Sitz des dunklen Herrschers (Kellergewölbe)

Inmitten Morgerias ruht der Herrschersitz des Stadtherrn. Ein dunkler Palast ist es, mit finsteren Zinnen, Türmen und düsteren Steinfratzen, die auf die Besucher des gewaltigen Anwesens blicken.
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Sitz des dunklen Herrschers (Kellergewölbe)

Beitrag von Erzähler » Dienstag 14. April 2015, 20:13

Aurelia kommt von: Ein verborgender Ort

„...rte!“
Mottilda stemmte die winzigen Ärmchen in die Hüfte und flatterte von Aurelias Gesicht herum, so dass diese kaum etwas von ihrer Umgebung wahr nahm. Einzig, dass es etwas wärmer war, als in der Höhle wurde ihr jedoch schnell bewusst.
„Ach ihr Großen! Wir hätten doch erst mal durchgucken können, anstatt gleich hinüber zu gehen.“
Schon wieder so etwas, was die Elfe sicher gern VORHER von der Fee erfahren hätte. Erfahrung war in diesen Tagen etwas, was man wohl hinterher bekam, aber es gern vorher gehabt hätte. So war das Leben nun mal; besonders wenn man es mit einer Fee zu tun hatte.
„Ich nehme an, du hast wieder nicht an irgendwas bestimmtes gedacht, oder?“
Diesmal klang die flapsige Stimme tatsächlich auch ein wenig vorwurfsvoll, aber kaum wurde sich Mottilda bewusst, wo sie waren, war alles andere vergessen.
„Na DAS gefällt mir!“
Die Nachtfalterfee wirbelte in der Luft herum, schlug einen kleinen Salto und sauste davon. Jetzt sah auch Aurelia erst wirklich, wo sie sich befanden, bzw. welche Funktion der halbdunkle Raum hatte in dem Sie stand. Der Geruch nach Obst und Wein war allgegenwärtig, aber rührte nicht von einem Garten, wie sie vielleicht gehofft hatte, sondern von voll beladenen Regalen und Kisten voller Lebensmittel. Ihre feinen Sinne nahmen auch irgendwo gedämpfte Stimmen war. Das Licht, was diesen Raum in lange Schatten tauchte, musste von irgendwo weit vorne kommen. Die Schränke und Regale standen dicht an dich und bildeten lange Gänge die hier und da von schmalen, verwinkelten Wegen unterbrochen wurden. Und wo war Mottilda hin verschwunden? Konnte sie sie rufen, ohne die Aufmerksamkeit von einer möglichen Gefahr auf sich zu ziehen? Aurelia warf auch einen Blick hinter sich und erwartete vielleicht so was wie eine Tor zu sehen, doch da war nur eine Wand mit einem zum bersten voll beladenem Regal davor. An die hundert Weinflaschen lagerten hier, Fässer mit Weinen, Karaffen mit edlen Tropfen und allerlei anderen Spirituosen. Liköre, Ostbrände, Whisky, Rum, Drachenfeuer, Zwergenbier, einfach alles Vor- und Unvorstellbare war vertreten. Die nächsten Regale zeigten Einmachgläser mit Obst, Rumtopf, Säcke mit Rosinen und anderem getrockneten Obst. Dann kamen Kisten und Fässer mit den Frischwaren. Äpfel aus Andunie, eingelegte Fische, gepökeltes Fleisch, Säcke mit Kartoffeln. Allein die Mengen waren unglaublich und vermochten für ihr Verständnis ein ganzes Volk zu ernähren. Um so weiter sie sich nach vorne arbeitete, um so heller wurde es und um so süßer roch es. Der Geruch von schwerem süßen Wein und noch etwas anderem hing in der Luft. Vorsichtig schlich sie vorwärts, hielt nach der Fee Ausschau und spähte durch die Regale. Es wurde immer heller und sie musste aufpassen nicht gesehen zu werden und nicht versehentlich irgendetwas umzustoßen. Dann kam sie zu einem Teil des riesigen Lagerraumes, der von einer Tür aus langen Gitterstäben verschlossen war und sah gerade noch, wie Mottilda dort hindurch flog. Dort kam auch das Licht her. Wenigstens gab es hier auch gute Deckung und so konnte sie vorsichtig, verborgen durch ein Fass Äpfel und dem Rahmen der Tür um die Ecke spähen. Der Raum vor dem Lager war deutlich kleiner, hatte aber ebenfalls jede Menge Regale, Schränke und einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen. Öllampen erhellten den steinernen Wände und zwei Männer saßen an dem kleinen Tisch. Der eine saß mit dem Rücken zur Elfe und selbst sein Hinterkopf mutete seltsam verzerrt an. Die Haut, die den Schädel umspannte, war furchtbar von Narben entstellt, so sehr, dass nicht mal Ohren zu erkennen waren. Im Schein der Lampen schimmerten die tiefen Furchen ungesund grün und die wulstigen Nähte aus wildem Fleisch weißlich rot. Der Körper war von einem einfachen schwarzen Gewand umhüllt. Der Mann der diesem Wesen gegenüber saß war das ganze Gegenteil und konnte einer Frau den Atem verschlagen. Auf den ersten Blick ein Dunkelelf, gefährlich und schön wie der Nachthimmel. Seine Augen funkelten wie zwei Amethysten und das schneeweiße Haar fiel ihm lang und offen bis weit über die Schultern. Er sprach in dieser düsteren Sprache, Lerium, mystisch und voller Intrigen. Aurelia erkannte sie aus ihren Albträumen. Er blinzelte einmal kurz in ihre Richtung, aber sah dann zu seinem narbigen Gegenüber zurück, den er anscheinend von irgendetwas überzeugen wollte. Der Narbenmann wirkte von seinen Argumenten allerdings vollkommen ungerührt. Als er in dieser unverständlichen Sprache antwortete, jagte seine heisere, leise Stimme Aurelia unwillkürlich einen Schauer über den Rücken.
„... Ihr werdet wohl auf eure eigenen Mittel zurück greifen müssen, ehrenwerter Yrino Thaman.“
Die letzten zwei Worte waren durch die kurze Pause davor als Name grundsätzlich wieder zu erkennen. Ein leichtes Senken des Kopfes deutete parallel eine Verbeugung an, also musste der Narbige gesellschaftlich unter dem anderen stehen, jedoch zeigte das Gesicht des Anderen nun deutlich Kälte und er erhob sich langsam. Die Rüstung die dieser Dunkelelf trug musste eine mittelgroße Grafschaft wert sein. Unter dem weißen Haar zeichneten sich meisterliche Schmiedearbeit in Form eines Harnischs in Schwarz und Purpurnen Tönen ab. Auf der Brust war der Kopf einer Fledermaus, das Zeichen des dunklen Herrschers eingearbeitet und starrte Aurelia aus jadegrünen Augen an, während sein Herr zum Glück den Mann neben sich an funkelte. Darunter trug der Mann lange, dunkle, von Silberfäden durchwirkte Gewänder, die die Beine und Arme verdreckten. Der Harnisch sah auch nicht wie einer aus, der im Kampf getragen wurde, mehr wie ein Zeichen seiner Stellung.
„Vergesst nicht eure Stellung!“
„Wie könnte ich.“
„Indem ihr euch der falschen Seite verpflichtet. Vergesst nicht, ich bin nicht immer so freundlich.“

Der Mann mit dem weißen Haar wie Seide hob das markante Kinn und drehte sich zum Gehen um. Die Spannungsgeladene Luft knisterte schon fast und Aurelia war sicher froh, als nur noch der Narbige am Tisch saß. Der Andere, Yrino Thaman, hatte den Raum am anderen Ende eine Treppe hinauf verlassen. Da viel ihr auch Mottilda wieder ein und sie sah sich suchend um. Voller Entsetzen fand sie sie unweit des Tisches mit dem Mann, in einem halbvollen Weinkelch sitzend, an dem süßen Nektar sich genüsslich tun.
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Donnerstag 16. April 2015, 16:02

Durch die Gitterstäbe hindurch war die seltsame Männerrunde gut zu betrachten und Aurelia wusste nicht, ob sie die Hässlichkeit des Narbenmannes oder die beinahe perverse Arroganz des attraktiven Dunkelelfen mehr abschreckte. Sie konnte diese Sprache, die sich irgendwie anhörte, als würde ein Peitschenhieb schnell und unheimlich das Fleisch eines Unschuldigen durchschneiden, zwar nicht verstehen, aber sie war sich sicher, dass sie sich nicht über das Wetter unterhielten. Als sie die Männer und die aggressive Spannung, die sich in der Luft befand, spürte, wurde Aurelia sich bewusst, wie nackt sie tatsächlich war. Sie wusste nur zu gut, was Dunkelelfen mit Frauen anstellten und verkroch sich noch ein wenig mehr hinter dem Apfelfass. Ihr Herz klopfte unweigerlich, sodass die Elfe befürchtete, die spitzen Ohren des Dunklen würden die schnellen und nervösen Schläge hören. Jedoch stand dieser auf und verließ den Narbigen. Als die Kriegerin ihre kleine Begleiterin suchte und sie dann genüsslich den süßen Wein trinkend sah, bekam sie Panik. Was wenn Mottilda sie verriet? Aurelia kannte sich hier nicht aus, war durch Zauber hier irgendwie gefangen, bis sie den Ausgang fand und vor allem wusste sie nicht, ob sie hier nur einen Mann zu überwältigen hatte, wenn es hart auf hart kam. Möglicherweise versteckten sich hier noch hunderte Kerle, genauso gruselig wie die, die sie gesehen hatte. Auch wenn sie zugeben musste, dass der Dunkelelf nicht gruselig gewesen war, sondern sogar sehr schön, wenn auch seine Ausstrahlung kalt und beinahe grausam anmutete. Die Elfe sah sich um und wusste nicht, was sie nun tun sollte. Sie konnte ja schlecht Mottilda rufen, diese war bestimmt schon im Vollrausch von der Menge, die sie getrunken hatte. Außerdem war sie sich gar nicht mehr so sicher, ob sie der kleinen Nachtfalterfee wirklich vertrauen konnte. Schließlich hatte sie Aurelia an einen Ort gebracht, an dem es narbige Männer und Dunkelelfen gab. Was sollte sie also nun tun? Sie sah sich um und musste beinahe lachen. Wie ironisch war es an einem Ort gefangen zu sein, an dem es so viele leckere Dinge gab? Außerdem hatte sie wirklich furchtbaren Hunger! Ob sie sich einen der reifen Äpfel nehmen sollte?

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 16. April 2015, 21:35

Die Äpfel rochen köstlich und nachdem der „schöne Mann“ gegangen war kehrte auch wieder Ruhe in die Kellergewölbe ein. Aurelia drückte sich hinter das Fass und beobachtet den Narbigen, wie er die benutzten Kelche vom Tisch räumte. Dass er dabei eine Fee in einem der Gläser transportierte, war ihm anscheinend nicht bewusst. Anscheinend sah er sie noch nicht mal. Er bewegte sich langsam und verschwand im toten Winkel, neben der Gittertür. Aurelia hörte etwas plätschern und ein kurzes hohes Quieken und als er wieder auftauchte, waren seine ebenfalls vernarbten Hände leer. Er stand mitten im Raum und starrte die Treppe hinauf. Die Haltung seines Körpers ließ vermuten, dass er wütend war. Sie sah wieder nicht viel von seinem Gesicht, aber das was sie sah, ließ sie erahnen, dass es schrecklich aussehen musste. Da wo eigentlich eine Wange sich im abgewandten Profil sollte wölben, klaffte eine Lücke. Ein Ohr gab es auf dieser Seite des Schädels gar nicht und am Hinterkopf spannte die helle, gewiss nicht dunkelelfische Haut so stark, dass sie wie lange, harte Sehnen aussah. Er hielt seinen Kopf leicht gesenkt, doch plötzlich hörte die Elfe, wie er die Luft schnell und stoßweise einsog. Er schnüffelte und erstarrte. Furchtbar lange Sekunden lang in der Aurelias Herz gegen ihre Brust hämmerte, geschah nichts, dann hörte sie etwas, dass sie lange nicht mehr gehört hatte:
„Ihr könnt raus kommen. Ich weiß das ihr da seid. Ich kann euch riechen.“
Die Sprache ihrer Mutter, Lyrintha, klang so unwirklich in dieser Umgebung, dass Aurelia sicher einen Moment brauchte um für sich die Worte zu übersetzen. Sollte sie der Aufforderung nachkommen? Was war mit Mottilda geschehen?
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Freitag 17. April 2015, 12:04

„Ihr könnt raus kommen. Ich weiß das ihr da seid. Ich kann euch riechen.“
Die Sprache ihrer Mutter, Lyrintha, klang so unwirklich in dieser Umgebung, dass Aurelia sicher einen Moment brauchte um für sich die Worte zu übersetzen. Sollte sie der Aufforderung nachkommen? Was war mit Mottilda geschehen?
Aurelias Herz klopfte sehr laut und panisch gegen ihren Brustkorb, sie hatte das Gefühl, ihr würde schwindelig werden. Warum sprach er Lyrintha und warum konnte er sie riechen? Schließlich war sie kein stinkender Ork. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass das hier wirklich war. Eben war sie noch auf einer Insel und nun an einem Ort, an dem Dunkelelfen ein und aus gingen und an welchem irgendwelche vernarbten Geschöpfe sie riechen konnten. Sie hatte furchtbare Angst, dass erste Mal seit ihrer Zeit als Amazone hatte sie wirkliche und die Kehle zuschnürende Angst. Sie hatte immer gedacht, dass sie diese Fähigkeit schon lange verloren hatte. Skepsis und Vorsicht, vielleicht ab und zu mal ein seltsames Bauchgefühl – wie es bei dem Oblinox gewesen war – aber richtig panische Furcht hatte sie das letzte Mal gespürt in der Nacht in der sie ihre Familie verloren hatte.
Warum sind eigentlich immer Dunkelelfen in der Nähe, wenn ich ängstlich werde? Riesige Echsenmänner interessieren mich nicht, aber wenn so eine Ausgeburt der Abartigkeit und Grausamkeit in meiner Nähe ist, schnürt sich mir die Kehle zu. Ich hasse diese Pestbeulen, ich hasse sie. Aber der Narbige war sicher kein Dunkelelf, auch wenn man nicht genau sagen konnte, was er war. Schließlich erschien es, als ob man ihn aus tausend Teilen zusammengenäht hatte. Außerdem sprach er Lyrintha, die Sprache war ganz anders als die dunkelelfische. Er stand immer noch da und die Elfe hatte keine Ahnung, was ihr geschehen würde. Sie war vielleicht ängstlich, aber kein Feigling und sie konnte nicht die nächsten hundert Jahre hinter einem Fass Äpfel leben. Sie stand auf und stellte sich an das Gitter, direkt gegenüber dieser Kreatur. Mottilda war bisher immer noch nicht zu sehen. Aurelias roter Haarschopf verdeckte ihre hohen Brüste, sodass sie sich nur die intime Stelle zwischen den Schenkeln bedecken musste. Mit der linken Hand versteckte sie ihre Scham. Sie sah zu dem Narbenmann und sprach sehr langsam und etwas unbeholfen in der Sprache, die sie seit Jahren nicht mehr gesprochen hatte: „Ich wollte nicht spionieren. Ich habe mich verlaufen…“

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. April 2015, 06:33

Warum musste sie in den letzten Minuten eigentlich ständig an ihre Vergangenheit denken? Erst die Erinnerung an ihre Mutter, dann der verhasste Klang der dunklen Sprache, das alles war wie Teile eines Puzzel, die noch nicht zusammen passten. Sie mochte es nicht, wenn ihr die Angst die Kehle zuschnürte und das Herz fast aus der Brust sprang, aber darauf hatte man ja bekanntlich kaum einen eigenen Einfluss. Die Erinnerungen kamen einfach und auch wenn sie vielleicht am liebsten weg gerannt wäre, so bewies Aurelia, dass sie zu Recht eine Amazone war. Trotz ihrer Angst stellte sie sich der Situation und das nicht nur verbal, nein, sie präsentierte sich in ganzer Pracht und Nacktheit. Die intimsten Stellen notdürftig verdeckend stellte sie sich vor die Gitterstäbe und sprach die Worte im vertrauten Klang ihrer Mutter:
„Ich wollte nicht spionieren. Ich habe mich verlaufen…“
„Verlaufen? In meiner Speisekammer die nur einen Ein- und A... ?“

Er wollte wohl gerade weiter sprechen, allerdings blieb ihm die Luft im Halse stecken, als er sich umdrehte. Regungslos starrten sie einander an. Auch für Aurelia war der Anblick seines Gesichts, etwas, dass man erst einmal verkraften musste.
Sein Kopf hatte sich zu ihr umgedreht und zeigte nun auch den Grund für die Deformität seines Schädels. Während seine linke Gesichtshälfte „nur“ furchtbar vernarbt war, so fehlten ihm große Teile seiner Rechten Seite. Einzig, eine anscheinend aus Metall und weichem Leber gefertigte Prothese, mit vergitterten Schlitzen dort wo die Nase hätte sein sollen, verbarg das Schlimmste. Das rechte Auge fehlte ebenfalls. An der Stelle wo der Mund unter dem Metall verschwand, konnte man noch leider das Fehlen der Lippen und blanke Zahnstumpen erkennen. An der Seite wo sein Ohr hätte sein sollen, war eine unnatürlich anmutende Mulde. Der Mann sah aus, als hätte man ihn bei lebendigem Leibe versucht zu verbrennen und ohne dass sich Aurelia dagegen wehren konnte, begann ihr Herz bei seinem Anblick zu rasen. Etwas in ihrem Unterbewusstsein hämmerte gegen die dicken Wände, die sie um ihre Vergangenheit gebaut hatte. Trotz all der Furchtbarkeit die ihr entgegen starrte, konnte sie ihren Blick nicht abwenden und ihm schien es ähnlich zu ergehen.
Sein linkes Auge war etwas gerötet, was daran liegen mochte, dass er es wohl nicht mehr ganz schließen konnte. Der Narbenzug hielt die untere Lidkannte ständig ein wenig nach unten gezogen, so dass man das rote Innere sehen konnte. Er starrte sie an! Erstaunlicher Weise merkte Aurelia nach einigen langen Minuten des Schweigens, dass er ihr ins Gesicht starrte und sonst nirgends wo hin. Vielleicht noch auf die Haare, aber für ihre Reize schien er sich gerade nicht zu interessieren. Irgendetwas an ihr hatte ihn vollkommen aus der Bahn geworfen. Solange sie sich nicht großartig bewegte oder etwas sagte, tat er es auch nicht. Ob er noch nie eine Frau gesehen hatte? Oder war es etwas anderes, was ihn hatte erstarren lassen?
Links neben der Tür, irgendwo im Vorraum, dort im toten Winkel, wo er die Weingläser hingebracht hatte, plätscherte es leise. Das Geräusch ließ ihn leicht zusammen zucken und er erwachte soweit aus seiner Erstarrung, dass er wohl wieder zu denken anfing. Jetzt huschte sein Blick über ihren Körper und er wandte sich sofort ab. Er murmelte etwas so leise, dass auch es nicht verstehen konnte und machte ein paar nervöse Schritte hin und her. Dann verschwand er kurz aus ihrem Blickwinkel und kam mit einem schwarzen Umhang zurück. Mit abgeandten Gesicht näherte er sich langsam, fast argwöhnisch, oder scheu? In seinem Gesicht waren Emotionen so unglaublich schwer zu lesen. Er warf ihr den letzten Schritt fast den Mantel entgegen und seine Stimme klang heiser:
„Bedeckt euch!“
Dann wandte er sich wieder ab, blieb aber in Sichtweite an eine Wand gelehnt stehen. Irgendwie wirkte er atemlos. Er wartete bis sie sich angezogen hatte und fragte dann zögernd:
„Wie seid ihr hier herein gekommen?!“
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Montag 20. April 2015, 11:06

„Wie seid ihr hier herein gekommen?!“
Aurelia starrte den schwarzen Klumpen Stoff an, den ihr der seltsame Mann zugeworfen hatte und zuckte mit den Achseln. Sie zog sich schnell den Umhang über und war erleichtert, als sie spürte, wie dieser ihren Körper verhüllte. Wie war sie hier herein gekommen? Sie wusste es ja selbst nicht. Sie wusste nur eines, es ergab alles keinen Sinn. Wie konnte sie von einem Wald auf Xytras in eine Höhle kommen und dann von der ersten seltsamen Höhle geleitet von einer Fee, die aussah wie ein Nachtfalter, in eine noch seltsamere Höhle und auf einmal befand sie sich in der Speisekammer eines Mannes, der aussah, als ob man ihn mit einem Stück Fleisch verwechselt und gegrillt hatte. Der dann auch noch Lyrintha sprach und sie anstarrte, als würde er sie kennen und von wütend zu relativ sanftmütig umschwenken, nachdem er vorher ein ungemütliches Gespräch mit einem geheimnisvollen Dunkelelfen gehabt hatte. Sie fühlte sich seltsam und irgendwie hatte sie keine Angst mehr von diesem entstellten Mann, sie hatte irgendwie das Gefühl, sie mochte ihn. Ziemlich komisch. Als sie gesehen hatte, dass er anscheinend einen Brand oder ähnliches überlebt hatte, da musste sie unweigerlich an ihre Familie denken, wie diese von den Dunkelelfen angezündet worden waren und wie ihr kleiner Bruder auch dieser Grausamkeit zum Opfer gefallen war. Sie spürte schon wieder, wie sich ihre Kehle zuschnürte. Es war damals alles so schlimm gewesen und warum musste sie an diesem Ort sein, an dem alles wieder hochstieg und längst verbannte Erinnerungen in schrecklichen Bildern vor ihrem geistigen Auge auftauchten.

Der seltsame Mann starrte sie immer noch an, anscheinend war er sehr geduldig mit ihr, denn es war schon einen kleinen Augenblick her, seit sie seine Frage mit einem Achselzucken abgetan hatte. Aber sie wusste selbst nicht wie sie hergekommen war, wie sollte sie das dann einem Fremden erklären?
„Ich weiß es nicht, wie ich hergekommen bin. Ich war eben noch in einem Wald auf einer Insel und dann bin ich in einer riesen Höhle, trete durch ein Portal und finde mich hier wieder. Bitte, dass müsst ihr mir glauben! Ich wollte das alles nicht. Ich möchte auch nur gehen, ich werde mich in eure Geschäfte nicht einmischen und ich werde euch nicht weiter stören! Bitte helft mir nur, dass ich hier raus komme. Dann werdet ihr mich nicht mehr sehen müssen. Das verspreche ich!“

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. April 2015, 08:56

„Ich weiß es nicht, wie ich hergekommen bin. Ich war eben noch in einem Wald auf einer Insel und dann bin ich in einer riesen Höhle, trete durch ein Portal und finde mich hier wieder. Bitte, dass müsst ihr mir glauben! Ich wollte das alles nicht. Ich möchte auch nur gehen, ich werde mich in eure Geschäfte nicht einmischen und ich werde euch nicht weiter stören! Bitte helft mir nur, dass ich hier raus komme. Dann werdet ihr mich nicht mehr sehen müssen. Das verspreche ich!“
Der Mann starrte sie immernoch an und in seinem Gesicht war es schwer eine Regung auszumachen. Nur das asymmetrische Verziehen einiger Narben ließ vermuten, dass sich etwas in ihm regte.
„Ihr ahnt nicht, worum ihr mich da bittet!“
Seine Stimme klang um so unheilvoller und sein einer sichtbarer Mundwinkel zuckte verbissen. Er dachte angestrengt nach, bevor er antwortete:
„Wenn ich euch hier raus lassen würde, ihr wäret nach zwanzig Schritt nur noch eine verblassende Erinnerung der Geschichte und das auch nur, wenn ihr Glück habt. Euer Leben ist hier keinen Fuchs wert. Ich weiß, dass ihr keinen Grund habt mir zu glauben oder mir zu vertrauen, wenn ich euch sage, dass ihr da wo ihr seid, im Moment am sichersten seid!“
Er zögerte kurz.
„Am besten wäre es, ihr würdet dorthin zurück verschwinden, woher ihr gekommen seid. Zurück in euer glückliches Leben, ohne Leid, ohne Schmerz, denn der wird hier euer stetiger Begleiter sein, wenn ihr hier bleibt.“
Warum half er ihr, warnte sie? Warum erinnerte sich Aurelia beim Klang seiner rauen Stimme an die schlimmsten Momente in ihrem Leben? Wie ein ungutes Gefühl, dass man nicht erklären konnte, wie der saure Geschmack von verdorbener Milch, legte sich eine unbestimmte Schwere in ihre Kehle. Ein Klos im Hals, eine Ahnung, die sich nicht zeigen wollte. Die schrecklichen Bilder ihrer Vergangenheit lauerten so nah unter der stillen Oberfläche. Sie war noch so jung gewesen, so unschuldig und so voller Angst! Auch wenn sich die Bilder in ihre Seele gebrannt hatte, so wollte ihr Unterbewusstsein sie doch nicht frei geben. Aurelia dachte beim Anblick dieses Mannes, an die verbannten Körper und all das Grauen wollte wieder aufsteigen. Ließ sie das zu, so würde sie zusammenbrechen.
„Ihr dürftet überhaupt nicht hier sein.“
Sein Auge zog sich zu einem Blut unterlaufendem Schlitz zusammen, als plante er irgendetwas. Etwas unschlüssig war er zwei Schritte näher gekommen und stand nur noch drei Armeslängen von ihr entfernt. Würde er sie raus lassen, wenn sie noch einmal ihn darum bat? Wirklich „nein“ gesagt hatte er ja nicht. Und wo um Himmels Willen war Mottilda?
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Sonntag 26. April 2015, 14:10

Aurelia stand in ihrer Zelle zusammen mit den verschiedenen Köstlichkeiten, wie ein Schinken, der darauf wartete angeschnitten zu werden. Sie schaute dem Mann in sein entstelltes Gesicht und sank auf die Knie. Was hatte er gesagt? Sie solle in ihr glückliches Leben zurückkehren? In ein Leben ohne Schmerz und Leid? Wie sollte sie das tun? Sie hatte nun schon über ein halbes Jahrhundert kein solches Leben mehr geführt. Sie war nicht glücklich gewesen und Leid und Schmerz waren ihre Begleiter gewesen in jeder einsamen Nacht und an jedem Tag, so sonnig und mild er auch gewesen war. Nichts in ihrem Leben war so, dass sie nun das Bedürfnis hätte dorthin zurückzukehren. Sicherlich, sie hatte existiert und auch eine Aufgabe in der Amazonengemeinschaft erfüllt, aber sie hatte seltsamerweise gar nicht den Wunsch dorthin zurückzugehen. Sie hatte ihr Versprechen Mira gegenüber erfüllt und den Oblinox gerettet, aber sie wollte irgendwie nicht zurück nach Xytras gehen. Sie wollte vielleicht zurück zu Styx und vielleicht einen Ort suchen, an dem sie auf den Tod warten konnte, denn eigentlich tat sie das seit dem Tag, an dem ihr klar wurde, dass ihr alles wichtige im Leben genommen worden war.
Sie sah den Mann an und das erste Mal seit über siebzig Jahren weinte sie. Sie weinte ohne zu schluchzen und ohne Geräusche von sich zu geben. Sie blickte in sein unsagbar hässliches Gesicht und Tränen rannen ihr über das Gesicht, Tränen, die seit einer Ewigkeit gewartet hatten, endlich herauszufließen und die Welt wissen zu lassen, was ihr widerfahren war. Sie verstand nicht, was auf einmal geschah, es hatte irgendwas mit diesem Kerl zu tun. Es war, als wäre er ein Magnet, der all die Gefühle und Erinnerungen aus ihr heraussog und an die Oberfläche beförderte.

Aurelia sah ihm in die Augen und sprach beinahe stimmlos- genau so leer, wie sich ihr Leben seit ewiger Zeit anfühlte: „Was wisst ihr schon über mein Leben? Woher wollt ihr wissen, dass ich ein glückliches Leben habe? Ich vegetiere vor mich hin und hoffe auf den Tod, bin aber zu feige, ihn selbst herbeizuführen. Ich habe kein Leben, in das ich zurück will und jenes, was ich wollte, kann ich nicht mehr führen. Ich kann auch nicht einfach zurück. Ich hatte ein magisches Wesen mit mir und sie und ich wollten einen Ausgang finden, aber das hat nicht funktioniert. Also bin ich wohl hier gefangen in diesem Reich aus Delikatessen. Ich weiß auch nicht wirklich wo ich bin oder was ich jetzt tun soll.“

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. April 2015, 19:26

„Was wisst ihr schon über mein Leben? Woher wollt ihr wissen, dass ich ein glückliches Leben habe? Ich vegetiere vor mich hin und hoffe auf den Tod, bin aber zu feige, ihn selbst herbeizuführen ...“
Er trat an die Gittertür heran. Seine Finger, vernarbt und nicht mehr ganz vollständig umschlossen zwei Stangen. Sein Blick folgte ihr auf die Knie, als würde sie ihn mit sich in die Tiefe reißen.
„... Ich habe kein Leben, in das ich zurück will und jenes, was ich wollte, kann ich nicht mehr führen...“
Er sank ebenfalls auf die Knie und atmete schwer.
„Bitte … redet nicht vom Sterben ...“
Aurelia hörte seine leisen Worte kaum.
„... Ich kann auch nicht einfach zurück. Ich hatte ein magisches Wesen mit mir und sie und ich wollten einen Ausgang finden, …“
Er hob den Blick und seine Falten auf der Stirn wurden tiefer.
„… aber das hat nicht funktioniert. Also bin ich wohl hier gefangen in diesem Reich aus Delikatessen. Ich weiß auch nicht wirklich wo ich bin oder was ich jetzt tun soll.“
Er hatte seine Stirn gegen einen der Stäbe gelehnt und war nun erstaunlich nah. Sein Kopf schwankte ratlos hin und her, als würde er selbst zwischen zwei Welten schwanken. Als er dann endlich sie wieder ansah und sprach, war seine Stimme wie eine ferne Erinnerung. Unter dem rauchigem Flüstern lag ein Klang, der Aurelia zu berühren vermochte:
„Ich möchte euch helfen, mit allem was mir möglich ist, ob ihr mir glaubt oder nicht, aber wenn ich euch gehen lasse überlasse ich euch dem sicheren Tod. Ihr müsst mir versprechen, dass ihr nicht weglaufen werdet, wenn ich die Tür öffne. Schwört es mir! Schwört auf das Grab eurer Mutter!“
Er drückte sich an den Stäben wieder auf die Beine und sah sie fest an. Sein Auge tränte. Ob vor Gefühl oder durch den Narbenzug war unklar. Irgendetwas im Hintergrund plätscherte und er wollte wegsehen, der Geräuschquelle entgegen, doch er entließ sich selbst noch nicht aus dem Blickduell mit der schönen Elfenamazone. Immer wieder streiften seine Augen ihr rotes Haar.
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Montag 4. Mai 2015, 17:48

„Ich möchte euch helfen, mit allem was mir möglich ist, ob ihr mir glaubt oder nicht, aber wenn ich euch gehen lasse überlasse ich euch dem sicheren Tod. Ihr müsst mir versprechen, dass ihr nicht weglaufen werdet, wenn ich die Tür öffne. Schwört es mir! Schwört auf das Grab eurer Mutter!“
Er drückte sich an den Stäben wieder auf die Beine und sah sie fest an. Sein Auge tränte. Ob vor Gefühl oder durch den Narbenzug war unklar. Irgendetwas im Hintergrund plätscherte und er wollte wegsehen, der Geräuschquelle entgegen, doch er entließ sich selbst noch nicht aus dem Blickduell mit der schönen Elfenamazone. Immer wieder streiften seine Augen ihr rotes Haar.
Aurelia nickte hoffnungsvoll: „Ja, selbstverständlich. Ich schwöre es beim Grab meiner Mutter.“ Sie blieb an Ort und Stelle und fühlte sich langsam ein wenig erschöpft und der Hunger machte sich mit immer lauter werdenden Grummelgeräuschen in ihrem Bauch bemerkbar. Sie wollte gerne etwas von dem köstlichen Speisen nehmen, traute sich aber nicht. Wer weiß , wem diese gehörten. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Narbenmann diese für sich selbst bewachte. Eher wie eine Speisekammer in einem vornehmen Haus, mit all den vornehmen Getränken und teuren Nahrungsmitteln. Vielleicht wollte sie gar nicht wissen, wo sie eigentlich war. Denn seine Warnungen schallte ihr noch im Hinterkopf. Sie würde gleich sterben, wenn er sie frei ließe. Da er zwar entstellt war, aber ansonsten nicht hässlich und grausam wirkte, vertraute sie ihm einfach. Etwas anderes blieb ihr nicht übrig. Sie musste noch einmal an sein seltsam trauriges Gesicht denken, wenn er sie vom Tod sprechen hörte und seine trüben Augen auf ihrem roten Haar. Irgendwie beinahe vertraut. Sie war zusammengekauert auf dem Boden, aber auf einmal fiel ihr etwas wirklich seltsames auf, dass sie vorher gar nicht wahr genommen hatte. Sie setzte sich kerzengerade auf und starrte den Mann an. Dann sagte sie, beinahe ein wenig ängstlich: „Woher wisst ihr bitte, dass meine Mutter tot ist? Ich habe das nicht gesagt!!! Ihr habt mich auf das Grab meiner Mutter schwören lassen und ich verstehe nicht, woher ihr dass wusstet?“
Die Amazone sah ihn verwundert in sein Gesicht.

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. Mai 2015, 10:56

„Ja, selbstverständlich. Ich schwöre es beim Grab meiner Mutter.“
Sie blieb an Ort und Stelle und ihr Hunger machte sich mit immer lauter werdenden Grummelgeräuschen in ihrem Bauch bemerkbar. Sie saß zusammengekauert auf dem Boden, aber auf einmal fiel ihr etwas wirklich seltsames auf, dass sie vorher gar nicht wahr genommen hatte. Sie setzte sich kerzengerade auf und starrte den Mann an. Dann sagte sie, beinahe ein wenig ängstlich:
„Woher wisst ihr bitte, dass meine Mutter tot ist? Ich habe das nicht gesagt!!! Ihr habt mich auf das Grab meiner Mutter schwören lassen und ich verstehe nicht, woher ihr dass wusstet?“
Die Amazone sah ihn verwundert in sein Gesicht, dass er just abwandte um etwas unschlüssig in seinem Gewand nach dem Schlüssel der Tür zu graben. Er beförderte einen Ring mit bestimmt zwanzig Schlüsseln daran zutage, und hielt den Blick auf das Bund gerichtet, als er antwortete.
„Nun ich habe es angenommen … Wenn jemand davon spricht auf den Tod zu warten, aber zu feige ist, ihn selbst herbeizuführen, dann … dann muss etwas schreckliches geschehen sein. Es sind immer jene, die uns am nächsten sind, die die tiefsten Wunden hinterlassen.“
Damit war das Thema für ihn anscheinend erledigt, denn sein Blick wurde kurz kalt und hart, aber konnte sich nicht lange so halten, als er sie wieder ansah.
„Ihr habt Hunger oder?“
Er sah ungefähr da hin, wo ihr Bauch unter dem Mantel sein musste und seine entstellten Hände fanden blind den richtigen Schlüssel für die Lagertür.
„Nehmt euch, was ihr wollt, dann kommt heraus.“
Während Aurelia sich bediente, schloss er die Tür auf und trat zurück. Fast wirkte es, als wich er ihr regelrecht körperlich aus, als hätte er Angst von ihr berührt zu werden. Ob die Narben schmerzhaft waren?
„Denkt an euer Versprechen ...“
Er wies zu dem kleinen Tisch fort von der lockenden Treppe die nach oben führte in eine ungewisse Zukunft führte. Als die Amazone nun auch den toten Winkel des Raumes betrachten konnte, der ihr vorher verborgen geblieben gewesen war, sah sie eine aus dem Stein heraus gehauene Wanne. In einer natürlichen Vertiefung an der Wand sprudelte ein kleines Rinnsal einer Quelle und füllte tätig das Becken in dem einiges an Geschirr, Messern und anderen Dingen lag. So auch die kristallenen Weinkelche, die der Narbenmann und sein Besucher benutzt hatten. Eines der Gläser stand etwas schräg und umgedreht mit dem Bauch nach unten auf einem Topf und Aurelia konnte, wenn sie näher ging den winzigen Kopf der Fee in der so eingeschlossenen Luftblase erkennen. Das umgedrehte Weinglas im Waschbecken hielt sie gefangen, aber auch fest an einem Ort. Wohl möglich wäre sie sonst fortgespült worden und in dem Überlauf seitlich des Beckens verschwunden.
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Donnerstag 7. Mai 2015, 22:37

„Nehmt euch, was ihr wollt, dann kommt heraus.“
Aurelia sah sich in der riesigen Speisekammer – oder vielleicht eher dem Speisekerker um und wusste nicht recht, was sie sich nehmen sollte. Sie wollte auch nicht unverschämt sein. Sie nahm sich einen reifen Apfel und ein Stück Brot, welches knusprig aussah. Mehr wagte sie erst einmal nicht. Sie biss genüsslich in den saftigen Apfel und leckte sich den Saft von den Lippen. Nichts, so schien ihr, hatte jemals so gut geschmeckt, wie dieser herrliche Apfel. Dann trat sie aus ihrer „Zelle“ heraus und der Mann sah sie an.
„Denkt an euer Versprechen ...“
Er wies zu dem kleinen Tisch fort von der lockenden Treppe die nach oben führte in eine ungewisse Zukunft führte. Als die Amazone nun auch den toten Winkel des Raumes betrachten konnte, der ihr vorher verborgen geblieben gewesen war, sah sie eine aus dem Stein heraus gehauene Wanne. In einer natürlichen Vertiefung an der Wand sprudelte ein kleines Rinnsal einer Quelle und füllte tätig das Becken in dem einiges an Geschirr, Messern und anderen Dingen lag. So auch die kristallenen Weinkelche, die der Narbenmann und sein Besucher benutzt hatten. Eines der Gläser stand etwas schräg und umgedreht mit dem Bauch nach unten auf einem Topf und Aurelia konnte, wenn sie näher ging den winzigen Kopf der Fee in der so eingeschlossenen Luftblase erkennen. Das umgedrehte Weinglas im Waschbecken hielt sie gefangen, aber auch fest an einem Ort. Wohl möglich wäre sie sonst fortgespült worden und in dem Überlauf seitlich des Beckens verschwunden.
Die Elfe wusste nicht recht, ob sie die arme Mottilda einfach befreien sollte, denn es schien, als habe der seltsame Wächter der Speisekammer sie voller Absicht eingesperrt. Sie drehte sich zu ihm um und sagte: „Ich werde die arme Fee da jetzt rausholen. Ich hoffe, dass nehmt Ihr mir nicht übel…“ Sie legte den abgenagten Überrest des Apfelkerngehäuses auf den Rand des Beckens und griff nun mit der Hand in die Richtung des Kelches, in welchem die kleine Mottilda eingepfercht war.

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Samstag 9. Mai 2015, 19:48

„Ich werde die arme Fee da jetzt rausholen. Ich hoffe, dass nehmt Ihr mir nicht übel…“
Sie legte kurzerhand den abgenagten Überrest des Apfelkerngehäuses auf den Rand des Beckens und griff nun mit der Hand in die Richtung des Kelches, in welchem die kleine Mottilda eingepfercht war. Der verwirrte Gesichtsausdruck des Narbigen entging ihr dadurch, aber er folgte ihr mit neugiereigen Blicken und langsamen Schritten. Während Aurelia vorsichtig ihre Hand in das fließende Wasser hielt und die Finger wie zu einem Kecher spreizte, sah er an ihr vorbei und versuchte sich einen Reim darauf zu machen, was sie mit dem Gesagten wohl gemeint hatte. Dann hob die Amazone das leere Weinglas an und fischte etwas aus dem Wasser. Aurelia konnte dutlich das triefnasse Elend in ihrer Handfläche sehen, aber der Mann neben ihr nicht.
"Ihr erwähntet schon, dass ihr mit einem magischen Wesen hier her gereist seid, aber ich verstehe nicht ganz ... Wo ist es denn?"
Motthida hustete heftig und stemmte ihre kleinen Arme gegen den Daumen der Elfe um sich aufzurichten. Ihre schlaffen Flügel hingen ihr dabei wie ein samtener langer Mantel vom Rücken und klebten an ihrer Handfläche. Ihr Husten klang eher wie das Rascheln von Stoff, als das man es als solches erkennen konnte. Er schien es nicht gehört zu haben und sah nur fragend Aurelia an. Selbst als Mottilda anfing zu reden, reagierte er nicht und beobachtete nur weiter die Amazone.
"Schneckenschleim und Krötenfurz, der Kerl hätte mich fast ertränkt! Dem werd ich fertig machen! Das sag ich dir! Ich zerleg ihn in seine Einzelteile und verfütter ihn an die Einhörner ... ach ne, die mögen ja kein Fleisch und der sieht eh aus als hätte nen Troll ihn zu lange überm Spieß gebrahten. Hilfe, ist der hässlich! Wird keiner um ihn weinen, wenn ich mit dem fertig bin! Ich wer ihn ... hm ... sobald ... ich meine Flügel wieder bewegen kann ... hm ... muss wohl vertagt werden, so ein Dreck!"
Jetzt versuchte sie verzweifelt ihre Flügel zu heben, doch das einzige was geschah, war eine kleine Wölbung, die hinter ihren Schultern auftauchte.
"Och nööööö! Das wird Stunden dauern!"
Frustriert setzte sie sich in Aurelias Handfläche und schaute zu ihr hoch.
"Du hast nicht zufällig Feenstaub dabei oder? Natürlich nicht, wie auch! Könntest du mich bitte irgenwo absetzen, wo mich keiner zerquetschen kann? Der Kerl sieht und hört mich nicht, wenn ich es nicht will, aber er könnte mich aus Versehen zertreten."
Sie sah wiede zu ihm und schüttelte ihre winzige Faust.
"Warte nur bis ich wieder trocken bin! Dann kannst was erleben!"
Ungewollt hatte der arme Mann sich wohl den Zorn einer Nachtfalterfee zugezogen und Aurelia sah sich nun plötzlich in der Position gegebenen Falls vermitteln zu müssen. Ihr Augenmerk fiel auf ein hohes Regalbrett, das Motthildas ansprüchen gerecht werden dürfte. Nachdem sie sie abgesetzte hatte und sich umdrehte, schaute sie in ein äußerst fragendes Gesicht, dass schon fast Irrsinn unterstellte.
"Alles in Ordnung?"
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Montag 18. Mai 2015, 20:01

„Ja, es ist alles in Ordnung, danke! Ich hab nur meine kleine Fee aus eurem Spülstein gerettet. Ihr könnt sie nicht wahrnehmen, wenn sie es nicht möchte. Aber sie ist ein wenig wütend, weil ihr sie beinahe ertränkt hab.“ Aurelias grüne Augen ruhten mitleidig auf dem Fleck im Regal, in dem die nasse Mottilda saß. An diese gerichtet sprach sie in der gemeinen Sprache: „Er hat es nicht mit Absicht gemacht! Er konnte dich ja nicht sehen… Aber er will mir – uns – helfen! Er wird uns beschützen! Also beruhige dich und spare deine Kräfte für einen wirklichen Feind auf!“ Nun sah die hochgewachsene Amazone in das verblüffte Gesicht des Narbenmannes und musste unweigerlich aus voller Brust lachen, weil die Szenerie sicherlich ein wenig seltsam wirkte. Vermutlich hielt er sie für verrückt. Nun sah sie wieder die kleine Fee an: „Es wäre sehr hilfreich, wenn du dich sichtbar machen würdest. Er denkt sonst, ich sei nicht ganz bei Trost!“

Aurelia aß das Brot und stellte zufrieden fest, dass ihr knurrender Magen sich beruhigt hatte und wohlig vor sich hin schnurrte, da er nun endlich wieder etwas sinnvolles zu tun hatte. Aurelia fragte sich nun, ob sie ihrem neu gewonnenen Helfer ihren Namen anvertrauen konnte. „Ich heiße übrigens Aurelia und würde mich freuen, wenn ihr mir euren Namen verratet. Ich denke einmal, wir werden vielleicht einige Zeit zusammen sein und da ist es vielleicht ein wenig angenehmer, wenn man sich bekannt macht!“

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Mai 2015, 09:56

„Ja, es ist alles in Ordnung, danke! Ich hab nur meine kleine Fee aus eurem Spülstein gerettet. Ihr könnt sie nicht wahrnehmen, wenn sie es nicht möchte. Aber sie ist ein wenig wütend, weil ihr sie beinahe ertränkt hab.“
Aurelias grüne Augen ruhten mitleidig auf dem Fleck im Regal, in dem die nasse Mottilda saß und verzweifelt versuchte ihr Flügel zu trocknen. An diese gerichtet sprach sie in der gemeinen Sprache:
„Er hat es nicht mit Absicht gemacht! Er konnte dich ja nicht sehen… Aber er will mir – uns – helfen! Er wird uns beschützen! Also beruhige dich und spare deine Kräfte für einen wirklichen Feind auf!“
Der Kleine Mund ging auf und zu wie bei einem Karpfen der nach Luft schnappte. Um bei diesem irgendwie niedlichen Anblick nicht lachen zu müssen, denn dass hätte die Fee sicher noch wütender gemacht, wandte sich Aurelia ab und sah in das verblüffte Gesicht des Narbenmannes. Plötzlich musste sie doch aus voller Brust lachen, weil die Szenerie wirklich seltsam wirkte. Vermutlich hielt er sie für verrückt. Ihr Lachen schien ihn fast noch mehr zu verwirren als ihre Selbstgespräche. Er starrte sie mit offenem Mund an. Nachdem sie sich wieder gefangen hatte sah sie wieder die kleine Fee an und unterdrückt ein Kichern:
„Es wäre sehr hilfreich, wenn du dich sichtbar machen würdest. Er denkt sonst, ich sei nicht ganz bei Trost!“
Aus dem Augenwinkel konnte die Elfe ein zustimmendes Wackeln seines Kopfes sehen, während die Fee sehr leise etwas in ihren definitiv nicht vorhandenen Bart murmelte:
„Ich bin mir da nicht so sicher, ob er MIR helfen will!“
Aurelias Magen knurrte erneut und ließ das leise Geräusch der Feenstimme darin untergehen, die ohnehin eher wie das Piepsen einer Maus klang. Sie biss in das Brot und stellte zufrieden fest, dass ihr knurrender Magen sich beruhigt hatte und wohlig vor sich hin schnurrte, da er nun endlich wieder etwas sinnvolles zu tun hatte.
„Ich heiße übrigens Aurelia und würde mich freuen, wenn ihr mir euren Namen verratet. Ich denke einmal, wir werden vielleicht einige Zeit zusammen sein und da ist es vielleicht ein wenig angenehmer, wenn man sich bekannt macht!“
„Da mögt ihr Recht haben, … Aurelia. Ich heiße Ba...“
Er blinzelte mit seinem einen Auge und zögerte. Er zog einen Stuhl zurecht, dass sie sich zum Essen hinsetzen konnte und nahm ihr gegenüber Platz.
Nur kann ich dir unmöglich meinen Namen sagen! Ich bring es einfach nicht fertig … Sie würde ...
Er senkte den Kopf und wirkte plötzlich etwas niedergeschlagen.
„Ich … man hat mir in den vielen Jahren hier schon viel Namen gegeben. Bastard war nur einer.“
Seine Kiefer pressten sich aufeinander.
„Viele nennen mich einfach nur den Mundschenk, aber ihr … Ihr seid von meinem Volk. Gebt mir einen Namen, den ihr für passend haltet. Es wäre mir eine Ehre.“
Auf dem Tisch stand eine kleine Schale, deren Deckel er nun hob und ihr hin schob. Darin konnte sie kleine, getrocknete, süße Beeren erkennen. In einiger Entfernung knarrte leise Holz und der Narbige lauschte angespannt, aber niemand näherte sich der Treppe. Erst als er Aurelia wieder ansah, entspannten sich seine Mimik wieder. Von der kleinen Störung angeregt begann er zu sprechen:
„Für den Fall, dass jemand kommen sollte, werde ich euch wieder in das Lager einschließen. Dort seid ihr sicher. Nur ich habe einen Schlüssel und ganz hinten, im letzten Gang links hinter dem Weinregal, dass eine etwas andere Färbung hat als die anderen, gibt es einen kleinen geheimen Raum. Das Regal lässt sich wie eine Tür öffnen, wenn man weiß wie. Ihr müsst nur die Flasche aus rotem Glas finden und leicht anheben, dann öffnet sich dir Tür. Ich möchte nicht, dass man euch hier findet. Bestenfalls würde man euch für „Futter“ für die Orks halten.“
Seine Stimme klang dabei fast entschuldigend.
„Falls es dazu kommen sollte, müsst ihr vollkommen still sein. Die Gerüche werden euch verdecken, aber die Elfen hier haben genauso gute Ohren wie wir.“
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Dienstag 26. Mai 2015, 18:36

Sie saß still da und musterte den Mann. Warum half er ihr nur? Er schien sich so sehr um sie zu sorgen, dabei kannte er sie gar nicht. Als ob sie irgend eine seltsame Sache verband, vertraute sie ihm ebenso sehr, wie er sie beschützen wollte. Wie war er hier nur her gekommen und zu einem Mundschenk für einen adeligen Dunkelelfen geworden? Das machte alles irgendwie gar keinen Sinn. Sie sah ihn an und musste daran denken, dass er sie und sich als "von unserem Volk" bezeichnet hatte. Das er und sie womöglich die gleiche Herkunft hatten, vermochte man nicht mehr so richtig zu erkennen. Nur seine Haut zeigte - wie ihre - einen leicht grünlichen Schimmer und wenn man sich bemühte, dann konnte man es auch noch vermuten, dass er womöglich ein Neldoreth-Elf war. Aber seine Narben entstellten ihn zu sehr, als dass man ihm einer bestimmten Völkergruppe zuordnen konnte. Vielleicht war er auch ein Mischling, so wie sie? Irgendwie hatte Aurelia das Gefühl, sie kenne ihn und könne ihm blind vertrauen. Sie sahen sich an und irgendetwas war da zwischen ihnen. Was es war, konnte sie nicht sagen. Vielleicht spiegelte sein Äußeres auch nur ihr Inneres wider. Ihr Herz war von all dem Kummer ebenso vernarbt und hatte einst furchtbare Wunden gehabt, die nicht gut und einwandfrei verheilt waren, sogar immer noch sehr stark schmerzten. Er wollte ihr seinen Namen nicht verraten, dass hatte sie bemerkt. Nur "Ba" hatte er kurz angedeutet. "Nun, wenn ihr es so möchtet, dann nenne ich euch Mundschenk. Vielen Dank für eure Hilfe. Ich frage mich, wie ihr an so einen Ort kommt, wenn es doch anscheinend nicht wirklich eure Heimat ist?", die Amazone musterte ihn ausgiebig und war der Meinung einen schmerzerfüllten Blick zu erkennen, aber sie konnte sich auch täuschen. Er schien nicht sehr viel von sich preisgeben zu wollen - weder persönliche Informationen, noch Gefühle. Irgendwie hatte sie das Gefühl, sie und er wären gar nicht so verschieden, wie sie im ersten Augenblick äußerlich wirken würden. Vielleicht war er ja der Grund ihrer seltsamen Reise?!

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. Mai 2015, 19:31

"Nun, wenn ihr es so möchtet, dann nenne ich euch Mundschenk. Vielen Dank für eure Hilfe. Ich frage mich, wie ihr an so einen Ort kommt, wenn es doch anscheinend nicht wirklich eure Heimat ist?"
, die Amazone musterte ihn ausgiebig, aber außer dem leichten Grünschimmer seiner Haut gab es keine weiteren Anhaltspunkte auf seine Herkunft. Auf ihre Frage hin sah er von den Beeren auf und seine Pupille weitete sich etwas.
„Ich … Es ist unglaublich lange her, dass ich soweit zurück denken musste, bitte verzeiht. Meine Geschichte ist, wie ihr an mir deutlich sehen könnt, mit sehr viel Schmerz verbunden. Schmerzhafte Erinnerungen die ich hier und jetzt nicht wieder aufleben lassen möchte. Es reicht, wenn ihr wisst, dass ihr vor mich nichts zu befürchten habt. Wenn ihr keinen Weg dort hin zurück findet, woher ihr gekommen seid, dann werde ich versuchen euch aus der Stadt zu schaffen, aber das bedürfte einiges an Vorbereitungen. Wenn das wahr ist was ihr ...“
Er stockte kurz, da er ihr nicht unterstellen wollte, dass sie log.
„... Entschuldigt bitte. Ich wollte nicht sagen, dass ihr … also ich … Ihr …“
Jetzt hatte er sich vollends verrannt und ärgerte sich anscheinend über seine Unfähigkeit. Seine Hände zerrten nervös an der Bindung an seinem linken Handgelenk und er atmete tief durch.
„Ich will nur sagen, ihr seid hier sicher.“
Er sah sie an und schien gerade selbst an seinen Worten zu zweifeln.
„So sicher wie man in Morgeria nur sein kann.“
Damit war die sprichwörtliche Katze aus dem Sack, denn vorher hatte Aurelia nur ahnen können wo sie sich befand. Dann der schöne Adelige vom dunklen Volk hier mit ihm geredet hatte, hatte zwar die Vermutung nahe gelegt, dass sie in einem Keller, im Machtbereich eines Dunkelelfen weilte, aber wo diese war, war bisher nicht erwähnt worden. Warum war es nicht Pelgar? Warum nicht Andunie? Warum war es die dunkelste aller Städte?
Morgeria!
Der Keim allen Übels, die Stadt des dunklen Herrschers und Geburtsstätte von jedem Leid war seit einigen Jahren das Land mit Blut tränkte. Die Elfen hier huldigten Faldor dem dunkelsten aller Götter und auch wenn hier wie überall auch sonst, die Sonne am Tage scheinen mochte, so berührte sie nicht die Herzen dieses Volkes.
Morgeria!
Allein der Klang dieses Wortes konnte zarten Gemütern einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen.
Morgeria!
Es gab sogar eine unheilbare Krankheit, die nach ihr benannt worden war und nur Tot dort hinterließ wo sie auftauchte. Jedes halbwegs vernünftige Wesen wollte hier nicht sein! Aurelia sah plötzlich vor all die Schauergeschichten gestellt, die sie von den Dunkelelfen gehört hatte. Sklaverei, Folter, Misshandlungen, Demütigungen, Hass, Intrige, Lüge, all das sollte hier seinen Ursprung und seine Perfektion gefunden haben. Sie erinnerte sich an eine Amazone, die vor vielen Jahren im Kreis einiger Frauen des Abends Geschichten erzählt hatte und immer jeden der ihr ein Ohr lieh eindringlich warnte, dass man keinem Dunkelelfen trauen konnte. Sie waren immer und überall auf ihren eigenen Vorteil bedacht und würden dich sofort verraten und verkaufen, wenn es ihnen Freude bereiten würde. Und das tat es! Dieses Volk stand in dem Ruf, Freude an allem zu empfinden, was andern Völkern Leid bereitete. Die alte Amazone aus Aurelias Erinnerung hob mahnend den Finger:
Traue niemals einem Dunkelelf! Und auch niemandem der mit ihren arbeitet! Sie sind hinterlistig und fangen ihre Opfer wie Spinnen. Reiche ihnen nicht die Hand, denn sie werden sie dir abhacken! Gerätst du in ihr Intrigenspiel, so werden sie dich verbrennen. Man sagt, sie treiben einen in den Wahnsinn und ihre Magie ist die der Schatten.
Die Alte hatte noch viel mehr zu sagen gehabt, aber Aurelia hatte ihren Triaden nicht mehr zugehört. Es gab wichtigeres als den Kindern Angst zu machen, doch jetzt in diesem Augenblick, war vielleicht sogar angebracht ein wenig Angst zu haben.
Der Mundschenk beobachtete sie aufmerksam. Er schwieg und schien sich in sein Gegenüber hinein versetzen zu können, denn einen Moment lang brauchte die Amazone um das ganze Ausmaß dieser einen kleinen Information zu begreifen. Ein paar Minuten lang saßen sie beide nur still das und lauschten den fernen Geräuschen über ihnen.
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Freitag 29. Mai 2015, 18:47

Die beiden saßen sich gegenüber und schwiegen sich an. Wie sollte man in einer solchen Umgebung jemanden vertrauen können, der einem versprach man sei sicher und gleichzeitig für solche Kreaturen arbeitete und unter ihnen lebte. Die Elfe merkte, wie sich ihre Kehle zuschnürte und war sogar der Meinung, ihr Herz hätte eine Minute ausgesetzt, als dieser seltsame Kerl diesen furchtbaren Ort erwähnte. Morgeria war sicherlich der letzte Ort, an dem sich Aurelia aufhalten wollte. Sofort brannten die Erinnerungen auf ihrer Seele, sie sah Feuer, hörte Schreie, Blut klatschte auf den Boden und die Krähen fraßen sich an entstellten Körpern satt.
Sie hatte das Gefühl, dass sie eine Ohnmacht überkommen würde, aber sie riss sich zusammen. Sie starrte ihren Gegenüber an und war sich nun gar nicht mehr so sicher, ob sie ihm tatsächlich einfach vertrauen konnte und ihn als Beschützer sehen konnte. Er war anders als die Dunkelelfen, was sein Äußeres betraf. Aber in sein Innerstes konnte sie nicht hineinblicken. Vielleicht hielt er sie fest, bis der Zeitpunkt gekommen war, sie zu verkaufen oder seinem Herrn preiszugeben. Ihre gerade neu aufgekeimte Offenheit und Verbundenheit zu dem Mundschenk war wie verschwunden und nun machte sich die alte ihr bekannte Leere in ihrem Inneren breit. Außerdem verletzte es sie, dass er ihr indirekt unterstellte zu lügen. Sie sah ihn an, Zorn ließ das Grün ihrer Augen aufflackern. "Ich kann nicht glauben, dass ihr mir erst jetzt sagt, wo ich bin! Gleichzeitig unterstellt ihr mir, nicht ehrlich zu sein! Ich bin Aurelia, ich bin eine Amazone aus Xytras, eine ausgebildete Kriegerin und ich hasse Dunkelelfen über alles! Hass kann eigentlich nicht einmal ausdrücken, was ich für solche Missgeburten empfinde. Ich habe sicherlich nicht gelogen. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit ich euch vertrauen kann, Mundschenk. Woher weiß ich, dass ihr kein grausames Spiel mit mir treibt und mich am Ende verratet, damit ich genau so grausam zugerichtet werde, wie meine Fam... ich meine, wie viele der Opfer dieses ekelhaften Volkes. Wie kann ich einem Mann vertrauen, der mit denen zusammenarbeitet und lebt? Wie könnt ihr mir Misstrauen entgegen bringen? Ich bin hier nackt und hungrig gelandet, ohne zu wissen wo ich bin und ich bin ganz sicher nicht freiwillig hier."
Sie sah in sein Gesicht und war kurz davor, zu Schreien, weil ihr jetzt erst in vollem Ausmaß bewusst wurde, dass sie - Aurelia Eichenherz - aus Neugierde etwas gefolgt war, dass ihr Verderben sein könnte. Sie konnte nicht glauben, dass sie so dumm gewesen war und diesem blauen Licht hinterhergerannt war, wie es eine Motte gleich dem Licht einer Lampe tat, bevor sie dann in die Flamme flog um elendig zu verbrennen. Ich bin eine dumme Motte, ich bin nicht besser als eine Motte...ein dämlicher Nachtfalter.

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Samstag 30. Mai 2015, 22:13

Aurelia sah den Vernarbten an, Zorn ließ das Grün ihrer Augen aufflackern.
"Ich kann nicht glauben, dass ihr mir erst jetzt sagt, wo ich bin! Gleichzeitig unterstellt ihr mir, nicht ehrlich zu sein! Ich bin Aurelia, ich bin eine Amazone aus Xytras, eine ausgebildete Kriegerin und ich hasse Dunkelelfen über alles! Hass kann eigentlich nicht einmal ausdrücken, was ich für solche Missgeburten empfinde. Ich habe sicherlich nicht gelogen. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit ich euch vertrauen kann, Mundschenk. Woher weiß ich, dass ihr kein grausames Spiel mit mir treibt und mich am Ende verratet, damit ich genau so grausam zugerichtet werde, wie meine Fam... ich meine, wie viele der Opfer dieses ekelhaften Volkes. Wie kann ich einem Mann vertrauen, der mit denen zusammenarbeitet und lebt? Wie könnt ihr mir Misstrauen entgegen bringen?...“
Der Mundschenk hatte die ganze Triade an Wut, Zorn und Hass über sich ergehen lassen. Er hatte noch nicht einmal geblinzelt, nur die ganze Zeit eine verstreute getrocknete Beere auf der Tischplatte betrachtet.
„... Ich bin hier nackt und hungrig gelandet, ohne zu wissen wo ich bin und ich bin ganz sicher nicht freiwillig hier."
Seine Lid hob sich langsam, auch wenn sein Kopf gesenkt blieb, als hielte sie ihm eine Standpauke und er sei der kleine Junge, der den Honigtopf leer ge...
„Genau wie ich.“
Seine Stimme war kaum mehr als der tiefe Hauch aus der Kehle eines Mannes, nicht der eines Jungen. Dann stand er auf und drehte ihr den Rücken zu. Er ging langsam zu einem Regal an der Wand, während Mottilda hinter Aurelia ihrerseits ihren Kommentar abgab:
„Ich weiß zwar nicht was ihr da besprecht, aber du klingst furchtbar böse! GIBS IHM! Ja! Der Mistkerl hat es sicher verdient! Ha! Er dreht dir den Rücken zu! Nimm den Topf und hau ihn ihm über den Schädel! Nein, warte! Mach ihn vorher leer. Die schönen Beeren!“
Von dem Regalbrett auf dem die Feen-stimme erklungen war, tropfte Wasser und sah Aurelia hin, konnte sie sehen, dass das winzige Wesen gerade ihr Kleid über die Kante hinweg auswrang. Sah sie wieder zum Mundschenk, so nahm er einen langen Kasten von sehr weit oben und kam damit zu ihr zurück. Das feine Holz war mit winzigen Schnitzereien versehen, die sich an der Maserung orientierten und dem natürlichen Wachstum folgten. Er setzte sich wieder zu ihr und ließ beide Händler auf der hölzernen Oberfläche des Kastens liegen, während er sprach.
„Euer Zorn allein, so gerecht er auch sein mag, wird euch hier aber nicht helfen.“
Er sagte das mit seiner solchen Überzeugung, dass der Amazone unwillkürlich ein kalter Schauer über den Rücken lief. Wenn es wahr war, dass er von „ihrem“ Volk war, also neldorethisches Elfenblut hatte, dann log er sicher nicht.
„Wut, Hass, Widerstand, das mögen Waffen sein, die eure Zunge schärfen, aber ohne eine Waffe seid ihr so gut wie tot.“
Sein Blick senkte sich auf den rechteckigen Kasten über den seine Finger fuhren. Es war eine wunderschöne Arbeit, als sei das Holz nicht gewaltsam geformt, sondern mehr gebeten worden sich in die richtige Richtung zu wenden. Die Endstücke waren mit Bernstein versiegelt und die nirgends war Metall zu sehen. Aurelia erinnerte diese Art von Schnitzwerk an etwas, was sie schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte. Es war die Verbundenheit zur Natur, die sich hier wieder spiegelte. Dunkel kratzten Bilder von ihrer elfischen Mutter an ihrem Unterbewusstsein, aber ließ sie sie zu, würde all der Schmerz wieder mit ihnen aufleben.
„Ich verlange kein Vertrauen, ich ... gebe es.“
Er drehte den Kasten um und öffnete ihn wortlos. Auf einem Bett aus Federn lagen zwei merkwürdig geformte Klingen in ihren Scheiden fest verborgen. Er hob eine heraus und entfernte die Umhüllung um sie zu zeigen. Sie war nur knapp zwei Spannen lang, fast eine Elle und liefen auf beiden Seiten spitz zu. Der Griff zum Halten war im oberen Drittel eingearbeitet und ragte im 90 Grad Winkel von der Klinge ab (Tonfa-Klinge) Als der Mundschenk sie in die Hand nahm erkannte auch Aurelia den Vorteil dieser Haltung. Zum einen war die Waffe unter langen Gewändern praktisch unsichtbar, so wie sie nahm am Unterarm anlag. Zum anderen waren diese Klingen eine perfekte Ergänzung für einen Nahkämpfer. Das außergewöhnlichste aber war der Handgriff und der Teil, der zum Unterarm zeigte und dort anlag. Dieser Teil war aus dunkelbraunem Horn … oder Knochen? Auch hier zeigten sich die feine Schnitzereien, anders als jene auf dem Kasten, die mit schwarzer Farbe gefüllt waren. Vielleicht ein Zeichen des Meisterschmieds, der diese Waffe hergestellt hatte? Die Muster gingen scheinbar ohne Unterbrechung in das Metall über. Einzig allein die Klinge selbst war aus pechschwarzem Metall, ein Material das Aurelia so noch nie gesehen hatte. Alles in allem waren die Klingen von tödlicher Schönheit.
„Sie haben mich viel … gekostet und mehr als nur einen Gefallen, aber jetzt gerade … Ich denke, ihr werdet sie nötiger brauchen als ich. Mein Kampf ist schon lange verloren, der eure hat gerade erst begonnen. Ihr könnt sie haben, wenn euch meine Gesellschaft zu wieder ist und ihr dort hinauf gehen wollt. Ich kann euch nur hier unten verstecken und vielleicht längerfristig eine Flucht planen. Es ist eure Entscheidung. Mehr kann ich dann ohnehin nicht für euch tun.“
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Montag 1. Juni 2015, 19:24

„Sie haben mich viel … gekostet und mehr als nur einen Gefallen, aber jetzt gerade … Ich denke, ihr werdet sie nötiger brauchen als ich. Mein Kampf ist schon lange verloren, der eure hat gerade erst begonnen. Ihr könnt sie haben, wenn euch meine Gesellschaft zu wieder ist und ihr dort hinauf gehen wollt. Ich kann euch nur hier unten verstecken und vielleicht längerfristig eine Flucht planen. Es ist eure Entscheidung. Mehr kann ich dann ohnehin nicht für euch tun.“

Sie starrte dieses Kunstwerk des Kunsthandwerkes an und wurde rot. Ihr Kopf lief genau so rot an wie ihre Haarpracht. Sie schämte sich für ihren unkontrollierten Ausbruch. Der Mundschenk hatte ihr ohne zu schreien oder sie zu maßregeln ordentlich die Leviten gelesen. Er versuchte ihr zu helfen, ohne sie wirklich zu kennen - diesen Blick auf die Dinge hatte die impulsive Elfe nicht betrachtet. Er erschien ihr voller Schmerz und Kummer und nicht wirklich glücklich. Sie wollte ihn mit sich nehmen, wenn sie es hier raus schaffen sollte. Sie fühlte sich tief in seiner Schuld. Sie nahm die schöne Waffe in die Hände und merkte, dass sie perfekt ausbalanciert war. Sie sah den Mundschenk an: "Ich danke euch! Es tut mir leid, dass ich eben so wütend war. Ich bin sehr schnell zornig. Ich möchte euch noch etwas sagen. bevor wir einen sinnvollen Pan aushecken. Ich sage euch wer ich wirklich bin:
"Ich war einst die Tochter eines Kaufmanns und einer neldorethischen Elfe und ich hatte einen kleinen Bruder. Nach einem Dunkelelfen-Überfall war ich die einzige Überlebende meiner Familie, ich habe die grausam zugerichteten Leichen meiner Familie gesehen und bin seit dem nicht mehr dieselbe. Ich trage großen Schmerz mit mir und ich habe seitdem mit niemanden darüber wirklich eingehend gesprochen und ich möchte es auch nicht. Aber es beeinflusst mein Leben, denn nichts scheint mir Glück und Zufriedenheit zu bringen. Ich bin sehr schnell zornig.Mehr gibt es zu mir nicht zu sagen. Ich danke dir ganz aufrichtig für deine Hilfe und deine Freundlichkeit einer seltsamen Fremden gegenüber, die einfach in deinem Keller auftaucht und ich weiß deine Unterstützung zu schätzen. Bitte hilf mir, hier raus zu kommen! Ich muss wieder zurück oder besser erst einmal fort von hier!"

An Mottilda gerichtet fuhr Aurelia fort: "Wusstest du, dass wir in Morgeria sind? Ich hoffe wir finden einen Ausgang, denn einfach mal durch ein dunkelelfisches Reich zu reiten, dass erscheint mir nicht sehr aussichtsreich...."

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Dienstag 2. Juni 2015, 10:23

„... Nach einem Dunkelelfen-Überfall war ich die einzige Überlebende meiner Familie, ich habe die grausam zugerichteten Leichen meiner Familie gesehen und bin seit dem nicht mehr dieselbe. Ich trage großen Schmerz mit mir und ich habe seitdem mit niemanden darüber wirklich eingehend gesprochen und ich möchte es auch nicht. Aber es beeinflusst mein Leben, denn nichts scheint mir Glück und Zufriedenheit zu bringen. ...“
Der Mundschenk sah sie nur still an und lauschte ihren Worten. Einzig ein etwas tieferer Atemzug hätte ihn verraten können, doch er tarnte ihn gekonnt mit einem Griff nach einer Flasche Wein.
„ ...Bitte hilf mir, hier raus zu kommen! Ich muss wieder zurück oder besser erst einmal fort von hier!"
Er nickte erst einmal nur langsam und schenkte Aurelia von der goldgelben Flüssigkeit ein, während diese sich der ihrer nicht wahrnehmbaren Begleiterin widmete:
"Wusstest du, dass wir in Morgeria sind? Ich hoffe wir finden einen Ausgang, denn einfach mal durch ein dunkelelfisches Reich zu reiten, dass erscheint mir nicht sehr aussichtsreich...."
„Was? Ich soll gewusst haben wo deine Seele dich hinbringt? Jetzt laicht der Frosch aber! Woher sollte ich denn wissen, wo wir landen? Ich hab genauso gesucht wie du und würde auch lieber in meine Höhle zurück!“
, zeterte die kleine Feen-stimme.
„Und du? Du entschuldigst dich auch noch bei dem Kerl der mich fast ertränkt hat!! … Oh … Was riecht hier so gut?“
Es roch leicht nach Honig und Wiegenkräutern, ein leichter Met, ein guter Abschluss nach ihrer kleinen Mahlzeit.
„Keine Sorge, ich kenne mich mit zornigen Wesen aus. Ein kleiner Wutausbruch stellt kein Problem dar. Ich kann euch verstehen. Das Wissen wo ihr seid, muss euch einen ordentlichen Schrecken eingejagt haben.“
Er setzte die Karaffe ab und schob ihr den Becher hin.
„Ich will auch einen!“
„Natürlich werde ich euch helfen. Ich … Ich muss nur nachdenken.“
Dann schwieg er eine Weile und betrachtete sie ab und an aus dem Augenwinkel.
„Mach das, du schleimiger Schleim einer Schleimschnecke beim Schleimen! Da kommt ohnehin nichts gescheites bei raus! Schleimer! Aurelia, wir müssen zurück! Du darfst ihn nicht vertrauen! Wenn du zurück willst, darfst du dich nicht mit dem hier und jetzt beschäftigen! Du willst doch nix von dem da! Oder?“
Die Fee hatte eine interessante Frage gestellt. Was hielt sie hier? Was hatte sie her gebracht? Was faszinierte sie an diesem Narbigen, dass sie sich ihm so einfach offenbarte, ihm ihr Leben anvertraute? War es seine uneingeschränkte Hilfe? Ja er verbarg sicher etwas vor ihr, aber war das ein Grund ihm weniger zu vertrauen? Innerhalb von Minuten hatten die Gefühle der Amazone sich mehrfach von einem Extrem ins andere gewandelt und ihre Verwirrung musste gewaltig sein. Leider konnte sie Mottilda auch nicht vollkommen frei antworten, denn der Narbige war mit im Raum und verstand das Celcianische. Aber sie konnte darüber nachdenken.
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Montag 8. Juni 2015, 19:08

Sie trank die köstliche goldene Flüssigkeit und merkte, wie ihr die wohlige Wärme des leichten Alkohols in die Wangen stieg und ein paar rosige Bäckchen hinterließ. Sie musste über Mottildas Worte nachdenken. Sicherlich war es irgendwie dumm, einem völlig Fremden zu vertrauen und ihm Geheimnisse anzuvertrauen, aber was blieb ihr anderes übrig? Sie konnte ja schlecht einfach durch dieses Gebäude streichen und hoffen einen Ausgang zu finden. Hier lauerten überall Gefahren. Mottilda war aufgebracht, ja , aber dass auch nur, weil sie beinahe ertränkt worden war. Und so kleine Wesen erlebten tiefe Emotionen sicherlich noch ausgeprägter, als Größere. Zumindest vermutete Aurelia das, denn anders konnte sie die aufbrausenden und leidenschaftlichen Ausbrüche der kleinen Fee nicht ganz verstehen. Aber vielleicht fühlte die Nachtfalterfee auch nicht diese seltsame Gefühl der Verbundenheit zu dem Narbigen. Für Mottilda war er nur ein hässlicher Fremder, der eine Gefahtr darstellte, weil er sie doch beinahe getötet hatte. Das er sie nicht gesehen hatte, dass schien die Fee zu vergessen.
Aurelia konnte nicht anders als ihm zu vertrauen. Sie hatte das Gefühl, ihm regelrecht Urvertrauen entgegenzubringen. Er erschien ihr bekannt, wenn gleichzeitig doch fremd. So etwas hatte sie noch nie empfunden, erst recht nicht gegenüber einem Mann- wenn man ihren Vater einmal außen vor ließ. Mottildas Frage spukte ihr durch den Kopf: "Du willst doch nix von dem da! Oder?“ Sie sah ihn an, trank einen Schluck und überlegte ganz angestrengt. Wollte sie etwa was von ihm? Aber was? Sie empfand keine körperliche Anziehung und hatte auch nicht das Verlangen, ihm körperlich nahe zu sein. Aber irgendwie fühlte sie sich auf eine verdrehte Weise verantwortlich dafür, dass es ihm gut ging. Sie hatte natürlich Mitleid, weil er anscheinden schwere Verletzungen überlebt hatte, aber das war es nicht. Es war kein Mitleid. Sie hatte nur das Gefühl, dass er genau so unglücklich war wie sie und diesen Ort auch genau so wenig mochte wie sie. Sie wollte ihn irgendwie mit sich weg nehmen und ihn lächeln sehen. Sie schüttelte verdutzt den Kopf und beobachtete die kleine Fee, die sich an dem süßen Getränk labte. Bin ich jetzt total übergeschnappt? Was habe ich mit seinem Glück zu schaffen? Der Mundschenk war irgend eine mysteriöse Gestalt, die - laut Mottilda - was mit ihrer Seele zu schaffen haben musste. Doch was, dass konnte Aurelia nicht ausmachen. Das einzige, was wir gemeinsam haben, scheint der Volkshintergund zu sein. Er scheint einst ein Neldoreth-Elfe gewesen zu sein. Und als ich hierher ging, erinnerte mich alles an meine Mutter. Vielleicht kannte er meine Mutter?
Die Amazone sah in sein entstelltes Gesicht. Er schien nachzudenken. Sie wollte ihm noch tausend Fragen stellen, aber er war verschlossen, was seine Vergangenheit anging. Sie musste ihn in Ruhe lassen und hoffen, dass er einen Plan hatte, wie sie wieder hier weg kam.

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. Juni 2015, 11:19

Aurelia schwieg und dachte über ihre verwirrenden Gefühle nach, was anscheinend Mottilda vollends aus der Fassung brachte:
„Nein! Das kann doch nicht wahr sein! Sitzt da wie belämmert und glotzt ihn an, als sei er ein Froschkönig.“
Die Bezeichnung Froschkönig hatte sogar Aurelia einmal in einem alten Kinderreim gehört, der von Fröschen, kleinen Wesen und einer Art „Hassliebe“ handelte. Die Fee begann wieder in ihrer eigenen unverständlichen Sprache von sich hin zu lamentieren und stemmte dabei die winzigen Hände in die Hüften. Dass ihre Flügel dabei wie nasse Lappen von ihren Schultern hingen, schien sie nicht einmal mehr zu stören. Eine Weile erfüllte ihr leises Wispern den Raum, wie ferner Regen und das Rascheln von Blättern, dann hatte sie sich wohl wieder etwas beruhigt.
„ … lässt sich wohl nicht ändern. Also bleiben wir eine Weile hier.“
Moserte sie noch leise vor sich hin.
„Aber ich werde mich diesem Fleischhaufen auf gar keinen Fall zeigen! Du kannst ihm ja vertrauen, aber mich wollte er umbringen! Und mir ist egal was du sagt! Bis meine Flügel wieder trocken sind, bin ich ihm auf jeden Fall böse! Ich werde mich jetzt hier hin setzen und wenn er mir zu nahe kommt verwandelte ich ihn in einen … ja, in einen Frosch! HA!“
Damit setze sich sich auf ihren Hintern, verschränkte Beine und Arme und machte ein sehr entschlossenes Gesicht, was genau drei Sekunden hielt. Dann begann sie wieder an ihren Flügeln herum zu zupfen. Ob Mottilda die Macht dazu hatte oder nicht, war ungeklärt, aber die Wut einer Fee heraufzubeschwören hatte schon manch anderen ins Unglück gestürzt. Vielleicht sollte Aurelia den Mundschenk warnen diesem einen speziellen Regalbrett fern zu bleiben. Während sie vielleicht noch darüber nachdachte, stand der Narbige plötzlich auf und meinte:
„Ich muss mich oben blicken lassen, sonst fragt sich noch vielleicht jemand, wo ich bleibe und sucht nach mir. Kann ich euch vertr... Bleibt einfach hier unten, ja!?! Seid bitte leise und … hier nehmt das am besten.“
Er reichte ihr seinen Schlüssel zum Lagerraum und seine Hand zitterte leicht, als sie ihrer nahe kam. Offensichtlich wollte er nicht, dass sie ihn vielleicht auch nur aus Versehen berührte.
„Am sichersten seid ihr dort drinnen, wenn ihr hinter euch abschließt, ...aber ihr könnt auch hier warten. Ich beeile mich.“
Er sah sie noch einem eindringlich an, fast flehend, die sichere Variante zu wählen und wandte sich dann um. Einen Atemzug lang stand er einfach nur still da.
„Passt auf euch auf!“
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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Dienstag 9. Juni 2015, 19:32

"Paßt auf euch auf!"

Es hatte mehr wie eine Bitte geklungen, als wie ein Befehl. Kurz darauf war er verschwunden und ließ eine sich fremd fühlende Aurelia und eine etwas unzufriedene Mottilda zurück. Aurelia empfand es als ziemlich kalt und ungemütlich auf einmal, als ob er all die Wärme mit sich heraus genommen hatte. Sie wusste nicht recht, was sie jetzt tun sollte. In jedem Fall wollte sie nicht ungehorsam sein und Risiken eingehen. Sie kannte sich einfach nicht genug aus, um auf eigene Faust herumzulaufen. Sie saß starr da und sah die kleine Fee an, die immer noch etwas von einem Kind hatte, dass unbeabsichtigt in den Fluss gefallen war. Irgendwie fand sie die Fee rätselhaft. Sie hatte etwas gegen den Narbigen, weil er ihr fremd war. Auf der anderen Seite war sie der Amazone, welche ihr ja auch vorher noch nie begegnet war, gefolgt und hatte ihr geholfen - oder es zumindest versucht.

Aurelia wollte gerade etwas zu Mottilda sagen, da hörte sie Stimmen. Was war da oben los? Und bildete sie sich das ein, oder kamen diese Stimmen immer näher?

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Re: Sitz des dunklen Herrschers

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. Juni 2015, 11:02

Kaum war der Narbige verschwunden hörte man ein erleichtertes Aufatmen der Fee im Hintergrund.
„Endlich ist er weg! Wird ja auch Zeit. Dachte schon, der wohnt hier unten ...“
Das Mosern nahm seinen Lauf, gehörte aber anscheinend genauso zu ihrer Persönlichkeit wie ihre Flügel zu ihrem Körper.
„Könntest du mir die Schale mit den Beeren hier herauf stellen?“
, fragte sie zuckersüß und blinzelte dabei niedlich mit den großen Augen. Mottilda war ein Wesen, das innerhalb von Sekunden seine Meinung, Stimmung und sogar ihr aussehen ändern konnte, stellte Aurelia fest. Jetzt da ihre Laune sich besserte, gewannen ihre Flügel schnell an Spannung und wechselten ihre Farbe von einem matten, matschigen Graubraun zu einem leicht und fröhlich schillernden Braungrau. Farblich hatte sich nicht viel verändert, doch irgendwie strahlte die Fee wieder mehr Zuversicht aus, als in der Gegenwart des Mundschenks.
„Bitteeeeee!“
Und lieb konnte sie auch sein! Aurelia wollte gerade etwas zu Mottilda sagen, da hörte sie Stimmen von oben näher kommen. Mottilda schlug die Hände vor den Mund und war still. Die Sprache, die zu ihnen hinunter hallte, verstand sie zwar nicht, aber es waren zwei Frauen die sich unterhielten. Die Amazone musste schnell handeln. Sie hatte den Schlüssel um sich im Lagerraum zu verstecken oder die Klingen um sich zu verteidigen. Vielleicht würde sie beides brauchen?
„... und ihr seid euch sicher, dass er nicht so schnell zurück kommen wird?“
„Keine Sorge, meine Schöne! Er macht jeden Tag um diese Zeit seine Runde. Solange sind wir dort unten ungestört und glaubt mir, ihr werdet ihn lieben!“

Die Schritte hatten den oberen Treppenabsatz erreicht und kamen nun langsam die Treppe herunter. Am Ende der Stufen, dort wo sie in den Raum über gingen und die Wand eine natürliche Ecke formte, gab es eine gute Möglichkeit jemanden aus der Deckung heraus anzugreifen. Anderseits hatte der Mundschenk Aurelia gebeten sich zu verstecken und leise zu sein, doch es war ihre Entscheidung. Der Hass auf Dunkelelfen an sich lockte die Schatten der Vergangenheit hervor und dürstete nach Blut und Rache, doch andererseits gab es auch noch immer einen freien Willen, der jedes Wesen überlegt handeln lassen konnte. Wie auch Aurelia sich entschied, dunkelelfische Frauen hatte sie noch nie so gesehen. Es gab dunkelelfische Amazonen, selten - aber das waren Kriegerinnen. Diese hier waren so ganz und gar anders, als alles was sie bisher gesehen hatte. Das Rauschen ihrer langen, durchsichtigen Gewänder begleitete sie wie das Streicheln von Haut auf Haut. Ihre Gestalten waren von einer mystischen Eleganz umwoben, als hätten sie ihr ganzes Leben lang für diesen Auftritt trainiert. Jede Bewegung, jeder Schritt verhieß Verlockung und ihre perfekten Körper schmiegten sich eng aneinander. Gemeinsam schritten sie die Stufen in vollkommener Synchronizität hinunter, hielten sich dabei gegenseitig um die Hüften eng umschlungen. Erst am Fuß der Treppe löste sich eine von der Anderen und trat zuerst in den Raum. Ihr Haar war schneeweiß und ihre Haut seidig schwarz. Sie drehte sich mit dem Rücken zur Treppe und reichte ihrer Begleiterin die Hand entgegen. Beide waren unbestreitbar schön und von einer fast erdrückenden Eleganz.
„Komm, lass dich von mir führen.“
Der Klang ihrer Worte war lockend. Die beiden waren sehr auf einander konzentriert.
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