Das 'Tarenische' Eckhaus

Hier lebt das einfache Volk Grandeas. Händler, Bauern, Handwerker und ärmere Bettler und verruchtes Gesindel wohnen hier Tür an Tür.
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Valeros Tareon
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Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Valeros Tareon » Montag 4. April 2011, 19:46

Skeptisch betrachteten seine Auge die mit Menschen gesäumten Straßen des Armenviertels der Stadt. Der morsche Holzbalken in seinem Rücken drückte unangenehm ins Fleisch - Der junge Mann hob sich also für einen kurzen Moment vom Fensterrahmen ab, seufzte leise und ließ sich dann ruckartig wieder nach hinten sinken. Der Aufprall vertrieb die vorher erfahrene Erlösung genauso schnell, wie ein Hund die Ratten der Hintergassen. Valeros wartete. Erneut blickte der arme Schlucker hinaus auf den mit Dreck und Unrat gesäumten Marktplatz des äußeren Ringes. Er gehörte zu den Wenigen, die genug Geld hatten um sich eine Behausung hier leisten zu können, doch selbst diese vier Wände waren den meisten noch nicht mal die Bezeichnung 'Haus' wert. Die Decke knarrte und wies an vielen Stellen Löcher auf, Vögel verirrten sich von Zeit zu Zeit in sein Gebälk. An vielen Stellen bröckelte der Lehm von den Steinen. Trotz all' dieser Dinge war der junge Mann mit seinem Wohnort zufrieden. Von hier war es ihm möglich einen großen Teil seiner neuen Heimat zu beobachten. Auch wenn das Leid ihn nicht glücklich stimmen konnte. Bettler, verwahrloste Kinder und in die Prostitution gezwungene junge Mädchen - Er musste bei diesem Anblick an seine Mutter denken und welches Schicksal sie in all' den Jahren wohl ereilt hatte. Dann jedoch erinnerte sich Valeros an seine Zeit als Vaem und verbannte die boshaften Gedanken, zusammen mit Vergangenheit und Mutter. Er zwang sich zu den hohen Zinnen der inneren Ringmauer zu schauen, sammelte Spucke und spie sie dem verhassten Wall aus Dekadenz entgegen. Jedes Mal, wenn er diesen Wall betrachtete, sammelte sich Wut in seinem Herzen und es verlangte Valeros nach einem dummen Adligen, dessen Brieftasche und Brust er aufknöpfen konnte. Das Gold für die Armen und das Herz eines solchen Bastards für das Wohlbefinden. Er schaufte wütend und sofort hob sich ein Kopf im inneren des Dachzimmers.

"Ich kenne das Schnaufen, Valeros, bleib' ruhig ... sie wird schon kommen. Vermutlich hat sie nur etwas aufgehalten - Keine Wache natürlich, du verstehst ... die sind zu dumm oder sowas. Also, damit meine ich ...", begann die zittrige Stimme loszuplappern. Sie gehörte einem sehr jungen Streiter für die Sache, aber er war nicht minder Feuer und Flamme für die Ziele der Widerstandstruppe wie die alten Kämpfer. Valeros löste seine Arme aus der Verschränkung und hob mit einem Lächeln gepaart seine Hand.
"Schon gut, Flick, ich hab´s verstanden. Es wird schon gut gehen. Was ist mit den anderen? Hat jemand gehört, dass noch mehr kommen wollten?"

Die brauen Augen flogen durch den Raum. Er war so gut wie es die zerstückelten Fensterladen zuließen abgedunkelt. Hier und da fiel ein silbrig, grauer Streifen Licht in das Zimmer - Die Sonne hatte sich seit zwei Tagen nicht mehr blicken lassen und es regnete ab und an. In den anderen Provinzen des Reichs brannte die heiße Scheibe Löcher in die Hemden. Aber dieses Wetter passte sehr gut zu der Stimmung in den Armenvierteln - Keine Sinne, nur Regen und Trostlosigkeit. Außer Valeros und Flick fanden sich noch zwei weitere Recken für die gerechte Sache im Eckhaus. Das große, bullige Gesicht eines dicken Metzgers in der Nähe, der seit Jahren nicht mehr als Ratten oder Katzenfleisch anbieten konnte, schaute geduldig in die flackernde Kerze auf dem Tisch vor ihnen. Er dachte nach, das konnte man an den Stirnfalten sehen, die sich erstaunlicherweise über die gesamte Glatze zu ziehen schienen. Man nannte ihn nur "Fleischer", denn der Name Lorence war ein misslungener Versuch der Mutter gewesen, ihren Sohn in die oberen Schichten zu bringen. Gleich daneben stand, etwas nervös wirkend, Friedbert. Ein Adliger aus der untersten Schicht. Er war so weit unten, dass er mit einem Bein schon im Armenviertel stand. Seine Ursprünge befanden sich auch hier, nicht unweit ihres heutigen Treffpunktes. Durch eine verkannte Erbschaftsfolge schaffte es der Blaublutspross in den inneren Ring und bringt die Truppe bei Einsätzen des Nachts dort hinein. Viele misstrauen ihn, doch Valeros verließ sich bereits oft auf die Talente seines Mitstreiters und immer wurde der Bande ein einfaches aus- und eingehen ermöglicht.

"Ich glaube Ratte wollte noch aufschlagen, er meinte, er wolle dir die 'Worte des Untersten' mitteilen. Verrückter Halunke!", grunzte Fleischer in seinen vollen Schnauzer. Valeros hob eine Braue. Ratte war das Ohr der Straße. Er versorgte die Widerstandskämpfer mit den Meinungen der Bevölkerung und handelte Geschäfte aus, warb neue Rekruten an und vieles mehr. Es gab andere mit ähnlichen Aufgaben, aber Ratte war der Beste. Durch diesen hageren, dürren Irren konnte die Truppe ihre gesamte Größe beinahe verdoppeln. In Grandea arbeitete beinahe jeder fünfte arme Schlucker auf irgendeine Weise für den Winderstand und war dessen Beitrag noch so klein, er half gerne und mit dem Gewissen, ihm wird auch geholfen. Mit einem letzten Blick auf die Straße löste sich Valeros von seinem Platz und schritt in das Halbdunkel des Raumes. Mit den Fingerspitzen fischte er eine kleine Papierrolle aus dem Taillenbeutel. Sie war mit sehr billigen Kraut gefüllt und roch bereits ohne Feuer erbärmlich. Das störte Tareon allerdings nicht. Er paffte meistens an diesen Stängeln, da sich jemand in seiner Position keine Pfeife und kein gutes Kraut leisten konnte. Das war das einzige, was den armen Menschen in diesme Teil der Stadt blieb, während die reichen Fettsäcke sich mit exotischen Genüssen volllaufen lassen. Bevor der junge Mann mit den Zähnen knirschen konnte, schob er das eine Ende des Papiers in die Flammen der Kerze, steckte sich das unversehrte Ende zwischen die Lippen und sog langsam daran. Eine stinkende Rauchwolke stieg auf und schlug das Zimmer sofort in einen nebligne Dunst. Friedbert musste schwer husten.

"Reiß dich zusammen, Friedbert, du könntest das nächste Mal einfach an besseren Tabak denken." Alle musste schmunzeln, denn jeder wusste, dass es für einen Adligen wie Friedbert kaum möglich wr, sich den Luxustabak zu leisten. Valeros klopfte auf den Tisch und nuschelte etwas von einer Zusammenkunft. Nun standen alle um den alten Rundtisch herum und blickten auf eine Vielzahl an Plänen, Karten und Zeichnungen. Mit einem Wischer seine Hand entfernte Tareon einen Dolch von der Mitte der Dokumente und trieb ihn mitten in eine Skizze der Palastanlagen.
"Wir müssen uns endlich von diesem Joch befreien. Diese verdammten, arroganten und widerwertig reichen Mistmaden wälzen sich in ihrem dekandenten Dreck und wir dürfen ihre Scheiße fressen. Wir haben all' die Jahre viel getan und viel erreicht, dass wird die kommenden Tage aufhören. Ich hoffe ihr habt die ...", doch bevor Valeros fortfahren konnte, hämmerte es an der Tür und jemand trat schwungvoll ein. Sofort legten sich mehre Hände um Waffengriffe. Der Fleisch wirbelte herum und hielt einen Dolch direkt an die Kehle des Eindringlings. Dieser hob die Hände und lachte kreischend:
"Ohh nein, nein, werte Herren, habt gande mit einem armen Wurm - Hehe!" Sofort entspannte sich die Lage und jeder ließ die Waffen wieder sinken. "Ratte, du Idiot. Dreimal Klopfen, zweimal die Hand und ..." - "Einmal der Fuß, ich weiß, Friedbert, ich weiß. Ihr habt ohne mich angefangen?"
Neugierig blickte sich der heruntergekommende, verpickelte Mann um. "Wo ist Amiri?"
Valeros schaute ihn nicht mal an, sondern fuhr mit dme Finger einige Linien auf seinen Karten nach.
"Sie macht einen Botengang, um herauszufinden, ob an diesen Dunkelelf-Gerüchten etwas dran ist."
Jetzt wurde Ratte aufmerksam und rieb sich die Hände. Er trat an den Tisch heran und wurde direkt von einer Qualmwolke begrüßt. Er atmete jedoch tief ein. Tareon ließ ohne Worte einen Tabakstengel rüberollen. Sofort zündete sich Ulias, alias die Ratte, das Papier an und paffte mit. "Die Dunkelelfen ... ja, viele Bürger sind deswegen beunruhigt. Einige meinen, man hätte welche gesehen, andere sind fest davon überzeugt, dass dies nur Hirngespinste der Adligen sind, um mehr Brutalität walte nzu lassen - Viele fragen nach unserem nächsten Schritt." Valeros grübelte und das sah man ihm an. Er seufzte und bat Flick die Tür zu schließen. Erst als diese zu war, hob Valeros wieder an zu reden. "Ich hoffe, dir ist niemand gefolgt ... die Wachen sind heutzutage aktiver als früher. Wir warten erst auf Amiri und was sie zu sagen hat. Bis dahin, verhaltet euch ruhig und schaut euch diese Zeichnungen an. Sie haben einen neuen Zugang in der Mauer geöffnet ... "

... Einstiegspost

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Amiri
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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Amiri » Montag 4. April 2011, 21:00

Einstiegspost

Ein vertrautes Gefühl überkam Amiri als sie den äußeren Ring betrat. Sie war spät dran doch es war besser durch die Schatten zu wandern als den direkten Weg zu Valeros Heim zu nehmen. Die Nebenstraßen waren matschiger und verdienten kaum das Wort Straße. Sollten ihr jetzt Wachen folgen würde sie es wahrnehmen. Durch ihre schweren Rüstungen würden sie deutlich mehr Krach verursachen als sie es nun tat.

Du bist zu spät dran! Valeros wird sich Gedanken machen. ermahnte sie sich in Gedanken, es war einfach nicht ihre Art zu spät zu kommen. Amiri war stehen geblieben und hatte zurück geblickt. Wie erwartet war niemand zu sehen. Mit eiligem Schritt ging sie weiter und zog den Umhang dichter an ihren Körper. Die Kälte und die Nässe waren ihr in den Leib gekrochen, sie sehnte sich nach einem wärmenden Feuer. Die Kapuze hatte zu Beginn ihrer Unternehmung noch für einen trockenen Kopf gesorgt, doch mittlerweile war ihr Mantel vollgesogen mit Wasser. Er diente eher noch der Tarnung als dem Fernhalten des Wassers. Auch die dümmste Wache würde misstrauisch werden wenn sie Amiris Bewaffnung erblickte. Dabei hatte sie ihr Schwert und den Bogen schon in Valeros Obhut gelassen. Doch selbst ein Dolch war im Armenviertel schon verdächtig viel.

Sie bog um die nächste Ecke und horchte. Nichts war zu hören, keine schweren Schritte im Schlamm, keine Stimmen. Nur der Regen der leise auf die Erde fiel. Sie verschwand in einem dunklen, engen Gang, bog einige Male ab und sprang dann über eine kleine Mauer.
Valeros Haus war ihr Unterschlupf und sie hatte es mehr als lieb gewonnen. Ein sentimentales Lächeln huschte über ihr Gesicht als sie in dem verwilderten kleinen Garten stand. Lautlos bewegte sie sich auf einen kleinen Schuppen zu und öffnete die Tür. Sie hob diese ein bisschen an um ein verräterisches quietschen zu verhindern und trat ein. Ihr Kaltblut schaute sie aus großen Augen an und schüttelte sacht den Kopf. Das Iska noch hier war, war, wie immer ein gutes Zeichen. Hätten die Wachen das Haus durchsucht wäre der Hengst auch verschwunden gewesen. Sei es weil ihn einer der Männer zur Flucht genommen hätte oder weil er beschlagnahmt worden war. Mit zittrigen Fingern strich sie über die warmen Nüstern. Gedanken aus früher Zeit stiegen ihr in den Sinn, doch sie vertrieb sie schnell. Die Versammlung dürfte schon begonnen haben, Valeros würde sich fragen wo sie blieb und die Informationen die sie hatte waren auch dringend.
Unter ihrem schwarzen Umhang nahm sie einen Apfel hervor und reichte ihn Iska. Laut kauend nahm das Pferd den Leckerbissen an sich.
„Du sollst ja auch mal etwas von meinen kleinen Streifzügen haben!“, flüsterte sie ihm zu und verschwand wieder aus dem Schuppen.

Im Erdgeschoss des Hauses war es kalt und dunkel. Von oben waren leise Stimmen zu hören. Amiri ging die Treppe hinauf, wohl wissend dass die vorletzte Treppenstufe furchtbar knarrte übersprang sie diese. Sie wollte niemanden unnötig aufschrecken. Als sie vor der verschlossenen Tür stand seufzte sie leise. Den Männern würde sicherlich nicht gefallen was sie zu sagen hatte. In schneller Reihenfolge klopfte sie und öffnete die Tür.
Fünf Augenpaare blickten sie erwartungsvoll an. Die Männer standen um den Tisch herum und waren offensichtlich mitten im Gespräch gewesen. Es roch nach dem schlechten Tabak des Armenviertels. Der Raum war verqualmt und hatte etwas Geheimnisvolles an sich. Amiri mochte diese Atmosphäre, war es doch meistens der Beginn einer guten Idee.

„Verzeiht mir die Verspätung. Ich wurde aufgehalten!“, begann sie kurz zu erklären und entledigte sich von ihrem nassen Umhang. Seufzend setzte sie sich auf einen der Stühle an den Tisch und legte den Kopf in den Nacken. Sie musste kurz durchatmen. Die Anspannung der letzten Stunden fiel langsam von ihr ab.
Dann hob sie ihre Tasche von der Schulter und legte sie auf den Tisch.

„Bevor ich mit den Neuigkeiten heraus breche…“ sagte sie grinsend und holte zwei Flaschen guten Weins hervor, ein Bündel Tabak in einer edlen Ledertasche und einige Lebensmittel.
„Ich kann doch nicht unsere Freunde besuchen ohne etwas mit zu nehmen.“

Sie blickte Valeros an und grinste: „Könntest du uns bitte Becher besorgen. Ich bin für heute genug herum gelaufen!“
Kurzerhand verteilte sie den Wein in den Bechern und gönnte sich einen Schluck. Süß und sehr viel schwerer als das was sie sonst tranken, aber es tat gut. Gaukelte er ihr doch das Gefühl vor sie von innen heraus zu wärmen. Nach einem tiefen Zug war auch der letzte Rest Anspannung von ihr abgefallen. Sie war zu Hause angekommen, alles andere konnte man nun in Ruhe besprechen.

Ratte schaute sie an. Amiri hatte diesen Kerl noch nie leiden können und dementsprechend kalt fiel ihr Blick aus.

„Nun Amiri“, begann er „wie verhält es sich mit den Gerüchten um die Dunkelelfen? Ein wahrer Kern oder nur ein Hirngespinst der Adligen?“

Sie seufzte abermals und blickte besorgt in die Runde ehe sie nickte.

„Der König hat gemeinsame Sache mit den Dunkelelfen gemacht. Mir sind Gerüchte zu Ohren gekommen das er auch Soldaten zu einer Schlacht um Pelgar geschickt hat. Aber um den Wahrheitskern dieser Aussage zu überprüfen fehlte mir die Zeit. Tatsache ist aber dass die Dunkelelfen im Reichenviertel freie Hand haben. Also ist es nur eine Frage der Zeit bis wir diese abartigen Bastarde auch bei uns antreffen werden.“

Sie schaute Valeros ernst an:

„Die Dunkelelfen übertreffen unseren König und die Wachen in jeder Grausamkeit um Längen, Valeros. Sie sitzen in den Schenken und schlendern über die Straße als wäre es schon immer so gewesen. Wenn ihnen im inneren Ring langweilig wird vergreifen sie sich am einfachen Volk und ich muss wohl nicht betonen das niemand der Wachen eingreifen wird…“

Amiri ließ die restlichen Tatsachen ungesagt. Die Dunklen würden einen abartigen Spaß am einfachen Volk haben und alles würde noch viel schlimmer werden als vorher. Bisher dachte die junge Frau immer dass ihr Volk nicht tiefer fallen konnte, heute wurde sie eines besseren belehrt. Abermals zog sie an der kleinen Papierrolle und genoss es noch einmal anständigen Tabak erbeutet zu haben.
Sie stand auf, legte den geliehenen Dolch auf den Tisch und nahm sich von der Wand ihren Waffengurt. Nachdem er sich wieder um ihre Hüften schmiegte fühlte sie sich gleich wohler. Für die Erkundungsgänge dieser Art war die Waffe nur hinderlich und trotzdem trennte sie sich nur schwer davon.
Sie nahm sich einen Apfel vom Tisch, ging um den Tisch zu Valeros und beugte sich über die Karte.

„Worüber habt ihr gerade gesprochen und was sollen wir wegen den Dunkelelfen unternehmen?“, fragte sie ohne weitere Umschweife und biss in den Apfel.

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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Erzähler » Montag 4. April 2011, 22:05

Das Eckhaus sollte, wenn man es von Außen betrachtet, eigentlich nicht als solches bezeichnet werden. Eher eine heruntergekommende Bruchbude, das wäre wohl der treffendere Ausdruck dafür und sogar noch geschmeichelt. Trotzdem konnte derjenige, der sich eine Bruchbude leisten konnte, noch von Glück reden denn viele hier im Außenring hatten nicht mehr, als ihre Haut an den Knochen und sogenannte Kleidung, die aus dreckigen Lumpen bestand.
In den oberen Schichten wurde dieses Areal als Wohnviertel bezeichnet, worüber die Bewohner nur bitter schmunzeln konnten. Dieses Viertel glich eher einem Abdeckerhof für die Massen; alles was wertlos war und ausgedient hatte, sollte hier seine oder ihre letzte Stätte finden. Die Bewohner dieses zweifelhaften Ortes hatten sich teilweise damit abgefunden oder taten zumindest so. Nicht selten gab es welche, die versuchten sich einen besseren Stand zu ergaunern, oder noch Schwächere, als sie selbst, abzuzocken. Hier galt der Grundsatz fressen, oder gefressen werden. Das Armenviertel von Grandea war wirklich das Erbärmlichste, was jemand zugesicht bekommen konnte.

Zu allem Überfluss, regnete es seit Tagen ununterbrochen und die Wege, die eher Trampelpfaden aus toten Tieren, Kot, herumliegender Bettlern und Dreck glichen wurden zu einem einzigen Schlammbad. Auf den sogenannten besseren Wegen, die mit dem Kopfsteinpflaster, das überall Löcher aufwies, sammelte sich der Dreck und das Regenwasser, nur um Ahnungslose hineintreten zu lassen.
Überall suchten die Armen Schutz, irgendwie und um jeden Preis, einige hatten sich sogar ergeben und saßen ohne Hoffnung in den Augen, gedemütigt und geschlagen, am Wegesrand und starrten auf unsichtbare Dämonen. Hier war wirklich die Hoffnungslosigkeit und der Tot zuhause.

Doch an dieses Bild hatte sich Amiri bereits gewöhnt. - Wenn man das so nennen konnte, denn jedes Mal, wenn sie die Armen sah, pochte ihr Herz nur wilder in ihrer Brust und ließ sie nicht vergessen, warum sie tagtäglich ihr Leben riskierte. Ihr Gerechtigkeitssinn hatte in dem kleinen Quintett wertvolle Verbündete gefunden und sie hatte sich bereits sehr gut arrangiert mit ihrer neuen Rolle.
Während sie klugerweise die Umwege wählte, hatte sie keine Schwierigkeiten, unbehelligt zu dem kleinen Eckhaus zu gelangen. Der Regen hatte ihre Sachen durchnässt, doch daran störte sich die Frau nicht. Sie war es gewohnt und merkte es schon beinahe nicht mehr. Hier nicht nass oder dreckig zu werden, war ein vergebliches Unterfangen.
Während Amiri sich noch kurz dem treuen Iska zuwandte, waren die Männer ein Stockwerk über ihr damit beschäftigt, im stickigen Rauch Karten zu studieren. Valeros hatte einiges zu bereden und doch konnten sich seine Gedanken nicht richtig auf die Informationen, die die Karte vor ihm enthielt, fokussieren. Es war ungewöhnlich für die Freiheitskämpferin, sich zu verspäten und er wusste, es konnte immer bedeuten, dass etwas schiefgelaufen war. Woher sollte er ahnen, dass sich die Frau einfach 'nur' verspätet hatte? Vielleicht musste er ihr noch mal erklären, was es hieß sich zu verspäten, was es bedeuten konnte, welche Überlegungen dahinter standen, wenn sich jemand verspätete. Oder er würde es dieses Mal gut sein lassen, doch so sehr ihn seine Gefolgsleute achteten, so sehr wussten sie auch um seine aufbrausende Art. Und auch Amiri wusste das. War es wirklich klug, so einfach zur Tagesordnung über zu gehen, wenn sie sich in einer heiklen Lage befinden? Zumal sie sich wohl verspätet hatte, weil sie noch einige der besagten 'Freunde' erleichtern musste, für Wein und Tabak. Ob das geduldet werden würde?

Das Ambiente, welches die junge Frau lieb gewonnen hatte, wurde durch den prasselnden Regen, der zusehends an Stärke gewann, noch verstärkt. Ungnädig pfiff der Wind durch die vielen Löcher des Hauses und ließ nichts Gutes erahnen. Wenn das so weiter ging, würden sich die Wege des Viertels in Schlammlawinen verwandeln und Hilflose eventuell mitsich reißen. Vielleicht war es klug das Wetter im Auge zu beahlten, wenigstens im Hintergrund.

Während Amiri sich setzte und knapp ihre Entdeckungen preisgab, standen Flick, Fleischer und Friedbert wortkarg um den Tisch herum und musterten gespannt die Lage. Sie alle verdauten kurz die Nachricht von Amiri und Fleischer war der Erste, der eine Reaktion zeigte: Er haute mit der Hand auf den Tisch, sodass dieser schepperte, und rammte sich dann die Faust selber in die Handfläche. "Sollen sie kommen, verdammte Schweinehunde! Ich prügel den die Farbe aus dem Leib!" Doch konstruktiv war das nicht und alle Augenpaare richteten sich auf Valeros.
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Valeros Tareon
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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Valeros Tareon » Mittwoch 6. April 2011, 20:09

Ein breites Grinsen huschte über Valeros Lippen. "Eine gute Prügelei mit den Hunden des Königs kann niemals falsch sein, Fleischer, also wenn du jemals ein paar dieser spitzohrigen Kriecher treffen solltest, vergiss mich nicht." Der junge Mann klopfte dem breitgebauten Freund auf die breite Schulter und zog dabei ruhig an seiner Tabakrolle, deren brennende Spitze im Halbdunkel aufglimmte. Der Schatten um Valeros braue Augen wurde kurz von einem rötlichen Schimmern verdrängt. Das sanfte Licht erhellte die Narben und herben Züge in seinem Gesicht, machte ihn älter und zeigte eine tiefe Entschlossenheit. Des Metzgers Schnauzbart zitterte vor Freude über einen solchen Freund und Anführers. Fleischer hatte den jungen Tareon auf der Straße getroffen, verdreckt und kaum ansprechbar. In der Nacht hatte der junge Mann dem Alkohol zugesprochen. Da man sich nur selten half, wenn es um die eigene Haut ging, hatte auch niemand einen Grund gesehen, den Betrunkenen aus dem Schmutz zuziehen, doch Fleischer half dem verwaisten Kerl auf die Beine, schaffte diese und ihren Herren in seinen Laden und sorgte für einen trockenen ausnüchternden Tag. Nur wenige Tage später befreite Valeros den Laden seines 'Retters' aus dem Griff einiger skrupelloser Geldeintreiber. Schnell führte das Eine zum Anderen und so sitzen die beiden nun im Dachstuhl eines Eckhauses und hecken 'dunkle' Pläne aus.
Begleitet von einem Nicken, löste Valeros die Hand wieder und stütze sich auf dem Tisch ab. Jeder hatte sich inzwischen am Wein und an den anderen Gaben bedient. Flick hatte darauf bestanden, die Becher zu verteilen und jedem ein entsprechendes Gefäß gereicht - Valeros hatte nur seinen Becher und der Rest des häuslichen 'Geschirrs' bestand aus Holzschüssel oder Tonröhren aus billiger Verarbeitung. Eine Wolke stinkenden Tabaks drang aus Valeros Mundwinkel, als dieser seinen Anteil an Vorräten Flick entgegen schob. "Ich habe gehört, dass deine Geschwister Hunger leiden, Flick. Nimm' das und bring' es ihnen nach der Versammlung." Der Junge blickte sehr schnell zwischen der unerwarteten Gabe und dem Wohltäter hin und her. Kurz dachte er darüber nach, ob es richtig wäre ein solches Geschenk anzunehmen, aber die meisten wussten bereits, dass Valeros keinen Krümmel zurücknehmen würde. Ebenso verschmähte wie den Wein und Tabak. Er wollte nichts aus den Gärten der Dekadenz. "Adligenpisse ist Nichts für mich - Wer weiß, was diese reichen Säcke in ihren Alkohol mischen. Ganz zu schweigen vom Tabak - Bedient euch, lebt ein paar Stunden wie diese Abarten und erfahrt, wie es für alle sein wird, wenn nur der König unter unseren Stiefeln liegt." Dreckig grinsend zog er an seinem Glimmstengel und ließ ein feixendes Lachen hören. Amiri nährte sich ihm und nahm ihren Platz am Besprechungstisch ein. Valeros sah sie nicht einmal an.
"Ich hätte mir schon fast Sorgen gemacht - Fast. Das nächste Mal solltest du zum verabredeten Zeitpunkt hier auftreffen. 'Könnens nicht gebrauchen, dass jemand im Eisenkäfig über der Jauchegrube schwebt. Dann hätte ich niemanden mehr der in meinem Bett für zeitliche Verzückung sorgt. "
Er fuhr sich kurz durch die Haare, konnte sein Grinsen nicht ablegen und tippte mit einem Finger auf seine Pläne. Er räusperte sich kurz.
"Chrm. Wir haben Jahrelang dafür gesorgt, dass die Reichen ärmer werden un die Armen leben dürfen. Überfälle, Morde, Diebställe und noch sehr viel mehr fallen auf unser Konto - Obwohl mein Gesicht sich auf dem Steckbrief sehr viel schöner macht." Mit einer gewaltigen Portion Stolz fischte Valeros einen dreckigen Fetzen Papier unter den Dokumenten hervor. Am oberen Rand war es eingerissen, dort wo jemand versucht hatte es mit einem Nagel zu befestigen. Die Blicke senkten sich auf das Schriftstück und Ratte ließ ein langes Pfeifen hören. "Huuuie. Das sind ja zehn Geldstücke mehr als das letzte Mal. Hehe ... für die Summe könnten sich sogar einige Kopfgeldjäger begeistern. Ich sehe, wir haben viel geleistet." Alle mussten Lachen oder zumindest Schmunzeln. Es war wahr. Der Steckbrief des Anführers war ein mehr als eindeutiger Beweis dafür, dass ihre Aktionen Erfolg hatten und die Oberschicht Stück für Stück in Bedrängnis brachten. Friedbert war der erste, der sich wieder gefangen hatte. Sein Lachen klang wie immer gekünstelt. Die meisten Menschen waren der festen Meinung, dass das eine Nachwirkung des höfischen Getues war - Diese Illusion der Reichen etwas Besseres zu sein, als saufende, fressende Tiere die sich zu jeder Zeit der Kopulation hingaben. Valeros ließ das Stück Papier wieder in die Mitte des Tisches flattern. Tropfen platschten durch das Dach und verteilten sich an bekannten Stellen in allerlei Gefäße. Selbst der Nachttopf gab hin udn wieder ein leises *Pling* von sich. Der Regen war stärker geworden, aber das war ein gutes Zeichen. Der Regen hielt sich die vergangenen Tage nicht sehr gut und sobald sich die Wolken ausgeregnet hatten, brach die Sonne für einige Stunden durch. Valeros wusste, dass der schwarze Himmel vom Meer aus kam. Dort sammelte sich die meiste Feuchtigkeit. Er seufzte etwas und war wie immer enttäuscht über das unfreundliche Wetter in Grandea.
"Die Dunkelelfen sollen ihre spitzen Ärsche solange durch die Reichenviertel schaukeln wie sie wollen. Vor Wachen ziehen wir nicht den Hut und das werden wir vor elfischen Schmarotzern an Adligenseite ebenfalls nicht tun. Das sind doch alels nur neue Kriecher in häßlicher Verpackung. Wir bleiben beim aktuellen Plan: Wir bringen den König zu Fall." Jeder Mund öffnete sich und die Augen waren auf den Anführer gerichtet. JEder wusste, dass das Ziel jeder ihrer Taten war, aber das der Plan so früh in Angriff genommen werden würde, damit hatte wohl niemand gerechnet. Zweifeln fragte Flick: "Bist du dir sicher? Jetzt?"
Valeros schaute ihn fragend an. "Ich bin der Meinung, dass es eigentlich keine bessere Gelegenheit dafür gibt. Wenn das stimmt, was Amiri mir sagte und was wir gehört haben, dass die Truppe zu großen Teilen nach Norden gezogen sind, fehlen sie hier in der Stadt. Die wenigen Dunkelelfen kümmern uns nicht. Eine bessere Gelegenheit gibt es für uns nicht." Energisch tippte er auf einige der Skizzen und deutete dann auf Friedbert. "Friedbert hat uns anhand einiger Geldmittel und Dienerschaften diese Zeichnungen anfertigen können. Das sind grobe Pläne über den Aufbau des Schlosses. Wir werden jemanden Entführen." Friedbert schaute verblüfft, scheinbar hatte er keine Ahnung davon gehabt, was er da genau getan hatte. Doch Valeros war ungerührt, zog an seinem Tabakröllchen und zeigte auf einen alten Teil des inneren Walls. "Dort wurde ein Müllgang errichtet. Gerade groß genug für einen Menschen und perfekt um in den oberen Teil der Stadt zu gelangen - Natürlich ohne gesehen zu werden. Wir werden mit einem kleinen Trupp in den Palast eindringen, jemand sehr wichtigen herausholen und schnell verschwinden. Hehe ... keine Armee, eine Entführung und ein alter König dem vor Zorn der Schädel platzt. Es wäre zwar Schade, dass ich dabei nicht anwesend wäre, aber ich denke, mit dem Gedanken eines zerpflückten Herrscherhirns kann ich mich amüsieren. Was meint ihr dazu?"
Valeros fuhr sich durch seine Haare und schaute jeden eindringlich an. Er würde auf Vorschläge eingehen, so wie er es immer tat ... er hoffte nur, dass jeder erkannte, dass eine solche Gelegenheit nie wiederkommen würde. Es war schade, dass ein Krieg dafür herhalten musste, das Volk zu befreien, aber es wäre sicherlich hilfreich, wenn der alte König fiel und dessen Truppen ohne Führung standen. Die Elfen waren Valeros kleinstes Problem - Sie waren wie ein Staubkorn im Wind, sie würden den Blick in die zukunft nicht blenen.

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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Amiri » Mittwoch 6. April 2011, 21:38

Die aufgebrachten Worte des Fleischers und die folgenden Worte Valeros ließen Amiri kalt. Die Männer schaukelten sich vor jedem Streifzug so auf, sie brauchten das. Auch wenn Amiri nichts davon hielt ließ sie den Kerlen doch ihren Spaß. Manche Dinge würden sich eben nie ändern.

Wortlos schaute sie dabei zu wie Valeros seinen Teil der Beute weiter gab. Amiri blieb nur ein nüchternes Kopfschütteln übrig. Sie beugte sich vom Tisch auf, schaute Valeros an. Doch dieser blickte immer noch demonstrativ von ihr weg. Die junge Frau wusste dass er wütend war und das würde sie sehr bald auch zu hören bekommen. Doch jetzt ging sie zum Fenster lehnte sich an die Wand, schaute hinaus und stillte ihren Hunger mit dem Apfel.

"Ich habe gehört, dass deine Geschwister Hunger leiden, Flick. Nimm' das und bring' es ihnen nach der Versammlung."

Abermals schüttelte sie den Kopf und meinte: „Nimm es nur Flick, er würde es niemals zurück nehmen. Auch wenn unser Anführer irgendwann einfach vom Fleisch fallen wird, weil er immer alles weiter geben muss und notwenige Dinge nicht anerkannt. Und dazu gehört auch das man selber etwas essen muss!“
Sie kannte Valeros Ansichten und sie hatten schon das ein oder andere Mal darüber diskutiert. Sie gab auch ab was zu viel war, aber das er wieder einmal alles weiter geben musste. Weiterhin schaute sie aus dem Fenster und hörte der weiteren Unterhaltung missbilligend zu.

"Adligenpisse ist Nichts für mich - Wer weiß, was diese reichen Säcke in ihren Alkohol mischen. Ganz zu schweigen vom Tabak - Bedient euch, lebt ein paar Stunden wie diese Abarten und erfahrt, wie es für alle sein wird, wenn nur der König unter unseren Stiefeln liegt."

Seufzend stand sie auf, offensichtlich war jetzt der Zeitpunkt für ihren Anpfiff gekommen. Sie erhob sich und nahm ihren Platz am Tisch ein. Abermals mied er ihren Blick und Amiri hätte ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben. Manchmal trieb sie dieser Mann schier in den Wahnsinn.

"Ich hätte mir schon fast Sorgen gemacht - Fast. Das nächste Mal solltest du zum verabredeten Zeitpunkt hier auftreffen. 'Könnens nicht gebrauchen, dass jemand im Eisenkäfig über der Jauchegrube schwebt. Dann hätte ich niemanden mehr der in meinem Bett für zeitliche Verzückung sorgt. "

Sie lachte und schüttelte den Kopf.

„Ich für meinen Teil genieße noch einmal die Vorzüge des inneren Ringes und erfreue mich an meinem Wein. Und ich werde auch weiterhin zu spät kommen wenn es nicht anders geht. Besonders wenn dich nur die Sorge plagt keine Gespielin mehr im Bett zu haben. Vielleicht solltest du das Bordell besuchen. Allerdings solltest du dann etwas Bares bei dir haben, ich glaube kaum das die Huren dich wegen deiner ausgezeichneten Leistungen umsonst ran lassen!“

Amiri stand wieder auf. Sie war immer noch zu unruhig um sitzen zu bleiben. Im Gehen drehte sie sich den Tabak in Papier und zündete es an.

"Chrm. Wir haben Jahrelang dafür gesorgt, dass die Reichen ärmer werden und die Armen leben dürfen. Überfälle, Morde, Diebställe und noch sehr viel mehr fallen auf unser Konto - Obwohl mein Gesicht sich auf dem Steckbrief sehr viel schöner macht."

Voller Stolz fischte er den Steckbrief hervor. Ratte zeigte sich gleich begeistert davon dass es 10 weitere Münzen waren. Damit waren 20 Lysanthemyer auf seinen Kopf ausgesetzt. Amiri gefiel dies ganz und gar nicht. Sie hatte die Steckbriefe schon im inneren Ring gesehen und es war nur eine Frage der Zeit bis Kopfgeldjäger ihn suchten. Das machte die Sache nicht einfacher. Ihr Blick wanderte zu Ratte und sie begann über Verrat in den eigenen Reihen nach zudenken. Mit Valeros brauchte sie darüber nicht zu reden. Er würde ohne handfeste Beweise niemals an einem seiner Gefolgsleute zweifeln. Amiri drehte weiter ihre Runden durch den dunklen Raum. Das Tropfen des Wassers nahm sie schon gar nicht mehr richtig war.

Die Versammlung wandte sich endlich ernsteren Themen zu.

"Die Dunkelelfen sollen ihre spitzen Ärsche solange durch die Reichenviertel schaukeln wie sie wollen. Vor Wachen ziehen wir nicht den Hut und das werden wir vor elfischen Schmarotzern an Adligenseite ebenfalls nicht tun. Das sind doch alles nur neue Kriecher in hässlicher Verpackung. Wir bleiben beim aktuellen Plan: Wir bringen den König zu Fall."

Amiri blieb erstaunt stehen. Flick brauchte die Zweifel aller vorsichtig zur Sprache, doch Valeros ließ sich nicht beirren. Erneut schüttelte sie den Kopf und ging wieder zum Fenster während sie Valeros zuhörte. Irgendjemand musste ja die Umgebung ein bisschen im Auge behalten während die Männer ihre Pläne spinnten.

"Ich bin der Meinung, dass es eigentlich keine bessere Gelegenheit dafür gibt. Wenn das stimmt, was Amiri mir sagte und was wir gehört haben, dass die Truppe zu großen Teilen nach Norden gezogen sind, fehlen sie hier in der Stadt. Die wenigen Dunkelelfen kümmern uns nicht. Eine bessere Gelegenheit gibt es für uns nicht. Friedbert hat uns anhand einiger Geldmittel und Dienerschaften diese Zeichnungen anfertigen können. Das sind grobe Pläne über den Aufbau des Schlosses. Wir werden jemanden entführen. Dort wurde ein Müllgang errichtet. Gerade groß genug für einen Menschen und perfekt um in den oberen Teil der Stadt zu gelangen. Natürlich ohne gesehen zu werden. Wir werden mit einem kleinen Trupp in den Palast eindringen, jemand sehr wichtigen herausholen und schnell verschwinden. Hehe ... keine Armee, eine Entführung und ein alter König dem vor Zorn der Schädel platzt. Es wäre zwar Schade, dass ich dabei nicht anwesend wäre, aber ich denke, mit dem Gedanken eines zerpflückten Herrscherhirns kann ich mich amüsieren. Was meint ihr dazu?"

Mit ruhiger Stimme und ohne ihn anzublicken brachte Amiri ihre Meinung vor:

„Ich halte nichts von diesem Plan. Der König ist geblendet und dumm, aber die Dunkelelfen nicht. Du unterschätzt sie, Valeros. Selbst wenn dieser Plan gelingt haben wir damit nichts gewonnen. Der König fällt und wir ebnen den Dunkelelfen damit den Weg Grandea in ihre Gewalt zu bringen. Sie werden alles uns zu schieben und vor ihnen können wir uns nicht so leicht verstecken wie vor den Wachen.“

Sie ließ einen kurzen Moment vergehen ehe sie Valeros anschaute und auf ihn zu ging. Die anderen waren ihr herzlich egal in diesem Moment. Sie blieb vor ihm stehen und legte ihre Hand auf seine Brust.

„Du weißt dass wir nicht immer einer Meinung sind und das ich selten ein Risiko scheue, aber dieser Plan ist nicht genug durch dacht. Aber wenn du an diesem Plan festhalten willst folge ich dir.“ Sie lachte: „Ohne mich schaffst du es ja doch nicht!“

Ihr Blick glitt zu dem aufgemalten Plan.

„Wen wolltest du den entführen und an was für eine Truppe dachtest du?“

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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Erzähler » Freitag 8. April 2011, 08:30

Die mitgebrachten Annehmlichkeiten fanden nicht überall Anklang. Trotzdessen, dass Amiri nun schon seit gut sechs Monaten mit der Männerbande zusammen war, schien sie den Anführer nicht richtig zu kennen. Valeros verabscheute alles was aus reichem Hause stammte und er würde nichts essen oder trinken, was von dort käme. Doch war das wirklich eine Falschannahme von der einstigen Soldatin? Warum gab sie ihm das, was er nicht annrühren würde? Sie hatte es doch schon viele Male erlebt, dass Valeros die Beute nicht anrührte und weitergab; warum also die Mühe machen?
Valeros hingegen musste sich wohl zusammenreißen, nicht herumzuschreien. Es war selbstverständlich und allgemein bekannt, dass er solch edlen Wein und den verdammt teuren Tabak nicht nehmen würde. Vielleicht wollte Amiri ihn testen, wann er einknicken würde? Oder sie versuchte ihn zu manipulieren und vielleicht auch sogar ihn zu erziehen? Das würde er in keinem Falle mit sich machen lassen! Er war sein eigener Herr und er würde es ihr nicht erlauben, in seine festverankerten Prinzipien reinzupfuschen. Teurer Wein? Warum? Es geht auch mit dem aus den unteren Rängen! Und der Tabak in seiner Piepe stank zwar und schmeckte auch in keinster Weise himmlisch, doch eben jene Dinge waren es doch, die ihn tagtäglich daran erinnerten für wen und warum er sein Leben riskierte. Er kam auch so über die Runden und das dann auch noch mit einem reinen Gewissen.

Flick hingegen zögerte nur einige Sekunden, dann schnappte er sich den Anteil seines Anführers und blickte einmal flüchtig misstrauisch in die Runde, ehe er den Wein und den Tabak, sowie das Essen verstaut hatte.
Friedbert stand etwas Abseits der Gruppe, wie es für ihn nicht ungewöhnlich war, und hielt sich aus den Angelegenheiten heraus. Er war zwar hier und half, wo er konnte, doch das nur, wenn er gefragt wurde. Er war kein Macher. Nein. Er nicht.

Als würde Amiri etwas ahnen, ohne zu wissen was, ging sie zum Fenster, spähte hinaus in die Dunkelheit und kehrte dann zu dem Gespräch am Tisch zurück.
Manchmal waren die beiden wie Hund und Katze. Valeros makierte den Platzhirsch und erhob Anspruch auf etwas, was ihm nicht gehörte. Amiri hingegen konnte nicht anders, als dem Ganzen noch einzuheizen, in dem sie -typisch Frau- mit Entzug drohte und ihm subtil vor Augen führte, dass auch er etwas von den gelegentlichen, nächtlichen Aktivitäten hatte. Das Gespräch dabei belassend, übernahm Valeros wieder die Pflichten eines Anführers und richtete das Wort an alle im Raum.
Die Freiheitskämpferin hingegen, zog es immer wieder zum Fenster und doch konnte sie nichts in der regnerischen Dunkelheit erkennen. Gerade als Amiri gänzlich davon abging, die Umgebung im Auge zu behalten, rollte das Unheil heran.
Keiner von ihnen hatte die leiseste Ahnung, was draußen vor sich ging.
Amiri fragte gerade nach demjenigen, den sie entführen wollen und wer denn sein Trupp sein sollte, als Iska laut aufwieherte und unter ihnen ein Tumult ausbrach.

Doch ehe einer diese Informationen richtig auswerten und dann auch noch handeln konnte, sprang die Tür zu ihrem Versteck auf und herein trat ein Mann:

Klein, untersetzt und mit Roben aus feinem Stoff behangen, stand der Dicke an der Tür im Raum und lächelte klebrig. An seinen dicken Fingern prunkten Klunker und er war der Inbegriff dessen, was Valeros hasste. Fettleibig, dekadent und reich.
Affektiert zog der Mann ein Pergament aus seinem Ärmel, öffnete das Siegel und räusperte sich gekünstelt.
Als hätte der Dicke geahnt, dass diese Gruppe von Widersachern sich nicht wehrlos seine Predigten anhören, schnippte er mit den Fingern und es trat ein weiterer Mann ein. Dieser jedoch war schlank, groß und - ein Dunkelef. Unverkennbar war das schloweiße Haar hinter die spitzen Ohren gekämmt, die Augen bösartig und violett glimmend, der muskulöse Körper in einen ebenfalls schwarzen Brustharnisch gepresst und mit Waffen übersäht.

Ganz klar - gegen ihn hatten sie eine begrenzte Chance. In Valeros Kopf begann es zu arbeiten, fieberhaft, nach dem ersten Schock, dass sie entdeckt wurden. Wie schafften sie es hier heil heraus? Doch während der Anführer seine Gedanken sortierte, wurden sie auch schon vernichtet. Nach dem Dunkelelfen traten weitere Soldaten ein, dunkelelfischer Natur, und hielten den Ausweg versperrt. Es gab kein Entrinnen. Sie waren gefangen.

Nachdem der Dicke wirkungsvoll seine Mitbringsel demonstriert hatte, räusperte er sich nochmal und begann, das Pergament vorzulesen:

"Mein Name ist Hubertus Doppendauer und ich bin dazu bemächtigt, die sich hier befindlichen Widersetzern des Königs und seiner Befehle zu verhaften und einem ordentlichen Gericht vorzuführen. Weiterhin bin ich dazu bevollmächtigt, alles in diesem Raum zu beschlagnahmen und zu verwahren, bis entschieden wurde, was mit den Angeklagten passiert.
In der Anklage stehen: Ein gewisser Herr Valeros Tareron und eine Amiri, als Köpfe der Organisation, ferner ein Herr Ulias, alias die Ratte, ein gewisser Herr Flick und der ehemalige Metzger, genannt Fleischer. Zudem wird auch Friedbert verhaftet, der Verrat an seinem Stand beging."

Während der Dicke geredet hatte, kamen die Soldaten des Mannes in den Raum und griffen einen nach dem anderen. Auch wenn sie sich wehrten, was ganz sicher der Fall war, so war doch für jeden klar, dass sie in die Verliese gesperrt und auch verhört, wenn nicht sogar gefoltert werden würden.
Valeros war fuchsteufelswild, als man sie einen nach dem anderen aus dem Haus führte und dennoch ließ ihn eine Sache stutzen: Woher zum Teufel wussten diese Bastarde, wo sie waren? Es muss Verrat gewesen sein! Denn auch der Zeitpunkt - alle beisammen - war einfach nicht nur ein glücklicher Zufall für die Verhaftenden. Nein, Valeros wusste, es gab einen Maulwurf. Doch ein Blick in die Gesichter verriet bei Amiri Entsetzen und irgendetwas anderes, bei Flick Angst, bei Fleischer Wut und Hass und bei Friedbert ebenfalls blanke Angst.
Doch der Anführer hätte es nicht soweit gebracht, wenn er nicht ahnen würde, dass hier einer in seiner Gruppe falschspielte. Nur wer?

Nachdem die geschlagene Truppe herausgeführt wurde, der Dicke einige Handlanger angewiesen hatte das Pferd mitzunehmen, gab er dem hünenhaften Dunklen ein Zeichen. Der gab seinerseits ein Zeichen und einige seiner Soldaten warfen brennende Fackeln in das Eckhaus, welches nach einiger Rauchentwicklung Feuer fing.

Mit dem Eckhaus verbrannten auch die Pläne sowie all das, was zurückgelassen wurde.

[Jeder noch einen Post, dann gehts woanders weiter]
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Valeros Tareon
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Beitrag von Valeros Tareon » Freitag 8. April 2011, 22:38

Mit einem lauten Krachen schmetterte Valeros Faust einen saftigen Hieb in das Gesicht einer seiner Häscher. Dieser taumelte und musste mehre Schritte zurück machen. Schnell griff der Widerstandskämpfer zu seinem Schwert, doch da umschlangen riesige Arme seinen Oberkörper. Tareon strampelte wild umher und versuchte sich aus dem massiven Griff zu befreien, aber sein Gegenspieler war sehr viel kräftiger als er selbst. Als würde er sich der rohen Gewalt hingeben, ließ Valeros den Kopf nach vorne sinken - Der Hintermann entspannte sich und setzte ein triumphales Lächeln auf. Dann jedoch schnellte der Schädel des jungen Mannes nach hinten, traf das des Angreifers und löste die Umklammerung somit.
"Ihr verdammten Hurensöhne! Ich bringe euch alle um." Wut kochte in ihm auf. Er wollte jeden adligen Kriecher auf der Stelle töten und sich für diesen Angriff revanchieren. Kraftvoll legten sich die kräftigen Finger um den Griff seines Schwertes. Aus der Drehung heraus wandte sich der dunkel gebräunte Mann der geöffneten Dachtür zu, doch da war es bereits zu spät. Der hünenhafte Elf war erstaunlich schnell gewesen, stand nun vor Valeros und versetzte ihm einen Knaufschlag. Dieser war so heftig, dass selbst der Samaer, welcher Prügel und Leid gewohnt war, ins Straucheln kam. Dies wurde ausgenutzt, man schlug ihm die Waffe aus der Hand und rang ihn mit drei anderen Männern nieder. Hartnäckig wehrte er sich und fluchte mit lalen beleidigenden Wörtern, die ihmn einfielen. Flick und Friedbert waren stumm und still, ließen sich abführen, doch Fleischer wehrte sich und konnte nur mit einem Messer an seinem Hals gebändigt werden. Valeros versuchte Amiri zu erspähen, aber sie war außerhalb seines Sichtfeldes. Wieder bäumte sich Valeros auf und versuchte dem festen Griff der Soldaten zu entkommen. Jemand spuckte ihm ins Gesicht und lachte lauthals. Schleifend wurde er dem fetten Schwein vorgeführt, welches ein schwammiges Lächeln in seinem Kuchengesicht zeigte.
"Feiges Schwein ... in einem Kampf Mann gegen Mann, würdest du nicht so große Töne spucken - Schade, dass ihr adligen Dreckschweine allesamt Eunuchen seid, sonst würde ich euch höchstpersönlich von euren Eier befreien!" Valeros fleschte die Zähne und wurde sofor von eine Soldaten zurechtgewiesen. Der Schlag war erneut zu heftig, dass der Freiheitskämpfer schwer atmend zu Boden blicken musste. Sein Tabakstengel rollte noch glühend über den Fußboden, wurde dann aber von dem riesigen Elfen zertreten ... auf erschreckende Weise, symbolisierte das ersterben der Glut auch das Ersterben des letzten Hoffnungsfunken. In diesem Moment konnte Valeros nur hoffen, dass der Rest der FReiheitskämpfer nicht einem ähnlichen Verrat zum Opfer gefallen waren. Mit der letzten Kraft, die ihm gelieben war, stemmte er sich auf die Füße und wollte sich von seinen Häschern befreien, doch da rammte der feindliche Dunkle seine massige Faust in den Magen des Samaers und schickte ihn damit in das Reich der Träume ....

ooc.: Sollte als Übergangspost erstmal reichen

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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Amiri » Samstag 9. April 2011, 00:19

Der Schrecken saß tief bei Amiri. Wie angewurzelt stand sie da. Als ihr Pferd lauthals los gewiehert hatte wollte sie zum Fenster eilen, doch weit war sie nicht gekommen. Der dicke Adelige versetzte ihr jedoch nicht solch einen Schrecken. Die Tatsache Dunkelelfen im Haus zu haben jagte ihr Angst ein. Sie hatte als Kind Schauergeschichten gehört und als Erwachsene musste sie feststellen das nicht jede Geschichte gelogen war.
Zudem gesellte sich zu dem Schrecken der Gedanke an all dem Schuld zu sein. Schließlich hatte Amiri sich zuletzt im inneren Ring aufgehalten und die Soldaten wohl hergeführt. Trotz aller Vorsicht war es nicht genug gewesen.

Erst als Valeros zu schlug löste sich ihre Starre und sie wollte ihr Schwert ziehen. Doch ehe sie weiter dazu kam schloss sich schon eine kräftige Hand um ihren Oberarm. Ruckartig wollte sie sich los reißen, doch gegen diese Kraft kam sie nicht einfach so an. Sie starrte dem Dunklen ins Gesicht und spuckte ihn an. Eine schallende Ohrfeige ließ ihren Kopf schmerzhaft zur Seite fliegen. Eine zweiter Dunkelelf packte ihren anderen Oberarm und beide wollten sie heraus führen. Amiri drückte sich mit aller Gewalt dagegen, sie stemmte die Füße auf den Boden um sich ruckartig wieder hoch zudrücken. Ließ sich hängen und fluchte lautstark los. Die beiden Dunklen hatten so ihre liebe Mühe mit Amiri vorwärts zu kommen.

Als Valeros dann bewusstlos zu Boden ging schrie Amiri lautstark los und hörte auf sich zu wehren. Die Gelegenheit wurde von den Dunkelelfen gleich genutzt um sie hoch zu heben und heraus zu schleppen. Seit langem verspürte Amiri wieder so etwas wie Angst.

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Re: Das 'Tarenische' Eckhaus

Beitrag von Erzähler » Samstag 9. April 2011, 14:36

Amiri und Valeros werden in Grandea's Gefängnis gebracht.
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