Kriegsrat

Grandeas Armeen sind groß, doch dem König nicht groß genug. Dennoch lässt er nur potenzielle Elitekämpfer in seine Reihen aufnehmen und ausbilden.
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Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Freitag 21. Juni 2013, 01:55

Asmodeus kommt von Grandeas Schloss -> Audienz mit dem Krieg

Rasputin Sturmwasser verließ mit Asmodeus im Schlepptau die Halle des Königs. Dieser schaute ihnen nur flüchtig hinterher, widmete sich dann dem fragenden Blick seines Sekretärs und erteilte ihm offenbar sogleich einige harsche Befehle, denn man hörte die Stimme des Königs noch weit in den Gang.
Myra Zhai war es, die ihre Augen nicht vom Rücken des Dämons ließ, bis er die Halle verlassen hatte. Ein Mundwinkel zuckte und sie lauschte ebenfalls einer Stimme - einer Inneren, die ihre Seele beruhigte oder das, was noch davon übrig war. Hätte Asmodi sein Feuer nur bei ihr angewandt, es wäre einiges ans Tageslicht gekommen. So aber blieb verborgen, was noch niemand in diesem Königreich und vermutlich nicht einmal das Volk Morgerias ahnte.
Die Flügeltüren zum Thronsaal schlossen sich. Rasputin flanierte durch den Korridor, er schlug jedoch eine ganz andere Richtung ein. Schließlich wollte man auch zur Kaserne gelangen und die befand sich im Palasthof, umgeben von starken Mauern. Seine Miene war ebenfalls undurchdringbarer Stein, was durch den dichten Bart nur gestärkt wurde. Der Magier zog die Brauen zusammen, schaute aber nicht zu seinem Begleiter zurück. Selbst dann nicht, als der Kater auf dessen Schultern einmal einen gelangweilten Laut von sich gab.
"Ich habe Euch eigenhändig aus dem Ritualkreis gezogen, Asmodeus. Ich bin mit Euch vor den König getreten und stand unentwegt an Eurer Seite. Glaubt Ihr tatsächlich, binnen dieser Zeit hätte ich jemand nach Kosral entsenden und Hâgen Véllin hierher schleifen lassen können? Wir haben einen Pakt, Dämon, aber verlangt keine Wunder!" Seine Stimme drang schneidend aus seiner Kehle, eine Warnung an den vorlauten Dämon, der von seiner Seite her auch noch nicht gezeigt hatte, ob er sich als Feldherr wirklich eignete. Doch das dürfte er gleich unter Beweis stellen.

"Du solltest den Schein der Harmlosigkeit aufrecht erhalten, mein Freund", säuselte plötzlich Geisbart am Hals des Dämons, während man die Gänge des Palastes hinter sich ließ. Seine katzenhaft schnurrige Stimme war ein leises Raunen, das beinahe unter den Schritten beider Männer unterging. "Umso verheerend bedrohlicher wirst du wirken, weil man dir dann schreckliche Taten nicht zutraut ... aber du wirst schon das Richtige tun, Haraxier." Schnurrend leckte sich der Kater über die Schnauze, putzte sich die Barthaare und beobachtete, wie sie den Kasernenhof betraten. Hier saßen Dunkelelfen und Grandessaner zusammen. Hier hockten Soldaten, unterhielten sich oder trainierten miteinander. Es hatte ein bizarr friedliches Bild. Mensch und Elf verstanden sich offenbar. Jedenfalls machte es den Eindruck.
Rasputin, der am obersten Absatz einer Steintreppe hielt, die zum Hof hinunter führte und somit von allen antretenden Soldaten gut im Blick wäre, ließ seinen eigenen Blick über das Lager gleiten. Als Magus kannte er sich in Kriegssituationen und Strategien wenig aus. Das würde der Feldherr übernehmen, sich aber zuvor auch mit den Offizieren der einzelnen Militäreinheiten absprechen müssen. Einen konnte Rasputing gerade ausmachen und da tauchte noch ein Zweiter auf. Sehr gut, dass man sie an den wallenden Umhängen in Purpur und Gold erkennen konnte. Er winkte beide heran und nach kurzem Blickaustausch folgten die Männer seiner Aufforderung. Eine schlanke Frau, sowie ein tiefbrauner Dunkelelf mit schwarzem Haar näherten sich ebenfalls. Dieser könnte Asmodeus zumindest vom Schnitt der Haare gefallen, denn auch er trug die kurzen Borsten als Bürstenschnitt. Die Frau wirkte neben seiner kräftigen Statur nicht minder zierlich, im Gegenteil. Agil und trainiert war ihr narbiger Körper, was man sehr gut sah, da die lediglich ein dünnes Leinenhemd trug, dem die Ärmel fehlten. Ihr hellbraunes, fast blondes Haar hatte sie zu einem wirren Zopf zusammengebunden, von dem überall Strähnen herab hingen. Der Blick ihrer Augen zeugte von Erfahrenheit in Kriegen, denn er war stumpf und kalt. Auch der Dunkelelf blickte so. Lediglich die beiden wie Veteranen ausschauenden Männer - einer bärtig und dunkelhaarig, der andere ein Mann mit schlohweißem Haar, aber noch nicht sehr alt wirkend - bewahrten eine nicht zu brechende Ruhe, wie es schien.

Noch ehe die vier an Asmodeus und Rasputin heran treten konnten, beantwortete der Ritualmagier die Frage des Dämons - oder auch nicht. "Woher wollt Ihr wissen, ob ich dies nicht bereits tue, Asmodeus? Eure wahre Gestalt werden die Soldaten zu Gesicht bekommen, wenn Ihr Hâgen erledigt. Wir ziehen nach Kosral und von dort gen Zyranus, kommen aus dem Schutz des Waldes." So viel Taktik besaß dann wohl auch Rasputin.
Er neigte das Haupt vor den vier Kriegsoffizieren und stellte sie vor. "Leutnant Rufus Celtim, Feldwebel Lence Dragnir." Die beiden Männer neigten nacheinander die Köpfe. Jetzt erkannte man wohl auch, dass Dragnir trotz der Haare jünger war und einen faszinierenden Blick besaß, denn die grünen Augen waren geschlitzt wie jene einer Schlange. "Waffenmeisterin Riska Kell und ... Euren Namen kenne ich leider nicht, Herr Elf."
"Dhamón, wertloses Gewürm." Trotz der Beleidigung schickte der Dunkelelf die Worte als freunliches Säuseln heraus, ehe er sich bequemte, auf Celcianisch zu antworten: "Dhamón Lyndwurm. Man nennt mich den Klingentänzer."
"Erfreut", entgegnete Rasputin Sturmwasser mit ähnlicher Neutralität, aus der Verachtung troff. "Ich möchte Euch jemanden vorste... ach nein, er kann es selbst tun." So zeigte er auf Asmodeus. Der Feldherr konnte und sollte nun für sich selbst sprechen.
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Montag 30. September 2013, 16:00

"Ich habe Euch eigenhändig aus dem Ritualkreis gezogen, Asmodeus. Ich bin mit Euch vor den König getreten und stand unentwegt an Eurer Seite. Glaubt Ihr tatsächlich, binnen dieser Zeit hätte ich jemand nach Kosral entsenden und Hâgen Véllin hierher schleifen lassen können? Wir haben einen Pakt, Dämon, aber verlangt keine Wunder!" Asmodi schnaubte und knurrte nur. Auch er musste diese Tatsache einsehen und akzeptieren. Geduld gehörte nunmal nicht gerade zu seinen Stärken. „Jaahh jahrhrh jarhrhr.“ Knurrte er nur. „Dennoch will ich seinen Kopf in unser Feldlager vor Zyranus geliefert bekommen und wenn du ihn mit dem Katapult zu uns schiesst.“

"Du solltest den Schein der Harmlosigkeit aufrecht erhalten, mein Freund" „Mrhrr…“ Welchen schein der Harmlosigkeit? Asmodi fühlte sich überhaupt nicht Harmlos. Er gab sich doch gerade Mühe, alles andere als Harmlos zu wirken! Die Worte dieses Pelzgewürms waren beleidigend! Erschütterte ihn seine Macht nicht?! Beeindruckte ihn seine Wortgewandtheit nicht? ASmodi würde wohn noch komplexe kriegen wenn das hier so weiter ging.

"Umso verheerend bedrohlicher wirst du wirken, weil man dir dann schreckliche Taten nicht zutraut ... aber du wirst schon das Richtige tun, Haraxier." „Wer einem Haraxier keine schrecklichen Taten zutraut ist ein Narr… und glaube mir… Greisbart, dies denke ich auch von dir. Glaubst du ich spüre nicht, wie du dich hinter meiner Auro versteckst, wie du diesen schwächlichen Wirtskörper dazu missbrauchst deine Macht zu drosseln?! Wann wirst du dich uns offenbaren mrhrmr? In welchen Kérper wirst du fahren?“ Grollte der Dämon vor sich hin. Er verzichtete auf das haraxisch, da er wusste dass Rasputin ihn verstand und haraxisches Gebrummel wohl verdächtiger klang als celcianisches.

Sie betraten den Kasernenplatz. Es herrschte ja beinahe schon eine idyllische Stimmung. Mensch und Dunkelelf bewiesen, dass es auch anders ginge, dass durchaus ein Nebeneinander möglich war. Wuärrrhkkk! Dachte Asmodi nur. Ihn ekelten Bündnisse prinzipiell an, dennoch war auch er sich deren Nutzen durchaus bewusst – in speziellen Situationen musste man auf spezielle Bündnisse zurückgreifen. Verraten konnte man sie später schliesslich immer noch. Genau dies würden die Dunkelelfen tun, so viel stand für ihn fest. Welch ein Glück hatten sie, ausgerechnet diesen Gefühlsbestimmten König als Verhandlungspartner zu haben, der in seiner Angst um seinen missratenen Sohn jegliche Vorsicht fallen gelassen hat.

"Woher wollt Ihr wissen, ob ich dies nicht bereits tue, Asmodeus? Eure wahre Gestalt werden die Soldaten zu Gesicht bekommen, wenn Ihr Hâgen erledigt. Wir ziehen nach Kosral und von dort gen Zyranus, kommen aus dem Schutz des Waldes." Dies hob Asmodis Stimmung sichtlich an. „Guut… lebend ist mir dieser Bastard ohnehin lieber.“ Er musterte seine Armee misstrauisch. Das waren Soldaten. Krieger. Ausgelegt um gegen Soldaten und andere Krieger zu kämpfen. Nicht gegen verfluchte Magische Tore und verfluchte Magier. Zyranus auf offenem Felde anzugreifen war Selbstmord.
Schliesslich hatte er selbst, der grosse Asmodi bereits unangenehme bekanntschaft mit der Macht von Zyranus gemacht. Sie waren nicht zu unterschätzen… aber umso grösser würde der Genuss sein sie zu unterjochen und sie zu quälen für all die Demütigungen die sie ihm angetan hatten.
"Leutnant Rufus Celtim, Feldwebel Lence Dragnir." Asmodi musterte sie ruhig. Er legte seinen Kopf schief, diese tierhafte Geste die er immer zeigte, wenn er sein Gegenüber studierte und abschätze.

"Waffenmeisterin Riska Kell und ... Euren Namen kenne ich leider nicht, Herr Elf." „Mrhrr…“ Asmodi gab nur ein düsteres Grollen von sich.
""Dhamón Lyndwurm. Man nennt mich den Klingentänzer." Wie hübsch… Klingentänzer… Dachte Asmodi zynisch. Hörte sich für ihn ja nicht gerade bedrohlich an. Er stellte sich den Elfen auf einem Bein hüpfend mit seinen Schwerter herumfuchtelnd vor… nicht gerade einschüchternd. Aber wie die Katze ihn schon ermahnte, was sich harmlos anhörte, musste nicht harmlos sein.
""Ich möchte Euch jemanden vorste... ach nein, er kann es selbst tun." Er blickte zu Sturmwasser hin… dann zu den vier Kommandanten.

„Ich stamme aus den Tiefen des Harax. Man ruft mich Asmodeus und ich bin gekommen um die grösste Plage dieser vermaledeiten Welt auszumerzen und zu unterjochen. Diese vermaledeiten Magier zu Zyranus. Der Inbegriff menschlicher Überheblichkeit. Jede Minute in der diese alten Säcke atmen, beleidigen sie meine Art… aber euch eure, beanspruchen sie doch das grösste Siegel der Macht inne zu halten. Der Turm der Magier. Er steht den Dunkelelfen zu… als Pforte zu ihren wahren Verbündeten… dem Harax. Dient mir, wie ihr eurem dunklen Herren dient und wir werden siegen. Die Schätze dieser Stadt interessieren mich nicht, sie sollen euch und euren Männern gehören. Im Turm der Magie, werde ich meinen weltlichen Thron errichten… und mit jeder menschlichen Seele die ihr Quält – und euch wird es frei stehen dies jederzeit und nach eurem gutdünken zu tun – werdet ihr mich nähren und meine Macht stärken. Ein Bündnis, von denen also beide Seite zu genüge profitieren werden.“
Asmodi hielt sich tatsächlich für seine Verhältnisse ziemlich zurück mit irgendwelchen üebrschwenglichen und übertriebenen Drohgebärden und Verheissungen. Stattdessen trat er ruhig und einigermassen besonnen auf.

„Doch Zyranus ist keine einfache Stadt… darum hat Morgeria die Besten hier hin bestellt. Euch… und mich. Es wird an uns sein, den grössten Sieg davon zu tragen. Doch dafür reicht eure normale brachiale Manneskraft nicht aus… wir müssen listig und kaltblütig vorgehene, die Schwächen der Magier gegen sie ausspielen. Wir müssen ihre Stadt infiltrieren und verseuchen wie es die Pest mit einem Körper tut. Wir müssen zu deren Geissel werden.“

„Wer von euch hat schon gegen Zyraner gekämpft und welche Stärken nennt ihr eure eigenen?!“
Asmodeus war Asmodi gerade unheimlicher als sonst. Wenn er sich nämlich ungehalten und chaotisch gab, war er leichter einzuschätzen. Aber Greisbart übte gerade einen düsteren Einfluss auf den Dämonen aus und mahnte ihn doch tatsächlich erfolgreich zu einem planerischen Vorgehen. Bisher waren diese nämlich immer überstürzt und unüberlegt gewesen, Asmodeus konnte für einmal nur hoffen, dass der Dämon wieder in alte Muster zurückfiel. Für ihn stand fest… er musste vernichtet werden.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. Oktober 2013, 13:28

Der Katzendämon fuhr ein wenig die Krallen aus. Es würde Asmodi kaum schmerzen, aber spürte er wohl nun neben dem Gewicht, dass er einen Gefährten auf den Schultern sitzen hatte. Geisbart bewegte das Schnäuzchen, dass seine langen, silbrig glänzenden Barthaare an der Wange des Dämons in Menschengestalt entlang strichen. "Ich habe mich bereits offenbart, mein Freund", säuselte der Kater in feinstem haraxisch. "Im Gegensatz zu dir bin ich nur ein harmloses, niederes Geschöpf." Zum notwendigen Wirtskörper, den er für ein längeres, gestärktes Überleben in Celcia benötigte, sagte Geisbart kein Wort. Er machte es sich um Asmodis Hals herum bequem, beäugte die sich ihm bietende Szenerie. Seine Augen leuchteten beim Anblick des Dunkelelfen auf und die Ohren spitzten sich.

Rasputin Sturmwasser stellte die Grandessaner Soldaten vor. Da war der Leutnant, Rufus Celtim. Ein Bär von einem Mann, auch wenn er wohl nicht mit einem waschechten Mantroner aufnehmen konnte. Aber seine Erscheinung besaß mehr Autorität als der König hatte aufbringen können. Erhaben stand er da. Die Schultern breit wie Widderköpfe durch die metallische Panzerung, in der das Tageslicht sich spiegelte. Davon hingen purpurne Lederlappen ab, die seine Gestalt zusätzlich zierten. Alles in allem war er ein Mann, der allein durch seinen erfahrenen Blick aus der Menge heraus stach. Diese eisblauen Augen unter dem kohleschwarzen Haar besaßen eine strenge Ruhe. Er geriet mit Sicherheit nicht schnell aus der Fassung, erinnerte an einen weisen und noch immer kräftigen Wolf, der sein Rudel anzuführen wusste.

Ganz anders wirkte der Feldwebel. Lence ... der Name klang schon nach Schlange und genauso schaute er auch. Diese giftgrünen, geschlitzten Augen zeugten davon, dass er etwas Geschupptes an sich besaß. Der Name Dragnir passte zu ihm. Er wirkte schlanker noch als der Dunkelelf, trug allerdings die schwere Panzerung eines typischen grandessarischen Soldaten. Darunter mochten sich bestimmt so einige Muskelstränge verbergen. Er war ein Mann, den man wohl zu schnell unterschätzen konnte. Seine Augen ruhten auf Asmodeus ... und dann konnte dieser etwas spüren. Eine Art Stich, als drang etwa direkt in seinen Körper hinein. Der Blick vermochte, ihn in Bann zu schlagen. "Hörst du mich, Blauhaariger?" Dragnirs Mundwinkel hoben sich eine Nuance. Ebenso regte sich der Kopf an Asmodis Seite. Geisbart legte ihn fast so schief wie jener Mann, auf dessen Schultern er lag. "Hast du das gespürt, mein Freund? Wir sind nicht die einzigen Haraxier hier."

"Was soll die Warterei? Ist der Mann so stumm wie unser Feldwebel?", rief die einzige weibliche Angetretene nun. Sie mochte nach außen hin einen disziplinierten Eindruck erwecken, aber den Mund ließ sie sich eindeutig nicht verbieten. Noch so ein Rasseweib. Sie erinnerte einen Hauch an Mallahall, wenn in ihre stumpfen grauen Augen ein entschlossenes Blitzen trat. "Riska Kell, das sagte der Magus bereits. Ich bin geschulte und erprobte Waffenmeisterin. Gebt mir eine Klinge, ein Beil, einen Hammer ... Ihr werdet sehen, dass ich mit fast jeder Gattung umzugehen weiß." Keiner wagte, ihre Worte anzuzweifeln. Sie besaßen etwas Schneidiges, wie eine Peitsche, die mit ihrem Knall die Luft durchtrennte. Narben zierten ihre muskulösen Arme. Vermutlich raufte diese Frau sich nach einer Schlacht noch mit den Kameraden und Kriegshunden um ihre Essenration. Eine wirklich starke Persönlichkeit unter den zerfranst wirkenden, aschblonden Haaren.

Der Dunkelelf passte gut an ihre Seite, dieser Klingentänzer von einem Lyndwurm. Hinter ihm mochte man vielleicht eher eine dämonische Aura vermuten, aber viele Dunkelelfen wirkten, als stünden sie mit Haraxiern im Bunde. Es musste am Exotischen ihres Elfendaseins liegen. Schlank war auch dieser Mann, kleidete sich in Lederrüstung, fast so dunkelbraun wie er selbst. Er zierte diese mit einigen winzigen Knochen. Wenn Asmodeus einen Blick dafür besaß, würde er ausschließlich Fingerknochen darin erkennen. Außerdem war der Elf vom dunklen Kopf mit dem schwarzen Bürstenschnitt bis hin zu den Stiefelsohlen mit Klingen aller Art gespickt. Messer, Dolche, Wurfsterne, ein Langschwert an der einen, ein Kurzschwert an der anderen Hüfte und auf dem Rücken einen gewaltigen, dennoch schmal verlaufenden Zweihänder. Er musste sich doch bei jeder Bewegung ins eigene Fleisch schneiden!

Die Augen der vier Vorgestellten richteten sich nun auf Asmodi aus. Auch er wurde eingehenden betrachtet, von jedem einzelnen, besonders aber vom schlangenhaften Lence Dragnir, der nun offen schmunzelte. Sie lauschten seinen Worten, jeder einzelne. Als Kommandanten hatten sie alle gelernt, erst zuzuhören, dann zu denken und schließlich als letztes die Stimme zu erheben. Selbst Riska, die die nackten Arme vor der eher flach gehaltenen Brust verschränkte, als Asmodi von brachialer Manneskraft sprach. Sie schenkte ihren Begleitern einen spottenden Blick. Ja, hier musste wohl die Frau heran.
Sie trat vor, ebenso der Schlangenhafte. Leutnant Celtim und der Klingentänzer hielten sich zurück. Lence musterte Asmodi erneut. Die geschlitzten Augen ruhten auf ihm, bis ihn wieder etwas direkt in den hinteren Teil seines Denkens stach. "Ich war schon in einem, zählt das?" Der Mann grinste nun.
"Wenn man schnell ist, kann ein Magier uns kaum aufhalten. Sie bluten ebenso wie einfache Söldnerschweine und können ihre Zauber nicht mehr wirken, wenn sie stark genug verletzt sind", schickte Riska einen Erfahrungsbericht raus. "Es wird nur schwierig sein, gegen eine ganze Stadt vorzugehen. Sie sind keine Soldaten, aber eine gewisse magische Methode der Formation muss man ihnen zutrauen. Wenn wir Wege finden, jemanden nach Zyranus einzuschleusen, der von innen die Tore öffnet, sollten wir freie Hand haben."

"Es liegt an Euch, Feldherr, zu entscheiden, wie wir vorgehen werden", unterbrach Rasputin Sturmwasser den Beginn des Kriegsrates. "Zunächst solltet Ihr Euch über die Truppen informieren, diese zu leiten wissen. Immerhin müssen wir irgendwie nach Kosral gelangen. Von dort aus bis nach Zyranus sollte das kleinere Problem werden und bis dahin habt Ihr Zeit, Eure Strategien zu Ende zu planen. Wenn Ihr um magische Unterstützung bitten wollt, werde ich mich im Zirkel umhören."
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Montag 11. November 2013, 01:04

“Oh ja… so harmlos wie ein Bazillus der sich in einem Wirtskörper einnistet nur um nach genügender Brutzeit zuzuschlagen. Oh nein…mein haraxischer Freund… DU bist nicht harmlos“ Selbst Asmodi war lernfähig. Er hatte in seiner Existenz auf Celcia schon zu oft den Fehler gemacht, seine Mitstreiter zu unterschätzen. Er hatte es bei Mallahall, bei Etelin und auch beim Magierrat bitter bereut. Er würde sich nicht nochmals die gleiche Blösse geben.
“Doch es wird sich für dich lohnen, mit mir zu kooperieren und deine Absichten mit mir zu teilen, denn Zyranus… ist eine verdammte Brutstätte der Gefahr.“
Er hatte Respekt vor Zyranus und es brauchte wahrlich viel, bis Asmodi vor irgendetwas Respekt zeigte und dies auch noch offen zugab.
Er betrachtete sich seine Kommandanten eingehend. Zuerst den stäm,migen Kerl, der Rufus Celtim genannt wurde. Ihn würde er definitiv bei den Truppen vor den Mauern einsetzen. Er schien die geeignetste Galleonsfigur für einen wilden Angriff auf die Mauern zu sein. Seine Stärke und seine Wucht, würde der Truppe den nötigen Eifer zukommen lassen es ihm gleich zu tun. Er nickte ihm zu. „Kommandant“
Meinte er nur mit seiner kratzigen Stimme. Ehe er an dem Feldwebel vorüberschritt. Asmodi besass sicherlich keinen sehr eindrucksvollen Wirtskörper, trotz seiner beachtlichen Grösse war er schliesslich nicht der Körper eines Kriegers. Dennoch, mit seinen blauen, rauchigen Augen und seinem glühenden Haarkamm und seinem flammenden Ziegenbärtchen blieb seine dämonische Aura keinem Verborgen. Im Gegensatz zu Geisbart nahm er sich ja auch nicht zurück.
Lence Dragnir, der Geschuppte, war der zweite in der Reihe. Wenn er sein auffälliges Äusseres geschickt zu verbergen wüsste, würde er sich vermutlich für eine verdeckte Operation eignen. Asmodi machte nichts anderes als eine Musterung seiner Truppe. Tief in seinem Hinterkopf reifte ein Plan heran, schliesslich hatte er oft genug davon geträumt diese Festung zu schleifen und nun bekam er ungeahnte Mittel zur Verfügung gestellt…. Doch was war das? Irgendwas bei Dragnir kam ihm seltsam vertraut vor. Irgendwas….witterte er. Er sah ihn eingehender an und dann vernahm er dessen Signal. Dessen Stimme. Er wusste zwar nicht, wie ihm das gelungen war, mit Greisbart kommunizierte Asmodi ja flüsternd. Doch er nickte dem Geschuppten wissend zu. Gut…mein haraxischer Mitstreiter… doch… ich warne dich…halte dich nicht ungefragt in meinem Verstand auf! Da gab es schon von Aurelius genug Worte und Tadeleien die ihn nervten, obwohl der Mensch in ihm ruhte. Kräfte sammelte. Widerstand plante.
Nicht doch Medicus… wenn es eine freie Stadt auf Celcia nicht braucht… dann ist es Zyranus.
"Hast du das gespürt, mein Freund? Wir sind nicht die einzigen Haraxier hier." Wieder nickte der Dämon.
“Heisst dies…er weiss auch über dich bescheid…? Im Gegensatz zu Lence „vertraute“ er Geisbart bisher etwas mehr, obwohl Vertrauen ein sehr hochgegriffenes Wort war, wenn es um Asmodi ging.
"Was soll die Warterei? Ist der Mann so stumm wie unser Feldwebel?" er zog seine Augenbraue hoch. „Stumm also?“ Asmodi startete einen Versuche, Lences Fähigkeiten und Grenzen auszuloten. Beschränk sich deine Gedankenpfuscherei nur auf eine Antwort…oder kannst du mich auch hören.?
Doch dann war es definitiv an der Zeit der einzigen Frau der Gruppe seine Aufmerksamkeit zu schenken.
"Riska Kell, das sagte der Magus bereits. Ich bin geschulte und erprobte Waffenmeisterin. Gebt mir eine Klinge, ein Beil, einen Hammer ... Ihr werdet sehen, dass ich mit fast jeder Gattung umzugehen weiß." Er stellte sich direkt vor sie. „Gut…Riska…Kell…“ Grollte er. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken sie kurz mit seinem Feuer zu durchleuchten, in ihre Ängste hinein zu blicken. Doch was nützte es ihn, die Ängste seiner „Verbündeten“ zu kennen? „Ich zweifle nicht an eurer Kenntnis… darum wisst ihr sicherlich auch, wie ihr mit eurem General umzugehen habt….“ Er wurde erstaunlicherweise nicht laut, sondern sah sie eindringlich an, seine Stimme war so scharf wie eine Klinge und unmissverständlich. Er stellte klar, dass seine Autorität nicht untergraben werden sollte. Der Dämon strotzte geradezu vor Selbstbewusstsein, doch dies strahlte er aufgrund seiner kürzlichen Haraxreise, die seine dämonischen Kräfte vollständig regeneriert und „aufgeladen“ hatten, auch förmlich aus.
Er schritt weiter zum Lyndwurm. Natürlich fiel ihm die Rüstung auf, denn Etelin hatte eine ähnliche Besessen. Ob er etwa zur gleichen Zunft der Nekromanten gehörte? Vielleicht war dies aber auch sein eigenwilliges Verständnis von „Schmuck“. Er studierte dessen ganze Gestalt, die durchaus irritierend war. So viele Waffen, konnte der Kerl im Kampf doch gar nicht führen! Behinderten sie ihn nicht? Für eine verdeckte Operation zumindest… war dieser Kerl viel zu auffällig, soviel stand für ihn schonmal fest. Blieben also nur noch Lence und Riska übrig.
Der sonst eher für seine Ungeduld bekannte Asmodi, nahm sich tatsächlich die Zeit, sich die Erfahrungen seiner Truppe anzuhören. Er zuckte kaum merklich zusammen, als Lence wieder Kontakt zu ihm aufnahm.
"Ich war schon in einem, zählt das?"
Er nickte und grinste. „Sehr gut.“ Er Beschloss aber, den Kerl unter vier…beziehungsweise sechs Augen unter die Lupe zu nehmen und vorerst nicht genauer darauf einzugehen. Schliesslich war ein gewisser Wissensvorsprung manchmal durchaus von Vorteil, wenn man mehr als seine Verbündeten wusste. Die Truppenführer mussten nur so viel wissen, wie es für die Mission nötig war, alles andere würde Asmodeus in seinem eigenen Schlachtplan verankern. Man spielte schliesslich nie mit offenen Karten, schon gar nicht, wenn man ein fremdes Heer zu führen hatte, die den Launen eines schwächlichen Königs unterworfen war.
"Wenn man schnell ist, kann ein Magier uns kaum aufhalten. Sie bluten ebenso wie einfache Söldnerschweine und können ihre Zauber nicht mehr wirken, wenn sie stark genug verletzt sind" „Mrhrmm.“ Meinte er unzufrieden. Die gute Dame stellte sich dies ein bisschen zu einfach vor! Man musste es erst einmal in die Nähe eines Magiers schaffen… ausserdem hockte in Zyranus ein ganzer Haufen von denen und vereinten alle möglichen Disziplinen untereinander.
"Es wird nur schwierig sein, gegen eine ganze Stadt vorzugehen. Sie sind keine Soldaten, aber eine gewisse magische Methode der Formation muss man ihnen zutrauen. Wenn wir Wege finden, jemanden nach Zyranus einzuschleusen, der von innen die Tore öffnet, sollten wir freie Hand haben." „Gut erkannt. Etwas Ähnliches schwebt auch mir vor… nur hat Zyranus keine konventionellen Tore…, sie wir mechanisch öffnen könnten.“
Das grösste Problem war sicherlich die magische Mauer. Glücklicherweise hatte er eine waschechte Zyranerin im Petto, nur gehörte diese momentan gerade eine „Persona non Grata“, der Stadt.
"Es liegt an Euch, Feldherr, zu entscheiden, wie wir vorgehen werden" Asmodi nickte nur. DAS war ihm durchaus auch bewusst. „Sagt werter Magier, wart ihr selbst ein Kind von Zyranus? Kennt ihr die Stadt? Oder gibt es irgendeinen in den Reihen Grandessas oder der hier ansässigen Goblintruppen, der eine Ahnung von der Architektur der Stadt hat?“ Er selbst zückte die Karte der Stadt, welche sich in seinem Mantel befunden hatte, Asmodi dachte sich nichts dabei, wie sie eigentlich dorthin gekommen war, er ging davon aus, dass sie ihm von Rasputin zugesteckt worden war.
"Zunächst solltet Ihr Euch über die Truppen informieren, diese zu leiten wissen. Immerhin müssen wir irgendwie nach Kosral gelangen. Seine Miene hellte sich augenblicklich aus. „Kosral, sagt ihr, werter Sturmwasser? Nun dies trifft sich gut, mit unserer kleinen Nebenvereinbarung bezüglich dieses Bastardes den sie Hagen nennen, nicht wahr?“ An diesem Umstand hing Asmodi fest wie ein angestochenes Tier. Es galt sein Ego wiederherzustellen und die Ehre von Mallahall – ein bisschen zumindest.

Von dort aus bis nach Zyranus sollte das kleinere Problem werden und bis dahin habt Ihr Zeit, Eure Strategien zu Ende zu planen. Wenn Ihr um magische Unterstützung bitten wollt, werde ich mich im Zirkel umhören."
„nun…ich habe im Sinn eine ganz andere Einheit eures Zirkels anzufragen, werter Magus. Die ehrwürdigen Dämonenjäger…“ Er spie das Wort beinahe aus. „Ich schlage nämlich vor, dass wir Zyranus das geben, was deren Schwänze dort anschwellen lässt und sie in ihrem Ego und ihrem Stolz nur noch bestärkt.“

Er beugte sich verschwörerisch über die Karte und deutete mitten auf den Turm der Magie. „Wir werden uns direkt in ihr Herz schleusen… und sie von innen zerschlagen.“ Er schlug die Faust auf den Turm. „Doch dieses Manöver, will wohl überlegt sein. Ich brauche Spezialisten in der Stadt. Giftmischer für die Brunnen. Magier für die magischen Sicherheitsvorkehrungen, Meuchelmörder für die Rückendeckung… und Schlagkräftige Argumente für den Ernstfall. Am besten währe ohnehin, einen von uns in die Stadt zu schleusen, als Spion. Oder besitzt Morgeria dort bereits informanten?“

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Dienstag 3. Dezember 2013, 11:30

"Ich nehme es als Kompliment, dass du in mir die unharmlosen Tatsachen erkennst." Geisbart schnurrte, sichtlich amüsiert. Er zupfte mit einer Vorderpfote an Asmodeus' Kleidung herum, als rupfe er sich ein Nest zurecht. Brütete er, wie es der Dämon eben so vergleichsweise treffend beschrieben hatte? Der Katzendämon würde ohnehin bald einen Wirt brauchen, einen richtigen. Bisher lungerte er ja nur auf den Schultern des anderen herum. Allzu lange konnte er es nicht mehr aushalten. Vielleicht wartete er ja auf Mallahall oder einen potenziell guten Wirtskörper. Dabei standen hier durchaus fähige Personen versammelt. Der König lieferte Asmodeus einiges an Erfahrung an die Hand mit seinen Truppenkommandeuren. Darunter schien sich auch ein Besessener zu befinden. Noch ein Dämon oder nur jemand, dem die Kommunikation auf gedanklicher Ebene in die Wiege gelegt worden war. Dass Feldwebel Dragnir etwas besaß, zeigte sich ja schon durch seinen Schlangenblick nach außen.
Noch immer war der Mundwinkel des Mannes leicht gehoben. Stolz präsentierte er sich, doch auf die Worte, die Asmodeus nun bewusst dachte, reagierte er nicht. Er schaute ihn nur an. Funktionierte seine Übertragungen geistiger Nachrichten nur in eine Richtung?
"Wenn er wirklich ein Haraxier in einem Menschenkörper ist, so wird er meine Aura spüren. Untereinander bemerken wir doch schnell, nicht wahr?" Der Kater räkelte sich ein wenig, ohne den Blick aus seinen leuchtenden Telleraugen von Dragnir zu nehmen. Er wurde erwidert. Schlange beobachtete Katze und umgekehrt. Schließlich nickte Geisbart sanft. "Er weiß es", entschied er.
"Feldwebel Dragnir ist in der Tat stumm, Herr", beantwortete Kommandant Celtim die Frage und legte dem Schlitzäugigen geradezu kameradschaftlich eine Hand auf die Schulter. Lences Blick huschte nur flüchtig zu dem Mann an seiner Seite. Dann nickte er Asmodeus zu. "Stumm, aber nicht taub ... und zuverlässig."
Ebenso schien Riska zu sein. Das Maul vielleicht etwas weit offen, doch im Blick zeigte sich die Disziplin. Sofort nahm sie etwas Haltung an, das Lockere fiel von ihr ab, die Brust schwoll sie ein Stück weit an. "Natürlich, General. Heißt aber nicht, dass ich auch in meiner Freizeit wie ein soldatischer Hund hinter jedem her dackele, der mein Vorgesetzter sein könnte." Und da grinste sie, schräg, mit der Erfahrenheit einer Frau, die sich an oberster Position zu wehren wusste und zwar erfolgreich.

Man hatte Asmodeus offenbar durchaus fähige Personen an die Hand gegeben. Es war nun an ihm, sie sinnvoll einzusetzen. Doch bei all den kommandierenden Kämpfern hier durfte er die magische Komponente nicht unberücksichtigt lassen. Das wäre bei einem Feind wie Zyranus gar ein weitreichender Fehler. So wandte er sich an Rasputin Sturmwasser. Der Magier verzog keine Miene, strich sich lediglich durch den schwarzen Bart. "Ich bin zwar ursprünglich aus Zyranus, aber habe dort nicht gelernt. Sobald die verbotenen Künste an mir entdeckt wurden, schickte man mich hierher, zum Zirkel der Ritualmagier. Deren Kräfte werden in Zyranus nicht gelehrt." Diese Informationen konnte er ohne Umschweife preisgeben. Es wunderte ihn fast, dass Asmodeus sich dessen nicht bewusst war, bis sich Rasputin ins Gedächtnis rief, dass er hier keinen Magier neben sich stehen hatte, sondern einen Dämon.
"Die Goblins werden Euch wenig helfen, selbst wenn sie die architektonischen Gegebenheiten von Zyranus kannten", fuhr Rasputin dann fort. "Ihr werdet kaum dazu kommen, die Mauern auch nur gegen den Willen der Zyraner zu berühren. Magische Abwehrsysteme werden eine Belagerung äußerst schwierig gestalten." Umso neugieriger blickte der Magier dann auf die gezückte Karte und somit Asmodeus über die Schulter. "Ihr besitzt ...? In der Tat. Beeindruckend, wirklich. Ich bin sichtlich überrascht." Erneutes Bartstreichen seitens Sturmwassers, als er die Karte inspizierte. Diese könnte ihnen bei der Eroberung der Magierstadt wirklich hilfreich sein, vorausgesetzt man kam ins Innere.
So nickte der Mann Asmodis Worte auch nur ab, als dieser auf Kosral zu sprechen kam. Die Vereinbarung hatte er nicht vergessen und dass man jenen Ort als Anlaufstelle für eine Zwischenrast erwog, lag einzig und allein daran, dass der Dämon noch eine Rechnung mit Hagen Véllin offen hatte.
Die Aufmerksamkeit gewann Asmodeus zurück, als er plötzlich von der Spezialeinheit des Ritualmagierzirkels sprach: von den Dämonenjägern. Rasputin stutzte, hob den Blick von der Karte zum Dämon. "Dämonenjäger ... jemand wie ... Ihr ... wollt mit Dämonenjägern zusammenarbeiten?" Schwarze Brauen hoben sich über dunkler Haut. Dieser ungeplant beschworene Feldherr überraschte ihn mit jeder vergehenden Minute aufs Neue. Wieder nickte er, ahnte den Plan, welchen Asmodeus ersann und tatsächlich drangen kurz darauf die Worte auch in seine Ohren. "Ich verstehe", sagte er. "Unter diesen Umständen werde ich natürlich einige unserer Jäger kontaktieren ... das heißt, falls Ihr nicht bereits jemanden kennt, den Ihr in Euren Reihen wissen wollt, mein Feldherr."
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Sonntag 2. Februar 2014, 13:10

“Nimm es auch als gut gemeinten Rat, mich ebenfalls nicht zu unterschätzen! Ich wandle schon lange auf Celcia und kenne die Mechanismen dieses stinkenden Ortes…du hingegen bist dir noch der Duft des Harax gewöhnt und weisst noch nicht, was Hunger ist!“ Grummelte Asmodi vor sich her. “Du wirst bald eine widerstandfähigere Hülle brauchen, als jene eines einfachen Getiers.“ Bemerkte er schliesslich. Celcia zog den Dämonen sehr viel Energie ab. Es war ein absolut lebensfeindlicher Ort für Wesen des Harax. Asmodi hatte gelernt damit umzugehen, doch dies war ein Jahrelang andauernder Prozess gewesen und er hatte Zeit genug gehabt, seinen Wirtskörper entsprechend seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen. Geisbart hingegen, stand am Anfang dieser Odysse. Er sollt es also nicht wagen, Asmodi gegenüber überheblich zu werden.

Aufmerksam musterte Asmodi den potenziellen dritten Dämon in ihrer Runde. Er nickte Geisbart nur zu, genau auf diesen Gedanken war er auch schon gekommen und so forschte er nach einer Reaktion bei seinem Gegenüber. Asmodi nickte Dragnir anerkennend zu. Drei Dämonen, das wurde ja schon fast zu einer Familienzusammenkunft hier. Asmodi hatte jedoch – durch die herzlichen Bemühungen von Mallahall und auch durch Adelmund -inzwischen gelernt zu Teilen. Celcia war gross genug für sie alle drei, er konnte nur hoffen, dass diese dies auch so sahen. Feinde hatten sie hier nämlich genug.
"Feldwebel Dragnir ist in der Tat stumm, Herr" „Mrhrr…“ Brummte Asmodi nur und richtete seine Aufmerksamkeit auf Celtim, dann zu Lence. Er hatte nicht so viel Zusammenhalt erwartet bei diesen dunklen Völkern, dies überraschte ihn durchaus. Doch Überraschungen waren ja auch das Markenzeichen dieses beschissenen, mit Grünzeug verseuchten Ortes. Er war der einzige Fremdling in der Gruppe, er würde sich beweisen müssen. Er hasste es! Er hasste es!

"Natürlich, General. Heißt aber nicht, dass ich auch in meiner Freizeit wie ein soldatischer Hund hinter jedem her dackele, der mein Vorgesetzter sein könnte." Der Dämon lachte auf und funkelte ihr mit seinen rauchend blauen entgegen. „Bald… kannst du dich daran gewöhnen, wie es ist, wenn alle um dich herum die Knie vor dir Beugen, Riska.“ Er wandte sich an alle. „Diese Welt, wie auch der Harax, belohnt die Starken und verschlingt die Schwachen. Wir sind die Wölfe, gekommen um diese vermaledeiten magischen Ziegenböcke zu reissen. Doch Zyranus lässt sich nicht mit roher Gewalt einnehmen.“

Sie brauchten eine perfidere Strategie. Er hatte die Mauer gesehen und die Brandlöcher davor. Wenn man sie nicht einliess, würden sie nicht eindringen können. Die Magier mussten also dazu verleitet werden, ihr eigenes Verderben aufzunehmen. Ihm gefiel dieses Bild durchaus, waren die Magier doch so ein stolzes Volk. Es würde ein hochgenuss werden, von ihren geschändeten und in Schmach ertrinkenden Seelen zu trinken.

"Ich bin zwar ursprünglich aus Zyranus, aber habe dort nicht gelernt. Sobald die verbotenen Künste an mir entdeckt wurden, schickte man mich hierher, zum Zirkel der Ritualmagier. Deren Kräfte werden in Zyranus nicht gelehrt."

„MHrrr…ich war schon einmal dort. Es gibt mehrere Hürden, die schwierigste ist die Mauer. Selbst wenn wir drinn sind, weiss ich nicht wie sie zu deaktivieren ist, von irgendwo her müssen diese Bastarde doch ihre verdammte magische Energie beziehen… vermutlich…liegt die Quelle ihrer Macht im Turm der Magie… ihn will ich dem Erdboden gleich machen!“
"Die Goblins werden Euch wenig helfen, selbst wenn sie die architektonischen Gegebenheiten von Zyranus kannten" Asmodi dachte nach. Er musterte Rasputin. Er hatte recht. Dennoch wollte er sich nicht nur auf den Trupp innerhalb der Mauer verlassen. Dieses Unterfangen war sehr gefährlich und es gefiel ihm nicht, die ganze Streitmacht vor der Mauer zu wissen, während er selbst und sein kleiner Trupp gegen die geballte Macht der Magier antreten musste. Nein… sie mussten Chaos sähen…um Zyranus zu schleifen.

„Was denkt ihr, Rasputin… wühlen die hohen Magier gerne im Dreck? Wie tief die magische Mauer wohl ragt?“ Er erinnerte sich an dieses magische Auge, welches die Ankömmlinge begutachtet hatte und über Einlass oder Abweisung entschieden hatte… dies konnte fliegen und sich in der Luft bewegen, doch es hatte weder Arme noch Beine um sich in die Tiefe zu graben.
„Ihr werdet kaum dazu kommen, die Mauern auch nur gegen den Willen der Zyraner zu berühren. Magische Abwehrsysteme werden eine Belagerung äußerst schwierig gestalten." Er nickte. „Ja…ja… ich weiss…wir müssen uns in….Geduld…wärkrkrrk… üben.“ Er hätte nie gedacht, dass dieses widernatürliche Konzept von Geduld, welches ihm Mallahall so eindringlich versucht hatte beizubringen, sich nun doch einmal auszahlen und bewähren würde. Er hatte seinen „Freunden“ tatsächlich einiges zu verdanken.

Du abscheulicher Bastard! Meldete sich Aurelius schwach und müde zu Wort. Asmodi lachte nur selbstzufrieden und betrachtete sich die ausgebreitete Karte.
„Wir werden von der Waldseite an angreifen, da unsere Truppen von Krosal aus ankommen werden.“ Er deutete auf den Ilfar. „Der Fluss bietet eine natürliche Grenze.“ Dann verschob er seinen knochigen Finger auf die Brücke, welche eine Verbindung zu Dessaria und Santos bildete und tippte darauf.

„Vielleicht können wir einen kleinen Teil der Magier aus ihrer Stadt hinauslocken, wenn wir die Brücke zerstören. Dies wird ihnen sicherlich nicht gefallen. Ich will Geiseln. Ich will Magier, zum Verhör… und ich will ihnen zeigen, mit wem sie es zu tun kriegen. Magier sind sich Niederlagen nicht gewöhnt, es wird die Moral der sicherheitsverwöhnten magischen Bevölkerung sicherlich erheblich dämpfen, wenn wir ihre geschändeten Artgenossen präsentieren, was meint ihr?“ Je mehr Chaos umso besser, langsam kristallisierte sich tatsächlich ein umfassender Schlachtplan bei Asmodeus heraus. „Wir sollten jeden Hof, jedes Dorf und jede Ansammlung von Menschen, Händlern oder was sich sonst noch so um Zyranus herum bewegt brandschatzen und verfolgen. Die einfachen Menschen werden versuchen in den Mauern von Zyranus Schutz zu suchen. Sie werden davor stehen und um Einlass betteln und die Magier beschäftigen. Ausserdem halten wir mit der Plünderung des Umlandes unsere Truppen bei Laune.

"Dämonenjäger ... jemand wie ... Ihr ... wollt mit Dämonenjägern zusammenarbeiten?" ER nickte entschlossen. „Sofern sie sicher auf unserer Seite sind. Wenn ja, dann will ich die Besten an meiner Seite wissen, denn die Magier sollten die Lunte nicht riechen.“

Er atmete tief durch. Versuchte seine rasenden Gedanken zu ordnen und seine Pläne nochmals zusammen zu fassen. Er fragte sich ob es sinnvoll war, nur Mallahall auszuliefern und selbst bei den Truppen zu bleiben, doch eigentlich wollte er sich den Spass innerhalb der Mauern nicht entgegen lassen… und er wusste auch, dass Mallahall in der Lage war, den Leuten den Kopf zu verdrehen und für Ärger zu sorgen. Gleichzeitig gefiel es ihm aber nicht, in ihrer Nähe zu sein… denn sie konnte ihm noch immer Befehle erteilen. Vielleicht wäre es am besten, sie einfach nur hier zu lassen. Doch er traute Myra Zhai und diesem König nicht und wollte sie nicht als Geisel hier zurücklassen.
„Also... ich habe folgende Strategien:

Riska und Lence, ihr beide werdet euch in den Trupp der Dämonenjäger schleusen und mit mir die Stadt infiltrieren.“
Er verzichtete auf Celtim, dessen Fähigkeiten er lieber bei den Truppen einsetzen wollte und auf den Lyndwurm, da Dunkelelfen im Moment wohl kaum Einlass nach Zyranus finden würde, egal welcher Organisation er angehören mochten.

„Dhamón. Stellt euch eine Truppe eurer Wahl zusammen. Ihr werdet die Ausfälle und Plünderungen befehligen. Je grausamer, desto besser. Verbreitet Angst und Chaos in der Bevölkerung, doch tötet nur die Kampffähigen Männer… mit den Frauen und Kinder dürft ihr spielen wie es euren Truppen beliebt, doch sie sollten noch in der Lage sein zu den Mauern zu Laufen und um Einlass zu betteln.“
Er ging davon aus, dass dem Klingentänzer diese Aufgabe durchaus gefallen würde, er hatte etwas grausames in seinem Blick und diese Grausamkeit wollte er entsprechend nutzen.
„Celtim. Euch gebe ich den Oberbefehl über die Hauptstreitmacht und die Goblins. Sobald wir uns verschieben solltet ihr so schnell wie möglich mit der Untergrabung der Mauern beginnen. Die Haupstreitmacht, haltet ihr jedoch so lange wie möglich im Verborgenen. Lagert in Krosal, oder in den Wäldern, solange es geht. Die Hauptstreitmacht darf nicht angreifen, solange die Mauern intakt sind.“

Doch wie war die richtige Reihenfolge, der Manöver. Was war am sichersten, was am effizientesten? Er wollte erst mit der Tunnelgrabung beginnen, dann die Dörfer plündern lassen… und erst dann die Stadt infiltrieren. Dies erschien ihm am sichersten.

„Gibt es Einwände? Gibt es Schwächen in der Logik? Dann müssen wir sie jetzt ein für allemal ausmerzen.“
Du Bastard hast mehr von deinen Freunden gelernt, als du je zugegeben hast… und nutzt nun dein ganzes Wissen… um Leid und Zerstörung zu sähen.“ Mischte sich Aurelius bitter ein.
“Nein!“ Zischte Asmodi böse. “Ihr ward nur die ganze Zeit zu verblendet um wahrhaben zu wollen, dass ein Raubtier immer ein Raubtier bleibt, egal wie lange ihr versucht es zu zähmen! Eurer Ignoranz…hat Zyranus ihren Untergang zu verdanken…oh jaarhrhr… heherhrhr

Er hatte sich noch nicht entschieden, was er mit Mall tun wollte, er musste erst mit ihr reden. Er betrachtete sich den Schlachtplan. Betrachtete sich Zyranus und lächelte, weil er sich schon ausmalte wie er über die Stadt herrschen würde.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Sonntag 16. Februar 2014, 12:25

"In der Tat. Ich fühle mich wohl genährt." Geisbart gab ein schnurrendes Lachen von sich. Es klang nach einem kratzigen Kichern, bei dem selbst Rasputin Sturmwasser kurzzeitig auf den Kater aufmerksam wurde, der sich um Asmodeus' Hals legte wie ein dicker Pelzkragen. Er reckte eine Braue in die Höhe, beließ es aber dabei als einzigen, wortlosen Kommentar. Es gab Wichtigeres zu tun, als auf die Geräusche einer Katze zu achten - so glaubte er. Offenbar ahnte der Magier nicht, was sich hinter Geisbart verbarg. Oder etwa doch? Er ließ sich zumindest nichts anmerken, ebenso wenig wie der Kater selbst. Nur allzu friedlich räkelte er sich auf seinem Platz und machte einen gesunden, aber trägen Eindruck.
Ganz im Gegensatz zu dem Dämon, der sich unter den Generälen tummelte. Er erwiderte Amsodis Blick aufmerksam und sagte noch immer kein Wort. Was immer hinter Dragnir steckte, er würde es noch heraus finden müssen und vermutlich auf andere Art und Weise als durch eine Frage-Antwort-Spielchen. Allerdings würde Asmodeus eine Frage auf jeden Fall klären müssen: Inwieweit hatte Lence Dragnir, der Dämon, vor, ihn in seinen eigenen Plänen zu behindern? Vielleicht unterstellte er sich ihm jetzt, solange Krieg herrschte. Aber was würde sein, wenn Zyranus erst einmal eingenommen war? Würde ein weiterer Haraxier Besitzansprüche stellen? Auch bezüglich Geisbart musste er sich diese Frage stellen. Celcia war groß. Groß genug, dass sie sich die Reiche teilen und jeder in seinem Revier leben konnte, doch welche Gebiete würden die beiden anderen für sich beanspruchen wollen?
Asmodi musste seine untergebenen Kriegsmeister und Generäle jetzt bereits bei Laune halten. Die Moral durfte nicht sinken. Er musste ihnen Aussichten auf eine Belohnung geben, die genug Motivation versprach, ihm zu vertrauen. Wenigstens in einem Maß, dass sie ihm ungehindert folgen würden. Interessanterweise schien keiner von ihnen dagegen Einwände zu haben. Sie standen am Fuße der Treppe zum Kasernenhof, spähten aufmerksam zu Asmodeus und Rasputin empor. Und niemand sagte ein Wort. Brave, gehorsame Soldaten, ein jeder von ihnen - nun, vielleicht abgesehen von Riska. Dieses Weibsbild nahm wohl niemals ein Blatt vor den Mund. Es würde sich noch zeigen müssen, ob sie sich ein solches Recht verdient herausnehmen durfte.

Es wurde Kriegsrat gehalten. Ein jeder konnte sich einbringen und doch wog die Stimme des haraxischen Feldherrn am meisten. Der König persönlich hatte ihn für seine Pläne ausgesucht. Asmodi sollte sie nun umsetzen, sollte Zyranus vernichten. Sein Vorhaben war es, von innen heraus vorzugehen. Einen anderen Weg konnte er sich nicht vorstellen. Zu hoch wären Aufwand und Verluste, würde er seine Armee blind an die zyranischen Mauern hetzen. Und dennoch ... die Mauern waren es, die den Dämon beschäftigten. Wie weit verliefen sie unter die Erde? Er fragte den Ritualmagus.
Rasputin zog die Brauen zusammen. Mit der Linken fuhr er sich durch den schwarzen Bart, ließ die Luft hörbar aus den Nasenlöchern strömen. Erst dann, nach reifer Überlegung, erhob er die Stimme: "Mauern ragen hoch hinaus, nicht in die Tiefe. Zwergen könnte ich es zutrauen. Einige lehren sicherlich auch in Zyranus, aber die Stadt erbaut haben sie nicht. Ich würde meine Hand dafür nicht ins Feuer legen, aber ich bezweifle doch, dass die Mauer überhaupt in den Erdboden ragt."
"Dann untergraben wir sie", brachte sich Leutnant Celtim ein. Seine tiefe Stimme, in der so wenig Wärme steckte wie in einem Eisblock, vibrierte leicht und die blauen Augen blitzten auf. Das einzige Zeichen an Erregung, das er zeigte. Dieser Mann freute sich auf einen Kampf. Der Dunkelelf an seiner Seite nickte zustimmend. Auch ihm eilte der Blutdurst voraus und doch zeigten sich beide Männer mit erfahrener Ruhe. Sie waren Veteranen, die das Abschlachten genossen, sich von ihrer Leidenschaft aber nicht so stark packen ließen wie ein Jungspund, der blind für die nötige Ruhe war, die es brauchte, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Ja, hier standen keine Krieger, keine Soldaten bei Asmodeus. Es waren Offiziere. Sie wussten zu führen, ebenso sich einzuordnen. Perfekte Strategen und Kämpfer an seiner Seite.

Lence Dragnir streckte einen Arm vor. Sein Finger fuhr aus und tippte auf die celcianische Landkarte. Mehrmals. Jede einzelne Bewegung glich dem gleichmäßigen Fließen eines Schlangenleibs, der sich fortbewegte. Alles an diesem Kerl schrie nach Dämon. Asmodi konnte es nun förmlich riechen. Erneut traf ihn Dragnirs Blick und nur ein einziges Wort hallte stechend in seinem Geist: "Dschungel."
"Der stumme Feldwebel hat Recht", mischte sich Riska ein. Ihr Fingerzeig war grobschlächtiger, als sie über das üppige Grüngebiet der Karte wischte. "Der Dschungel wird unseren Truppen noch Probleme machen. Hier kommen wir nur langsam voran. Es wird an den Kräften zehren."
"Die Moral wird leiden", bestätigte der Leutnant.
Wieder war es dieser schlangenhafte Dragnir, der durch ein Fingertippen auf etwas aufmerksam machte. Seine blasse Hand glitt zum Neldoreth weiter, dorthin, wo eine kleine Stadtmarkierung zwischen den Bäumen zu erkennen war. Erneut nickte Riska. Sie hatte verstanden. "Kosral befindet sich unter Führung von diesem Dunkelelfen."
"Hâgen Véllin, ja. Unser Feldherr wird ihm einen Besuch abstatten und eure Truppen können in der Stadt rasten. Vielleicht haben die Dunkelelfen dort Sklaven gemacht, an denen sich die Soldaten austoben können. Anschließend werden sie wieder gestärkt für einen Angriff auf Zyranus sein."
"Ihr habt beinahe taktisches Potenzial, Magus Sturmwasser." Das Lob aus Celtims Mund klang spottend. Er besaß etwas Herablassendes, was seine autoritäre Gestalt nur höher über alle anderen stellte. Lediglich wenn er zu Asmodeus blickte, zeichnete sich der unterwürfige Gehorsam eines Mannes ab, der wusste, wer sein Vorgesetzter war.

Wo sich Leutnant und Magier aber über Kosral unterhielten, setzte Asmodi seine Planungen fort, gab sie bekannt. Dadurch aus dem Gespräch gerissen wiegte Rasputin den Kopf leicht. "Zyraner sind ein arrogantes Volk, manchmal schlimmer als die dunklen Spitzohren - nichts für Ungut, Lyndwurm. Ehe die Magier ihre feisten Hintern und vollgestopften Wänste aus der Stadt bewegen, muss mehr geschehen als eine zerstörte Brücke, über die sie ohnehin nicht reisen wollen. Aber vielleicht funktioniert Euer Plan auch, Feldherr. Es ist Eure Entscheidung, ich gebe nur Rat."
"Was die Brandschatzungen betrifft, hat unser Feldherr Recht. Die jämmerlichen Menschen werden hinter Mauern fliehen. Mauern, die genauso unsicher sind wie ihre Höfe." Ein Grinsen legte sich auf des Lyndwurms Züge. Er sah bestialisch gefährlich aus. Verglich man ihn mit Asmodi, Geisbart oder Lence Dragnir, so würde man am ehesten einen Dämon in dem einzigen der Vier vermuten, in dem mutmaßlich keiner steckte. Dieser Dunkelelf könnte glatt selbst Haraxier sein!
Er schnaufte lediglich missmutig aus, als Asmodi von der Zusammenarbeit mit den Dämonenjägern sprach. Außerdem schüttelte er den Kopf, blickte skeptisch zum Feldherrn auf. Seine Hand streifte dabei die Klingen einiger Dolche am Halfter seiner Schulter. "Wir genügen Euch wohl nicht."
Interessanterweise hielt sich Dragnir hierbei vollkommen zurück. Er hätte allen Grund - wie Asmodf selbst oder auch der Dämonenkater - nervös zu sein. Eine Zusammenarbeit mit jenen, die einen jagten, war vielleicht nicht die beste Idee. Aber er klagte nicht, auch nicht in Gedanken. Es war der Klingentänzer, der sich darüber ausließ, offensichtlich in seinem Stolz verletzt. "Wir könnten sie als Kanonenfutter vorschicken, wenn Ihr etwas zur Ablenkung braucht, aber alles andere ist doch absurd."
"Halt die Klappe, Spitzohr! Über die Befehle deines Feldherrn hast du nicht zu klagen." Riska nickte Asmodi zu. Er sollte seine Pläne weiter ausführen. Sie lauschte und nickte nur immer wieder, die Arme vor der Brust verschränkt. Hin und wieder bließ sie eine ihrer aschblonden Zotteln aus der Stirn. Mit ihr würde es wohl keinerlei Probleme geben und Dragnir sagte ohnehin nichts gegen die Befehle des anderen Dämons.
Der Lyndwurm ließ sich dann aber besänftigen, als man ihm das Kommando über die Plünderungstruppen zusprach. Aufmerksam nickte er und spähte über das Grasland. Höfe, nicht einmal Dörfer waren dort verzeichnet. Dennoch würde er sie finden und dem Erdboden gleich machen. Er würde überfallen, rauben, schänden und töten. Alle. Nicht einmal der jüngste Säugling oder der gebrechlichste Greis sollte ihm entkommen. Es funkelte in den Augen des überstark Bewaffneten.
Diesen Ausdruck an Grausamkeit teilte Leutnant Celtim beinahe mit ihm. Im Blick des Mannes lag jedoch eine abgestumpfte Kälte. Er war auf den Kampf aus, nicht auf das Leid, das dieser verursachte. Ein einfaches Nicken gen Asmodeus und für ihn waren die Befehl klar. Er hatte alles an die Hand bekommen, was er wissen musste, abgesehen von einer zu klärenden Sache: "Ich benötige ein deutliches Signal, um zu wissen, wann die Mauer zu untergraben ist. Die Truppen befehlige ich durch Boten dann aus den Wäldern ins Grasland, doch die Vorarbeit muss reibungslos verlaufen. Feldherr, setzt mir aus Zyranus heraus ein deutliches Zeichen."
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Montag 30. Juni 2014, 15:47

Asmodi strich sich immer wieder über seinen blauen Ziegenbart und musterte konzentriert die Karte. Das war nicht gerade Einfach, denn ihm rasten tausende von Gedanken durch den Kopf und immer wieder meldete sich auch Aurelius klagend zu Wort. Doch der Dämon liess sich nicht beirren. Er suchte nach Fehlern, nach Lücken. Ja… Asmodi hatte tatsächlich so einiges gelernt, seit er mit Mallahall, Etelin und Zanraia herumgezogen war. Dies machte ihn letztendlich noch gefährlicher, da er Konzepte wie Geduld schamlos ausnutzte.

„Wir werden die Mauer an mehreren Stellen untergraben… und zwar hier.“ Er deutete mit seinem Finger auf jene Stelle, welche sich gerade auf der anderen Seite des Hauptzuganges zur Stadt befand. „Ihr werdet die Dörfer plündern, die Bewohner schänden, aber ihr dürft sie nicht töten… treibt sie stattdessen über die Brücke zur Stadt zur Mauern. Die Männer sind mir egal, doch ein paar mit abgehackten Händen dürften auch von Nutzen sein an der Mauer. Wir sollten ein Regiment aus Grandessarer als Bauern verkleidet mit der Meute mitschicken, sie können die Stimmung gegen Zyranus anheizen… und sollten sie tatsächlich in die Stadt aufgenommen werden, haben wir bereits eine ganze Einheit eingeschleust.“

"Zyraner sind ein arrogantes Volk, manchmal schlimmer als die dunklen Spitzohren - nichts für Ungut, Lyndwurm. Ehe die Magier ihre feisten Hintern und vollgestopften Wänste aus der Stadt bewegen, muss mehr geschehen als eine zerstörte Brücke, über die sie ohnehin nicht reisen wollen. Aber vielleicht funktioniert Euer Plan auch, Feldherr. Es ist Eure Entscheidung, ich gebe nur Rat." „Mhrrrmm… nun gut, dann geben wir unseren Männern in der Meute die Anweisung, vor den Toren Zyranus ein paar Kinder und Frauen zu schänden. Selbst sie werden reagieren müssen, wenn sich die Leichen vor ihren Toren stapeln. Man soll dafür sorgen, dass die Meute an die Lichtmagier appelieren… diese sind besonders Angreifbar, wenn es um solche Grausamkeiten geht. Sollen sie sich intern nur darum streiten, ob sie helfen sollen oder nicht, dies sät nur wohlbringenden Zwietracht in ihren eigenen Reihen!“

Er hielt inne und dachte einen Moment nach. „Die Infiltrationsgruppe muss vor dem Ansturm Zyranus erreichen, sonst lassen die uns wohl kaum noch rein. Wenn wir alles richtig machen, werden sie kaum die Zeit haben, sich um uns zu kümmern, ich gehe davon aus, dass nur meine Sklavin und ich wirklich gefangen gehalten werden. Vermutlich irgendwo im Turm. Es bleiben also die Dämonenjäger und ihr, die dann losschlagen können. Vergiftet ihre Brunnen, legt ihre Versorgungsketten lahm, streut Gerüchte, doch verhaltet euch sonst ruhig und verdeckt. Wir greifen den Turm erst an, wenn die Mauern untergraben sind.“

Das alles würde ziemlich schwer zu Timen sein und war sehr riskant, doch wer glaubte Zyranus ohne Risiko einnehmen zu können, der war naiv. "Wir genügen Euch wohl nicht." Asmodi schnaubte und funkelte dem Spitzohr finster entgegen. „Wir genügen Zyranus nicht, glaubt ihr ernsthaft, Zyranus würde den Köder fressen, wenn der grosse Asmodi von einem Haufen unbekannter Dämonenjäger angeschleppt werden würde? Nein…wir brauchen bekannte und etablierte Jäger.“

„Kosral…“ Murrte der Dämon nur. „Ich habe nicht vor mit diesem Bastard von Hâgen zu kooperieren. Wir werden die Stadt besetzen, ihn hinrichten und das Kommando übernehmen. Ihr seid meine Generäle, kein anderer.“ Er versuchte seine persönliche Rache möglichst schmackhaft für seine Generäle zu verpacken. „Wir werden das Heer dort rasten lassen. Rasputin, ihr könntet einen Befehl zu Hâgen schicken, er soll seine Männer dort und die Sklaven anweisen Breschen in den Dschungel zu schlagen, bis unsere Streitmacht dort ist.“ So würde er die dortigen Truppen beschäftigen und schwächen, was eine Übernahme des Kommandos letztendlich nur erleichtern dürfte.

Es galt so vieles zu berücksichtigen und langsam hatte der Feldherr das Gefühl den Überblick zu verlieren. Er rieb sich die Stirn. „Ein verfluchtes Signal…ja..“ Knurrte er. Mallahall konnte eins geben, er wusste, dass sie in der Lage war Lichtkugeln zu formen. Doch nicht, wenn sie im Turm festhockte. Sie konnten nicht einfach ein Feuer Legen in der Stadt, die Wassermagier waren verdammt schnell zur Stelle und würden es löschen, ausserdem müsste es wohl schon ein gigantisches Feuer sein um es auch ausserhalb der Stadt gut sehen zu können.
„Ihr müsst graben. Schon von Anfang an. Die Dämonenjäger könnten Brieftauben verschicken, mit belanglosen Nachrichten, um euch ein Zeichen zu geben.“
Tatsächlich fiel ihm bei diesem Punkt nichts besseres ein. Er schwieg eine ganze Weile lang. „Ich will mich zurückziehen und mich mit meiner Dienerin beraten… sie ist Zyranerin und kennt jeden Winkel der Stadt. Wenn es einen weiteren Schwachpunkt gibt… dann wird sie ihn mir nennen.“ Meinte er verheissungsvoll. „Kümmert euch währenddessen um eine passende Ausrüstung, wir werden es mit Magiern zu tun kriegen, welche die Elemente beherrschen. Wir brauchen schnelle, wendige Soldaten. Schweres Belagerungsgerät ist Sinnlos, ebenso wie Katapulte oder ähnliches. Bereitet euch auf den Marsch nach Korsal vor. Wir werden uns in kleinen Kompanien dorthin verschieben, mit einigen Tagen abstand dazwischen. Ich will nicht, dass Zyranus irgendwas von der Invasion mitbekommt. Die definitiven Befehle werde ich euch dann beim Aufbruch geben.“

Er würde vermutlich noch mit einzelnen seiner Generäle sprechen, doch dafür war später noch Zeit. Er wollte sich erst um Mallahall kümmern. Er hatte sie nicht mehr gesehen, seit sie hier waren und aus dem Harax war sie in einem erbärmlichen Zustand gekommen…so dass er sich… um sie….sorgte…irgendwie.
Wuäarkrrh! Er verabschiedete seinen Kriegsrat und wandte sich Rasputin zu. „Führt mich zu ihr. Ich will unter vier Augen mit ihr sprechen.“
Nun musste er nur noch Griesbart loswerden. Er wollte nicht, dass dieser seine Beziehung zu Mallahall mitbekam, da dies eine fatale Schwäche von ihm war.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 17. Juli 2014, 14:24

Der Plan schien perfekt. Asmodi war die richtige Natur, um einen solchen Eroberungszug einzuleiten, vielleicht gerade weil er keiner der klassischen Kriegsdämonen darstellte, die auf Blut und Verderben aus waren. Nein, er säte Intrigen und schlich sich unter die Reihen seiner Feinde wie ein unbemerktes Gift, um im rechten Moment zuzuschlagen. Und er nutzte das Wissen, das ihm Etelin und Mallahall in guter Absicht hatten zukommen lassen. Wissen wie den bei so vielen Lichtmagiern vorhandenen Heilerkomplex. Sie waren darauf aus zu helfen und würde niemanden vor der Stadt seinem Schicksal überlassen, wenn solche von feindlichen Horden geschändet oder getötet würden. Erst recht nicht, wenn es sich um Kinder handelte.
Einzig, was nach wie vor aufstieß, war der Wunsch, Dämonenjäger einzusetzen. Zumindest beim Lyndwurm. Er mochte sich nicht länger beklagen, doch überspielte er sein Missfallen nicht und zeigte seine gekränkte Miene offen. Rasputin hingegen spielte den Vermittler, eine Rolle, die man dem unheimlich wirkenden Magier sicherlich nicht zutraute. "Habt Ihr etwas Bestimmtes mit dem Turm vor, Feldherr? Er ist ein Wahrzeichen der magischen Stadt." Die gelben Augen des düsteren Mannes funkelten auf. "Wollt Ihr ihn niederreißen?" Das würde selbst Rasputin Sturmwasser gefallen, denn er als Ritualmagier war schon immer kein gern gesehener Gast in Zyranus. So könnte er es diesen feisten Zauberern endlich zeigen.
Man schmiedete also Pläne, auch in Hinsicht auf Kosral. Riska lachte auf, als sie hörte, was ihr Feldherr selbst mit einer Stadt vor hatte, die vom Bündnispartner eingenommen war. Lyndwurm schwieg erneut und Dragnir zeigte ein stilles Lächeln. Lediglich Celtim zeugte nun von einer Miene, die kein Einverständnis für diese Vorgehensweise bereit hielt. Wie schmackhaft es Asmodi seinen Gefolgsleuten wirklich mit den Worten machte, würde sich noch zeigen. Nicht alles dachten hier in seinen Bahnen, aber sie gehorchten ihm und akzeptierten ihn. Das war ein nennenswerter Punkt. Er musste dieses Ansehen wahren und seine Generäle gefügig halten. Kriegsführung war kein leichtes Spiel, nicht einmal mit den eigenen Figuren, denn sie waren keine Bauern auf einem Schachbrett. Nicht diese Generäle. Sie standen neben und um ihren König wie die wichtigen Hintermänner, die sie waren. Und irgendwo dort würde Asmodi auch noch die weiße Dame finden, sie in seinen Plan eingliedern. Die weiße Dame ... Mallahall.
"Ich werde alles Entsprechende in die Wege leiten, denn ich sagte Euch meine Hilfe gegenüber Hâgen Véllin zu", meinte er Magus. Sein stechender Blick traf daraufhin jeden einzelnen der übrigen Generäle. Celtim erwiderte ihn ebenso bohrend. "Ich fasse zusammen", erklärte der Veteran schließlich und nahm es Asmodi somit ab. Sie würden alle eine bessere Übersicht haben, sobald sie noch einmal reviderten, wie der Plan aussah. "Wir werden Richtung Kosral ziehen, um dort unsere Truppen zu sammeln und zu rasten. Vordergründig natürlich, wenngleich einige diese Rast auch wirklich werden beanspruchen wollen. Hâgen Véllin erhält Nachricht, eine Bresche in den Kapayu zu schlagen, damit wir sicherer durchkommen. Der Hintergedanke ist eine Schwächung seiner stationierten Soldaten, um Kosral unter unserem Banner einzunehmen. Die Stadt im Neldoreth wird unter grandessarischer Herrschaft stehen, ihre Truppen werden sich unseren anschließen oder sterben."
"Lasst das mal den König nicht hören", murmelte Lyndwurm mit verschränkten Armen. Er erhielt einen Rüffel von Riska. Celtim fuhr fort: "Ausgeruht machen wir uns auf den Weg nach Zyranus. Zunächst schickt Dhamón Lyndwurm einige seiner Streitkräfte in die Dörfer und auf die Höfe. Er treibt mit den Bewohnern des Graslandes ein Spielchen, hetzt sie und jagt sie schließlich auf Zyranus zu. Zuvor müssen die Dämonenjäger unseren Feldherrn und seine Sklavin nach Zyranus geschafft haben. Einige unserer Männer können als Kohorte mit entsandt werden, aber nicht alle. Ich selbst werde auf gegenüberliegender Seite des Stadttores die Mauern untergraben lassen. Hierzu benötige ich Unterstützung von ... Riska, erledigt Ihr das? Wir werden die rugtaner Zwerge für uns arbeiten lassen." Er unterbrach sich und musterte Leutnant Dragnir. Diesem war noch keine Aufgabe zuteil geworden oder hatte man sie in der Übersicht nun verloren? Der Mann schwieg ja auch, was nicht dazu beitrug, auf sich aufmerksam zu machen. "Leutnant, Ihr ... ach, es wird sich zeigen, wie wir uns letztendlich einsetzen lassen. Das erste Ziel nennt sich Kosral."

Der blauhaarige Dämon verteilte letzte Befehle und Anweisungen. Es war genug Kriegsrat gehalten, zumindest mit seinen Generälen und dem Magier. Er wollte zu Mallahall, musste sie nach weiteren Schwachpunkten ihrer Heimat ausfragen. Außerdem würde er sich ohnehin nach ihrem Zustand erkundigen müssen. Vielleicht konnte sie ihm immer noch nicht antworten. Sie hatte unter dem Einfluss des Harax gestanden, wäre beinahe der Herrin der Succubi erlegen und das ohne fleischliche Gelüste!
Es stand fest, Asmodi konnte sich nicht sperren: er musste sie sehen. Rasputin nickte ihm zu, führte ihn dann nach einem respektvollen Abschied den vier Generälen gegenüber zurück in das Schloss hinein. Es ging durch lange, von schweren Teppichen gepolsterte Korridore. "Ich habe sie in einen Gästeflügel bringen lassen, der neben ihrem drei weitere Schlafzimmer, ein Bad und zwei Salons umfasst. Ihr könnt auch die dortige Bibliothek beanspruchen. Sie ist klein und umfasst hauptsächlich unterhaltsame Schriften. Schlüpfriges, das den König und seine Mätressen anregen soll." Der Magus machte kein Geheimnis daraus, was vermutlich halb Grandessa dachte. König Hendrik der II. macht sich nicht viel aus seiner Gemahlin. Sicher, sie war eine ehrbare, erhabene Frau, aber dem Mann an ihrer Seite fehlte es da wohl an jugendlicher Festigkeit und Attraktivität. Doch das war nichts, worum sich Asmodeus kümmern musste oder was ihn wirklich interessieren könnte. Er wollte Mallahall sehen.

Da lag sie. Plötzlich war sie einfach da und sah so friedlich aus, so unantastbar und wertvoll. Würde sie nicht atmen, könnte man sie für tot halten. Rings um ihr Bett standen einige grandessarische Heiler, darunter zwei Assistentinnen mit hübschen Hauben. Der Medicus notierte sich ihren Zustand auf einem Pergament und behielt die Übersicht, während seine Helferinnen und der Heiler in Ausbildung wie es schien die Bettdecke zurechtzogen, unter der Mallahalls schlanker Körper ruhte. Neben dem Bett stellte die Rothaarige der beiden Pflegerinnen soeben eine Kanne ab. Sie hatte etwas in eine Tasse gegossen.
"Wie sieht es aus?", erkundigte sich Rasputin, als er mit wallendem Gewand eintrat. Der Medicus nickte ihm grüßend zu, rückte dann seine Augengläser zurecht. "Sie ist stabil. Genug Schlaf und sie sollte wieder auf den Beinen sein, was ihren körperlichen Zustand betrifft. Wie sie sich verhalten wird, wissen wir erst nach ihrem Erwachen."
"Das heißt, sie war die ganze Zeit über ohne Bewusstsein?"
"So ist es. Wenn sich daran nichts ändert, werden wir sie über einen Schlauch ernähren müssen, damit sie nicht verhungert."
Das klang weniger angenehm. Dabei sah sie so makellos aus wie sie da im Bett lag! Geisbart, der noch immer auf den Schultern des anderen Haraxiers lag, leckte sich über die Schnauze. "Ich könnte ihr Leben einhauchen", raunte er Asmodi leise zu. "Wie funktioniert das mit der Körperübernahme?"
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Montag 28. Juli 2014, 16:49

Asmodi rieb sich die Hände. Er war zufrieden mit seinen Plänen. Vor wenigen Tagen war er noch ein unbedeutender Dämon gewesen, der als persönliches Haustierexperiment von Etelin und Mallahall fungiert hatte. Sie mochten es Nächstenliebe nennen, sie mochten es "die Hoffnung an das „Gute“ in einem Dämon" nennen. Letztendlich hatten die beiden auch keine Ahnung gehabt, worauf sie sich mit ihm eingelassen hatten und einfach nur herumprobiert, ohne die Konsequenzen ihres Tuns auch nur zu erahnen. Asmodi hatte den beiden bisher nicht sonderlich viel Glück gebracht. Etelins Reputation war dauerhaft geschädigt und Mallahall war drauf und daran alles zu verlieren… letztendlich vielleicht sogar ihr Seelenmonopol...Doch eins nach dem andern.

„Habt Ihr etwas Bestimmtes mit dem Turm vor, Feldherr? Er ist ein Wahrzeichen der magischen Stadt. Wollt Ihr ihn niederreißen?" Der Dämon drehte sich zu Rasputin um und legte ihm seine Hand auf die Schulter. Er grinste ihn böse und verschlagen an. Sein Seelenfeuer diente dazu, Ängste und Sorgen eines Menschen sichtbar zu machen, für dessen Wünsche und Gelüste, brauchte er ihnen jedoch nur in die Augen zu schauen. „Das wäre doch viel zu leicht.“ Säuselte er. Alle Dämonen waren letztendlich vermutlich auch Verführen. Weil sie das zu denken und auszusprechen wagten, wovon andere vielleicht höchstens Träumten. Dämonen kannten keine Tabus. Dabei war Asmodis Vorhaben mit dem Turm – im Vergleich zu seinen anderen Vergeltungsplänen, auf den ersten Blick betrachtet eher marginal. „Nein… wir werden dort das Zentrum der Ritualmagier und allen anderen verbotenen Zünften errichten. Der Turm sollte euch gehören Rasputin. Euch und eurer Zunft. Mitten im Herzen jener, die euch in ihrer Arroganz verstossen haben, so dass sie ihre Niederlage jeden Tag sehen müssen. Diese Schmach wird ihnen weit bitterer schmecken, als die pure Zerstörung.“ Damit glaubte Asmodi zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Einerseits war er wirklich davon überzeugt, dass seine Idee die Zyraner weit mehr treffen würde, als jene einer Zerstörung des Turms, andererseits hoffte er so auch Rasputin an sich binden zu können. Er hatte schliesslich von seinen stets hilfsbereiten Lehrmeistern gelernt, dass die Aussicht auf Belohnung sehr motivierend sein konnte. “Ist dir denn gar nichts heilig.“ Schallte es frustriert durch seinen Geist. Asmodi lachte nur, allein schon die Absurdität dieser Frage reichte aus, damit er sie als rein rhetorisch betrachtete. Als könnte einem Dämon irgendwas heilig sein… pha!

Er beobachtete seine Anführer genau. Riska schien er definitiv auf seiner Seite zu haben. Mit dem Dämonen Dragnir würde er ohnehin noch gezielt sprechen müssen, denn die Dämonen drehten für gewöhnlich ohnehin ihr eigenes Ding. Aus dem Lyndwurm wurde er nicht ganz schlau. Lag vielleicht daran, dass dieser ein Dunkelelf war. Asmodi hatte es nicht so, mit so filigranen Geschöpfen. Celtim war ein Mann mit Format. Er stimmte vielleicht nicht allen Plänen zu war aber wohl ein Kriegsveteran und daher schlussendlich Befehlsgewalt gewohnt. Asmodi mochte die Grandessarer durchaus am besten, denn mit Menschen hatte er am meisten Erfahrung. Soweit seine Einschätzungen der Truppe.

"Ich werde alles Entsprechende in die Wege leiten, denn ich sagte Euch meine Hilfe gegenüber Hâgen Véllin zu" „Gut.“ Murrte Asmodi nur. Sollte Rasputin über seine Rachegelüste denken was er wollte. Rein militärisch gesehen war es nicht geschickt, einen Nebenbuhler neben sich selbst zu tolerieren, der sich an der eigenen Belegschaft vergangen hatte. Sowas machte bei den eigenen Generälen, die es ja noch von sich restlos zu überzeugen galt, nicht unbedingt einen sonderlich autoritären Eindruck. So konnte Asmodi sein Vorhaben zumindest politisch begründen, wenn er denn wollte. Insgeheim ging es ihm aber tatsächlich nur um seine persönliche Schmach und um Rache. Bittere Rache für die Schändung seiner Herrin!

War ihm also wirklich nichts heilig? Asmodi verschwendete keinen Gedanken daran. Aurelius schon. Der dämonische General hörte sich die Zusammenfassung seines Offiziers an und nickte schliesslich. Tatsächlich hatte er Dragnir noch keine Aufgabe zugewiesen, weil er noch nicht wusste, was diesen Antrieb. Doch darum würde er sich später kümmern. Krosal dürfte vermutlich selbst für Dragnir nur von geringem Interesse sein… und Rasputin? Was trieb ihn wirklich an? Er konnte den Ritualmagier nicht wirklich einschätzen, doch er wollte ihn nicht zum Feind werden. Er hatte schliesslich einen Eindruck von dessen magischen Fähigkeiten erhalten… die sich sehr gut gegen einen Dämonen richten könnten. Nein, er brauchte ihn als seinen Verbündeten… und er brauchte Mallahall.

"Ich habe sie in einen Gästeflügel bringen lassen, der neben ihrem drei weitere Schlafzimmer, ein Bad und zwei Salons umfasst. Ihr könnt auch die dortige Bibliothek beanspruchen. Sie ist klein und umfasst hauptsächlich unterhaltsame Schriften. Schlüpfriges, das den König und seine Mätressen anregen soll." Asmodi knurrte nur und winkte ab. „Wie auch immer“. Fauchte er. Der König interessierte ihn nicht. Er war ihm bei der Audienz als schwach und weinerlich erschienen, Krank vor Sorge um seinen ausgebüxten Erben. Jämmerlich!

Er selbst wusste seinen Sohn wenigstens an einem sicheren Ort. Auch wenn er fürchtete, dass Etelin und dieses verfluchte Elfenbuschdorf mit all seinen unaussprechlich „netten“ Einwohnern, wo scheinbar täglich die Sonne zu scheinen schien, ihn verweichlichen könnten. „Wärk!“ Knurrte er bei dem Gedanken laut vor sich hin und folgte Rasputin, ohne seinen Kommentar weiter darzulegen.

Seine Anspannung nahm zu, als sie sich dem Zimmer seiner Herrin näherten. Endlich entdeckte er sie. Die vielen anwesenden Leute, die so ernst und gewichtig taten störten ihn und machten ihn nervös. Auch Aurelius Unruhe, machte ihn nervös. Er sah sie lange an. Asmodi begehrte seine Herrin. Sie hatte eine scheinbar magnetische Anziehungskraft für ihn. Vermutlich weil eine Lichtmaga wie sie, etwas Unmögliches für einen Dämon war, denn von unmöglichen Dingen, wurde seine Spezies besonders Angezogen, fühlte sie sich besonders herausgefordert. Doch da war noch mehr. Er hatte sie zu seiner Herrin erwählt, ihr seine Träne geschenkt. Sie war viel mehr. Zu viel, vermutlich. Er wollte es sich selbst nicht eingestehen, doch Mallahall, Zanraia und die ganze Gefolgschaft, war die Schwäche, welche er sich geleistet hatte.

Asmodi spannte sich an, als der Medicus berichtete. "So ist es. Wenn sich daran nichts ändert, werden wir sie über einen Schlauch ernähren müssen, damit sie nicht verhungert." „BLÖDSINN!“ Paffte er den Medicus wütend an und stapfte auf die Bewusstlose zu. Er sah sie an. Sie war wunderschön. Er knurrte. Ihre Bewusstlosigkeit störte ihn. Was erlaubte sie sich eigentlich? Er brauchte sie an seiner Seite. Stark und Willig sich seinen Plänen zu unterwerfen. So naiv kannst du nicht sein, sie wird dir niemals helfen! HALT DIE KLAPPE!

Da schaltete sich Geisbart ein. Seine Worte lösten bei Aurelius heftigen Widerstand aus, als Asmodi darüber nachdachte. Die beiden Seelen konnten keine Geheimnisse voreinander haben. Das war Segen und Fluch zugleich, je nach Situation. Das wagst du nicht! Hast du denn nicht wenigstens so etwas wie Respekt vor deiner Herrin! Du willst Hagen rächen, weil er sie vergewaltigt hat… und ihr nun selbst die Seele ruinieren! SEI STILL! Asmodi vergewisserte sich, dass die Ärzte und auch Rasputin den Raum verlassen hatten, ehe er sich dem Dämon zuwandte. Es war definitiv an der Zeit, ihn von seinem Nacken zu kriegen. Greisbart war im Harax ganz nützlich gewesen... aber nun fing er an unangenehm zu werden. Irgendwie.

“Das hättest du wohl gerne! Halte mich nicht für einen Narren, solange du im Körper dieser schwächlichen Gestalt steckst... ich weiss, dass du dir dadurch vorteile mir gegenüber erhoffst… doch du irrst dich ohnehin.“ Antwortete der Dämon und drückte etwas fester zu. Er würde den Hals der Katze ohne Mühe zerdrücken können, wenn er nur wollte. Es gab mehrere Gründe, warum diese Option für Asmodi nicht in Frage kam. Mallahall war seine Herrin, er wäre ja ein kompletter Vollidiot, wenn er die Kontorlle über sie an seinen potenziellen zukünftigen Konkurrenten übergeben würde. Natürlich konnte Greisbart dies nicht wissen, doch so war es nun mal. Ausserdem war Mallahall eine sehr mächtige Lichtmaga. Er war sich nicht einmal sicher, ob ein Dämon in ihr überhaupt würde überdauern können. Sie würde ihn wohl eher vernichten… oder er sie. Dieser Gedanke behagte ihm nicht. Ausserdem war sie „seine“ Herrin. Sein Spielzeug, wenn man so wollte und er mochte nicht teilen. Das musste er schliesslich schon mit zu vielen Leuten tun. Ausserdem…Wollte er ihr das nicht antun.

… ist es das? Ist es wirklich das? Ach was ärgerte sich Asmodi, dass Aurelius diesen letzten Gedankengang mitgekriegt hatte. Er wollte nicht dazu stehen. Wollte es selbst nicht wahrhaben. Lass mich!

“Mallahall ist keine Option. Sie ist eine Lichtmagierin. Celcia ist als Lebensraum schon feindlich genug… ein Hort der Lichtmagie… bist du Lebensmüde?! Ausserdem ist mir Mallahall von grösserem Nutzen, wenn sie autonom agiert. Sie ist meine Dienerin und mir hörig genug… es gäbe bessere Wirtskörper für dich… bessere… für… Er sah sich nochmals im Zimmer um und hielt Greisbart ganz nah sein eigenes Gesicht. “Für uns Dämonen… Zyranus…ist nur eine kleine Stadt. Ein Ausgangspunkt. Zyranus wird eine ganz nette Abwechslung sein. Doch wird uns diese Stadt genügen?“ Er grinste böse. “Du hast den König gesehen, wie schwach er ist, wie schwach sein Geist… er ist nur eine Marionette, mit scheinbarer Macht. Ein leichtes Ziel. Der dürfte dir zur Not reichen… doch…“ Hatte Asmodi das Talent, andere Dämonen zu verführen? “Du bist vermutlich weit mächtiger, als du zugibst, nicht wahr? Dann solltest du ja einer…echten Herausforderung gewachsen sein…die uns direkt ins Zentrum der celcianischen Macht bringen könnte… Das blau in seinen Augenhöhlen loderte auf. Allein schon der Gedanke daran erregte ihn irgendwie, machten ihn hungrig und gierig und war vermutlich wieder Ausdruck eines typisch dämonischen Grössenwahns. Doch vielleicht war dies wirklich die eine Chance, für die wenigen Ausserwählten Dämonen, die auf Celcia Fuss gefasst hatten. Die eine Chance, die sie nun gemeinsam ergreifen mussten und vielleicht war Asmodi gerade der richtige Initiant für dieses Projekt. Weil er den Dämonen etwas bisher beinahe blasphemisches Vorschlug: Kooperation. Stabiles gemeinsames Hinarbeiten auf ein grösseres Ziel.

“Ich schlage dir deshalb vor: Nimm dir Myra Zhai, sofern du das kannst.“ Die kurze Begegnung mit ihr hatte ausgereicht um sich von ihrer Macht zu überzeugen. Er griff sich in den Nacken nach dem Kater. "Am besten suchst du sie gleich auf Er wollte mit Mallahall wirklich... alleine sein. Es reichte schon, wenn ein ungebetener Gast - nämlich Aurelius - anwesend war.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Freitag 22. August 2014, 15:23

Kaum zu glauben, dass Mallahall ursprünglich aus Zyranus stammte. Sie sah so schön und makellos aus, wie sie da auf dem Bett lag, dass man ihr durchaus hymlianische Wurzeln hätte zurechnen können. Die blonde Mähne ihres wallenden, vollen Haares legte sich wie flüssiges Gold über ihre Schultern, umrahmte ihren vollen Busen und reichte beinahe bis zu den Ellenbogen. Die Hände hatte man ihr auf dem flachen Bauch gefaltet. Asmodeus wusste, dass sich unter dem Stoff der Kleidung, welche man ihr angelegt hatte, eine Narbe über den Bauch zog. Ein Stigma, verursacht durch die Abenteuer, die sie mit dem Dämonenmedicus bestritten hatte. Etwas, das ihr ewig anhaften würde, ebenso wie die beiden bläulichen Strähnen, welche sich bis in ihr Gesicht kringelten. Ihr Ausdruck war entspannt. Reglos ruhte sie wie tot. Und doch bebten ihre Nasenflügel leicht, wenn sie atmete. Die Bewusstlosigkeit hielt an. Etwas, womit sich der Dämon erst einmal würde abfinden müssen. Mallahall machte keine Anstalten zu erwachen. Dabei war es so essentiell notwendig, dass sie Asmodi an einem Ohr packte und ihm Einhalt gebot. Sie besaß die Fähigkeit dazu. Sie war von ihm als seine Dämonenherrin auserkoren worden. Ihr hatte er eine haraxische Träne geschenkt. Sie war die weiße Dame!
Eine Dame, die schlief. Was sie wohl träumte? Vielleicht könnte es Geisbart, der Dämonenkater, herausfinden. Noch immer räkelte er sich auf den schmalen Schultern des Mannes, dem er einen Weg aus dem Harax gezeigt hatte. Dreist war er natürlich mitgereist. Welcher Dämon ließ sich die Chance schon entgehen? Im Moment zeigte er sich ganz ruhig, geradezu zufrieden, selbst als er seinen Vorschlag äußerte, Mallahalls Körper zu übernehmen. Nur die Barthaare zuckten einmal. "Ich erinnere mich an keine Magie, die mir etwas anhaben kann." Oh, stolz war er, dieser Kater. Und arrogant, denn er sprach es voll erfahrener Überzeugung und ganz so, als hätte er nicht die erste Reise nach Celcia angetreten. Überraschend, dass ihm die Körperübernahme fremd erschien. Trotzdem wirkte er von sich überzeugt. Er war ein listiger Dämon, aber er kannte seine Stärken. Eine davon schien ein von den Göttern gesegneter Nacken zu sein. Asmodi spürte den Widerstand, als er etwas mehr zudrücken wollte. Es fühlte sich so an, als wollte er mit seinen kleinen, menschlichen Fingern einen Berg zerquetschen. Der Kater hingegen schien sich nicht einmal sonderlich anzustrengen, dem zu widerstehen. Lediglich seine Krallen ruhr er etwas mehr aus und somit durch die Kleidung des Medicus', bis sie tief in sein Fleisch piekten. Ein unangenehmen, aber noch lange kein allzu schmerzhaftes Gefühl.
"Interessant", maunzte der Kater. Seine hellen Augen leuchteten auf, ebenso der kleine Karfunkel auf seiner Stirn. Er taxierte Mallahalls ruhende Gestalt. Erneut zuckten die Barthaare und er wiederholte sich: "Interessant. Sie muss dir viel bedeuten oder zieht es die Motte zum Licht?" Auf Asmodis Fragen ging Geisbart in keinster Weise ein. Sollte dieser sich die Antworten doch selbst erarbeiten. Er hatte sie schon. Der Kater besaß Macht - wie jeder Bewohner des Harax. Die Antwort, welche es zu ergründen galt, war, in welcher Form Geisbarts Macht vorlag und wie weit sie reichte. Das Katzenwesen schien in Celcia keinen Wirtskörper zu brauchen, in den es eintauchen musste. Zumindest ließen seine Worte darauf schließen, war es wohl nicht sein erster Aufenthalt hier und zugleich kannte er die Körperübernahme nicht. Vielleicht war es ihm bei seinem ersten Besuch aber auch nur nicht gelungen, von einem Celcianer Besitz zu ergreifen. Die würde Aufschluss darüber geben, warum er sich wieder im Harax befunden hatte. Vielleicht war er doch nicht so mächtig, wie seine Schweigsamkeit vorgab.
Geisbart sagte dazu nichts. Er lümmelte sich feist auf den Schultern, um Asmodis Nacken gewickelt wie ein pelziger Schal. "Du bietest mir ungelegte Eier, mein Freund. Einen König soll ich übernehmen, ein Land regieren, eine Magierstadt stürzen. Alles Dinge, für die ich arbeiten muss. Ich fühle mich, ehrlich gesagt, recht wohl, wo ich bin." Lachte er? Das Schnurren klang fast nach einem gerissenen Keckern. Und dann durfte Asmodeus eine neue Tatsache erkennen. Etwas, das seine Pläne für ihn persönlich - vor allem in Bezug auf seine Zweisamkeit mit Mallahall - stören würde. Er konnte Geisbart zwar anpacken und auch an ihm ziehen, aber dieses Katzenvieh ließ sich einfach nicht von seinem Rücken lösen. Im Gegenteil. Sobald er fester zugriff, spürte er das Pieken in seinem Fleisch deutlicher und dann ... drang es schmerzhaft bis in die Tiefen seiner Knochen. Es war ein stechender Schmerz, der drohte, ihm die physische Kraft zu rauben. "Ich rate dir, loszulassen", maunzte Geisbart, "Ich möchte ungern mitansehen, wie sie auch dich mit einem Schlauch füttern." Die Katzenaugen blitzten triumphierend auf. "Eine Lichtmagierin. Ein König. Myra Zhai. Kein Interesse, mein Freund. Ahnst du auch, warum? Naaaa? Ganz recht! Ich habe meine Wirt bereits gefunden."
Selbst Aurelius fühlte den Schmerz in seiner Seele. Und nun offenbarte sich Geisbarts Macht. Er war keiner dieser typischen Parasiten, die sich an Celcianern labten, indem sie einen Körper mit ihnen teilten und gegen deren Seele ankämpften. Er heftete sich an sie - physisch und auf längere Sicht gesehen wohl auch psychisch - wie eine Klette. Die Katzengestalt war seine wahre Form! Sie tarnte den listigen Dämon und machte ihn unscheinbar, bis er seinen Wirt gefunden hatte. Nun war es Asmodeus und der hatte es zu spät bemerkt. Der Parasit hing an ihm. Seine dämonischen Krallen reichten bis in seinen Körper. Sie drangen durch sein Gewebe, verflochten sich mit seinen Knochen und leckten das Blut in seinen Adern. Er würde sich vernichten, wenn er Geisbart gewaltsam von sich löste. Vorausgesetzt, dies war überhaupt möglich. Oh, was hatte er sich nur mit nach Celcia genommen?!
Und zu allem Überfluss ... "Schau, mein Freund. Sie erwacht."
Mallahalls Wimpern flatterten erzitterten leicht, als sie tiefer einatmete.
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Samstag 6. September 2014, 16:05

"Ich erinnere mich an keine Magie, die mir etwas anhaben kann." Asmodi schnaubte nur. Er beanspruchte zwar die Angewohnheit, sich masslos arrogant und überheblich zu Verhalten für sich selbst, aber dies hiess noch lange nicht, dass er es bei seinesgleichen billigte. Allmählich ging ihm dieses Viech auf die Nerven. Was wollte Geisbart eigentlich? Vielleicht hätte er sich diese Frage eher stellen sollen, denn nun war es dafür zu spät…

Asmodi wollte sein Revier und seine Dominanz bekräftigen, indem er nach dem Kater packte, doch seine Aktion ging gänzlich nach hinten los. Er konnte den Nacken des kleinen Dämons nicht eindrücken, stattdessen fuhr dieser jedoch seine Krallen aus. Asmodi knurrte, langsam aber sicher behagte ihm das Ganze nicht mehr. Der blauhaarige Dämon reagierte auf die Frage bezüglich Mallahall nur mit einem verärgerten knurren. Er spürte, dass sich Geisbart Energie veränderte und dies ganz und gar nicht zu seinen Gunsten.

"Du bietest mir ungelegte Eier, mein Freund. Einen König soll ich übernehmen, ein Land regieren, eine Magierstadt stürzen. Alles Dinge, für die ich arbeiten muss. Ich fühle mich, ehrlich gesagt, recht wohl, wo ich bin." „Grrrrrhrhh!!“ Fauchte Asmodi ungehalten. Es war kein Geheimnis, dass Dämonen dazu neigten unendlich faul zu sein. Wenn es irgendwie möglich war, wählten sie stets den Weg des geringsten Aufwandes und um diesen gehen zu können gingen sie wahrhaftig über Leichen. Geisbart schien sich selbst auf dieses Gebiet offenbar irgendwie spezialisiert zu haben. Langsam dämmerte es dem sturen Dämon, was er sich da für einen Parasit eingefangen hatte, darum verstärkte er seine Anstrengungen, sich dieses Viech vom Leib zu reissen.
“RUNTER VON MIR DU MISTVIECH!“ Keifte er erzürnt. “Wie kannst du es wagen!“ Wie konnte sich dieser Bastard IHM gegenüber – Asmodi – in einer solch unfältigen Art gebärden? Er, der Sohn des mächtigen Aeshma Daeva! (Wenn man selbst keine grossen Taten vorzuweisen hatte, griff selbst ein Dämon auf seine Genealogie zurück).

Asmodi brüllte auf als sich die Krallen des Parasiten unbarmherzig in seine Knochen bohrten. Er liess von dem Kater ab, drückte seine Schultern zurück und formte seine Pranken zu schmerzverzerrten Klauen. „ARHRHRHRH!“ Schnaubte er wütend und torkelte einige Schritte zurück, ehe er in die Knie ging. “WAHRRHRHH DU VERFLUCHTER BASTARD, dafür wirst du bluuuten! Bluuten! Ich werde dir deinen verfluchten kleinen Pelz über die Ohren ziehen und dich daran aufhängen bist du ausgeblutet bist! WAHRHRHR! Ich werde dir deine Krallen einzeln Ausreissen und sie dir in dein kleinen Hintern stopfen! ARHRHRH! Wütend riss sich Asmodi auf die Beine, seine Vergangenheit zeigte jedoch, dass der Haraxier in Momenten der Überforderung nicht gerade zu konstruktivem Handeln neigte. Keifend und knurrend torkelte er durch den Raum. Geisbart hatte vermutlich damit gerechnet, dass die Bekanntgabe seines Parasitenstatus nicht gerade auf Gegenliebe stossen würde, doch Asmodi reagierte eben auf seine Art und Weise mit einem Tobsuchtanfall.

Warum musste bei ihm ständig irgendetwas schief gehen?! Jetzt, wo er endlich dort war, wo er hingehörte… an die Macht?! Er hasste dieses Land, er hasste die Blumen, er hasste die Menschen, er hasste diese Burg, er hasste diesen Ort, er hasste die Luft, die er atmen musste und er hasste Geisbart – ganz besonders hasste er ihn. “Du wagst es?! RHARHRRH! Das wirst du bereuen! Ich werde dich vernichten! VERNICHTEN!

Doch nicht nur der Dämon war aufgewühlt, auch sein angestammter Wirt wähnte sich in wachsender Hoffnungslosigkeit, denn Aureilus erkannte sofort, dass nun um Asmodi - und um ihn selbst, wenn es ganz bitter wurde – eine Kette geschmiedet worden war, auf die er und auch seine Freunde keinen Einfluss würden ausüben können. Sie hatten die Kontrolle über Asmodi verloren und dies versprach nichts Gutes. Ausserdem fehlten ihm bisher jegliche Informationen über den Parasiten. Er konnte Geisbart nicht einschätzen, wusste nichts über dessen Macht noch Absichten. Nicht einmal, ob er ebenso auf die Gedanken von Asmodi zugreifen konnte, wie es Aurelius möglich war. Im Geist des Medcius reifte sofort der Gedanke, dass zeitweilige Kooperation vermutlich der einzige Weg sein würde, um mit diesem Geschöpf fertig zu werden. Doch Asmodi war für solcherlei Taktiken im Moment nicht erreichbar, er war gänzlich mit seinen eigenen Gefühlen beschäftigt und hörte Aurelius Einwände nicht.
Eigentlich hätte Mallahall eines ruhigen Ortes bedurft um langsam und schonend zurück ins Diesseits zu kehren. Schliesslich war sie dem lebensfeindlichen Klima des Harax ausgesetzt gewesen und im Bann dieser schrecklichen Succubi gestanden…

Asmodi war aber weder das richtige Individuum noch in der richtigen Verfassung um ihr dieses sanfte Erwachen zu gewähren. Stattdessen stürzte er bei der ersten Regung seiner Herrin auf ihr Bett zu, dabei riss es ihn abermals von den Füssen und er stürzte hart zu Boden. Asmodi war geschwächt, bereits schon die Erhaltung und Konservierung seines hoffnungslos überalterten Wirtskörpers kostete ihm einiges an Energie, nun musste er aber auch noch welche gegen den Parasiten aufwenden, damit der Körper nicht gänzlich kollabierte. Dies war selbst für den gut genährten Asmodi für den Moment problematisch, zumal er mit seiner Wut und seinem heftigen Gebärden noch zusätzliche Energie verschwendete. Er würde schwächer werden, mit der Zeit, wenn er sich weiterhin so kläglich ernährte, wie er es bisher getan hatte. Seine Herrin hatte ihn ja bezüglich der „Seelennahrung“ immer mehr oder weniger am Hungertuch nagen lassen.

Schnaubend und Knurrend krabbelte er auf Malls Bett zu und packte mit seinen Klauen nach dem Laken, an dem er sich soweit hochzog, dass er Mallahall ansehen konnte. Das blaue Feuer seiner Augen flackerte unruhig. Der Dämon verströmte nicht nur eine Aura des Ärgers, sondern auch eine der Angst. Seine weisse Dame konnte sich den Luxus nicht leisten, selbst einmal der Hilfe zu bedürfen, stattdessen klebte schon wieder ihr –prinzipiell zu allem Überdruss auch noch undankbarer – Schützling bei ihr und forderte ihre Aufmerksamkeit. „Bring ihn um! BRING IHN UM!“ Keifte er ihr entgegen und begann sie zu allem Überfluss in den Arm zu beissen, damit sie schneller Erwachte. Dämonenherrin zu sein, bedeutete nicht unbedingt, dass jener sie auch mit Respekt behandelte, obwohl sie diesen jederzeit von ihm würde Einfordern können. Doch nun schien Asmodi zwischen die Fronten zweier Herren geraten zu sein, eine Position die ihm sicherlich nicht gut liegen würde. Er, der doch am liebsten selbst, Herr der Welt wäre. Wann immer er selbst in Bedrängnis geriet, erkannte er den Wert seiner „Freunde“. Er wünschte sich Etelin herbei, der dieses Viech sicherlich mit seinem Stab verprügelt hätte. Er wünschte sich Zanraia herbei, welche ihre Nekromantischen Fähigkeiten auf Geisbart hätte aufwenden können… er wollte Mallahall bei sich haben. Wach und Stark, damit sie ihn von dieser Plage befreite.

Asmodi hatte nie die Frage gestellt, was Geisbart eigentlich wollte. Was wenn Mallahall dies tun würde und sich sogar mit diesem Mistviech verbrüdern würde? „RHARHRHRH!“ Asmodi wurde Opfer seiner eigenen Paranoia. Er hatte sich schliesslich wieder ziemlich viel Unfug erlaubt und einen gewaltigen Rückfall erlitten, was die Gnade und Geduld seiner Herrin vielleicht auch etwas überstrapazierte… und wenn sie erst erfahren würde, was er mit Zyranus vorhatte. Plötzlich erschien ihm die Nähe zu Mallahall viel zu Bedrohlich. Geisbart könnte mit ihr Kommunizieren, mit ihr Verhandeln, sie einlullen, wie er es bei ihm gemacht hatte. „WAHRRHHR!“ Ruckartig liess er von Mallahall ab und sprang nach hinten, wo er sich an der Wand zusammenkauerte und erst einmal hechelnd nach Luft schnappte und auf den Marmor kotzte, vor Anstrengung.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Montag 29. September 2014, 12:32

Alle Dämonen besaßen ihre Schwächen. Sie mochten es sich nicht eingestehen, aber nicht einmal die Haraxier waren unfehlbar. Asmodi unterschied sich insofern von den meisten, als dass er sehr wohl wusste, was ihm schadete. So konnte er entsprechend handeln, mied Kräuter und vor allem die orange farbene Ringelblume, die bei ihm einen gesamten Kreislaufzusammenbruch hervorrufen konnte, wenn er zu viel von ihr abbekam. Geisbarts Arroganz und das Herunterschrauben jeglicher Schwächen zeugte nur von dem typischen Denkvermögen eines typischen Dämons. Er glaubte, dass nichts und niemand ihn aufhalten könnte. Eine Eigenschaft, die sich nach und nach auch wieder bei Asmodi regte. Welch Größemwahn verfiel er doch wieder und vergaß darüber hinaus die Werte, die ihm Mallahall, Etelin und seine Freunde versucht hatten, zu vermitteln. Freunde ... überhaupt schienen sie allesamt in den Hintergrund verdrängt worden zu sein. Ebenso wie Aurelius, der nur noch gelegentlichen Widerstand zeigte und diesen dann als verzweifelten Bettelakt darstellte. Etwas, das ein Dämon wie jener in seinem Körper, tunlichst ignorierte. Er schenkte dieser winzigen Regung ja kaum noch Beachtung! Außerdem lenkte der dämonische Kater ihn ab. Was für ein dreistes, kleines Biest!
Und wo Asmodi richtig ungehalten wurde, an dem Kater herum zerrte und ihn ankeifte, da blieb dieser mit einer Überheblichkeit ruhig, dass einem die Galle hochstieg. Er sollte herunter von dem Nacken seines auserkorenen "Wirtskörpers"? Man konnte fast mitansehen, wie sich das listige Schmunzeln die Barthaare entlang kräuselte. Einmal leuchtete der Karfunkel auf Geisbarts Stirn hell auf. "Nein", säuselte er süffisant. Er wusste, dass er hier die Oberhand behielt. Je mehr Asmodi an ihm zerrte, desto tiefer schienen sich die Krallen in seinem Fleisch zu verhaken. Wanderten sie tiefer? Drangen sie in ihn ein und bildeten ein Wurzelgeflecht wie jenes unzähliger Bäume in der harten Wintererde? Auch sie waren nicht mit bloßer Hand zu entwurzeln. Auch sie waren Pflanzen ... keine Kräuter, aber nahe an Asmodis Schwachpunkt. Geisbart hatte sich bei einem Dämon eingenistet und ihn zum Wirt gemacht! Und nun trieb der Kater seine Wurzeln aus. Sein Schmunzeln wurde breiter. Er wandelte sich in eine wahre Grinsekatze, zeigte sich nur noch arroganter, indem er Asmodi nicht einmal mehr einer Antwort würdigte. Er blieb auf dessen Schultern wie ein unbarmherziger Pelz. Nicht einmal das Torkeln des anderen Dämons vermochte ihn von seinem Platz zu fegen.
Er ignorierte seinen halbdämonischen Wirt, so wie dieser Geisbart ignorierte, als plötzlich Leben in Mallahalls Körper zurückkehrte. So hastig wie er zum Bett sprang wippten sogar einmal die Katzenhaare überrascht. Mit einer derart hektischen Bewegung hatte der Kater nicht gerechnet, aber er schien sich nicht einmal darauf konzentrieren zu müssen. Sein Körper verflocht sich mit dem Wirt. Wie weit sein Geist drang - ob überhaupt! - würde sich noch zeigen. Fest stand nur, dass er genauso wenig Sorge haben musste von Asmodis Schultern zu fallen wie ein Vogel im Schlaf von seinem Ast. Die Füße krallten sich von allein um das Holz.

Wie blondes Sandelholz waren die flatternden Wimpern Mallahalls, als der Dämon einen Blick darauf warf. Darüber zogen sich die fein geschwungenen Brauen etwas zusammen. Fast gestört in ihrem währenden Schlaf runzelte sie die Stirn. Mehr und mehr Muskeln bewegten sich, veränderten ihre Mimik und wischten die weiche Sanftheit eines vollkommen ruhenden Körpers nachhaltig beiseite. Ja, Leben kehrte in sie zurück. Geisbart behielt Recht: Mallahall erwachte. Aber welch böses Erwachen es nur war! Man gönnte ihr nichts. Diese Frau musste von jener Sekunde an kämpfen, da sie den ersten bewussten Atemzug tat. Erneut ging es in die Schlacht, der sie sich Tag für Tag stellte, seit sie Asmodeus kennenlernen durfte.
Mit größter Mühe öffneten sich ihre Lippen einen Spalt. Sie brachen entzwei, so spröde waren sie. Man konnte fast das Reißen hören, als sie sich teilten. Mehr denn je wünschte sich die Magierin einen Schluck Wasser, doch brachte sie es nicht über die ach so trockenen Lippen. Nicht mehr als ein Krächzen drang aus ihrer Kehle heraus, anschließend folgte ein halbherziges Husten. Für einen richtigen Anfall hätte sie sich krümmen und richtig losröcheln müssen. Dazu war sie zu schwach. So blieb es bei einem halb verschluckten Laut, ehe auch die Lider sich langsam hoben. Da war es wieder: das unglaubliche Saphirblau ihrer Augen. Suchend, verwirrt und orientierlungslos tastete es die Umgebung ab. Zunächst nahm sie nur verschwommene Muster und Farben wahr. Dann wurde das Bild schärfer. Sie erkannte Amsodeus. Das Lächeln drang in ihre Augen, erreichte nur ihre Muskeln noch nicht, so dass die Miene relativ reglos blieb.
Auch die Sensoren, welche den Schmerz von ihrem Arm zum Gehirn sandten, erwachten erst. Sie schickten die Botschaft verspätet ab und die Nachricht erreichte mit großem Verzug den Empfänger. Da zogen sich nur wieder die Brauen zusammen. Erneutes Krächzen, für ein Brummen reichte es nicht. Asmodi musste erkennen, dass Mallahall zwar bei ihm und bei Bewusstsein war, aber dass für einen Menschen die Reise in den Harax mehr als nur eine anstrengende Erfahrung brachte. Sie war jenseits ihrer vertrauten Stärke, konnte ja noch nicht einmal zu ihm sprechen. Sie sah ihn nur an, wie er in ihren Arm biss. Sie unternahm nichts. Sie lag einfach nur da.
"So schwach und verletzlich", maunzte der andere Dämon an Asmodis Ohr. In der katzenartigen Stimme schwang nicht nur genießerische Schadenfreude mit, sondern auch eine wachsende Begierde. Für jeden Dämon war ein wehrloses Wesen mit Seele, wie Mallahall es gerade darstellte, ein Festessen, das auf einem Silbertablett serviert wurde. Im Grunde brauchte er sich nur auf sie zu stürzen. Warum ließ Geisbart nicht von Asmodi ab?
Er schwand mit ihm aus Mallahalls Blickfeld, als der blauhaarige Dämon zurücksprang, um an der nächstbesten Wand einen Hort des Rückzugs zu finden. Einen Platz, an dem er seine Selbstbeherrschung wiedergewinnen musste. Eine Stelle, wo er sich erst einmal schmerzhaft erbrach. Galle brannte in seiner Speiseröhre und was seinem Körper entstieg, war eine stinkende, braungelbe Flüssigkeit, die von Speichel untersetzt worden war und so zu einem wiederlichen Brei auf dem Marmor verkam. Er hatte wirklich lang nichts mehr gegessen. Weder Seelen- noch richtige Nahrung. Sein Körper verlangte nun den Tribut, zusaätzlich zu Geisbarts Eindringen, der Asmodi ebenso wenig ungeschont lassen würde. Dabei musste der Dämon doch jetzt endlich erkennen, dass ihm niemand hier helfen würde. Er hatte jene, die ihn sonst immer aus den selbst eingebrockten Notlagen retteten, abgeschoben. Etelin, Cinnamin, Zanraia und sein Sohn Castus befanden sich weit weg in Shyána. Vonwegen Sicherheit ... er hatte sie nicht gebraucht. Sie waren unnütz zum Zeitpunkt, da er sie zurückließ. Aurelius hatte er in die hinterste Ecke seiner Existenz gescheucht. Und Mallahall? Sie brauchte seine Hilfe.


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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Sonntag 16. November 2014, 23:24

Asmodi kauerte sich knurrend und hechelnd neben seiner eigenen Kotze zusammen. Er hatte mal wieder sinnlos seine ganze physische Energie verpulvert und er spürte wie die Muskulatur seines Wirtskörpers sich verkrampfte, wie sie zitterte, wie sein Herz getrieben pochte, wieder und wieder und wieder in diesem mörderischen Takt. Ein Herz welches er ohnehin schon über so viele Jahre unbarmherzig am Leben hielt. Eigentlich dürfte es schon lange nur noch Staub und Asche pumpen, doch noch war es Blut und immer wieder dasselbe alte Blut, welches es durch seinen Kreislauf jagte. Wieder einmal befand sich der Dämon in einer Situation der totalen Überforderung und es schien so, als wäre das Viech in diesem Punkt einfach nicht lernfähig. So griff es zu einem altbewährten Mittel und zog sich in die Tiefen von Aurelius Seele zurück. Soll der Mensch die Suppe auslöffeln. Doch wo es früher nur ein leichtes Nachgeben seitens des Dämons bedurft hatte um den stets nach Führung strebenden und drängenden Medicus an die Front zu schicken, musste Asmodi seine Energien diesmal stark reduzieren und Aurelius beinahe schon in die Führungsposition zwingen. Der Körper sackte sogleich zusammen und Aurelius schlug überraschend Hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. Er blieb eine ganze Weile regungslos liegen, den kalten Marmor auf seiner Wange spürend, gepeinigt vom Schmerz in seinem Rücken und jenem in seinem Herzen ab all der jüngsten Vorkommnissen.

Aurelius behielt die Augen geschlossen. Er hatte sich zusammengekrümmt, seine Hände zu Fäusten geballt. Schweiss sammelte sich sofort an seinen Schläfen, presste sich aus den Poren seiner Haut, als wollten seine eigenen Körpersäfte vor dem Unglück fliehen, welches sich in ihm eingefunden hatte. Das Atmen fiel ihm schwer und wenn immer er seine Augen kurz öffnete, tanzten tausende Schwarze punkte vor ihm herum. Alles kam ihm so unwirklich vor. Auch er hatte die Dämpfe des Harax geatmet und auch sein Körper war letztendlich doch noch menschlich gewesen und ganz und gar nicht für diese lebensfeindlichen Sphären geschaffen. Der Gestank seiner eigenen hochgewürgten Brühe frass sich durch sein Riechorgan und drehte ihm beinahe erneut den Magen um. Er spürte die Präsenz des Dämons, physisch, wie seelisch und spätestens jetzt würde wohl auch dieser Kater seine eigene Aura wahrnehmen. Bisher hatte der Dämonenparasit noch kein Wort an den eigentlichen Wirt verloren. Doch auch Aurelius sparte seine Energie. Er dachte nichts, kommunizierte nicht. Das einzige was er tat, war seinen Blick auf das Bett zu richten, indem Mallahall noch immer lag. Langsam rappelte er sich auf, sackte wieder auf die Knie, nur um sich erneut mühsam aufzustemmen. Er wankte zu dem Bett hin, stützte sich sofort an dessen Gestell und umkreiste so die Heilerin langsam und bedächtig. Wie viel Leid hatte er in ihr Leben gebracht? Er hatte ihr den Mentor genommen, die Verwurzelung mit ihrer Heimat, wegen ihm wurde sie Vergewaltigt, wegen ihm lag sie hier… und selbst jetzt hatte sich der Dämon wieder an ihr vergriffen und sie blutig gebissen. Einige Tropfen waren auf das weisse Lacken gekullert und breiteten sich nun aus wie kleine Blüten.

Sie war so blass. Der Schlauch, den man ihr Eingeführt hatte sah beängstigend aus. Ihre Haut glänzte vom Fieber und auch sie hatte reichlich an Gewicht verloren in diesen turbulenten Zeiten. Auch sah er nun zum ersten Mal deutlich, wie sehr ihre Augen eingefallen waren, wie sich leichte schwarze Ringe darunter gebildet hatten, jetzt wo ihre blauen Augen nicht vor Kraft und Energie funkelten. Die weisse Dame war stark angeschlagen, das Dunkle Heer schien übermächtig zu sein. Langsam und vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante, selbst unfähig lange zu Stehen. Mit den erfahrenen Händen eines Medicus tastete er nach ihrem Puls. Fühlte ihre Stirn. „Shhh…“ Hauchte er, doch seine Stimme hatte nicht, wie sonst üblich seinen optimistischen, beruhigenden Klang. Sie klang leer und ohne Hoffnung, traurig und so unendlich schwer. Auf einem Beistelltisch neben ihr, lagen allerlei medizinische Utensilien. „Das wird etwas brennen…“ Hauchte er verdriesslich. Er war kein Lichtmagier. Er konnte Bisswunden nicht Kraft des Lichts verschliessen, er konnte Infektionen nicht mittels Magie abhalten. Das einzige was ihm zur Verfügung stand, war der vergleichsweise primitive und unweit schmerzhaftere, weil brennenden Urin irgendeines Spender, den er ihr Zwecks Desinfektion vorsichtig über die Bisswunden goss. Er hoffte, dass sich das ganze nicht auch noch Infizieren würde. Menschenbisswunden diesbezüglich leider sehr anfällig, aber vielleicht würde Mallahall ja bald wieder kräftig genug sein, um sich selbst zu heilen. Er hoffte es. Behutsam griff er mit seiner Hand unter ihren Nacken und half ihr sich etwas aufzustützen, ehe er ihr einen Becher Wasser an die Lippen hielt. Er wollte die Magensonde noch nicht ziehen, solange sie nicht richtig wach war.

Er sagte nichts. Er dachte nichts. Er funktionierte einfach irgendwie, ohne Aussicht auf eine Zukunft, ohne Hoffnung auf Frieden, vielleicht war er aber auch in diesem Zustand, weil er selbst unter Schock stand, wenn immer Asmodi die Gelegenheit gehabt hatte frei zu wüten, hinterliess er dieses unglaubliche Gefühl der Leere und Verzweiflung in Aurelius. Er war sich nun sicher, dass es mit Asmodi keine Zukunft geben würde. Alle Versuchen ihn zu einer Entwicklung zu bewegen waren Fehlgeschlagen oder in heftigen Rückfällen ausgeartet. Er lernte nicht schnell genug, er lernte nicht gut genug und er lernte nicht Nachhaltig genug. Vermutlich war es von Anfang an Naiv von ihm gewesen, dem Dämon zuzutrauen, das Konzept der Liebe zu verstehen, der Loyalität, der Demut. Doch nun hatte der Dämon sie alle in eine Lage befördert, wo sie nicht so leicht hinauskamen. Er konnte ja schlecht einfach aus Grandessa herausspazieren… und da war ja auch noch Mall… und dieses neue Viech auf seinem Rücken. „Was willst du…Dämon…“ Brummte Aurelius müde, während er Mallahall immer wieder dazu animierte zu Trinken und ihr ruhig zusprach. Er sass ziemlich gekrümmt da, sein Rücken schmerzte Höllisch und er wusste nicht ob er blutete. Doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Versuchte zu funktionieren, für Mall da zu sein, wie sie oft für ihn dagewesen war. Er konnte nur ansatzweisen versuchen wieder gut zu machen, was nicht wieder gut zu machen war.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Freitag 5. Dezember 2014, 17:42

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Geisbart schnurrte auf. Es klang zufrieden, mehr jedoch schwang Spott in dem feinen Katzengeräusch mit. "Voller Scham und Feigheit zieht sich der geprügelte Hund zurück. Flieh, mächtiger Dämon, flieh!" Er gluckste nun gar, doch zugleich stellten sich die Katzenohren auf. Sie richteten sich aus, drehten sich, bis sie nach vorn zeigten, als hörte der haraxische Kater Aurelius auf sich selbst zukommen. Da blitzten Augen und der kleine Karfunkel auf seiner Stirn gleichermaßen golden auf, denn Neugier den eigentlichen Wirt kennen zu lernen, war definitiv gegeben. Immerhin hatte er bisher nur den konkurrierenden Dämon in Asmodeus erleben dürfen. Auch Geisbart musste gespannt darauf sein, wie sich der nun doppelt schmarotzerisch ausgebeutete Mensch geben würde. Aber wie so oft hüllte sich der Kater nach seinem Kommentar in Schweigen. Er beobachtete, was ihm eine noch gefährlichere Aura spendierte, denn dadurch wurde er schwerer einzuschätzen.
Lediglich eines stand fest: Nicht mal ein Zusammenbrechen seines Wirts ließ das Wesen sich von ihm lösen. Selbst als sein Schwanz unter Asmodeus' herab knallenden Kopf eingeklemmt wurde und Geisbart unliebsam fauchte, entzog er Schultern und Rücken nicht seiner dämonischen Krallen. Er hing an diesem Körper wie eine Klette!
"Geht's mit dir zu Ende, Mensch? Wie lang hat der andere dich schon in Besitz? Bist du seiner nicht längst überdrüssig?" Das klassische Konkurrenzverhalten. Mit schmeichlerischem Säuseln setzte Geisbart Flöhe in Ohren. Er besaß ein Talent dafür, durch Wortgewandtheit zu manipulieren. Somit war er kein Dämon, der seine Macht mit bloßer Körperkraft oder wie Asmodeus mit Dämonenfeuer demonstrierte. Er zählte zu gerissenen, hinterhältigen Art. Und nun versuchte er, Aurelius für sich zu gewinnen. Zwei Haraxier würde dieser auf Dauer auch nicht aushalten. Man sah ihm bereits jetzt an, wie viel Kraft ihn überhaupt das Beherrschen seines eigenen Leibes kostete! Einer musste gehen und Geisbart entschied für sich, dass nicht er dieser eine sein wollte. Er war doch praktisch gerade erst in Celcia angekommen. "Es ist beinahe beschämend, wie wenig Macht dir einer meinesgleichen zukommen lässt. Du bist einen schlechten Pakt eingegangen, mein Freund. Ich könnte dir so viel mehr schenken."
Mit diesen letzten Worten ließ Geisbart Asmodeus allein, im übertragenen Sinn. Der Kater blieb weiterhin auf seinen Schultern, ein pelziger Buckel dämonischer Auswüchse. Aber er mischte sich vorerst nicht mehr in das Geschehen ein, übernahm wieder die Beobachterrolle. Schließlich machte er sich darin doch sehr gut!

Auch Aurelius beobachtete. Sein träger Blick war auf das Bett gerichtet, wo Mallahall noch immer reglos lag. Wenigstens atmete sie. Wenigstens lebte sie noch. Es hätte sie im Harax deutlich schlimmer treffen können, aber wieviel von ihr selbst war noch übrig? Wieviel hatte sie an eine Welt fernab ihrer eigenen verloren? Würde sie körperliche oder sogar auch geistige Konsequenzen tragen müssen für ihr tollkühnes Abenteuer, sich in den Tiefen des Harax beinahe verloren zu haben?
Der Würgereflex kehrte zurück und sie gab ein ersticktes Röcheln von sich, als sie sich des Schlauches bewusst wurde. Dieser musste hinaus, nun da sie erwacht war. Wäre sie nicht imstande, selbst zu trinken oder zu essen, müsste man ihn für jede Mahlzeit wieder einführen. Ein unangenehmer Gedanke, aber Mallahalls Hirnwindungen kümmerten sich darum aktuell sicherlich nicht. Ihre Lider blinzelten gegen das Austrocknen der Augäpfel an. Dann bewegten sich die Pupillen. Sie suchte etwas, fand es, als sich ihre Seelenspiegel auf Aurelius ausrichteten. Sie starrte ihn an. Sie verfolgte seine Hand, die sich an ihre Stirn legte. Das Fieber hielt sich in Grenzen und war nicht lebensbedrohlich, der Puls mochte etwas schwach sein. Ihre einzige Reaktion auf seine Behandlung war das tiefere Einziehen der Luft. Ansonsten starrte sie weiterhin. Nicht ängstlich, nicht vor Schmerz gequält, aber auch nicht zuversichtlich. Es war ein fernes Starren, ein Durch-Aurelius-Hindurchsehen und trotzdem schaute sie ihn an. Man mochte diesen Blick als orientierungslos bezeichnen, wäre er nicht so zielgerichtet dabei, ihn zu taxieren.
Einzig die Möglichkeit, etwas zu trinken, lenkte ihre Aufmerksamkeit darauf, die Lippen zu bewegen und hastig zu schlucken. Beim ersten Versuch verschluckte sie sich noch und ihr gesamter Körper wurde von einem Husten geschüttelt. Danach ging es aber schon besser und Mallahall leerte den gesamten Becher. Hin und wieder röchelte sie ob des Schlauchs, mehr aber auch nicht. Ihre Arme lagen schlaff auf dem Laken. Keine Kraft, um ihn selbst zu ziehen. Sie wirkte ohnehin wie ein feuchter Mehlsack, nur war sie bei weitem nicht so schwer. Im Gegenteil. Man konnte bei der Magierin inzwischen von einem zierlichen Vögelchen sprechen. Sie brauchte dringend ein paar Reserven, auch unterhalb ihrer weiblichen Vorzüge, die als einzige rund und drall an ihr waren.
Die angeschlagene Lichtmaga hob erneut den Blick gen ihres Medicus'. Sie schaute ihn an, sie lauschte und verarbeitete seine wenigen Worte wie zähflüssigen Brei. Silbe für Silbe tropfte es breiig in ihren Verstand, dabei galt die Frage nicht einmal ihr.
Hinter Aurelius schnurrte es erneut. Dann kitzelten ihn katzenhafte Barthaare am Ohr. "Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe", teilte Geisbart mit und verriet erneut nichts von seinen eigenen Plänen. Er musste doch mehr haben! Er konnte sich unmöglich mit einem so ausgezehrten Leib wie dem des Medicus zufrieden geben! Außerdem gab es da noch Asmodi, mit dem er die Ressourcen teilen musste. Das konnte nicht sein Ziel sein.
"Was ..." Mallahalls Stimme glich einem kratzigen Flüstern, nein, nicht einmal das. Sie klang trotz des zugeführten Wassers heiser, brüchig. Es würde Zeit kosten, bis sie sich erholt hätte, falls das noch möglich war. Das Saphirblau ihrer Augen wurde wässrig. Es glitzerte. Ein schrecklich schöner Anblick angesichts ihres Zustands. "Was...", wiederholte sie, während sich ihre Zungenspitze vorschob, um die Oberlippe zu befeuchten. Die winzigen Nasenlöcher blähten sich, als sie Luft einatmete, mit deren Ausstoßen sie auch endlich die gesamten Worten hervor brachte. Sie stachen nicht nur in Aurelius' Gehörgang, sie waren stärker als jeder Befehl, den Mallahall dem Dämon in ihm jemals gegeben hatte. Denn sie erreichten ihn auch im hintersten Winkel seines Rückszugsortes. "Was hast ... du ... was hast du mir angetan?" Es fehlte Vorwurf. Es fehlte Verzweiflung. Es fehlte die bittende Neugier um Antwort. So leblos strömte der Satz durch die Luft. Mallahall war vermutlich froh, ihn überhaupt ausgesprochen zu haben. Einzig ihre Tränen, die sich in den Augenwinkeln sammelten, um in heißen Bahnen ihre Wangen hinab zu kullern, zeugten vom Schmerz, der hinter dieser Frage stand. Bittere Enttäuschung, tiefes Entsetzen. Nach allem ... nach all der Zeit, dem Vertrauen und den Bemühungen. Mallahall hatte Asmodi niemals aufgegeben. Sie hatte immer das Gute in ihm gesehen, wie ihr Lehrmeister Adelmund. Er war bereits tot und nun? Würde die weiße Dame ein ähnliches Schicksal ereilen?

Die Tränen tropften vom Kinn und den Wangen herab, trafen das Laken, die Decke. Eine aber, die sich die richtige Bahn gesucht hatte, erreichte Aurelius' entblößte Haut. Sie landete auf seinem Handgelenk, ein kleiner salziger Klecks, der rasch einzog. Für den Medicus, den Menschen, war es nur eine Träne. Salzhaltiges Wasser, ein Zeugnis von Mallahalls Leiden. Er spürte nichts. Er fühlte nicht das Brennen, das sich vom Handgelenk bis zu Asmodi hin ausbreitete. Ein schreckliches Brennen, heißer als jedes Haraxfeuer, tiefgreifender und verzehrender als es Dämonenfeuer konnte. Es erreichte ihn. Es erreichte Asmodi, nachdem die Worte ihn schon getroffen hatten. Es erreichte ihn und legte sich über seine Existenz. Nichts mochte für einen Dämon in Celcia schmerzhafter sein als sich eine Herrin erwählt und sie enttäuscht zu haben. Denn selbst für ein chaotisch finsteres Geschöpf wie ein Wesen des Harax war eine solche Bindung mit Respekt geprägt. Man entschied sich schließlich nicht jeden Tag, seine dämonische Seele unter das Joch eines mickrigen sterblichen Wesens zu stellen. Asmodi konnte es herunterspielen oder leugnen. Ignorieren ließ es sich nun nicht mehr, was er sich selbst erwählt und an den Rand der Zerstörung gebracht hatte. Das Brennen war Richter. Das Brennen war Henker. Mallahall strafte ihn wie noch nie zuvor in ihrem Leben, denn zumindest sie war mit dieser einzelnen Träne bereit, das Band zwischen ihnen zu trennen.
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Freitag 26. Dezember 2014, 00:04

"Geht's mit dir zu Ende, Mensch? Wie lang hat der andere dich schon in Besitz? Bist du seiner nicht längst überdrüssig?" „Lange. Dämon. Lange.“ Brummte Aurelius nur. Der Medicus schleppte sich auf die Füsse. Er spürte die Aufmerksamkeit des Dämons auf ihm lasten. Allen Dämonen war eine gewisse unheilvolle Neugierde gemein, besonders wenn es um die Dinge ging, die sie gerade besassen. Vermutlich war Aurelius wie ein neues Spielzeug für den Kater, den es auszuprobieren galt. Wie viel Vergnügen es ihm wohl bereiten wird, den geplagten Wirt zu necken und zu triezen…obwohl bisher nur Asmodi verspottet worden war. Doch Aurelius war ja erst soeben mit dem Kater bekannt gemacht worden. Sozusagen. Man stellte sich schliesslich kaum seinem Parasiten vor.

Alleine die Tatsache, dass Geisbart es offensichtlich vorzog mit ihm verbal zu Kommunizieren, bestärke den Medicus in der Hoffnung, dass der Dämon nicht bis zu seinen Gedanken vordringen konnte. Er mochte in seinen Körper eingedrungen sein, doch er hoffte, dass dieser nicht auch seine Seele besetzte, wie es Asmodi schon tat. Asmodi…ja… der sich tief in sein Inerstes verkrochen hatte und schmollte, hier war er zumidnest von den Attacken des Dämons geschützt, so glaubte Aurelius zumindest. Wenn der Mensch den Körper beherrschte, glommen seine Seelensterne nur matt in seinen tiefen Augenhöhlen. Der Mensch war zu ausgezehrt, einerseits von seinem Alter, vom Dämon und nun auch noch vom Harax und der aktuellen Situation. Er musste an Zanraia denken, an Castus. Seine kleine Familie, für die er nicht da sein konnte. Er und der Dämon hatten in aller Linie als Väter versagt. Doch er dachte auch an Etelin, der sich wohl die bittersten Vorwürfe machen musste, weil er das Tor zum Harax eröffnet und sich offensichtlich auf etwas eingelassen hatte, was er mitnichten beherrschte. Dabei wollte der Lich doch nur den Dämon vor dem Verhungern retten. Sie hatten Asmodi eine Todesfalle gestellt, wo sie ihm und seinem Sohn doch eigentlich hatten helfen wollen. Diese Tatsache entfaltete seine eigene Tragik. Nicht nur Asmodi machte Fehler. Auch sie hatten versagt. "Es ist beinahe beschämend, wie wenig Macht dir einer meinesgleichen zukommen lässt. Du bist einen schlechten Pakt eingegangen, mein Freund. Ich könnte dir so viel mehr schenken." „Spürst du das Alter meines Körpers nicht? Wie lange Asmodi schon darin haust, wie lange er meinen Leib schon dem Tod vorenthalten hat? Süsse Dämonenversprechen, trügerische Früchte, sie kommen in einem schönen roten Glanz daher, doch innendrinn sind sie Faul. Denn was anderes könnt ihr nicht schaffen! Ausserdem bin ich nicht dein Freund, Viech!“

Der Medicus wirkte so ungeheuerlich Alt und Müde. Verzweiflung nagte an seinem Herzen und doch legte er gegenüber Geisbart eine Härte an den Tag, die man von ihm kaum kannte, die er gegenüber Asmodi kaum aufgebracht hatte. Vielleicht lag dies daran, dass er Asmodi schon längstens als Teil seiner selbst auffasste, während Geisbart ein widerlicher Fremdkörper war. Ein Geschwür. Ein weiter Fluch.
Sanft strich er Mallahall über die Wange und flösste ihr geduldig Wasser ein. Es war ein ungewohnter Anblick sie so zu sehen, wo sie doch die ganze Zeit ihre Stärke bewiesen hatte. Doch auch seine weisse Dame war nur ein Mensch und verfügte nicht über unendliche Reserven. Asmodi zehrte nicht nur ihn aus, sondern auch seine Herrin. Er brauchte viel und gab zu wenig.

"Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe" Der Medicus kommentierte die Worte des Katzendämons nicht. Im Moment war er nur froh, dass dieser nicht versuchte auf Mallahall überzugehen. Aurelius war frech genug, die Magensonde zu Nutzen und flösste der Maga etwas von der verdünnten Kuhmilch ein, die auf dem Beistelltisch lag. Vielleicht würde Mallahall ihm diese Zwangsmassnahme dereinst vorwerfen, wenn es ihr besser ging. Irgendwie hoffte er darauf, denn es musste ihr besser gehen, wenn sie für solcherlei Mätzchen die Kraft finden würde. Doch er handelte rein nach seinem Berufsethos und seinem Wissen. Sie konnte schliesslich ein paar zusätzliche Kalorien gebrauchen und sie war zu Schwach um sich den Schlauch selber zu ziehen. Erst als er zufrieden war, mit der Menge an zugeführten Kalorien machte er sich daran, sie vom Schlauch zu befreien. „Shh.“ Hauchte er und prüfte ihre Augen. Er sah sie direkt an. „Mall… ich werde dir nun den Schlauch ziehen… du wirst husten…und etwas Luftnot haben…“ Sowas war nichts Angenehmes, doch würde die Sache schnell gehen. Gesagt getan. Mit einer flüssigen Bewegung erlöste er sie von dem dicken Schlauch und half ihr sich etwas im Bett aufzurichten, damit sie durchatmen konnte. Doch Mallahall gönnte sich selbst keine Ruhe sondern ging sofort auf den Dämon los. Aurelius versuchte sie immer wieder zum Schweigen zu bringen, doch Mallahall liess sich nicht davon abbringen, zu ihrem Schützling zu sprechen und dieser konnte sich ihrer Worte nicht erwehren. Asmodi wurde von allen Seiten bedrängt und langsam schien es ihm, als wollte man ihn wie ein lästiges Ungeziefer zerquetschen! Ihn!

"Was hast ... du ... was hast du mir angetan?" Wieder fühlte Aurelius ihre Stirn und sah sie schweigend an. Er strich ihr weiches, blondes Haar zurück, bis eine Träne auf sein Handgelenkt kullerte. Er zog seine Augenbraue hoch, als Asmodi tief in seinem innersten zu schreien und zu winseln begann. „Mall…“ Keuchte er. Er konnte ihr die Hoffnungslosigkeit nicht verübeln, nicht einmal die Verstossung von Asmodi, doch der Dämon würde es nicht verstehen. Mallahall wusste vielleicht nicht, was er wusste, sie wusste nicht, dass der Dämon ohne zu Zögern in den Harax gesprungen war, nur um seine Herrin zu retten. Er war gesprungen, nicht der Medicus. Asmodi schrie, brüllte und winselte. Seine Existenz wälzte sich in seinem Innersten herum. Sicherlich er hatte einen heftigen Rückfall gehabt. Doch es waren die Umstände, welche es dem Dämon auch so lächerlich leicht gemacht hatten. Vollgesogen mit haraxischer Energie war er in den Zirkel von Grandessa beschworen worden und erhielt dort Unmengen von Macht anvertraut, sowie die Möglichkeit geboten, gegen jene zu ziehen, die ihn so schlimm gedemütigt und beinahe vernichtet hätten. Wie hätte der Dämon diese Prüfung bestehen sollen? Doch er konnte Mallahall nicht vorwerfen unfair gegenüber ihrem Dämon zu sein. Wie oft hatte er sie denn schon verletzt, wie oft hatte er sich schon über jegliche Gerechtigkeit hinweggesetzt und wie hatte sich ihr Leben entwickelt, seit er in ihres eingetreten war? Er hatte kein Recht sie nun zurechtzuweisen. Er kniete sich neben sie. Nahm ihre Hand. Küsste ihren Handrücken und weinte ebenfalls, denn um Verzeihung konnte er nicht mehr bitten. Er war schuld, er allein. Vielleicht hatte er bei der Zusammenfügung ihrer Seele mit ihrem Körper einen unverzeihlichen Fehler gemacht. Er hatte sie aus dem Harax geholt, er war den Pakt mit dem Kater eingegangen. Er blickte aus den grossen Burgfenstern hinaus und sah wie es zu Schneien begann. Kälte, wo sie doch so dringend Wärme brauchten. Er brauchte sie, ihr Licht, ihre Stärke…und es war so ungerecht, dass er so viel von ihr brauchte. Er und sein Parasit. Diesen wurde von Malls Tränen gerade an die Oberfläche geschleift, auch wenn dieser nicht wollte. Er hatte sich seiner Herrin zu stellen, dem Richter konnte man nicht entkommen, selbst wenn man die Anklageschrift nicht kannte. Der Körper des Medicus verkrampfte sich, seine Pranken krallten sich im Laken fest. Seine Seelenspiegel flammten unruhig und erschreckt auf. Der Dämon hechelte, winselte und neigte seinen Kopf, machte sich klein… und dies alles vor Geisbarts Augen! „Herrrinnrrhrh!“ Krächzte er und verzog das Gesicht des Menschen zu einer gepeinigten Fratze. Immer wieder versuchte der Dämon seinen Blick von seiner Herrin abzuwenden, doch vor ihren enttäuschten Augen, ihrem enttäuschten Herzen, gab es kein Entrinnen. Doch das Viech verstand nicht. Er begann zu zittern wie ein geprügelter Hund und versuchte stets vor dem Bett zurückzuweichen, doch eine Unsichtbare Kraft, ein unausgesprochener Befehl, hinderte ihn daran. Er schnüffelte an ihrer Armwunde, weil er glaubte, ihre Worte bezögen sich darauf. Er hatte sie doch schon so oft gebissen und dieses Mal hatte er doch gute Gründe dafür gehabt! Doch das Feuer ihre Träne brannte zu schmerzhaft, als dass er in der Lage gewesen wäre, Trotz aufzubauen. Es blieb ihm nur zu winseln.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Samstag 10. Januar 2015, 15:00

"Zu lange, mein Freund. Und das bist du. Ich schulde dir etwas für meine Reise hier. Es ist mehr als ich erwartet habe. Fürwahr." Geisbart schnurrte; ein beruhigender, geradezu entgegenkommender Laut. Er vermochte einzulullen und so manch wachsamen Geist empfänglich zu machen für ein wenig Unaufmerksamkeit. Dieser Dämon arbeitete mit den hinterlistigsten Mitteln. Wohlmöglich auch mit den Gefährlichsten, denn welche Bestie des Harax bediente sich schon Methoden, die an den Versuch grenzten, eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen? Oder meinte es dieser Kater gar ernst? Besaß er tatsächlich die Gabe, Mitleid zu empfinden und bedauerte er den Wirt Aruelius, der von seinem Dämon nur allzu sehr ausgebeutet worden war? Dass er kein gefundenes Fressen für einen Dämon darstellte, musste doch auch Geisbart erkennen! Der Mann war ausgelaugt, verbraucht. Mallahall bot einen weitaus reizvolleren Wirt an. Vielleicht war sie aber auch gerade deshalb uninteressant für den Haraxier, weil sie noch immer einen starken Willen besaß - irgendwie tief in ihr drin. Er würde wiederkehren, wenn sie sich nur erholte. Vielleicht.
Die Ungewissheit blieb bestehen. Einzig klar an der ganzen Situation war, dass sich der Dämonenkater noch nicht Aurelius' Seele bemächtigt hatte. So physisch der Schmerz war, den er mit seinen tief im Fleisch verwurzelten Krallen ausrichten konnte, so fern war jegliches einnehmende Gefühl tief in Aurelius' Innern. Alles, was er dort mit Konzentration finden konnte, wäre ihm vertraut. Asmodi nahm ihn ein, aber diesen Zustand kannte er. Nichts Fremdes drang in seinen Geist, so viel stand fest. Mental schien er sicher vor Geisbart. Gleiches galt dann wohl auch für Asmodi. Solange der Medicus die Kontrolle behielt, musste er sich nicht den Sticheleien des Katers aussetzen. Auerlius allein musste gegen ihn kämpfen, seinen Worten widerstehen. Es kostete nur noch mehr Kraft. Er brauchte aktuell so unendlich viel davon. Das zermürbte.

Wer, wenn nicht Aurelius, konnte daher mehr als sonst jemand den Segen eines Gottes gebrauchen, der für Hoffnung und Zuversicht stand? Und wie alle Celcianer in dieser schweren Zeit wurde er gesegnet. Ohne es bewusst zu merken, freilich. Geisbart war es, dem die göttliche Gabe auffiel. Erstmals seit der Begegnung mit diesem Kater fauchte selbiger auf, als Aurelius zu dicht an Mallahalls Bett kam. Nicht wegen der Lichtmagierin. Im Laken hatte sich ein vorwitziger Strohhalm durch ein kleines Loch geschoben und ragte nun sichtbar hervor. Er glänzte nahezu golden, zusammen mit Mallahalls Haar, auf dem Weiß des Bettes. Man würde sich pieksen, wenn man sich draufsetzte, aber er könnte auch leicht entfernt werden. Doch niemand wusste von Feylins Segen in diesem einzelnen Halm. Dämonen mochten etwas ahnen. Hoffnung und Güte waren Aspekte, die ihnen nicht gefielen. Sie spürten diese Gaben in der Luft wie einen fauligen Geruch. Mehr würde aber nicht geschehen, nicht einmal, wenn Aurelius den Halm berührte. Asmodi musste sich keine Sorgen machen, denn dazu war Feylins Geschenk nicht da. Hoffnung sollte es spenden und das würde es. Eine flüchtige Berührung genügte.

Vielleicht würden ähnliche Gefühle auch bei den Flocken aufkommen, die wie ein ungeahnter Regenguss aus den Wolken rieselten. Weniger verheerend als vielmehr besinnlich sank der Schnee zu Boden, überzog alles mit einem weißen Schleier. Die Soldaten, die Asmodeus draußen im Hof zurückgelassen hatten, bekämen auf ihrem Marsch gen Zyranus somit noch mehr Herausforderungen an ihre Disziplin gestellt. Wer marschierte schon gern in der Kälte und es musste doch kalt sein, wenn Schnee fiel!
Weiß glitzernden die Flocken, die an den Fenstern vorbei sanken und kleine Eisblumen ans Glas zeichneten, als richteten sie einen Gruß an Mallahall. Deren verklärter Blick fand den Schnee, fand die Eiskristalle und erweichte für Sekunden. Ihre Lippen bewegten sich, aber sie sprach kein Wort. Geisbart war es, der ihr eine Stimme gab. Amüsiert überrascht klang das Maunzen des Katers: "Mutter? Das ist Schnee, meine Teure!" Das katzenhafte Glucksen klang seltsam.

Auch Mallahall gluckste, jedoch, weil ihr der Schlauch im Hals zuwider wurde. Mit einem Bewusstsein drängte sich der Reflex auf, schlucken zu wollen, was so ein Zugang in den Magen doch reichlich erschwerte. Aber solange sie nicht selbstständig essen und trinken konnte, wäre er nötig. Dankbar schnaufte sie, als Aurelius sie aber endlich von dem Schlauch befreite. Es folgten trockenes Röcheln und Husten. Auch wenn er gezogen war, so blieb ein unangenehmes Gefühl, das einen gewissen Würgereflex mit sich zog. Mallahall bäumte sich leicht auf, so gut es eben ging. Wär mehr Nahrung in ihrem Magen gewesen, sie hätte sich erbrochen. So aber verlor sie nur etwas Speichel, bevor sie wieder kraftlos in die Kissen zurücksank.
"Danke..." Es war kaum mehr als ein Flüstern und es galt Aurelius allein. Was die Maga derzeit von Asmodi hielt - das erfahrene Grauen durch ihn - verdiente keinen Dank. Dennoch musste sie sich beruhigen. Ihr Zustand war noch immer kritisch, auch wenn sie endlich das Bewusstsein wiedererlangt hatte. Sie musste sich schonen. Sowohl sie als auch all ihre Angehörigen konnten froh sein, dass es offenbar keine schlimmeren Nachwirkungen mit sich zog, so lange im Harax geblieben zu sein. Genug Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und wenig Stress würden sie wieder regenerieren, vorausgesetzt, man gewährte es ihr. Asmodi hatte ja ganz andere Pläne. Der Heerführer sollte eine Stadt einnehmen.
Aber auch er dachte momentan nicht daran. Mallahalls Träne brannte. Sie ließ ihn schreien, winseln und mehr. Nichts davon drang nach außen. Die Magierin lag weiterhin im Bett. Hin und wieder glitt ihr Blick zu einem der Fenster, um den Schnee zu betrachten. Dann zuckten die Mundwinkel etwas, aber ein Lächeln brachte sie nicht zustande. Erst Asmodis Anwesenheit, bekanntgegeben durch seinen Ruf nach seiner Herrin, lenkte die Aufmerksamkeit wieder um. Schlagartig legte sich ein Schatten über die saphirblauen Augen der Frau. Jegliche Wärme wich einem inneren Entsetzen, dass er es wagen konnte, zu ihr zu sprechen. Wo war die Wärme, die tiefe Güte, welche sie selbst für ein Wesen wie ihn immer hatte aufbringen können? "Asmo..." Das Sprechen fiel ihr schwer. Selbst nach dem Trinken war ihre Kehle noch immer wie zugeschnürt und trocken. Verletzt sah sie das Viech an, das sich am Bettrand niedergekauert hatte.
Geisbart gab ein missbilligendes Maunzen von sich. Asmodis Haltung reichte aber nicht aus, um ihn dazu zu bewegen, sich einen bequemeren Platz zu suchen. Er krallte sich fester ins Fleisch des Menschenkörpers und legte den weichen Katzenschweif enger um den Hals.
Mallahalls Lippen hingegen öffneten sich wieder. Sie wollte etwas sagen. Nein, eigentlich wollte sie ihn fragen. Nach den Gründen. Warum kam es nach all der Zeit, nach all den Mühen und den Erfahrungen, die Asmodi hatte machen dürfen, immer noch dazu, dass er all seine Freunde - seine Familie! - dermaßen hinterging? Und das bezog noch nicht einmal die aktuellen Umstände mit ein. Die Maga wusste nichts von ihrem Aufenthaltsort, der Beschwörung oder dem bevorstehenden Eroberungsfeldzug. Auch die Ereignisse fernab dieser Vorhaben reichten aus, um ihr Herz zu brechen. Ihr Mund formte bereits die Frage. Da zögerte sie, schloss die Augen. Und mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, schob sie ihre Hand zittrig zum Dämon. Sie berührte ihn nur seicht, war nicht in der Lage, die Finger um seinen Arm zu schließen. Aber sie war da. "Horch", befahl sie milde. Ihre Gesichtsmuskeln entspannten sich. "Alles ... wird gut."
Dann lauschte sie dem Glockengeläut, das sie an all die eigenen Gründe erinnerte, warum sie und damals auch Adelmund sich auf die schwierigen Strapazen eingelassen hatten, sich eines Dämonen anzunehmen. Warum sie die Haraxbestie geleitet und nach besten Möglichkeiten geführt hatte, statt sie in einem Mann eingedämmt zu lassen. Warum sie auf einem Pferd durch das Grasland gen Zyranus geritten war, um ihn aus seinem Käfig im Turm der Magie zu befreien. Aus Nächstenliebe, aus Fürsorge, aus einem Idealismus heraus, den zu viele Celcianer für naiv hielten.
Mallahall lächelte. Ihre Lider hoben sich und sie spähte erneut zum Fenster heraus, sah Lysanthors jüngste Schöpfung, den hellen Stern. Zuversichtlich tätschelte sie mit einem Finger das, was sie von Asmodi erreichen konnte. Sie sagte nichts mehr, aber ihr Schweigen besaß die alte Stärke, die wieder erwachte Willenskraft, sich erneut den Herausforderungen zu stellen.
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Dienstag 24. März 2015, 10:24

Ein Schaudern jagte durch Aurelius Körper als er den Dämon schnurren hörte. Er kannte diese Eigenschaft schon von seinem eigenen Parasiten, doch Asmodi grollte eher, als zu schnurren. Es war auf seine eigene Art pervers, dass dieses dämonische Schnurren tatsächlich wirkte, tatsächlich beruhigte! Wie grausam diese Haraxer doch waren! Er fuhr zusammen, als der Kater scheinbar grundlos fauchte und die Haare sträubte. Tief in seinem Rücken konnte er spüre, wie er die Krallen ausfuhr. Der Medics ächzte, doch war er für einen Moment auch beschwingt und ergriffen von der göttlichen Segnung, die ihn hier in diesem kalten Gemäuer erreicht hatte. Aurelius hätte den Schnee nicht bemerkt, wenn Greisbart nicht auf ihn aufmerksam gemacht hätte. Mutter. Im Gegensatz zum Kater wusste Aurelius um die Verbindung von Schnee und Mallahalls Familie. Ihre Mutter war eine mächtige Frau in Zyranus und wohl eine der begabtesten Eismagierinnen überhaupt. Sie würde in Zyranus sein… und dem anrückenden dunklen Heer die Erde zur Hölle machen, soviel war sicher. Das gab Aurelius Hoffnung. Nichts anderes konnte sein Wunsch sein, als dass Asmodis Pläne scheiterten. Warum, Elender! Warum schützt du dieses impertinente und selbstgefällige Volk, welches uns gedemütigt, uns gefoltert und uns weggesperrt hat! Keifte der Dämon ihm anklagend entgegen, doch Aurelius ignorierte ihn. Asmodi war schon lange genug auf Celcia um sich selbst einen Reim auf das Verhalten des Medicus zu bilden, so viel musste er inzwischen einfach gelernt haben.

"Danke..." Der Medicus lächelte matt und strich ihr über die Stirn. „Ich danke dir. Aber du musst vorsichtig sein Mall.“ Hauchte er leise. Er dankte ihr für ihre Stärke, ihre Zuversicht, ihren Mut und die Tatsache, dass sie ihn und den Dämon nie aufgegeben hatte. Was war sein Beistand jetzt, im Vergleich zu dem, was sie bisher für ihn getan hatte? Es war seine letzte Handlung, bevor er das Feld abermals für den Dämon räumen musste, dabei hatte er ihr noch so viel sagen wollen! Sie warnen wollen vor der aktuellen Lage! Doch diesmal geschah es nicht, weil Asmodi ihn dazu zwang, im Gegenteil, dieser klammerte sich geradezu an sein Nest fest, doch es half nichts. Vor seiner Herrin gab es kein Entrinnen. Das Viech kauerte sich zusammen und machte sich klein, wie ein Hund, der etwas ausgefressen hatte. Asmodi bereute nichts, doch er spürte die Gefahr, spürte die Enttäuschung seiner Herrin und dies brannte auf seiner Existenz wie ein wahres Inferno. Mallahall hatte die absolute Macht, die absolute Kontrolle über ihn und dies war an einem Ort wie diesem, wo sie vielleicht von Partnern, aber ganz sicher nicht von Freunden umgeben waren, gefährlich.

Ein Los, welches er sich selbst eingebrockt hatte. Unruhig und widerwillig erwiderte er ihren verletzten Blick, dem er kaum standzuhalten vermochte. Er senkte sein Haupt und versuchte seinen Blick von ihr Abzuwenden, wieder und wieder. Er knurrte, als es ihm nicht gelang. Nervös verlagerte er immer wieder sein Gewicht. Ihre Augen bannten ihn, er konnte sich ihnen nicht entziehen, so sehr er es auch versuchte. Er verzog sein Gesicht und knurrte, als Geisbart sich noch fester in seinem Körper verkrallte. Dennoch strahlte Asmodi eine ungeheuerliche Energie aus. Seine Augen flammten im grellen Blau, sein Kamm stand aufrecht und leuchtete förmlich es schien so als würde die haraxische Energie an seinen Haarspitzen knistern, so gesättigt war er. Der Dämon hatte sich am Harax sattgefressen und war beschwingt von seiner finsteren Energie. Kein Wunder also gingen ihm die Zerstörungspläne von Zyranus momentan so leicht von der Hand.

Er fletschte mit den Zähnen als er spürte, wie sich ein Sturm bei ihr zusammenbraute. Unruhig kauerte er auf der Stelle, wagte es nicht mehr sie anzuwinseln. Ihre Präsenz vermischte sich mit dem Gestankt des Strohhalmes, auch Asmodi registrierte diesen und er gefiel ihm ganz und gar nicht. Er rechnete damit, dass sie bald mit Befehlen und Anklagen über ihn hereinstürzen würde. Umso verdutzter war er, als er sachte ihre Hand auf seinem Haupt spürte. Erst senkte er sein Haupt um ihrer Hand auszuweichen, weil er fürchtete, dass sie ihn mit ihrer Lichtmagie durchfluten könnte, doch dann sah er sie verdutzt an, als nichts dergleichen geschah und liess es zu, dass sie ihn streichelte. Umso irritierender war es, wie wohltuend diese Geste war. Er gab ein seltsames, kläffendes Geräusch von sich, als die Spannung von ihm abfiel und fing an zu grollen.
"Horch" Er hatte keine andere Wahl, dies war ein Befehl und so vernahm auch der Dämon über die Ohren seines Wirtskörpers das ferne Glockengeläut. Doch dieser Dämon war nicht empfänglich für die absolute Harmonie der Glocke, die nicht umsonst die Königin unter den Instrumenten war und als Stimme der Götter galt. Der Harax war schliesslich eine Welt fernab aller Gottheiten.

"Alles ... wird gut." Er starrte sie fassungslos an. Wie konnte sie das sagen? Nach allem was passiert war? Das war das unlogischste Verhalten, welches er je erlebt hatte! Sie verwirrte ihn bis ins Mark! Wie konnte sie nur so sein… wie sie war! Sie konnte es, weil sie die weisse Dame war. Sie war vermutlich die einzige Frau in Celcia, die eine solche Gnade an den Tag legen konnte. Die so vieles Verzieh und stets die Hoffnung bewahrte.

„Du wurdest in den Harax gezogen! Der Torwächter hat dich als Pfand geholt!“ Begann Asmodi zu berichten. Er hatte das Bedürfnis sich zu legitimieren, zumindest dies war ein neues Verhalten und war wenigstens ein dezenter Hinweis darauf, dass Asmodi seine Handlungen reflektierte. „Ich bin dir gefolgt und habe dich gesucht und habe dich gefunden! Du wärst im Harax verreckt oder zur Succubi gemacht worden, Herrin!“ Ein bisschen stolz war er ja schon, dass er sie gerettet hatte. Für einen Moment fragte er sich, ob sie den Harax wirklich ganz unbeschadet überstanden hatte. Er wusste nicht viel über Namaah, doch sie war ein mächtiger Dämon und hatte Mallahall relativ lang unter ihrer Gewalt gehabt. Er schnüffelte an ihr, suchte nach dem Harax an ihr, in ihr.

„Dann wurden wir beschworen. Wir sind hier in Grandessa. Im erbärmlichen Zirkel der Ritualmagier, bei diesem noch erbärmlicheren König, Herrin. Ich bin Kommandant der hiesigen Streitkräfte und ich bereite einen Feldzug gegen Zyranus vor.“ Verkündete der Dämon grossspurig und er glaubte aufrichtig, dass Mallahall seinen Hass gegen die Stadt teilte und sich darüber freute, was er in der Zwischenzeit geleistet hatte. „Wir werden die Stadt schleifen und sie einnehmen“ Flüsterte er ihr zu. „Niemals werden sie mehr eine Gefahr für uns… oder unsere… Begleiter sein. Nie mehr uns verspotten, demütigen oder strafen! HAH!“ Asmodi wagte es nicht, Castus oder Zanraia zu erwähnen, nicht solange fremde Katzenohren mithörten. Ein Dämonenkind war nämlich einzigartig, das hatte bisher nur er geschafft. Castus würde ohne Wirt auf Celcia überdauern können, davon ging er zumindest aus… Sein Sohn, würde der Begründer einer neuen Form von Dämonen sein und er, sein Vater würde über Zyranus herrschen! Gemeinsam würden sie diese Welt für sich beanspruchen und sie unterjochen. Dies waren Dinge, die sich ein „liebender“ Dämonenvater für seinen Sohn wünschte. In seinem Redeschwall vergass er gänzlich, sich bei seiner Herrin über seinen Trittbrettfahrer zu beschweren, was er sonst sicherlich sofort getan hätte.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Dienstag 7. April 2015, 11:32

So wenig an Beistand ihr Aurelius auch geben konnte, Mallahall nahm ihn dankbar an. Sie sog ihn auf wie ein Schwamm es schon mit einem einzigen, kleinen Wassertropfen tat und sie labte sich daran. Es war die einzige Kraft, die sie im Moment von außen erhielt. So viel eigene musste sie aufbringen. So viel selbst musste sie erreichen, um wieder zu sich zu finden. Da halfen göttliche Gaben nur umso mehr, aber am wichtigsten war das Wissen, dass da jemand war. Aurelius. Ein alter Freund. Und doch zog er sich alsbald zurück, machte dem Dämon Platz. Jenem Wesen, das Mallahall so viel Leid getan hatte ... und wieder dabei war, ihre Willenskraft zu zermürben. Wenn sie erst genug Kraft hatte, um zu erfahren, was sich jenseits ihres Zimmers abspielte und wie die Pläne des Haraxiers aussahen, sie würde sich vermutlich am liebsten unter der Decke verkriechen. Aber durfte sie das? Ihr eigenes Pflichtgefühl, diese selbst aufgesetzte Verantwortung würden es ihr untersagen. Sie hatte doch für den Dämon da zu sein, den sie und Adelmund niemals hatten aufgeben wollen. Ganz oder gar nicht. Dieses "Muss"-Gefühl schien sie aber weder zu bedrücken noch auszuzehren. Mallahall schöpfte neue Stärke daraus. Sie wusste, dass nur das der richtige Weg war und zeigte sich bereit, ihn weiterhin zu gehen, ganz gleich, was Asmodi ihr angetan hatte. Ganz gleich, welche Konsequenzen ihr Besuch im Harax für diese Magierin noch bereit hielt und ganz gleich, was im Zwielicht der Zukunft noch auf sie lauerte. Sie stand weiterhin zum Dämon. Die weiße Dame war wie keine andere. Man mochte ihre Kleidung befleckt haben, ihre Haut zerschunden und durch das Blut gefärbt, das aus den Wunden troff, die man ihr zufügte und dennoch ... ihre Seele blieb unantastbar. Feylin selbst hätte sich in der Hoffnung und Gnade, die Mallahall innewohnte, sonnen können. Kein anderes celcianisches Wesen legte nach so viel noch immer das alte Verhalten an den Tag, als sei sie unberührt von jeglichen Schicksalsschlägen ihrer selbst geblieben.

Und es war richtig. Die Hoffnung durfte nicht aufgegeben werden, denn sonst würde eine weiße Dame wie Mallahall es nun einmal war, zergehen. Es war ihr Lebensquell. Alles, was sie bewegte, motivierte und woran sie sich festhalten konnte, wenn es sonst nichts mehr gab. Ihre Augen leuchteten im matten Licht des schneedurchdrungenen Tages. Die blauen Spiegel ihrer Seele richteten sich auf Asmodeus, als dieser ihr einen Einblick in das Geschehene gestattete. Sie lauschte, unterbrach ihre schwächlichen Streichelversuche nicht.
Im Hintergrund raunte Geisbart leise wie ein Windhauch gegen das Ohr des Wirtskörpers: "Ein kluger Pfand. Jeder Dämon würde sich nach ihr verzehren. Sie ist eine nahezu unendliche Ressource, an der man sich laben kann." Das war das Los eines starken Geistes. Er mochte für Dämonen unbrechbar sein, doch gleichzeitig konnten sie ihn auch ausnutzen. Wenn es sonst nichts zu fressen gab, kehrte man zu diesem Geist zurück. Man zapfte ihn an, erfüllte ihn hier und da mit Pein und sammelte das wenige Leid, das ihm im Gesamten nichts antun konnte, einem Dämon aber genug Nahrung war. Ohja, genau das musste es gewesen sein, was Mallahall in den Augen des haraxischen Torwächters so wertvoll gemacht hatte. Der Kater hatte vollkommen Recht. Warum also interessierte er sich so gar nicht dafür, sie einzunehmen? Warum blieb er auf dem gebrechlichen Körper des Medicus sitzen, so fest gar, dass er seine Krallen tief mit dessen Fleisch verwob?

"Ich ...", begann Mallahall dann zu sprechen. Sie sammelte Speichel im Mund, damit ihre Worte nicht im Hals kratzten. Es kostete Kraft. Es kostete Zeit und Asmodi musste aufmerksam lauschen, denn ihre Stimme blieb ein Wispern. "Ich ... erinnere mich. Succubus ... ja, dieser ... Drang, mich hinzugeben ... um von den Lebenssäften meiner ... Opfer ..." Mallahall riss es zur Seite. Ihr Körper warf sich reflexartig herum und sie würgte schaumigen Speichel auf das Laken. Die Erinnerungen hatten Spuren hinterlassen. Wie musste es sich für einen Menschen anfühlen, der jegliche Kontrolle über sein Selbst verlor und nur zusehen konnte, wie der eigene Körper von haraxischen Bedürfnissen getrieben andere ins Unglück stieß? FÜr Mallahall musste es ungeheure Qual bedeuten und dennoch ... sie roch kein bisschen nach Leid. Es gab weder für Asmodi noch für Geisbart etwas zu fressen. Die Magierin unterdrückte jegliche düstere Emotion, hielt an der Hoffnung ihres Geistes fest und nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, sank sie in die Kissen zurück.
Sie lächelte erschöpft. "Du ... hast mich ... gerettet." Keine Überraschung lag in ihrer Stimmfarbe, bedauerlicherweise aber auch kein Dank. Das mochte den Stolz des Dämons vielleicht dämpfen. Immerhin hatte er sich Mallahall aber mitteilen können und sie erwiderte es durch den Mangel an Überraschung. Ein Signal war es. Sie zweifelte nicht daran, dass Asmodi ihr zur Rettung käme. Noch immer glaubte sie an ihn oder ließ es zumindest so aussehen. Er mochte nicht hinter die Fassade blicken können, falls die Zyranerin überhaupt eine aufgesetzt hatte.
Nur ein Mundwinkel zuckte leicht, als sie den weiteren Worten lauschte. Außerdem blitzte das Blau ihrer Augen einmal auf. "Gegen Zyranus...", echote sie die Worte, die so schwer ihr Ohr erreichten. Ein Feldzug stand bevor und sie lag direkt an der Quelle dessen, konnte sich nicht rühren. Die Hiflosigkeit überschattete ihre Zuversicht. Dann kehrte erneut das müde Lächeln zurück. "Es ist Tarnung, nicht wahr? Niemals würdest du ... meiner Stadt ... etwas antun."
So wie Mallahall Asmodi verzieh, so hatte sie auch Gnade für Zyranus übrig. Es war und blieb ihre Heimat. Ihre Eltern lebten dort und so viele Unschuldige, die unter einem Eroberungszug würden leiden müssen. Sie lebten ihr Leben. Sie hatten eigene Probleme und nichts mit Amsodeus' Rache zu tun. Jene waren es, wegen denen Mallahall verzeihen konnte. Ein Frevel, ausgesprochen von wenigen, reichte nicht aus, dass sie Groll gegen eine ganze Stadt hegte. Für nichts, was man ihr oder Asmodeus angetan hatte. Für den Moment, da sie sprach, wirkte es fast, als schimmerte ihre Haut so weiß wie die Seele, die sie rein hielt.
"Aber was ... wirst du tun? Und was ... geschieht mit mir? Lässt du mich ... zurück?", fragte sie.
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Re: Kriegsrat

Beitrag von Asmodeus » Sonntag 19. April 2015, 14:55

"Ein kluger Pfand. Jeder Dämon würde sich nach ihr verzehren. Sie ist eine nahezu unendliche Res-source, an der man sich laben kann." Asmodi knurrte und schnaubte verärgert. Es machte ihn sicht-lich nervös, wenn sich Geisbart mit Mallahall beschäftigte. Doch er sagte nichts. Sollte Geisbart doch glauben, dass die Maga ein leichtes Opfer war. Er hatte ja noch nicht erlebt, wie es war, ihrem gleissen-den und läuternden Licht ausgesetzt zu sein. Mallahall hätte ihn damit dereinst beinahe vernichtet, als sie ihn aus Aurelius Körper getrieben hatte.
"Ich ... erinnere mich. Succubus ... ja, dieser ... Drang, mich hinzugeben ... um von den Lebenssäften meiner ... Opfer ..." Der Dämon kauerte sich in seiner typischen Haltung hin und legte seinen Kopf schief, als sie über ihre haraxischen Erfahrungen zu sprechen begann. Mallahall als Sexmonster war nun wirklich schwer vorstellbar. Ausgerechnet sie, die sie doch beinahe die Reinheit in Persona verkörperte. Obwohl sie zugegebenermassen sicherlich attraktiv genug war und vermutlich auch über das nötige Selbstbewusstsein verfügte, um Männer über lange Zeit glücklich zu machen. Mallahall hätte wohl viele Professionen meisterhaft beherrschen können, doch sie hatte sich für diesen Weg entschieden. Ob sie ihn nicht ab und an bereute? Der Dämon zuckte zurück, als es die Maga schüttelte. Unruhig beobachtete er das Szenario. Er hatte keine Ahnung, was der Harax mit Menschen machte. Schliesslich hatte er sich dafür nie interessiert. Er schnüffelte nach ihr und bleckte irritiert die Zähne. Asmodi war wohl das Letz-te Individuum, welches sich dazu eignete, erste Hilfe zu leisten und dies obwohl er den Geist eines be-gnadeten Medicus besetzte! Bleib ruhig. Ermahnte ihn die Stimme des Arztes in seinem Inners-ten. ICH BIN RUHIG DU VERMALEDEITER BASTARD! War die nervöse Antwort des Dämons. Er gefiel sich gar nicht in der aktuellen Rolle. Er war zu sehr vor Geisbart ausgestellt. In seiner Rolle als selbstbewusster Kriegsherr hatte er sich offensichtlich wohler gefühlt.
Der Dämon machte seinen Hals lang, als sich Mallahall beruhigte und sah sie forschend an.

"Du ... hast mich ... gerettet." Asmodi schnaubte kurz, als hätte sie etwas Unschickliches gesagt. „Ja.“ Brummte er und bemerkte offenbar nicht, dass er dieses leichte grollen von sich gab, welches so sehr an entspannte und zufriedene Katzen erinnerte. Doch irgendetwas stimmte bei dieser Feststellung nicht. Ihr Tonfall war nicht so ätzend überschwänglich und warm, wie sonst immer. Er hatte sie ja ei-gentlich stets für ihre liebevolle und aufopfernde Art verspottet und ihre Wärme stets als etwas unange-nehmen dargestellt, aber nun…war er beinahe etwas pikiert sie nicht zu kriegen. Selbst Dämonen waren Gewohnheitstiere.

"Gegen Zyranus..." „Jaaha!“ Dieses Thema gefiel dem Dämon und er machte sich sofort grösser indem er sich etwas aufkauerte. „Wir werden die magische Mauer schleifen und diese Hurensöhne mit ihren Spitzhüten um den Hals aufhängen.“ Schwelgte er genüsslich in seinen finsteren Fantasien.
"Es ist Tarnung, nicht wahr? Niemals würdest du ... meiner Stadt ... etwas antun." Die Augen des Dämons rauchten und er setzte ein hämisches Grinsen auf. „Deiner Stadt? Nein.“ Schliesslich sollte Zyranus sein neues Königreich werden. Der grösste Teil der Infrastruktur würde er durchaus stehen lassen…nur die Bevölkerung würde bluten und bluten und bluten und ihm einen ewigen süssen Nektar aus Leid spenden.
"Aber was ... wirst du tun? Und was ... geschieht mit mir? Lässt du mich ... zurück?" „Was willst du hier machen?! Ich traue diesem alten, lüsternen, grandessarischen Schwächling von einem König nicht. Natürlich kommst du mit!“ Und Rasputin schon gar nicht. Dieser Typ war ein Ritualmagier, dies macht ihn ohnehin schon suspekt…und gefährlich. Asmodi zögerte wegen Greisbart, zu viel von sich und seinen Plänen preiszugeben. Er hatte bisher Etelin, Zanraia und Castus mit keinem Wort erwähnt. Er wollte nicht, dass der Dämonenkater etwas über seine kleine Familie in Erfahrung brachte, darum sah er sich auch genötigt, Mallahall über den neuen „Gast“ aufzuklären. „Ausserdem braucht der Wirtskör-per dich. Mit „der Wirtkörper“, meinte er tatsächlich Aurelius. Dies war ein deutliches Indiz dafür, dass sich Dämon und Mensch offensichtlich in einem Zustand des kalten Krieges befand, wie so oft. Mal-lahall wusste inzwischen, dass es nichts Gutes verheissen konnte, wenn sich Dämon und Wirt in die Haare gerieten Angesichts seiner Ausführungen zu Zyranus durfte es ihr wohl nicht schwerfallen zu erraten, dass es mit der erhofften Tarnung von Asmodi nicht weit her sein konnte. Sie kannte den Dä-mon und wusste, dass er nichts schlechter wegsteckte, als Demütigungen.

„Denn seit wir im Harax waren, trägt er ein weiterer Parasit auf sich.“ Der Dämon duckte sich vornüber, damit Mallahall die Dämonenkatze direkt sehen konnte. Mallahalls Lage hatte sich definitiv nicht ver-bessert. Knapp dem Harax entronnen, musste sie sich jetzt also mitten im Zyranus feindlich gesinnten Königreich Grandessa, auch noch mit zwei Dämonen herumschlagen. Ihre Lage konnte man getrost als, gefährlich bezeichnen. Asmodi demonstrierte das Dilemma mit Geisbart, indem er kurz ausschwenkte und ihn gegen die Bettkommode prallen liess. Der Katzendämon rächte sich natürlich sofort körperlich an dem Wirt und Asmodi krümmte sich knurrend zusammen und hechelte, während ihm aufgrund des Schmerzes Speichel aus dem Maul tropfte. Es war offensichtlich, dass Geisbart und Asmodi keine Bu-senfreunde, sondern Konkurrenten waren. Asmodi hoffte, dass sie schnell einen Weg finden würden, um diese Plage loszuwerden.

Eins war klar.

Etelin fehlte. Der Strafende Stock auf Asmodis Kopf fehlte und auch die Erfahrung des Lichs mit Dämonen. Er hätte vermutlich gewusst, was zu tun gewesen wäre.

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Re: Kriegsrat

Beitrag von Erzähler » Montag 18. Mai 2015, 13:34

Geisbart musste die Berührung mit dem Harax doch aufgefallen sein. Und zwar war nicht jenes Betreten gemeint, bei dem Asmodeus den Kater kennen gelernt hatte, sondern die vorherige Besessenheit der Maga durch ihn. Sie hatte ihre Spuren hinterlassen. Man mochte die beiden feinen Strähnen, in denen das dämonische Blau noch glomm und sie gefärbt hatte, unter dem Gold ihrer Haare kaum ausmachen, doch es war vorhanden. Fein und dünn wie zwei in das Gold gesponnene Seidenbänder umrahmten die Strähnen Mallahalls Gesicht. Ein Antlitz, das derzeit noch immer ermattet wirkte. Sie würde ihn nicht selbstständig begleiten können. Nicht auf eigenen Beinen, wenn Asmodeus schon bald losziehen musste. In den Krieg! Er könnte es auch nicht über eine oder zwei Wochen hinauszögern, die die Magierin mit Sicherheit für eine Genesung brauchte. Die Truppe wartete bereits im Hof. Sie war abmarschbereit. Wie stand es um ihren Kriegsherrn aus dem Harax?
Im Augenblick sah es nicht danach aus, als wäre er für irgendetwas Anderes bereit als weiterhin neben der weißen Dame, seiner Herrin, zu kauern. Sie befehligte ihn. Wenn das herauskäme, würde sich ein Grandessaner es sich zu Nutzen machen; ohne einen Wimpernschlag lang zu zögern. Allerdings würde der König möglicherweise veranlassen, Mallahall unter allen Umständen mit in den Kriegszug gegen Zyranus zu nehmen, wenn er nur wüsste, welche Macht diese Frau besaß. Das Problem war, dass es am besten nur der König wissen sollte. Nicht auszudenken, was mit der Lichtheilerin geschah, erführe eine Elfe wie Myra Zhai von ihrem Einfluss. Asmodeus würde wohl überlegt an die Sache herangehen müssen. Er durfte nun nicht kopflos handeln.
Außerdem musste er gleichermaßen darauf achten, was und wieviel von seinen Plänen er in Mallahalls Gegenwart preisgab. Noch glaubte sie an eine List ihres Gefährten. Noch berief sie sich auf all die Ergebnisse, die sie - und damals auch Adelmund - erreicht hatten. Noch hoffte sie, er würde mit allen ein Spielchen treiben. Sie glaubte nicht daran, dass sie der Spielstein war. Ein Bauer auf dem Felde. Die weiße Dame befand sich in Gefahr, doch Asmodeus' Bestreben war es, dem König gefällig zu sein, um für sich im Gesamten das Spiel zu gewinnen.
"Deiner Stadt? Nein." Mallahall atmete beruhigt aus. Seit ihrem Erwachen wirkte sie in Gegenwart der beiden Haraxier erstmals wirklich entspannt. Man konnte fast meinen, diese Antwort gäbe ihr neue Willenskraft zurück. Ihr Gesicht hatte eine neue Spannung angenommen. Selbstsichere Züge einer Frau, die wusste, was sie wollte und es jederzeit erreichen konnte, kehrten zurück. Die Haut nahm mehr Farbe an und in das Saphirblau ihrer Seelenspiegel trat ein überzeugtes Funkeln. Tarnung, ein Bluff. Der Hauch eines Lächelns kräuselte sich in ihren Mundwinkeln. "Jetzt weiß ich", gab sie leise von sich. Ihre Stimme klang noch immer etwas heiser wie bei einer grippalen Erkrankung oder einer Nacht mit offenem Mund, aus der Man fernab eines Glases Wasser erwacht war. "Du willst mit dem Angriff nicht nur ... die Grandessaner ... täuschen. Du willst auch ... die Zyraner aufrütteln. Wenn ihre Stadt - meine Heimat - angegriffen wird, müssen sie ... handeln. Dann müssen sie sich erheben und gegen den Schrecken vorgehen, der über Celcia herein bricht. Dann ... müssen sie ... und dann ... werden sie ... kämpfen." Das waren viele Worte. Erschöpft sank ihr Kopf noch etwas tiefer ins Kissen. Mallahall schloss die Augen, aber sie streckte ihre Finger nach Asmodeus aus, lauschte seinen Worten. Und endlich zeigte sich ein sachtes Schmunzeln. "Vertragt euch." Sie sagte es so leise und warm. Mehr brauchte es nicht. Wie eine Mutter, die ihre Kinder zur Räson brachte. Doch bei ihr war es ein Befehl ... einer, dem sich der Dämon fügen musste? Doch wen genau meinte Mallahall nun?
Geisbart stieß ein Maunzen aus, dann schmiegte er den Kopf dichter an Asmodeus' Hals und rieb sich daran, bis er schnurrte. Mallahall schaute noch immer nicht, aber sie hörte es und es klang anders als das grollige Schnurren, das der Dämon zuvor noch von sich gegeben hatte.
"Denn seit wir im Harax waren, trägt er einen weiteren Parasiten auf sich."
"Meinst du den Kater? Ist das ... eine Dämonenkatze?"
"Gar nicht so dumm", gurrte Geisbart. Sein Schweif schwang hin und her, dass es Asmodi am Oberarm kitzelte, wo die feinen Haare ihn streiften.
"Er ist doch keine Gefahr?" Mallahall glaubte also immer noch an das Gute in einem jeden Wesen, selbst in einem frisch aus dem Harax entkommenen Dämonenkater. Aber sie war vorsichtiger geworden, zog zumindest inzwischen in Erwägung, dass nicht alles lieb und nett war. Erst Recht nicht, wenn es dieser finsteren Sphärenwelt entsprang, der sie gerade so alle hatten entkommen können. "Wie geht es ... euch beiden damit?", fragte sie nach.
Geisbart schwieg.
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