Tanz der Toten

Wie die Todesinsel aussieht, weiß man nicht. Wie man lebend zu ihr gelangt, ist ebenfalls unbekannt. Nur die Toten kennen sie, denn nur sie finden sich dort wieder. Aber was ist mit diesen blinden Wesen, die hier hausen?
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Kazel Tenebrée
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 9. September 2020, 12:19

Mit reichlich Verwirrung erwiderte Kazel Janays Blick. Warum wirkte sie bloß so verärgert und weshalb ergriff sie nicht seine Hand? Er konnte es nur erahnen, kam nicht einmal auf die Idee, dass Eifersucht dahinter stecken könnte und wenn der Mischling gewusst hätte, was sie bis vor wenigen Momenten noch getrieben hatte, wäre das Recht wohl auf seiner Seite gewesen, eifersüchtig zu sein. Oder aber der Wunsch, Mäuschen zu spielen und der Leidenschaft zwischen Janay und diesen Frauen zuzuschauen.
Nein, nicht bei Kazel! Immerhin handelte es sich um Dienerinnen des Hauses Tenebrée und das hätte ihm mehr Unbehagen eingeflößt als das lustvolle Bild ihm an Erregung hätte bieten können. Seine eigene klang auch langsam ab. Immerhin durfte er sich weder weiterhin in der Schönheit einer Göttin sonnen noch schien Janay ihm aktuell zugetan.
Gerade aber, als er auf ihr Wispern antworten wollte, mischte sich der Gevatter von der Seite her ein und bereitete Kazel mit seinen Worten einen kalten Schauer, der ihm die gesamte Wirbelsäule entlant rutschte. Er schluckte leer, gab dem Tod aber durch ein Nicken Recht. Es war an der Zeit, einige Dinge zu klären.
"Janay", fing er an und griff nicht einmal auf das Lerium zurück. Der Gevatter war ein Wesen, das über sein weiteres Leben entschied. Zu glauben, dass er dann nicht auch alle Sprachen Celcias beherrschte, war lächerlich. Dann brauchte der Mischling sich keine Mühe machen. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, seine Seele - so nackt wie sie nun neben Janay saß - gänzlich vor ihr offen zu legen. "Entschuldige, dass ich dir nicht rechtzeitig nachgegangen bin. Es gab ein paar ... Komplikationen." Die Angst hat mich überwältigt. Er atmete tief durch. Nein, er würde ihr alles sagen, hier und jetzt. Kazel schien nicht dafür gemacht, sich angesichts so vieler Probleme in seinem Leben, für einen Moment einfach etwas Spaß zu gönnen. Wobei man wohl dem Zuschauen am Schicksal anderer sicher nicht unbedingt frohe Unterhaltung zuschreiben konnte. Höchstens den Gedanken: Zum Glück bin ich es nicht. Aber Kazel schaute ja nicht einmal auf den Spiegel, der ihnen eine Leinwand bot. Er hatte nur Augen für Janay.
"Ich musste erst einmal damit zurechtkommen, dass wir nicht nur in Morgeria sind, sondern auch ... im Anwesen meiner Familie." Damit hob er seine rechte Hand, so dass Janay vielleicht die schimmernden Geisterspuren einer halb weggekratzten Tätowierung sehen könnte. Am Handgelenk, innen und etwas unterhalb der Pulsadern würde sie nun endlich das Bildnis bemerken, das in vielen Fahnen von den Dächern des Hauses geweht hatte. Kazel scherzte also nicht. "Und jetzt bin ich offenbar tot, weil ich ... einen Heiler brauchte." Er hob den Mundwinkel zu einem entschuldigenden schiefen Lächeln an. "Mach dir keine Sorgen. Ich komme zurück, solange der Tod selbst eine Verwendung für mich hat. Eine, die mich zum Massenmörder machen wird. Wie er sagte." Kazel blickte auf seine Hände herab, die er vor sich ausstreckte und sie dann zu Fäusten ballte. Schoben sich auch aus seiner Seele Adlerkrallen hinaus? Bedeutete das, dass sie endgültig ein Teil von ihm geworden waren? Bin ich selbst als Seele ... oder Geist ... dieses Monster?
Was er definitiv war und auch künftig sein würde, wäre ein Mörder. So wie es Tod wünschte und so wie er es nun ausgesprochen hatte. Ein Mörder und Werkzeug eines anderen. Er besaß nicht einmal Entscheidungsgewalt darüber, wessen Leben er beenden durfte. "Ich werde nur jene töten, die der Gevatter ausgesucht hat. Schlechte Menschen, Elfen, Orks oder ... wen auch immer. Ich bin nicht böse, Janay." Nur die Waffe, die ein anderer schwingt. Ob sie sich nun vor mir fürchtet?
Da wäre auch des Gevatters Vorschlag schnell erledigt, sich näher kennen zu lernen. Vielleicht hatte Janay plötzlich nicht mehr den Wunsch. Und das Kind? Sie würde den Sohn oder die Tochter eines Mörders zur Welt bringen. Er blieb sitzen. Ihm war gar nicht nach wandern zumute, vor allem, wenn es ohne Ziel wäre. Einzig falls Tod es wünschte, damit er das Schauspiel im Spiegel friedlich verfolgen könnte, dann würde Kazel sofort springen - wie ein braver Schoßhund oder der ungebetene Gast, der er war, weil er einfach in Tods Reich hineingestorben war. Unbeabsichtigt.
Es blieb nun an Janay, was sie aus der Zeit machen würde. Käme sie denn zurück? War sie tot? Wenn ja, hatten beide wirklich die Ewigkeiten, sich nun auszusprechen.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 9. September 2020, 12:39

Jenseits des Ballsaales gab es Augen, die ihnen nicht zusahen und einen hohlen Schädel, der aber mit Interesse zuschaute, während gepufftes Mais erst zwischen seinen Zähnen gemahlen wurde, nur um dann einfach in den Brustkorb zu purzeln und in die tiefe Schwärze seiner Kutte. Niemand würde je erfahren, wohin der zerkaufte Mais gerieselt wäre.
Und wer dem Traum nicht zuschaute, würde nie erfahren, was sich dort nun abspielte. Azura sträubte sich nämlich arg dagegen, sich all der Schönheit, der seichten Musik im Hintergrund, dem Gold und Wein und Tanz hinzugeben. Man konnte wirklich sagen, dass sie befleckt war, wenn sie die Fröhlichkeit eines Festes eintauschte gegen ... ein zerrupftes Rabenküken im Käfig. Der Harlekin, welcher ihr gegenüber auf der anderen Seite der goldenen Gitterstangen stand, grinste vergnügt. Er beobachtete mit Faszination, was sich nun abspielte. Azura hingegen öffnete die Käfigtür und schob vorsichtig ihre Finger hinein. Jemand hatte ihre Nägel bemalt, so dass sie in der gleichen Farbe schimmerten, wie ihre Augen, die nun auf dem Rabenküken ruhten. Das Vögelchen hingegen hopste unbeholfen vor ihren Fingern zurück, pickte beim ersten Streichelversuch gar danach, aber erwischte sie nicht. Es fiepte und versuchte, mit den Flügeln zu schlagen. War es verletzt oder noch nicht imstande zu fliegen. Bis auf ein paar Flaumfedern erhob sich nichts in die Luft. Und dann erfolgte Azuras zweiter Versuch, den schwarzen Kopf zu streicheln. Der kleine Rabe duckte sich unter ihrer Hand, ergab sich dann aber in sein Schicksal. Nach wenigen Berührungen aber streckte er der Hand sogar den Federkopf entgegen und schnäbelte ein wenig mit dem unteren Handballen. Nein, das war ein Irrtum! Er schnappte nach etwas Anderem.
Derweil zeigten die Umstehenden - vom Harlekin abgesehen - ihr offenes Entsetzen. Empört über Azuras Haltung gegenüber dem gefiederten, kleinen Übeltäter, japsten einige der charmant gekleideten Herren nach Luft, während andere von Blasphemie und Verspottung der guten Manieren sprachen.
"Dieser kleien Schuft hat sie nicht nur befleckt, sondern verdorben."
"Sandal!"
"Sie ist die Braut eines Schänders!"
"Ein Faldorsweib, das ihresgleichen sucht!"

"Hure!", rief jemand und seinem Beispiel folgten weitere Männerstimmen aus dem Hintergrund.
Azura spürte eine plötzliche Schwere, welche sich nicht nur auf ihre Schultern legte. Etwas Unsichtbares schien sie erdrücken zu wollen und zerrte an ihrem wunderschönen Ballkleid. Es war die Stimme ihres Vaters, die wie bedrohliche Gewitterwolken sich an der Decke des Ballsaales auftürmte und alles Gold und Weiß verdunkelte. Obwohl ein Echo in seiner Stimme lag, erkannte Azura sie doch wie keine zweite: "So dankst du es mir, dass ich deine Mutter und dich in mein Heim aufgenommen habe. Du bist es mir schuldig, höflich zu bleiben, dir einen guten Mann von Stand und Ehre zu suchen. Und du hast nicht nur deinen Leib beschmutzt, sondern auch mein Ansehen in Andunie. Das musste ja passieren, denn du bist nicht von meinem Blut! Stattdessen hast du unter den unehelichen Stößen eines simplen Plebs dein eigenes, jungfräuliches Blut vergossen. Schande. Schande!"
Und um die unheimliche Stimme ihres Ziehvaters herum bildete sich ein Echo aus den Stimmen der übrigen Gäste. "Schande, Schande, Schande", riefen sie, dass jede Silbe sich wie eine bleierne Kugel an den Saum ihres Kleides legte und drohte, sie in einen Abgrund zu ziehen, welcher sich zunächst als Riss im Boden auftat, aber schnell weiterwuchs. Azura würde hinein stürzen. Sie würde fallen und dort landen, wo Töchter mit ihrem unzüchtigen Verhalten landeten: Ganz unten.
Da half es auch nicht, dass sie den Männern die Tierquälerei vorwarf. Ihr Stimmen wurde so piespig leise wie jenes des Kükens. Sie blieb ungehört. Gegenüber des Käfigs grinste der Harlekin ihr entgegen und neigte den Kopf. "Wie interessant. Du hast die schwarze Tür gewählt", sagte er. "Na dann ist es wohl Rechtens, wenn er das Band erreicht." Die Narrenfigur sprach in Rätseln. Das Rabenküken löste sie, denn just in diesem Moment schnappte es nach dem losen Ende eines goldenen Fadens, welcher von Azuras goldenem Armschmuck herab gehangen hatte. Das Küken zupfte daran, fiepte ein wenig lauter und hüpfte wild umher, bis es sich vollends in dem immer länger werdenden Band verhedderte, so dass es wie ein goldenes Geschirr um seinen Körper lag. Hilfesuchend hopste es Azura entgegen, fiepste und fiepste, immer lauter, bis es zu einem Krächzen anhob, das durch die Kakoponie der verurteilenden Stimmen einen Weg in Azuras Gehörgänge bahnte.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Janay » Donnerstag 10. September 2020, 14:40

Sie hatte überhaupt keine Ahnung davon, wo sie sich befand, geschweige denn, warum. Was ihr jedoch sofort klar war, war der Umstand, dass sie dieses Gerippe nicht mochte, denn es jagte ihr Angst ein. Und, dass Kazel hier war, sie sich darüber allerdings nicht ungetrübt freuen konnte. Viel zu verwirrend waren gerade die Umstände, ganz besonders jener seiner abklingenden Erektion.
Auch wenn sie selbst eigentlich ein schlechtes Gewissen haben müsste, ganz gleich, inwieweit sie das eigentlich für ihren Lebensunterhalt machte. So... mehr oder weniger. Doch darüber konnte und würde sie ein anderes Mal nachdenken, sobald sie einmal die Ruhe dazu fände.
Denn irgendetwas in ihr sagte ihr, dass sie im Prinzip noch nicht aus ihrer Lage in dem großen, luxuriösen Bett befreit worden war. Wenngleich das die Frage aufrief, wie sie sich dann hier und bei dem Mischling befinden konnte.
Neben ihr erhob der Unheimliche seine Stimme, die ihr vorkam wie reinste Eiseskälte und sie trotz ihres Zustandes erschauern ließ. Unwillkürlich versuchte sie, näher zu Kazel zu kommen, als könne er ihr Schutz vor dieser Existenz bieten, und hatte zugleich das Gefühl, dass ihr das nicht recht möglich wäre. Ganz so, als gäbe es unsichtbare Fesseln, die sie an Ort und Stelle hielten, solange... solange es jemand mit ausreichend Macht so wollte.
Leicht begann sie zu zittern und vermied jeden Blick in die Richtung des Skeletts. Schon kämpfte sie darum, wenigstens die vorhin angebotene Hand zu ergreifen, um Halt zu finden, als der Unheimliche fortfuhr.
Heftig fuhr sie zusammen und die beinahe am Ziel angekommenen Finger zuckten zurück, als das Wort Massenmörder fiel. Ihre Augen weiteten sich und sie schluckte leer, konnte und wollte nicht recht verstehen, was sie da gehört hatte. Entsetzt sah sie den Mann an, der ihr Herz erobert hatte, und betete im Stillen, dass das nicht wahr wäre. Nein, das war nicht möglich! Schließlich... schließlich war er ihr bislang niemals wie jemand vorgekommen, der andere... umbrachte.
Was dieses angsteinflößende Wesen noch von sich gab, rauschte an ihr vorbei, ebenso wie die Anspielung darauf, dass sie ihm ebenfalls den ein oder anderen Gefallen getan hatte. In ihrem Kopf hallte lediglich jenes eine, verhängnisvolle Wort wider und als sie spürte, dass diese imaginäre Fessel verschwand, sprang sie regelrecht auf.
Am liebsten wäre sie weggelaufen vor lauter Furcht und Unglaube, um nur ja nicht hören zu müssen, dass es tatsächlich wahr sein könnte. Doch ihre Knie fühlten sich weich wie flüssige Butter an und ihr fehlte es an Kraft, um mehr zu tun, als viel zu langsam rückwärts vor ihm zurück zu weichen. In welche Richtung sie sich dabei bewegte, war ihr gleichgültig, solange er sie nur nicht sogleich zu fassen bekommen könnte. Dennoch haftete ihr Blick auf seinem Gesicht.
Als er ihren Namen aussprach, zuckte sie leicht zusammen und wirkte damit nur noch mehr wie auf dem Sprung zur Flucht. Langsam deutete sie ein Kopfschütteln an, als er sich bei ihr entschuldigte, sie im Stich gelassen zu haben. Im Endeffekt war das wahrscheinlich sogar besser so gewesen, schließlich war die Herrin dazu gestoßen und... und nicht auszudenken, was dann geschehen wäre, wenn er entdeckt worden wäre!
Er sprach derweil weiter und irgendwann wurde es ihr zu viel. Plötzlich schien alles auf sie einzustürzen, sowohl das zuletzt erlebte, das sie noch lange nicht verwunden hatte und zum Teil ja noch mehr oder weniger drin steckte, als auch diese neue Information, zu was er werden sollte. "Hör auf!", stieß sie verzweifelt aus, hielt sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen, um nichts mehr wahrnehmen zu müssen. Heftig schüttelte sie den Kopf und murmelte immer wieder, dass er aufhören solle damit. Sogar das ein oder andere Schluchzen mischte sich zwischen ihre Worte.
Angst, Verzweiflung, Verwirrung und noch viele andere Gefühle mehr mischten sich in ihrem Inneren, haderten miteinander und sorgten dafür, dass ihre Reaktionen bar jeglicher Vernunft und Nachvollziehbarkeit waren. Denn so viel Furcht sie auch vor ihm und vor allem dieser Vorstellung seiner Aufgabe verspürte, gesellte sich allmählich auch Wut dazu.
Was sollte das? Fanden die Beiden hier das etwa lustig?! Wollten sie die junge Frau quälen? Oder... oder war das gar ein weiterer Test für sie als angebliche baldige Muse der Herrin?! Hatte da jemand mit Magie herum getrickst???
In Janays Kopf wirbelte so vieles durcheinander, dass ihr regelrecht schwindelig wurde. Bis es sich mit einem Schrei aus ihrem Mund Bahn brach und sie sich im nächsten Moment auf ihren Freund stürzte. Da er noch immer saß, würde er sich wohl auch hoffentlich nicht so rasch daraus bewegen können, um ihr zu entkommen.
Oder könnte sie ihn gar nicht berühren, um sich auf ihn zu setzen und gegen seinen Brustkorb zu trommeln, mit Tränen in den Augen und schluchzend vor Überforderung? Dann würde sie durch ihn hindurch rauschen und irgendwann wohl auf allen Vieren landen, weil sie früher oder später das Gleichgewicht verlieren würde aufgrund des Schwungs. Damit würde sie sich blamieren ohne Ende, aber das war ihr egal. Sie konnte sowieso gerade nicht mehr denken!
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Azura » Donnerstag 10. September 2020, 15:08

Etwas hatte sich verändert seit ihrem letzten Aufenthalt hier. Nein... nicht etwas, sie selbst! Ja, sie war eine andere geworden, eine Frau und... und jemand, der Gefühle für eine andere Person als allein die eigene entwickelt hatte. Das schien ihr Kraft zum Aufbegehren zu geben und zugleich die Wurzel allen Übels hier zu sein. Wie auch immer, sie begriff es nicht.
Was sie hingegen deutlich verstand, war der Umstand, dass hier ein unschuldiges Wesen gequält worden war und das konnte sie nicht gutheißen. So wenig sie sich bislang um andere als sich selbst gekümmert hatte, für Tiere war sie durchaus bereit gewesen, sich auch für deren Wohlbefinden zu interessieren. Nicht soweit, dass sie all ihre Interessen hintan gestellt hätte, aber doch in einem gewissen Rahmen.
Und bei diesem Küken hier war es offensichtlich, dass es sonst niemand täte. Außerdem waren da diese merkwürdigen Augen, die etwas in ihr rührten, das sie nicht greifen konnte, wie die ferne Erinnerung an ein Gefühl.
Azura konzentrierte sich nach dem Öffnen des Käfigs ausschließlich auf das geschundene Tier und wollte ihm zeigen, dass sie nicht zu seinen Feinen gehörte. So konnte sie bei seinen Abwehrversuchen auch stets rechtzeitig ausweichen und ihren eigenen Willen durchsetzen, indem sie es schließlich auf seinem Köpfchen streichelte. Natürlich war er misstrauisch und das akzeptierte sie auch, was jedoch nicht bedeutete, dass sie so leicht aufgab.
Und ihre Bemühungen wurden belohnt, denn er schien Zutrauen zu ihr zu fassen. Soweit, dass sie ihn schlussendlich auch an sich nehmen und sich wieder aufrichten konnte.
Natürlich entrüstete sich diese Gesellschaft über ihr Tun, allerdings maß sie dem erstaunlicherweise wenig Bedeutung bei. Im Gegenteil ihr Blick schien regelrecht Funken zu spüren, mit dem sie die Runde bedachte. Lediglich, als das Wort Hure fiel, zuckte sie leicht zusammen, was sie nicht unterdrücken konnte.
Dann hingegen klammerte sie sich wieder an ihren gerechten Zorn und sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. "Ihr verdammt mich? Dabei seid ihr die Schänder, ihr alle! Was auch immer ich getan haben soll, ist nichts Verderbliches im Vergleich zu Euren Taten! Ihr seid hier der Abschaum, der sich an einem kleinen, wehrlosen Wesen vergreift und es quält!", schoss sie angriffslustig zurück, obwohl sie das Gefühl hatte, als würde sie schweratmig werden. Das war bestimmt die Aufregung und die Empörung darüber, wie sie hier behandelt wurde.
Im nächsten Moment schien allerdings alles noch schlimmer zu werden, als sie eine viel zu bekannte Stimme vernahm. Wenn auch, ohne deren Sprecher ausmachen zu können. Wie unter einem Peitschenhieb fuhr sie zusammen, vernahm die Worte und konnte sie dennoch nicht begreifen. Nein, das konnte nicht wahr sein, das war irgendein Betrug, dem sie hier aufsaß!
Die junge Frau weigerte sich zu verstehen und schüttelte immer heftiger den Kopf, während ihr die Tränen in die Augen stiegen. Sollten es doch diese verfluchten Tierquäler sehen, das war ihr egal! Stattdessen suchte sie mit ihren verschleierten Blicken nach der Gestalt des Sprechers, die sie aber nicht entdecken konnte.
Das nährte ihre Überzeugung, dass dies hier nicht wirklich ihr Stiefvater sein konnte. Niemals hätte er so mit ihr gesprochen, daran glaubte sie felsenfest.
Und das gab ihr die Kraft zu widersprechen, auf eine Art und Weise wie es noch nie zwischen ihnen geschehen war, weil sie keinen derart heftigen Streit gehabt hatten. Im Gegenteil, im Nachhinein betrachtet, hatte sie so gut wie nie mit ihm streiten können, weil er sie wie seine Tochter und Prinzessin behandelt und stets rasch nachgegeben hatte, um ihr ihre Wünsche zu erfüllen.
Also sah sie, in Ermangelung eines direkten Ansprechpartners, in die Höhe und rief:"Du hast mir gar nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater! Du hast mich im Stich gelassen und nicht beschützt! Wenn hier jemand Schande verdient hat, dann du und nicht ich!"
Ein ersticktes Schluchzen entrang sich ihrer Kehle, als in ihrem Rücken wieder die Stimme des Maskierten erklang und sie herumwirbeln ließ. Mit der freien Hand wischte sie sich rasch und undamenhaft die Nase, ehe sie den Vogel in ihrem Arm beruhigend weiter zu kraulen versuchte, damit wenigstens dieser ein bisschen von der allgemeinen Aufregung verschont blieb. Schließlich hatte er schon genug durchgemacht!
"Ich habe Euch keine vertrauliche Anrede gestattet!", schleuderte sie ihm entgegen, ganz gleich, wie unsinnig dieser Umstand ihrer Erregung sein mochte. Azura hatte das Gefühl, als würde der Raum um sie herum immer bedrohlicher werden und sie einengen, sie einsperren wollen wie dieses Küken, das sie hatte befreien müssen.
"Was geht hier überhaupt vor? Wo habt Ihr mich da hingebracht?! Erklärt Euch endlich!", verlangte sie und sah an sich herab, weil sie immer heftigere Bewegung spürte.
Der Vogel hatte sich an ihrem Schmuck gütlich getan und sich darin verheddert, sodass er nun sich nicht mehr eigenständig befreien konnte. Schon piepste er immer verzweifelter. Obwohl es in ihrer Situation alles andere als angebracht war, schnalzte sie leicht missbilligend mit der Zunge und wollte nach ihm greifen, um ihn wieder zu befreien. Ungedulidg und definitiv nicht erfreut über diese Unterbrechung.
Der Kleine jedoch schien ebenfalls keine Geduld zu besitzen, denn seine Laute wurden immer kräftiger und durchdringender, bis ihr die Ohren zu schmerzen begannen. "Hör auf, dich so aufzuregen, ich will dir ja helfen!", schalt sie ihn und bemühte sich, ihre Umgebung auszublenden.
Allerdings wurde sein Krächzen noch durchdringender und begann, ihr Kopfschmerzen zu bereiten. Gequält verzog sie das Gesicht und griff sich an die Nase zwischen die Augen, die sie obendrein zukniff, als könne sie so gegen die Pein angehen. Wenn es doch nur still sein und abwarten würde!
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 11. September 2020, 19:02

Kazel kam gar nicht in den Sinn, dass die gesamte Domäne, sowie der Gevatter für sie so ungewohnt wären. Immerhin war auch sie schon gestorben und so setzte er ihr Ableben automatisch mit der Form gleich, die er schon im Reich des Todes verbracht hatte. Wie sollte er auch anders denken oder wissen, dass es für jeden anders sein könnte? Damals, als er ihre Seelenstücke wie ein Schneider erneut zusammengesetzt hatte, war das für ihn eine besondere Ausnahme gewesen, schließlich war es ihm gestattet worden, Janay zu retten. Dass so vielleicht ihre Ewigkeit ausgesehen haben mochte, fiel ihm dabei überhaupt nicht ein.
Außerdem konnte man sagen, dass es für den Mischling schon zur Gewohnheit geworden war, den Gevatter zu sehen und seine Kälte im Nacken oder seine knöcherne Hand an der Schulter zu spüren. Der Kerl schien ihn mehr zu beobachten als andere, was Kazel nicht zum Staunen brachte. Er war sein Laufbursche. Nein. Er war sein Werkzeug, auch wenn ihn das zum Massenmörder machen würde. Auch hier lag er falsch. Er war längst ein solcher. Damit kam der Mord am eigenen Vater ihm kaum noch bedeutsam vor. Er reihte sich ein unter jenem an seiner einstigen Freundin und ersten, großen Liebe, sowie einem gesamten Orklager und noch mehr Seelen.
Dieses Geheimnis gab er Janay gegenüber nun preis, auch wenn er ihre Reaktion bereits erahnte. Er hoffte einfach, dass nach ihrem gegenseitigen Liebesgeständnis nicht einmal das sie würde trennen können. Er wollte nicht, dass sie schlecht von ihm dachte. Er wollte nicht, dass sie ihn für böse hielt. Er wollte nicht, dass sie Angst bekam und doch sah er gerade Letzteres in ihren Augen. Außerdem sprang sie vom Stuhl auf, um Distanz zu ihm zu gewinnen.
"Janay!" Kazel wollte ebenfalls aufstehen, kaum dass er die Wärme ihrer Hand in seiner eigenen nicht mehr fühlen konnte. Ihr Anblick, ihre Reaktion, ließen sein Herz krampfen und schnürten ihm die Kehle zu. Was hast du erwartet, du Monster? Er drückte sich von der Sitzfläche ab, nur um sofort wieder auf sie niederzusinken, als Janay ihn verzweifelt anflehte, aufzuhören und ihre eigenen Hände auf die Ohren schlug.
Kazel schluckte leer. Er kannte dieses Gefühl, das sich als schwerer Kloß in seinem Inneren ausbreitete, nur um dort gefühllose Leere zu hinterlassen. Für einen Wimpernschlag erinnerte er sich daran, wie es war, seelenlos zu sein - wenn man ihm alles nahm.
Er wusste nicht, was er nun sagen und wie er fühlen sollte. Janays Anblick brach ihm das Herz und bestätigte ihm sein Schicksal. Er war nicht dazu bestimmt, Glück mit ihr zu empfinden. Es sollte überhaupt nicht so sein, dass er eine Familie gründete oder eigene Kinder aufzog. Er war von Anfang an dazu bestimmt gewesen, ein Monster zu sein. Zunächst als Dunkelelf und Spross seiner Familie, dann als Werkzeug der dunklen Armee und nun im Auftrag des Todes selbst. Wie konnte er so dumm gewesen sein zu glauben, dass jemand in seiner Position das Leben eines anderen beeinflussen durfte? Janays Furcht und Entsetzen zeigten ihm die Konsequenzen seines fehlgeleiteten Denkens. Sie hat solche Angst vor mir ... was habe ich ihr nur angetan!
Er öffnete den Mund, ohne zu wissen, ob eine Entschuldigung überhaupt noch irgendeinen Wert besaß. Vielleicht ließ er sie nun einfach allein. Endgültig. Sie wäre besser dran, nicht ständig verraten zu werden oder sich vor ihm fürchten zu müssen. Er musste nur einen Weg finden, sie aus Morgeria und in Sicherheit zu bekommen. Danach könnte sie ...
Kazel spürte den Ruck. Er fühlte ihr Gewicht an seinem Körper wie er die Schläge ihrer Fäuste spüren konnte. Sie hämmerten im Rhythmus seines Herzen, das selbst im Geisterzustand für sie schlug - auch wenn es nicht nötig war. Mit jedem weiteren Hieb zertrümmerte sie seine eigene, aufgekommene Furcht.
Ohne sie an ihren Schlägen zu hindern, legte Kazel beide Arme um ihren Geisterleib. Vielleicht bildete er sich ihre Körperwärme nur ein, aber sie beruhigte ihn. Sie lief nicht vor ihm fort. Sie schlug ihn zwar, aber sie blieb in seiner Nähe. Sie wollte ihn nicht aufgeben und umgekehrt war es genauso. So gewährte Kazel ihr, dass sie weiter auf ihn einprügelte. Es machte ihm nichts aus, selbst wenn sein Geist den Schmerz spürte. Was sollte passieren? Aktuell war er tot.
"Janay...", wisperte er nur ihren Namen und versuchte, die Umarmung langsam enger zu ziehen. Er wollte sie an sich lehnen und streicheln. "Ich stehe in seiner Schuld." Ich habe keine Wahl, wenn ich leben will. Wenn ich möchte, dass du lebst! "Nur Dank ihm und seinem Angebot, konnte ich dich retten. Bitte, denk nicht schlecht von mir. Ich ... bin nicht böse. Bitte. Ich liebe dich doch."
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Erzähler » Samstag 12. September 2020, 13:59

Während ringsum die Empörung und das Entsetzen groß waren - so groß wie die aufgerissenen Augen der Galane hinter Masken oder vorgehaltenen Händen -, da neigte der Harlekin, der dem Vogelkäfig gegenüberstand, nur den Kopf. Einige der schwarzen Federn seiner Maske neigten sich ebenso, fielen nach vorn und glichen einem überraschten Wimpernschlag. Sie waren schön und schienen das Licht des gesamten Ballsaals zu verschlucken. Rabenfedern. Er konnte sie unmöglich dem Küken ausgerissen haben, obgleich es so zerrupft aussah. Die Federn waren zu formschön, zu groß gewachsen. Sie mussten von einem erwachsenen Raben stammen. Der Mutter? Dem Vater?
Unter ihrem flaumigen Wippen tippte der Halekin sich mit einem behandschuhten Finger gegen das Kinn; sacht und ganze drei Mal. "Ihr meint tatsächlich, er ist wehrlos? Habt Ihr ihn Euch genauer angeschaut? Kennt Ihr ihn und seine Geheimnisse?" Mit seinem Glöckchenstab deutete er anschließend auf das Rabenküken. "Er ist so wenig wehrlos wie er unschuldig ist. Setzt die Puzzleteile zusammen, Verehrteste. Dann werdet Ihr schon sehen."
Das Küken spähte mit Argwohn zu Azura auf. Es ließ sich vielleicht den Kopf streicheln, das hieß aber noch nicht, dass es ihr blind vertraute. Geradezu dämonisch leuchteten nun die kleinen, roten Augen, so dass der Vogel faldorischer nicht hätte sein können. Vielleicht entsprang er sogar dem Harax! Und dieses Tierchen sollte sie befleckt haben?
Azuras Vater, nicht sicht- aber hörbar, behauptete es und strafte sie mit Worten, die er ihr in der Wachwelt niemals vorgehalten hätte. Aber in der Realität war sie bisher auch nie in die Situation geraten, in der sich die Frage ihrer Hochzeit so kompliziert darstellte. Natürlich hatte sie sich bereits einigen jungen und auch älteren Männern vorgestellt. Auf diversen Debüttantinnen-Abenden ihrer Freundinnen war sie aufgetreten, hatten ihnen mit ihrer Schönheit und reizenden Art die Schau gestohlen, nur um dann doch unter den anwesenden Herren jegliche Avancen kokett abzulehnen. Und Azura musste zugeben, dass sie das Spiel - sofern es ihr je bewusst gewesen war - mehr als genossen hatte. Bisher hatte sich ihr Vater niemals dazu geäußert. Bisher war es auch noch nicht ernst geworden und bisher ... hatte sie ihre Unschuld als Mitgift in den Ring werfen können.
Wieviel Wert besaß eine Adelstochter für eine vertragliche Ehe, wenn sie nicht mehr vollständig rein und unberührt war? Wieviel Reiz machte sie bei den Verehrern noch aus?
Ihr Vater wirkte mehr als unzufrieden, ganz so, als ginge es ihm darum, ein preisgekröntes Pferd nicht mehr für seinen vollen Wert verkaufen zu können. War sie ohne ihre Unschuld nicht mehr wert als ein klappriger Ackergaul? Sah ihr Vater nicht mehr in ihr, sobald er ihre Unschuld nicht länger anpreisen könnte? Seit wann zeigte er diese Besorgnis erregenden Charakterzüge?!
Azura war sich sicher, dass hier nicht ihr Vater sprach. Sie wusste nicht, wie es angestellt wurde, aber die Worte konnten unmöglich von ihm stammen und so ließ sie sich auch nicht näher auf jene ein. Sie beharrte auf ihr Recht und rügte die übrigen Gäste, sowie den Harlekin weiter für ihre Boshaftigkeit gegenüber dem Küken und ihr selbst.
Auch der Stimme ihres Stiefvaters rief sie ihre Rebellion entgegen, was erneut erschrecktes und ermpörtes Aufjapsen bei den Umstehenden hervorrief. Das Küken in ihrer Hand aber fiepste nur, krächzte dann und verhedderte sich immer mehr in dem goldenen Faden ihres Armschmucks. Azura hingegen konzentrierte sich nun auf den Harlekin, denn er schien hier der Kontrollgebende. Er war ihr einziger, direkter Ansprechpartner und sein Lächeln ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.
"Solltet Ihr nicht Euer bedauernswertes Vögelchen um eine Erklärung bitten? Er ist Euch doch immer ausgewichen, Verehrteste. Dabei ist es doch allein seine Schuld. Macht er das nicht großartig? Ich als munterer Narr kann ihm nur gratulieren. Was für ein phänomenaler Auftritt!" Der Harlekin tippte sich an die Stirn und deutete eine Verbeugung an. "Aber nun ist es Zeit für das große Finale. Verehrteste, seht ihr nicht seine Aufregung?"
Er trat zurück. Gleichermaßen machten alle Umstehenden des Ereignisses Raum. Sie bildeten einen Kreis, in dessen Zentrum der Vogelkäfig und Azura mit dem Küken standen. Das Federtierchen krächzte wild in ihrer Hand. Er begann mit den kleinen Flügeln zu schlagen, als Azura versuchte, nach ihm zu greifen. Immer heftiger flatterte er damit und wirbelte in seiner Wildheit schwarzen Federflaum auf.
Außerdem wurde der Vogel größer. Er wuchs in Azuras Hand, gleichermaßen wie sein Gekrächze. Es schmerzte bereits in den Ohren, so dass sie von dem Vogel abließ und die Augen zukniff. Aber der Lärm endete dadurch nicht. Azura spürte nur, wie ihre schlanke Hand das Gewicht des Kükens nicht länger halten konnte. Sie musste ihn zwangsläufig fallen lassen. Dann endete sein Krächzen, dafür ertönten Schreie ringsum. Sie konnte die anderen Gäste mit eiligen Schritten flüchten hören, während sich über ihr die Decke des Ballsaals noch mehr zu verdunkeln schien.
Sobald Azura erneut hin schaute, sah sie den Grund. Was war mit dem Küken geschehen? Sie spähte zu seinem Bauch empor, der vor schwarzen, ausgeprägten Federn nur so schimmerte. Sie sah seine Beine, welche Armesdicke besaßen. Er stand auf kräftigen Füßen, deren Krallen scharfe Risse in den Marmorboden darunter kratzten. Das Küken war nicht länger ein Küken, sondern ein ausgewachsener Rabe. Nein, mehr noch, denn er ragte weit über Azuras Kopf hinaus mit Schwingen so riesig, dass seine Spitzen beinahe die Buffettische zu beiden Seiten des Saals erreichten. Ihre Schwärze schluckte jegliches Licht, gleichermaßen wie die zuvor noch so lang angehaltene Fröhlichkeit. Der Rabe krächzte wieder, dass es wie reiner Schmerz durch den gesamten Körper ging. Irgendwo im Hintergrund vernahm Azura gequälte Schreie. Wohin waren die Gäste verschwunden? Wo steckte der Harlekin?
Im Moment gab es nur noch sie, den riesigen Raben und den goldenen Vogelkäfig, welchen der Vogel nun mit einem seiner kräftigen Füße einfach zerstampfte. Die Gitterstangen bogen sich unter seinem Gewicht und barsten schließlich mit metallischem Klirren. Er selbst neigte den Kopf auf die Seite und betrachtete Azura nun aus einem seiner großen Augen; ein ovaler Spiegel aus Rubinen. Ihr Bild schimmerte darin. Oh, wie schön sie war, so ganz ohne das Ballkeid, von Schminke und Schmuck befreit, genauso wie ihre Haare, die in blonden Wellen mit Bronzeschimmer über ihre Schultern und den Rücken fielen. Sie umrahmten ihre makellose Haut, betonten ihre nackte Figur. Ja, sie stand splitternackt unter dem Bauch des Raben und trug lediglich noch den goldenen Armreif. Jener war über einen ebenso goldenen, schlanken Faden mit dem Raben verbunden. Er trug ein Geschirr aus goldenem Leder um den Leib und auf seinem Rücken war ein goldener Sattel mit bequem anmutender Sitzfläche angebracht.
Plötzlich reckte er den Kopf, riss den Schnabel auf und stieß einen gekrächzten Schrei aus, dass die Fenster unter dem Hall zerbarsten. Die Wände und auch die Decke des Ballsaals stürzten in sich zusammen. Azura aber musste sich nicht fürchten. Der Rabe hielt sie sicher unter seinem gefiederten Bauch verborgen. Nur um sie herum erhoben sich die Schreie, bis steinerne Trümmer sie gänzlich erstickten. Zurück blieb ein von Sternen gesäumter Nachthimmel. Er wurde zusätzlich verdunkelt, als der Rabe seine Schwingen ausbreitete. Mit einem gewaltigen Ruck stieß er sich vom Boden ab, wirbelte die Überreste des Festes durch seine Flügelschläge beiseite und stob in den Himmel hinauf. Der Ruck ging auch durch Azura, die einfach mitgerissen wurde. Verbunden über ihren Armreif zerrte es sie hinter dem Raben her. Er bemerkte es und flog einen wilden Wirbel, so dass sich Azura Welt um sich selbst drehte, bis sie mit einem dumpfen Geräusch sicher im goldenen Sattel des Vogels landete. Er warf den Kopf zurück, um seine Reiterin erneut mit einem der Rubinaugen zu betrachten. Die Pupille glänzte und besaß irgendetwas Fragendes. Jene Frage schwirrte durch ihren Kopf wie ein einzelner Windhauch: Was ist es, das du willst?
Und von weit her klimperten leise die Glöckchen des Harlekinstabes.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Janay » Samstag 12. September 2020, 18:09

Es gab so viele unausgesprochene Missverständnisse zwischen ihnen, dass man damit wahrscheinlich schon ein ganzes Buch hätte füllen können. Und dennoch gesellten sich immer mehr dazu, ohne, dass sie beide etwas davon bemerkten und es hätten besser machen können. Schließlich kannten sie sich noch zu wenig, trotz der Ereignisse, die sie schon gemeinsam durchgestanden hatten.
So auch in Hinblick auf diesen Ort, den sie nicht kannte und der ihr mitsamt dieses unheimlichen Wesens Angst einjagte, weil sie es nicht begreifen konnte. Außerdem erinnerte sie sich nicht an ihre Zeit als Geist oder daran, dass der Mischling es gewesen war, der sie gerettet hatte, indem er ihre mannigfachen Erscheinungen wieder zusammen genäht hatte.
Als wäre das nicht ohnehin schon viel zu viel für sie, machte es der Mischling mit seinem Geständnis nur noch schlimmer. Dass er längst gemordet hatte, mitunter sogar wegen ihr, war ihr bislang nicht bewusst gewesen. Doch nun zu hören, dass er noch viel mehr in diese Richtung würde tun sollen... wollen... müssen... Nein, das war zu viel für sie!
Sie wich vor ihm zurück, soweit sie es konnte, während sie entsetzt zuhören musste, bis sie sich schließlich hilflos die Ohren zu hielt. Es war zu spät, die Worte wirbelten in ihrem Kopf herum und brauchten gar nicht mehr ausgesprochen zu werden. Im Endeffekt konnte sie sich also mit dieser Geste nicht schützen.
Fest kniff sie die Augen zu, als könne sie auf diese Weise dieses neue Wissen aussperren und machte es dadurch nur umso schlimmer, weil ihre Phantasie die Leere sofort mit fürchterlichen Bildern füllen wollte. Überfordert, wie sie mit all diesen neuen Eindrücken und jenen zuvor in jenem großen, fremden Anwesen war, schossen nicht nur die Tränen in ihre Augen.
All ihre Gefühle entluden sich in verzweifelter Wut, als sie die Augen wieder aufriss und sich schlussendlich auf ihn stürzte. Ob sie ihn in diesem Zustand überhaupt zu fassen bekäme oder nicht, war ihr gerade vollkommen gleichgültig. So war sie beinahe schon einen flüchtigen Moment lang erstaunt, dass sie nicht durch ihn hindurch rauschte, sondern tatsächlich auf seinem Schoß zum Sitzen kam.
Aber dann begann sie mit ihren Fäusten auf ihn einzutrommeln, immer und immer wieder, während bereits die ersten Schluchzer sich aus ihrer Kehle lösten. Tränen liefen über ihre Wangen oder war das nur Einbildung? Eine Erinnerung an etwas, das in einem anderen, fern erscheinenden Leben so gewesen wäre in dieser Situation? Janay wusste es nicht zu sagen.
Sie merkte nur, dass der heiße Zorn nach gefühlten Ewigkeiten allmählich abebbte und der Abstand zwischen ihren einzelnen Hieben größer wurde ebenso wie die Kraft sich verringerte. Bis sie schließlich dem sanften Druck seiner Arme nicht länger standhielt und schluchzend erschöpft gegen ihn sank. Die junge Frau konnte und wollte nicht glauben, dass er das wirklich werden sollte, wie er sich vorhin bezeichnet hatte.
Auf der anderen Seite spürte sie Bitterkeit darüber und eine Frage, die sich ihr aufdrängte und heraus wollte, ohne sich daran hindern lassen zu können. "Und wann werde ich dran sein?", wisperte sie und drückte sich gegen die Umarmung, um sich etwas aufrichten und ihn direkt ansehen zu können. Verzweifelt, verwirrt, verängstigt, so, wie sie sich gerade fühlte.
Unbewusst wischte sie sich die Nase und achtete nicht darauf, ob sie tatsächlich gelaufen war oder nicht. "Sag, wann wirst du dich meiner entledigen? Und des Würmchens? Bist du wenigstens dann gnädig und es wird schmerzfrei sein?!", fuhr sie tonlos fort und schüttelte leicht den Kopf.
"Was soll das überhaupt mit Schuld, Angebot, mich retten? Ich versteh das nicht! Wer ist er?!", drängte sie weiter auf Antworten und schniefte hörbar. War das wirklich notwendig? Konnte sie an diesem merkwürdigen Ort überhaupt weinen? Oder glaubte sie es nur, weil es andernorts so gewesen wäre? Nein, im Prinzip war das nicht wichtig.
In diesem Moment hatten ihre eigenen Worte eine Verknüpfung in ihrem Denken zu etwas hergestellt, was er vorhin erwähnt hatte. Wie unter einem Peitschenhieb fuhr sie zusammen bei der Erkenntnis. Ihre Augen weiteten sich und wenn sie so etwas wie Farbe im Gesicht besessen hätte, wäre diese gründlich verblasst.
"Warte mal, was hast du gesagt? Wir... wir sind... bei deiner Familie gewesen? Ernsthaft?!", kam es ihr wie ein Hauch über die Lippen und eröffnete in ihrem Kopf eine neue Flut von Fragen, die auf sie einstürzte und ihr Schwindel verursachte.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Azura » Samstag 12. September 2020, 18:56

Es war ihr gleichgültig, ob diese Bande von Tierquälern sich über ihr Verhalten empörte oder nicht. Was scherte es sie? In deren Augen war sie ohnehin nichts mehr wert, genauso wenig wie dieses arme, kleine Wesen in ihrem Arm. Das hätte ihr eigentlich Angst einjagen sollen, doch das tat es erstaunlicherweise nicht.
Sie hatte sich schon mal allein durchschlagen können, auch wenn sie sich an keine Details davon im Moment erinnern konnte. Da würde sie es noch einmal schaffen! Und irgendwie würde ihr schon eine Lösung einfallen, um sich an einem besseren Ort niederzulassen und dort ihre Existenz aufzubauen. In anderen Kreisen, in denen nichts von ihrer Entjungferung bekannt wäre!
Womöglich sogar mit ihrem tierischen Begleiter, sofern dieser sie nicht sofort verlassen würde, kaum, dass er fähig dazu wäre. Das wäre durchaus traurig für sie, allerdings würde sie auch das überstehen. Sie war eine Kämpferin, obwohl es ihr schleierhaft war, woher sie auf einmal diesen Kampfeswillen nahm. Auf jeden Fall half er ihr, sich aufrecht zu halten und nicht sich vor Verzweiflung zu krümmen.
Der Maskierte zog erneut ihre Aufmerksamkeit auf sich und entlockte ihr ein kleines, damenhaftes Schnauben des Unmuts. "Ihr sprecht weiterhin in Rätseln. Ist es Euch etwa nicht möglich, Euch einmal klar auszudrücken? Ihr strapaziert meine Geduld!", gab sie pikiert zurück und wollte gar nicht genauer über diese Worte nachdenken.
Sie würden ihr nichts weiter als Kopfzerbrechen bereiten, davon war sie überraschend fest überzeugt. Wenngleich nicht unbedingt, weil er diese Formulierung gewählt hatte. Vielmehr war ihr, als hätte sie es schon zur Genüge getan, als dass sie noch mehr davon gebrauchen könnte.
Was war nur los mit ihr? Sie spürte, dass es einige Erinnerungen gab, die ihr hätten weiter helfen können, doch sie konnte diese partout nicht zu fassen bekommen. Obendrein war ihr dieser Saal unbekannt, ebenso wie all die Umstehenden, sodass sie nicht einmal sagen konnte, wo sie sich befand. Oder gar, wie sie hierher gekommen war!
Lediglich die Stimme ihres Stiefvaters konnte sie wieder erkennen, wenngleich weder seinen Tonfall, noch seine Wortwahl. Die sie hätte treffen müssen, wenn sie nicht felsenfest davon überzeugt gewesen wäre, dass dies nichts weiter als Lug und Trug war!
Nur dank ihrer Überzeugung verlor sie nicht die Kraft zum Widerstand und erreichte damit Reaktionen, die ihr nicht behagten. Das negative Erstaunen der anderen Ballgäste war ihr noch relativ gleich, aber als sie wieder zu dem Maskierten sah, spürte sie, wie sie blass um die Nase wurde. Das Herz schien ihr einen Schlag lang auszusetzen bei diesem Lächeln und sie schauerte, weil ihr plötzlich eiskalt wurde.
Nervosität und Angst stiegen in ihr hoch und sorgten dafür, dass sie ein kleines, sichtlich unbehagliches Lachen ausstieß. "Ich soll mit einem Vogel sprechen? Ihr habt wohl zu viel Interesse für Eure Maskerade! Mit Tieren kann man nicht reden wie mit Menschen!", hielt sie dagegen und hörte selbst, wie sehr ihr der belustigte Unterton misslang.
Was auch immer hier vorging, es jagte ihr definitiv Furcht ein und zerstörte ihren Selbstschutz, der sie bislang hatte aufrecht halten können. Instinktiv wollte sie vor dem Fremden zurück weichen, aber sie fühlte sich wie erstarrt.
Ohne es zu wollen, folgte sie seiner unausgesprochenen Aufforderung und sah auf den Vogel in ihrem Arm herab, der sich in dem goldenen Kettchen verheddert hatte. Unwillig darüber wollte sie ihn befreien, jedoch wehrte er sich gegen ihre Hilfe, indem er mit den Flügeln schlug.
Moment! Wie war das denn möglich?! Gerade noch hatte er ausgesehen, als wäre er vollkommen gefangen in dem immer länger gewordenen Bändchen, das von ihrem Handgelenk wegführte!
Trotzdem gab sie nicht sofort auf. "Jetzt halt still!", schalt sie ihn, als könne er sie, wider ihrer Behauptung von gerade eben, verstehen. Noch einmal wollte sie nach ihm greifen, spürte allerdings einen kurzen, scharfen Schmerz in ihrem Handrücken, sodass sie ihre Finger hastig wieder zurück zog.
Außerdem wurde sein Krächzen immer lauter und verursachte ihren Ohren Qualen, die sie so nicht kannte. Gemeinsam mit seinem schwerer werdenden Gewicht öffnete sie ihren Griff und ließ ihn schließlich fallen, als sie schutzsuchend mit den Händen ihre Ohren zuhalten wollte. Auch kniff sie die Augen zusammen und schüttelte ihren Kopf, in der Hoffnung, irgendwie so diesem Geräusch entkommen zu können.
"Hör auf, hör auf!", entrang es sich wimmernd ihrer Kehle und sie merkte, wie sie in die Knie sank. Sie krümmte sich vor Schmerz, bis das Krächzen endlich eine Pause machte. Aufschluchzend begann sie damit, sich hin und her zu wiegen, bis sie begriff, dass Schreie um sie herum erklangen.
Obwohl sie es nicht wollte, sah sie schniefend auf und... nahm nichts weiter als Schwärze um sich herum wahr. Das Herz schien ihr erneut aussetzen zu wollen, als ihr tränenverschleierter Blick langsam und zögerlich in die Höhe wanderte.
Es dauerte, bis ihr allmählich aufging, woher diese Dunkelheit um sie herum kam. Ihr war, als würde sie in einen Abgrund der Angst gestoßen, als ihr bewusst wurde, dass dieses kleine, zerrupfte Küken, das sie vor kurzem noch hatte beschützen wollen, zu einem übermächtigen Monstrum angewachsen war.
Mit einem furchterfüllten Schrei wollte sie zurück weichen und kam nicht weit, da irgendetwas sie an dieser Bewegung hinderte. Ungläubig und verständnislos starrte sie auf ihr Handgelenk und konnte sich diese goldene Verbindung nicht erklären, die sie zu fesseln schien.
Erst, als ein mächtiger, krallenbewehrter Fuß den Käfig wie ein Staubwölkchen zertrat, ruckte ihr Kopf hin und sie schrie auf. Erneut versuchte sie, vergeblich, unter diesem schwarzen Monstrum hervor krabbeln zu können.
In diesem Moment richtete sich eines der beiden roten Augen auf sie und ließ sie erstarren. Selbst zu atmen wagte sie nicht, als sie verweint und verängstigt zurück sah, nicht fähig, ihren Blick abzuwenden. Dafür erkannte sie ihr Spiegelbild darin und merkte, wie in ihr der Wunsch nach einer heilsamen Ohnmacht aufstieg.
Warum konnte sie nicht mehr eng geschnürt sein? Dann hätte sie die Tricks gekannt, wie sie solch einen Zustand hätte herbei führen können! Stattdessen war sie... nackt?!
Erneut schrie Azura auf, als er wieder ein Krächzen ausstieß, und machte sich instinktiv so klein wie möglich, als könne sie sich auf diese Weise davor schützen. Was hatte sie nur getan?! Wieso war sie zu diesem Käfig gelockt worden und was sollte dieses Schauspiel? War das ein Traum?! Denn, wenn ja, wollte sie auf der Stelle aufwachen, nur um diesen Alp abschütteln zu können!
Stattdessen würde sie selbst durchgeschüttelt, als das Monstrum sich abstieß und sie dabei kurzerhand mit sich in die Luft zog. Sie stieß einen Schmerzensschrei aus, als etwas in ihrer Schulter zu reißen schien, während sie mit ihrem gesamten Gewicht daran hing. Instinktiv griff sie mit der anderen Hand hin und versuchte, die vermaledeite Kette zu lösen, ehe es zu hoch wäre, als dass sie einen Sturz herab noch überleben würde.
In diesem Moment bewegte er sich anders und sorgte dafür, dass sie umso heftiger durch die Luft geschleudert wurde. Sie schrie sich die Seele vor Angst aus dem Leib, bis dieser Laut schlagartig verstummte, als sie auf etwas Festem landete.
Es dauerte unendlich erscheinende Sekunden, bis sie begriff, dass sie nun nicht tot war, sondern... im Sattel saß?! Die junge Frau verstand die Welt nicht mehr.
Dafür meldete sich der Schmerz in ihrer Schulter wieder und sie griff mit einem Jammerlaut hin, als könne sie ihn so ein wenig besänftigen. Tränen schossen ihr erneut in die Augen, aber auch Wut kochte in ihr hoch. Wut darüber, wie dieses schwarzgefiederte Monstrum sie behandelte, nachdem sie ihn versucht hatte zu retten.
Als er sie nun ansah, schniefte sie und wischte sich undamenhaft die Nase, ehe sie ihren unversehrten Arm hastig vor die Blöße ihrer Brüste schlug. Jene zwischen ihren Beinen wurde zum Glück durch die Form des Sattels derzeit vor seinem Auge verborgen.
So sehr sie sich auch fürchtete, der Zorn loderte heiß in ihr empor und hatte irgendwie... etwas Vertrautes an sich?! Azura blinzelte kurz, ehe sie ihn mit ihren wütenden Blicken zu durchbohren versuchte.
"Schau nicht so, sondern besorg mir lieber was zum Anziehen! Sonst werden deine Federn dran glauben, das schwöre ich dir!", fuhr sie ihn an, als könne sie es sich leisten, ihn auf diese Weise zu behandeln. Als wäre er kein Tier, sondern ein Wesen, das ihre Sprache verstand, und nicht ein überdimensional großer, monströser Rabe, der sie gerade durch unbekannte Höhen beförderte!
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 13. September 2020, 10:48

Was waren das für zwei Seelen, die sich da in einem von Tod Lehnstühlen hielten und gegenseitig immer wieder stützten, wo sie sich im Grunde doch so wenig kannten? Zwei einsame Seelen. Zwei, die Trauer und Schmerz erlebt hatten. Zwei, die sich nur nach ein wenig Nähe und Wärme sehnten und sofort von Liebe sprachen, wenn sie diese kleinen Dinge ausnahmsweise mal vollkommen bedindungslos erhielten. Sie klammerten sich daran. Sie waren Ertrinkende und boten sich gegenseitig ein Rettungsseil an, dessen Ende der jeweils andere hielt. So würden sie niemals auf ein sicheres Schiff gezogen, sondern weiter von den Fluten umher geworfen werden. Aber solange sie sich an ihrem Seil festhielten, hatten sie wenigstens einander.
Kazel klammerte sich etwas enger an Janay, als ihre Attacken nachließen. Er zog sie dichter gegen sich und ob es nun aus einer Einbildung heraus geboren oder echt war: Er genoss die Vision von Gefühlen, die sie in ihm weckte, sogar mehr noch als den unbeschreiblichen Anblick einer Göttin, auch wenn sein Unterleib sofort etwas Anderes geschrien hätte. Das hier war so viel mehr!
Sanft streichelte seine Hand über Janays geisterhaften Rücken. Er versuchte, sie zu beruhigen. Kazel konnte nachvollziehen, dass sie all das hier vollkommen erschüttern musste. Nunja, eher sein Geständnis. Er rechnete nach wie vor nicht damit, dass sie sich nicht an das Jenseitsmeer und den schwarzen Strand erinnerte. Er ging davon aus, dass auch sie genau wusste, wer dort neben ihnen im Lehnstuhl sah und entweder fasziniert zuschaute oder sich ärgerte, weil man ihm beim Verfolgen der Vorführung im Spiegel derart störte. Fast wäre Kazel eine Entschuldigung in Richtung seines Auftraggebers herausgerutscht, doch erneut lenkte Janay seine Aufmerksamkeit auf sich und das in einer Weise, die ihn erstarren ließ.
Im ersten Moment zuckte er zusammen vor Schreck. An die Möglichkeit, dass sie auf der Todesliste stehen könnte, hatte er nicht einmal zu denken gewagt.
"W-was?", keuchte Kazel daher auf. Sie überrumpelte ihn mit dieser Aussage. Jetzt schnellte sein Blick eines aufgewühlten Sturmes doch einmal zu dem Skelett links von ihm. Für einen Herzschlag lang starrte er den Gevatter an. Nein, das würde jener niemals von ihm verlangen! Das mach ich nicht, dachte er entschieden und als er seine eigene Stimme im Kopf hörte, vertrieb sie den aufgekommenen Schrecken.
"Janay", wandte er sich somit wieder seiner Liebsten zu. Er strich ihr über den Kopf in der Hoffnung, sie würde zu ihm aufschauen. "Das wird nicht geschehen. Ich soll nur jenen das Leben nehmen, die es anderen vor ihrer Zeit genommen haben. Schlechten Lebewesen, welche meinen, den Gevatter hintergehen zu können. Du bist nicht so und unser Kind wird auch nicht so sein."
Kazel schob seinen linken Arm zwischen sich und Janay. Er zeigte ihr seine offene Handfläche, aber ob sie die Sanduhr seiner Lebenszeit darin sehen konnte, war fraglich. Bisher hatte nur Kazel sie sehen und manchmal auch in seiner Hand spüren können. "Und selbst wenn er dies von mir verlangen würde, dann gebe ich lieber all meine verbliebene Zeit, um es zu verhindern. Janay, wie kommst du nur darauf, ich würde das tun?" Er zögerte. Es klang immer noch so unglaublich und befremdlich, laut auszusprechen, aber er meinte es aufrichtig. Er klammerte sich an das lose Ende des Rettungsseiles. "Ich liebe dich doch."
Kazel schlang den Arm wieder um sie herum. War der Stuhl größer geworden? Irgendwie hatte er den Eindruck, genug Platz zu haben, dass Janay und er gemeinsam bequem darauf kuscheln konnten. Oh, tot zu sein war gerade so viel angenehmer, als die Realität. Dort wartete nur eine krüppelige, widerliche Goblinfrau. Hier fühlte er sich gut und langsam verstand Kazel, wenn Leute davon sprachen, dass der Tod auch eine Erlösung sein könnte. Es fühlte sich alles so friedlich an - solange keiner von ihnen sprach. Aber er nahm es Janay auch nicht übel, dass sie weiter Fragen stellte. Für sie musste vieles hier noch sehr aufwühlend sein.
"Du weißt wirklich nicht, wer er ist? Wir sind in seinem Reich. Er ist der Tod. Ich bin gestorben, Janay. Schon mehrere Male und vermutlich damals richtig, als Raxtian Tausendtod meinem Körper die Seele entriss. Ich verdanke es der Gnade des Gevatters, dass ich noch Zeit auf Celcia verbringen darf. Ihm verdanke ich, dass ich die Gelegenheit hatte, dich zu treffen und alles, was folgte. Jetzt erwartet er, dass ich meinen Tribut dafür zahle. Meine Seele für viele andere. Für Verdorbene. Ich werde dich niemals aus dem Leben reißen müssen", erinnerte er sie noch einmal. Sie musste das verstehen, damit ihre Furcht vor ihm schwand. Denn was würde Kazel ein Leben nützen, wenn er nicht mehr Janay und sein und später auch sein eigenes Kind nicht würde aufwachsen sehen können?
"Warum erinnerst du dich nicht an all das?", fragte Kazel nach, doch erneut wurde er mit Fragen gelöchert. Die jüngsten davon versetzten sogar seiner Geistergestalt ein unbehagliches Zusammenziehen in der Magengegend. Vermutlich, weil er irgendwann ins Leben zurückkehren würde, wie Tod es ihm zugestanden hatte. Also lösten sich die Bande zu seinem Körper nicht gänzlich? Konnte er sich deshalb an Gewohnheiten des Lebendigseins klammern und diese auch im Jenseits noch spüren?
Er machte sich darüber keine Gedanken, denn Wichtigeres stand nun im Vordergrund. Wieder zog er seinen Arm vor, dieses Mal jedoch den rechten. Er zeigte Janay nochmals sein inneres Handgelenk. Dort prangte selbst auf seiner geisterhaften Haut das Zeichen des Hauses Tenebrée, wenngleich es beschädigt schien. Mehrere weiße Narben hatten das Bildnis des schwarzen Sichelmonds auf runder Scheibe zerstört und auch der Hintergrund schimmerte nicht mehr silbern wie auf den Bannern und Fahnen, die Janay am Anwesen gesehen haben mochte. Es wirkte ausgegraut. Kazel hatte viel versucht, dieses Zeichen von seiner Haut zu lösen, ohne dabei einen Teil der Haut herausschneiden zu müssen. Das wäre wohl der letzte und einzige Schritt, sich von seiner morgerianischen Zugehörigkeit zu befreien. Selbst in der Nachwelt blieb sie erhalten, was für den Mischling eine bittere Erkenntnis war.
"Meine Familie ... ist in Morgeria angesehen. Oder das, was von ihr übrig ist. Vermutlich ist meine Tante aktuell noch das Familienoberhaupt", erklärte er nun. "Deshalb ist es wichtig, dass sie uns nicht finden. Wenn sie wissen, dass ich nicht nur lebe, sondern auch zurück bin ... ich genieße keinerlei Privilegien. Sie hassen gemischtes Blut und werden sich Schlimmeres als den Tod ausdenken, um es mich spüren zu lassen, sollte ich in ihre Hände fallen. Du musst ins Leben zurück, Janay, und auf dich aufpassen. Solange bis Firlefitz und HauRuck bei dir sind. Sie kommen, um dich zu mir zu bringen. Dann fliehen wir, sobald-"
Er brach ab. Er konnte nicht fliehen. Noch nicht, also korrigierte Kazel seine Aussage: "Wir fliehen, sobald ich den Auftrag des Gevatters durchgeführt und einige Hybriden vor Misshandlung durch irgendeinen Morgerianer bewahrt habe." Nun befand sie sich auf dem aktuellen Stand. Mehr gab es nicht zu sagen, falls Janay keine Details zu Kazels Vergangenheit wissen wollte. Er fürchtete, dass sie genaudort nachhaken würde.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 13. September 2020, 11:12

In Manthalas Reich der Träume war Schmerz nur eine Illusion. Man verletzte sich niemals wirklich. Man konnte auch nicht sterben, denn dann endete der Traum und die Göttin selbst schickte ins Leben zurück. Doch wer träumte, für den war vieles real und man bildete sich dann auch Schmerzen ein, ohne sie wirklich spüren zu können. Vielmehr war es ein unterbewusstes Wissen, dass - wie in Azuras Fall - das Reißen an Arm und Schulter zwangsläufig Schmerz verurachen müsste. Im Schlaf konnte das Gehirn nicht begreifen, dass Schmerz eigentlich ausblieb und so würde Azura wenigstens keinerlei Verletzungen oder auch nur den Gedanken daran zurück ins Wachsein tragen. Aber dazu müsste sie erst einmal aufwachen.
Ihr Traum wirbelte um sie herum, bis sie endlich fest im goldenen Sattel des gewaltigen Raben saß, der sie durch einen nicht enden wollenden Sternenhimmel trug. Seine kräftigen Flügelschläge verursachten ein sanftes Rauschen und zerschnitten somit auch auf akkustischer Ebene die Stille der Nacht. Nur Eulen wahren in der Lage, gänzlich lautlos zu fliegen. Den Raben kümmerte das nicht. Unter ihnen gab es nichts, was sie hören könnte und auch ringsum existierte nur das tiefe Blauschwarz des Nachthimmels mit seinen glitzernden Sternjuwelen. Einzig die Augen des Vogel glitzerten noch heller, aber auch irgendwie bedrohlicher in ihrem Rubinrot.
Noch im Flug drehte er den Kopf und betrachtete Azura in all ihrer Nacktheit. Jener wurde sie sich augenblicklich auch mehr bewusst als den Erinnerungen an rationalen Schmerz. Es war wie in einem dieser Träume, in denen man vom Privatlehrer des Hauses aufgerufen wurde und von seinem Sitzplatz aufstand, nur um sich nackt vorzufinden ... und sich dann gewahr zu werden, dass sämtliche Adelsfamilien anwesend waren, um die Blöße mitzuerleben.
"Aber ich sehe dich am liebsten nackt", krächzte der Vogel. Er konnte sprechen. Er konnte wirklich sprechen und seine Stimme klang noch dazu sehr vertraut. Wann hatte Azura sie das letzte Mal gehört? Es traf sie fast wie ein Schlag! Zuletzt hatte sie ihren Namen ausgesprochen. Die Stimme, die so angenehm rau klingen konnte, wenn sie ihren Namen sagte. Wenn sie ihn stöhnte, während Azura sich unter dem Besitzer jener Stimme und seinen leidenschaftlichen Stößen räkelte...
Die Erinnerung des wohlduftenden Dampfes, der heißen Quellen, der Felsen und ihrer beider Körper eng aneinander gepresst im wilden Lustspiel stiegen auf. Beinahe war es, als kribbelte ihr Schoß erneut oder kitzelten da nur die Rabenfedern an ihrer Haut? Wind streifte ihr Gesicht, als der Rabe plötzlich nach unten stob und zur Landung ansetzte. Natürlich. Er brachte Azura in ein Nest. Es befand sich hoch oben, auf einigen blattlosen Zweigen, die wie schwarze Gerippe in die Nacht hinein ragten. Das Nest aber hielten sie sehr stabil in ihrem holzigen Griff. Selbst das Gewicht des Raben und ihr eigenes brachten den Zufluchtsort nicht ins Wanken. Das Nest bestand jedoch nicht aus kleineren Zweigen, Schilf und Gräsern, sondern war aus toten Leibern geformt worden. Sie alle trugen weiße Masken, welche Azura entweder mit einem unheimlichen Lachen oder einem traurigen Ausdruck begrüßten.
Sie stand plötzlich. Wohin war der Sattel verschwunden? Ihr goldenes Armband schimmerte in der Nacht und bot genug Helligkeit, dass sie die Umgebung im Auge behalten konnte. Sie hielt ein goldenes Lederband statt des Sattelknaufes und das Ende davon führte erneut zu einem Geschirr gleichen Materials. Es war um den nackten, muskulösen Körper eines Mannes gelegt. Nein, eines Raben! Azura erkannte die schwarzen Schwingen, welche sich nun hinter dem Rücken anlegten. Ein Mann-Rabe! Der Körper war eindeutig der eines Mannes und ansehnlich schön. Die Haut schimmerte fast so schwarz wie das Gefieder. Nur der Kopf blieb der eines Raben mit seinen roten Augen. Weder Füße noch Hände endeten glücklicherweise in Krallen, so dass sein Griff an Azuras Oberarm auch nicht schmerzhaft ausfiel.
"Nimm das", sagte diese vertraut verwegene Stimme und dann löste der Vogelmann seine Flügel vom Rücken, um sie wie einen Mantel um Azuras Leib zu legen. Es war ein Mantel, leicht und weich und warm. Seine Federn schützten sie wie es kein Kleidungsstück konnte. Er trat dicht an Azura heran, dass seine Schnabelspitze drohte, sich an ihre Wange zu schmiegen.
"Lass nicht los", krächzte er und strich mit seiner Hand ihren Arm entlang, bis sie sich auf ihre eigene Hand legte, welche nach wie vor die goldene Leine hielt. "Ich brauche es, um zurückzufinden ... so wie du es gebraucht hast damals. Oder ... willst du mich loswerden?"
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Janay » Sonntag 13. September 2020, 13:43

Es tat gut, von ihm gehalten zu werden, auch wenn sie ihm gerade am liebsten den Hals umgedreht hätte dafür, dass er ihr solch eine Angst eingejagt hatte. Wie konnte er ihr nur so etwas sagen, als wäre das vollkommen normal? Nun ja, für Dunkelelfen war es das ja auch irgendwie und trotz seiner hellen Haut gehörte er ebenfalls dazu. So wie sie...
Nur mit dem Unterschied, dass sie niemals auf den Gedanken gekommen wäre, freiwillig jemanden umzubringen. Es hätte ausreichend Personen gegeben in ihrem Umfeld, die den Tod mehr als einmal verdient hätten, doch nie und nimmer hätte sie es über sich gebracht, selbst Hand anzulegen. Wie also sollte er das können? Was verbarg er vor ihr, dass er dazu fähig wäre?
Angst drohte in ihr aufzusteigen, gemeinsam mit für sie lebenswichtigen Fragen, im wahrsten Sinne des Wortes. Dass sie dabei bei ihrer Muttersprache blieb, war pure Ironie. Sie war sich allerdings dessen nicht einmal bewusst. Stattdessen zeugte es von jenem Vertrauen, das sie ihm wider besseren Wissens entgegen brachte.
Da half auch nicht seine wohltuende Umarmung, bei der sie sich warm und geborgen fühlen könnte, wenn sie sich nicht an diesem unheimlichen Ort befunden hätten. Viel eher mussten die Worte raus und sie sich etwas von ihm lösen, um ihn ansehen zu können dabei.
Seine Reaktion hätte sie beinahe getröstet, weil er so ehrlich überrascht über diesen naheliegenden Gedanken wirkte, jedoch war das Thema viel zu ernst, als dass sie sich so leicht hätte beruhigen lassen können. Viel eher fröstelte es sie oder hatte sie das Gefühl, dass dem so war, sodass sie die Arme um sich selbst schlang und ihre Oberarme mit ihren Fingern umfasste, während er zur Seite sah.
Janay hingegen wagte es lieber nicht, zu diesem unheimlichen Wesen zu sehen, stattdessen senkte sie ihren Blick auf den Bauch des Mischlings. Bis er ihren Namen aussprach und sie wieder in sein Gesicht sah.
Dennoch zuckte sie bei seiner Berührung leicht zusammen, ehe sie sich unbewusst an seinen Handteller zu schmiegen versuchte. Schwer schluckte sie bei seinen Worten und schüttelte leicht den Kopf.
Während er seine freie Hand zwischen sie beide schob, löste auch sie sich wieder ein Stückchen mehr von ihm. Gequält sah sie ihn an und wusste selbst nicht, warum sie sich nicht wirklich besser fühlte. "Woher willst du das wissen?", wisperte sie und schluckte leer. "Wer sagt dir, dass ich in Wahrheit nicht noch viel schlechter und verdorbener bin, als du es dir vorstellen kannst?"
Unter anderen Umständen wäre ihre Bemerkung kokettierend und herausfordernd gewesen, hätte sie es darauf angelegt, das kleine, verruchte Mädchen zu spielen, um daraus Vorteile für sich zu schaffen. Jetzt hingegen meinte sie das völlig ernst und zeigte sich von einer viel verletzlicheren Seite, als sie es sonst jemals jemandem zugestanden hatte. Was machte er nur mit ihr? War das normal bei all den Gefühlsdingen? Hoffentlich wurde das nicht zur Gewohnheit, sonst müsste sie erst recht eigene Wege gehen, um sich davor selbst zu schützen!
Sobald er fortfuhr, hatte sie erneut das Gefühl, gleich in Tränen ausbrechen zu müssen. Sie verstärkte ihren Griff um die eigenen Oberarme und schüttelte entschieden den Kopf. Mit deutlicher Verzweiflung und dem Wunsch nach Glaube im Blick sah sie ihn gequält an.
"Du kennst mich doch nicht einmal! Du weißt kaum etwas von mir und nicht einmal bei dem kannst du dir sicher sein, dass ich dir nicht etwas vormache. Ohne Schauspiel hätte ich die letzten Jahre nicht überlebt!", wehrte sie sich gegen die Wärme in ihrem Inneren bei seinem Geständnis und tat so einiges, um es nicht zu sehr an sich heran zu lassen. Beim letzten Mal war das nicht gut ausgegangen, sondern hatte schlussendlich dazu geführt, dass er sich übergeben und im See einer anderen hinterher gesehen hatte.
Deutlich spürte sie den Arm um ihrem Leib und sträubte sich anfangs gegen seine Kraft, der sie schlussendlich aber nachgab. Es war um einiges einfacher und wohltuender, sich an ihn zu schmiegen und sich der Illusion von Schutz hinzugeben. Ein leises, erleichtertes Seufzen entrang sich ihrer Kehle und einen Moment lang schloss sie die Augen. Wenn da nur nicht so viele Fragen in ihrem Kopf herumgeschwirrt wären!
Seine Antwort ließ sie zusammen zucken und aufsehen, wie von einem Blitz getroffen fuhr sie hoch und starrte ihn ungläubig an. "Der... der... der...?!", stammelte sie und brachte es nicht über die Lippen. Sie schüttelte den Kopf ein weiteres Mal und merkte erst auf, als er eine Gegenfrage stellte.
Verwirrt blinzelte sie ihn an. "Was... was meinst du...?", erwiderte sie verständnislos und fühlte einen eisigen Schauer ihr Rückgrat hinunter rieseln. Beinahe ein Gefühl von Erinnerung, das aber zu geisterhaft war, als dass sie es hätte greifen können. Nicht einmal an einem winzigen Zipfel!
Das machte ihr Angst und löste zugleich etwas anderes in ihr aus. Nach diesem Faden konnte und wollte sie greifen. Also sprach sie es aus und sah auf seinen Arm, den er ihr regelrecht vor Augen hielt. Vorhin hatte sie das Zeichen kaum wahrgenommen, geschweige denn eine Verbindung zu all den Symbolen auf dem Anwesen hergestellt. Doch nun...
Die junge Frau schluckte und fühlte sich mit einem Mal äußerst unbehaglich, vor allem, wenn sie daran dachte, was sie vor ihrer seltsamen Reise hierher gerade erst getan hatte. Ein weiteres Mal schauderte es sie. Trotzdem löste sie langsam eine Hand von ihrem Oberarm und begann, mit ihrem Zeigefinger auf seiner Brust unsichtbare Linien zu zeichnen. Diesen sah sie nach, um ihm nicht in die Augen schauen zu müssen.
"Kazel, ich... ich glaube, wir... wir haben da ein... ein Problem...", murmelte sie unbehaglich, während es in ihrem Kopf arbeitete, wie sie ihm das am besten erklären könnte, was ihr in der Zwischenzeit widerfahren war. "Ich... denke, ich... kann derzeit nicht weg, also... na ja... ich soll gerade vorbereitet werden für... für... die Herrin..."
Jetzt erst hob sie langsam ihren Blick und biss sich schuldbewusst auf die Unterlippe, als müsse sie sich auf eine ordentliche Standpauke gefasst machen. Die sie irgendwie auch erwartete, noch ohne ihm gestanden zu haben, wie genau diese... Vorbereitung aussah.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Azura » Sonntag 13. September 2020, 14:09

Die junge Frau wusste nicht, dass sie träumte. Im Gegenteil, ihr kam es so vor, als wäre all das hier die Wirklichkeit und was sie sonst bislang erlebt hatte, wäre der Traum gewesen. Nicht real und nichts, das in ihrer Erinnerung deutlich hätte haften bleiben können. Trotzdem war da der Hauch von Gefühlen und Ahnungen, der ihr keine Ruhe ließ und ihr trotzdem nicht weiter half.
Wobei sie gerade wenig Zeit und Muße hatte, gezielt darüber nachdenken zu können. Stattdessen wurde sie durch die Luft gewirbelt und landete zielsicher in jenem erstaunlich bequemen Sattel, der zumindest ihre Scham vor neugierigen Blicken verbarg.
Ihr war kalt und zugleich fühlte sie sich so klar wie selten dank der frischen Luft, die an ihr vorbei strömte. Noch nie war sie geflogen und unter anderen Umständen hätte sie es wahrscheinlich genießen können. Im Moment hingegen hatte sie Angst, war verwirrt und fühlte sich auch zornig ob dieser neuen Verwicklungen, in die sie hinein gezogen worden war.
Und all das nur, weil sie einem angeblich kleinen Küken hatte helfen wollen, das offensichtlich gequält worden war! Was hatte sie nun davon? Sie war nackt, entblößt vor seinen Blicken und ihm hilflos ausgeliefert, solange sie sich in der Luft in unbekannter Höhe befanden!
Als wäre das nicht schon genug, starrte er sie an, sodass sie instinktiv einen Arm vor ihre Brüste legte, um sich ein wenig vor seinem Blick verbergen zu können. Natürlich schimpfte sie sofort mit ihm, sie konnte gar nicht anders. Jedoch... irgendwie fühlte es sich vertraut und fast schon ein wenig wohltuend an.
Allerdings hätte sie nicht mit seiner Reaktion gerechnet. Das Krächzen ließ sie leicht zusammen zucken, bis sie den Sinn seiner Worte begriff.
Zuerst wurde sie blass und dann wurden ihre Wangen glühend rot. "Du widerlicher Schuft, untersteh dich! Niemand hat dir erlaubt, mich so zu sehen!", keifte sie und bedachte ihre Lage nicht länger, als sie ihm einen Klaps mit der Hand in den Nacken versetzte.
Bilder einer Erinnerung zuckten vor ihr geistiges Auge und ließen sie leicht erschauern. Sie bewegte sich ein wenig unruhig in dem Sattel und wollte sich umso mehr wieder einkleiden.
Bis er plötzlich herab sank und sie damit überrumpelte. Ein leiser Schrei kam ihr über die Lippen, als sie sich mit beiden Händen hastig an den Sattel klammerte. "Was, bei Ventha...?!", stieß sie keuchend aus und wollte noch mehr sagen, als sie auf einmal auf ihren eigenen Beinen wieder stand.
In einem Nest aus... aus... Azuras Augen weiteten sich, als sie erkannte, was ihren Untergrund bildete. Ein tonloser Schrei vollen Entsetzens entrang sich ihrer Kehle und brannte regelrecht auf seinem Weg. Sie schlug die freie Hand auf ihren Mund, während sich die andere an... an ein Lederband klammerte?
Sie blinzelte, während das Herz in ihrer Brust heftig pochte, und schüttelte den Kopf. Allmählich wurde das hier wirklich absurd!
Kurz rieb sie sich über die Augen, als sie eine Berührung an ihrem Oberarm fühlte. Leicht zuckte sie bei dem Griff zusammen und sah zu dem Übeltäter hin, dessen Anblick ihr den Atem stocken ließ. Und zwar aus zweierlei Gründen. Einerseits, weil er einen äußerst attraktiven Körper besaß, der ihr irgendwie bekannt vorkam und ihre Knie weich werden ließ. Andererseits jedoch, da er keinen dazu passenden Kopf besaß, sondern weiterhin ein Rabenhaupt, dessen rote Augen sie regelrecht zu taxieren schienen.
"Was bist du...?", hauchte sie unwillkürlich und musste mit sich kämpfen, um nicht vor aufsteigender Panik laut loszuschreien. So versuchte sie auch, vor ihm zurück zu weichen, als er sich ihr näherte.
Was hatte er nun wieder vor...?! Doch obwohl sie schon das Schlimmste befürchtete, legte er ihr... sein Federkleid um? Nein, es war ein Mantel, der sie sofort wärmte und den sie unbewusst mit ihrer freien Hand fest um sich geschlungen hielt. Ein vertrauter Geruch stieg ihr in die Nase und obwohl sie es besser wissen müsste, beruhigte er sie ein wenig. Ganz so, als wäre es schon, ausgerechnet seinen Duft wahrnehmen zu können.
Dann allerdings begriff sie allmählich seine Worte. Und auch wenn sie wusste, dass es unsinnig war, sank ihr Mut sofort bei der Vorstellung, er könne nicht mehr bei ihr sein. Heftig schüttelte sie den Kopf und warf sich beinahe schon an seine starke, männliche Brust, um sich an ihn zu klammern, anstatt an den Mantel, den er ihr umgelegt hatte.
"Von was redest du? Wo hinfinden? Lass mich hier bloß nicht allein!", schimpfte sie, ohne verhindern zu können, dass sich in diesen Tonfall auch Flehen und ängstliches Wimmern mischten. Allein der Gedanke, ohne ihm zu sein... in diesem Nest und auch sonst, ließ ihr Herz vor Angst rasen und den Schweiß auf ihre Stirn treten.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 14. September 2020, 10:57

Kazel besaß eine andere Beziehung zum Tod als Dunkelelfen, die Janay kennen mochte. Überhaupt war es sicherlich noch schwer vorzustellen, dass jemand wie er zum Töten in der lage war. Wenn man sich in seinen Armen wiederfand, seinen Worten lauschte und seine Zärtlichkeiten genoss, dann war das auch so. Aber Kazel besaß überdies hinaus noch immer die scharfen Adlerkrallen unter seinen Fingerknächeln, die spitzen Eckzähne mit dem darin enthaltenen Gift, die weitsichtigen Raubvogelaugen und die Raubtierkrallen an seinen Füßen. Man hatte ihn zu einem Mordwerkzeug umfunktioniert, was es glaubhafter machte, dass er dieser Tätigkeit auch nachging. Außerdem fürchtete er sich eindeutig nicht vor dem Tod, sei in Form des endlichen Zustands oder als höheres Wesen, das neben ihnen hockte und gepufften Mais zwischen seine Kieferknochen stopfte!
Kazel behandelte den Gevatter beinahe wie einen skurrilen Onkel, für den man sich ein bisschen schämte, aber bei weitem nicht genug, um ihn aus dem Kreis der Familie zu verstoßen. Er fühlte sich in seiner Nähe sogar irgendwie wohl. Er war beruhigt, so wie es Janay in seinen Armen erging, jedenfalls glaubte er das.
Seine Streicheleinheiten ließen nicht nach. Sie beide hatten hier doch Zeit, wie der Tod es ihnen gesagt hatte. Dann nutzte der Mischling diese auch, um die Nähe der Frau seines Herzens richtig zu genießen. Er konnte ihren Duft fast aufnehmen und hüllte sich in vertraute Erinnerungen, welche ihm lieb und teuer geworden waren. Nur Janay war in der Lage, ihn daraus herauszureißen. Ihre Fragen besaßen ihre Berechtigung. Kazels Vorstellungen waren einseitig. Er gab sich einer Illusion persönlicher Vorlieben hin und lebte vielleicht sogar eine Lüge mit ihr. In seiner Scheinwelt blendete er alles aus, was sie selbst sein könnte.
Doch er blieb ruhig, bis sein Blick zurück auf Janay fiel. "Bist du's?", fragte er stattdessen zurück. "Bist du schlecht und verdorben? Spielst du nur mit mir, Janay? Die einzige, die es mir sagen kann, bist du." Kazel neigte sich etwas vor, bis sie einander tief in die Augen schauen konnten. Er hoffte, Janay würde den ausgesetzten - vielleicht auch nur eingebildeten - Herzschlag von eben ebenso wenig bemerken wie jetzt das wilde Hämmern und Rasen, das er in der eigenen Brust fast schon schmerzhaft wahrnahm. Oder war auch dies nur eine Erinnerung an körperliche Reaktion auf seine Furcht? Kazel fürchtete sich, denn Janay blieb ihm eine Antwort schuldig und sie könnte mit der falschen seine ganze kleine Welt aus Hoffnung und Seelenheil mit einem einzigen Wort zertrümmern. Sie brauchte ihm nur bestätigen, dass er im Grunde nichts für sie war. Ein Zeitvertreib, eine kleine Liebelei und durch einen bösen Zufall der Vater ihres Kindes. Musste sie ihn dafür aufrichtig lieben? Nein und das tat sie auch nicht vollkommen, denn in seinem Hinterkopf klangen ihre Worte aus dem Lager der Hochelfen nach. Sie sagte, sie liebt mich, aber auch, dass sie weiter als Prostituierte arbeiten will... Er erinnerte sich trotz des Katers. Die Worte waren zu wichtig gewesen, als dass er sie hätte ignorieren können. Bislang war es aber gut gegangen, nicht weiter darüber nachzudenken. Bislang. Jetzt durchströmten sie seinen Geist wie schleichendes Gift und pflanzten sich in das Denken des Mischlings ein.
Konnte eine Frau ihn aufrichtig lieben, wenn sie sich weiter nach Liebesspielen mit anderen Männern sehnte? Wie schlecht und verdorben war sie wirklich? Wieviel davon könnte Kazel ertragen, um seine Scheinwelt aufrecht zu erhalten?
"Sag es mir und ich werde es glauben", erwiderte er, auch wenn ihm jedes einzelne Wort nur schwer über die Lippen kam. Was blieb ihm schon anderes übrig? Er konnte sich nur an ihre Worte klammern und er würde es tun. Außer der winzigen Hoffnung auf ihre Nähe und eine Familie ohne Kaltherzigkeit, ohne Mord und Totschlag und wo ein Kind seinen Vater als solchen würde erleben dürfen blieb ihm nichts mehr. Um diese Hoffnung herum bauten sich nur finstere Themen seines Schicksal auf. Morden für den Tod. Das Werkzeug eines höheren Wesen sein. Handeln, ohne Wahl. Morgeria. Seine eigene Familie.
Das Thema schwang zu den Tenebrées um und plötzlich hinterließ Janay einen eher nervösen Eindruck. Kazel stutzte, musterte sie. Was kommt jetzt? Vorbereitet? "Vorbereitet?", wiederholte er seinen Gedanken. "Auf was? Wo steckst du, dass du nicht fort kannst? Firlefitz und sein Ork sind auf der Suche nach dir." Kazel wurde unruhiger, aber keineswegs laut. Vielmehr wuchs seine Sorge. Er kannte seine Familie besser als Janay es tat. Er wusste, wozu sie fähig waren und vor allem, wie sehr sie unreines Blut verabscheuten. Hatte sich in der letzten Zeit etwas daran geändert? Besäße er eine Chance, wenn er ...?
"Ich muss zurück. Wir beide müssen zurück und ich muss dich finden, dich holen kommen. Auch wenn ich mich dafür meiner Tante und dem ganzen Haus stellen muss." Er zuckte, als spürte er bereits die Peitschenhiebe auf seinem Rücken. Plötzlich war es Kazel, dem es frostig kalt wurde. "Pass auf dich auf, ja? Unternimm nichts Unüberlegtes! Fall nicht auf, dann kommen sie auf keine dummen Ideen. Ich beeile mich und rette dich. Ich verspreche es dir!" Ganz gleich, ob sie nur ein Spiel mit ihm spielte oder nicht. Kazel würde nicht zulassen, dass seine Familie diese Frau brach, indem sie sie Folter und Pein aussetzten. Die Tenebrées kannten schlimmere Methoden als den Tod. Kein Wunder, dass er Mischling das skelettartige Wesen nicht fürchtete.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Erzähler » Montag 14. September 2020, 12:15

Was war nur schiefgelaufen? Welchen Gott hatte sie verspottet, um in einem Nest aus maskierten Leichen zu landen, das einem Rabenküken gehörte, welches sich erst zum ausgewachsenen Federvieh entwickelt und nun in einen Halbmann verwandelte hatte, der ihr noch dazu einen Mantel aus kuschligen Federn schenkte? Einen Vogelmenschen, den sie an einer goldenen Leine führte!
Azura kannte keine Gottheit, mit der sie auch nur im Ansatz die Ereignisse verbinden konnte, welche sich gerade hier abspielten, aber alle davon jagten ihr Unbehagen und Furcht ein. Wo war ihr sicheres, geborgenes Leben im goldenen Käfig der adligen Gesellschaft von Andunie hin? Wo waren ihre Eltern, um sie aus jeglicher Konsequenz zu befreien? Wo steckten ihre Diener?
Wie hatte es nur so weit kommen können? Waren dies die Konsequenzen für Sünde außerhalb und noch vor der Ehe? Azura konnte es nicht begreifen. Sie verstand diese Welt nicht, in die sie hineingeworfen war und sie wusste nicht, was es mit diesem Wesen vor ihr auf sich hatte. Dieser halbe Rabe, halbe Mann, der ebenfalls nackt war, flößte ihr zunehmend Angst ein. Sie kämpfte gegen die Panik in ihrem Inneren an. Dabei hatte gerade dieses Wesen ihr bislang kein Leid angetan, von einem Zwacken in ihren Handrücken als Küken einmal abgesehen. Aber da hatte er sich selbst auch nur verteidigt. Jetzt, in seiner aktuellen Gestalt, könnte er ihr doch so viel mehr antun. Schlechtes, wie vielleicht auch Gutes. Abgesehen vom Rabenkopf und den Resten seiner angelegten Schwingen war er durchaus stattlich. Trainiert, das man die Muskeln unter der dunklen Haut sah. Hier und da ließ sich auch eine Narbe ausmachen. Er besaß große Hände, die ihren Hals ebenso schnell zudrücken wie sie in eine liebevolle Umarmung schließen könnten. Oder sie könnten nach ihr packen, sie niederringen und dann würde er sie mit diesem Freude versprechenden Körperanteil zwischen seinen Beinen beglü... Würde er? Vielleicht machte er sich auch gleich über seine Beute her, nun da sie in diesem Nest aus toten Leibern stand und die einzige Flucht ein Sprung in den Tod wäre.
Azura war diesem Wesen vollkommen ausgeliefert.
"Was bist du...?"
Ihre Sicht flackerte. Und dann war der Rabenmann verschwunden. Einfach so. Er hatte sich zwischen einem Wimpernschlag einfach in Nichts aufgelöst. Aber noch hielt sie das goldene Lederband wie eine Leine und es besaß auch einen leichten Zug. Es hing nicht einfach schlaff zu Boden herunter. Folgte Azura dem Band, fand sie an dessen Ende nicht wieder das goldene Geschirr, welches sie dem Rabenmann umgelegt hatte. Nein, da stand ein Junge, klein und schmächtig. Das Kind konnte unmöglich älter als zwei Jahre sein. Es trug nichts am Leibchen, bei dem die Rippen sichtbar durch die Haut schimmerten, so dürr war er. Schmutz klebte an seinen Füßen, reichte bis zu den Knien empor. Azura wollte gar nicht wissen, ob es nun Schlamm, Blut oder sein eigener Unrat war. Das Kind war vollkommen verwahrlost. Ins schwarze Haar mischte sich ein Asche-Ton, der es wie das zerrupfte Kleid einer Nebelkrähe aussehen ließ. Läuse tummelten sich zwischen verfilzten Zotteln und ein Paar spitzer Ohren lugte unter dieser schulterlangen Mähne hervor. Man wollte dieses Kind entweder sofort waschen, in eine Decke wickeln und hochpeppeln oder aber so weit wie möglich Abstand gewinnen, bevor es einen mit den verdreckten Fingern berührte und vielleicht noch eine Krankheit übertrug.
Es weinte, wischte sich mit den Schmutz verkrusteten Fingern über die Augen und ignorierte den Schnodder, welcher von der Nase bereits bis zum Kinn herunter klebte.
Mit aller Macht umfasste eine der kleinen Fäuste das aufgedröselte Ende des goldenen Lederbands. Es war schon so abgegriffen, dass die goldene Farbe davon abblätterte. "Ich möchte nicht mehr spielen. Ihr seid gemein!", wimmerte das Kind, meinte aber wohl nicht Azura. "Lasst mich allein, ihr macht mir Angst!" Es weinte Herz zerreißend auf und klammerte sich nur intensiver an den aufgedröselten Faden. Dann schrie es auf, krähte dabei wie ein wilder Rabe, aber in dem Krächzen lag tiefe Furcht: "Hört auf! Ich will nicht mehr!"
Der akzentreiche Ausruf klang viel zu zauberhaft, als dass man ihm das Leid der Worte zusprechen könnte, aber das Kind klang gequält. Es hatte Angst, mehr noch als Azura und es kauerte sich im Stehen zusammen, umschlang seinen dürren Körper, damit es nicht zu sehr zitterte. "Bitte. Aufhören ... ich will nicht mehr mit euch spielen", brabbelte es.
Dann schwand das Bild. Das Wimmern blieb, aber Azura fand sich nicht mehr neben dem Kind wieder. Stattdessen hatte sie sich zurück an die Gestalt des Raben gewünscht, wie auch immer es ihr gelungen war. Das Kind war fort, der Rabenmann wieder da und sie klammerte sich an seine Brust mit einem tiefen Unbehagen. Auch sie wollte fort. Sie wollte nicht allein in diesem Schrecken zurückbleiben. Der Rabe umschlang sie endlich, mit diesen großen, schönen Händen. Sie spürte die Kraft dahinter, fühlte sich plötzlich geborgen wie nie zuvor. Sie hörte ihn seufzen. Er klang zufrieden.
"Ja", krächzte er leise auf. "Lass du mich auch nicht allein. Und lass mich nicht hier zurück ... Herrin." Sein Schnabel kam ihr viel zu nahe, hob ihr Kinn an und dann konnte sie in dieses große Rubinauge schauen, noch während sein Äußeres sich wandelte. "Bitte verzeih mir alles ... ich will nicht hier bleiben. Azura."
Für gefühlt einen Herzschlag noch konnte sie in das Gesicht des Dunkelelfen blicken, dessen rote Augen voller Furcht und Sorge zu ihr starrten. Für einen Moment noch spürte sie wie Corax sie umschlungen hielt, dann riss eine andere Kraft an ihr, zog sie aus seinen Armen hinaus und in einen Sog aus Licht. Azuras letzte Blicke galten Corax und dem Nest aus maskierten Leichen, in dem er stand. Die Masken der Toten grinsen ihn an, begannen zu lachen und tänzelte unruhig zwischen ihnen umher, während sich winzige knorrige Wesen einen Weg die schwarzen Äste empor bahnten. Sie kicherten und lachten grässlich, so dass es gar nicht zum schönen Klang ihrer Sprache passen wollte.
"Komm! Komm her und spiel mit uns!"
"Komm zurück, wir vermissen dich so!"
"Ein letztes Mal noch, nur ein kleiner Schabernack... warum lachst du nicht mehr mit uns?"
"Rabenschrei, Rabenschrei - NACKEDEI!"

Corax streckte die Hand nach dem Ende des goldenen Lederbandes aus, das im Wind flatterte. Er bekam es gelegentlich zwischen die Finger, aber ob er es greifen und Azura in den Sog aus Licht folgen könnte, blieb ungewiss. Es war das Letzte, was sie sah, bevor die Welt gleißend hell wurde, dass es ihr in den Augen brannte.

Für Azura geht es weiter bei Der östliche Teil Celcias - Das östliche Drachengebirge - Die Zwergenstadt Nogrot - Handels- und Marktviertel -> "Agnes' Arzneien und Allerlei"
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Janay » Montag 14. September 2020, 18:05

Bislang hatte sie ihn noch nie richtig kämpfen gesehen und es fiel ihr in der Tat relativ schwer, ihn sich als Mörder vorzustellen. Auf der anderen Seite trug auch er dunkelelfisches Blut in sich, soweit sie es wusste, und ihresgleichen war zu so vielem fähig, dass einem angst und bange werden konnte. Somit würde sie es nicht grundsätzlich ausschließen, dass er wirklich zu dem werden könnte, was er ihr gerade eröffnet hatte. Von seinen... Zusätzen ahnte sie bislang noch nicht einmal etwas!
Doch auch die Furcht davor, selbst von ihm getötet zu werden, war für sie völlig real. Und dennoch blieb sie auf seinem Schoß sitzen, ließ seine Berührungen zu und unterhielt sich mit ihm, als wäre es nicht das Beste, schreiend vor ihm wegzulaufen. Es war paradox und verwirrend für sie, weil sie sich obendrein nicht erklären konnte, woher dieser Wunsch kam, ihm zu vertrauen und seinen Beteuerungen zu glauben. Aber ihre Zweifel konnte das nicht völlig zum Schweigen bringen.
Seine Gegenfrage indes traf sie und ließ sie einen Moment lang irritiert blinzeln, weil sie nicht damit gerechnet hatte. Viel eher hatte sie instinktiv darauf gewartet, dass er das abstreiten und in ihr nichts anderes als das Beste sehen würde. Nun hingegen konfrontierte er sie damit, dass er ihre Worte als wahrer annahm, als sie es für möglich gehalten hätte.
Ein Hauch von Traurigkeit schlich sich in ihren Blick, ehe sie diesen von ihm abwenden konnte. Dabei zuckte sie mit den Schultern. "Ich weiß es nicht... ich weiß nicht, was ich bin...", murmelte sie langsam und gab sich einen inneren Ruck, um ihn wieder anzusehen.
Entschieden schüttelte sie den Kopf. "Ich spiele nicht mit dir.", erwiderte sie ehrlich und die Erkenntnis sorgte für ein Lächeln auf ihren Lippen. Der Haken daran war lediglich, dass es einen deutlich bitteren Zug hatte und davo zeugte, dass sie es wohl alles andere als leicht in ihrem bisherigen Leben gehabt hatte.
"Die Wahrheit ist, dass du seit meiner Schwester der erste bist, bei dem ich mich nicht ganz verstellen muss..." Zumindest nicht mehr... Die Zeugung ihres Kindes war noch auf einen anderen Blatt gestanden, aber seitdem sie von ihm danach getrennt worden war, hatte sich in ihr etwas verändert.
Etwas, das sie überforderte und ihr zugleich Angst einjagte, weil es sie angreifbar machte. Auf eine Art und Weise, die viel tödlicher enden könnte als körperliche Folter.
Allein schon sein Blick, als er sich ihr näherte, ließ sie schaudern und wegsehen, denn es war ihr unangenehm. Sie mochte derart durchdringende Blicke nicht aus dieser geringen Distanz und obendrein fühlte sie sich gerade regelrecht entblößt vor ihm, nachdem sie so offen zu ihm gewesen war. Mehr, als ihre Nacktheit dieses Empfinden jemals hätte hervor rufen können, denn diese war sie mehr oder weniger gewöhnt.
Nein, die Scham, die in ihr hochstieg und wahrscheinlich auch ihre Wangen färbte, hatte einen anderen Grund, der dafür sorgte, dass sie sich leicht auf seinem Schoß wand. Denn obwohl er sie nicht fesselte mit seiner Umarmung oder sie sonstwie zur Nähe zwang, schaffte sie es gerade nicht, sich wieder von ihm zu lösen und den körperlichen Kontakt zu unterbrechen.
Da war es vermutlich ganz gut, dass sie ein anderes Thema ebenfalls zu beschäftigen begonnen hatte. Wenngleich sie sich auch diesbezüglich nicht mehr ganz so sicher fühlte dabei wie in der eigentlichen Situation. Vorhin, als sie mit dem Soldaten gegangen war, hatte sie sich darauf konzentriert, ihre Arbeit zu machen, und dank der letzten Jahre war ihr das auch recht gut gelungen. Alles, was danach gekommen war, hatte sie gar nicht erst zum Nachdenken kommen lassen.
Umso stärker fiel nun ihr schlechtes Gewissen über sie her, als sie mit Kazel darüber reden musste. Also, über die groben Züge, so... mehr oder weniger...
Sie schluckte schwer und zuckte ratlos mit den Schultern. "Das weiß ich selbst nicht. Sie sagen es mir ja nicht! Sie... na ja, sie sagen nur, ich solle mitmachen, was kommt, damit ich die Herrin nicht verstimme.", erzählte sie wahrheitsgemäß und biss sich noch einmal auf die Unterlippe, ehe sie die Kraft fand, ihn wieder anzusehen.
Mit einem entschuldigenden, verschämten und zugleich auch irgendwie herausfordernden Blick, der ihr nicht einmal mit viel Übung gelungen wäre, wenn sie es nicht so empfunden hätte. "Ich bin im... im Hauptgebäude selbst, glaub... glaube ich. In einem riesigen Schlafzimmer und... ja..." Janay zuckte ein weiteres Mal mit den Schultern und beschloss, die Details besser nicht zu genau auszuführen.
Mit einem Mal hatte es der Mischling jedoch eilig, sodass sie ihre eigene Unruhe zurück drängen konnte. Sie fand sogar den Mut, nach seinen Schultern zu greifen und ihn zu halten, sofern er sich ihr nicht entziehen würde. "Hey, hey, ganz ruhig! Im Moment muss ich nicht gerettet werden... würde ich mal meinen.", schränkte sie ihre eigene Überzeugung ein und verdrängte lieber die Vorstellung einer ungnädig gestimmten Herrin, die ihr schon ansatzweise vor Augen geführt worden war.
"Aufgefallen bin ich ja schon... Ich werde ja gerade vorbereitet und soll der Herrin als neue Muse dienen. Was immer das bedeutet." Sie zuckte mit den Schultern und behielt ihre Ahnungen lieber für sich.
"Auf jeden Fall kann das nur Gutes für uns heißen! So ein reiches Haus, wenn ich da in Lohn komme, wird die Herrin bestimmt nicht knauserig sein. Es wird nicht lange dauern, dann habe ich genug Geld für uns, dass wir schnell wieder verschwinden und weit weg gehen können. Und wenn ich alles zu ihrer Zufriedenheit mache, kann ich auch ab und zu raus und wir können uns sehen. Sie ist so reich, wenn du wieder in der durchlöcherten Decke auftauchst und dich versteckst, wird dich keiner bemerken oder erkennen. Dann können wir reden und ich kann dir sagen, wie viel ich schon erreicht habe!", plapperte sie immer aufgeregter und verdrängte all die negativen Folgen, die noch auf sie warten könnten, sollte es nicht so gut laufen, wie sie es gerade ausführte.
Mit mehr Zuversicht, als es vermutlich gesund für sie war, weil diese nicht auf Tatsachen beruhte und sie es eigentlich besser wissen sollte, fuhr sie fort:"Vertrau mir, ich mach das schon! Außerdem wird mich niemand dort entdecken und verraten können. Talimée ist kein üblicher Name in Morgeria." Diese so wichtige Information, wie sie in dem reichen Anwesen hieß, erwähnte sie so nebenbei, ohne an dessen Wichtigkeit zu denken.
Namen waren Schall und Rauch, oftmals hatte er ihre Kunden gar nicht interessiert. Außerdem war ihr so viel passiert, seit sie aus der Dunkelheit empor geholt worden war, dass ihr diese Wichtigkeit mehr oder weniger entgangen war. Oder der Umstand, dass es ihr durchaus gefährlich werden könnte...
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 17. September 2020, 23:30

Wie gut, dass Janay bei ihm sitzen blieb. Unter anderen Umständen hätte Kazel sicherlich auch sofort auf ihre nackte Nähe reagiert, wie zuvor bei Manthalas Anblick. Doch jetzt beschäftigte ihn zu viel. Er hatte zu viel im Kopf nach seinem Geständnis und Janays Reaktion ... und nach ihrem Geständnis. Vorbereitung? Er verstand nicht, aber was immer es war, es klang alles andere als gut. Schließlich befand sie sich im Anwesen seiner Familie und Kazel bezweifelte, dass seine Tante oder sonst einer der dunkelelfischen Verwandten sich in irgendeiner Weise gebessert hätte. Nicht hier, nicht in Morgeria und nicht, wenn er sich in Erinnerung rief, wie groß das Haus Tenebrée geworden war. Außerdem hatte er im Gegensatz zu Janay den Namen Mandavar Amraén in Erfahrung bringen können. Er kannte diese Person nicht, doch wer nicht wusste, welche Familie sich hinter dem Namen Amraén verbarg, beging in Morgerias Augen gleich Hochverrat. Immerhin handelte es sich um den Familiennamen des dunklen Herrschers persönlich. Dass jener sich aktuell in Pelgar aufhielt, konnte Kazel nicht wissen, obwohl er den Ansturm der dunklen Völker auf die celcianische Haupstadt miterlebt hatte. Dort konnte er im Moment allerdings absolut nichts tun und auch sonst hätte sein Fokus erst einmal nicht darauf gelegen. Hier ging es darum, Janay zu schützen und vor einem schrecklichen Schicksal im Hause Tenebrée zu bewahren. Er konnte und wollte einfach nicht glauben, dass sie dort besser behandelt würde als er. Ihre Haut ist auch nicht so dunkel wie man es gewohnt ist. Ich habe sie auch nicht gleich als Dunkelelfe erkannt. Gemischtes Blut ... das wird Tante Starle niemals konsequenzlos zulassen. Niemals.
Janay musste seine innere Unruhe bemerkt haben, vielleicht in seinem flackernden Blick oder anhand seiner eigentlich unnötigen Atmung, die sich etwas beschleunigt hatte. Er wirkte alarmiert und genau deshalb packte sie ihn wohl bei den Schultern. Kazel schaute sie an und je mehr sie auf ihn einredete, desto mehr weiteten sich seine Augen. Ist das ihr ernst?! Was redet sie denn da? Sie kann nicht so blauäugig sein! Sie...
"Janay ... das wird nicht gut ausgehen, so schön du es dir auch reden willst." Kazel schmulte für einen Moment zum Gevatter herüber. Er würde doch wissen, wenn es mit ihr zu Ende ginge oder nicht? Er hätte es ihm gesagt. Oder er verschwieg es, damit Kazel brav seinen Auftrag erledigte! Bevor aus Vermutungen geborene und dahe3r unbegründete Wut in ihm keimen konnte, antwortete er lieber Janay. Dass er nun auch ins Lerium wechselte, fiel ihm nicht einmal auf. "Das ist meine Familie, von denen du da sprichst. Keiner von ihnen ist gut. Was glaubst du, warum ich nicht mehr hierher zurück wollte? Sie ... hast du meinen Rücken gesehen, Janay? Das waren sie. Das waren meine Mutter und Tante Starle. Die Frau, die jetzt vermutlich Oberhaupt des Anwesens geworden ist. Die Herrin. Sie wird dich nicht als Muse wollen, um dein Leben angenehm zu gestalten. Ich ... ich will dich nicht in ihrer Nähe wissen. Das ist gefährlich. Bitte! Halte nicht an falschen Hoffnungen fest, das kann so böse enden und ... ich ... kann gerade nicht so für dich da sein, wie ich gern würde."
Endlich gestand er es sich ein. Wie sollte er ihr nun auch helfen? Er war bei der alten Kuralla tot umgefallen, im Fieberwahn gestorben oder vor Erschöpfung und Angst einfach umgekippt. Oder von der eingeriebenen Wargpisse. Was auch immer seinen vorzeitigen Tod ausgelöst hatte, nur der Tod würde ihn zurückbringen können. Aber der Gevatter erwartete, dass er sich seiner Pflicht als dessen Todesbote widmete. Janay würde jemand Anderes retten müssen.
Kazel legte seine Arme um sie und neigte sich ihren Lippen entgegen. Eine verzweifelte Tat der Hilflosigkeit. Was könnte er tun, außer abzuwarten? Nichts. Er geißelte sich damit selbst und es schürte all seine Sorge für die Frau seines Herzens. "Ich habe nicht vor, lange hier zu bleiben und ich will auch nicht zulassen, dass meine Familie Gelegenheit bekommt, deiner überdrüssig zu werden. Bitte - fall nicht auf, aber bleib wachsam. Vertraue ihnen nicht. Niemanden von ihnen. Und falls Firlefitz und HauRuck dich irgendwie erreichen können, dann flieh. Nein! Falls du irgendwie fliehen kannst, dann tu es. Auch ohne mich." Kazel suchte Halt in einem Kuss. Seine Lippen bebten, selbst in Geisterform. Er musste schließlich fürchten, dass Janay kein zweites Mal ins Leben geschickt würde, wenn das Schlimmste einträte. Sie arbeitete nicht für den Tod und wie viele Gefallen würde das Skelett ihm selbst noch tun? Nein, darauf durfte er sich genauso wenig verlassen wie Janay es auf die Tenebrées tun wollte - ihn eingeschlossen. Für sie bin ich so nutzlos. Ich kann wirklich absolut nichts tun, als mich zu sorgen. Außerdem fürchtete er noch etwas.
"Was, wenn sie von deiner Schwangerschaft erfahren? Mischlinge sind ihnen allen ein Dorn im Auge, ich bin der beste Beweis. Ich will weder dich noch unser Kind an sie verlieren."
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Gevatter Tod » Freitag 18. September 2020, 12:00

Mit halben Ohr, bzw. gar keinem, denn der Tod besaß im eigentlichen Sinne keine Ohren, hörte der Gevatter teils dem Spektakel auf der Wasserwand zu, teils seinen Gästen. Warum auch nicht? Er war tatsächlich das einzige Wesen dem Raum und Zeit egal war. Er konnte an mehreren Orten gleichzeitig sein und überall seine Nase rein stecken ...wie die Wichtel zur heiligen Nacht.
Und sein Geselle machte sich ganz gut, auch wenn er gerade einmal mehr von seiner Liebe von seinen Aufgaben abgelenkt wurde. Aber Tod hatte Zeit und jede menge Geduld. Alles passierte wann und wo es sollte. So beobachtete er das Mädchen mit den Kupfer schimmernden Haaren und grinste vor sich hin.
„Hätte nicht übel Lust den beiden da drüben mal einen Besuch abzustatten. Ob ich mal... Schau, ...“
Er wandte sich kurz zu Kazel und Janay, aber die hatten kein **Ohr** für seine Belange. Er zuckte mit den Schultern. Es war ihm egal. Sie hätten etwas lernen können, aber wie die Sterblichen nun mal oft waren, sie sahen nur ihre eigenen Probleme. Dass die Lösung manchmal auch wo anders liegen konnte, sahen sie nicht. Also führte er leise seine kleinen Selbstgespräche und lachte ab und an hohl, wenn sich das Gesicht des Mädchen auf der Wasserwand mal wieder in Erstaunen verzerrte.
„...köstlich! ...hat sich mal wieder selbst übertroffen... ...Respekt muss ich ja da doch zollen. So viel Kreativität... Allein dieses goldene Band! Herrlich! Schaut doch, ist wie bei euch... bei euch ist es die Liebe und das wachsende Leben, bei ihr die Kette. Haha. Was für eine Metaphorik!“
Tod klatsche hölzern klingend in die knochigen Hände.
„...und dann die Offenbarung! Schaut euch ihre Augen an! Haha. Wie bei euch. Er der große schwarze Rabe, der ihr seine Macht enthüllt, und hier ihr. Enthüllungen über Einhüllungen. Doch für meinen Geschmack ein bisschen einseitig...“
Tod stützte den kahlen Schädel auf die geschlossene Faust und dachte nach, während das Schauspiel weiter ging.
„Eigentlich ein bisschen unfair... Hm... Er entbößt seine Seele und sie verschweigt ihm so viel.“
Tod sah zu den beiden.
„...gewisse Paralelen...“
Dabei wirkte er nicht besonders amüsiert. Er stand kurz auf, näherte sich der Wasserwand und berührte seinen Schatten der auf die spiegelnde Oberfläche fiel. Sein Schatten verformte sich zu einem schönen jungen Mann, mit blonden Haaren und einem Gesicht, in dass sich so manche Frau spontan verlieben könnte. Sie grinsten einander synchron an und dann drehte sich Tods Schatten um und gesellte sich unter die anderen Jünglinge des Ballabends. Tod setze sich wieder und neigte sich leicht zu Kazel als er flüsterte:
„Das ist **John Blackthorn**. Hübsch nicht war? Ich benutze dieses Abbild manchmal um Streuner einzufangen. Wie findest du ihn? Meinst du die Kleine würde sich auf ein Rendezvous mit ihm einlassen?“

(Inspiration)

Da Kazel aber grade nur Augen für seine Liebste hatte, blieben die Fragen unbeantwortete und der Tod hatte auch nicht ernsthaft seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, sonst wäre es ihm sicher gelungen. Er machte seine Späßchen und lachte hohl, als der Riesenrabe plötzlich mit dem Mädchen davon flog. Das Bild veränderte sich und sein Schatten **John Blackthorn** blieb allein auf dem Ball zurück.
„...da wurde ich doch wieder ausgetrickst...“
Der Tod nahm es jedoch gelassen, wirkte sogar amüsiert als er grinsend zur Wasserwand flüsterte:
„Deine Zeit kommt noch. Spiel noch ein bisschen mit mir. Doch eins ist sicher. Nicht ist so gewiss wie der Tod... der Tod und die Steuer.“
Abermals erklang hohles Lachen und das Skelett schlug seine Beine übereinander und genoss den Rest der Vorstellung sichtlich. Da jedoch das Ziel seiner Aufmerksamkeit den Ort gewechselt hatte und nun sich in einem Nest verlustierte und der Ballsaal ungenutzt zurück blieb, drehte der Schatten des Todes dort einige Runden und kehrte dann zu seinem Besitzer zurück. Was blieb war jedoch das Bild auf der Wasserwand, dass sich abermals für die Darstellung geteilt hatte und nun an manchen Stellen überlappte. Sicherlich unbemerkt von Kazel und Janay ließ Tod nun sein eigenes Programm laufen und tanzte auf dem fremden Ball. Er amüsierte sich. Mit **halben Ohr** hörte er jedoch zunehmend den Offenbarungen seiner Gäste zu und neigte sich ein wenig näher, wenn gleich er weiterhin die Wasserwand betrachtete. Tatsächlich hatte sich auch der Stuhl auf dem Kazel zuerst allein und dann mit Janay gesessen hatte verändert. Er war etwas in die Breite gegangen und hatte mehr Poster entwickelt, so dass das Pärchen genug Platz für ihre Umarmung hatte. Tot lauschte dem Geschehen hier und drüben und zu sich selbst murmelnd gab er leise von sich:
„...etwas unfair... aber das kann man ändern. Geben wir doch mal der Wahrheit die Ehre...“
Dann wischte er durch die Luft und die Wasserwand teilte sich abermals auf. Ohne einen weiteren Kommentar des Gevatters zeigte die Wand nun zwei weitere Szenerien. Im Unterschied zu der Linken, die sich bewegte, standen Mitte und Rechts still.

Auf der Mitte war Kazel zu sehen, wie er seitlich neben einer Wachwanne entkräftet zusammen gebrochen war. Eine in der Bewegung eingefrorene uralte Goblinfrau stand unweit neben ihm und hatte gerade den Blick abgewandt – war die hässlich!

Auf der Rechten lag Janay in einem von Seide umhüllten Bett und zwei Köpfe drängten sich in ihrem Schoß zusammen. Janay hatte sich sicherlich noch nie bei einem Orgasmus selbst beobachtet, aber das dies einer war, war mehr als offensichtlich.

Vielleicht hatten die beiden die Veränderung der Wasserwand noch nicht einmal bemerkt. Sie hatten ja auch viel zu bereden. Und da Janay gerade erst ihren **Decknamen Talimée** erwähnt hatte, kroch Kazel sicher ein eisiger Schauer über den Rücken. Er hatte Firlefitz los geschickt um nach seiner **Janay** zu suchen. Von Talimée war nicht die Rede gewesen und so war zu befürchten, dass diese kleine Lüge seitens Janay schon wieder neue Probleme bringen könnte. Dann war da auch noch ihre Schwangerschaft, die tunlichst geheim bleiben sollte. Die Situation spitze sich zunehmen zu und die Angst vor seiner Familie, vor seiner Tante Starla, die in seiner Erinnerung auch nicht gut weg kam, sie nahm stetig zu. Was hatte sie damals eigentlich für eine Rolle gespielt? Die Folterungen waren stets von seiner Mutter ausgegangen, aber Starle hatte ihm auch nie geholfen. Sie hatte zugesehen. War dies nicht genauso schlimm? Auch als das Geheimnis seiner Haut ans Licht kam und das damalige Familienoberhaut die Villa stürmte, da hatte sie sich nicht gewehrt. Plötzlich waren die Erinnerungen wieder so nah.
… Preia kniete noch immer zu den Füßen des Oberhaupts, nicht imstande, eine Lösung für ihr Problem zu finden. Da meldete sich Starle zu Wort und trat an ihre Seite.
„Es gäbe eine Möglichkeit, herauszufinden, ob Kazel der Bastard des Waldelfen-Sklaven ist oder ob es sich um einen Zufall handelt, dass sein Äußeres uns so fremd erscheint, er im Inneren aber ein wahrer Tenebrée ist.“
„So sprich und teile uns deinen Vorschlag mit, wie sonst sollen wir darüber urteilen?“
Starle genoss förmlich die ganze Aufmerksamkeit und auch den Schrecken in Kazels Augen, als sie zu ihm hinüberblickte und die Aufgabe verkündete:
„Er wird den Sklaven töten müssen.“
Ein Raunen ging durch den Saal, überall tuschelten die Dunkelelfen miteinander. Dies war wirklich ein hervorragender und sadistischer Auftrag.
„Ich verstehe“
, meinte das Oberhaupt.
„Wenn dieser Waldelf wirklich Kazels Vater ist, so wird der Junge nicht imstande sein, ihn zu töten, denn ein Teil von ihm wäre genauso weichlich wie diese schwächlichen Waldelfen. Ist er aber einer von uns, so wird es ihm ein wahres Vergnügen sein, diesen Abschaum auszulöschen, der sich schon viel zu lange unter uns befindet.“
Das Oberhaupt rief seine Wachen herbei.
„Gebt dem Jungen einen Dolch! Er soll zeigen, ob er der Aufgabe gewachsen ist.“ ...

Der Rest verschwamm in Kazels Erinnerung, doch der Blick seiner Tante blieb. Sie war so ruhig gewesen, so beherrscht...

Gevatter Tod hatte wirklich einen makaberen Humor, aber er stand auf Wahrheit. Aber vor allem, mochte er seinen Lehrling und seine Liebste. Sonst hätte er wohl den beiden nicht die Möglichkeit geschenkt sich außerhalb von Zeit und Raum zu begegnen und sich abzusprechen. Auch wenn Kazel gerade nicht sehr handlungsfähig war, so hatten sie durch seinen kumpelhaften Arbeitgeber Tod einen gewaltigen Vorteil.
Sie konnten Wissen teilen.
Kazel warnte Janay in diesem Haus niemanden zu vertrauen. Seine Tante Starle hatte er sogar namentlich erwähnt. Er kannte das Haus und seine Schleichwege. Das Wissen seiner Kindheit musste doch zu etwas nutze sein. Und das Bett...in dem Janay lag...die Schnitzereien... das war das Bett in dem er seine Mutter umgebracht hatte. Es hatte andere Wäsche, die Vorhänge waren erneuert worden, aber es war der Ort seines zweiten Mordes in dem sich nun seine Liebste rekelte.

Tod betrachtete seinen Schützling und dachte laut nach:
„Weist du eigentlich, dass Zeit alle Wunden heilt?“
Sein lipploses Grinsen und seine leeren Augenhöhlen sahen in an. War das der Hinweis, den Kazel brauchte? Bisher hatte er seine Zeit nur eingesetzt um eben jene zu verlangsamen. Aber der Gevatter hatte ihm auch schon bei Janay gezeigt, wie machtvoll Zeit sein konnte. Die Pfeilwunden waren verschwunden, als wären sie nie da gewesen. Konnte Kazel sich eigentlich selbst heilen?
Tod grinste, als hätte er den besten Scherz seines unendlichen Lebens gemacht.
„Was nützt mir ein Lehrling der immerzu krank und japsend am Boden liegt. Tu was für dein Geld... Hm... Ich bezahle dich ja nicht im eigentlichen Sinne... also tu was für deinen Sand! Los! Hopp, hopp.“

Janay und Kazel fühlte bei seinen letzten Worten einen gewissen Sog einsetzen. Ein paar Sekunden in dieser seltsamen Welt würden ihnen noch bleiben um sich auszutauschen, dann würde Tod sie aber wieder zurück schicken. Der Sand unter ihnen geriet schon langsam in Bewegung, aber noch war die schicke Couch auf der sie zusammengekuschelt saßen nicht darin versunken.
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Janay » Samstag 19. September 2020, 20:02

Auch in ihrem Kopf arbeitete es kräftig, sodass sie keinen Blick für seine Nacktheit hatte. Und selbst wenn, was hätte sie deswegen tun sollen? Ob ihrer eigenen Blöße empfand sie keine Scham und bei seiner war es nicht so, als dass sie vor Verlegenheit gleich im Boden versinken müsste. Obendrein stand ihr im Moment nicht der Sinn nach seinen Zärtlichkeiten und jenen, die sie ihm noch beibringen müsste. Erst recht nicht, da sie davon ausging, dass er ihr zugetan war, sodass sie ihn nicht über diesen Weg für sich gewinnen musste, um sein Interesse wach zu halten.
Also hatten sie Zeit und Interesse daran, die Informationen auszutauschen, die sie bislang für sich hatten behalten müssen aufgrund mangelnder Gelegenheit. Allerdings war es für sie alles andere als einfach zu verarbeiten, was sie zu hören bekommen hatte, sodass sich für sie allmählich eine nicht unbedeutende Frage zu stellen begann.
In diesem adeligen Anwesen würde sie sich nicht vollständig sicher fühlen können, das war ihr zuvor schon klar gewesen. Nun war sie jedoch auch unsicher, ob es diesen Schutz tatsächlich in seinen Armen geben würde. Nachdem er zum Mörder werden sollte...
Trotzdem versuchte sie, ihn zu beruhigen und ihm zu verdeutlichen, was für sie in der nächsten Zeit wichtig sein müsste, um für ihrer beider Vorankommen etwas beitragen zu können. Nur... schien er das nicht begreifen zu wollen oder zu können, denn seine Reaktion war alles andere als erfreulich für sie.
"Und welche Familie unserer Art ist schon gut zu ihren Kindern?", gab sie mit einem unterkühlten Tonfall zurück und verriet damit unbewusst mehr über ihre eigene Vergangenheit, als sie es vorgehabt hätte. Denn auch sie war in keiner besonders warmherzigen, geborgenen Umgebung aufgewachsen. Davon zeugte schließlich ihr Weglaufen mit 14 Jahren, um sich im Anschluss freiwillig als Prostituierte zu verdingen!
Auch wenn ihr zu ihrem Glück bei weitem nicht so Schlimmes widerfahren war wie ihm, war auch ihre Kindheit nicht schön gewesen. Trotzdem war sie nicht so blauäugig, wie er sie gerade darstellte, sondern hatte durchaus im Hinterkopf, dass sie vorsichtig sein musste. Ganz gleich, was sie in den Armen der Zwillinge zuvor noch zugelassen hatte.
"Und was sollte ich deiner Meinung nach tun? Mich bockig stellen und darauf vertrauen, dass sie mich nur vor die Tür setzen?!", hielt sie ihm vor und verschränkte die Arme vor der Brust, ohne daran zu denken, dass sie diese damit betonte. Ihre Miene verschloss sich und in ihre Augen trat ein trotziger Ausdruck. Auch richtete sie sich auf und lehnte sich leicht zurück, um etwas Distanz zwischen ihnen beiden zu schaffen.
Entschieden schüttelte sie den Kopf. "Ich bin nicht dumm, aber ich will überleben! Also werde ich mitspielen und so viele Vorteile wie möglich für uns heraus holen. Das ist mir allemal lieber, als die Bestrafung der Herrin zu riskieren, weil ich mich gegen ihren Willen auflehne. Eine Bestrafung... Das ist etwas, das ich bestimmt nicht herausfinden möchte!", fuhr sie wie ein bockiges Kind fort, dem man das Spielen vor der Tür mit den Freunden verbieten wollte, nur, weil es schon recht spät am Tag war. Um ihren Entschluss noch zu unterstreichen, drehte sie beleidigt den Kopf von ihm weg.
Dabei konnte sie im Augenwinkel erkennen, dass sich auf dieser seltsamen Wasserwand etwas geändert hatte. Irgendwie... erschien es ihr, als wäre es nicht mehr lediglich eine Szenerie, die darin gezeigt wurde. Bei einer bewegten sich die Figuren dahinter, während die anderen beiden eingefroren zu sein schienen. Sie drehte sich noch etwas weiter, um es genauer erkennen zu können.
Täuschte sie sich oder war in der Mitte Kazel zu erkennen? Janay war sich nicht völlig sicher. Wie, als könne das dritte Bild es ihr bestätigen, schielte sie dorthin und... musste schwer schlucken, als ihr bewusst wurde, was da zu sehen war.
Rasch drehte sie ihren Kopf wieder zu dem Mischling, öffnete schon den Mund, um etwas zu ihrer Verteidigung zu sagen, da er das sicher auch gesehen haben musste. Doch in diesem Moment führte ihre Bewegung dazu, dass sich ihrer beider Lippen trafen. Einen Atemzug lang erstarrte sie, ehe sie weicher wurde und ihren Mund für ihn öffnete, um seiner Zunge Einlass zu gewähren, sollte sie sich diesen Weg suchen. In diesem Punkt der Intimitäten waren sie beide ungeübt und könnten noch viel miteinander üben.
Was er gerade nicht vorhatte, denn er sprach schon wieder. Leise und etwas genervt seufzte sie und verdrehte die Augen. "Du vergisst, auch ich bin eine Dunkelelfe, egal, wie hell meine Haut ist. Ich weiß, wie es unter unseresgleichen zugeht.", schalt sie ihn und schüttelte erneut den Kopf. "Ich bin vorsichtig und weiß, worauf ich mich einlasse. Erst recht, weil sie mich für eine Mischung aus Wald- und Nachtelfe halten."
'Zumindest größtenteils... und beim Rest habe ich nicht wirklich eine Wahl, als mitzumachen...', fügte sie in Gedanken hinzu und hütete sich, ihre eigenen Zweifel auch nur im Ansatz zu erwähnen. Das würde bestimmt nur wieder zu Vorhaltungen seinerseits führen und darauf konnte sie verzichten. Sie musste von ihrem eigenen Handeln überzeugt sein, sonst würde sie sich wirklich allzu rasch bei jeglicher möglichen Folterung wiederfinden!
Erneut ließ sie sich von ihm küssen und musste sich noch etwas anhören von ihm. Langsam zuckte sie mit den Schultern, denn dieser Punkt war einer, der sie ebenfalls äußerst beunruhigte. "Sie wissen, dass ich nicht mehr unberührt bin. Ich muss also Acht geben, dass sie es nicht zu früh erfahren, und ich bei der Geburt nicht mehr bei ihnen bin.", meinte sie und bemühte sich um Gelassenheit in ihrem Tonfall.
Sie durfte sich nicht zu viel damit beschäftigen, um keine Angst zu haben und dadurch Fehler zu machen. Es war schon schlimm genug, wie leicht sie zu einem heftigen Orgasmus zu treiben war von diesen fachkundigen Frauen! Da durfte sie sich keine weiteren Schwächen erlauben!
Aufgrund ihrer Konzentration auf ihren Freund hingegen hörte sie nicht zu, was dieses unheimliche Skelett an ihrer Seite von sich gab. Was sie jedoch nicht ignorieren konnte, war das Gefühl, als würde jemand kräftig an ihr ziehen und sie aus Kazels Armen reißen wollen. "Was...?!", entkam es ihr und ihre Augen weiteten sich. Instinktiv griff sie nach seinen Schultern und versuchte, sich daran zu klammern.
"Was passiert hier?!", setzte sie hinzu und richtete diese Worte allein an den Mischling, von dem sie auch Antworten erhoffte. Schließlich kannte er sich hier aus! Oder etwa nicht...?
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 19. September 2020, 21:31

Der Gevatter konnte einem schon leid tun. Da lud er beide Elfen ein, sich mit ihm ein Drama-Spektakel bester Güte anzuschauen und sie hatten nur Augen füreinander. Selbst dann, als er das Spiegelbild teilte und so die eingefrorenen Ausschnitte von ihnen beiden offenlegte. Sowohl Janay als auch Kazel hatten zunächst keinen Blick dafür. Wie auch? Er zeigte sich besorgt, was Janay im Haus seiner Familie blühen könnte. Im Gegensatz zu ihr hatte er nicht viel von ihrer Vergangenheit erfahren. Sie hätte ebenso behüteter aufwachsen können. Das einzige, was er im Grunde von ihr wusste, war ihr Wunsch, weiter als Prostituierte zu arbeiten und dass sie eine Schwester besaß, der sie offenbar sehr vertraute. Kazel hatte das nicht, so stufte er für sie zumindest weniger Gefahr durch die eigene Verwandtschaft ein. Nicht, dass er ihrer beiden Familien vergleichen wollte! Aber er kannte seine und bezweifelte, dass sie sich im Laufe der drei Jahre, die er nun fort gewesen war, maßgeblich geändert hätte. Selbst seine Erinnerungen, die plötzlich durch seinen Kopf geisterten, konnten nichts daran ändern. Seine Tante mochte sich zurückgehalten haben, aber es waren ihre Worte gewesen, die ihn zum Mörder gemacht hatten. Vielleicht um sich selbst zu retten, doch Kazel war sich sicher, dass es einen anderen Weg gegeben hätte. Vielleicht sogar einen, bei dem sein Vater nicht hätte sterben müssen und erst Recht nicht durch seine Hand. Außerdem hatte sie ihm auch nicht geholfen und das verurteilte er. Tante Starle war genauso kaltherzig wie ihre Schwester, seine Mutter. Er hasste beide. Er hasste seine Familie und er wollte nur so viel Distanz zwischen sich und sie bringen wie möglich. Dieser Wunsch schloss nun auch Janay ein, wenngleich er plötzlich einen kleinen Riss erhielt.
Kazel starrte sie an. Er konnte nicht so recht begreifen, was sie da sagte und es verletzte ihn mehr, als er sich dessen bewusst war. Er zweifelte nicht daran, dass auch sie mit einer gewissen Erfahrung an alles heran ging, aber - wieder - sie kannte seine Familie nicht so gut wie er. Sie schlug jegliche Warnung seinerseits aus und gebärdete sich eher wie ein trotziges Kind, anstatt die Sorge in seiner Haltung zu erkennen. Sie bat ihn stets, ihr zu vertrauen, schien aber nicht bereit, es ihrerseits zu tun bei einer Sache, bei der er eindeutig bessere Erfahrungswerte aufweisen konnte. Denn Kazel wüsste nicht davon, dass Janay es jemals mit seiner Familie zu tun bekommen hätte.
Er schluckte leer und als er dann bei ihrem Umdrehen selbst einen Blick auf den dreigeteilten Spiegel werfen konnte, da musste er wohl froh sein, aktuell nicht sein Herz zu brauchen. Ansonsten hätte es für mehrere Schläge ausgesetzt. Seine Augen weiteten sich noch mehr, als er hier den derben Unterschied ihrer Situationen vorgeführt bekam, in denen sie sich befanden ... zusammen mit der Erkenntnis, dass Janay offensichtlich ihre Lage mehr als prächtig unter Kontrolle hatte.
Kazel meinte, ein Klirren tief in seinem Inneren zu spüren und erstmals fröstelte es ihm richtig Strand des Gevatters. Janays zufälliger Kuss half da nun auch nicht. Er erwiderte ihn nicht einmal, sondern ließ es nur geschehen. Sie hatte so glaubwürdig versichert, sie spielte nicht mit ihm. Warum aber fühle ich mich gerade verraten? Er befeuchtete sein Lippen mehr reflexartig, schmeckte etwas von ihr und ließ wieder von der Geste ab. Gerade wirbelten seine Gedanken und obwohl er bequem saß, glaubte Kazel, den Boden unter sich zu verlieren.
Warum wussten es alle stets besser als er? Warum waren seine Sorgen fehl am Platz, seine Warnungen Vorhaltungen und weshalb schien er stets gezwungen zu sein, die Füße still zu halten, außer man schubste ihn quasi in seine Aufgabe. Eine Aufgabe, die nicht er entschieden hatte, zu tätigen. Und auch dieses Mal blieb ihm scheinbar keine Wahl. Er musste Janay machen lassen und hinnehmen, dass sie seine Warnungen einfach nicht so ernst nahm wie sie es besser sollte. Etwas, das ihm nur noch mehr Sorgen bereitete, selbst bei dem Anblick dieser beiden Köpfe zwischen ihren Beinen auf einem Drittel der Spiegelwand.

Des Gevatters nachdenkliche Worte drangen an seine Ohren, als hätte er sie mit einem Eishauch hinein gesprochen. "Weißt du eigentlich, dass Zeit alle Wunden heilt?" Soll ich also wieder warten? Bis der Schmerz vergeht, den ich gerade spüre? Bis Janay sich ihren Weg aus dem Anwesen der Tenebrées allein gebahnt hat? Soll ich nichts unternehmen? Wird es dann besser? Wenn ich mich einfach heraushalte und ... Kazel schaute den bleichen Schädel direkt an und wich somit Janays Blicken und gänzlich auch ihren Fragen aus. Er hätte sie ohnehin nicht beantworten können und rechnete damit, dass sie im Grunde seine Argumentation gar nicht hören wollte. Sie wusste es besser. Das taten sie alle. Und er würde sich zurückhalten, warten. ... deinen Auftrag erledigen und Wunden heilen lassen.
Kazel schluckte. Er fühlte sich im Moment wirklich nicht mehr sehr lebendig und hätte nun wohl ein Stundenglas gebraucht, das mehrfach größer war als jenes, das er in seiner Handfläche manchmal spüren konnte. Wenigstens hatte der Tod ihm etwas mehr Sand gewährt - ganz so als erwarte er dessen Einsatz.
Janays gekeuchter Laut riss ihn nicht aus seinem Gedankenchaos zurück, wohl aber der Sog, den er plötzlich verspürte. Man schubst dich erneut hin und her, zerrt an die. Tanz! Kazel schaute sich um, sah nur noch, wie Janay und er langsam voneinander gelöst und sie von ihm fortgerissen wurde. Er ließ es widerstandslos geschehen. "Ich glaube, es ist Zeit zu gehen", schickte er hier hinterher und erwartete selbst, dass er gleich wieder mit diesem unangenehmen Gefühl und der Erfahrung eines schmerzenden Körpers, der lebte, erwachen würde. Falls der Gevatter nicht noch etwas von ihm wollte. Kazel wartete auf beides. Was blieb ihm sonst?
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Re: Tanz der Toten

Beitrag von Erzähler » Sonntag 20. September 2020, 21:05

"Was passiert hier?!"
, setzte sie hinzu und richtete diese Worte allein an den Mischling, von dem sie auch Antworten erhoffte. Schließlich kannte er sich hier aus! Oder etwa nicht...? Kazel schaute sich um, sah nur noch, wie Janay und er langsam voneinander gelöst und sie von ihm fortgerissen wurde. Er ließ es widerstandslos geschehen.
"Ich glaube, es ist Zeit zu gehen"
, schickte er hier hinterher und erwartete selbst, dass er gleich wieder mit diesem unangenehmen Gefühl und der Erfahrung eines schmerzenden Körpers, der lebte, erwachen würde.

(Janay weiter bei: Das Thenebrée-Anwesen)

(Kazel weiter bei: Die Werkstatt des Goblins Firlefitz)

...
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