Vor dem Ratsgebäude

Nach dem Tod des Hohen Rates wird Pelgar nun vom dunklen Herrscher und Tyrannen Kraen Amraén regiert. Er hat den Sitz übernommen.
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Vana Erendis Morgaine
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Dienstag 17. August 2010, 23:08

Der pelgarische Soldat bremste aus vollem Lauf ab, als sich ihm Vana so urplötzlich in den Weg stellte. Sein ungläubiges und doch auch erleichtertes Gesicht bei der Erkenntnis, wer sich ihm da entgegenstellte, amüsierte die junge Vampirin. Anscheinend dachte er, es nur mit einer Einwohnerin Pelgars, zumindest aber nur mit einem einfachen Weib zu tun zu haben. Er hatte ja keine Ahnung wem er in diesem Augenblick gegenüber stand, und dass er dem Tod so nahe wie wohl noch nie zuvor war.
Seine folgenden Worte bestätigten Vana seine tödliche Fehleinschätzung der Situation.
Ha ha, als ob ich scherzen würde. Warum stelle ich mich ihm wohl in den Weg? Dass die Menschen auch immer das Offensichtliche nicht wahr haben wollen.

„Sehe ich aus als würde ich scherzen?“, dabei schwang sie ihr Katana locker in der Hand und ließ es die Luft pfeifend durchschneiden. „Wenn dem so wäre, würde ich sicher als Clown kostümiert herumlaufen. Und jetzt geht dahin zurück woher ...!“
Mit einem ansatzlosen Sprung aus dem Stand etwa zwei Schritt rückwärts wich sie dem Schlag des Soldaten aus. Noch rechtzeitig hatte sie aufgrund ihrer geschärften Sinne die plötzliche Bewegung und den Richtungswechsel der Schlaghand erkannt. Jeder andere wäre von dem Schlag überrascht und von den Beinen geholt worden, nicht so die Vampirin.
„Ah, das habt ihr euch fein ausgedacht, aber daraus wird nichts.“ Ohne ein weiteres Wort ging Vana nun ihrerseits zum Angriff über. Nicht so fintierend wie ihr Gegenüber, sondern in offenem Schlagabtausch. Auf Schläge folgten Paraden und umgekehrt. Leichtfüßig tänzelte die Untote um den pelgarischen Wachmann herum, und während dieser mit zunehmender Dauer des Kampfes zusehends ermüdete und seine Bewegungen erlahmten, umkreiste Vana ihn noch genauso behände wie zu Anfang des Kampfes. Was mochte in dem jungen Mann gerade vorgehen, nun da er sah, dass er gegen die Vampirin auf verlorenem Posten stand, dass die Frau mehr oder weniger nur mit ihm spielte.

Ein Spiel dessen Vana nun überdrüssig wurde. Ihre Gier nach Blut gewann mehr und mehr die Oberhand. Sie konnte förmlich spüren, wie das Blut, aufgrund der Anstrengung durch die Adern des Wachmanns pulsierte, konnte den süßen Duft riechen, bis sie am Ende ihre Beherrschung verlor. Mit einem blitzschnellen Tritt gegen die Schlaghand, der dem Wachmann weder Zeit noch Möglichkeit zur Abwehr ließ, prellte sie diesem sein Schwert aus der Hand. Blitzschnell war sie bei ihm und setzte ihm ihr Katana von hinten an die Kehle und schnurrte mit verrucht süßer Stimme:
„Nun? Nicht schlecht für ein Weib, findet ihr nicht?“

So nah bei ihm konnte sie sich kaum noch zügeln. Am liebsten hätte sie ihre Zähne sofort in das verführerische Fleisch geschlagen, doch vorher müsste sie ihm noch ihr wahres Wesen offenbaren. Sie hatte während des Kampfes beschlossen, ihn nicht zu töten. Er sollte einer derjenigen sein, die die Kunde von Vampiren in Pelgar verbreiteten. Dies war schließlich ein Teil ihrer Aufgabe, welche sie vom dunklen Herrscher bekommen hatten. Ihr Vorsatz, unter keinen Umständen das Blut von Menschen zu trinken, war vollständig ihrer Gier gewichen. Vandarte hatte recht behalten, die Gier würde sie wieder in die Dunkelheit treiben, in die sie doch nie mehr zurück wollte. Sie hatte keine Chance, sich dagegen zu wehren, hatte seit ihrem Erwachen als Vampir nie wirklich eine gehabt.

„Nun junger Freund wisset, ihr hattet zu keinem Zeitpunkt des Kampfes eine Chance auf den Sieg, denn ich bin kein Mensch, wie ihr fälschlicherweise dachtet.“ Zart berührten ihre Lippen seinen Hals, scharf sog sie seinen Duft in ihre Nase. Ein Zittern durchlief ihren Körper, oder war es der Wachmann, welcher plötzlich erschauerte? Ahnte er, welche Kreatur der Nacht ihn umfangen hielt?
„Habt keine Angst, ich werde euch nicht töten, denn ihr sollt die Kunde verbreiten, dass die Dunkelelfen nicht die einzige Gefahr für Pelgar sind. Oh nein, Pelgar hat seit heute ein noch weitaus größeres, nach frischem Blut dürstendes Problem.“
Jetzt endlich versenkte sie Ihre Zähne in den Hals ihres Opfers, welches noch immer wie erstarrt da stand. Warm und süß floss der Lebenssaft in ihren Mund, und mit jedem Schluck den sie trank wurde sie stärker und stärker, während der Wachmann immer schwächer wurde, bis er am Ende völlig geschwächt und fast bewusstlos zusammensank.
Auch wenn es Vana ungeheuer schwer fiel, ließ sie von ihrem Opfer ab. Sie hatte gerade so viel getrunken, dass ihr Durst für den Augenblick gestillt war und der Blutverlust den Wachmann nicht umbrachte. Es würde sicher einige Zeit dauern, aber er würde wieder auf die Beine kommen und die Kunde von Vampiren in Pelgar verbreiten.
Den nun endgültig besinnungslosen Wachmann schleifte Vana in eine dunkle Ecke zwischen zwei Häuser, wo man ihn sicher irgendwann im Laufe des Tages finden würde. Anschließend eilte sie wieder zum Ratsgebäude zurück, wo noch immer der Kampf im Gange war. Sie sollten ihn endlich beenden, ging es ihr durch den Kopf, denn auch wenn der Wachmann keine Verstärkung mehr holen konnte, so konnten immerhin andere Patrouillen auf den Kampflärm aufmerksam werden.

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Erzähler » Montag 23. August 2010, 22:32

Der junge Soldat war tatsächlich mehr als überrascht gewesen, dass eine einfache Frau mehr als nur Probleme machen konnte.
Besonders die Tatsache, dass sie sich so gar nicht aus der Ruhe hat bringen lassen, machte ihn doch etwas nervös. Außerdem war sie ihm von irgendwo bekannt. Nur wo, dass wusste der junge Mann nicht.
Vielleicht war es auch besser.
Nachdem also Vana ein bisschen Katz und maus gespielt hatte, überkam sie doch der Hunger. Mit einer Geschwindigkeit, die für normale Sterbliche nicht möglich war, war sie bei ihm. Ihre Klinge an seiner Kehle. Er schluckte schwer. Sein Körper zitterte.
„was seit ihr?“ brachte er noch mutig hervor.
Sie biss in sein Fleisch, er stöhnte qualvoll auf. Zu spät versuchte er sich zu wehren. Da hatte sie schon mehrmals getrunken. Seine Hände versuchten an ihren Kopf zu kommen, doch ihren Griff konnte er nicht standhalten.
„ Hilfe!“ stieß er noch hervor. Es war gebrochen und leise. Panik war in seinen Augen zu sehen. Die Erkenntnis, was da mit ihm geschah. Seine Beine wurden weich und doch brannte ihn sich das Gesicht der schönen Vampirin, wie der Scherz an seinem hals ein.
Noch bevor er ganz wegsackte, kam ihn die Erkenntnis. Es war nicht nur ein Vampir. Nein, er hatte sie tatsächlich schon gesehen. Vor einiger zeit, als eine Frau unter einem Beil zu Tode kam. Sie war der Vampir.
Doch die Erkenntnis brachte ihn jetzt nichts. Er konnte nur hoffen, dass sie ihn wirklich nicht tötete. Er warf ihr einen Blick noch zu, kurz bevor er vollends in der Dunkelheit versank. „ ich kenne euch“ hauchte er noch, dann wurde er bewusstlos. Seine Lippen formten noch einen Namen: Morticia.

Vana hatte sich auf dem Weg Richtung Platz wieder gemacht. Und schon fast hatte sie ihn erreicht, da sah sie gerade noch, wie etwas in einer kleinen Nische verschwand. Andere wäre so was verborgen, doch ihr Sehen hatte sich der Dunkelheit angepasst. Verstecken konnte man sich schlecht vor einem Vampir.
Ein Kleines Kind hatte sich in die Nische gezwängt, dass sie trotzig und doch ängstlich ansah. Ein kleiner Junge.
Es umklammerte fest einen Hammer, so als hielt er sich für einen Zwerg. Ob es sich vor ihr versteckte konnte sie nicht wissen.
Vielleicht versteckte es sich auch vor dem zu hörenden Lärm und Geschrei.
Da sah sie etwas.
Der Schatten an einer Wand veränderte sich und plötzlich kam ein Dunkelelf hervor. Er trug eine Robe und hatte einen arroganten Blick drauf. Ein Magier. Deutlich spürte man die Kraft der Nekromantie in ihm. Untotes zu beherrschen war wohl seine Stärke. Verächtlich sah er Vana an, dann husche ein Grinsen über seine Kalten Züge.
„ so wie es scheint, seit ihr ohne euern Gefährten unterwegs. Sehr schön…doch leider habe ich nicht die Genehmigung, euch, schönes Weib, genausten zu untersuchen. Schade!“
Er seufzte gespielt aus, jedoch war sein eisiger Blick vollkommen auf sie gerichtet.
Hatte Vandarte je gesagt, ob einem ein nekromantischer Magier gefährlich werden konnte?
Immerhin war sie untot.
Doch dann strich er sich kurz eine weiße Strähne aus dem Gesicht und fuhr fort.
„ Die anderen und die Echsen sind abgelenkt….dann bleibt nur ihr. Wolltet ihr nicht etwas tun?“
Er schien ihr einen Wink Richtung Ratsgebäude zu geben.


Das Kind hatte sich inzwischen durch einen schmalen Spalt in der Mauer ins Innere gezwängt. Leise hörte Vana noch die sich entfernenden Schritte.
Sie konnte vielleicht, dass Kind einfangen, doch würde sie ihre Dunkelheit dann noch im Zaum halten können?
Ließ sie sich von einem Dunkelelfen Befehle erteilen? Sie konnte davon ausgehen, dass wenn sie ihm zu nah kam, er wahrscheinlich durch einen Zauber flüchten würde.



Die Dunkelelfen hatten den Zwerg und die Menschen in eine Falle gelockt. Und anfangs schien es sich so gut zu entwickeln, doch dann kam ein Magier ins Spiel und alles schien sich zu wenden.
Zu spät hatten Drelgin und Bundror bemerkt, dass die angebliche Statue tatsächlich ein Dunkelelf war. Und dieser machte sich dann auch noch feige aus dem Staub.
Doch das ließ sie beiden nicht entmutigen.

Auch wenn die Situation nicht so berauschend war.
Doch Brocknar sei Dank, wurde den Langen einer seines Volkes gesandt.
Und Bundror behielt tatsächlich, wie es sich für einen Zwerg gehörte einen kühlen Kopf im Kampfe.
Schnell hatte er die Situation durchschaut und sah auch mit geübten Blick, welche Taktik die Dunkelelfen verfolgten. Die jungen Rekruten waren den Dunkelelfen in Erfahrung haushoch unterlegen. Sie konnten zwar kämpfen, doch was einem auf einem Übungsplatz gezeigt wurde, nutzt nicht unbedingt in einem richtigen Kampf.
Noch während sich also Drelgin mit den Auswirkungen des Zaubers des Magiers auseinander setzte, handelte schon der Zwerg.
Erst mal den jungen Drelgin wieder zur Besinnung helfen, dann kam schon die Taktik.
Als Rammbock fungierend, hämmerte er einen der Dunkelelfen zu Boden und ließ die Kraft Bocknars durch Ruknirs fließen. Er hatte vollen Erfolg.
Drelgin rief noch Warnend seinen Kameraden zu. Der brachte sich mit einem Hechtsprung aus der reichweite.
Gerade hatte dieser sich erhoben, da bellte der Zwerg im Befehle entgegen. Er war zwar bleich, doch befehle wusste er zu gehorchen. Er stand kerzengerade und war kurz davor zu salutieren, eilte dann aber seinem Kameraden zur Hilfe.
Dann begannen wieder die Bolzen zu fliegen.
Einer zischte knapp an Bundror vorbei. Er konnte wirklich seinem Gott danken, dass dieser ihm so hold war.
Doch auch Drelgin schien unter den Schutz seines Gottes zu Stehen. Es war als hätten die Götter zwei zusammen geführt, die sich hervorragend im Kampf ergänzten. Obwohl sie nicht den gleichem Volke angehörten oder auch das gleiche Alter teilten, schützen sie sich beide und profitierten von dem anderen.
Die restlichen Soldaten führten die Anweisung von Bundror aus. Mit ihren Schilden gesenkt, drängten sie die Dunkelelfen in eine überdachte Ecke. Hier konnten sie nicht entschwinden, sondern mussten sich den harten Schlägen der Soldaten erwehren.
Man konnte sehen, dass die Spitzohren eher in andere Kampftechniken geschult waren als die Soldaten.
Doch soviel bekam Bundror und Drelgin nicht mehr mit. Die beiden stürmten eine Treppen hoch, um sich den spitzohrigen schwarzen Gestalten auf den Dächern zu widmen.
Die Ablenkung klappte und der erste war schnell erledigt. Der zweite war schwieriger.

Bundror ließ sich zu Boden fallen. Sein Gespür, dass Drelgin etwas warf, war beeindruckend. Doch vielleicht wollte er nur den Bolzen entkommen, den der Dunkelelf abzufeuern versuchte.
Er sah nicht so aus, als wollte er sich geschlagen geben. Sie starben wohl lieber, als sich einer Übermacht zu beugen. Die typische arrogante Art, die sie gerne zeigten.
Das Schwert flog über den Zwerg hin weg und zeitgleich wurde die Armbrust gehoben. Krachend schmetterte das Schwert auf die Armbrust und riss sie den Dunkelelfen aus den Armen. Mit lautem Krachen ging sie mit dem Schwert zu Boden. Es steckte in der Armbrust, wie in einem Holzscheit.
Dann stürmte Drelgin heran. Der Dunkelelf wollte sich gerade noch nach seinem Schwert griefen, da blickte er auf.
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Kurz warf er einen Blick hinter sich und erkannte, was geschehen würde. Er wappnete sich dem Aufprall. Seine Beine suchten einen festen Halt zu bekommen, da krachte es schon.
Der Aufprall war heftig! Kurz konnte Drelgin Widerstand spüren. Doch plötzlich ließ dieser nach. Und es geschah. Drelgin schien kurz zu fliegen. Was war das?
Der Dunkelelf hatte sich ebenfalls zu Boden geworfen und nutzte den Schwung von Drelgin um diesen Selber zu Fall zu bringen. Er hebelte Drelgin samt Rüstung von Boden und ließ in zu fall bringen.
Der Dunkelelf war stärker als man dachte. Oder er wusste einfach die Macht der Schwerkraft zu nutzen. Wenn die Rüstung eben schon gescheppert hatte, so war es jetzt noch lauter. Und Drelgin war klar, dass er wegen dem Gewicht nicht so schnell auf die Füße kommen würde.
Glück hatte dabei jedoch Bundror gehabt, denn fast wäre Drelgin auf ihn gefallen.

Der Dunkelelf erhob sich langsam. Er schien kurz seinen Kopf zu dehnen, dass man ein Knacken hörte. Er blickte auf Drelgin, dann auf Bundror.
Er war wohl der Anführer. Jetzt konnte man auch sehen, dass er deutlich breiter und muskulöser als die anderen war. Das Gesicht war hart und kalt.

„ Nicht schlecht“ sagte er auf Allgemeinsprache. Er deute den Zwerg mit einer Geste er solle kommen. Drelgin schien er jedoch im Auge zu behalten. Wieder wollte ein Dunkelelf spielen.
Sollten man sich auf einen Zweikampf mit einem vermeintlichen Waffenlosen einlassen?
„ Zwerg,…helf ihn…und dann komm“ Er spottete triumphierend.



Sithis war in eine der dunklen Gassen verschwunden. Seinen schwer verletzten freund über der Schulter. Es roch intensiv nach Verbrannten.
So hatte er es sich nicht gedacht. Warum traf es eigentlich immer die, die es nicht verdienten. Doch Kharim wusste, was er getan hatte, da konnte sich Sithis sicher sein.
Sein Freund hat ihn geschützt, so wie es sich unter Freunden gehörte.

„ Sithis…si.this….lass ..mich..rrun..terrr“ hörte er die leise Stimme von Kharim von seiner Schulter.
„...ohne..m…mich…geht es besser“ Ein Keuchen. Er musste irrsinnige Schmerzen haben.
„…du ..musst ..mich…h.h..hierlassen“ Es klang fast wie ein schmerzverzerrtes Schluchzen.
Eigentlich müsste er ihn zurücklassen, wenn er die Aufgabe erfüllen sollte.
So konnte er nicht einmal richtig kämpfen. Egal wie gut er auch war. Kharim war gerade zur Last geworden.
„ Freund..bitte…erlöse…mich!“ Ob Kharim wusste, was er da verlangte?
Würde Sithis das tun, so musste er nicht nur Kharims Bruder dies erklären, sondern ewig damit leben, dass es seine Wut war, die seinen freund getötet hätte.

Ein Geräusch war plötzlich zu vernehmen. Nicht weit von ihnen, stand eine alte Frau. Sie blickte von rechts nach links. Ihr Kopf schien nicht stillzuhalten, so wie ihr Körper auch nicht. Doch ihre Augen strahlten vor Weisheit und Kraft, obwohl sie blind waren.
Wieder ein blinder Mensch?
„ Verzeiht“ hörte sie die krächzige Stimme der Alten
„ kann ich helfen?…hier ist es gefährlich, ein Kampf. Ich kann heilen…es riecht nach verbrannten, Seit ihr verbrannt worden? Soll ich helfen?…“
Die alte stand an einer ziemlich morschen Tür, die wohl in ihr haus reinführte.

Jetzt lag es an Sithis, wie wichtig ihn alles war.
Der Auftrag, sein Freund. Wie würde er sich entscheiden?
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Bundror Hammerschlag
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Bundror Hammerschlag » Freitag 27. August 2010, 14:52

"Urgh, Trollscheiße!", entfuhr es Bundror, als er hart auf dem Hausdach aufschlug und die schwere Rüstung beinahe jegliche Luft aus seinen Lungen zu pressen schien. Schlechter Plan, Brundror, sehr schlecht!, tadelte sich der Zwerg selbst und bemerkte die Schmerzen im Rücken, welche langsam aber sicher spürbar wurden. In solchen Situationen wurde Bundror daran erinnert, dass er kein junger Hüpfer mehr war und solche Aktionen eher hinderlich als hilfreich waren. Dennoch schien der beherzte Sprung erfolgreich gewesen zu sein, denn während seines recht unangenehmen Aufenthalts im Dreck des Daches, hatte sich noch kein dunkelelfischer Bolzen in seinen behelmten Schädel gegraben. Ein eindeutiger Erfolg, wie er fand. Trotz der Gewissheit noch nicht vor Brocknar treten zu müssen, hielt dessen Kind seine Arme schützen über den Kopf, um nicht doch noch von einem gezielten Geschoss niedergestreckt zu werden. Blind für das Geschehen, musste sich der Zwerg auf sein Gehör verlassen und konnte nur wenige Dinge wahrnehmen. Die Ohren waren nicht gerade das beste Sinnesorgan eines Zwerges, denn in den Stollen des Drachengebirges war es häufig sehr laut und die Steinhacken prallten einige tausend Male auf den nackten Fels. Das dröhnende Klingen hallte wieder und wieder, verzerrten die Klänge und verschwanden erst nach langer Zeit. Es war eine Art Berufskrankheit für Steinmetzte, Bergabauer und Schmiede, dass das Gehör im Alter etwas nachließ. Dennoch war die Luft erfüllt von Kämpfen. Irgendwo im Süden musste sich der Ratsplatz befinden, denn das Stöhnen von Verletzten und der leise Jubel von den wenigen Überlebenden hallte durch den Wind herauf. "Die Langen scheinen gegen das Echsenvolk und die restlichen Dunkelelfen bestanden zu haben ... hoffen wir, dass das auch so bleibt." Aus der Gasse war laut und wild das Kampfgeschrei der übrigen Rekruten und Dunkelelfen zu hören - Man konnte bei bestem Willen nicht feststellen, wer die Oberhand besaß und doch war auch hier es die Hoffnung, auf den Sieg der Menschen, die Bundror nicht verzweifeln ließ. Knirschend spannte sich die Sehne einer Armbrust und schien die Welt stumm zu machen. Der Tod streckte bereits die knöchernen Finger nach der harten Seele des Zwerges aus, doch hier und jetzt wollte der kleine Krieger nicht sterben. Sein Ende war in einer großen Schlacht, umgeben von Feinden und Blut. Nicht auf einem dreckigen Bauerndach der Langen, am Boden liegend und auf besseres Wetter betend. Doch dann überraschte ein wildes Stampfen und das laute Scheppern einer Rüstung den Veteran. Drelgin hatte wohl die Zeit gefunden sich in die Bresche zu werfen und noch bevor jemand hätte reagieren können, durchfuhr etwas die Luft über Bundror und schlug mit einem knirschenden Geräusch ein. Polternd ging etwas hölzernes zu Boden und als der Zwerg seinen Kopf hob, sah er die einhändig zu führende Armbrust der Spitzohren. Allerdings verschwand die Schusswaffe einen Augenaufschlag später hinter der Dachkante und fiel in die dunklen Gassen. HAHA! Das war´s dann, Rotauge!, lachte Bundror triumphirend auf. Tränen der Schadenfreude rannen aus seinen Augenwinkeln und beinahe hätte er sich auf den Rücken gerollt, um seinen Spott den richtigen Ton zu verleihen, doch der blechernde Ansturm Drelgins verhinderte dies. Dummer Bengel!, schoss es dem Zwerg durch den Kopf. Das Rotauge war eindeutig auf den jungen Menschen vorbereitet und damit hatte der Rekrut eigentlich schon verloren. Ohne die nötige Erfahrung im Kampf mit den Spitzohren, war der frontale Angriff des Mannes, wenn auch in bester Absicht, ein fataler Fehler.
Ohne große Probleme konnte das Rotauge die Kraft seines Feindes gegen diesen verwenden. In einer nicht ganz unspektakulären Aktion, hievte der dünne Krieger seinen gerüsteten Feind über den Rücken, die Schulter und dann auch noch auf den Rücken, dass die gesamte Bewegung wie ein Wunder wirkte. Bundror stemmte seine Hände gegen den Boden und suchte bereits nach Ruknir, der während der Sturzes davon geschleudert wurde. Drelgin musste Schmerzen haben, denn einen solchen Fall hatte der Lange sicherlich noch nicht erlebt. Leider konnte sich der Zwerg nicht mit seinem zeitweise akzeptierten Verbündeten abgeben, da das Rotauge keine Skurpel hatte jemanden abzustechen, der am Boden und unbewaffnet war. Die schwarzen Augen fanden den schweren Stahlkopf des Kampfhammers und gekonnt umgriff die Zwergenfaust das gefährlichiere Ende der Waffe. Klirrend zog er sie heran und nutzte den Stiel als Hilfe, um aufzustehen. Der Dunkelelf hatte inzwischen damit begonnen sie zu verspotten, dass nicht gerade auf positiven Anklang traf. "Blödes, verdammtes Stück Scheiße! Du hast mir noch gar nichts zu sagen, du Faldor-Abfall! Der Junge kann sich alleine helfen. An deiner Stelle jedoch, würde ich mich fragen, wer dir helfen wird!?", brüllte der bärtige Krieger und ließ den Kampfhammer in weiten Bögen links und rechts auf dem Hausdach niedergehen, wo er jeweils ein ansehnliches Loch schlug. Knackend bröselten die Überreste der Behausung vom Kopf, als dieser für dn Angriff bereits vor Bundrors Brust gehoben wurde. Die schwarzen Augen leuchteten vor Wut. Der Zwerg senkte den Schädel und machte sich zum Angriff bereit. Das Dach war zwar offener als eine Gasse oder eine Höhle, dennoch konnte man aufgrund der Tiefe schlecht in die freie Luft ausweichen. Dies würde bedeuten, dass man von Rechts kommen müsste, um den Feind über die Dachkante zu treiben. Da jedoch die Dunkelelfen gerne den Größenunterschied nutzten, wie schon oft in der Schlacht gesehen, und über die Zwerge hinwegsprangen, war Bundror darauf gefasst, schnell nach dem Fuss seines Feindes zu greifen. Für den Notfall, würde er das Rotauge mit den Händen zu einem blutigen Brei zerschlagen. Die Ringe des Kettenhemandes klirrten, als der Zwerg den ersten Schritt machte und dann in einen leichten Lauf verfiel. Der Weg war nicht weit und um etwas Schwung aufzubauen, machte Bundror einen Ausfallschritt nach Links. So würde der Angriff nicht nur unerwartet, sondern auch kraftvoll kommen.

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Sithis
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Sithis » Montag 30. August 2010, 22:49

Zu ihrer beidem Glück folgte ihnen niemand. Und das war auch gut so. Denn mit Kharim auf den Schultern würde Sithis keinen Kampf mehr ausfechten können. „Sithis…si.this….lass ..mich..rrun..terrr“. Die Stimme seines Freundes klang schwach. Aber er leistete ihr Folge. Langsam ließ er ihn zu Boden gleiten. „...Ohne..m…mich…geht es besser…du ..musst ..mich…h.h..hierlassen“ Was redete er da? „Vergiss es! ich lasse dich hier nicht sterben. Ich werde dich hier raus bringen!“ Seine Stimme klang entschlossen und er würde keinerlei Widerworte mehr dulden. „Du hast mich gerettet, jetzt ist es an der Zeit, dass ich dich wieder mal rette!“
Er hatte inzwischen aufgehört die ganzen Momente aufzuzählen, in denen ihn Kharim vor dem beinahe sicheren Tod bewahrt hatte. Aber auch er hatte ihm schon so manches Mal den Arsch gerettet. Und jetzt war wieder so eine Situation.

„Freund..bitte…erlöse…mich!“ Kharims Tonlage klang nun flehend. Er wollte, dass Sithis ihm den Gnadenstoß gab. Und schon fühlte sich Sithis unendlich schuldig. Schuldig dafür, dass er vor der Wahl stand einen guten Freund zu töten, um die Mission erfolgreich zu beenden, oder ihn leben zu lassen und die Mission scheitern zu lassen. „Ich wollte nicht, dass es so endet. Nicht so…“, flüsterte er leise.

Das konnte man nun ruhig als Schwäche abtun, aber bei Sithis stand Kameradschaft über allem anderen. Kharim, sein Bruder Khaled und Sakeepa, das waren seine Gefährten, seine Waffenbrüder. Er würde für jeden einzelnen selbst durch den Harax marschieren.

Aber sein Entschluss stand letztendlich fest. Er hob die Waffe zum Schlag, um seinem Freund einen schnellen Tod zu bescheren, damit sein Leiden zu Ende war, doch es kam anders als erwartet: Irgendwie konnte er sich nicht dazu durchringen, den tödlichen Schlag zu vollziehen. Seine Hand klammerte sich nun krampfhaft um den Axtstiel und begann zu zittern. „Ich…ich kann das nicht.“ Nun war er unsicher.

Beide Seiten, gut und böse redeten auf ihn ein. Los! Töte ihn! Er ist ein Nichts, ein Wurm, ein nutzloser Wicht! Du bist ohne ihn besser dran! Das war die Dunkle Seite in ihm. Aber die Helle setzte sofort nach: Beende seinen Schmerz und lass ihn in Würde sterben. Er würde dir auch diesen letzten Wunsch gewähren. Nun war er vollends irritiert und die Axt ging mit einem scheppernden Geräusch zu Boden. Im Moment hatte er keinerlei Selbstkontrolle mehr über sich.

Ein plötzliches Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken und beendete den Disput der beiden Seiten. Er fuhr herum. Dann sah er eine alte Frau. Diese sah sich nach allen Seiten um, aber sie sah ihn scheinbar nicht. Anscheinend eine Blinde. Wieder so ein blinder Mensch. Schon der zweite in einer verdammten Woche! Und wieder diese dunkle Stimme in seinem Kopf: Töte sie! TÖTE SIE! SCHLACHTE SIE AB!! Rief sie, fast schon befehlend. Doch Sithis ignorierte es… vorerst.

„Verzeiht“, hörte er die krächzende Stimme der Frau. „Kann ich helfen?…hier ist es gefährlich, ein Kampf.“ „Wie willst du mir helfen?“, fragte die Echse, immer noch berührt und verstört von dem Wunsch seines Freundes.
„Dass hier ein Kampf tobt weiß ich, ich komme von dort“, erklärte er. „Die Soldaten kämpfen tapfer, doch die anstürmenden Feinde scheinen zu stark zu sein.“ Dass Kharim und er die Feinde waren, verschwieg er jedoch. Wir wollen sie nicht noch mehr aufregen. Am Ende verweigert sie uns die Heilung und das wäre schlecht. Sehr schlecht.

„Ich kann heilen…es riecht nach verbrannten, Seit ihr verbrannt worden? Soll ich helfen?…“, sprach die Frau weiter. Helfen? Heilen? Das hat dir aber gerade noch mal das Leben gerettet, alte Frau. Er grinste. Damit könnten sie beide, also Kharim und er etwas anfangen.

Laut sagte er: „Mein Freund ist schwer verletzt. Er wurde von einem magischen Geschoss getroffen. Und ich selbst könnte auch Heilung vertragen.“ Er versuchte so normal wie möglich zu sprechen, sodass die Illusion hervorgerufen werden würde, er wäre ein Mensch, der zu ihr sprach. Die Wunden waren wirklich mehr als hinderlich. Und um Kharim stand es schlecht, sehr schlecht. Er würde nicht mehr lange zu leben haben, wenn ihm niemand half. Alles hing nun von dieser Frau ab. Sie würde über das Leben von Sithis’ Freund bestimmen.

Zu ihrem Glück war die Frau blind, somit blieb ihr der Anblick zweier Echsen erspart. Aber spätestens dann, wenn sie die Wunden behandelte, würde sie vielleicht Erkenntnis bekommen und merken, wen sie da behandelte. Aber Sithis musste das Risiko eingehen. Kharims Leben hing am seidenen Faden. „Keine Sorge, Freund. Du wirst bald wieder gesund“, flüsterte er, gerade laut genug, sodass nur sein Freund ihn verstehen konnte. Zumindest hoffte er das.

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Drelgin » Montag 6. September 2010, 12:27

An und für sich war alles relativ gut verlaufen. Bis zu dem Moment in dem Drelgin sein Schwert, die einzige Waffe die er zu diesem Zeitpunkt mit sich führte, nach dem Dunkelelfen warf. Sein Plan war zwar aufgegangen und er hatte seinem zwergischen Verbündeten das Leben gerettet. Doch nun war er waffenlos und so blieb ihm nichts außer blindlings und mit voller Wucht auf den Dunkelelfen einzustürmen. Bis wenige Augenblicke vor dem Aufprall sah es für den jungen Soldaten auch noch gut aus den Dunkelelfen zu treffen und zu zermalmen. Dann jedoch blickte dieser hoch und sah Drelgin herannahen. Spätestens in diesem Moment wusste Drelgin, dass er nun geliefert war. Zum Anhalten war es längst viel zu spät, zum Ausweichen war er zu langsam, er konnte es nur mit schierer Masse und Gewalt versuchen.
Der Aufprall war heftig und ging Drelgin durch Mark und Bein. Was ihm allerdings ebenso sehr durch Mark und Bein fuhr war die Angst, plötzlich keinen Widerstand mehr zu spüren. Der Dunkelelf hatte sich zu Boden geworfen und hebelte Drelgin geschickt und wieselflink aus. Der junge Mensch schien durch die Luft zu fliegen und erst ein ohrenbetäubendes Donnern und der anschließend eintretende Schmerz bewiesen Drelgin, dass er wieder festen Boden unter sich hatte. Er lag auf dem Boden und atmete tief durch. Der Schmerz erfasste seinen ganzen Körper und es schien ihm als wäre er vom höchsten Gipfel des Drachengebirges gesprungen.

Drelgin lag auf dem Rücken und versuchte aufzustehen – vergeblich. Er war dem Dunkelelf ausgeliefert. Wieder versuchte er es, die Rüstung und die Schwächung durch seinen Sturz waren jedoch zu gravierend. Aus den Augenwinkeln sah er den Dunkelelfen bereits wieder auf den Beinen und Drelgin war sich sicher, seinen letzten Kampf auf diesem vermaledeiten Dach geschlagen zu haben. Nach dem Aufschlag rauschte es in seinen Ohren, und so konnte er nicht verstehen, was der Zwerg und der Dunkelelf sagten. Lediglich ihre bewegten Münder verrieten ihm, dass die beiden kommunizierten.

Auch Bundror war wieder auf den Beinen und eigentlich hatte Drelgin gehofft, der Zwerg würde ihm hochhelfen, damit die beiden gemeinsam gegen den Dunkelelfen vorgehen konnten. Der Zwerg war jedoch bereits damit beschäftigt seinen Kampfhammer zu schwingen.
Wieder versuchte Drelgin aufzustehen. Er schob den Schild von seiner Brust herunter, spannte die Bauchmuskeln an und versuchte sich nach vorne zu beugen. Zeitgleich sah er sich um und suchte nach seinem Schwert, einer anderen Waffe oder zumindest einem Gegenstand, den er als Waffe verwenden könnte. Der Schmerz brannte in seinem Rücken und erneut musste der junge Soldat zurücksinken. Er würde es anders versuchen müssen, sonst käme er nie von alleine auf.

Noch während er beides, Kraft und Willenskraft für den nächsten Versuch aufzustehen sammelte, überdachte Drelgin die weitere Vorgehensweise. Die drei Kämpfenden – oder besser die zwei Kämpfenden und der am Boden liegende Mensch befanden sich in unmittelbarer Nähe zum Abgrund. Ob es ihm und dem Zwerg möglich wäre, den Dunkelelfen immer weiter zurückzudrängen? Es wäre einen Versuch wert.

Nun winkelte Drelgin sein linkes Bein an während er das rechte vollends ausstreckte. Der Trick wurde den Rekruten in ihrer Ausbildungszeit beigebracht um aufzustehen, falls es auf andere Weise nicht mehr möglich war. Er richtete seinen Oberkörper etwas auf um mit seiner linken Hand sein linkes Knie zu erreichen. Den rechten Arm streckte er in einem 90-Grad-Winkel von sich. Nun begann er leicht zur Seite zu wippen und nach dem dritten Ausschlag nahm er all seine Kraft zusammen und kippte nach rechts über. Nun, halb auf allen vieren musste er nur noch seinen rechten Arm hochstemmen und die Muskeln in seinem Rücken spielen lassen und schon nach wenigen Augenblicken hievte er sich selbst hoch, nun da er sich gegen festen Boden stemmen konnte. Er sah gerade noch, wie Bundror auf den Dunkelelfen zulief und einen Ausfallschritt nach links machte. Drelgin bückte sich und hob seinen Schild vom Boden auf.
Wenn er keine andere Waffe hatte, müsste er eben seinen Schild verwenden. Er dehnte sich noch kurz durch und schob die zerdellte Rüstung zurecht. Mit gespannten Muskeln bewegte er sich ebenfalls auf den – wie es den Anschein hatte waffenlosen – Dunkelelfen zu. Dieses Mal jedoch nicht heranbrausend sondern konzentriert, jeder seiner Bewegungen beachtend.

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Gestalt » Freitag 17. September 2010, 00:57

Bundror war auf alles gefasst, zumindest war er ganz zuversichtlich, dass er alles bedacht und im Blick hatte. Er hatte sich viele Kampfvorgänge der Dunklen blitzschnell vor sein inneres Auge geholt, damit er ja die Hinterhältigkeit dieser nie vergaß. Alle Sinne waren auf seinen bevorstehenden Angriff gerichtet, auch wenn er Spitzohren zu gerne auslachte, einer Peinlichkeit wollte er sich nun wirklich nicht aussetzen.
Sein Gegenüber hatte es sich in der Zwischenzeit bequem „gemacht“. Dieser Dunkelelf, der nun offenkundige Anführer des Trupps, hatte bisher allen Versuchen seitens Bundror und Drelgin wieder standen, sich vernichten zu lassen, ein wirklich zäher Gegner und zumindest Bundror war sich nicht sicher, wie der Kampf ausgehen würde. Wenn er auch mehr als darauf hoffte, dass er den Rotäugigen in der Luft zerreißen könnte.
Im Gegensatz zu Bundror, bewegte dieser sich kein Stück vom Fleck, er tänzelte nicht herum und versuchte auch nicht, eine noch bessere Position für sich zu finden. Ein wirklich seltsames Verhalten, was Bundror eine dieser seltsamen Ahnungen kommen ließ, die einen erfahrenen Krieger in Gefahrensituationen befielen … irgendetwas war anders, es war etwas nicht so, wie Bundror es gewohnt war.
Der Zwerg war keine zwei Meter mehr von dem Dunkelelfen entfernt, der immer noch reglos dastand. Dieser hatte sich leicht in die Hocke begeben und verharrte dort, mit einem eiskalten Lächeln auf den Lippen und vor Boshaftigkeit blitzenden Augen. Ein paar mal konnte Bundror die Zähne aufblitzen sehen …lachte der Dunkelelf? Vermutlich nur über einen und das war Bundror, denn Drelgin hatte den Nachteil, dass keiner der Dunklen in aufgrund seines jungen Alters sonderlich ernst nahm, obwohl er sich bisher gut bewiesen hatte.
Bundror hatte den Elfen schon fast erreicht und wahrscheinlich lag schon pure Freude in dessen Bli8ck, dass der Dunkle sich nicht rührte und ganz einfach still hielt, wie sich seine schlimme Ahnung bewahrheitete.
Es mochte wahrlich nur eine Fingerlänge gewesen sein, die Bundrors Axt vom Körper des Dunkelelfen trennte, aber dann geschah das eigentlich Unmögliche. Blitzschnell sprang der Dunkelelf in die Höhe, höher wie Bundror es je bei einem Spitzohr gesehen hatte. Zu Bundrors Verteidigung musste man sagen, dass es nicht an der Entschlossenheit seines Herzen lag, sondern an der fehlenden Reichweite seines Armes. Er war ja auf dieses Manöver vorbereitet, aber gegen so einen Sprung konnte auch Bundror nichts machen. Mit großer Wahrscheinlichkeit, ging es hier nicht so recht mit den Dingen zu.
Als Zwerg war Bundror eher auf masse ausgelegt, denn auf Geschicklichkeit und so kam der Zwerg leider nicht mehr rechtzeitig um seine eigene Achse. Hatte Drelgin nun mit dem dunklen Spitzohr zu tun?
Vorerst noch nicht. Deutlich konnte der Zwerg hören, wie der Elf behände hinter ihm aufkam und ein gehässiges, eisiges Lachen von sich gab, er war immer noch mit Bundror am Spielen.
Wie zur Bestätigung bekam Bundror einen Tritt ins Kreuz, was seinen Antrieb nach vorne beschleunigte und den Zwerg nun in die Lage brachte, dass dieser aufpassen musste, nicht vom Dach zu fallen.

Für Drelgin war der Schmerz seines heftigen Aufpralls immer noch im ganzen Körper zu spüren. Er hatte sich beim Training nie geziert oder nur halbe Kraft angewandt, aber das, was da auf ihn zugekommen war, war doch etwas vollkommen anders, es war die Realität und die war gnadenlos. Wie es einige seiner Kameraden schon auf härtere Weise erfahren hatten. Lysanthor war wahrlich mit dem jungen Menschen. Ob wohl immer mal wieder die Angst drohte, seinen Körper lahm zu legen, hatte er es geschafft, sich bisher zu bewähren.
Auch wenn er auf dem Rücken gelegen hatte und schon seinen letzten Moment hier in Pelgar, ruhmreich auf einem Dach, hatte kommen sehen, so hatte er sich ein weiteres Mal auf den Zwerg verlassen können. Ein wahrer Kamerad im Kampf.
Nun war Bundror in die Bresche gesprungen und verschaffte Drelgin so die nötige Zeit, sich aufrappeln und Luft holen zu können.
Eigentlich hatte Drelgin aber darauf gehofft, dass Bundror ihm aufhelfen würde, aber wenn er sich die Situation so ansah, musste er sich eingestehen, dass dies töricht gewesen wäre. So wäre Bundror ein mehr als leichtes Ziel für den Dunkelelfen gewesen.
Dank einiger Kniffe seitens seines Ausbilders, hatte Drelgin es letztendlich geschafft, sich selber hoch zu hieven, sein hartes Training und seine stundenlangen Übungen hatten sich bezahlt gemacht. Nun waren alle Schmerzen und die Schmach darüber vergessen, dass er sonst wie ein Käfer auf dem Rücken gestrampelt hatte. Ein Hochgefühl beflügelte den jungen Menschen und verlieh ihm neue Kraft, Kraft, die er auch nötig brauchte, wollte er dem Zwerg weiter beistehe und das hatte er vor.
Nun war Drelgins Chance gekommen und er konnte dem Zwerg mal so richtig zeigen, was er drauf hatte und dass er nicht nur ein unwissender Jungspund war. Der Dunkelelf, der seine Spielchen mit dem Zwerg trieb, stand selbstsicher ungefähr zwei Schritt von ihm entfernt, lässig und anscheinend, sich keiner Gefahr bewusst.
Bundror war gerade mit seiner eigenen misslichen Lage beschäftigt, so konnte Drelgin theoretisch die Gunst des Augenblickes nutzen. Auch bei Drelgin schossen nun viele verschiedene Taktiken durch seinen Kopf, die meisten beherrschte er zwar nur in der Theorie, aber vielleicht wäre eine brauchbare dabei, die er nun anwenden und auf dessen Tauglichkeit prüfen konnte. Er wollte und musste etwas tun.
Aber heute war es irgendwie verhext, kaum einer kam dazu, vernünftig zu denken. Da war es schon wieder, dieses Gefühl, was seine Nackenhaare zu Berge stehen ließ und wieder war es hinter ihm. Drelgin kam gerade noch dazu, sich zur Hälfte umzudrehen, wie ihn eine akarne Welle traf, die ihn wieder in die Knie zwang, im wahrsten Sinne des Wortes, eine haarsträubende Situation. Bläuliche Blitze zuckten über seine Rüstung und jedes Züngeln eines Schlages jagte einen weiteren Schmerz durch seine Glieder und betäubte seine Muskeln und da sah Drelgin ihn wieder. Jenen Magier, den er und der Zwerg für eine Staue gehalten hatten, dort unten in der Gasse. Wahrscheinlich schalt Drelgin sich nun selbst, er hätte eigentlich damit rechnen können, dass der Magier wieder auftauchen würde. Immerhin war er auch einfach so verschwunden.
Jedenfalls schien etwas vor sich zu gehen, was der junge Mensch nicht ganz nachvollziehen konnte. Der muskulöse Elf hintern ihm, gab dem Magier eine knappe Anweisung, zumindest das konnte Drelgin am Tonfall erkennen, er war immerhin Soldat. Der in einer Robe Gewandetet Elfe nickte nur kapp, zog dann etwas aus den falten seines Gewandes und schritt auf Drelgin zu. Wie bei diesem Volk wohl üblich, hatte sich auf dessen Gesicht auch eine Miene der Hochnäsigkeit, Arroganz und tödlicher Boshaftigkeit eingebrannt. An sich waren auch Dunkelelfen ein schönes Volk, aber das machte sie wahrlich unattraktiv.
Drelgin selber konnte sich immer noch nicht bewegen, zumindest ko9nnte er sich nicht vom Fleck bewegen. Der stetige Schmerz, der immer noch in gewissen Abständen durch seinen Körper zuckte, wurde schwächer. Nun musste er aber mit ansehen, wie dieser Dunkelelf auf ihn zukam, mit Etwas spitzem und verräterisch glänzendem. Wahrscheinlich sah er gerade wieder sein leben an sich vorbei ziehen.
Ein brennender Schmerz in seinem Gesicht riss ihn aus seiner Todesangst, dann ein bläuliches Glimmen in der Luft und das Fluchen des Zwerges war das einzige, was er gerade hörte.
Um sie beide herum, war es so, wie wenn nie etwas geschehen wäre und etwas warmes lief Drelgin an seiner Wange hinunter.
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Bundror Hammerschlag » Samstag 18. September 2010, 14:31

Ein Sprung - Damit hatte Bundror gerechnet und augenblicklich ließ er den Kampfhammer aus seinen Fingern gleiten. Lautstark krachte die schwere Waffe auf das mit alten Holzplatten bedeckte Dach, während der Panzerhandschuh des Zwerges nach oben schnellte und versuchte, dass Fußgelenk des Dunkelelfen zu umschließen. Mit aller Kraft würde er seinen Gegner auf den 'Boden der Tatsachen' zurückbringen und ihn dort zu einem blutigen Brei zusammenschlagen. Es gab sehr viele Wesen in der alten und neuen Welt, die nicht einmal auf den Gedanken kommen würden einen Feind mit bloßen Händen zu töten, aber wenn es etwas gab, dass weder Orks noch Zwerge zugeben würden, dann war es der Kampfrausch, der die beiden so unterschiedlichen Völker vereinte. Wenn gleich sie sich in ihrer Art unterschieden, so kannten die Grünhäute und das kleine Volk die Auswirkungen von kochendem Blut, erhitz vom Zorn ihrer Herzen. Leider brachte all' dieser Hass gegenüber den Rotaugen nicht viel, denn dieses Exemplar sprang zu hoch, dass die Fingerspitzen des Zwerges nicht einnal an der Fußsohle kratzen konnten. Von einem solchen Manöver überrascht, schaffte es Bundror nicht einmal mehr, sich umzudrehen. Seine Rüstung war nicht für eine so schnelle Drehung ausgelegt und somit spürte er nur wenige Sekunden später den Tritt seines Feindes im Rücken. Es schepperte Laut und das Kettenhemd klirrte auf. Aus dem Gleichgewicht gebracht, taumelte Bundror nun in Richtung seines sicheren Unterganges, denn nur wenige Meter vor ihm, endete die Sicherheit des Häuserdaches schlagartig. Mit aller Kraft die ihm zur Verfügung stand, stemmte sich Bundror gegen die Gewalt des Schicksal. Brocknar! Was tust du deinem Kind an?!, fluchte der alte Zwerg und runderte mit den Armen wild umher. Endlich schien der Schwung nachzulassen und langsam aber stetig schaffte es der Veteran einen festen Stand zu finden. Leider war es der letzte Schritt der eine Wendung brachte, so unvorhergesehen, dass selbst sein Angreifer große Augen hätte machen müssen. Knackend brach ein Teil des morschen Daches ab und riss einen Teil der abdeckung mit sich in die Tiefe - Den Teil, auf dem Bundror sein Gleichgewicht wiederfand - Die Konstruktion musste so alt sein, dass sie die schwere Kampfrüstung des Zwerges nicht mehr sicher halten konnte. Das lange Leben des Zwerges lief nochmal vor seinen Augen ab, während alles um ihn herum langsamer zu werden schien. Er konnte hier nicht sterben - Er hatte seinen Sohn noch nicht aufwachsen sehen, seine Frau wartete auf ihn und was auch immer Brocknar mit ihm vor gehabt hatte, dass wa sicherlich nicht das Ergebnis eines so langen Lebens. Doch all' das Zweifeln war sinnlos, denn immer mehr riss die Riefe den Zwergen mit sich. Nach nur einem kurzen Moment, verschluckte die dunkle Gasse zwischen den Häusern den Krieger. Nur das krachende Scheppern seiner Rüstung zeugte vom letzten Aufprall des bärtigen Kleinen.

Bin ich jetzt in Brocknars Schmiede angekommen? Ich dachte immer, hier würden die Essen brennen? Sein Schädel hämmerte als würden tausende Schmiede ihre Arbeit darin verrichten und die Hämmer zum Singen bringen. Instinktiv führte Bundror seine Hand zum Kopf, um sich die Stirn zu befühlen und bemerkte, dass ihm der Helm auf den Augen saß. Was?, fragte sich Bundror und richtete den Kopfschutz wieder. Seine Augen blickten sich um und bemerkten eine gewisse Dunkelheit. Er wollte sich aufrichten, aber bemerkte, dass seine Arme und Beine nur schwer halt fanden. Jetzt stieg ihm der Gestank von muffigen Heu und Tierexkrementen in die Nase, allmählich fragte sich der Zwerg, wo er um Brocknars Willen war. Wie ein Axthieb traf ihn die Erkenntnis, dass er vor wenigen Sekunden noch, einen Kampf gegen ein dunkles Spitzohr geführt hatte. Stück für Stück trafen die Erinnerungen ein und mit jedem erneuerten Gedanken, verstand der kleine Krieger seine Situation besser. Er musste in die Gasse zwischen den beiden Gebäude gefallen sein und dabei alles Glück Celcias gehabt haben. Seine Hände tasteten umher und als sein Blick nach unten wanderte, sah er einzelne Holzstücke und altes Heu unter sich. Scheinbar war er auf eine alte Strohkiste gefallen, die die Langen zum Füttern ihrer Tiere oder zum Stopfen ihrer Kissen benutzten. Allerdings war das vergammelte Zeug zu aufgelöst, dass es für den schwer gepanzerten Zwerg nicht leicht war, wieder aus den rettenden Halmen zu entsteigen. Anfangs eher leicht, dann immer stärker, rollte sich der Veteran von einer auf die andere Seite, bis er schließlich von dem kleinen Berg herunterpurzelte. Klirrend landete das Bündel aus Eisen und Haar neben einer weiteren, doch recht interessanten Entdeckung. Eine Armbrust, aufgespießt von einem Schwert, lag gesplittert neben dem Zwerg. Drelgin!, entfuhr es ihm, denn er hatte den tapferen Langen vergessen, der sich vermutlich gegen den rotäugen Bastard zur Wehr setzte - Ohne Waffen. Ächzend richtete sich Bundror auf, zertrat die Reste der Armbrust und hob das Langschwert auf. Um sich zu orientieren, war es nötig, in die breite Gasse zu tretten und fand sich, tatsächlich, genau neben dem Punkt, dem der Magier sich als Statue getarnt hatte. Schmerzlich erinnerte dies daran, dass Bundror nicht bemerkte hatte, dass die Steinbüste nicht nach tein gerochen hatte. Doch für Selbstmitleid hatte ein Zwerg keine Zeit. Der Griff um das Schwert wurde stärker und er eilte nach Links. Es platschte und sein Stiefel stand in einer Pfütze aus Blut. Sofort war er wachsam und spähte in die dämmernde Dunkelheit des Weges vor ihm. Erst nach einem kurzen Moment, konnte er die Schemen dreier Kreaturen erkennen. Als er vorsichtig näher kam und seine Augen sich an das Zwielicht gewöhnt hatten, erkannte er die Rekruten, welche Drelgin hier her gefolgt waren. Gleich daneben sah man den erlegten Dunkelelfen und ein Stück dahinter, ihren Gefangenen, der, zu Bundrors Leidwesen, wieder erwacht war und ihn kurze Zeit später bemerkte. "Ahh, die dreckige kleine Felsmade - Dich nehmen sie sich also später vor. Dein kleiner, rosa Menschenfreund sollte inzwischen schon Tod sein. du wirst unserer Magie ebenso erliegen wieder jeder andere auch und da .." Rumms - Erneut fand der Plattenhandschuh des Zwerges das gesicht des Dunkelelfen, der sofort wieder zusammensackte. Schwätzer, wiederliches Spitzohr. Nur Quatschen können die! Ohne zu zögern und Drelgin Leben zu riskieren, schlüpfte Bundror durch die Tür neben dem Gefangenen Rotauge und erkannte das Loch in der Treppe. Hier war er richtig. So leise es ihm möglich war, schlich er nach oben. Die Elfen mussten denken, er hätte den sturz nicht überstanden, sonst wäre er mit Sicherheit nicht mehr lebend aufgewacht. endlich im Dachstuhl abgekommen, lauschte der Zwerg kurzerhand. Doch noch lange bevor er etwas hören konnte, schien ein blaues Licht aufzuleuchten und als kurz darauf Bundror durch die Tür preschte, war niemand mehr da. Nur Drelgin saß mitten auf dem Dach und blutete aus der Wange. Die Dunkelelfen mussten sich zurückgezogen haben ... für´s Erste. Zögernd schritt Bundror auf den jungen Menschen zu und warf ihm das Schwert vor die Füße. "Junge, geht´s dir gut? Was ist passiert?", er legte die Hand auf Drelgins Schulter und nickte ihm zu, dass sie für den Moment in Sicherheit waren. Nichtsdestotrotz waren die Augen Bundrors war und seine Sinne geschärft. Er würde dem Frieden so lange nicht trauen, bis er diese verdammte Stadt verlassen hatte und auf dem Weg zurück nach Nogrot - So allmählich hatte Bundror das Gefühl, er würde die Armee der Spitzohren auch dann vernichten wollen, wenn sie sich nicht seine Heimatstadt als nächstes Ziel aussuchen würden.

ooc.: Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden, das da jetzt kein Feind mehr is. Ôô

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Drelgin » Montag 20. September 2010, 11:56

Die Tatsache dass er es ohne fremde Hilfe geschafft hatte aufzustehen beflügelte Drelgin ungemein. Er war auf dem besten Weg wieder ein emotionales Hoch zu erleben. Diese Momente waren unglaublich wichtig für Drelgin. Zwar war der junge Soldat ein selbstbewusster und selbstsicherer Mann und hätte es kaum nötig gehabt sich selbst voranzutreiben. Und dennoch beschwingten den Menschen eben diese Augenblicke und er schaffte es hin und wieder über sich hinaus zu wachsen. Nun würden er und Bundror dem Dunkelelfen gewaltige Probleme bereiten. Er bewegte sich langsam auf den Gegner zu, da ließ ihn dieses unangenehme Gefühl, das er an diesem Tag bereits einmal gehabt hatte, inne halten.
Seine Nackenhaare stellten sich auf und ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken und kroch ihm in die Glieder. Drelgin war vielleicht jung und unerfahren, dennoch war er durchaus in der Lage gefährliche Situationen zu erkennen – leider häufig nur etwas zu spät. Als er sich halb umgedreht hatte, traf den Soldaten eine arkane Welle und ließ ihn erstarren.

Bläuliche Blitze züngelten über Drelgins Rüstung und mit jeder weiteren Welle wurden seine Muskeln schwächer und die Schmerzen größer. Vor sich sah der Soldat ihn wieder – den Magier. Drelgin ärgerte sich, er hätte vorsichtiger sein müssen und sich nicht darauf verlassen dürfen dass der Magier nicht wieder kommen würde. Diese Dunkelelfen waren wirklich ein verschlagener, hinterhältiger Haufen ohne jedwedes Ehrgefühl.
Von hinter sich hörte der junge Soldat die Stimme des anderen Dunkelelfen dem Magier Befehle geben. Drelgin verstand die Sprache zwar nicht, der Tonfall ließ aber eindeutig darauf schließen. Der Magier nickte und zog einen Gegenstand aus seiner Robe, den Drelgin bis dato nicht genau erkennen konnte. Arroganz lag auf der Miene des Dunkelelfen, als dieser auf den jungen Soldaten zuschritt. Dieser wiederum versuchte all seine verbliebenen Kräfte zu bündeln um endlich aus seiner Erstarrung zu entkommen. Doch vergebens. So sehr er es auch versuchte, er konnte sich einfach nicht bewegen.
Im Allgemeinen schien es ihm, als würde er langsam entschwinden, denn nun wurden auch die Schmerzen geringer und Drelgin befürchtete dass sein Geist den Kampf allmählich aufgab und so die Schmerzen auszublenden begann. Möglicherweise war dies auch nur Einbildung und der Soldat war sich nicht sicher ob dies überhaupt möglich war. Es schien ihm nur so, als würde er sich langsam von allem Weltlichen lösen. Sein Geist begann wegzuwandern und er konnte sich kaum noch konzentrieren. Sein Wille sich zu wehren wurde immer geringer und auch auf körperlicher Ebene fühlte er sich schwach und ausgebrannt.
Ein unbeschreibliches Gefühl der Angst überkam ihn und er schloss die Augen. Sollte doch kommen was auch immer kommen mochte, er hatte einfach keine Kraft mehr.

Ein brennender Schmerz in seinem Gesicht zeigte Drelgin, dass er der Welt doch nicht entglitt und durchaus nach wie vor in der Lage war Schmerzen zu verspüren. Er riss die Augen auf. Ein bläuliches Glimmen lag in der Luft und das einzige was er hörte war das Fluchen seines Kameraden. Drelgin fühlte sich unendlich matt. Unter großen Mühen versuchte er seine rechte Hand zu heben. All seine Muskeln schmerzten und es schien ihm als wäre er vom höchsten Gipfel des Drachengebirges gefallen und ungebremst am Erdboden aufgeschlagen. Er spürte etwas Warmes seine Wange hinunterlaufen und tastete mit seiner Rechten zum Herkunftsort der Flüssigkeit. Noch bevor er das Ergebnis selbst gesehen hatte, wusste er bereits dass es sich um Blut handelte.
Erst jetzt wurde ihm bewusst dass er sich eigentlich in einem Kampf befand und wirbelte herum. Zu seiner Verblüffung war niemand mehr hier. Niemand außer dem Zwerg, der Drelgin dessen Schwert vor die Füße warf, auf ihn zutrat und ihm die Hand auf die Schulter legte.

"Junge, geht´s dir gut? Was ist passiert?" fragte der Zwerg. Eine gute Frage, wie Drelgin erkennen musste. „Ich...“ stammelte der junge Soldat und ging auf die Knie. All die Anstrengung und Schmerzen, alles was an diesem Tag bisher geschehen war wurde mit einem mal zuviel für Drelgin. Er atmete tief durch und wischte sich mit der Hand über die Wunde an der Wange. „Ich weiß es nicht“, antwortete er dem Zwerg, griff nach dem pelgarischen Langschwert und hebelte sich mit dessen Hilfe hoch. „Danke“, sagte er mit wieder einigermaßen fester Stimme und hielt dem Zwerg den Arm zum Kriegergruß hin. „Wer seid Ihr?“ Endlich war Drelgin aufgefallen dass er nicht einmal den Namen seines Verbündeten wusste. „Wir müssen zu den anderen“, meinte er noch knapp, dehnte seine Gliedmaßen etwas durch und humpelte immer wieder an die Wange greifend die morsche Treppe im Haus hinunter und auf die Straße. Er musste sich von der Lage seiner Kameraden überzeugen.

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Bundror Hammerschlag » Montag 20. September 2010, 23:57

Drelgin hatte einige Probleme damit etwas von sich zu geben. Bundror wusste nicht was genau dem jungen Mann zugestoßen war, aber er wusste um die Methoden der Dunkelelfen ihre Gefangenen zu foltern - Sie "spielten" mit den armen Seelen, bis Angst oder der Wunsch nach erlösendem Tod ihr Herz ergriff. Viele Zwerge in Nogrot waren der Ansicht, dass die Spitzohren der Finsternis deswegen so wenig vom kleinen Volk hielten. Einen Zwerg konnte man keine Angst machen, noch waren sie in der Lage sich den Tod zu wünschen, solange noch etwas Ehre in ihrem Körper wucherte. Die schwarzen Augen inspizierten das Gesicht seines Kampfgefährten und mit Erleichterung stellte ihr Besitzer fest, dass das Blut leicht floß und nicht verfärbt war. Ein gutes Zeichen, um Gift auszuschließen. Allerdings fragte sich der alte Veteran, was eine solche Verletzung für einen Nutzen hatte, denn Drelgin musste dadurch weder Leiden noch musste er mit dem Tod ringen. Dieses Verhalten passte nicht auf das rotäugige Volk aus den Schatten. Vor Anstrengung laut Seufzend, erhob sich Drelgin langsam und wischte sich das rote Blut von der Wange. Perlend glitt es über den Panzerhandschuh, bildete Tropfen und benetzte das staubige Hausdach.
Es war nicht selten, dass der Zwerg die Leiden des Krieges sag, doch irgendwie kam es ihm so vor, als wäre der Lange vor ihm nur auf wenigen Einsätzen gewesen, wenn dies nicht sogar sein Erster gewesen war - Es war erstaunlich, aber sowohl die Zwerge als auch die Menschen scheuten nicht davor, Jung in den Kampf zu ziehen - Wenn mit Sicherheit auch andere Ausbildungen solchen Einheiten zu Grunde liegen. Endlich hatte sich der Junge zu seiner vollen Größe aufgerichtet und den Zwerg von oben herab an. Immernoch fragte sich der alte Mann, wofür eine solche Länge gut sein mochte, wenn man sich in einer Rüstung, wie der seinigen, nur so schwer bewegen konnte. Fragen über Frage. Trotz all seiner Reisen in das Reich der Großgewachsenen, war es für Bundror immernoch ein Buch mit sieben Siegeln. Drelgin bot ihm den Kriegergruß und zu seinem Erstaunen, überlegte Bundror nicht lange, sondern schlug ein.
"Bundror Hammerschlag, aus dem Clan der Raueisens.", brummte der Krieger matt.
Forschend blickte er sich um und suchte nach seinem Kampfhammer. Er fand ihn, nur wenige Meter dem abgebrochenen Dachstuhl. Um nicht erneut in die Tiefe zu stürzen, bewegte sich der Zwerg nur vorsichtig auf die Stelle zu, griff sich so schnell er konnte das ende des Stils und zog die Waffe zu sich. Wie ein Vater sein Kind nach einem Sturz untersuchte, so kümmerte sich der Hammerschlag um seinen stetigen Belgeiter. Tatsächlich hatte es einige Kämofe gegeben und Ruknir hatte mehr als nur einmal, die Knochen von üblen Kreaturen zerstückelt oder zerborsten. Häufig waren es Krieger aus den eigenen Reihen, die seine Art zu kämpfen verurteilten. Denn ein Hammer, so mächtig er auch war, stellte in den meisten Augen eine eher schmächtige Tötungsmaschine da. Und trotzdem war es Bundror gewesen, der den Rieswentroll am Krug´Dhan Pass in die Knie gezwungen hatte - Doch anzugeben lag nur selten in der Natur eines Zwerges. Legenden besingen oder mit anderen über die Kämpfe debatieren, dass war er eine Tat, die eines Zwerges würdig war.
Für eine Sekunden vergass er sogar die Wachsamkeit gegenüber seiner Umgebung, was sich allerdings sehr schnell änderte, als er hörte, wie Drelgin nach seinen Kameraden sehen wollte. Wenn es wahr war, dass Drelgin noch nie in einer wahren Schlacht war, so konnte der anblick von toten Freunden sehr am Herzen zehren. Mit schnell Schritten, schulterte der Zwerg seinen Hammer und eilte dem Rekruten hinterher. Als er den Menschen erwischte, stand dieser bereits am äußeren Rand der Tür und blickte in die Gasse - Das Blutbad vor Augen.
"Junge.", begann der alte Veteran und zwängte sich so gut es ging an der erschütterten Gestalt Drelgins vorbei.
Er wusste, wie sich der Mensch fühlte, denn auch er hatte bereits viel Tod im Leben gesehen - Bestien, Unschuldige, Kameraden, Freunde und sogar seine Brüder wren Opfer des allgegenwärtigen Endes gewesen. Für einen Zwerg jedoch war der Tod eines Bruders im Geiste durch einen Kampf die größte Ehre, die zu erlangen war. Er beweinte seine Brüder damals nicht, sondern feierte ihren Triumph auf dem Schlachtfeld. Ob die Menschen ebenfalls solchen Bräuchen folgten?
"Eure Götter mögen sich um ihre Seelen sorgen ... es tut mir Leid, Drelgin.", meinte Bundror, denn mehr wollte ihm nicht einfallen.
Ruckartig wandte der Hammerschlag sein Kopf zur Seite und sah, dass die Dunkelelfen den Gefangenen zurück gelassen hatten. Vermutlich hatten sie angenohmen er wäre Tod, denn ein langes, rotes Rinnsal Blut quoll aus dessen Mund und Nase. Mit einem kleinen Satz, sprang Bundror von der Treppe, die unter dem Eingang zum Schutz gegen Hochwasser und Unrtat gebaut wurde, und schritt auf die gekrümmte Gestalt zu, die sich zu regen begann. Seine roten Augen betrachteten den Zwerg mit einer Spur von Hass, Arroganz und Furcht - Vermutlich ängstigte das Spitzohr der Gedanke, dass ein weiter Schlag folgen könnte. Der Zwerg jedoch lehnte seinen Hammer griffbereit neben den Elfen und zückte das Messer seines Freundes Pelm. Die Zwergenarbeit war noch immer scharf und zeigte keine Spur der Abnutzung - So war man es von den Kindern Brocknars gewöhnt.
"So ... da wir jetzt etwas Zeit haben, Spitzohr, habe ich einige Fragen an dich."
Mit einem starken Griff packte Bundror den Hals des gepeintigten Elfen und drückte gerade so fest zu, dass dieser beim Schlucken leicht würgen musste. Er krächzte und versuchte Speichel nach oben zu ziehen - Das hate Bundror natürlich bemerkt und er war es gewohnt, denn viele in der Situation des Rotäuleins hätten so reagiert. Doch die eifrige Umklammerung des Zwerges, ware wie eine Fessel aus Stein - Hart und unerbitterlich.
"Nochmal ... rede." Doch der Elf deutete ein Kopfschütteln an.
Er war hartnäckig. Allerdings gab es keinen Dunkelelfen, der so viel für seine Kameraden übrig hatte, dass er eine Folter über sich ergehen lassen würde. Ungerührt und erbarmungslos, führte Bundror sein Messer über das Ohr des Elfen und schnitt es mit einem kurzen und schnellen Ruck ab. Es klatschte dumpf auf den dreckigen Boden der Gasse.
"Ich würde mir es mir überlegen zu reden ... Elfe.", meinte Bundror mit einem leichten Grinsen, denn der Dunkele wollte vor Schmerzen schreien, doch der eiserne Griff unterband dies.
Nur ein Ächzen und dumpfes Gröllen war zu vernehmen.
"Nur eine einzige Frage, Elf: Sobald Pelgar fällt, wendet sich euer Hass dann Nogrot zu?", er hielt das Messer drohend vor die Augen des Elfs.
"Rede, bevor es nichts mehr gibt, was ich dir abschneiden kann ..."

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Gestalt » Dienstag 21. September 2010, 00:48

[für sithis geht es erstmal hier weiter: Das östliche Drachengebirge ‹ Die Hauptstadt Pelgar ‹ Der Sitz des hohen Rates < Wohnviertel Pelgars < Hilfe in Sicht]
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Drelgin » Dienstag 21. September 2010, 22:14

Er stand da und blickte hinaus auf die enge Gasse. Bundror hatte zwar versucht sich vor ihn zu schieben, Drelgin hatte allerdings längst das Blutbad bemerkt. Er hörte den Zwerg etwas sagen, doch nahm er kein Wort davon bewusst auf. Es lief ihm kalt über den Rücken und der junge Soldat stürmte los. Zum Leichnam, der ihm am nächsten lag. Er starrte in das blutverschmierte, leblose Gesicht seines Freundes Rasrin und ein Ekelgefühl überkam ihn. Sein Magen rebellierte und der Mensch schaffte es gerade noch sich von seinem toten Kameraden wegzudrehen, ehe er sich übergab.
Er war in seiner Ausbildungszeit auf vieles vorbereitet worden und mehr als einmal wurde den Männern gesagt dass viele von ihnen den Tod am Schlachtfeld finden würden. Doch DARAUF konnte man nicht vorbereitet sein. Das schmerzverzerrte Gesicht eines Freundes. Nie wieder würden sich die beiden necken und – auf amikale Art und Weise – anstacheln. Nie wieder würden sie eine Mahlzeit gemeinsam einnehmen. Nie wieder würden sie über Kriegsstrategien diskutieren können.
Drelgin wischte sich die Reste des Erbrochenen vom Mund und richtete sich mühevoll auf. Er musste einfach herausfinden wie es den anderen ging. Vielleicht lebte noch einer von ihnen. Es dauerte nur wenige Augenblicke und Drelgins Befürchtung bestätigte sich: sie waren alle tot. Auch die anderen drei Kameraden, die ihm gemeinsam mit Rasrin gefolgt waren, lagen tot im Dreck der Gasse.
Er hatte sie angeführt, sie waren ihm gefolgt. Sie hatten ihm vertraut und sich auf seine Urteilsgewalt verlassen. Er hatte versagt. Es wäre dem Menschen einhundertmal lieber gewesen, er hätte ebenfalls sein Leben gelassen in dieser stinkenden, dreckigen Gasse. Er war nicht stolz darauf alleine – zumindest ohne seine Kameraden – zurückzukehren. Drelgin ging auf die Knie und richtete ein Gebet an Lysanthor, in dem er ihn um Verzeihung bat und ihn gleichzeitig aufforderte für seine Freunde zu sorgen, waren sie doch für ihn gefallen.

Drelgin wandte sich um und sah Bundror, vom Clan der Raueisen, wie er den überlebenden Dunkelelf verhörte beziehungsweise folterte. Wut stieg in dem jungen Soldaten auf und er überlegte kurz ob er sich nicht in das Verhör drängen sollte. Er würde den verfluchten Elf totprügeln. Kein Knochen sollte heil bleiben. Dann wurde ihm jedoch bewusst, dass der gefangene Dunkelelf alles war was er noch hatte. Der Kommandant hätte bestimmt einige Fragen an den Gegangenen. So betrachtet war die ganze Mission doch nicht ganz unerfolgreich. Vier toten Rekruten standen drei oder vier tote Dunkelelfen und ein gefangengenommener Dunkelelf gegenüber. Drelgin wusste, dass der Kommandant die richtigen Leute hatte um möglichst viel aus dem Rotauge herauszubekommen... wenn Bundror den Gefangenen nicht zuvor tötete! Der Zwerg schien seinem Gegenüber gerade ein Ohr abzuschneiden.

„Bundror“, sprach Drelgin den Zwerg in der Sprache der Menschen an. „Egal was Ihr tut, tötet ihn nicht! Ich muss ihn dem Kommandanten übergeben, er kann sehr wertvoll für Pelgar und die freien Völker Celcias sein!“
Erneut strich sich der Mensch das Blut von der Wange. Unfassbar wie lange Schnittwunden an der Wange bluten können, überlegte Drelgin. Es lag wohl daran dass die Wangen und der Kopf überhaupt sehr gut durchblutet wurden. Er würde wohl eine Narbe behalten. Sein restliches Leben über würde sein Gesicht von der heute erlittenen Schmach zeugen. Immer würde er daran erinnert werden, wie er vier seiner Freunde in den Tod geschickt hatte. Und immer würde er daran erinnert werden, wie hilflos er in diesem Moment war. Er hätte keine Chance gegen den Dunkelelfen gehabt. Drelgin war ihm hoffnungslos ausgeliefert gewesen. Dieser seelische Schmerz saß tief im Soldaten.
Drelgin spie aus. Irgendwo mussten noch die Leichen der anderen Dunkelelfen herumliegen. Er suchte nach den Kadavern und untersuchte sie auf brauchbare Hinweise und nützliche Gegenstände, die er möglicherweise gebrauchen könnte. Manch einer hätte sein Verhalten wohl als Leichenfledderei bezeichnet, er sah dies vollkommen anders. Was sollten die Toten nun mit Besitztümern anfangen? Hätten sie ehrenhaft gekämpft hätte Drelgin wohl auch Respekt vor ihnen empfunden. Dieses hinterhältige Pack verdiente aber keinen Respekt und so war es ihm auch vollkommen egal ob seine jetzige Tat moralisch vertretbar war oder nicht. Und schließlich... vielleicht hatte ja einer von ihnen etwas eingesteckt dass Hinweise auf die Dunkelelfen und ihr Vorhaben gab. Gegen einen Gegner der keinerlei Skrupel besaß, musste man auch selbst zu außergewöhnlichen Mitteln greifen. Dies hatte Drelgin an diesem Tag auf bittere Weise gelernt.

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Isildur Ranarion Ni'Tessin
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Lebensenergie:
Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: Rindenrüstung
elfischer Komposit-Langbogen
Lederköcher mit verschiedenen Pfeilen
Jagdmesser
edles, elfisches Langschwert
Lederhalsband
Tierische Begleiter: Sturmkralle(Braunbär) in Hymlia

Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Isildur Ranarion Ni'Tessin » Donnerstag 23. September 2010, 07:09

so, jetzt erst mal stop!

Erzählerpost folgt!

Steht am Wochenende!

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Samstag 25. September 2010, 22:50

Kurz bevor Vana den Platz vor dem Ratsgebäude wieder erreichte, hielt sie kurz inne. Zum Einen wurden ihr die letzten Worte des Soldaten erst so richtig deutlich, und zum Zweiten hatte sie eine Bewegung wahrgenommen, welche sie vordergründig in ihrem Lauf stoppen ließ. In ihrer derzeitigen Lage war es einfach wichtig, jeder verdächtigen Bewegung auf den Grund zu gehen. In diesem Fall war es jedoch nur ein Kind, das verschüchtert im Schatten einer Nische stand, trotzig den Griff eines kleinen Hammer umklammernd. Ein feines Lächeln huschte für einen Wimpernschlag über ihr Gesicht als sie sich den Kleinen als Kämpfer, der er wohl sein wollte, vorstellte. Wahrscheinlich würde er vor Schreck umfallen, wenn sie ihn auch nur schief anfauchen würde.
Vielleicht sollte sie das auch tun, doch wurde sie von etwas anderem abgelenkt. Ein Schatten nahm plötzlich Konturen an und manifestierte sich zu einem Dunkelelfen.

Ein Nekromant! Deutlich spürte die Vampirin seine Macht über die Untoten. Auch seine Arroganz und Verächtlichkeit ihr gegenüber war für sie deutlich fühlbar. Dünkte er sich wirklich so mächtig, dass er glaubte, mit seiner Magie auch Macht über Vampire zu haben? War das überhaupt möglich? Genau wusste sie es nicht, und auch Vandarte hatte darüber nie ein Wort verloren.
Ich sollte diesen alten Vampir bei Gelegenheit mal fragen. Wäre immerhin gut zu wissen, wenn solche dunklen Typen Macht über uns besäßen.
Unschlüssig sah sie den Magier an, der, ganz im Gegensatz zu ihr, sich seiner Macht recht sicher schien, was seine folgenden Worte unterstrichen:
„so wie es scheint, seid ihr ohne euren Gefährten unterwegs. Sehr schön…doch leider habe ich nicht die Genehmigung, euch, schönes Weib, genausten zu untersuchen. Schade!“ Und nach einer gespielt wirkenden Pause: Die anderen und die Echsen sind abgelenkt….dann bleibt nur ihr. Wolltet ihr nicht etwas tun?“

Ja, wirklich schade. Ich hätte nämlich auch gute Lust dich überheblichen Kerl meiner ganz speziellen Untersuchung zu unterziehen.
Äußerlich ruhig brodelte es in Vana doch gewaltig. Was glaubte der Kerl eigentlich wer er war, dass er ihr so unverblümt Befehle erteilte.
Hätte er nicht Recht gehabt mit seiner Einschätzung der Lage, Vana wäre auf der Stelle dazu übergegangen herauszufinden, wieviel Macht der Kerl tatsächlich über sie hatte.

So jedoch zuckte sie noch nicht einmal mit einer Wimper, allerhöchstens gelangweilt mit den Schultern, wandte sich wort- und grußlos ab und ließ den Magier einfach stehen. Sollte der doch denken was er wollte. Und sollte er ihr irgendwann noch einmal unter die Augen kommen, würde sie schon herausfinden wie mächtig er wirklich war.
Den kleinen Jungen hatte sie inzwischen schon wieder vergessen, eine unbedeutende Randbegebenheit, nicht weiter wichtig. Anders stand es mit dem Wachmann, der sie als Morticia erkannt hatte. Im Nachhinein schalt sie sich eine Närrin, dass sie ihn hatte leben lassen. Was wenn er sich am Ende daran erinnerte, dass er eine eigentlich Tote gesehen hatte. Andererseits, wer würde ihm schon glauben? Aller Wahrscheinlichkeit nach würde man annehmen, dass er durch den hohen Blutverlust halluziniert hatte.

Kurz darauf erreichte sie erneut den Platz vor dem Ratsgebäude, wo inzwischen wieder einigermaßen Ruhe eingekehrt war.
Gut, die Schlacht scheint wohl zu Ende zu sein. Sehr gut, dass verringert die gefahr, dass ein weiterer Wachtrupp aufmerksam wird. Ein Wunder, dass niemand auf den Kampflärm aufmerksam wurde. Ich frage mich wo Vandarte steckt. Ein Blick zum Eingang des Ratsgebäudes, dort wo noch die Überreste des Knochendrachen lagen, sagte ihr, dass Vandarte anscheinend noch nicht aktiv geworden war. Die Bewegungen hinter den Knochen des Drachen waren Beleg genug, dass die Verteidiger dort noch lebten, was nicht der Fall wäre, hätte Vandarte bereits zugeschlagen.
“Möchte wissen was den Kerl aufgehalten hat. Er ist doch sonst immer so erpicht darauf, mir wo es geht zu imponieren. Oder möchte er mir auch ein wenig „Spaß“ gönnen. Zuzutrauen wäre es ihm, mit dem Blutbad zu warten bis ich wieder da bin.“, murmelte sie gedankenverloren vor sich hin, während ihr Blick auf der Suche nach Vandarte umherstreifte.
Ist er nicht süß? Immer darauf bedacht, das ich auch auf meine Kosten komme. Ob ich es nun will oder nicht.
Schließlich entdeckte sie ihn in einer Gabäudenische in unmittelbarer Nähe des Ratsgebäudes. Leise und unauffällig huschte sie zu ihm hin und fragte:
„Was ist? Wolltest du nicht den Weg in das Gebäude frei machen? Was hat dich davon abgehalten? Sag nicht, dass du nur gewartet hast, weil du mich nicht um meinen Anteil an dem „Spaß“ bringen wolltest. Nun, jetzt bin ich wieder da, also nicht länger gezögert und schnell ins Ratsgebäude. Erst einmal drin sehen wir dann weiter.“

Sie wartete nicht erst seine Antwort ab, sondern stürzte sich wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf die verbliebenen Bewacher des Eingangs. Sie wusste, dass Vandarte ihr auf dem Fuß folgen und gnadenlos zubeißen würde.

[Sorry Isi, aber ich wollte meinen Teil noch mit einbringen. Du kannst, wenn du willst, damit auch gleich das Gemetzel vor dem Eingang schildern und unsere beiden Vampire im Ratsgebäude verschwinden lassen.]

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Erzähler » Sonntag 26. September 2010, 14:27

Drelgin war erschrocken und geschockt, seine Kameraden so vorzufinden. Bundror selber hatte so was schon erlebt und war gefasster auf die Lage. Außerdem war Drelgin scheinbar noch nie vorher in einer Schlacht gewesen.
So war der Schock für den jungen Soldat umso größer. Auf vieles wurde man in der Theorie hingewiesen, jedoch Theorie und es selber zu sehen, waren verschiedene Seiten.
Doch was war hier in der Zwischenzeit geschehen?
Sie hatten doch keine schlechte Position gehabt, was selbst der Zwerg sagen musste. Und doch waren sie alle gefallen. Es sah so aus, als hätten sie nie eine Chance gehabt.
Ihre Gesichter waren durch Schmerz, Überraschung und auch Angst gezeichnet. Eine der Leichen konnte er überhaupt nicht mehr wiedererkennen, das Gesicht war wie geschmolzen. Der blanke Schädel war an einigen Stellen sichtbar . Auch direkt dort, wo wohl der Mund war konnte man Zähne sehen , die ein grotesk angrinsten. Er war wohl dem Magier zum Opfer gefallen!
Ein anderer hatte mehrer Bolzen im Körper stecken. Er hatte sein Schild nicht mehr rechtzeitig hochbekommen. Der erste Bolzen hatte ihn direkt am Kopf erwischt.
Wie sie schon vermutet hatten, es war eine Falle gewesen und sie waren direkt dorthinein geraten. Drelgin und Bundror schienen die einzigen Überlebenden aus diesen Kampf zu sein.
Doch noch einer hatte es überlebt. Ein Keuchen und Stöhnen war zu hören. Schweres Atmen.
Einer der Dunkelelfen lebte noch!
Es war der, dem Bundror die Beine zerschmettert hatte. Die Nase war deformiert und blutig, von dem Faustschlägen, die der Zwerg auf ihn losgelassen hatte. Würde er dies tatsächlich überleben, so wäre es ein Krüppel fürs leben. Doch lange würde er es wohl nicht mehr machen. Noch lebte er zwar, doch das schon mehr schlecht als recht. Seine Leute hatten ihn hier wohl zum Sterben zurück gelassen oder ihn schon für tot gehalten.
Für Mitgefühl und Kameradschaft waren Dunkelelfen nicht bekannt.
Bundror nahm sich seiner gleich an. Mit dem Dolch von Pelm lies er stumme Miene nicht gelten. Ohne eine Regung des Mitleides, schnitt er diesem ein Ohr ab. Blut floss aus der Wunde und der Dunkelelf versuchte aufzuschreien. Doch das war ihm verwehrt, denn Bundror hielt ihn durch seinen Griff fest. So kam nur ein Krächzen über seine Lippen. Der Blick des Dunkelelfen war vernichtend, obwohl es jetzt ziemlich albern wirkte.
Drelgin sprach auf den Zwerg ein, diesen noch nicht zu töten. Wer wusste schon, was man alles aus ihn rausgekommen konnte.
Aber wieweit bekam das der Zwerg überhaupt mit. Die Angst sein Volk könne ebenso angegriffen werden steckte tief in dem Zwerg.
So hatte er tatsächlich etwas wesentliches bei seiner Folterung übersehen.
Der Dunkelelf war zwar schwer verletzt, doch es war keiner dazu gekommen ihn zu fesseln.
Auch Drelgin war dies nicht aufgefallen. Er hatte sich nachdem er beruhigend auf den Zwerg eingeredet hatte, sich den anderen Leichen zugewendet.
Die Rekruten waren im Kampf nicht dazu gekommen, ihren Gefangenen zu fesseln. Wie denn auch?
Diesen Fehler musste nun der Zwerg ausbaden.
Und so konnte Bundror einen scharfen Schmerz in der Seite spüren. Ein Dolch hatte ihn der Dunkelelf in einer nicht geschützten Stelle unter dem Arm gerammt. Dort war zwar das Kettenhemd, jedoch den Schmerz spürte er, wie sich die schlanke Klinge in sein Fleisch bohrte. Zum Glück nicht so tief, als hätte er kein Kettenhemd darunter.
Zwar war der Dunkelelf dem Tode nah, was den Blutverlust durch seine verkrüppelten Beine anging. Doch er hatte wohl vor den Zwerg mitzunehmen.
“Für Faldor!… dein..Volk.. Fällt!” zischte er gequält durch die Zähne.
Er schloss die Augen, wohl wissend das der Zwerg spätestens jetzt im Rausch der Wut ihn töten würde.
Das war immerhin auch ein Nachteil von den Kindern Brocknars. Sie waren zwar robust und zäh, jedoch auch leicht in Rage zu versetzen.
Außerdem konnte man hoffen, das der Dunkelelfendolch nicht vergiftet war und nichts Lebensgefährliches getroffen hatte.
Bundror war zwar ein erfahrender Veteran, jedoch auch er war nicht vor Fehlern frei.

Drelgin durchstöberte die Leichen der Dunkelelfen. Außer das er ein Arsenal an Dolchen, Schwertern und auch Bolzen fand, so trug keiner von ihnen einen nützlichen Hinweis. Gerade war er beim letzten angekommen, schon damit rechnend, dass wieder nichts war. Da fand er etwas. Ein kleines Pergament. Sorgsam gefaltet. Ein schwarzes Siegel war auf dem Brief und irgendwelche seltsamen Zeichen und Schrift. Die Zeichen könnten auch Buchstaben sein. Wahrscheinlich dann Dunkelelfisch.
Aus der Schrift konnte er folgende Worte entziffern.
“ An das Menschenvolk Pelgar”
Was hatte das wohl zu bedeuten?

Dann konnten beiden plötzlich Schreie und Lärm hören. Es kam wieder vom Ratsgebäude, wo der Knochendrache war. War dort wieder ein Angriff?
Doch wenn sie dorthin kommen würden, würden sie keine Angreifer mehr erblicken.




Vardarte lächelte Vana an, als sie sich zu ihm gesellte.
“ Meine Liebe, ich habe es doch nicht nötig dir zu imponieren. Außerdem…” doch weiter kam er nicht Vana war schon losgestürmt.
Mit einem Lächeln sah er der schönen Vampirin hinterher.
Er drehte sich kurz wieder in den gang.
“ es scheint, du bist heute nicht von Interesse für sie…aber keine Sorge, später!” Im Gang befand sich ein Dunkelelf. Benommen lehnte er an einer Wand.
“ nicht weglaufen!” sprach ihn Vandarte noch mit einem Lächeln an.
Damit eilte Vandarte seiner schönen hinterher.
Natürlich war er schneller als sie und noch bevor, der Erste der Soldaten etwas sagen konnte war Vandarte hinter ihm. Beide Hände an dessen Hals , konnte der Mann nicht mal sagen was ihn traf als sich seine Zähne in dessen Hals verbiss. Er trank mehrer Züge, und mit einer raschen Bewegung drehte er dann den Kopf des Mannes. Das Genick brach.
“ Vana, ich hatte dir eigentlich einen besonderen Bissen besorgt. Etwas was sich mehr lohnt….also werde ich wohl dir das Vergnügen hier zum teil nehmen müssen. Also bändige dich, dass solltest du nicht verpassen”
Die noch verbliebene Zahl an Bewacher wusste gar nicht was geschehen war. Erst hatten sie sich mit Echsen und Dunkelelfen anlegen müssen, jetzt erschienen andere Monster.
Zwar waren es nicht mehr alle, die meisten waren verschwunden. Gefallen oder hatten die Flucht ergriffen, doch man konnte sich sättigen. Der Geruch von frischen Blut erfüllte die Nasen der Vampire. Vandarte agierte mit einer Präzision und Eleganz, so wie sie es erwartet hatte. Jedoch schien er Vana meist vorzukommen zu wollen, so als wollte er nicht, dass sie sich richtig sättigte.
Erschreckend und doch irgendwie schön. Selbst die Tötung konnte eine bizarre Schönheit ausstrahlen, jedenfalls traf es auf Vandarte zu…oder vielleicht traf es auf Vampire allgemein zu.
Eine Frau, vielleicht die Magiern, schrie laut auf, als Vandarte sie packte und sie zu sich riss. Er hielt sie kurz wie ein Liebhaber seine Liebste hielt, zwinkerte dann Vana zu und biss zu. In einem Schrei was zu einem Aufstöhnen wurde, nahm er der Frau das Bewusstsein, jedoch nicht das Leben.

Es dauerte nicht lange, da waren die letzten geflohen oder lagen am Boden. Vandarte wischte sich mit einer Bewegung die Blutstropfen aus dem Mundwinkeln und trat auf Vana zu.
“ so jetzt zu deinem besonderen Leckerbissen. Ich musste dir einfach dazwischen funken, du warst so vorschnell. Ich habe etwas für dich! Du solltest dich immerhin stärken, bevor wir das Gebäude betreten.”
Damit entschwand er zurück zur Nische und holte jemand zu Vana. Es sah seltsam aus, so trug er die Person als würde sie nichts wiegen. Ein Dunkelelf!
Es war der Magier, der den Vana noch kurz zuvor getroffen hatte. Er war noch immer benommen und er hatte eine Bisswunde am Hals.
“ ich konnte es nicht ertragen zu sehen, wie er dich behandelt hat. Guten Appetit! Übrigens sie schmecken nach Macht” er grinste sie an, dass seine Eckzähne sichtbar wurden. Er hatte so gesehen wohl Spaß den Aufpasser von ihr zu spielen.
Jedenfalls konnte Vana erkennen, dass Nekromanten wohl älteren Vampiren auch nicht gewachsen waren.
“ Beende dein Mahl schnell, ich höre Schritte…wir können dann ins Gebäude huschen. Oder trinke dort”

Wie sie sich auch entscheiden wurde, Vandarte würde mit ihr anschließend das Gebäude betreten
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Drelgin » Sonntag 26. September 2010, 21:04

Während er die Leichname der Dunkelelfen untersuchte und etwas zu finden hoffte, wovon er selbst nicht wusste was es eigentlich war, schossen ihm immer wieder die Bilder seiner getöteten Freunde in den Kopf. Er hatte sie auf dem Gewissen. Er hatte sie in diese Falle geführt. Und er war der einzige von ihnen der dieses Gemetzel überlebt hatte. Drelgin fragte sich wie es wohl seinen Kameraden vor dem Ratsgebäude ergangen war. An und für sich hätten sie alles unter Kontrolle haben müssen. Doch an und für sich war leider alles andere als pure Gewissheit. Vermutlich war dort längst alles geklärt. Seamus hatte Hilfe geholt und eine halbe Garnison hatte den Platz vor dem Ratsgebäude gesäubert.
Aber warum hatte er nicht das laute Scheppern dutzender Rüstungen gehört? Warum hatte er kaum noch Kampfeslärm vernommen? Was, wenn Seamus gar nicht bis zur Kaserne durchgekommen war?

Einen Leichnam nach dem anderen durchstöberte er und alles was er fand waren unzählige Dolche, Schwerter und Bolzen. Nichts was er wirklich gebrauchen konnte. Im Umgang mit Armbrüsten war er nicht geschult und für die Schwerter der Dunkelelfen fand er keine Verwendung. Sie waren ihm allesamt zu dünn und wirkten zu gebrechlich. Seine eigene Kampfweise unterschied sich einfach zu sehr von der Kampfweise der Rotaugen. Er setzte nicht auf das gezielte Stechen nach ungeschützten Körperteilen. Drelgin war es egal ob ein Körperteil ungeschützt war oder nicht, er zertrümmerte den Feind mit seinem pelgarischen Langschwert.
All die Fundstücke warf er auf einen Haufen, damit die Soldaten die später hier aufräumten weniger Arbeit hätten. Er beschloss lediglich einen relativ interessant aussehenden Dolch mitzunehmen. Das Heft war schwarz und lag gut in der Hand. Überhaupt schien es Drelgin als wäre der Dolch hervorragend ausbalanciert. Die Klinge war etwa 15 Zentimeter lang, leicht gewellt und war etwas dunkler als das Metall mit dem Drelgin üblicherweise zu tun gehabt hatte. Der Dolch unterschied sich in Wahrheit kaum von den anderen Dolchen die er den Dunkelelfen abgenommen hatte. Nur in einer Sache unterschied er sich ganz gewaltig von ihnen: an diesem Dolch klebte kein Blut.
Drelgin schnitt mit seiner Neuerwerbung ein großes Stück Stoff aus der Kleidung eines der Toten und wickelte im Anschluss den Dolch damit ein, ehe er ihn unter seinen Brustpanzer schob. Es musste schließlich nicht gleich jeder sehen, was er hier bei sich trug.

Erst der letzte Leichnam brachte etwas wirklich nützliches ans Tageslicht. Es war ein kleines, sorgsam gefaltetes Pergament. Auf dem vergilbten Papier war ein schwarzes Siegel und Drelgin nicht bekannte, seltsam anmutende Zeichen zu sehen. Der junge Soldat ging davon aus dass es sich hier um dunkelelfische Zeichen handeln musste. „Wenigstens etwas“, murmelte er in der Hoffnung es würde sich nicht um einen einfach Liebesbrief einer Dunkelelfin an ihren Geliebten, sondern um wichtige Einsatzbefehle oder ähnliches handeln. Gerade wollte er das Pergament einstecken, da fiel ihm auf dass er durchaus einige der Zeichen verstand, die auf dem Brief zu lesen waren.
„An das Menschenvolk Pelgar“, las er die wenigen Worte die er entziffern konnte. Drelgin verstand nicht ganz was dies zu bedeuten hatte. Warum würden die Dunkelelfen einen versiegelten Brief an das Menschenvolk Pelgars schreiben? Wie hätte dieser Brief jemals veröffentlicht werden sollen? Hatten die Rotaugen dieses Opfer in Kauf genommen und hofften darauf dass die Menschen diesen Brief fanden?

Die Stimme des verletzten Dunkelelfen und ein Stöhnen Bundrors ließen Drelgin herumfahren. Der Zwerg fasste sich unter den rechten Arm. Er schien verletzt zu sein. Bundror drückte die linke Hand fest auf die Wunde und begann allmählich zu fluchen. Sein Gesicht war hasserfüllt und voller Wut.
Drelgin wusste dass er keine Möglichkeit mehr hatte den Gefangenen zu retten. Vielleicht hätte er das Rotauge vor einem anderen Menschen beschützen können, doch mit Sicherheit nicht vor diesem Zwerg. Und jetzt wo Drelgin den Brief gefunden hatte, stand er selbst ohne den Dunkelelfen nicht mehr mit leeren Händen da.
Der Mensch drehte sich einfach um. Sollte der Zwerg mit dem Rotauge machen was er wollte, Drelgin würde nicht einschreiten. Er verstaute das Pergament ebenfalls unter seinem Brustpanzer und widmete sich wieder den Leichen der Feinden. Einen nach dem anderen zog er in eine Ecke der Gasse und häufte sie lieblos übereinander. Ein weiterer Haufen Dreck in der schmutzigen Gasse.

Die schmerzerfüllten Geräusche die der eine noch lebende Dunkelelf hinter sich von sich gab nahm der junge Soldat gar nicht wahr. Erst das Geschrei und Gelärm das plötzlich wieder vom Ratsgebäude herrührte erlangte seine Aufmerksamkeit. Lange Zeit war es dort ruhig gewesen und nun hatte der Lärm wieder begonnen. Etwa ein neuer Angriff?
„Bundror“, sagte er und drehte sich wenige Augenblicke später um. „Wir müssen zurück zum Ratsgebäude. Jetzt!“ Er vermied es den Dunkelelfen anzusehen. Er wollte nicht wissen was aus diesem elenden Geschöpf geworden war, selbst wenn es Drelgins Meinung nach jede Art der Bestrafung verdient hatte.

Eiligen Schrittes spurtete Drelgin durch die engen, dunklen Gassen auf das Ratsgebäude zu. Jede Minute die verging konnte den Tod seiner Kameraden bedeuten. Die mittlerweile stark verbeulte Rüstung scheuerte über seine Haut und mehr als einmal war er knapp davor gewesen das kalte Stück Metall abzulegen. Und auch wenn er dadurch hätte schneller laufen können, das Ablegen der Rüstung selbst hätte einfach zuviel Zeit gekostet. Und Zeit war was Drelgin befürchtete nicht zu haben. In all der Eile war Drelgin nicht aufgefallen dass bereits seit einiger Zeit kein Lärm mehr vom Ratsgebäude zu ihm herüber drang. Ebensowenig wie ihm aufgefallen war ob Bundror ihm nun tatsächlich gefolgt war oder nicht beziehungsweise ob dieser Schritt halten konnte.
Erst jetzt, wo er nur noch wenige Meter vom Vorplatz des großen Ratsgebäudes entfernt war, bemerkte er die Stille. Er wurde langsamer, blickte sich aufmerksam um und griff Schild wie Schwert fester. Niemand war zu sehen. Zumindest niemand der am Leben war. Etliche Männer aus seiner Abteilung lagen tot am Boden. Die Echsen und was auch immer sonst noch hier gewesen war mussten arg gewütet haben. Er trat auf den Vorplatz hinaus und drehte sich um die eigene Achse. Hier war niemand mehr. Nur Leichen. So viele seiner Freunde lagen leblos auf den Pflastersteinen. Er schüttelte den Kopf. Es mussten mehr als zwei Drittel der Männer aus seinem Zug sein. Ein Blutbad. Eine Katastrophe. Stichprobenartig vergewisserte er sich ob noch einer seiner Kameraden am Leben war. Es war kein einziger. Viele von ihnen hatten tiefe Klauenspuren, andere waren mit den schwarzen Bolzen gespickt. Und was Drelgin am meisten verwunderte waren die Male von mindestens zweier Soldaten. Es sah aus als wären sie von einer Giftschlange gebissen worden. Sie hatten eindeutig Bissspuren am Hals. Er war sich sicher dass die Bisse nicht von den Echsen stammen konnten, dafür hatten diese ein viel zu großes Maul mit viel zu vielen spitzen Zähnen. In Drelgins Fall sah es mehr nach dem Biss eines Menschen aus. Vielleicht auch eines Dunkelelfen. Doch warum hätten die Dunkelelfen seine Freunde beißen sollen? Und was Drelgin am meisten stutzig machte war dass die Toten mit Bissspuren eigentlich nicht tot sein hätten dürfen. Wie Tarmain beispielsweise. Seine Beine waren von nicht weniger als sechs Bolzen getroffen worden. Er war gewiss nicht mehr fähig gewesen zu laufen. Aber daran zu sterben? Also musste es eine Giftschlange gewesen sein. Vermutlich eine kranke Art der Folter für die wenigen die den Angriff überlebt hatten. Oh wie er diese vermaledeiten Dunkelelfen doch verabscheute.

Wieder blickte er sich um und sah Bundror, der zielstrebig auf den Knochendrachen – oder was von ihm noch übrig war – zumarschierte. „Ein ganz schöner Brocken“, meinte Drelgin und hielt auf den Zwerg zu. „Lasst uns zur Kaserne gehen. Wir haben wichtige Informationen für den Kommandanten. Er wird Euch sehr dankbar sein, Bundror. So, wie ich es bin. Ich weiß es verlangt Euch ebendiese Informationen in Eurer Heimat kundzutun, doch begleitet mich noch zum Kommandanten. In der Kaserne könnt Ihr Eure Wunden behandeln lassen und ich bin mir sicher Euch wird eine Kutsche oder wenigstens ein Pferd überlassen um schnellstmöglich in das Reich der Zwerge zurückzukehren.“ Innerlich musste Drelgin lachen. Ich hätte sagen sollen ein Pony.

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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Bundror Hammerschlag » Sonntag 26. September 2010, 22:56

Es knackte laut als sich der Panzerhandschuh des alten Mannes in das feingliedrige Gesicht des Elfen grub. Ein Teil der Wange platzte auf und blutige Wogen drängen aus der Wunde. "Du heimtückischer ... " begann Bundror, holte erneut aus und zerschmetterte kraftvoll die linke Seite seiner Stirn. Der Schädel wirkte bereits wie ein vermoderter Kürbis. " ... abartiger ...", fauchte er und rammte seinen behelmten Kopf gegen das Nasenbein des Elfen. Ein Blutschwall schwabbte aus dem Mund des Rotauges, doch der Zwerg war gepackt vom Zorn seines Volkes. " ... Bastard!", endete die Beleidigung und die Hände packten den Haaransatz des Dunklen, hoben ihn in die Luft und ein aller letztes Mal traf die Faust. Man hörte das deutliche Brechen von Knochen und der Schädel gab dem Druck nach. Der ehemals so schnelle Körper erschlaffte und angewidert ließ der Zwerg seinen 'Gefangenen" fallen. Blutüberströmt fiel die Leichte in den Unrat der Gasse, ein wohl passender Ort für solche Missgeburten, und würde dort hoffentlich verrotten. "Soll Brocknar deine Seele mit seinem Hammer zerschlagen, wenn sie zu ihrem Mördergott zurückkehrt, Spitzohr!"
Jetzt hatte er die Zeit sich um seine Wunde zu kümmern. Erschöpft von seinem Wutausbruch, ließ sich der Zwerg auf einen niedrigen Treppenabsatz fallen. Warmer Lebenssaft lief als kleiner Rinnsal an seiner Seite herunter - sammelte sich am Gürtel und tropfte zögerlich auf den dreckigen Boden. Sein Kettenhemd hatte eindeutig die alte Lebensesse gerettet. Die schwarzen Augen suchten den Boden ab und entdeckten die beinahe tödliche Waffe neben dem Toten liegen - Die Klinge war lang und schmal. Typisch für Elfen war es, keine schweren und mächtigen Waffen zu verwenden, sondern sich auf ihre Geschwindigkeit zu verlassen. Allein dies war ein Grund dafür, dass sich das kleine Volk von den hochgewachsenen Wesen fernhielt. Es gab so viele Unterschiede zwischen beiden Welten. Hass und Auseinandersetzungen wären das Ergebnis. Ohne Frage war es gut, dass jeder für sich in seiner Welt lebte. Schmerzvoll verzog der Veteran sein Gesicht. Die Wunde war nicht tödlich, sie war nicht einmal sehr tief, aber an einer sehr gefährlichen Stelle. Die Bewegungen peinigten den Besitzer des Arms. Um sicher zu gehen, dass es wirklich nur diese Wunde war, die für den Schmerz sorgte, hob Bundror die Schulter. Blitzartig durchzuckte es ihn. Die Reise nach Nogrot würde mit einer solchen Verletzung nur schwerfällig voran gehen. "Beim Barte meine alten Oheims! Ich lasse nicht zu, dass diese erbärmlichen Schwachköpfe erreichen was sie wollen - Dieser alte Zwerg wird Nogrot erreichen und sein Volk warnen!", dachte der Hammerschlag und sprach sich selbst den Mut zu, für welchen die bärtigen Krieger in ganz Celcia berühmt waren. Ächzend und mit leichten Schmerzen erhob sich der alte Mann von seiner Sitzgelegenheit, trottete zu Drelgin herüber und schlug sich gegen die Stirn. Beinahe hätte er etwas vergesse und das hätte ihm jemand anderes nicht vergessen. Auf dem Absatz machte er kehrt, rannte zu der Leiche zurück und rollte sie mit einem Fußtritt zur Seite. Ein Leuchten in den dunklen Pupillen zeigte, dass Bundror gefunden hatte, wonach er suchte. Triumphierend bückte er sich und hob das abgetrennte Ohr des Elfen auf. "Mein Sohn wird sich freuen. Das haben heutzutage nicht mehr viele junge Zwerg bei sich!", dachte er und stopfte die Tropähe in seinen Reiserucksack. Immer wieder vestaunte er diese Tasche. sie war klein und kompakt, es passte alles hinein, was man für eine kurze reise brauchte und behinderte in keinster Weise den Kampf. Ein Musterbeispiel zwergischer Lederkunst.
Die Gassen waren tod und Bundror ahnte etwas Schreckliches. Der heutige Tag setzte seiner Arschbacke über alle Maße zu - Nur Grauenhaftes konnte den jungen Drelgin erwarten. Sein Hammer ruhte auf der Schulter, stets darauf bedacht, nicht die verletzte Seite zu beanspruchen. Auch wenn der Zwerg es nur ungerne zugeben wollte, einen Kampf zu gewinnen würde im Moment schwer fallen. Die Verletzung trug ihre Früchte. Bundror konnte nicht einmal einen Verband anlegen, denn dazu hätte er die Rüstung abnehmen müssen. Keine sehr gute Idee in einer von Krieg geplagten Stadt. Die letzten Worte des Dunkelelfen drängten sich in seinen Verstand. "Mein Volk soll fallen ... diese Abarten werden die gesamte Welt östlich des Drachengebirges unterjochen, wenn ich es nicht schaffe nach Nogrot zu gelangen. Die Menschen werden diesem Ansturm niemals standhalten können - Ihr Mut wird brechen. Genauso wie ihre Schilde und Schädel.", grübelte der alte Mann. Es gab kein Drumherum. Es war die einzige Hoffnung für die Menschen und in erster Linie für die Zwerge, dass Bundror seine Heimat erreichen sollte. Die ungleichen Kampfgefährten traten um die Ecke und blickten auf ein Massaker. "Ich wusste es ...", meinte Bundror kleinlaut. Jetzt erklärte sich die Stille auf dem Platz. ein geübter Blick verriet dem Zwerg, dass die Anzahl der Leichen ungefähr der Anzahl der zurückgelassenen Menschen glich. "Dein Mann hat die Kaserne nie erreicht, Drelgin.", grummelte der Hammerschlag vor sich hin und machte sich auf, die Umgebung zu untersuchen. Es gab kaum Kampfspuren, denn die Schilde und Waffen der Soldaten wiesen kaum Kratzer auf. Zumindest keine frischen. Was auch immer hier gewütete hatte, es ware keine Dunkelelfen gewesen. Schwere Klauen oder andere Werkzeuge hatten sich an den Körpern der Langen zu schaffen gemacht. Dunkelelfen waren zwar bösartig, aber sie waren sich viel zu fein, um auf solche Methoden zurückzugreifen. Bundror´s Blick wanderte zu Drelgin. "Der Junge macht sicherlich etwas durch ... die Menschen sind an den Anblick von Krieg und Tod nur selten gewohnt. Selbst die Krieger. " Doch Bundror überließ dem Rekruten dessen Gedanken, denn für einen Zwerg ziehmte es sich nicht, Trauer auf dem Schlachtfeld zu bezeugen. Im kleinen Volk wurde der tote Krieger und Freund mit einem guten Bierfass geehrt und seine Taten besungen. So hielt man die Erinnerung lebendig und die Ehre aufrecht. Weiber und Kinder durften Weinen, doch ein Mann hatte seine Aufgaben und musste stets für alle eine Stütze bieten.
Mit einem breiten Schritt stieg der Zwerg über eine der Soldatenleichen. Er hatte ein Ziel, kaum dass sie auf den Platz zurückgekehrt waren - Bevor Bundror in die Heimat ging, musste er etwas tun. Etwas einmaliges, etwas so einzigartiges, dass es kaum ein Zwerg vor ihm getan hatte. Bundror wollte einen Teil der Drachenknochen - Aber nicht irgendein Teil, nein. Denn der typische, zwergische Einfallsreichtum hatte ihm eine einmalige Gelegenheit vor die Füße geworfen. "Einen Schild aus Drachenknochen!", flüsterte er begeistert. In den alten Legenden wurden die Drachen mit magischen Kräften versehen und einer harten Haut, die keine Rüstung je übertreffen könnte. Die Knochen waren so stark, dass sie Berge stemmen konnten. zumindest erzählte man sich das. Nach einiger Zeit entdeckte er ein geeignetes Stück. Es war ein Teil der Brustplatte und gerae so groß, dass der Zwerg sich dahinter verstecken konnte. Es verdeckte dabei seinen gesamten Oberkörper. Froh darüber, etwas geeingnetes gefunden zu haben, bemerkte er Drelgin beinahe nicht. Doch als dieser seinen Vorschlag unterbreitete, erkannte der Zwerg den Nutzen darin. Mit einem Karren wäre er schneller und würde mit Sicherheit besser in Nogrot ankommen als auf Schuster´s Rappen. Er nickte langsam. "Ein Karren wäre ausreichend. Eure Pferde lasst ihr besser im Stall, ich möchte lebend in meiner Heimat ankommen.", witzelte der Bärtige, schob seinen Hammer in die entsprechende Halterung auf dem Rücken und umfasst den zukünftigen Schild. "Dann brechen wir auf, ihr führt, Jungchen!" Und als Drelgin sich in Bewegung setzte, folgte der Zwerg. Weg vom Geschehen und möglichst schnell in Richtung der Heimat.

ooc./tbc.: Es geht weiter in der Kaserne!

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Vana Erendis Morgaine
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Re: Vor dem Ratsgebäude

Beitrag von Vana Erendis Morgaine » Donnerstag 14. Oktober 2010, 15:51

Oh ja, Vandarte folgte ihr, und wie er ihr folgte. Hatte Vana angenommen, dass er mit dem Festmahl auf sie gewartet hätte, so unterlag sie in dieser Beziehung einem grundlegenden Irrtum. Dies wurde ihr spätestens dann klar, als ihr Mentor an ihr vorbeistürmte und den Soldaten, auf den sie es zuerst abgesehen hatte, nun selbst biss. Dabei trank er nur wenige Schlucke und brach dem armen Kerl anschließend das Genick.
Zuerst wollte sie ihren Gefährten noch fragen was das denn sollte, zuckte schließlich aber nur mit den Schultern und widmete ihre Aufmerksamkeit einem anderen Opfer. Doch auch hier kam ihr Vandarte zuvor und wiederholte die vorherige Prozedur. Spätestens bei dem dritten Opfer, welches sich Vana auserkor, und bei dem ihr Vandarte wiederum zuvor kam, fauchte sie ihn zornig an:
„Sag mal was soll denn das? Ich dachte du hättest auf mich gewartet weil du mir ebenfalls ein wenig Spaß gönnen wolltest, stattdessen bringst du mich mit wahrer Wonne um den selbigen.“ Verdrossen lehnte sie sich an die Mauer des Ratsgebäudes und funkelte den Vampir böse an, während dieser bereits ein weiters Opfer auf die bewährte Weise zu Tode brachte.

Über die Schulter grinste er seine Schülerin verschwörerisch an und entgegnete gelassen:
“Vana, ich hatte dir eigentlich einen besonderen Bissen besorgt. Etwas was sich mehr lohnt….also werde ich wohl dir das Vergnügen hier zum Teil nehmen müssen. Es ist besser du bändigst dich, denn das solltest du nicht verpassen”

Ein verächtlich ausgestoßenes „Pffffff“ war alles was er von der schönen Vampirin darauf zu hören bekam. Allerdings machte sie auch keine Anstalten mehr, sich an dem Gemetzel zu beteiligen.
Zum Teil? Ha, so wie er sich gebärdet scheint er mir das Vergnügen sogar ganz nehmen zu wollen. Ach, soll der Kerl doch tun was er nicht lassen kann. Mir doch egal, soll mir den Buckel runterrutschen. Der kann mich doch mal am A …äh … bei Mondschein besuchen! Der letzte Gedanke ließ sie spitzbübisch grinsen, da dies sicher die einzige Möglichkeit eines Besuches für einen Vampir war. Ein Besuch am Tag und bei Sonnenschein war da eher selbstmörderisch. Außerdem, ich hatte immerhin schon meinen Teil was den Spaß angeht. Möchte nur zu gern wissen was er mit dem besonderen Bissen meinte?
Während Vana grübelnd da stand und Vandarte zuschaute, vollendete dieser sein blutiges Werk bis kein Verteidiger mehr lebte. Er übte dabei durchaus eine gewisse Faszination auf Vana aus, erschreckend und gleichzeitig auch irgendwie schön.
Ja, der Tod, so wie ihn Vandarte gerade brachte, wirkte auf eine faszinierende Art erregend und mit leichtem Erschrecken stellte Vana fest, dass sie das Schauspiel durchaus auf eine perfide Art genoss.
In solchen Momenten war es ihr, als ob Morticia noch immer in ihr schlummerte und nur darauf wartete wieder an die Oberfläche zu brechen. Zum ersten Mal seit ihrer „Wiedererweckung“ stellte sie sich ernsthaft die Frage wer sie eigentlich war. Wie viel von Morticia steckte noch in ihr, wie viel von Vana und wie viel von ihrem neuen Wesen? War sie noch immer die gleiche Vana, wie vor ihrem Tod? Hatte sie der Teil ihrer Persönlichkeit, der Morticia ausmachte, nicht auf der Toteninsel verlassen? Oder hatte sie ihn wegen ihres Gewissens nur unterdrückt und er wurde durch das Wesen des Vampirs in ihr wieder neu erweckt?
Wurde sie bereits zu dem Monster, das sie doch eigentlich nicht werden wollte, das sie nie zu werden geschworen hatte. Sollte Vandarte am Ende Recht behalten?

Sie war froh, als er endlich sein Werk beendete und doch ein wenig beklommen, da sie ahnte, nein wusste, dass es noch nicht vorbei war. Sein grinsen und seine Worte:
“so jetzt zu deinem besonderen Leckerbissen. Ich musste dir einfach dazwischen funken, du warst so vorschnell. Ich habe etwas für dich! Du solltest dich immerhin stärken, bevor wir das Gebäude betreten.”, sagten ihr, dass er noch eine Überraschung für sie bereit hielt. Noch wusste sie allerdings nicht, ob sie sich wirklich darüber freuen sollte.
Vandarte verschwand kurz in der Nische, in der er vorhin stand und kam alsbald mit einer weiteren Person, welche er mehr trug, als dass sie selbst ging, zurück. Als Vana die zweite Person erkannte, verschlug es ihr für einen Augenblick den Atem.
Der Magier! Der Nekromant, dem ich vorhin in der Gasse begegnete und der mir so herablassend Befehle erteilte. Aber wie … Der Gedanke, der in ihrem Kopf Gestalt annahm war so unglaublich, dass sie ihn zuerst für unmöglich hielt. Schon wollte sie sich Gewissheit verschaffen und die entsprechende Frage lag ihr auf der Zunge, als Vandarte von selbst mit der Sprache herausrückte:
“Ich konnte es nicht ertragen zu sehen, wie er dich behandelt hat. Guten Appetit! Übrigens sie schmecken nach Macht”
Also doch, er spionierte ihr nach, und seinem Grinsen nach zu urteilen machte ihm das auch noch einen heiden Spaß. Nun, für Vana war dies ganz und gar nicht spaßig, und das sagte sie ihm auch direkt ins Gesicht:

„Sag mal, spionierst du mir nach? Wofür hältst du mich eigentlich? Für ein kleines Kind, dem man auf Schritt und Tritt folgen muss, um es vor allen Gefahren zu beschützen? Ja? Hältst du mich für so hilflos? Ach mach den Mund zu, ich will deine Rechtfertigungen garnicht hören. Aber eins lass dir gesagt sein, ich bin weder ein kleines Kind, noch bedarf ich irgendwelchen Schutzes und schon garnicht brauche ich jemanden, der mir hinterher spioniert. Ich bin alt genug, um auf mich selbst aufzupassen. Also lass dir ein für allemal gesagt sein, spionierst du mir noch einmal hinterher, dann lernst du mich von einer Seite kennen, die dir mit Sicherheit nicht gefallen wird! Ist das klar?“ Mit vor Wut funkelnden Augen und in die Hüften gestemmten Armen starrte sie ihn an.

Vandarte schien das alles nicht zu beeindrucken, wenn möglich, so wurde sein Grinsen eher noch breiter, so dass Vana die Augenbrauen nach oben zog und genervt mit den Augen rollte.
Wenn er jetzt noch behauptete, dass sie wütend noch viel schöner wäre als so schon, würde sie ihm mit Sicherheit vor lauter Angewidertheit vor die Füße kotzen.
Zum Glück kam er nicht dazu, einen derartigen Spruch bei ihr anzubringen, stattdessen meinte er nur lapidar:
“Beende dein Mahl, schnell, ich höre Schritte…wir können dann ins Gebäude huschen. Oder trinke dort”

Beende dein Mahl?! Oh Mann, er war ja heute wieder besonders goldig. Beende dein Mahl, ts, dabei hatte sie es noch nicht einmal begonnen. „Denk ja nicht, dass das Thema damit erledigt wäre!“, zischte sie ihrem Aufpasser noch zu, dann versenkte auch sie ihre Zähne in den Hals des Nekromanten.
Sie hatte kaum die ersten Tropfen getrunken, da war ihr Ärger beinahe wieder vergessen. Vandarte hatte nicht übertrieben, als er von einem besonderen Leckerbissen sprach. Sie konnte förmlich die Magie, die Macht spüren, die mit dem Blut des Magiers auf sie überging. Ein Tropfen seines Blutes war um ein Vielfaches belebender als das magieloser Menschen.
Amüsiert beobachtete Vandarte, wie sie auch den kleinsten Tropfen des Blutes in sich aufnahm, um am Ende die leere Hülle des Nekromanten zu Boden gleiten zu lassen und mit einem Streich ihres Katanas den Kopf vom Rumpf zu trennen.
Oh ja, an solchem Blut konnte man sich wahrlich berauschen. Erneut erschrak sie dem Gedanken, dass sie diesen besonderen Tropfen regelrecht genossen hatte. Mehr noch, dass er fast schon wie eine Droge auf sie wirkte. Über sich selbst verärgert fuhr sie daher ihren noch immer grinsenden Mentor an:
„Was gibt es denn so zu grinsen, he? Bilde dir nur nicht ein, dass dir deswegen“, sie deutete auf den leblosen Körper des Magiers, „verziehen wäre. Die Sache ist noch lange nicht vom Tisch.“
Majestätisch warf sie ihren Kopf in den Nacken und stolzierte an dem, wie ihr schien noch wesentlich breiter grinsenden Vampir vorbei in das Ratsgebäude.
Bei Manthala, es war ja fast schon unanständig, wie breit der Kerl grinsen konnte. Irgendwann, so nahm sie sich vor, würde sie ihm sein Grinsen schon von der Backe putzen. Nicht jetzt und nicht hier, aber irgendwann, wobei sie nun ihrerseits grinsen musste, was Vandarte jedoch nicht sah, da er hinter ihr in das Ratsgebäude folgte.

[weiter in In den Gängen des Ratsgebäudes]

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