In den Gängen des Ratsgebäudes

Nach dem Tod des Hohen Rates wird Pelgar nun vom dunklen Herrscher und Tyrannen Kraen Amraén regiert. Er hat den Sitz übernommen.
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In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Dienstag 10. August 2010, 15:15

Luzien und seine Begleiter kommen von: Vor dem Ratsgebäude


Der Weg öffnete sich dank einer weiteren Tür, die in einen Innenhof des alten Mietshauses führte. Den durchquerten sie, betraten einen weiteren solchen Gang und kamen schließlich in der nächsten Gasse heraus. Das selbe mussten sie noch einmal wiederholen, ehe sie sich auf der nächsten, dunklen Gasse befanden und den Weg zum Hintereingang des Ratsgebäudes endlich einschlagen konnten.
Selbst bis hierher drang noch der Kampflärm, wenngleich naturgemäß in viel gedämpfterer Form. Auch auf der Rückseite des Platzes war es erstaunlich finster dafür, was vorne ablief. Die kleine, unscheinbare Tür wurde lediglich bewacht, was sonst nicht der Fall gewesen wäre.
Es war ein weiterer Mann von Montgomerus, der eingeweiht war, dass jetzt ein neuer Wachmann hastig eingeführt werden musste. Zu was für einer Arbeit war ihm jedoch natürlich nicht bekannt. Zu viele Mitwisser wären nur gefährlich.
Also bedeutete der Vordermann dem Jäger, seinen Helm rasch wieder aufzusetzen, ehe sie in den kleinen, gedämpften Lichtschein des Hintereingangs treten konnten.
Der Hüne blieb an der Seite des anderen, während sein Kamerad mit dem Wächter flüchtig flüsternd sprach.
Dieser nickte und klopfte zweimal kurz und dreimal lang gegen die stabile Holztür.
Von innen wurde hörbar ein Schlüssel herum gedreht, da auch auf dieser Seite ein Soldat stand. Würde ein Angriff drohen, wäre das Klopfzeichen anders, sodass er erkennen konnte, dass jemand Einlass gewährt wurde.
Die Tür wurde geöffnet und die kleine Dreiergruppe konnte in die Gänge des Ratsgebäudes huschen. Wobei der Hüne weiterhin die Position des Letzten einnahm, vor allem, um zu verhindern, dass der Jäger es sich anders überlegte und umdrehen wollte. Schließlich konnte er, im Gegensatz zu seinem Kumpanen schon ein wenig einschätzen, zu was der Geschickte fähig wäre.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Mittwoch 11. August 2010, 15:55

In dem Durchgang war es dunkel und stickig, die kleine Lampe ihres Führers erhellte die Umgebung kaum, doch Luzien war das egal. Für ihn war auch in dieser Dunkelheit alles gut erkennbar, vor allem der Schmutz, auf dem die drei sich fortbewegten. Im stillen fragte der Krieger sich, ob er womöglich den Rest seiner Tage in dreckigen, staubigen, heruntergekommenen Hütten und Durchgängen verbringen musste. Dabei hasste er das doch so sehr! In Gedanken entschuldigte Luzien sich für jeden Fluch, mit dem er seine Mutter beschwert hatte, jedes mal wenn er im Gasthof putzen sollte. Schließlich sah er nun, wie ein Ort ohne pflegende Hand herunter kommen konnte.
Ihr Führer wechselte ein paar Worte mit dem Hünen, dabei hatte der Nachtelf das Gefühl wie Luft behandelt zu werden. Er bekommt seine Waffen sofort, äffte er in Gedanken den schmalen Mann nach. Als ob er, Luzien gar nicht dabei wäre. Immerhin würde er nun wohl schneller wieder bewaffnet werden, das war ein kleiner Hoffnungsschimmer. Das alles schneller ablaufen würde und im inneren des Ratsgebäudes wohl Panik ausgebrochen war, beides machte es dem Nachtelfen einfacher. Solche Situationen konnte man wesentlich besser ausnutzen, als Ordnung. Ein panischer, aufgeregter Soldat ist ein unachtsamer Soldat, so war das schon immer.
Vor sich sah Luzien einen Lichtspalt, der schnell größer wurde. Nach einigem blinzeln erkannte er die Umrisse einer Tür und dann auch den dahinterliegenden Hof. Zügig durchquerten sie den schäbigen, engen Platz der kaum mehr als ein breiter Durchgang war und verschwanden bereits wieder im nächsten Tunnel. Langsam verebbte der Kampflärm. Sie bewegten sich auf direktem Weg von dem Scharmützel weg. Es war kein sehr langer weg mehr, den die drei durch die Gassen nehmen mussten, bis sie endlich an einem Platz angekommen waren, an dessen Ende ein Wächter vor einer Tür stand. Man erkannte sofort, dass sie an der Rückwand des Ratsgebäudes angekommen waren, denn das Gebäude sah selbst hier, an dieser selten benutzen stelle, prunkvoller aus als die umstehenden Häuser.
Kaum hatte der Nachtelf den Wachmann bemerkt, da hatte er sich den Topfhelm bereits wieder über die Haare gestülpt, ohne das er die Anweisung des Vorderen dafür benötigte. Ihr Führer sprach kurz mit dem Wachhabenden, der daraufhin per Klopfsignal die Tür von innen öffnen lies. Luzien lächelte nur matt. Wenn die Dunkelelfen dieses Tor entdecken würden, so wäre ein schlichter Türriegel, das Schloss einer einfachen Holztür oder selbst ein von innen angesetzter Balken doch niemals ausreichend um den Durchgang vor einer entschlossenen Rotte zu schützen. Menschen ...
Kaum war die Tür geöffnet schlüpfte der falsche Gardist hinter dem kleineren Mann hinein. Hinter dem Hünen wurde die Tür wieder verschlossen. Leise atmete Luzien auf. Endlich, endlich war er angekommen! Es hatte wahrlich lange genug gedauert, bis er endlich hier war. Nachdenklich warf er einen Blick über die Schulter und sah in das misstrauische Gesicht des Riesen. Erst jetzt viel ihm auf, dass er den Namen des Menschen gar nicht kannte, dabei waren sie nun seit stunden zusammen unterwegs ... es sollte wohl nicht sein. Vielleicht war es auch besser so, denn nun würde er kein schlechtes Gewissen dabei haben, sollte er den Mann töten müssen. Andererseits ... wahrscheinlich ohnehin nicht.

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Dienstag 17. August 2010, 15:20

Tatsächlich bekam Luzien nicht gerade den besten Einblick in die Gassen und Wege der Stadt, denn seit der Belagerung hatte sich sehr viel verändert, war vieles herunter gekommen, worum sich früher gekümmert worden war. Jedoch seitdem die Dunkle Armee immer näher gerückt war und schließlich auch vor den Toren von Pelgar ihr Lager aufgeschlagen hatten, war eine Menge an Bewohnern geflohen, in Gefangenschaft geraten oder gefallen in den Kämpfen. Durch all das war das Interesse der Verbliebenen natürlich anders geartet, als sich um kleine, unscheinbare und sowieso schon mehr oder weniger verfallene Gänge zu kümmern. Das Ergebnis bekam er nun auf seinem Weg präsentiert.
Und kurz darauf auch den deutlichen Kontrast des mächtigen, in Stand gehaltenem Ratsgebäudes zu den umgebenden Häusern, die noch vor gar nicht langer Zeit völlig anders und gepflegter ausgesehen hatten, genauso wie bewohnter. Aber das war nun unwichtig und obendrein hätte ein Blick in die Runde bei Tageslicht sowieso zu einem anderen Ergebnis geführt.
Als die kleine Gruppe es endlich geschafft hatte, an ihrem Ziel anzukommen, ging es gleich weiter. Hinter ihnen war die Tür von den innen wartenden Wachsoldaten wieder geschlossen worden.
Der schmächtigere Leibwächter lenkte seine Schritte zielsicher den Gang entlang, einmal bei einer Abzweigung nach rechts und dann wieder nach links, sodass nun erst deutlich wurde, dass sie bisher die wirklich schmalen, eher unwichtigen Wege vor sich gehabt hatten. Denn zu dem Hintereingang führte natürlich nicht jener Prachtgang, der stets hell erleuchtet und großzügig mit Wand- sowie Bodenteppichen ausgestattet war. Zusätzlich dazu hatte sich der Weg im Gebäude nahezu verdreifacht.
Rechts und links zweigten in beinahe regelmäßigen Abständen einige geschlossene Türen ab, vor denen gewöhnlich mehr Wachen standen, um zu schützen, was in jenen Zimmern war. Doch nun wurden die Männer andernorts viel dringender gebraucht, sodass der Gang regelrecht leer wirkte, vor allem für die beiden Leibwächter, die es anders gewohnt waren. Allerdings kam ihnen das im Moment nur zugute, denn sie konnten unbehelligt weiter eilen.
Vor einer bestimmten Tür blieb der erste der Männer stehen, klopfte leise an und trat dann einen Schritt zurück.
Es dauerte einige Sekunden, bis die Klinke lautlos hinunter gedrückt und das prächtig geschnitzte Holz einen Spalt breit geöffnet wurde.
Der schlankere Mann sah zu den anderen Beiden und deutete ein Nicken an. Gleichzeitig bekräftigte der Hüne, was zu tun war, indem er dem Jäger einen Schubs in Richtung Tür gab, als Aufforderung, den Raum zu betreten. Denn dort würde es die Waffen und letzten Instruktionen geben.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Donnerstag 19. August 2010, 22:59

Man konnte deutlich erkennen, dass dieser Teil des Gebäudes nicht häufig genutzt wurde. Vor vielleicht zehn oder zwölf Jahren war der Justiziar einmal im Haupttrakt des Ratsgebäudes gewesen. Im Vergleich dazu waren die Gänge durch die das Dreiergespann jetzt ging geradezu schmucklos. Aber Trotzdem, man konnte schon an der Art der Materialien und der Verarbeitung die Pracht des restlichen Gebäudes erahnen. Natürlich, es war nicht die Art von Pracht, wie sie einem Nachtelfen gefiel, der schon des öfteren im Anwesen von Méntara Tronás war. Zu hell und von der Architektur her etwas ganz anderes. Nein, dieser Ort hatte mehr etwas ehrfruchtgebietendes. Doch viel Zeit mit solchen Gedanken verschwendete Luzien nicht. Er prägte sich den Weg dieses Mal genau ein, denn vielleicht erforderte die Situation einen schnellen Rückzug. Den direkten Weg durch ein Fenster würde er zwar vorziehen, aber diese Hintertür mit ihrer schwächlichen Verteidigung war zur Not eine gute Alternative.
Es wirkte fast wie ausgestorben in den engen Gängen. Der Nachtelf war sich eigentlich sicher, dass für gewöhnlich an jeder Ecke gleich ein ganzer Haufen von wachsamen Gardisten postiert war. Aber die dürften nun wohl dringenderes zu tun haben, mit den Untoten in und den Dunkelelfen und Orks vor der Stadt. Im Grunde war dieser Krieg geradezu ein Glückstreffer für Diebe, die ungehindert in verlassene Häuser und unbewachte Paläste einsteigen konnten. Bei diesen Gedanken ballte Luzien die Hände zu Fäusten. Das Leder und das Metall knirschten deutlich hörbar. Das war so ein verdammtes Unrecht, aber was konnte ein einzelner schon tun? Der treue Anhänger seiner Herrin wusste darüber hinaus nicht, wie das Reich sich gegenüber der dunklen Brut verhielten. Noch waren sie nicht weit genug vorgedrungen, als das die Nachtfürsten sich damit zu beschäftigen hatten, aber sollte Pelgar fallen und die Dunkelelfen mit ihren Orks nach Westen ziehen ... Würde das Reich mit ihnen paktieren oder sich gegen sie stellen? Fragen über Fragen, eine Antwort würde er ohnehin nicht erhalten.
Endlich erreichte ihr dürrer Führer eine Tür, die sich wohl als das Ziel der Odyssee herausstellen sollte. Nachdem die Pforte eine Hand breit geöffnet war, bekam Luzien von dem kleineren ein Zeichen einzutreten, das von einem Stoß des Hünen bekräftigt würde. Ohne zu zögern ergriff der Nachtelf die Klinke und stieß die Tür auf, trat hinein. Er war fest davon überzeugt, nun ein weiteres Mal vor Montegomerus zu stehen. Diesem miesen, alten Intriganten!

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Samstag 21. August 2010, 21:51

Selbst in dem Hauptgang, der in einigen Biegungen direkt bis zum großen Eingang führen würde, konnte man erstaunlicherweise nicht hören, dass draußen vor den Toren eine Art Kampf oder sogar Kleinkrieg tobte. Hier war es hingegen regelrecht gespenstisch still, denn auch der Teppich dämpfte natürlich sämtliche Schritte, selbst die von dem Hünen.
Umso lauter klang das leise Quietschen der Scharnieren, das sonst womöglich so gut wie nicht vernommen worden wäre. Doch umso deutlicher ertönte es nun in den Ohren der Drei, sogar als die Tür lediglich so knapp geöffnet worden war. Und noch einmal erklang der "Schrei", als der Jäger dem Wink sowie dem Stoß folgte und den Raum betrat.
Dahinter erwartete ihn ein typisches Arbeitszimmer eines Adeligen. Rechts von der Tür gab es eine kleine Sitzgruppe, bestehend aus einem weichgepolsterten, mit dunkelgrünem Leder überzogenen Sofa, zwei dazu gehörige Ohrensessel und einem niedrigen Tisch dazwischen, auf dem eine Vase mit schon leicht welkenden Blumen stand. An der Wand daneben gab es zwei hohe Regale, mit Büchern gefüllt.
Links neben der Tür hingegen gab es eine Kommode mit reichen Schnitzereien und dunklem Holz, die auch ohne den Schlüssellöchern in der Mitte jeder Lade kostbar aussah. Darauf war eine teuer wirkende Figurine aus weißem Material platziert, die eine junge Schönheit darstellte, gehüllt in fließende Gewänder, die trotzdem jede ihrer Körperformen nachzeichnete. Um das Holz nicht zu schädigen, stand sie auf einem weißen Deckchen, das mit bunten Stickereien verziert war. Darüber hing ein kleiner Spiegel mit Goldeinrahmung.
Die Wand gegenüber der Bücherregalen war mehr oder weniger leer und bot ungehindert den Blick auf die helle Tapete mit Szenerien in der Natur. In jenem Winkel grasten Rehe und eine kleine Reihe Vögel flog über sie hinweg, in einem anderen veranstalteten zwei grazile Schönheiten ein Picknick und dergleichen vieles mehr.
Schräg vor der Ecke zur vierten Wand, in welcher sich auch große Fenster befanden, vor die nun die schweren, dunklen, samtenen Vorhänge gezogen waren, stand ein großer, wuchtiger Schreibtisch. Auch dieser war reich mit Schnitzereien verziert und war vermutlich gemeinsam mit der Kommode in Auftrag gegeben worden, denn sie wirkten, als gehörten sie zusammen. Darauf gab es viele Schreibutensilien, Tintenfässchen, Schreibfedern, Papier, Siegelwachs, eine Kerze zum Erhitzen und noch einige andere Dinge mehr.
Ingesamt wurde der gesamte Raum von Kerzenleuchtern erhellt, die an der Wand befestigt worden waren. In der Mitte des Raumes hing ein prächtiger Luster, der fast schon überladen wirkte.
Hinter dem Schreibtisch saß einen Moment zuvor noch Montgomerus, der sich nun erhob, als der Jäger den Raum betrat. Auf seinen Lippen lag ein feines, überhebliches Grinsen, als er hervor trat, und er dachte gar nicht daran, seinem "Gast" einen Sitzplatz anzubieten.
Der Hüne folgte ihm in den Raum hinein und nahm neben der Tür Aufstellung, während der andere draußen blieb und darauf achtete darauf, dass ihnen niemand zu nahe kommen und lauschen konnte.
Der Koloss hingegen verschränkte abwartend die Arme und präsentierte dadurch seine Muskeln nur noch mehr.
"Ah, du hast also deinen Weg trotz der Umstände hierher gefunden.", eröffnete Montgomerus das Gespräch, als hätten sie noch immer alle Zeit der Welt.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Sonntag 22. August 2010, 20:14

Als Luzien das Arbeitszimmer betrat, kam es ihm so vor, als wäre er durch die Pforte in einen Alptraum aus Kitsch geraten. Alleine sich hier drinnen umzusehen, tat schon fast physisch weh. Diese bunten Tapeten, die eine langweilige Naturlandschaft zeigten, einfach schrecklich. Da halfen auch nicht der Anblick der billigen Schnitzerin, des protzigen Kronleuchters oder der klobigen Möbel, die gar nicht zu den Wänden passten. Freiwillig würde der Nachtelf niemals in so einem Domizil Arbeiten, geschweige den wohnen wollen. Doch das war jetzt zweitrangig, mit wichtigerem galt es sich zu beschäftigen.
Montegomerus saß an seinem Schreibtisch als Luzien eintrat, erhob sich aber fast sofort. Das schmierige Gehabe, dieser dümmliche Gesichtsausdruck. Nein, ihm schuldete der Nachtelf keinen Respekt. Lässig lies er sich in den nächstbesten Sessel sinken und legte die Füße auf den niedrigen Tisch hoch. Dabei warf er fast die Vase um, doch darum scherte der gezwungene Komplize an Montegomerus’ Intrige sich nicht. Stattdessen nahm er den Halm ab und legte ihn sich in den Schoß, mit einem kurzen Blick versicherte er sich, dass der Hüne noch an der Tür stand. Der hagere Wicht, der die beiden Krieger hier her geführt hatte, war nicht eingetreten. Entweder wartete er draußen oder war zurück auf seinen Posten gegangen. Auch wenn der kleinere Diener nicht lange in Luziens Nähe gewesen war, er mochte ihn nicht. Das lag wohl daran, dass einem Krieger wie Luzien, für den Ehre das wichtigste war, niemand sympathisch sein konnte, der sich freiwillig in den Dienst eines solchen Drecksacks stellte.
Montegomerus eröffnete das Gespräch. Doch seine Worte halfen nicht sonderlich dabei, die Stimmung des Nachthelfens zu bessern. Einen Moment lang schwieg er. Der Justiziar hatte sich dazu entschlossen, ein wenig zu bluffen, schließlich konnte der Ratsherr nichts über ihn wissen. „Ich an deiner Stelle wäre gar nicht mehr so glücklich, Herr,“ setzte er an und lächelte böse. „Was glaubst du eigentlich, wie die dunkle Armee reagieren wird, wenn sie erfährt das du gegen die Abmachung verstoßen hast? Und die Situation ist auch äußerst fragwürdig, nicht wahr? Alles ist aus den Fugen geraten. Deinen nächsten Schritt solltest du dir nun ganz genau überlegen, Montegomerus, dir ist doch klar, dass deine Glaubwürdigkeit unter den Führern der Dunkelelfen und Orks gleich null geht. Da sollte man nicht den einen Tropfen zuviel in die Schale geben...“
Es blieb keine Zeit, um ein Wortduell auszufechten, dass musste auch dem Verräter an seinem Volk klar sein. Und an der Nuss, die Luzien ihm zu kauen gegeben hatte, würde er sich auch die Zähne ausbeißen. Im Grunde waren sie ohne Rückhalt, doch das konnte der Mensch nicht wissen. „So wie ich das sehe, solltest du nun lieber ein wenig mehr auf meinem Rat hören. Die dunkle Armee zahlt mich auch aus, wenn dein Plan scheitert und ich dem Notfallprotokoll nachgehen musste ... Vielleicht lohnt es sich inzwischen ja doch für dich, ein wenig mehr ... nennen wir es mal „Vertrauen“ in mich zu investieren ....“
Die Betonung auf dem letzten teil des Satzes war klar. Luzien versuchte seine Maske als Mann zu verstärken, der sich nur für Geld interessierte und dessen Loyalität man kaufen konnte. Mit allem anderen hätte er den misstrauischen Ratsherr nicht überzeugen können ...

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 25. August 2010, 21:32

Die Augenbrauen des Ratsherren schossen missbilligend in die Höhe, als sich der Jäger einfach auf einem der Stühle niederließ. Aber als dieser auch noch beinahe etwas zu Bruch gehen ließ und seine gesamte Haltung ausschließlich seine Frechheit ausdrückte, schnaubte er verächtlich und warf seinem Leibwächter einen vernichtenden Blick zu.
Dieser deutete ein hilfloses Schulterzucken an. Er hatte auf ihn Acht gegeben, dass er nicht abhaute, jedoch war es nicht seine Aufgabe gewesen, ihm Manieren beizubringen. So gern er ihm diese auch eingeprügelt hätte, er war trotz allem nicht für alles zuständig.
Montgomerus presste flüchtig die Lippen aufeinander und warf nun dem Jäger einen vernichtenden Blick zu. Dann straffte sich seine Haltung noch mehr und sein ganzes Gesicht wurde zu einer kalten, ausdruckslosen Maske.
Was sich nur flüchtig bei den Worten des anderen änderte, indem sich sein Blick verdunkelte, ehe er sich wieder in der Gewalt hatte. Nun gestattete er sich sogar ein kaltes, überhebliches Grinsen.
Diese Bemerkungen waren lächerlich und sinnlos, vergeudeten lediglich seine Zeit und das im wahrsten Sinne, wie es nur sein konnte. Er sollte nicht mehr so glücklich sein? Als ob der Jäger auch nur die geringste Ahnung hatte, wie sein Abkommen mit der Dunklen Armee aussah. Und durch seine Worte bewies er nur, wie gering sein Wissen war. Es lief zwar nicht mehr alles nach seinem ursprünglichen Plan, allerdings hatte er mit dem Angriff draußen nichts zu tun, jedoch hatte er schon eine Notlösung. Außerdem erinnerte er sich noch an die kleine Botschaft, die man dem anderen mitgegeben und die er gelesen hatte.
Aber er sagte dazu erst einmal nichts, sondern wandte sich an seinen Leibwächter. Mit Absicht, um den Jäger etwas zu ärgern und in dem Glauben darauf, dass er es nicht verstehen würde, verwendete er die Heimatsprache der Hauptstadt. "Er will mich reinlegen. Hast du ihn zu oft am Hinterkopf getroffen?", spottete er und der Tonfall würde ausreichen, um den Jäger vermutlich zu provozieren.
Sein Leibwächter grinste dreckig. "Ich wünschte, ich hätte, Herr. Jedoch wollte ich nicht, dass er Euch nicht mehr zu Diensten sein kann."
Montgomerus nickte und blickte den Sitzenden wieder kalt an. "Nette, kleine Finte. Allerdings sollte du für so etwas mehr an die Hintergründe denken. Du weißt nichts von meinen Abmachungen und scheinbar auch nicht, was man dir als schriftliche Botschaft mitgegeben hatte. Du solltest das demnach unterlassen oder ich werde selbst heraus finden müssen, wozu du den Topf Honig benötigen wolltest." Mit jedem Wort wurde seine Stimme schärfer, denn allmählich hatte er genug.
Ein zustimmendes Grunzen kam von dem Hünen an der Tür, als Zeichen, dass er das nur zu gerne selbst tun würde.
"Gut, nachdem wir das also geklärt haben, solltest du dir erst einmal darüber klar werden, ob du weiterhin solche Tricks anwenden und somit ausprobieren möchtest, zu was meine Leute fähig sind. Oder ob du dich besinnst und die veränderten Gegebenheiten berücksichtigst, wie sie nun feststehen."
Der Ratsherr musste zugeben, dass dieser freche, kleine Wicht an seiner Selbstbeherrschung zu kratzen vermochte. Doch noch würde er sich bestimmt nicht zu einem offenen Ausbruch der Wut hinreißen lassen, sonst wäre er schließlich nicht Montgomerus und hätte es niemals soweit gebracht!
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Donnerstag 26. August 2010, 00:38

Kaum sah Luzien das dümmliche Grinsen im Gesicht des Ratsherren, da wusste er auch schon, dass sein Bluff gescheitert war. Die Augen das Nachtelfen wanderten langsam zur Seite blickten Starr in Richtung des Hünen, dann taxierten sie auch schon wieder den anderen Menschen. Es war von vorn herein ein Riskantes Spiel gewesen, er hatte alles gesetzt und verloren. Doch letztlich blieb ihm ein Trumpf, den er nun noch nicht verschwenden wollte.
Ohne etwas zu sagen oder auch nur die Miene zu verziehen, hörte er den kurzen Wortwechsel zwischen Meister und Diner mit, von dem er natürlich nicht das geringste Verstand. Garmisch, dass was die Menschen in dieser Stadt eine Sprache nannten, war ihm viel zu grob und ungeschliffen, um auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden sie zu lernen. Aber Luzien musste den genauen Wortlaut nicht kennen, um zu wissen das sie über ihn sprachen. Es gab einfach keinen anderen Grund, um in einem Zungenschlag zu reden, den ein Anwesender nicht verstand. Wieder wanderte der Blick zu dem Leibwächter, dabei waren die Muskeln des Elfen angespannt. Wenn Montegomerus seinem dümmlichen Riesen einen Befehl zum angriff gab, wollte er darauf gefasst sein. Doch dem war anscheinend nicht so, denn fast sofort eröffnete der schleimige Verräter, was an der Heimtücke des Justiziar nicht passte und weswegen sie aufgeflogen war. Es stimmte, er wusste nichts von den Plänen zwischen dem Menschen und den Dunkelelfen, solche Intrigen interessierten ihn auch nicht. Er wusste auch nicht, was auf diesem blöden Zettel gestanden hatte, denn am Ende war auch das vollkommen unwichtig. Alles was er gehabt hatte, waren die Worte eines Dunkelelfen, der dem Ratsherren nicht vertraute und der Luzien freie Bewegung innerhalb der Stadt erlaubt hatte. Das war anscheinend nicht genug gewesen.
„Nun gut, ich gestehe. Ich habe versucht mit gezinkten Karten zu spielen und bin aufgeflogen. Aber wer bist du, mir das zu verübeln? Alles was ich wollte war eine bessere Bezahlung, für die Strapazen, die ich hier durch machen musste!“ In seinen Worten lag genug Wut und deutlich gezeigter Misswille, um sie mehr als glaubwürdig erscheinen zu lassen, zumal sie auch mit dem zuvor gesagtem zusammen passten. Bislang hatte jeder in ihm nur den geldgierigen Kopfgeldjäger gesehen.
Luzien schob das rechte Bein über den Tischrand, hinterlies dabei einen tiefen Kratzer im Holz und schmiss die Vase endlich doch noch um. Sie viel scheppernd zu Boden, blieb aber bejammernswerter Weise heil. Mit einem Ruck beförderte der Nachtelf seinen gepanzerten Körper in die Luft. Den Helm unter den Arm geklemmt, starrte er abweisend in Richtung seines „Auftraggebers“. In seinen Augen war dieser Kerl nicht mehr wert als der Dreck unter seinen Stiefeln. Keine Sekunde länger als nötig wollte er in dessen nähe verschwenden. In einer fließenden, aber langsamen Bewegung stülpte er sich den Helm wieder über. „Bewaffnet mich endlich und führt mich dorthin, wo ich das Blut eines Menschen vergießen soll. Meine Zeit ist Kostbar. Und am Ende bin ich es, der als einziger wirklich weiß, was hier vor geht.“ Die Worte in Herendia betonte Luzien so, als wären sie ein Fluch oder eine Verwünschung. Zumindest darin wa er sich sicher: Dieser Wurm Montegomerus konnte unmöglich eine so seltene Sprache wie die seiner Heimat verstehen!

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Freitag 27. August 2010, 19:59

Montgomerus grinste zufrieden, als der Jäger einsah, dass er einen Fehler gemacht hatte und das auch noch zugab. Seine Augen allerdings blieben kalt und hart. "Für deine Bezahlung bin ich nicht zuständig. Solche Sachen solltest du mit den dafür zuständigen Leuten klären, nicht versuchen, mich zu hintergehen. Sonst sehe ich mich gezwungen, das zu erwähnen, wenn ich mit den Verantwortlichen wieder zusammen komme." Obwohl seine Stimme leise war und beinahe schon freundlich wirken könnte, war sie gerade durch ihre geringe Lautstärke umso schneidender. "Abgesehen davon, erkenne ich keine Strapazen. Mein Leibwächter hat schließlich dafür gesorgt, dass es dir in der Zwischenzeit an nichts gemangelt hat.", fügte er noch hinzu und der Hüne an der Tür grinste freudlos.
Oh ja, er war lange genug der Aufpasser gewesen und hatte gehorsam den anderen nicht verprügelt. Noch nicht... Aber die Zeit würde schon noch kommen. Wobei er in seinem stillen Triumph daran dachte, was für ein Vermögen er voraussichtlich für die Steine in dem Handschuh bekommen würde, da er ihm wohl oder übel zu klein wäre, um ihn selbst zu tragen.
Indes bekam sein Herr beinahe einen Herzinfarkt, als nicht nur sein teurer Schreibtisch beschädigt, sondern auch noch die Vase hinunter geschoben wurde, mit vollster Absicht! Lediglich der Umstand, dass sie nicht zerschellte, hielt ihn wenigstens davon ab, seine Fassung zu verlieren.
Trotzdem zischte er in seiner Muttersprache einen derartigen Fluch, dass sogar sein Leibwächter einen Moment lang überrascht eine Augenbraue hob. Er hätte nie gedacht, dass der Ratsherr solch ein Vokabular beherrschte.
Dennoch tat Montgomerus nichts, außer seine Hände zu Fäusten zu ballen, bis sich seine kurzgeschnittenen, gepflegten Nägel in die Haut bohrten, um ihn bei Sinnen zu halten.
Das würde er gegenüber seinen Verbündeten erwähnen, mit Sicherheit, und auch noch auf entsprechenden Ersatz pochen!
Sein Blick war eisig und bohrend, als er sich wieder auf den Jäger richtete.
Ob dieser vielleicht doch ernsthaft in Erwägung ziehen sollte, dass es unklug gewesen war, sein Gegenüber derart zu provozieren? Soweit es in der Macht dieses Mannes lag, würde er ihm in Zukunft das Leben zur Hölle machen und zwar gnadenlos!
Allein dieser Ausdruck in seinen Augen sorgte dafür, dass der Hüne sich beeilte, die Vase zu schnappen und in Sicherheit zu bringen. Das bedeutete, er stellte sie eindeutig außer Reichweite der anderen beiden Männer, ehe er seinen Platz bei der Tür wieder einnahm.
Sein Herr hatte ihn nicht einmal beachtet.
Bei den nächsten Worten, die er bis zu dem Wechsel der Sprache verstand, wurde sein Gesicht aschfahl vor Wut, an der er beinahe zu ersticken drohte.
Was bildete sich dieser Kerl überhaupt ein?! Er würde seine Worte eindeutig derart ausschmücken, dass seine Verbündeten diesen Jäger im gnädigsten Fall nur ein paar Gliedmaßen ausreißen würden! Freches, verantwortungsloses Pack! Und er, Montgomerus, musste es sich bis zu einem gewissen Grad auch noch gefallen lassen! Doch das Maß war nun endgültig voll.
Er wandte den Kopf ab und sah seinen Leibwächter an. "Im Nebenraum ist die restliche Ausrüstung. Robald ist in seinem Arbeitszimmer und erwartet die Wachablöse, während er Pläne schmiedet. Bleibe bei ihm im Raum. Wenn alles fertig ist..." Ein kalter, ausdrucksloser Blick traf den Jäger noch einmal. "Tu, was dir beliebt.", zischte er schließlich zwar in die Richtung seines Gegenübers, jedoch an den Hünen gewandt.
Dieser begann schleimig und zufrieden zu grinsen. "Was immer Ihr wünscht, Herr.", erwiderte er, absichtlich nicht in Garmisch.
Auch Montgomerus war damit zufrieden, denn er machte eine wegwerfende Bewegung, würde sich allerdings hüten, diesem Kerl den Rücken zu zuwenden.
Stattdessen gab sein Leibwächter das vereinbarte Klopfzeichen von sich und trat zu dem Jäger, um ihn zu packen und raus zu bugsieren, während von draußen die Tür von dem schmächtigeren Mann geöffnet wurde, der dort gewartet hatte.
Als das offene Türreckteck kurzzeitig nicht von einem von ihnen ausgefüllt wurde, konnte man erkennen, wie rasch Montgomerus zu der Vase trat, sie an sich nahm und fast schon zärtlich auf mögliche Schäden untersuchte. Dieser Anblick währte jedoch lediglich für eine halbe Sekunde, kaum mehr, dann war die Tür auch schon wieder zu.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Sonntag 29. August 2010, 21:46

Auch wenn man es Luzien nicht ansehen konnte, – wie auch, wo der Nachtelf den Topfhelm trug, der sein Gesicht fast vollständig verbarg – so war er doch erleichtert. Montegomerus hatte den Köder geschluckt, war auf die Maskerade des geldgierigen Jägers hereingefallen. Zumindest das war grade noch einmal gut gegangen. Die nächsten Worte des Menschen entlockten ihm dann aber nur ein leises, empörtes Schnauben, das durch den metallenen Kopfschutz aber so sehr gedämpft wurde, dass es weder zu dem Diener, noch zu dem Ratsmitglied dringen konnte. Ihm hatte es also an nichts gemangelt? Das war doch ein Witz. Alleine die Art, wie man ihn wie einen Gefangenen unter Aufsicht gestellt und in eine schäbige Baracke gesperrt hatte, war erniedrigender, als alles was er jemals in seiner Ausbildungszeit hatte durchmachen müssen! Es war nicht einmal eine Erwiderung wert!
Dafür war der Gesichtsausdruck, den man Montegomerus ansehen konnte, nachdem Luzien die Tischplatte ruiniert und die Vase herunter geworfen hatte, fast schon wieder eine Belohnung! Ja, dieser miese, kleine Schleimer war wütend und das war gut so! Die Worte des Pelgarers verstand er nicht, doch war sich Luzien sicher, dass es sich bei den gezischten und gefauchten Sätzen um Flüche und Verwünschungen handelte. Breit grinsend beobachtete der Nachtelf, wie der Hüne die Vase vorsichtshalber außer Gefahr brachte.
Montegomerus sagte noch ein paar Worte, aber diese schienen wohl Anweisungen für den Diener zusein, da dieser mit "Was immer Ihr wünscht, Herr." Antwortete. Dann wurde Luzien von dem großen Menschen mehr mit Gewalt als allem anderen hinaus auf den Gang gelotst, wo noch immer der schmächtige Kerl stand, der sie hergeführt hatte. Neugierig blickte er zurück durch den Türspalt, wo er sah, wie der Ratsherr die Vase auf fast schon peinliche Art und Weise liebkoste. Ann schloss sich die Tür.
Mit einem mal bekam Luzien ein wenig Panik. Wo blieb Montegomerus? Hatte er nicht in diesem dunklen Gebäude, in dem der Plan das erste mal durchgesprochen worden war, gesagt ER SELBST würde den Jäger zu seinem Opfer geleiten? Danach sah es nun aber überhaupt nicht mehr aus! Das lief nicht so, wie der Nachtelf es geplant hatte, im Gegenteil! Wenn Monti nicht in der nähe des Ratsherren war, den er töten sollte, so verlor Luzien jede Möglichkeit, dessen Vertrauen zu gewinnen! Er fühlte wie seine Knie wackelig wurden, doch bemühte er sich standhaft zu bleiben, während er dem Hünen ansah. „Will dein Herr nicht mit uns kommen, um sich zu versichern dass ich meine Arbeit richtig mache?“ fragte er möglichst beiläufig und versuchte seiner Stimme den Klang von Desinteresse zu geben. Er machte sich nichts vor. Montegomerus würde nicht ohne seine Leibwächter durch das Gebäude wandeln, wenn dieses von Kämpfenden umringt war. Doch würde er nun zurück schnellen, hinein in dieses kitschige Arbeitszimmer, so würde ihm der Überraschungsmoment fehlen. Das Zimmer durchschreiten und Montegomerus als Geisel nehmen, während er zwei Krieger im Rücken hatte? Undenkbar. Und selbst wenn es ihm gelingen würde, so wäre die Chance, seine Geisel ungehindert zu dem anderen Ratsherren zu bugsieren gleich null, zumal Luzien nicht wusste wo genau der andere Mensch im Moment war ...
Sein Blick verfinsterte sich. Nein, das hier lief gewiss nicht so, wie er es in den Stunden, die er mit dem Diener verbachte, geplant hatte!

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Samstag 4. September 2010, 18:48

Tatsächlich irrte sich Luzien nicht, denn eigentlich hatte der Ratsher vorgehabt, den Jäger zu seinem Amtskollegen zu bringen und als neuen Soldaten für ihn vorzustellen. Doch durch die neuen Umstände hatte sich das geändert und er hatte Robald bereits gesagt, dass er ihm jemanden zu seinem Schutz schicken würde, sobald es möglich wäre.
Indes kümmerte sich der andere darum, Pläne zur Verteidigung zu schmieden und darauf zu hoffen, dass das Gebäude dem Ansturm standhalten würde. Ihm war auch gesagt worden, dass einer der Leibwächter den Neuen begleiten würde, um ihn den richtigen Ort zu zeigen, und der Mann mittleren Alters hatte keinen Grund, Montgomerus zu misstrauen.
Dieser hatte also schon alles vorbereitet, ohne selbst die sicheren vier Wände seines Arbeitszimmers verlassen zu müssen. Auch wenn Robald de Fein sich erheblich darüber gewundert hatte, dass ein Topf Honig in seinen Raum gestellt worden war, wo er seinen Tee für gewöhnlich mit kleinen Honigkügelchen zu süßen pflegte. Aber auch dafür hatte der andere eine glaubwürdige Erklärung gefunden, die sein Amtskollege geschluckt hatte.
Der schmächtigere der beiden Männer wusste davon und erklärte es in leisen Worten seinem Kameraden in ihrer beider Heimatsprache Garmisch.
Der Hüne nickte, grunzte zustimmend und damit war für ihn das Thema erledigt, da er wusste, was er nun zu tun hatte. Somit ging der andere Leibwächter voran zu einem weiteren Raum, während der Koloss dafür sorgte, dass der Jäger ihm auch folgte. Sonst gäbe es ja schließlich keine Waffe!
Bei der Frage grinste er schmal und freudlos. "Keine Sorge, mein Herr wird schon erfahren, ob du es richtig gemacht hast oder nicht.", gab er gelassen zurück, denn der Jäger würde es so oder so nicht überleben. Dazu hatte er sich zu viel erlaubt, als dass man seine Dienste noch länger in Anspruch nehmen wollen könnte.
Indes hatte der Schmächtigere die Lanze mit einer überaus scharfen Klinge für ihn heraus geholt und drückte sie ihm einfach in die Hand.
Dann nickte er dem Großen knapp zu, wandte sich ab und führte die Beiden weiter durch die Gänge. Dabei näherten sie sich dem vorderen Teil des Gebäudes, vor dessen Mauern noch immer der Kampf tobte, sodass man es gedämpft bis hinein hören konnte, was vorhin bei Montgomerus' Arbeitszimmer nicht der Fall gewesen war.
Schließlich erreichten die Drei ihr Ziel und der Schmächtige klopfte höflich gegen die Tür.
Aus dem Inneren war eine angenehme, männliche Stimme zu hören, auf dessen Geheiß hin die Klinke hinunter gedrückt wurde.
Unauffällig drängte der Hüne den Jäger in den Raum hinein, um ihn keine Chance auf die Besinnung auf etwas anderes zu geben. Auch schob er ihn leicht zur Seite, sodass er ebenfalls eintreten und sein Kamerad hinter ihm die Tür wieder schließen konnte.
Er deutete eine Verbeugung gegenüber den Mann hinter dem Schreibtisch an, der fragend zu ihnen hoch sah.

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"Ich bringe Euch jenen neuen Mann, der auf Euch achten soll, wie es Euch versprochen wurde, Herr.", sprach der Hüne bedacht währenddessen.
Robald nickte knapp und blickte dann zu dem Soldaten neben dem Hünen, als erwarte er eine Begrüßung oder wenigstens, dass er den Helm abnehmen würde.
Der Raum war bei weitem nicht so sehr von ausgesuchtem kitschigen Geschmack, sondern wirkte behaglicher. Dafür besaß er viel mehr Bücherregale, die auch entsprechend vollgestopft waren, sodass man die Leidenschaft Robals sofort erkennen konnte.
Auch gab es an der rechten Wand eine Kommode aus dunklem, kostbarem Holz, auf der eine Kanne aus Prozellan stand, aus der noch leichte Dampfschwaden hoch kräuselten.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Donnerstag 9. September 2010, 18:47

Während das Dreiergespann durch das Ratsgebäude liefen, dass den Eindruck erregte wie leer gefegt zu sein, unterhielten sich die beiden Leibwächter des verräterischen Ratsmitgliedern leise in ihrer Heimatsprache. Dass Luzien nicht ein Wort von dem verstand, was die beiden da zu bereden hatten, machte ihm nicht mehr so viel aus. Er war sich sicher, dass es nichts gutes bedeutete und sich über etwas aufzuregen, was man eindeutig nicht zu ändern vermochte, war nichts anderes als Zeitverschwendung.
Obwohl Luzien nicht die Spur einer Andeutung machte, sich dem Befehl der Menschen zu wiedersetzen, wurde er von dem Hünen doch sehr unsanft auf dem richtigen weg gehalten. Aber auch daran hatte er sich ja bereits gewöhnt. Eine andere Behandlung kannte er von dem großen, fetten Kerl auch nicht. Die Antwort, die der Riese ihm auf seine Frage gab, hätte Luzien voraussagen können. Es war ohnehin eine rhetorische Frage gewesen, denn das Montegomerus nicht mitkam, war mehr als genug Antwort gewesen!
Luzien hatte gar nicht bemerkt, dass der kleinere der zwei Diener kurzzeitig verschwunden war, aber jetzt kehrte er zurück, eine Kriegslanze mit langer Klinge in den Händen. Der nachtelf griff ohne Enthusiasmus nach der dargebotenen Waffe, die das Bild des pelgarischen Stadtwächters vollendete. Er schnaubte leise, über die Idiotie dieser Menschen. Jetzt, wo er bereits fast am Ziel war, bekam er eine Waffe, die er eigentlich nur brauchte, um für flüchtige Betrachter als Gardist durchzugehen. Er hätte sie auf dem Marsch zum Ratsgebäude gebraucht um nicht aufzufallen. Er hätte sie den langen Weg durch das Ratsgebäude gebraucht. Aber nein, dass war diesen Trotteln nicht klar gewesen. Zum töten brauchte er diesen langen Holzstock mit der einfachen Klinge nicht. Der Justiziar wiederstand dem zwang, sich den Handschuh auszuziehen und mit dem Daumen über die Klinge zu streifen um die schärfe zu prüfen. Diese Waffe war eindeutig von Menschen gemacht worden und das merkte man auch! Ob der Schaft sein Gewicht aushalten würde, blieb abzuwarten, sollte Luzien die Lanze wirklich benutzen müssen. Seine Dolche waren ihm da aber doch um einiges zuverlässiger!
Zwar kannte der Nachtelf den Grundriss des Gebäudes nicht, doch sein Gefühl sagte ihm, dass die drei sich immer weiter auf die Frontseite des Ratspalastes zu bewegten. Immer weiter in Richtung des Haupteingangs ... wo noch immer ein Kampf tobte. Wenigstens bin ich hier drinnen sicherer als dort draußen. Kein besonders beruhigender Gedanke, wenn man hinzuzog, dass er jeden hintergehen wollte, mit dem er hier bisher zu tun gehabt hatte. Ja, sie näherten sich eindeutig dem Haupteingang. Auch wenn alle Geräusche von draußen gedämpft wurden, so war doch der langsam lauter werdende Schlachtenlärm zu vernehmen.
Endlich hatten sie ihr Ziel erreicht und Luzien betrat zusammen mit dem großen Menschen den Raum. Kurz lies der Krieger den Blick durch das Zimmer wandern. Der Raum wirkte kleiner als das Arbeitszimmer von Montegomerus, aber vielleicht täuschten auch die vollgestellten Bücherregale darüber hinweg. Zumindest war hier mehr Geschmack gezeigt worden, als bei dem anderen Ratsherren. Dabei bemerkte er auch den großen Honigtopf an einer Wand stehen. Den würde er nun nicht mehr brauchen, da dieser schleimige Verräter nicht mitgekommen war.
Und dort, hinter dem Schreibtisch am anderen Ende des Zimmers stand er, der Mann, den Luzien eigentlich töten sollte. Doch dazu würde es nicht kommen.
Nachdem der Hüne kurz erklärt hatte, wieso er einen fremden Soldaten, blickte ihn Robald direkt an, woraufhin sich Luzien den rechten Arm quer vor die Brust legte und sich, in seinem metallenen Gefängnis, so gut und tief wie möglich verbeugte. Damit hatte er schon jetzt mehr Achtung vor dem Pelgarer gezeigt, als vor Montegomerus UND den Dunkelelfen zusammen.
„Meine Ehrerbietung, Ratsherr.“, begrüßte der Nachtelf seinen neuen Schützling. Den Helm nahm er jedoch nicht ab, denn dann würde Robald sofort erkennen, dass es sich bei ihm nicht um einen Menschen handelte. „Ich werde mein bestes geben, auf dass euch nicht das kleinste Leid wiederfährt!“ Dann wandte er sich an den Hünen, der noch immer neben ihm stand. „Du kannst gehen, Leibeigener. Sag deinem Herren meinen Dank und das ich seinem Ersuchen nachgehen werde.“ Nun hatte der Hüne keine andere Wahl als zu gehen, oder zumindest das Zimmer zu verlassen und die Tür zu schließen. Auch ein dummer Gigant wie er musste erkennen, dass alles andere die Maskerade des vermeintlichen Auftragsmörders eingerissen hätte.
Auf jeden Fall ging Luzien weiter bis an den Schreibtisch heran, wo er erneut eine Verbeugung andeutete. „Ich fürchte sehr um eure Sicherheit Herr. Ihr seid hier nicht sicher. Dort draußen tobt ein Scharmützel, wie ihr sicher hören könnt und es geht das ernst zu nehmende Gerücht um, dass der Feind mehr als einen Attentäter auf euch angesetzt hat!“

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Freitag 10. September 2010, 21:05

Robald sah die angedeutete Verbeugung und wusste nur zu gut, wie mühsam solch eine Haltung in dieser Art Rüstung sein konnte. Nur ein Neuling gab sich diese Mühe, nach der ersten Begegnung und dem ersten Tag darin wurde es ihnen gewöhnlich erlaubt, lediglich mit dem Kopf zu nicken, um sich ihre Knochen nicht zu stark zu verrenken.
Trotzdem begrüßte dieser Ratsherr die Höflichkeit jedes Mal und reagierte auch so wie immer. Ein feines Lächeln schlich sich auf seine Lippen und er deutete ein knappes, wenngleich trotz allem höfliches Nicken an, das gewöhnlich mehr war, als sich diese Männer erhofften konnten. Denn sie waren für die Sicherheit zuständig und sollten demnach wie Schatten sein, die man nicht mehr wahrnahm.
Umso mehr freuten sie sich meist, wenn ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wurde in Form von Höflichkeit. Und für diese war Robald mehr oder weniger bekannt in der Stadt.
"Ich grüße Euch ebenfalls, Wächter.", erwiderte der Mann mit einem angedeuteten, freundlichen Lächeln, ehe er sich abwandte.
Wenn er nun schon einmal stand, könnte er das auch gleich nützen und sich eine Tasse frischen Tees holen. Was er auch in die Tat umsetzte und vorerst nicht mehr auf die beiden anderen achtete.
Den Hünen kannte er zu gut als Schatten seines Amtskollegen und somit war er für ihn niemand Bedrohliches, den er nicht hätte aus den Augen lassen dürfen. Von daher machte er sich absolut keine Sorgen um seine Sicherheit. Warum sollte er das in diesen Mauern auch tun?
Er war arglos und ahnte nicht, dass gegen ihn Intrigen geschmiedet wurden. Bisher hatte er auch keinen Anlass zu Misstrauen bekommen.
Der Hüne indes setzte eine finstere Miene auf und seine Blicke hätten töten können, wenn es in seiner Macht gelegen wäre. Auch er kam zu dem gleichen Schluss wie der Jäger und es passte ihm ganz und gar nicht. Dennoch musste er sich fügen, zumindest soweit, wie der Schein es für nötig hielt.
Also warf er ihm noch einen letzten, vernichtenden Blick zu, deutete unauffällig auf den Honigtopf, wie als Anweisung, sich zu beeilen, und verließ dann notgedrungen das Zimmer. Allerdings schloss er hinter sich nur für wenige Augenblicke die Tür.
Gerade lang genug, um seinem Kameraden wispernd auf Garmisch das Geschehene zu erzählen und ihn ihrem gemeinsamen Herren zu schicken, um es weiter zu leiten. Ein bisschen mehr absichern würde ihm schon nicht schaden, da er obendrein davon überzeugt war, dass es für ihn kein Problem wäre, den Jäger allein zu überwältigen, sobald es an der Zeit wäre.
Kaum war der andere außer Hörweite, drückte er die Klinke wieder hinunter und öffnete die Tür lautlos einen Spalt breit, um zu lauschen und hinein zu spähen. Der Kerl hatte sich zum Schreibtisch gestellt und er konnte noch den Rest seines Satzes hören. Nur mit Mühe gelang es dem Hünen, sich still zu verhalten und nicht einmal mit den Zähnen zu knirschen.

Robald hatte sich inzwischen eine Tasse eingeschenkt, das Getränk gesüßt und hielt es sich nun unter die Nase, um daran zu schnuppern. Dabei hatte er dem neuen Wächter sich wieder zugewandt und lächelte freudlos.
"Es ehrt Euch, dass Ihr gleich zu Beginn um meine Sicherheit derart besorgt seid. Doch seid versichert, dass es nicht der erste Versuch gegen das meinige oder das Leben meiner beiden Kollegen vorzugehen. Und damit dies nicht von Erfolg gekrönt ist, seid Ihr schließlich hier.", erwiderte er in einem freundlichen, nachsichtigen Ton und klang dabei regelrecht väterlich.
Er nippte an seinem Getränk und kam dann langsam in Richtung seines Schreibtisches.
Allerdings ließ er es sich nicht nehmen, zuvor vor den hohen, samtenen Vorhängen stehen zu bleiben und einen davon ein Stück weit zur Seite zu ziehen. "Seht nach draußen, wenn Ihr wollt. Dort kämpfen sie, die tapferen Soldaten Pelgars, und entspräche es meinem Naturell, ich wäre unter ihnen. Jedoch bin ich das nicht, ich bin mehr zum Denken auserkoren. Also bin ich hier und lasse mich von Männern wie Euch beschützen, während ich eine Strategie zu planen versuche."
Er wandte sich erneut dem neuen Wächter zu und diesmal war sein feines Lächeln ehrlich, erreichte sogar seine Augen.
Bis es plötzlich hinter ihm klirrte und er einen Schlag in den Rücken bekam, den er sich nicht erklären konnte. Die Tasse entglitt seinen Fingern und zerschellte auf dem Teppich, wo sich die leicht dampfende Flüssigkeit ungehindert ausbreitete. Sein Blick senkte sich und er starrte ungläubig auf die Spitze des Bolzens, die auf Höhe seines Herzens aus seiner Brust ragte.
Die Wucht hatte gereicht, um ihn durch den gesamten Körper zu jagen, auch wenn es wohl im Vorhang hängen geblieben wäre, wenn dieser nicht zur Seite gezogen worden wäre.
Robalds Hände begannen unkontrolliert zu zittern, die Knie wurden weich und seine Augen richteten sich fragend auf den Wächter. Während sich bereits Blut in seinem Mund sammelte.
Dann gaben seine Beine nach.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Sonntag 3. Oktober 2010, 20:16

Es war wohl die ruhige Art des Menschen, die Luzien im Moment mehr aus der Fassung brachte als alles andere. Unter seinem Fenster tobte ein Gemetzel, der Tod lag in einem schier unendlich großen Herr vor den Toren und zumindest ein mutmaßlicher Attentäter hatte es völlig Problemlos geschafft, bis in diese Kammer zu gelangen. Vermutlich war es pures Glück, dass der Nachtelf sich als erstes hier eingefunden hatte. In seinem Kopf halten die Worte des Dunkelelfen-Kommandanten wieder. Du wirst nicht der Einzige sein, der diese Aufgabe auszuführen hat. Die Dunkelelfen hatten schon andere Mörder ausgeschickt, noch ehe sie den Schattenkrieger gefangen nahmen. Wie viel früher war nicht zu sagen, aber das sie sich besser vorbereiten konnten, dass sie sich Ersatzpläne hatten zurecht legen können, all das stand außer Frage.
Doch mit einem hatte dieser Mann, der wohl Robald hieß, recht: Er war nun hier, damit kein Angriff erfolgreich verlaufen würde. Sobald Luzien das Vertrauen des Ratsherren genießen würde, wäre seine Stunde gekommen, dann könnte er zurückschlagen. Es kam auf diesen einen Verbündeten an!
Während sich der Mensch eine dampfende Tasse Tee auffüllte, drehte der spitzohrige Mann seinen Kopf und warf einen Blick über die Schulter, in Richtung Tür. Er tat das aus keinem bestimmten Grund, es war einfach aus einem Gefühl heraus passiert, doch zu seiner Überraschung stellte er fest, dass die Tür, von der er sicher sagen konnte, dass der Fettwanst sie geschlossen hatte, einen Spalt weit offen stand. Ohne großartig auf sich aufmerksam zu machen, ging Luzien ein paar schritte Rückwärts und trat dann kurz, aber feste gegen die Tür, die wohl direkt vor dem dummen Gesicht des Feindes ins Schloss fiel. Ein leichtes Lächeln huschte auf sein Gesicht, bei der Vorstellung, der zornigen Grimasse, die Giganto nun zweifellos zog. Doch das Lächeln fiel von ihm ab, just da er sich wieder umgedreht hatte. Er hatte das Geräusch vernommen, in dem Moment, da die Tür gegen ihren Rahmen und ins Schloss knallte, war auch ein anderer Laut zuhören gewesen, etwas wie eine zersplitternde Tasse oder Kanne. Es war ihm nicht aufgefallen, doch nun, da er auf Robald herab blickte, wurde Luzien der Ursprung des Geräuschs klar...
Eine blutige Metallspitze ragte aus der Brust des Menschen, der starr hinunter blickte und dem nun die Teetasse aus der Hand glitt. Die Scheibe hinter dem Ratsherren war gesprungen, eben an jener Stelle, da das Geschoss es perforiert hatte. Ohne großartig darüber nachzudenken, warf sich Luzien nach vorne und glitt ein Stück über den Boden. Die verdammte Rüstung war dafür suboptimal und eine Platte schnitt ihm schmerzhaft in die Seite, doch zumindest konnte er den gefällten Ratsherren auffangen, ehe dieser auf das Parkett knallte.
Der Mann zitterte am ganzen Leib, die beiden Wunden, an denen der Bolzen seinen Körper durchdrungen hatte, bluteten stark. Der Krieger, der den Tod schon so oft und in so vielfältiger Form erblickt hatte, konnte sich dieses einen nicht gewahr werden. Er verstand es nicht, begriff es nicht, wollte es nicht glauben. Wie konnte er nur so schnell versagen? Wie war es möglich, dass der Mensch, den er beschützen wollte und in dem er eine Art Verbündeten gesehen hatte, starb, kaum dass er den Raum betreten hatte?
Das Gesicht des Nachtelfen war wahrscheinlich noch blasser als das des Ratsherren. Die von seinem eigenen Lebenssaft rotgefärbten, feuchten Finger des Mannes, der für sein Volk hatte kämpfen wollen, glitten nach oben und über Luziens Topfhelm hinweg. Der wiederum hatte das Gefühl, als wollte der Mensch noch etwas sagen, doch die Kraft schien ihn verlassen zu haben, denn seine Finger fielen zurück auf den Boden und sein Blick wurde glasig und Leer.
Luzien nahm sich noch die Zeit, den Oberkörper der Leiche nach vorne zu beugen um das tödliche Projektil aus der Wunde zu ziehen, ehe er Robalds toten Körper sachte auf dem Boden bettete. Dann erhob er sich und schlich vorsichtig, in der Hocke, auf die Wand zu, in dem das Fenster eingelassen war. Erst als er den harten Stein berührte, erhob sich der Nachtelf und warf einen vorsichtigen Blick durch das gesplitterte Glas. Natürlich konnte er keinen Schützen erkennen. Seit dem Schuss war zuviel Zeit vergangen. Vermutlich, denn so hätte Luzien es selbst getan, hatte der Mörder eine für Bogenschützen untypische, schwere Rüstung an und war längst nach hinten in die Leeren Gassen oder nach vorne, ins undurchsichtige Schlachtgetümmel geflohen. Den Attentäter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen, war in den Augen des Justiziars unmöglich. Aber war das überhaupt noch wichtig? Ein unbedeutendes Individuum zu finden, dass seine Tat bereits vollbracht hatte? Unwahrscheinlich.

Luzien wandte sich von dem Fenster ab, denn das Scharmützel, das weiterhin unter dem Fenster tobte, betrübte sein Gemüt. Sein genialer, dreistufiger Plan war gescheitert, noch ehe er mit der ersten Stufe hatte beginnen können. Jetzt war alles hier vollkommen egal, gleichgültig.
Und vor allem, war diese verdammte Rüstung nun nutzlos geworden! Mit einem Rück öffnete er beide Schulterplatten gleichzeitig und sie fielen klappernd zu Boden. Das gleiche geschah mit dem Brustpanzer und Beinschienen, bis der Nachtelf nur noch das weiße Untergewand aus einer einfachen Lederhose und –Hemd, sowie den Topfhelm und die schweren Stiefel trug. Ohne großes Bedauern zog Luzien sich dem Eisenkasten vom Gesicht und kniete dann neben Robald nieder. Mit zwei Fingern schloss er dessen Augen, dann faltete er seine Hände und legte dem Toten den Helm auf die Brust. Vielleicht wäre es ihm besser ergangen, wenn es seinem Naturell entsprochen hätte, sich selbst in die Schlacht zu stürzen.
Der Nachtelf wusste nicht, wie genau Menschen mit ihren Toten umsprangen und eigentlich wollte er auch nicht noch mehr machen, als ohnehin schon. Sein Gesicht blieb trocken, keine Träne würde er für einen Menschen vergeuden, nicht einmal für einen, der Starb weil er sich zu sehr um sein Volk bemüht hatte. Aus den Augenwinkeln bemerkte er einen wunderschönen, dunkelroten Seidenmantel, der wohl dem Toten gehörte. Nun, er würde ihn nicht mehr vermissen. Schnell ging der Nachtelf zu dem Haken, nahm das Kleidungsstück und warf es sich über. Die Kapuze zog er sich nicht ins Gesicht, auch wenn er den Mantel selbst schloss. Dann fiel sein Blick auf die Lanze, die quer auf dem Boden lag. Er konnte sich gar nicht daran erinnern, dass er die Waffe fallen gelassen hatte. Trotzdem, auch wenn es eine Klinge, geschmiedet von Menschen war, im Moment war sie genau das was er brauchte.
Doch was nun? Es blieben noch immer zwei Ziele. Er musste noch immer Sindaril finden, den Nachtelfen, der sich irgendwo hier in der Stadt versteckte. Gleichzeitig musste er seine Dokumentenrolle wiederbeschaffen oder zerstören. Es durfte keine Beweise für die Existenz der Justiziar geben, sie waren das Geheimnis des Reichs, die Dunkle Gerechtigkeit der Nachtfürsten. Wenn er seine Dokumente nicht vernichtete oder zumindest zurück eroberte, wäre sein Leben verwirkt.
Noch einmal warf er einen Blick zurück zu dem toten Menschen. Irgendwie wirkte er fast schon friedlich. Nachdenklich strich sich Luzien mit der linken Hand übers Gesicht und durch die Haare, die noch immer zum Zopf gebunden waren. Erst danach bemerkte er das feuchte Gefühl und erinnerte sich daran, dass er mit dieser Hand den blutigen Bolzen herausgezogen hatte. Noch immer stand er still da. Nicht in der Lage sich zu rühren ...

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Freitag 22. Oktober 2010, 20:51

Der Hüne stand vor der Tür und war recht stark überrascht, als der Jäger sich umdrehte und genau in seine Richtung blickte. Er unterdrückte einen Fluch, glaubte ohnehin nicht an Zufälle und trat mit einer einzigen, geschmeidigen, lautlosen Bewegung in den toten Winkel der Tür, um nicht trotz allem noch entdeckt zu werden.
Was anscheinend nicht drohte, denn es wurde lediglich die Tür, wenngleich auch recht heftig, von dem anderen geschlossen.
Der Pelgarer schnaubte lautlos und verdrehte die Augen.
Arroganter Mistkerl! Als ob er sich davon abhalten lassen würde. Sollte er doch denken, das Schloss wäre nicht mehr das beste, sollte er noch einmal zufällig in diese Richtung sehen. Denn er hatte bestimmt nicht vor, ihn unbeobachtet zu lassen. Wo kämen sie da schließlich hin?! Er hatte den Mann da drinnen zu töten und es oblag in seiner Verantwortung, sicher zu gehen, dass dies auch geschah.
Also wartete der Hüne einige lange Sekunden, bevor er seinen vorherigen Platz erneut einnahm und noch einmal, ohne einem verräterischen Geräusch, die Tür einen Spalt breit öffnete.
Dadurch wurde er Zeuge dessen, was nun geschah. Zuerst konnte er es nicht genau erkennen, aber nach den raschen Bewegungen des Jägers war ihm die Sicht nicht länger verstellt. Ein feines Grinsen setzte sich in seinem Mundwinkel fest.
Nun hatte er endlich einen weiteren Grund, ohne seinen Herren mit seinen Absichten verraten zu müssen, um den anderen ungespitzt in den Boden zu stampfen!

Indes konnte Robald mit dem letzten bisschen Verstand, das noch in seinem Bewusstsein vorhanden war, nicht fassen, was da aus seinem Körper heraus ragte. Wie ein unbeteiligter Beobachter musste er mit ansehen, wie ihm die Glieder schwer wurden, die Knie nachgaben und die Kraft aus ihm herausströmte. Der metallische Geschmack in seinem Mund war ihm nicht unbekannt, jedoch begriff er nicht mehr, woher das Blut auf einmal kam oder gar warum.
Irgendetwas ging hier vor, allerdings konnte er es einfach nicht mehr verstehen. Dazu war es zu unglaublich, zu unreal und einfach... zu plötzlich gekommen, als dass es der Wirklichkeit entsprechen könnte.
Sein Körper wurde allmählich taub, sodass er nicht fühlte, wie seine Finger zu zittern begannen.
Seine letzte, bewusst gewollte Reaktion war, seinen Blick zu heben und den neuen Leibwächter für seine Person verständnislos anzusehen. Ab dann verschwamm seine Umgebung immer mehr und immer schneller, bis es mit einem Schlag vorbei war.

Es dauerte seine Zeit, bis der Hüne dazu fähig war zu reagieren und es auch tun wollte. Nicht, weil er besonders pietätvoll sein oder seinen Herren sofort darüber informieren wollte, sondern weil er nachdachte. Wie genau sollte er nun vorgehen? Sich einfach auf den Jäger stürzen? Oder sich anschleichen und von hinten erdrosseln oder ihm das Genick brechen? Nein, das war langweilig. Stattdessen wartete er ab und wurde dafür sogar belohnt, als sich der andere seiner Rüstung entledigte.
Ein feines, hinterhältiges Grinsen huschte über seine Lippen und erreichte sogar seine Augen. In deren Ausdruck blieb es auch, als es etwas tiefer im Gesicht bereits wieder verblasst war.
Ja, das war eine sehr große Dummheit, die da begangen worden war. Doch ihm würde sie in die Hände spielen, mehr als deutlich.
Also wartete er noch ein bisschen weiter ab, was nun geschehen würde. Als ihm der Jäger den Rücken zuwandte und noch ein letztes Mal auf die Leiche herab sah, war seine Zeit gekommen.
Lautlos öffnete er die Tür weiter und schlüpfte hinein, um sie hinter sich lautlos zu schließen.
Dann baute er sich hinter dem anderen grinsend auf und begann... in die Hände zu klatschen! Es war nicht sonderlich laut oder voller Begeisterung, aber trotz allem gut vernehmbar. "Was für eine Darbietung von einem Kerl, der seiner Arbeit eigentlich beraubt wurde!", spottete er mit Absicht so hochgestochen, wie es ihm möglich war.
Oft genug hatte er schließlich seinen Herrn mit seinen Standesgenossen reden hören, um sich das ein oder andere abzukupfern. Außerdem konnte er dadurch den Moment der Überraschung noch mehr verstärken, wie er es vorhatte, und die Gelegenheit nützen, um das zu beseitigen, was ihn als einziges noch störte. Die Waffe eines Leibwächters!
Deswegen war er auch nahe genug heran geschlichen, ehe er sich bemerkbar gemacht hatte, um nun mit einer heftigen, runden Bewegung dafür zu sorgen, dass die Lanze aus dem zu lockeren Griff geschleudert wurde.
Triumphierend baute er sich zu seiner vollen Größe auf und nun würde es auf reine Muskelkraft ankommen. In diesem Moment dachte er auch nicht daran, dass durch zu viel Bewegung, wie in etwa in einem Kampf, er aus der Tasche heraus rutschen könnte. Sonst hätte er sich bestimmt anders verhalten.
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Mittwoch 3. November 2010, 12:48

Es wurde Zeit. Er durfte hier nicht noch mehr Zeit verschwenden, als er es ohnehin schon getan hatte. Dem toten Ratsherren konnte Luzien nicht mehr helfen und wenn er noch länger hier verweilte, stieg das Risiko, dass ein Gardist herein kam. Was den Nachtelfen in eine doch recht unglückliche Lage gebracht hätte. Endlich schloss er die Augen und wandte sich von der Leiche ab. Robald war einer von den guten gewesen und das war der Grund für seinen tot. Ein weiterer Beweis dafür, dass Menschen eine hoffnungslose Spezies waren. Weder in der Lage sich selber zu verteidigen, noch auf sich selbst acht zu geben. Diese Heuschrecken zogen die Schlechtigkeit förmlich an!
Und dann kehrte mit einem Schlag die eine Sache in seinen Verstand zurück, die er fast vergessen hatte. Dieser eine, störende Aspekt, der wohl die ganze Zeit über hinter der Tür gewartet und die gesamte Darbietung des Nachtelfen mitangesehen hatte. Bei dem, was in den letzten Minuten geschehen war, hatte er Giganto ganz vergessen. Doch das leise und trotzdem aufdringliche Klatschen in seinem Rücken, brachte Luzien in die Wirklichkeit zurück. Ruckartig drehte er sich herum und blickte in das grobe, feiste Gesicht des Leibwächters, das sich kaum einen Schritt weit entfernt über ihm erhob.
Er fühlte sich überrumpelt. Wie war es möglich gewesen, dass er nicht bemerkte wie der Fleischberg sich anschlich? Als der Hüne anfing zu sprechen, brauchte Luzien einige Sekunden um den Sinn der Worte zu verstehen. Diese Bestürzung nutzte der große Mensch sogleich aus, um ihn mit einer raschen Bewegung zu entwaffnen. Die Stabwaffe entglitt seinen Händen und knallte zurück auf den Boden, schlitterte aber einige Meter von den beiden weg. Unachtsam folgte der Kopf des Nachtelfelfen ihr und sah, dass der Schaft genau unter den Schreibtisch rutschte. Für den Augenblick unerreichbar.
Damit war es geschafft. Er hatte genug. Luzien hatte diese ganze Situation mehr als satt. Ganz langsam drehte der Nachtelf sein Haupt wieder nach vorne und ging dabei zwei Schritte zurück. Er verschlang seine Finger ineinander und lies sie laut knacken. „Es reicht ...“ Die Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Es war fast so, als hätte sich ein Schatten über das Gesicht des Nachtelfen gelegt, ein Schatten, der seine Augen verdüsterte. Egal was an diesem Abend geschehen war, egal wie sich Luzien bisher benommen hatte: Noch wirkte er so bedrohlich. All diese Angestaute Wut, darüber das er gefangen genommen worden war, dass man ihn zur Kooperation gezwungen hatte, ihn wie einen Gefangenen eingesperrt hatte, dass alles kochte nun über. Er ballte die Hände zu Fäusten und lies auch seine Handgelenke gut vernehmlich knacken. „Ich stelle dich vor folgende Wahl ...“, kam der wispernde Windhauch über seine Lippen, „entweder du lässt mich passieren, oder ich zeige dir eine Welt der Schmerzen, die du dir nie hast auch nur annähernd vorstellen können!“
Luzien lies seine Schultern leicht kreisen, wie ein Tänzer, der sich vor seinem Auftritt auflockert, ehe er beide Arme auf Kopfhöhe hob und den linken Fuß nach vorne Schob. Er brauchte keine Waffe um zu töten. Nicht einmal die beiden Dolche, die er noch immer am Körper trug, würde der Nachtelf benötigen. Wenn er ehrlich mit sich wahr, wollte er den dummen Diner nicht töten. Er war die Bemühung nicht wert. Schließlich war Giganto auch nichts anderes als ein Bauer in diesem Schachspiel. Aber der kleinste Fehler des Hünen würde bedeuten, dass dieser seines Lebensabends nicht mehr glücklich werden würde ...

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Donnerstag 4. November 2010, 21:19

[Kommt mit Vandarte von Vor dem Ratsgebäude]


Vorsichtig schlichen die beiden Vampire durch die Gänge des Ratsgebäudes, immer darauf bedacht, keinem Menschen zu begegnen. Es grenzte sowieso schon an ein Wunder, dass so wenige Wachen innerhalb des Gebäudes patrouillierten. Wahrscheinlich lag es daran, dass es früh am Morgen war und die meisten zur Verteidigung des Eingangs geeilt waren. Trotzdem waren Vana und Vandarte immer auf der Hut, schnell in eine Nische oder hinter einen Wandvorhang zu verschwinden.
So streiften sie eine Weile lautlos durch das Gebäude, ohne auch nur den geringsten Anhaltspunkt über den Aufenthalt der Ratsmitglieder zu erhalten. Lediglich einmal blieb Vana interessiert stehen, als sie an einer Anschlagtafel einen Aushang sah, den sie mit größtem interesse studierte:

"Wirtsehepaar oder Wirt und Schankmädchen gesucht

Neuer Wirt und ein bis zwei Schankmädchen zur Bewirtschaftung der wieder aufgebauten Schenke "Zum Pony" gesucht. Denn Pilger und Wanderer brauchen einen anständigen Platz zum Schlafen!
Männer und Weibsbilder, die meinen die Schankwirtschaft erfolgreich führen zu können melden sich, wenn möglich mit geeigneten Nachweisen, beim Bürgermeister Pelgars."


Sie winkte Vandarte, der bereits weiter geeilt war, zurück und meinte, nachdem er den Anschlag ebenfalls gelesen hatte:
„Was meinst du? Das wäre doch wie geschaffen für unsere Zwecke. Wo bekommt man am einfachsten Informationen wenn nicht in einer Schankstube, wo die Zungen, vom Alkohol gelöst, mehr plaudern als sie eigentlich sollten. So ein Wirtshaus ist wie geschaffen für ein Widerstandsnest. Ich denke wir sollten uns da bewerben. Hast du schonmal eine Wirtschaft geführt? Ich wäre dann die Wirtin oder eines der Schankmädchen.“
„Hm.“, war alles was Vandarte daraufhin von sich gab, höchstens noch ein anzügliches Grinsen, was ihm einem Ellenbogenstoß in die Rippen einbrachte.
„Ach papperlapapp, wenn wir hier fertig sind reißen wir uns das Wirtshaus unter den Nagel.“ Da Vandarte nichts dagegen sagte, war es für die Vampirin beschlossene Sache. Mit einem entschlossenen Ruck riss sie das Pergament ab und steckte es in eine der Taschen ihres Kleids.

„So, und nun?“ Ratlos blickte sich Vana um. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wo wir die Ratsmitglieder finden. Ohne Anhaltspunkte können wir hier noch ewig suchen. Vielleicht sollten wir doch ...“
„Pscht!“, mit einer Handbewegung brachte Vandarte seine Begleiterin zum Schweigen.
„Hast du das gehört?“
„Nein.“, Vana schüttelte den Kopf. Ich war zu sehr damit beschäftigt darüber nachzudenken, wie wir die Ratsmitglieder aufspüren können.
„Klang ganz so, als wäre in der Nähe eine Waffe über den Boden geschlittert. Irgendwer ist also hier ganz in der Nähe und dieser Jemand hat offensichtlich Ärger mit der Wache.“
„Und wie ich dich kenne, juckt es dir in den Fingern dort nachzusehen.“, nuschelte Vana augenrollend.
Ein kurzes Schnauben doch dann grinste Vandarte zurück: „Du kennst mich doch.“
„Eben.“, war alles was Vana darauf nur erwiderte. „Also los, lass uns nachschauen. Du gibst ja doch nicht eher Ruhe.“
Vorsichtig gingen die beiden Vampire schließlich weiter, auf die Quelle des Geräuschs zu.

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Gestalt » Montag 8. November 2010, 16:44

Der Pelgarer hatte seinen Spaß daran zu wissen, dass er aus gutem Grund seinem Gegenüber den Hals umdrehen konnte. Nicht nur, weil sein Herr es ihm erlaubt hatte, sondern auch, weil er nutzlos war. Er hatte seinen Auftrag nicht ausgeführt, sondern es war purer Zufall, dass das Ziel dennoch eingetreten war. Nun würde der Jäger dafür und für seine Provokationen die Quittung. Eine, die der Hüne ihm auf dem Silbertablett servieren wollte, was bedeutete, dass er noch weniger Rücksicht an den Tag legen würde als sonst bei seinen... Opfern.
Und dass er das erreichen würde, dessen war es sich gewiss. Dass er sich die Waffe des anderen hatte aneignen können, war für ihn ein zusätzlicher Stein in seiner Selbstsicherheit. Mochte sein Gegenüber sich noch so toll und unbesiegbar geben, gegen einen erfahrenen Kämpen wie ihn hätte er bestimmt keine Chance, das glaubte der Mensch zumindest.
Er hatte keine Ahnung, wie alt der Jäger tatsächlich war und wie viel Erfahrung er in seinem Leben hatte sammeln können außerhalb des Übungsplatzes. Durch all seine Jahre glaubte der Hüne sich überlegen und auch, dass er nicht zu überrumpeln oder reinzulegen wäre, jetzt, wo ihm sämtliche Ketten von seinem Herren genommen worden waren.
Trotzdem war er nicht so töricht und stürzte sich sofort brüllend auf seinen Kontrahenten. Stattdessen wollte er den anderen reizen, ihn zur Unachtsamkeit und blindwütigem Zorn verleiten, was ihm anscheinend auch besser gelang als bisher. Na, was für ein Glücksfall für ihn!
Auf seine ersten beiden Worte hin begann er kalt sowie provozierend zu grinsen. Das Knacken der Finger und Handgelenke hingegen beeindruckte ihn nicht, so etwas kannte er zur Genüge. Er verwendete es schließlich selbst oft genug, um seine Gegner einzuschüchtern und zu verunsichern.
Dann allerdings merkte er, dass das Fass so gut wie im Begriff war überzulaufen und das wollte er erreichen. Deswegen unterdrückte er auch gar nicht das leise, abschätziges Lachen, das in seiner Kehle geboren wurde. "Bürschchen, du solltest erst einmal lernen, dich zu benehmen, bevor du solch große Töne spuckst!", provozierte er ihn und verbreiterte etwas seinen Stand, um dem Sturm, der vermutlich gleich folgen würde, standhalten zu können.
Sollte der Kerl nur kommen, er hätte damit kein Problem. Und sollte jemand am Gang zufällig zu der offen stehenden Tür in seinem Rücken kommen, hätte er auch schon eine passende Begründung für sein Handeln. Die Leiche lag schließlich für alle offensichtlich da und der Jäger hatte keine Waffe mehr. Zudem passte seine Rüstung nicht und er war leicht als Verräter zu identifizieren. Eine leichte Beute also für den Hünen und sein Vorhaben, glaubte er zumindest.



Hinweis: An dieser Stelle startet ein Zwischenspiel zwischen Luzien und Vana.

* Es dient eurer beider Unterhaltung, mit nur geringen Einfluss auf die derzeitige Handlung(siehe unten). Eure Charaktere dürfen/können sich kennen lernen und austauschen.
* Wie lange das Zwischenspiel dauert, entscheidet ihr selbst.
* Die Mods (Yavanna und Janay :D) beobachten das Spiel, d.h. ihr müsst nicht auf Erzählerposts warten, sondern dürft wild drauf los posten.
* Euch ist erlaubt, die NPCs (in diesem Fall der Hüne und Vandarte) zu steuern und deren Verhalten zu beschreiben. Wir als Mods schreiten höchstens ein, wenn das Verhalten dem der Figur vollkommen widerspricht oder wir gebraucht werden. Die Erlaubnis zur Steuerung der NPCs endet mit dem Auflösen des Zwischenspiels.
* kleiner Zusatz von Janay: Ihr dürft mit dem Hünen kämpfen. Je heftiger er sich bewegt, desto weiter wird der Handschuh von Luzien aus der Tasche heraus blitzen. Aber ihr dürft ihn nicht töten, höchstens bewusstlos schlagen. Sobald das Zwischenspiel beendet ist, wird sich entscheiden, ob er überlebt oder nicht.
* wegen der unterschiedlichen Zeiten(Vana: früher Morgen - Luzien: Nacht) schlage ich vor, dass es zwar schon Morgen ist, durch die Jahreszeit allerdings noch kein Sonnenlicht gibt.
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Luzien
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Montag 8. November 2010, 21:18

Zeugte dieses dümmliche, höhnische Grinsen im Gesicht des Hünen nun von Dummheit oder maßloser Selbstüberschätzung? Luzien vermochte es nicht zu sagen. Ihm selbst war nicht nach Lachen zumute, nicht einmal um seinen Gegner zu verhöhnen oder zu verunsichern. Das tat er nie, genauso wie er nie mit einem Gegner spielte, egal wie weit er ihm überlegen sein mochte. Das waren Fehler geboren aus Arroganz, die das eigene Leben schnell beenden konnten. Und das Letzte, wirklich das Allerletzte, was Luzien wollte, war in dieser Menschenstadt zu sterben!
Der kalte, starre Blick des Nachtelfen musterte seinen Gegner. Was konnte er über seinen Gegner sagen, was erahnen? Was waren die schwächen des Pelgarers, was seine Stärken?! Dieser Mensch war groß, massig und kämpfte mit zwei Schwertern gleichzeitig, wie die beiden Lederscheiden an seinem Gürtel verrieten. Doch seine Masse stand ihm auch im Weg, beraubte ihm der Wendigkeit und engte ihn und sein Blickfeld ein. Ein Angriff auf den Körper brachte nicht das geringste, was die schwere Kleidung des Mannes durchdringen mochte, würde von der Fett- und Muskelschicht abgefangen werden. Luziens Augen glitten an der imposanten Gestalt empor und blieben an der Narbe an seiner Kehle haften. Das war sein Ansatzpunkt. Langsam schlossen sich seine Lieder und er atmete tief ein.
Die Worte des Hünen prallten an dem erfahrenen Kämpfer ab. Der Schattenkrieger wusste, dass man auf solche Sticheleien nicht eingehen durfte, sie zeigten nur, dass der andere Angst hatte und versuchte diese zu überspielen. Der Hüne wollte ihn reizen und zu einer unvorsichtigen Handlung bewegen, denn das würde seinen Sieg erleichtern. In Luziens Ohren klang das schnarrende Geräusch von Klingen, die aus ihren Hüllen gezogen wurden. Giganto wollte kein Risiko eingehen und wählte deshalb nicht den unbewaffneten Zweikampf. Fast hätte der Nachtelf gelächelt. Aber nur fast. Noch einmal atmete er tief ein, rief sich sein Umfeld in Erinnerung. Der Geruch von Robalds Tee stieg ihm in die Nase, von draußen waren noch immer die Kämpfer zu hören. Ein Feiner Luftzug glitt über sein Gesicht. Es zog durch das zersplitterte Fenster und die offene Tür. Luzien ballte beide Hände zu Fäusten, nur kurz bevor er die Finger wieder ausstreckte und die Augen aufschlug. Er wusste nun wie er vorgehen würde und er ahnte, wie der Riese reagieren würde ...
Ohne Vorwarnung setzte sich der Nachtelf in Bewegung und überwand so die kleine Strecke zwischen den beiden Kontrahenten sehr schnell. Den beiden Schwertstreichen, die sich gegen ihn richteten wich er aus, indem er blitzschnell unter sie weg tauchte, nur um sich direkt vor der Brust des Menschen wieder aufzurichten. Seine rechte Hand schnellte ruckartig nach oben und die Fingerspitzen bohrten sich gefährlich tief in den Hals des Feindes. Noch bevor dieser wusste wie ihm geschah, vollführte der kleinere, wendige Kämpfer eine Drehung zur Seite aus, um sich von seinem Gegner zu entfernen. Wie erwartet lies der Pelgarer sein linkes Schwert instinktiv fallen, um sich an die Kehle zu greifen, während er nach Luft rang. Diesen Augenblick nutzte Luzien aus, um wieder direkt vor den Hünen zu treten, in der selben Haltung wie zuvor. In seiner Verwirrung und dem versuch, den verfluchten Feind von sich weg zu kriegen, hob der Mensch sein verbleibendes Schwert hoch über den Kopf und lies es gegen den Elfen niederfahren. Doch wieder war der Spitzohrige zu schnell. Er trat sofort einen Ausfallschritt nach hinten, nur um sofort wieder nach vorne zu schnellen und seinen linken Fuß auf die Schwertschneide zu setzten, die durch den wilden Hieb viel zu niedrig gesunken war. Mit dem rechten Fuß drückte sich Luzien vom Boden ab, sprang seinen Kontrahenten beinahe schon an. Beide Handkanten schlugen mit Wucht gegen den ungeschützten Hals des Mannes, dem nun zum zweiten mal die Luft weg blieb. Doch dieses mal ging der Nachtelf nicht erneut auf abstand, sondern setzte nach. Ein, zwei, drei Mal traf das rechte Handgelenk gegen den Kehlkopf des Menschen, der keuchend zurück wich, der Tür entgegen. Dabei fiel es ihm nun sichtlich schwer aufrecht zu stehen, der Oberkörper war vorgebeugt und mit beiden Händen umklammerte er seinen Hals. Es war Zeit dieses armselige Spektakel zu beenden. Ein weiteres mal stürmte der Nachtelf, lies sich nach vorne fallen und ging so nahtlos in einen Handstand über. Er verharrte aber nicht lange so, sondern lies das erhobene rechte Bein direkt auf den Schädel des Menschen knallen. Die Wucht des Aufschlags und der Panzerstiefel taten ihr übriges, um den ohnehin bereits fast ausgeknockten Gegner zu fällen. Der Hüne fiel nach hinten, durch die offene Tür, während Luzien sich wieder aufrechtete.
Dabei bemerkte er etwas glitzerndes, in der Nähe des Rahmens. Ungläubig bückte der Nachtelf sich und betrachtete die vier länglichen Obsidianscherben, die mit viel Geschick auf einen Lederhandschuh angebracht worden waren, wie ein Schlagring. War das den die Möglichkeit? Das gehörte ihm. Es gab keinen Zweifel! Wütend warf Luzien einen Vernichtenden Blick in Richtung des Menschen. Er hatte sich tatsächlich erdreistet, seine Gemmenfaust zu stehlen! Das kostbarste, was er auf der Welt besaß und ein Mensch entwendete es einfach ... widerwärtiger Abschaum! Während des Kampfes musste es Giganto wohl aus der tasche gefallen sein. Er griff nach dem schwarzen Lederhandschuh und zog ihn sich über den rechten Unterarm. Das vertraute Gefühl des gehärteten Leders und die kühle Berührung der Edelsteine auf dem untersten Fingergliedern wirkte beruhigend.
Mit der linken Hand zog Luzien sich den versteckten Krummdolch aus dem Stiefel und verlies Robalds Arbeitszimmer. Über dem Schädel des Menschen blieb er stehen. Den blutroten Mantel, der sich während des Kampfes geöffnet hatte, zog er nun wieder stramm zu. Dann spuckte der Nachtelf dem Diener des Verräters ins Gesicht. „Ich bemitleide dich fast so sehr, wie ich dich verachte,“ sprach er fast freundlich und dennoch voller Abscheu zu dem Bewusstlosen. Langsam hob er den Dolch. Es war so einfach, ihn dem schwer atmenden Koloss ins herz zu stoßen. Aber so dumm war der Nachtelf nicht. Stattdessen beugte er sich aufs linke Knie und drückte den ohnmächtigen Körper ins Büro zurück. Weder eine Leiche, noch Blutflecken im Gang konnte er gebrauchen. Und er meinte Stimmen gehört zu haben, mindestens zwei Personen, die sich näherten. Nun gut, Augenzeugen konnte er auch nicht gebrauchen!

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Vana Erendis Morgaine
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Mittwoch 10. November 2010, 23:55

Ruhig lagen die Gänge des Ratsgebäudes durch die das Vampirpärchen schlich, und Vana fragte sich bereits, ob Vandarte nicht doch einer Täuschung aufgesessen war. Aber dann, gerade als sie um eine weitere Gangabzweigung biegen wollten, klirrte es erneut. Diesmal nahm es auch Vana deutlich war. Es klang ganz so, als ob eine Waffe zu Boden gefallen wäre. Noch vorsichtiger, da sie nicht wussten, was sich da vor ihnen tat, bogen sie in den Quergang ein und drückten sich sofort in den Schatten einer Nische. Unweit vor ihnen drang fahles Mondlicht aus einer Türöffnung in den Gang und beide konnten nun auch deutlich Kampfgeräusche aus dem hinter der Tür liegenden Raum vernehmen.
Da beide nicht genau einschätzen konnten, was in dem Raum gerade vorging, beschlossen sie erst einmal aus sicherer Position zu beobachten.
„Was meinst du?“, wisperte Vana. „Wer mag sich da wohl bekämpfen“ Vandarte zuckte nur mit den Schultern: „Warten wir es ab. Ich schätze es wird nicht mehr lange dauern bis wir es erfahren,“

Er sollte Recht behalten, denn nur wenig später krachte die Gestalt eines wahren Hünen durch die angelehnte Tür und rutschte über den Boden zur gegenüberliegenden Gangwand, wo sie bewegungslos liegen blieb.
„Alle Wetter!", kommentierte Vana den Auftritt des Hünen. "Jetzt bin ich aber neugierig wer den Kerl da so durch die Gegend schubst.“ Sie meinte es tatsächlich so wie sie es sagte, denn diesen wahren Koloss ins Land der Träume zu schicken, dazu gehörte schon was.
Als dann sein Bezwinger auf den Flur trat, war ihre Verwunderung nicht gerade klein zu nennen, denn die im Gegensatz zu dem Hünen doch eher grazile Gestalt hatte sie nicht erwartet. Gut, sie wusste, dass ein gut ausgebildeter, wendiger Kämpfer auch gegen vermeintlich stärkerer Gegner etwas ausrichten konnte, aber diese zierliche Gestalt?! Er musste schon außerordentlich gut sein, was die ehemalige Auftragskillerin in ihr ansprach und sie nur noch neugieriger machte. Den Typen musste sie unbedingt kennen lernen. Auch Vandarte schien es so zu gehen, denn seiner Mimik nach gab er gerade einen anerkennenden, wenn auch lautlosen Pfiff von sich.
„Ein Elf.“, wisperte der alte Vampir so leise, dass Vana ihn beinahe nicht verstand.
„Wie kommst du denn darauf?“ Auch Vana sprach gerade so leise, dass nur Vandarte sie verstehen konnte.
„Schau dir sein Gesicht an.“ Gerade beugte sich der Mann über den am Boden liegenden wodurch Vana einen guten Blick auf sein Gesicht erhielt. Vandarte hatte recht, es war blass, viel zu blass für einen Menschen. Auch konnte sie nun die für Elfen typischen Ohrspitzen erkennen.
„Du hast recht, wahrscheinlich sogar ein Nachtelf. Die blasse Haut spricht dafür.“

Zuerst hatte es den Anschein, als wollte der Elf, oder Nachtelf, seinen Gegner endgültig auf die Insel der Toten schicken, doch dann besann er sich und schob den bewegungslosen Körper in das Zimmer zurück. Dies war der Zeitpunkt zu dem das Vampirpärchen beschloss, sich Klarheit über die Situation zu verschaffen. Zwei, drei Sprünge, lediglich die Dauer eines Wimpernschlags und beide standen in der Tür. Ein kurzer Blick der Verständigung und Vandarte sicherte das Zimmer zum Gang hin ab während Vana sich darin umschaute. Neben dem noch immer bewusstlosen Hünen und dem Elf fiel ihr Blick sofort auf die auf dem Boden liegende Leiche. Die teure Kleidung des Toten und die exquisite Einrichtung des Arbeitszimmers legten den Schluss nahe, dass der Tote einer der drei Räte war.
“Nun sieh mal einer an.“, ließ sich die Vampirin nun in der Sprache der Dunkelelfen vernehmen. Sie wollte vermeiden, dass der Nachtelf mitbekam was sie zu Vandarte sagte. “Wie es aussieht ist uns jemand zuvor gekommen. Die Dunkelelfen wollten wohl nichts dem Zufall überlassen.“

Aus ihrer Zeit als Auftragsmörderin hatte es sich Vana angewöhnt, jeden Raum, den sie betrat und jedem Menschen, dem sie dabei begegnete einer intensiven Musterung zu unterziehen. Im Zweifelsfall konnte das Leben davon abhängen. So entging ihr auch nicht, dass der Elf ganz kurz und äußerst unauffällig aufmerkte, als sie meinte, dass ihnen jemand zuvor gekommen wäre. Dies konnte Zufall sein, doch Vana hielt nicht viel von Zufällen. Viel eher war es entweder so, dass er ihr Lerium erkannte und in ihnen deswegen Helfershelfer der Dunkelelfen vermutete und deswegen aufmerkte, oder aber, und das hielt sie für wahrscheinlicher, er verstand Lerium und hatte deswegen aufgemerkt, weil er nun wusste, dass sie es auf die Mitglieder des Rates abgesehen hatten.
Wie auch immer, die Frage war doch, in welchem Verhältnis stand er zu dem toten Ratsmitglied und wie würde er auf ihr unverhofftes Erscheinen reagieren. Und dann war da auch noch der Hüne, der jeden Moment wieder aus seiner Bewusstlosigkeit erwachen konnte.

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Luzien
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Samstag 13. November 2010, 20:19

Die Anstrengung den gewaltigen Leibwächter auszuschalten, war gar nichts, verglichen mit dem Kraftaufwand, den es kostete, den leblosen Körper in das Büro zu schleifen. Mit einem Arm hätte der Elf es nicht geschafft, weshalb er letztlich die Dolchklinge zwischen die Zähne nahm, um beide Hände frei zu haben. Wo die beiden erst einmal in Bewegung waren, zerrte Luzien den Hünen so weit wie möglich in die Mitte des Arbeitszimmers. Irgendwie kam es ihm nicht richtig vor, den Diener des Verräters neben dem Körper des Ratsherren zu platzieren, doch er hatte weder Zeit noch Möglichkeit, Robald in eine etwas erhabenere Lage zu betten.
Eine einzelne Schweißperle lief an Luziens Stirn herunter, als er sich leicht erhob und über den Bewusstlosen lehnte. Vorsichtig hob er ein Lid des Hünen an und fühlte danach dessen Puls. Anscheinend hatte er ganze Arbeit geleistet. Es war unwahrscheinlich, dass Montegomerus Handlanger in nächster zeit das Bewusstsein wieder erlangen würde. Jetzt endlich erlaubte sich Luzien zu lächeln, aber es war ein kalter, freudloser Gesichtsausdruck. Mit schmerzenden Gelenken nahm der Nachtelf seinen Dolch wieder in die Linke, setzte sich auf den Bauch des Menschen und betrachtete einen Moment dessen Gesicht. Als würde die bewegungslose Maske ihn provozieren, hob er den rechten Arm, ballte eine Faust und schlug mit voller kraft in das Gesicht des Mannes. Die Gemmenfaust schälte dort wie sie auf Fleisch traf die Haut vom Gesicht, vier tiefe, blutige Wunden zogen sich über das Antlitz des Menschen, die eher aussahen wie das Mal eines Raubtieres. Am liebsten hätte Luzien ihm den Kiefer gebrochen, doch da er Giganto noch für ein paar Antworten brauchte, hatte er sich zurück gehalten. Der Elf wedelte mit der rechten Hand durch die Luft. Hautfetzen und Blut lösten sich von den Obsidianscherben und landeten auf dem Boden.
Erst jetzt, als er endlich aufsah, bemerkte der Nachtelf die beiden Gestalten, ein Mann und eine Frau, die sich ihm genähert hatten. Mit einem müden, leisen Lachen lies er kurz den Kopf hängen, ehe er Katzengleich aufsprang, mit dem wagen Gedanken die beiden Zeugen schnell zu entsorgen. Aber noch bevor er eine Hand erhob, hielt er inne. Diese beiden schienen Menschen zu sein, zumindest sahen sie nicht aus wie die üblichen Verbündeten der Meute vor den Mauern. Sie hatten ihn zusammen mit dem toten Ratsherren und dem Bewusstlosen Leibwächter gesehen, aber keinen Alarm gegeben. Das bedeutete, dass sie weder auf Robalds, noch auf Montegomerus Seite standen. Doch zu wem hielten sie dann? Zu den Dunkelelfen vor den Stadttoren oder etwa zu einer noch unbekannten, neuen Fraktion?
Die Lösung dieses Rätsels schien sich schneller zu offenbaren, als Luzien gedacht hätte. Denn als die Frau den Mund öffnete um etwas zu ihrem Gefährten zu sagen, kamen die Worte in Lerium hervor. Der verdammte Zungenschlag der Schwarzhäute! Als die laute an sein Ohr drangen, verengte sich die Augen des Nachtelfen zu schlitzen. Wenn diese beiden mit der dunklen Brut paktierten, brauchte er Giganto vielleicht gar nicht mehr. ”Den hier haben nicht die Meuchler der Dunkelelfen bekommen,“ meinte er gelangweilt und wies mit seinem Krummdolch zuerst auf den toten und danach auf das zersprungene Fenster, durch das der Bolzen gedrungen war. ”Ich muss es wissen, denn dass bin ich.”
Langsam richtete er seine kurze Klinge nun auf die Frau und ging langsam auf sie zu. Selbst in dieser Situation viel dem Elfen auf, dass selbst sie ihn überragte. Aber was spielte das schon für eine Rolle, hatte er nicht eben bewiesen, das die Körpergröße absolut unwichtig war? Fast hätte er bei dem Gedanken geschmunzelt, blieb aber ernst. Es war nicht der Moment um locker oder freundlich zu wirken. ”Da stellt sich mir doch die Frage, wieso IHR Interesse an dem Haupt dieser Stadt hattet? Pelgar ist Augenscheinlich wirklich voll von verräterischen Ratten.” Er war stehen geblieben und faste die Frau nun kritisch ins Auge. Ihren Begleiter beachtete er kaum, denn durch die Positionierung der beiden, war sie das erste Angriffsziel, sollte es zu einer Auseinandersetzung kommen. Aber irgendetwas wollte mit ihr nicht stimmen. Luzien wusste nicht genau wieso, doch aus irgendeinem Grund bereitete dieses Pärchen ihm mehr Unwohlsein, als der Mensch. Irgendetwas stimmte mit ihnen nicht!

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Vana Erendis Morgaine
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Dienstag 16. November 2010, 00:20

Die Reaktion des, Vana bezeichnete ihn für sich selbst inzwischen als Nachtelfen, war äußerst interessant. Jeder normale Mensch wäre erschrocken aufgesprungen, nicht so der Nachtelf. Dieser reagierte vollkommen beherrscht und abgeklärt. Katzengleich kam er in die Höhe, ganz so, als wollte er die beiden Eindringlinge im nächsten Augenblick angreifen, hielt dann aber in der Bewegung inne.
Ein anerkennendes Lächeln umspielte ihren Mund, als Vana sich dies vergegenwärtigte. Seine ganze Art erinnerte sie sehr an sich selbst. Der Kerl war entweder ein Kopfgeldjäger oder ein Auftragsmörder, auf jeden Fall jemand, der mit Situationen wie der jetzigen häufiger konfrontiert wurde.
Dann wurde es noch interessanter, denn ganz so wie es Vana vermutet hatte, meinte der Nachtelf auf Lerium, dass das Ratsmitglied nicht von einem der von den Dunkelelfen gedungenen Killer getötet wurde. Gleichzeitig meinte er nebenher, dass er selbst einer dieser gedungenen Killer wäre. Die Wunde des toten Rats, die Vana daraufhin kurz untersuchte, bestätigte seine Worte. Der Ratsherr war von einem Bolzen aus einer Armbrust getroffen worden. Wahrscheinlich ein verirrtes Geschoss eines der Schützen aus der dem Ratsgebäude gegenüber liegenden Straße.

„Nun ja, ...“, meinte die Vampirin ungerührt, „... da ist nichts mehr zu machen. Der ist hin, womit sich die Frage stellt, ob wir unseren Auftrag damit als erledigt betrachten können?“ Die Frage stellte sie zwar allgemein in den Raum, doch war sie vordergründig an Vandarte gerichtet, der lässig in der Tür stand und den Gang beobachtete. Gleichzeitig bestätigte sie dem Nachtelfen damit, was dieser sowieso schon wusste, da er ja der Sprache der Dunkelelfen mächtig war. Aus dem gleichen Grund bediente sie sich nun auch wieder der allgemeinen Verkehrssprache, die alle Völker Celcias beherrschten.

Ach ja, der Nachtelf. Dieser hatte seine erste Überraschung, die er sehr gut zu verbergen wusste, sofern er überhaupt überrascht war, überwunden und kam nun mit der auf Vana gerichteten Klinge eines Krummdolchs auf diese zu. Er musste sich seiner Sache sehr sicher sein, da er Vandarte keines Blickes würdigte, ja seine Anwesenheit regelrecht ignorierte. Obwohl er ihr gegenüber etwas kleiner war, machte er nicht den Eindruck als ob ihn das in irgendeiner Weise stören würde. Nein, er war sich seiner Qualitäten durchaus bewusst und brachte dies mit jeder seiner Bewegungen zum Ausdruck. Jeder normale Mensch würde sich in seiner Gegenwart in Acht nehmen müssen, Vana allerdings konnte er damit nicht beeindrucken.
Schließlich blieb er kurz vor ihr stehen, schaute sie herausfordernd an und meinte sinnierend:
”Da stellt sich mir doch die Frage, wieso IHR Interesse an dem Haupt dieser Stadt hattet? Pelgar ist Augenscheinlich wirklich voll von verräterischen Ratten.” Bei jedem seiner Worte stieß er, wie um es besonders zu unterstreichen, mit der Dolchspitze ganz leicht auf die Brust der Vampirin.

Mit einem Schmunzeln schob Vana die auf sie gerichtete Dolchspitze zur Seite, während sich Vandarte von der Tür her vernehmen ließ:
„Da habt ihr nicht unrecht Nachtelf. Und anscheinend geben sich all diese „Ratten“ ein Stelldichein in diesem Gebäude.“ Dabei betonte er das Wort Ratten ganz besonders. Wenn dieser Nachtelf aus den gleichen Motiven wie die beiden Vampire handelte, dann musste ihm diese eigentümliche Betonung auffallen. Zudem auch Vana nun orakelhaft zu dem Nachtelfen meinte:
„Auch solltet ihr Bedenken, dass die Dinge nicht immer so liegen, wie sie auf den ersten Blick erscheinen, und die Handlungen manch einer dieser „Ratten“ vordergründig zwar unedel erscheinen, in Wahrheit aber einem wesentlich edleren Ziel dienen.“

Ein kurzes Räuspern Vandartes lenkte ihre Aufmerksamkeit auf ihren Gefährten, was dem Nachtelfen Gelegenheit gab, über das eben gehörte nachzudenken.

„Um auf deine Frage zurück zu kommen, meine Schöne, ...“, ein kurzes Augenrollen und indigniertes Hochziehen der Augenbraue Vanas, was Vandarte zu einem schelmischen Grinsen veranlasste, „... wir haben hier einen toten Rat, was ja das Ziel unseres Auftrags war. Ich denke, dass es den Dunkelelfen egal sein kann, wer ihn letztendlich tötete, es kommt nur darauf an, dass er tot ist. Ich denke wir können unseren Auftrag damit als erledigt betrachten, es sei denn uns läuft zufällig noch einer der beiden anderen Räte über den Weg.“ Seine Hand beschrieb die Geste des Halsabschneidens und ein zynisches Lächeln umspielte seine Mundwnkel. Außerdem, ...“, sein Blick ging wie zufällig zum Fenster hin, wo ein zarter Lichtschimmer am Horizont den beginnenden Tag ankündigte. „... haben wir uns lang genug hier aufgehalten. Wir müssen uns noch um eine Bleibe kümmern und dann ist da auch noch der Anschlag am schwarzen Brett, den du entdeckt hast, und der vielversprechend erscheint. Auch darum sollten wir uns kümmern, nicht dass uns in dieser Sache jemand zuvor kommt. Eine bessere Gelegenheit werden wir nicht bekommen."

Vandarte hatte recht, es wurde Zeit, dass sie sich um eine Bleibe für den Tag kümmerten. Es war nicht unbedingt ratsam den Tag im Ratsgebäude zu verbringen, nicht wenn man hier demnächst einen toten pelgarischen Rat fand.
Was sie wieder zu dem Rat, dem Nachtelfen und dem Hünen brachte. Sie hatte noch immer keine Ahnung in welcher Beziehung der Nachtelf zu dem Hünen, der zum Glück weiter ohne Besinnung auf dem Boden lag, stand. Wieso hatte er den Kerl so übel zugerichtet? Automatisch richtete sich ihr Blick auf den am Boden liegenden Kleiderschrank und ging anschließend zu dem Nachtelfen zurück, der in ihrer Anerkennung um ein gutes Stück weiter stieg. Auch wenn sie nicht allzu viel zu befürchten hatte, so tat sie doch gut daran, ihn nicht zu unterschätzen.

„Gut, mit dem Tod des Rats habt ihr also nichts zu schaffen, was noch nicht viel bedeuten mag, zumal wenn man den Zustand des anderen dort betrachtet. Gab es einen besonderen Grund, dass ihr ihn so zurichten musstet? Hat er euch bei eurem geplanten Anschlag beobachtet und wollte ihn vereiteln?“
Bis zu einem gewissen Grad hatten Vana und Vandarte ihre Absichten aufgedeckt. Nun hieß es darauf warten, was der Nachtelf damit anfing und wie er darauf reagierte. Auch Vana fixierte ihn nun, immer darauf bedacht, auf einen unverhofften Angriff zu reagieren. Eigentlich wusste er bereits viel zu viel, als dass sie ihn am Leben lassen konnten, doch widerstrebte es der ehemaligen Killerin in ihr, eine derart ebenbürtiges Wesen einfach so zu töten. Nun, vielleicht war dies auch garnicht nötig, man würde sehen.

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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Donnerstag 18. November 2010, 22:18

Auch wenn Luzien sich noch immer nicht ganz sicher war, was er von den beiden Störenfrieden halten sollte, doch schien keine direkte Gefahr von ihnen auszugehen. Selbstverständlich mochte sich das jeden Moment ändern. Doch solange keiner der beiden sich ihm gegenüber feindlich zeigte, konnte er sich entspannen. Langsam baute das Adrenalin in seinen Venen sich wieder ab und das Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung kehrte zurück. Wie lange hatte er nun nicht mehr geschlafen? Es würde bald hell werden. Das wäre dann der dritte Tag in folge. Der Zeitraum seit er das letzte mal etwas gegessen hatte, war sogar noch größer.
Aus den Worten, die das seltsame Pärchen austauschte war zumindest abzulesen, dass sie einen ähnlichen Auftrag hatten, wie man ihn dem Nachtelfen hatte aufzwingen wollen. Eigentlich war das ein Grund sie zu töten, aber er machte sich nichts vor. Die beiden waren in der überzahl und sie zu überrumpeln würde sichtlich schwerer sein als bei dem tumben Riesen. Wozu sich also die mühe machen? Das waren nur unbedeutende Handlanger. Mit denen brauchte man sich nicht abgeben. Gewöhnliche Laufburschen. Nun, fast hätte sich Luzien mit diesen Worten selbst beruhigt, aber es blieb dieses unbestimmte Gefühl, dass die beiden ein höheres Risiko darstellten als sie nach außen ausstrahlten. Schon alleine wie die Frau seinen Dolch einfach zur Seite gewischt hatte. Wenn der Nachtelf sich nicht auf seine Hände konzentriert hätte, die Klinge wäre sicher Reflexartig nach vorne geschnellt. Aber sie schien vor so einer Reaktion gar keine Angst zu haben. Seltsame Gestalten ....
Danach wurde es noch verwirrender. Ausschalg dazu gab der Mann, der noch immer im Türrahmen stand und bisher geschwiegen hatte. „Da habt ihr nicht unrecht Nachtelf. Und anscheinend geben sich all diese „Ratten“ ein Stelldichein in diesem Gebäude.“ Bedeutete das, dass er von Montegomerus verräterischer Ader wusste? Oder warf dieser unheimliche blasse Kerl sich selbst mit dem Elfen in einen Topf? Vielleicht beides. Immerhin wusste keiner der beiden, dass Luzien versucht hatte dem Ratsherren das Leben zu retten, im Gegenteil, er hatte sich selbst als potenziellen Mörder offenbart. Nachdenklich lies Luzien seinen Dolch sinken, steckte ihn dann in Gürtel und brachte wieder ein paar Meter zwischen sich und die Unbekannten, die untereinander ins Gespräch versunken waren. Was sie da besprachen bekam der Nachtelf nur halb mit. Anscheinend wussten sie nicht genau, ob sie nun ihren Auftrag erfüllt hatten oder nicht.
Ein schrilles Pfeifen riss Luzien aus seinen Gedanken. Er lies sich ablenken und sah von der Tür weg zu der Kommode, von wo das Geräusch kam. Robalds Tee schien nun durch zu sein, denn der Kanne entwich eben dieser laut, der ihn verwirrt hatte. Ohne sich selbst großartig klar zu sein, was er da tat, ging der Soldat zu der Teekanne und nahm sie von der Kochstelle, goss das heiße Getränk in eine der bereitstehenden Tassen. Zaghaft sog er das aufsteigende Aroma ein, ehe er den Becher an die Lippen führte. Als der Kräutersud seinen Hals herunter lief und sich eine angenehme Wärme in ihm ausbreitete, stöhnte der Nachtelf leise. Es war nicht viel, und trotzdem fühlte sich Luzien wieder ein Stück lebendiger. Schmerzlich verdrängte er die Gedanken über das, was er grade plante und die fast bestehende Gewissheit, dass er nicht überleben würde.
Aus den Augenwinkel bemerkte der Elf, dass die Frau mit ihrem Blick zwischen ihm und dem Menschen hin und her wanderte. Kaum schenkte er ihr wieder seine Aufmerksamkeit, als sie sich auch schon mit Fragen an ihn richtete. Gelassen stellte Luzien die Tasse weg und ging um die beiden am Boden liegenden Körper herum auf den Schreibtisch zu. Bevor er antwortete, bückte er sich nach unten, um die Lanze wieder an sich zu bringen. Er brauchte die Waffe, vielleicht schon früher als ihm lieb war. Dann setzte er sich auf die Tischplatte und griff die blasse Menschenfrau ins Auge. ”Würdet ihr gerne wissen, ja?”, fragte er neckisch und ein freches Grinsen umspielte seine Lippen. Er sprach weiterhin in der Sprache der Schwarzhäute. Auch wenn er inzwischen einen verdammten Hass auf diesen Fehlgriff der Natur hatte, war ihm deren Sprache noch immer lieber als die barbarische Allgemeinsprache. ”Der Fettsack ist der persönliche Leibwächter des Ratsmitgliedes Montegomerus von Harm. Und wenn ich nicht noch ein paar Worte mit ihm wechseln müsste, wäre ihm längst ein Schicksal schlimmer als der Tod eigen geworden.”
Luzien schnalzte mit der Zunge und verpasste dem bewusstlosen Pelgarer einen harten Stoß mit dem stumpfen Ende der Lanze. Es gab keine Reaktion darauf, was ihm sagte, dass Giganto noch immer im Land der Träume walte. ”Apropos … der befindet sich noch hier im Ratsgebäude. Wenn ihr wollt, dann sage ich euch auch wo genau. Vorrausgesetzt ihr habt Lust auf ein nettes, überflüssiges Blutvergießen und seit bereit mir einen Gefallen zu tun ... Was nur fair wäre, da ich ja bereits die hälfte seiner Bewacher ausgeschaltet habe. Wenn nicht kümmere ich mich selber um Monti und glaubt mir, dass würde mir ein Vergnügen sein!”

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Vana Erendis Morgaine
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Samstag 20. November 2010, 22:30

Der Nachtelf gab Vana mehr und mehr Rätsel auf. Nicht genug, dass sie ihn einfach nicht einordnen konnte, war sein gesamtes Verhalten mehr als provokant. Noch während sie sich bei ihm nach dem bewusstlosen Menschen erkundigte und was er mit ihm zu schaffen hatte, schenkte sich der Nachtelf seelenruhig eine Tasse Tee ein, umrundete in aller Gemütsruhe die beiden am Boden liegenden Körper und setzte sich anschließend aufreizend lässig auf den edlen Schreibtisch. Ihr waren ja schon viele komische Käuze im Laufe ihres Lebens unter gekommen, aber solch ein abgebrühter Kerl wie dieser Nachtelf war ihr bislang nicht begegnet.
Gut, sie hatte sich oft ähnlich verhalten, als sie noch als Morticia ihrer zweifelhaften Tätigkeit nachgegangen war, doch hatte sie immer einen gewissen Rest an Respekt gezeigt. Bei diesem Nachtelf vermisste sie dies zunehmend. Entweder war der Kerl völlig emotionslos oder er konnte einfach so etwas wie Angst nicht empfinden. Anders war ihr sein Verhalten nicht erklärlich.

“Ei freilich würde uns dass interessieren werter Herr Nachtelf.“, entgegnete nun Vana ihrerseits süffisant und mit leicht ironischem Unterton, da sie die aufreizende Lässigkeit des Nachtelfs langsam aber sicher aufregte, ihr andererseits wiederum auch ungemein imponierte. Der war ein ganz abgefeimter Hund und das gefiel ihr. “Wäre dies nicht so, hätte ich wohl kaum gefragt.“ Da der Nachtelf weiter das Lerium benutzte, verfiel auch Vana wieder in ihre Muttersprache, auch wenn sie diese eher hasste. Anscheinend hatte ihr Gegenüber ihren ironischen Unterton wohl bemerkt, denn ein neckisches Grinsen umspielte seine Lippen ehe er sich zu einer Antwort herab ließ.
”Der Fettsack ist der persönliche Leibwächter des Ratsmitgliedes Montgomerus von Harm. Und wenn ich nicht noch ein paar Worte mit ihm wechseln müsste, wäre ihm längst ein Schicksal schlimmer als der Tod eigen geworden.
Apropos … der befindet sich noch hier im Ratsgebäude. Wenn ihr wollt, dann sage ich euch auch wo genau. Vorrausgesetzt ihr habt Lust auf ein nettes, überflüssiges Blutvergießen und seit bereit mir einen Gefallen zu tun ... Was nur fair wäre, da ich ja bereits die hälfte seiner Bewacher ausgeschaltet habe. Wenn nicht kümmere ich mich selber um Monti und glaubt mir, dass würde mir ein Vergnügen sein!”


Da war er wieder, dieser verächtliche Ton, den er bereits vorhin hatte durchklingen lassen, als er von den Meuchlern der Dunkelelfen gesprochen hatte. Mit einem äußerst nachdenklichen Blick bedachte Vana den vor ihr sitzenden Nachtelfen, dann begann sie damit, grübelnd auf und ab zu gehen, bis sich schließlich Vandarte von der Tür her meldete:
„Wir müssen eine Entscheidung treffen Vana, die Zeit läuft gegen uns.“ Sein Ton war eindringlich, und dass er sie „Vana“ nannte und nicht wie sonst „Meine Schöne“ zeigte ihr mehr als sein drängender Ton, dass es ihm ernst war. Er hatte recht, sie mussten eine Entscheidung fällen, doch vorher wollte sie Gewissheit über die Verhältnisse des Nachtelfen. Ungeduldig winkte sie mit der Hand Vandarte ab und wandte sich nochmals an den Nachtelfen:
“Was treibt euch um, dass ihr diesem Montgomerus unbedingt den Tod wünscht? Mir schien es eher, dass ihr den Tod dieses Ratsmitglieds hier bedauertet, und doch wünscht ihr nun den Tod eines anderen Ratsmitglieds. Könnt ihr mir den Grund erklären, denn es will mir nicht so recht in den Sinn kommen, warum ihr einmal so und dann genau andersherum sprecht. Was ist bei diesem Montgomerus und seinem Leibwächter anders, als bei diesem toten Rat hier vor uns?“

Sie wurde den Verdacht nicht los, dass dieser Nachtelf nur vorgab, ein Meuchler der Dunkelelfen zu sein, insgeheim jedoch wenig mit ihnen sympathisierte. Wenn ja, so ging es ihm ebenso, wie den beiden Vampiren, er handelte nur aus der Situation heraus, jedoch nicht aus Überzeugung. Wenn das so war, dann musste es mit diesem Montgomerus etwas besonderes auf sich haben, da er ihn aus Überzeugung töten wollte. Und genau das wollte Vana wissen bevor sie sich einschied.

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Luzien
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Re: In den Gängen des Ratsgebäudes

Beitrag von Luzien » Montag 22. November 2010, 21:13

Das gekünstelte, fröhliche Gehabe fiel von Luzien ab, als die Frau weiter nachbohrte, fast so als würde eine Eisstatue schmelzen und darunter eine andere Figur zum Vorschein kommen. Blitzartig war das Lächeln verschwunden, einer ernsten Miene gewichen. Und auch aus der lässigen Pose hatte er sich erhoben und stand nun aufrecht, mit durchgestrecktem Rücken und der Stabwaffe im Anschlag da. Der Elf hatte nun deutlich mehr Ähnlichkeit mit einem Soldaten, als mit einem Meuchler oder Spion. Die Augen hatte er zu Schlitzen verengt, während er weiter die Mimik der, nun langsam störenden, Fremden taxierte, nur das er nun auch immer wieder kurz zu dem anderen hinüber linste.
Es hatte ganz den Anschein, als wenn Luzien sich etwas zu sehr vor den Beiden hatte gehen lassen. Normalerweise vermittelte er mehr den Eindruck einen kühlen, unnahbaren Charakters. Niemand mit dem man einen Plausch hält oder mit dem man mehr Zeit als nötig verbrachte, beides Dinge die dem Nachtelfen nur all zu recht waren. Das jemand so weiter bohrte wie diese Frau, die darüber hinaus ja grade eben miterlebt hatte, wie er mit seinen Gegnern umsprang, war fast schon neu für ihn. Und wie nun darauf reagieren? Luzien konnte weder die Frau noch ihren Begleiter durchschauen und war sich deshalb nicht sicher, was er sagen konnte. Sie schienen eindeutig Angeheuert worden zu sein, um einen Ratsherren zu töten, aber nun zögerten sie, als es darum ging einen anderen von diesen Menschen auszuschalten. Wieder wechselte Luzien sein Ziel und diesmal verweilten seine Augen einen Moment länger auf dem schweigsamen Kerl als bisher. Leider enthielten dessen Worte auf für den Elfen Wahrheit. Die Zeit arbeitete gegen ihn, gegen sie alle.
Ohne das er sich dessen wirklich bewusst wurde, hob Luzien die linke Hand an den Mund und knabberte für einen Augenblick am Nagel seines Ringfingers. Nachdenklich strich er sich danach mit dem Handrücken über die Lippen und straffte sich wieder. Als er zu sprechen begann, war sein Tonfall geschäftsmäßiger als zuvor, ohne den höhnischen oder belustigten Unterton. Er hatte sich beschlossen die Wahrheit zu sagen, zumindest einen Teil davon.
“Von Harm ist einen Handel mit den Dunkelelfen eingegangen, wodurch diese es schafften jemanden – mich – in die Stadt einzuschleusen. Leider ist er im Irrglauben, dass man auch seinen Teil des Paktes erfüllen würde. Er hält sich tatsächlich für einen gleichwertigen Verbündeten!“ Ruckartig wanderten Luziens Augen nach unten. Der Hüne hatte den linken Arm bewegt und seine Augenlieder hatten geflackert. Es war wohl bald so weit, dass er wieder erwachte. Sofort wirbelte der Elf seine Schwertlanze in der Hand und legte dem Diener die Klinge an den Hals. Dabei übte er soviel Druck auf das Fleisch aus, dass sich bereits eine feine, rote Linie über die Kehle zog. Ganz gleich was passierte, er würde die Kontrolle behalten wenn Giganto wieder zu Bewusstsein gelangte! Er würde sich gewiss nicht von so einer niederen Kreatur überrumpeln lassen und wandte den Blick daher nicht mehr ab. “Dieser degenerierte, verräterische, menschliche Abschaum Montegormerus hat mich behandelt wie einen einfachen Sklaven. Er hat mich rum kommandiert, beleidigt und erniedrigt! Mein Stolz verlangt Wiedergutmachung! Und wenn ich die Chance habe, so werde ich sein Ableben grausam und qualvoll gestalten!“
Zum Schluss hatte sich der Klang seiner Stimme verändert. Man konnte ganz deutlich spüren, dass ihn schon der Gedanke an diese Tortur in Ekstase versetzte. Wie er sich begierig mit der Zunge über die Lippen leckte, hatte schon etwas dämonisches an sich und fast hätte Luzien über die Vorstellung hinweg vergessen, das noch andere Leute im Raum waren. “Aber …“ begann er nun wieder vollkommen ruhig und gelassen und strich sich die langen, weißblonden Haare wieder glatt nach hinten, “Wie euer Freund bereits richtig bemerkt hat. Die Zeit spielt gegen uns. Gegen mich besonders, denn meine Möglichkeiten sind nach Sonnenaufgang mehr als eingeschränkt.“

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