Gasthaus

Kein Marktplatz ist schöner und lebhafter als der Andunies. Hier findet man alles, was das Herz begehrt. Leider treiben sich auch ab und an kleine Diebe herum, doch das mindert die Kauflaune der Bürger wenig.
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Nerika
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Freitag 5. Juni 2009, 23:38

Es war lange her, dass sich Nerika so in Geduld hatte üben müssen. Dieser Kerl schien einfach durch sie hindurchzu blicken, während die Sekunden veronnen. Der Dunkelelfe fiel einiges ein, was sie lieber tun würde, als darauf zu warten, dass irgendein ihr wildfremder Mensch Beachtung schenkte. In jeder anderen Situation hätte sie sich abfällig umgedreht und wäre verschwunden, aber leider hing ihre Lage extrem von ihrem guten Verhalten ab.

Sie musste sich zusammenreißen, um nicht einen Fehler zu machen, mit welchem sie die Aufmerksamkeit eines Ordungshüters auf sich lenken könnte. Doch kurz bevor sie sich ein Hez nehmen und höflich verabschieden wollte, nahm der seltsame Kauz Aufmerksamkeit von ihr. Aber nicht, dass er anfing, sich zurückhaltend und vornehm, wie sein Aussehen versprach, mit ihr zu unterhalten. Nein, er begutachtete sie von allen Seiten und führte sich dabei wie ein Kind auf seinem ersten Jahrmarkt auf. Von der Größe her könnte das sogar stimmen, bemerkte sie überrascht. So klein hatte er soeben nicht gewirkt.
Ein weiteres Mal musste sie die Geduldige spielen, doch dieses Mal schenkte ihr der Gast seine volle, ungetrübte Aufmerksamkeit. Er redete, als ob er irgendein verschrobener Insektenforscher und sie ein, ihm ins Netz gegangenes Prachtexemplar, sei, zudem tänzelte er andauernd um sie herum und murmelte sprach die ganze Zeit mit... nunja, wahrscheinlich mit sich, aber dennoch so laut, dass jeder andere Anwesende im Raum seinen Worten folgen konnten. Und eben diese brachten Nerika in eine verzwickte Lage.

Der Mensch schien zu glauben, sie sei allein wegen der Bedrohung vor den Toren an diesem Ort und wollte eine Gefahr für die Stadt mit allen Mitteln abwenden. Sie wunderte sich sehr über die Naivität in diesem Gedanken, wusste sie doch selbst nicht sicher, auf welcher Seite sie stand. Hatten doch die Menschen, denen sie jetzt angeblich helfen wollte Zweifel über ihre mometane Lebenseinstellung geweckt.
Inzwischen hatte die ganze Schenke die Ohren gespitzt um sich an der preklären Situation der Dunkelelfe zu laben und ganz unverkennbar drang das spöttische Gelächter ihres Arbeitgebers an die Ohren. Sie lief Dunkel an und ihr Blick musste Bände sprechen. Nerika war sich sicher, dass sie gleich vor Wut an die Decke gehen musste, aber der seltsame Kauz hatte von allem wohl keine Notiz genommen, schien die Augen und Ohren vor dem Rest der Menschheit verschlossen haben und redete weiter fröhlich auf die Dunkelelfe ein. Das alberne Geschwätz des Alten ging Nerika tierisch auf die Nerven. Sie stellte sich vor, wie sich ihre Hände, die sie inzwischen zu zitternden Fäusten geballt hatte, um seinen dürren Hals schlossen, um die ewigen Wortschwall ab zu würgen. Zu seltsam war es, hatte doch eben dieser Gast sie nicht eines Blickes beachtet und beharrlich geschwiegen stand sie nun voll und ganz im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Und der aller anderen auch. Genau das hatte sie vermeiden wollen. Um jeden Preis, doch das hatte nicht ganz geklappt. Sie fragte sich, ob der Wirt, der nun feixend amTresen lehnte, das ganze geplahnt hatte. Denn er schien den Gast mehr oder weniger zu kennen.

Für ein paar Sekunden konzentrierte sie sich auf ihren Puls, versuchte alles, was sie so in Rage brachte abzuschirmen und abprallen zu lassen, damit sie nichts unternahm, was ihr Schaden konnte. Das dumme war, das sie in keinster Weise auf der Seite der Belagerer wirken durfte, egal, was sie fühlte.
"Ich bin nicht im Geringsten... imstander dazu... irgendetwas an...äh... an der Lage der Stadt zu ändern", brachte sie steif hervor. Sie starrte geradeaus, um nicht ständig in das lächerlich fröhliche Gesicht blicken zu müssen. "Ich stehe auch nicht in irgendeiner verbindung zu... Ach verdammt, wieso muss ich mich eigentlich rechtfertigen?!", platzte sie auf einmal los. Ihr war vollkommen egal, was die Konsequenzen waren, beziehungsweise dachte garnicht erst daran, sondern wollte einfach ihre Ruhe haben.
Was sollte es schon einenMenschen groß kümmern, was ich vorhabe! Nur, wenn ich in irgendeiner Lage bin zu helfen, dann kommt ihr und tut, als wäre ich ein Nachbar von nebenan und nicht ein verhasster Feind, aber sonst... nur spöttische Blicke! Nichts, wirkclich nichts habe ich getan, als ich in diese Stadt kam... Und doch habt ihr mir mein Geld genommen, mich behandelt, als wäre ich jemand, von dem man schon weiß, dass er etwas tun werde, was nicht in eurem Sinne ist! Ihr Menschen seid alle gleich! Ich hoffe ihr erstickt an eurer eigenen Selbstzufriedenheit! Sollen euch die da draußen alle plattmachen, dann könnt ihr ja sehen, was ihr davon habt!"

Allein mit dem Blick versuchte sie den Wirt, der nun eher belämmert, als schadenfroh dreinblickte an die Wand zu nageln, während sie in ihrer Muttersprache, die den meisten Normalsterblichen einen Schauder über den Rücken laufen lässt, schimpfte.

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Re: Gasthaus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 11. Juni 2009, 02:32

Überrascht zuckte der kleine Mann, der irgendwie an ein Wiesel erinnerte zusammen. Er hatte ja schon viel vom ungestümen Temperament der Dunkelelfen gehört, aber es am eigenem Leib zu erfahren, dass war dann doch etwas ungewohntes, aber diese Gelegenheit, wollte er sich nicht entgehen lassen.
Nun stand diese doch recht imposante Elfe vor ihm und zeterte und wetterte, was das Zeug hielt.
Sie fluchte auf so ziemlich alles und jeden und mokierte sich darüber, wie es den Menschen hier einfallen könnte, sie wie eine Verbrecherin zu behandeln. Die junge Dame hatte anscheinend in ihrer nun herausplatzenden Wut wohl vergessen, in was für einer Lage sich die Stadt seit kurzem befindet. Deswegen wartete er geduldig ab, stellte sich erhobenem Hauptes vor die weißhaarige Schönheit und bot ihr kühn die Stirn. Wenn schon, dass solle sie ihre Wut an ihm auslassen, die anderen Gäste wollen hier schließlich in Ruhe ihr Mahl zu sich nehmen und irgendwie die Realität verdrängen.
Nach einer gewissen Zeit, die die Elfe genutzt hatte, ihrem Frust Luft zu machen, steht sie immer noch mit geballten Fäusten vor dem kleinen Gelehrten und funkelt ihn wütend an, aber nicht nur, sondern auch sein Freund der Wirt hatte sein fett weg bekommen. Dieser lehnte immer noch recht lässig, wenn auch nun ernster, an seinem Tresen.
Die anderen Gäste, die teils mit geöffnetem Mund und schockierten Gesichtern da saßen und Nerika einfach anstarrten, trauten wohl ihre Ohren nicht. Einige schüttelten nur den Kopf und wenden sich wieder ihrem Gegenüber zu, andere wiederum machen aus ihrem Ärger über das Verhalten der Dunkelfe kein Geheimnis und wettern ihrerseits lautstark zurück. Eine handvoll Menschen jedoch steht auf, lässt ihr Mahl stehen, bezahlen die Zeche und verlassen demonstrativ mit erhobener Nase und abfälligem Blick auf Nerika das Wirtshaus. Ob sie sich das so vorgestellt hatte?
Der Blick des Wirtes hatte sich aufgrund der ansteigenden Zahl der Gäste, die sein Wirtshaus verließen, verfinstert. Woraufhin sich eben jener auf die andere Seite des Tresens begibt, sich vor Nerika aufbaut und ihr unmissverständlich leise zuzischt:

„Reißt euch zusammen Weib, ich werde es nicht dulden, dass ihr mir meine Gäste vergrault, haben wir uns verstanden? … Kommt so etwas noch einmal vor, dann wart ihr die längste Zeit hier. … *schnaub* so viel zur gefürchteten Disziplin der … ach was solls.!“

Mit einem weiteren Schnauben, kopfschütteln und abwinken bricht der Wirt seinen Satz ab und begibt sich verärgert und leise vor sich hinfluchend wieder hinter seinen Tresen.

„He Peresim, … sieh zu, dass du deiner Aufgabe nachgehst, sitz´ nicht so faul rum.“

Wenn Nerika, aus ihrer Verärgerung gerissen, diesen Worten folgen würde, würde sie mitbekommen, wie sich im hinteren teil des Wirtshauses ein Mann angesprochen fühlt, sich erhebt und zu dem kleinen Podest geht, welches in der Nähe des Kamins aufgestellt worden war.
Dieser Mann, offensichtlich mit dem Namen Peresim, hat flachsfarbenes Haar und ist in relativ bunte Kleidung gewandet. Dies und die Laute, die er bei sich trägt, weisen ihn als Barden aus.
Dieser Peresim nickt nur in die Richtung des Wirtes, nimmt dann auf dem Podest auf einem Hocker platz und beginnt halblaut auf seiner Laute zu spielen und eine Weise eines anscheinend großen Helden anzustimmen.
Nach und nach bewirkte der Barde, dass sich die noch anwesenden Gäste wieder beruhigten und sich wieder ihren Dingen widmeten.
Der kleine Mann war in der Zwischenzeit einen Schritt auf Nerika zu gekommen, damit er leise mit ihr sprechen konnte. Nach einem prüfendem Blick spricht er wieder zu ihr:

Nun, ihr müsst zugeben, dass das … sagen wir … dumm war. … Sei es drum, jedem passieren dann und wann Fehler. Verzeiht mir meine Taktlosigkeit, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Lenda und ich bin ein Gelehrter. … Was haltet ihr davon, wenn wir uns irgendwo hin begeben, wo wir ungestörter sind, ich habe euch einen interessanten Vorschlag zu unterbreiten.“
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Samstag 11. Juli 2009, 23:26

[uuuh... naja, nicht gerade der beste, aber immerhin ein Versuch, wieder reinzukommen :drop: ]

Nerika hörte schließlich und endlich auf, zu schimpfen, nicht nur, weil sie sich in einer denkbar schlechten Situation befand, sondern auch, weil sie vorrübergehend abgeschweift war und überhaupt nicht mehr gemerkt hatte, awas sie da eigentlich tat. Erst, als sie ihren Ausbruch beendet hatte, errinnerte sie sich an das, was sie gerade getan hatte. Es war so, als ob sie das nicht selbst gewesen war, die hier in ihrer für Menschenohren schaurigen Sprache lautstark über diese... diese Menschen gewettert hatte. Sie wusste selbst nicht einmal genau, was sie wollte. hatte sie doch all die Jahre gedacht, dass diese Vorurteile gegen die Menschen nur... eben Vorurteile gewesen waren. Aber stellten sie sich jetzt nicht doch als wahr heraus? Sollte sie doch nicht lieber zu ihren Artgenossen, zu ihren Wurzeln zurückkehren? Dachte sie wirklich so, oder war das nur ihr Gewissen?

So hätte die Dunkelelfe lange und noch länger nachgrübeln können und wäre wohl für's erste zu keinem Schluss gekommen, doch sie befand sich hier gerade mitten auf der Arbeit und hatte schon am ersten Tag dafür gesorgt, dass sie schief angesehen wurde. Sicher würden bald Wächter der Stadt kommen, sie als die entflohene Mörderin aus den Kerkern in ebendies zurück, oder gleich zum Schaffott geleiten. Wahrlich keine schöne Aussicht. Da war es doch besser, wenn sie verschwand.
Halb erwartete sie schon, dass der Wirt sie in Schimpf und Schande herauswerfen würde, da sie ja schon einigen Gästen das Mal versauert und so für deren Abgang gesorgt hatte, doch der schimpfte nur mit ihr und das nicht viel, sondern hieß stattdessen irgendeinen Gaukler, oder ähnlichen Gesellen seine Arbeit, also das Aufheitern der restlichen Gäste, verrichten.

Während sie da noch stand und sich über die Inkonsequenz des Wirtes wunderte, stellte sich der kleine mann, der sie soeben erst so in Rage gebracht hatte als Gelehrter mit dem Namen Lenda vor.
"Ihr sprcht meine Sprache?", fragte Nerika überrascht. Sie vergaß für enen Moment ihren Ausbruch und sah stattdessen denn kleinen mann schief an. Doch der redete einfach wieder in der Allgemeinsprache weiter. Sie verdrückten sich in irgendeine Ecke, wo die Dunkelelfe fragte:"Ein... Vorschlag? Was meint ihr damit...Lenda?" Nun wiederum misstrauisch setzte sie einen verschlossenen Blick auf, der ganz auf Abwehr schaltete und wartete mit verschränkten Aren einen weiteren verrückten Einfall des Gelehrten ab.

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Re: Gasthaus

Beitrag von Erzähler » Samstag 22. August 2009, 04:07

Nerika befand sich wirklich in einer für sie schlimmen Situation.
Immer war sie darauf bedacht, sich zu beweisen und in beiden Kulturen zu Recht zukommen. Natürlich ist das nicht einfach, aber wer konnte das schon über seine Aufgaben sagen, die ihm das Leben stellte?!
Sie versuchte sich immerhin mit einer Schimpftirade über die Ungerechtigkeit Luft zu machen, oder sah nur sie es so? … du ob sie nicht schon genug verwirrt wäre, handelte der Wirt ihrer Meinung nach auch noch inkonsequent. War es wirklich Inkonsequenz oder hatte sie den Wirt nur mit den Maßstäben ihres Volkes vergleichen wollen.
Wie dem auch sei, just in dem Augenblick, wie sie ihre Verwirrtheit klären wollte, wurde sie jäh aus ihren Grübeleien gerissen.
Der alte Lenda hatte sie verblüfft, angesprochen in ihrer eigenen Sprache, war sie fast zu perplex zum Antworten. Da sie sich nicht noch mehr Blöße geben wollte, zog sie Lenda in eine dunkle Ecke, fern dem bunten treiben in der Taverne.

"Ein... Vorschlag? Was meint ihr damit...Lenda?"

Eigentlich wollte sie nicht so viel Aufsehen erregen, aber vor lauter Misstrauen, war sie schon wieder in alte Verhaltensmuster gefallen und herrschte den alten Mann in ihrer Muttersprache an.

„Nun, regt euch doch nicht so, es gibt keinen Grund so aus der Haut zu fahren … wisst ihr was, es wäre nicht ganz so recht, das hier zu klären. Erstens müsst ihr noch weiter arbeiten, denn ich denke nicht, das ihr gekündigt werden wollt und zweitens, sollten wir das ganz in Ruhe besprechen … nur keine Sorge, ich will euch nichts böses, nur etwas vorschlagen. Sucht euch aus wo wir darüber sprechen wollen, gerne auch hier im Gasthaus. Mein Freund stellt uns sicher einen Raum zur Verfügung. Nun aber ab mit euch, wieder zurück an die Arbeit, der Wirt sieht schon ermahnend zu euch hinüber.“

Mit diesen mehr oder weniger aufklärenden Sätzen, lässt er Nerika dort in der Ecke stehen und wendet sich wieder dem Tresen zu, wo noch immer seine Habseligkeiten liegen und bereits ein gutes Glas Rotwein auf ihn wartet.
Ihr bleibt wohl kaum etwas anderes über als ihre Schicht abzuarbeiten und ihre Neugier bis zum Ende zu zügeln. Immerhin machte der alte Mann keine Anstalten das Gasthaus zu verlassen.
Er ist weiterhin in seine Aufzeichnungen vertieft und hält hier und dort einmal ein Pläuschen mit den Gästen oder dem Wirt.
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Dienstag 1. September 2009, 23:32

Nerika benutzte ihren Besen mit einer solchen Wucht, dass jeder Dreck, der wagemutigen Widerstand leistete sofort und effektiv ohne Rücksicht auf Verluste eliminiert wurde. Einige der Gäste sahen sie schon wieder schief an. Zugegeben, sie hatte sich zuvor nicht unauffällig verhalten, aber man musste doch wirklich nicht die ganze Zeit starren!Sie war inzwischen ernsthaft sauer, da in ihrem Stolz veletzt. Nicht nur, dass sie dieser Lenda quasi zurechtgewiesen und an ihre Arbeit heschickt hatte, nein er musste auch noch so verteufelt Recht haben. Da hatte er doch tatsächlich die Stirn, sie zu belehren. Eigentlich wollte sie hier ja nicht schuften. Sie verspürte keinen Drang dagegen, sich einfach rauswerfen zu lassen, wenn da nicht erstens ihre verdammte Neugier auf das sogenannte Angebot des Gelehrten und diese gegenwärtig miese Lage wären. Mussten ihre Artgenossen ausgerechnet jetzt angreifen, wo sie sich doch liebend gern klammheimlich aus dieser verfluchten Stadt mit diesen ganzen Menschen davon gemacht hätte. Eines war jedenfalls klar. Nerika würde sich nicht ein zweites mal so unvorsichtig und naiv auf die Menschen einlassen. Ihre Gutgläubigkeit hatte ihr nichts als Ärger eingebracht, den sie jetzt erst einmal irgendwie loswerden musste.

Als sie mit dem inzwischen nicht mahr ganz so schmutzigen Boden im wahrsten Sinne des Wortes fertig war, wandte sie sich den Tischen zu. Den alten Lumpen, den man sich mit etwas Fantasie als Putzkappen vorstellen konnte fest in der Faust, begann sie die wenigen freien Tische zu bearbeiten. Ab und zu wandte sie sich an neue Gäste, nahm Bestellungen auf und versuchte dabei möglichst nett, zuvorkommend und hilfsbereit dreinzusehen, war sich aber nicht wirklich sicher, ob ihr das tatsächlich gelang.
Zu allem Übel wurde ihre Neugier immer stärker, was ihre Wut jedoch nur wenig unterdrücken konnte.
Doch die Zeit schien sich heimtükisch gegen sie verschworen zu haben und so schielte sie immer wieder ungeduldig zu Lenda herüber, halb hoffend, ihre Schicht wäre endlich um, halb, der Gelehrte entschied, die Dunkelelfe wäre das Warten nicht wert und verschwände einfach. Doch der sah ihr nur gelassen zu, als könnte ihn nichts beirren, und lächelte dabei immer wieder sanft.

Immer, wenn sich ihre Blicke trafen wandte sie sich ab, halb verlegen, halb verächtlich, um weiter irgendeinen Gegenstand mit ihrem Putzlumpen zu malträtieren. Sie versuchte sich zu überreden, dass dieser Lenda ihren Ärger nicht wert war, aber ihr Körper schien ihr partout nicht glauben zu wollen.
Irgendwann nach gefühlten Jahren winkte der Wirt sie zu sich und beschied ihr, sie könnte eine zehnminütige Pause machen, wobei er anfügte, sie solle sich vielleicht in der Zeit vor einen Spiegel setzen und ihr Lächeln üben. Anscheinend fürchtete er sie würde letzten Endes doch noch seine Kunden vergraulen. Nerika warf ihm einen entnervten Blick zu und steuerte geradewegs auf Lenda zu.

"Und", begann sie kühl ,"fangen sie schon an...!Was haben sie mit mir vor?"

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Re: Gasthaus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 3. September 2009, 01:44

So sehr Nerika auch versucht sich zu beherrschen, so wenig gelang es ihr. Ihre impulsive Art bescherte ihr einen wahren „Eintopf“ an Gefühlen, von Aggression, über Unsicherheit, hin zu Neugier. Wenn sie es nicht besser wüsste, so hätte sie fast sagen, dass sie noch in der Pubertät steckte, aber diesen Gedanken schickte sie forsch beiseite.
Wie in solchen Situationen nun mal üblich, wollte die Zeit nicht verstreichen und die Aufgaben, die sie als Bedienung auszuführen haben, wurden ihr nur noch lästiger. Bis sie zum Schluss ihrer Schicht nur noch genervt von allem war, Egal ob es dieser alte Mann war, den sie wohl am liebsten ihren Lappen um die Ohren geknallt hätte oder aber die angeblich so hämisch grinsenden Gäste oder doch der böse, ausbeutenden Wirt … in Nerikas Augen war gerade alles schlecht.
Irgendwann war es dann aber so weit, dass der Wirt ihr eine zehnminütige Pause anordnete, in der sie doch am besten ihr Lächeln üben sollte. Wohl wissend, dass diese die Dunkelelfe noch mehr auf die Barrikaden bringen würde, grinste er sie breit an und hoffte darauf, dass sie wenigstens etwas Spaß verstehen würde.

„Pack aber vorher noch deine Sachen beiseite, die müssen ja nicht die Gäste behindern…“
Es war offensichtlich, dass Nerika nie zuvor in einer Taverne gearbeitet hatte, aber auch, dass sie nicht mit ihren Gedanken bei der Sache war. Kopfschüttelnd wandte sich der Wirt wieder dem Putzen des Tresens zu.
Die Elfe hatte sich in der Zwischenzeit an Lenda gewand.

"Und", begann sie kühl, "fangen sie schon an...! Was haben sie mit mir vor?"
Lenda sah sie etwas fragend an und deutete dann mit seinem Kopf auf den Wirt.
„Du solltest deine Arbeit schon gewissenhaft beenden … na komm schon, dass dauert doch nicht lange, bis du die Sachen weg gepackt hast…. Das gehört nun einmal zu deiner Arbeit dazu, du wirst dafür ja auch bezahlt.“

Das dieser Lenda recht hatte, dass wusste Nerika insgeheim ja, deswegen blieb ihr theoretisch nichts anderes übrig, als noch eben ihre Sachen wegzuräumen.
Der alte Mann wartete erst gar nichts auf eine Regung seitens der Dunkelelfe, er ging wohl einfach davon aus, dass sie der Bitte des Wirtes nachkommen würde und hatte sich wieder an den Wirt gewand, was er mit diesem besprach, konnte Nerika nicht verstehen, dafür war es zu laut in der Taverne. Was auch immer es war, er war wohl mit dem, was Lenda ihm erzählte, einverstanden.
Um endlich ihre Neugier stillen zu können, tat sie dann doch, wie ihr geheißen wurde, wenn auch äußerst missmutig … sie wollte ja schließlich bezahlt werden.

Keine fünf Minuten später war sie wieder an Ort und Stelle, an der der alte Mann schon die ganze Zeit saß und wartete.
„Gehen wir … du hast nicht nur zehn Minuten Pause. Ich habe mit meinem Freund gesprochen. Da ich dir etwas Interessantes vorschlagen muss, wollte ich das nicht zwischen Tür und Angel machen. Ich habe mir für die Stunde ein Zimmer geben lassen … keine Sorge, du musst vor mir wahrlich keine Angst habe“, grinste er sie verschmitzt an, packte seine Sachen und ging langsam nach oben.
Das lies sich Nerika nicht zweimal sagen, sie folgte ihm auf dem Fuße in den ersten Stock.
Dort öffnete Lenda einen kleinen Raum, im dem ein Tisch mit vier Stühlen stand. Auf dem Tisch standen ein paar Kerzen die er entzündete. Ansonsten war nichts in diesem sehr schlichten Raum, lediglich gegenüber der Tür befand sich ein, mit Vorhängen zugezogenes Fenster.
Lenda ging auf die linke Seite des Tisches und machte es sich dort auf einem Stuhl bequem.

„Nun, möchtest du dich auch setzen?“, mit einer augestreckten Hand deutete er ihr auf die andere Seite des Tisches.
„Hm, wie formuliere ich es am besten…“, sprach er mehr zu sich selber, als zu Nerika.
Bevor er jedoch weiter sprach, schürzte er die Lippen und musterte die Dunkelelfe genauer, bis er wieder fortfuhr.

„Da dich die Neugier ja fast schon auffrisst, werde ich meinen Vorschlag kurz und knapp halten.
Du hast mit Sicherheit von den Dunkelelfen gehört, die vor unseren Toren stehen? … Würdest du sie unterwandern und herausfinden, was sie eigentlich im Schilde führen?“

Was auch immer sie erwatet hatte, von diesem alten Kauz zu hören, dass war wohl eine riesige Überraschung.
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Mittwoch 23. September 2009, 22:27

„Pack aber vorher noch deine Sachen beiseite, die müssen ja nicht die Gäste behindern…“
Nerika starrte den Wirt einige Sekunden wortlos an, dann packte sie ihren Putzlumpen in den Eimer und "setzte" beides mit dem Mesen unsaft in der Küche ab, wo sie vom Koch wieder einmal misstrauisch beäugt wurde. Sie warf ihm einen ebenso giftigen Blick zu und machte sich auf zu diesem Lenda, der sie in einen der vielen leerstehenden Räume des Hauses führte.
Dort wies er sie an, sich zu setzten, tat dies ebenfalls und unterbreitete der Dunkelelfe einen mehr, als unerwarteten Vorschlag.

"Da dich die Neugier ja fast schon auffrisst, werde ich meinen Vorschlag kurz und knapp halten.
Du hast mit Sicherheit von den Dunkelelfen gehört, die vor unseren Toren stehen? … Würdest du sie unterwandern und herausfinden, was sie eigentlich im Schilde führen?“


Sie hob den Kopf, und sah dem Mann direkt in die Augen, starrte, versuchte zu erkennen, ob sie ihm gerade gehörig auf den Leim ging. Aber alles, was sie in seinem Gesicht lesen konnte, war zuriedene, fast kindliche Freude, über diese Idee. Einige Sekunden vergingen und dann fing Nerika an zu lachen. Sie lachte über diese absurde, ja wahnwitzige Idee. Lachte den alten Mann und sein nun verwirrtes Gesicht aus, bis ihr Tränen in die Augen kamen.
Was er dachte? Dass sie, eine Dunkelelfe sich für Menschen derart erniedrigte, als Spion zu lügen, und zu betrügen? Vor einem Monat, da hätte sie noch mit leuchtenden Augen ja gesagt, in dem Glauben, dass solch eine Mission ein Vertrauensbeweiß war, mit der diese Menschen ihr zeigten, dass sie nicht angefüllt mit Vorurteilen waren. Aber diese Zeit war jetzt vorbei.
"Tut... mir.. Leid", keuchte sie, und versuchte, ihr Würde wieder zu erlangen. So kühl, wie es ging, mit Lachtränen in den Augen, antwortete sie.
"Leider... seid ihr zu spät. Ich mache so etwas nicht. Was glaubt Ihr warum ich hier in den Kleidern einer Dienerin der 'großartigen' Menschen sitzte.
Ach, ich glaube, Ihr wollt es nicht wissen, nicht das langweilig schändliche Leben einer Dunkelelfe. Stattdessen ieber ein bisschen Abenteuer in ihr Leben bringen. Ihr glaubt vielleicht sogar, ich hätte es nötig, ein bisschen mehr Schande über mich zu bringen. "

Was denkt er, wer er ist?
Überhaupt, was soll ich als Spion gegen... hm... gegen mein eigenes Volk...
Ich könnte es... nein, kommt nicht in Frage, dass ich das tue... obwohl...
Wenn ich spioniere, kann ich das ja nur, indem ich dort unten bin, bei... bei den anderen... Dunkelelfen... Ich könnte hier raus... müsste nicht mehr in dieser erbärmlichen Schenke vor einem Mnschen buckeln... und ich wäre endlich wieder frei.
Was hält mich eigentlich hier...?


Die Dunkelelfe presste die Lippen zusammen. War sie zu voreilig gewesen, diesen Vorschlag sofort abzulehnen. Jetzt würde es nur seltsam erscheinen, versuchte sie Lenda zu betrügen. Aber wenn sie mal draußen war, dann musste sie ja nicht mehr tun, was der Gelehrte verlangte, war frei und konnte tun und lassen, was sie wollte. Das war es wert, zu riskieren, dass er dahinter kam. ber sicher war sie sich dennoch nicht. Was genau würde mit ihr passieren, wenn sie sich jetzt da draußen einschleusen ließe. Vielleicht sollte sie wenigstens versuchen, ihren Ausbruch von gerade eben ein wenig abzuschwächen.

"Es ist ja praktisch unmöglich," fuhr sie fort, ", mich da reinzubringen, das ist Euch schon klar, oder? Als ob sie jemandem trauen würden, der einfach so unbehelligt aus dem Stadttor spaziert und behauptet, nicht mehr in dieser Stadt leben zu wollen. Oh, und natürlich würde mir ja sowieso niemand trauen, dafür bin ich viel zu kriminell, verbrecherisch, von Geburt ohne Herz, wie Ihr es auch nennen wollt. Ich wüsste nicht, wieso ich überhaupt für euch Menschen lügen sollte. Was sollte mir das bringen, die da draußen..", sie wedelte mit der Hand in Richtung Stadtmauer, "... zu betrügen und mich ihnen ungeschützt auszuliefern? Hm? Ihr habt ja sicher nicht einmal einen Plan...! Vielleicht bin ich gewillt, Euch zu...hm... zuzuhören, wenn Ihr wenigstens einen sicheren Plan abt, oder gibt es soetwas in Eurem verqueren Kopf nicht, Gelehrter Lendra...?"

Herrausfordernd sah Nerika ihr Gegenüber an und wartete darauf, dass er sofort verstand, was in ihrem Kopf vorging. Eine gemeine Dunkelelfe konnte doch nicht ihr Volk für einen, oder vielleicht auch mehrere Menschen verraten. Das ging sicher nicht nur ihr, sondern auch ihm durch den Kopf, dessen war sich die junge Frau sicher.

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Re: Gasthaus

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. September 2009, 17:03

Nachdem Nerika dem alten Gelehrten in den abgelegenen Raum gefolgt war und dessen Vorschlag gelauscht hatte, wusste sie nicht so recht, was hier eigentlich vor sich ging.
Ihre Emotionen sprangen zwischen Unglauben, Fassungslosigkeit und Wut öfter hin und her. Das konnte man der Dunkelelfe auch ansehen … bis sie sich wieder zusammen riss und mühselig ein paar Sätze heraus brachte.

Tut... mir… Leid …Leider... seid ihr zu spät. Ich mache so etwas nicht. Was glaubt Ihr warum ich hier in den Kleidern einer Dienerin der 'großartigen' Menschen sitze …Ach, ich glaube, Ihr wollt es nicht wissen, nicht das langweilig schändliche Leben einer Dunkelelfe. Stattdessen lieber ein bisschen Abenteuer in ihr Leben bringen. Ihr glaubt vielleicht sogar, ich hätte es nötig, ein bisschen mehr Schande über mich zu bringen."

Zuvor war Lendas Ausdruck doch etwas verwirrt gewesen, dass die Dunkelelfe zu lachen anfing, hatte er nicht erwartet, aber das sollte ihn nicht weiter aus der Fassung bringen.
Nerika wusste wohl nicht ganz, was sie von seinem Vorschlag zu halten hatte, deswegen entschied er sich dazu, doch weiter auszuholen … nach dem er ihr allerdings weitere Gegenfragen stellen wollte.

„Warum sollte ich nichts über das Leben einer Dunkelelfe wissen wollen? Wie ihr wisst, bin ich ein Gelehrter, ein Forscher … meine Studien leben davon, dass die Individuen Celcias mir ihren Teil der Geschichte erzählen“.
Lenda hoffte darauf, der temperamentvollen Elfe ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, eher er im ruhigen Ton weiter sprach.

„Erzählt mir davon, warum ihr hier in den Kleidern einer Dienerin der ‚großartigen’ Menschen sitzt, wenn ich eure Wortwahl einmal verwenden darf. Wieso seht ihr das so abwertend?“
Wieder legte Lenda eine Pause ein um Nerika die Möglichkeit zum Nachdenken zu geben. Aber er war ja noch gar nicht fertig … weitere Fragen hatte er, mit denen er sie zum Nachdenken bringen wollte.

„Habt ihr etwas gegen ein Abenteuer einzuwenden? … und was hat dies mit Schande zu tun?“
Weitere Frage hatte er auf jeden Fall, denn Nerika kam ein Wortschwall über die Lippen, der sie ein wenig Lügen strafte. Auf der einen Seite blockte sie alles ab und doch dachte sie über die Möglichkeiten nach, die ihr der alte Mann bot.
Zwischendrin legte Nerika ebenfalls längere Pausen an und Lenda konnte sehen, wie es hinter ihrer Stirn in ihrem hübschen Köpfchen arbeitete, ehe sie einen weiteren Wortschwall über ihre Lippen ließ. Lenda ließ sie in Ruhe ihrem Unmut und ihren Zweifel Luft machen, ehe er ruhig und ernst fort fuhr.

„Glaubt ihr nicht, dass ihr eure Meinung noch einmal überdenken und sortieren solltet? Zuerst habt ihr es als unmöglich hingestellt, dann dass euch doch niemand traut und glaubt, zweifelt dann wieder an euch selber und zum Schluss verteufelt ihr alles. Wie seht ihr das denn nun? … Wenn ihr wollt, gebe ich euch gerne Bedenkzeit. … und zu eurer letzten Frage, … ja, es gibt einen Plan!“

Ruhig und mit gelassenem Blick aus alten und weisen Augen sah er die Dunkelelfe an und wartete auf ihre Antworten.
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Donnerstag 5. November 2009, 22:33

[ooc: Yaay, Ich bin auch noch da ;) ]

Er glaubt also allen Ernstes, dass ich ihm meine Geschichte erzähle? Da könnte ich mich ja gleich im Ratshaus wieder anmelden und ihnen erzählen, warum ich es geschafft habe, abzuhauen...Ob dieser Folterknecht noch lebt? Ich glaube, umgebracht hab ich ihn nicht. Oder? Vielleicht hat er es der Stadtwache schon geflüstert...
Wenn das so ist, kann ich mich ja wirklich dieser großartigen Idee anschließen und die Armee vor den Toren ausspionieren... nicht, das ich das mache. Sobald ich draußen bin, haben die mich das letzte Mal gesehen... obwohl ich mich doch ungern um den Anblick eines brennenden Ratshauses bringen möchte...


Nerika lehnte sich zurück und spielte gedankenversunken mit ihrer Schürze. Er wollte wissen warum es eine Schande war? Warum es unehrenhaft war, sich vor dem eigenen Volk fürchten zu müssen, weil man Angst hatte sie würden erkennen, dass man für die Menschen arbeitete? Dieser Mann, der ihr da begeistert von seinem Plan erzählt hatte war nicht unbedingt dumm, er war einfach nur verteufelt... naiv. Ihr schien es, sie hätte da jemanden vor sich, der an das Gute in jedem glaubte. Solche Leute lebten nicht lange...
Schlagartig fiel Nerika ein, dass sie ebenso gewesen war. Wer hatte geglaubt, Vorurteile Menschen gegenüber seinen nur Vorurteile, obendrein unberechtigte? Warum hatte sie es sein müssen. Es gab sicher nur einen von tausend Dunkelelfen, wenn nicht weniger, der so dachte, wie sie es getan hatte. Gut, dass sie jetzt etwas mehr in der Realität stand, als zuvor...

„Vergessen Sie, was ich gesagt habe“, die Dunkelelfe hob den Faden wieder auf, “Schande... Ehre, solche Worte kommen einem in dieser Zeit häufig über die Lippen, findet Ihr nicht auch? Man sollte wirklich ein bisschen mehr auf das achten, was man sagt, und... das was selbstverständlich ist hinnehmen.“

Wieder gespannt musterte sie den Alten. Er war Forscher... das erklärte seine ungesunde Neugier. Aber trotz seiner Naivität schien er etwas zu haben, dass ihn irgendwie wissend scheinen lies. Seine Ausstrahlung war es nicht, eher seine... Augen, welche die junge Frau zu durchleuchten versuchten. Nein, dumm schien er wirklich nicht.

„Was macht Euch glauben, dass Ihr mir vertrauen könntet... Überhaupt, wo kommt ihr her? Wer hat Euch geschickt, dass ihr hier aussuchen könnt, wer Euch gut... geeignet genug erscheint, den... Feind auszuspionieren... und was ist Euer Plan?“

Sie begann nervös mit den Füßen zu wippen. Was, wenn er von der Wache kam und versuchte, sie zu überprüfen, ob sie diejenige war, die erst vor kurzem aus den städtischen Kerkern entflohen war? Hatte er etwas mit dem Rathaus zu tun? Vermutlich, immerhin ging es um nicht weniger, als das Schicksal der Stadt... Oder wurden vielleicht gerade überall in dieser Stadt Dunkelelfen aufgesucht, die man um nichts weniger bat, als das in Bedrängnis geratene Menschenvolk zu retten.

Nein, dumm zu glauben, sie sei die einzige, an die man solche Hoffnungen hängte. Es gab sicher noch einige vom Dunklen Volk, in dieser Stadt, die den Menschen wohler gesonnen waren, als sie selbst. Nerika war ja vor kurzem unter Rätselhaften Umständen hier aufgetaucht. Wer also sollte ihr trauen. Undenkbar, dass sich Lenda nicht informiert hatte, beim Wirt, oder sonst wo. Woher hätte er sonst von ihr wissen können. Und was war eigentlich aus diesem Dieb geworden? Hatte er den Mund gehalten? Aber selbst wenn er geplaudert hätte, er wäre selbst festgenommen worden... obwohl... Möglicherweise hatte er ja bestochen. Man konnte ja nicht ahnen, ob das System hier korrupt war und alles und jeder mit Geld zu kaufen war. Ob sie so `überredet` würde, die Armee da draußen zu unterwandern?

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Re: Gasthaus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 12. November 2009, 16:27

Der alte Mann hatte es anscheinend schon wieder geschafft, sie aus der Fassung zu bringen. Dieses Mal war es eher der Fall, dass sie nachdenklich an ihrer Schürze spielte.
Wie so oft in der letzten Zeit schossen ihr wieder die vergangenen Ereignisse durch den Kopf und so sehr sie es auch versuchte, die Gedanken ließen sie nicht los. Ob sie nicht schon vielleicht zu viel in alles hinein interpretierte? Keine Frage, Vorsicht und Kontrolle waren gut, aber wenn sie so weiter machen würde, müsste sie sich vielleicht wegen Paranoia behandeln lassen.
Nerika ging alle Möglichkeiten durch, die sich ausschöpfen konnte, aber je länger sie diesen alten Kauz betrachtete, desto unwahrscheinlicher musste es ihr schon fast erscheinen, dass er etwas im Schilde führte, was ausgerechnet ihr zum Verhängnis werden sollte.

Immer noch abwartend saß Lenda ihr ruhig gegenüber und wartete auf ihre Erläuterungen, aber wieder einmal wiegelte Nerika ab. Sie konnte halt einfach nicht übe ihren Schatten springen.
Sie versuchte es auf diplomatischem Wege, mit vielen Gegenfragen.

Lenda ließ ihr Zeit, ihren inneren Konflikt ein wenig in geordnete Bahnen zu lenken, eher er fortfuhr.
„So so, … hinnehmen was selbstverständlich ist … ich frage euch, was ist denn selbstverständlich?,“ seine Augen fixierten Nerika und wollten sie nicht mehr loslassen.
„Seht ihr eure jetzige Situation wirklich als selbstverständlich an? Das ihr hier Arbeit bekommen habt oder euch eures Lebens freuen könnt? … od… „
Lenda wollte sich nicht zum Moralapostel aufspielen, so brach er mitten in seinem Satz ab und ob ließ es der Dunkelelfe, dies in ihrem eigenen Herzen zu bewegen.

„Für solche Diskussionen ist es nicht der richtige Zeitpunkt“, warm lächelte er Nerika an, ehe er fortfuhr.
„Aber ich will trotzdem versuchen, eure anderen Fragen zu beantworten. … Natürlich kann ich euch nicht vollends vertrauen, wir kennen uns ja nicht einmal. Aber wenn man nicht einmal ein bisschen Vertrauen in den Lauf der Dinge hat, so kommt man nicht wirklich weiter im Leben. Lasst euch das von mir gesagt sein, Mädchen. Ich sollte es wohl wissen … hadert nicht so mit eurem Schicksal, ihr müsst es nur selber in die Hand nehmen und das Beste daraus machen.“
Verschmitzt sah er sie wieder und setzte ein ermunterndes Lächeln auf.

„Ich bin nur ein einfacher Gelehrter und stamm ursprünglich aus Zyranus, aber mich hat es hier hin verschlagen. Wisst ihr, Reisen war schon immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Bücher sind meine andere Passion, aber nur von der Theorie werde ich nicht glücklich. … und nein, mich hat niemand geschickt. Ich sah euch und hielt es für eine gute Idee, euch zu fragen. Ihr schient mir nicht sehr glücklich mit der momentanen Situation hier im Gasthaus zu sein, deswegen bot ich euch eine andere Möglichkeit an. Aber ihr müsst ja nicht, niemand zwingt euch und ich schon mal gar nicht …. Nun, ich überlasse es vollkommen euch. Vielleicht überlegt ihr es euch doch noch anders. Euer Schaden soll es jedenfalls nicht sein.“

Mit diesen Sätzen erhob er sich vom Stuhl, tätschelte seinen kleinen Beutel mit Gold, sah Nerika an und nickte ihr dann zu, bevor er den Raum verließ.

„Ich werde mich unten noch ans Feuer setzen und etwas Wärmendes genießen … wir werden sehen, was die Zeit bringt.“
Lenda hatte schon fast die Hälfte der Treppen hinter sich gebracht, wie seine letzten Worte verklangen und Nerika grübelnd zurück ließen.
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Donnerstag 21. Januar 2010, 23:23

[ootc: Ja, mich gibt es noch und ja, ich hab euch nicht vergessen... trotz zwei Monate *hüstel* Pause
Frohes neues Jahr übrigens ...xD, oh und herzlichen Glühstrumpf, zur Beförderung...]

"Was selbstverständlich ist...? Nun, das wird wohl für einen jeden eine andere Vorstellung sein, immerhin hat jeder sein eigenes Leben. Ich glaube nicht, dass wir die gleiche Einstellung zum Leben haben... wahrhaftig nicht..."
Nerika hätte sehr gerne noch viel mehr gesagt, aber sie bemerkte wieder, dass sie versucht war jemandem ihre Gefühle auszubreiten, den sie nicht in Ansätzen kannte, der ihr vorschlug, den Weg der größtmöglichsten Gefahr zu wählen.
Anstatt ihren Mund wieder aufzureißen, sah sie ihn nur zweifelnd an. Seit sie "ihr Schicksal selbst" in die Hand genommen hatte, lief doch momentan alles schief. Wäre sie nicht gerade in so einer Situation in der sie handeln musste hätte sie sich gerne zurückgelehnt und gewartet, dass jetzt jemand hereinkam ihr zu erklären, alles sei nur ein großer Witz gewesen, sie könne jetzt wieder nach hause gehen, wo ihr Bruder auf sie wartete. Da aber in absehbarer Zeit genau dies nicht geschehen würde, musste sie wohl selbst anpacken um ihr Leben wieder in eine geordnete Bahn zu werfen. Wenn nur...
Halt. Stopp, jetzt war Schluss mit dem Herumgejammer! Es reichte doch schon, wenn ihre Lage nicht die beste war. Warum dann alles auch noch so herunterziehen...

"Warum dann glaubt ihr, mich einfach so aus dieser Stadt herausbekommen zu können? Ihr scheint ja nicht gerade einer der Ton angebenden zu sein... und wer sollte mich außer Euch denn ernst nehmen? "

Doch er war schon aus der Tür heraus und im Treppenhaus verschwunden. Wenn sie sich beeilte konnte sie ihn sicher noch einholen, er sah nicht so aus, als wäre er besonders flink und gewandt zu Fuß; doch da sie schon einnmal hier war, konnte sie ja in Ruhe nachdenken.

Was hat der Mann vor? Wenn er nicht von der Stadt kommt, sondern nur irgendein dahergelaufener Wanderer ist, wie soll das funktionieren. Selbst wenn er von mir Informationen bekommen würde, angenommen ich schaffe es nis vor die Tore, wer sollte einer solchen Information trauen, aus so einer Quelle... Verbindungen hat er doch sicher keine. Er scheint ja nur einer zu sein, der immer wieder einmal hier in diesem heruntergekommenen Gasthaus einkehrt, aber niemand wichtiges, der in irgendeiner Weise die Fürher dieser Stadt beeinflussen könnte... oder?

Die Dunkelelfe lief unruhig hin und her. Sie konnte selbstverständlich auf dieses Angebot eingehen. einfach die Stadt verlassen zu können, sich dann entweder ihren Leuten anzuschließen oder einfach zu verschwinden. Oder aber sie arbeitete tatsächlich für... nein, das kam nich infrage. Sie musste sich nicht auchnoc für nichts und wieder nichts abrsckern, nur damit sie von beiden Völkern, dem ihren und den Menschen verachtet wurde. Half sie dem eigenen Volk sähen sich die Menschen in ihrem Urteil nur bestätigt. Arbeitete sie dagegen für die Menschen, wäre sie den Dunkelelfen ein Verräter und die Menschen würden sagen, dass es eben der natur einer Dunkelelfe war, andere zu verraten, yauch das eigene Volk. Wenn man es so betrachtete war es auf einmal ganz klar, was zu tun war.

Sie hatte keine Lust mehr, nicht auch nur einen Tag länger in dieser falsch fröhlichen Stadt das leben einer verfolgten Verbrecherin führen zu müssen. Außerhalb der Stadt hatte sie bisher keine großartigen Erfahrungen gemacht, aber vielleicht war sie es einfach falsch angegangen. Immerhin war sie mit dem Vorsatz eine andere Stadt aufzusuchen aus der Sicherheit ihrer Heimat gegangen. Vielleicht hätte sie einfach mehr darauf achten sollen, unterwegs zu sein, als nur das Ziel zu sehen.
Und soeben hatte ihr das Schicksal eine Möglichkeit gegeben, genau das besser zu machen.

Nerika stand auf und verlies den Raum. Mit ruhigen schritten ging sie die Treppe herunter, geradewegs durch den Schandraum af den alten man zu, der dort saß und sie erwartungsvoll anblickte. Sie suchte mit ihren Augen den Wirt, doch der war gerade mit einer Gruppe unzufriedener Gäste mehr als beschäftigt und hatte keine Augen für sie; so wandte sie sich dem Gelehrten zu und fasste sich.

„Was ist Euer Plan, oder...“, sie zögerte kurz, „wann können wir Näheres besprechen?“

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Re: Gasthaus

Beitrag von Gestalt » Dienstag 9. Februar 2010, 23:52

Der alte Lenda war wieder nach unten in den Schankraum gegangen und hatte die junge Dunkelelfe mit ihren Gedanken alleine gelassen. Er wusste wie temperamentvoll und aufbrausend die Dunklen waren und genau das war eine Eigenart dieses Volkes, die er so sehr schätzte. Lenda liebte es, sich mit Wesen aus anderen Kulturen und Rassen zu unterhalten, immer wieder Neues zu erfahren und ihre angeblich so gewöhnlichen Geschichten aus ihren gewöhnlichen Leben zu lauschen. Viele und dazu zählte auch Nerika, konnte das gar nicht glauben und waren mehr als nur misstrauisch. Dabei wollte der alte Mann doch nichts anderes, als seinen Horizont zu erweitern.
Nerika auf jeden Fall war mit sich im Zwist, weil sie nicht so recht wusste, wie sie sich jetzt entscheiden sollte. Auf der einen Seite war da ihre Neugier und die Möglichkeit dazu, ihr jetziges Leben wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken, sich selber einen Sinn oder eine Aufgabe zu geben. Auf der anderen Seite war da dieses große Misstrauen da welches sie nie ganz ablegen konnte und sich immer wieder in ihre Gedanken schob und es ihr fast unmöglich machte, auch mal spontan zu Handeln.
Zumindest in dieser Situation hatte sie ihre ganzen Zweifel beiseite geschoben und sich dazu entschlossen, den alten Mann genauer auszufragen und weitere Details über den zukünftigen Auftrag einzuholen. Fragen konnte schließlich nie schaden und sie verpflichtete sich damit ja auch zu nichts.

Zuerst musste sie aber noch ihre restliche Arbeitszeit für den heutigen Abend hinter sich bringen. Immerhin hatte sie fest zugesagt als Bedienung zu arbeiten und sie bekam ja auch ganz gut was dafür. Aber dafür erwartete der Wirt auch eine gute und vor allem konstante Leistung und Freundlichkeit zu seinen Gästen, denn ohne Gäste hätte er auch keine Einnahmen.
Um sich abzulenken, rief Nerika sich diese Grundsätze noch einmal ins Gedächtnis. Von ihr wurde ja nicht erwartet, dass sie hier die Alleinunterhalterin spielte, sie musste lediglich eine dezente Freundlichkeit und Höfflichkeit an den Tag legen. So sollte der Rest des Abends kein Problem mehr sein. Die Fragen, die sie Lenda noch unbedingt stellen wollte, konnte sie ja beim Tische abwischen für sich nach deren Wichtigkeit sortieren.

Unten im Schankraum angekommen, band sie sich wieder die Schürze um, schnappte sich ihr Tablett, Zettel und Kohlestift. Sie sah sich im Schank- und Speiseraum um, konnte aber gerade keine Gäste sehen, die noch etwas begehrten oder noch nicht bedient worden waren. So blieb ihr als erstes nur die Aufgabe, leere Tische abzuräumen und abzuwischen. Zumindest dieser Wirt für den sie arbeitete legte großen Wert auf Sauberkeit und wo wir schon mal bei dem Wirt waren, Nerika kam gerade am Tresen vorbei, hinter dem der Wirt stand und ihr, mittlerweile wieder guter Laune, zufrieden zunickte.
Auch Lenda hatte dort am Tresen seinen alten Platz wieder eingenommen und studierte wie die Stunden zuvor seine Notizen.
Wie sie an ihm vorbei kam, konnte sie es nicht lassen, ihre Neugier war zu stark.

„Was ist Euer Plan, oder... wann können wir Näheres besprechen?“
Glücklicherweise standen auf dem Tresen ein paar benutzte Gläser herum, so dass sie dort ein kleine wenig verweilen konnte.
Lenda blickte fragend von seinen Notizen auf und sah sich zufällig im Raum um. Wie er sicher sein konnte, dass sein Freund hinterm Tresen beschäftigt war, konnte er fast beiläufig antworten.

„Nun, hier im Wirtshaus Näheres zu besprechen wäre töricht, mein Kind“, er lächelte sanft, ordnete seine Notizen und fuhr dann fort, ohne groß sine Lippen zu bewegen. Es musste nicht unbedingt jemand mitbekommen, was sie hier besprachen.
„Ich lade euch zu mir ein … meine Adresse könnt ihr nach der Arbeit vom Wirt erhalten … nur keine Sorge, ich bin ein einfacher, alter Mann, der nicht den hauch einer Chance gegen euch hätte … ich werde mich nun nach hause begeben und mich auf eure fragen vorbereiten … bis nachher, die Dame, noch eine angenehme Zeit.“
Er ließ Nerika kaum Zeit zum Widersprechen, bezahlte seine Getränke und verschwand dann langsam, mit gemütlichem Schritt aus dem Wirtshaus in der Dunkelheit.
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Mittwoch 5. Mai 2010, 22:24

[Ja, es sind in der Tat 3 Monate seid dem letzten Post ;( vielleicht, gibts ja bald wieder mehr von meiner Seite, erfahrungsgemäß allerdings keine Versprechungen... LG]

Nachdem der Alte verschwunden war hatte Nerika geputzt, geschrubbt, Bestellungen entgegengenommen und hatte mit beladenen Tabletten ihren Weg durch die Tische gebahnt. Schon seit gefühlten Stunden warf sie dem Wirt nervöse Blicke zu, versuchte ihn durch anstarren dazu zu bringen, früher Schluss zu machen. Doch dieser ging unbeirrt seinem Geschäft nach, pfiff sogar fröhlich vor sich hin, während er das Bier ausschenkte. Die Stimmung in der Schenke war nicht überwältigend, doch der Grund dafür war offensichtlich. Die Unruhe, die seit Anfang der Belagerung über der Stadt lag, hatte sich in Windeseile ausgebreitet, auch diejenigen, die bisher auf Hilfe gehofft hatte, wurden weniger und leiser. Man setzte zwar Vertrauen in die festen Mauern der Stadt, doch das konnte nur wenig das Wissen um die Tatsache besiegen, dass die Wächter, die mit nun ernsten Gesichtern durch die abendliche Stadt patrouillierten wenige waren und im Ernstfall, der nun unzweifelhaft eingetreten war, nicht viel gegen eine gewaltige Streitmacht ausrichten konnten.

Die Dunkelelfe selbst war ebenfalls unruhig. Falls die dunkle Armee die Stadt einnahm und sie sich dann immer noch auf der falschen Seite befand, konnte das für sie eine unangenehme Situation bedeuten. Je schneller sie aus dieser Stadt kam, desto besser.
Als schlagartig die Tür des Hauses aufgerissen wurde, hätte sie beinahe das Tablett fallengelassen, das sie gerade in Richtung Tresen balancierte. Ein offiziell aussehender Mann stand dort im Eingang. Mit einem gehetzten Ausdruck auf dem geröteten Gesicht bahnte er sich seinen Weg zum Inhaber des Wirtshauses, wo er mit diesem ein paar schnelle Worte zu wechseln schien. Die Augen von Nerikas Arbeitgeber weiteten sich und er nickte dem Fremden zu. Letzterer räusperte sich und rief dann in den Raum:"Liebe... LIEBE Bürger von Andunie, ich möchte Euch alle bitten, mir zuzuhören, es geht um das Schicksal unserer Stadt!"

Überraschend schnell erstarben die Gespräche und neugierige Blicke wurden dem Sprecher zugeworfen. Dieser wedelte bedeutungsvoll mit einer Schriftrolle, die er aus seinem Gürtel hervorgezaubert hatte und erhob erneut die Stimmer. "Dies Liebe Bürger ist eine Botschaft unseres geschätzten Bürgermeisters Karl Rossherr..."

Als nächstes entrollte er das Pergament und begann einen Brief vorzulesen. Von aufgeregtem Gemurmel der Gäste begleitet erfuhr man nun, dass eine Ausgangssperre noch für den heutigen Tag verhängt worden war. Ein Unternehmen, um den Bürgern das Gefühl zu geben, das man nicht untätig blieb, sondern versuchte, das Beste und noch mehr aus dieser denkbar schlechten Situation zu machen. So dachte zumindest die Dunkelelfe. Ferner, fügte der Bote an, dass man sich doch bitte nun in Beachtung der Ausgangssperre nach Hause begeben möge, damit äußerste Sicherheit ermöglicht werden könnte.
Nach dem er seine Rede beendet hatte, befestigte er das Schreiben an der Wand der Schenke und verließ diese im Laufschritt. Man konnte vermuten, dass er noch weitere Auftritte solcher Art in anderen Teilen der Stadt vor sich hatte.

„Ihr habt es gehört, Freunde“, sprach nun der Wirt mit seiner dröhnenden Stimme, „trinkt aus, und dann wird’s Zeit, die sicheren Heime aufzusuchen... Wir wollen doch nicht unvorbereitet überrascht werden...“. Er grinste freundlich und fügte noch hinzu: „Auch für diejenigen, die hier ihr Quartier haben werden wir in einiger Zeit schließen, falls ihr also noch etwas zu erledigen habt, tut es schnell!“

Mit diesen Worten wandte sich der Wirt ab und kurz flackerte Besorgnis über sein sonst fröhliches Gesicht. Auch er schien der Unruhe nicht gefeit zu sein.
Wenn es Protest gegen den frühen Schluss gab, dann nur gemurmelten Widerstand, denn jeder der Gäste hatte Angst um sein Wohlergehen und um das der Verwandten. In Zeiten der Not rückte man eben zusammen, um dem Unheil geschlossen die Stirn bieten zu können.

Die Ersten verließen die Schenke bereits mit dem Boten und die Letzten gingen bald nach Abschluss der Ansprache des Wirtes. Nur drei oder vier einsame Gestalten blieben bei ihren Gläsern sitzen, wohl Reisende, die vorgehabt hatten, nur kurze Zeit in Andunie zu bleiben und nun zu einem weiteren Aufenthalt gezwungen waren.

Der Dunkelelfe konnte es nicht schnell genug gehen. Sobald sich die Gäste mit Quartier in diesem Haus zurückgezogen hatten und die Schenke wieder in Ordnung gebracht war, ging sie zielstrebig auf den Wirt zu.

„Wo, ich bin mir sicher, er hat es Euch gesagt, wo wohnt dieser Lenda?“, fragte sie, ohne groß Nachzudenken. „Ich habe etwas Wichtiges mit ihm zu besprechen und brauche daher seine Adresse.“
Sie sah ihrem Arbeitgeber direkt ins Gesicht. Dieser hatte seine fröhliche Miene mit einer erschöpften getauscht und fuhr sich immer wieder müde über die Augen.

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Re: Gasthaus

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 30. Juni 2010, 00:13

Nerika hatte es kaum abwarten können. Nach ihrer Meinung schleppte sich der Abend nur so dahin, sie hatte quasi das Gefühl, dass sich die Sekunden zu Minuten und diese wiederum zu Stunden ausdehnten. Nichts hasste sie mehr, als zu warten, besonders in so einer Situation, in der sie doch mit einer gewissen Ungewissheit dem Abend harren musste.
Dieser alte Lenda hatte sie gemeiner Weise wirklich zu einem großen Teil unwissend in der Taverne zurück gelassen, weil er wahrscheinlich darauf spekulierte, dass Nerika auf die eine oder andere Art „anbeißen“ würde. In der Tat hatte er dies auch geschafft, nach ihrer Arbeit, wenn dieses dann endlich irgendwann einmal um wäre, würde sie zu ihm gehen und sich in allen Einzelheiten beschreiben lassen, was er genau von ihr wollte.
Vorerst begnügte Nerika sich damit, sich Gedanken über die Stadt und die Belagerung zu machen. Sie war zwar im weitesten Sinne übergelaufen, ertappte sich aber dennoch dabei, wie sie mit ihrem eigenen Volke sympathisierte. Warum, das wusste sie so genau gerade selber nicht, vielleicht war es einfach nur der Gedanken an Spionage, von der Lenda ansatzweise sprach.
Ungefähr gegen Ende ihrer Arbeitszeit kam ein Bote der Stadt herein und verkündete per Schriftrolle eine Ausgangssperre. Das immerhin kam ihr zu gute. Der Wirt setzte die „Forderung“ sofort in die Tat um und kümmerte sich um seine Gäste, dass diese auch den Weg nach hause antraten. Von Nerika verlangte er auch das Gleiche und sie wusste, dass es besser war, vorerst mitzuspielen, weiteren Ärger wollte sie sich weder einhandeln, noch dazu bekommen.
Auf ihre abschließende Frage, wo denn der alte Mann wohnen würde, erntete sie zunächst argwöhnische Blicke.

„Ich nehme doch stark an, dass das nur eine rein theoretische Frage ist und ihr nicht vorhabt, euch heute noch dorthin zu begeben, nicht wahr?“ Mit einem eindeutigen Blick sah er Nerika an, ehe er fortfuhr.

„Nun, ihr könnt sein Haus eigentlich nicht verfehlen. Überquert einfach schräg den Marktplatz und folgt dann dem mittleren Weg ins Wohnviertel hinein. Lasst vier der Straßen zu eurer Linken hinter euch und in die Fünfte dann müsst ihr einbiegen. Folgt der Straße ungefähr 200 Schritt und dann findet ihr zu eurer rechten Seite ein kleines, verwinkeltes Häuschen, umgeben von viel Grünem, dort wohnt der alte Kauz.“
Damit nahm er wieder seinen Lappen und machte sich daran, die letzten Tische abzuwischen.
Ein paar Gäste saßen noch hier und dort im Gasthaus und unterhielten sich leise über die Ausgangssperre. Sie allen konnten das Ganze ja verstehen, aber zufrieden waren sie damit noch lange nicht.
Nun hatte Nerika ihre Auskunft. Der Wirt händigte ihr ihren Sold bar auf die Hand aus und fragte gleich darauf noch nach, ob er denn morgen wieder mit ihr rechnen konnte. In diesen unsicheren Zeiten war sie eine gute Arbeitskraft die nicht vor lauter Angst den Kopf in den Sand steckte und sich verkroch, sie musste es sich einfach nur überlegen.
Mit neun Fuchsmünzen in der hand konnte sie sich nun theoretisch auf den Weg machen, die Nacht war noch jung und wer weiß, was sie noch zu bieten hatte.


[kannst nerika 9 fuchsmünzen aufschreiben]
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Re: Gasthaus

Beitrag von Nerika » Samstag 25. September 2010, 18:38

[Hallo, dieser Post hat unfertig monatelang bei mir herumgelegen und musste jetzt einfach mal beendet und gepostet werden :) Liebe Grüße, ich hoffe, ich bin nicht vollkommen in vergessenheit geratenxD]

Der misstrauische Blick des Wirtes verunsicherte Nerika ein wenig, doch sie nahm sich zusammen und starrte ihm so lange in die Augen, bis dieser aufgab und ihr stattdessen ihren Tageslohn in die Hand drückte. Sie dankte ihm und lauschte aufmerksam der Wegbeschreibung, die sie fort von hier zum Alten führen würde. Wieder in eine neue Verkettung von unglücklichen Umständen? Die Dunkelelfe hoffte es nicht. Und selbst wenn, war es sicher schlauer so bald wie möglich aus dieser umgebenen Stadt herauszukommen, als zu warten, bis sie ein wütender, von der Belagerung verzweifelter Mob aufgriff und umbrachte. Da war sie lieber unter `Ihresgleichen`.
Deswegen antwortete sie auf die Frage des Wirtes, ob sie denn tatsächlich vorhabe, heute noch den Weg nach draußen zu beschreiten mit einem unverbindlichen Schulterzucken und meinte schließlich:

"Nun sicher ist heutzutage nichts mehr, daher rechnet lieber nicht mit meinem Erscheinen, doch hoffe ich, dass ich, falls meine Pläne durchkreuzt werden, dass ich auch weiter hier aushelfen darf?"

Nachdem sie ihm und den übrigen Angestellten eine gute , angenehme Nacht gewünscht hatte, verschwand sie über die Treppe in ihrer Kammer. Sie hatte nicht vor, hier noch eine weitere Nacht zu verbringen, sondern wollte stattdessen so schnell wie möglich den Gelehrten auftreiben. Doch zuvor musste sie ihre wenigen Habseligkeiten aufsammeln. Ihre Kleidung hatte sie unachtsam auf die Lagerstatt geworfen, nachdem sie sich die Dienstkleidung übergezogen hatte. Zwar wäre es viel klüger gewesen, die Kleidung über Tag zu waschen, doch war ihr dies nicht in den Sinn gekommen, schließlich hatte sie noch heute Morgen nicht damit gerechnet, so schnell wieder verschwinden zu müssen. Jetzt also waren ihre Gewänder immer noch teilweise blutverschmiert, schmutzig und ungewaschen seit ihrem Aufbruch aus Morgeria. Keine besonders glückliche Kombination und das Blut würde sie aus dem Leder vermutlich nicht wieder herausbekommen. Soweit es ging schüttelte die Dunkelelfe den Staub herunter, befreite sie aus dem unpraktischen Kleid und schlüpfte in ihre alten Sachen. Das Geld, das sie nun besaß würde nicht einmal für ein neues Hemd reichen, so schätzte sie. Verdammte Wache. Sie hätte eben doch noch in den Kerkern nach ihren Besitztümern suchen müssen. Sie schlüpfte in die verdreckte Kleidung und holte das Schwert des Wächters hervor.

Nachdem sie alles beisammen hatte, blieb Nerika nichts anderes übrig, als zu warten, bis der Wirt sich zur Ruhe gelegt hatte. Sie würde sich weiteren unangenehmen Fragen stellen müssen, würde dieser sie gerade dabei erwischen, wie sie sich einer direkten Anweisung wiedersetzte. Sie setzte sich auf das Bett und schloss die Augen. Sicher hatte sie in der Zukunft nicht mehr allzu viele Möglichkeiten, sich auszuruhen und das war jetzt die letzte Möglichkeit dazu. Die Gedanken kreisten ihr im Kopf herum und die Dunkelelfe fragte sich, ob es wirklich nötig sei, diesen Schritt zu unternehmen. Wenn niemand etwas unternahm, würde die Armee vor den Toren die friedliche Stadt in jedem Fall stürmen. Keiner war auf diese Belagerung vorbereitet gewesen und früher oder später würden hier die Vorräte zur Neige gehen. Da konnte sie doch gleich hierbleiben, war sie doch von der selben Art. Oder nahmen die Krieger darauf keine Rücksicht? Würde man sie als Verräterin hinstellen und verachten? Da betrog sie lieber das Volk der Menschen jetzt, anstatt darauf zu warten, dass einer der Menschen auf die Idee kam, sie zu töten und ihren Leichnam als Provokation den Feinden vor die Füße zu werfen.

Gefühlte Stunden hatte Nerika jetzt so dagesessen und gewartet, bis sie es nicht länger aushielt. Sie sprang auf, öffnete die Tür ihrer Kammer und schlich auf den unbeleuchteten Flur. Bevor sie sich weiter in die Dunkelheit wagte, lauschte sie, ob nicht etwa doch noch jemand wach herumschlich, doch alles was sie hörte, war ihr eigener Atem. Der Schankraum unten an der Treppe war in Dunkelheit getaucht und niemand hielt sich dort noch auf. Erleichtert durchschritt sie diesen und stand kurze Zeit darauf in der sehr kalten Nachtluft. Die Kälte nicht beachtend schloß Nerika leise die Tür und machte sich auf dem Weg zum Haus Lendas.

[Weiter in Wohnviertel „Das Haus des Gelehrten“<-- noch nicht erstellt ;)]

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