Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beinahe schlicht und dennoch prachtvoll ist der Palast Jorsans. Er wirkt fast wie eine kleine Stadt inmitten der Stadt mit all seinen Anbauten und häuserartigen Türmen.
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Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 26. Juli 2018, 23:07

(Zanfar kommt von: Jorsas Palast -> Gemächer der Roten Dame)


Sie wechselten wieder den Gebäudetrakt, und der Nichtgenannte hatte problemlos Gelegenheit, noch einige weitere Schritte seinen eigenen Gedanken nachzuhängen, sofern er es wünschte. Dass er wieder sprach, hatte sich zu diesem Bediensteten noch nicht herum gesprochen oder es interessierte den Mann einfach nicht, jedenfalls wurde ihm kein Gespräch aufgedrängt. Von was für "Besuch" im Schreiben die Rede gewesen war, wusste er bei Nachfrage allerdings nicht - oder gab routiniert höflich vor, es nicht zu wissen.
Der Bote brachte Zanfar zu einer Tür, hinter dem sich ein größerer Besprechungsraum befand, der gemeinhin 'der gelbe Saal' genannt wurde. Der Dunkelelf kannte die Räumlichkeit, denn dort war Chasin öfters zugegen gewesen, wenn der König oder hohe Würdenträger Versammlungen mit mehreren Personen einberiefen. Vom königlichen Pomp abgesehen, wurde der Raum vor allem von einer langen Tafel bestimmt, an der bequem zwanzig bis dreißig Personen Platz fanden und angebaut werden konnte.
Seine Waffen - pardon, Waffe - musste er dieses mal nicht abgeben, auch flankierten keine Ritter die Tür.

Das schien auch nicht nötig. Zum Harax, blinkte und glitzerte das hier an diversen Stellen!
Templer.
Bewaffnet. Mit Novizen.
Inquisitoren.
Eine ganze Abordnung der Inquisition war anwesend, und Zanfar konnte schnell hochrangige Personen wie tatsächlich Almeric Constantin, den Großmeister der jorsanischen Inquisition ausmachen. Ein Mann, der als besonnen und tatsächlich an "dem Guten" in der Welt interessiert galt. Er konnte ebenso feststellen, dass der markante vernarbte Glatzkopf von Gregorius Faust nicht anwesend war, dafür allerdings wohl der Vorsteher der Templer, wie hieß er noch...? Irgendwas mit Licht. Die hießen gefühlt alle irgendwas mit Licht.

Auch seine Majestät war zugegen, nebst zwei, drei Adligen, die Zanfar vom Sehen gutteils kannte, einer von ihnen war der Graf der Wehr. Zusätzlich wuselte natürlich das übliche bedienstete Gefolge irgendwo in den Ecken herum.
General von Pappelhain war nicht anwesend, aber ein jüngerer und als energischer geltender Vertreter, der Raphael von Bersenhag hieß, aber Zanfar hatte sich die militärischen Ränge immer schwer merken können. Er stand im Rang jedenfalls eine Stufe unter einem General und gehörte zum taktischen Stab.
San Walsing schaute auf, als Zanfar den Raum betrat und wirkte deutlich überanstrengt oder er hatte gestern zu lange gefeiert. Vielleicht beides.
Überhaupt sahen den eintretenden Nichtgenannten viel zu viele Blicke ungewohnt direkt an, da nun Chasin nicht die erste Aufmerksamkeit auf sich zog. Aber nicht alle registrierten ihn gleich, es schien gerade hoch her zu gehen:
"... sicher NICHT als diejenigen in die Geschichte eingehen, die sich in höchstem Maße der Befehlsverweigerung schuldig gemacht hätten! Sollen wir hier etwa sitzen bleiben und die Hände in den Schoß legen?!" Eine Faust krachte auf den Tisch. Jemand, der neben Almeric Constantin saß, hatte sich gerade hinreißen lassen und schien sehr in Rage. Dass niemand sich spontan über die Geste empörte oder ihn auch nur mit Blicken maßregelte, sagte genug.
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 30. Juli 2018, 19:41

Zanfar war von sich selbst schockiert – oder besser: Von seiner letzthin andauernden Phase von Unaufmerksamkeit und Unvorsichtig! Wie konnte er nur nicht bemerkt haben, dass der Junge ihm hinterherlief?! Allein schon aus Verlegenheit hielt er die Kommunikation auf einem Minimum und machte dem Boten nur klar, dass er durchaus der Einladung folgen wollte. Dann folgte er schweigend während er sich verzweifelt davon abzuhalten versuchte, über Chasin und den Abschied nachzudenken. Er fühlte sich seltsam taub und ahnte, dass er nicht die beste Verfassung mitbrachte, um sich mit dem scharfsinnigen Anführer der Spione auseinander zu setzen. Alleine!
Eine Stimme im Hinterkopf wollte ihn vor etwas Warnen, als er von seinem Ziel erfuhr, aber seine Gedanken flossen so zäh wie Honig. Kurz vor dem Ziel ging es ihm dann auf:
Warum trifft mich Walsing in einem so großen Raum?
Und dann sah er es.

Templer.
Bewaffnet. Mit Novizen.
Inquisitoren.


Mit aller Gewalt kämpfte der Dunkelelf den Drang nieder, den Raum Rückwärts wieder zu verlassen. Wahrlich zum Harax!
Zum Glück konnte niemand seinem Gesicht das Entsetzen ansehen. Forschend warf er einen Blick durch den Raum.

Eine ganze Abordnung der Inquisition war anwesend, und Zanfar konnte schnell hochrangige Personen wie tatsächlich Almeric Constantin, den Großmeister der jorsanischen Inquisition ausmachen. Ein Mann, der als besonnen und tatsächlich an "dem Guten" in der Welt interessiert galt. Er konnte ebenso feststellen, dass der markante vernarbte Glatzkopf von Gregorius Faust nicht anwesend war, dafür allerdings wohl der Vorsteher der Templer, wie hieß er noch...? Irgendwas mit Licht. Die hießen gefühlt alle irgendwas mit Licht.

Auch seine Majestät war zugegen, nebst zwei, drei Adligen, die Zanfar vom Sehen gutteils kannte, einer von ihnen war der Graf der Wehr. Zusätzlich wuselte natürlich das übliche bedienstete Gefolge irgendwo in den Ecken herum.
General von Pappelhain war nicht anwesend, aber ein jüngerer und als energischer geltender Vertreter, der Raphael von Bersenhag hieß, aber Zanfar hatte sich die militärischen Ränge immer schwer merken können. Er stand im Rang jedenfalls eine Stufe unter einem General und gehörte zum taktischen Stab.

San Walsing schaute auf, als Zanfar den Raum betrat und wirkte deutlich überanstrengt oder er hatte gestern zu lange gefeiert. Vielleicht beides.
Überhaupt sahen den eintretenden Nichtgenannten viel zu viele Blicke ungewohnt direkt an, da nun Chasin nicht die erste Aufmerksamkeit auf sich zog. Aber nicht alle registrierten ihn gleich, es schien gerade hoch her zu gehen:
"... sicher NICHT als diejenigen in die Geschichte eingehen, die sich in höchstem Maße der Befehlsverweigerung schuldig gemacht hätten! Sollen wir hier etwa sitzen bleiben und die Hände in den Schoß legen?!"
Eine Faust krachte auf den Tisch. Jemand, der neben Almeric Constantin saß, hatte sich gerade hinreißen lassen und schien sehr in Rage. Dass niemand sich spontan über die Geste empörte oder ihn auch nur mit Blicken maßregelte, sagte genug.


Zanfar hinderte sich mit Mühe und Not daran, nicht wie eine Katze aufzuspringen, als die Faust auf den Tisch krachte. Seine Nerven waren gespannt wie Drahtseile. Es war NICHT gut, wenn der Raum zurückblickte – vor allem nicht, wenn man ein Dunkelelf in Verkleidung war. Und es gab nur einen Grund, dass der König und Walsing ihn hier haben wollten. Weil er ein Dunkelelf war! Zumindest wollte Zanfar kein Anderer einfallen… nun sie würden die Bombe seiner Identität sicher nicht hier platzen lassen wollen…

Ein immer größer werdender Teil in ihm kratze ängstlich an seiner Selbstbeherrschung und brüllte innerlich: Raus hier bevor sie dich Umbringen!

Er vermisste Chasin … gerade jetzt fehlte sie ihm ungemein! Die Politische Bühne war ein einfaches Pflaster wenn man im Fahrwasser eines Gedankenlesenden Genies schwomm (Und die Meiste Zeit kaum bemerkt wurde). Aber so ganz alleine ohne politisches Gewicht und ohne tieferes Verständnis der jorsaischen Polit-Landschaft…

Vielleicht hätte er mehr zuhören und weniger lustige alternativ Dialoge in die Münder der Höflinge legen sollen. Zumindest hatte er sich ein paar der Namen und Positionen merken können … und den interessanten Konversationen hatte er gelauscht. Wirklich!

… reiß dich zusammen, du wolltest es so! Wenn du ihnen zeigst wie sehr sie dich Einschüchtern, fressen sie dich zum Frühstück!

Frühstück … wie gut das ihm jetzt der Appetit vergangen war, sonst wäre er ziemlich hungrig gewesen.
Ein verrückter Teil in ihm wollte im Licht der Aufmerksamkeit Baden und sich an einem großen Auftritt üben, aber er vertagte einen solchen Plan auf später. Er hatte nicht geschlafen, nicht gefrühstückt und seine Einzige und beste Freundin würde heute Abend auf dem Rücken eines Drachen in die Ferne Reisen. Nicht die besten Voraussetzungen für große Auftritte.

„Welcher Platz ist mir angedacht?“
Raunte er dem Boten zu und machte sich bereit seinen Weisungen zu folgen.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Freitag 3. August 2018, 21:13

„Welcher Platz ist mir angedacht?“, raunte er dem Boten zu und machte sich bereit seinen Weisungen zu folgen. Dieser nickte und erwiderte leise: "Der Edle erwartet Euch bereits." Zweifelsohne war damit san Walsing gemeint, und einer der Bediensteten im Raum trat heran und geleitete Zanfar zu einem Stuhl rechts vom Meisterspion, der offenbar frei gehalten worden war. Der Nichtgenannte bemerkte bei Niklas derweil Francesca, seine stumme Tochter und vor allem wohl vertraute Gehilfin, denn sie stellte ihm nicht nur gerade ein frisches Glas mit Wasser hin, sondern klemmte dabei unauffällig einen kleinen Zettel unter den Glasboden, was der Meisterspion nicht einmal mit einem erstaunten Heben der Braue quittierte.
Zu Zanfars Linken dann wiederum säße ein Stellvertreter des Hofkämmerers, den er vom Sehen flüchtig kannte, dessen Namen er aber bestenfalls ein mal gehört und sofort wieder vergessen hatte.

"Ich weiß nicht, was das hier soll. Wir haben unsere Befehle; und fertig", murrte einer der Templer vor sich hin, während Zanfar vorüber ging, und auch wenn der Dunkelelf nicht jedes Wort verstand, Eines war nach wenigen Atemzügen klar: Die Luft hier drinnen konnte man schneiden. "Pelgar...!", raunte es woanders wütend und mit dumpfem Schrecken, "Wie konnte diese verdammte Brut Pelgar erobern?"

Niklas stand auf, als der Nichtgenannte sich seinem Platz näherte und seine Miene schien sich in diplomatisch versierter Freude aufzuhellen; er deutete eine Verneigung an, als sein Gast nahe genug war und nutzte dabei geschickt eine kurz darauf eintretende Sprechpause der eigentlichen Konversation am Tisch:
"Ah! Ich freue mich, dass Ihr Eure kostbare Zeit erübrigen konntet, hoher Herr Nichtgenannter!"
Zanfar sah kaum hin, konnte aber regelrecht spüren, wie sich mehrere Augenbrauenpaare fragend oder kritisch zusammen zogen und noch mehr Blicke zu ihm gelenkt wurden.
"Wir wollen Euch nicht lange von Euren wertvollen Pflichten abhalten und sind dankbar, dass Ihr uns mit Eurer Expertise zur Seite stehen wollt."
Niklas hatte offensichtlich mit geschickter Steigerung seiner Lautstärke, ohne dass er zu aufdringlich wurde, genau das, was er haben wollte: die Aufmerksamkeit. Das exotische Aussehen seines Gastes trug sicher genauso seinen Teil dazu bei. Mit einem gewinnenden Lächeln, das bei diversen Vertretern des "Besuchs" auf Granit zu stoßen schien, wandte er sich an die Versammelten:
"Euer Exzellenz, hohe Herren und Damen, wenn ich vorstellen darf: Ein Vertreter des sogenannten Ordens der 'Nichtgenannten', welcher im Gebiet südlich von Dessaria seinen Sitz hat und immer mal wieder seine Mitglieder aussendet, um in ganz Celcia Wissen zu sammeln und im Sinne des Guten Notleidenden und Schutzbedürftigen seine Hilfe angedeihen zu lassen. So begleitet dieser Herr seit geraumer Weile die ihnen vielleicht bekannte hohe Dame de Mondragil und dient ihr als Leibwächter."
Zanfar verstand auch hier nicht jedes einzelne Wort, aber locker genug, um zu begreifen, dass er und auch sein Orden vorgestellt wurden. Er registrierte, dass auf jeden Fall Almeric Constantin mit den Informationen vertraut schien: seine Miene blieb gelassen und er nickte nur kaum merklich vor sich hin. Von manchem rangniederen Templer aber schlugen ihm offen Befremdung und Misstrauen entgegen, dafür brauchte er nicht einmal Chasin.
Niklas fuhr nahezu nahtlos fort: "Durch seine Reisen erlangte der Herr Nichtgenannte Wissen über die Völker der Dunkelelfen und Orks, das für uns jetzt von unschätzbarem Wert sein könnte! Deshalb wäre meine Bitte, ob es wohl recht wäre, wenn wir die Gespräche in der Gemeinsprache fortführen?"
Er sah zum König, welcher am Kopfende der Tafel leicht erhöht auf einem thronartigen ausladenden Sessel saß und zustimmend in herrschaftlich verhaltener Geste ein mal die Augen schloß. "Einverstanden", kam es vom Großmeister Constantin, womit das für die ganze Runde beschlossen war. Von irgendwo weiter unten an der Tafel hörten nur Zanfars Elfenohren und wohl direkte Sitznachbarn ein missbilligendes Zischen und kurzes Murmeln, das nicht einmal er verstand.

"Aber bitte..." Niklas bot ihm den Stuhl an und schien damit die Unterbrechung des eigentlichen Gesprächs, das wohl gleich wieder einsetzen würde, zu beenden. Gleichsam blieb just aber auch eine Gelegenheit, der Vorstellung selber etwas hinzu zu fügen, sofern Zanfar das wollte.
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Sonntag 5. August 2018, 20:02

Die angespannte Stimmung im Raum führt zu einem stetigen zwicken zwischen den Schulterblättern des Dunkelelfen. Einzig die Müdigkeit, die sich immer wieder in seine Glieder schleichen wollte, verhinderte, dass er gespannt wie eine Bogensehne da stand.
Die Gesprächsfetzen, die er aufschnappte, deuteten auf Pelgar – was definitiv einer der Gründe für die Anspannung im Raum war. Und möglicherweise war ein weiterer Grund ein Disput über das Vorgehen diesbezüglich?

Niklas stand auf, als der Nichtgenannte sich seinem Platz näherte und seine Miene schien sich in diplomatisch versierter Freude aufzuhellen; er deutete eine Verneigung an, als sein Gast nahe genug war und nutzte dabei geschickt eine kurz darauf eintretende Sprechpause der eigentlichen Konversation am Tisch:
"Ah! Ich freue mich, dass Ihr Eure kostbare Zeit erübrigen konntet, hoher Herr Nichtgenannter!"
Zanfar sah kaum hin, konnte aber regelrecht spüren, wie sich mehrere Augenbrauenpaare fragend oder kritisch zusammen zogen und noch mehr Blicke zu ihm gelenkt wurden.
"Wir wollen Euch nicht lange von Euren wertvollen Pflichten abhalten und sind dankbar, dass Ihr uns mit Eurer Expertise zur Seite stehen wollt."


Oh, das ist zu freundlich. Du verleihst mir mehr Gewicht, als ich habe …

Niklas hatte offensichtlich mit geschickter Steigerung seiner Lautstärke, ohne dass er zu aufdringlich wurde, genau das, was er haben wollte: die Aufmerksamkeit. Das exotische Aussehen seines Gastes trug sicher genauso seinen Teil dazu bei. Mit einem gewinnenden Lächeln, das bei diversen Vertretern des "Besuchs" auf Granit zu stoßen schien, wandte er sich an die Versammelten:
"Euer Exzellenz, hohe Herren und Damen, wenn ich vorstellen darf: Ein Vertreter des sogenannten Ordens der 'Nichtgenannten', welcher im Gebiet südlich von Dessaria seinen Sitz hat und immer mal wieder seine Mitglieder aussendet, um in ganz Celcia Wissen zu sammeln und im Sinne des Guten Notleidenden und Schutzbedürftigen seine Hilfe angedeihen zu lassen. So begleitet dieser Herr seit geraumer Weile die ihnen vielleicht bekannte hohe Dame de Mondragil und dient ihr als Leibwächter."
Zanfar verstand auch hier nicht jedes einzelne Wort, aber locker genug, um zu begreifen, dass er und auch sein Orden vorgestellt wurden. Er registrierte, dass auf jeden Fall Almeric Constantin mit den Informationen vertraut schien: seine Miene blieb gelassen und er nickte nur kaum merklich vor sich hin. Von manchem rangniederen Templer aber schlugen ihm offen Befremdung und Misstrauen entgegen, dafür brauchte er nicht einmal Chasin.
Niklas fuhr nahezu nahtlos fort: "Durch seine Reisen erlangte der Herr Nichtgenannte Wissen über die Völker der Dunkelelfen und Orks, das für uns jetzt von unschätzbarem Wert sein könnte! Deshalb wäre meine Bitte, ob es wohl recht wäre, wenn wir die Gespräche in der Gemeinsprache fortführen?"
Er sah zum König, welcher am Kopfende der Tafel leicht erhöht auf einem thronartigen ausladenden Sessel saß und zustimmend in herrschaftlich verhaltener Geste ein mal die Augen schloß. "Einverstanden", kam es vom Großmeister Constantin, womit das für die ganze Runde beschlossen war. Von irgendwo weiter unten an der Tafel hörten nur Zanfars Elfenohren und wohl direkte Sitznachbarn ein missbilligendes Zischen und kurzes Murmeln, das nicht einmal er verstand.
"Aber bitte..." Niklas bot ihm den Stuhl an und schien damit die Unterbrechung des eigentlichen Gesprächs, das wohl gleich wieder einsetzen würde, zu beenden. Gleichsam blieb just aber auch eine Gelegenheit, der Vorstellung selber etwas hinzu zu fügen, sofern Zanfar das wollte.


Eines musste man Walsing lassen. Dem Mann bei der Arbeit zuzusehen, war ein Vergnügen! Obwohl er offenbar erschöpft war bewies er hervorragendes Timing und formidable Rhetorik – sofern es Zanfar beurteilen konnte.
Geschickt hatte der Meister der Spione den eigentlich unwichtigen Leibwächter einer exotischen Diplomatin zum wichtigen Experten, um dessen Zeit man bitten musste, erhoben.

Heute standen sie auf derselben Seite. Und ein Gegner Walsings zu werden wurde mit den Sekunden unattraktiver. Nicht, dass die Option jemals angenehm gewesen wäre.
Wie war es wohl, seine eigene Tochter in das Ganze hinein zu ziehen? Sicher vertraute ihr Walsing wie keiner Anderen, aber er brachte auch einen geliebten Menschen in Gefahr. Oder empfand der Meisterspion es nicht so? Wie kalt war der Mann, der dort saß, wirklich?

Der Nichtgenannte blieb etwas vor seinem Platz stehen und wartete das Ende seiner Vorstellung ab. Das zwicken zwischen den Schulterblättern wurde deutlicher. Zu viel Aufmerksamkeit potentieller Feinde.

Als Niklas Endete, verbeugte sich der Nichtgenannte einmal tief vor dem König:
„Euer Majestät“,
und dann vor dem Rest der Gesellschaft.
„Euer Exzellenz, hohe Herrschaften.“
Er legte eine kurze Pause ein, um sich dann direkt auf Walsing zu beziehen.
„Es ist mir eine Ehre, Eurer Einladung Folge leisten zu dürfen. Obwohl der Orden der Nichtgenannten um Neutralität bemüht ist, werden meine Brüder und Schwestern sicher die Dringlichkeit der Situation begreifen und verstehen, dass ich mein Wissen mit Euch teilen muss und möchte.“

Eine weitere Kunstpause folgte, dann fuhr er, mehr an alle im Raum befindlichen gerichtet, fort:
„Ich danke Euch, dass ihr bereit seid, in die Gemeinsprache zu wechseln und stehe Euch gerne mit meinem Wissen zur Verfügung.“
Er deutete eine Verbeugung an und ließ sich dann neben Walsing nieder.
Für gewöhnlich hätte er sich an ein paar Scherzen versucht, um die Situation aufzulockern, aber er ahnte, dass er im derzeitigen Moment nur an Glaubhaftigkeit verloren hätte.
Ein bisschen Neugierig und immer noch etwas Nervös harrte er auf die Dinge die da kommen würden.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. August 2018, 22:40

„Euer Majestät..., Euer Exzellenz, hohe Herrschaften.“
Zanfar hatte seine Fassung immerhin so weit behalten, dass er den Grundregeln der Etikette genügte und seine Anwesenheit - mancherorts wohl mit prinzipiellem Murren - allgemein gebilligt wurde. Er sagte zunächst nicht viel und nahm nach einer kurzen Erklärung neben san Walsing Platz, um einen besseren Einblick in die Debatte zu gewinnen. Viel konnte der Nichtgenannte mit seinen wenigen Grußworten nicht falsch gemacht haben.
Oder?
Großmeister Constantin und Templervertreter Licht-irgendwas betrachteten ihn noch für einige Augenblicke, während ein Diener mit einem Tablett schräg hinter Zanfar trat und er sich zunächst wohl zwischen Wasser, Wein oder.. Apfelsaft? entscheiden konnte.
Die gesträubten Nackenhaare wollten sich nicht legen.
Das lag vornehmlich an dem Inquisitor und dem Templer, wie dem Dunkelelf wenig später klar wurde. Ein paar alte, eingestaubt geglaubte Instinkte schienen sich wieder zu melden...
und diese flüsterten ihm zu, dass er wohl doch schon irgend etwas falsches gesagt hatte. Oder zumindest etwas, was den hohen Herren hier nicht unbedingt schmeckte. Zanfar konnte förmlich spüren, wie sie auf ihm und seinen Worten gerade noch herum zu kauen schienen, während die Debatte zunächst hölzern wieder in Fahrt kam:

"Es ist eine Schande, dass der Bote so früh verstorben ist, doch die Befehle, die er mit sich führte, sind eindeutig, Euer Majestät:
'Tod den Ungläubigen! Die heilige Schlacht hat begonnen! Pelgar muss zurückerobert werden!'
Gesiegelt von Großmeister Templici persönlich und damit Gesetz. Die Inquisition Jorsans wird sich diesem Ruf selbstverständlich nicht verschließen! Wir werden die Überlebenden finden, uns mit ihnen zusammenschließen und diesem Affront der Dunklen Brut ein für alle mal ein Ende setzen!"
"Verzeiht", mischte sich der Vertreter Pappelhains, von Bersenhag, ein, "doch dieses 'die Überlebenden finden' klingt in meinen Ohren womöglich gefährlich optimistisch. Wir wissen nicht einmal um die genaue Lage in Pelgar, doch es muss ernst sein, wenn die dunklen Völker sich nicht nur mit den Piraten verbündet und Rugta eingenommen hatten, sondern darüber hinaus auch noch die Kapazitäten hatten, die Hauptstadt einzunehmen. Es sind so gut wie keine Boten zu uns vorgedrungen!
Mal davon abgesehen, dass wir angesichts der Bedrohung durch Grandessa und den durch Morgerias Hauch entstandenen Unruhen kaum die Kapazitäten haben, euch angemessen mit Truppen zu unterstützen, können wir doch nicht einfach blindlings nach Andunie segeln und dann mal gucken, wie wir gegen die Orks und Dunkelelfen zurecht kommen? Mit Verlaub, Euren Enthusiasmus und Eure Befehle in allen Ehren, doch bisher klingen Eure Absichtserklärungen einfach nur naiv und damit zwangsläufig nach einer taktischen Katastrophe!"
Harte Worte, denen für einige Momente eisiges Schweigen folgte.

Darum ging es also: Die Inquisition hatte durch den Boten, von dem Niklas ihm und Chasin bereits so störenderweise erzählt hatte, direkten Befehl erhalten, Pelgar zurück zu erobern. Und nichts würde Großmeister Constantin und seine Getreuen davon abhalten, diesem Befehl Folge zu leisten, so viel stand nach wenigen weiteren verbalen Schlagabtauschen fest.
Den Vorstoß über Land zu wagen, war schlicht Irrsinn, der kaum diskutiert wurde, aber die Gefahr der Piraten, die grandessanische Schiffe nur zu gerne dabei unterstützten, Schiffe auf dem Weg nach Andunie abzufangen, war auch nicht zu unterschätzen. Es schien, dass schon lange kaum ein eigenes Schiff mehr die Meerenge zwischen Andunie und Belfa passiert hatte. Und überhaupt: Truppen mit Schiffen zu verlegen, war seit jeher kompliziert und riskant.
Nach und nach, während er zuhörte, glaubte Zanfar auch zu erahnen, warum Niklas eine düstere Wolke aus Frustration und Erschöpfung zu umgeben schien: er hatte wohl zu lange wesentliche Dinge nicht mitbekommen und sich von "internen" Dingen zu sehr beschäftigen lassen, vor allem die Tragweite und Ursache negativer Entwicklungen unterschätzt.
Ob er seine Stelle bald los war?
Aber was Informationen betraf, schien sich niemand im Raum mit Ruhm bekleckert zu haben.

Die Worte flogen eine Weile hin und her, was Zanfar Gelegenheit gab, Positionen und Verhaltensweise zumindest grob einzuschätzen:
Die Templer im allgemeinen, hier vertreten durch Marcian Lichtenpfad, schienen sich schnöde gesagt darauf zu freuen, die Schwerter zu wetzen, sich im Kampf hervorzutun und damit endlich einmal den hohen Wert der jorsanischen Inquisition, die von Pelgar gerne als zu weich belächelt wurde, zu beweisen.
Großmeister Constantin würde für diesen Befehl ebenfalls in den Tod gehen, strahlte jedoch nicht diese kampfbeseelte Naivität aus, und es schien ihm auch nicht zu schmecken, dass er sich überhaupt zwischen Inquisition und König Richard entscheiden musste - aber er würde mit seinen Leuten alleine gehen, wenn er es musste.
Auf der Seite des Hofes warnte nicht nur san Walsing davor, dass man gefährlich wenig Informationen über die allgemeine Lage hatte. Dem Frieden, dass der Hauch besiegt sein sollte, wollte man scheinbar entweder teils noch nicht recht glauben oder brachte nicht zu Unrecht das Argument hervor, dass die so oder so daraus entstandenen Unruhen nicht bis morgen zu besänftigen waren. Wie stark war aktuell die tatsächliche Bedrohung durch Grandessa? Da teilten sich am weitesten die Meinungen.
Die Militärs, die inzwischen seit Jahrzehnten auf die Verteidigung der Heimat gedrillt waren, taten sich schwer damit, für einen Entsatz nach Pelgar nennenswerte Truppenmengen abzuziehen. Es war aber auch nicht so, dass ihnen Pelgar egal war - der Schock, dass es überhaupt besiegt wurde, saß noch in allen Knochen und löste mal mehr, mal weniger kontrollierte Wut aus.

Als es aber gerade schien, dass mit diesem Sachverhalt im Rücken die Templer mitreißend dazu drängten, die "erschöpften Reste des dummen Orkpacks" postwendend wieder aus der Stadt zu jagen, setzte Niklas dazu an, dem Nichtgenannten den Ball zu zu spielen:
"Herr Nichtgenannter.
Mir ist bekannt, dass Ihr bereits in der Vergangenheit andernorts traurige Erfahrung damit sammeln konntet, was passiert, wenn Dunkelelfen und Orks erfolgreich zusammen arbeiten. Und wie es aussieht, wenn sie die Kontrolle über eine Siedlung übernehmen. Südöstlich von Dessaria gibt es an der Grenze zum Waldgebiet des Arus eine nach dessarischer Manier befestigte Niederlassung, die Holz nach Dessaria liefert, aber mehrfach unter Übergriffen zu leiden hatte.
Ich rufe ungern diese Erinnerungen wach, aber könntet Ihr uns bitte einen sicher wertvollen Einblick geben, wie Dunkelelfen mit besiegten Truppen und der Zivilbevölkerung umgehen?"
"Es gibt bei Dessarieren keine Zivilbevölkerung!", kam ein halblauter fast schon frecher Zwischenruf, der in der momentanen Angespanntheit aber bestenfalls ein belustigtes Schnaufen auslöste.

Eine Niederlassung von Dessaria? Ja, die gab es. Zanfar kannte den Ort, der gerade so groß genug war, um die Bezeichnung "Dorf" kaum noch zu verdienen. Aber sie hatten mehr Probleme mit Schattenelfen. Mit Sabotage bei den Waldrodungen und nächtlichen Übergriffen, was auch der Grund war, warum die Ortschaft nach dessarischer Manier befestigt worden war. Das, wovon Niklas erzählte, hatte entweder stattgefunden, nachdem Zanfar die Gegend schon komplett verlassen hatte, oder der Meisterspion log schlichtweg, um ihm eine passende Kulisse zu schaffen, etwas von seinem Wissen über das militärische Vorgehen von Dunkelelfen und Orks preisgeben zu können...
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Sonntag 26. August 2018, 22:41

Marcian Lichtenpfad und Großmeister Constantin hatte etwas nicht geschmeckt, dass der Nichtgenannte gesagt hatte. Und er hatte eine Ahnung, was es sein könnte. So offen zu sagen, dass er und sein Orden um Neutralität bemüht waren – selbst wenn er äußerte, dass er helfen wollte, kamen bei diesen beiden Männern sicher nicht gut an.

Wäre er der glatte Politiker, den diese Situation vermutlich gebraucht hätte, hätte er das ganze sicher nicht erwähnt. Aber …
… wenn er sich seine Argumente für seine Aussage so durch den Kopf gehen ließ, machten sie immer weniger Sinn.

Er hatte die Neutralität des Ordens unterstreichen wollen, hatte versuchen wollen, seine Person von ihm zu trennen, in der Befürchtung dem Orden sonst zu Schaden. Aber betrachtete er das Ganze in der Revue hatte er dem Orden damit keinen Gefallen getan. Neutralität im Auge einer solchen Bedrohung war tödlich und isolierend – auch wenn die Nichtgenannten starrsinnig genug sein konnten, genau das zu tun.

Und der Kommentar hatte das Potential, einer Person, die zum Großteil in Schwarz und Weiß dachte, gehörig gegen den Strich zu gehen. Für die Anhänger Lysanthors gab es vermutlich nur eine Haltung: Für das Gute, gegen die Dunkelelfen.
Und dann verkündete er ihnen durch die Blume, dass seine Loyalität noch immer den Nichtgenannten gegenüber lag – und er geneigt war, eine neutrale Position zu beziehen. Undenkbar!
Oder er interpretierte ihre Reaktion falsch und es lag an irgendetwas anderem. Er hatte das Spiel schon lange nicht mehr gespielt – und ein Meister war er noch nie darin gewesen.
Interessiert folgte er der Debatte und wählte ein Wasser, als ihm Getränke angeboten wurden.

Die Nachricht, die eingegangen war, und so zielsicher die Anhänger Lysanthors in einen blinden Angriff schickte, weckte in ihm einiges Unbehagen.
Dieses Verhalten würde wunderbar in die Hände des Feindes spielen – eine Tatsache die einigen im Raum klar war – nur leider nicht den Religiösen Fa … Anhänger, die es hätten merken sollen. Gut möglich, dass diese Nachricht mit Zustimmung der Dunkelelfen Jorsa erreicht hatte. Wenn die Männer in den Krieg zogen und vernichtet wurden, würde sich ein kluger Kopf auf die Schulter klopfen können. Erst Pelgar, dann der Rest des schlagkräftigen Arms Lysanthors. Das wäre ein herber Schlag, vor allem auch für die Moral. Wenn Lysanthors Streiter den Dunkelelfen nicht trotzen konnte, wer sollte es dann können?

Und alle vernünftigen Argumente schienen nicht zu zünden … kein Wunder, dass Walsing einen wackligen Joker aus seinem Ärmel zog. (ergo – Zanfar)
Den Spion so in Bedrängnis zu sehen, tat ihm tatsächlich Leid. Er mochte ihn nicht unbedingt, aber er respektierte ihn. Nur dass er durchaus hätte sehen müssen, was sich da an Bedrohung zusammenbraute – wobei, vielleicht auch nicht. Bisher war Morgeria weitestgehend für sich geblieben – und verdammt weit weg.

"Herr Nichtgenannter.
Mir ist bekannt, dass Ihr bereits in der Vergangenheit andernorts traurige Erfahrung damit sammeln konntet, was passiert, wenn Dunkelelfen und Orks erfolgreich zusammen arbeiten. Und wie es aussieht, wenn sie die Kontrolle über eine Siedlung übernehmen. Südöstlich von Dessaria gibt es an der Grenze zum Waldgebiet des Arus eine nach dessarischer Manier befestigte Niederlassung, die Holz nach Dessaria liefert, aber mehrfach unter Übergriffen zu leiden hatte.
Ich rufe ungern diese Erinnerungen wach, aber könntet Ihr uns bitte einen sicher wertvollen Einblick geben, wie Dunkelelfen mit besiegten Truppen und der Zivilbevölkerung umgehen?"
"Es gibt bei Dessarieren keine Zivilbevölkerung!", kam ein halblauter fast schon frecher Zwischenruf, der in der momentanen Angespanntheit aber bestenfalls ein belustigtes Schnaufen auslöste.

Eine Niederlassung von Dessaria? Ja, die gab es. Zanfar kannte den Ort, der gerade so groß genug war, um die Bezeichnung "Dorf" kaum noch zu verdienen. Aber sie hatten mehr Probleme mit Schattenelfen. Mit Sabotage bei den Waldrodungen und nächtlichen Übergriffen, was auch der Grund war, warum die Ortschaft nach dessarischer Manier befestigt worden war. Das, wovon Niklas erzählte, hatte entweder stattgefunden, nachdem Zanfar die Gegend schon komplett verlassen hatte, oder der Meisterspion log schlichtweg, um ihm eine passende Kulisse zu schaffen, etwas von seinem Wissen über das militärische Vorgehen von Dunkelelfen und Orks preisgeben zu können...


Zanfar senkte ob Niklas anfrage demütig das Haupt und musste ein leicht hysterisches Kichern unterdrücken. Wie gut, dass er eine Maske trug.
Er räusperte sich, wobei seine Stimme etwas heiser klang als er leise feststellte:

„Ja, bedauerlicherweise habe ich sie in Aktion erlebt. Meine Erlebnisse in Gänze zu erzählen, würde zu lange dauern, also beschränke ich mich auf das, was ich beobachten konnte -und was mir meine Ordens- Schwestern und Brüder aus ihren Erfahrung mit dem dunklen Volk erzählen konnten.

Orks sind – zumindest die Meisten – definitiv von einfachem Gemüt. Im Kampf ist von ihnen wenig Raffinesse zu erwarten – aber!“
Er hob mahnend einen behandschuhten Zeigefinger

„- dafür sind sie furchtlos und absolut rücksichtslos. Sie sind von Natur aus hochgewachsen und verfügen über außergewöhnliche Stärke und Konstitution. Und lasst euch nicht von ihrer einfachen Natur in die Irre führen. Sie können Befehle befolgen und einem passablem Kämpfer reichen gute Reflexe und Instinkte aus, er muss nicht der hellste sein – vor allem dann nicht, wenn ein kluger Kopf die rohe Kraft der Orks lenkt.

Die Dunkelelfen sind verschlagen und über die Maße grausam. Sie halten ihre Truppen in einem eisernen Griff und lenken sie mit Jahrzehnte – ja sogar Jahrhunderte - langer Erfahrung. Moral und Ethik scheinen ihnen ein Fremdwort und sie verhalten sich entsprechend. Folter, Vergewaltigung, Mord, Verstümmelung … von Sklaverei ganz abgesehen. All das liegt in ihrem Repertoire und wird so angewandt, als gehöre es zum guten Ton. Ich hatte gar den Eindruck, dass sie einen humaneren Umgang mit ihren Feinden …“ und ‚Mitmenschen‘… … „als schwäche auslegen.

Diejenigen, denen ich begegnete, waren Räuber und Wegelagerer – zugegeben, die effektivsten und diszipliniertesten, denen ich bisher begegnet bin, aber trotzdem nur das.
Eine Armee, die so viele Erfolge nachweisen kann, wird ein gänzlich anderes Kaliber haben. Ihr müsst kalte, grausame Berechnung erwarten, und einen Gegner, der nach jedem dreckigen Trick greift, der sich ihm bietet. Diese Brut verachtet alles, was nicht ihrem eigenen Volk angehört – oder als Verbündeter dient - und behandelt den Gegner kaum besser als Vieh.

Der Feind sind Tote und Sklaven, die von ihrem ‚Glück‘ noch nichts wissen.

Wenn ihnen Templer und Anhänger Lysanthors in die Finger geraten, werden sie alles dafür tun, sie zu brechen. Jeder, der in der Schlacht fiel und nicht gefangen genommen wurde, kann sich glücklich schätzen. Die Gefangen werden nicht mehr sein als ausgebrannte Hüllen. Ein so verdorbenes finsteres Volk wird sich nicht die Chance entgehen lassen, seinen Feind zu demütigen und zu verhöhnen.“

Zanfar warf einen Blick auf seine Hände. Trotz der Handschuhe, die er trug, waren sie kalt geworden und er verschränkte sie verkrampft miteinander, damit sie nicht zu zittern begannen.
Er erschreckte sich selbst, weil er jedes Wort meinte, wie er es sagte. Und er schloss den Mann, der er einst gewesen war, mit ein. Monster. Die Dunkelelfen konnten solche Monster sein.

„Pelgar sieht großem Schrecken entgegen – und wenn Eure Brüder nicht mit jedem Grundsatz, für den sie stehen, brechen, werden sie früher oder später in Feindeshand geraten. Vor allem da ich mir vorstellen könnte, dass man explizit nach ihnen sucht. Faldor ist neben Manthala eine der populärsten Gottheiten des Volkes Morgherias. Und in Pelgar bietet sich ihnen die Möglichkeit seinem Gegenspieler, Lysanthor, einen schweren Schlag zu versetzen.“

Er rang mit sich, weil seine Lippen mehr als das erfragte verlassen wollte. Man hatte ihn nicht gebeten, seine Meinung außerhalb von Erfahrungen mit Orks und Dunkelelfen abzugeben, aber er musste etwas weiteres los werden.

„Ich verstehe, dass gerade für Euch, ehrenwerter Herr Marcian Lichtenpfad und Großmeister Constantin, sowie Eure Männer der Fall Pelgars einen großen Verlust bedeutet. Ich glaube nicht, dass von den strahlend weißen Mauern Pelgars noch viel üblich sein wird, geschweige denn dem prachtvollen Lysanthor Tempel. Aber Euer Gott und Euer Glaube schlägt noch immer stark in den freien Herzen Celcias, und noch immer stehen wehrhafte Männer für Lysanthors Werte ein. Das allein ist ein großer Hoffnungsschimmer für diejenigen, die gegen das dunkle Volk stehen. Und hoffentlich ist es auch ein großer Dorn im Auge E ... Unseres Feindes. Solltet ihr allein in die Schlacht ziehen und verlieren, wird das einen herben Schlag für Uns alle bedeuten.

Celcia wird immer dunkler und es braucht ein Licht, um dem entgegen zu treten. Und das ist Eurem Feind genauso klar. Habt ihr je in Betracht gezogen, dass der Brief, der Euch erreichte, eine Falle ist? Und ich spreche nicht einmal davon, dass es eine Fälschung ist, sondern davon, dass er trotz diverser Blockaden seinen Weg bis ins weit entfernte Jorsa fand.

Inzwischen sollte Pelgar längst vollkommen Besetzt und die verlorenen Truppen wieder aufgestockt sein. Da käme es den Dunkelelfen sicher gerade Recht, sich mit einzelnen Parteien zu befassen, statt mit einem Gegner der mit vereinter Kraft zuschlägt.“

Davon ab, dass man nicht jede Nachricht als ein ‚sofort‘ auffassen muss. Immerhin stand nichts in der Nachricht, dass alles sofort und unvorbereitet zu passieren hat.
Er atmete einmal tief durch und sah seine Zuhörer wachsam an. Hatte er schon zu viel Verraten, zu viel Preis gegeben? Würde der rhetorische Ausrutscher, der ihm fast ein ‚Eurer Feinde‘ entlockt hätte, auf ihn zurückfallen? Mit aller Gewalt hielt er sich davon ab, nervös auf seinem Stuhl herum zu rutschen oder sich nach dem bestmöglichen Fluchtweg umzusehen.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. September 2018, 11:10

Der 'wacklige Joker' hatte in der Tat einen schweren Stand. Zanfars erste Bestätigung, was Orks betraf, löste noch Zustimmung bis selbstgefällige Zufriedenheit aus. Doch schon seine Geste, mahnend den Zeigefinger zu heben, verdüsterte die Mienen und wurde von mehreren wohl als oberlehrerhaft gedeutet. Ein Fehler, der ihm kein zweites Mal unterlief. Er musste hier aufpassen wie ein Schießhund, um nicht den allgemeinen unterschwelligen Zorn auch noch auf sich als Person zu lenken!
Aber wie sollte er den Leuten nach dem Mund reden, wenn sie falsch lagen und ihr Feuereifer einfach selbstmörderischer Wahnwitz war?

"Sie halten ihre Truppen in einem eisernen Griff und lenken sie mit Jahrzehnte – ja sogar Jahrhunderte - langer Erfahrung." War den Leuten nicht nur bekannt, sondern auch bewusst, was die längere Lebensspanne bei Dunkelelfen für Auswirkungen hatte, allein schon im Kampf?
Zanfars Schilderungen klangen absolut und drastisch, und das war sicher auch gut so. Aber wer sich des Ausmaßes der Gefahr nicht bewusst war, der mochte es für Übertreibung halten.
"Wenn ihnen Templer und Anhänger Lysanthors in die Finger geraten, werden sie alles dafür tun, sie zu brechen. Jeder, der in der Schlacht fiel und nicht gefangen genommen wurde, kann sich glücklich schätzen. Die Gefangen werden nicht mehr sein als ausgebrannte Hüllen. Ein so verdorbenes finsteres Volk wird sich nicht die Chance entgehen lassen, seinen Feind zu demütigen und zu verhöhnen."
Beim Satz 'Die Gefangen werden nicht mehr sein als ausgebrannte Hüllen' merkte Zanfar, wie die Stimmung kippte und seine zuvor lauernd aufmerksamen Zuhörer teils richtig laut wurden. Er schien einen wunden Punkt erwischt zu haben: Der Priesterschaft und Inquisition Lysanthors ihre Standhaftigkeit pauschal komplett abzusprechen!
"So eine.. Lüge!", war noch die akustisch verstehbarste und fast erste Aussage, wobei dem Aussprechenden anzumerken war, dass er sich wohl zwei oder drei deftige Schimpfworte gerade verkniffen hatte. "Als würden Diener des Lichtherrn sich einfach so brechen lassen! Was für eine Unverschämtheit!"
"Was erlaubt Ihr Euch?!"
"Ihr habt KEINE Ahnung, worüber Ihr da überhaupt sprecht! Das sind keine Bauerntrampel, die bei der ersten Ohrfeige ihre Meinung ändern! Sie sind geschult, selbst Folter durch den Feind und den Versuchungen des Bösen zu widerstehen!" Der einfache Inquisitor hatte sich von seinem Stuhl erhoben wie drei oder vier andere auch und zeigte dabei mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Zanfar. Der Zorn schien ihm regelrecht aus den Augen zu sprühen und der Nichtgenannte spürte eher, als es direkt zu sehen - denn er mochte gerade den Kopf nicht zur Seite wenden - wie selbst der Meisterspion seinen Oberkörper defensiv zurück lehnte und den Kopf einzog.
Der Mann schien auf den ersten Blick unter den Inquisitoren keinen besonderen Rang zu bekleiden, aber etwas an seinem Charisma wollte Zanfar für mindestens einen kurzen Moment zweifeln lassen, ob die Dunkelelfen mit mehreren Gefangenen dieser Sorte wirklich so viel Spaß hätten...? Aber seine Erfahrung wusste es leider besser. Vermutlich war auch nicht jeder Dunkelelf abgebrüht genug, einem Menschen diesen Kalibers gegenüber völlig unbeeindruckt zu bleiben, aber das dunkelelfische Geflecht aus: 'Zeige Schwäche, und du bist tot' funktionierte meist hervorragend.

Dem Nichtgenannten drohte im Moment die Situation zu entgleiten, denn der Inquisitor, der ihn so konfrontierte, war ja nicht der Einzige und die empörten Rufe, die er aufschnappte, nur hervorstechende Sätze in einer Kulisse aus Widerspruch. Nein, er machte sich hier gerade keine Freunde. Zanfar warf einen Blick auf seine Hände. Trotz der Handschuhe, die er trug, waren sie kalt geworden und er verschränkte sie verkrampft miteinander, damit sie nicht zu zittern begannen. Ihm war gerade nicht nur kalt, weil er wusste, dass er selber zu den 'Monstern' namens Dunkelelfen gehörte, sondern er sah sich ganz akut der gegenteiligen Sorte von 'Monstern' gegenüber. Verdammt, in was für ein Haifischbecken hatte Walsing ihn hier geworfen?!
"Eure sogenannte 'Expertise' ist keinen müden Pfifferling wert!", spie ihm irgend jemand entgegen. Selbst seine Majestät schien von der aufgeheizten Stimmung beeinflusst sich anzuspannen. Wollte er etwa aufstehen? Zanfars Kriegerblick verriet ihm, dass auch die beiden Königsritter links und rechts von Richard sich nahezu synchron zu irgend einer Bewegung bereit machten. Seine inneren Alarmglocken klingelten Sturm.
"R U H E."
"..."
"..."

Uff.
Großmeister Constantin war dem König zuvor gekommen oder hatte die Regung ebenfalls wahrnehmend in vorauseilender Deeskalation ein Machtwort gesprochen, das wirkte. Und er war dabei nicht einmal laut geworden!
Nun, doch: laut genug, um durch das Stimmengewirr zu dringen. Aber nicht eine Spur lauter als nötig. Zanfars Magen schien von einer seltsamen Nuance in der Stimme noch nachhallend zu vibrieren. War da Magie im Spiel? Es war jedenfalls das, was man 'durch Mark und Bein gehen' nannte und es hatte fast den ganzen Saal in seinem Tun zum Erstarren gebracht. König Richard entspannte sich wieder, aber sein Blick verriet ungewohnte Strenge. Alles hielt für einen Moment inne, um sich neu auszurichten. Der Großmeister wechselte einen Blick mit dem König und Richard deutete mit einer leichten Handgeste an, dass man weiter machen möge, mit was auch immer. Er überließ also auch Constantin ein Stück weit die Entscheidung, diese Geste in seinem Sinne zu deuten.
Der Nichtgenannte wusste aus seiner Erfahrung bei Hof, dass Richard diese Form von königlicher Unnahbarkeit, die er gerade ausstrahlte, nur verhältnismäßig selten verwendete. Er war offenbar bereit, die Authorität seines Ranges mit in die Waage zu werfen - das sprach für sich.
Diese feinen Nuancen zu bemerken und zu deuten, weckte zunehmend etwas in Zanfar, was längere Zeit faul eingeschläfert im Fahrwasser von Chasin nicht selber hatte arbeiten müssen und sich nun umso begeisterter zurück zu melden schien, je gefährlicher das Pflaster für ihn wurde. Sein pendelnder Blick hatte inzwischen sondiert, dass die Graue Dame, die die Gesandschaft der Inquisition begleitete, bisher fast nur mit ihrem Sitznachbarn geflüstert hatte, wenn überhaupt, und vom Aufbrausen ihrer Leute überhaupt nicht begeistert schien, auch wenn sie es hinter ihrer Contenance recht gut verbarg. Noch eine stille Reserve, die womöglich zu Zanfars Gunsten agieren würde?
Oder hatte er seine Chance vertan und kam bei diesen sturen Leuten sowieso nicht durch?
"Fahrt fort", hatte sich in diesem Moment Constantin entschieden, und Zanfar wusste einen Augenblick lang nicht, ob er das gut finden sollte oder nicht...

Aber er konnte immer noch nicht einfach seine Argumentationslinie ändern und den Templern nach dem Mund reden. Er musste sie warnen!
„Pelgar sieht großem Schrecken entgegen – und wenn Eure Brüder nicht mit jedem Grundsatz, für den sie stehen, brechen, werden sie früher oder später in Feindeshand geraten." Er drohte neues Murren auszulösen und selbst Constantins Blick wurde bohrender, aber das Machtwort wirkte noch nach, es gab so schnell nach dem "Ruhe" keine neuen Zwischenrufe. Und der Großmeister selbst konnte es sich nicht leisten, jetzt wegen einem Satz gleich doch seine Meinung zu ändern, dass er mehr hören wollte, Zähneknirschen hin oder her.
"Vor allem da ich mir vorstellen könnte, dass man explizit nach ihnen sucht. Faldor ist neben Manthala eine der populärsten Gottheiten des Volkes Morgherias. Und in Pelgar bietet sich ihnen die Möglichkeit seinem Gegenspieler, Lysanthor, einen schweren Schlag zu versetzen.“
Er rang mit sich, weil seine Lippen mehr als das erfragte verlassen wollte. Man hatte ihn nicht gebeten, seine Meinung außerhalb von Erfahrungen mit Orks und Dunkelelfen abzugeben, aber er musste etwas weiteres los werden.
„Ich verstehe, dass gerade für Euch, ehrenwerter Herr Marcian Lichtenpfad und Großmeister Constantin, sowie Eure Männer der Fall Pelgars einen großen Verlust bedeutet. Ich glaube nicht, dass von den strahlend weißen Mauern Pelgars noch viel übrig sein wird, geschweige denn dem prachtvollen Lysanthor Tempel."

Gut, dass der Tisch, an dem sie saßen, aus stabilem Holz war und eine dünne Steinplatte trug. Denn sonst hätten sich einige Blicke gerade hinein gebrannt oder ballende Hände Schaden daran hinterlassen. Irgendwo schien ein Trinkglas in der Hand einen Sprung zu bekommen. Die Wahrheit tat weh. Für einen kurzen Moment war sich Zanfar nicht mehr sicher, ob nicht die nächste Entrüstungswelle über ihn herein bräche. Er fuhr fast hastig, aber eindringlich fort:
"Aber Euer Gott und Euer Glaube schlägt noch immer stark in den freien Herzen Celcias, und noch immer stehen wehrhafte Männer für Lysanthors Werte ein. Das allein ist ein großer Hoffnungsschimmer für diejenigen, die gegen das dunkle Volk stehen. Und hoffentlich ist es auch ein großer Dorn im Auge E ... Unseres Feindes. Solltet ihr allein in die Schlacht ziehen und verlieren, wird das einen herben Schlag für Uns alle bedeuten.
Celcia wird immer dunkler und es braucht ein Licht, um dem entgegen zu treten. Und das ist Eurem Feind genauso klar.
Habt ihr je in Betracht gezogen, dass der Brief, der Euch erreichte, eine Falle ist? Und ich spreche nicht einmal davon, dass es eine Fälschung ist, sondern davon, dass er trotz diverser Blockaden seinen Weg bis ins weit entfernte Jorsa fand."

In Constantins Gesicht zuckten feine Muskeln und er wechselte einen raschen, kaum merklichen Blick mit Lichtenpfad.
"Inzwischen sollte Pelgar längst vollkommen besetzt und die verlorenen Truppen wieder aufgestockt sein. Da käme es den Dunkelelfen sicher gerade Recht, sich mit einzelnen Parteien zu befassen, statt mit einem Gegner der mit vereinter Kraft zuschlägt.“
Er atmete einmal tief durch und sah seine Zuhörer wachsam an. Hatte er schon zu viel Verraten, zu viel Preis gegeben? Würde der rhetorische Ausrutscher, der ihm fast ein ‚Eurer Feinde‘ entlockt hätte, auf ihn zurückfallen? Mit aller Gewalt hielt er sich davon ab, nervös auf seinem Stuhl herum zu rutschen oder sich nach dem bestmöglichen Fluchtweg umzusehen.


Stille.
Stille, die rasch unangenehm wurde.
Die Beteuerung des Nichtgenannten, dass man besser gemeinsam in die Schlacht zöge, schien nicht besonders wirkungsvoll, obwohl es genau darum ja eigentlich ging, verflixt! Aber es schien die Lysanthoranhänger genau so wenig zu beeindrucken wie einen in die Schlacht ziehenden Soldaten seine Frau, die ihn beschwörte, dass die Familie ihn dringender benötige. Es war zum Mäuse melken.
Aber wenigstens schienen seine Worte bedacht zu werden. Man überlegte an ihnen herum. 'Man' bedeutete nicht alle, denn ein paar der Runde überließen das Denken wohl anderen und schauten den Nichtgenannten ausnahmslos ablehnend bis feindselig an. Einer der Templerknappen war an den Stuhl seines Mentors getreten und flüsterte ihm so leise etwas ins Ohr, dass Zanfar es nicht hören konnte, aber sein Bauchgefühl sagte ihm mulmig, dass es irgendwie um ihn ging. Aber was mochte der Bursche, den man gerade mal erwachsen nennen konnte, zu ihm zu sagen haben? Etwas an ihm erinnerte Zanfar an irgendwen, aber es war zu vage. Stammte der irgendwie aus dem Umfeld des Hofes?
"Ihr sagtet, der Brief, der zu uns gelangte, könnte eine Falle sein?", unterbrach eine gemächlich gestellte Frage des Großmeisters Zanfar darin, dem Knappen weitere Beachtung zu schenken. "Was bringt Euch zu dieser Einschätzung? Ihr wisst doch gar nichts darüber, oder irre ich?"


(#Eventuell setzen wir das Ingame-Gespräch zunächst im Skype fort? :) )
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Mittwoch 26. September 2018, 22:40

Zanfar hielt die Zähne aufeinandergepresst, während die Stille sich unangenehm zog.
Eine Arena aus wildgewordenen Stieren, die verzweifelt nach einem Ziel suchte. Wie gut das er einen roten Schal trug …
Mit Mühe und Not hielt er sein eigenes Temperament im Zaun, dass zum wiederholten Male gern ausgebrochen wäre, um in das Gebrüll der Lysanthor Anhänger einzustimmen. Am liebsten mit Einstiegs Sätzen wie:

‚Wenn ihr Idioten nicht auf mich hören wollt, dann lasst Euch doch Eure dämlichen Köpfe abschlagen!‘
Oder
‚Nur jemand, der verunsichert ist, brüllt so laut, wenn er in Frage gestellt wird.‘

Oder andere, weniger ‚eloquente‘ Bemerkungen die eine Mehrzahl an Schimpfwörtern beinhalteten und wahrscheinlich eine überaus schlechte Grammatik vorwiesen. Am liebsten in orkisch. Das traf in Sachen blinder Wut immer den richtigen Ton. Eine Prügelei wäre auch in Ordnung, das Kräfteverhältnis war dafür aber leider zu unausgeglichen.

Aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte er nur panische Angst. Jahrelange Übung ließ diese in Zorn umschlagen, so dass sein größtes Problem darin lag, seine Impulsivität zu bekämpfen, statt sich vor Angst aus dem Staub zu machen. Aber es blieb in der Basis Angst.

Zum Beispiel vor diesem ‚charismatischen‘ Exemplar von Lichtbringer, der es ihm eiskalt über den Rücken laufen ließ.

Aber wem machte er etwas vor, ein Raum voll mit aggressiven Fanatikern reichte ihm schon. Wenn er den Göttern noch gefolgt wäre, hätte er ihnen Gedankt. In diesem Fall wohl Lysanthor, denn der hatte ihm zumindest einen besonnen Mann an der Spitze der Streiter des Goldenen geschickt. Aber auch Richard schien bereit, einzuschreiten.

Und wer war wohl die Graue Dame am Tisch? Allein so in der Unterzahl hier zu sein und nicht von dem Testosteron, dass in der Luft lag, erdrückt zu werden, war eine Leistung. Aber er vermutete – und hoffte – dass sie weitaus mehr auf Lager hatte.

Sah man es einmal mit etwas Abstand (was ihm zugegebener Maßen gerade recht schwerfiel) waren seine Worten offensichtlich nicht vorsichtig genug gewesen. Zum einen, weil er die Explosivität der Situation unterschätzt hatte, aber zum Anderen, weil ihn die Dunkelelfische Arroganz einholte. Denn auch wenn er sich zum Großteil von seinem Volk losgesagt hatte, so lauerte da doch noch etwas stolz über die ‚Überlegenheit‘ der Dunkelelfen. Was sind schon ein paar Lichtbringer? Ein paar Kinder, nichts weiter!
Weit gefehlt, das erkannte er in diesem Moment – oder besser, er erinnerte sich wieder daran, wie gefährlich Lysanthors Ritter waren. Aber den ‚Feind‘ – korrigiere, ‚Freund‘ - herunter zu spielen, machte ihn weniger beängstigend.
Und war er da nicht gerade auf derselben Seite wie die schreienden zornigen Männer im Raum? Sie alle litten unter der ‚Krankheit‘ Angst - gemischt mit Arroganz und Dummheit.

Er musste sich wirklich später bei Walsing für die reizende Gesellschaft ‚bedanken‘.
Wenn das ein Test ist, ob ich dem kommenden Auftrag gewachsen bin, ist das eine verdammt schlechte Testumgebung.
Aber so wie ich mich kenne, trete ich demnächst jemandem fest genug auf den Schlips, dass diese Versammlung in einer Prügelei endet.
Gut, dass sie beschlossen haben, betreten zu schweigen … ich brauchte eine Pause.
Ging es ihm durch den Kopf, als er merkte, dass sein zuvor rasendes Herz wieder etwas langsamer schlug.
Die Frustration blieb allerdings … und er würde sich nicht die Maske vom Gesicht reißen, um zu beweisen, dass er wirklich wusste, wovon er sprach.

Einer der Templerknappen war an den Stuhl seines Mentors getreten und flüsterte ihm so leise etwas ins Ohr, dass Zanfar es nicht hören konnte, aber sein Bauchgefühl sagte ihm mulmig, dass es irgendwie um ihn ging. Aber was mochte der Bursche, den man gerade mal erwachsen nennen konnte, zu ihm zu sagen haben? Etwas an ihm erinnerte Zanfar an irgendwen, aber es war zu vage. Stammte der irgendwie aus dem Umfeld des Hofes?
Werkönnte das s...
"Ihr sagtet, der Brief, der zu uns gelangte, könnte eine Falle sein?", unterbrach eine gemächlich gestellte Frage des Großmeisters Zanfar darin, dem Knappen weitere Beachtung zu schenken. "Was bringt Euch zu dieser Einschätzung? Ihr wisst doch gar nichts darüber, oder irre ich?"

„Ich habe die Botschaft, die Euch geschickt wurde, niemals gesehen, Nein. Ich ziehe meine Schlüsse aus den möglichen Konsequenzen einer solchen Nachricht.
Es ist nicht schwer zu erraten, dass sie die Gemüter aufwühlen und Uneinigkeit zwischen Aliierten auslösen würde. Und das ist genau dass, was den Dunkelelfen im Blut liegt. Sie manipulieren und sähen Zwietracht, wo sie nur können.
Die Streiter Lysanthors sind ein beängstigender und ernstzunehmender Gegner für die Dunkelelfen – gerade dann, wenn sie nicht allein, sondern mit einer großen Streitmacht im Rücken antreten. Das dunkle Volk wird Euch begegnen müssen, dafür werdet ihr sich sorge tragen. Aber mit dieser Botschaft halten sie die Möglichkeit in Händen, den Zeitpunkt und die Bedingungen dieses Treffens zu beeinflussen.“
Halb erwartete er den nächsten Ansturm an lautem Gebrüll. Er saß mit einem Streichholz in der Hand auf einem Pulverfass.
Ein Königreich für etwas diplomatisches Geschick und Taktgefühl. Ich biete Jorsa.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. September 2018, 18:23

Halb erwartete Zanfar den nächsten Ansturm an lautem Gebrüll. Kurz war es still, und dann schien er sich auch anzukündigen: "Wie sollten die Dunkelelfen über diese Distanz den Boten manipulieren? Das ist doch paranoider Unsinn!"
Doch der Zwischenruf war diesmal wesentlich weniger laut, mehr ein verstehbares Gemurre, denn die Gesprächsführung lag weiterhin offensichtlich beim Großmeister. Und der dachte nach, lehnte sich dafür zurück und schürzte mit nach unten gerichtetem Blick etwas die Lippen. Lichtenpfad verbarg ebenfalls in Denkergeste seinen Mund hinter einer lockeren Faust.
Doch auch "Zanfars Seite" meldete sich nun ein mal zu Wort, in Gestalt des Raphael von Bersenhag, Pappelhains Vertreter: "Aus taktischer Sicht würde das natürlich vollkommen Sinn machen: Wer das Schlachtfeld bestimmt, hat einen klaren Vorteil; aber das ist ja bekannt."
Constantin beeindruckte er mit dieser Aussage nicht, denn sie kam fast einer Binsenweisheit gleich, aber Zanfar fühlte sich wenigstens in seiner Aussage unterstützt - man versuchte, vorsichtig in die gleiche Kerbe zu schlagen.
"Wie aber sollten sie einen Boten die gesamte Strecke über Land, über diesen Zeitraum, beeinflussen, dass er wie gewünscht sein Ziel erreicht?", warf nochmal kritisch, aber wenigstens in zivilisierter Form der Templer ein, der es für Paranoia gehalten hatte.
"Da gibt es verschiedene Möglichkeiten", konterte san Walsing prompt mit einer Gelassenheit, die den Eindruck erweckte, als sei derartiges kein Problem. "Auch wenn mir mehrere dieser Möglichkeiten gedanklich überhaupt nicht schmecken. Eine davon - die unwahrscheinlichste - wäre zum Beispiel, dass sie den armen Tropf den ganzen Weg über Land tatsächlich bis an unsere Grenzen begleitet und dann das letzte Stück laufen gelassen hätten. Das würde aber auch bedeuten, dass sie sich von Pelgar über die Stille Ebene, durch den Kapayu und durch Grandessa mit dieser lokalen Oberhoheit bewegen konnten", zählte der Meisterspion mit zunehmend düsterer Stimme auf und erntete finstere Mienen. Constantin hörte unbewegt zu.
"Weitere Varianten wären, dass sie den Boten einen Teil der Strecke über See transportiert haben. Das hieße aber, dass... sie einen Hafen unter Kontrolle haben. Andunie etwa? Oder sie hätten anderweitig eine koordinierte Möglichkeit haben müssen, ein Transportmittel zur See nutzen zu können. Und warum sollten sie sich beeilen? Ich fürchte, es ist tatsächlich schon einiges an Zeit vergangen, seit Pelgar fiel - so oder so." Walsing legte eine kurze Kunstpause ein, ehe er hinzufügte:
"Die andere Möglichkeit wäre eine 'Stafette', mit der sie schließlich ihre Leute in Grandessa verständigt hätten, entsprechendes in die Wege zu leiten." Seine Brauen zogen sich nachdenklich zusammen. "Wir können aber wohl kaum hoffen, dass der Mann einen grandessanischen Akzent hatte, um dieses Manöver zu entlarven?", fragte er gekünstelt freundlich und erntete ein verächtliches Schnauben, von der Grauen Dame aber ein ruhiges, wissendes "Nein." Sie schien mit ihm also direkt gesprochen zu haben. Aber Walsing ja auch, wenn Zanfar sich recht an den Bericht des Spions erinnerte. Dieses Detail gab Niklas nicht preis und die Inquisition wusste nichts davon?

Der Großmeister nickte verhalten, die Informationen aufnehmend und warf einen kurzen Blick zum Nichtgenannten, ob dieser noch etwas beifügen wollte, als die Graue Dame nach etwas sinnieren noch nachdenklich und zurückhaltend meinte: "Aber er sagte noch etwas direkt vor seinem Verscheiden, was aus dieser Sicht betrachtet wohl angemerkt sein sollte:
Als er begriff, dass es zuende ging, schien er kaum noch mit Kraft aufzubegehren. Er sagte 'Aber... sie haben versprochen, ich...' - und dann verstarb er. Ich hielt es für eine Aussage, die auf die Inquisitoren Pelgars bezogen war. Oder bereits Delirium." Man hörte ihr an, dass sie an ihren eigenen Vermutungen gerade zu zweifeln begann.
Der 'einfache' Inquisitor, der Zanfar fast aus dem Konzept gebracht hatte, hakte sofort nach:
"Trug er ein Halsband mit seltsam aussehenden Signien?"
"Nein", erwiderte die Graue Dame gemäßigt, aber mit einem tadelnden Eindruck, als wisse sie von der Existenz der magischen Zwangshalsbänder sehr wohl selber.
"Die Dunkelelfen können wohl schlecht gesteuert haben, dass der Bote 'pünktlich' verstirbt, sobald er seine Nachricht bei den Richtigen überbracht hat", murrte der Templer, der das alles noch für Zufall halten wollte.
Wieder fühlte Zanfar den fragenden Blick Constantins auf sich ruhen.
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Freitag 28. September 2018, 23:10

► Text zeigen
Die Spannung in den Schultern des Nichtgenannten nahm etwas ab, als sich zeigte, dass der Großmeister seine Männer längere Zeit unter Kontrolle hielt. Dann konnte das hier ja tatsächlich noch eine konstruktive Unterhaltung werden.
Mit Überraschung und Freude beobachtete er, wie sein Einwand einer Täuschung Früchte trug und sich sogar weiter entwickelte, als er erwartet hatte.
Wie bedauerlich, dass das säen von Zweifeln womöglich der Grund für einen Stopp dieses Kopflosen Kreuzzuges wird. Hätte es nicht einfach gesunder Menschenverstand sein können? Aber so funktioniert die Welt vermutlich einfach nicht … und es gibt den Lysanthor Anhängern einen eleganten Ausweg, ohne dass sie ihre Pflicht verletzen.
Was solls, eine Fälschung gefällt Euch? Dann arbeiten wir doch einmal daran, dass ihr es vorschieben könnt … und wer weis, vielleicht hatte ich sogar recht.

Über das ‚wie‘ hatte er sich noch überhaupt keine Gedanken gemacht … aber zum Glück gab es da einen Spionage Meister, der genug Kreativität und praktisches Wissen besaß, um sich diverse Wege auszudenken.
Er brummte erst Nachdenklich, dann ergänzte er Walsings Theorien.
„Alles gut mögliche Wege … Sie hätten auch einfach genug Boten auf den Weg schicken können. Man kann unmöglich erwarten, dass ein einzelner Bote unter diesen Umständen den Weg bis zum Ziel erreicht – und der Gedanke wäre auch nicht abwegig, wäre der Verfasser Großmeister Templici, was das mögliche doppelte auftauchen der Nachricht nicht verdächtig machen würde.
Die Stafette klingt für mich nach der praktischsten Lösung und könnte in diverserlei Variante Ausgeführt worden sein. Nur der letzte in der Reihe müsste glaubhaft erscheinen. Ein Transport einer einzelnen Person ist sicher auch machbar, aber mit einigen Mühen verbunden – gerade dann wenn man vielleicht betreffende Person im Unwissen lassen möchte, dass sie Hilfe erhält.
Und bezüglich der ‚Grandessaner‘ Theorie – soweit ich weis, liegen Jorsa und Grandessa schon eine Weile im Konflikt, oder? Da werden sie doch sicher keine Probleme haben, jemand akzentfreien zu finden … wobei die Sprechrolle ja offenbar auch recht limitiert war, wie mir scheint – möglicherweise sogar gewollt ‚limitiert‘.“
Für den letzten Satz hätte er sich nachträglich gerne auf die Zunge gebissen. Schwarzer Humor und Zynismus kamen hier sicher nicht gut an …
Die Graue Dame übernahm und erzählte von den verdächtigen Worten des Boten. Fasziniert besah er sich, wie der Faden weiter gesponnen wurde. Er musste ihn nur noch in die richtigen Bahnen lenken und hoffen, dass er nicht abgeschnitten oder gar von ihm durch einen Fehltritt gekappt wurde.
Als der Einwand kam, dass die Dunkelelfen wohl kaum über Mittel verfügten, einen Tod entsprechend Zeitgerecht zu verursachen, schnalzte er missbilligend mit der Zunge und verhinderte gerade noch so, dass sich sein Zeigefinger wieder erhob. Er war nur zu bereitwillig, das Zepter wieder zu übernehmen, als Constantin ihn auffordernd ansah.
„Ich korrigiere, sie könnten. Auf diversen Wegen – ein verabreichtes Gift, das verzögert wirkt, ein Zauber … es gibt auch ein widerwärtiges Zeug, dass sie den Orks in härteren Kämpfen verabreichen. Es lässt sie für eine gewisse Dauer ihre Verletzungen ignorieren und das Blut schneller gerinnen. Wenn die Wirkung nachlässt, brechen sie wie nasse Säcke zusammen. Ich könnte mir vorstellen, dass alles, was nicht die übermenschliche Konstitution eines Orks besitzt, nicht nur das Bewusstsein verliert, sondern möglicherweise unter Organversagen stirbt. Und das Beste ist, man könnte es hervorragend als Heiltrank verkaufen …“
Er wandte sich der Grauen Dame zu.
„Es klang so, als wäret ihr anwesend gewesen, als man den Boten fand. Könnt ihr mir erzählen wie und woran er starb?“


Als sie ansetzen wollte, zu antworten, hob der einfache Inquisitor Einhalt erbittend die Hand und schob sich dazwischen: "Wie lange wirken denn diese Substanzen?", hakte er kritisch und wenig überzeugt nach und fuhr noch fort, allerdings fingen Zanfars feine Ohren zeitgleich ein kurzes Gemurmel von Lichtenpfad auf: "Das erklärt...". Dieser Kommentar schien sich auf das Aufputschmittel für die Orks zu beziehen?? Es waren gerade zu viele Anmerkungen gemacht worden, um das völlig sauber zu zu ordnen. Der Inquisitor sprach währenddessen: "Selbst wenn sie eines dieser Mittel in Grandessa verabreicht hätten, hätte es nicht nur für Stunden sondern eher zwei bis vier Tage wirken müssen. Um dann aber wirklich pünktlich zu enden, nicht zu früh und nicht zu spät! Unwahrscheinlich." Er verschränkte skeptisch die Arme und zog herausfordernd den Kopf nach hinten.
Er drängte Zanfar das Gefühl auf, sich sofort rechtfertigen zu müssen. Zum Harax, diesen Kerl wollte der Dunkelelf nicht in einer Verhandlung gegen ihn als Ankläger haben!

Einen kurzen Höflichkeitsmoment wartete die Graue Dame ab, um dann Zanfar vorübergehend von dieser verbalen Zange zu befreien, indem sie selber auf seine vorige Frage antwortete, und ein gewisser Geduldsfaden schien bei ihr zunehmend dünner zu werden.
"Der Bote schien letztlich inneren Verletzungen zu erliegen. Er war sehr abgekämpft, als sei er tagelang gelaufen. Seine Kleidung war beschädigt, in den Sohlen seiner Schuhe Löcher, so dass ich von diesem Umstand auch ausging. Abgemagert. Er litt unter großen Schmerzen und hat nicht mehr viel selber gesprochen, nur herausgepresste Brocken. Ein Mann, der ihn zu uns gebracht hatte, hatte zuvor offenbar mehr von ihm erfahren und erzählte mir über die schriftliche Nachricht hinaus, Pelgar sei von einer großen Armee der Dunkelelfen eingenommen worden. Ein Großteil des Rates sei tot, teils während der Belagerung ermordet. Auf das Tor habe es einen Angriff eines untoten Drachen gegeben." Sie schien sich zu unterbrechen, als sie selber merkte, dass sie sich von der eigentlichen Frage entfernt hatte und die Inhalte unter den Anwesenden offenbar gutteils bekannt waren und kehrte zur Beschreibung des Boten zurück:
"Er hustete zuletzt Blut und sein Atem ging rasselnd. Ein Heiler, der etwas später hinzu kam, konnte nur noch seinen Tod feststellen. Es gab allerdings keine Verfärbungen der Zunge oder dergleichen." Sie hob in vager Geste die Hände zum Zeichen, dass sie sehr viel mehr dazu wohl nicht sagen konnte. "Ich habe, nachdem ich den Segen der Götter für ihn erbat, mit dem Verstorbenen nicht weiter zu tun gehabt. Er wurde von Schwestern unseres Ordens zur Waschung gebracht und sollte ein anständiges Begräbnis erhalten, das inzwischen stattgefunden haben dürfte."



Zanfar legte den Kopf leicht schräg, als der ‚einfache‘ Inquisitor sich so rüde dazwischendrängte und die graue Dame unterbrach.
Du willst, dass ich unrecht habe, nicht wahr? Aber ohne Beweise kann weder bewiesen werden, dass ich recht, noch das ich unrecht habe. Wenn du Pech hast, spielst du mir genau in die Karten, mein Freund.
„Entschuldigt, ehrenwerter Inquisitor, ich werde sofort, nachdem ich mit der Grauen Dame gesprochen habe, auf Euren Einwand eingehen.“
Sprach er Unterwürfig und wandte sich der wesentlich angenehmeren Gesprächspartnerin zu.
Sei nicht noch weiter unhöflich, mein Freund, wer weis, vielleicht frisst die Lady dich sonst.
Aufmerksam folgte er der präzisen Erzählung der Grauen Dame und war mehr und mehr fasziniert von dem ‚kleinen‘ Rätsel, dass es zu lösen galt.
„Hatte er sichtbare Prellungen oder Schnittwunden? Dunkle Verfärbungen der Haut oder verhärtetes Gewebe?“
Er dachte einen Moment nach und fügte noch hinzu.
„Wisst ihr, wer ihn zu Euch brachte?“


"Er schien verschiedene blaue Flecke oder kleinere Kratzer zu haben, als habe er sich vielleicht durch Dornengestrüpp gekämpft, ja", erwiderte die Dame weiterhin ruhig, "Ich habe ihn jedoch nicht eingehender untersucht oder gar entblößt.
Und ich weiß nicht, wer der Mann war, der ihn brachte. Er stellte sich als Barian Falkhagen vor, ein einfacher Straßenhändler, der ihn zusammengebrochen in einer kleineren Straße kurz vor unserem Hauptquartier gefunden habe. Er verabschiedete sich, er müsse weiter, während ich mich noch mit dem Sterbenden unterhielt."



Bei den letzten Worten legte er den Kopf erneut Schräg und klopfte gedankenverloren mit den Fingern seiner Behandschuhten Hand auf den Tisch während er:
„Hrmm.“
Brummte.
„Ich Danke Euch, hohe Dame. Das war sehr aufschlussreich.“
Dann wandte er sich dem ‚unleidlichen‘ Gesprächspartner zu.
„Es ist eine Herausforderung, etwas zu finden, das über diese Zeitspanne verlässlich wirkt. Aber ich denke, wenn jemand etwas findet, dann die düsteren Gesellen aus Morgheria – wobei, die Grandessaner haben sicher auch einiges in Petto.
Es gibt eine Giftkomponente, die die Blutgerinnung hemmt. Alleine braucht sie mehr Zeit, um tödlich zu sein, als zwei bis vier Tage, aber für gewöhnlich ungefährliche Verletzungen werden damit zur Bedrohung für Leib und Leben. Prellungen könnten ausreichen, um die Waage zu kippen. Gerade dann, wenn der Betroffenen unter Unterernährung leidet.
Alle weiteren Gifte, die mir einfallen, müssten tatsächlich später verabreicht werden, oder resultieren in einem ‚anderen‘ Ende.“
Er legte eine kleine Pause ein.
„Was macht Euch so sicher, dass er in Grandessa vergiftet wurde? Theoretisch könnte er auch kurz vor oder während seines Aufenthaltes in Jorsa vergiftet worden sein. Aber sicher könnte dieser Barian Falkhagen ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringen.“
Tut mir Leid, wenn du damit nichts zu tun hattest, Kumpel …
Sein Blick wanderte zu der Grauen Dame.
„Ist der Name des Boten bekannt?“


"Nun, wenn sich Dunkelelfen unbemerkt bis vor Jorsa begeben könnten, wäre das schon ein arger Schlag ins Gesicht", konterte der Inquisitor gelassen bis provozierend und musterte den Nichtgenannten -hoffentlich - pauschal mit bohrendem Blick, "Aber es könnten natürlich grandessanische Schergen gewesen sein."


Der Magen des Nichtgenannten hob sich kurz nervös und er musste ein kichern Unterdrücken.
„Dunkelelfen wären sicherlich die falschen, um sich unbemerkt in Jorsa einzuschleichen.“
Versuchte er gelassen zu erwidern.
„Grandessaner hingegen … sie werden sicher Erfahrung darin haben, Spione hier einzuschleusen, auch wenn ich mir sicher bin, dass sie alle früher oder später erwischt werden.“
Grandessaner, lass uns bitte über Grandessaner in Jorsa sprechen …
Er räusperte sich leise.
„So oder so, ich kann nur Thesen anbieten. Um wirklich herauszufinden, ob es eine Fälschung und/oder eine Falle ist, empfehle ich eine Untersuchung zu starten. Der Boten muss eine Spur hinterlassen haben, der ein erfahrener Ermittler sicher folgen kann – und wenn die Fährte noch frisch ist, sollte dies nicht übermäßig lange dauern. Der Händler wäre sicher ein guter Anfang.“


"Ihr spielt auf Zeit...", unterstellte jemand am Tisch aus den Reihen der Inquisition brummend, aber zu leise, um es als echten Vorwurf gelten zu lassen. War das der Templer mit diesem komischen Knappen gewesen?
Es war vorerst wohl egal, denn auch die Graue Dame äußerte sich:
"Der Name des Boten wurde durch den Händler genannt und soll Fabius Jastin gelautet haben. Ich fürchte, nichts, von dem, was wir bisher wissen, hilft, diesen Verdacht wirklich zu erhärten. Aber wenn es derartige Gründe gibt, dem allen näher nachzugehen, werden sich Möglichkeiten finden."
Ihr Blick war etwas härter geworden, ihre Haltung ein wenig gerader, was schon reichte, um genügend an ihre ehemalige Berufung zur Templerin zu erinnern, als sie ruhig aber entschieden meinte:
"Niemand führt die Inquisition an der Nase herum. Oder bliebe nach dem Versuch ungestraft."
Stilles Nicken hier und da quittierte die Worte der Grauen Dame und kurz schien wieder unschlüssige Stille zu herrschen, wohin sich das Gespräch wenden sollte. Einige Blicke gingen zum Großmeister, der in eigene Überlegungen versunken auf seinem Stuhl zu sitzen schien. Raphael von Bersenhag setzte an, etwas zu sagen, als der Großmeister fragte:
"Walsing, wie lange braucht Ihr, um heraus zu finden, ob Andunie frei ist und wie es um die Seewege bestellt wäre? So schnell es ginge, versteht sich."
Ein kaltes Schaudern wollte Zanfar über den Rücken laufen. Samtweich hatte der letzte Zusatz geklungen, unaufdringlich und höflich, aber der Blick, den er dem Meisterspion dabei zuwarf, hätte warnender nicht sein können.
Niklas schien ein mal zu schlucken, hielt den Blick und sagte nüchtern: "Eine Woche. Höchstens zwei. Jetzt, wo ich weiß, worum es geht, würde ich die Küstenlinie hinter Grandessa systematisch prüfen lassen, wie jeweils die Lage ist. Aber schon die Lage, wie sie sich jetzt darbietet, macht mir unter den gegebenen Umständen ernste Sorgen, Euer Exzellenz. Mein Wort: Ich werde nicht überrascht sein, wenn auch Andunie in der Hand des Feindes sein sollte."
Der Großmeister blickte unfixiert schräg vor sich auf den Tisch und zog düster die Brauen zusammen. Ein abfälliges Schnaufen von weiter unten am Tisch, was den Wert von Niklas' Wort zu betreffen schien.
Kurz darauf schien der Großmeister einen vorläufigen Entschluss zu fassen, denn er streckte seine Gestalt und wandte den Blick Richard zu:
"Euer Majestät, ich muss darauf bestehen, dass Ihr die Inquisition in jegliche koordinierte Aktion einbindet, die dazu beiträgt, diesen unerträglichen Frevel der Dunkelelfen zu ahnden und sie zurück zu treiben!
Wir werden die Abordnung nach Rugta mit einigen unserer Männer begleiten."
Rugta. Offensichtlich war die Inquisition also schon über den Status der Zwergenstadt unterrichtet worden - was nahe lag. Schließlich hatte das Gespräch schon begonnen gehabt, bevor Zanfar dazu stieß und dürfte Teil der ersten strategischen Besprechungen gewesen sein. Nebenher erfuhr Zanfar auf diese Weise, dass das Königreich den Zwergen also Verstärkung zukommen lassen wollte, was kein Fehler sein konnte. Schon alleine, um zu verhindern, dass die Stadt doch wieder vom Feind zurückerobert würde.
"Wir bitten um sofortige Unterrichtung über jede Information, die die feindliche Armee betrifft. Wir bitten um Eure weitgehende Unterstützung, sollte ein Schlag Eurer Soldaten erfolgen, der sich gegen diese richtet.
Wir werden nicht untätig verharren!"
Er legte eine gewichtige Pause ein.
"Aber wir werden uns auch nicht provozieren lassen wie ein blindwütiges Kind. Weder würde dies unserem Ansehen gerecht, noch würde es unter den zu erwartenden Umständen Großmeister Templici und seinen Mann helfen. Unser Auftrag lautet, Pelgar zu befreien. Dies werden wir tun."

Auf Seiten der Königlichen machte sich doch allgemeine Erleichterung breit. Richard II. nickte ernst dem Großmeister zu. Dieser sah zu von Bersenhag und fügte an: "Von Lichtenpfad wird hier bleiben, um sich mit Euch zu besprechen und das weitere Vorgehen zu planen."
Wieder ein Nicken.
"Die Inquisition fährt fort darin, sich für den Aufbruch bereit zu machen; und zum Krieg, in Lysanthors Namen."



Fast wäre dem Nichtgenannten das Herz in die Hose gerutscht, als die Graue Dame von ‚wenn‘ sprach. War sein Versuch, Zweifel zu schüren, doch vergeblich gewesen? Und dann verkündete sie auch noch, dass ‚Niemand die Inquisition an der Nase herum führte!‘ und es kostete ihn einiges, nicht zusammen zu zucken. Voller Anspannung folgte er dem weiteren Gespräch und konnte nicht verhindern, leise die Luft einzuziehen, als Walsing so scharf angegangen wurde.
Das hast du nicht verdient … tut mir echt Leid für dich …
Und dann endlich erlösten sie ihn, indem sie verkündeten, dass sie nicht Kopflos in den Kampf stürzen würden! Am liebsten wäre auf dem Stuhl zusammen gesunken, so kraftlos ließ ihn die gelöste Anspannung zurück.
Sein leerer Magen begann zu brennen und leicht Übelkeit verdeutlichte ihm, dass er wirklich dringend etwas zu sich nehmen musste. Aber er wagte nicht einmal, einen Schluck Wasser zu nehmen, weil er die Maske dafür anheben musste.


Das Ende der großen Versammlung schien eingeläutet, denn Richard verkündete:
"Ich danke den Anwesenden für ihre Zeit. Wir werden uns zurückziehen", was alle veranlasste, sich zu erheben und zu verneigen, als der König durch eine rückwärtige Doppletür des Saales den Raum verließ.
Walsing gab Zanfar durch eine dezente Handgeste, die ihn aufzuhalten schien, zu verstehen, dass er sich nicht gleich entfernen sollte. Wollte er noch etwas besprechen?

Die Abgesandten der Inquisition schoben die Stühle zurück, Knappen näherten sich ihren Herren, und der Nichtgenannte fing aus dem Augenwinkel auf, wie der Templer mit dem Flüsterknappen ihn finster für längere Momente im Blick behielt. Noch schlimmer aber war, als der einfache Inquisitor einen auffordernden - empörten? - stummen Wortwechsel mit von Lichtenpfad zu führen schien und Zanfar nicht ganz sicher sein konnte, ob er selber nicht Gegenstand dieses stummen Protestes war? Was ging hier vor sich?



Als der Nichtgenannte aufstand, um sich, wie alle Anderen, zu verneigen, spürte er wie ihn kurzzeitig Schwindel erfasste. So Anfällig auf Unterzuckerung war er für gewöhnlich nicht, aber diese Sitzung war auf ihre eigene Art ziemlich Anstrengend gewesen. Zum Glück war zumindest das Knurren seines Magens im Stühlerücken unter gegangen.
Als er dann aus dem Augenwinkel die aufgebrachten Inquisitoren wahrnahm, wurde ihm schlecht. Er beugte sich zu Walsing und flüsterte:
„Was auch immer Euch vorschwebt, ich möchte euch bitten, dass wir es nicht hier besprechen, die Inquisition sieht so aus als wolle sie gleich mit Fackel und Forke in meine Richtung kommen.“


Walsing warf einen erstaunlich ungenierten Blick in die entsprechende Richtung und schürzte leicht die Lippen. "Mhmmm...", ertönte ein zustimmendes Brummen und fügte kurz darauf leise und unglaublich nüchtern an:
"Das könnte schon durchaus sein - Herr Giftexperte.
Aber vielleicht wollen sie auch mir an den Kragen.
Kommt."
Der Meisterspion legte dem Nichtgenannte eine Hand auf Schulterblatthöhe an den Rücken und schob ihn, geschickt das Aufbruchgewühle nutzend, zwischen einigen Leuten hindurch auf die nächste Wand zu. Leise wies er ihn dabei an: "Nehmt gleich die Tür rechts, den kleinen Flur längs und dann links. Dort sollte Franceska warten. Sagt ihr: ich und kein anderer will Euch gleich sprechen. In Ruhe.
Ich komme bald nach."
Damit schob er einen zierenden Vorhang beiseite, hinter dem eine dünne stoffbezogene Tür vor einfachen Blicken verborgen in den benachbarten Raum führte. Diese öffnete er und wollte seinen 'Berater' hindurch schieben.



Zanfar schnalzte verstimmt mit der Zunge. Jetzt wo er es erwähnte, vielleicht hatte er etwas zu viel über Gifte erzählt … aber immerhin konnte auch Walsing das Ziel sein … bitte.
Nein, ist er nicht …
Natürlich konnte der Meisterspion ihn jetzt auch einfach in die Falle tappen lassen … wobei, das würde ihm gar nichts bringen. Gerade jetzt musste er eine saubere Weste waren. Also folgte er Walsings Weisung brav.
„Verstanden.“
Brummte er nur leise. Ihm war nicht einmal nach einem Scherz. Er war nur glücklich, weg von den Inquisitoren zu kommen.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Sonntag 30. September 2018, 23:41

Hinter der Tapetentür kam ein kleinerer Salon, dem Zanfar keine besondere Beachtung mehr schenkte, nachdem er festgestellte hatte, dass hier nur eine handvoll Bediensteter wohl darauf wartete, nach der großen Besprechung im Saal wieder für Ordnung zu sorgen. Zur Rechten fand sich die beschriebene Tür, dahinter ein schmaler Flur, der zunehmend in Bereiche im Innern des Schlosses führte, die mehr der Dienerschaft vorbehalten waren. Der Prunk der weiter an den Außenfronten gelegenen Räume schwand schnell, auch wenn man zu ärmlichen Verhältnissen natürlich keinen Vergleich ziehen konnte. Aber goldene Kerzenleuchter standen hier trotzdem nicht mehr herum. Stattdessen in einer Abseite zur Rechten Putzgerätschaften und ein Servierwagen.
Der Flur führte an eine T-Kreuzung, und als er hier nach links sah, entdeckte er an einem Tischchen in einer geräumigen Nische sitzend tatsächlich Franceska, vor einem Wasserglas und mehreren Papieren. Eine handliche Kreidetafel mit verziert geschnitztem Holzrahmen lag in Griffweite. Der Nichtgenannte hatte schon auf dem Weg hierher ein, zwei teils erstaunte Blicke geerntet, und als Franceska ihn bemerkte, hob auch sie fragend erstaunt die Brauen und rückte auf dem gepolsterten Stuhl nach vorne, um gegebenenfalls aufstehen zu können.

„Franceska.“
Er ging zielstrebig auf sie zu und verbeugte sich leicht. Dabei sagte er leise: „Euer Vater bat mich darum, Euch auszurichten, dass er, und nur er alleine gerne mit mir sprechen würde – in Ruhe“, gab er den Code Walsings so Wortgerecht wie nur möglich wieder und wartete ihre Reaktion ab.
Hoffentlich ist sie nur Stumm und nicht taub … aber das hätte ich gemerkt, oder?


Die Mimik der jungen Frau mit dem langen braunen Zopf regte sich kaum, doch Zanfars Beobachtungsgabe verriet ihm anhand ihrer sich leicht weitenden Augen, dass es ein Code zu sein schien, den die Gehilfin nicht jeden Tag hörte. Sie nickte ernst, erhob sich und mit zwei knappen Handgriffen hatte sie Papiere und Tafel an sich genommen. Zanfar fiel dabei auf, dass er bei dem zuoberst liegenden Blatt gerade Schwierigkeiten gehabt hatte, die Zeichen einer ihm bekannten Schrift zuzuordnen? Er war sich anhand einer kopfüber liegenden Handschrift aber nicht sicher, ob dieser Eindruck täuschte. Eine weisende Armgeste bedeutete dem Nichtgenannten ein stummes 'Folgt mir bitte'.
Es ging mitsamt mehrerer Richtungswechsel durch mehrere weitere Flure, einen Speisesaal für die Dienerschaft und sogar einen Raum, der bis unter die Decke mit Laken, Tischdecken, Handtüchern und ähnlichem gefüllt war. Franceska schritt zügig voran, es war für den Nichtgenannten aber keine Schwierigkeit, mitzuhalten. Als sein Orientierungssinn dem Dunkelelfen sagte, dass sie sich relativ zentral im Schloss befinden mussten, eventuell auch schon im hinteren Drittel, gab es eine Treppe nach unten und den nächsten Flur in genau entgegen gesetzte Richtung. An der nächsten Abbiegung hielt Franceska das erste Mal deutlich inne und schien zu prüfen, ob ihnen jemand folgte.
Seine Ohren unterstützten ihren Befund, dass dem nicht so zu sein schien.

Es wurde ruhiger hier unten. Hier schienen diverse Schlafräume und -säle der regulären Dienerschaft zu sein, die zu dieser Tageszeit kaum in Gebrauch waren. Zudem gab es hier mehrere Lagerräume, teils mit hölzernen Aufzügen ins Erdgeschoss. Franceskas Schritt wurde langsamer, dafür sicherte sie öfter ab, ob sich jemand hinter ihnen befand.
Relativ abrupt dirigierte sie den Nichtgenannten dann in einen Lagerraum für Kartoffeln, Äpfel und Gemüse, das kühler und dunkler Lagerung bedurfte. An einer schlecht zugänglichen Ecke bat sie mittels Gesten Zanfar darum, sich umzudrehen, trat hinter einen hölzernen Stützpfeiler und betätigte dort irgendwie wohl einen verborgenen Mechanismus. Dann schob sie eine hölzerne Verkleidung an der Wand beiseite, wo eine solche Tür nicht zu vermuten gewesen wäre.
Durchgeschlüpft und zu gemacht. Es war fast stockfinster dahinter. Blind wissend fasste sie nach einem Objekt an der Wand und kurz darauf fiel der Lichtstrahl einer Blendlaterne in einen völlig schmucklosen, lehmverputzten flurartigen Durchgang, der gerade mal schulterbreit war.
Dieser Gang wiederum war für seine Ungemütlichkeit aber erstaunlich lang. Sie passierten mehrere Abzweigungen, wobei Zanfar zwei mal noch schmalere Stiegen erblickte, die wieder Richtung Erdgeschoss führten. Es gab vermutlich weitere, denn das hier unten schien ein regelrechtes Labyrinth zu sein, das wohl in die Bereiche so mancher Hohlräume hinter den Wänden des 'offiziellen' Schlosses führte. Es war eine Sache, um diese Begebenheiten zu wissen. Es war eine andere, plötzlich mitten drin zu sein. Und das alles, weil die Inquisition plötzlich hinter ihm her war...
Vor wenigen Stunden war er noch der Leibwächter einer der wichtigsten Beraterinnen des Königs gewesen. Jetzt kam er sich vor wie ein Gejagter.

Franceska zog einen Schlüsselbund aus einer Tasche ihrer schlichten Kleider und öffnete wieder eine Tür. Und diesmal lagen dahinter wohl mehrere recht schlicht möblierte Räume, die aber wenigstens Platz boten. Als sie eingetreten waren, schloss sie von innen ab und verstaute den Schlüssel wieder. Kaum etwas von den Möbeln hier sah so aus, als ließe es sich nicht auseinandernehmen und wieder zusammen stecken - welch Wunder.
Ein kleiner viereckiger Tisch bot gerade mal so für vier Stühle Platz. Ein paar Schränke standen an die Wände gepresst und waren nicht mal eine Elle tief. Links lugte hinter einem groben Stoffvorhang ein schmales sehr einfaches Bett hervor, das entweder sehr ordentlich gemacht war oder bloss bezogen und ungenutzt. Die Luft hier unten roch überall naturgemäß ziemlich abgestanden, dafür war sie vermutlich sogar noch gut.
Franceska warf dem Nichtgenannten einen prüfenden Blick zu und bot ihm mit einer Geste an, dass er auf einem der Stühle Platz nehmen konnte, wenn er wollte.
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Montag 1. Oktober 2018, 21:45

Mit jedem Schritt tiefer in die bediensteten Bereiche des Palastes wurde es ihm ein bisschen mulmiger. Er hatte erwartet, in der Nähe untergebracht zu werden und nicht durch den halben Palast geschliffen zu werden. Es musste ernster sein, als Walsing sich hatte anmerken lassen – und er selbst gedacht hatte.

Sollte er sich darüber freuen, dass der Spionage Meister sich die Mühe machte? Aber der rettete allenfalls Walsings Haut, nicht Zanfars.
Sie kamen schließlich in einen Vorratskeller für Kartoffeln, Äpfel und Gemüse und Francesca bat ihn, sich umzudrehen.

Für gewöhnlich hätte er neugierig gespickt, aber jetzt meldete sich sein leerer Magen wieder und er stibitzte sich stattdessen ein paar Äpfel und Karotten. Die Taschen gefüllt stand er betont unschuldig da, als Francesca die Geheimtüre geöffnet hatte und in die Düsternis trat.
Nach wenigen Augenblicken wurde der Gang durch eine Blendlaterne in ihren Händen erhellt und er fragte sich, wie sie die Lampe so schnell hatte anzünden können. Magie? Ein Mechanismus? Aber sein Geist war langsam aber sicher zu unruhig um sich mit derlei Lappalien zu befassen.
Sie durchschritten den erstaunlich langen, ungemütlich engen Gang, bis sie ein geräumiges Zimmer betraten und Francesca hinter ihnen die Türe verschloss.

Forschend ließ er den Blick durch das Zimmer wandern und bekämpfte währenddessen die aufkommende Angst, die schon seit einer Weile an ihm zu nagen begonnen hatte…

Ich bin ganz alleine, und wenn das da gerade eben Chasins Brief war, dann weiß zumindest Franceska jetzt davon.
Für Walsing und den König werde ich spätestens wenn die Inquisition weis, was ich bin, zur Belastung. Und seien wir ehrlich, Loyalität einem Dunkelelfen gegenüber werden sie nicht empfinden, sondern mich so effektiv wie möglich los werden. Sei es, indem ich ‚verschwinde‘ oder sie mich den Inquisitoren zum Fraß vorwerfen, um sie zu besänftigen. Ich kann nur hoffen, dass sie mich noch für irgendetwas brauchen, ansonsten kann ich mich auch gleich von meiner Freiheit und dieser Welt verabschieden.

Er holte unbewusst tief Luft und sein Blick blieb im Leeren hängen.

Ich hätte mich eher um einen Fluchtweg bemühen sollen – dann hätte ich Franceska überwältigen können und wäre dann über alle Berge. Aber jetzt hab ich nicht einmal etwas zum Verkleiden und mit meiner derzeitigen Garderobe erkennen sie mich auf jeden Fall. Nicht dass verkleiden als Dunkelelf hier leicht wäre … außerdem kenne ich die verdammte Stadt nicht gut genug, um mich zu verdrücken, während ich gesucht werde. Es ist zum Verzweifeln! Die beste Möglichkeit, die ich habe, ist hier zu hocken und zu hoffen das dieser ver… Spionagemeister mich noch braucht!

Er knirschte mit den Zähnen und wurde sich erst jetzt bewusst, dass er schon eine Weile auf den Stuhl starrte, auf den Franceska gedeutet hatte. Zanfar griff sich and den Nacken und ließ den Kopf einmal langsam kreisen und setzte sich.

Dann holte er ein kleines Messer aus seinem Gürtel, säuberte es kurz an seiner Robe, holte einen der Äpfel heraus, den er ebenfalls abwischte, und begann ihn aufzuschneiden.

„Ich schätze, wir werden hier eine Weile zusammen warten?“
Fragte er und sah zu der jungen Frau auf, um ihre Antwort zu sehen.
„Was genau bedeutet5 der Code, den ich Euch ausgerichtet habe, Franceska? Bin ich frei zu gehen, wenn mir beliebt oder bleibt diese Türe verschlossen?“
Er schaffte es nicht ganz, den verstimmten Unterton aus seiner Stimme zu verbannen.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. Oktober 2018, 09:22

verwendete Farben
Erzähler
Franceskas Kreide (Sprache: Celcianisch)
Zanfar
Sprache: Lerium
„Ich schätze, wir werden hier eine Weile zusammen warten?“
Die junge Frau wiegte in einer vagen Geste den Kopf, als könne sie das selber noch nicht genau beantworten. „Was genau bedeutet der Code, den ich Euch ausgerichtet habe, Franceska? Bin ich frei zu gehen, wenn mir beliebt oder bleibt diese Türe verschlossen?“ Er schaffte es nicht ganz, den verstimmten Unterton aus seiner Stimme zu verbannen.
Ihre linke Braue zuckte leicht hoch, als überrasche sie die Frage oder sein Unterton. Ansonsten hatte sie ihre Mimik sehr gut im Griff, was angesichts ihres Umfeldes und Ortes, an dem sie arbeitete, auch kein Wunder war, allerdings auch keine Selbstverständlichkeit.

Sie legte die Papiere beiseite, wobei es absolute Routine zu sein schien, dass sie dabei die beschriebene Seite nach unten legte und notierte zügig ein paar Worte auf die Tafel:
Code = Jemand verfolgt Euch.
'in Ruhe' = keine Zuhörer. Gar keine.

Sie zeigte ihm die Tafel, damit er lesen konnte. Dann wischte sie sie flugs sauber und schrieb:
Ich kann Euch Dinge bringen. Essen?
Etwas aus eurem Quartier?
Ich sollte mich umhören, was los ist.

Sie zeigte ihm die Tafel und legte fragend den Kopf schief, während sie auf den letzten Satz deutete und dann auf ihn, so als erfrage sie, was er dazu zu sagen hatte. Nochmal wischte sie die Tafel sauber und schrieb neu:
Ihr könnt gehen. Aber es ist nicht zu empfehlen.
Dabei tippte sie sich auf die Brust - es war wohl ihre persönliche Meinung.


Er nickte Dankbar, als Franceska den Code erklärte. Es war irgendwie verständlich, aber sein paranoider Verstand rechnete natürlich mit dem schlimmst möglichen.
Siehst du, alles gut. Er seufzte etwas frustriert, als er ihre Zeilen las.
„Ich wollte nur wissen, ob die Möglichkeit besteht … so ungern ich in einem engen Raum ohne Fenster sitze, so einleuchtend ist es für mich, jetzt nicht durch den Palast zu streifen…“
Er sah auf den Apfel. „Ich denke, ich komme erst einmal mit dem aus, was ich hier habe …“ Bin ich kindisch, wenn ich jetzt nicht möchte, dass sie mich alleine lässt? Wobei, hey, das ist nur um ein paar Informationen aus ihr heraus zu bekommen!
„Und ich vermute das Euer Vater sich gerade schon damit beschäftigt, was hier vor sich geht. Und wenn ich hier alleine herumsitzen muss, werde ich mich langweilen, also würde ich es begrüßen, wenn ihr die Zeit erübrigt, noch ein wenig mit mir hier zu warten.“
Er legte das Messer zur Seite, nachdem er den Apfel aufgeschnitten hatte.
„Wollt ihr auch etwas?“ Er deutete auf die Apfel Kitschen.
„Wie viel von dem, was im Saal besprochen wurde, habt ihr mitbekommen?“
Er wollte sich schon ein Stück Apfel nehmen, dann hielt er inne.
„Und wie hoch in der Spionage Leiter steht ihr eigentlich ... persönliche Assistentin, rechte Hand … oder nur Papis kleines Mädchen, das ab und an mal mit zur Arbeit darf?“
Jetzt schob er die Maske etwas hoch und aß ein Stück Apfel.
Essen, endlich! Mal sehen, ob sie sich ärgern lässt – wobei, das war schon ganz schön Plump.


"..also würde ich es begrüßen, wenn ihr die Zeit erübrigt, noch ein wenig mit mir hier zu warten.“ Wieder bewegte sie abwägend den Kopf. Der Nichtgenannte gewann langsam den Eindruck, dass es ihr nicht recht war, sich selber hier lange aufzuhalten. Von seinem Angebot, etwas zu essen, schien sie mehr der Höflichkeit halber Gebrauch zu machen und nahm sich eine der Apfelspalten mit dankendem Nicken und kaute sie gründlich, während sie weiter zuhörte.
„Wie viel von dem, was im Saal besprochen wurde, habt ihr mitbekommen?“
Franceska schüttelte nur den Kopf und deutete auf die Papiere: scheinbar nichts, oder so gut wie nichts, weil sie anderes zu tun hatte. Kurz schrieb sie auf die Tafel: Vieles überschlägt sich gerade.

Seine Provokation mit 'Papis kleines Mädchen' verursachte nur ein kurzes und leichtes Heben der Brauen. Sie beobachtete ihn ein paar Augenblicke nachdenklich.
Ich helfe ihm.
Dass ich seine Tochter bin, spielt keine Rolle
, landete schließlich mit knappen Bewegungen auf der Tafel und verschwand wieder unter dem Schwamm, sobald er es gelesen hatte. Nach einer kurzen Pause flog wieder die Kreide über den Schiefer:
Was ärgert Euch?


Er kniff die Augen zusammen und musterte Franceska. War ja klar, dass du mir nicht verrätst, wo genau du stehst … schade, hätte mich wirklich interessiert …
„Ihr helft ihm … viel vager hättet ihr nicht werden können. Aber gut, ihr wollt nicht darüber sprechen, ich verstehe. Aber Verwandtschaft – egal wie sehr ihr Euch darum bemüht, dass es anders ist, es spielt immer eine Rolle!“
Er aß ein weiteres Apfelstück während er abwog, was er Franceska sagen konnte und wollte. Nicht immer war es gut, dass man alle Informationen zurückhielt. Wenn er durchschaubar für die Menschen wurde, bestand die Möglichkeit, dass sie ihm eher trauten – aber es machte ihn auch Angreifbar.
„Ich ärgere mich über die Situation, in der ich mich befinde … nicht, dass ihr mich hierhergebracht habt – über den Grund dafür, warum ich hier herumsitzen muss“, antwortete er kryptisch.

"..Aber Verwandtschaft – egal wie sehr ihr Euch darum bemüht, dass es anders ist, es spielt immer eine Rolle!“ Die junge Frau schwieg dazu; wie ungewöhnlich. Aber sie nutzte gerade ihre Stummheit regelrecht, um sich einer Reaktion darauf bestmöglich zu entziehen. Es war allerdings auch unwahrscheinlich, dass Zanfar der Erste war, der diesen Faktor ansprach - oder? Als der Nichtgenannte noch mal darüber nachdachte, woher er davon wusste, mochte er sich vielleicht daran erinnern, dass Chasin diejenige gewesen war, die das angesprochen hatte... War ihre Verwandtschaft etwa ansonsten geheim? Hier?!
Er aß ein weiteres Apfelstück während er abwog, was er Franceska sagen konnte und wollte. Als er ihr grob erklärte, worüber er sich ärgerte, nickte sie nur verstehend.
Sie ging dann plötzlich zur Tür, die gegenüber dem Eingang lag, zog ihren Schlüsselbund heraus und öffnete sie. Sie schien ihm mit Gesten zu bedeuten, dass sie gleich wieder da wäre und schlüpfte hindurch. Viel konnte Zanfar von dem Raum dahinter nicht erkennen, aber glaubte, einen Teppich hinter der Tür zu sehen... ein wohnlicherer Raum?


Chasin … hatte er es wirklich durch sie erfahren? Er hätte es sich merken sollen! Auf jeden Fall würde er vorsichtiger mit der Information umgehen ...
Er sah etwas alarmiert auf, als sie aufstand ihm zu warten bedeutete. Hey, nicht weg laufen, ich verspreche auch, netter zu sein ... Er lehnte sich so, dass er mehr vom Raum sehen konnte, was war wohl dahinter? Und was hatte sie vor?

Keine zwei Minuten später kehrte sie zurück - mit einer Schale mit Obst und einem flachen Körbchen mit mehreren Keksen. Beides stellte sie auf den Tisch und schob es anbietend in seine Richtung, dann kehrte sie nochmal um und schloss die Zwischentür wieder ab.
Endlich nahm sie nun auch auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz, wobei sein erfahrener Blick verriet, dass sie auf der vorderen Kante sitzen blieb. Wieder schrieb sie, wobei sie kurz zu zögern schien.
Mögt Ihr mir verraten, was in euren Räumen
tatsächlich passierte, als es rummste?
Die Wachen schienen im Brustton der
Überzeugung zu lügen.

Franceska war wachsam, als sie ihm die Tafel so hin hielt, dass er sie lesen konnte.


Kekse und Obst. Das ist … nett! Und eine Möglichkeit für sie aus dem Raum zu kommen. Was war es wohl, dass sie so aufbruchsbreit zurück ließ, warum wollte sie nicht im Raum bleiben? Wusste sie, wer da vor ihr saß und hatte Angst? Oder machte sie sich Sorgen um ihren Vater? Oder war es etwas gänzlich anderes?
„Danke.“
Brummte er. Dann las er den geschriebenen Text. Seine Augen wurden schmaler … rummsen ... rummsen … rummsen! Der Drache, natürlich, Chasin hatte die Wachen manipuliert, damit sie nichts bemerkten. Oups.
Er schob die Maske wieder zurecht und lehnte sich vor, so dass seine Ellenbogen auf dem Tisch zum liegen kamen und bettete sein Kinn darauf.
„Ich verrate es Euch. Wenn ihr mir verratet, warum ihr euch so ungern in diesem Raum befindet. Die Qualität Eurer Antwort wird Einfluss auf die Qualität meiner haben.“

Mit seiner Antwort erstaunte er Franceska wirklich: nach erster Überraschung, in der sie den Kopf schief legte, hob sie deutlich die Brauen und lachte einfach amüsiert etwas, wobei sie den Mund geschlossen hielt. Dann schrieb sie auf die Tafel:
Ich habe tatsächlich einfach zu tun.
Walsing wird mich sprechen wollen.
Sie zögerte kurz und fügte hinzu:
Nachdem er geregelt hat, was immer Euch Ärger
machte. Die Inquisitoren?
Informanten kommen dort hin, wo
Ihr mich getroffen habt.
Und ich leite Nachrichten weiter.

Sie schob ihm die Tafel hin und sah ihn einschätzend an, offenbar um zu prüfen, ob ihm das reichte...


Also keine Angst … einfach nur beschäftigt. Ob sie es weis? Vermutlich nicht. Irgendwie will ich sie gerade nicht direkt fragen, denn wenn sie es nicht weis, mache ich sie damit misstrauisch.
Und ich habe Informanten Status erreicht ... okay, zutreffend, kann ich mit arbeiten.

„Ich glaube nicht, dass er es ‚schnell geregelt‘ bekommt. Und ja, die Inquisitoren machen mir ärger. Habt ihr eine Ahnung warum?“ Er sah sie forschend an. Vielleicht weist dus doch?
„Hrmm … dann halte ich, indem ich Euch aufhalte, tatsächlich also ein Stück des Informationsflusses auf. Danke, dass ihr trotz allem bleibt.“ Er richtete sich wieder auf, um sich etwas zu strecken. Dann fragte er ganz unschuldig:
„Wisst ihr, wer sich zum Zeitpunkt des lauten Geräusches im Raum befand?“

"Habt ihr eine Ahnung warum?“ Die junge Frau hob abermals die Brauen und ihre Lippen kräuselten sich belustigt, eine Spur spöttisch. Sie hob Hände und Schultern in einer 'Ich habe keine Ahnung'-Geste und schrieb:
Sie können schnell viele Gründe finden,
wenn sie wollen

und wischte das Geschriebene nach dem Lesen sofort wieder weg.
Seinen Dank, dass sie blieb, quittierte sie mit einem entgegenkommenden dankenden Kopfneigen, wirkte aber weiterhin nicht besonders entspannt mit der Situation. Aufmerksam, aber scheinbar ohne Furcht beobachtete sie jede seiner Gesten.
„Wisst ihr, wer sich zum Zeitpunkt des lauten Geräusches im Raum befand?“
Ihre Brauen zogen sich nachdenklich kurz zusammen und der Blick wirkte in sich gekehrt, während sie nachdachte und ihn abwechselnd dabei mit flüchtigen Blicken weiter musterte. Kurz darauf hielt sie sechs Finger hoch und drehte den Kopf abwartend seitlich, ob ihm diese Angabe schon reichte.


„Hrmm …“
Er musterte sie mit schmalen Augen.
„Nein. Das reicht mir nicht. Und ich tue das nicht einmal, um Euch zu ärgern. Ich möchte nur nicht Informationen an eine Person weitergeben, die sie eigentlich nicht haben sollte.“

Ein weiteres Mal schien er sie zu belustigen - wenigstens auf eine Weise, die halbwegs sympathisch blieb, weil ihr dabei sichtbare Überheblichkeit fehlte. Sie deutete ein akzeptierendes - anerkennendes? - Nicken an. Dann zeigte sie auf ihn, offenbar mit der Aufzählung beginnend. In zwei rasch aufeinander folgenden Gesten zeigte sie erst etwa ihre (schlanke) Körperbreite und dann hoch über ihren Kopf: das sollte wohl Chasin darstellen. Dann bemühte sie wieder ihre Tafel:
der junge Graf von Weißenfels
die Knappin von Eibenau
die junge Lichtmagierin Tesséras

Sie zögerte kurz.
und der Graf
Sie sah ihn nun selber einschätzend an und legte sich eine professioneller wirkende Kartenspielermiene zu, schürzte kaum merklich die Lippen.


Er ahnte, warum sie belustigt war. Er tanzte um Informationen herum, als wären es rohe Eier. Aber sie gab auch nichts Preis, dass möglicherweise Klassifiziert war. Oder sie wusste es nicht und ahnte nur etwas. Der Nichtgenannte wollte schon halbwegs Wahrheitsgemäß antworten, da fiel es ihm gerade noch rechtzeitig ein. Er würde damit die Zukunft der Knappin zerstören! Gerade so verhinderte er, dass er sich nicht mit der Hand vor die Stirn schlug, aber man merkte seiner Körpersprache das Zögern an.
Ich bin so ein elendes Klatschweib! Warum nur macht es mir solchen spaß, Dinge zu wissen und weiter zu geben?! Eine Ausrede, die keine Lüge war, musste her.
„Kurz und Knapp: Der Graf hat einen Schädling zertreten, der sich in unsere Gemächer geschlichen hat.“
Er grinste unter der Maske vor sich hin. Das entsprach der Wahrheit – vielleicht war es eine ziemliche Untertreibung aber die Beschreibung war akkurat. Und sie würde es natürlich überhaupt nicht nur so akzeptieren, nicht, nachdem er vorher solange um das Thema herumgeschlichen war. Das grinsen verblasste.
Gebt dem Dunkelelfen eine Schaufel, und er buddelt sich sein eigenes Grab, lasst ihn reden und … na, was passiert?
„Und da ich meinem Wort gerade nicht sonderlich treu bleibe, habt ihr noch andere Fragen außerhalb dieses Themas, die ihr mir stellen wollt?“

„Kurz und Knapp: Der Graf hat einen Schädling zertreten, der sich in unsere Gemächer geschlichen hat.“
Ihre Brauen zuckten. In ihre Miene geriet Alarmiertheit, nachdem sie eine Sekunde gebraucht zu haben schien, um diese Aussage einzuordnen. Sie beugte sich leicht vor, und hätte sie sprechen können, hätte sie wohl sofort mit etwas nachgehakt. So aber hob sie nur abwartend das Kinn, als ihr Gesprächspartner danach einräumte, der Frage teils ausgewichen zu sein und kritzelte hastiger auf die Tafel:
WAS für einen Schädling??
Ihr Zeigefinger wackelte auf sein 'habt Ihr noch andere Fragen', dass sie ihn dabei wohl noch beim Wort nehmen würde - doch ganz so leicht ließ sie ihn nicht vom Haken.


Jaaa, natürlich hakst du nach … weil du weist, wie kräftig der Fußtritt des Grafen sein könnte? Aber auch ohne das hättest du vermutlich nachgefragt.
Und wie winde ich mich da noch raus? Wenn die verdammten Viecher noch in den Palast kommen, nachdem die Dame von Eibenau weg ist, ist die k… am Dampfen – und wer wars Schuld? Der Dunkelelf, der es niemandem verraten hat. Aaaargh! Warum hab ich nicht ‚weis ich nicht‘ gesagt?! Warum bin ich immer der Idiot, der am Ende dumm und ohne Ausreden zurück bleibt? Verdammt Ulyne, ich dachte es lag an dir – aber vielleicht liegts auch an mir …

Er begann gedankenverloren mit dem Messer zu spielen, mit dem er das Obst geschnitten hatte, während sich seine Gedanken im Kreis drehten – genauso wie das Messer, dass mit der Spitze auf dem Holz, geleitet von seinem Zeigefinger, kreiste.
Der Drache hat gesagt, das Mädchen hätte eine Türe damit geöffnet … eine von der ich nicht weis, ob sie wieder geschlossen wurde.
Aber wenn sie nicht weg sind, bevor ein Haufen wild gewordener Wachen – oder was auch immer – das Zimmer stürmt, kommen sie da nie weg. Ich muss auf Zeit spielen.

„Was schert es Euch noch, das Problem ist erledigt.“
Beantwortete er die Frage offensichtlich ausweichend und unbefriedigend.
„Hattet ihr da einen Brief der Dame de Mondragil auf eurem Klemmbrett?“

„Was schert es Euch noch, das Problem ist erledigt.“
Ja, diese Antwort war eindeutig unbefriedigend! Franceska schürzte nun sichtbar die Lippen, ihr Blick wirkte innerlich noch alarmierter als zuvor und sie schob ihre rechte Hand ein Stück weit über den Tisch, als wolle sie sie beruhigend oder beschwörend auf seine legen - es blieb aber bei der Andeutung.
Ich schere mich, weil ich wissen will, ob es eine
Bedrohung für das Schloss gibt. Oder gab.
Es gab einen Eindringling. ?
Wir sind auf derselben Seite...
warum wiegelt Ihr ab?
, ließ sie noch immer nicht locker.


Du weist, welche Knöpfe du drücken musst, nicht wahr? Aber vermutlich willst du das gar nicht. Vielleicht bist das einfach nur du.
Er umfasste den Griff des Messers so feste das das Leder seiner Handschuhe knarrte und blickte auf den Stiel des inzwischen verzehrten Apfels.
„Wir sind auf derselben Seite.“
Er seufzte und legte das Messer beiseite. Dann beugte er sich vor, die Hände aneinander und gegen die Metallbedeckte Stirn gepresst, den Kopf gesenkt.
„Mir sind die Hände bis zum Abend gebunden, und bis dahin bin ich mir sicher, dass kein Übel eine Bedrohung für irgend jemanden bedeuten wird.“

Als er wieder aufschaute, sah er in ihre braunen Augen, die ihn ruhig, aber forschend ansahen. Sie nickte schließlich bedächtig.
Ihr schützt jemanden aus der Gruppe, richtig?
In Ordnung.
Ich werde es später noch mal fragen.

Nein, ich erhielt bislang keinen neuen Brief.

Sie zögerte kurz, dann schmunzelte sie, während sie schrieb:
Vielleicht liegt er gerade an meinem Platz, an
dem ich nicht sitze...
Wollt Ihr es mir sagen, was sie geschrieben haben wird?

Dann hob sie auffordernd die Brauen und nahm sich einen Keks.


Irgendetwas an Franceska rührte etwas an ihm an. Was wirklich wirklich NICHT gut war … nun, solange ihr nicht aufging, wie leicht er ihr aus der Hand fressen würde…
Je mehr er überlegte, desto unwahrscheinlich war es, dass Chasin einen Brief an den König verfassen würde … eher würde sie es persönlich tun – und der einzige Zeitpunkt dazu war … Jetzt. Ging es ihm auf.
Er nickte Dankbar, weil sie ihn verstand und seine Entscheidung respektierte.
„Nein, je länger ich darüber nachdenke, desto unwahrscheinlicher wird es… sie wird die Botschaft selbst überbringen wollen.“
Zanfar richtete sich wieder etwas auf und lehnte sich auf dem Stuhl zurück.
„Da ich Euch ja gerade hier fest halte …“, sagte er mehr zu sich selbst, „Die Dame de Mondragil wird den Palast in Begleitung des Grafen verlassen. Ohne mich.“
Er schnalzte missmutig mit der Zunge.
„Dann bin ich wohl die einzige exotische Kuriosität am Hof“, versuchte er einen Scherz zu machen, den er wenig überzeugend vortrug. Zu schwer im Magen saß ihm die Konsequenz dessen, was unweigerlich passieren würde.

Das war eine Information, die Franceska erst mal verdauen musste. Der Nichtgenannte hatte eine Bombe entschärft und eine andere dafür gerade platzen lassen. Der Keks, den sie eben hatte essen wollen, sank in ihrer Hand unbeachtet wieder zum Tisch und wurde dann hastig beiseite gelegt, um der Kreide Platz zu machen:
Ohne Euch?! Warum? Hattet ihr Streit?
Und was wird mit der Herzogin? Die Edle gab ihr Wort!
Was ist mit Euch?
Wo will der Graf hin?
,
löcherte sie ihn mit Fragen.
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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Zanfar Aval'athil » Freitag 12. Oktober 2018, 23:02

Erzähler
Zanfar




Zanfar grinste schief unter der Maske.
„Es ist alles in Ordnung mit der Dame de Mondragil und mir, unser beider Pfade trennen sich in Frieden und Freundschaft.“
Die Worte hinterließen einen bitteren Geschmack auf seiner Zunge.
Trennen … wir gehen unterschiedliche Wege …
Er rieb sich die Brust, die sich anfühlte, als hätte er ein Loch darin. Kurz schloss er die Augen um das Gefühl beiseite zu schieben.
„Die Edle spricht vermutlich gerade in diesem Moment mit seiner Majestät … und ich bin hier, um das Versprechen zu erfüllen. Wenn es in meinen Möglichkeiten liegt, werde ich sie retten.“
Und ganz nebenher nicht meine einzige Freundin dem Feind ausliefern und dieser Invasion eine neue Waffe aushändigen. Alle haben gewonnen, sie wissen es nur noch nicht.
Er meinte es so, wie er sagte.
„Was den Graf angeht, ich fühle mich nicht befugt, über dessen Pläne oder Beweggründe zu Urteilen … aber was das Ziel betrifft: soweit ich weiß, Planen die Herrschaften nach Drachma zu reisen.“
Er faltete die Arme vor der Brust und musterte die Franceska forschend.
„Tja, aber was wirklich mit mir ist, werden wir wohl noch sehen, was?“
Der Nichtgenannte klang bitter, als er dies feststellte.


Franceska legte den Kopf schief und hörte ihm aufmerksam zu. Und sie verfügte vermutlich auch über eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, zumindest entgingen ihr Gesten wie das Reiben über seine Brust ihr nicht. Nachdenkend klopfte sie mit ihrem Kreidestück leicht gegen den Rahmen der Tafel, wo dieser auch alten, weißen Belag aufwies - wohl eine häufigere Geste des Nachdenkens.
'Wisst Ihr etwas über Drachma?', landete auf der Tafel, aber sie schien mit einem Nein zu rechnen. Schließlich hob sie leicht die Schultern und schrieb:
'Ich weiß nicht, was Walsing planen wird, wenn er davon erfährt.
Die Fähigkeit der Edlen schien ihm wichtig zu sein.
Ihr aber auch.'
Sie hob die Schultern und warf einen kurzen Blick zur Tür.
'Soll ich Euch Eure Flöte holen? Bücher?'



Wie Franceska erwartete, schüttelte er nur verneinend den Kopf bezüglich Drachma.
Nachdenklich betrachtete er die junge Frau. Sie machte einen unscheinbaren unwichtigen Eindruck, aber sie hatte gerade äußerst erfolgreich Informationen gesammelt – die sie jetzt sicher dringend in die richtigen Hände geben wollte.
Er überlegte kurz, ob er weiter auf Zeit spielen wollte, aber dann wurde ihm klar, dass er genauso wie sie wissen wollte, was vor sich ging.
Trotzdem brummte er ein wenig traurig.
„Flöte und Bücher klingen gut …“
Sogar von der Flöte weis sie …
„Na dann viel Erfolg bei der Suche nach Eurem … nach Niklas san Walsing.“



Sie lächelte scheu und schloss für einen Augenblick die Augen, in einer Geste, die man als Versuch der Beruhigung interpretieren konnte - oder als Dank auf seine Rücksicht, von Niklas nicht mehr als von ihrem Vater zu sprechen? Ein Dank, dass er sie 'endlich' gehen ließ?
Sie schrieb noch:
'Ich schätze' - strich das Wort durch und ersetzte - 'fürchte, ich werde
deutlich eher wieder da sein als Walsing.

Darf ich' - sie zögerte und wies dann zur Eingangstür,
die Tür abschließen? Hier soll nicht jeder rein.
Wenn es klopft, ignoriert es!'




Sie ist wirklich süß. Ich sollte unscheinbar aus ihrer Beschreibung definitiv streichen…
Er kommentierte ihre Feststellung nur mit einem Schulterzucken.
Solange die Inquisition danach nicht mehr an mein Fell will … verdammt, ich hasse es, von anderen abhängig zu sein …
Auf ihre Nachfrage, ob sie abschließen könnte, wanderten seine Augenbrauen in die Höhe – was sie natürlich nicht sah.
Egal, wie süß ich dich finde …
„Nein.“
Stellte er eisern fest und fügte dann nach einer Verzögerung hinzu:
„Tut mir Leid, aber eine verschlossene Tür ist keine Option. Lasst mir den Schlüssel hier. Ansonsten denke ich, bin ich durchaus in der Lage jeden, der meint sich ungebeten Zugang zu verschaffen, den Weg nach draußen zu weisen.“



Überlegend hielt sie inne. Nickte ein paar mal leicht für sich, bis sie dann kurz deutlicher den Kopf schüttelte und schrieb:
'Und ich darf auf keinen Fall den Schlüssel her geben.
Ich lasse offen.
Aber bitte seid einfach leise, wenn ihr merkt, dass
jemand vor der Tür ist!'
Sie hob fragend die Brauen, um seine Antwort abzuwarten, bereits am Tisch stehend und aufbruchbereit.




Er wedelte elegant mit der Hand in Kopfhöhe und neigte sein Haupt.
„Still und Leise ist mein zweiter Vorname.“



Er schaffte es: sie grinste ein mal breit, was ihr Gesicht ganz anders wirken ließ: selbstbewusster, kess. Sie wollte gehen, als ihr noch etwas einzufallen schien:
'Wo ist eigentlich Eure zweite Waffe?
Soll ich sie holen?'




Ganz unbewusst erwiderte er das Lächeln und er feierte innerlich den kleinen Erfolg – bis ihn der unschuldige Kommentar wie ein Faustschlag in die Nieren traf. Seine Hand krampfte sich zur Faust aber er antwortete so ruhig und unbedarft, wie ihm möglich war.
„Nein, danke. Die Waffe ist dort, wo sie hin gehört.“



Die junge Frau schien kurz irritiert, nickte dann aber nur und ging endlich. Es folgte der Teil, den Zanfar bisher so gut es ging vermieden hatte: Warten... Alleine...



Die ersten Minuten waren einfach, da er endlich schamlos dem nagenden Hunger nachgeben konnte, der ihn seit dem Morgen quälte. Aber nachdem sämtliche Kekse den Weg der wohlschmeckenden Backwaren gegangen waren; Und ein weiterer Apfel, eine Birne und zwei Karotten denselben Weg gingen, blieb ihm nichts weiter zu tun, als in dem kleinen Raum mit sich allein zu sein.
Es war gut, dass er Franceska so lange aufgehalten hatte – nicht nur, weil sie ihn vom Denken abhielt, sondern auch, weil er seiner Paranoia mit ihren doch recht entspannten Reaktionen hatte Einhalt gebieten können.
Außer natürlich, dass ich ihr viel mehr Verraten habe, als ich wollte ...
Aber jetzt blieb ihm nichts weiter außer … so leise als möglich bewegte er sich durch den Raum und betrachtete die spärliche Einrichtung neugierig. Und auch die Türe, durch die Franceska getreten war, um das Obst und die Kekse zu holen, blieb nicht ununtersucht. Der Nichtgenannte lauschte daran und würde versuchen, ob er den Raum vielleicht betreten konnte – sofern er leer war.
Alles war ihm recht, solange er keine Zeit hatte, nach zu denken.



Es war furchtbar, wie laut Geräusche wurden, wenn es um einen herum sowieso sehr still war und man sich vorgenommen hatte, leise zu sein: Eigentlich quietschten die Schranktüren gar nicht so laut...
Dahinter offenbarten sich einige Trinkkelche, wenige Gläser, teils angestaubt, eine leere Karaffe, zwei drei Schalen wie die für das Obst und zwei Flaschen: die eine mit Wein, die andere wohl mit irgend einer Spirituose. Einfache Gebrauchsgegenstände. Auch ein paar Bögen Papier, ein Tintenfass und Federn. Ein kleiner Stapel Handtücher. Eine Wolldecke. Das interessanteste war eine Mappe, die einige Zeichungen enthielt, nicht besonders künstlerisch begabt, aber wohl genügend detailliert, um Wiedererkennungswert zu haben. Sie zeigten mehrere Häuser. Zwei davon kannte Zanfar aus der Stadt, eines war ein Händlerhaus, ein anderes eine Kanzlei, die zum Zollwesen gehörte. Hier wies ein Pfeil auf ein bestimmtes Fenster im ersten Geschoss...
Die Tür weiter hinein in die Räumlichkeiten, von wo Franceska das Obst geholt hatte, war abgeschlossen, das Schloss wirkte nicht übermäßig kompliziert, aber durchaus gut und es war dahinter mucksmäuschenstill.



Das Zimmer, so klein es auch war, bot doch mehr als man vermutet hätte. Zumindest die Zeichnungen betrachtete der Dunkelelf eine Weile interessiert, legte sie dann aber fein säuberlich zurück an Ort und Stelle.
Franceska hatte ja erwähnt, dass hier zumeist Informanten hergebracht wurden. So ohne Kontext brachten die Zeichnungen im wenig, aber wer wusste schon, was da noch auf ihn wartete. So hatten sie ihm wenigsten ein wenig Abwechslung geboten.
Er hatte vergessen, dass Franceska die Tür gleich wieder verriegelt hatte, aber die verschlossene Türe war so freundlich, ihn an ihren Status zu erinnern.
Selbst wenn er Werkzeug bei sich gehabt hätte, um Schlösser zu knacken – was er, wenn überhaupt nur leidlich beherrschte - er war nicht hier, um Schlösser zu knacken oder herum zu schnüffeln.
Also bewegte er sich weiterhin leise und merkte schnell, dass er nicht einmal raum hatte, unruhig auf und ab zu gehen. Nicht, wenn er leise sein wollte, denn in dem engen Zimmer würde er früher oder später gegen irgendeinen Gegenstand treten.
Er seufzte tief.
Ist ja nicht so, dass ich nicht genau die richtigen Werkzeuge hätte, um meinem Geist etwas Ruhe zu verschaffen, nicht wahr?
Bemerkte er sich selbst gegenüber. Der Nichtgenannte suchte sich die Ecke des Raums, die neben der sich öffnenden Tür lag – so dass er für einen Eintreten erst einmal nicht zu sehen war, und setzte sich im Lotussitz, die Wand im Rücken, hin. Er atmete einmal tief durch, legte die Hände auf seine Knie und begann tief durch die Nase ein und den Mund auszuatmen.
Mit jedem Atemzug wurde er sich seines Körpers bewusster und brachte das Chaos seiner Gedanken für den Moment zum Schweigen. Unbewusst hatte er ein paar Zipperlein, die die nächtliche Prügelei mit sich gebracht hatte, ausgeblendet. Jetzt löste er die Kontrolle über den Schmerz und ließ die Welle aus Empfindung über sich Rollen. Ihm wurde bewusst, dass Müdigkeit in seinen Gliedmaßen lauerte und spürte eine leichte Verspannung im Rücken, die von der Anspannung im Gelben Saal herrührte.
Er glitt tiefer in die Meditation und ließ sich von den Empfindungen der letzten Stunden umspülen. Die Aufregung im Saal, die Furcht, aber auch die Freude darüber, die Chance zu haben, Einfluss zu nehmen, präsent zu sein. Seine Aversion dem Drachen gegenüber, seine Zuneigung zu Delilah und seine tiefe Verbundenheit zu Chasin.
Zwei Gefühle dominierten ihn – die Angst um seine Zukunft und der Schmerz, sich von Chasin verabschieden zu müssen. Und als er tiefer in sich hinein fühlte, bemerkte er eine gewisse Verwandtschaft zwischen beiden Empfindungen.
Einsamkeit … er fürchtete allein zu sein – und zu bleiben.
Sein Magen wollte sich zusammen krampfen und er verspannte sich wieder.
Der Nichtgenannte konzentrierte sich wieder auf seine Atmung, bis er fühlte, dass sich die Wogen wieder glätteten und begann die Angst zurück zu drängen, indem er sich innerlich das Bild des Kirschbaumes im Garten der Nichtgenannten vor Augen führte. Sogleich fühlte er die mit dem Ort verbundene Sicherheit und den Frieden, den er damit Verband. Und noch etwas blitzte vor seinem inneren Auge auf. Goldenes Haar und rehbraune Augen umgeben von Licht und Freude. Ein lächeln umspielte seine Lippen.
Wie konnte sie sich so schnell in mein Herz schleichen? Ich bedauere, dass uns so wenig Zeit blieb, Delilah.
Das Gesicht vor seinem inneren Auge wechselte und er führte sich die vielen glücklichen Momente mit der Tha’Roon vor Augen. Die seltenen Augenblicke, in denen sie lächelte, das strahlen in ihrem Gesicht, wenn sie etwas neues oder Interessantes erfuhr. Das Gefühl ihrer Lippen auf seinen, ihr seidig rotes Haar…
Trauer krampfte ihm das Herz zusammen und er ließ dem Schmerz freien lauf. Er wusste, eine kurze Meditation würde ihn nicht davor retten, sie zu vermissen, aber er konnte sich Zeit nehmen, sich von ihr zu verabschieden und so saß er im Lotussitz da und nahm Abschied von der großen einzigartigen Tha’Roon, in der er eine Gleichgesonnenen gefunden hatte. Ein weiteres verlorenes Kind seines Volkes, dass auf der Suche nach Heimat war und sie an überraschenden Orten fand.
Sie hatten einander so vieles beigebracht, hatten Freude und Leid geteilt und fast jede freie Minute der letzten drei Jahre miteinander verbracht. Sie hinterließ ein leere in seinem Herzen, die er noch länger spüren würde … eine Leere, die zuvor sein bester Freund hinterlassen hatte. Nur das Chasin leben würde – ja vielleicht sogar glücklich würde – und nicht wie der Freund für immer verloren war.
Das ist das Leben … Menschen kommen und Menschen gehen. Aber es geht immer weiter.
Er holte noch einmal tief Luft und ließ auch diesen Gedanken ziehen und flutete seinen Geist stattdessen mit Leere. Nichts zu denken war eines der schwierigsten Dinge, die er je zu Meistern hatte und es hatte ihn lange Jahre gekostet diesen Zustand zu erreichen. Es gab nichts mehr in seinem Geist außer Frieden.
Und nun nahm er auch das erste Mal wieder sein Umfeld wahr und lauschte auf die Geräusche in seiner Umgebung. Währenddessen schlich sich Müdigkeit in seine Glieder und ließ ihn spüren, dass er in zwei aufeinander folgenden Nächsten kaum bis gar nicht geschlafen hatte.

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Re: Gelber Saal - "Es ist Krieg!"

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 18. Oktober 2018, 22:49

Der überfällige Ortswechsel...

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