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Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Mittwoch 6. September 2006, 19:13
von Erzähler
Elira merkte ein picken an ihrer Wage. Noch schlafend drehte sie sich instinktiv um und versuchte das, was sie da berührt hatte mit ihren Armen wegzuschlagen. Als das Picken jedoch nicht aufhörte, wachte sie auf und sah ihren Freund Asir, der auf ihr stand und sie anschaute.

"Was ist den los Asir?" fragte sie den Falken. Der stieß nur seinen typischen Laut aus und flog zur Seite. Jetzt wo Elira frei auf den Himmel sehen konnte, bemerkte sie, dass er sich unglaublich verändert hatte. Er war pechschwarz, wie in einem unglaublich starken Gewtiter. Und da! War da nicht ein Donner in der Ferne zu hören?

Elira richtet sich auf und schaute in die Richtung, aus der sie den Donner gehört hatte, nur um kurz danach einen unglaublich grellen Blitzstrahl zu beobachten, der gefolgt von einem kräftigen Donner nicht weit entfernt eingeschlagen war. Mit ihren letzten klaren Gedanken merkte sie jedoch noch etwas. Es regnete nicht!

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Mittwoch 6. September 2006, 21:19
von Erzähler
Die Grasebene auf der Elira sich befand war groß und hatte scheinbar nie endende Grasflächen. Nur sehr selten standen vereinzelt Bäume in den Wiesen. Kein Schutz gegen Regen oder gar gegen Blitze war zu erkennen. Eine Möglichkeit war es wohl, wieder in den Wald zurückzukehren, aus dem sie gekommen war, Doch Asir, ihr Falke, schien anderer Meinung zu sein. Auf ihre Frage hin stieß er wieder seinen laut aus und flog eine kurze Strecke in östliche Richtung um dann wieder zu Elira zurückzukehren.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Mittwoch 6. September 2006, 22:18
von Erzähler
Elira folgte ihrem Falken Richtung Osten. Nirgends war ein Weg oder etwas vergleichbares zu sehen. Rings um sie war nur Gras. Langsam kam ihr die Gegend wie eine Wüste aus Gras vor.

Trotz des pechschwarzen Himmels und der Blitze und Donner, die am Himmel ab und zu zu sehen und zu hören waren und besonders trotz des Windes, der jetzt aufkam war es doch nach wie vor recht war. Frieren musste Elira nicht. Dennoch beeilte sie sich.

Nach einiger Zeit konnte sie etwas erkennen. Es schien ein größeres Haus zu sein und als sie den nächsten Hügel erklom, konnte sie nicht weit von ihr einen Bauernhof erkennen. Vielleicht konnte sie dort Schutz vor dem Unwetter finden das über ihr tobte.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 16:33
von Erzähler
Eliras Falke wurde langsamer, flog einen Bogen und kam auf die elfe zugeflogen. Elira streckte die Hand aus, dass Asir auf ihrem Arm landen konnte, doch sie merkte schnell, dass sie ziemlich zitterte.
Der Falke legte dennoch eine perfekte Landung hin und krächzte drängend. Dann stieg er auch schon wieder auf, flog ein Stück Richtung Bauernhaus und drehte dann seine Kreise, bis Elira sich in Bewegung setzte.

Das Häuschen rückte näher und machte einen gemütlichen Eindruck, auch wenn es so ganz verlassen hier inmitten der Stillen Ebene stand.
Ein kleines Beet war links von einem alten Zaun eingerahmt, aus dem Schornstein stieg Rauch und in der Nähe entdeckte Elira eine große weiße Gans, die schnatternd um das Haus herumlief.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 17:07
von Erzähler
Kaum, dass Elira sich dem Bauernhaus näherte, kam die Gans wild schnatternd auf sie zu. Natürlich! Das war eine Hausgans, die das Heim ihres Besitzers bewachte. Deshalb war auch nirgends ein Hund zu sehen, Gänse dienten dem Volk ebenso aus Wachundersatz.
Elira machte einen Schritt zurück, aber da öffnete sich schon die Tür und eine dicke, alte Frau mit lockigem Haar und einer großen Warze im Gesicht trat heraus.

"Elende Gans, du sollst die Kaninchen nicht jagen – Oh", machte sie erstaunt und musterte Elira, während die Gans sich hinter dem faltigen Rock der Frau versteckte. "Ihr seid kein Kaninchen, sondern eine Elfe. Und welch schönen Vogel Ihr da auf Eurer Schulter sitzen habt. Was sucht Ihr hier bei der alten Nola?"

Die Frau trat einen Schritt zur Seite und bat Elira in ihren kleinen Hof.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 18:06
von fremde Frau
"Nun erstmal herein mit Euch, Elira. Wenn Ihr einen Unterschlupf sucht, könnt Ihr es Euch bei mir eine Weile gemütlich machen. Ich habe bereits gesagt, dass ich Nola heiße."

Die Frau bat Elira herein und schloss dann die Tür, damit die schnatternde Gans draußen blieb und das Haus bewachte.
Im Innern war es sehr gemütlich. Elira musste sich im Wohnraum befinden, der gleichzeitig auch die Küche bildete. In einer Ecke befand sich der Kochbereich, zusammen mit einem kleinen steinernen Kamin, auf dem ein Topf vor sich hinblubberte.

In der Mitte des Raumes hockte ein Kind auf einem Teppich aus Hirschfell und spielte mit kleinen Holzfiguren. Auf einer Bank in einer anderen Ecke und vor einem Tisch, der davor stand, saß ein älterer Mann und rauchte Pfeife. "Nola, wer ist das? Eine Elfe?", fragte er neugierig.

Nola lächelte. "Das ist Elira." Dann stellte sie den Mann als ihren Gatten Josua vor und ihren kleinen Sohn Kami, der die Elfe gar nicht wirklich wahrnahm, weil er so mit spielen beschäftigt war.

Nola setzte sich an den Tisch und bat Elira, es ihr gleichzutun. Dann sprach sie: "Ih könnt gerne eine Weile hier bleiben, allerdings wollen mein Mann und ich mit unserem Sohn bald nach Andunie aufbrechen. Das Wetter ist uns nicht geheuer. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr uns begleiten."

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 18:40
von Erzähler
Elira durfte am Tisch sitzen bleiben, während Nola das Essen für die Familie und den neuen Gast zubereitete. Sie öffnete auch ein kleines Fenster, damit Asir, wenn er wollte, ein wenig herumfliegen konnte. Das innere des Hofes wäre ihm wohl zu klein und beengend gewesen.

"Wir wollen alle nochmal gemütlich etwas Essen, uns schlafenlegen und dann zusammenpacken und nach Andunie reisen", hatte Josua erzählt, während Nola schon den Tisch deckte.

Der kleine Kami kroch mit seinen Holzmännchen bis zu Eliras Beinen und hockte sich direkt unter sie. Er spiele fröhlich und kicherte oft das glockenhelle und unschuldige Lachen eines typischen Kindes.

Schließlich servierte Nola das Essen, einen leckeren Gemüseeintopf. Dazu gab es Milch für Kami und duftenden Tee für alle anderen.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 20:00
von Erzähler
Doch seine Ruhe wägte nur kurz. Dann flatterte Asir, schlug wild mit den Flügeln und schaute Elira direkt in die Augen. Sein Kopf zuckte hin und her, doch sein eines Auge verweilte genau auf Elira. Und es signalisierte nur eines: <i>Raus!</i>

"Was hat Euer Vogel?", fragte Nola besorgt.
"Hört ihr das?", mischte sich Josua ein und sofort herrschte Stille. Sogar Asir war für einen Moment ruhig.

Plötzlich donnerte es, als wolle die Welt untergehen. Ein gewaltiges Krachen und Schlagen war zuhören, als fielen tausend Lawinen über dem Haus zusammen.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 20:51
von Erzähler
Alle starrten sie auf den Trümmerhaufen, der einmal der Hof gewesen war. Alles war zerstört, nur Schutt, Trümmer und Rauch waren übrig geblieben.
Glücklicherweise hatten sich alle retten können ... bis auf die Gans. Ihr toter Körper lugte unter einem großen Stein hervor. Rasch nahm Nola ihren Jungen in die Arme und drehte sein Gesichtchen weg, damit er das Grauen nicht allzu lange ansehen musste.

Josua kam zu Elira. "Ihr hab meine Frau und meinen Sohn gerettet. Ich stehe tief in Eurer Schuld", er verneigte sich vor der Elfe, "leider kann ich Euch nun nichts mehr geben, denn der Hof war alles, was ich besaß. Ich fürchte, wir müssen nun gleich nach Andunie aufbrechen. Helft Ihr mir, in den Trümmern nach Decken für die Reise zu suchen?"

Josua ging zu seinehm ehemaligen Hof und begann, im Schutt zu suchen. Er wartete gar nicht erst auf Elira, man spürte deutlich, dass er so schnell wie möglich weg von hier wollte.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 21:25
von Erzähler
Als Elira zu der Familie zurückkehrte, waren alle soweit. Viel gab es schließlich nicht mitzunehmen.
Man marschierte los Richtung Andunie.

Die Wolken über ihren Köpfen wurden immer dunkler, Blitze zuckten über die Stille Ebene hinweg und der Donner grollte lautstark, wie eine wilde Bestie, die sie verschlingen wollte.

Unterwegs fragte der kleine Kami, der bei seinem Vater auf dem Arm saß, weil er nicht so schnell laufen konnte: "Wo gehen wir hin? Warum bleiben wir nicht zu Hause? Vati, ich möchte heim!" Er begann zu weinen und nichts schien ihn wieder aufmuntern zu können. Dicke Tränchen kullerten aus seinen dunklen Augen und benetzten sein kleinen, pausbäckiges Gesichtchen.

Eliras Falke flog über der Gruppe, sauste aber hinunter und ließ sich auf der Schulter der Elfe nieder, als er den Jungen weinen hörte. Entschlossen tippte er mit dem Schnabel gegen Eliras Kopf.
<i>Die Pferdefigur</i>, vermittelte er ihr.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 21:51
von Erzähler
Kami beruhigte sich tatsächlich etwas, als er seine Pferdefigur in Eliras Händen entdeckte. Begierig streckte er die Ärmchen aus und umschloss das Spielzeug wie einen Schatz, als Elira es ihm reichte. Dann war er ruhig, spielte ab und zu ein Wiehern nach und schaute sich neugierig um.

Nola wurde beim Laufen ein wenig langsamer, bis sie auf Eliras Höhe zurückgefallen war. Sie rieb sich die Hände, offenbar versuchte sie, ein Band zu der Elfe aufzubauen, die sie alle aus dem einstürzenden Haus gerettet hatte.
"Woher kommt Ihr, wenn ich fragen darf?"

Asir klackerte mit dem Schnabel und erhob sich wieder in die Lüfte. Er hatte Elira signalisiert, dass er auf sie alle achten und den Weg bis zu dieser Stadt – Andunie – im Auge behalten wollte. Obwohl die Gruppe eigentlich keinem richtigen Weg folgte. Es ging einfach nur über die ebenen Grasflächen und an kleinen Grashügeln vorbei.

Re: Die Zivilisation ruft!

Verfasst: Donnerstag 7. September 2006, 22:30
von fremde Frau
"Etwas über mich?", fragte Nola sichtlich überrascht, schaute Elira dann aber freundlich an. "Nun, ich habe eigenltich nicht viel zu erzählen. Ich lebte einst in Andunie, aber dann lernte ich Josua kennen. Er träumten von einem ruhigen Leben, unabhängig von Wachen und den Gesetzen der Städte ... so zogen wir in die Stille Ebene und bauten uns dort den Hof auf. Vor fünf Jahren wurde mein kleiner Kima geboren. Ihn wollten wir in ein paar Jahren nach Andunie schicken, er soll einmal einen anständigen Beruf erlernen. Wir wollen ihm alle Möglichkeiten geben, zu entscheiden, wie sein Weg aussehen soll. Mehr fällt mir nicht ein, mir kommt es vor, als lebte ich schon immer in der Ebene."

Sie lachte fröhlich, doch schwang auch ein wenig Trauer in ihrer Stimme. Elira konnte sich denken, weshalb. Ein Leben, das man kannte aufgeben zu müssen und dann auch noch so plötzlich, musste eine harte Erfahrung sein.