[Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

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Kazel Tenebrée
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[Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 1. Dezember 2020, 00:20

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01. Dezember
Es war noch früh am Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen schoben sich zwischen den Wolken hindurch und gaben dem ansonsten stahlgrauen Himmel einen güldenen Schein. Sie fanden ihren Weg auf celcianischen Boden. Dieser war mit Schnee bedeckt, fast noch unberührt allen Lebens. Allein eine Spur zweier Rehe deutete an, dass über Nacht einige Zentimenter zu der weißen, kalten Decke hinzugekommen sein mussten. Die sanft geformten Abdrücke führten von den Feldern zurück ins Dickicht des Waldes Arus.
Schön kam er daher, der Wald. Die hohen Kiefern, Tannen und Fichten trugen ihre besten Festtagsgewänder aus sattem Grün, leicht gesprenkelt mit der weißen Pracht, als hätte jemand Puderzucker über ihre Zweige verteilt. Bei jedem Rascheln im Geäst stäubte es auf, so dass der feine Pulverschnee dem magischen Staub der Feen gleich zu Boden rieselte.
"HATSCHI!" Unter einem der tief hängenden Tannenzweige nieste jemand. Der Laut zerstörte die idyllische Stille, durchbrach sie und scheuchte einige Schneehasen auf, welche Dank ihres winterlichen Pelzes bisher nicht zu sehen gewesen waren. Ein wenig verärgert darüber, dass er den Moment zerstört hatte, wischte sich der Erzeuger des Niesens mit dem Handrücken an der Nase entlang. Ihm entkam ein zweiter Laut. Dieses Mal löste sich durch das Geräusch etwas Schnee von den Zweigen und prasselte herunter. Auf der dunkelroten Mütze der kleinen Gestalt saß nun eine zweite Mütze aus Schnee.
"Ach du liebe Güte!", stieß er aus und nahm seine Kopfbedeckung ab, um sie vom Schnee frei zu klopfen. "Das wäre ja noch schöner, wenn meine kostbaren Sachen schmutzig würden! Das dürfen sie nicht. Wie soll ich mich denn als ordentlicher Wichtel präsentieren, wenn ich nicht die traditionelle Gewandung trage?" Rasch prüfte er, ob denn auch alles an seinem Platz war. Die dunkelrote Mütze mit dem kleinen Glöckchen am weißen Zipfel kehrte zurück auf den Kopf, so dass das weiße Wichtelhaar wie zu Fäden gesponnener Nebel darunter hervor lugte. Mit dem Finger strich er der Reihe nach die Leiste goldener Knöpfe an seinem Wams herab. Jeder einzelne glänzte wie Tausend Schätze, verborgen in santronischen Ruinen. Er war sehr stolz auf diese Knöpfe und auch auf den Faden, welcher sie an Ort und Stelle hielt. Gesponnenes Gold bahnte sich in einer feinen Naht seinen Weg einmal vom Kragen seines Wames bis hinunter zum Saum. Jener hing etwas über den kugeligen Bauch und die dunkelbraune Hose, die innen so kuschelig gefüttert war, dass dem kleinen Wesen nicht kalt würde. Auch seine schwarzen Lederstiefel waren mit einem Futter versehen, der eine weiße, wollige Grenze zwischen Hose und Schuhwerk bildete.
Der Wichtel war beinahe komplett. Es fehlte lediglich...
"Ich muss mich beeilen! Der Sack mit kleinen Wunderpäckchen muss ausgeliefert werden!" Und zwar noch vor dem nächsten Morgengrauen. Ausgesuchte Celcianer warteten nicht darauf, beschenkt zu werden, aber sie sollten einen kleinen Lohn für ihre guten Herzen im letzten Jahr vorfinden. Wie unsäglich traurig wären die Götter, würde der Wichtel seine Aufgabe nicht erfüllen. Er durfte sie und auch die zu Beschenkenden nicht enttäuschen. Ein ganzes Jahr hatte er sich darauf vorbereitet und heute war der große Tag. Heute war sein Tag!
Alles, was noch fehlte, war der magische Leinensack mit seinem nicht enden wollenden Vorrat an Zauberpäckchen. Wo steckte er nur?
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Liebe Celcianer,

Willkommen zum Adventskalender 2020 und dem großen Tag des kleinen Wichtels! Dieses Jahr beschenken wir uns selbst, indem wir das eintägige Abenteuer einer fiktiven Figur über 24 Tage hinweg verteilt zusammen erleben. Es gibt kein Skript und ich habe auch keine Geschichte vorab parat. Was ihr oben gelesen habt, ist alles, was bisher vorhanden ist. Für den Rest sorgt ihr, unsere kreative und treue Gemeinschaft aus hoffentlich in Weihnachtsstimmung befindlichen Celcianern und Celcianerinnen!
An jedem weiteren Adventstag soll ein Posting geschrieben werden, das den Wichtel in seinem Abenteuer ein Stück weit voran bringt. Es gibt nur eine einzige Regel hierbei: Der Tag des Wichtels darf und soll am 24. Dezember enden. Wie, das ist euch überlassen. Ich bin gespannt, ob er bis Weihnachten seine Aufgabe erledigt bekommt oder sich vielleicht von etwas Anderem ablenken lässt.
Es ist ganz gleich wieviel ihr schreibt. Geht mit eurem Posting lediglich auf den vorherigen ein, so dass wir alle am Ende eine schöne, kleine Adventsgeschichte haben.
Das Ganze geht in sofern vonstatten, als dass ihr mir eure Texte per PN zukommen lasst. Ich poste in der Rolle des Erzählers dann jenen, der mir am besten gefällt. Es wäre schön, nicht nur Einzeiler gesendet zu bekommen, aber bitte schreibt auch keine Romane. Ich muss das Ganze schließlich vorab noch lesen!
Ich hoffe, dass wir dadurch nicht nur gemeinsam durch die Adventszeit kommen, weil wir alle an einem schönen, kleinen Projekt arbeiten, sondern dass wir am Ende auch mit warmen Herzen und einem stolzen Gefühl darauf blicken können, was wir zusammen aus Kreativität und der Liebe zum Schreiben, dem Spaß auf Celcia mit all seinen beschaulichen Plätzen, Figuren und Geschichten, geschaffen haben.
Sollte die Beteiligung nicht allzu aktiv ausfallen, werde ich mir wohl täglich einen kleinen Text aus den Fingern saugen müssen. Macht mir nicht zu viel Arbeit und werdet aktiv. Ich freue mich auf eure Postings!

:xmas: Frohe Weihnachten!
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 2. Dezember 2020, 08:06

02. Dezember
von Maruka

"Ich muss mich beeilen! Der Sack mit kleinen Wunderpäckchen muss ausgeliefert werden!"
Und zwar noch vor dem nächsten Morgengrauen. Alles, was noch fehlte, war der magische Leinensack mit seinem nicht enden wollenden Vorrat an Zauberpäckchen. Nur ... wo steckte er bloß?
Wichtelchen drehte sich das erste mal um seine eigene Achse und rief: "Säcklein voller Magie, warum find ich dich nie!?!"
Er drehte sich das zweite mal um seine eigene Achse und rief: "Säcklein aus Leinen so fein, du musst schnell gefunden sein!"
Dann drehte er sich das dritte mal um seine eigene Achse und es sollte auch das letzte Mal gewesen sein, denn langsam wurde ihm auch schon ganz schön schwindelig von dem ganzen Drehern. "Säcklein voller Wunder, ohne dich geh ich doch unter!"
Doch leider war das Säcklein nirgends zu sehen und auch wenn es voller Magie und Wunder war, so konnte es doch nicht sprechen um den Wichtel zu antworten, nicht rufen, wo es war, oder ihm zuflüstern, dass es schon hinten auf seinem kleinen Schlitten lag. Im Grunde genommen war es eben doch nur ein besserer Jutebeutel, den einst ein magischer Wichtel verzaubert hatte, damit unendlich viele Geschenke darin Platz finden konnten, ohne dass es zerriss oder zu voll wurde. Aber vielleicht half dem Wichtel heute ein anderer Umstand, sein Säcklein zu finden. Denn erneut fiel Schnee in dicken Flocken auf die Erde nieder und eine ganz besonders schöne Flocke, tanzte und drehte sich über dem Schlitten. Das Licht, das sich in den feinen Kristallen brach, in tausend Farben gleich dem schönsten Regenbogen, legte sich auf das Säcklein und malte es so selbst und alle Geschenke darin bunt an.
So fand der kleine Wichtel den Sack voller Wunderpäckchen und nun musste er sich beeilen, zu seinem ersten Termin zu kommen! Oh, ja, seine Liste war lang und einige Namen standen darauf. Er musste noch darüber nachdenken, welche Route er am besten wählte, wer welches Geschenk bekommen sollte und überhaupt: Er war schon viel zu spät!
"Zu spät, zu spät! Ich komme viel zu spät!"
Würde er sich nicht beeilen, würde er eingeschneit und wie einem weißen Kaninchen gleich herum hoppeln müssen! Apropos, wo war eigentlich sein Zugtier für den Schlitten?
Kleine Regeländerung!
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Wer gern einen Text einreichen würde, aber aktuell nicht genug Zeit zum Ausformulieren hat, kann auch in Stichworten oder kurzen Sätzen eine PN an mich richten und mitteilen, welche Inhalte der nächste Kalendertag haben soll. Beispielsweise für den 03. Dezember nun: Das Zugtier soll ein Esel sein! Oder der Wichtel soll das Zugtier nicht finden können usw.
Ich formuliere dann den Text aus. Natürlich könnt ihr mir auch weiterhin volle Texte schicken :)
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 3. Dezember 2020, 00:24

03. Dezember
von Kazel

Die Zeit rann ihm durch die Finger wie Sand. Er musste sich an diesem Tag zwar nicht hetzen, trotzdem wollte sich der kleine Wichtel für jedes einzelne Geschenk die nötige Zeit nehmen können, um es ordentlich an den Empfänger zu bringen. Er wollte nicht so schlampig vorgehen wie sein Vorgänger vom letzten Jahr. Er wollte das kommende Ereignis nicht damit verbringen, die Ställe der Greife säubern zu müssen, weil er seine Aufgabe nicht gewissenhaft erfüllt hatte. Beim Gedanken an die Greifen entwich dem kleinen Geschöpf ein sehnsüchtiges Seufzen. Wie gern hätte auch der Wichtel einen der großen Schlitten bekommen, mit den richtig großen und schweren Geschenken. So groß, dass sie nur auf einen großen Schlitten passten, der von einem großen Greifen gezogen wurde. Letztendlich war er aber froh, überhaupt Päckchen austragen zu dürfen. Er prüfte auch sogleich den Inhalt des Beutels. Voll. Das sah gut aus, zumindest besser als sein Schlitten. Jener besaß die Größe eines Puppenwagens adliger Pelgarer Kinder, nur dass er mit Kufen statt Rädern ausgestattet worden war. Und ihm fehlte nach wie vor das Zugtier.
"He, wo bist du nun schon wieder?!" Der Wichtel schob zwei Finger zwischen die Lippen und stieß einen schrillen Pfiff aus, dass einige Zweige naher Tannen ihr Gewand aus Schnee verloren. Dumpf kam die weiße Masse auf dem Boden auf und plötzlich hörte man eine Beschwere.
"Ey, was soll das?! Pfeif nicht so laut, dass es Schneematsch vom Himmel regnet. Jetzt ist mein Popo ganz feucht, du Doofwichtel, du!"
Der kleine Mann seufzte erneut. Ja, er hätte wirklich gern einen Greifen vor seinen Schlitten gespannt. Er hätte ihn sogar lieber selbst gezogen, aber nein. Sein Zugtier war die große Pechsträhne, mit der er dieses Jahr zu kämpfen hatte. Nicht, dass das Tierchen seine Arbeit nicht pflichtbewusst erfüllte. Immerhin bekam es dafür Futter und einen warmen Schlafplatz den Rest des Jahres, sobald die Arbeit getan war. Und beides war dem haarigen Gesellen wichtig. Ohnehin dachte es ja nur an sich!
Was den Wichtel störte, war das unflätige Mundwerk dieses Wesens. Warum konnte es überhaupt sprechen?! Die wenigsten Tiere sprachen celcianisch. Warum musste Wichtelchen also ausgerechnet an ein intelligentes - nein, ein sprachbegabtes - Wesen geraten? Er hielt sein Zugtier nicht für intelligent. Dafür war es viel zu gehässig und selbstsüchtig. Intelligente Wesen dachten an andere! Und damit war nicht gemeint, anderen Streiche zu spielen!
"He, du hast ja den Beutel gefunden!", quiekte das Tierchen und stromerte durch den Schnee herüber zu dem Wichtel. Dabei erinnerte es grundsätzlich an ein Wiesel, wäre sein Pelz nicht von leuchtend orangener Farbe gewesen. Mit einem listig funkelnden Augenpaar lugte es der Ottsel zum Wichtel empor. "Schade, ich hab wirklich geglaubt, du bist nicht klug genug, mein tolles Versteck zu finden."
"Du meinst den Sitz des Schlittens?"
"Da hättest du niemals nicht nachgesehen, Doofmann! Also, wer hat dir das Versteck verraten? Sag schon, los, saaaag! Da bist du nicht allein drauf gekommen. Dafür hast du nicht die nötigen Gehörnzellen!"
"Du meinst Gehirnzellen."
"Nein, nein, Gehörn! Du bist wirklich dümmer als du aussiehst. Also", schnaubte das Ottsel und verschränkte die Pfoten vor der pelzigen Brust. "Geht's los oder was? Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Naja, eigentlich schon, aber ich hab keine Lust, noch länger zu warten. Du weißt, wie schnell ich bin und dass ich meinen Auslauf brauche. Ist gut für's Fell. Dann glänze ich so schön und im weißen Schnee sieht das noch besser aus. Also, ab mit dir auf den Schlitten, ich will los."
Der Wichtel unterdrückte das erneute Seufzen. Es half nichts, mit dem Ottsel zu diskutieren. Dieses Tierchen würde niemals im Leben Einsicht zeigen, wenigstens etwas höflicher zu sein. Außerdem hatte er keine Zeit, um sie an seinen diesjährigen Partner zu verschwenden. Ohja, Zeit! Die lief ihm davon. Also beeilte er sich, das Ottsel vor den kleinen Schlitten zu spannen und anschließend aufzusteigen. Den Beutel wie einen dicken Gefährten neben sich abgesetzt, griff der Wichtel nach einem Glöckchen und ließ es klingeln. Wichtel nutzten niemals Peitschen! Das Ottsel hörte das helle Geläut und setzte sich mit einem raschen Tempo in Bewegung, dass sich Wichtelchen gut festhalten musste, um nicht vom Schlitte zu fliegen.
Das Ziel lag eigentlich schon vor Augen, doch er konnte es nicht richtig sehen, weil der Fahrtwind ihm Tränen in selbige trieb.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 4. Dezember 2020, 00:13

04. Dezember
von Kazel

Der kleine Wichtel klammerte sich mit einer Hand am Rand des Schlittens fest, die Zügel um sein Handgelenk geschlungen. Mit der anderen Hand wischte er sich die Tränen aus den Augen. Sie waren dem Fahrtwind zu verdanken, denn sein Ottsel von Zugtier achtete keine Sekunde darauf, dass seine Schnelligkeit zu Problemen führen könnte - zum Beispiel, dass die Tränen bei der Kälte auch noch gefroren! Darüber hinaus hatte Wichtelchen sich auf den Jutebeutel setzen müssen, damit er jenen nicht verlor. Bei jedem überwundenen, von Schnee bedeckten Hügel verspürte er ein unangenehmes Pieken einer Geschenke-Ecke in seinem Hintern. Er versuchte, vor Schmerz nicht noch mehr Tränen zu verdrücken.
Schließlich kam der Schlitten aber zum Stillstand. Das Ottsel bremste mit den Hinterbeinen voran ab und erfreute sich der Welle aus gefrorenem Weiß, die er dadurch verursachte. Schön glitzerte der Bogen aus Schnee vor den ersten Strahlen der Sonne. Endlich lugten sie zwischen den Wolken hervor, vertrieben nach und nach das Grau aus dem Himmel und breiteten sich über diesem Teil Celcias aus. Vielleicht würde es aber bis zum Abend hin erneut schneien, aber das würde noch einige Stunden andauern. Viel zu wenig Zeit für den Wichtel. Er hatte doch sooo viel zu tun!
Daher warf er dem Ottsel statt eines Tadels über seinen wilden Sprint nur einen düsteren Blick zu. Das wieselige Tierchen zuckte verständnislos mit den Schultern.
"Komm ich denn mit? Ich hoffe, du hast mich nicht eingeplant, die Geschenke zu schleppen. Ich laufe höchstens hinterher und schaue mir die Häuser von innen an", schnarrte es. "Vielleicht werde ich auch etwas von der Milch trinken oder ein paar Kekse essen. Ich habe da Geschichten gehört, dass die großen Zweibeiner solche Leckereien gern für deinesgleichen aufstellen."
Meinesgleichen", brummelte der Wichtel. Dann nickte er energisch. "Genau! Meinesgleichen. Das sind Wichtelgeschenke, zum Dank weil wir den gutherzigen Celcianern jedes Jahr kleine Überraschungen bringen. Die sind also nicht für dich."
"Ach, komm schon! Du bist doch rund genug!"
Der Wichtel schaute auf seinen Wams herab. Es stimmte. Der Stoff wölbte sich tatsächlich etwas über seine speckige Kugel von Bauch, aber das hieß noch lange nicht, dass das Ottsel selbstsüchtig die für ihn bestimmte Belohnung abstauben könnte. Erst Recht nicht, wenn er nicht mithalf, die schweren Päckchen zu tragen. "Mal sehen...", sagte der Wichtel jedoch. Es fiel ihm schwer, anderen etwas zu verbieten. Er selbst freute sich schließlich auch auf ein Gläschen Milch und einen Teller Kekse. Die mit Schokokrümeln darin schmeckten ihm besonders. Dafür hasste er jene mit ...
"Die Rosinenplätzchen lasse ich dir übrig, das Zeug schmeckt mir nicht."
"Wie hast du nur diese Stelle als Zugtier erhalten", murmelte der Wichtel in sich hinein. Seine Stimmung sank und das ärgerte ihn noch mehr. Heute sollte doch sein großer Tag sein! Ein Tag, an dem er glückklich wäre, weil er andere glücklich machen könnte. Ein Tag, an dem er sich endlich vor allen anderen Wichtel beweisen könnte, um auch im nächsten Jahr die Päckchen austragen zu dürfen. Und jetzt? Seine Laune drohte, sogar unter die Schneedecke zu sinken. Oh, das machte ihn traurig! Trotz allem gab er dem Ottsel keine Schuld daran. Vielmehr wusste der Wichtel, dass es in der Natur dieser sprechenden Wieselwesen lag, andere ständig zu beleidigen. Umso mehr wunderte er sich, dass Ottsel in so großer Zahl von Wichteln als Schlittenzieher genutzt wurden. Andererseits würde jeder Wichtel auf diese Weise auch alle Pakete rechtzeitig los, denn ein Ottsel vor dem Schlitten war immens schnell.
Der Wichtel entschied, sich nicht weiter mit seinem Begleiter zu beschäftigen. Das Tierchen würde vermutlich beim Schlitten bleiben oder aber hinter ihm her wackeln. Letzteres war der Fall. Es hatte es also wirklich auf seine Plätzchen abgesehen! Wichtelchen seufzte, kommentierte es aber nicht weiter. Stattdessen schleppte er den Jutesack auf seinem Rücken durch den Schnee. Jener reichte ihm bereits bis über die Knie und ohne Schlitten kam er plötzlich nur noch schwer voran. Doch er musste das Gefährt vorerst zurücklassen. Es wäre zu gefährlich, einen so prächtigen Schlitten zu nahe von Menschen stehen zu lassen. Kinderlein könnten ihn entdecken und mitnehmen. Das durfte er nicht riskieren, so ging er die letzten Meter zu Fuß. Sein erstes Ziel war das Fischerdorf, am Ufer des derzeit gefrorenen Flusses inmitten der Stillen Ebene. Idyllisch lag es da. Die Dächer der Holzbauten waren mit dem Schnee der letzten Nächte bedeckt. Karren- und Trampelpfade hatten sich bereits in einen weißbraunen Matsch aus Schnee und Erde verwandelt. Die Fischer mussten trotz aller Widrigkeiten zum Wasser. Zu dieser Jahreszeit schlugen sie mit Äxten kleine Löcher hinein und gingen dem Eisfischen nach. Die Bauern hatten nichts mehr zu tun. Ihre Felder hielten Winterschlaf wie die Bären und so waren die meisten schon tagsüber zu Hause. Sie reparierten ihre Hütten und besserten sie aus, damit sie der Witterung standhielten. Frauen suchten Mittel und Wege, die Wärme in den Hütten zu halten. Meistens taten sie dies, indem sie kochten und die Söhne Holz schlagen ließen. Die jüngeren Kinder schliefen noch oder huschten durch den Schnee, um dort Figuren aufzubauen oder sich in einem wilden Schneegefecht zu messen.
"Schau mal!", rief das Ottsel, während es den Wichtel hinter sich ließ, um zu einer der gebauten Schneefiguren zu wuseln.
Erstmals lächelte Wichtelchen über seinen Begleiter. Er nickte. "Ja, das ist ein Schnee-Elf. Die spitzen Ohren haben die Kinder toll hinbekommen. Der kleinere daneben könnte aber auch ein Gnom sein."
"Wen interessiert das?", schnarrte das Ottsel zurück. Es deutete mit einer Pfote auf den Elfen aus Schnee. "Der da hat eine Möhre als Nase. Ohhh, die hol ich mir."
"Nein!"
Zu spät. Das Ottsel huschte einfach an dem Schnee-Elfen empor. Es nahm auch keine Rücksicht darauf, dass die Bauchknöpfe aus Kohle von seinen Hinterläufen abgetreten wurden und zu Boden fielen. Mit einem Salto überwand das Tierchen den Zweig, welcher einen Arm darstellte und blieb auf der Schulter des Schnee-Elfen hocken. Schon streckte es die andere Pfote nach der Möhre aus.
"Das ist nicht richtig", rief der Wichtel ihm zu und hoffte auf ein Wunder, welches die üblen Pläne des Ottsels noch verhindern würde.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 5. Dezember 2020, 00:14

05. Dezember
von Kazel

Der Wichtel verlor beinahe seinen Jutesack vor Schreck. Dann aber geriet er hastig in Bewegung und huschte mitsamt seiner Last schnell um die Ecke der Hütte und dort hinter ein Regenfass, dessen Inhalt zu dieser Jahreszeit blankes Eis geworden war. Er atmete durch.
"Ohje, ohje, ohje!", wimmerte er und wagte sich noch nicht hervor. Derweil konnte er im Hintergrund das Fiepsen und Kreischen des Ottsels hören. Er hatte es also nicht geschafft. Wenigstens versuchte er noch, das Sprechen zu unterdrücken. Das würde ihn ansonsten nur noch interessanter machen und er käme aus seiner Lage gar nicht mehr heraus.
Wichtelchen seufzte. Er hatte auf ein kleines Wunder gehofft, um die Möhre zu retten. Er hatte nicht erwartet, was nun geschehen war! Als das Gekreische nicht nachließ, entschied der Wichtel, doch etwas zu unternehmen. Notfalls musste er sich zeigen. Denn selbst wenn er das Ottsel bisher nicht sehr hatte leiden können, durfte er es nicht im Stich lassen. Das könnte der kleine Mann nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Das Verteilen der Päckchen war vorerst vergessen. Er ließ den Jutesack dennoch nicht stehen, sondern umrundete mit seiner Last auf dem Rücken die Tonne. Dann spähte er um das hölzerne Rund und wieder hinüber zu dem Schnee-Elfen.
Die Möhrennase war abgefallen, ebenso wie zuvor die Kohlen. Nun lag sie neben den drie schwarzen Brocken im Schnee, ungeachtet und vergessen. Denn das Ottsel war für seine beiden Jäger deutlich interessanter. Der Größere von beiden hielt ihn stolz an Hals und Bauch empor, so dass das Tierchen nur verzweifelt mit den Hinterläufen in der Luft umher zappeln konnte. Die Vorderpfoten versuchten zwar immer wieder, den Häscher zu kratzen, kamen durch die dicke Wolleste aber nicht hindurch.
"Glaubst du, es ist ein magisches Wiesel, Brüderchen?", fragte die kleinere Gestalt, Ihre blonden, geflochtenen Zöpfe wippen eifrig wie ein Paar Schlangen, als sie an ihrem Bruder empor hoppste, um mit den Fingern an das Ottsel heran zu kommen. Der Bruder hielt es jedoch außer Reichweite. Er war pflichtbewusst genug, dem Mädchen mit der roten Mütze kein Tier entgegen zu halten, das zubeißen könnte, wenn er nur einmal am Hals locker ließe.
"Wie kommst du darauf, Chrysta?", fragte er zurück. Das Mädchen deutete auf den sich windenden Körper.
"Na, weil der Pelz so hell leuchtet. Darum, du Blödi. Dann muss es doch ein magisches Wiesel sein. Glaubst du, es erfüllt Wünsche"
"Hmm..."
Der Junge schüttelte das Ottsel einmal durch und fragte anschließend auf Celcianisch: "He, Leuchtewiesel. Kannst du Wünsche erfüllen?"
Das Ottsel hielt in seinem Befreiungskampf inne und starrte den Burschen mit der blauen Mütze und den ebenfalls blonden Zottelhaaren lange an. Bei der Regentonne hielt der Wichtel die Luft an. Sollte er einschreiten und wenn ja, bevor das Ottsel bösartige Beschimpfungen auf die Menschenkinder herabregnen lassen würde?
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 6. Dezember 2020, 00:17

06. Dezember
vorgeschlagen von Maruka, geschrieben von Kazel

Er durfte nicht länger warten. Er musste einschreiten, auch wenn die Kinder ihn sehen könnten und er dann erklären müsste, wer und was er war. Er würde ihnen Päckchen für andere geben müssen, um sie zur Verschwiegenheit zu bringen. Das wäre schlecht. Damit wäre der Wichtel eindeutig für das kommende Jahr wieder aus dem Rennen. Dieser Schritt verzieh ihm niemand, aber er selbst könnte sich auch nicht verzeihen, wenn das Ottsel...
"IHR BLÖDEN KINDER! IHR ERWÜRGT MICH!" Das Ottsel begann von Neuem zu zappeln und dann ging die Tirade los. Es fluchte, schickte unheimliche Verwünschungen auf den Jungen nieder und stieß so derbe Sprüche aus, dass das Mädchen puterrot anlief. Dass die Ohren der kleinen Chrysta nicht zu bluten begannen, war ein Wunder. Sie schluchzte aber auf und dann strömten die Tränen herab. Sie heulte Rotz und Wasser, während ihr Bruder das Ottsel endlich vor Schreck einfach in den Schnee fallen ließ. Er packte die Hand seiner Schwester, um sie zu beruhigen, doch es half nicht. Vor allem, weil Chrysta ihn gar nicht hören konnte. Das Ottsel schimpfte und zeterte. Es drehte Runden am Boden, dass es eine Spur in den Schnee lief und es schimpfte.
Von der Ferne wurde dieser Lärm natürlich sofort bemerkt. Jemand erhob sich, stapfte mit schweren schwarzen und Pelz versetzten Stiefeln durch den Schneel. Der tiefrote Wappenrock, welcher ebenfalls mit weißem Pelzbesatz verziert war, raschelte sacht. Das Schwert hing schwer in seiner Scheide, vom schwarzen Gürtel herab. Auf dem Rücken trug die Gestalt einen großen, wappenlosen Schild. Auch sein Rock besaß von den Farben abgesehen kein Wappen, so dass man den weißbärtigen Mann hätte zuordnen können. Er musste ein Veteran irgendeiner Ritterschaft sein, mit erfahrenen hellen Augen. Das Strahlen daraus konnten auch die Krähenfüße nicht schmälern. Doch wenn er streng blickte - wie jetzt - dann wirkte er geradezu Furcht einflößend. Seine tiefe Stimme brachte selbst das Ottsel zum Schweigen, als er vor dem Tierchen und den Kindern zum Stehen kann.

"Von draus, vom Walde, komm ich her.
Ich muss euch sagen, mein Weg war sehr schwer.
All überall auf den Tannenspitzen
sah ich dicke Schneepolster sitzen.
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen Lysanthor hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finstren Tann,
da rief er mich mit strenger Stimme an.
'Ritter Ruprecht, rief er, alter Gesell!
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Ein Ottsel fängt zu fluchen an,
dass selbst ich im Himmel es hören kann.
Das Tier und die Kinder sollen nun
wieder friedvoll werden durch dein Tun.
Ansonsten komm ich herab zu Erden,
um Celcia vom Schneefall loszuwerden.'"

Das Ottsel war verstummt. Die Kinder ebenfalls. Sie starrten den alten Ritter mit Schreck geweiteten Augen an. Chryste schniefte und noch immer liefen ihr Tränen die roten Wangen herab. Ihr Bruder fragte kleinlaut: "Heißt das, wenn wir böse sind, wird Lysanthor den schönen Schnee schmelzen?"
Der Weißbart nickte erhaben. "Und wenn ihr so kleine Wesen wie dieses Ottsel hier würgt, wird er noch mehr tun. Dann schickt er Strahlen des Zorns zu euch nieder, so dass sich das Fischerdorf in eine Wüste wandeln wird, wie auf der Insel Belfa. Wollt ihr das?"
Die Kinder schüttelten hastig die Köpfe. Chrysta klammerte sich an ihren Bruder. Erneut nickte Ritter Ruprecht.
"Gut. Brav zu sein ist so viel leichter. Haltet euch daran, an jedem Tag des Jahres. Und nun geht, hopp hopp!"
Sogleich liefen die Geschwister davon, verschwanden in einer der Fischerhütten, in deren Fenstern tatsächlich Kerzenlicht heraus schien wie mehrere goldene Augenpaare.
Das Ottsel schaute den Kindern nach, rieb sich mit der Pfote den Hals, ehe es den Kopf stolz reckte. "Gut so. Den Bälgern hast du's gezeigt, hässlicher alter Mann."
Sofort traf der strenge Blick das Tier. "Hässlich?", hakte er nach. "So hässlich wie deine übrigen Worte? Diese Kinder werden das nicht mehr vergessen. Auch wenn du ein Ottsel bist, solltest du auf deine Manieren achten. Dass du gewürgt wurdest, ist ein Akt der Gerechtigkeit gewesen."
Aus seinem Versteck heraus musste der Wichtel plötzlich kichern, denn das Ottsel war erstmals sprachlos, seit die beiden zusammenarbeiten mussten.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 7. Dezember 2020, 00:01

07. Dezember
von Kazel

Kein Ton kam aus dem frechen Maul des Ottsels. Es starrte zu dem Veteran empor und der schaute nur in einer bizarren Mischung aus Güte und Strenge zurück. Ganz so wie ein Großvater, der den braven Kindern jedes Märchen am Bett erzählen und es zu einem Abenteuer machen würde. Die frechen Kinder aber strafte er und zwar ohne wirklich etwas zu tun. Er klärte sie nur über ihren Fehler auf und schaute sie an. So wie er es beim Ottsel getan hatte und es zeigte schließlich Wirkung.
Nicht nud das orange leuchtende Wieselwesen beeindruckte der betagte Ritter damit. Der Wichtel starrte hinter seinem Regentonnenversteck heraus. Er war froh, dass er nicht hatte eingreifen und sein Geheimnis - sich selbst - offenbaren müssen. Aber jetzt tat er genau das. Er stapfte durch den Schnee und auf das Ottsel und den alten Mann zu. Dieser wirkte nicht einen Moment lang überrascht, als er das Wichtelmännchen sah. Er nickte ihm nur zum Gruß zu.
"Ich bin Ritter Rupprecht, kleines Wesen. Gehört das vorwitzige Ottsel zu dir?"
Der Wichtel nickte. "Wir sind so etwas wie Arbeitskollegen. Danke, dass du es ... äh ... zur Vernunft gebracht hast?"
"Ho, ho, ho!" Der Ritter lachte. Es war Herz erwärmend. Er hielt sich dabei den Bauch. "Ich muss gestehen, dass ich bezweifle, dass dein kleiner Freund jemals ganz vernünftig wird. Es liegt in seiner Natur."
Das Ottsel ruckte mit dem Kopf herum. Es öffnete sein Maul, aber die Worte kamen kleinlauter heraus als er wohl wollte. Außerdem stammelte es dabei: "I-ich bin sehr vernünftig, jawohl! Mir f-fallen nur vernünftige D-Dinge ein, großer Dickbauch!"
Noch einmal lachte Ruprecht auf. Dann ging er auf ein Knie herab. Der Wichtel musste dem Schwert ausweichen und sprang zurück. Das Ottsel streckte sich dem Mann allerdings trotzig entgegen. Es wurde erneut bestraft, als der Ritter das Fell wuschelte. Aber er hatte etwas beim Ottsel bewirkt. Dieses wagte nämlich nicht, Ritter Ruprecht mit Flüchen und bösartigen Verwünschungen zu überschütten.
Dem Wichtel kam eine Idee. Sie schlug so blitzartig in seinen Schädel ein, dass er zuckte und einen kleinen Luftsprung machte. So hatte er sofort die Aufmerksamkeit des alten Mannes. Jener lächelte dem Wichtel freundlich zu. So besaß er den Mut, zu sprechen.
"Ritter Ruprecht, darf ich dich was fragen?"
"Nur zu, kleiner Mann!"
Der Wichtel räusperte sich. Dann zupfte er sein Wams zurecht. "Äh ... würde es dir etwas ausmachen, uns zu begleiten? Ich glaube, mit dir an meiner Seite würde das Ottsel sich deutlich besser benehmen. Es ... ist mein erstes Jahr als Wichtel, weißt du? Oh, du weißt sicher noch gar nicht, was ich zu leisten habe!"
"Doch doch, ich weiß es sehr gut. Du lieferst Päckchen aus, an brave Seelen."
Der Wichtel nickte begeistert. Seine Augen funkelten. Deshalb hatte Ritter Ruprecht wohl keinerlei Angst vor ihm und wirkte nicht überrascht. Dieser Ritter kannte Wichtel! Oh, welch Glück er hatte. Jetzt musste der große, alte Mann nur noch zusagen! Und das tat er.
"Ich begleite euch beide. Wenn ihr wollt, können wir sogar mein Gefährt nehmen. Aber zuerst musst du wohl hier im Dorf deine Pflicht tun." Mit seiner behandschuhten Hand deutete Ritter Ruprecht auf jene Hütte, in der die Kinder verschwunden waren. "Ich glaube, die kleine Chrysta verdient etwas und ihr Bruder dürfte zumindest eine Leckerei von dir erhalten."
Dem Wichtel kullerten bald die Augen aus dem Kopf, so sehr starrte er Ritter Ruprecht an. "Woher weißt du das?", fragte er ehrfürchtig.
"Ho, ho, ho! Das verrate ich dir am Ende unserer Reise!"
Und damit ging es los.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 8. Dezember 2020, 00:42

08. Dezember
von Maruka

Im ersten Haus, das sie besuchten, da wohnte die Familie Jonk. Sie waren einfache Bauern und Chrysta war dieses Jahr laut Liste sehr fleißig gewesen. Obwohl sie noch so klein war, hatte sie schon beim Scheren der Schafe geholfen und immer fleißig den Abwasch gemacht, wenn Mutter Helma das Essen auf den Tisch gebracht hatte. Ihr Bruder, der Ottsel-Würger, war nicht so brav gewesen. Er hatte ständig Löcher in den Hosen und raufte sich auch ganz gern mit den anderen Kindern im Dorf. So legte der kleine Wichtel zwei Geschenke bereit. Das eine war groß und enthielt ein Schaukelschaf mit Namen Shaun. Es war aus Holz geschnitzt und mit weicher Wolle umhäkelt, so dass man ganz weich wie auf Wolken saß, wenn es durch die Gegend ritt. Das andere Geschenk war klein und enthielt ein paar dicke gefütterte Handschuhe, Fäustlinge die die kleinen Hände des Jungen wärmen sollten, damit er damit nichts Unartiges anstellte, und wenn er doch wieder in eine Prügelei geriet, dass er dann wenigstens seine Knöchel schonte.
Als Wichtelchen und Ritter Ruprecht dann das Haus verließen, stand Ottsel schon bereit zur Abfahrt. „Und wo geht es jetzt hin?“
Ritter Ruprecht strich sich über seinen weißen Bart und überlegte laut: „Wenn wir zwischen den ganzen fleißigen und braven Kindern noch Zeit haben - und das haben wir -, dann würde ich gern bei ein paar besonderen Menschen halt machen.“
Und damit schaute er auf eine Sanduhr, die seeeeeeeeeehr seeeeeeeeeeehr langsam lief. Plopp, … Plopp... die winzigen Körnchen lösten sich aus dem oberen Glas und fiiiieeeehhhlen so langsam, dass sie sich weiter unterhalten konnten, bevor sie im unteren Glas angekommen waren. Neugierig wie das Ottsel war, fragte es auch gleich: „Was hast du da?“
Ritter Ruprecht antwortete: „Ach dies? Das hat mit ein sehr alter, sehr hagerer Freund geliehen. Ich darf sie aber nur heute Nacht benutzen.“
Auch Wichtelchen schaute auf das Kleinod.
„Und wen besuchen wir jetzt?“, fragte er, ebenfalls neugierig geworden.
Ritter Ruprecht schmunzelte in seinen Bart hinein. „Wir reisen zu einer braven Seele, die meinem hageren Freund gute Dienste leistet.“
Und so taten sie dies auch. Ritter Ruprecht war ein großer Gesell und der Wichtelschlitten viel zu klein, also lud er das kleine Gefährt in das große und betrachtete das Ottsel nachdenklich. „So, mein kleiner Freund. Da wollen wir deine Größe mal deinem Mundwerk anpassen.“
Gesagt getan, er streichelte dem kleinen Wiesel einmal durch das orangene Fell, so dass es golden aufschimmerte. Das Ottsel wuchs und wuchs und bekam vor lauter Stolz eine ganz rote Nase. So hübsch und groß hatte es noch nie ausgesehen und jetzt würde es sicher ganz Celcia bereisen können. Es hatte wunderbar lange Beine und einen kräftigen Körper und aus seinem Kopf war ein Geweih gewachsen, an dem lustige kleine Glöckchen hingen. Stolz präsentierte es sich und seine Nase leuchtete in der Nacht.
„Seh ich nicht toll aus?“ Ritter Ruprecht nickte fleißig und spannte ihn vor den Schlitten.
„Sag mal, Wichtelchen, hat dein Ottsel eigentlich auch einen Namen?“
„Hm... wie wäre es mit Rudolf?“
Beide lachten und Ottsel schüttelte sein Geweih, dass die Glöckchen nur so klangen.
„Na, da können wir uns noch Gedanken drüber machen. Jetzt erst einmal auf nach Morgeria!“
„Morgeria? Da sollen wir Geschenke verteilen?“
„Natürlich. Auch dort gibt es arme Kinder und auch brave Seelen.“ So stieg er auf den Schlitten und setzte Wichtelchen neben sich. „Nun spute dich! Auf, auf und davon! Wir haben noch viel zu tun!“



„Morgeria.“ Für diese eine Nacht in der die Zeit still stand, fiel weißer gepuderter Schnee auf die dunklen Häuser und finsteren Gassen. „Und wo steckt diese gute Seele?“
„Gleich da unten“, antwortete Ritter Ruprecht und sie kreisten, flogen und landeten schließlich auf einem der Dächer eines düsteren Anwesens.
„Nicht sehr hübsch hier“, moserte das Ottsel mit der roten Nase. „Die Dachschindeln sich spitz und drücken in meine Pfoten.“
„Dann lass ich dir Hufe wachsen. Dann spürst du sie nicht.“
Gesagt getan.
„Und was bekommt die gute Seele an diesem gruseligen Ort von dir geschenkt, Ritter Ruprecht?“
Der Veteran überlegte, strich über seinen Bart und zwirbelte dessen Spitze. „Ich denke, ein Zauber wäre hier nützlich. Wir wäre es mit einer Rune?“
Wichtelchen nickte und kramte in seinem Sack. Dann fand er was er suchte und nickte abermals. „Thurisaz!“
Ritter Ruprecht nickte nun auch und sogar Ottsel stimmte mit ein.
„Bin gleich wieder da.“ So huschte das Wichtelchen, da er der Kleinste war, durch einen Spalt unterm Dach, lief über Balken, kämpfte gegen Staubmäuse, rutschte über kalten blanken Steinboden und erreichte letztlich erfolgreich die gute Seele. Reglos stand er da. Mit Federn im Haar und einem Mantel eng um seine Schultern gezogen, eingesperrt in einer Zelle.
„Ja so passiert es guten Seelen in Morgeria“, sinnierte Wichtelchen und holte seinen Runenstempel hervor. Flugs kletterte es den Mantel innen hinauf, fand den Dolch und drückte die Rune Thurisaz auf das Ende des Griffs.
„Klopf an und dir wird aufgetan“, murmelte der bezipfelte Wicht und glitt wieder unter dem Mantel heraus. Kaum da er den Boden erreichte, da flüsterte „die gute Seele“: „BUH!“ und Wichtelchen schrie auf vor Schreck.
„WAAAAAHHH.. Warum bist du nicht erstarrt wie der Rest der Welt?! Ich wollt doch nur...“
Die gute Seele grinste. „Aha, ich verstehe. Du bist der Lehrling des hageren Freundes meines Freundes.“
Ja, jetzt war alles klar! Natürlich!
„Na da du mich nun schon mal gesehen ...und gehört hast, da kann ich dir auch sagen, dass du da ein Geschenk bekommen hast.“
Er wiederholte die bereits gesprochenen Worte: „Klopf an und dir wird aufgetan. Ein einmaliger Passierschein, wenn du so willst. Egal wo und wann, die Tür an die du damit klopfst, wird sich für dich öffnen.“ Dann sah Wichtelchen sich um. „Und an diesem Ort solltest du nicht zu lange bleiben.“
Damit hob er winkend seine kleine Hand und verschwand.
Die gute Seele blieb in ihrer Zeit zurück, beschenkt und bedankt, dass sie eben das war, was sie war.

Wichtelchen kam bald darauf wieder zu Ritter Ruprecht und dem Ottsel mit der roten Nase aufs Dach hinauf. „Alles erledigt. Wir können weiter.“
Das Ottsel fragte: „Und wo geht es jetzt hin?“
Ritter Ruprecht sah sich um. „Morgeria mag nicht der schönste Ort der Welt sein, aber ich kenne noch die ein oder andere Seele hier, die beschenkt werden könnte, WENN sie denn brav war!“
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 9. Dezember 2020, 01:11

09. Dezember
Idee von Maruka, geschrieben von Kazel

Noch immer saß dem Wichtel der Schrecken ein wenig in den Gliedern. Obgleich sein jüngster Beschenkter ein Freund des zeitlosen Gevatters war, so hatte er ihn mit seinem Buh-Schrei gewaltig aus dem Konzept gebracht. Ein Glück, dass der kleine Wichtel nicht auch noch vom Dach gefallen war. Er kehrte zu Ritter Ruprechts Schlitten zurück. Sein eigener sah auf dem Gefährt wie ein Spielzeug aus. Hingegen war das Ottsel Rudolf, welches nicht so genannt werden wollte, ungemein stattlich geraten. Der Veteran von einem Ritter hatte ihm inzwischen die Pfoten in Hufe verwandelt und bei jedem Auftreten des Tieres konnte man magischen Glitzerstaub in Form Dutzender orange leuchtender Sterne sehen. Dem Ottsel gefiel das ungemein gut und so trippelte es immer wieder auf seinen neuen Füßen herum.
"Ho ho ho", lachte Ritter Ruprecht. "So wie du ständig von einem Huf auf den nächsten springst, könnten wir dich auch Tänzer nennen."
"Tänzer. Hm, ja das klingt auf jeden Fall besser als Rudolf! Wobei du mich ruhig weiter mit schönen Namen schmücken kannst." Ganz entschieden hatte sich das ottselige Rentier also noch nicht. Dafür war der Wichtel in den Schlitten zurückgekehrt. Er wollte weiter, aber Ritter Ruprecht deutete an, dass es selbst in Morgeria mehr als eine gute Seele geben könnte - vorausgesetzt, sie war auch wirklich artig gewesen.
Seine Worte ließen den Wichtel stutzen. "Sag mal, Rittersmann, woher weißt du eigentlich so viel über meinen Auftrag? Und wie kommt es, dass du mehr Ahnung davon hast, wer nun brav war und wer nicht?"
Erneut lachte der Ritter, dass sein Schlitten etwas schaukelte und kleine Glöckchen daran klimperten. Dennoch hörte sie hier oben auf dem Dach niemand. Der Ritter hielt sich den Bauch. Wenn er saß, stand dieser etwas vor. Dann streckte er einen Zeigefinger aus, um dem Wichtel gegen die Zipfelmütze zu schnippen. "Mein kleiner Freund, ich habe eine Liste. Ja, du wirst es mir wohl auch kaum glauben, aber sie ist zu gerechten Teilen von Lysanthor und seinem Bruder Faldor verfasst worden. Lysanthor schrieb alle Seelen Celcias auf, die in diesem Jahr artig und gutherzig gehandelt haben. Faldor rühmte die Liste mit vielen, vielen Namen jener, deren Herz in seinem Namen düster und schlecht geschlagen haben." Er griff in die Tasche seines Wamses und zückte ein zusammengerolltes Pergament, das mit einem roten Band zusammengehalten wurde. "Vorsicht", warnte der Ritter. "Die Liste ist länger als sie ausschaut. Und diese hier enthält auch nur die derzeit Ansässigen in Morgeria. Für jede Ecke Celcias habe ich eine eigene Schriftrolle und eine zweite Abschrift der gesamten Liste findet sich in meinem Buch." Er klopfte an ein in dickes Leder gebundenes, rechteckiges Paket an seinem Gürtel.
Der Wichtel staunte nicht schlecht. Ehrfürchtig nahm der die Morgeria-Namensliste entgegen und riss den Faden auf. Ritter Ruprecht hatte nicht übertrieben. Die Liste war ellenlang. Einige Namen waren bereits mit einem Haken versehen, was den Wichtel aber nicht groß wunderte. Vielleicht zog der Ritter durch ganz Celcia und half auch anderen seiner Brüder und Schwestern mit den Päckchenauslieferungen. Er ließ seinen kleinen Finger kreisen und drückte ihn dann blind auf's Papier.
"Hohoho, welch Zufall!", lachte der Ritter, als er den Namen las. Dann grinste er und entstieg dem Schlitten. "Dieses Geschenk liefere ich wohl aus. Du kannst inzwischen zu einem anderen Namen gehen oder hier warten. Ich bin bald zurück." Damit stapfte der Ritter über das Dach bis hin zu einem großen Kamin. Und plötzlich war er darin verschwunden. Er löste sich einfach in schwarzen Rauch auf und flog so den Kaminschacht hinab.
"Na, Potzblitz, was für ein windiger Charakter", kommentierte das Ottsel-Rentier Rudof-der-Tänzer. Wichtelchen stimmte mit einem Kopfnicken zu. "Ich frage mich immer noch, woher er das alles weiß. Ist er von den Göttern gesandt, uns zu helfen? Na, ich erledige mal noch ein paar Namen. Sei artig! Am besten, du bewegst dich gar nicht."
Was immer Ottsel in Abwesenheit des Ritters und des Wichtels trieb, blieb sein Geheimnis. Wichtelchen machte sich auf zu einem auf der Liste, dessen Name auf beiden Seiten vertreten war. In Faldors Aufzählung war er jedoch durchgestrichen worden. Der Gott hatte ihn wohl nicht mehr für böse genug empfunden. "Oho, das muss ein richtiger Held sein! Der Befreier von Sarma ... komisch, was macht der denn in Morgeria?" Wichtelchen zuckte mit den Schultern und suchte den noblen Salon auf, in dem sich die gute Seele aktuell aufhielt. Allzu lang wollte sich der kleine Mann dort aber nicht aufhalten. Die Dunkelelfen machten ihm gewaltige Angst und erst Recht das Weib. Immerhin verletzte es gerade die heiligsten Weichteile der guten Seele. Da kam Wichtelchen mit der Idee eines Gemächt-Schutzes etwas zu spät. Also entschied er sich prompt, stattdessen eine lindernde Salbe unter die Leute zu bringen. Im rechten Moment würde sie ihr Ziel finden, dafür sorgte ein klein bisschen Wichtelmagie. Anschließend kehrte er zum Schlitten zurück. Und dort traf auch gerade Ritter Ruprecht ein. Sein Gesicht war so hochrot wie sein Wappenrock und er schaffte es nicht, Würde zu wahren. Das Ottsel brauchte ihn nur anzusehen und lachte, ohne zu wissen, was passiert war.
"Ohje, warum bist du denn so rot, Ritter Ruprecht?"
"Äh ... ich ... habe das Päckchen nicht aushändigen können. Die junge Frau war sehr ... SEHR beschäftigt. Ich hoffe, sie hatte wenigstens ihren Spaß."
"Oh, aber das Päclchen muss ankommen! Gib es mir, ich bringe-"
"NEIN! Dafür bist du noch zu jung, kleiner Wichtel! Ähm ... ich schätze, sie wird sich genug darüber freuen, dass ich den einen oder anderen Arm empor gedrückt habe, so dass zahlreiche Angebote für sie gemacht worden sind."
"Das verstehe ich nicht", meinte der Wichtel mit schief gelegtem Kopf. Aber der Ritter wollte gar nicht näher auf seine beschenkte Seele eingehen. Ein wenig wehmütig blickte er dennoch zum Kamin zurück. Nicht, dass er an der lüsternen Orgie hätte teilnehmen wollen, aber auch er war nur ein Mann und all die hübschen Frauen würden noch lange in seinen Träumen verweilen. Selbst das Orkmädchen war seinen Anblick wert gewesen.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 10. Dezember 2020, 00:46

10. Dezember
von Kazel

In Morgeria war der Wichtel alsbald mit der Verteilung der Geschenke fertig. Ritter Ruprecht gab ihm hier und da einen Hinweis, wie er die Päckchen besonders kreativ an den Mann oder die Frau bringen könnte und er lachte stets, sobald man ihn nach seinen Kenntnissen zu dem ganzen celcianischen Wichtel-Ritual fragte. Immerhin war es für die Lebenden eigentlich nur eine Legende und kein normal Sterblicher sollte überhaupt wissen, dass Wichtel existierten. Aber der Ritter hatte nicht umsonst schon mehrfach erwähnt, dass Lysanthor und sogar Faldor ihre Finger im Spiel hatten. Trotzdem dachte Wichtelchen häufiger über die Situation nach als er es sich selbst eingestehen wollte. Was steckte hinter dem Fremden im Wappenrock? Wer war er wirklich?
Das Ottsel kümmerte sich deutlich weniger um die Rätsel, welche Ruprecht umgaben. Es interessierte sich auch nicht für den Auftrag des Wichtels und zog den Schlitten ebenso nur, weil es die Gegenleistung in Form einer warmen Mahlzeit und eines mindestens so warmen Schlafplatzes bei den Wichteln später erwartete. Nach wie vor war in der Welt des Ottsel nur für einen Platz: das Ottsel selbst. Es machte keinen Hehl daraus und nur weil es aktuell wie ein magisches Rentier aussah, änderte dies nichts an seiner natürlichen Persönlichkeit. Auch Ritter Ruprecht fielen diese Charakterzüge immer mehr auf, je länger das Trio unterwegs war. Mit magischer Geschwindigkeit und offenbar auch dem einen oder anderen Luftzauber, der dem Schlitten selbst innewohnte, flogen sie über Celcia hinweg. Die Reise zu den Zielorten war somit um vieles einfacher. Nogrot sollte noch ein Anhaltspunkt werden, wobei ein paar der Namen auf der Liste mit einem Fragezeichen versehen waren.
"Da werde ich selbst nicht ganz so schlau draus", murmelte der Veteran und strich sich durch den weißen Bart. Dann lächelte er dem Wichtel freundlich zu. "Am besten entscheidest du spontan und vor Ort, ob es sich lohnt, dass die Seelen ein Geschenk erhalten. Soweit ich weiß hast du als Lieferanten-Wichtel da sowieso das letzte Wort."
"Tatsächlich?" Der Wichtel zeigte sich verwirrt wie gleichermaßen überrascht. Das war ihm nicht klar gewesen, aber er freute sich mit einem Mal, dass man ihm so große Verantwortung zugestand. So ging er mit noch mehr Motivation an seine Arbeit heran. In Drachengebirge machte die Gruppe im Hybridendorf Halt und versteckte ein paar Kleinigkeiten für einige besonders artige Hybriden. Anschließend überquerte man die Gebirgsgipfel, umkreiste den Eingang zu Nogrot jedoch nur kurz. Das Ottsel deutete lediglich eine Landung an, nur um dann frech eine steile Kurve zu fliegen. Hätte Ritter Ruprecht nicht so schnell reagiert und nach dem Wichtel gepackt, wäre jener aus dem Schlitten und weit in die Tiefe gestürzt.
"Obacht!", mahnte der Ritter sein Rentier. Das Ottsel verdrehte aber nur die Augen und kicherte über das Ungeschick seines Arbeitskollegen. "Ich will lieber in den Arus", maulte es. "Der liegt nahe am Neldoreth und da bin ich eigentlich Zuhause."
Die beiden hätten noch ewig mit dem Ottsel diskutieren können, aber als Zugtier des Schlittens zeigte sich, dass auch es hier in einigen Punkten das letzte Wort ergriff. So flog es nun zielstrebig Richtung Arus. Der Nadelwald präsentierte sich zu dieser Jahreszeit in seinem glanzvoll grünen Gewand wie nur wenige Wälder es konnten. Hoch ragten die Bäume über die Welt hinaus und ihre Wipfel wiegten sich seicht im Fahrtwind, wenn der Schlitten an ihren vorbei düste.
Auf einer ruhigen Lichtung setzte das Ottsel zur Landung an. "Spannt mich ab!", verlangte es und stampfte mit einem Huf auf. "Dieses Mal möchte ich nämlich mit."
"Du?", fragte der Wichtel mit einer Mischung aus Zweifel und Entgeisterung. Er ahnte, dass das Ottsel ihn kaum aus Nächstenliebe begleiten wollte. Viel eher befürchtete er, dass es wieder irgendeinen Schabernack im Sinn hatte. Doch das Tierchen schüttelte daraufhin vehement mit dem Kopf und schwor auf den Glanzpelz seiner Mutter, dass es ganz artig sein würde.
"Das werden wir ja später mit einem Blick auf die Liste sehen", murmelte Ritter Ruprecht. Er war jedoch gewillt, dem Ottsel eine Chance zu geben und so löste er das Geschirr des Schlittens. Das Tier war frei, blieb allerdings in der Gestalt des Rentieres bestehen. Es begleitete den Wichtel hinein ins Dickicht, während der Ritter auf die Rückkehr beider warten wollte.
"Wo geht's denn hin und was liefern wir aus?", plapperte das Ottsel, welches sich keinerlei Mühe gab, leise zu sein. So mahnte der Wichtel es zunächst zur Ruhe, ehe er antwortete. Mit einem Blick auf die Liste des Ritters sagte er: "Ich soll ein Blümchen pflanzen."
"Bist du jetzt unter die Gärtner gegangen, ja?"
"So ein Blödsinn! Nein, jemand soll sie finden. Deshalb werde ich den Samen ganz in der Nähe des Paares in den Boden setzen, so dass bis Mitternacht und im Schein des Mondes die Knospe sich öffnen und erblühen kann."
Das Ottsel gab einen erstaunten Laut von sich. "Seit wann blühen Blumen denn nachts? Du hast wirklich nicht gut aufgepasst im Florencia-Unterricht, was? Nein, ein Gärtner wirst du nicht. Da bist du dann doch zu dumm für!"
Langsam riss der Geduldsfaden des kleinen Zauberwesens. Der Wichtel atmete tief durch und versuchte, sich zu beherrschen. Es war nur ein Ottsel. Es lag in der Natur der Ottsel, frech und selbstsüchtig zu sein. Er durfte sich nicht provozieren lassen. Mit jedem Atemzug ging es besser und so konnte das Wichtelchen nach einer Weile des intensiven Luftaustauschs endlich antworten: "Diese Blume schon. Sie ist magisch, denn sie soll ja nur nachts erblühen. Das macht sie zu etwas Besonderem und zudem zu einem wundervollen Geschenk für gleich zwei gute Seelen. Oh, sei still jetzt! Wir sind fast da."
Wichtelchen duckte sich ins Geäst des Dickichts und lugte dann zwischen den Zweigen auf eine Lichtung. Dort saßen drei Gestalten auf einer Picknickdecke. Sie genossen Kuchen und Wein. Die Stimmung war heiter, dass es das Herz des Wichtels erwärmte. Gut. Sie waren ganz in der Nähe. Er würde es ihnen leicht machen und den Samen der magischen Mondblume direkt am Rand der Lichtung einpflanzen. Er musste nicht einmal lange suchen. Ein Ring aus kleinen Pilzen bot den idealen Fundplatz für die Blume. In der Mitte dieses als Feenring bezeichneten Runds begann er zu graben.
Das Ottsel hingegen rührte keinen Huf. Es wartete, bis der Wichtel das Loch gebuddelt hatte und den Samen hervor holte. Dann streckte es plötzlich den Kopf und starrte über die Zweige hinweg auf die Lichtung. Es blickte direkt in die schönen Augen der einzigen Elfe. Es konnte auch nicht viel mehr von ihr sehen, denn sie war vermummt, obgleich sie sich zu kleiden wusste. "Verdammt!", fluchte es und stupste den Wichtel mit einem Huf an. Dann steckte es den Kopf zwischen die Zweige. "Ich bin gesehen worden", zischte es dem Wichtel zu. "Schnell, du musst für Ablenkung sorgen, damit ich rasch verschwinden kann. Na los!"
"Aber der Samen ist noch nicht ganz eingepflanzt!"
"Ich scharre Erde darüber, aber du musst die drei aufhalten, bevor sie uns finden. Schnell, schnell!"
Da blieb dem Wichtel nicht lange Zeit zum Überlegen. Er gab den magischen Samen in die Obhut des Ottsels. Mehr oder weniger, denn eigentlich ließ er ihn nur in dem kleinen Erdloch zurück. Das Ottsel brauchte wirklich lediglich noch etwas Erde darüber zu schieben, damit das Geschenk abgeliefert wäre. Er konnte ihm diese Aufgabe bedenkenlos anvertrauen und huschte dann auf die andere Seite der Lichtung, um dort ordenltich Nadeln aufzuwirbeln und Zweige zum Knacken zu bringen. Eine der dre Gestalten machte sich auch sogleich auf, nach ihm zu sehen. Ein Katz- und Maus-Spiel begann.
Und das Ottsel? Es grinste aus dem Dickicht heraus. "Vonwegen Blumen für die da. Die sehen kein bisschen brav aus! Außerdem hab ich noch nie eine Blume nachts blühen sehen." Es entschied sich, den Samen zu behalten und versuchte, ihn auszugraben. Mit seinen Hufen war das kein Problem, ihn aber aufzuheben schon eher. Es blieb dem Ottsel nichts Anderes übrig als den Samen mit dem Maul aufzunehmen. Doch gerade als es ihn zwischen den Zähnen hatte, tauchte der Wichtel wie aus dem Nichts auf. Das Ottsel erschreckte sich und verschluckte prompt den kleinen Samen. Bevor der Wichtel es schimpfen konnte, stampfte es mehrfach auf das nun leere Erdloch.
"Bist du soweit? Ich glaube, wir können fliehen", raunte der Wichtel.
"Mhm", gab das Ottsel zurück, denn in seinem Maul steckten noch die halb zerkauten Überreste des Samens. Der kleine Wichtel bekam davon leider nichts mit. Er sah nur den platt getretenen Erdhügel und glaubte, das Ottsel habe endlich einmal getan, was ihm aufgetragen worden war. So huschten beide ungesehen zurück zum Schlitten und zu Ritter Ruprecht, der sie mit skeptischem Blick schon erwartete.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 11. Dezember 2020, 04:07

11. Dezember
Vorlagen und Ideen von Maruka und Janay, ausformuliert von Kazel

"Und?", fragte Ritter Ruprecht, als er nach dem Kragen des Wichtels griff, um ihn in den Schlitten zu heben. "Habt ihr das Geschenk gut platziert?" Der Wichtel nickte in Treue und Glauben. Noch immer ahnte er nicht, dass der Samen der magischen Mondblume gerade den Hals des zum Rentier verwandelten Ottsels herab rutschte. Jenes gab sein Missgeschick auch keineswegs preis. Stattdessen reckte es die rote Nase etwas mehr empor und verkündete mit vor Stolz geschwellter Brust: "Wir sind fast erwischt worden, als der dicke Wichtel das Loch gegraben hat. War ganz schön aufregend, aber zum Glück habe ich rechtzeitig ein Ablenkungsmanöver ausgerufen. Wie gut, dass der kleine Wicht gehorsam die Befehle seines Anführer-Ottsels befolgt!" Sein dramatischer Ton untermalte die vollbrachte Leistung. "Dann habe ICH die Erde im Loch festgestampft!"
Ritter Ruprecht engte die Augen. "War das so?", hakte er nach.
"Ja, ja! So war es!"
Der alte Mann brummte in seinen weißen Bart hinein. Anschließend spannte er das Ottsel wieder vor den Schlitten. Jenes fühlte sich nun sicher. Alles war gut gegangen. Der verflixte Ritter in seinem roten Wappenrock hatte nichts bemerkt! Es konnte weitergehen. Doch dann sprach der Veteran: "Na dann wird ja alles so geschehen, wie geplant. Dieser Samen war nämlich etwas ganz Besonderes." Er schaute vom Ottsel zum Wichtel zurück und lächelte Letzterem zu, als dieser es mit einem Nicken bestätigte. "Ho, ho, ho! Er schlägt seine Wurzeln immer und überall. Das muss so sein, falls eine gute Seele in unliebsamen Bedingungen wie bei den Oblinos oder in den celcianischen Wüsten mit diesem Pflänzlein beschenkt werden soll. Der Samen braucht weder Sonne noch Licht. Er muss nur von etwas umgeben sein, damit er wächst und wächst. So kann er um Mitternacht schließlich seine Triebe öffnen und erblühen."
Plötzlich wurdem dem Ottsel etwas flau im Magen. Es blinzelte und schaute an sich herab, hinunter zum Bauch. Jener grummelte, als Ritter Ruprecht fortfuhr: "Es ist erstaunlich, nicht wahr? Dass ein so winziger Samen wächst und seine Wurzeln tief in die Erde treiben wird. Sie strecken sich länger und länger." Das Ottsel unterdrückte ein Würgen. "Sie breiten sich in alle Richtungen aus, um der jungen Pflanze Halt zu geben. Und um Mitternacht, wenn die Blüte ihre Schönheit aus der Knospe befreit..."
Dem Ottsel wurden die Knie weich, als hätte es sie nicht mehr unter Kontrolle. War das schon der Samen, der seine Wurzeln in die Beine des Rentierkörpers trieb? Ihm war furchtbar übel. Da reckte Ritter Ruprecht seinen behandschuhten Finger empor. "Man sagt auch, die Magie der Pflanze lasse alles um sich herum etwas mitwachsen!"
"W-was?!"
Der Wichtel schrak unter dem Ausschrei zusammen. Ritter Ruprecht grinste nur schief in seinen Bart hinein. Er wandte sich um. "Sag mal, mein ottseliger Freund ... den wir nicht Rudolf nennen dürfen ... Sprichst du auch wirklich die Wahrheit? Ich glaube nämlich, deine Nase glüht etwas roter als sonst. Hm, wächst sie gar in die Länge?"
Das Ottsel spannte sich an, so dass es kerzengerade vor dem Schlitten stand. Vehement schüttelte es den Kopf. "Du erzählst Unsinn, alter Mann!", keifte es unfreundlicher als sonst und auch ein paar Stimmlagen höher, dass es beinahe quietschte. "Meine Nase ist niemals nicht rot und lang. Nichts wächst bei mir, überhaupt nichts!"
"Soso", gab der Veteran von sich und nickte vorerst. "Dann warten wir ab. Der Abend rückt näher und um Mitternacht sehen wir bestimmt das Licht der schönen Mondblumenblüten vom Schlitten aus." Er kehrte in den Schlitten zurück. Der Wichtel rutschte extra ein wenig beiseite für den Mann, welcher nun die Zügel nahm und dem Ottsel das Zeichen gab, in die Höhe zu steigen. Jenes verpasste den Einsatz, schluckte unwohl und stob dann mitsamt seiner Zuglast in den Himmel empor.
Der Wichtel sah noch einmal zurück und hätte nur zu gerne einen Blick auf die bald blühende Blume geworfen, deren magische Blüten sicherlich einzigartig waren. Aber wenn der Ritter sagte, man könne sie auch aus dieser Höhe sehen, würde er seine Sehnsucht bestimmt erfüllt bekommen. Es musste nur noch Mitternacht werden, aber der Tag hielt fleißig darauf zu.
Ruprecht hingegen musterte weiterhin das freche Ottsel. Die Skepsis war aus seinen Zügen gewichen. Dafür blitzte amüsiertes Wissen in den hellen Augen auf. Das Ottsel sah es nicht, denn es schaute nicht in den Schlitten zurück, sondern nur nach vorn. Es wollte nicht länger über den Samen nachdenken.
"Reisen wir nun nach Nogrot?", fragte der Wichtel kurze Zeit später, als er die Artig-und-Böse-Liste entfaltete. Sein Ansprechpartner nickte. Er wollte schon nach rechts leinken, doch prompt erinnerte sich das Ottsel an seinen eigenen Willen und dass dieser immer Vorrang hatte! So zog es demonstrativ nach links.
"Nana, wir hatten uns auf einen Kompromiss geeinigt und du hast deinen Willen bekommen, erst zum Arus zu fliegen. Nun leiste deinen Beitrag, liebes Ottsel", schalt der Ritter mit seiner vollen, wohlklingenden Stimme, ohne dabei scharf im Tonfall werden zu müssen.
"Pff, vonwegen Kompromiss! Ich will jetzt mal in den Süden! Immer nur Schnee und Kälte hier, ich will's mal warm haben!", zeterte das Ottsel sofort los und schickte noch ein paar Flüche hinterher. Der rechte Zügel wurde noch strammer gezogen.
"Nicht der ganze Süden ist warm, wie du ihn dir vorstellst. Es gibt dort ein eisreiches Gebiet, in dem die Temperaturen selten an den Nullpunkt heranreichen und wo geheimnisvolle Eiselfen und tapfere Mantroner leben. Aber dorthin geht es später am Tag. Unser nächstes Ziel heißt Nogrot. Dort entlang." Ritter Ruprecht straffte erneut den Zügel. "Da vorn biegst du wieder nach links. Du wirst sehen, wir brauchen nicht lang."
"Außerdem hat die Zwergenstadt einige heiße Quellen zu bieten! Dort wirst du weder Schnee noch Kälte finden", sprang der Wichtel seinem Begleiter unterstützend in die Argumentation. Aber das Ottsel blieb stur.
"Bitte wenden, bitte wenden!", meinte es nur mit monotoner Stimme. Der Wichtel verdrehte die Augen. "Was ist los?", klagte er. "Bist du jetzt eine sprechende Landkarte, die uns doch nicht so richtig den Weg weisen will? Muss ich dir auch noch das Ziel markieren?" Auch der Tonfall des Wichtels veränderte sich. Mittlerweile schnauzte er das Ottsel an, ein wenig unbeholfen zwar, aber mit den Nerven nur noch an einem aufgedröselten Geduldsfaden hängend.
"Bla, bla, bla! Muss ich das Ziel markieren? Blaaaaa!", äffte das Geschöpf ihn nach, dass Wichtelchen vor Zorn rot anlief und die kleinen Hände zu Fäusten ballte. "Dir sollte mal jemand Manieren beibringen", stammelte er wütend. "Ha, jetzt weiß ich, was ich als nächstes aus dem Geschenkebeutel ziehen will! Eine Peitsche! Dann werden wir ja sehen, wer hier das letzte Wort hat!"
Ritter Ruprecht blieb ruhig. Er legte lediglich eine Hand auf die Schulter des Wichtels, um auch diesen zur Ruhe zu gemahnen. Es wirkte. Wichtelchen besann sich, schaute zu seinem Sitznachbarn empor und fand inneren Frieden zurück. Langsam sank er unter der Hand und mit einem leidlichen Seufzen in sich zusammen.
Der Ritter aber schüttelte nur den Kopf, wie ein nachsichtiger Großvater bei seinen streitenden Enkelkindern. Dann ließ er die Zügel locker, was das Ottsel dermaßen überraschte, dass es einfach in der Luft stehen blieb. Es wandte nun doch den Kopf zurück. "Komm mir mit einer Peitsche zu nahe und ich spucke dir den Mondblumensamen zurück ins Gesicht", drohte es dem Wichtel mit kühlem Blick.
"Du hast ihn also doch gegessen", merkte Ritter Ruprecht an. Ohne dass sich seine Stimme veränderte, war jene doch mit einem Mal von Strenge erfüllt. Das Ottsel duckte den Kopf unter dem Klang weg, als wäre jener ein Peitschenhieb gewesen. In diesem Moment öffnete sich die Wolkendecke ein wenig, aber statt eines lysanthorischen Sonnenstrahls trat ein bleiches Licht hervor, das zielstrebig auf einen Fleck am Bauch des Rentier-Ottsels schien.
Ritter Ruprecht nickte zufrieden. "Manthala weiß von deiner Schandtat. Sie und ich erwarten, dass das in Ordnung gebracht wird. Wenn du also nicht mit einem treibenden Samen als Strafe rechnen möchtest, zeigst du dich fortan besser etwas kooperativer, liebes Ottsel. Bitte ... nach Nogrot." Ritter Ruprecht deutete in die entsprechende Richtung.
Das Wichtelchen aber starrte das Rentier an. "Du ... hast den Samen in deinem ... Bauch?", brabbelte er ungläubig.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 12. Dezember 2020, 01:09

12. Dezember
von Maruka, umformuliert von Kazel

Des Wichtels Augen wuchsen zu Untertellern heran. Hätte der kleine Samen im Bauch des Rentieres diesen Blick gesehen, wäre er sofort und vermutlich auch doppelt so groß gewachsen. Immerhin starrten gleich zwei Monde das Ottsel an. Bleicher war nur das Gesicht des Wichtels selbst. Er zitterte sogar vor Schreck. Ritter Ruprechts Hand auf seiner Schulter ermutigte ihn weit genug, dass er überhaupt erst wieder zu Worten zurückfand.
"A-aber ... aber das bedeutet ja, dass die gute Seele im Arus gar kein Geschenk erhalten wird!?!" Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen und raufte sich die Zipfelmütze, dass diese ganz zerknittert zwischen seinen kleinen Fingern lag. Der gesamte Wichtel bebte und er glaubte beinahe, selbst den Samen gegessen zu haben, so übel war ihm.
"Das ist schlecht. Ganz schlecht, für die Seele und für die Bilanz", murmelte er vollkommen verzweifelt. Er würde bestimmt Ärger bekommen, wenn die Erbsenzähler-Wichtel am Ende seiner Reise einen Blick in seine Soll-und-Haben-Listen warfen. Diese Sorte von Wichtel nahm ihre Pflicht nämlich ungemein genau. Da durfte nichts schief gehen! Erst Recht nicht bei ihm, wo es doch das erste Mal war, dass er als Geschenke-Lieferant agieren durfte. So würde er niemals unter den anderen Wichteln anerkannt werden. Schon jetzt machten sie sich doch über ihn lustig und nahmen ihn nicht ernst. Mit seiner Chance in diesem Jahr wollte er doch allen beweisen, dass man auch ihm Fleiß und Zuverlässigkeit auf die Fahne schreiben konnte. Und nun würde er wegen diesem dummen und mehr als gefräßigen Ottsel seine Quote nicht schaffen! Wie schrecklich! Das Ottsel machte wirklich nur Schwierigkeiten. Es war gehässig, frech und selbstsüchtig. Niemals dachte es an andere, weder an seinen Teilzeit-Kollegen, den Wichtel, noch an die arme Seele, die nun auf ein Geschenk würde verzichten müssen. Wichtelchen kamen angesichts dieses Desasters beinahe die Tränen. Wo sollte er denn noch einen Ersatz hernehmen? Sein magischer Beutel mochte eine Unzahl an Präsenten beinhalten, aber am Ende war es doch nur eines für jede gute Seele. Keines zu viel und keines zu wenig. So war die Rechnung, natürlich ebenfalls von den Erbsenzähler-Wichteln erstellt.
Hilfesuchend sah er zu Ritter Ruprecht auf. "Was soll ich denn jetzt machen?"
Der weißbärtige Mann blieb gelassen. Zwar hatte auch er einen strengen Blick für das Ottsel übrig, aber dem Wichtel drückte er nur aufmunternd die Schulter. "Mach dir keine Sorgen, kleiner Freund. Erinnere dich stattdessen an meine Worte. DU entscheidest mit, wer ein Geschenk bekommt und wer nicht. Und manchmal kann es auch das Geschenk einer lehrreichen Erkenntnis sein, etwas nicht zu bekommen."
Er lächelte ihm zu, aber so ganz beruhigte es den Wichtel nicht. Traurig suchte der Blickkontakt mit dem Ottsel. Das Tier aber verdrehte nur genervt und scheinbar gewissenlos die Augen, zuckte mit den pelzigen Rentierschultern und meinte schamlos: "Denkt doch nicht an ein verlorenes Geschenk. Denkt lieber mal an mich! Wie war das mit dem Samen? Der wächst überall, ja? Das heißt, ich werde sterben! Das ist ein richtig blödes Geschenk!"
"Es war auch nicht für dich bestimmt", erwiderte Ritter Ruprecht und lächelte nur breiter. "Für dich wäre es wirklich besser gewesen, es nicht zu bekommen. Aber das meinte ich nicht." Er deutete auf die lange Pergamentrolle, die noch im Schoß des Wichtels lag. Dieser presste die Lippen aufeinander. "Du meinst also, ich sollte die brave Seele von der Artig-Seite streichen, damit die Rechnung am Ende aufgeht?"
Der alte Mann wiegte den Kopf hin und her. "Hm ... das wäre eine Möglichkeit."
Wichtelchen rollte das Pergament auf, während der Ritter ihm ein Stück angespitzter Kohle reichte, mit dem es auf dem Papier Änderungen würde vornehmen können. Der kleine Mann nahm es entgegen. Dann ging er die Namensliste auf der guten Seite durch, bis er den Namen der braven Seele im Arus ausmachen konnte. Er führte die Kohlespitze darüber. Mit einem leichten Zittern schwebte sie über den Lettern. Das Wichtelchen seufzte. War das denn richtig, was er hier tat? Die Seele war das Jahr über bemüht gewesen, das Richtige zu tun. Sie war sogar so fleißig darin, dass neben ihrem Namen drei kleine Sterne in einer Reihe aufgeführt waren. Eine überaus brave Seele, die ihr Geschenk eigentlich mehr als verdiente. Und nun sollte er sie einfach streichen, damit die Bilanz stimmte? Damit die anderen Wichtel ihn auch im kommenden Jahr wieder Geschenk ausliefern ließen? Damit er es war, der keinen Ärger bekäme?
"Das macht mich nicht weniger selbstsüchtig als das Ottsel", wisperte er in sich hinein, voll Bedauern. Andererseits, wenn er nun den Namen strich und bei seinen Kollegen Ansehen gewann, würde er auch im kommenden Jahr wieder mit dem Schlitten ausziehen können. Vielleicht bestand dann die Möglichkeit, es für die arme Seele wieder gut zu machen. Vorausgesetzt natürlich, sie gäbe sich erneut Mühe wie in diesem Jahr.
Er seufzte. Da lag nun eine Lösung vor ihm, aber sie erschien ebenso aussichtslos, als hätte es sie nicht gegeben. Mit grimmiger Verärgerung schaute er wiederholt zum Ottsel, das schon gar kein Interesse mehr an dem Missgeschick zeigte. Ungeduldig wartete es darauf, weiter fliegen zu können. Es war doch alles seine Schuld! Warum konnte er das Ottsel nicht irgendwie abstrafen? Weil er hier den Unruhestifter hatte spielen müssen, würde eine gute Seele nun ohne Geschenk dastehen. Aber was sollte er tun? Es schien die einzige Lösung zu sein. Ritter Ruprecht hatte es angedeutet. Nein. Hatte er nicht. Er sagte, dass es eine Lösung war. Also gab es vielleicht weitere?
Leider hatte der Wichtel die Reaktion nicht so aufgenommen und so glaubte er, keine Wahl zu haben. Mit gemischten Gefühlen und einem unangenehmen Kloß im Bauch setzte er das Kohlestück an. Dann ging es ganz schnell. Die schwarze Linie zog sich über den Namen der Seele, Buchstabe für Buchstabe. Schließlich war er durchgestrichen. Die Bilanz stimmte wieder. "Nogrot steht noch an", seufzte er. "Oder soll ich die Namen der braven Seelen dort auch schon einmal vorab streichen, damit das Ottsel noch weitere Geschenke fressen kann?"
"Ho. ho. ho", lachte Ritter Ruprecht, aber nicht im Spott. Er drückte die zum dritten Mal die Schulter des Wichtels. Dann sagte er zuversichtlich: "Nun fliegen wir erst einmal nach Nogrot. Danach sehen wir weiter. Vielleicht schleicht sich ja noch das schlechte Gewissen bei unserem ottseligen Freund ein. Sei unbesorgt."
"Ehe das geschieht, wird sich Faldor ein Zipfelmütze aufsetzen und persönlich Geschenk verteilen", murmelte das Wichtelchen sarkastisch. Mit einem flauen Magen und Unglück im Herzen saß es im Schlitten, der nun ins Reich der Zwerge lenkte und einfach problemlos durch den Berg hindurch flog, tief hinein ins Erdreich des Drachengebirges.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 13. Dezember 2020, 00:00

13. Dezember
Idee von Maruka, geschrieben von Kazel

Während der große, aber doch verhältnismäßig schlichte Schlitten des alten Ritters wie durch Zauberhand das Massiv des Drachengebirges durchquerte, wurde er beobachtet. Jemand schaute auf die Szene herab. Genauer gesagt blickten drei Augenpaare auf Celcia hernieder und beobachteten das Treiben von Wichtel, Ritter und Ottsel-Rentier mit Interesse.
Jedes dieser Augenpaare gehörte zu einer Erhabenheit und jede von ihnen saß auf ihrem eigenen Platz. Im Zentrum weilte die glanzvollste Gestalt des Trios. Strahlend hell mit güldenen Gewändern, einem güldenen Lorbeerkranz auf dem wallend goldenen Haar, das bei jeder Bewegung des Kopfes gleißend aufblitzte, hatte der stattliche Geselle gar ein sachtes Klatschen für den Wichtel übrig. "Er bemüht sich, ohne Frage", drang seine Stimme samtweich und doch kraftvoll wie ein Sonnenstrahl, welcher am Morgen die Wolkendecke durchbricht, in den Raum.
Das Wesen zu seiner Linken schmunzelte sacht. Sie war gänzlich nackt, musste sie doch nichts verstecken. Ihre Kurven weckten verheißungsvolle Sehnsucht und riefen die erotischsten Fantasien herbei, unabhängig welchen Geschlechts der Betrachter war. Derart hervorgerufene Sehnsüchte wagte man nur in seinen Träumen zu haben, denn dort herrschte die Illusion, niemand sonst bekäme sie mit. Dass sich die Schönheit mit ihrer mondbleichen Haut, dem grauschwarz schimmerndem Nebelhaar und den dunklen Augen Nacht für Nacht an diesen Traumgeheimnissen ergötzte, ahnte man nicht. "Aber er wird so keinen Erfolg haben. Das Ottsel tanzt ihm auf der Nase herum ... und deinem Vasallen ebenfalls." Sie kicherte amüsiert. Dann schob sie ihre schlanke Hand zwischen die Schenkel, in ihren warmen Schoß und holte auf wundersame Weise einen kleinen Haufen reinsten Sternenstaubs hervor. Silbrig glitzerte er wie pulverisierte Diamanten. "Vielleicht sollte ich einschreiten und ein wenig aushelfen."
"Mich wundert das Versagen nicht", mischte sich die Person rechts des Güldenen erstmals in die Unterhaltung ein. Wo die rauchig schöne Frau einen simplen und nur mit einem schwarzen Samtkissen gepolsterten Holzstuhl bevorzugte, da ließ es sich der ganz recht Sitzende nicht nehmen, ebenfalls auf einem Thron zu hocken. Sein Möbelstück bot einen direkten Kontrast zum Platz des Güldenen. War dieser Thron doch mit goldenen, leicht gewellten Sonnenstrahlen als Rückenlehne verziert, so wies der schwarze Thron des Dritten dornenartige Spitzen auf, aus denen ein nicht enden wollender Blutquell hervor tropfte. Blanke Schädel verschiedenster Lebewesen häuften sich um die Beine des Mobiliars und die Schwärze in ihren Augenhöhlen war von derartiger Intensität, dass sie selbst den Goldschimmer des zentral Sitzenden zu verschlucken drohte. Eben dieser faltete nun die Fingerspitzen aneinander, lehnte sich zurück und musterte den Gesellen neben sich.
"Stellt ihr beiden etwa meine Entscheidung in Frage?"
Links schmunzelte es und rechts grinste es unverhohlen. "Dein Abgesandter bessert die Situation nicht. Ich bereue, meinen Teil an dieser Liste beigetragen zu haben, wenn es ohnehin umsonst ist. Am Ende wird keines dieser sterblich, minderwertigen Wesen ein Präsent erhalten."
"Aber das freut dich doch, lieber Bruder, oder nicht?", raunte die weibliche Gestalt zuckersüß hinter vorgehaltener Hand. Die Reaktion des Finsteren beschränkte sich auf ein Brummen, allerdings eines der Zustimmung. Das verdross den Güldenen und er sagte: "Dir passt es gut in den Kram, Bruder. Mein Versagen steigert doch nur dein Selbstbewusstsein. Du hast aber nicht deine Finger im Spiel? Wir hatten ausgemacht, dass niemand von uns sich aktiv einmischt."
"Ich habe lediglich die Liste geschrieben, Bruder", erwiderte der Dunkle. Mit einem gehässigen Grinsen lehnte auch er sich nun in seinem Thron zurück. Dabei schlug er die Beine übereinander, doch Füße entdeckte man unter seiner pechschwarzen Kutte nicht. Sie endete in einem schwarzen Nebel, aus dem sich die Klageschreie verlorener Seelen vernehmen ließen. "Ich brauche mich überhaupt nicht einmischen, um dich scheitern zu sehen. Dich und deinen Vasallen. Aber ich genieße das Ereignis, welches uns geboten wird. Ich werde mich an der Enttäuschung und Trauer der Celcianer laben."
"Du klingst, als wolltest du dich wirklich satt fressen, Brüderchen?", kicherte die Frau. Der Dunkle hob nur die Schultern. "Im Grunde ist es recht langweilig. Immerhin habe ich mit keinem anderen Resultat gerechnet."
"Dann solltest du vielleicht doch einschreiten."
Beide Gestalten schauten nun mit Überraschung zu ihrer rauchigen Schwester herüber. Sie genoss den Moment. Was interessierte sie dieses kleine Ränkespiel zwischen ihren Brüdern? Es war doch jedes Jahr dasselbe. Sie verfassten eine Liste und teilten die Lebenden Celcias in gut und böse ein. Die Liste erhielten dann die Wichtel, welche sie wiederum unter sich aufteilten, um an einem besonderen Tag des Jahres Geschenke an alle artigen Sterblichen zu verteilen, bis sie ihr Antlitz am Nachthimmel zeigte. Diese Tradition änderte sich nicht, so dass sie mit Euphorie auf die Aktionen des Ottsels geschaut hatte. Endlich etwas Abwechslung! Dennoch ... sie empfand Mitleid mit dem Wichtel. Er bemühte sich wirklich und irgendwo hatte ihr dunkler Bruder Recht: Der vom Güldenen gesandte Rittervasall konnte auch nichts gegen das Ottsel ausrichten.
"Er ist zu gutmütig - wie du, lieber Bruder. Niemand wird diesem verzauberten Wiesel Manieren beibringen. Deshalb sage ich, dass doch jemand eingreifen sollte. Und wer wäre besser geeignet als mein Zwilling?"
"Ich?!" Da war der Dunkle sprachlos. Seine Schwester nickte nur.
"Genau du. Niemand wird mehr gefürchtet und wenn du es nicht schaffst, das Ottsel auf den richtigen Weg zu lenken, wer dann? Ich glaube, das würde eine gar fantastische Wendung nehmen!"
"Ich werde nicht auf Celcia herabsteigen, um mich für einen derart langweiligen Schabernack zu zeigen!", erwiderte er. Das Schwesterchen stieß ein enttäuschtes Seufzen aus. Sie hatte sich schon so gefreut. "Ich könnte dir eine schwarze Zipfelmütze zur Verfügung-"
"Nein."
"Oder eine..."
"Ich habe nein gesagt."
Der Güldene erhob sich von unter einem Räuspern von seinem Thron. "Ruhe, ihr beiden", wies er die Geschwister an und breitete in jede Richtung einen Arm aus, dass seine goldenen Gewänder einen Hoffnungsschimmer zeigten. Erhaben reckte er den Kopf. Sein dunkler Bruder würgte. Davon ließ sich der Goldene aber nicht beirren. Er sprach: "Ich habe einen Abgesandten gen Celcia zu Unterstützung geschickt. Im Grunde habe ich somit bereits mit den Traditionen gebrochen. Es ist nur gerecht, wenn unser Bruder nun einen eigenen Vasallen entsendet."
Die Frau klatschte vor Begeisterung in die Hände. Auch sie sprang nun von ihrem Stuhl auf, jede Bewegung eine Sünde wert. "Oh, ich weiß schon, wen du schicken wirst! Er kann die schwarze Zipfelmütze haben ... und eine Weidenrute, falls das Ottsel wirklich nicht hören möchte!"
Der Dunkle grunzte auf. Ihm stand keinerlei Begeisterung in die toten Züge geschrieben. "Soll ich ihm auch noch einen Sack mit eigenen Geschenken verpassen? Kleinigkeiten für die ... bösen Celcianer?"
Schwesterlein nickte eifrig. "Kohle!", rief sie aus und ließ ihren Sternenstaub zu eben jener Materie werden. "Das wird mein Beitrag in unserem Spiel! Zwei Vasallen beider Brüder, der eine für die gute Seite der Liste und der andere für die böse. Geschenke der Tradition nach für die Braven, ein Stück Kohle für jeden Unartigen auf Celcia. Und den ersten Brocken erhält das Ottsel!"
Die beiden Brüder ließen sich den Vorschlag durch die Köpfe gehen. Letztendlich nickten sie beide. Die Schwester hatte nun einmal ein Händchen für Verhandlungen und ihre Überzeugungskraft besiegelte meist jedes Angebot zu ihren Gunsten. So setzte sie noch einen oben drauf, als der Düstere fragte: "Und wen schlägst du als meinen Vasallen vor?"
Manthala lächelte geheimnisvoll. Dann säuselte sie: "Den Krampus."
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 14. Dezember 2020, 00:36

14. Dezember
Idee von Maruka, geschrieben von Kazel

"Hier ist es furchtbar dunkel, kalt und überhaupt viel zu steinig! Haben die verflixten Zwerge denn keine Wälder in ihren Berghöhlen?" Das Ottsel beklagte sich nun schon Minuten lang über Nogrot, ohne auch nur ein einziges Mal die glorreiche Stadt der Zwerge zu würdigen. Weder die hohen Höhlengewölbe mit ihren Stützsäulen aus natürlichem Gestein, um die sich zahlreiche Höhlenhäuser scharten wie Pilze um einen Baumstamm, noch die ewig breiten, künstlich angelegten Straßen mit all ihren Tiefenbrunnen, gewaltigen Zwergenstatuen und alles erhellenden Kohlebecken beeindruckten das freche Biest. Es sah nicht eine Baumgruppe, nicht eine Blumenwiese und natürlich auch keinen Himmel, was dem Ottsel in Rentiergestalt Grund genug gab, sofort alle Zwerge zu beleidigen und ihre Heimat zu einem schmutzigen Sündenpfuhl zu erklären. Der Wichtel und Ritter Ruprecht hatten nach der Durchquerung der äußeren Gebirgswände gut eine Stunde gebraucht, um das Ottsel zum Weitergehen zu bewegen. Es war nämlich angesichts des von ihm als trostlos und hässlich bezeichneten Steinreichs einfach erneut stehengeblieben, dass ein gewaltiger Ruck durch den ganzen Schlitten und nicht zuletzt auch durch den Wichtel gegangen war. Dieser saß nun unendlich bekümmert in der linken Ecke des Schlittens, die kurzen Beine angezogen und die ebenfalls kurzen Arme darum geschlungen. Das Gesicht hatte er zwischen die Knie gedrückt, dass seine Zipfelmütze alles verberg. Seine Schultern bebten, aber noch gab er nicht zu, dass er über die Unverschämtheiten des Ottsels bereits Tränchen verdrückte.
Ritter Ruprecht hatte die Zügel losgelassen, um den Wichtel zu tätscheln, aber jeglicher Aufmunterungsversuch scheiterte.
"Wir haben so viel Zeit vergeudet, damit das Ottsel überhaupt weiter nach Nogrot hinein ist und noch immer haben wir die braven Seelen nicht aufgesucht. Im Arus wartet jemand auf ein Geschenk, das niemals ankommen wird und ich habe den Namen dieser Seele der Bilanz zuliebe von der Liste gestrichen", schniefte der Wichtel leidlich. Dann brach es aus ihm heraus, dass sein lautes Weinen gar bis in die bewusste Welt drang und einige Zwerge weit unterhalb des Schlittens stehenblieben, um sich auf der Straße umzuschauen. Zum Glück sah keiner von ihnen nach oben und ein wenig mehr Glück sorgte dafür, dass der Schlitten magisch verschleiert blieb. Trotzdem wäre es besser, wenn Wichtelchen das Weinen einstellte. "Ich bin der schlechteste Wichtel, den Celcia je gesehen hat!", heulte er auf.
"Ha! So schlecht bist du nicht", erwiderte das Ottsel mürrisch. "Du zeigst dich ja keinem der Celcianer. Die haben den schlechtesten Wichtel also noch überhaupt nicht gesehen. Mit allem anderen hast du Recht. Du bist wirklich grottig!"
Ritter Ruprecht reichte seinem kleinen Sitznachbarn ein Taschentuch und der Wichtelmann schneuzte sich die Nase, welche vom Weinen schon ganz rot geworden war. Optisch passte er nun sehr gut zum Rentier.
"Du solltest über dein Verhalten nachdenken, ottseliger Freund", versuchte der Ritter es nach wie vor diplomatisch. "Auch wenn es in deiner Natur liegt, es mit der Nächstenliebe nicht so genau zu nehmen und dafür mit einem sehr ... freizügigen Mundwerk gesegnet zu sein, entschuldigt das weder schlechte Manieren noch mangelnde Empathie. An beidem solltest du arbeiten, dann wärest du auch glücklicher. Das kannst du mir glauben."
"Pha! Halt mich doch auf, alter Tattergreis! Vonwegen Ritter! Eine weinerliche Jammerfigur bist du, kannst dich also gut zu dem Kurzen gesellen. Hast du überhaupt ein Schwert, Ly-santha-s kleiner Helfer?" Das Ottsel gluckste, weil es den Namen des Gottes nun auch noch mit in den Schmutz ziehen konnte. "Für mich sieht's eher so aus, als wärst du ein Möchtegern, jawohl! Nur ein gebrechlicher Mann, der sich auf die alten Tage noch ein kleines Abenteuer erhofft hat, das mehr zu bieten hat als die täglich neu entdeckten Bremsstreifen in der Unterhose!"
Ritter Ruprecht erhob sich. Der Wichtel schaute entsetzt auf und tatsächlich verstummte auch das Ottsel, wenngleich es unterhalb der roten Nase noch immer grinste. Aber wenn ein Ritter schwieg und einfach aufstand, konnte das nichts Gutes bedeuten. Was würde nun geschehen? Irgendwie verdunkelte sich gerade die gesamte Lage.
Nein. Tatsächlich wirkte die Umgebung düsterer, als hätte jemand ein Nachtgewand über den Schlitten geworfen. Dieses Gewand war schwarz und struppig, besaß einen langen Kuhschwanz und ein Paar schwarzer Hufe. Außerdem schlang sich ein Ledergurt mit großen Kuhglocken durch den ruppigen Pelz. Jede von ihnen läutete eine unheilvolle Stimmung ein und im Choral erklangen sie wie der Aufruf faldorischer Priester zur nächsten Opferungsmesse. Ein finsteres Lachen, rau und gebrochen, gesellte sich hinzu und dann glühten zwei blutrote Augen in dem schwarzen Struppelfell auf wie der letzte Rest Leben in der Ascheglut eines Kochfeuers. Schmutzige, aber spitze Zähne reihten sich unter dem Blick zu einem erbarmungslosen Grinsen auf, während sich zwei totenbleiche Ziegenhörner aus dem Pelz selbst heraus schwangen und beinahe einmal um sich selbst drehten. Dann stand die Gestalt gewordene Figur in der Luft neben dem Schlitten. Sie erinnerte an eine aufrecht gehende Ziege, nur war ihr Kopf bereits der blanke Schädel eben jenes Wesen. Es könnte aber auch ein Widder oder anderes Bockwesen sein. Schwarz wie die Nacht und mit einem Buckel stand es da, in der rechten Hand eine Rute aus Birkenzweigen. Mit der Linken hielt er den dicken Riemen über der Schulter gespannt, welcher in einem mannshohen Behälter auf seinem Rücken endete.
Dem Wichtel stockte der Atem. Ritter Ruprecht rührte sich nicht, sondern betrachtete die Figur nur mit wissendem Blick. Kannte er das Wesen, da da vor ihnen in der Luft schwebte und sowohl mit dem Glockengurt als auch dem schwarzen Kuhschwanz rasselte?
"Und wer bist du?", fragte das Ottsel. Es gab sich unbeeindruckt und drehte bereits den Kopf fort, als sei es gar nicht erst an einer Antwort interessiert. Es bekam sie dennoch und zwar in Form eines Donnergrollens, direkt aus den Untiefen des Schlunds dieser Bestie.
"Der Krampus bin ich. Und ich strafe die Unartigen."
"Nur zu, nur zu!", erwiderte das Ottsel nach wie vor arglos. "Da in der Ecke sitzt der eine und neben ihm steht der andere. Der unartige Wichtel hat mich doch glatt in diese lästige Zwergensiedlung geschickt und der alte Tattergreis von einem Ritter hat mi-"
"SCHWEIG!" Die Stimme des Krampus durchbrach das Geplapper. Im Gegensatz zum Weinen des Wichtels reagierte kein Zwerg unten auf der Straße auf das Donnern aus seiner Kehle oder das heftige Pochen seines Hufes, als er damit aufstampfte, um seinen Befehl zu unterstreichen. "Ich bin hier, um dich zu strafen. Dich, das Ottsel, das nun ein Rentier ist."
"Waaaas?! Aber ich war immer bra-"
"RUHE! SONST ENTFERNE ICH DIR DIE ZUNGE!"
Und das Ottsel war nun wirklich still. Vor allem deshalb, weil es plötzlich das Maul nicht mehr öffnen konnte. So sehr es auch versuchte, es bekam die Zähne nicht mehr auseinander. In den glühenden Kohlen von Augen, die den Krampus einzigartig machten, funkelte es.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 15. Dezember 2020, 00:01

15. Dezember
Ideen von Janay und Maruka, geschrieben von Kazel

Verbissen versuchte das zu einem Rentier verwandelte Ottsel, das Maul aufzureißen. Es hatte keinen Zweck. Die Zähne klebten quasi aufeinander. Zum Glück steckte die Zunge nicht dazwischen, sonst wäre sie nun nur noch halb so lang. Nutzlos drückte sie gegen das tierische Gebiss und langsam stieg Panik in dem Tierchen auf. Es scharrte erbost mit den Hufen und stürmte dann plötzlich auf den Krampus zu, den Schlitten hinter sich her ziehend. Dabei kugelte der überraschte Wichtel fast erneut aus dem Gefährt, aber Ritter Ruprecht griff rechtzeitig ein und packte ihn wie schon zuvor am Kragen. Er selbst behielt die Balance, stand nach wie vor trotz des Polterns. Geschickt zog er mit der anderen Hand nun seine Klinge. Unter einem Reißen, entstanden durch den präzisen Streich mit der Waffe, durchtrennte der Ritter die Zügel. Sie lösten sich rasch und das Ottsel war frei. Der Schlitten bremste aus, bis er endlich zum völligen Stillstand kam. Das Ottsel aber gewann auf diese Weise einen Schub. Es stolperte und stürzte nach vorn, konnte dabei nicht einmal einen überraschten Schrei ausstoßen. So preschte es nicht direkt in den Krampus hinein, sondern landete bäuchlings vor ihm, alle vier Beine von sich gestreckt.
Mit der tiefen Stimme eines Vulkans kurz vor dem Ausbruch lachte die dämonenhafte Bestie auf. "Das versetzt mich in gute Stimmung", grollte er und stellte seinen riesigen Behälter ab, den er bislang auf dem Rücken getragen hatte. Das Ottsel selbst würde gut hinein passen. Krampus nahm den Deckel ab und griff ins Innere.
"Wo der Wichtel und Ritter Ruprecht Geschenke für die artigen Celcianer überbringen, so ist es die Aufgabe eines jeden Krampus, sich um die Unartigen zu kümmern. Du warst und bist seit jeher unartig, Ottsel. Heute wirst du deine Strafe erhalten." Er lengte in das Behältnis. Derweil versuchte das Ottsel, wieder auf die Beine zu kommen. Ritter Ruprecht setzte den Wichtel auf seine Schulter, damit beide vom Schlitten aus zusehen konnten. Aus irgendeinem Grund ahnte der Veteran, dass es nun besser wäre, zu schweigen und den Krampus seine Arbeit machen zu lassen. Er kannte das Wesen. Sie waren einander kein bisschen fremd, hatten schon in Jahrhunderten zuvor immer wieder zusammengearbeitet. Aber das waren Informationen, die niemand der Anwesenden erfahren musste. Sie würden zu nichts führen. Wichtig war jetzt, aus Sicht des Ritters, dass der Wichtel sich nicht einmischte. Er hatte eine Pflicht zu erfüllen, so wie der Krampus sich gerade um die eigene kümmerte.
"Ich habe für die heutige Lieferung extra etwas von Faldor persönlich bekommen", sprach er und es klang, als würde er gleich ein Stück Weltuntergang aus dem Tragebehälter zaubern. Schwärze kam zum Vorschein, gesäumt von gräulichem Pelz und mit einem ebenso gräulichen Kugeletwas am spitzen Ende. Was war das? Das Ottsel wagte zu schauen, als es endlich wieder aufrecht stand. Es beäugte den Gegenstand in der von Krallen bewährten Hand der schwarzen Ziegenbestie. "Ohne die hier kann ich das Urteil nicht vollstecken", sagte Krampus und hob den Gegenstand über sich, um ihn anschließend auf den Kopf zu setzen, so dass beide geschwungenen Ziegenhörner links und rechts darunter hervor lugten.
"Eine ... Zipfelmütze?!", entkam es dem erstaunten Wichtel.
"Sieht fast aus wie deine, nur in einer dunkleren Form", bestätigte Ruprecht.
Der Krampus ließ sich von beiden nicht ablenken. Er hatte nur Augen für das Ottsel. Oh, wie böse diese Augen doch waren! Sie glühten aus dem bleichen Schädelknochen seines Kopfes, als sei jener zusammen mit dem schwarz struppigen Fell beseelt worden. Von einem Dämon! "Das ist schon besser", meinte der Krampus. Dann hob er die Rute aus Birkenzweigen an und deutete damit auf das Ottsel. "Du warst unartig und das viel zu lange. Bestraft wirst du heute aber vor allem wegen deiner Frechheiten gegenüber eines Abgesandten Lysanthors und eines Wichtels, der versucht, im Auftrag der Götter seine Pflicht zu erfüllen. Du bist ihm ein schlechter Mitarbeiter gewesen. Am schlimmsten daran ist sein loses Mundwerk. Daher habe ich mir erlaubt, es etwas ... zu festigen." er grinste auf, so dass eine Reihe spitzer Raubtierzähne unter dem Schädel hervor lugte. Er musste ein Dämon sein, geschickt aus dem Harax, beschworen von Faldor persönlich. Kein anderes Geschöpf war so unheimlich! Dem Ottsel zitterten die Knie.
"Du wirst weder sprechen, noch fressen oder trinken können. Dein Maul bleibt durch den Fluch des Krampus geschlossen, notfalls auf ewig!" Er kratzte sich den Pelz. "Nun ja, ewig ist relativ. Vermutlich wirst du vorher verhungern oder verdursten. Am Schweigen ist allerdings noch niemand gestorben, aber es wird den Ohren aller gut tun, wenn du in der Zeit nicht reden kannst."
Wichtelchen zuckte zusammen. Er fand es ja auch gut, dass das Ottsel endlich seine Lektion erteilt bekam, aber die Strafe war für ihn dann doch zu drastisch. So trat Mitleid in seinen Blick und er öffnete schon den Mund, um einzuschreiten. Da legte Ritter Ruprecht ihm die Hand auf den Kopf. "Lass ihn machen. Krampus weiß, was er tut", raunte der Ritter leise, aber in gutem Vertrauen über diese Furcht einflößende Bestie. Derweil starrte das Ottsel jene mit geweitetem Blick an. Sicherlich hätte es lauthals und mit den widerlichsten Flüchen protestiert, wenn es denn dazu in der Lage gewesen wäre. Doch kein Ton kam ihm über das Maul, weil es selbiges nicht öffnen konnte. DIe Zähne wollten ihm einfach nicht gehorchen. So schnaubte es nur aus der Nase heraus, dass man den Atem kondensieren sah.
Krampus lachte auf. "Sei froh, dass ich dir die Nase nicht auch noch verschließe! So kannst du wenigstens weiter atmen. Und mit Kopfschütteln oder einem Nicken wirst du noch genug kommunizieren können. Schließlich möchten wir alle erfahren, wann du bereit bist, den Fluch zu lösen."
Vonwegen und weit gefehlt! Das einzige, was sich als Reaktion auf Krampus' Worte hin löste, war angestaute Luft und zwar aus dem Rentierdarm. Unter einen kräftigen Geräusch, das dem Heranrollen einer schweren Lore glich, die sich dann doch als Blaskapelle mit besonders großer Tuba und jeder Menge Posaunen entpuppte, suchte das Gemisch aus verbrauchter Luft und Magengasen den Weg ins Freie. Es bot keinen so erschreckenden Anblick wie die Erscheinung des Krampus, aber jede Nase in unmittelbarer Umgebung zog sich vor Entsetzen zusammen. Nasenhaare krümmten sich, Popel wurden in der Hoffnung produziert, einen Wall gegen diese pestilenzartigen Dämpfe zu schaffen. Alles war umsonst. Das Ottsel brauchte keine Worte, um die Anwesenden zu nerven. Ja, noch mehr! Es folterte sie, zumindest ihren Geruchssinn.
"Uff", machte da sogar der Krampus und wedelte hastig mit der Rute. Dass er dabei den Rumpf des Ottsels mehr als einmal traf, war sicherlich kein Zufall. Es konnte aber nicht schreien und so sprang es hastig außer Reichweite, wobei es mit jeder Bewegung weitere Darmwinde entweichen ließ.
"Aufhören, bitte!", klagte der Wichtel, war sich selbst aber nicht im Klaren, ob er die Flatulenzen oder den Fluch des Krampus meinte, der auf dem Ottsel lag.
"Nein", entgegnete der faldorische Abgesandte. "Das Maul bleibt verschlossen, bis sich im Herzen des Ottsels der aufrichtige Wunsch festigt, sich bei dir, Wichtel, zu entschuldigen. Und ich wette um meinen Struppelpelz, dass ihm vorher die Luft ausgehen wird!"
"Mir auch, mir auch", murmelte der Wichtel. Hastig suchte er in dem Geschenkebeutel nach einigen goldenen Wäscheklammern, die ursprünglich für ein jorsanisches Waschweib vorgesehen waren. Bis er sie auslieferte, musste eine davon auf seine Nase.
"Bitte", meinte Ritter Ruprecht mit ausgestreckter Hand in die Richtung des Wichtels. Auch er konnte eine Nasenklammer nun gut gebrauchen.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 16. Dezember 2020, 02:49

16. Dezember
geschrieben von Kazel

Das Maul des Ottsels blieb verschlossen. Vielleicht wünschte es sich selbst inzwischen, dass aus seine Nüstern verflucht worden wären, denn um ihn und die übrigen Wesen beim Schlitten hatte sich eine so immense Dampfwolke gebildet, dass man die Luft grünlich wabern sah. Letztlich siegte der Trotz. Er überflügelte auch jegliches Gefühl im Herzen des Ottsels, vielleicht einmal, ein einziges Mal, nachzugeben und sich zu entschuldigen. Es blickte zwar zum Wichtel hinüber, aber mehr kam auch nicht. Es versuchte gar nicht erst, sein Maul aufzureißen. Stattdessen scharrte es mit dem Huf in der Luft und blähte selbige mit seinen Darmdämpfen weiterhin voll.
"Langsam befürchte ich, dass seine Strafe uns viel mehr leiden lässt als ihn", murmelte Ritter Ruprecht. Der Krampus fuhr sich mit einer Krallenhand durch den Pelz und nickte sacht. "Was soll ich tun, Vasall Lysanthors? Normalerweise verschenke ich Kohle. Davon wird er sich nicht beeindrucken lassen."
"Die Kohle würde bei dem Gestank nur zerbröseln", pflichtete der Ritter bei. So schwebten beide von den Göttern geschickte Gestalten ein wenig ratlos in der Luft umher. Sie hielten Distanz zum Ottsel, dass weiterhin Ein-Rentier-Blaskapelle spielte. Auf den kleinen Wichtel achtete im Augenblick niemand. Er hockte noch immer auf der Schulter des Ritters, wedelte sich unentwegt vor der Nase umher. Die goldene Klammer half nur bedingt. Langsam glaubte der Wichtel, dass Gestank auch durch die Hautporen in den Körper eindringen und dem Gehirn Meldung machen konnte, den Geruchssinn zu nutzen.
"Ich halt's nicht mehr aus", näselte er und zupfte am Kragen Ruprechts. Der Ritter nickte und setzte den kleinen Mann in der Schwebe ab. "Danke", erwiderte der Wichtel. "Ich ... äh ... werde mir etwas die Nase vertreten."
"Nur zu. Wir überlegen inzwischen, was wir mit diesem kleinen Luftikus hier anstellen."
"Stinkikus trifft es besser", grollte Krampus grüblerisch.
Der Wichtel ließ die beiden und seinen dunstigen Mitarbeiter hinter sich. Er brauchte nun wirklich frische Luft zum Durchatmen. Außerdem war er der einzige, der den Fokus auf seiner Aufgabe behielt. Anstelle sich Gedanken über die Bestrafung des Ottsels zu machen, vergaß er nicht, dass ihm nicht ewig Zeit blieb. Er lag bereits im Rückstand, was seinem Gewissen schwer zu schaffen machte. So schulterte er den magischen Jutebeutel und tappte auf unsichtbaren Stufen gen Nogrot hinab. Dabei blieb er stets wachsam, dass niemand ihn entdeckte. Er huschte hinter steinerne Säulen oder unter den Fuß einer Zwergenstatue, wenn die Nogroter vorbei zogen. Selbst hier unten zwischen ihren Steinbauten fächelten sich einige von ihnen Luft zu und diskutierten schon, ob die Minenarbeiter auf eine Schwefelhöhle gestoßen sein mochten. Der Wichtel ignorierte sie. Er hatte einiges zu erledigen und eilte sich. Dabei versuchte er, so ordentlich und pflichtbewusst wie möglich zu arbeiten. Einem alten Zwerg legte er Tabak für sein Pfeifchen bereit, ein Zwergenbäcker bekam das beste Rezept für Lebkuchenzwerglein, das der Wichtel kannte und für eine ganze, neunzehnköpfige Zwergenfamilie ließ er mehrere Dutzend Zuckerrüben auf ein sauberes Tuch in ihren Kohlekeller purzeln. Ihm war nicht klar, dass sich artige Zwergenkinder über das Wurzelgemüse freuten, aber er stellte kein Geschenk in Frage. Der magische Beutel wusste, was das Beste für die artigen Celcianer war.
Schließlich erreichte Wichtelchen das Höhlengebäude einer besonders gutherzigen Zwergenfrau. Das Leben hatte ihr im Alter schon einiges abverlangt. So war alles an ihr geschrumpft, dafür hatte sich jemand den Spaß erlaubt, ihre Nase besonders groß ausfallen zu lassen. Sogar eine haarige Warze wuchs darauf, doch die Frau hatte das nie gestört. Mit gutem Herzen und vorurteilslos ging sie ihrer Berufung als Heilkundige nach. Aktuell weilten zwei Gäste unter ihrem Dach. Sie waren Ziel des Wichtels. Ungesehen schlich er sich in die Stube, aus der fröhliches Gelächter samt Glöckchenklimpern erklang.
Einen Moment war der Wichtel von den weiteren Besuchern der Zwergenfrau abgelenkt. Vor allem die schlanke Elfe in ganz bunter Kleidung war ein sofortiger Blickfang, dem auch er sich nicht entziehen konnte. Mit großen Augen betrachtete er das kunterbunte Gewand. Wie schön es aussah! Das gefiel ihm wirklich. Gern wäre er selbst so bunt und farbenfroh gewesen, aber das Wichtelchen wusste, dass es kein solches Geschenk erhalten würde. Die Wichtel waren schon immer von ihrer Tradition des Schenkens ausgeschlossen. Sie erfreuten sich daran, anderen etwas zu geben, anstelle etwas zu erhalten. Und dennoch hatte jeder von ihnen am Ende das wohlige Gefühl in der Brust, etwas gewonnen zu haben.
Der Wichtel ließ den Blick weiter zu den Nichtzwergen gleiten. Die zwei saßen zusammen in einem Bett, das überraschenderweise keine Zwergenmaße hatte. Jedenfalls lugten die Füße beider nicht heraus. Wichtelchen wusste, dass sie die guten Seelen waren, die er heute beschenken wollte. Er hatte ihre Namen auf der Liste gelesen und sich eingeprägt. Beide Seelen, auch wenn er's nicht so recht glauben wollte. Doch die Liste war von Göttern geschrieben und von Erbsenzählerwichteln geprüft worden. Da konnte kein Fehler entstanden sein. Es musste stimmen. Auch die etwas hochnäsige Adlige würde ein Geschenk erhalten!
Mit schnellen Schritten huschte der Wichtel nun unter das Bett. Der kunterbunte Gast, welcher so schön kicherte, bot eine hervorragende Ablenkung. Niemand wurde auf das kleine Wesen aufmerksam, welches nun den Jutesack absetzte und hinein griff. Schon bekam es das erste Geschenk zu fassen und holte es hervor. Im Halbdunkel unter dem Bett konnte der Wichtel nicht ganz erkennen, was er da in Händen hielt. Also schob er eine Lage Decken etwas beiseite, um den Kerzenschimmer auch unter das Bett dringen zu lassen. Gespannt schaute er auf das Geschenk in seiner Hand. Was war es wohl und wer von den beiden Seelen über seinem Zipfelmützenkopf würde es erhalten?
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 17. Dezember 2020, 00:18

17. Dezember
geschrieben von Kazel

Der Wichtel betrachtete beide Geschenk für die Seelen. Das erste Präsent, welches er aus dem Jutebeutel gezogen hatte, roch immer noch angenehm nach dem verarbeiteten Leder. Unwillkürlich musste der Wichtel schmunzeln. Der Beutel schien entweder ein Eigenleben zu besitzen oder zumindest ein Paar unsichtbarer Ohren. Warum sonst hielt das Männchen nun eine Peitsche in der Hand? Er hatte es angekündigt, wütend auf das Ottsel und nun war es geschehen. Kurz überlegte er, für welche der beiden Seelen im Bett direkt über seinem Kopf das Arbeitsgerät sein mochte? War einer von beiden Kutscher oder ritt gern aus? Dann zuckte er plötzlich zusammen, als ihm die Herkunft des männlichen Seelchens bewusst wurde. Ein Dunkelelf war er. Der sollte doch nicht die Peitsche erhalten, um sie an einem Sklaven auszuprobieren?! Dem Wichtel stockte der Atem.
"W-was ist denn das für ein Geschenk? Damit tut er doch nichts Gutes", japste er leise, aber furchtbar erschreckt. Er ließ die Peitsche glatt fallen. Nein, das durfte er nicht zulassen. Sie musste an seine Begleiterin gehen, anders konnte es sich der Jutebeutel nicht gedacht haben. Doch spätestens als Wichtelchen das andere Geschenk sah, sowie dessen Etikett las, bestand kein Zweifel mehr. Die aufgerollte, schwarze Lederpeitsche mit dem Vogelkrallengriff ging offensichtlich an den Dunkelelfen. Er seufzte aus. Wann war es geschehen, dass aus dem eigentlich so großen Tag des Wichtels ein Albtraum geworden war? Das Bild des Ottsels huschte an seinem inneren Auge vorbei. Dessen Stimme grub sich aus seiner Erinnerung an die Oberfläche, dass er schauderte. Er gab dem Ottsel Schuld an allem. Seine unverschämte Art war zwar nervtötend gewesen, aber damit hatte er sich arrangieren können. Seine Taten waren es, die eine schmerzende Fessel um das Herz des Wichtels legten und mit jeder weiteren Unartigkeit zog sich die Kette enger zusammen. Ihm fiel das Atmen schwer. Die Fessel quetsche Emotionen aus ihm heraus, dass sie als dicke Tränen die Wangen herab kullerten. Vielleicht wäre es sogar das Beste, die Wichtelschaft zu enttäuschen. Dann müsste er im Folgejahr nicht erneut riskieren, mit dem Ottsel zu arbeiten. Trübselig ließ er sich auf den Hintern sinken. Wenn er sich jetzt entschied, es für dieses Jahr sein zu lassen und die Liste nicht mehr abzuarbeiten, dann brauchte er auch die Peitsche nicht verteilen.
"Oder das hier ..." Noch einmal warf er einen Blick auf das Geschenk, welches nur für die junge Adlige bestimmt sein konnte. Er las das Etikett. "Hoffnung im Glas - ein Feylin-Produkt. Hmmm." Das flakonartige Fläschchen war noch immer verkorkt. Der Wichtel konnte auch keinen Sprung im Glas sehen und doch schien die Flasche nichts zu enthalten. Hieß das etwa, es bestand keine Hoffnung für die junge Frau? Er schaut nach oben und sah doch nur das hölzerne Gitterrost des Bettgestells, auf dem die mit Stroh gefüllte Matratze lag.
Er konnte diese Geschenke unmöglich abgeben. Eine Waffe für Sklavenhalter und ein schlechter Witz für jemanden, der ein kleines bisschen Hoffnung dringend gebrauchen könnte. "Nein, das mache ich nicht", murmelte Wichtelchen mit schwerer Stimme, aber leiser noch als eine Maus. Die Tränenbahnen erreichten seinen Kragen und nässten ihn ein. Noch immer versiegte der Strom nicht. Wichtel waren bekannt dafür, viel zu lächeln, aber ebenso konnten sie dicke Krokodilstränen vergießen. Dem kleinen Mann war das Herz so schwer. Er drehte das Glasgefäß und beging eine Kurzschlussreaktion. Mit einem leisen Ploppen zog er den Korken. Dann warf er einen deutlicheren Blick hinein. Nach wie vor sah das Wichtelchen nichts. Aber es roch etwas. Oh, süßer Duft von Zimtplätzchen, Walnüssen, heißem Apfelwein und der fruchtigen Note von Orangen. So rochen die Leckereien-Teller, die nach getaner und erfolgreicher Arbeit an die Lieferanten-Wichtel vergeben wurden. Ein kleines Dankeschön, das den wichtigsten Tag eines Wichteljahres zum Abschluss brachte. Für die besonders guten, besonders erfolgreichen seiner Art gab es sogar Figuren aus Schokolade, mit einem goldenen Glöckchen am roten Band darum! Oh, wie gern hätte er einmal im Leben eine solche Schokoladenfigur erhalten. Aber vermutlich bekäme das Wichtelchen in diesem Jahr nicht einmal einen Naschereien-Teller. So schnupperte es sehnsüchtig nach dem Duft aus der Flasche. Es beruhigte ihn wenigstens etwas, aber Hoffnung gab es ihm keine. Traurig wollte er schon den Korken zurückstecken, als ein weiterer Sinn angeregt wurde.
"Was ... was ist das?", wisperte er und drückte sein Ohr dicht an die augenscheinlich leere Flasche. "Ohhhh .... oh, wie schön", summte er mit einem Mal. Aus dem Inneren des Gefäßes entstieg Glockengeläut. Er liebte das. Vor allem in den kalten und dunklen Nächten, in denen Schnee vom Himmel fiel und alles mit einem weißen Tuch der Unschuld versah. Wenn die Menschen ruhig und die Alten besinnlicher wurden. Wenn Mütter deftigen Braten zubereiteten und Väter kleine Spielsachen aus Holz schnitzten, um ihren LIebsten etwas Gutes zu tun. Wenn Kinder anfingen, Schneefiguren zu bauen und aus Spaß Äpfel, Orangen und gebastelte Göttersymbole aus Stroh in die Zweige der Bäume hingen, die ohne ihr Blätterkleid doch so kahl aussahen. Es war des Wichtels liebste Zeit und das nicht nur, weil es Geschenke für brave Seelen gab. Nein, der Grund waren die Herzen der Celcianer. Trotz der Zeit der dunklen Tage, in denen kaum ein Sonnenstrahl ihre Herzen wärmen konnte, blieben sie hoffnungsvoll und fröhlich. Sie sahen die schönen Dinge in der Jahreszeit wie den Schnee. Sie rückten enger zusammen, um durch die kalten Tage zu helfen und nutzten jede Möglichkeit, ihre Mit-Celcianer zum Lachen zu bringen. Deshalb wurden Geschenke gemacht. Deshalb wurde gebraten, gebacken und Spielzeug aus dem gebastelt, was Celcia noch zu bieten hatte: Stroh, Holz, Nuss-Schalen. Celcia verlor in der dunkelsten aller Jahreszeiten niemals die Hoffnung, denn man vertraute auf die Götter und dass in der Zeit des Erwachens alles von neuem sprießen würde, um Leben zurückzubringen.
Der Wichtel seufzte, dieses Mal voll Wonne. Er wischte sich mit dem Handrücken die letzten Tränen aus dem Gesicht und verkorkte dann das Fläschchen, damit der Duft nicht allzu rasch verlorenging. Schließlich musste er dieses Geschenk an die Frau bringen. Und ja, auch die Peitsche sollte verteilt werden. Im Arus war ihm ein Unglück geschehen, an dem er nun nichts mehr ändern konnte, aber er würde nicht aufgeben! Der kleine Mann hatte neue Hoffnung gefasst und würde unter allen Umständen die übrigen Geschenke verteilen! Er würde mit dem Ottsel auskommen und statt auf dessen unflätige Bemerkungen zu hören, die seine Stimmung trübten, wollte er sich auf die schönen Dinge konzentrieren, die schon viel zu lang in den Hintergrund gerückt waren. Mochten sie auch noch so klein sein, er wusste doch, dass ein winziger Funke ausreichte, um ein großes Feuer zu entfachen. In seinem Herzen brannte es lichterloh ... und warm.
"Ja, ich mache das", murmelte er, aber Entschlossenheit lag in seiner Stimme. Die Hoffnung ließ ihn alle Strapazen ertragen. Sie ließ ihn zurück auf die Beine kommen. Sie ließ ihn aufrecht stehen. Sie ließ ...
"AUA!"
Sie ließ ihn unachtsam sein, so dass er sich den Kopf am Bettgestell anstieß. Hoffentlich hatte das nun keiner gehört.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 18. Dezember 2020, 01:10

18. Dezember
Ideen von Maruka, Janay und Darna, geschrieben von Kazel

Der Schädel des kleinen Wichtels schmerzte ganz gewaltig. Das würde eine Beule geben! Aber die Angst, entdeckt zu werden war größer als sein Bedrüfnis, dem Schmerz nun Luft zu machen und zu schreien. Damit ihm Letzteres aber nicht auch noch versehentlich passierte, schlug er beide Hände rasch vor den Mund und biss sich sogar noch in die Handkante. Das schmerzte ebenso, würde auch unschöne Abdrücke seiner Zähne hinterlassen. In seinen Gedanken schalt er sich selbst dafür, so unachtsam gewesen zu sein, aber wenigstens würde er so nicht entdeckt.
Plötzlich bemerkte der kleine Wichtel, dass es im Raum recht still geworden war. Sehr still sogar, als seien gar nicht mehr alle anwesend, die er zuvor zusammen mit den beiden guten Seelen im Bett ausgemacht hatte. Er lauschte so angestrengt, dass ihm dadurch auch entgangen wäre, wie jemand die Decke zur Seite zog, um einen Blick unter das Bett zu werfen.
Erst, als sich dadurch auch die Lichtverhältnisse änderten, starrte er genau auf die Spitze einer überdimensionalen Nase. Die Warze darauf blickte ihm wie eine einzelne Pupille eines besonders seltsam verformten Auges an. Instinktiv rutschte er mit dem Hintern voran in die Schatten zurück, als sei er eine dieser pelznasigen Mäuse. Im letzten Moment packte er dabei nach dem magischen Geschenkebeutel. Wenn dieser zusammen mit ihm entdeckt, aber entwendet würde, wäre es endgültig aus. Dann könnte er sich sofort in die Domäne des Gevatters begeben, auf ewig. Vielleicht brauchte dieser ja noch einen Lehrling.
Angst kroch dem Wichtel am Rücken empor und breitete sich über seinem Körper wie Gänsehaut aus. Er wagte es nicht einmal mehr zu atmen. Glücklicherweise durfte er feststellen, dass ... SIE SIEHT MICH NICH! Das Herz pochte ihm dennoch bis zum Hals, dass er befürchten muss, sie könnte ihn zumindest hören. Starrt vor Schreck kauerte er unter einem Teil des Bettlakens, wie er vermutete. Es fühlte sich unglaublich weich an, aber darum machte er sich in seiner aktuellen Lage keine Gedanken. Wichtig war, dass es ihn vor dem suchenden Blick des Riesenzinkens verbarg. Und das tat es. Die Frau mit der wirklich großen Nase ließ sich dennoch Zeit und erkundete den Bereich unter dem Bett. Da durchzuckte den Wichtel ein erneuter Schrecken, als sie die Hand ausstreckte und nach einem Gegenstand griff. Oh, sie hatte die Hoffnung-im-Glas ergriffen und zog das kleine Fläschchen nun ins Licht.
Wichtelchen betete zu allen Göttern, ausnahmsweise auch vordergründig zu Feylin, sie möge die Flasche an die richtige Seele weitergeben. Doch die Alte betrachtete zunächst nur das Etikett. Dann lächelte sie und zog sich tatsächlich etwas zurück. Wie hatte sie mich übersehen können? Ich war doch direkt vor ihr?, wunderte sich das Wichtelchen und wagte es, sich zu der Peitsche hin zu bewegen. Das Gewebe, von dem er immer noch annahm, es sei das Laken, begleitete ihn in seinen Bewegungen. Da bemerkte er endlich, was es war. Kein Stoff, der von Bett auf ihn herabgefallen war, sondern ein langes und seidig weiches Stück Gewebe, welches er halb aus seinem Jutebeutel gezogen hatte. Es hielt ihn nicht nur warm, wie er feststellte, sondern besaß eine ganz außergewöhnliche Eigenschaft. Wenn er sich dieses Stück Stoff umlegte, dann nahm es die Optik seiner Umgebung an. Nicht perfekt, aber nahezu. Lediglich bei zu hastigen Bewegungen kam die Magie im Stoff nicht ganz hinterher und flimmerte etwas. Aber ein Wichtelchen wie er, der starr darunter zum Stillstand kam, blieb für die Außenwelt unsichtbar. "Ein Versteckdichstoff", wisperte das Männlein zu sich selbst. Es zog ihn gänzlich aus dem Beutel heraus und mit einem Mal wusste es, für wen dieses Geschenk gedacht war. Deshalb hatte er sich den Kopf gestoßen. Deshalb war er nicht entdeckt worden!
"Die Peitsche war ... mein Geschenk und niemals für die Seele dort oben bestimmt gewesen." So dachte es Wichtelchen jedenfalls, denn er konnte keine Anzeichen an dem Tarnstoff entdecken, die ihn einer bestimmten Seele zuwiesen. Ihm gefiel einfach nur die Vorstellung besser, dieses kostbare Gewebe zu verschenken anstelle einer Waffe, mit der manch bösartiges Volk seine Sklaven im Zaum hielt. Oh, der geheime Stoff musste unbedingt an den Mann gebracht werden! Jetzt brauchte er bloß noch eine Idee zu haben, wie.

Derweil standen Ritter Ruprecht und der Krampus noch immer von Magie gehalten in der Luft, zusammen mit dem Schlitten. Sie beobachteten das Ottsel, welches langsam zur Ruhe kam. Weniger panisch ob seines verschlossenen Mauls war es noch nicht, aber an der Kehrseite ging ihm so langsam die Trotzluft aus.
Ruprecht atmete durch und bereute es nur noch ein bisschen. "Was machen wir nun mit ihm?", fragte er seinen Mitvasallen und verschränkte die Arme vor der Brust. "Sein verschlossenes Maul hat ihn wenig beeindruckt bisher."
"Ja." Aus irgendeinem Grund klang der Krampus kein bisschen enttäuscht. Nein, das Gegenteil war der Fall. Er grinste sogar und schaute das Ottsel mit einem lauernden Funkeln im Blick an. Das war selbst dem Zugtierchen unheimlich, so dass es sich mitten in der Luft auf sein Hinterteil plumpsen ließ und so trotzig zurückblickte wie es konnte. Das jedoch brachte den Krampus nur zum Lachen, als würde sich ein Donnergrollen vom Himmel direkt ins Zwergenreich Nogrot bahnen.
"Wer so bösartig ist, gehört dem Krampus", erklärte er. Ritter Ruprecht nickte. Er kannte die gruselige Seite um das Wesen des Krampus. Man erzählte sie Kindern in der Hoffnung, sie würden ihr Verhalten ändern. Nichts, was dem Ritter unbedingt gefiel, denn Angst war nicht immer ein guter Lehrer, aber es funktionierte. Interessiert beobachtete er, wie es für das Ottsel ausgehen würde. Dabei spielte er Krampus in die Krallen bewährten Hände, als er hinzufügte: "Die Legende besagt, dass du unartige Kinder in deinen Behälter packst und verschleppst."
"Das bezieht sich nicht nur auf Kinder." Krampus zog den Behälter heran. Das Ottsel bekam große Augen. Ihm entfleuchte nun ein kleiner Angstfurz. Krampus überhörte und überroch ihn. Ritter Ruprecht wedelte sich allerdings erneut vor der Nase her und das obwohl er noch immer die goldene Wäscheklammer darauf trug.
"Das Ottsel ist in seiner Gestalt etwas groß geraten. Ich weiß nicht, ob es in meinen Behälter passt. Nun, ich könnte ihm seine wahre Gestalt zurückgeben, aber mir gefällt es als Zugtier doch recht gut. Oder ... als Lastentier." Er winkte das Ottsel heran. "Wer unartig ist, gehört dem Krampus. Du wirst mir nun ein Jahr lang dienen. In dieser Zeit kann ich entscheiden, ob du dich gebessert hast und zu deiner alten Pflicht zurückkehren kannst. Ich muss nur noch herausfinden, wofür du dich eignest."
Das Ottsel schüttelte den Kopf auf eine Weise, als wollte es sich gänzlich für ungeeignet erklären. Es besaß keinerlei Talent, um einem Ungeheuer wie dem Krampus zu helfen. Und es würde das auch nicht tun! Störrisch schnaubte es durch die Nüstern. Den Krampus beeindruckte das nicht. "Ich weiß, dass du dich meinen Anweisungen widersetzen wirst. Deshalb erhältst du ein Jahr lang jedes Mal einen kräftigen Tritt mit meinem Huf. Das leitet dich schon in die richtigen Bahnen. Komm mit mir, Ottsel! Wir testen gleich mal, ob mein Plan funktioniert."
Das Ottsel sprang auf. Die Luft erfüllte sofort eine gasige Note, aber dieses Mal konnte man vordergründig Angst darin riechen.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 19. Dezember 2020, 02:54

19. Dezember
Ideen von Darna, geschrieben von Kazel

Dass man sich nicht mit dem Krampus anlegen sollte, lernte das Ottsel nun auf die harte Tour. Denn das von Faldor geschickte Wesen ließ sich nun nicht mehr erweichen. Da konnten die Augen des Rentiers noch so groß werden, der Blick noch so flehend und das Kopfschütteln noch so heftig. Ein einziger Wink mit der Krallenhand genügte, dass die Hufe des Ottsels von allein nach vorn schnellten. Anschließend erhielt es einen kräftigen Tritt in seinen pelzigen Hintern, so dass es wirklich nicht mehr wagte, die Luft nach außen zu pressen. Plötzlich wollte es niemanden mehr provozieren. Mit Ritter Ruprecht und dem Wichtel hatte es seine Spiele treiben können, aber der Krampus gehörte einer ganz anderen Ebene an. Dabei hatte auch er dem Ottsel eine Chance gegeben, allerdings nur eine einzige und letzte. Es hatte sie nicht genutzt und nun musste es dafür büßen.
"Kümmere dich um Ersatz", grollte die schwarzpelzige Bestie mit den geschwungenen Ziegenhörnern dem Ritter zu. Dieser nickte. "Überlass es mir", sagte er und schon machte sich Krampus auf den Weg, das Ottsel mit weiteren Tritten voran treibend. Ritter Ruprecht sah den beiden nicht ohne ein Seufzen nach. Er blieb allein am Schlitten zurück und erwartete die Rückkehr seines kleinen Freundes.

Der Wichtel befand sich noch immer unter dem Bett. Die große Nase mitsamt der daran hängenden Zwergenfrau war bereits wieder verschwunden. Offenbar widmete sie sich nun anderen Dingen. Das Fläschchen hatte sie mitgenommen, Peitsche und Versteckdichstoff aber befanden sich noch im Besitz des Männleins. Die Waffe wollte er gar nicht herausrücken, aber der Stoff sollte noch an den Mann gehen. Die gute Seele würde sich bestimmt darüber freuen. Insgeheim spürte der Wichtel, was im Herzen dieser Seele vorging und vielleicht wüsste er mit dem Stoff etwas Sinnvolles anzufangen. Etwas, bei dem ein weiteres Herz Anklang finden konnte. Ganz klar, Wichtelchen wollte das kostbare Gewebe unterbringen, aber wie?
Vorsichtig wagte er einen Blick zwischen den Falten des Bettlakens hindurch. Dann stutzte er. Warum sich verstecken? Er besaß doch den Stoff! Hastig schlang er ihn sich um den Körper, bis nur noch ein kleiner Schlitz für die Augen vorhanden war. Trotzdem durfte er nicht so offensichtlich umher laufen. Der Stoff mochte tarnen, aber nicht gänzlich unsichtbar machen. So bewegte der Wichtel sich langsam unter dem Bett hervor. Mit Überraschung stellte er die Ruhe fest, die in den Raum eingekehrt war. Selbst die Nasenfrau schien im Augenblick beschäftigt, so dass es ein Leichtes sein würde, den Stoff an eine Stelle zu legen, wo die gute Seele ihn schnell finden würde.

Inzwischen wurde dem Ottsel immer deutlicher bewusst, was es riskiert und nun verloren hatte. Ein Jahr lang sollte es die schmerzenden Tritte ertragen? Und wofür? Dass es den Krampus auf einer Reise begleiten würde, bei der sie nur auf unasrtige Celcianer stoßen sollten? Oh, wie trostlos! Mit dem Wichtel war es viel lustiger gewesen und jedes Geschenk hatte stets für hoffnungsvolle oder fröhliche Reaktionen gesorgt. Irgendetwas in der Brust des Ottsels fühlte sich seltsam an. Es krampfte sich zusammen, hinterließ ein Gefühl der Schwere und des Unwohlseins.
"Das ist Bedauern", sagte der Krampus, als könne er des Ottsels Emotionen offen lesen. "Warten wir ab, bis daraus echte Gewissensbisse geworden sind." Er trieb das Rentier vor sich her und jeder Tritt brachte die beiden gleich gute sieben Meilen durch Celcia, obgleich das faldorische Wesen nicht einmal Stiefel trug. Aber so kamen sie schnell voran. Es dauerte nicht lange, da veränderte sich die Landschaft, zusammen mit den Temperaturen. In den meisten Teilen Celcias mochte es um diese Jahreszeit dunkel und kalt sein. Vielerorts fiel Schnee, aber nicht an den Flecken, zu welchem der Krampus sein neues Sklaventier nun beförderte.
Oh, wie war es schwül hier! Das Ottsel hätte sich gern beklagt, doch nach wie vor war sein Maul verschlossen. Es begann, in seinem Pelz zu schwitzen, während erste handtellergroße Mücken sich darauf niederließen, um ihn zu pieken und sein Blut zu trinken. Der Krampus ließ die Insekten gewähren. Er achtete nur darauf, dass das Ottsel den richtigen Weg einschlug. Das Ziel kannte es nicht, aber sie tauchten tief in ein farbenfrohes Meer aus Blüten und Blättern hinein. Sie passierten Bäume, deren Wipfel gut und gern 40 oder mehr Meter in der Höhe lagen und zum Boden hin die Farbenpracht mit reichlich gewaltigem Laubwerk und Pilzen tauschten. Unterhalb des Blätterdachs war es dann wenigstens kühler. Sonnenlicht drang hier nur schwer durch, doch die Luft blieb feucht. Einen solchen Ort hatte das Ottsel nie gesehen. Die riesigen Pflanzen machten ihm beinahe Angst, denn wenn der Bewuchs schon so ausladend war, dann sicherlich auch dessen Bewohner. Der Krampus würde es hier hoffentlich nicht zurücklassen oder schlimmer noch: einer Bestie zum Fraß vorwerfen? Das Ottsel fühlte sich zunehmend unwohl.
Plötzlich hielt der Krampus an. "Hier muss es irgendwo sein", raunte er. "Ruprecht teilte mit die Geschichte einer guten Seele mit, die sich in Shyána aufhalte. Dort ist nicht nur Fürchterliches passiert, musst du wissen." Der Krampus schien in Erzählerlaune zu sein, aber eigentlich sprach er nur, um sein Handeln zu überbrücken. Er hatte die Tritte gegen den Rentierhintern endlich eingestellt und zückte nun seinerseits eine lange Pergamentrolle mit Namensliste. Er besaß eine Abschrift? Mit einem Krallenfinger fuhr er die Namen entlang. "Diese Seele hat ein böses Artefakt zerstört, zwei geschundene Seelen erlöst, einen Dämon un seinen zerstörerischen Einfluss aus Celcia gebannt ... hm ... und dennoch finde ich sie nicht. Eigenartig." Er ging die Liste noch einmal komplett durch. Das gab dem Ottsel Gelegenheit, sich um zuschauen. So entdeckte es eine Gruppe seltsamer, bronzefarbener Halbnackter, die durch das Geflecht des Dschungels marschierten. Sie führten eine Bare mit sich und darauf lag eine Frau ... oder nicht? Ihr Äußeres schien sich bei jedem Schritt zu wandeln. Das Ottsel blinzelte. Es hatte doch eine Frau gesehen! Dann aber sah es wieder nach einer großen, schwarzen Katze aus, wie er sie aus dem Fischerdorf der Stillen Ebene kannte. Solche Biester jagten ihn, weil er gelegentlich versucht hatte, Hühnereier aus den Ställen zu stibitzen. Aber dort lag eine Frau, ja ganz sicher. Oder nicht? Er betrachtete einen Moment lang noch die Gruppe. Dabei erspähte er auch eine seltsame Gestalt, die neben der Bare einherging und etwas murmelte.
Tatsächlich hätte das Ottsel den Krampus sogar auf die Gruppe aufmerksam machen wollen. Anscheinend suchte er ja jemanden auf seiner Liste und da war eine ganze Schar aus Jemanden! Doch es konnte immer noch nicht sprechen, so dass der Ziegenkopfbestie die kleinen Leute entgingen. "Eigenartig", sagte er nochmals und kratzte sich das Fell. "Ich war mir sicher, ihren Namen auf der Liste gelesen zu haben. Doch jetzt ist er fort. Weder bei den guten noch den bösen Seelen. Sei's drum." Er zuckte mit den Schultern. Und damit war für ihn der Punkt abgehakt. "Dann bleibt nur noch, dich bei den Affenhybriden abzusetzen." Mit einem Glühen in den Augen wandte er den Blick dem Ottsel zu. "Sie werden dich durch den halben Urwald jagen und falls du vorher nicht zu Tode geprügelt oder von einer Giftschlange gefressen wirst, hole ich dich später wieder ab. Ich hab einige ... Besuche zu machen. Im Urwald Kapayu gibt es nämlich nicht viel, das brav ist." Er lachte, dass dem Ottsel das Blut gefror.

"Wo stecken denn Krampus und das Ottsel?", fragte der Wichtel, als er endlich zum Schlitten zurückkehrte. Er hatte wieder Mut gefasst, weitere Geschenke verteilt und wirkte nun sogar etwas fröhlich. Ohren und Wangen glühten ihm von der Arbeit und er lächelte, bis ihm auffiel, dass nicht mehr alle anwesend waren.
"Der Krampus hat das Ottsel mitgenommen. Es wird seine Lektion lernen", erwiderte Ritter Ruprecht nur. Dann half er dem Wichtel in den Schlitten. Dieser schaute nun etwas betreten. "Das arme Ottsel", meinte er und das aufrichtig. Aber dann fiel ihm siedend heiß etwas ein. "Oh, wer soll denn nun den Schlitten ziehen? Oder warten wir, bis beide zurück sind? Dann ... werde ich niemals fertig. Das Ottsel lernt seine Lektion sicher nicht und ich habe doch jetzt bereits kaum mehr Zeit."
Ritter Ruprecht schmunzelte. Er hob einen Finger und zeigte nach vorn. Vor den Schlitten war plötzlich ein anderes Tier gespannt. Obwohl es überdimensional groß war für seine Art sah es immer noch niedlich aus. Dabei könnte es allein mit einer seiner Hinterpfoten den Wichtel einfach zertreten, wenn es denn wollte. Es wirkte jedoch recht friedlich, hockte auf den Hinterläufen und zog sich einen seiner langen Löffelohren nach vorn, um ihn mit der Zunge zu säubern. Dabei wackelte die winzige Knopfnase im Takt der Atemzüge.
"Ohhh, was für ein schönes Kaninchen und so weiß wie der Schnee! Können wir es Flocke nennen?"
"Warum nicht? Aber Flocke braucht noch eine Motivation, den Schlitten zu ziehen. Würdest du sein Geschenk bitte aus dem Jutebeutel holen?"
Wichtelchen nickte und griff in den Sack. Er staunte nicht schlecht, als eine Angel mit passender Vorrichtung zum Vorschein kam, damit man sie am Kopf des Kaninchens befestigen konnte. Dieser Aufgabe ging Ritter Ruprecht sofort nach. Trotzdem fehlte nach wie vor etwas. Die Angel ließ ihre Schnur zwar nun in etwas Abstand vor das Gesich des Kaninchens sinken, aber von einem Stück Seil wurde Flocke nicht motiviert. Der Ritter hatte auch daran gedacht. Aus seinem Wappenrock zog er ...
"Das sieht nicht aus wie eine Möhre!"
"Oh nein, aber es ist viel hilfreicher." Er hängte eine golden schimmernde Tachenuhr ans Ende der Angelschnur. Mit jedem leisen Ticken zuckten Flockes Ohren aufmerksam. Es starrte die Uhr an und plötzlich riss es das Mäulchen auf, um zu sprechen. Besser noch: Der Wichtel verstand jedes Wort.
"Wir kommen zu spät, zu spät! Schnell, in den Schlitten. Wir haben keine Zeit. Hurtig! Zu späääät!" Flocke hopste fast panisch auf und ab, damit der Ritter sich eilte, neben dem Wichtel Platz zu nehmen. Kaum war er dem nachgekommen, ging ein Ruck durch den Schlitten und mit gewaltigen Hoppsern wurde das Gefährt erneut durch den massiven Stein des Drachengebirges gezogen.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 20. Dezember 2020, 04:46

20. Dezember
von Kazel

"Du wirkst bekümmert."
Ritter Ruprecht lenkte den Schlitten um, damit er über die dunkle Wolkendecke hinweg flog. Darüber gab es nur den klaren Himmel, die Sterne und den aufgehenden Mond. Viel Zeit blieb dem Wichtel nicht mehr, um seine Liste abzuarbeiten. Aber er und sein Begleiter waren in den letzten Stunden weit gekommen. Sie hatten ihren Teil Celcias zum Großteil hinter sich gelassen. Anderen Wichtel würde es ählich ergehen. Nur noch ein paar Stunden und der längste wie gleichermaßen wichtigste Tag für einen echten celcianischen Wichtel ging zu Ende. Dann hätten sie alle wieder ein Jahr Zeit, um sich auf das nächste Ereignis vorzubereiten.
Eigentlich sollte das Wichtelchen glücklich darüber sein. Ohne das Ottsel war es ein Leichtes gewesen, die verlorene Zeit aufzuholen. Das war auch nicht zuletzt dem Kaninchen zu verdanken. Flocke nahm bei jeder Schlittenfahrt an Geschwindigkeit zu. Die Taschenuhr am Ende der Angelschnur war die beste Motivation für das neue Zugtier. Reichlich Geschenke gingen in diesem Jahr an die Celcianer heraus und das obwohl sich diese fantastische Welt im Wandel befand. Die dunklen Völker setzten ihren Eroberungsfeldzug fort und dennoch gab es auch unter ihnen zahlreiche Vertreter, denen man ein artiges Verhalten zuschreiben konnte. Denn selbst jemand, der auf den Befehl eines skrupellosen Anführers hören musste, um zu überleben, konnte das Beste für sich und seine Mitlebewesen unternehmen. Es ging nicht überall brutal zu. Und ein kleines Wichtelgeschenk als Hoffnungs- oder Freudenträger konnte wahre Wunder bewirken. Leider bezog sich das nicht auf den Lieferanten selbst.
Lysanthors Vasall behielt Recht. Das Männlein wirkte mehr als bekümmert. "Was ist los?", fragte Ruprecht.
Der Wichtel zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es selbst nicht. Ich sollte glücklich sein. Wir haben so vielen Menschen, Elfen, Zwergen und sogar einer Oblinox-Gruppe Freude bereiten können. Aber irgendwie kommt das Glücksgefühl nicht bei mir an."
"Du lügst", entgegnete der Ritter. Er gab dem Kaninchen ein Signal und das Tier setzte sich erneut in Bewegung. Gemächlich flog der Schlitten nun über die Wolkendecke hinweg, streifte sie mit den Kufen und hinterließ längliche Streifen am hereingebrochenen Nachthimmel. "Ich konnte dich beobachten, Freund Wichtel. Wenn du mit erfüllter Aufgabe zum Schlitten zurück kamst, hast du jedes Mal ganz rote Wange gehabt. Voll Wonne hast du gegrinst. Du lügst, wenn du behauptest, das Glück sei nicht mit dir."
"Aber ich fühle es irgendwie nicht. Etwas Anderes bedeckt alles."
"So?" Ritter Ruprecht schielte nach unten. Er hakte von sich aus nicht weiter nach, sondern ließ dem Wichtel die nötige Zeit, sich selbstständig zu öffnen. Seine Geduld wurde belohnt, als der Wichtel endlich weitersprach. "Ich habe trotz allem Mitleid mit dem Ottsel", sagte er. "Es ist nicht seine Schuld. Es liegt in seiner Natur. Wer sprechen kann, nutzt es aus und testet seine Grenzen."
"Oder überschreitet sie."
"Ja ... trotzdem glaube ich nicht, dass es aus tiefstem Herzen böse ist. Ich ... habe seinen Namen nämlich nicht auf der unartigen Seite gefunden."
"Ho, ho, ho!" Das brachte Ritter Ruprecht dermaßen zum Lachen, dass er kurzerhand die Zügel lockerte und der Schlitten ins Schwanken geriet. Wichtelchen klammerte sich sofort an der Sitzlehne fest, bis sein Begleiter das Gefährt wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Sein Lachen aber hielt an.
"Ich meine es Ernst", sagte der Wichtel mit etwas mehr Nachdruck. "Was immer Krampus mit dem Ottsel angestellt hat, hat nicht einmal er verdient. Vor allem, weil ... weil ... weil ich ihm das verzeihen kann."
"Nicht ganz."
Der Wichtel seufzte und nickte. "Nicht ganz", wiederholte er. "Wenn er den Samen nicht gefressen hätte. Es ist ja nicht so schlimm, dass er mich ständig necken muss. Das hat ja auch ein bisschen Spaß gemacht. Aber der Samen war ein Geschenk gewesen und die arme Seele wurde sogar von der Liste gestrichen. Von mir, Ritter Ruprecht! Ist das gerecht? Damit die Bilanz am Ende stimmt? Es ... bereitet mir solche Bauchschmerzen, dass das Glück gar nicht bei mir einkehren kann."
Unter einem Brummen nickte der Ritter. Er verstand durchaus. Plötzlich fragte er: "Auf welcher Seite der Liste taucht dein Name auf?"
Wichtelchen zuckte zusammen. "Mein Name? Aber Wichtel tauchen gar nicht auf. Wir sind ausgeschlossen, weil es doch unsere Tradition ist. Das wäre ziemlich lachhaft, wenn wir uns selbst beschenken. Noch dazu das Übermaß an Arbeit für alle! Nein, nein. Mein Name braucht dort nicht zu stehen."
"Das hast du Recht", erwiderte der Rittersmann mit einem milden Lächeln. "Du weißt bereits, was für eine gute Seele du bist."
Sofort zog der Wichtel seine Zipfelmütze tiefer ins Gesicht. Seine Wangen nahmen fast die gleiche Farbe an. Geschmeichelt knetete er seine Finger im Schoß und murmelte unverständliche Worte vor sich her. Bis er bemerkte, dass der Schlitten erneut über den Wald Arus hinweg flog. Doch er zog nicht weiter hinaus, sondern senkte sich etwas. Die Baumwipfel kamen näher.
"Wir landen?", fragte er überrascht, zerrte die Liste heraus und prüfte die noch offenen Namen. Viele waren es nicht mehr und keiner davon befand sich derzeit in diesem Wald. "Ist am Schlitten etwas kaputt, dass wir landen? Oder braucht Flocke eine Pause?"
Mit einer sanften Kurve und nur wenig Holpern zog das Kaninchen seine Last zwischen den Nadelbäumen hindurch. Sie hinterließen eine lange Spur eim Schnee. Dann kam der Schlitten zwischen einigen Haselsträuchern zum Stehen. Zwei Hirsche in der Nähe hoben die Köpfe. Ritter Ruprecht neigte in ihrer Gegenwart das Haupt. Dann griff er in seinen Wappenrock und streckte wenig später seine geschlossene Faust dem Wichtel entgegen. Zwischen den Fingern schimmerte etwas.
"Ich bin zwar kein magischer Geschenkebeutel und den Samen für eine Mondblume kann ich auch nicht einfach so hervorbringen, aber vielleicht wird sich das hier als Geschenk eignen. Und keine Sorge. Auch wenn es so strahlt und eine Gabe Lysanthors ist, wird es niemandem schaden, weil es magisches Licht ist und nicht von der Sonne kommt."
"Magisches Licht?" Der Wichtel streckte beide Hände aus und Ritter Ruprecht überreichte ihm eine walnussgroße Kugel aus reinstem Licht. Es blendete nicht wie die Sonne, aber lockte die Augen des Wichtels, als wären sie Motten. Er konnte kaum fort sehen, während der Anblick dafür sorgte, dass ihm ganz warm und wohlig ums Herz wurde. "Oh, wie schön!", rief er aus, spürte die Begeisterung. "Das soll ich als Ersatz übergeben?"
"Ja. So ist es. Und es wird noch viel zauberhafter strahlen, wenn es erst einmal auf die richtige Seele trifft."
"Aber wie soll ich das anstellen, Ritter Ruprecht? Ein so schönes Licht fällt doch sofort auf! Auch wenn das Ottsel dieses Mal nicht dabei ist, stellst du mich hier vor eine wahre Herausforderung."
"Und nur ein Wichtel deines Formats wird sie meistern. Spute dich! Wenn du das Kaninchen sorgenvoll rufen wirst, müssen wir weiter. Ich rate dir, nicht zu trödeln." So kletterte der Wichtel hurtig vom Schlutten herunter und stapfte durch den Wald. Den Weg kannte er und wusste instinktiv auch, dass er die gute Seele in der Nähe finden würde. Das Licht in seinen Händen schien sie aufspüren zu können und sich nach ihr zu sehnen. Also eilte er sich, rasch weiter zu kommen.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 21. Dezember 2020, 03:05

21. Dezember
von Kazel

Der Wichtel schlich durch's Unterholz. Hier und da knackte es, wenn er über einen Zweig lief oder einen Teppich aus gefallenen Nadeln und Blättern passierte. Unter einigen formschönen Pilzen machte er Rast, um den Stoff seines Wamses noch einmal neu über das Geschenk zu stülpen, welches für die vergessene gute Seele gedacht war. Noch immer glühte das magische Licht durch seinen Stoff und versuchte, dem bleichen Vollmond am Himmel Konkurrenz zu machen. Er hatte sich in sein schönstes Gewand gehüllt und präsentierte die glitzernden Pailletten der Sterne dazu, die mit jedem Atemzug aufleuchteten. Und dennoch empfand der Wichtel das kleine Licht zwischen seinen Fingern als noch schöner. Es wärmte zudem und verlieh ihm mit jeder verstreichenden Sekunde mehr Mut. Was für ein wunderbares Zauberlicht, dachte das Männlein. Trotzdem wusste er noch immer nicht, wie er es ungesehen an die gute Seele überbringen könnte. Dann entdeckte er sie!
Allein schlich auch sie durch das Unterholz, aber verloren war sie nicht. Ihr Begleiter stakte irgendwo in der Nähe herum. Man konnte ihn noch hören, nur im Dunkeln machte der Wichtel ihn nicht aus. Das bedeutete, er musste noch vorsichtiger mit dem Lichtlein sein! Und wo war der Dritte im Bunde? Hatten sie ihn ausgetrickst, um etwas Zeit allein zu verbringen? Oh, dann musste Wichtelchen nur noch schneller handeln, ehe es romantisch wurde. Er wäre zu peinlich berührt, wenn das Geschenk seine Seele während ihrem Liebesspiel fände. Wie Kaninchen Flocke so schön sagte: Es bleibt keine Zeit, er kommt sonst zu spät!

Während der Wichtel mit seiner Aufgabe beschäftigt war, saß Ritter Ruprecht bequem im Schlitten zurückgelehnt da und schaute auf zum Mond. Er diente vordergründig zwar dem Herrn der Sonne, ihm gefiel dieser bleiche Anblick am Nachthimmel aber auch immer wieder gut. So lächelte er empor und meinte, ein Gesicht zurücklächeln zu sehen.
"Wie geht es dem Ottsel?", fragte der Ritter ins Nichts. Das Kaninchen stellte die Ohren in seine Richtung auf. Es war hier aber nicht der Angesprochene. Eine weiße Eule huschte lautlos über den Schlitten hinweg. Sie war auf deer Jagd, warnte ihr kleintierisches Essen dann aber, als sie einen Laut von sich gab: "Guhuuut, guhuuut!"
Ritter Ruprecht schmunzelte. "Dann hat es seine Lektion noch nicht gelernt. Warten wir noch etwas." Er streckte sich. "Na, ich vertraue darauf, dass der Krampus weiß, was er tut. So wie ich darauf vertraue, dass unser Freund Erfolg hat." Er spähte in den Wald hinein. Das magische Licht war schon lange nicht mehr zu sehen gewesen, daher konnte Ruprecht schlecht voraussagen, wie es dem Wichtel erging. Dennoch war er nicht besorgt. Der kleine Mann hatte sich sehr bemüht, den ganzen Tag schon und allein, dass er die Strapazen nochmal auf sich nahm, um die eigentlich gestrichene Seele zu beschenken, sagte viel über ihn aus. Der Ritter nickte zufrieden. Dann machte er eine Bewegung in der Dunkelheit aus. Sofort ergriff er seine Zügel und machte den Schlitten abflugbereit.
"Du lächelst", grüßte er den Wichtel, als dieser ihn erreichte. "Demnach hattest du Erfolg."
Der kleine Mann nickte eifrig und strahlte über das ganze Gesicht. "Ohja, und es sah so wunderbar aus. Ein tolles Geschenk hast du mir da gegeben."
"Das hätte ich auch gern gesehen, aber ich spüre, dass die gute Seele sich darüber gefreut hat."
"Ihre Freunde fast mehr als sie", entgegnete Wichtelchen und erklomm den Schlitten. Ritter Ruprecht ließ die Zügel knallen und das Kaninchen schaute auf. Es entdeckte aufs Neue die Taschenuhr, verschluckte sich und quiekte: "Zu spät, wir kommen zu spät!" Dann hoppelte es los. Der Schlitten setzte sich in Bewegung und weiter ging es.
"Fast geschafft", meinte Wichtelchen, als er einen Blick auf die Liste warf. "Wir müssen nur noch ... oh! Das ... äh ..."
"Was ist?", fragte der Ritter, welcher den Schlitten dennoch bereits in eine bestimmte Richtung lenkte. Er wusste, wohin die Reise ging.
"Nichts", entgegnete sein Sitznachbar. "Da war ich nur noch nie. Und ich glaube, kein Wichtel hat diesen Ort seit sehr langer Zeit besucht. Ich wusste nicht, dass dort überhaupt noch Leben existierte."
"Na, dann kannst du dich doch freuen, mein Freund! Das ist wie ein Geschenk für dich. Ho, ho, ho!" Ritter Ruprecht lachte herzlich. Der Wichtel schaute über den Rand des Schlittens hinweg nach Süden. "Wenn ich einen Wunsch frei hätte", begann er, "dann würde ich mich freuen, wenn das Ottsel wieder hier wäre. Es ist zwar nervtötend und hat den ganzen Tag meine Arbeit behindert, aber ... Tritte vom Krampus hat es nicht verdient. Und ich vermisse sein Geplapper sogar etwas. Ein klein wenig."
"Vielleicht bleibt nach unserem letzten Besuch noch Zeit und wir könnten einen Abstecher zu ihm machen. Ich bezweifle allerdings, dass es deine Laune heben wird." Ritter Ruprecht deutete nach vorn. "Dafür freust du dich sicherlich, als einer der wenigen auf Celcia einen Blick in eine vergessene Stadt werfen zu können. Mit echten Drachen!"
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 22. Dezember 2020, 00:38

22. Dezember
Idee von Maruka, geschrieben von Kazel

Die einzige Stadt mit und für Drachen, die dem Wichtel ansatzweise geläufig war, nannte sich Drachma. Aber seinesgleichen hatten sich dort schon seit langer Zeit nicht mehr blicken lassen. Die Stadt war Ruine, mehr noch als Kosral im Wald Neldoreth. Nichts dort lebte mehr. Es gab keine Drachen mehr in Drachma, keine Menschen als Hüter ihres Geleges und als Reiter der Lüfte. Die gigantisch hohen Hallen mit den weiten, gotischen Fenstern und Landeplätzen für die Geschuppten waren leer. Die wie Nester angedachten Sitzplätze längst nur noch Unrat. Nistplätze an Klippen, in Höhlen und sogar extra angelegten Bereichen innerhalb der Stadt waren verwaist. Dort würde nichts mehr schlüpfen, das das Erbe der einst so glorreichen Drachenstadt annehmen könnte.
Aber Kosral konnte man nicht mehr länger als Ruine bezeichnen. Die zerklüfteten Mauern waren wie durch Zauberhand neu erstanden. Die dunklen Völker hatten giftige Spinnen und gefräßige Asseln in die untersten Kellergruften vertrieben oder gar getötet, um sich selbst dort einzunisten. Man konnte von ihren Eroberungszügen halten, was man wollte, aber sie hatten Kosral erneut mit Leben gefüllt. Sie bewohnten die im Wald gelegene einstige Menschen- und Elfenstadt nun, füllten sie mit Leben an und gaben ihr so auf ihre eigene Weise neuen Glanz. Wenn das mit Kosral funktionierte, warum dann nicht auch mit Drachma? Vielleicht hatten alle Wichtel Celcias sich geirrt. Vielleicht waren die Drachen, die vor Jahren durch die sechs Kristallträger wieder erweckt worden waren, nicht in den Tempel im Schattengebirge geflogen, sondern hatten die einstige Heimat früherer Generationen aufgesucht. Vielleicht lebten zumindest die Geschuppten wieder dort.
"Drachma..." Der Wichtel murmelte es verträumt. Zugleich durchbrach er damit die Stille der Nacht, durch die sich ihr magischer Schliten nahezu lautlos bewegte. Manchmal konnte man den Wind an den Kufen vorbei rauschen hören. Manchmal vernahm man die Arbeit von Flockes Gelenken, wenn das Kaninchen neuen Schwung für einen nächsten vorpreschenden Sprung holte. Und manchmal knirschte das Leder der Zügel in Ritter Ruprechts Händen, sobald er den Kurs etwas korrigierte. Darüber hinaus hatte Stille geherrscht, so dass dieses eine Wort aus des Wichtels Mund laut wie ein Peitschenknall klang.
"Du siehst sie schon, die Drachenstadt", stellte Ruprecht fest. Da wagte der Wichtel erstmals einen Blick über den Rand des Schlittens. Unter ihm lag sie, prachtvoll und schön wie damals schon. Irgendwie strahlte sie neu erwachte Erhabenheit alter Zeiten aus. Der blanke Stein von breiten Wehrmauern, hohen Türmen und architektonisch verspielt gebauten Zinnen schmiegte sich passgenau an die Felswände. Zusammen erschufen Gebirge und Stadt eine Symbiose wahrer Perfektion. Aus Sicht des Wichtels aber boten die vielen Lichter von Feuerschalen, Fackeln und Kohlebecken den Gipfel dieser Aussicht. Leben. Jemand lebte innerhalb des Schutzwalls, vertrieb die Leere aus den Hallen und die Kälte aus dem Stein.
"Was geht denn da vor sich, Ritter Ruprecht? Alles wirkt so ... so ..."
"Lebendig? Ho, ho, ho! So ist es, kleiner Freund. Drachma erwacht neu und da solltest du als Wichtel doch mal einen Blick drauf wefen. Was meinst du?"
Unter einem Nicken schob das Männlein die Zipfelmütze etwas aus der Stirn. Oh, wie gern wollte es hinunter fliegen und mitten auf dem großen Platz der Drachenstadt landen! Es wollte in alle Ecken und Winkel schauen, ob sich nicht sogar eines der geschuppten Wesen hier versteckte. Der Wichtel mochte die zahlreichen Geschichten über Drachen und am liebsten war ihm der Eisdrache. Manch einer hätte vielleicht den erhabenen Golddrachen oder den König aller Geschuppten, den Regenbogendrachen, erwartet. Aber das Wichtelchen gehörte ganz und gar in die kalten Jahreszeiten und so liebte es die Erzählungen über Eisdrachen, welche mit ihrem Odem Kristalle in den Himmel bliesen und sie mit einem kräftigen Flügelschlag als glitzernden Schnee gen Celcia schickten. Ach, wenn der Schlitten nur ein Drache wäre!
"Können wir landen, Ritter Ruprecht? Ich weiß nicht, ob überhaupt jemand auf der Liste steht, der ein Geschenk verdient hätte, aber ... oh, ich wünschte, wir hätten Zeit uns die ganze Stadt anzusehen. Das ist so aufregend!"
Der Ritter ließ erneut sein teifes, aber lustiges Lachen erklingen. "Vielleicht finden wir ja die eine oder andere gute Seele, die wir beschenken könnten. Ich bin sicher, dass ... oh. Oh ho ho ho!" Dieses Mal war es kein Lachen, das seiner Kehle entkam, sondern ein Laut der Vorsicht. Vor dem Schlitten erhob sich ein gigantischer Schatten, der in den Nachtimmel aufstieg. Kaninchen Flocke gelang es gerade noch, in der Luft abzubremsen, ehe er mit dem dunklen Fleck kollidiert wäre. Der Wichtel kreuzte seinen Blick mit einem Paar geschlitzter und sehr wachsamer Augen, die problemlos seine gesamte Größe umfassten. Er schluckte und drückte sich etwas dichter in die Ecke des Schlittens zurück.
"Was war das?", ächzte er etwas verängstigt.
"Nun ja, die Drachenstadt hat ihren Namen nicht von dem Fakt, dass es hier viele Nachtfalter gibt."
"A-aber der wird und doch nicht angreifen, oder? Ritter Ruprecht, ich habe nicht einmal ein Schwert wie du!"
Der Ritter winkte ab. Der Schatten war zwischen den Wolken verschwunden und stellte vielleicht nur einen Drachen auf nächtlicher Jagd dar. Ruprecht blieb wachsam, aber unbesorgt. Er deutete unter sich in die Tiefe. "Ich sehe mehrere gute Seelen dort unten, aber ... ich glaube, deine Anwesenheit ist gar nicht nötig, kleiner Freund. Sieh selbst."
Der Wichtel fasste sich ein Herz und spähte noch einmal über den Rand des Schlittens hinweg. Was er sah, wärmte ihm das Herz. Durch die Mauern hindurch, als wären sie gar nicht vorhanden, konnte er all die Freude und Liebe ausmachen, die unter ihm in Drachma stattfand. Er sah Zweibeiner und Vierbeiner. Letztere erfreuten sich an ihrem frisch begonnenen, noch so jungen Leben und ihre von Schuppen geschützten Herzen schlugen warm für die Celcianer, die ihnen Ersatzmütter geworden waren. Da ging auch dem Wichtel das Herz auf. Er lächelte zu Lysanthors Vasall hinauf. Dann pflichtete er bei: "Du hast Recht. Sie haben bereits Geschenke erhalten. So kostbare und fröhliche Geschenke, die für ganz Celcia so viel bedeuten werden. Sie brauchen meine Gaben wirklich nicht."
"Gut, dann schlage ich vor, dass wir-"
Ritter Ruprecht wurde schlagartig unterbrochen, als ein kräftiger Seitenwind den Schlitten ins Wanken brachte. Er krallte sich sofort ins Holz, packte zugleich auch den Wichtel am Kragen, damit dieser nicht über Bord fiel. Wenig später tauchte die Quelle der kräftigen Böe auf. Groß, mit Schuppen über den gesamten Körper verteilt, die im Mondlicht scharfkantig schimmerten. Ein Augenpaar, das die Welt gesehen hatte und vor Weisheit aber auch mit einem Beschützerinstinkt erfüllt war. Nüstern blähten sich und die Bestie zeigte ihre blanken Reißzähne, die Ritter Ruprecht in ihrer Größe wohl in nichts nachstanden. Die Schwingen des Wesens verdunkelten für einen Moment den Himmel, als sie am Schlitten vorbei zogen und dabei den Mond verhüllten. Zwischen den gezackten Rückenschuppen saß ein Reiter, eingehüllt in eine dicke Panzerung und bewaffnet. Sowohl er als auch sein Drachengefährte schienen bereit, keinen Eindringling unerlaubt nach Drachem einfliegen zu lassen. Der Wind war eine Warnung an jene, die Böses im Sinn hatten.
Ruprecht aber hob sofort beschwichtigend die Hände. Der arme Wichtel in seinem Griff musste ertragen, dass er kurzzeitig etwas durchgerüttelt wurde. Dann verneigte sich der Vasall tief und zeigte auf des Wichtels magischen Jutebeutel. Ob der Drachenreiter die Tradition kannte?
"Ihr wurdet schon reich beschenkt", rief Ruprecht. "Wir ziehen weiter, denn die Nacht neigt sich dem Ende." Seinem Ruf antwortete der Drache mit einem lauten Brüllen. Es brachte die Sterne und auch die Sicht des Wichtels zum Zittern. Nie zuvor hatte er einen so großen Drachen gesehen, erst Recht nicht aus nächster Nähe. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, aber er war sich selbst nicht ganz sicher, ob Aufregung oder Angst es so zum Hämmern brachte. Vielleicht ein wenig von beidem.
"Wird er uns angreifen?", wimmerte er dennoch. Er wollte nicht als Drachenfutter enden. Aber Ritter Ruprecht setzte ihn endlich ab und griff dann nach den Zügeln von Flocke. "Nicht, wenn wir uns nicht feindselig zeigen. Landen werden wir in Drachma aber auch nicht." Das käme wohl feindselig herüber. So wollte Ruprecht den Schlitten gerade antreiben, da wurde er wiederholt von einem kräftigen Wind erfasst. Die letzte Warnung von Seiten des Drachens und seinem Reiter.
Jetzt hieß es, schnell zu sein. Flocke sprang wie wild los, denn seine Taschenuhr bimmelte plötzlich. Der Klang war interessant, denn statt eines nervtötenden Lärmens erklangen Dutzende kleiner Glöckchen in einer fast schon zu romantischen Melodie. Außerdem sang eine liebliche Stimme dazu. Kling, Glöckchen, klingelingeling ... Beinahe hätte der Wichtel mit eingestimmt. Aber sein erster Singversuch ging im Ruck unter, der durch ihn und den Schlitten ging. Ruprecht riskierte nichts, sondern flog nun hastig von dannen. Der Drache war drauf und dran, sie erneut zu streifen, um mit seinem Flügelschlag einen Wind zu beschwören. Dieses Mal aber traf er den Schlitten. Ein Rumpeln und Poltern ging durch das Fluggerät. Den Wichtel rüttelte es ordentlich durch. Er keuchte auf und konnte sogar Flocke kurz Quieken hören.
"Oh, ich glaube, sie haben uns erwischt", ächzte selbst Ruprecht. Das hatten sie. Ein Hinterlauf des Drachen hatte den Schlitten gestreift und ein Teil des Hecks aufgerissen. Holzsplitter stoben umher. Magie sprühte aus der "Wunde" des magischen Gefährts. Glitzernd und silbrig rieselte sie in der langen Flugbahn, die Ruprecht einschlug, auf Drachma nieder. Aber Magie blieb immer wandelbar und in einer Höhe wie dieser, in einer kühlen Nacht wie dieser, da formte sie sich passend ins Gesamtbild.
Der Schlitten stob davon, gewann Distanz zum Drachen, seinem Reiter und der Stadt, die beide beschützt hatten. Jener Reiter blickte auf die silbrig weiße Spur, die der Schlitten mit seiner Flucht in die Nacht hinterließ. Er sah gen Drachma herunter, wo die Magie sich langsam auf Dächer und Plätze legte. Als hätte jemand Puderzucker über die Drachenstadt verteilt, war sie schnell in ein weißes Gewand absoluter Unschuld gehüllt. Denn nichts auf Celcia war so rein und ehrlich wie unberührter Schnee.
Und so hinterließ der Wichtel den neuen Bewohnern Drachmas doch noch eine Kleinigkeit.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 23. Dezember 2020, 02:43

23. Dezember
von Kazel

"Drachma!" Mit einem Seufzen lehnte der Wichtel sich in den Schlitten zurück. Das Gefähr flog nun langsam am Himmelszelt dahin. Der Vollmond schien in ganzer Pracht. Er hatte seinen Scheitelpunkt erreicht. Mitternacht. Es war geschafft. Der Tag des Wichtels war vorbei ... und er hatte tatsächlich noch alle Lieferungen ausführen können. Er hatte sogar die arme Seele beschenken können, die er von der Liste hatte streichen müssen. Und Drachma!
"Verzeih, dass wir keine Landung machen konnten", warf Ritter Ruprecht ein. "Ich weiß, du hättest gern-"
"Verzeihen? Verzeihen, lieber Ritter Ruprecht?!" Erstmals fiel der Wichtel dem alten Gesellen ins Wort. Er hockte sich auf und schaute seinen Sitznachbarn mit großen Augen, sowie verständnisloser Miene entgegen. "Es gibt nichts zu verzeihen. Ich habe Drachma gesehen und sogar einen echten, riesigen Drachen! Ich habe alle Geschenke abgeliefert. Ich .... nein, wir haben es geschafft. Juchuuu!" Er nahm seine Zipfelmütze vom Kopf und warf sie in die Luft. Ritter Ruprecht fing sie mit einer Hand, bevor sie hinter dem dahinfahrenden Schlitten herabfallen konnte und somit für immer verloren wäre. Unter einem Schmunzeln reichte er sie zurück. Dann nickt er. "Ja. Wir haben es geschafft, Dank deiner nicht enden wollenden Motivation. Du hast dich durchgebissen, gekämpft und gesiegt. Ich gratuliere dir, mein Freund."
Endlich! Da war es, dieses Hochgefühl, dieses pure Glück, welches man nur durch eine gute Tat spüren konnte. Es wärmte das Herz, ließ es hohe Hüpfer im Brustkorb veranstalten, so dass es das But in die Wangen pumpte, damit diese vor Stolz heiß brannten. Der kleine Wichtel kicherte, verlegen und glücklich. Er hatte sogar Tränchen in den Augen, denn niemals hätte er es für möglich gehalten, seine Aufgabe doch noch erfolgreich zu Ende bringen zu können. Es war so anstrengend und aufregend zugleich gewesen.
"Und?", fragte Ruprecht. "Wirst du kommendes Jahr wieder ausziehen, um kleine Päckchen zu verteilen?"
"Aber ja", erwiderte das Männlein. Für nichts in der Welt würde er diese Chance eintauschen wollen. Aber dann legte sich seine Laune mit einem Mal. Das Glücksgefühl wich einem Kloß im Hals, der nach Kummer schmeckte. Erneut seufzte der Wichtel, dieses Mal aber nicht vor Zufriedenheit. Neugierig beobachtete der lysanthorische Abgesandte den kleinen Mann wie er seine Zipfelmütze zwischen den Händen drehte.
"Ich habe es diese Nacht schon einmal gefragt und ich mutmaße, dass ich die gleiche Antwort ein zweites Mal erhalten werde, aber lass mich die Frage stellen: Was bekümmert dich?"
Wichtelchen legt die Mütze beiseite und spähte über den Rand des Schlittens hinweg. Jener zog gerade seine Kreise weit über Celcia. Die Wolkendecke war aufgebrochen und Mondlicht fiel auf viele verschneite Teile der Welt. In der Ferne konnte man über den Wolken die Stadt Hymlia schweben sehen. Sie glitzerte zauberhaft im nächtlichen Schimmer. Allein ein solcher Anblick war all die Strapazen wert gewesen. Leider konnte Wichtelchen ihn nicht vollends genießen.
"Das Ottsel", sagte es. Ritter Ruprecht nickte. Er hatte richtig vermutet.
"Das Ottsel", wiederholte er. "Aber es hat dir so viel Ärger bereitet. Nun befindet es sich in der krallen bewährten Hand des Krampus. Es wird ihm ein Jahr lang dienen müssen."
"Glaubst du, er lässt es wirklich verhungern?"
"Nein ... hm ... nein. Das heißt, ich hoffe es nicht. Das wäre wohl eine zu drastische Lektion, aus der das Tierchen nichts würde lernen können."
Der Wichtel nickte. "Es geht also um's Lernen. Aha."
Eine Weile schwebten sie dahin. Kaninchen Flocke hatte sich auch beruhigt und die goldene Taschenuhr war nun doch endlich gegen eine Motivationsmöhre ausgetauscht worden. Schließlich gab es keinen Termin mehr, zu dem sie zu spät kommen könnten. Bald würde Flocke in seinen Bau zurückkehren, wieder klein und niedlich, und mit seinen Dutzenden Geschwistern eingekuschelt schlafen können. Auch für den Wichtel wurde es Zeit, nach Hause zurückzukehren. Er hatte alles erledigt.
"Ich fliege ich in deine Heimat zurück", bot Ruprecht an. Das Männlein stimmte mit einem leisen Brummen zu. Schon wurde der Schlitten umgelenkt. Es ging zurück zum Anfang, der Grenze des Neldoreth zur Stillen Ebene. Dort hauste das Männlein das übrige Jahr in einem magischen Baumstumpf, der mit sechs dicken Pilzen und einem Fußabtreter aus Moos verziert war. Ein solches Eigenheim hatte ihn viel Fleiß und Mühe gekostet. Heute Nacht würde er sich daran erfreuen können, denn Wärme und Wohnlichkeit erwarteten ihn.
Außerdem noch etwas.
"Kennst du alle alten Wichteltraditionen, mein Freund?"
"Was meinst du, Ritter Ruprecht? Habe ich etwa eine Kleinigkeit vergessen? Oh, bitte nicht! Der Abend endet beinahe perfekt, ich habe mich nun so darauf gefreut, die Füße hochzulegen."
Der Vasall winkte beschwichtigend ab. "Das kannst du auch. Ich wollte nur wissen, ob du auch die Tradition des Wichtelpreises kennst."
"Wichtelpreis?" Der kleine Mann stutzte. "Davon höre ich nun zum ersten Mal."
"Ho, ho, ho! Das kann ich mir gut vorstellen! Du wolltest schließlich nur deine Lieferung vollenden. Du hast nicht einmal von dem Preis gesprochen oder Ehrgeiz gezeigt, ihn anzustreben. Ich dachte mir bereits, dass du die Tradition nicht kennst."
"Was ist der Wichtelpreis? Sag es mir, guter Ritter!"
Ruprecht nickte. Statt den Schlitten zu landen, bremste er ihn in der Luft ab und legte dann die Zügel locker auf das Holz. Nun war er es, der sich etwas zurücklehnte. Dabei strich der alte Ritter den weißen Rauschebart und anschließend sein leicht vorstehende Wampe. "Es ist eine sehr alte Tradition und sie betrifft alle Wichtel, aber die wenigsten wissen davon. Das liegt daran, dass sie mit einem Vergessenzauber verknüpft ist. Der Wichtel, der den großen Preis erhält, wird ihn zu Beginn eines neuen Jahres vergessen oder nicht mehr so wichtig nehmen. Das ist nämlich wichtig! Damit er im kommenden Jahr seine Pflichten nicht mit der Intention erfüllt, sie nur für einen Gewinn zu vollbringen."
"Oh, das verstehe ich. So wird ein Konkurrenzdenken zwischen den Wichteln verhindert, nicht wahr?"
"So ist es. Das und damit die Wichtel sich auf den Kern ihrer Pflichten konzentrieren: Das Ausliefern kleiner Geschenke an gute Seelen." Der Ritter lächelte zu dem Männlein herunter. Dann legte er ihm die Hand auf die viel kleinere Schulter. "Dieses Jahr werde ich dich vergessen lassen müssen. Denn nun kann ich dir meine eigentlich Aufgabe mitteilen. Ich bin ausschließlich hier, um den potenziellen Gewinner des Wichtelpreises zu beobachten und ihn zu übergeben, falls sich mein Favorit wirklich als gewinnberechtigt entpuppt. Und das tust du. Du hast dir mehr als viel Mühe gegeben, kleiner Freund. Du hast sogar an die gedacht, die für andere nichts weiter als ein Name auf dem Papier sind. Du hast versucht, dich mit Strapazen und unliebsamen Mitarbeitern zu arrangieren und dabei hast du nie zugelassen, dass deine Wut sich auf die Unschuldigen ablädt. Im Gegenteil! Du hast noch mitgedacht und jede Gelegenheit genutzt, Fehler zu korrigieren, zum Wohl der guten Seelen - nicht zu deinem Wohl."
Dem Wichtel stockte der Atem. Er starrte Ritter Ruprecht an und erneut spürte er das heiße Brennen von Tränen in den Augenwinkeln. So hatte er es gar nicht gesehen, aber jetzt bekam er all seine guten Taten vorgeführt und sie rührten ihn über alle Grenzen hinaus.
"Dein Preis, in der Traditon Lysanthors für die Wichtel Celcias, ist ein Wunsch. Jeglicher Wunsch. Nenne ihn mir und er wird dir erfüllt. Dabei ist nicht wichtig, ob er materiell ist oder für dich. Du kannst dir auch etwas für andere wünschen. Selbst der Tod erklärte sich damit einverstanden, eine Seele aus seinem Reich zurückkehren zu lassen, falls es das ist, was du willst. Du merkst, es ist ein unglaublich kostbares Geschenk. Der wertvollste Preis, den ein Gott dir machen kann. So nenne mir deinen Wunsch, kleiner Wichtel. Denn du hast dir den Preis redlich verdient."
Wichtelchen aber war sprachlos und bekam erst einmal kein Wort über seine Lippen.
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Re: [Adventskalender 2020] Der Tag des Wichtels

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 24. Dezember 2020, 01:13

24. Dezember
von Maruka und Kazel

Der Wichtel nahm sich Zeit, denn jetzt konnte er sich diesen Luxus erlauben. Die Arbeit war getan. Er konnte nachdenken und das tat er mit Eifer. Was sollte er sich bloß wünschen? Ihm hatte die winterliche Dekoration seines Nachbarn im letzten Jahr besonders gut gefallen. Vielleicht könnte er mit einer Eiszapfengirlande dieses Jahr für einen guten Blickfang sorgen. Um seinen Baumstumpf drapiert sah sie gewiss herzlich aus! Jeder einzelne Eiskristall würde dabei das Sternenlicht einfangen, dass sie wie echte Juwelen in der Nacht funkelten. Vielleicht wäre aber auch eine flauschige Decke mit Schottenmuster etwas für ihn? Er rieb sich die Unterarme. Inzwischen hatte es recht stark abgekühlt. Mit einer warmen Decke auf dem Bauch würde er nun nicht frieren. Vielleicht sollte er seinen Wunsch aber auch nich von aktuellen Bedürfnissen beeinflussen lassen. Sobald er zu Hause wäre, könnte er es sich unter seiner Pelzdecke und mit einer Tasse heißer Milch gemütlich machen. Und Keksen! Ein ganzer Berg an Plätzchen wartete schon auf ihn, teils mit Mandelsplittern oder Schokokrümeln geschmückt. Ihm lief das Wasser im Munde zusammen und der kleine Mann musste sich arg zusammenreißen, den Wunsch nicht an einen besonders durchgebratenen Apfel zu vergeuden.
"Mit leckerer Karamellsoße", murmelte er verträumt, dass Ritter Ruprecht ihn mit fragendem Blick musterte. Er gab sich ansonsten sehr geduldig. Der Wichtel hatte Zeit und er würde ihm jeden Wunsch erfüllen. Dieses Versprechen nahm er sehr ernst. Also wartete er ab. Ein Wunschpreis musste sorgsam überlegt sein.
Nach geraumer Zeit klatschte das Wichtelchen plötzlich in die Hände. "Oh, ich habe eine Idee", verkündete es. Ruprecht straffte seine Haltung. Er war gespannt, was dem kleinen Freund eingefallen sein mochte. Was dieser jedoch wünschte, rührte ihn. Damit hatte selbst Ruprecht nicht gerechnet und er legte eine Hand auf sein Herz, als er die Bitte des Wichtels vernahm.
"Die Tradition der Wichtel ist es, in der Zeit der dunklen Tage für einen kleinen Lichtblick zu sorgen. Wenn es draußen kalt und stürmisch ist, so soll innerer Frieden in die Celcianer einkehren, indem sie ihr Herz an einem Geschenk erwärmen können. Deshalb habe ich nur einen Wunsch in meinem Herzen, Ritter Ruprecht! Jede Seele, ganz gleich ob sie in diesem Jahr artig war oder nicht und ob sie generell eher im Guten oder im Bösen handelt, ob fleißig oder faul, frech oder zurückhaltend, soll in die Gedanken der Götter aufgenommen werden. Jene sollen ihre Herzen mit Güte erfüllen. Mit Güte und Nächstenliebe, denn wenn wir alle ein bisschen mehr an andere denken würden, dann wäre die Welt wenigstens eine Nacht lang das, was wir Wichtel mit unseren Geschenken zu erreichen versuchen: ein wunderschöner Ort voller Zauber, in dem jedes noch so kleine Leben für den Moment einfach perfekt ist. Ich wünsche mir für jede Seele Celcias dieses Herzensglück, damit Harmonie, Liebe und Freundschaft beginnen, wo mein großer Tag endet. Und ich hoffe, dass die Nachwirkungen dieses Wunsches sich auf weitere Tage ausbreiten, vielleicht bei dem einen oder anderen sogar bis zum nächsten Jahr, wenn ich wiederkehre, um ihnen Geschenke zu machen. Ist das machbar, Ritter Ruprecht? Kann ich mir diesen Hoffnungsfunken wünschen?"
Der Wichtel schaute etwas unsicher von den schwarzen Stiefel, am Pelzbesatz des roten Wappenrocks bis zum Rauschebart des Veteranen empor. Seine Augen weiteten sich, wurden tellergroß, als er das milde Lächeln Ritter Ruprechts bemerkte.

Schnee fiel heute Nacht nicht nur in Drachma. Ganz Celcia war damit gesegnet worden und in den Gebieten, die Klima bedingt keine Flockenpracht zuließen, würde der Regen ein erfrischender wie gleichermaßen überraschender Segen sein. Und in den extra kalten Gebieten der Welt sollten die jungen Flocken friedliche Stille bringen, den Frost und die eisigen Winde für eine Nacht vertreiben.
Leise rieselte der Schnee auch an der Grenze zur Stillen Ebene herab, bedeckte sie mit unschuldigem Weiß und unterstrich einmal mehr die tiefe Bedeutung ihres Namens. Durch ein kreisrundes Fenster in seinem magischen Baumstumpf warf der Wichtel einen Blick auf die Ebene hinaus. Er lächelte. Wie harmonisch die restliche Nacht nun war. Er zog die dunkelroten Vorhänge zu und wandte sich wieder dem Kamin zu. Natürlich verfügte eine magische Wichtelwohnung über einen eigenen, offenen Kamin, selbst wenn sie inmitten eines Baumstumpfes untergebracht worden war! Er hatte sich sogar seine liebsten Kuschelsocken dort aufgehängt, damit sie seine Zehen nachher wärmen würden, wenn er sie kurz vor dem Zubettgehen noch überstreifte.
Auf dem Teppich vor dem Kamin lagen noch die Überreste seines Plätzchentellers neben einem fast gänzlich ausgetrunkenem Glas Milch. Er hatte etwas zu stark in sein Buch gekrümelt, dessen zauberhafte Geschichten ihm den restlichen Abend versüßt hatten. Nun aber stand er auf seinem Teppich aus flauschiger Wolle, die Decke eng um sich geshlungen und gähnte herzhaft. Seine Zipfelmütze war längst gegen die dunkelblaue Schlafmütze mit dem gelben Bommelmond an der Spitze ausgetauscht worden. Er trug sein Nachthemd und die langen Unterhosen mit der besonders weichen Fütterung. Er war satt, herzlich müde, aber fröhlich. Da wusste er, dass sich der Wunsch an Ritter Ruprecht erfüllt haben musste. Denn alles war perfekt.
"Zeit, diesen Moment ins Taumreich Manthalas mitzunehmen", murmelte er schläfrig, war bereits mit einem Fuß in der Tür zu seiner gemütlichen Schlafkammer, als ein kräftiges Klopfen den gesamten Baumstumpf zum Erschüttern brachte. Sofort war die Schläfrigkeit dahin. "Um diese Zeit? Wer soll das denn noch sein?"
Eigentlich wollte Wichtelchen ins Bett. Eigentlich war es viel zu spät, um jemanden zu empfangen und eigentlich hatte er sich nun auf dieses schöne Gefühl gefreut, im Halbschlag unter die Bettdecke zu kriechen und dann sanft zu entschlummern. Aber es handelte sich um unseren kleinen Wichtel, der bereits den ganzen Tag bewiesen hatte, dass er nicht aus seiner Haut konnte. Außerdem wollte er doch, dass sein Wunsch sich erfüllte und so wäre es nur eogistisch, das Klopfen zu ignorieren. Vielleicht suchte eine arme Seele Obdach! Allein die Neugier und der Wunsch zu helfen trieben den Wichtel an seine Haustür. Es kümmerte ihn dabei auch nicht, dass er eigentlich schon bettfertig gekleidet war oder noch einige Kekskrümel im Mundwinkel kleben hatte. Wichtig war nur, nachzuschauen, ob da jemand seine Hilfe benötigte.
Unter einem Ächzen zog der Wichtel die Tür nach innen. Kalte Nachtluft begrüßte ihn als erstes. Dann sah er in das spitze Gesicht einer vertrauten Gestalt. Die Nase war wieder schwarz, das Fell leuchtend orange, aber auf beides hatte sich der Schnee gelegt, so dass der Besucher wie gepudert ausschaute. Sofort wanderten die Augen des Wichtels über seine Statur. Er entdeckte keinerlei Verletzungen und die Miene seines Gegenübers machte auch eher den Eindruck, als wolle da jemand um Vergebung bitten anstatt dass er unter starken Schmerzen litt.
"Ottsel", begrüßte der Wichtel das listige Tierchen. "Du hast ja wieder deine wahre Gestalt. Was ist geschehen, dass du an meine Tür klopfst? Bist du dem Krampus entkommen? Bist du auf der Flucht? Soll ich dir Unterschlupf gewähren?"
Noch bevor der Wichtel weitere Fragen stellen konnte, hatte das Ottsel sich ins warme Innere gewunden. Nicht aber mit ausholenden Ellenbogen oder Bissen und auch nicht am Wichtel vorbei, direkt vor den Kamin. Jeder, auch der das Männlich, hätte diesen Schritt erwartet. Umso überraschter war er, als das Ottsel sich zwar in sein Heim drückte, ihn dann aber mit seinen Pfoten in eine enge Umarmung schloss und den langen, weichen Schweif um seinen Körper kringelte. Den Pelzkopf legte er auf des Wichtels Schulter ab, damit er mit der Nase direkt vor seinem Ohr war. Er flüsterte: "Verzeih mir, dass ich den ganzen Tag so gemein zu dir gewesen bin. Ich hoffe, du hattest trotzdem einen schönen Tag ... und ich hab dir auch ein Geschenk zur Widergutmachung mitgebracht." Er lehnte sich zurück, um dem Wichtel das einzige zu überreichen, das ein Ottsel mit sich führte. Es nutzte seine Stimme und sang dem Wichtel ein besinnliches Liedchen.
Gerührt stand das Männlein da, untebrach nicht ein einziges Mal, sondern lauschte und musste sich vor Ende doch ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen. "Oh, Ottsel", sagte er, nachdem das Tier wieder verstummt war. "Das ist wirklich lieb von dir! Vielen Dank! Sag, möchtest du noch ein bisschen mit mir vor dem Kamin sitzen? Dann koche ich uns noch einmal warme Milch und ich wette, ich finde auch noch einige Plätzchen, die nicht angeknabbert sind. Oh, du solltest häufiger singen. Deine Stimme kann so freundlich klingen."
"Achja?", druckste das Ottsel herum, knibbelte verlegten an seinem Pelz, nahm die Einladung aber an. Es bedankte sich später sogar für die leckeren Plätzchen. Und mit diesem Moment aus Freude, ein bisschen Nächstenliebe, Selbstlosigkeit, Einsicht und nicht zuletzt auch dem Mut, seinen Stolz abzulegen, um eine Entschuldigung zu singen, hatte das freche Ottsel es geschafft, in diesem Jahr der besten unter den guten Seelen ein gleichwertiges Geschenk zu überreichen. Denn nichts ist kostbarer als eine kleine, aber bedeutende Geste der Aufirchtigkeit.

Hier endet unsere Geschichte um den Tag des Wichtels und mit ihr auch das diesjährige Adventskalender-Ereignis. Ich hoffe, ihr konntet jeden Tag davon mit ein wenig Freude genießen und seid nun alle in Weihnachtsstimmung. Wer möchte, kann für sich und seine Spieler (oder Mods! Denn sie sind auch nur Menschen!) in seinen Postings den Wunsch des Wichtels wahr werden lassen, indem die nächste Entscheidung, das nächste Wort an einen Fremden oder gar die nächste Tat von selbstloser Güte geleitet wird. Damit wünsche ich euch selige Festtage, erfüllt von all den kleinen, aber so wichtigen Gesten, die unsere Momente voll Frohsinn und Harmonie in schöne Erinnerungen verwandeln. Denkt gerade in diesem Jahr vielleicht einmal an jemanden, der sonst vergessen wird. Man muss sich nicht Auge in Auge gegenüber stehen, wenn auch ein paar einfache Woche am Telefon, in einer E-Mail oder ganz klassisch in einem Brief daran erinnern, dass niemand vergessen ist und jeder von uns geliebt wird.
Frohe Weihnachten! :xpresent:
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