählt und sie hatte sich ausgiebig über ihn lustig gemacht. Dafür war das echt ein unangenehmes Erlebnis für ihn gewesen! Er schüttelte sich. „Unwahrscheinlich“ fügte er nochmals hinzu und erläuterte nochmals kurz warum er nicht daran glaubte dass die Wüstendiebe und die Adeligen zueinander finden würden.. "Wenn sie sich zusammenraufen, gelingt es. Wichtiger ist, dass jetzt überhaupt endlich ein Anführer gefunden wird. Die Dunkelelfen werden nicht ewig passiv bleiben, die sind bestimmt zornig, sobald sie vom Fall ihrer sarmaer Regierung erfahren"

Er nickte betrübt. Die Dunkelelfen im Nacken zu wissen machte ihm persönlich Angst. Er hatte schon viele Feinde in seinem Leben gehabt, aber doch nie eine Armee! „Dreimal kannst du raten auf wen sie es ganz besonders absehen werden.“ Er war auch schon oft gejagt worden und war ziemlich gut im Untertauchen… aber doch nicht vor einer ganzen verschissenen Armee und nicht in einer Stadt wo ihn jeder als Held feierte und nun kannte!
„Sie werden kommen, da bin ich mir sicher und vermutlich nicht zu knapp, sondern mit ordentlich vielen Truppenverbänden um an Sarma ein grausames Exempel zu statuieren!“ Dies wiederholte er immer wieder. Er fürchtete sich wirklich vor einem schrecklichen Gemetzel. Er war nie im Krieg gewesen… aber die Geschichten die er darüber gehört hatten reichten aus um ihn das fürchten zu lehren – ihn, dem draufgängerischen Darak Luthrokar!

„Ich bin bereit zu kämpfen wenn es sein muss!“ Als würde er dies überhaupt können, sicherlich die Dunkelelfen würden nicht von heute auf Morgen einen Angriff starten, aber Darak würde viel Zeit brauchen um sich zu erholen. Zeit die er vielleicht gar nicht hatte… und auf einer Sänfte getragen kämpfte es sich denkbar schlecht.
"Die bräuchten jemanden, der weder aus dem Bereich der Adligen, noch dem der Diebe kommt. Eine neutrale Person, mit der sich aber beide Sieten zufrieden geben. Und wir bräuchten einen Kriegsstrategen, einen Veteran." Er nickte. „Ja… Das wäre das optimale… „ Stimmte er ihr zu. Doch wo wollten sie so einen Kerl auftreiben? Na ja das war ja im Moment eh nicht sein Problem…
Sein Problem war sein Knie, seine Beziehung zu Lilith… und die Verletzungen von Vesta. Dass waren seine Probleme und die waren genau so wichtig wie das wohl Sarmas. Ja Lilith. Er kam auf sie zu sprechen. Sorgte sich um sie.
"Niemand hat sie angefasst. Sie ist gesund und wohlauf - körperlich", Er nickte. Wollte es Alma wirklich glauben. Doch dann folgte die Schreckensnachricht. Vesta geschändet und missbraucht… von diesem Bastard, auf menschenverachtenste Art und Weise! Er starrte sie an. Konnte nicht anders. Unsägliche Wut packte ihn. Der Zorn und die Lust es jetzt gleich it diesem ganzen verdammten Volk abzurechnen!
"Alles halb so wild. Ich bin eine Hure, schon vergessen? Naja - jetzt wohl auch nicht mehr." Ja, sie war eine Hure und dennoch eine Vergewaltigung konnte wohl selbst an einer Hure nicht spurlos vorbeigehen. Er knurrte. „dafür werden sie leiden… LEIDEN…“

Zum Glück war Lilith nicht hier und hörte die Absichten Luthrokars nicht mit dem Morden weiter zu machen.
"Genug, es reicht jetzt! Vom Plappern wird es nicht besser, da ändert sich nur meine Laune. Alma, könnten wir nicht einen der gefangenen Dunkelelfen herbringen lassen? Ich glaube, ich habe jetzt auch Lust zu foltern." „Ja… reissen wir so einen verfluchten Bastard öffentlich in Stücke!“ Der Rachedurst war tief in Daraks Wesen verankert und wer ihn kannte wusste wie grausam er sein konnte. Also war er vielleicht doch vom Wahnsinn erfasst, schon immer gewesen. Ein Mönch der so Sittsam erzogen worden war wie er, hätte doch selbst im Zwist nicht darauf kommen sollen seinen Kontrahenten mit einem Kerzenständer zu schlagen. Vielleicht hatte er dieses Mördergen schon immer in sich getragen! Auch hier wurde dies deutlich. Bei Vesta konnte man den Sarkasmus heraushören, sie wusste selbst dass Folter sie nicht weiterbringen würde, aber bei Darak… da klang es durchaus ernst. Doch er würde nicht dazu kommen denn ein Gesandter der Wüstendiebe forderte seine Aufmerksamkeit.
"Du hast die Stadt vor Ach'ray Da'rion befreit…Da passt der Titel doch ganz gut. Und Gehen? Nein, kannst du nicht. Nicht so."
„Auch nur mit Hilfe von meinen Freunden.“ Keucht e er. Lilith. Eigentlich hatte die junge Elfe ja glück gehabt dass Cattie wieder lebte. Vermutlich hätte er es ihr sonst kaum verzeihen können dass sie sein liebstes Huhn in den Tod geschickt hatte. Er hatte im Moment so ein schlechtes Gewissen und so viele Sorgen wegen seinem Verhalten dass ihre möglichen Fehlentscheidungen gar nicht zu Sprache kamen. Ihre Aktion hätte ja sowas von in die Hose gehen können…

Er seufzte und nickte. Aber es überraschte ihn nicht dass Alma ihm das Gehen verwehrte. Er spürte ja selbst. Pochend und dumpf war der Schmerz und er wusste, dass er bald bohrend werden würde sobald die Wirkung der Schmerzmittel nachliess. Ja, ER kannte diesen Schmerz. Vesta hatte ihn zum ersten Mal zu ertragen und es hatte sie wesentlich schlimmer erwischt. Sie teilten ein sehr ähnliches Schicksal, denn auch er war missbraucht worden… kurz nachdem man ihm die Beine gebrochen hatte. Immer… und immer wieder. Er schluckte leer. Schüttelte sich. Wollte nicht daran denken, er hatte jetzt genug andere Sorgen als jetzt auch noch diese unverarbeiteten Altlasten hochkommen zu lassen.

Ein Rollstuhl würde er hier nicht kriegen. Dafür eine Sänfte. Die Dunkelelfen würden ihren eigenen Peiniger auf den Schultern tragen müssen. Darak stierte den Dunkelelfen düster entgegen. Wenn ER Herrscher Sarmas wäre, so würde er alle männlichen Dunkelefen zu Eunuchen machen um eine Fortpflanzung dieses Volkes zu verhindern. Oh ja, das würde er. Es war gefährlich wenn sich dieses Volk schnell vermehrte. Schliesslich waren die Dunkelelfen viel langlebiger als die Menschen – diese hatten sich aber bis anhin schneller vermehrt und waren so zahlenmässig überlegener. Dies sollte auch so bleiben.
Alma passte ihn ab bevor es in den Audienzsaal ging. Sie gab ihm seinen Helm zurück. Seinen Helm! Er starrte das olle Ding an. Nahm ihn zu sich und herzte ihn. „Danke!“ Keucht e er ergriffen und legte sich seinen Heissgeliebten Hauptschutz auf. Es gab nur wenige Dinge welche Darak Luthrokar wirklich alles bedeuteten… und sein Helm gehörte dazu. „Das bedeutet mir viel Alma. Danke..:“


Erst wurde Vesta angehoben. Darak verzog entsetzt sein Gesicht als er ihr Bein sah. Bestürzt sah er zu Alma hin. Seine Frage war offensichtlich. Kannst du nicht mehr tun? Diese Frage lag in seinem Blick.
Dann wurde auch er angehoben und auf die Sänfte gelegt und schliesslich ging es in den Audienzsaal des Palastes. Der war dicht besiedelt. Sklaven – hier natürlich keine Dunkelelfischen. So idiotisch waren die auch wieder nicht um dem Feind gleich alle Informationen zu geben. Menschen. Wüstendiebe wie Adelige, Sklaven wie auch Haremsdamen, sie alle tummelten sich in diesem Raum. Die Debatte schien angeregt und hitzig geführt worden zu sein, denn den meisten fetten Adeligen stand der Schweiss auf der Stirn.
"Endlich, der Befreier. Willkommen, Euer durchlauchte Hoheit. Setzt Euch, wir haben Wichtiges zu besprechen."

"Ich hoffe, er kann entscheiden, wer nun auf Sarmas Regierungsthron Platz nimmt. Wir kommen ja zu keinem Ergebnis",
Er runzelte die Stirn. Durchlauchte Hoheit?
Er liess sich auf seiner Sänfte nieder. Lauschte den Worten. Oh ja er sprach fliessend sendil.
"Der Befreier kann Euch sehr gut verstehen, Sahib. Er stammt aus Sarma, soweit ich weiß." Der Werte Wüstendieb hat recht, ich verstehe euch sehr gut Sahib.“ Meinte er schliesslich und nickte dem Dieb zu. Er verzichtete jedoch darauf in der Heimatsprache der Sarmaer zu sprechen. Weil er wusste dass Alma sonst nichts verstehen würde. Bei den Sklaven hatte er keine Angst dass sie das was hier gesprochen wurde an die Dunkelelfen verraten würden. Denn unter derer Herrschaft war alles noch viel schlimmer gewesen als jetzt.
„Nun wir platzen hier in eine bereits bestehende Diskussion herein… was habt ihr denn besprochen werte Herren?“ Ergriff er das Wort und spürte wie alle Blicke erwartungsvoll auf ihn gerichtet waren. Er hielt Cattie auf seinen Schoss und streichelte sie ruhig. Er sah mächtig aus, mit seinem Helm. Doch sein eingebundenes Bein und die fahlheit in seinem Gesicht verrieten, dass er durchaus noch nicht all seine Kraft wiedergewonnen hatte. Ausserdem hatte er dunkle Augenringe von der Droge bekommen. Er machte durchaus einen etwas unheimlichen Eindruck.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Dienstag 12. Juli 2011, 09:06

Sie hatten sich beide verändert. Sie hatten Eigenschaften hinzugewonnen, die man ihnen nicht zutraute. So war Darak Luthrokar plötzlich aufrichtig in eine Frau verliebt - in eine einzige Frau, für die er offensichtlich all die Huren liegen ließ, denen er sonst seine Aufwartung gemacht hätte. Und was war mit Vesta? Sie empfand auf einmal Mitleid mit einem Kerl, den sie früher nur zu gern die Peitsche über den Rücken gezogen hatte. Nicht nur aus Lust, sondern auch um ihn zu strafen. Sie beide hatten diese Eigenschaften des anderen jeweils genossen. Eigenschaften, die verloren gegangen und durch neue ersetzt worden waren. Konnte das schlimm sein?
Es hatten Veränderungen stattgefunden. Sowohl Darak als auch Vesta hatten sich weiter entwickelt. Bedauerlich hierbei war höchstens, dass sie beide sich dadurch offenbar auseinander lebten. Die gegenseitige Attraktivität schwand. Vesta duldete keine ernsthaften Beziehungen neben sich. Sie wollte die einzige Frau für Darak sein. Diese Aussage stand natürlich relativ zu den Huren, die er immer aufgesucht hatte. Aber bei denen wusste die Herrin der Schwarzen Spinne, dass sie keine Konkurrenz waren. Darak suchte sie auf, hatte seinen Spaß und kehrte dann in ihre dominanten Arme zurück, weil er letztendlich nur sie und ihre Art brauchte.
Darak seinerseits zeigte jetzt aber deutlich, dass er mehr nötig hatte. Er hatte die Liebe kennen gelernt, Blut geleckt und er sehnte sich nach diesem Gefühl, das doch noch einen Ticken mehr war als erotische Nächte mit einer Herrin, die ihn büßen ließ. Ein Grund mehr für Vesta, mit ihm Mitleid zu empfinden. Sie bedauerte, dass es zwischen ihnen nicht mehr so sein konnte wie zuvor. Allein schon, weil ihre zertrümmerten Beine es verhindern würden. Sie konnte ja nicht einmal mehr aufrecht und erhaben vor ihm stehen, einen herablassenden Blick für ihn übrig. Er hatte es geliebt als der getretene Hund vor ihr zu kriechen, der er war. Nun wäre sie es, die kriechen müsste, wenn sie überhaupt allein voran kommen wollte. Ernüchternd. Brechend. Nur so konnte Vesta die Emotionen beschreiben, die sie bei solchen Gedanken einholten, um sie mit sich zu reißen. Ein dunkler Schatten erhob sich über über, um sie zu Boden zu drücken, von wo sie nicht mehr aufstehen sollte. Ha! Selbst ohne diesen Schatten konnte sie nicht stehen! Sie musste sich in einer Sänfte tragen lassen. Wenigstens würden es die verhassten Dunkelelfen sein, die sie fortan von einem Fleck zum nächsten transportieren sollten. Oh, sie würde sich einen Wanst anfressen, nur um es ihnen unangenehmer zu gestalten!

Man brachte die beiden Gehbehinderten in den Audienzsaal des Palastes. Wie auch schon die anderen Räume zeugte dieser von seiner hohen Decke und jeder Schritt - selbst von nackten Füßen! - hallte in dem gewaltigen Saal. Er brach sie an den Wändern wie Licht im Wasser und kehrte mit einem verzögerten Echo zum Verursacher zurück. Der Architekt des Palastes hatte diesen Effekt bewusst ausgenutzt. So konnte sich Sarmas Herrscher jederzeit zusätzlich durch Geräusche und die imposante Erscheinung seines Palastes zusätzlich in Szene setzen. Sarmas Herrscher waren bisher allesamt stolze Männer gewesen - Frauen durften nicht herrschen, das wäre ja ein Skandal! Auch jetzt sah man im Audienzsaal ausschließlich Männer diksutieren. Wenn Frauen anwesend waren, dann als Haremsdamen und Sklavinnen, die den heftig debattierenden Herren mit Palmwedeln Luft zu fächelten, ihnen kalte Getränke servierten oder frisches Obst anboten.
Die einzigen Frauen, die sich über dieses allgemein geltende, unausgesprochene Gesetz hinweg hoben, waren Alma und Vesta. Die Begleiterinnen des Befreiern und somit auch irgendwo in der Stellung einer Haremsdame. Die Aufmerksamkeit lag allerdings auf Darak Luthrokar. Seine Sänfte wurde abgesetzt und Alma half ihm, auf einem der bequemen Diwane Platz zu nehmen. Dort konnte er auch gleichzeitig seinen Fuß hochlegen. Neben dem Erquickungssofa standen für ihn ebenfalls eine Schale mit Obst und ein Glas frischen Wassers bereit.
Vesta setzte man zu seiner Rechten auf ein großes Kissen, das mit Körnern gefüttert war. Diese Sitzmonster waren in Sarma altbekannt, sehr bequem, aber von allein fiel es schwer wieder aufzustehen. Der Bordellherrin gestand man lediglich ein Glas Wasser zu. Sie beschwerte sich nicht, hatte sowieso nicht vor, sich hier dekadent den Magen vollzuschlagen. Wer zu viel fraß, konnte nicht klar denken. Sie wollte die Debatte verfolgen können. Alma setzte sich an Daraks linke Seite. Der Sitzsack knirschte unter ihrem Gewicht. Eine kleine Naht platzte gar auf und die winzigen Körnchen rieselten prasselnd zu Boden. Niemand nahm Notiz davon, denn dieses Missgeschick war nicht wenigen der leibesfüllenden Adligen selbst passiert. Hier saßen viele fette Sultane und Prinzen der Wüste. Sie hatten sich ihren Reichtum durch Sklavenhandel, bei Kamelrennen oder dem Verkauf sarmaer Luxusgüter wie Buntglas oder Petroleum, das man als Brennstoff für Öllaternen verwendete, erworben. All dies nützte ihnen nun reichlich wenig bei der Beantwortung nach der Frage, wer die Stadt so kurz vor einem Gegenschlag durch dunkle Mächte regieren sollte. Niemand der faulen Klopse sah sich dazu berufen.
Aber auch die Wüstendiebe machten einen zerknirschten Eindruck. Gern hätten sie jemanden auf dem Regierungsthron gesehen, der einer von ihnen war. Aber das konnten sie nicht riskieren. Sich so öffentlich zu geben. Sie waren Diebe und Gauner, gehörten in die Unterwelt und nicht aktiv an die Oberfläche. Auch unter ihnen gab es niemanden, der den Posten beziehen wollte.

Es war einer der Diebe, der das Wort ergriff. Dazu stand er auf - eine hagere Gestalt, die zwischen all den dickbäuchigen Adligen geradezu dürr wirkte. Kopf und Gesicht waren vermummt, was seine Stimme nur gedämpft im Saal widerhallen ließ. Aber keiner der Wüstendiebe hatte sich enttarnt. Sie führten immerhin eine Diskussion mit Männern, die sie normalerweise pflegten um ihre Ersparnisse zu bringen. "Durchlauchter Befreier, die Diskussion ist nicht weit voran geschritten, zu unser aller Bedauern."
"Bei Lysanthors verbranntem Sonnenhintern, sprich Celcianisch, damit dich alle verstehen!", unterbrach Vesta die einleitenden Worte. Sie hatte ihn klar und deutlich gehört, aber Alma saß mit gerunzelter Stirn da. Die Heilerin beherrschte Sendli nicht. War das ein Akt der Barmherzigkeit von Seiten der Bordellherrin? Keineswegs! Sie hatte lediglich erkannt, dass man Almas Meinung nicht unterschätzen sollte. Diese Frau dachte nach! Aber das könnte sie nicht, wenn sie keins von den gesprochenen Worten auch nur im Ansatz verstand.
Der Dieb räusperte sich, wiederholte alles noch einmal auf Celcianisch und fuhr dann fort: "Wir haben derzeit zwei mögliche Kandidaten für den Herrscherthron ausgewählt. Einer stammt aus den Reihen des Bundes, der andere ist ein angesehener Fürst. Meine Herren, wenn ihr euch selbst vorstellen würdet?"
Der Wüstendiebkandidat erhob sich. Er war alt, das bemerkte man an dem dunklen Bart gekräuselten Haares, der unter seiner Vermummung heraus schaute. Erste graue Strähnen zeichneten sich darin ab. Seine Augen waren kleine, schwarze Perlen, die aus den Tüchern des Vermummungsturbans heraus funkelten. Er trug bevorzugt Blau- und Grautöne. Seine Statur war unter all dem Stoff nur schwer auszumachen, aber hager wie sein Vorsprecher war er bei weitem nicht. Die Stimme klang tief und rau, als er sprach: "Ich zeichne mich durch Kriegstaktiken und strategisches Wissen aus. Ich werde Sarma den Sieg gegen die Dunkelelfen bringen. Mit meinen Kenntnissen werden wir ihnen eine Niederlage verpassen, von der nicht einmal mehr ihre Barden singen können - weil sie ihr Schicksal teilen werden."
"Tollkühne Worte und ich zweifle nicht einmal an ihnen, werter Khan ben Issam. Man nennt Euch nicht umsonst den Anführer. Aber wie wollt Ihr nach dem Sieg über das dunkle Volk eine Stadt wie Sarma führen?" Er war der Kandidat der Adligen, welcher diese Frage stellte. Überraschenderweise zeigte er sich nicht als fetter, feister Sultan, der kaum sein Eigengewicht tragen konnte. Er war schlank, hatte geöltes und leicht gewelltes, schwarzes Haar, das er zu einem Zopf gebunden trug. Ein dünner Stoppelbart umrahmte die Lippen und in seinen tiefbraunen Augen mochte sich so manche Frau verlieren. Er war ein Kavalier, ein Höfling, so könnte man es ausdrücken. Der Krummsäbel an seiner Hüfte diente lediglich der Zierde. Viel zu jung war er, jünger noch als Darak, aber mit seiner Frage traf er einen Nerv bei diesem Khan. Der Dieb setzte sich hin, um den Adligen sprechen zu lassen.
"Sarma wächst und gedeiht. So viel Wohlstand muss klug verwaltet und geführt werden. Wir wollen nicht ins Primitive herab rutschen. Es gibt jetzt schon genug Verarmte Sarmaer, die dem Herrscherthron grollten und jetzt nur darauf warten, dass Veränderungen in die Stadt treten. Wir müssen einen florierenden Handel aufrecht erhalten, Verbündete auf dem Festland schaffen, die uns mit Waren versorgen, die wir nicht haben."
"Dazu müssen wir sie erst einmal befreien, Nabil ab del Omar", erwiderte Khan.
"Ehe wir das tun können, müssen wir uns selbst befreien!", kam es aus der Menge. Darauf folgte sogleich eine Gegenantwort auf der anderen Seite. "Wie denn? Glaubt ihr, wir haben gegen eine Armee aus Dunkelelfen eine Chance?" "Er hat Recht! Unsere Truppen sind zerschlagen!" Die Diskussion wurde lauter. Man warf sich nun nicht länger Argumente an den Kopf, sondern es flogen Beleidigungen. Keine der beiden Parteien glaubte daran, dass die andere in der Lage war, einen Kandidaten zu stellen, der sowohl Taktik als auch Führungsgeschick für ein Volk bewies.
Alma griff sich an den Kopf. "Hier ist es ja lauter als bei den Affen im Dschungel", murrte sie und blickte in Daraks Richtung. "Du bist ihr Befreier. Unternimm etwas!"
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 15. Juli 2011, 18:24

Die Sänftenträger wurden sofort aus dem Saal gejagt. Dunkelelfen waren hier nicht willkommen. Darak mochte es nicht sonderlich, sich von Alma helfen zu lassen aber es ging im Moment nicht anders. Er hasste es, wenn er nicht selbst imstande war zu gehen. Es führte so was hilfloses, ja beinahe schon unterwürfiges mit sich was so gar nicht zu seinem eigentlichen Charakter passen wollte. Er schnaubte. Blödes Knie! Darion hatte dafür geblutet, war dafür gestorben. Für ihn war das Leiden zuende… er jedoch würde damit leben müssen wieder fürchten zu müssen, dauerhafte Schäden davonzutragen. Alma hatte gesagt er würde vermutlich wieder Hinken. Nun, ehrlichgesagt hatte er das olle gehumpel beinahe schon vermisst als er durch den Sternensee geheilt worden war. Er seufzte. Für sich selbst würde er Florencia und Phaun wohl kaum nochmals beanspruchen können, schliesslich hatten sie ihm sein Knie geschenkt, sein Bein… und Cattie. Dafür hatte er gar nie sonderlich zu diesen beiden Göttern gebetet. Doch Florencia und Phaun waren Gebete auch nicht sonderlich wichtig, sie erkannten ihre Glaubigen darin wie sie mit Tieren und Pflanzen verfuhren. Vermutlich war eher Phaun es gewesen der auf Darak aufmerksam geworden war, denn Darak Luthrokar war sehr tierliebend. Keiner kümmerte sich wohl so gut um ein Huhn wie er… aber kein Huhn war auch so wie Cattie.

Würde sich Darak Luthrokar so gut um ein Volk kümmern können wie um Hühner? Diese Frage stand unausgesprochen im Raum. Doch Darak kam nicht auf diesen Gedanken und so äusserte er ihn auch nicht. Er hörte sich lieber die bestehende Diskussion an, auch wenn er schon nach wenigen Sekunden feststellte wie ermüdend sie doch war.
Er griff nach dem Wasserglas. Schmerzen machten durstig und ausserdem war er lange dem Hunger und Durst unter Sarmas Sonne ausgesetzt gewesen. Es war ein altes Muster dass er seit der Folter noch nicht gänzlich abgelegt hatte: Er Hamsterte. Weil man nie wissen konnte wann einem die Narhungsmittel wieder entzogen werden würden. Ohnehin sollten sich die Werten Herren der Wüstendiebe und des Adels sich eher in Zurückhaltung üben als hier protzig mit Fleisch und Datteln aufzufahren. Krieg brachte immer Hunger mit sich und hungernde Soldaten waren keine guten Kämpfer. Doch der Adel war sich Verzicht nicht gewöhnt und die Wüstendiebe nahmen lieber anstatt zu geben. Keine Einfachen Voraussetzungen für eine potenzielle Regierung. Beide Lager mussten sich gewisse kulturellen Defizite eingestehen die es einfach brauchte um ein Volk durch den Krieg zu führen. Sarma war keine Stadt mit einem Königsgeschlecht, jedoch auch nicht mit einer wirklich Mehrköpfigen offiziellen Regierungsform. Sarma war keine Demokratie und keine Monarchie. Sarma war etwas zwischen Diktatur und Anarchistenstaat. Schlussendlich war Sarma vorallem eines: Ein kompliziertes politisches Gefüge.
Darak zupfte sich die eine oder andere Dattel aus der Obstschale. Sonst war er nicht der grosse Obstesser, aber diese süssen Wüstenfrüchte hatten es ihm angetan, an jenem Tag wo er nach Sarma gekommen war. Sein Blick richtete sich auf den Wüstendieb der sich soeben erhob und das Wort ergriff.

"Durchlauchter Befreier, die Diskussion ist nicht weit voran geschritten, zu unser aller Bedauern." Sagte er in der Sprache der Wüste. Darak nickte nur Doch noch ehe er etwas sagen konnte fuhr ihm Vesta dazwischen. "Bei Lysanthors verbranntem Sonnenhintern, sprich Celcianisch, damit dich alle verstehen!", Er grinste. Oh Vesta wüsste sich bei desen alten Herren durchzusetzen. Sie wäre eine Vorzügliche Stadtführerin. Denn ihr eigenes Geschäft hatte sie schliesslich auch zu einem Diamanten geformt. Wie ein erotischer Phönix der aus der Asche des Strassenstrichs emporgestiegen war in den Olymp des Erotikgeschäfts.

"Wir haben derzeit zwei mögliche Kandidaten für den Herrscherthron ausgewählt. Einer stammt aus den Reihen des Bundes, der andere ist ein angesehener Fürst. Meine Herren, wenn ihr euch selbst vorstellen würdet?" Er nickte. „Nun?“ Schaute er die beiden Interessiert an. Sie konnten unterschiedlicher nicht sein. Der Wüstendieb war alt und schien erfahren zu sein, der Adelige war ein Junger eifernder Kerl. Und beide brachten sie ihre Argumente vor. Der Anfang der Unterredung war noch ganz geordnet…

"Ich zeichne mich durch Kriegstaktiken und strategisches Wissen aus. Ich werde Sarma den Sieg gegen die Dunkelelfen bringen. Mit meinen Kenntnissen werden wir ihnen eine Niederlage verpassen, von der nicht einmal mehr ihre Barden singen können - weil sie ihr Schicksal teilen werden." Ein Kriegstaktiker war für den Moment sicherlich unersetzbar. Darak nickte. Das hörte sich doch schon mal gut an. Oh ja der Kerl verfügte über das Charisma eines Generals. Doch er wollte kein General sein, sondern Herrscher Sarmas…

"Tollkühne Worte und ich zweifle nicht einmal an ihnen, werter Khan ben Issam. Man nennt Euch nicht umsonst den Anführer. Aber wie wollt Ihr nach dem Sieg über das dunkle Volk eine Stadt wie Sarma führen?"[(i] Nun der junge Adelige besass durchaus Schneid diesen ehrbaren alten Wüstendieb zu unterbrechen und sich derart selbstsicher zu präsentieren. Darak hob überrascht eine Augenbraue. Dieser Mann vertrat die junge, aufstrebende Adelsgeneration die sich von ihren alten Herren doch deutlich unterschied. Vielleicht brachten diese die Veränderungen mit die das doch eher erzkonservative Sarma brauchte um erfolgreich in dieser Feindseligen Welt bestehen zu können? Doch offenbar war der gute junge Adelige doch etwas zu idealistisch… vielleicht lag dies an seinem doch so jungen Alter. Sein Veränderungseifer in Ehren, doch er schien doch etwas zu übereifrig zu sein.
"Sarma wächst und gedeiht. So viel Wohlstand muss klug verwaltet und geführt werden. Wir wollen nicht ins Primitive herab rutschen. Es gibt jetzt schon genug Verarmte Sarmaer, die dem Herrscherthron grollten und jetzt nur darauf warten, dass Veränderungen in die Stadt treten. Wir müssen einen florierenden Handel aufrecht erhalten, Verbündete auf dem Festland schaffen, die uns mit Waren versorgen, die wir nicht haben." Verbündete? So. Das würde im Moment schwierig sein. Denn die Dunkelelfen würden kaum Geschäfte mit ihnen machen… und auf de Festland schein es im Moment nur noch Dunkelelfen zu geben.

Die Debatte wurde deutlich hitziger. Erstes Raunen ging durch die Reihen der Wüstendiebe und heftiges getuschel breitete sich auf beiden Seiten aus.

"Dazu müssen wir sie erst einmal befreien, Nabil ab del Omar"
Darak sah vom einen zum anderen. Immer hin und her. Bisher war er nur ein stiller Beobachter gewesen. Er ass lieber Datteln. Wechselte Blicke mit Vesta. Es war so wie immer. Darak hatte sich genau aus diesem Grund nie sonderlich in die Politik Sarmas eingemischt obwohl er ein Mächtiger Mann in der Stadt gewesen war. Schliesslich war er ein Mann von Ruf gewesen. Damals war der Name Luthrokar eine Qualitätsmarke gewesen, nun war es der Name des Befreiers. Der Name eines echten sarmischen Helden. An den Tischen flogen allmählich die Fetzen.
"Hier ist es ja lauter als bei den Affen im Dschungel.Du bist ihr Befreier. Unternimm etwas!"

„ja…“ Brummte Darak nur. Er konnte sich aber schlecht erheben und auf den Tisch klopfen. „MEINE HERREN!“ Aber seine Stimme war ebenfalls ein gewaltiges Instrument. „MEINE HERREN, SCHEISSE VERDAMMT MÄSSIGT EUCH!“ Keifte er in die Menge wie ein strenger Lehrer – mit zugegebenen Massen schlechtem Vokabular -.
Erst als er sich sicher war dass er die volle Aufmerksamkeit hatte mässigte er seinen Ton.

„Geschätzte Anwesende… ich sehe hier in Meister Kahn den besten Kriegsminister welche sich das Volk wünschen kann und in dem werten Herrn Omar einen fähigen Wirtschaftsminister…“ Er weitete seinen Blick auf die ganze Menge aus. „Aber was Sarma fehlt ist das dritte Glied der Herrschaft. Der Kopf der Stadt. Sarma ist befreit worden… und darum bin ich davon überzeugt dass der Herrschersitz nur einem Gehören kann. Einem Vertreter des Volkes, der seine Minitser beratend zur Seite stellt. Nur er ist in der Lage die unterschiedlichen Ansichten von Wüstendieben und Adel anzuhören und weise sowie gerecht zu entscheiden, ohne dass sich eine Gruppe in ihrer Machtstellung benachteiligt fühlt…“

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Sonntag 17. Juli 2011, 14:01

Niemand legte den Kopf schief oder tuschelte, als Alma Darak mit größter Vorsicht von seiner Sänfte hob und auf eines der Diwane absetzte. Das unterschied die Sarmaer möglicherweise von den Pelgarern, die sofort eine Schwäche in dem Mann gesehen hätten, der sich von einer Frau tragen lassen musste. Andererseits wussten die Versammelten, was Darak für sie getan und durchlitten hatte. Er war der Befreier. Jener Mann, der sie vor einer Knechtschaft unter dunkelelfischer Führung bewahrt hatte. Jener Mann, der seine eigenen Beine dafür geopfert hatte. Und jener Mann, dessen Meinung sie nun zur gegenwärtigen Lage hören wollten.
Darak ließ sich die Kandidaten für einen Posten als Sarmas neuer Stadtherr vorführen. Beide hatten ihre Vorzüge, aber beide allein auf dem Thron würden die Wüstenstadt auf Dauer nicht regieren können. Der eine besaß das zu wenig, worin der andere bereits Experte zu sein schien. Es wäre sinnvoll, Khan ben Issam als auch den jüngeren Nabil ab del Omar nicht aus den Augen zu verlieren. Dem Gehörnten schwebten Ministerposten vor, unterstützende Ratgeber, die den einzigen auf dem Thron mit ihrem Wissen zu einer Ausnahme formen konnten. Ein hervor stechender Herrscher, den Sarmas Türme und Zinnen noch nicht gesehen hatte. Jemand, der nicht nur in die Geschichstbücher eingehen sollte, weil er die Stadt im Sand vor einem Rachefeldzug der Dunkelelfen verteidigt hatte, sondern auch, weil unter seiner Führung die Stadt neues Ansehen erlangte. Vielleicht ließen sich sogar kulturelle Defizite ausgleichen, neue Denkweisen in die Köpfe der Bürger einpflanzen. Vielleicht konnte Sarma den Ruf loswerden, eine ebenso heiße wie korrupte Stadt zu sein. Aber ob das die Wüstendiebe überhaupt zulassen würden? Oder die Adligen? Sie alle verdankten ihrem Luxus dekadenten Handlungen, hinterlistigen Spielchen, Verschlagenheit und vor allem korrupten Geschäften mit jenen Menschen, die grundsätzlich etwas dagegen hätten unternehmen sollen. Ein solcher Fuchs durfte den Thron der Stadt nicht besteigen, wenn Darak sich wünschte, dass sich etwas änderte. Es musste jemand Anderes her, doch wer? Das fragten sich nun auch die Debattierenden, als der Gehörnte seine Stimme erhob. Sie blickten mit Unbehagen, gleichermaßen aber auch mit Neugier zum Sprecher herüber. Erziehung war ihm ja nicht gerade in die Wiege gelegt worden. Er fluchte gewaltig, vor allem gewaltig laut. Doch sie sahen ausnahmsweise darüber hinweg. Darak war ihr Befreier. Oh, er genoss wirklich einen Status, der nicht höher hätte sein können. Seinen Ruf als erfolgreichster Sklaventreiber der Stadt stellte er allemal in den Schatten. Diese Leute blickten zu ihm auf wie zu einem König. Könnte es sein...?

"Ihr wollt, dass ich Kriegsminister werde, Sahib?", hakte Khan ben Issam nach. Seine von der Sonne gebräunte und von vielen Schlachten geschlagenene Hand rieb das markante Kinn. Er dachte wirklich über die Position nach. Er selbst hielt sich nämlich für keinen Politiker. Die hockten nur auf ihrem Hintern, der Jahr um Jahr immer fetter wurde. Nichts, was einem Kriegsveteranen gefiel. So ein Mann gehörte auf das Schlachtfeld und auf ein solches hätte er Sarma führen wollen. Anschließend zum Sieg. Die Dunkelelfen zu bezwingen, das war sein derzeitiger Plan. Alles Nachstehende würde er sich nicht auf die Schultern laden wollen. Er war niemand der eine Stadt hätte regieren können, da machte er sich nichts vor. Er hätte in diesem Fall auf die Hilfe seiner Verbündeten zurückgegriffen. Doch der Vorschlag des Befreiers gefiel ihm. "Als Kriegsminister müsste ich mich nur um diese Aufgaben kümmern, richtig? Ich dürfte mich bei Fragen meines Fachgebiets einmischen, müsste aber nicht noch die Verwaltung einer Stadt auf mich laden. Ja, das ist kein schlechter Gedanke. Ich wäre dabei, Sahib! Soll der Jungspund unsere Stadt regieren!" Er würde Nabil freiwillig den Posten überlassen. Aber der guckte finster. Sehr finster.
"Ich soll den Regierungssitz mit einem Ratgeber teilen? Sarma hatte noch nie Ratgeber. Selbst die rechte Hand des ehemaligen Bürgermeisters spielte sein eigenes Spiel. Wann hat Phattner denn jemals einen sinnvollen Rat gegeben? Nein, er hat sich vollgestopft und Steuern eingetrieben! So kann Sarma nicht funktionieren. Diese Stadt braucht eine Diktatur, einen einzigen Herrscher. Mich, meine Herren. Seht es ein, Befreier, Minister zu ernennen, wird uns nicht weiterbringen. Dann gibt es weitere Diskussionen und wir kommen trotz der Wahl einer Regierung zu keiner Entscheidung. Nein." Er schüttelte den Kopf. "Sollte ich nicht alleiniger Herrscher Sarmas werden können, lehne ich ab. Ich werde mich keiner fremden Meinung beugen."
"Ihr seid ein Narr, ab del Omar!", zischte jemand von Seiten der Wüstendiebe.
"Aber irgendwo hat er auch Recht", kam es von den Adligen zurück. Die ließen sich nämlich ungern von mehreren in ihr luxuröses Leben hinein reden. Minister bedeuteten, dass es mehr als eine Marionette gab, der man Fäden umlegen müsste. Es würde sich alles verheddern, bis nur noch ein gewaltiger Knoten vorhanden wäre - ein regierungstechnischer Untergang aus der Sicht der Dickbäuche. In all der aufgekommenen Hektik hatte niemand mehr Daraks restlichen Worten zugehört. Niemand bis auf Alma und Vesta. Die Heilerin sorgte für Ruhe, indem sie lauthals durch den Saal brüllte. Ihr Organ führte sofort zu absoluter Stille. Viele fürchteten, diese massige Frau würde sie auffressen wollen, wenn sie auch nur einen weiteren Laut von sich gäben. Vesta war es dann, die sprach: "Ihr lasst den Befreier herschicken, um seine Meinung zu hören und dann verschließt ihr eure Ohren, wenn er spricht! Dummes Volk, lauscht ihm. Seine Idee war klug. Ihr habt vergessen, dass er tatsächlich einen einzelnen auf den Thron setzen will. Jemand, der ebenfalls zuhören kann!" Ihre Hand legte sich auf Daraks. "Jemand, der sich die Ratschläge seiner Minister anhört, sich Gedanken macht, letztendlich aber selbst entscheidet. Und zwar weise. Gebt euch endlich einen Ruck und fügt euch diesem Vorschlag, denn er ist der beste, den ihr habt!"
"Und wer sollte Eurer Meinung nach auf den Thron, Weib?"
"Ha! Ihr fragt eine Frau nach ihrer Meinung?" Vesta schürzte die Lippen ob dieses Kommentares, aber sie entgegnete nichts. Sie kannte die Stellung des weiblichen Geschlechts innerhalb der Wüstenmauern. Trotzdem zeigte sie auf Darak. "Sein Vorschlag, fragt ihn. Nicht mich." Alle Augen richteten sich auf ihn. Ein Adliger erhob wiederholt die Stimme: "Nun, Befreier, wer sollte denn das dritte Glied der Kette sein? Wer soll auf Sarmas Herrscherthron?"
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 25. Juli 2011, 17:54

Darak hatte nicht erwartet dass die Diskussion leicht werden würde und er hatte auch nicht gedacht dass er, als der Befreier so viel würde mitreden müssen. Er war kein Politiker und bei den Göttern er hatte auch noch nie mit dem Gedanken gespielt eine Stadt zu regieren, es kam ja schliesslich auch nicht sehr oft vor dass man sich darüber ernsthafte Gedanken machen musste, Regierungswechsel waren eher selten und meistens unterlag die Wahl der neuen Regierung ohnehin nicht an den Vertretern des Volkes sondern an bereits gewählte Ratsmitglieder. In anderen Städten, wie beispielsweise Grandessa oder Jorsan war es sogar die Blutlinie die denr den zukünftigen Regenten bestimmte. So wuchs ein Monarchengeschlecht heran welches die Erfahrungen des Führens einer Stadt von einer Generation zur nächsten weitergab… im Fall von Grandessa und Jorsan aber leider auch die schon seit jeher bestehenden Fehden, die einfach kein Ende finden wollte…

Wie die Regierung in Pelgar entstanden war wusste Darak nicht. Sie war schon immer da gewesen, schon als er klein gewesen war und dann hatte er abgeschieden als Mönch – und dann wieder Abgeschieden als Häftling gelebt… nicht gerade jene Orte wo man viel über Politik lernte… wohl aber über die Menschen und deren Fähigkeiten.

Er hörte den Beiden zu und beide hatten sie sinnvolle Argumente, bestechende Stärken aber auch verheerende Schwächen in ihren Ausführungen, zusammen hingegen ergänzten sie sich sehr gut. Der wilde, raue Kriegsherr und der gewitzte, entschlossene Adelsmann… und doch war der Graben zwischen ihnen beinahe Unüberwindbar gross, es bedurfte schon eines sehr überzeugenden Brückenbauers um diese Schlucht sicher überwinden zu können und so die beiden grundverschiedenen Lager zusammen zu führen und einander zugänglicher zu machen. Daraks Vorschlag war ein Herrscher aus dem Volke.

"Ihr wollt, dass ich Kriegsminister werde, Sahib?", „Das ist Korrekt verehrter Khan ben Issam… welch Kraft und Durchschlagskraft ihr doch als General unserer Armee verleihen würdet, die Erde würde beben und aus diesem undisziplinierten Haufen von Rockhebern würden richtige Soldaten geformt welche so verheerend und effizient sein würden wie die unbarmherzige Sonne Sarmas, auf dass sie die Feinde Sarmas ausdorren und verhungern sowie verdursten lassen so dass sie elendig im Wüstensand verrecken, würden sie es wagen gegen uns zu Marschieren.“ Schmeichelhafte Worte, Darak geizte nicht mit dem Honig welchen er Khan um den Mund schmierte. Aber er sah in dem gesetzten Kriegsherrn tatsächlich eine grosse Chance für die militärische Entwicklung und Führung des Landes. Doch Khan war Soldat und Kriegsherr durch und durch… und kein Regent.
"Als Kriegsminister müsste ich mich nur um diese Aufgaben kümmern, richtig?“ „Richtig Khan… ihr währet der General der Streitkräfte und als Minister der persönliche Berater des Herrschers. Doch innerhalb eures Mandates werdet ihr unabhängig vom Herrscher Entscheidungen treffen können, nur bei grösseren Belangen werdet ihr kollektiv entscheiden müssen.“

“Ich dürfte mich bei Fragen meines Fachgebiets einmischen, müsste aber nicht noch die Verwaltung einer Stadt auf mich laden. Ja, das ist kein schlechter Gedanke. Ich wäre dabei, Sahib! Soll der Jungspund unsere Stadt regieren!" Darak nickte ihm zu und lächelte. „Ein weiser und grosszügiger Entschluss werter Khan ben Issam.“ Die Sprache Sarmas war durchaus gehoben, der Respekt vor dem Namen des jeweils anderen war oberstes Gebot, man hatte ihn in Ehren zu halten. Umso sehr war es für Darak überraschend dass er vom Volke einen Titel verliehen bekommen hatte. Sahib. Herr, Besitzer, der Befreier. Es war ein Zeichen allergrössten Respekts und dies obwohl Darak eigentlich gebürtiger Sarmaer war.

Während sich der gemässigte und doch ehre gesetztere Khan äusserst zufrieden mit seinem möglichen Los zeigte war der Jungspund ganz anderer Meinung. Hier zeigte sich die mangelnde Lebenserfahrung, er war jung und wild und einen Tick zu ehrgeizig.

"Ich soll den Regierungssitz mit einem Ratgeber teilen? Sarma hatte noch nie Ratgeber. Selbst die rechte Hand des ehemaligen Bürgermeisters spielte sein eigenes Spiel.“ Daraks Augen vergenten sich zu schlitzen. Er hörte dem Adelsmann aufmerksam zu, es würde schwierig werden ihn zu überzeugen aber er musste es versuchen. War sich Darak bewusst dass er hier gerade die Zukunft Sarmas formte? Was für eine Verantwortung eigentlich auf seinem Geschick lastete? Darak war der festen Überzeugung dass Sarma nur über längere Zeit würde bestehen können wenn sich die drei Klassen endlich vereinen könnten. Volk, Adel und Diebe. „Teile… und Herrsche junger Nabil ab del Omar und zeiget Respekt vor dem Wissen eines Erfahrenen Kriegsfürsten!“

“ Wann hat Phattner denn jemals einen sinnvollen Rat gegeben? Nein, er hat sich vollgestopft und Steuern eingetrieben! So kann Sarma nicht funktionieren.“ „Ich frage euch werter Nabil ab del Omar… sieht Khan in eurem Auge aus wie ein verfressener Fetter Kerl? Ich sehe einen Krieger in unserer Runde sitzen, kein Schwein.“
“Diese Stadt braucht eine Diktatur, einen einzigen Herrscher. Mich, meine Herren. Seht es ein, Befreier, Minister zu ernennen, wird uns nicht weiterbringen. Dann gibt es weitere Diskussionen und wir kommen trotz der Wahl einer Regierung zu keiner Entscheidung. Nein. Sollte ich nicht alleiniger Herrscher Sarmas werden können, lehne ich ab. Ich werde mich keiner fremden Meinung beugen." Die Diskussion geriet abermals ausser Kontrolle. „Meine Herren!“ Knurrte Darak angestrengt. Dieses Gelaber war in der Tat äusserst ermüdend für den Befreier. Ihm klingelten die Ohren als Alma das Wort ergriff und lauthals in die Runde bellte. Meine Güte bei der bekam ja sogar ein Troll Ohrensausen. Er schüttelte sich leicht. Wenn sie dies noch einmal machte würde er Migräne kriegen, da war er sich sicher. Doch dann war es Vesta welche die Ruhe in der Runde nutzte um vorzusprechen.

"Ihr lasst den Befreier herschicken, um seine Meinung zu hören und dann verschließt ihr eure Ohren, wenn er spricht! Dummes Volk, lauscht ihm. Seine Idee war klug. Ihr habt vergessen, dass er tatsächlich einen einzelnen auf den Thron setzen will. Jemand, der ebenfalls zuhören kann!" Darak rieb sich die Schläfe. Er blickte zu Vesta hin als sie ihre Hand auf seine Schulter legte, eine berührende Geste, sie stand wirklich hinter ihm… na ja… im übertragenen Sinne.

„Jemand, der sich die Ratschläge seiner Minister anhört, sich Gedanken macht, letztendlich aber selbst entscheidet. Und zwar weise. Gebt euch endlich einen Ruck und fügt euch diesem Vorschlag, denn er ist der beste, den ihr habt!" Darak sah wieder in die Meute und nickte zustimmend. „Ihr habt Recht, bisher wurde Sarma von einem Diktator und seinem Korrupten Berater beherrscht… und deshalb war es überhaupt auch möglich dass die Dunkelelfen ohne grossen Kampf die Stadt einfach so hatten überrennen können, wahrlich wir müssen einen Preis für eine neue, Florierende Stadt bezahlen Werte Adelsmänner, doch ihr selbst wisst doch wie sehr sich eine gute Investition auszahlen kann. Dies kann als Konsequenz haben dass wir uns von der einen oder anderen Vornehmlichkeit trennen müssen, aber seht euch um, wenn wir uns hier nicht einigen können… und Sarma im Chaos der Führungslosigkeit versinkt… werden wir bald unser wertvollstes Gut, welches wir nur mit knapper Not hatten zurückgewinnen können verlieren… unsere Freiheit." Er drehte sich zu Omar hin. "Ihr seid ein weiser junger Mann Omar und ihr habt grosse Pläne für Sarma... aber ihr seid kein Kriegsherr aber genau ein solcher Krieg steht uns unmittelbar bevor, seht einen Ministerposten nicht als Beleidigung an, denn dies ist er fürwahr nicht!"

"Und wer sollte Eurer Meinung nach auf den Thron, Weib?"

"Ha! Ihr fragt eine Frau nach ihrer Meinung?"
Nun war es Darak der auf den Tisch schlug. „Hütet eure Zunge! Oder ich schneid sie euch eigenhändig raus! Diese Frau hat für Sarma mehr getan und mehr Opfer gebracht als die meisten von euch zusammen! Sie hat dafür gesorgt dass das Gift seinen Empfänger fand, dies waren alles Frauen die dafür gesorgt haben! Wenn ihr sie nicht respektiert, dann respektiert ihr auch nicht die freie Stadt Sarma… und wenn es um geschäftliche Dinge geht ist kein Rat besser und wertvoller als jener von Vesta Temna Nigra!“

Er schnaubte. Damit rüttelte er an einem alten Fundament der Stadt. "Sein Vorschlag, fragt ihn. Nicht mich." Er merkte wie sich plötzlich alle Augen auf ihn richteten.
"Nun, Befreier, wer sollte denn das dritte Glied der Kette sein? Wer soll auf Sarmas Herrscherthron?" Er schluckte. Was erwarteten sie jetzt von ihm? Dass er den Herrscher Sarmas bestimmte? Er verschränkte seine Arme. „Vorausgesetzt der Adel gibt sich mit dem ehrenwerten Amt des Innenministers zufrieden… bin ich noch immer der festen Überzeugung dass nur ein Mann… oder eine Frau aus dem Volke wirklich über Sarma herrschen kann ohne eine Seite zu benachteiligen…“

Er schwieg einen Moment. „Es fehlt das dritte Bindeglied, wir haben einen Krieger und einen brillanten Wirtschafsmann – sofern er denn das Teilen noch lernt – was wir jedoch noch brauchen ist ein Diplomat, der es versteht mit Nachbarn, mit Feinden und auch mit dem eigenen Volk und deren Vertreter zu verhandeln und Forderungen zu stellen oder Gesetze zu erlassen… sowie ein Geschäftsmann und Architekt, der in der Lage ist aus den Ruinen Sarmas wieder eine strahlende Stadt zu formen, sowie braucht es einen Beschützer unter deren Obhut sich das Volk geborgen und zuversichtlich fühlt, trotz schwerer Zeiten…“ Er schwieg einen Augenblick. Blickte kurz zwischen Vesta und Alma hin und her. „.. und wenn es um diese Attribute geht… so ist mir keine andere Person bekannt die dies besser Beherrscht als Vesta Temna Nigra.“

Darak war ein Realist, für so eine Umwälzung war das Volk im Moment wohl noch nicht bereit und eben sowenig der Adel und die Wüstendiebe, sie würden sich langsam an den Gedanken gewöhnen müssen eine Frau als Herrscherin zu akzeptieren. Noch bevor die ersten Widerworte aufkeimen konnten hob Darak die Hand. „Für den Moment jedoch, bin ich wohl die Person gegen welche die Dunkelelfen den grössten Groll heben aber wohl von Sarma auch am meisten fürchten… und in den Augen des Volkes bin ich ein Hoffnungsträger, so will ich, sofern ihr dem Zustimmt mich zur Wahl stellen, solange Sarma unmittelbar von den Horden der dunklen Brut bedroht wird… aber Vesta soll mit herrschen und schlussendlich die Führung übernehmen, sobald meine Dienste nicht mehr von Nöten sein werden.“

Er hob noch einmal die Hand. „Die Stimmverteilung wird folgende sein: Vesta und ich haben zusammen ein Stimme. Der ehrenwerte Herr Khan und der werte Omar ebenfalls, grössere Gesetzesänderungen können nur in Kraft treten wenn mindestens 2 Stimmen dafür sprechen. Das Volk ist also in keinem Falle bevorzugt nur weil wir während der Übergangsregierung deren 2 Herrscher haben.“

Er lehnte sich zurück und machte eine Geste dass die Debatte nun wieder eröffnet war. Er hatte hier schliesslich ne ganz schöne Packung vorgetragen und er war gespannt auf die Reaktion. Erst jetzt realisierte er, für was er sich da gerade angeboten hatte. Sein Herz raste. Er schaute zu Vesta rüber die er damit wohl völlig überrumpelt hatte… und hoffte sie würde ihm dafür nicht den Kopf abbeissen… oder was anderes an dem er noch viel mehr hing.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. August 2011, 14:43

Darak erging es im Augenblick wie vielen Helden aus Legenden und Sagen, in denen ihre Stärke und heroische Selbstlosigkeit nur allzu oft besungen wurden. Was meistens unter den Tisch der Bardenkompositionen fiel, waren die politischen Gespräche, die ein solcher Held ebenfalls oft genug zu bestreiten hatte. Warum die Barden sie vergaßen? Es gab einen einfachen Grund dafür: zum einen galt Politik oft als bei einfachen Bürgern unverständliches und sehr langatmiges Thema. Niemand wollte sich Geschichten und Gesänge anhören, in denen debattiert und diskutiert wurde. Der einfache Celcianer bevorzugte nun einmal epische Erzählungen von mächtigen Kriegshelden, die Drachen töteten und Jungfrauen retteten - mit dem Schwert und nicht etwa, weil sie zuvor eine lange politische Auseinandersetzung geführt und gewonnen hatten. Dass ein wahrer Held aber auch solche Herausforderungen zu bestehen hatte, wurde gern verschwiegen. Auch, weil ein solches Hindernis für den tapferen Recken weitaus schwieriger zu bestreiten war als ein Kampf gegen einen unüberwindbaren Feind. Die Politik, das höfische Geplänkel, Intrigen und die Einhaltung bestimmter Formen während einer endlos dahin schleichenden Diskussion galten als der wahre, kaum bezwingbare Gegner eines typischen Mannes von Ansehen, Rang und Namen. Eines Mannes, wie Darak Luthrokar nun einer geworden war, zumindest in Sarma. Er galt unter den Bürgern als der Befreier, ein jener Held, der die Wüstenstadt aus der dunkelelfischen Tyrannei gerissen und ihr die Freiheit zurückgegeben hatte, von der selbst jetzt noch Sklaven träumten. Sarma würde immer mit Korruption, Sklaverei und anderen finsteren Mächten einher gehen, aber wenigstens wurde es derzeit nicht mehr von einem Dunkelelfen regiert, der zum Spaß Leben auslöschte. Nein, davor waren die Menschen bewahrt worden, dank Darak. Jetzt hieß es allerdings endlich einen neuen Regierenden auf den Wüstenthron zu setzen. In Sarma galt kein Erbrecht und selbst wenn so hätte es nun an einem Erben gefehlt. Der Bürgermeister war nicht einmal mit einer Frau vermählt gewesen. Nein, jetzt musste ein Regierender gewählt werden.
Kandidaten gab es ja, obgleich sich der Veteran Khan ben Issam sogar letztendlich aus der Affäre zog. Er war Darak ähnlich: ein Mann des Krieges und Kampfes, aber niemand, der sich längerfristig um solch schwer zu verstehende Dinge wie die Verwaltung einer ganzen Stadt kümmern wollte. Unglücklicherweise verweigerte der einzig passende Kandidat für die Posten eben jenen, wenn er nicht alleinig über ganz Sarma herrschen durfte. In dieser Hinsicht war Nabil ab del Omar, der junge Adlige, einfach nicht erfahren genug. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass er ein gebürtiges Einzelkind war. Die Fähigkeit zu teilen zählte unter solch wohlbehütet Aufgewachsenen nicht gerade als ein hervorstechendes Talent. Aber Darak war es ohnehin lieber, einen Stadtherrn aus dem Volk zu wählen. Khan und Nabil sollten als beratende Minister zur Seite stehen, aber nicht allein regieren. Das hätte keinen Sinn und würde Sarma nicht vor einem Untergang bewahren, sollten die dunklen Völker auf die Idee kommen, einen Rachefeldzug zu begehen. Und ganz sicher kamen sie auf diese Idee. Vor allem Daraks Kopf wollten sie im Augenblick wahrscheinlich rollen sehen. Keine besonders beruhigende Erkenntnis, aber er konnte nichts dagegen unternehmen als sich dem Schicksal entgegen zu stellen. Seine letzte Möglichkeit war, sich zusammen mit einer Armee im Rücken zu stellen. Sarma musste ihn unterstützen! Er musste die Stadt einen und die Gemüter beruhigen, vor allem derzeit das des jungen Adligen. Er brauchte auch dessen Unterstützung.

"Ich frage Euch, werter Nabil ab del Omar ... sieht Khan in Eurem Auge aus wie ein verfressener fetter Kerl? Ich sehe einen Krieger in unserer Runde sitzen, kein Schwein." Nabils Augen verengten sich zu Schlitzen. Er musterte den Veteran eindringlich. Dieser ließ seine Brust anschwellen um noch pompöser zu wirken. Es war noch immer ein Machtspiel zwischen beiden Parteien. Imponieren, sogar im Angesicht des Feindes. Jemand musste ein Auge auf beide haben. Jemand, der wusste, dass sie sich zwar gegenseitig reizen, es aber nicht ausschweifen lassen durften. Sonst geriet alles außer Kontrolle. Darak riss das Wort wieder an sich, nachdem Alma für Ruhe und Vesta für ein wenig Beherrschung in den Reihen der Zuhörer gesorgt hatte. Nun lauschte man den Worten des Befreiers. Viele nickten zustimmend. Er hatte Recht. Sie würden nicht gegen den Feind bestehen können, wenn sie untereinander Zwistigkeiten austauschten und genauso wenig würde Sarma bestehen, wenn es in die alleinige Herrschaft Khans oder Nabils gegeben würde. Sie mussten beraten, sollten aber nicht herrschen. Doch wer kam für den obersten Posten in Frage?
Aller Augen richteten sich auf Darak. Jetzt besaß er wirklich die volle Aufmerksamkeit. Sein Wort zählte - so stark, als sei er bereits Sarmas Stadtherr. Zuvor wies er jedoch auf die Wichtigkeit und die große Rolle hin, die nicht nur Vesta, sondern alle gefangenen Frauen bisher gespielt hatten. Alma grinste triumphal. Das würde Constanze gefallen, wenn sie es nur hören könnte. Ein Mann, der für die Rechte der Frauen kämpfte in einer Stadt, in der sie weniger wert waren als männliche Sklaven. Vielleicht bekäme die Frau unter einem Herrscher wie Darak noch einen höheren Stellenwert - vielleicht könnte auch jemand wie eine Frau in Sarma bald von Freiheit sprechen. Die Heilerin schaute zu Vesta Tenma Negra herüber. Die Bordellherrin genoss bereits ein solches Privileg. Sie hatte sich hoch gearbeitet. Gut, sie mochte noch immer eine Hure sein, doch es waren ihre Fähigkeiten und Qualitäten, die das Gift in Da'rions Blutkreislauf befördert hatten. Welcher Mann konnte von sich behaupten, ein ebenbürtiges Opfer eingegangen zu sein? Alma empfand gewissen Stolz für Vesta, wenngleich sie diese nicht einschätzbare Person nicht sonderlich mochte. Aber sie vertraute Darak und der sah sich als Partner der Herrin der Schwarzen Spinne. Konnte man ihr demnach also ebenso vertrauen? Alma würde ihre Schweinsäuglein in jedem Fall offen behalten. Trotzdem dankte sie Vesta insgeheim für all ihre Mühen.
Das hätten auch die versammelten Adligen und Wüstendiebe tun sollen, zumindest wenn man Alma nach ihrer Meinung fragte. Tat man aber nicht. Sie war eine Frau, genauso wie Vesta eine Frau war. Darak konnte das festgefügte Denken einer ganzen Kultur nicht mit wenigen Worten in sich zusammenbrechen lassen. Dazu war selbst der Befreier nicht in der Lage. Aber wenigstens verstummten die indirekten Beleidigungen und verachtenden Worte. Man akzeptierte, dass diese Hure wohl einen besonderen Platz im Herzen des sarmaer Befreiers gefunden hatte. Also durfte sie schon ein wenig mehr als eine typische Frau - beispielsweise dieser Diskussion beiwohnen. Ihre Meinung zählte dadurch dennoch nicht mehr. Daraks Meinung zählte aber sehr wohl und die Zuhörer wurden langsam ungeduldig. Wer sollte herrschen? Sie erwarteten eine Antwort.

"Der Adel gibt sich mit dieser Entscheidung zufrieden, Sahib", bestätigte Nabil ab del Omar und gab sich somit geschlagen. Jedoch hängte er eine Bedingung an seine Aussage an. "Vorausgesetzt, die Wahl des Herrschers ist gut. Ein Mann aus dem Volk, das könnte vielleicht funktionieren." Nabil ignorierte den Einwurf, dass es auch eine Frau auf diesen Platz schaffen könnte. Er spielte bereits mit dem Gedanken, diesem Stadtherrn des Volkes beratend zur Seite zu stehen. Das Volk, ein einfacher Bürger vielleicht. Ein solcher Mann wäre manipulierbar, kannte er sich doch in der Stadtverwaltung bestimmt nicht aus. Eine Marionette zum herrschen. Nabil grübelte.
Der andere Minister hüllte sich derweil in Schweigen. Grimmig beobachtete er, warf jedoch keinen Einwand in den Raum. Er würde sich mit der Wahl zufrieden geben, hatte er doch bereits nur allzu deutlich gemacht, dass ihn lediglich die Führung der militärischen Truppen interessierte. Und da man ihm dort absolute Befehlsgewalt erteilt hatte, es sei denn der Stadtherr sei einer vollkommen anderen Meinung, würde man ihm keine Steine in den Weg legen. Er als Veteran vieler geschlagener Schlachten wusste, wie man einen Trupp Soldaten zu führen hatte. Das würde auch der künftig Regierende schnell einsehen.
Doch selbst Khan ben Issam klappte die Kinnlade herunter, als Darak erneut sprach und seinen Vorschlag offen legte. Nabil keuchte auf, verschluckte sich und hustete. Ein Adliger an seiner Seite klopfte ihm rasch auf den Rücken, mehr aber um sich selbst von dem eigenen Schrecken abzulenken. Was hatte Darak Luthrokar da eben gesagt?
"Das kann nicht dein ernst sein!" Vesta klammerte sich an der Lehne ihres Sitzplatzes fest. Sie wäre beinahe aufgesprungen, doch der Schmerz fuhr ihr durch die zertrümmerten Beine, dass ihr sofort der Schweiß auf der Stirn ausbrach. Sie schrie nicht, unterdrückte lediglich ein Ächzen. Alma musste ihr starke Schmerzmittel gegeben haben oder ihre Körperbeherrschung war selbst von ihrem Geschäftspartner all die Jahre mehr als unterschätzt worden. Die Smaragde, die ihre Augen darstellten, fixierten Darak. Sie starrte ihn regelrecht an. Nicht ungläubig, wie Alma neben ihm, sondern wütend. Zorn sprühte in kleinen Funken daraus hervor. "Was redest du da nur?!", keifte sie. "Hat man dir auf dem Festland einen Schlag auf den Kopf verpasst? Hast du vergessen, wo du bist? Das hier ist Sarma, Darak Luthrokar!" Sie brauchte nicht mehr zu sagen. Sein Vorschlag war vollkommen absurd. Eine Frau als Stadtherrin, das könnte er mit viel Mühe, Geld und Beziehungen vielleicht noch in Pelgar durchbringen. Aber in Sarma? Kein Stück! Wusste er dies denn nicht selbst?

Stille machte sich im Saal breit. Man hätte mit Empörung rechnen können, ähnlich wie Vesta es bereits an ihm ausließ, aber alle waren noch zu geschockt von Daraks Vorschlag, um auch nur einen Laut über die Lippen zu bringen. Vesta, eine Frau - eine Hure! - als oberste Regierungsinstanz der Wüstenstadt! Vielleicht hatte man den Befreier doch zu lange gefoltert. Sein Verstand hatte Schaden genommen, wenn er so dachte! Die ersten begannen zu tuscheln. Es hallte so laut im Saal wider, dass man jedes einzelne Wort weitgreifend verstand.
"Ach'ray Da'rion hat seinen Verstand manipuliert."
"Was denkt er sich dabei? Nur weil er der Befreier ist, glaubt er, eine Frau auf den Herrschersitz pflanzen zu können?"
"Ist er vollkommen wahnsinnig?!"

Aber Darak erkannte schnell, dass er diese Aussage nicht so im Raum stehen lassen konnte. Es wäre ein Umschwung, ein gewaltiger für ganz Sarma. Zu früh für die meisten, zu modern war die Idee. Nein, er konnte sie nicht durchbringen, wie er es gern wollte, also musste er einlenken. Die Gemüter durften nicht unnötig erhitzt werden und ehe sich das Sendli in Celcianisch wandelte, um offen und laut ausgesprochen zu werden, ergänzte er seinen Vorschlag. Er selbst wollte die Stadt regieren. Jedenfalls für eine Weile. Erneut verstummten die Stimmen im Saal. Alles richtete seine Aufmerksamkeit auf Darak Luthrokar. Alma grinste in sich hinein. Ein Verdammter auf dem Wüstenthron. Pelgars hohe Köpfe würden explodieren! Sie gluckste leise. Der Gedanke gefiel ihr irgendwie.
Dann aber erhob sich Khan ben Issam. Seine mächtige Gestalt füllte den Raum. Nein, er war wirklich kein fettes Schwein, aber er strahlte Masse aus. Autoritäre Masse. Die Soldaten würden ihm folgen, ohne Zweifel an einer Niederlage zu haben. Sein Posten war bestens besetzt, wenn er ihn übernahm. Doch er hatte Einwände, was man bereits an seinem ernsten Blick ausmachen konnte, ehe sich seine tiefe Stimme über die Köpfe der Versammelten erhob. "Euer Vorschlag bezüglich einer Stimmenmehrheit ist ein weise gewählter, Sahib. Doch bei einem muss ich einlenken. Ein Held wie der Befreier sollte nicht regieren. Er muss Held sein, ausziehen und siegen. Sein Arsch darf auf keinem Thron Celcias wabbelig und fett werden!" Viele nickten. Da waren sich die Sarmaer einig. "Ihr wollt herrschen, solange Ihr gebraucht werdet. Das wird nicht nötig sein. Ihr steht an unserer Seite, bis die Schlacht gegen das dunkle Pack geschlagen ist. Solange wird die Wüstenstadt auf Euren Rat hören, da hege ich keinen Zweifel." Erneutes Nicken. Und plötzlich: "Es spricht also nichts dagegen, wenn Vesta Tenma Negra bereits jetzt den alleinigen Posten der Stadtherrin übernimmt?"
Kinnladen klappten erneut herunter. Augen richteten sich starrend auf den Veteran aus. Dieser blickte Darak mit stoischer Ruhe entgegen. "Ich habe die Amazonen erlebt. Frauen sind in der Lage, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie organisieren den Haushalt. Ist eine Stadt nicht ein großer Haushalt? Ich sage nicht, dass Sarma seine Kultur verleugnen soll. Man sollte Frauen allgemein nicht zu viel zusprechen. Aber diese hier leitet bereits ein Bordell seit langer Zeit, das Ansehen genießt. Ich weiß, wovon ich spreche. Sie hat ein Händchen dafür. Unter meiner und Nabil ab del Omars beratender Obhut könnte es funktionieren. Wir haben keinen anderen Kandidaten mehr. Zeigen wir dem dunklen Volk ein bisschen Wahnsinn und versuchen es!"
"Wenn wir scheitern, können wir es auf das Weib schieben", raunte jemand aus der Menge. Er erntete ein Fauchen von Seiten Vestas, die sich in ihrem Stuhl erneut erhob. Ihre Oberschenkel zitterten gleichermaßen wie ihre Unterarme. Trotzdem hielt sie ihr Gewicht. "Glaubt ihr allesamt, ich wäre nicht in der Lage, euch zu regieren? Ich habe euch alle doch längst in der Hand. Meine Mädchen und ich kontrollieren jeden eurer Schritte, den es schlussendlich zurück in die Spinne führt. Daraks Vorschlag ist der beste, den er hätte treffen können! Ha! Ich nehme an, ich werde euch regieren und ihr werdet euch noch wundern, was ich aus Sarma mache. Eine Weltmacht, von der das übrige Celcia sprechen wird. Jene Macht, die das dunkle Volk in die Knie zwingt. Es soll euer Schaden nicht sein!" Sie ließ sich zurück auf ihren Platz sinken. Das Gesicht hatte sich zu einer bleichen Maske gewandelt, nur die Wangen glühten rot. Alma trat sofort zu ihr. Sie warf Darak einen Blick zu. Fieber, formten ihre Lippen, aber laut wollte sie es nicht sagen. Nicht nach dieser Rede. Die Sarmaer waren angefacht. Sie diskutierten jetzt heftig, aber eines war deutlich heraus zu hören: Daraks Vorschlag fand Anklang und Vestas Reaktion hatte viele der Männer beeindruckt.
Wüstendiebe wie Adlige warfen ein: "Wir besprechen dies. Innerhalb der nächsten Stunde wird eine Entscheidung getroffen. Danke, Sahib Luthrokar. Ihr dürft Euch nun zurückziehen, wenn Ihr Euch noch erholen wollt. Wir lassen Euch rufen, sobald es einen Anlass dazu gibt."
"Wir sollten die Gelegenheit wahrnehmen", murmelte Alma. Sie ließ Vesta bereits auf ihre Sänfte heben. Die Herrin der Schwarzen Spinne hielt die Augen geschlossen, eine Hand um das rechte Knie verkrampft. Schweiß perlte auf ihrer Stirn. Sie brauchte in jedem Fall ein wenig Erholungszeit - ehe sie möglicherweise das Amt der Stadtherrin endgültig einnahm.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 13. August 2011, 12:48

Die Reaktion war ja zu erwarten gewesen. Darak war sich dessen sehr wohl bewusst doch er wollte dafür sorgen dass der Tumult für einen Moment durchbrechen konnte damit sie danach wieder ihre Geister und Ohren für seine weiteren Ausführungen öffnen konnten, denn darin würde Vesta als weibliche Stadtherrin eine wesentliche Rolle spielen. Er lehnte sich in seiner Sänfte zurück, wartete bis sich alle an ihren Trauben verschluckt und wieder beruhigt hatten. Selbst Vesta schien entrüstet zu sein.

"Das kann nicht dein ernst sein!" Er blickte zu ihr hin. Und wie ernst es ihm war, dies erkannte man deutlich in seinem Blick. Er war lange nicht mehr in Sarma zugegegen gewesen und alle anderen Geschäftsleute die er neben Vesta kennengelernt hatten waren entweder korrupte Schweine oder aber Vollidioten gewesen, bei ihr hingegen war er sich absolut sicher dass sie genau wusste wie man ein Geschäft zu führen hatte und eine Stadt war doch genau sowas. Ein Geschäft wo man dafür sorgen musste dass alle einzelnen Komponenten die damit zusammenhingen gewinnbringend zusammenspielten.

"Was redest du da nur?!" ER grinste schief. Offenbar anerkannte Vesta die Genialität seines Planes noch nicht, nun damit war sie zumindest nicht die einzige. In ihrer Entrüstung war sie genau so leidenschaftlich und echt wie die Männer, diesbezüglich stand sie ihnen schon mal in nichts nach.

"Hat man dir auf dem Festland einen Schlag auf den Kopf verpasst? Hast du vergessen, wo du bist? Das hier ist Sarma, Darak Luthrokar!" „Richtig! Das hier ist Sarma… das neue Sarma welches sich widerspenstig aus der Knechtschaft der Dunklen Horden erheben und ihnen die Stirn bieten wird! Dafür müssen wir bereit sein auch den einen oder anderen unkonventionellen Weg einzuschlagen! Alles andere würde uns berechenbar machen! Wir sehen uns mit einer feindlichen Übermacht konfrontiert… und wir werden alle verfügbaren Register ziehen müssen wenn wir bestehen wollen und wenn wir dafür die Grundfeste dieser Stadt ausheben und mit neuen Füllen müssen!“ Selten hatte er so klar gedacht wie in jenem Moment.

"Ach'ray Da'rion hat seinen Verstand manipuliert."

Darak knurrte auf. „Wagt es nicht so in meiner Anwesenheit über das zu sprechen was während der Besetzung war!“ Diesbezüglich würde er knallhart durchgreifen wenn es sein musste, er wollte nicht ständig an die Folter erinnert werden die er durch diesen toten Bastard erlebt hatte. Mit weiteren Worten versuchte er die Menge zu beschwichtigen und sie langsam für seine Idee zu gewinnen, es würde nicht leicht werden und er brauchte verdammt gute Argumente um sein Vorhaben zu begründen. Genau mit solchen wartete er nun auf. Doch erst als sich der grosse Kriegsherr Kahn erhob und allein schon durch seine Masse die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zog konnte einwenig ruhe Einzug halten.
Auch Darak sah ihm neugierig entgegen. ER schätzte diesen Mann jetzt schon, denn er war weit bedachter und ruhiger als der impulsive und voller Tatendrang strotzende Omar. Ausserdem schien er weit weniger Konservativ zu denken als Darak es zuvor befürchtet hatte. mit ihm würde er einen Weltoffenen, Innovativen Streiter an seiner Seite haben, mit einer gewaltigen Durchschlagskraft, da war er sich sicher.

"Euer Vorschlag bezüglich einer Stimmenmehrheit ist ein weise gewählter, Sahib. Doch bei einem muss ich einlenken. Ein Held wie der Befreier sollte nicht regieren. Er muss Held sein, ausziehen und siegen. Sein Arsch darf auf keinem Thron Celcias wabbelig und fett werden!" „Dafür bin ich auch nicht geschaffen, glaubt mir ehrenwerter Kahn.“ Er grinste schief. Er stand dem Kriegsherrn jetzt schon näher als dem Adeligen aber er würde sicherlich glänzend mit Vesta harmonieren die genau so viel taktisches und wirtschaftliches Geschick besass wie Omar.

"Ihr wollt herrschen, solange Ihr gebraucht werdet. Das wird nicht nötig sein. Ihr steht an unserer Seite, bis die Schlacht gegen das dunkle Pack geschlagen ist. Solange wird die Wüstenstadt auf Euren Rat hören, da hege ich keinen Zweifel." Er nickte. „Ich bin kein Soldat, werter Kahn, aber ich werde bis aufs Blut für Sarma kämpfen wenn es sein muss… und ich habe genügend in meinem Leben gesehen und so einiges an Kriegstaktiken aus früheren Opfern herausgepresst die sich hier im Kampf sicherlich als Hilfreich erweisen könnten.“ Doch noch war nicht die Zeit über das genaue Vorgehen gegen die Dunkelelfen zu debattieren erst musste die Führung definitiv geklärt und anerkannt sein.
"Es spricht also nichts dagegen, wenn Vesta Tenma Negra bereits jetzt den alleinigen Posten der Stadtherrin übernimmt?" Darak schmunzelte. Er hatte in dem Veteranen einen Wertvollen verbündeten in seiner Sache gefunden.

"Ich habe die Amazonen erlebt. Frauen sind in der Lage, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie organisieren den Haushalt. Ist eine Stadt nicht ein großer Haushalt?“ Darak verschränkte seine Arme und nickte. Ausserdem würden sich Frauen nicht all zu sehr durch Männer ablenken lassen wie es umgekehrt gerne der Fall war. Bei wie vielen Königen hatten wohl die Frauen die Fäden in der Hand?

“Ich sage nicht, dass Sarma seine Kultur verleugnen soll. Man sollte Frauen allgemein nicht zu viel zusprechen. Aber diese hier leitet bereits ein Bordell seit langer Zeit, das Ansehen genießt. Ich weiß, wovon ich spreche. Sie hat ein Händchen dafür. Unter meiner und Nabil ab del Omars beratender Obhut könnte es funktionieren. Wir haben keinen anderen Kandidaten mehr. Zeigen wir dem dunklen Volk ein bisschen Wahnsinn und versuchen es!"

Darak nickte und schaute auffordernd in die Runde. „Die Dunkelelfen denken was Frauen betrifft ohnehin ähnlich wie wir Sarmaer… vielleicht unterschätzen sie uns sogar sträflich wenn wir eine Frau auf den Thron erheben und zweigen nicht so viele Truppen zum Angriff auf Sarma ab wie sie es tun würden wenn ich auf dem Thron sässe.“

Er wurde durch Vesta unterbrochen die sich gerade erhob. Er starrte sie an. Was tat sie denn da? Sie sollte doch sitzen bleiben! Ihre Beine! Besorgt starrte er zu ihren Knien und dann zu Alma.

"Glaubt ihr allesamt, ich wäre nicht in der Lage, euch zu regieren? Ich habe euch alle doch längst in der Hand. Meine Mädchen und ich kontrollieren jeden eurer Schritte, den es schlussendlich zurück in die Spinne führt.“

Er starrte sie an. Wie alle anderen Männer auch. Unrecht hatte sie nicht, die meisten hier Anwesenden, Darak eingeschlossen, nahmen die Dienste der Schwarzen Spinne nur sehr gerne in Anspruch und der Gehörnte konnte sich gut vorstellen, dass er nicht der einzige gewesen war der in Vestas Arme auch über Geschäftliches sinniert und sich bei ihr einen Rat geholt hatte. Vesta hatte wirklich einfach ein Gespür für Gewinn.

Daraks Vorschlag ist der beste, den er hätte treffen können! Ha! Ich nehme an, ich werde euch regieren und ihr werdet euch noch wundern, was ich aus Sarma mache. Eine Weltmacht, von der das übrige Celcia sprechen wird. Jene Macht, die das dunkle Volk in die Knie zwingt. Es soll euer Schaden nicht sein!"

Darak hob die Augenbraue, nun bis auf die letzten beiden Sätze war die Rede doch ziemlich anfeuernd und überzeugend. Dennoch wagte er einen prüfenden Seitenblick zu Alma. Die Bordellherrin liess sich zurück in ihre Sänfte sinken. Doch ihre Worte hatten Eindruck hinterlassen. Die Diskussion wurde rege geführt.

"Wir besprechen dies. Innerhalb der nächsten Stunde wird eine Entscheidung getroffen. Danke, Sahib Luthrokar. Ihr dürft Euch nun zurückziehen, wenn Ihr Euch noch erholen wollt. Wir lassen Euch rufen, sobald es einen Anlass dazu gibt." „Jawohl. Ein guter Vorschlag.“ Auch er war müde und sie beide brauchten Ruhe zum Genesen. Würden sie tatsächlich die Regierung antreten. So würden sie einiges an Kraft brauchen.

Er liess sich wieder in seine Sänfte hieven und zusammen verliessen sie den grossen Saal und wurden wieder in ihr Zimmer zurückgebracht. „Wir…sollten Constanze und Lilith über den Stand der Dinge aufklären.“ Er seufzte. Ja. Lilith. Sie bereitete ihm im Moment den grössten Kummer.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Dienstag 16. August 2011, 10:01

Sie ließen sich auf ihren Sänften aus der großen Versammlungshalle tragen. Die anwesenden Adligen und Wüstendiebe würden noch eine Weile diskutieren. Das packten sie jetzt auch allein, denn innerhalb einer Stunde musste eine Entscheidung her. Sie würden eine abgeben, zu Daraks Vorschlag. Wie es wohl ausging? Den Befreier und die Bordellherrin brauchte man allerdings nicht mehr und so war es besser für beide, wenn sie sich endlich aus den wilden Debatten zurückzogen. Vor allem Vesta brauchte offensichtlich Ruhe. Sie war blass und Schweiß stand auf ihrer Stirn. Indem sie vorhin unter allem Einsatz ihrer Reserven aufgestanden war und sich mit den Händen an der Lehne ihres Stuhls festgehalten hatte, damit die Knie nicht zu stark belastet wurden, hatte sie sich zwar Respekt verschafft, zugleich aber auch für eine Verschlimmerung ihres Zustandes gesorgt.
Alma ging neben ihrer Sänfte her. Die Herrin der Schwarzen Spinne streckte ihre Hand nach jener der Heilerin aus. Sie packte danach, obwohl sie doch so kleine, fast zarte Hände besaß. Sie umfasste energisch Almas Handgelenk, bis ihre Fingerknöchel weiß hervor traten. Das Gesicht war zu einer Fratze der Anstrengung verzerrt. Vesta biss die Zähne aufeinander. "Alma", brachte sie mehr in einem Japsen heraus. Zum Glück hörten dies nicht einmal die dunkelelfischen Sklaven, welche ihre Sänfte trugen. Diese Frau so schwach zu sehen, am Ende ihrer Kräfte und unter Schmerzen leidend, das passte nicht zu ihr. Sie war stark, dominant, schon immer gewesen!
"Alma ... ich brauch nochmal dieses Mittel."
"Ihr wisst ..."
"Ist mir scheißegal, ich habe Schmerzen! Du wirst mir ... argh ... etwas davon geben!"
Alma nickte. Sie gab sich geschlagen, konnte schließlich nachvollziehen, was diese Frau gerade durchmachen musste. Das Schmerzmittel würde ihr helfen, allerdings müsste sie bei so intensivem Konsum mit den Nebenwirkungen rechnen. Kopfschmerzen und auch die ein oder andere wieder ausgespuckte Mahlzeit. Kopf und Magen, die wurden durch diese kleinen Pastillen angegriffen, die Alma aus Catties Kräutersammelsurium gewonnen hatte. "Ich verabreiche Euch eine weitere Dosis, sobald wir Euren Schlafsaal erreicht haben."
Nun war es an Vesta zu nicken. Ihr Griff lockerte sich. Sie ließ sich kraftlos in den Sitz der Sänfte zurückfallen. Einen Moment lang schwieg sie, sammelte ihre verbliebene Kraft. Dann wandte sie den Kopf herum, um Darak anzusehen. Ein gequältes Lächeln stand in ihrem Gesicht. "Du ... meinst es ernst. Stadtherrin Vesta Tenma ... Negra. Du bist ..." Sie schloss die Augen. Sprechen strengte sehr an. Ihre Finger wanderten zu den Knien, um diese zu reiben. Der Schmerz ließ jedoch nicht nach.
"Der Kriegsherr Khan bin Issam ist auf unserer Seite", schwenkte die dicke Heilerin ein. "Es wird gelingen. Sarma wird von einer Frau regiert werden. Einer mächtigen Person." Obwohl sie Vesta nicht halb so gut kannte wie Darak es tat, sie spürte das Potenzial, das diese Frau besaß. Eine Hure würde die Stadt regieren und Alma war überzeugt davon, dass es ihr gelänge. Vermutlich ebenso überzeugt wie Darak. Sie glaubten an Vestas Fähigkeiten und in allen Sachen, in denen sie sich nicht auskannte, stünden ihr ein erfahrener Kriegsveteran sowie ein gewitzter Adliger zur Verfügung. Beide hatten ihre Vorzüge. In jedem Fall würden sie Vesta gut beraten und sie wäre in der Lage, sich nur die wirklich wichtigen Informationen heraus zu picken. Sie würde gute Entscheidungen treffen. Mit Vesta auf dem Thron der Stadtregierung konnte Darak mit gestärktem Rücken gegen die neue Flut dunkler Feinder vorgehen. Und diese Welle würde kommen.

Aber Darak Luthrokar hatte mit seinem Vorschlag auch eine andere Welle in Gang gesetzt. Einen Strom, der immer reißender wurde, denn längst nicht alle Diebe und Adligen waren von der Idee begeistert, dass eine Frau auf Sarmas Herrschersitz gelangen sollte. Auch hatte er eben jene Persönlichkeiten beleidigt, als er behauptete, die dunklen Völker dächten diesbezüglich in ähnlichen Bahnen. Er verglich also Sarmaer mit Morgerianern. Das war für einige nicht zu ertragen. Gerade jetzt liefen heftige Diskussionen. Viele fühlten sich in ihrer Ehre verletzt, andere lehnten es strikt ab, sich von einer Frau regieren zu lassen. Sarmas Frauen waren nur gut genug, einen Haushalt zu führen - zusammen mit männlichen Sklaven, die wussten, wie man es anzugehen hatte. Sie waren gut genug, in einem Harem zu sitzen und ihren Gatten zu beglücken, wann immer dieser seinen ehelichen Pflichten nachkommen wollte. Sie waren gut genug, sich den Männern für Geld anzubieten, um diese zu entspannen, damit sie als gestärkte Krieger in Schlachten ziehen oder einfach nur ihr Tagwerk verrichten konnten. Ja, als Hure taugte Vesta Tenma Negra vielleicht, doch das machte sie in vielerlei Augen noch immer nicht zu einer guten Herrscherin des Wüstenvolkes.
In der Diskussion spalteten sich die Parteien zu neuen Gruppierungen ab. Längst redeten nicht mehr Diebe auf Adlige ein und umgekehrt. Inzwischen gab es die Fürsprecher der Hure und deren Gegner. Letztere verließen frühzeitig den Saal. Sie würden sich ihr nicht unterstellen. Das konnte noch zu weiteren Problemen führen, denn ihre Angehörigen waren nicht wenige. Somit stand nicht ganz Sarma hinter der Frau. Aber es waren noch genug übrig, die Entscheidung durchzubringen. In einer Stunde würde man es verkünden. Sarmas Politik änderte sich. Ein Weibsbild kam auf den Thron!

Doch noch war es nicht soweit. Noch ahnten weder Darak noch Vesta oder Alma, wie dies ausginge. Und was war mit Constanze und Lilith? Die beiden Amazonen blieben vollkommen außen vor. Darak wollte mit ihnen sprechen, nein, er musste. Er war jetzt schon viel zu lange von Lilith getrennt gewesen. Irgendwann musste er sich ihr stellen und inzwischen konnte er darauf hoffen, dass sie sich ein wenig beruhigt hatte. Alma erkannte das. Sie ließ Vesta in ihre Gemächer bringen, blieb noch einen Moment bei Darak stehen. "Die Sklaven tragen dich zu ihr. Ich muss bei Vesta bleiben." Ihr Blick war so ernst wie jener des Befreiers, als er seinen Vorschlag geäußert hatte. "Es geht ihr nicht gut. Ich hoffe, du kannst die Schmerzen noch eine Weile ertragen. Ich kann mich nicht um euch beide so intensiv kümmern. Nicht allein." Es war also ernster als Alma bisher offen gesagt hatte. Vestas Beine mussten in einem unwiderbringlich schlechten Zustand sein. Vielleicht würde sie nie wieder laufen können. Die erste Stadtherrin Sarmas - an ihren Thron gefesselt. Aber sie würde die nötige Kraft aufbringen, um erhobenen Hauptes zu regieren. Sie war eine Kämpferin.
Alma verabschiedete sich.

Die dunkelelfischen Sklaven hoben Daraks Sänfte an. Geführt von einigen Menschen brachten sie ihn in die Kammer, in der sich die beiden Amazonen aufhielten. Auch hier zeugte alles vom Reichtum des ehemaligen Bürgermeisters, dessen Prunk und dekadentem Leben. Auch er war adlig gewesen.
Der Raum war kleiner als Daraks Ruhegemach, aber bei weitem nicht weniger pompös eingerichtet. Auch hier gab es Dutzende Sitz- und Liegemöglichkeiten. Kissenstapel türmten sich zu weichen, breiten Bergen auf. Schondecken lagen über scheinbar jedem Möbelstück, auf dem man es sich bequem machen konnte. In den Ecken standen kleine Feuerschalen, die hauptsächlich dazu dienten, genüsslich duftenden Qualm im Zimmer zu verteilen. Derzeit strahlte das Aroma einen beruhigenden Akzent aus. Es gab kein Bett, es handelte sich also nicht um ein Schlafzimmer. Vielmehr schien dies ein Aufenthaltsraum für wartende Haremsdamen zu sein. Erotische Bilder hingen von freien Wandstücken herab, den Rest zierten bunt gemusterte Teppiche. Und in all diesem Prunk saßen Constanze und Lilith. Letztere lehnte ihren Kopf gegen die Schulter ihrer Freundin. Sie ließ sich über den Rücken streicheln und hielt ihrerseits die Hände im Schoß der Amazonenhauptfrau gefaltet. Constanze sprach ruhig auf die Elfe ein, so leise, dass Darak kein Wort davon verstehen konnte. Und sie endete, als man ihn herein brachte.
Die Sklaven setzten ihn auf einem der weichen Plätze ab. Ein Menschensklave scheuchte die Dunkelelfen hinaus. Sie sollten warten, falls der Befreier wieder abgeführt werden wollte. Er selbst verneigte sich demütig vor Darak. "Wenn Ihr etwas braucht, Herr, dann ruft nach mir. Ich stehe neben dem Eingang. Mein Name ist Muhammad." Unter einer tiefen Verbeugung zog sich Muhammad zurück. Constanzes Blick heftete sich an Darak. "Du willst reden? Jetzt schon? Sie hat sich noch nicht wirklich erholt."
Das bemerkte er wohl auch selbst. Lilith wich seinen Blicken aus. Sie schluchzte immer noch und sie wollte nicht sprechen. Ihr Herz wog schwer.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 22. August 2011, 16:41

"Alma ... ich brauch nochmal dieses Mittel." Darak blickte besorgt zu Vesta hin, auch wenn er wusste dass sie solche Blicke hasste. Aber wenn Vesta die Hilfe anderer in Anspruch nahm, dann konnte es ihr verdammt nochmal ganz und gar nicht gut gehen. Er blickte skeptisch zu Alma hin. Irgendwas stimmte offenbar mit diesem Mittel nicht wenn Alma nicht allzu viel davon rausrücken wollte. Ansonsten war sie nämlich nicht so zimperlich mit dem Gebrauch irgendwelcher Mittelchen oder Massnahmen. Er kannte sie ja jetzt auch schon eine Weile. Wenn sie sich also ziemte dann war dieses Mittel als solches wohl nicht das Gesündeste.
"Ihr wisst ..."

"Ist mir scheißegal, ich habe Schmerzen! Du wirst mir ... argh ... etwas davon geben!"[/i] Er hob eine Augenbraue. Guckte nun besorgt zu Alma. Packt sie es? war seine stumme Frage. Vesta war eine wichtige Person in seinem Leben, er wollte sie nicht verlieren. Sie waren Geschäftspartner, mehr noch, eine Art bizarre Seelenverwandtschaft verband die beiden, zumindest wenn es nach Luthrokar ging. Na ja obwohl, Seelenverwandtschaft sich schon fast wieder zu kitschig anhörte, er würde es wohl anders ausdrücken aber wir wollen hier einmal der Ästhetik den Vorrang geben und nicht weiter darauf eingehen.
"Ich verabreiche Euch eine weitere Dosis, sobald wir Euren Schlafsaal erreicht haben." Er seufzte. Starrte auf sein eigenes Knie. Wieder diese ganze Scheisse. Er hatte das ganze noch nicht so an sich herangekommen lassen, aber ein Hauch von Verzweiflung setzte sich auf seiner Seele ab und begann sich einzunisten. Es schien so als war es ihm einfach bestimmt zu leiden, vielleicht war dies seine ewige Busse, er wusste es nicht. Aber welchem Kerl wurde schon dreimal in seinem Leben das Knie gebrochen? Sowas konnte doch kein Zufall sein. Nun, in erster Linie hing dies vermutlich auch mit Daraks prinzipiellen Lebensstil zusammen, es war ja nicht gerade so dass er sich sonderlich schonte. Eigentlich konnte er von Glück sprechen im Urwald nicht von der Riesenschlange verspiesen geworden zu sein.

Er sah sie etwas zu sanftmütig an als man es von ihm gewohnt war als sie sich zu ihm drehte. "Du ... meinst es ernst. Stadtherrin Vesta Tenma ... Negra. Du bist „Ein Genie und der beste Stecher Sarmas… ich weiss Alma.“ Grinste er um Vesta etwas aufzumuntern, die sich gerade schmerzerfüllt das Knie rieb. Es tat weh sie so zu sehen. Ihnen beiden tat es weh. Sie war es sich ja eher gewohnt gewesen ihren wilden Geschäftspartner zu versorgen und ab und an sogar Gesund zu Pflegen wenn er sich Prügel eingefangen hatte. Umgekehrt war es das erste Mal.

"Der Kriegsherr Khan bin Issam ist auf unserer Seite", „Er ist ein weiser Mann… und offensichtlich Stammkunde von dir, kann das sein?“ Er schmunzelte. „Aber ja, er ist unser wichtigster Verbündeter, wir sollten ihn bei Laune halten, aber das wird er schon sein wenn wir ihm das Heer überlassen. Omar ist da viel heissblütiger und hitziger. Ihn müssen wir im Auge behalten, der ist jung und ungebändigt und lässt sich von dem Adel vielleicht doch noch manipulieren für deren Zwecke.“ Er kannte den Adel Sarmas und da waren sehr viele profitgierige Bastarde darunter die nur an ihre eigene Kasse dachten, auch wenn sie dafür ihre ganze Stadt verraten mussten. Die ganze Herrschergeschichte hier war nichts harmloses. Sarma war bekannt für die Komplotte, Verschwörungen und für Attentate auf Minister und Machthaber. Auch er selbst würde wohl eine Umstrittene Figur sein, er war wohl der Befreier aber eben auch Staatsfeind Numero eins jener Morgerianer die was mit der Sarmainvasion zu tun gehabt hatte. Es würde ihn nicht wundern wenn ein gutes Sümmchen Geld auf seinen Kopf ausgesetzt wurde.

"Es wird gelingen. Sarma wird von einer Frau regiert werden. Einer mächtigen Person." „Ja. Sarma braucht die harte Führung einer Domina.“ Grinste er. „Schliesslich sind die meisten hier kleine Jungs die nicht richtig erwachsen werden wollen.“ Er seufzte. Er würde bei ihr nicht mehr der böse Bube sein Spielen, nicht mehr die Stränge ihrer lustvollen Peitsche spüren und sie nicht mehr so lieben können wie früher. Mit Lilith war es sehr schön und er verbrachte eine wundervolle Zeit mit ihr – nun bis eben – aber in Sache Leidenschaft waren sie so gar nicht auf einer Wellenlänge und das nagte insgeheim an Darak. Aber im Moment hatte er bezüglich Lilith weit grössere Probleme als Bettvorlieben. Er musste dringend mit Lilith sprechen.

"Die Sklaven tragen dich zu ihr. Ich muss bei Vesta bleiben." „Ja.“ Er legte seine Pranke auf Almas Arm. „Danke.“ Hauchte er. Welch Segen war es doch diese dicke Heilerin bei sich zu wissen und dabei wurde sie noch nicht mal dafür BEZAHLT. Ob sie sich bewusst war wie viel er inzwischen von ihr hielt?
Sie hatten in letzter Zeit sehr selten die Gelegenheiten gehabt unter vier Augen miteinander zu sprechen und nun musste sie nach Vesta sehen. Die Ausdauer dieser grossen Frau schien schier unerschöpflich zu sein.

"Es geht ihr nicht gut. Ich hoffe, du kannst die Schmerzen noch eine Weile ertragen. Ich kann micht nicht um beide so intensiv kümmern. Nicht allein.“ „Sobald wir herrschen werden wir einen Heiler einberufen der dir unter die Arme greift. Im… Moment geht es, es ist auszuhalten.“ Das stimmte nicht ganz, es ging ihm nicht gut aber er wollte dass Alma bei Vesta war, denn ihr ging es definitiv Schlechter. Wer DIESE Arme stützen wollte musste aber stark sein.
Er wurde zunehmend nervös als die Sänfte sich wieder in Bewegung setzte – dieses rumgesänfte ging ihm ohnehin bereits auf den Keks, er mochte es lieber sich selbstständig fortzubewegen, der Einschnitt in seine Autonomie war wohl der schlimmste Aspekt seiner Verwundung.
Er hörte die beiden Frauen Tuscheln doch sie schwiegen sobald er gänzlich im Raum gewesen war, noch ehe er sie gesehen hatte. Er biss sich auf die Unterlippe. Liess sich in einen Sessel helfen. Hockte da. Blickte zu Lilith. Welch schmerzlicher Anblick. Er senkte betreten sein Haupt.

"Wenn Ihr etwas braucht, Herr, dann ruft nach mir. Ich stehe neben dem Eingang. Mein Name ist Muhammad." „ja… Danke Muhammad.“ Brummte er nur und rieb sich die Schläfe. Sein Knie pulsierte Energisch, das Schmerzmittel vom Morgen liess langsam nach. Er sah zu Constanze hin weil sie die einzige war die Blickkontakt zu ihm hielt
"Du willst reden? Jetzt schon? Sie hat sich noch nicht wirklich erholt." „Ich..“ Er verstummte. „T..tut mir leid.“ Er biss sich auf die Lippen. Er wollte sie nicht bedrängen aber sie konnte sich doch nicht ewig Zeit lassen, die hatten sie einfach nicht. „Wir haben beim Adel und den Wüstendieben vorgesprochen… ich… habe vorgeschlagen Vesta zur Stadtherrin von Sarma zu ernennen, ich glaube wir bringen dieses Anliegen durch…das…wollt ich euch noch sagen... ich… werde an die Front gehen…dies sieht der Kriegsherr vor...“ Er blickte wieder zu Lilith hin. Er würde sie also nicht sehen können und er wollte ihre Beziehung geklärt haben, bevor er in den Krieg zog von dem er vielleicht nicht mehr zurückkehrte, wie so viele Männer Sarmas. Er blickte zu Constanze. „Du musst mir versprechen nicht an die Front zu gehen Constanze.“ Er wollte nicht dass Lilith Gefahr lief sie beide zu verlieren.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Freitag 26. August 2011, 09:14

Wer konnte wohl besser nachempfinden, wie es Vesta ging, als ein Mann, dem man inzwischen zum dritten Mal das Knie zertrümmert hatte? Darak war ein solcher Mann und er kannte die Schmerzen, welche sich pochend aufbauten, um dann in den gesamten Körper zu strömen. Hierbei konnte ihr niemand helfen, das musste sie ertragen. Einzig Alma schien mit einem Mittelchen ein wenig bewirken zu können, so dass sich die Bordellherrin weiterhin beherrschen konnte, wenn es nötig war. Ihre Blässe machte Sorgen. Wenn dieser Zustand dauerhaft anhielt, wäre sie möglicherweise nicht in der Lage, eine Stadt wie Sarma zu regieren. Schlimmer noch, vielleicht blieb Alma als einzige Lösung des Problems, ihre schlanken, langen Beine zu amputieren. Hatte sie denn Schmerzen in beiden Knien? Es schien so, sie konnte sich nicht mal humpelnd vorwärts bewegen. Vesta musste vollkommen getragen werden.
Darak würde sich zu einem anderen Zeitpunkt weiter mit ihr beschäftigen müssen. Es gab so viel zu tun! Bei Alma wäre sie wenigstens in guten Händen. Es war nur die Frage, inwieweit dieses Schmerzmittel ihr helfen und schaden würde. Die dicke Heilerin wollte es nicht unbedingt einsetzen, das hieß Nebenwirkungen. Hoffentlich hielten sich diese in Grenzen, aber bei Almas skeptischem Gesichtsausdruck konnte man durchaus daran zweifeln. Sie erwiderte kurz Daraks fragenden Blick und zuckte dann mit den Schultern. Packen würde es diese starke Hure von einer Frau mit Sicherheit. Sie war eine Kämpferin. Aber was hinterließ dieser Krieg mit ihrem Körper? Auch in dieser Hinsicht konnte Darak wohl am besten nachempfinden, wie es ihr ging. Als er in Almas rollendem Stuhl gesessen hatte und von ihr durch die Stille Ebene kutschiert worden war - bei den Göttern, war das schon lange her! - da hatte er eine derart schlechte Laune gehabt, dass man nicht mehr glaubte, er käme weiterhin mit seinem Leben zurecht. Er hatte sich für eine Weile vollkommen aufgegeben. Vesta zeigte bereits erste solcher Anzeichen. Man musste ihr helfen!

Wer ebenfalls Hilfe brauchte, war Lilith Blütentau. Sie hatte sich noch nicht von dem Schock erholt, der nun schon einige Stunden zurück lag. Es musste sie schwer getroffen haben, Darak in der Rolle als Folterknecht und Mörder mitzuerleben. Erzählen konnten viele, aber Augenzeuge eines Ereignisses zu werden, das prägte. Die Elfe hockte schweigend da, Schultern und Kopf hängen lassend. Auf ihren Wangen schimmerten die Reste einer nicht enden wollenden Tränenflut. Constanze hatte es immerhin geschafft, diese Quelle langsam zum Versiegen zu bringen. Tränen glitzerten zwar noch feucht in Liliths Augenwinkeln und sie schluchzte leise vor sich hin, aber ihre Heulkrämpfe hatte sie eingestellt. Die waren Darak erspart geblieben, weil er zuerst bewusstlos und später bei der Debatte um Sarmas Zukunft anwesend gewesen war. So viel Zeit schenkte er also der Frau, die er als "sein Mädchen" bezeichnete.
Und doch wunderte sich zumindest die Amazone, dass er bereits so früh mit ihr sprechen wollte. Prompt folgte eine Entschuldigung von Seiten Daraks. Constanze musterte ihn. Die beiden waren noch immer nicht das, was man Freunde nennen konnte. Zur Ankunft in Sarma hatte sich die Amazone zu einem Waffenstillstand bereit erklärt und das nur, damit sie einigermaßen sicher durch Sarma kommen und mit Vesta sprechen konnten. Im Bordell hatte sie dann die Initiative ergriffen und war mit Alma als falsche Haremsdamen in den Palast Da'rions gelangt. Nein, eine Freundschaft hatte sich immer noch nicht aufgebaut, obgleich es Constanze gewesen war, die Darak im Hinrichtungshof eine Waffe gereicht hatte.
Jetzt betrachtete sie sich diesen Klotz, welcher nicht mehr richtig gehen konnte, erneut und sehr genau. Sie lauschte seinen Worten, zeigte sich sogar verblüfft. "Du hast dich dafür eingesetzt, dass eine Frau die Stadt regiert, in der unser Geschlecht selbst unter Sklaven kaum etwas wert ist? Nun ... was soll ich sagen? Ich bin wirklich überrascht - positiv überrascht." Das stimmte. Sie konnte nicht so recht glauben, was Darak da getan hatte. Immerhin war er ein Männchen und hatte wieder einmal bewiesen, welch dunkle Seele in jedem dieser Dreibeine steckte - als er Lilith so viel Enttäuschung beigebracht und sie dermaßen erschreckt hatte. Constanze wurde aus diesem Männchen jedoch nicht ganz schlau. Auf der einen Seite verhielt er sich typisch für seine Gattung: laut, ungehobelt, nur an Fortpflanzung ohne Ergebnis interessiert und nicht zu vergessen kaltblütig, hart und absolut unsensibel. Auf der anderen Seite zeigte er so viel Mitgefühl für das Schicksal der Frauen. Er versuchte immer wieder, sich mit den Amazonen gut zu stellen und er betonte mehrfach, dass er Lilith wahrhaftig liebte. So oft, sie mochte es ihm fast glauben.
Und jetzt wollte er in den Krieg ziehen, für eine Stadt, die unter der Herrschaft einer Frau vermutlich besser würde. Auf jeden Fall würde sich einiges in der Wüstenstadt ändern. Als Darak diese Mitteilung machte, hob auch die Elfe ihren Kopf. Die tränenverzierten Amethyste ihrer Augen weiteten sich. Traurigkeit strahlte aus ihnen hervor, gepaart jedoch mit Angst. Sie scheute ihn und dennoch ...
"Du gehst an die Font? Du könntest ... sterben." Lilith schien sich uneins zu sein, was das für sie bedeuten könnte. Hatte sie mit Darak nun abgeschlossen oder nicht? Sie schaute Constanze an und diese nickte. Die Amazone erhob sich, ging auf die andere Seite des Raumes und schaute erneut aus dem Fenster. Sie gab Darak und Lilith Gelegenheit, sich auszusprechen. Letztere rieb sich mehrmals über die Unterarme. Wieder mied sie den Blick des Mannes, mit dem sie ein Leben fernab der amazonischen Kultur hatte aufbauen wollen. Sie betrachtete sich stattdessen lange ihre Hände. Endlich sprach sie: "Du hast dich nicht verändert, nicht wahr? Du bist immer noch dieser Mörder, dieser ... Mann. Ich hab das Blitzen in deinen Augen gesehen. Es hat dir Spaß bereitet, ein Leben auszulöschen, selbst wenn es eines war, welches so viel Leid hervorgebracht hat." Sie zuckte mit den Schultern. "Es ist offenbar wahr, was die weisen Jungfern Xytras' sagen. Es liegt in der Natur des Männchens, Leid zuzufügen. Ihr berauscht euch daran und deshalb fügt ihr auch Frauen ein solches Leid zu. Vergewaltigungen, Schläge und anderer Missbrauch. Ich habe wirklich geglaubt, du bist anders, Darak. Ich hoffe, ich habe endlich dazugelernt. Ich möchte keine Fehler mehr begehen, keine falschen Hoffnungen in mir wecken."
Sie schaute zu Constanze herüber. Die Hauptfrau war die einzige Person, der Lilith jemals wirklich hatte vertrauen können. Sie waren füreinander da. Constanzes Herz war nur mit Hass gegenüber Männern gefüllt und endlich konnte auch die Elfe diese Denkweise nachvollziehen. Man hatte ihr lang genug wehgetan, sie oft genug enttäuscht. Constanze würde sich um sie kümmern, das wusste sie. "Ich kehre mit Conny nach Xytras zurück, sobald das hier ausgestanden und eine Abreise wieder sicher ist. Das Festland wird mich nie wieder sehen und auch kein Männchen mehr." Ihr nachfolgendes Seufzen klang dennoch so, als bereute sie den Entschluss.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 27. August 2011, 10:02

"Du hast dich dafür eingesetzt, dass eine Frau die Stadt regiert, in der unser Geschlecht selbst unter Sklaven kaum etwas wert ist? Nun ... was soll ich sagen? Ich bin wirklich überrascht - positiv überrascht." „Ich habe sie nicht gewählt weil sie eine Frau ist Constanze, sondern weil sie die beste Regentin ist. Wäre Vesta ein Mann, hätte ich mich ebenfalls für sie entschieden.“ Er schaute sie nicht an. Sein besorgter Blick ruhte auf Lilith. Es versetzte ihm einen tiefen Stich ins Herz sie so zu sehen und zu wissen, dass er für diesen Zustand verantwortlich war. Er wagte es nicht sie anzusprechen, denn er befürchtete damit nur dafür zu sorgen, dass der versiegte Tränenbach neues Wasser führen würde. Er seufzte schwer, fühlte sich hier in diesem Raum mehr als nur unwillkommen und deplatziert. Für ganz Sarma mochte er der Befreier sein, doch nicht für seine Geliebte. Nicht für Lilith Blütentau, sie sah im Moment nur den Mörder in ihm, diese grässliche Fratze des Schlächters. Darak konnte nicht leugnen was er war, konnte seine Vergangenheit nicht ablegen und nicht bestreiten dass er sich sehr gut in Folter und Tötungen von Lebewesen auskannte und auch selten Skrupel hatte diese Methoden anzuwenden wenn es nicht anders ging. Er war nie so gewesen wie Valrock, der seine Opfer zum Spass gequält hatte. Diesbezüglich war er wahrlich mehr Sarmaer als Pelgarer gewesen, denn er hatte nur auf Folter und andere Methoden zurückgegriffen wenn für ihn ein Profit dabei herausgesprungen war. Ob ihn dies zu einem besseren Menschen als Valrock machte, darüber mochte man streiten. Valrock war zeitlebens einfach ein Sadist gewesen, während Darak das getan hatte was er eben gut konnte und was ihm Geld einbrachte.

Es gab nichts Schlimmeres als wenn ein Soldat mit blutendem Herzen an die Front ziehen musste. Genau sowas stand Darak unmittelbar bevor, denn Lilith sah nicht danach aus als wäre sie bereit ihm zu verzeihen. Doch noch stand ihre Antwort nicht fest, noch hatte sie sich nicht entschieden. Darak fielen keine Worte ein die er zu ihr hätte sagen können. Sie kannte ihn, so war er. Sie hatte nun alle Seiten seines Wesens kennengelernt. Die guten wie auch die schlechten, nun lag es an ihr um zu entscheiden ob sie ihn für gut genug befand. Darak Luthrokar hatte ziemlich einschneidende und gewichtige Fehler in seinem Charakter, dies machte ihn zwar aufregend und spannend für eine wilde Liebesnacht, aber mal ehrlich, wer wollte sich wirklich dauerhaft an einen Kindermörder binden? Vielleicht sogar selbst Nachwuchs mit ihm zeugen?

Ausserdem war er nicht gerade der Typ Mann der mit Sicherheiten aufwarten konnte. In den letzten Jahren war er grösstenteils von Abenteuer zu Abenteuer gereist. Nie in seinem Leben war er einem geordneten Beruf nachgegangen, ausser damals als Mönch. Alles was später war, sind kriminelle Taten gewesen. Geld besass er auch keins mehr, Vesta hatte alles für den Ausbau des Bordells verwendet… und zum Befreier? Zum Befreier war er geworden weil er einen unter schwere Drogen gesetzten Kriegsfürsten getötet hat… nicht unbedingt das was man als Heldengeschichte weitererzählen würde. Sicherlich würde man die Geschichte der Befreiung Sarmas ausschmücken und ihn wahrhaftig wie ein edler Ritter darstellen. Doch er wusste die Wahrheit, Lilith auch. Er war kein Held. Nur ein Mörder. Doch nun wollte er seine Rolle als Befreier wahrnehmen und an der Seite des Grossen Kahns in den Krieg ziehen.

"Du gehst an die Font? Du könntest ... sterben." Er schaute sie lange an. Nickte schliesslich. „Ja. Aber ich muss, mich lebend zu sehen, wird unseren Leuten Mut machen und den Feind zermürben. Ich werde versuchen mich nicht in Gefechte zu verstricken sondern Kahn helfen die Truppen zu befehligen…“ Zum Kämpfen war er im Moment auch gar nicht in der Lage, aufgrund seiner Verletzung. Vermutlich würde er sich auf einem Pferd halten und von dort aus kämpfen können, am Boden nämlich würde er verloren sein. „Wenn wir nichts gegen die Angreifer unternehmen Lilith, werden wir alle sterben.“ Er bestimmt, sollte er tatsächlich in die Hände des Feindes geraten blühte ihm eine grässliche Zukunft. Er wollte gar nicht daran denken.

"Du hast dich nicht verändert, nicht wahr? Du bist immer noch dieser Mörder, dieser ... Mann. Ich hab das Blitzen in deinen Augen gesehen. Es hat dir Spaß bereitet, ein Leben auszulöschen, selbst wenn es eines war, welches so viel Leid hervorgebracht hat." Er schaute sie mit wachsender Verzweiflung an. Das war unfair, er war ein Mörder dies würde er nie in seinem Leben ändern können. Nicht einmal durch die Busse der Inquisition, die konnte höchstens seine Taten vergeben abr auch sie machte sie nicht ungeschehen.

„Liliht…“ Hauchte er wehmütig. Er biss sich auf die Lippen. Es war nicht fair! Er schnaubte. „Du warst nicht dort! Du warst nicht in dieser Zelle!“ Krächzte er aufgebracht. „Ich habe miterlebt wie er mich selbst gedemütigt und gefoltert hat, ebenso wie Vesta, sieh sie dir an was er ihr alles genommen hat! Er hat Cattie getötet! Ich wäre beinahe gerädert worden Lilith! Ich muss damit leben dass Vesta dieses Schicksal widerfahren ist, weil sie MEIN Geschäftspartner war.“ Er keuchte. „Du siehst ich habe schlimmere Taten vollbracht und schlimmere Lasten zu tragen als die Tötung dieses Bastards!“ Über Vesta kam er nicht hinweg. Er fühlte sich schuldig ihr gegenüber und es quälte ihn jeden Augenblick wenn er sie sah.

Er ächzte. Auch er war noch weit nicht über dem Damm und durchleidete grauenhafte Schmerzen. Eigentlich durfte er sich nicht so aufregen. Er hielt inne. Atmete tief durch, rieb sich sein Knie. Unter anderen Umständen hätte er Alma auch um ein Mittel gebeten doch er traute sich nicht mehr zu fragen, wollte nicht dass für Vesta dann nichts mehr übrig war. Dies waren Taten, welche Lilith nicht sehen konnte. Der Schmerz sorgte auch dafür dass er weit zorniger und emotional reagierte als er es vielleicht hätte tun sollen. Schweiss perlte sich auf seiner Stirn, seine Gesichtsfarbe nahm ab.

"Es ist offenbar wahr, was die weisen Jungfern Xytras' sagen. Es liegt in der Natur des Männchens, Leid zuzufügen. Ihr berauscht euch daran und deshalb fügt ihr auch Frauen ein solches Leid zu. Er schüttelte den Kopf. „Es ist das Gesetz des Krieges Lilith! Dass der stärkere über den schwächeren Obsiegt, dass der Kopf einer Armee stets jener ist, der das schlimmste Ende zu befürchten hat!“ Damit machte er eine selbstaussage, denn nun gehörte er zu den Köpfen Sarmas. Er schaute zu Constanze, diesbezüglich würde die Hauptfrau ihn vermutlich noch eher verstehen als Lilith. Auch sie hatte gleichgültig zugeschaut wie Darak sein Werk vollbracht hatte, auch sie hatte seine Tat legitim gefunden und sie hätte vielleicht sogar ähnlich getan.

Schliesslich waren Amazonen dafür bekannt aus Dreibeinchen sehr schnell Zweibeinchen zu machen, was auch grässlich und brutal war. Vergewaltigungen, Schläge und anderer Missbrauch. Ich habe wirklich geglaubt, du bist anders, Darak. Ich hoffe, ich habe endlich dazugelernt. Ich möchte keine Fehler mehr begehen, keine falschen Hoffnungen in mir wecken." Er sah sie an. Er wusste nicht was er tun sollte. Was sie denn von ihm erwartete. Er war nicht so. Er rieb sich die Stirn. Der Schmerz potenzierte sich, durch das Leiden seines Herzens. Es machte ihn anfälliger auf Physische Empfindungen. War es denn der Richtige Zeit diesem Kerl das Herz zu brechen angesichts des Krieges? Doch auch Liliths Herz blutete und ertränkte die Liebe welche sie einst für Darak Luthrokar empfunden hatte.

"Ich kehre mit Conny nach Xytras zurück, sobald das hier ausgestanden und eine Abreise wieder sicher ist. Das Festland wird mich nie wieder sehen und auch kein Männchen mehr." Er knickte ein. Sein Blick wurde leer. Er nickte nur. Beendete den Blickkontakt zu Lilith. Sie war ein herber Verlust für ihn, war sie doch immer wieder der Anlass für gute und besonnene Taten gewesen. Er hatte sich solche mühe gegeben! Nun nahm ihm Darion auch noch das letzte was ihm wichtig gewesen war. Die Waagschale seiner Taten wurde damit in ein empfindliches Gleichgewicht gebracht denn bisher hatte Liliths Einfluss dafür gesorgt dass zumindest die gute Seite sich Stabil und fortwährend mehrte. Wachsende Verzweiflung keimte in ihm hoch. Er musste hier raus! „Muahmmad!“ Krächzte er mit bebender Stimme. Seine ohnehin schon ramponierte Seele hatte einen weiteren, tiefen Einschnitt erlitten. Dieser kam in einem Denkbar ungünstigen Zeitpunkt, wo er doch eigentlich Stärker und Macht hätte ausdrücken müssen. Dieses drückende, Gefühl stieg ihm bis zur Kehle hoch, legte sich klammernd um sein Herz. Er keuchte. Seine Kräfte liessen nach, sein sturer Wille reduzierte sich. Zu viel Verlust hatte ihm diese Stadt eingefahren. Vesta, sein Knie, Seine Seele, Cattie und nun verlor er auch noch Lilith. Sicherlich cattie war nicht verloren aber er hatte mitansehen müssen wie sein Huhn gestorben war! Nie hatte er Lilith deswegen einen Vorwurf gemacht. Sein einziger treuer Begleiter war der Schmerz, doch keine Lehre des Nichtgenannten hatte er selbst so tief verinnerlicht dass er au s diesem Schmerz, im Moment noch die Energie bündeln konnte um weiter zu machen. Es lastete aber auch sehr viel Druck auf seinen Schultern. Er musste in der Rolle des Befreiers Sarma gerecht werden, musste Vesta signalisieren dass man solche Verwundungen überstehen konnte, er musste es aushalten für Lilith ein Böser Mensch zu sein, er musste seine eigenen psychischen und physischen Verletzungen ertragen und er musste akzeptieren dass seine Liebe nun unerwidert sein würde… und er musste abermals akzeptieren dass ihn seine Vergangenheit niemals loslassen würde. Seine Schläfen pochten. Man sah wie dieser Fels Darak Luthrokar allmählich unter dem Druck zu bröckeln begann.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 1. September 2011, 20:33

"Legst du es darauf an, dass ich mein Kompliment zurückziehe?" Constanze warf Darak einen kecken Blick zu. Dann zwinkerte sie und winkte ab. "Schon gut. Vesta ist eine hervorragende Kandidatin. Ich habe Zeit gehabt, mit ihr zu sprechen und sie kennen zu lernen. Sie wird diese Stadt besser regieren als es einer ihrer Vorgänger jemals getan hat. Und das, unabhängig davon, welchen Geschlechts sie ist. Sie weiß die Vorteile der Wüste zu nutzen und besitzt eine dominante Haltung, die ihr bei Verhandlungen zugute kommen wird." Etwas sanfter fügte sie: "Du hast eine gute Wahl getroffen." Dann wandte sie sich ab, damit Darak und Lilith ungestört reden konnten. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Amazone hätte sich in unmittelbarer Nähe zu der Elfe befunden. Die Entscheidung, welche Lilith getroffen hatte, wäre so möglicherweise noch einmal überdacht worden. Constanze hielt inzwischen deutlich mehr von Darak als noch auf der Insel Xytras oder auf dem Schiff, wo sie ihn eng umschlungen mit Lilith erwischt hatte.
So aber gab es niemanden, der besagter Elfe riet, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Aber sollte sie das wirklich? Es stimmte, sie hatte gewusst, worauf - respektive auf wen - sie sich einließ. Darak hatte ihr schnell klar gemacht, dass er lange Zeit in den pelgarischen Erzminen verbracht hatte, um eine große Schuld abzubüßen. Er hatte ihr gebeichtet, dass er keiner der netten Kerle, sondern ein gesuchter Mörder war. Lilith hatte miterlebt, wie man ihn verfolgt und gefangen genommen hatte. Sie konnte nicht abstreiten, nicht in Kenntnis gesetzt worden zu sein und doch ... sein leuchtender Blick im Angesicht des zu Tode gefolterten Dunkelelfen Ach'ray Da'rion hatte ihr die Augen geöffnet. Darak Luthrokar war und blieb auch nur ein Mann. Er mochte mit ihr zärtlicher umgehen, bewusst versuchen, sie nicht zu verletzen, aber seine wahre Natur ließ sich nicht vollständig verbergen. Männchen waren doch letztendlich immer darauf aus, Leid zu bringen. Lilith als gebürtige Elfe schätzte Leben. Vielleicht hatte sie sich deshalb auf den Auftrag der xytrasischen Regierenden eingelassen, Spender für die Amazonen zu finden. Ihr war der Erhalt von Leben schon immer wichtig gewesen - so auch selbst männliches, dunkelelfisches Leben. Sie hätte Da'rion vielleicht hinrichten lassen, nach einem fairen Prozess. Aber sie hätte ihn niemals zu Tode foltern lassen. Das war es mitunter, was sie quälte. Schlimmer aber noch war, dass Darak hierbei nicht einfach Rache genommen hatte. Nein, es war der triumphale Genuss, dieses Leuchten von Befriedigung in seinen grauen Augen, das ihr allein beim Gedanken daran Tränen in die eigenen trieb. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Sie schlang die Arme um den Oberkörper.

Trotz allem sorgte sie sich noch immer um Darak. Er würde in den Krieg ziehen. Er würde sterben können. Ihr Herz setzte für eine Sekunde aus, danach wog es schwer. Empfand sie denn immer noch für ihn?
Lilith hob den Kopf. Violette Augen fanden Daraks Blick. Mitleidig und traurig schaute sie ihn an. Ersteres, weil sie doch nachempfinden konnte, wie er sich nun fühlen musste. Er hatte ihr nicht nur vorläufig mitgeteilt, was er war, sondern auch, dass er sich verlieben würde, wenn ihr Spiel so weiterging. Dieser Punkt war bereits überschritten. Er musste verliebt sein, sonst würde er nach einer derartigen Tat nicht versuchen, ihr ein Verzeihen abzuringen. Er wollte sie nicht verlieren, aber konnte jemand wie Lilith mit jemandem wie Darak eine Bindung eingehen? Jemand, der Freude am Quälen anderer empfand und scheinbar doch nicht mit seiner Vergangenheit gebrochen hatte? Gewisse Laster legte man nun einmal nicht ab. Sie seufzte.
Sicher würde er auch auf dem Schlachtfeld töten. Manchmal war Krieg eine notwendige Sache, da blieb selbst Lilith Blütentau Realistin. Aber das hieß ihrer Meinung nach noch lange nicht, dass man eine in den Augen sichtbare Freude dabei zeigte, das Leben eines anderen auf unnatürliche und möglichst brutale Weise zu beenden. Nicht einmal Constanze reagierte so. Sie war mit der Amazone zusammen gewesen, sie kannte es, wenn jemand durch die Klinge sterben musste. Für Constanze war es aber niemals ein Freudenlauf gewesen. Sie kämpfte, weil sie musste. Für eine bessere Welt, eine, in der auch Frauen angesehen waren. Sie tötete niemanden aus purer Lust - Lilith stockte plötzlich. Ihr Blick wanderte zu der Amazone. Aber sie quält Männchen gern. Dann kastriert sie diese. Ist das besser?

In diesem Moment krächzte Darak nach dem Diener und der war wirklich flink auf den Beinen - er konnte ja noch gehen! Ihm folgten vier Männer - dieses Mal keine Dunkelelfen -, die eine Sänfte herein trugen. Bereit, Darak auf dieses komfortable Transportgerät zu hieven, näherte er sich dem Befreier. Da erhob Lilith noch einmal ihre Stimme - ja gar sie selbst erhob sich: "Wartet, Muhammad!" Der Diener neigte das Haupt und machte gehorsam einen Schritt nach hinten, um zu signalisieren, dass er verstanden hatte. "Darak ..." Wieder seufzte Lilith. "Natürlich war ich nicht in dieser Folterkammer. Ich habe nich mit angesehen, was man dir und Vesta angetan hat. Ich erlebe nur das Ergebnis. Sicher, du hattest ein Recht auf Rache. Wenn ich könnte, würde ich ..." Sie schüttelte langsam den Kopf. Das gehörte jetzt nicht hierher. "Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Wenn ich dich ansehe, dann blitzt dieser Blick aus der Loge wieder auf. Er legt sich wie ein Mantel aus dunkler Erinnerung über dich ... er macht mir Angst. Ich kann dich so nicht lieben. Was würdest du an meiner Stelle denn tun?" Und nun geschah, was er nicht hatte bezwecken wollen. Wieder rannen Tränen heiß ihre Wangen herunter, aber nur wenige. Lilith hatte sich wahrlich die Augen ausgeheult. Es gab nichts mehr, was fließen konnte. Sie sog die Luft ein. "Sag mir, was ich tun kann, um diesen Mantel zu zerreißen. Ich möchte es doch auch nicht so enden lassen." Die Situation war verzwickt.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 2. September 2011, 22:25

Er konnte es kaum ertragen. Dieses Bild ihrer violetten Amethystaugen die ihn anblickten, so gefüllt mit Leid und Trauer. Dieser Blick frass sich in sein Herz, riss dort Wunden auf. Er hatte ihr weh getan. Unendlich weh! Alle hatten Recht behalten mit ihrer Befürchtung. Er konnte es nicht. Er war nicht in der Lage sich zu bessern. Wenn er sie nicht physisch Verletzte dann seelisch. Ja. Er war ein Mörder. Ein Gewalttäter. Er Quälte sie. Freilich nicht mit Absicht… aber damals in Andunie hatte er auch nicht vorgehabt zum Kindermörder zu werden und dennoch war es geschehen. Er seufzte. Seine Schultern fühlten sich so schwer an, trugen sie doch das Gewicht ihres schweren Herzen mit.Er wollte aus ihren Augen treten. Aus ihrem Leben. Vielleicht war es sein Schicksal. Vielleicht war es ihres. Wenn er sie wirklich liebte, dann musste er sie ziehen lassen. Denn er tat ihr weh und dies konnte niemals die Absicht eines Liebenden sein. Er liess seinen Kopf hängen. Ja. Er musste sich von ihr trennen um ihrer selbst willen. Es würde ohnehin passieren. Er würde an die Front gehen und so würde sie nicht Zuhause auf ihn warten müssen. Er winkte seinen Diener heran. Wollte sich entfernen – sich entfernen lassen er konnte nicht mal selber den Raum verlassen.

Beide von ihnen waren von ihren eigenen Gedanken geplagt. Constanze schaute nur kurz her als Darak nach dem Diener gerufen hatte. Sie hielt sich im Hintergrund. Sie erwies sich in diesen Minuten als eine verdammt edle und aufrichtige Freundin… nicht nur von Lilith. Darak drehte sich schon zum Diener um sich auf die Beine helfen zu lassen. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie stark die Schmerzen im Moment waren. Er wollte nicht dass man Alma zu ihm rief. Sie hatte mit Vesta zu tun. Ausserdem hatte er von den Nichtgenannten doch die mittel und die Fähigkeiten bekommen um den Schmerz für sich zu nutzen… um mit ihm umzugehen. Der Nichtgenannte hatte es nämlich richtig erkannt. Darak Luthrokar ging der Weg des Schmerzes. Er fiel immer wieder darauf zurück auch wenn er versuchte sich davon zu lösen. Ebenso wie er den Weg des Mörders gehen musste. Wovon er sich erst würde befreien können wenn Krieg und Verfolgung hinter ihm lägen… dann vielleicht würde er sich der Inquisition zuwenden können – und Busse tun. Ja, dieser Gedanke hatte sich fest in seinem Geist verankert. Nicht erst seit Vesta ihn auf die Inquisition aufmerksam gemacht hatte. Darak Luthrokar hatte schon immer Busse tun wollen, dies hatte er damals auch Hauptmann Zitter weissgemacht. Es war Lilith die den Diener aufhielt. "Darak ..." Er zögerte ehe er sie ansah. Schwere lag in seinem Blick. Seine Seele hatte auch sehr viel durchmachen müssen in den letzten Tagen und grosse Herausforderungen standen noch vor ihm.
"Natürlich war ich nicht in dieser Folterkammer.“ Er seufzte. Schaute sie an. „Zum Glück nicht Lilith.“ Das hätte er wohl kaum ertragen.

“Ich habe nich mit angesehen, was man dir und Vesta angetan hat.“ Er schluckte leer. Er hatte es auch nicht mitbekommen. Nicht das was man Vesta angetan hatte. Er wusste dies von Alma und Constanze. Er blickte zu der Amazone. Dann wieder zu Lilith. Er knirschte mit den Zähnen, wollte gar nicht daran denken wie dieser schmierige Dunkelelfische Bastard seine gute Geschäftspartnerin und Freundin missbraucht und brutalst vergewaltigt hatte vor den Augen aller anderen. Eine öffentliche Demütigung eine grosse Schande welche nicht zu verzeihen gewesen war. Nicht für Darak. Er hatte sich rächen müssen, nur schon um Vesta willen. Niemals hätte er es zulassen könne, nein dürfen dass die Spezialeinheiten der Dunkelelfen noch eine Gelegenheit dazu bekommen hätten ihren Fürsten zu befreien um ihn selbst wegen seines Versagens zu lynchen. Dies hätte durchaus geschehen können hätte man Darion einfach verhaftet!

Ich erlebe nur das Ergebnis. Sicher, du hattest ein Recht auf Rache. Wenn ich könnte, würde ich ..." Er legte seinen Kopf schief. Schaute sie an. Warum quälte sie ihn mit ihrer eigenen Unsicherheit? Er konnte ihr keine Antwort geben. Er konnte ihr nicht sagen ob er der richtige für sie war. Ob er sie nie verletzen würde. Er konnte ihr gar nichts versprechen. Er war er und was in der Zukunft war, das wusste er nicht. Vielleicht aber würde es wirklich besser sein, sie würden keine offizielle Beziehung führen. Allein schon zu ihrem Schutz. Er wollte nicht dass sie zu einem potenziellen Ziel der Dunkelelfen wurde um sich an ihm zu rächen.
"Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Wenn ich dich ansehe, dann blitzt dieser Blick aus der Loge wieder auf.“ Er biss sich auf die Lippen. „nur noch das?“ Fragte er sie. Sah sie nicht auch seine anderen Attribute. Die schönen Momente die sie zusammen hatten? Waren es denn so viele gewesen. Er seufzte schwer.
“Er legt sich wie ein Mantel aus dunkler Erinnerung über dich ... er macht mir Angst. Ich kann dich so nicht lieben.“ Er schluckte leer.

“ Was würdest du an meiner Stelle denn tun?"Er schaute wieder auf. Sah die Tränen welche ihre Augenwinkel verliessen. „n..nicht…“ Er konnte nicht mal aufstehen, zu ihr eilen und sie in den Arm nehmen. „K..komm zu mir… bitte… komm…“ Er breitete seine Arme aus. Wollte sie trösten. „Was…siehst du von mir… wenn du tief in dein Herz blickst…ist da noch immer ein Platz für mich Lilith?“ Er seufzte schwer. „ich werde diesen Mantel nicht von dir nehmen können Lilith… aber ich kann versuchen dir neue Bilder zu geben. Gemeinsame Bilder. Schöne Bilder. Ich kann nichts rückgängig machen… auch wenn ich vieles gerne täte.“ Obwohl er an diesem Mord und dessen Richtigkeit festhielt. Aber dies breitete er jetzt nicht gerade aus.
Er schaute sie an. Entschlossen. „Gib uns etwas Zeit Lilith… ich werde in die Schlacht ziehen… in die Front. Das muss ich, dass ist meine Pflicht. Ich muss Sarma beistehen… denn die Stadt ist in Begriff sich fundamental zu verändern…. Da darf ich keine Schwäche zeigen… verstehst du?“ Er sah sie eindringlich an. „Du solltest die Zeit für dich nutzen. Bleibt hier in Sarma, hier seid ihr im Moment am sichersten. Helft den Menschen, helft den befreiten Sklaven ihren Platz hier in der Gesellschaft zu finden und helft Vesta dabei ihre Stärke zu wahren und ihren Posten zu sichern… und dann… achte auf das erste Bild welches du haben wirst, wenn wir uns zum ersten mal nach dem Krieg wieder in die Arme schliessen… wenn du dann noch immer diesen schrecklichen Schatten siehst, dann…ja….dann wiegt er wohl zu schwer und meine anderen Taten und Eigenschaften haben nicht gereicht um diesen zu überwiegen…. Du wirst diese Zeit sicherlich auch nutzen um dich über deine Beziehung zu Conny gewahr zu werden Lilith.“ Er musste auf Zeit spielen. Spielen war das falsche Wort, dies hier war kein Spiel, dies war die Realität. Aber er wollte nicht dass sie sich jetzt definitiv entscheiden musste. Er wollte nicht dass sie sich ewig Vorwürfe machte – sollte er Fallen – dass sie ihn mit einer Zerbrochenen Liebe in die Schlacht geschickt hatte, ohne Hoffnung.

Er rückte sich zurecht. Petzte seine Augen zusammen als der Schmerz wie ein Schwertstich seinen Schenkel hochstrahlte. „RRrrhrh..“ Er verzog kurz sein Gesicht und ächzte. Er musste sich ausruhen. Dringend. Er musste so schnell wie möglich zu Kräfte kommen, Sarma und die Schlacht würde nicht warten… und er musste bei den Vorbereitungen für die Belagerung welche ihnen zweifelsohne Bevorstanden helfen! Sie waren nicht in der Situation Zeit zu haben!
Er beugte sich vor. Wischte ihr die Tränen aus den Augen. „Was meinst du Lilith… willst du uns diese Zeit nochmals geben…mhm?“

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 8. September 2011, 11:41

Schon einmal hatte er einen ähnlichen Blick an ihr gesehen. Damals, wenn sie über ihre Vergangenheit sprach oder schon, wenn man sie daran erinnerte. Da tanzten dunkle Schatten über die sonst so strahlenden Amethyste und verschleierten ihre Seelenspiegel. Alle Freude, die normalerweise in Liliths Augen leuchtete, wurde hinter diesen schattenhaften Vorhang verbannt. Zurück blieben bittere Gedanken, Furcht, Trauer. Jetzt schaute sie ähnlich und doch anders. Die Schatten waren dunkler, die Iris getrübt. Elfenaugen schienen Gefühle sehr gut ausdrücken zu können und was Lilith derzeit fühlte, kam einem chaotischen wie gleichermaßen dramatischen Schauspiel gleich, von dem sie zu ahnen schien, dass es kein glückliches Ende nahm. Kein Märchen, erzählt von einem alten, lächelnden Mann, der es mit den Worten "...und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" abschloss. Keine romantische Liebeszene zum Schluss, kein Kuss unter einem rosa farbenen Himmel, kleinen Schäfchenwolken und einer Sonne, die sich gerade mit dem Meer vereint. Solche Traumwelten waren etwas für Romantiker. Die Realität sah immer anders aus. Liliths Blick passte dort hinein.
Schließlich herrschte derzeit alles andere als Romantik. Die Dunkelelfen waren geschlagen, viele von ihnen befanden sich nun in jener Sklaverei, in der sie die Bewohner Sarmas gehalten hatten. Einige wenige, unter ihnen sicherlich auch Orks und vereinzelte Goblins, hielten sich versteckt. Möglicherweise versuchten sie, bei den Wüstendieben unterzukommen und würden dort vermutlich eher den Tod finden. Denn das Unterweltbündnis war alles andere als erfreut über das dunkle Volk. Vor allem hatten sie jetzt Wichtigeres zu tun. Jene Dunkelelfen, die dem Sturz Da'rions hatten entkommen können, würden zurückkehren. Sie konnten einen Mann für all das verantwortlich machen: Darak Luthrokar. Sie würden zurückkehren - um seinen Kopf zu fordern. Anschließend würden sie versuchen, Sarma erneut zu erobern. Keiner vom dunklen Volk steckte eine solche Niederlage gern ein.
Die Sarmaer mussten also zusehen, rasch eine neue Regierung aufzubauen, denn Bürgermeister und rechte Hand waren hingerichtet. Keiner von beiden hinterließ einen Erben. Noch immer diskutierten die Wüstendiebe zusammen mit den Adligen wohl über Daraks Vorschlag. Sollte wirklich Vesta Tenma Negra - eine Frau! - die Stadt des Sandes regieren? Ihr würden Berater zur Seite gestellt. Die Adligen sandten hierfür einen jungen, aber gewitzten und sicherlich auch recht klugen Kopf ins Rennen. Einen Höfling, der sich jedoch mit Intrigen und vor allem der Verwaltung einer intrigenhaften Stadt auskannte. Nur in Kriegszeiten würde er, was den Kampf betraf, keine Hilfe sein. Hier kamen die Diebe zum Einsatz. Sie stellten einen wahren Kriegsveteranen zur Kandidatur. Jemand, der positiv auf Daraks Vorschlag reagiert und ihm geraten hatte, ebenfalls an die Front zu ziehen. Er brauchte nicht kämpfen, sondern sich nur zeigen. Er, der Befreier, wäre ein moralischer Faktor, den Sieg zu erringen.
Es gab so viel, das sich binnen kürzester Zeit regeln musste. Ja, und dann war da noch Lilith. Die Frau, die ihr Herz an einen Mörder verschrieben hatte. Eine Frau, die Leben schätzte und offenbar selbst um den Tod eines Feindes - und Mannes - trauern konnte. Oder nicht? Sie verstand, dass man Da'rion hatte stürzen müssen. Sie war Realistin genug, um zu wissen, dass ihm kein gutes Ende hatte bevorstehen können und sie begriff auch, dass Darak sein Henker hatte sein müssen. Er war eingesperrt und gequält worden. Seine Rache war nachzuvollziehen. Wahrscheinlich schmerzte es sie nur, dass er dabei so viel Freude empfunden hatte. Ja, das war der Knackpunkt. Sie hatte vorher schon gewusst, dass er ein Mörder war. Er hatte sogar ein Kind auf dem Gewissen. Und trotzdem hatte sie sich auf ihn eingelassen. Denn er wollte sich ändern. Würde dies wirklich passieren oder wurde er rückfällig wie so viele Verbrecher?
Sein Blick hatte ihr Angst bereitet. Wenn er nicht von dieser Lust zu foltern und zu töten los kam, konnte es nicht funktionieren. Er würde immer foltern und töten wollen. Auch wenn er es unterdrückte, früher oder später wären seine Hände erneut von fremdem Blut befleckt. Vielleicht von unschuldigem Blut? Ja, Lilith hatte bereits daran gedacht, mit Darak Kinder zu haben. Keine eigenen. Sie wusste, dass das niemals möglich sein würde. Dafür hatte ihr Stiefvater gesorgt, als er sie vor so langer Zeit geschändet hatte. Aber sie hatte bereits darüber nachgedacht, eine andere Frau zur Trägerin seiner Saat zu machen. In ihrem Denken war dies kein Fall von Betrug. Oder einen kleinen Spross adoptieren. Lilith würde für das Kind Muttergefühle haben, sie besaß ein gutes Herz. Inzwischen jedoch hatten sich diese Überlegungen und Pläne in Rauch aufgelöst. Zurück blieb nur die Ungewissheit, ob jemand wie Darak nicht im Affekt versehentlich - oder schlimmer: bewusst - gegen dieses Kind tätig vorging.
Vor Liliths geistigem Auge tanzten dunkle Bilder. Sie sah kleine Hände, dürre Ärmchen und Beine - gefesselt. Sie sah Blut und Daraks funkelnde Augen, sein befriedigtes Grinsen, als er das letzte bisschen Leben aus dem Kinderleib hauchte. Sie keuchte. Nein, fort mit diesen Gedanken! Dazu wäre er nicht fähig ... oder? Die Unsicherheit verzehrte sie fast. Das war es, was sie fürchtete. Was jede Frau und Mutter fürchten würde, wenn sie mit jemandem wie Darak Luthrokar zusammen wäre und ihn so gesehen hätte. Wie konnte sie da noch Liebe für ihn empfinden? Wie nur?

Genau das machte sie ihm klar. Es hieß ja nicht, dass sie von einen auf den anderen Moment gar nichts mehr empfand. Gefühle waren noch da, überschattet allerdings von dieser Unsicherheit und der damit verbundenen, kalten Furcht. Sie musste wieder vertrauen. Sie musste ihm vertrauen können, dass er nie wieder so handelte wie in der Loge bei Ach'ray Da'rion. Selbst, wenn er ihr dies jetzt schwor, könnte sie es nicht glauben. Es brauchte Zeit. Das erkannte Darak besser als die Elfe, als er die Tränen ihre Wangen herab rinnen sah. Aber dass sie noch immer für ihn fühlte, das konnte er ebenfalls erkennen. Andernfalls hätte sich Lilith nun nicht zum Trost in seine Arme geflüchtet. Wie gut ihr diese Berührung tat! Geborgen in diesen starken Armen. Keine Amazone konnte das bieten, denn sich bei einem Mann gegen Brust und Schulter zu lehnen, war immer anders als bei einer Frau. Ihr weicher Körper schmiegte sich dicht an seinen. Sie war warm, ihr seidiges Haar roch nach irgendeinem Duftwässerchen, das Darak sicherlich schon häufiger begegnet war. Sarmas Bürgerinnen nutzten es sehr gern.
Sie schloss ihre Augen, lauschte tief in sich hinein. Ihr Herzschlag war plötzlich so ruhig. Sie brauchte sich nicht fürchten. Sie war sicher. Darak schützte sie. Das war es, was ihr Herz sprach, trotz aller Bilder, die sich in ihre Erinnerung gebrannt hatten. Langsam nickte sie an seiner Brust. "Natürlich bist du noch immer in meinem Herzen. Glaubst du, ich kann dich einfach so aufgeben? Du bedeutest mir doch inzwischen so viel!"
Constanze schaute vom Fenster herüber. Ihre Mimik war nicht zu deuten, ihr Blick auch nur flüchtig. Sie streifte kurz den Daraks, ehe sie sich wieder abwandte.

Darak bat Lilith um Zeit. Das war wohl das Beste, was sie beide sich einander zugestehen konnten. Hatte nicht irgendein weiser Mensch - oder war es ein Elf, Zwerg ... Ork? - nicht einmal gesagt: Die Zeit heilt alle Wunden? Vielleicht konnten sich auch seelische Wunden damit verschließen lassen. Sie würden Narben hinterlassen. Tiefe Verletzungen blieben nicht ohne Konsequenzen. Aber man konnte lernen mit ihnen zu leben - sie akzeptieren. Ja, sie waren da, aber man hatte gelernt mit ihnen umzugehen. Und jetzt lebte man weiter.
Lilith und Darak konnten nur auf die Zeit hoffen. Die Elfe entschied sich für diesen letzten Hoffnungsschimmer. Sie hielt an dem Strohhalm fest, der so Grundlegendes in ihrem Leben beeinflussen würde. "Ich werde in Sarma bleiben. Beide Parteien - Wüstendiebe wie Adlige - haben unserer gesamten Gruppe angeboten, während unseres Aufenthaltes im Palast zu bleiben. Und ich werde tun, was du mir rätst. Ich helfe den Bedürftigen, dann kann auch ich meinen Teil zu diesem Krieg beitragen. Und ich werde warten, dass du zurückkehrst." Sie umarmte ihn innig, klammerte sich gar an ihn fest. Nein, diese Frau konnte sich genauso wenig von ihrer Liebe zu Darak lösen wie umgekehrt. "Bete zu Florencia, sie möge den Mantel von dir nehmen", hauchte sie halb erstickt.
Dann löste sie sich, blickte ihn an. "Du brauchst jetzt Ruhe. Glaub mir, ich sehe den Schmerz." Sie machte einen Schritt zurück, wandte sich an den Diener. "Muhammad, bitte bring ihn in seine Gemächer. Niemand soll ihn stören, wenigstens für einige Stunden nicht. Er braucht nun wirklich eine Auszeit." Der Diener verneigte sich, ließ die Sänftenträger erneut kommen und Darak hoch hieven. Lilith tätschelte ihm zum Abschied die Hand. Sie lächelte ihn nicht an, keine Verliebtheit sprach aus ihren Augen, aber sie weinte auch nicht mehr. Als Constanze neben die Elfe trat, schien sich sogar eine gewisse Aura um die beiden zu bilden. Kurz erstrahlte Lilith gestärkt und selbstbewusst. Sie wandte den Kopf ihrer Freundin zu, diese nickte. Anschließend wurde Darak aus dem Saal getragen.

Noch ehe er seine Räumlichkeiten erreichte, kam ihm jemand entgegen. Die schweren Schritte, die die Mosaike unter ihren breiten Füßen zum Erzittern brachten, kannte Darak nach all den Abenteuern nur zu gut. Sie füllte beinahe den gesamten Korridor in seiner Breite aus. Der Spreck ihrer Unterarme streifte beim Gehen schon fast die vorstehenden Marmorsäulen. Ihr Gang war ausholend, geradezu hektisch für eine Alma. Die Heilerin bremste erst ab, als sie Darak entdeckte. "Wird auch Zeit", brummte sie, hob ihren Arm. Zwischen den dicken Wurstfingern wippten einige Stiele mit grünen Blättern. "Deine Cattie hat mir schon die nötigen Pflanzenanteile beschafft. Ich fertige dir jetzt deine Medizin an, danach solltest du versuchen zu schlafen. Und ich dulde jetzt kein Aber. Ich hatte genug Scherereien mit deiner Hurenherrin!"
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Dienstag 13. September 2011, 23:48

Darak konnte nicht ahnen welche Ängste seine Liebste plagten. Die Vorstellung er könnte in einen Blutrausch verfallen und seinem eigenen Fleisch und Blut jenes bestialische Leid antun wie dem Dunkelelf, es war eine Art Urangst welche Darak in Lilith geweckt hatte und diese Urangst liess die junge Elfe so schnell nicht mehr los. Denn ihre Seele wusste zu was Männer imstande war und sie kannte auch Constanzes düstere Geschichte deren erster Peiniger ebenfalls ihr eigener Vater gewesen war…
Dunkelste aller Triebe, wüsteste aller Verbrechen und sie fürchtete dass Darak jene unheilvolle Veranlagung in sich trug. War dies so? So bestialisch er auch sein konnte, hatte er jemals einem Tier ein solches Leid angetan? Nein, einem Tier nicht, doch er hatte bereits ein Kind welchem nicht einmal das zehnte Lebensjahr vergönnt gewesen war auf dem Gewissen…

Darak Luthrokars Gedanken liefen auf anderen – aber ebenfalls nicht gerade weniger trübsinnigen Bahnen ab. Warum nur wiederholte sich sein Schicksal ständig, warum wurden seine Tempel welche er sich Mühevoll aufbaute und sich endlich darin zuhause fühlte immer wieder Gnadenlos eingerissen… und meist noch aufgrund seines eigenen verschulden. Er starrte betrübt auf sein Knie. DAS konnte kein Zufall sein. Das war seine Strafe. Sicherlich von Lysanthor persönlich ausgeheckt um ihn allmählich zu zermürben. Er kannte diesen Gott doch sehr gut, hatte ihn studiert. Vielleicht spekulierte dieser Hinterhältige Bastard sogar darauf ihn in den Selbstmord zu treiben, denn Selbstmörder konnten niemals in Lysanthors Reich gelangen, egal ob Schuldig oder Gebüsst.
Aber so nicht. Er würde sich durchkämpfen, er würde dafür sorge dass die Waagschale sich auf die gute Seite legt und dann würde er so oft in Lysanthors Wolkenbüsche pinkeln in seinem Reich dass der sich Grün und Blau ärgert. Ein bisschen Neckerei würde diesem steifen Gott ohnehin gut tun. So zumindest war die Meinung von Darak Luthrokar.

Doch bevor er sich ums Büscheanpinkeln in seinem Nachleben kümmern konnte musste er dafür sorgen dass sein Leben nicht so schnell beendet werden würde. Schliesslich hatte er nicht vor in so jungen Jahren draufzugehen, hätte er dies gehabt, so hätte es schliesslich auch genügend Möglichkeiten dafür gegeben einfach aufzugeben und sich dem Tod hinzugeben.

Er schaute auf. Sah die Tränen in ihren Augen. Es zerriss ihm beinahe das Herz weil er wusste dass sie allein wegen ihm weinen musste. Jene Menschen die man Liebte, genau jene waren auch imstande einem den schlimmsten Schmerz anzutun. Keiner wusste dies so gut wie er, war er doch ein Experte was Schmerz betraf. So tat es ihm doppelt leid, denn sie hatte all ihr Vertrauen und all ihre Hoffnungen an das Gute in Männchen in ihn gesteckt und war offenbar bitter enttäuscht worden. Dennoch flüchtete sie sich genau in jene Arme welche diese Schrecklichen Dinge bewerkstelligt hatten, denn dies war dieses grässlich Zwiespältige am Menschen. So viel Grausamkeit und Leid konnte durch die gleichen Hände vollbracht werden wie all das Gute, die Künste und das Erschaffende. Menschen waren nicht schwarz oder weiss, sondern in verschiedenen Grautönen gehalten.
Er spürte ihren warmen, zerbrechlichen Körper an seinem. Nahm sie fest in ihrem Arm. Wo es ihm in den Beinen im Moment an Kraft und Stärke fehlte so blieb jenes in seinen Armen bestehen. Er schützte sie, spendete stummen Trost. Sein Herzschlag synchronisierte sich mit ihrem und gemeinsam beruhigten sie sich. Sie taten einander Gut, dies war nicht zu verleugnen, trotz aller Schwierigkeiten. "Natürlich bist du noch immer in meinem Herzen. Glaubst du, ich kann dich einfach so aufgeben? Du bedeutest mir doch inzwischen so viel!" Er nickte. „Du bedeutest mir die Welt…“ Dennoch, selbst wenn er könnte würde er seine Tat nicht Rückgängig machen wollen. Vielleicht hätte er auf die Grausamkeiten verzichtet, aber die Rache hatte sein müssen. Seine Liste war um einen gestrichenen Namen angewachsen. Er strich sanft ihr Haar aus dem Gesicht und nahm sie dann dichter in die Arme. Dabei streifte sein Blick kurz jener der Amazone. Er sah sie hilfesuchend an. Er liebte Lilith aufrichtig. Eine herzliche Liebe, die wohl nicht unbedingt seine Begierden und seine intimsten Triebe befriedigte, aber seine Seele. Es war schwierig Menschen zu finden die Ruhe in Daraks Seele brachten, Lilith war eine der wenigen davon und er hatte Angst sie zu verlieren, wo es doch so viel Zeit gebraucht hatte jemanden wie sie zu finden… nachdem er Elena verloren hatte.

"Ich werde in Sarma bleiben. Beide Parteien - Wüstendiebe wie Adlige - haben unserer gesamten Gruppe angeboten, während unseres Aufenthaltes im Palast zu bleiben. Und ich werde tun, was du mir rätst. Ich helfe den Bedürftigen, dann kann auch ich meinen Teil zu diesem Krieg beitragen. Und ich werde warten, dass du zurückkehrst." Er nickte. War froh dass sie nicht abreisen wollte, dies war seiner Meinung nach im Moment auch viel zu gefährlich. Da draussen lauerten Piraten und die Dunkelelfen und Sarma hatte keine Flotte die gross genug war eine Eskorte für die Übersetzung nach xytras zu stellen, zumal die Lage dort auch kompliziert zu sein schien. Er nickte. „Wirst du auch bleiben…Constanze?“ Fragte er zu ihr und sah sie bittend an. Er würde deutlich ruhiger in die Schlacht ziehen können wenn er wusste dass eine starke Amazone auf Lilith achtgab solange er an der Front war. Wieder wurde er in eine feste Umarmung gezogen. Er zog scharf die Luft ein. Nahm ihren Duft tief in sich auf und atmete tief durch.

"Bete zu Florencia, sie möge den Mantel von dir nehmen" Er nickte. „Das werde ich tun, jeden Abend. Florencia und Phaun scheinen gefallen an uns beiden gefunden zu haben, ich bin sicher sie werden uns in unserer Sache unterstützen und uns in der Schlacht beschützen so gut sie können.“ Sein Glaube an Florencia und Phaun hatte sich durch das Wunder im Sternensee und jenes bezüglich Catties stark gefestigt. Diese beiden Götter waren für ihn Schutzgötter geworden und er zollte ihnen allergrössten Respekt – und dies wollte was heissen bei einem Luthrokar der doch sonst eher Götterskeptisch veranlagt war.

Trotz seines innigen Bestrebens sie zurück zu gewinnen forderte sein Körper seinen Tribut. Der Schmerz wurde immer bohrender und energischer und blieb auch Lilith nicht verborgen. "Du brauchst jetzt Ruhe. Glaub mir, ich sehe den Schmerz." Er nickte. „Du hast wohl recht. Auch wenn ich dich ungern zurücklasse.“
"Muhammad, bitte bring ihn in seine Gemächer. Niemand soll ihn stören, wenigstens für einige Stunden nicht. Er braucht nun wirklich eine Auszeit." Er liess sich in die Trage helfen. Schaute zu Lilith hin. Hauchte ein gerührtes Danke. Die Hoffnung sie wieder für sich zu gewinnen und dass sie sich doch noch auf ihn einlassen können würde war nicht ganz erstickt worden und Darak Luthrokar war ein Experte darin sich durch ein kleines Fünkchen Hoffnung anspornen zu lassen , weiter zu gehen.

Jetzt, allein gelassen mit seinen Gedanken und Empfindungen schmerzte nicht nur sein Herz, geplagt von all den Beziehungssorgen,sondern immer drängender auch sein Knie. Doch da kam gerade massige Abhilfe angewalzt.
"Wird auch Zeit", Er blickte müde auf. „hallo“. Hauchte er dünn.
"Deine Cattie hat mir schon die nötigen Pflanzenanteile beschafft. Ich fertige dir jetzt deine Medizin an, danach solltest du versuchen zu schlafen. Und ich dulde jetzt kein Aber. Ich hatte genug Scherereien mit deiner Hurenherrin!“ Er musterte die Pflanze in ihrer Hand. Schaute Alma ernst an. Er hatte nicht vor zu widersprechen… aber eines musste er wissen. „D..diese Medizin wird mich nicht berauschen oder, nicht so wie… bei Darion?“

Er schaute betrübt drein. Alma kannte ihren Pappenheimer Luthrokar inzwischen sehr gut und so war es wohl ein leichtes für sie zu erkennen, dass er Gehörnte unter anderem unter grausamen Liebeskummer litt. Dazu kamen all die Sorgen. Um Celcia. Sarma. Um sein Volk. Bezüglich der Politik… und natürlich um Vesta. „Wie…geht es ihr?“

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Freitag 23. September 2011, 01:02

"Sie hat Schmerzen", beantwortete Alma Daraks Frage nach Vestas Befinden. "Aber sie ist stark ... vor allem stur", fügte sie jedoch an und gestattete sich ein Brummen. Das kam bei Alma einem Lob gleich. Sie war mit Vestas Kampfgeist zufrieden. Diese Frau gab nicht auf, obgleich sie derzeit auf dem sehr schmalen Grat zwischen Stolz und Verzweiflung wandelte. Alma hatte miterlebt, was Darak verpasst hatte. Nun ja, in gewisser Hinsicht waren ihm erste Anzeichen von Vestas Zustand nicht entgangen, außerdem kannte er sie. Sie hatte sich eigentlich für ihre Verhältnisse schon ziemlich gebrochen gezeigt. Das war aber auch kein Wunder, man hatte ihre Knie zertrümmert. Sie würde nie wieder laufen können, so prophezeite es die dicke Heilerin. Jedenfalls standen die Chancen mit normalen medizinischen Mitteln mehr als schlecht. Sie räumte ja nicht einmal Darak große Erfolge ein. Was würde aus diesem Duo werden? Diesen Geschäftspartnern, die einst Sarma - wenigstens auf dem Sklaven- und Hurenmarkt - beherrscht hatten?
Ihren Geschäften könnten sie sicherlich immer noch weitergehen, wenn sie das denn wollten. Vermutlich käme es aber anders. Darak hatte noch eine Schlacht zu schlagen und danach würde sich erst noch zeigen müssen, ob sich seine Zukunft nicht zu Gunsten seiner Liebe zu Lilith änderte. Falls er den Krieg überhaupt überlebte. Und Vesta? Die sollte Stadtherrin werden. Da hätte sie mehr mit der Verwaltung ganz Sarmas zu tun. Ihr bliebe kaum Zeit, sich um ihr geliebtes Bordell zu kümmern. War das überhaupt der richtige Weg für eine Frau wie sie? Nun, sie würde das Angebot annehmen, wenn Wüstendiebe wie gleichermaßen Adlige sich für sie entschieden. Das hatte sie bereits deutlich gemacht. Sie wär eine gute Wahl, Darak wusste das. Sie würde Sarma mit einer spitzen Zunge, Geschäftssinn und vor allem einer Menge Erotik regieren. Was für eine Frau an der Spitze einer Stadt, die jenes Geschlecht bislang eher als minderwertig behandelt hatte!
Allerdings würde sie körperlich niemals das ausstrahlen, was sie durch Charme und Wortgewandtheit jederzeit vermitteln könnte. Nicht mehr. Sie war keine Kriegerin, man hatte sich aber niemals wirklich getraut, gegen sie aufzubegehren. Vesta war die Dominanz in Person und der stellte man sich nicht in den Weg, wenn sie Entscheidungen traf. Darak hatte es wenige Male gewagt und dafür die Peitsche zu spüren bekommen. Danach waren seine dreisten Wagnisse mehr geworden. Vesta liebte es schließlich, ihm in lustvollen Machtspielchen zu zeigen, wer von beiden im Rang höher stand. Bald schon würde sie diese Spielchen auf eine ganze Stadt ausweiten können - immer unter der Berücksichtigung, dass jede Entscheidung ihre Konsequenzen haben würde. Es gab vermutlich wirklich keine bessere Wahl als sie, unabhängig von ihrem gesundheitlichen Zustand.

"Der Krieg wird irgendwann vorbei sein", sagte Alma plötzlich, wischte so jegliche Gedankengänge beiseite, die sich aufgetan haben mochten. "Wenn es soweit ist, sollten wir Kontakt zum Festland aufnehmen. Ich schlage da Zyranus oder noch besser das Königreich Jorsan vor." Sie warf Darak einen wissenden Blick zu. "In Jorsan laufen viele Heiler herum, die sich der Lichtmagie bedienen. Die könnten vielleicht noch etwas ausrichten. Aber das ist KEINE Garantie, dass es wirklich funktioniert." Sie schnaubte. "Ich kenne mich mit all dem Lichtkram nicht aus. Weiß nicht, wozu diese Zauberheiler tatsächlich fähig sind. ICH hab immer einfach amputiert, mit Nadel und Faden gearbeitet oder Kräuter verabreicht. Und ich hab es zu was gebracht, meinst du nicht auch?" Ja, das hatte sie. Sie war nicht nur eine enge Freundin Daraks geworden, sondern hatte ihn oftmals in ausweglos erscheinenden Situationen doch noch zusammengeflickt. Sie nahm schon lange keine Bezahlung mehr dafür, ließ im Grunde seit Wochen - oder Monaten! - ihr altes Leben hinter sich, um mit ihm Abenteuer durchzustehen. Sie war Mutter von fünf Kindern! Das musste man sich überhaupt erst einmal vorstellen, bei einer Alma! Nein, man konnte ihr beim besten Willen nicht vorhalten, nichts erreicht zu haben. Und sie hatte das alles ohne Zauberei geschafft, es stimmte.
Was also wäre demnach mit Magie möglich?

Die Sänfte ruckte kurz, als ihre Träger vor der Tür zu Vestas Gemächern stehen blieben. Alma bedachte Darak mit einem eindringlichen Blick. "Bleib heute besser bei ihr - ja, ich WEISS, dass es Probleme mit Lilith geben könnte! Aber ... sie braucht dich jetzt genauso." Alma klopfte an. Als ein dumpfer Laut durch das Holz der Tür drang, öffnete die Tonne von Heilerin selbige. Die Sänftenträger brachten Darak hinein. Alma blieb im Gang stehen und folgte als Letzte. Sie würde nicht lange bleiben. Eben nur lange genug, um Darak noch seine Medizin zu verabreichen. Auch er musste Schmerzen haben, da bestand für die Dicke kein Zweifel.
"Ahhr...Alma." Vestas Stimme war nur ein Krächzen. Sie lag in dem gigantischen Bett, in dem eine vierköpfige Familie Platz gefunden hätte. Bettpfosten, die fast bis unter die Decke reichten, hielten einen Baldachin, der einem Sternengewölbe gleich kam. Dunkelblaue, schwere Vorhänge rauschten von ihm herab, waren derzeit jedoch zurückgezogen und mit goldenen Kordeln an den Pfosten befestigt. So gaben sie die Sicht auf das Bett selbst frei, in dem sich Vesta befand. Geradezu winzig wirkte sie zwischen all den Kissen und unter dem Deckenberg. Irgendwo unter den Stoffen pulsierte der Schmerz durch ihre Knie. Sie war mit Medikamenten ruhig gestellt. Matt schaute zu sie zu Alma und Darak herüber, trotzdem lächelte sie Letzteren an.
"Wohin?", fragte Muhammad, der nur darauf wartete, den Befreier aus seiner Trage zu heben und am gewünschten Ort zu platzieren. Er würde ihn schon schleppen können. Der Diener machte einen mehr als kräftigen Eindruck. Ehe er sich dieser Aufgabe allerdings widmen konnte, huschte etwas Grünes über den gefliesten Boden. Gackernd stürmte Cattie auf ihren Fütterer los. Sie flatterte zu ihm empor, dass sie auf seinem Schoß zum Sitzen kam. Grüne Blätter schwirrten Federflaum gleich durch den Raum. Dieses Mal schmückten pusteblumenartige Samenschirmchen ihren Kopf. Sie stoben auseinander und tanzten einen Reigen in dem fast windtstillen Zimmer. Alma begann, die Schirmchen zu fangen.
"Perfekt", meinte sie und machte sich daran, die gesammelten Zutaten zu einer kleinen Theke zu bringen. Dort standen schon Mörser und Stößel bereit. Außerdem reihten sich ein paar Einmachgläser nebeneinander auf, in denen allerlei seltsame Dinge in Konservierungsflüssigkeit herum schwammen. Almas Apotheke. Sie begann, Daraks Medizin herzustellen.
Cattie gackerte ruhiger. Sie schnäbelte mit ihrem geliebten Ernährer, dann rollte sie sich auf dessen Schoß zusammen.
"Das Huhn ist uns so viel nützlicher als zuvor", hauchte Vesta von ihrem Platz aus. "Sobald ich Stadtherrin bin, erlasse ich ein Gesetz, das das Töten von Hühnern in Sarma verbietet. Sollen sie Tauben, Schlangen und Eidechsen braten!" Sie streckte die Hand nach Darak aus. Allein diese Geste war furchtbar untypisch. "Wirst du heute Nacht bei deiner Elfe sein ... oder bleibst du bei mir?" Es klang sehnsüchtig, flehend. Wie Alma es bereits erwähnt hatte: sie brauchte ihn jetzt wirklich.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Dienstag 11. Oktober 2011, 11:13

"Sie hat Schmerzen" Darak seufzte und senkte den Blick. „Die wird sie nun haben, solange sie lebt.“ Brummte er missmutig. Schliesslich sprach er in diesem Punkt definitiv aus Erfahrung. Vermutlich wusste er sogar besser als die Heilerin was dies für Vesta bedeuten würde. Sie hatte kein einfaches Leben mehr vor sich – nicht dass sie je ein einfaches Leben gehabt hätte. Vesta war eine Frau mit ihrer ganz eigenen Geschichte, mit ihrer eigenen teilweise sehr bedrückenden Biographie, sie war ein eindrückliches Beispiel für eine Frau, die es geschafft hatte trotz widrigsten Umständen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und in der Wüstenstadt zu bestehen. Dies sogar noch sehr erfolgreich. Vor nicht mal 10 Jahren hätte sie s wohl nicht einmal gewagt von dem Reichtum welchen sie später erlangt hatte zu träumen. Würde Vesta ihre Geschichte zu einem roman verfassen, würde dieses Buch wohl ein durchschlagender Erfolg werden. Nun sicherlich nicht in Sarma, aber in Jorsan, Grandessa, Andunie und vor allem in Pelgar dürfte solch eine Geschichte durchaus bei den Damen für grossen Anklang sorgen. Gerade Pelgars Frauen hatten eine gewisse Affinität und Vorliebe für die starken Frauenpersönlichkeiten, schliesslich entstammten die Gründerinnen von Xytras aus jener Stadt. Aber Vesta war nun definitiv nicht der Typ Frau, welche sich tagelang an einen Tisch hocken konnte um Texte zu verfassen, sie hatte anders zu tun. Als Stadthalterin sowieso!

Alma holte ihn jäh aus seinen Gedanken. "Der Krieg wird irgendwann vorbei sein" „Hah… hoffentlich erleben wir das auch.“ Brummte er. Bei allem was er gehört hatte, war eine Invasion auf die freien Städte Celcias im Gange, deren Grösse man kaum in Worte fassen konnte. Sarma stellte also nur eine kleine Widerstandsbastion in einem Meer von Feinden dar. "Wenn es soweit ist, sollten wir Kontakt zum Festland aufnehmen. Ich schlage da Zyranus oder noch besser das Königreich Jorsan vor." Er schaute Alma an. „Alma… es herrscht Krieg… eine Invasion! Solche Invasionen können Jahrzehnte dauern! So viel Zeit haben wir nicht! Vesta braucht so schnell wie möglich Hilfe! Es muss doch einen Weg geben…“ Seiner Meinung nach sah Alma die ganze Situation einwenig zu optimistisch. Die Wahrscheinlichkeit dass sie überhaupt noch lebend einen Fuss von Sarma wegsetzen konnten war schon relativ gering. Ausserdem war gerade Jorsan eine Stadt die ohnehin schon einen politischen Schmelztegel darstellte – die langjährige Rivalität zu dem Nachbarsreich Grandessa war allgemein bekannt.

"In Jorsan laufen viele Heiler herum, die sich der Lichtmagie bedienen. Die könnten vielleicht noch etwas ausrichten. Aber das ist KEINE Garantie, dass es wirklich funktioniert." Abermals seufzte Darak und winkte verärgert ab. „Wenn wir nicht jetzt einen Befreiungstrupp dorthin losschicken, welche uns ein paar dieser Lichtmenschen bringt dann können wir gar nicht mehr voraussagen was oder wer dort einst Rumlaufen wird. Alma! Was wenn Jorsan fällt, ja vielleicht schon gefallen ist? Dann rollen vermutlich die Köpfe der Heiler… und nichts war mit der ersehnten Hilfe!“ Er knurrte , sein Knie schmerzte, was seine Laune auch nicht unbedingt verbesserte. „Ich schätze deinen optimismus Alma, aber ich fürchte im Moment ist dieser einwenig zu stark ausgeprägt… es kommen sehr schwere Zeiten auf uns zu.“ Offenbar mochte Alma die Lichtmagie nicht sonderlich oder sie war einwenig neidisch auf die Effizienz dieser Heilmethoden. "Ich kenne mich mit all dem Lichtkram nicht aus. Weiß nicht, wozu diese Zauberheiler tatsächlich fähig sind. ICH hab immer einfach amputiert, mit Nadel und Faden gearbeitet oder Kräuter verabreicht. Und ich hab es zu was gebracht, meinst du nicht auch?" Darak schaute sie lange an. „Alma! Du machst nicht gerade überzeugende Werbung für dich selbst! Aber ja, du hast es zu was gebracht und ich bin froh dich an meiner Seite zu wissen.“ Wer hätte dies gedacht? Scheisse vor 10 Jahren hätte ich mich wohl niemals auf eine Freundscahft mit einer Heilerin wie ihr eingelassen, dafür hat sie definitiv ein zu… bescheidenes… erotisches Spannungsfeld. Er schaute sie an. Hoffentlich stellt sie mir ihre Dienste nie in Rechnung, sonst wäre Sarmas Staatskasse leer. Er lächelte ab seinem eigenen Gedanken. Tatsächlich war Alma von unschätzbarem Wert. Sie hatte sich als sehr wichtige und hilfreiche Stütze erwiesen. Nicht nur was Daraks angewohnheit sich überall und immer wieder zu Verletzen betraf, sondern auch als Hilfe für ihn, ein neues Leben zu beginnen. Er seufzte. Ob er sie auch in Frauensachen um Rat fragen sollte? Bei Alma war dies als würde man mit den eigenen Eltern übre Sex sprechen wollten, das war irgendwie peinlich.

Er fühlte sich unruhig. Nicht nur wegen den Schmerzen. Er wusste nicht recht wie er Vesta Beistand leisten sollte. Er war nicht geübt darin an den Krankenbetten anderer zu sitzen – meistens war er selbst ja derjenige gewesen der Beistand gebraucht hatte. Dieser Rollentausch war ungewohnt für ihn und machte ihn unsicher. "Bleib heute besser bei ihr - ja, ich WEISS, dass es Probleme mit Lilith geben könnte! Aber ... sie braucht dich jetzt genauso."

Er nickte. Schluckte Leer. „Ich hoffe sie wird es verstehen.“ Sie musste es verstehen! Lilith gehörte doch zu einem Volk welches viel Wert auf Liebe, Freundschaft und Beistand legte! Ausserdem brauchten sie beide Zeit… und Darak würde nur bei Vesta sein, er würde sie ja nicht vernaschen. Vermutlich könnte er nicht mal wenn er und sie es wollten… er wusste nicht wie schlimm der Fürst sie bei der Vergewaltigung zugerrichtet hat… aber er konnte sich vorstellen dass sie… noch lange nicht heil war. Vielleicht mochte man glauben eine Hure könnte sowas besser wegstecken, besonders eine die sich so einiges gewohnt war wie Vesta… aber Darak war sich da nicht so sicher. Nicht wegen der Gewalt, sondern wegen der Demütigung welche sie durch den Dunkelelfen erfahren hatte.

Die Sänfte wurde durch die Tür getragen und Darak erhaschte einen ersten Blick auf die ziemlich blasse Vesta. Es versetzte seinem Herz abermals ein Stich sie so zu sehen. Wie würde er in die Schlacht ziehen können, wenn er sein Herz voll hatte mit Kummer um Lilith und Vesta? Er war im Moment so sehr damit beschäftigt sich um seine zwei liebsten zu sorgen, dass er gar nicht an den bevorstehenden Kampf dachte. Schliesslich war das Risiko für ihn draussen im Felde nicht unerheblich. Einmal vom Pferd gestossen würde er ein leichtes Ziel darstellen, denn er hatte keine Beine die ihn trugen. Sondern nur diese Schmerzdurchseuchten Anhängsel.

"Ahhr...Alma." Darak liess Muhammad herankommen und sich von ihm neben Vesta ins Bett hieven. Er robbte zu ihr herüber so dass er sie in den Arm nehmen können würde, wenn er wollte. Im Moment jedoch lag er einfach nur neben ihr, von seinem eigenen Schmerz gezeichnet. Jede Bewegung tat einfach weh.

Er lächelte matt als sein treues Huhn auf seinen Schoss geflattert kam. Er streichelte Catties grünes Federkleid und schnäbelte mit ihr. „Hallo meine Kleine… geht es dir gut?“ Hauchte er dem Tierchen zu.

"Das Huhn ist uns so viel nützlicher als zuvor. Sobald ich Stadtherrin bin, erlasse ich ein Gesetz, das das Töten von Hühnern in Sarma verbietet. Sollen sie Tauben, Schlangen und Eidechsen braten!" Darak lächelte und ergriff ihre Hand. Drückte sie. „Im Moment, findet Lilith ohnehin mehr trost in Constanzes Armen.“ Seufzte er. „Ausserdem will ich dir Beistand leisten… wir haben mehr durchgemacht miteinander als alle anderen die ich kenne.“ Er schaute zu ihr. „Ich bin da.“ Hauchte er schliesslich, verzog jedoch sein Gesicht. Ja, die Medizin konnte auch er gut gebrauchen. Vesta und Darak verband ein Schicksal welches nicht einfach zu verstehen war, dennoch war zwischen ihnen eine Bande geknüpft die sehr stark war. Darak versuchte seinen Schmerz zu überspielen, doch Vesta kannte ihren Pappenheimer sehr gut - besonders im Bezug aus Schmerz, hatten sie doch jene Empfindung nicht selten in ihrem Liebesspiel mit eingebunden.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 13. Oktober 2011, 09:46

Vesta Tenma Negra hatte so einige Dinge erlebt, bis sie die Frau werden konnte, die sie heute war. Natürlich zählten hierzu auch Unglücke, traurige Ereignisse und nicht zuletzt Schmerz. Aber sie hatte sich über all das erhoben, war stets stark gewesen. Ungebrochen, wie eine felsige Klippe, mit direktem Blick auf das Hoffnung und Seelenfrieden spendende Meer. Doch kürzlich hatte die Tag für Tag gegen den Fels prallende Gischt der salzigen Meereswellen den Stein geschliffen. Sie hatte Teile davon abgetragen, unauffällig und in einer Regelmäßigkeit, dass man es für ganz natürlich hielt. Jetzt war dieser gigantische Fels, diese gewaltige und uneinnehmbare Klippe am Fuß ausgehöhlt. Die steinigen Beine, auf dem die Klippe majestätisch stand und ihren Hals zum Himmel reckte, waren ausgehöhlt und brüchig. Sie würden nachgeben, bis der gesamte Fels einstürzte.
Die Metapher war Vestas derzeitigem Zustand so nahe, dass es unheimlich sein konnte. Auch ihre Beine waren brüchig, konnten den Fels ihrer Gestalt nicht mehr tragen. Sie lernte einen neuen Schmerz kennen, der Darak Luthrokar bereits vertraut war. Ein Schmerz, geboren aus der Erkenntnis, dass man hilflos war. Ohne Unterstützung konnte man sich ja nicht einmal mehr von einem zum anderen Ort fortbewegen! Hinzu kam der physische Schmerz. Er tauchte immer zu den unpassendsten Gelegenheiten auf. Dann pulsierte und pochte es im Knie, man konnte nicht anders als sich ständig darauf zu konzentrieren. Man wurde unaufmerksam. Im Krieg, an dem Darak aktiv teilnehmen sollte, könnte ein solcher Moment mehr als tötlich sein. Vor allem musste man sich bewusst werden, dass diese Art von Schmerz für immer war. Wie ein schleichendes Gift kroch sie heran und wie eine nicht enden wollende Krankheit steckte sie in den Knochen. Sie ließ sich nicht vertreiben. Es gab Menschen, die aufgrund der nicht enden wollenden Schmerzen wahnsinnig geworden waren. Oder sie hatten ihnen bewusst ein Ende gesetzt - mit einem Strick, einem Sprung von einem Hausdach oder Gift.
Vesta würde sehr stark sein müssen, auf eine Weise, die ihr bislang mehr als fremd gewesen war. Ein neuer Lebensabschnitt, bei dem sie Daraks Unterstützung brauchte wie niemals zuvor. Schließlich hatte sie nebenher wohl auch noch eine ganze Stadt zu regieren, sie in den Krieg zu führen. Auf ihren schmalen Schultern lasteten schwere Gewichte, wenn man in ihre Zukunft blickte.

Und da lag sie, so blass, in diesem Bett, das sie noch winziger und schmächtiger erscheinen ließ. Es war so groß und sie lag so verloren darin. Es mochte einem das Herz zerreißen, gerade wenn man wusste, welches Selbstbertrauen und welche Dominanz diese Frau üblicherweise an den Tag legte. Darak ließ sich rasch zu ihr ins Bett tragen. Muhammad zog sich daraufhin zurück. Er erinnerte die beiden Herrschaften noch schnell daran, dass auf dem Hocker neben dem Bett ein Glöckchen bereit stand. Sie brauchten es nur zu läuten und der Sklave würde in Windeseile bei ihnen sein, um ihre Wünsche entgegen zu nehmen.
Darak und Vesta hatten im Augenblick allerdings ganz andere Sorgen. Wenigstens gab es da noch Cattie. Sie mochte nun grün sein und irgendwie ... pflanzlich ... wirken, aber sie war nach wie vor Daraks geliebtes Huhn. Liebevoll schnäbelte sie mit ihrem Fütterer, gackerte leise und plusterte dann ihr grünes Gefieder auf, um es sich auf seinem Schoß richtig bequem zu machen. Selbst wenn sie gekonnt und Lust dazu hätten, bliebe es Darak und Vesta nun verwehrt einander zu vernaschen. Es sei denn, der Befreier Sarmas brachte es über das Herz, sein Huhn unsanft vom erwählten Schlafplatz zu vertreiben. Cattie ging es dort mehr als gut, sie fühlte sich bei Darak eben wohl. Aber auch Vestas Gesicht bekam mehr Farbe, als er sich ihr widmete. Sie schenkte ihm sogar ein Lächeln. Ihre Hand griff nach seiner und hielt sie überraschend fest. Ja, er war da. Das wusste sie und ihr Schweigen war Vestas Art, sich dafür zu bedanken. Sie schöpfte Kraft aus Daraks Anwesenheit, sie drückte und hielt seine Hand, schaute vor sich auf einen unsichtbaren Punkt im Raum. Das war es, was sie brauchte. So konnte sie ihre Gedanken ordnen und versuchen, den Schmerz zu verdrängen.
Sie musste nicht einmal zu Darak herüber schielen, um seine Reaktion richtig zu deuten. "Alma, er braucht ebenfalls ein Medikament."
"Jaja, bin DABEI!", rief die Heilerin zurück und legte letzte Handgriffe an ihrer Kräutermischung an. So lange musste sich Darak eben noch gedulden. Vestas Daumen strich über die raue Oberfläche seiner Haut. "Da'rion ist tot", setzte sie ein Gespräch an. "Fortan wirst du, was ihn betrifft, etwas besser schlafen können." Nun wandte sie doch den Kopf. "Ich möchte mit dir schlafen." Vesta interessierten Daraks Beziehungsprobleme wenig. Sie hatte zwar erkannt, wie sehr er die Elfe Lilith liebte, aber für ein Stelldichein mit seiner Lustherrin blieb er doch immer noch zu haben! Sie rückte näher an ihn heran, verzog ebenfalls das Gesicht. Almas Medizin schien zu wirken, wenn man ruhig blieb und sich nicht zu viel bewegte. Vesta schluckte verbissen den Schmerz herunter. Sie konnte stur sein und wenn sie jetzt ihrer Lust frönen wollte, hatte nichts in der Welt sie daran zu hindern!
Ihre Zunge berührte Daraks Hals. Sie leckte die Haut, hauchte ihm einen alles und nichts versprechenden Kuss auf. "Du bleibst über Nacht bei mir." Wie stellte sie sich das nur vor? Nicht das Bei-ihr-Bleiben, sondern Sex? Wie konnten zwei derart zerstörte Körper einander gut tun, ohne sich in Schmerzen und Pein zu winden?
"Bist du bald soweit, Alma?"
"Ja-JAAA! Komm ja schon!" Die dicke Heilerin wandte sich um. Sie runzelte kurz die Stirn, als sie Vesta so dicht an Darak gelehnt entdeckte. Mit der Medizin in den Händen kam sie zum Bett. "Ihr solltet es sein lassen, nicht nur, um eure Körper zu schonen", meinte sie in einem brummigen Tonfall, der dem einer fürsorglichen Orkmutter gleich kam. "Darak, Lilith wird nicht alles akzeptieren."
"Ohhhhh bitte!", schnarrte Vesta zurück. "Als würden wir in unserem Zustand ..." Schweigen erfüllte den Raum. Blicke wurden ausgetauscht. Dann riss Vesta die Arme hoch, ehe sie sie vor der Brust verschränkte. Ein knurriges Schnauben folgte, doch ihre Frage kam wie ein leiser Windhauch: "Werde ich meinen Beruf je wieder ausüben können, Alma?" Diese Frage brannte auf ihrer Hurenseele. Nicht, dass sie diese Tätigkeit immer geliebt hatte. Schließlich gab es in jedem Gewerbe schwierige oder unausstehliche Kunden. Aber seit sich Vesta mit dem Bordell das Privileg aufgebaut hatte, sich ihre persönlichen Kunden auszusuchen, war ihre Arbeit etwas geworden, an dem sie mit Freuden hing. Es würde ihr fehlen, vor allem, wenn sie stattdessen fortan Dokumente zu unterzeichnen und Gesetze zu erlassen hatte.
"Lichtmagische Heiler sind vermutlich eure einzige Chance, jemals wieder von dem Leiden loszukommen. Ich mach euch beiden da nichts vor", sagte Alma. "Aber es ist im Moment zu gefährlich, nahezu unmöglich, sie hierher zu holen. Und ... Sex sollte auch ohne sie funktionieren. Der Schmerz wird nicht dauerhaft und durchgängig sein. Ihr werdet auch ruhige Momente im Leben haben." Sie reichte Darak die Kräutermischung. "Herunterschlucken und mit Wasser nachspülen." Zum Glück stand eine Karaffe neben dem Glöckchen auf dem Hocker. "Ich lass euch dann eine Weile allein - beherrscht euch! Ich will euch nicht den Spaß vermiesen, sondern eure Gesundheit schützen." Sie verließ den Raum.
Vesta seufzte. "Sex lässt sie nicht zu, aber dich will man mit den Beinen in den Krieg schicken? Lächerlich, ha!"
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Dienstag 18. Oktober 2011, 12:29

"Alma, er braucht ebenfalls ein Medikament." Er lächelte matt. „Vor dir kann ich auch gar nichts verbergen was? „ Keuchte er und drückte ihre Hand. „Scheisse… wir liegen wie ein altes Ehepaar hier in diesem riesigen Bett Vesta…“ Eigentlich ein Tragisches Bild. Ansonsten waren die Treffen zwischen Vesta und Darak immer von einer Intensität als würden zwei Vulkane aufeinandertreffen. Heiss und explosiv. Nun jedoch waren sie eher ein Sumpftümpel. Träge, stinkend und vor sich hin gärend. Er legte seinen Kopf zurück. Tatsächlich würde er sehr froh darum sein wenn er das Medikament endlich kriegen würde. Sein Knie pochte im Moment als würde ein kleiner Dämon ihm ständig auf die Kniekehle hämmern. Er blickte zu Vesta hin als diese das Wort erhob.

"Da'rion ist tot“ Sein Blick verfinsterte sich. Allein schon die Nennung des Namens dieses Bastards machte ihn wütend. „Ja.“ Brummte er finster.

“ "Fortan wirst du, was ihn betrifft, etwas besser schlafen können." Er schaute sie lange an. „Da bin ich mir noch nicht sicher. Ich habe ihn getötet Vesta… ich…hoffe mir passiert nicht das gleiche wie mit… Samantha…“ Vesta gehörte zu den wenigen Menschen die von Sam gewusst hatten. Sie war nun weg, Lysanthor hatte sie zu sich genommen. Valrock wurde in die Tiefen des Faldors gestürzt. Im Moment war er also „Seelenfrei“ er hoffte inständig dies würde so bleiben. Er seufzte. Im Moment lag gerade einiges im Argen. Er hatte wieder gemordet, das konnte man durchaus als Rückfall betrachten, durch diesen Mord hatte es Ärger mit Lilith gegeben. Die Folter hatte er ebenfalls noch nicht verdaut und die Schmerzen waren auch noch da. "Ich möchte mit dir schlafen." Kein Wunder wurde er gerade aus einem anderen Film gerissen. „W..was?!“ Er starrte sie überrascht an. Darak war schon immer heiss auf Vesta gewesen schon seit er sie kannte. Sie war seine sexuelle Muse. Seine Erfüllung. Sie bot ihm das was kaum eine Frau ihm bieten konnte. Wahre, tiefe und unbestechliche Dominanz. Ja er hatte den besseren, aufregenderen Sex mit ihr erlebt als mit jeder anderen Frau. Auch als mit Lilith. So hart es klingen mochte aber in diesem Punkt war Vesta wohl unschlagbar und er hatte sich ihr gegenüber immer unersättlich gezeigt… kein Wunder also war ihr Angebot eine fürchterliche Versuchung. Er würde schliesslich bald in den Krieg ziehen, vielleicht würde dies der letzte Akt in seinem Leben sein… sowas sollte Man(n) doch niemals ausschlagen. Aber da war auch Lilith. Er konnte ihr doch nicht nochmals einen Faustschlag ins Gesicht verpassen indem er ihr auch noch fremdging. Vesta rückte näher. Er konnte doch auch nicht einfach seiner Herrin einen Befehl abschlagen! Sie leckte ihm über den Hals. Er keuchte auf. Legte willig seinen Kopf zurück. „Vestarhr…“ Keuchte er. Wie sollte er denn bei einer Frau wie ihr widerstehen!

"Du bleibst über Nacht bei mir." „Jarhr… Herrin…“ Hauchte er ihr leise ins Ohr und drückte ihr Hand fester. Sie war seine Herrin, war sie immer gewesen. Vesta hatte immer darauf vertrauen können, dass Darak nach seinen Streifzügen irgendwann wieder zu ihr zurückgekrochen kommen würde. Und wie Vesta küssen konnte! Küsse die so viel versprachen, so viel forderten und so schmerzhaft sein konnten wenn sie es wollte. Wundervoll. "Bist du bald soweit, Alma?" Er schloss seine Augen. Schnurrte ihr entgegen. Immerhin lenkte sie ihn gerade etwas von seinem Schmerz ab. Nicht mal dass sich Alma ihm näherte bemerkte er noch.

"Ihr solltet es sein lassen, nicht nur, um eure Körper zu schonen" Er schaute zu ihr. Seufzte. Nickte schliesslich.
"Darak, Lilith wird nicht alles akzeptieren." Er seufzte. Senkte seinen Blick und nickte. „Ja.“ Hauchte er schliesslich. Er musste doch auch akzeptieren dass sich Lilith in die Arme von Constanze flüchtete. Er würde seine Freundin nicht mal an einen anderen Kerl verlieren sondern an eine Frau! Er musste damit leben dass sie sich immer mit den Amazonen würde verbunden fühlen. Er seufzte. Er würde mit ihr darüber reden müssen. Es war auch nicht gut dass er plötzlich einfach fremdgehen würde oder sie fallen lassen würde nur weil sie ihm in körperlicher Hinsicht nicht geben konnte was er brauchte. Dann wäre es ehrlicher diesen Umstand offen zu legen. Wenn es sein musste würde er sogar einige Ausflüge ihrerseits… in die Damenwelt tolerieren. Liebe und Sex gehörten für ihn schon zusammen, aber es gab eben auch noch diesen anderen Sex. Diese andere Art der Vereinigung der mehr mit trieben zu tun hatten und weniger mit liebe.

Vesta ereiferte sich derweil. "Ohhhhh bitte!" Er behielt indessen seinen Blick gesenkt.
"Als würden wir in unserem Zustand ..." Er seufzte betreten. Das war nahezu ausgeschlossen. Er würde nicht über sie rutschen können, sie nicht über ihn, nicht mal Löffeln könnten sie, selbst das würde ihre Knie zu sehr belasten. Streicheln vielleicht, aber auch das nicht zu wild, denn sobald sich ihre Schenkel anspannen würden hätten sie wohl mit Schmerzen zu rechnen. Er schnaubte frustriert. Verstummte dann aber als Vesta die Frage ob sie jemals wieder in ihrem Beruf würde arbeiten können an Alma richtete. Er sah zu der Heilerin hoch. Die Antwort viel ernüchternd aus, ebenso die Prognose.
"Aber es ist im Moment zu gefährlich, nahezu unmöglich, sie hierher zu holen. Und ... Sex sollte auch ohne sie funktionieren. Der Schmerz wird nicht dauerhaft und durchgängig sein. Ihr werdet auch ruhige Momente im Leben haben." Er seufzte. Was für ein Mann würde er so Lilith sein können? Ein Krüppel den sie pflegen muss, der nicht in der Lage sein würde um sie zu versorgen! Vielleicht war er einfach nicht für dauerhafte Beziehungen geschaffen… dafür lebte er ohnehin viel zu gefährlich. Er seufzte. „Ruhige Momente im Leben.“ Brummte er. Ihm gefielen doch gerade die Aufregenden Zeiten. Er musste frei sein. Laufen können, herumreisen können wo es ihn gerade hinverschlug. Er wollte feiern, sich prügeln, über die Reling kotzen… Frauen Erobern, Drachen töten, er wollte leben! Er wollte nicht den Rest seiner Tage an einen dämlichen Stuhl gefesselt verbringen!

Er bekam die Kräutermischung die er dankbar annahm und runterschluckte. Er verzog sein Gesicht. Gut schmeckte das Zeug nicht, reichlich bitter eher. Aber wenn es half… Zum Dank schnäbelte er mit seinem Huhn.
"Ich lass euch dann eine Weile allein - beherrscht euch! Ich will euch nicht den Spaß vermiesen, sondern eure Gesundheit schützen." Er nickte nur. Aber Alma kannte ihn wohl zu gut. Der Heilerin wäre es sogar noch zuzutrauen dass sie eine weitere Zutat beigemengt hat der Mischung um den guten Casanova etwas müder zu machen als nötig… oder zumindest einen Teil von sich.

Da lagen sie nun. Alleine in diesem zu gross geratenen Bett. Oh wenn sie guter Dinge gewesen wären so hätten sie dieses Bett in eine wilde Spielwiese verwandelt. So hingegen… war es eben nur ein grosses Bett.
"Sex lässt sie nicht zu, aber dich will man mit den Beinen in den Krieg schicken? Lächerlich, ha!" Er schaute zu ihr. Ächzend drehte er sich auf die Seite. Legte einen Arm um ihren Bauch. Er schwitzte. Musste mehr schmerzen haben als er sich eingestehen wollte. „Es…muss sein… für Sarma… ich wäre eine wandelnde Provokation für die Dunklen Horden. Ein Zeichen dass wir uns nicht von ihnen beugen lassen… Ich reite nur ein wenig hin und her…. Das ist nichts im Gegensatz zu deinem Amt Vesta. „

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Freitag 21. Oktober 2011, 08:09

"Vor dir kann ich auch gar nichts verbergen, was?" Vesta schnaubte. "Abgesehen davon, dass ich dich lange genug kenne, um die Zeichen zu sehen, Darak, habe ich gottverdammte Schmerzen trotz des Medikaments. Ich will gar nicht wissen, wie es dir ergeht." Damit hatte sie wohl Recht, aber dass auch sie noch immer unter den Schmerzen litt, obwohl Alma sie versorgt hatte, war kein gutes Omen - für beide nicht. Konnte denn nichts helfen? Oder übertrieb Vesta nur, weil sie doch manches Mal durchaus etwas divenhaft daher kam. Vielleicht war schon der kleinste Fetzen Pein derzeit Grund zur Sorge für sie. Sie hatte schließlich auch einiges durchgemacht. Und nun lag sie, wie Darak es gerade so schön ausführte, wie die Partnerin eines alten Mannes mit selbigem in einem viel zu großen Bett. Bedauerlich war, dass sie beide im Augenblick physisch nicht in der Lage waren, die Situation auszunutzen.
"Wir werden alt", kommentierte sie monoton. Ihre Hand legte sich um Daraks Finger und sie hielt sie fest, als sei es der letzte Strohhalm, nach dem sie noch greifen konnte. "Trotz allem wirst du friedlich schlafen. Dieser Dunkelelf hatte den Tod verdient, das Mädchen damals vermutlich nicht. Oder hörst du auch Stimmen von Opfern, die deiner Meinung nach nicht ganz so unschuldig waren?" Vestas Worte gaben Darak wohl Anlass genug, einmal darüber nachzudenken und tief in sich hinein zu horchen. Er hatte genug Leben auf dem Gewissen, um eine persönliche Statistik aufzustellen. Samantha hatte er gehört und mit ihr auch viele andere Stimmen seiner Opfer. Nathaniel, der damals Elena mit Geistermagie manipuliert hatte, war nicht einmal laut geworden und auch Valrock hatte geschwiegen. Da'rion würde sich demnach vielleicht wirklich nicht melden. Andererseits konnte er sich nun auch darüber bewusst werden, wie viele Unschuldige er umgebracht hatte. Zu viele. Samantha allein hatte diesen Grenzbereich schon überschritten. Sie konnte jetzt endlich in Frieden ruhen.
Alma riet den beiden Liegenden, die schon wieder aufeinander Lust zu verspüren begannen, auch zu schlafen. Sie brauchten ein ordentliches Maß an Erholung und in ihren Zuständen wäre jegliche Spielerei nur eine Qual. Danach verließ sie den Raum, schüttelte draußen im Gang aber den Kopf. Sie kannte Darak nun ebenfalls lange genug, um zu wissen, dass er früher oder später seinen Trieben erliegen würde. Jedenfalls vermutete sie das. Also zog sie sich in die eigenen Gemächer zurück, um ein stärkeres Schmerzmittel zu mischen. Wahrscheinlich würde man es brauchen.

Vesta und Darak blieben jedoch überraschenderweise sehr artig. Nicht, dass sie nicht liebend gern übereinander herfallen würden, aber sie blieben doch vernünftig genug, sich die Konsequenzen ausmalen zu können. Also mussten sie vorerst auf ein gemeinsames Stelldichein verzichten. Das stieß besonders Darak bitter auf. Man merkte ihm an, dass er mit der Situation nicht zurecht kam. Und man konnte sich darüber wundern. Er war es doch gewohnt. Er hatte viel Zeit seines Lebens damit verbracht, nicht richtig laufen oder rennen zu können. Er wusste, wie es war, ganz im Gegensatz zu Vesta, für die hier eine neue Lebenssituation begonnen hatte. Aber vielleicht traf es ihn gerade deshalb so tief. Er wusste nun auch, worauf er wieder würde verzichten müssen. Das bevorstehende Leben war kein leichtes. Für sie beide nicht. Darak hatte in den Krieg zu ziehen, als moralisches Vorbild und Vesta musste eine ganze Stadt verwalten.
"Ich bin demnach nun offiziell im Amt?", fragte sie nach. Offiziell war es noch nicht, aber die Chancen standen gut. Wahrscheinlich würde sie es erfahren, sobald sie ein paar Stunden geruht hatte. Die Wüstendiebe und Adligen der Stadt beratschlagten sich immer noch, allerdings stand das Ergebnis bereits so gut wie fest. Es wurden letzte, langweilige Kleinigkeiten ausgehandelt, bei denen der Befreier nicht mehr teilnehmen musste. Zu Daraks Glück, jetzt konnte er sich wenigstens für eine Weile ausruhen.

Das Schmerzmittel begann tatsächlich zu wirken. Das Pochen ließ nach, bis es auf einen erträglichen Pegel gesunken war. Vesta behielt Recht, die Pein schwand nicht vollends. Sie war noch immer präsent, man ließ sich eventuell aber davon ablenken. Es war mit einem ständig juckenden Mückenstich zu vergleichen, auch wenn dieser eher lästig als schmerzhaft war. Die Bordell- und bald neue Stadtherrin schmiegte sich, so gut es ging, an Daraks heran. Sie schob ihm eine Decke zu, damit er sich einkuscheln konnte, denn jene, auf der er lag, würde er nicht verwenden können. Zu schwierig und vermutlich wieder zu schmerzhaft wäre der Versuch.
"Lass uns schlafen, Darak. Das ist das einzige, was wir jetzt machen können." Ein Seufzen folgte dem Vorschlag. Es war vermutlich das erste Mal seit ihres Kennenlernens, dass sich Darak und Vesta bei einem Wiedersehen nicht sofort miteinander vereinten. Es hatte Tradition, mit der sie nun brechen mussten. Die Hure bedauerte dies.
"Wirst du dich morgen schon auf ein Pferd binden lassen? Ich nehme nicht an, dass die Dunkelelfen schon so früh zurückschlagen. Sie müssen eine Armee für den Gegenschlag sammeln. Wir haben etwas Zeit." Gähnend schloss sie die Augen. Noch immer war das Thema aktuell und bevor die dunklen Völker nicht vertrieben waren, würde es wohl noch andauern. In Sarmas Straßen wurden Gefangene teilweise durch Selbstjustiz hingerichtet, aber nicht alle. Einige bettelten um Gnade und durften sich nun einen Platz als Sklave in der Gesellschaft erhoffen. Jedoch besäßen sie bei weitem nicht annähernd viele Privilegien wie ein sarmaer Sklave. Von alldem bekam das "alte Ehepaar in seinem Bett" nicht wirklich etwas mit. Die Müdigkeit ereilte beide alsbald - das war Almas Verdienst. Sie kannte Vesta nicht, aber Darak gut genug. Es war das Beste, ihnen auch ein wenig Schlafmittel untergemischt zu haben.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Mittwoch 26. Oktober 2011, 20:26

Darak atmete tief durch. Richtig Atmen war wichtig wenn man Schmerzen hatte, Darak wusste dies nur zu gut, begann man nämlich zu hecheln und Schnappatmung zu betreiben geriet der Körper nur noch mehr in Stress und genau jenen galt es ja eigentlich zu vermeiden. Er schaute zu Vesta hin, bemerkte dass ihr aber auch gar nichts entging. "Abgesehen davon, dass ich dich lange genug kenne, um die Zeichen zu sehen, Darak,“ Er nickte. Oh ja, sie kannten sich schon verdammt lange. Besonders kannten sie ihre gegenseitigen Schattenseiten. Darak wusste aus welcher Gosse er sie einst gezogen hatte und Vesta wusste von ihn im welcher er Jahrelang eingesperrt gewesen war. Sowas schweisste zusammen. Nicht einmal Alma oder Lilith wussten so viel über Darak Luthrokar wie Vesta.

habe ich gottverdammte Schmerzen trotz des Medikaments. Ich will gar nicht wissen, wie es dir ergeht." Er schaute zu ihr. Musterte ihre Beine die jedoch unter der Decke verborgen waren. Natürlich seine Beine waren bereits zerschmettert worden und waren schon damals nicht gut verheilt. Besonders jenes Knie welches nun wieder in Trümmern lag. Seine Prognose war nicht gerade sonderlich rosig denn körperlich befand er sich ebenfalls nicht in einem guten Zustand und die Wunde war vermutlich mit mehreren verunreinigten Rückständen in Kontakt gekommen als sie ihn zum Rad geschleift hatten. Dazu kam die Folter über welche er noch nicht gross gesprochen hatte, die noch immer in seinem Unterbewusstsein jedoch vorherrschte und ihn allmählich aushöhlte wie ein gieriger Parasit. Unbemerkt frass dieser eine tiefe Schneise in seine ohnehin schon vorbelastete Seele und die Aussicht auf den Krieg – auf seine Rolle im Schlachtfeld und die Gefahr erneut in die Hände der Dunklen zu geraten beunruhigten ihn mehr, als es sich sein Bewusstsein eingestehen wollte.

Nicht auszumalen welch Exempel die Dunklen an ihm statuieren würden sollt er tatsächlich in ihre Hände fallen, war er doch im Moment das eindrücklichste lebende Zeichen des Widerstands.

Er wusste dass die Schmerzmittel nicht alles lindern würden, er wusste dass Alma die richtig potenten Mittel zurückhielt weil sie ihnen nicht gut tun würden, sie süchtig machen könnten und dann nicht mehr wirken würden im Notfall. Er wusste es würde zu ihrem guten sein und er wusste dass Alma nicht klein bei geben würde, egal wie sehr sie jammerten und nach Linderung verlangten. Aber auch eine Alma konnte keine Wunder wirken. Auch sie konnte aus Scheisse kein Gold zaubern. Im Moment konnte sie höchstens dafür sorgen dass das Klappergerüst um Vesta und Darak nicht vollends einstürzte.
"Wir werden alt" „Ich will noch nicht alt sein.“ Brummte er trotzig. "Trotz allem wirst du friedlich schlafen. Dieser Dunkelelf hatte den Tod verdient, das Mädchen damals vermutlich nicht. Oder hörst du auch Stimmen von Opfern, die deiner Meinung nach nicht ganz so unschuldig waren?" Er seufzte. Dieses Thema mochte er nicht. Hatte es ihn doch über Jahre lang verfolgt und geplagt. Er schüttelte den Kopf. Doch dann hielt er inne. Schaute sie an. „Valrock war da…. In dieser Stillen Kammer… ich hab ihn gehört, gesehen… diese… Stimmen Vesta… ich glaube sie lauern auf mich, warten bis sie eine Gelegenheit kriegen um zu mir durchzudringen, direkt aus dem Faldor heraus!“ Natürlich, die Stille Kammer war eine Extrembedingung gewesen, dass man dort durchdrehte war verständlich, doch Darak fürchtete sich davor dass jene Symptome auch bei weit geringeren Belastungen auftreten könnten. „Seinen Geist würde ich nicht ertragen.“ Sie kamen auf ihre gegenseitige Verantwortung die sie tragen würden zu sprechen.

"Ich bin demnach nun offiziell im Amt?" Er schüttelte den Kopf. „Sie beraten noch. Aber du solltest genügend Unterstützung kriegen um ins Amt gewählt zu werden… aber du kennst Sarma Vesta… hüte dich vor den Gegnern.“ Wenn jedoch eine das Spiel beherrschte Feinde zu Freunden zu machen – dann wohl Vesta. Aber der Kulturwandel war enorm, eine Frau zu akzeptieren würde auch für die konservativen Vertreter der Bevölkerung nicht einfach werden. Ihre Amtszeit würde sicherlich nicht einfach werden aber sie könnte das Beste sein was Sarma nach dieser Katastrophe hatte passieren können.
Die beiden kuschelten sich aneinander – so viel Nähe müsste sogar Lilith tolerieren. Dankend nahm er ihre Decke an, sie war mehr als gross genug für sie beide. Sogar eine Alma hätte darunter noch locker Platz gefunden – man muss sich also die Ausmasse dieser Decke vor Augen führen! – Er drehte sich so gut es ging auf die Seite. Legte einen Arm um sie. Auch er spürte die Wirkung des Mittels. Aber er fühlte sich ebenfalls erschöpft und ausgelaugt. Es waren schwere Tage gewsen und Almas Spezialmischung tat sein übriges.

"Lass uns schlafen, Darak. Das ist das einzige, was wir jetzt machen können." Er seufzte. Schlafen ja. Darin waren sie gut, aber meistens hatten sie es miteinander gemacht. Darauf würden sie nun verzichten müssen. Er nickte. „Du hast recht.“ Hauchte er schliesslich.

"Wirst du dich morgen schon auf ein Pferd binden lassen? Ich nehme nicht an, dass die Dunkelelfen schon so früh zurückschlagen. Sie müssen eine Armee für den Gegenschlag sammeln. Wir haben etwas Zeit." Er schüttelte schläfrig den Kopf. „Nein… erst müssen wir deine Regierung festigen, im Innern für Ruhe und Ordnung sorgen ehe wir an die Front denken können.“ Er gähnte. Kuschelte sich an… und schlief tatsächlich ein. Der Schmerz würde ihn ohnehin wecken. Soviel war klar.

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Samstag 29. Oktober 2011, 01:01

Vesta schmiegte sich dichter an ihn heran. Es war fast eine neue Erfahrung für die beiden. Kuscheln ohne sich vorher bis an die Grenzen zu treiben war neu, aber nicht unbedint unangenehm. Jedenfalls nicht für die Bordellherrin. Darak besaß noch immer einen muskulösen Körperbau, nach dem man sich sehnen konnte. Wer es vernarbt mochte, kam zusätzlich auf seine Kosten und auch wenn die Folter ihn hat abnehmen lassen, gab es immer noch genug an seinem Körper zu lieben. Außerdem genoss Vesta die Wärme, die er ausstrahlte. Sie bettete ihnen Kopf auf seiner Brust, so dass sie seinen Herzschlag dumpf vernehmen konnte. Rhythmisch, hypnotisch, er lenkte von den Schmerzen ab. Sie wollte im Augenblick nicht an ihre Beine denken. Darak gab ihr genug andere Gesprächsthemen. Eines davon waren die Stimmen, die ihn schon geplagt hatten, als sich beide damals kennen gelernt hatten.
Valrock konnte er also hören. Hatte dieser inkompetente Foltermeister demnach den Tod nicht wirklich verdient? Wenn es nach Vestas vermuteter Theorie ging, würde das zutreffen. Aber abgesehen von Ach'ray Da'rion fiel ihr kein anderer ein, der es mehr verdient hätte. Das kleine andunische Mädchen von damals wahrscheinlich nicht. Deshalb hörte Darak ihre Stimme. Dass aber Valrock selbst nach dem Tod seine Klappe aufriss behagte nicht einmal der Hurenherrin. "Vielleicht ist er auch nur aufgetaucht, weil du in der Stillen Kammer warst. Das bezweckt ja diese Foltermethode, oder nicht? Die schlimmsten Erinnerungen in einem zu wecken, bis der eigene Verstand sich selbst richtet." Ein Schaudern ging durch ihren Körper, der sie erst zusammenzucken und dann leicht ächzen ließ. Sie hatte eines ihrer Beine bewegt.
"Seinen Geist würde ich nicht ertragen." Vesta gab ihm einen tadelnden Klaps auf die Brust. "Seit Jahren ertrage ich dein Gejammer und halte es auch aus." Ein Seufzen folgte. Darak wusste, dass sie es nicht so meinte, wie es sich anhörte. Es war nicht Vestas Art, betüttelnd Händchen zu halten und Köpfe zu tätscheln, wenn es jemandem schlecht ging. Normalerweise tröstete sie geplagte Seelen mit Sex und bisher hatte das immer bestens funktioniert. Jetzt konnte sie ihre altbekannten Methoden nicht anwenden, wollte Darak aber auch nicht vollkommen allein mit seinen Sorgen lassen. Es fiel ihr nur schwer, passend Trost zu spenden. "Du weißt, dass ich zuhören werde. Sprich dich aus, wenn du musst." Sie drückte seine Hand und fügte nuschelnd hinzu: "Ich bin ebenso für dich da, wie du für mich." So rührend hatte sie nicht einmal zu ihren besten Zeiten mit ihm gesprochen, aber sie befanden sich auch beide in einer absoluten Ausnahmesituation; in jeglicher Hinsicht. Neben ihren Bettproblemen und der Folterung gab es noch andere Dinge. Die Führung einer Stadt. Krieg.
Vesta gähnte. "Bis wir wieder wach sind, haben sie sich hoffentlich fertig beraten. Ich bin es leid, zu warten. Und meine Gegner merze ich aus, ehe sie erfahren, dass ich Sarma regiere." Zufrieden lächelnd kuschelte sie sich in Daraks Armbeuge. Er war überraschend bequem, das hatte sie im Grunde nie so bewusst wahrgenommen. Vielleicht, weil sie sich dafür keine Zeit nahm, wenn sie aufeinander trafen. Zu stürmisch war stets ihr Wiedersehen - oder zu hitzig. Es begann oft mit Streit und endete dann mit Versöhnungssex.

Der Schlaf holte beide ein. Traumlos war er, ein Glück für Darak. Aber wie er es voraus geahnt hatte, war es der Schmerz, der ihn weckte. Interessanterweise nicht sein Schmerz, auch wenn dieser in seinem Knie heftiger pulsierte als am Abend zuvor. "AAAAAAHHHHRRRR ALMA, ICH HALT'S NICHT MEHR AUS!" Etwas flog durch die Luft und klatschte Darak direkt aufs Gesicht. Es war feucht und roch sehr streng.
"Hör auf zu zappeln! HIER! NIMM!" Das war eindeutig Almas Stimme. Überraschend, dass sie so viel ruhiger war als Vesta, die zuvor gebrüllt hatte. Es folgte ein Ächzen der dicken Heilerin. Sie erhob sich, dann durchschritt sie das Zimmer. Der Marmor musste einiges aushalten, denn ihre Schritte waren ausladender als sonst. Sie eilte sich, das Bett zu erreichen, in dem Darak immer noch schlief.
"Wie lange brauchen diese Medikamente?"
"So lange wie gestern schon. Ich bin keine Göttin, es DAUERT eben!" Alma zog die Feuchtigkeit aus Daraks Gesicht. Es handelte sich um einen Lappen und er roch nicht muffig, auf seine eigene Weise aber sehr penetrant. Er stank nach Krankheit.
"Wie lange wirst du noch brauchen, Alma? Es schmerzt höllisch, wenn du da dran gehst."
"Ich muss den Eiter regelmäßig entfernen, es geht nicht anders. Sei stark!"
Vesta hockte auf einem Stuhl, die Armlehnen fest umklammernd, so dass ihre Fingerknöchel weiß hervor traten. Überhaupt bereitete ihre gesamte Haltung Magenschmerzen. Sie saß verkrampft und halb versteift, die Zähne aufeinander gebissen, dass es knirschte. Ihr Haar hing zerzaust und lose über ihre Schultern, tiefe Ringe umrahmten ihre Augen. Die Wangen waren blass und trotzdem stand ihrer der Schweiß auf der Stirn. Beide beine streckte sie von sich, weil es auch einfach nicht anders ging. Alma hatte ihr ebenso Schienen angelegt wie Darak. Von ihren Knien tropfte eine widerliche Masse - Eiter. Er war durchsetzt mit Schorf und Blut, so dass sich eine Mischung aus diversen Schwarz-, Rot-, Giftgrün-, Gelb- und Ocker-Nuancen bildete. Außerdem verbreiteten ihre zertrümmerten und schlecht heilenden Knie ohne Verbände einen bestialischen Gestank, der sich mehr und mehr im Raum verteilte.
Neben ihren zerstörten Beinen - aus dem rechten Knie ragte eine Spitze des Knochens, die Alma noch nicht hatte entfernen respektive richten können - standen ein kleiner Schemel und ein Eimer. Alma war dabei, die Wunden zu reinigen und neu zu verbinden. Obgleich sie ihre Patientin mit viel Sorgfalt pflegte, konnte man schon von weitem erkennen, dass es nicht gut um ihre Knie stand. Darak war diese Prozedur noch aus den Tagen in den Erzminen Pelgars bekannt.
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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 30. Oktober 2011, 12:38

Darak atmete tief durch als Vesta ihren Kopf auf seine Brust bettete. Er legte seine Pranke um ihre Schultern. Strich sachte über ihren Rücken. Diese Frau bedeutete ihm sehr viel, dies würde auch Lilith akzeptieren müssen. Vesta und ihn verband eine Freundschaft die über Sex hinaus ging aber zu jener letzteres… eben auch irgendwie gehörte. Er brauchte seine regelmässigen Hiebe sonst wurde er unleidig. Vielleicht… wenn er ihr im Gegenzug erlauben würde ab und an sich mit einer Frau zu vergnügen? Mit Conny? Er seufzte. Schüttelte für sich den Kopf. Er glaubte nicht daran dass Lilith liberal genug veranlagt war um sowas zu dulden. Er drehte seinen Kopf zu ihr. Roch an ihrem Haar. „Du riechst so guut.“ Raunte er ihr entgegen. Sie war eine Frau auf die er wohl immer Lust hatte. War dies denn so schwer zu verstehen? Vesta kannte ihn besser als jede andere. Sie kannte seine Abgründe, seine tiefsten Triebe, seine Ängste, seine Stärken. Sie kannte ihn und akzeptierte ihn mit allem was er in sich trug… anders als Lilith im Moment… Aber ob er sie liebte? Liebte er Vesta? Ja, auf eine gewisse Art und Weise schon. Aber nicht so wie er Lilith liebte. Mit Vesta wollte er keine Kinder haben, wollte sie nicht Heiraten sie ehelichen. Solche Dinge passten einfach nicht zum Gespann. Mit Vesta wollte er eher ewigen Trieb und Jungend spüren. Wild sein, stürmisch und gefangen in den Ketten ihrer Künste.

So war es auch nicht verwunderlich dass sie die erste war, mit welcher er über die Folter zu sprechen begann. Vielleicht ist er auch nur aufgetaucht, weil du in der Stillen Kammer warst. Das bezweckt ja diese Foltermethode, oder nicht? Die schlimmsten Erinnerungen in einem zu wecken, bis der eigene Verstand sich selbst richtet." Er nickte. „Ja… vielleicht.“ Er seufzte. „Ich hoffe es.“ Diese Begegnung musste ihn zu tiefst erschüttert und geängstigt haben ansonsten folgte auf solche Themen doch immer irgend ein auflockernder Spruch. Diesmal nicht. Er bekam einen Klaps auf die Brust. Oh er liebte es wenn sie ihn mit ihren Händen peitschte. Ihre Macht demonstrierte indem sie dort zupackte wo Dreibeinchen empfindlich waren. Vesta war eine Vollblutsdomina. Sie hatte keine Angst einem Sklaven weh zu tun denn sie wusste genau was sie tat, war ihre Männchen wollten. Was sie brauchten. So hatte Darak nicht selten unter ihrer strengen Führhand büssen dürfen um sein schlechtes Gewissen zu erleichtern. Vesta war diesbezüglich genau so effizient wie ein Priester oder Seelenkundiger, nur erotischer und mit dem Sex als krönendes extra. Doch er nahm auch war wie sie schmerzlich zusammenzuckte als sie ihre Beine bewegte. Sofort nahm er sie etwas fester in den Arm. Drückte sie etwas fester an sich um sie vom Schmerz abzulenken.
“ Seit Jahren ertrage ich dein Gejammer und halte es auch aus." Er lächelte. „Ja… tut mir leid… Herrin“ Raunte er ihr entgegen. Nun musste er aber aufpassen dass er nicht doch noch Lust auf sie bekam und eine Dummheit beging die sie beide bereuen würden. Zum Glück kannte Alma ihren Pappenheimer sehr gut und wusste dass er sich hier wohl kaum zurückhalten können würde. So hatte sie mit etwas Schlafmittel nachgeholfen. Darak war nicht gerade die treuste Seele. Leider. Dafür mochte er Frauen zu sehr. Lilith musste sich dessen doch bewusst sein, so schnell wie er sich auch damals auf sie eingelassen hatte… obwohl auch er damals Elena über alles geliebt hatte. Elena…
Er seufzte. Ab und an, in Zeiten wie diesen… dachte er immer wieder an sie. Kein Wunder, war sie doch seine erste grosse Liebe gewesen. Er brachte seinen Freunden wirklich kein Glück. Der Frauenverschleiss den er nach sich zog war beachtlich. Elena hatte ihn nicht überlebt und Vesta wurde ndie Beine gebrochen weil sie zu ihm gehalten hatte und Lilith… der hatte er das Herz gebrochen mit seiner mörderischen Art.

"Du weißt, dass ich zuhören werde. Sprich dich aus, wenn du musst." Das macht aber keinen Spass wenn du mich dabei nicht peitschst…“ Versucht er die Situation etwas aufzulockern. Er küsste ihre Stirn. „Danke.“ Hauchte er ihr nun deutlich ernster zu. Ihr Angebot bedeutete ihr sehr viel. „Gleiches gilt für dich…Herrin.“ Raunte er ihr erschöpft entgegen. Vesta hatte auch immer gewusst wann ihr „Sklave“ genug gehabt hatte. Sie hatte ihn bis an die Grenzen getrieben und darüber hinaus, aber nie hatte sie den Bogen überspannt. Sie war eine sehr aufmerksame Herrin. Ja, das war sie… ist sie… und sie wäre eine gute Regentin. "Bis wir wieder wach sind, haben sie sich hoffentlich fertig beraten. Ich bin es leid, zu warten. Und meine Gegner merze ich aus, ehe sie erfahren, dass ich Sarma regiere." Er nickte. „Jarrhh“ Nuschelte er ihr entgegen legte seine Pranke auf ihre Brust…. Besann sich dann aber doch anders und strich ihr wieder über den Rücken. Sie mussten ruhen. Er selbst und Vesta… keinen Sex heute. Nein. Er seufzte. Schloss seine Augen. Er musste ohnehin erst mit Lilith ins Reine kommen. Vesta schlief in seinem Arm ein. Darak musste an die Elfe denken. Er seufzte. Er hatte sie nicht enttäuschen wollen, hatte ihr nie weh tun wollen… aber war er wirklich der richtige Umgang für sie? Würde er erfüllen können nach dem sie sich sehnte? Er schluckte leer. Hatte da seine ernsten Zweifel. Darak war ein Schürzenjäger, war er schon immer gewesen… er hatte viel Zeit seines Lebens in Vestas Bordell zugebracht… nicht unbedingt das was man einen guten Umgang nannte oder? Die Frage blieb ungeklärt denn auch ihn übermannte die Müdigkeit. Traumloser Schlaf umfing ihn. Ein paar Stunden ohne Schmerz. Ein paar Stunden der Erholung… ehe er angegriffen wurde. Er zuckte zusammen, Reflexartig machte er eine… für ihn sehr schmerzhafte… Abwehrbewegung und schleuderte den Lappen weiter auf seine Brust – was nicht sehr weit war in anbetracht der Heftigkeit seiner Bewegung. Eigentlich war dies ein völliges Eigentor gewesen. „Waaääääärkrrhauaurhrhrhrhr!“ Krächzte er erstickt auf und rollte sich schmerzerfüllt auf die Seite. „Scheisse!“ Knurrte er. Aber seine Reaktion und Not ging völlig durch das Gebrüll der Bordelldame unter. Er keuchte, atmete den Schmerz weg und blickte zu Vesta hinüber die gerade einer äusserst Schmerzhaften Prozedur unterzogen wurde. „Arhrhr..“ Ein riesiger Schatten kam auf ihn zu. Er petzte seine Augen zusammen. Bei Lysanthors Steissbein tat die ganze scheisse Weh! Er knurrte. Darak und Vesta waren im Moment beide nicht zu beneiden aber auch nicht Alma, musste sie sich doch mit zwei äusserst schwierigen und aufmüpfigen Patienten herumschlagen.

Er keuchte. Schweiss perlte von seiner Stirn. Der Schmerz seiner Bewegung war besonders einschiessend und schmerzhaft. Doch er zwang sich zur Ruhe. Vesta brauchte Alma mehr als er und so mimte er den starken…Auch wenn ihm dies nicht sonderlich gut gelang. „Ouhrr…“ Er schaute zu Alma hin. Bemühte sich ruhig zu sprechen. „S..c.hon…was..gehört…von der…Entscheidung…r.r.r.“

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Re: Im Sultansviertel - Der Herrscherpalast

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 2. November 2011, 10:36

Alma richtete das Bett, inklusive Darak Luthrokar. Das hieß, sie schob und zupfte ihn zurück in seine alte Position, so dass er erneut auf dem Rücken zu liegen kam. Anschließend klemmte sie eines der großen Kissen hinter ihn. Nun war die Aussicht leichter, aber dadurch nicht unbedingt besser. Darak konnte Vesta sehen, die den Blick von ihren Beinen abwandte und noch immer verkrampft auf ihrem Platz saß. Blut und Eiter tropften den schönen Marmorboden voll. Es war ein Bild des Schreckens. Ob Daraks Knie gleichermaßen schlimm aussah?
Alma drückte ihm eine kleine Pastille in die Hand. "Keine Sorge", brummte sie. "Dieses Mal ist kein Schlafmittel enthalten. Es wird den Schmerz auf ein erträgliches Maß reduzieren, sofern du nicht vor hast, einen Freudentanz hier aufzuführen." Er wusste, was sie meinte. Es wäre auszuhalten, wenn er sich nicht übertrieben viel bewegte. Vermutlich hatte Vesta das gleiche Medikament bekommen. Durch die Reinigung ihrer Verletzung kam es aber zwangsläufig zu Bewegung, immerhin musste Alma dort Unreinheiten entfernen und nach Möglichkeit desinfizieren. Das Umlegen eines neuen Verbandes konnte kaum weniger angenehm sein. Dies stand Darak ebenfalls noch bevor.
Die dicke Heilerin wollte schon zu ihrer Patientin zurückkehren, als Darak seine Stimme erhob. Abgehackt klang sie und selbstbeherrscht. Er versuchte stark zu sein. Das ließ Vesta auf- und zu ihm herüber blicken. Alma schüttelte den Kopf. "Noch nichts Offizielles. Sie haben sich wohl entschieden, behalten das Ergebnis aber weiterhin für sich. Wahrscheinlich, weil ich ihnen gesagt habe, dass die mutmaßliche Stadtherrin und der Befreier von Sarma noch schlafen und anschließend behandelt werden. Sie warten auf euch."
"Ich ... argh ... will nicht länger warten. Bring es zu Ende, Alma!" Die Heilerin walzte zu Vesta herüber. "Ich kann es SCHNELL oder RICHTIG machen", grunzte sie. Natürlich entschied sie sich für Letzteres, denn alles andere hätte sie in ihrer Heilerinnen-Ehre getroffen. Gerade im medizinischen Bereich galten Sorgfalt und Präzision mehr als alles andere. Es genügte ein Körnchen oder ein Splitter, der nicht entfernt worden war, um eine Wunde neu zu entzünden. Alma arbeitete pflichtbewusst, was leider eben auch mit sich zog, dass sie langsamer war als üblich. Vesta ertrug es mit unregelmäßigem Keuchen, Stöhnen und Ächzen. Ihre gesamten Hände waren inzwischen weiß, so fest krallte sie sich an den Stuhl. Der Schweiß tropfte bereits von Stirn und Kinn, auch ihr Gesicht wirkte blass. Sie kämpfte dort drüben und zuckte bei jeder unangenehmen Berührung seitens der Heilerin zusammen.

Plötzlich klopfte es an der Tür zum Schlafgemach. "Wer...", ächzte die Bordellherrin, brachte sonst aber kaum mehr als ein Fiepen heraus. Alma wischte ihr den Schweiß mit einem Tuch ab und rief Richtung Tür: "WER IST DA?" Das konnte man unmöglich überhören. Prompt folgte die Antwort. Es war Muhammad, der Diener, der Daraks Sänfte koordiniert hatte. "Ich bringe Neuigkeiten für die Herrin Negra und den Befreier Luthrokar."
Alma tauschte Blicke mit beiden. Waren sie in der Lage, jemanden zu empfangen? Vesta winkte ab, nickte allerdings. "Lass ... ihn ... schon rein." Sie bemühte sich, so ruhig und unnahbar wie möglich zu wirken. Alma legte eine Decke über ihre Beine. Vesta zog die Luft ein, riss den Stoff jedoch nicht fort. Es war besser so, wenn niemand, dem sie nicht vertraute, das Desaster ihrer Zertrümmerung sah. Dann stampfte die Tonne von einer Frau zur Tür, öffnete sie. Muhammad trat ein, verbeugte sich in Daraks, dann in Vestas Richtung.
"Hohe Herrschaften, ich habe im Namen des Bundes der Wüstendiebe und der versammelten Adelsgesellschaft Sarmas das Ergebnis der Regierungsdebatte zu verkünden." Sehr formell. Vermutlich würde ein Asurufer es bald ähnlich über den Marktplatz schreien. Wie es wohl in der Stadt aussah? Hatten sich die Bürger wieder beruhigt? Blieben sie dennnoch bewaffnet und aufmerksam? Was war mit jenen vom dunklen Volk, denen eine Flucht nicht gelungen war?
"Es ist nicht ganz so abgelaufen, wie es sich der Befreier wünschte", warnte Muhammad. "Man hat zwar entschieden, dass die Herrin Negra über die Stadt regieren und ihre Minister beratend an ihrer Seite stehen sollen, aber noch immer ist Sarma von einem Kulturbild geprägt, in dem eine Frau ... nun ... nicht viel wert ist."
Ein Schnauben von Alma. Die Heilerin war viel gereist und kannte andere Orte, an denen man Muhammad für diese Aussage entmannt hätte. Xytras, zum Beispiel. Der Diener ließ sich dadurch nicht beeindrucken. Er überbrachte nur Nachrichten und so setzte er den Bericht fort: "Beide Parteien haben beschlossen, offiziell die Minister Khan ben Issam und Nabil ab del Omar regieren zu lassen. Den Herrn Khan als Kriegsverwalter und Stadtschützer in sämtlichen militärischen Belangen und Herrn Omar in Sachen Politik und Stadtverwaltung. Das Volk wird sich eher dem Willen zweier Männer beugen, die sich den Herrschersitz teilen als einer Frau. Diebe und Adel wissen es natürlich besser. Vesta wird im Herrscherpalast wohnen können, wenn sie das möchte, um von dort aus alle Entscheidungen zu treffen. Khan ben Issam und Nabil ab del Omar tragen ihre Wünsche nur nach außen. Unter Lysanthors verbrennender Sonne und beim Rauschen von Venthas salzigen Wellen sei es beschlossen, so entschied man."
Vesta starrte den Diener an. "Ich ... fungiere aus dem Hintergrund heraus - wie eine Marionettenspielerin? Ich ziehe also nur an den Fäden."
"An jedem einzelnen, Herrin", bestätigte Muhammad demütig. "Das Ergebnis der Debatte ist dem Volk noch nicht verkündet worden. Man wollte auf Eure Reaktion warten, Herrin."
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