Blutige Absetzung eines Ratsmitglieds

Nach dem Tod des Hohen Rates wird Pelgar nun vom dunklen Herrscher und Tyrannen Kraen Amraén regiert. Er hat den Sitz übernommen.
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Blutige Absetzung eines Ratsmitglieds

Beitrag von Sithis » Freitag 11. März 2011, 11:20

[Sithis kommt von - Wohnviertel von Pelgar - Hilfe in Sicht]

Sithis machte den Anfang in einer pechschwarzen Ecke, die nicht vom Fackelschein erleuchtet wurde. Mit seinen Krallen bewehrten Händen klammerte er sich an den Stein und zog sich daran nach oben. Es ging zwar langsam voran, da er immer wieder sein Gewicht verlagern musste, um nicht abzurutschen, aber er kam sicher oben an. Mit Erschrecken stellte er fest, dass die Mauer doch schmaler war, als er erwartet hatte. Direkt danach kam auch schon Kharim emporgeklettert, der trotz Verband fast genau so gut kletterte wie Sithis selbst. Den Speer hatte er in eine Halterung an seinem Rücken gehängt, sodass er nicht behindert wurde. Sithis half seinem Freund das letzte Stückchen und zog ihn hoch.
Nun saßen sie erst einmal da, schwer schnaufend und die Anstrengung verarbeitend. Dann, als sie wieder genug Atem geschöpft hatten, bewegten sie sich vorsichtig die Mauer entlang, bis sie zu einer Stelle kamen, bei der sie leichter auf das Dach des Ratsgebäudes springen konnten.

Wieder war Sithis der erste, der sprang. Er hätte jetzt gerne laut gebrüllt, doch dann wären die Wachen weiter unten auf sie aufmerksam geworden, und das war natürlich nicht in seinem Interesse. Er landete etwas unsanft auf dem Sims und klammerte sich daran fest. Ach du meine Scheiße! Wäre fast schief gegangen! Kurze Zeit später landete Kharim etwas neben ihm auf dem Dach. „Soweit so gut, jetzt lass uns eine Dachluke oder etwas derartiges finden, damit wir da rein kommen.“ Er rappelte sich wieder auf und bewegte sich langsam vorwärts. Irgendwo musste es ja eine Einstiegsmöglichkeit geben.

Einmal verlor er fast das Gleichgewicht, doch durch neues Ausrichten seines Echsenschwanzes konnte er einen Absturz gerade noch so verhindern. Nach unten möchte ich jetzt noch nicht. Blödes Dach! Es ärgerte ihn schon wieder etwas.

Er sah sich hektisch um und entdeckte schließlich einen kleinen Balkon oder besser gesagt, einen Aussichtspunkt und eine Türe nach drinnen. Langsam bewegte er sich darauf zu und hatte kurz darauf wieder festen Boden unter seinen Füßen. Er kratzte einmal prüfend über das Holt, es fühlte sich stabil an. Die Tür ist stark, aber ich bin stärker. Er grinste böse. Mit seinen Klauen packte er die Ränder der Türe und zog daran. Das Holz knackte bedrohlich und nach einer Weile sprang die Holztüre aus der Verankerung. Und so tut sich uns eine Tür auf, auf das wir dem jämmerlichen Ratsmitglied den Tod bescheren können. Anstatt die Türe jetzt runter zu werfen, legte er sie vorsichtig ab. Er wollte immer noch keine Aufmerksamkeit erregen.
Danach traten Kharim und er hindurch und nun begann ein neuer Abschnitt ihres Auftrages...

Drinnen herrschte eine anfangs unerträgliche Hitze. Zumindest kam es den beiden Echsen so vor. Aber im Moment hinderte es sie nicht wirklich daran, sich genauer im Ratsgebäude umzusehen. Ab und an klappte Sithis der Mund vor Staunen auf, da er so viel Luxus nicht erwartet hatte. Jedoch verflog das ganz schnell wieder, da hier überall die Aura von Dekadenz und Überheblichkeit zu spüren war. Widerlich!
Mit den Instinkten eines erfahrenen Jägers pirschten die beiden Echsen vorsichtig weiter. Ab und zu mussten sie kurz abbrechen und Wachen ausweichen, welche sich etwas ungehalten über "gewisse Ratsherrren" beschwerten. Einer deutete in die Richtung eines Flures. Daraus folgterten die Echsen, dass sich einer der Gesuchten dort möglicherweise aufhielt. Deshalb sind wir ja hier. Um euch von euren nutzlosen Oberhäuptern zu befreien. dachte er, in Gedanken lachend.
Dann als sie verschwunden waren, pirschten sie weiter, immer auf den Flur zu. Kurz glaubte er, zwei Schemen in die entgegengesetzte Richtung davonlaufen sehen, doch seine Innere Stimme sagte ihm, dass es nicht die Zielperson war. Er nahm nun einen neuen Geruch auf: es roch nach Alkohol, möglicherweise Wein. Egal. Er hatte sich bisher nicht sonderlich viel aus Alkohol gemacht, er trübte nach einiger Zeit die Sinne und lenkte ihn zu sehr von seinen Aufgaben ab.

Er spähte vorsichtig in den Raum und sah eine Gestalt, die quasi in seinem Sessel zusammengesunken war. Am Gesichtsausdruck und den vielen Weinflaschen am Boden konnte man davon ausgehen, dass dieses Ratsmitglied stockbesoffen war. Auch gut, das erleichtert die Aufgabe. dachte er und trat an den Sessel heran, während Kharim die Türe im Blick behielt. Nicht, dass ihnen noch jemand so kurz vor dem finalen Ziel den Spaß verdarb. Die Person vor ihm lallte schon etwas, hatte aber erkannt, das da jemand vor ihm stand und schlug einfach mal zu. Der Fausthieb prallte an Sithis' Schuppenhaut ab ohne Schaden anzurichten. Amüsant, der Kleine! "Vergeblich, Alter Mann", zischte ihn die Echse an. "Jetzt werdet Ihr dafür bezahlen, was Ihr uns angetan habt." Seine Stimme war leise, aber so bedrohlich wie noch nie zuvor. Mit seinen Worten spielte er auf die Rodung des Mashmoores an und auf die Siedlung die dort hingeklotzt worden war.
Aus den Augenwinkeln sah er Kharim, welcher ihm per Handzeichen signalisierte, dass niemand in der Nähe war. Es war eine gefühlte Ewigkeit her, dass sie mit Worten kommuniziert hatten, aber hier war unbekanntes Gebiet, da war es besser, sich nur mit Gestik zu verständigen.

Dann holte er mit einer fließenden Bewegung seine Waffe hervor, der Axtkopf war noch immer mit Blut bedeckt. Er holte aus, die Wut und der Zorn gaben der Waffe eine noch höhere Durchschlagskraft und in Sekundenbruchteilen fraß sie sich durch den Köper des Ratsmitglieds. Auch die Lehne splitterte in viele kleine Holzsplitter, so groß war die Wucht gewesen. Dann fiel die Gestalt regungslos, in zwei Teile geteilt, vom Stuhl. Ich brauche bloß deinen Kopf, Bastard! Er griff nach besagtem Körperteil und zog daran. Das Knacken, welches ertönte, erfüllte ihn mit einer gewissen Befriedigung und nach kurzer Zeit hielt er den blut triefenden Kopf in den Klauen. Rasch wickelte er ihn in einen Stoff-Fetzen ein. Das war unauffälliger und verhinderte, dass sie eine Blutspur hinterließen. Dann wandte er sich seinem Freund zu. "Wir können gehen. Ich habe was ich wollte", erklärte er und wedelte mit dem blutigen Beutel. Mal wieder war die Echse von Kopf bis Fuß mit Blut bedeckt, was sie jedoch keinesfalls störte. Schließlich war er schlimmeres gewohnt. Während seiner Ausbildung war er durch verottete Eingeweide gerobbt, dagegen war Blut so gut wie gar nichts. Dann war er in seinem Element. Er fledderte die Leiche, zumindest das, was davon übrig war und entdeckte einen goldenen Ring. Offenbar der Siegelring des Ratsherren. Das war mal eine ordentliche Trophäe! Leider steckte der ziemlich fest auf dem Finger, sodass Sithis ihn einfach abriss und dann verstaute.

Noch einmal blickte er zurück zu dem Toten. Er spürte keine Reue oder dergleichen. Nicht für einen Menschen. Nun kann sich der Sumpf endlich wieder erholen. Seine Aufgabe als Krieger oder vielmehr Wächter des Sumpfes nahm er mehr als ernst. Schon allein den Bäumen Schaden zuzufügen war für ihn eine unverzeihliche Tat, es war schon fast wie ein Schlag direkt ins Gesicht. Sein Lebensraum musste geschützt und erbittert verteidigt werden. Auch wenn dazu ein, für Sithis unnötiges, Bündnis mit dem Dunklen Volk geschlossen werden musste. Ich frage mich wirklich, was wohl passiert, wenn die Stadt gefallen ist.

Mit schnellen Schritten pirschten sie durch die dunklen Gänge und kletterten aus dem nächstbesten Fenster in die Parkanlagen, welche um das Gebäude herum lagen. Direkt dahinter war zwar schon die Mauer, doch da würden sie sehr leicht drüber kommen. Es dauerte nicht allzulang, da waren sie auch schon wieder auf der anderen Seite. Forschend hielt Sithis ausschau nach einem Kanaldeckel. Sie waren so reingekommen, also ging es so auch wieder aus diesem Felsloch, wie Sithis die Stadt mittlerweile getauft hatte, hinaus.

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Re: Blutige Absetzung eines Ratsmitglieds

Beitrag von Erzähler » Freitag 15. April 2011, 00:52

Sithis hatte es geschafft, er war zusammen mit Kharim ins Ratsgebäude eingedrungen. Leise und heimlich, wie er es sich selber nicht erhofft hatte, waren sie durch die Nacht und den Schatten geschlichen, bis sie endlich da ankamen, wo ihr Opfer auf sein Schicksal wartete, was in diesem Moment Sithis gewesen war.
Sie hatten beide leichtes Spiel und so war der eigentliche Auftrag im Bruchteil einer Sekunde erledigt, warum auch immer er sich mit einem Mal doch daran hielt und den Dunkelelfen zuspielte. Darüber nachgedacht hatte er jedenfalls nicht.
Seine Beute waren besagter, abgetrennter Kopf und den Schmuck, den der Ratsherr an sich hatte. Darunter waren zum Einen der Siegelring samt Finger, eine dickere, gewundene goldenen Kette und eine weitere Goldkette, an der ein großes Emblem hing, auf dem zumindest das Wappen der Stadt zu erkennen war. Alles fand seinen Weg in die Taschen von Sithis, was sehr lustig aussah, so ausgebeult, wie diese waren.
Hinaus war der Weg einfacher zu finden, immerhin mussten sie nicht mehr suchen und hier hielt sie auch nichts mehr. Sithis wollte nur noch den Kopf abgeben und irgendwie alles hinter sich bringen und Kharim stimmte ihm dabei zu. Jedenfalls war sein Freund froh darüber, dass Sithis das Ganze möglichst kurz gehalten hatte und den Menschen nicht unnötig leiden gelassen hatte.
Der Kopf fand sein Versteck in einem Stofffetzen, welches er sich über die Schulter warf.
Leise begaben sie sich durch die Gänge zurück zum Fenster. Kharim blieb des Öfteren stehen und lauschte in die Dunkelheit hinein, ob ihr Tun unbemerkt geblieben war, aber nichts tat sich. So schlich er bisweilen ganze Gänge vor, um nach dem Rechten zu sehen, eher er Sithis zu sich winkte. Sithis musste erkennen, dass ein guter Späher an seinem besten Freund verloren gegangen war.
Draußen angekommen, bedeutete Kharim ihm, zu folgen, denn im Gegensatz zu Sithis hatte Kharim sich wohl den Weg zu den Abwasserkanälen gemerkt und Sithis’ Ungeduld wuchs immer mehr. Er wollte einfach aus diesem Felsloch hinaus, wie er die Stadt liebevoll getauft hatte.
Zwischendurch mussten sie Patrouillen ausweichen und sich Schutz in Hauseingängen oder dunklen Nischen suchen. Theoretisch mochte die Nacht hier in Pelgar friedlich sein, da aber Krieg herrschte, ging es hier stellenweise wie in einem Ameisenbau zu.
In dieser Nacht war es besonders laut, viele Soldaten waren unterwegs, die aber ihre Aufmerksamkeit auf anderes gerichtet hatten.

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