Im Herzen Mantrons

Stein ist zu selten und kostbar in Mantron und Holz wird zu schnell feucht, daher leben die Menschen hier in Hütten, die sie mit gegerbter Tierhaut bespannen. Die ist nicht nur sehr wetterfest, sondern hält auch die Wärme in den Häusern.
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Im Herzen Mantrons

Beitrag von Baltos » Mittwoch 6. März 2013, 14:17

(Baltos kommt von: Der südliche Teil Celcias ‹ Das Eisreich ‹ Die Eisinsel Ersa ‹ Mantron, Heimat der Tapferen ‹ Das Haupthaus ‹ Bei Thure Sturmrufer)
Der kühle Wind war das erste was ihn empfing als er das Langhaus von Thure Sturmschreier verließ. Genießerisch schloss er die Augen und atmete kräftig ein. Im Notfalllazarett roch die Luft nicht ansatzweise so gut wie außerhalb der Hütte. Hier war sie noch frisch und unverbraucht, es roch nicht nach Blut und Exkremente, sondern nach Schnee und Meer. Dieser Duft der ihn an die junge Frau erinnerte zu dessen Mutter er jetzt auf den Weg war. Wie lange war es jetzt her dass er sie gesehen hatte? Baltos wusste es nicht und begutachtete auf seinen Weg eher Beiläufig die Umgebung.

In der Stadt war es nicht so belebt wie sonst. Das Fehlen der Männer zwischen den Hütten der Siedlung würde sogar ein Blinder erkennen. Nur Frauen waren auf den verschneiten Untergrund unterwegs und gingen ihrem täglichen Tageswerk nach.
Die Behausungen der Mantroner waren wie alles der Tapferen an die Witterung der Umgebung angepasst. Es waren Rundhütten dessen Fassaden gespannte Tierhäute waren. Gerne wurde dafür Elch- oder Walrosshaut genommen, es waren aber auch andere Tierarten möglich, das hing vom Jagderfolg der Eisjäger ab. Ein paar Kinder konnte der Mantroner entdecken, die mit einen dressierten Wolf spielten. Der gauhaarige Wolf schnappte dabei spielerisch nach der Hand des kleinen blondgelockten Mädchens. Doch die Kleine lies sich davon nicht abschrecken und ging zum Nahkampf über. Dabei stürzte sie sich mit ihrem ganzen Körpergewicht auf den wesentlich größeren Vierbeiner. Die beiden Jungs nicht älter als fünf oder sechs nickten sich kurz zu und stürzten sich dann ebenfalls auf den Wolf. Das heitere Lachen der Kinder war ein Segen, denn es heiterte die trübe Stimmung, die sich wie ein grauer Dunst auf die Gesichter der Frauen gelegt hatte, auf.

Einer der Gründe warum die Männer Mantrons ihr leben riskierten und ihre Familien zurück ließen waren dies fröhlichen Kinder. Damit diese weiterhin fröhlich spielen konnten und keine Angst haben mussten! Denn die tapfersten Männer in ganz Celcia waren auf den Weg um ihre Väter, die im Eis gefangen waren, zu retten und der gefährlichen Seeschlange zu zeigen mit wenn sie sich angelegt hatte.
Baltos grinste kurz in die Richtung in der der Kampf der Kinder tobte, einer von den Jungs (er hatte braunes und schon ziemlich langes Haar) winkte ihn kurz zu und nahm dann den Wolf wieder fester in den Schwitzkasten.
Die Vier waren ein schöner Anblick und wie gerne hätte er den zahlenmäßig unterlegenen Wolf geholfen, aber er hatte dafür keine Zeit.

Ein paar ältere Frauen die gerade dabei waren die Fische zu entgräten, grüßten den jungen Mann freundlich.
Die drei Damen waren vielleicht um die 45 Jahre alt und saßen auf Holzschemeln, dessen Beine schon tief in den Schnee eingedrückt waren. Sie saßen im Halbkreis um einen großen Holzeimer der wahrscheinlich 40 Liter, wenn nicht sogar mehr, Wasser fassen konnte und in den die Drei die Gräten freie Fische warfen. Es klatschte jedes Mal wenn so eine Fisch in den Eimer viel und als Baltos einen Blick hineinwarf konnte er dort schon zwei dutzend dieser Kameraden liegen sehen. Die Abfälle wurden in kleinere Eimer geworfen, die sich direkt neben jeder Dame befanden.
Man sah dass die Frauen in dieser Arbeit geübt waren und die 30 bis 50cm großen Fische in einer Geschwindigkeit entgräteten die manch Fischerweib erblassen lassen konnte. Der Nachschub an Fisch lag in einen Badezuber der an der Hauswand direkt hinter den Frauen stand. Der Zuber war bis zum Rand mit frischem Fisch gefüllt und durch die Kälte würde er auch noch einige Tage frisch bleiben. In Mantron hatte man weniger sorgen damit das Essen verdarb sondern eher damit das die Nahrung nicht wieder auftaute.
Er erkundigte sich bei den drei Frauen, die nach den aussehen zu urteilen Schwestern waren, ob er sich auf den richtigen weg zur Hütte von Eona Sternentanz befand. Der skeptische Blick den sich das Trio zuwarf entging ihn natürlich nicht, aber er wollte nicht weiter nachfragen und bedankte sich bei den älteren Frauen höflich, als sie ihn versicherten das er auf den richtigen Weg war und das Haus von Eona gar nicht verfehlen konnte wenn er den Weg nur weiterhin folgen würde.
Für Außenstehende musste es seltsam klingen das Menschen mit 40 Jahren hier zum alten Eisen gehörten, aber so war es nun mal in dieser lebensfeindlichen Region. Viele Mantroner starben einen vorzeitigen Tod durch eventuelle Risiken die sie eingegangen waren oder an banalen Krankheiten im fortgeschrittenen Alter. Das Eisreich war ein gefährlicher Ort und trotz guter Anpassung und unvergleichlicher körperlichen Fitness, wurden die wenigstens hier Älter als 50 Jahre.
Vielleicht wollte Ventha auch keinen 80 Jährigen muskelbepackten Opa sehen. Wer konnte schon in den Kopf einer Göttin blicken? Aber dieses Volk beschwerte sich nicht, es lebte einfach jeden Tag so als wäre es der letzte und war froh über die Zeit auf Erden die ihnen die allmächtige Ventha schenkte.

Baltos hatte mittlerweile die Hütte von Eona Sternentanz erreicht und sein Herz schlug ihn fast bis zum Hals, als er vor der Tür, des Elternhauses, der jungen Frau, aus seinen Träumen, stand.
Die Damen hatten wirklich recht, das Haus war nicht zu verkennen. Denn die Wände waren aus Eisbärenhaut, genau wie seine Rüstung und das Schwarz dieser Häute war ein deutlicher Kontrast zu dem reinen weißen Schnee der hier omnipräsent war.

Lange stand er einfach nur still vor dem Haus und betrachtete den Eingang. Irgendwann senkte er den Blick und holte den Anhänger wie das Hemd hervor. Konnte es wirklich sein das dieser Anhänger IHR gehört hatte? Der Jägersmann hielt die Kette in seiner mächtigen Hand und streichelte zärtlich mit den Daum über den angelaufenen silbernen Bärenkopf.
Er schluckte den Kloß in seiner Kehle hinunter und holte noch einmal tief Luft, bevor er sich bemerkbar machte.
„Eona Sternentanz! Mann nennt mich Baltos Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche. Ich habe etwas für Euch!“
Er verschwieg vorerst dass es sich möglicherweise um die letzten Überreste ihrer Tochter handeln konnte und hielt die Kette, sowie das Unterhemd, wie einen retten Anker in seiner Hand.

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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 7. März 2013, 11:21

Stille!
Lange geschah gar nichts, so dass der junge Jäger vielleicht sogar glauben mögen, dass Eona gar nicht zu Hause war. Noch etwas anderes ließ diese Vermutung realistisch erscheinen, den aus dem Dachfirst stieg kein Rauch auf. Unsicherheit schlich sich in sein Bewusstsein, wie ein Dieb auf leisen Solen. Irgendetwas stimmte nicht. Das Kleinod in seiner Hand begann sich in das verkrampfte Fleisch zu drücken und die Aufregung wollte seine Beine schon zum Weglaufen bewegen. Baltos war Frauen gegenüber nie gewandt oder charmant gewesen. Nicht mal höflich zu sein, war seine Stärke und oft war es schon zu den unangenehmsten Missverständnissen gekommen! Und jetzt wollte er tatsächlich bei der Mutter der Frau vorsprechen, mit deren Tochter er gestern Nacht noch das Bett geteilt hatte? Es war nur ein Traum gewesen, doch die Bilder einer nackten Schulter unter weichem Fell waren noch frisch in seinen Gedanken, wie der Fisch der in Mantron nie verdarb. Vielleicht war er ja wirklich umsonst gekommen. Er schluckte unwillkürlich schwer. Zur Sicherheit wiederholte er noch einmal seine Worte, denn von drinnen hatte er noch nichts vernommen.
„Eona Sternentanz! Mann nennt mich Baltos Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche. Ich habe etwas für Euch!“
Nichts. Doch Baltos war nicht jemand der so schnell aufgab. Es kostete einiges an Überwindung die letzten Schritte bis zur Tür zu gehen und einmal anzuklopfen. Beim zweiten kleinen Schlag gegen das Holz öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Der Balken zum Verschließen war nicht vorgelegt. Kein Riegel versperrte den Einlass, also siegte die Neugierde und der junge Jäger schob vorsichtig den Spalt ein wenig größer. Im Innern herrschte fahle Dunkelheit. Das Feuer in der Mitte des Hauses war erloschen und nur noch ein paar kleine Stücken Holz glommen vor sich hin. Baltos machte einen Schritt hinein.
„Wenn Elin euch schickt, könnt ihr gleich wieder verschwinden! Ich komme nicht zu ihr! Das könnt ihr ihr getrost ausrichten!“
Der Ton war scharf und kam aus der Dunkelheit des hinteren Teils. Die Stimme war recht tief für eine Frau. Nicht so fistelig wie bei manch jungen Mädchen, die sich wie wiehernde Pferde anhörten, wenn Baltos an ihnen vorbei schritt. Ohne Pause peitschen weiter die Worte Baltos entgegen:
„Wenn ihr aus einem anderen Grund kommt, der nicht meinen Mann betrifft, dann könnt ihr ebenso verschwinden! Ich habe alles was ich brauche, also trollt euch! Ich wünsche keine Gesellschaft und wenn ihr nicht geht, werdet ihr die Zähne meines Wolfes zu spüren bekommen!“
Noch deutlicher konnte man einen Gast wohl kaum verscheuchen! Das einzigste was Baltos nach einigen Sekunden des Eingewöhnens sehen konnte, war eine Bewegung hinter einem Stuhlschemen. Er brauchte mehr Licht und hier war es definitiv zu kalt um auf Dauer zu verweilten. Trotz der Schärfe der Worte, war etwas in ihrer Stimme, das einstige Wärme verströmte, doch mit jeder Silbe klang Verbitterung mit. Baltos kannte diesen Klang nur zu gut von seiner eigenen Mutter, als sie sich so um seine Gesundheit gesorgt hatte. Wie schrecklich musste es sein, wenn eine Mutter ihr Kind verloren glaubte? Irgendwo dort hinten saß Eona, da war er sich sicher, doch durch die Dunkelheit zu ihr zu tapsen, war sicher auch kein guter Plan. Neben der ausgehenden Glut lag fein säuberlich aufgestapeltes Feuerholz, als hätte es jemand schon so bereit gelegt. Warum hatte Eona es nicht benutzt? Warum ließ sie ihr Heim erkalten? Warum saß sie hier im Dunkeln wenn ihr Mann hinaus gefahren war um den Anderen beizustehen? Baltos fühlte instinktiv, dass er hier in eine höchst brenzlige Situation geraten war.
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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Baltos » Freitag 8. März 2013, 10:00

Als sich auch nach seinen zweiten Rufen niemand zeigte, ging er mit zögerlichen Schritten zur Tür.
Sein Handknöchel schlug einmal kräftig gegen diese, zu einem zweiten Schlag kam es aber nicht. Denn die Tür öffnete sich durch den ersten leichten Schlag des Jägersohns einen winzigen Spalt breit.
Dem geschulten Auge des Jägers war schon bevor er zur Eingangstür gegangen war aufgefallen das kein Rauch aus dem Dachfürst stieg und so etwas war hier mehr als seltsam.
In Mantron glühte immer ein Feuer in den Hütten, auch wenn niemand da war. Denn wenn das wärme spendende Feuer erlosch, brauchte man Tage um die Kälte aus dem Zelt zu vertreiben. Und diese Zeit hatte man, wenn man ausgekühlt war selten! Es war normalerweise üblich, wenn man länger weg war, die Nachbarn darum zu bitten sich um das Feuer zu kümmern.
Baltos konnte sich kaum vorstellen, das die Nachbarn von Eona vergessen haben sollten auf das Lagerfeuer ihrer Nachbarin zu achten. So unachtsam war kein Mantroner, nicht in dieser Welt, die kaum einen Fehler verzieh!
Also musste jemand bewusst gewollt haben dass die Kälte Einzug in die Hütte erhielt!
Der Mantroner drückte die Tür vorsichtig noch ein stück weiter auf. Der nun größere Spalt erlaubte ihn besser in die Behausung von Eona zu spähen und wie er schon vermutet hatte, lag der Raum in dunklen. Es brannte wirklich kein Feuer mehr! Diese Erkenntnis brachte ihn dazu die Tür jetzt völlig aufzustoßen und das nicht gerade leise. Einerseits damit der Jenige der sich in der Dunkelheit verbarg bemerkte das Jemand die Hütte betrat, andererseits aber auch damit das Tageslicht Einzug in die Behausung erhielt. Denn Fenster gab es in diesen Zelten nicht!

Die Angst dass die Wohnung durch die eventuelle sperrangeloffene Tür auskühlen konnte musste man nicht haben. Denn draußen war es nicht wirklich Kälte als drinnen!
Kaum hatte der Jäger den ersten Fuß in das Elternhaus des Mädchens gemacht, dass in seinen Träumen herumspukte, da erklang schon die Stimme einer Frau. Sie war einige Oktaven tiefer als üblich, aber wenn man die Schärfe mit der sie die Worte aussprach außen vor ließ, klang die Stimme trotzdem mehr als attraktiv.
Eona und da war er sich sicher das sie es war, musste sich im hinteren Bereich des Raumes befinden. Denn an seinen Sinnen die er durch die Jahre der Jagd ausgeprägt hatte zweifelte er nicht.
Mit dem Licht im Rücken lief Baltos weiterhin wortlos in die Behausung und ließ die schroffe art der Hausbesitzerin an sich abprallen. Er kam mit Frauen nicht klar, das war kein Geheimnis in Mantron, viel zu oft Verletzte er ihre Gefühle, aber diese Dame war gleich von Anfang an nicht gut auf ihn zu sprechen. Also hatte er bei ihr nichts zu verlieren. Denn noch Abweisender konnte sie kaum noch werden. Denn einen Besucher mit dem Hauswolf zu bedrohen, gehört nun beim besten Willen nicht zur mantronischen Gastfreundschaft. Schlimmer wäre vielleicht nur noch ein direkte angriff mit erhobener Waffe gewesen.
Der Mantroner aber glaubte nicht daran das sie ihre Drohung war werden lies. Denn wenn sie keinen Besuch hätte Empfangen wollte, wäre die Tür verschlossen gewesen. Er warf deswegen das Hemd mit der Kette einfach in die Richtung in der er die Frau vermutete. „Selbst eine räudige Piratenbraut hätte sich nicht schlechter Verhalten können als ihr gerade. Ich glaube kaum dass eure Tochter solch ein Verhalten von ihrer Mutter kannte!“
Er hatte keine Angst davor dass diese Worte die Frau verletzen könnten, denn wer so mit ihn sprach verdiente kein Mitleid. Er ging zu der langsam ausgehenden Glut und stocherte sogleich mit einem Holzstab in ihr herum, den er neben der Feuerstätte liegen gesehen hatte. Baltos wollte das Feuer wieder entfachen um der Wärme wieder ein Platz in dieser Hütte zu schenken.
„Ich glaube dass das Kleidungsstück, sowie die Kette, eurer Tochter gehört haben musste. Denn an Zufälle Glaube ich nicht. Das einzige woran ich glaube ist die Göttin Ventha an die ihr anscheinend nicht mehr glaubt. Denn sie hat uns nicht das leben Geschenkt damit wir es wegwerfen wenn es einmal schwer wird!“
Er legte vorsichtig ein Holzscheit in die frisch entstandene kleine Flamme und sprach weiter in ruhigen Ton, mit wie es schien, den Flammen.
„Sondern das wir Kämpfen und uns der Herausforderungen stellen, die sie uns auferlegt. Doch was habt ihr getan als wir eure Tochter nicht gefunden hatten?“
Baltos ließ eine dramatische Pause entstehen, nicht weil er so ein geübter Rhetoriker war, sondern weil die Erinnerung an die Suche nach IHR wieder in seinen Kopf aufflammte.
Er war mit ihren Vater und noch 50 anderen Männern und Frauen auf der Suche gewesen. Jeder Eisjäger und Schlittenfahrer war auf den Beinen gewesen und hatte die Insel abgesucht. Doch Niemand hatte etwas gefunden, nicht einmal die kleinste Spur. Alle diese Männer und Frauen waren enttäuscht gewesen, aber und das war das Wichtige, niemand glaubte zu diesen Zeitpunkt das die junge Frau tot war. Sonst hätten sie ihre sterblichen Überreste gefunden oder einen anderen Beweis was ihr geschehen war. Doch die Hoffnung schwand je länger sie fort blieb, bis sich die meisten damit abgetan hatten das sie verloren war. Es konnte kein Zufall sein das er seit kurzen wieder an die junge Frau denken musste und dann nicht wesentlich später zwei Fundstücke von ihr in der Hand hielt.
„Ihr sitzt in einer dunklen Hütte die so Kalt ist wie euer Herz und wartet auf den Tod. Ihr solltet euch schämen, das ihr einfach so das Leben was euch geschenkt wurde mit den Füßen tretet. Ich habe in den letzten Tagen mehr Tote gesehen als mir lieb ist und werde nicht weiter mit ansehen wie noch jemand sein Leben verliert.“
Der Jäger warf einem weiteren Scheit in die Feuerstelle, die schon langsam wieder eine wohltuende Wärme ausstrahlte. Dann erhob er sich, dabei bedacht ihr nicht sein Gesicht zu zeigen, sonder die Frau weiterhin auf seinen Rücken blicken zu lassen. Baltos ging wieder zur Tür und schloss diese sogleich.
Er blieb aber weiterhin in der Hütte. Der junge Mann atmete kräftig aus bevor er sich umdrehte und blickte entschlossen die Frau an, die sich in den Schatten versucht hatte zu verstecken.
„Denn ich werde in letzter Zeit ständig an eure Tochter erinnert und will nicht dass wenn sie wiederkommt nur noch den Schatten ihrer Mutter erblickt. Ventha lässt mich nicht umsonst von eurer Tochter Träumen, wenn es nicht eine Bedeutung hätte. Ich werde euch helfen ob ihr es wollt oder nicht!“
Entschlossen ging er auf die Frau, während er sprach, zu und blieb nur weniger Zentimeter vor ihr stehen. In seinen einen verblieben Auge konnte sie ein Feuer brennen sehen dass nicht einmal die Göttin löschen konnte.
Baltos würde ihr helfen und wenn er dafür gegen hundert Eisbestien und Seeschlange zugleich kämpfen müsste.

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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Erzähler » Samstag 9. März 2013, 17:48

Nein, einen Besucher mit dem Hauswolf zu bedrohen, gehört nun beim besten Willen nicht zur mantronischen Gastfreundschaft! Doch langsam wurde der Jäger sich aber auch gewahr, dass weit und breit kein Wolf zu sehen war. Vermutlich hatte der Mann im Haus jeden Wolf mit hinaus genommen zum Ziehen des Schlitten. Trotzdem verlor die Drohung dabei nicht an Schärfe und er antwortete:
„Selbst eine räudige Piratenbraut hätte sich nicht schlechter Verhalten können als ihr gerade. Ich glaube kaum dass eure Tochter solch ein Verhalten von ihrer Mutter kannte!“
Ein atemloses Japsen, verriet die aufkeimende Wut der Frau, doch Baltos ließ sich nicht einschüchtern. Er ging zur Glut um das Feuer neu zu entfachen. Die Glut in der erkalteten Seele hinter sich hatte er bereits entfacht und es hörte leise, etwas schlurfende Schritte in Richtung des Ortes wo Anhänger mit Hemd gelandet waren.
„Ich glaube dass das Kleidungsstück, sowie die Kette, eurer Tochter gehört haben musste. Denn an Zufälle glaube ich nicht. Das Einzige woran ich glaube, ist die Göttin Ventha an die ihr anscheinend nicht mehr glaubt. Denn sie hat uns nicht das Leben geschenkt damit wir es wegwerfen wenn es einmal schwer wird! Sondern das wir kämpfen und uns der Herausforderungen stellen, die sie uns auferlegt. Doch was habt ihr getan als wir eure Tochter nicht gefunden hatten?“
Die Gedanken an das Mädchen ließen ihn einen Moment schweigen und auch im hinteren Teil des Rundhauses herrschte Stille.
„Ihr sitzt in einer dunklen Hütte die so Kalt ist wie euer Herz und wartet auf den Tod. Ihr solltet euch schämen, das ihr einfach so das Leben was euch geschenkt wurde mit den Füßen tretet. Ich habe in den letzten Tagen mehr Tote gesehen als mir lieb ist und werde nicht weiter mit ansehen wie noch jemand sein Leben verliert.“
Ein leises Rascheln und dann trat eine ausgezehrte Frau Ende dreißig, vielleicht Anfang vierzig aus der Dunkelheit in den Schein des Feuers, während Baltos die Tür schloss. Der junge Mann atmete kräftig aus bevor er sich umdrehte und blickte entschlossen die Frau an. Eona Sternentanz war vielleicht einst eine schöne Frau gewesen, doch nun zehrte die Trauer sie aus. Die cremefarbene Haut lag in tiefen Falten um die überschatteten, trüben Augen. Ihr Milchkaffeebraunes Haar war struppig und strähnig und hing ihr wirr über die Schultern hinab bis zu den Hüften. Sie war in ein fleckiges Eisbärenfell gehüllt, was auch schon mal bessere Tage gesehen hatte. Etwas an den Flecken stimmte nicht so recht, aber dafür hätte Baltos die Decke ausgebreitet sehen müssen. Eonas Finger der einen Hand krallten sich tief hinein, als wäre es das einzigste was ihr noch Halt gab. Die andere hielt zitternd das Hemd mit dem angenähten Anhänger.
„Denn ich werde in letzter Zeit ständig an eure Tochter erinnert und will nicht dass wenn sie wiederkommt nur noch den Schatten ihrer Mutter erblickt. Ventha lässt mich nicht umsonst von eurer Tochter Träumen, wenn es nicht eine Bedeutung hätte. Ich werde euch helfen ob ihr es wollt oder nicht!“
Entschlossen ging er auf die Frau, während er sprach, zu und blieb nur weniger Zentimeter vor ihr stehen. Die großen blauen Augen der Frau öffneten sich zu ihm aufsehend. Ihre Lippen zitterten und ihr Kinn bebte, als sie tonlos flüsterte:
„Ihr erlaubt euch keinen üblen Scherz mit mir, oder? ... Oder? … Wo … wo habt ihr das … ?“
Mehr brachte sie nicht heraus, denn ihre Knie versagten und sie krallte sich in in die Schnallen von Baltos Brustharnisch. Reflexartig hatte der junge Mann sie bei den Schultern gepackt und fühlte nun die blanken spitzen Knochen unter dem Fell. Die Stimme der Frau überschlug sich mehrmals in hohen Spitzen über der sonst so warmen Klängen.
„Wagt es nicht! Wagt es nicht mir falsche Hoffnung zu schenken! Wagt ... es … nicht!“
Was Eona nach so vielen Monden des Weines niemals für möglich gehalten hatte geschah! Tränen füllten die ausgetrockneten Seelenspiegel. Von Baltos starken Armen gehalten senkte sich ihr Blick auf den kleinen Silberbären. Die abgenagten Fingerspitzen führen ungläubig über das harte Material, als glaubte sie nicht das es wirklich war. Als wäre er gar nicht da, lehnte sich ihr Kopf kurz gegen seine Schulter. Der Jäger betrachtete ihr Profil. Die Ähnlichkeit zu dem Mädchen aus seinem Traum war unverkennbar. Baltos Erinnerungen täuschten ihn nicht. Die Wangen, wenn auch eingefallen, ihre Form, das spitze kleine Kinn, die geschwungenen, wenn auch zusammen gepressten Lippen, alles erinnerte ihn an das kleine Mädchen seiner Jugend. Nur die Augenpartie war etwas anders. Die Farbe war eben nicht der leuchtende Bernstein und auch die Stellung waren bei Eona enger zusammen. Das Bild der älteren Variante war in seinen Gedanken immer etwas verschwommen, da er sie lange nicht gesehen hatte. Bevor die junge Frau verschwunden war, war sie seltener in der Stadt gesehen worden und wenn Baltos ihr doch mal über den Weg gelaufen war, hatte sie immer weg gesehen. Er erinnerte sich immernoch gut an die groß angelegte Suche und den hoch motivierten immer freundlichen Vater. Eirik Bärenschädel war überall beliebt und schon deshalb hatten sich damals so viele an der Suche beteiligt. Jetzt lernte Baltos seine Frau kennen, zumindest den Schatten der sie noch war. Der Mann sah sich um und führte dann die ältere Frau nach hinten in das Haus, wo neben einer zweiten erloschenen Kochstelle es Sitzmöglichkeiten gab. Eona folgte ihm willenlos. Nachdem sie sich gesetzt hatte, kehrte etwas Leben in sie zurück und sie sah zu ihm auf, als sehe ihn zum ersten Mal.
„Ihr ...Wer seid ihr? … Bitte … Was wisst ihr von meiner Ruka? Mein Mädchen, meine Maruka, wo ist sie? Wo habt ihr das gefunden?“
Die Augen wurden groß und flehend und die Stimme hatte jede Bitterkeit verloren. Eine Hand strecken Baltos das Hemd als Aufforderung zu erzählen entgegen, während die andere die seine ergiff wie eine Ertrinkende.
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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Baltos » Montag 11. März 2013, 12:20

Nicht mehr als eine Erinnerung die verblasst! Dachte der Mantroner traurig als er die einst so stolze und schöne Frau in ihrer jetzigen Verfassung erblickte. Sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst und als seine Hände rettend ihre Schultern ergriffen, erschrak Baltos als er ihren körperlichen Zustand bemerkte. Eona war nur noch Haut und Knochen, sie mussten seit Wochen kaum etwas gegessen haben. In diesen ausgezehrten Zustand war es wirklich ein Wunder das sie noch keine Erkältung dahingerafft hatte. Wie konnte ihr Mann nur zulassen dass sich die Mutter seines Kindes so aushungerte?! Der Jäger konnte und wollte nicht glauben das jemand wie Eirik Bärenschädel einfach tatenlos zusah und seine Frau im stich ließ. In dem Moment wo sie ihn am meisten brauchte.
Doch was wusste er schon von der Ehe und wie schlimm es war sein eigen Fleisch und Blut zu verlieren und nicht einmal die Gewissheit zu haben ob ihr geliebtes Kind noch lebte oder Tot im Schnee lag.

Baltos schluckte kurz einen Kloß der Trauer hinunter als er zeitgleich an den Verlust von Haros denken musste. Die Eltern seines besten Freundes wären auch fast an der Trauer zu Bruch gegangen, doch irgendwie hatten sie sich wieder aufgerafft und sogar weitere Kinder bekommen und genau diesen Antrieb musste Eona wieder finden. Sie musste ja keine weiteren Kinder bekommen, aber ihren Leben musste wieder einen Sinn haben!

Vorsichtig dirigierte er Eona in Richtung Küche, den dort befanden sich zwei Stühle, die zum sitzen einluden. Ein dritter Stuhl stand weiter weg und die Sitzfläche zeigte in Richtung Wand. Die Rückenlehne dieser Sitzgelegenheit war schon deutlich verstaubt.
Wahrscheinlich saß damals auf diesen Stuhl Maruka immer und hatte sich fröhlich mit ihren Eltern unterhalten oder von ihren Sorgen und Ängsten berichtet.
Baltos wurde kurz unbehaglich als er wieder realisierte das er in IHREN Elternhaus war, zusammen mit Rukas Mutter, auf die der Tod schon ein Auge geworfen hatte. Doch das Unbehangen verschwand genauso schnell wie es gekommen war. Es galt jemand zu helfen der seine Hilfe brauchte und vorallen dringend benötigte!
Vorsichtig bugsierte er die ältere Frau auf den einen der beiden Stühle, die öfter benutzt wurden und zog sich dann den anderen heran und nahm ebenfalls Platz.

Der Jägersohn konnte in ihren trüben Augen einen kleinen Funken aufleuchten sehen, als sie ihn fragte ob er etwas über ihre Tochter wüsste. Eona hielt ihn das Hemd entgegen und die andere Hand ergriff die seine. Sie sah zwar nicht danach aus, aber die Mantronerin konnte, obwohl ihrer körperlichen Verfassung, trotzdem kräftig zupacken. So als ob sie versuchen würde ihn die Antworten aus der Hand zu pressen.
Sein Blick glitt noch einmal auf das Hemd, was er von der besorgten Mutter entgegengenommen hatte. Ein kurzes Lächeln entstand auf seinem Gesicht. Der Jäger wusste selber nicht wieso, dann blickte er die Frau an. Die wahrscheinlich jedes Wort das seine Lippen verließ förmlich aufsaugen würde.
„Man nennt mich Baltos Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche. Ich weiß nicht wo Maruka ist!“ Kurz pausierte der junge Mann.
„Aber ich weiß… glaube… ich kann es nicht mit Worten beschreiben! Aber eure Tochter lebt! eine innere Stimme sagt mir dies und ich glaube euch geht es nicht anders!“
Sein eisblaues Auge blickte entschlossen in die ebenfalls blauen Augen von Eona.
„Als ich mich in der Höhle der Eisbestie befand, begannen die Erinnerung. Die Erinnerung an eure Tochter und mit der Zeit wurden sie immer stärker und verwirrender. Ich weiß nicht warum ich an Maruka denken muss, da die Erinnerungen, auch wenn es mich schmerzt es zu zugeben, nach der Suche nach ihr fast erloschen waren. Doch dafür erscheint das Bild eurer Tochter jetzt immer öfter vor meinen Auge.“
Dabei deutete Baltos auf sein verbleibendes Auge, was nicht von seiner Augenklappe abgedeckt wurde.
„Den Anhänger und das Hemd habe nicht ich gefunden, es war Ulf, Sohn des Olof Eisenherz der dies tat. Wir waren bei der gefangenen Drachenblut im Eiskanal, er hatte die beiden Gegenstände im Eis gefunden und sie vor uns verheimlicht.
Warum weiß ich nicht, aber als der Kampf mit der Seeschlange losbrach wurde er verletzt und ich ließ mir die beiden Gegenstände von Ragan Lebensretter aushändigen. Als ich die Kette bemerkte, die mich sofort an eure Tochter erinnerte sprach ich Elin Meersegen darauf hin an. Und diese sagte mir wo ich euch finden kann.“

Er blickte sie weiterhin fest an und gab ihr das Hemd zurück.
„Ich weiß das es nicht viel ist was ich oder besser gesagt Ulf gefunden hat. Aber all diese Zufälle, mein Kampf mit der Eisbestie, die Erinnerung an eure Tochter und die beiden gefunden Fundstücke sagen mir ich muss mich auf die Suche begeben!
Ich weiß nicht ob ihr mich kennt oder ob eure Tochter einmal meinen Namen erwähnt hat, doch verspreche ich euch, ich werde sie finden! Und sie euch zurück bringen.
Doch müsst ihr mir eins versprechen… ihr müsst euer inneres Feuer wieder entfacht und die Kälte aus euren Herz vertreibt! Ich will sie nicht finden müssen um ihr dann zu sagen das ihre Mutter gestorben ist!“

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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Erzähler » Freitag 15. März 2013, 21:53

Riesige glasige Augen hatten an den Lippen des Jägers gehangen und jedes Wort aufgesaugt. Nun brachen alle Dämme und noch während Eona gelauscht hatte, flossen ungehindert dicke Tränen über ihre Wangen, doch es war ein befreiender Strom. Ein Strom der einen kleinen Teil der Verbitterung fort waschen konnte.
„Man nennt mich Baltos Sohn von Drago Flinklanze und Lena die Fröhliche. Ich weiß nicht wo Maruka ist!“
Kurz pausierte der junge Mann und er konnte deutlich das Beben sehen, als die aufkeimende Hoffnung nun zu brechen drohte.
„Aber ich weiß… glaube… ich kann es nicht mit Worten beschreiben! Aber eure Tochter lebt!“
Seine Stimme war voller Überzeugung.
„Eine innere Stimme sagt mir dies und ich glaube euch geht es nicht anders! Als ich mich in der Höhle der Eisbestie befand, begannen die Erinnerungen. Die Erinnerung an eure Tochter und mit der Zeit wurden sie immer stärker und verwirrender. Ich weiß nicht warum ich an Maruka denken muss, da die Erinnerungen, auch wenn es mich schmerzt es zu zugeben, nach der Suche nach ihr fast erloschen waren. Doch dafür erscheint das Bild eurer Tochter jetzt immer öfter vor meinem Auge.“
Dabei deutete Baltos auf sein verbleibendes Auge, was nicht von seiner Augenklappe abgedeckt wurde.
„Den Anhänger und das Hemd habe nicht ich gefunden, es war Ulf, Sohn des Olof Eisenherz der dies tat.“
Leichte Verwirrung lag in Eonas Blick. Sie wirkte nachdenklich.
„Wir waren bei der gefangenen Drachenblut im Eiskanal, er hatte die beiden Gegenstände im Eis gefunden und sie vor uns verheimlicht.“
Sie runzelte die Stirn.
„Warum weiß ich nicht, aber als der Kampf mit der Seeschlange losbrach wurde er verletzt und ich ließ mir die beiden Gegenstände von Ragan Lebensretter aushändigen. Als ich die Kette bemerkte, die mich sofort an eure Tochter erinnerte sprach ich Elin Meersegen darauf hin an. Und diese sagte mir wo ich euch finden kann.“
Er blickte sie weiterhin fest an und gab ihr das Hemd zurück.
„Ich weiß das es nicht viel ist was ich oder besser gesagt Ulf gefunden hat. Aber all diese Zufälle, mein Kampf mit der Eisbestie, die Erinnerung an eure Tochter und die beiden gefunden Fundstücke sagen mir ich muss mich auf die Suche begeben!“
Eona sah schweigend auf das Hemd in ihren Händen und streichelte liebevoll die feinen Stickereien am Kragen. Hinter ihrer Stirn begann es zu arbeiten, das konnte man ihr ansehen. Sie kaute auf ihrer Unterlippe.
„Ich weiß nicht ob ihr mich kennt oder ob eure Tochter einmal meinen Namen erwähnt hat, doch verspreche ich euch, ich werde sie finden! Und sie euch zurück bringen.“
Eona sah auf.
„Doch müsst ihr mir eins versprechen… ihr müsst euer inneres Feuer wieder entfacht und die Kälte aus euren Herz vertreibt! Ich will sie nicht finden müssen um ihr dann zu sagen das ihre Mutter gestorben ist!“
Etwas geistesabwesend antwortete die ältere Frau:
„Nein, das wäre sicher nicht gut.“
Dann versank sie wieder ganz im Streicheln der Borte.
„Hm ...Ulf … und ihr sagtet, Baltos wäre euer Name …?“
Sie wirkte unruhig und stand leicht schwankend auf, wehrte aber sofort jede Hilfe mit der Hand ab. Baltos blieb sitzen und beobachtete wie Eona Sternentanz langsam zu einer verstaubten, alten Kiste taumelte. Etwas hatte ihren Lebenswillen wieder entzündet und sie begann wieder zu kämpfen. Ob es seine Worte oder das Fundstück, oder auch beides gewesen war, war nicht zu erfassen. Eona ließ sich vor der Kiste auf die Knie nieder und holte einen Schlüssel aus ihrem Ausschnitt, der an einem langen Lederband hing. Mit einem Klicken öffnete sich das Schloss und mit einiger Kraftanstrengung hob die ausgemergelte Frau den schweren Deckel an. Baltos konnte sie nur von halb hinten beobachten, aber er erkannte schnell, dass es sich um Kleidungsstücke und die Habseligkeiten einer jungen Frau handelte, die die Mutter da aus der Kiste holte. Dann hatte sie anscheinend gefunden was sie suchte und kam mit einem in Leder gebundenen kleinen Buch zurück. Es war zusätzlich noch in Teertuch eingeschlagen und sie öffnete es erst als sie wieder auf ihrem Platz saß. Mehr zu sich selbst, als zu dem Jäger murmelte sie immer wieder seinen Namen und blätterte in den abgegriffenen Seiten. Das Rascheln des Papiers war eine Zeit lang das einzigste Geräusch weit und breit. Dann plötzlich ging ein Ruck durch die Frau und sie schlug sich eine Hand vor den Mund. Sie hatte das Buch ziemlich weit vorne aufgeschlagen. Ihr Augen wurden weit und ein leiser hoher laut entwich ihrer Kehle, bei zusammen gepressten Lippen.
„Baltos! Natürlich! Ihr … Baltos! … Sie hatte euch hier … Ihr... “
Sie sah ihn mit großen Augen an, musterte ihn ausgiebig, als sei er eine Traumerscheinung und plötzlich war wieder Leben in diesen Augen. Sie schien angestrengt zu überlegen, aber jetzt huschte sogar ein erstes Lächeln über ihre verhärmten Züge.
„Entschuldigt! Ihr wäre sicher nicht recht, wenn ich euch aus ihrem Tagebuch vorlese, aber ich weiß nun wer ihr seid und ich bin unsagbar glücklich darüber, dass ihr den Weg zu mir gefunden habt!“
Sie lächelte breit und ein wissendes Glitzern lag in ihren blauen Augen, dann wurde sie wieder gefasster, aber ein Schmunzeln huschte immer wieder über ihren Mund wenn sie ihn ansah.
„Ihr habt so Recht! Ich weiß nicht … ob mein Kind noch lebt oder nicht, aber sie würde furchtbar mit mir schimpfen, wenn sie mich so sehen würde! Ob es nun Schicksal, Zufall oder Venthas Wille war … Ich bin dankbar, dass ihr hier seid und mir die Hoffnung zurück in mein Haus gebracht habt.“
Sie legte ihre kühle Hand in freundschaftlicher Geste auf seine.
„Danke, Baltos! Es … es ist nicht leicht für eine Mutter ihr Kind verloren zu glauben. Der Schmerz … er lässt einen kalt werden. Die letzten Monde waren nicht gut für meinen Mann und mich. Ich glaub, ich hab es ihm sehr schwer gemacht mich zu lieben. Zu viel Leid kann ein Paar auch auseinander treiben … Aber ich will euch nicht mit meinen Eheproblemen belangen. Ihr sagtet ihr erinnert euch an meine Tochter? Sie war schon ein … besonderes junges Mädchen, nicht wahr?“
Trotz der leichten Beklemmung, als sie von ihrem Mann gesprochen hatte, war da jetzt dieses leichte Schmunzeln um ihre Mundwinkel und Baltos konnte sich sicher dem Eindruck nicht erwehren, dass die Frau vor ihm von einer deutlich ferneren Vergangenheit sprach, als der letzten paar Monate. Doch bevor sie in Erinnerungen zu schwelgen begann kam sie auch schon wieder auf die nähere Zeit zurück.
„Ihr habt damals bei der Suche geholfen, ja … Es kommt mir alles schon so fern vor. Es … es fühlt sich so an, als ob mein Kind nicht weiter von mir fort sein könnte. Ich habe immer geglaubt, wir hätten eine besondere Verbindung zueinander, aber in letzter Zeit … alles fühlt sich so fremd und fern an, wenn ich an meine Ruka denke. Irgendwie anders … falsch und verwirrend.“
Wieder standen ihr die Tränen nahe den Liedern.
„Ich bin dankbar, dass ihr mir helfen wollt, Baltos. Was habt ihr denn genau vor? Mehr als dieses Hemd habt ihr doch nicht. Kann ich euch irgendwie helfen? Wollt ihr irgendetwas von ihr wissen? Sicher wollt ihr das. Ulf hat es gefunden? Ja, das sagtet ihr. Ulf … eigentlich kein Wunder.“
Wieder strich sie gedankenverloren über den Einband des Tagebuches.
„Er hatte schon länger ein Augen auf meine Ruka geworfen.“
Als hätte sie etwas gesagt, das sie nicht sagen hatte wollen, zuckte sie leicht und fügte schnell hinzu:
„Sie hatte aber keine Augen für ihn!“
Der Unterton hatte etwas Seltsames. Ganz als wollte sie Baltos versichern, dass ihre Tochter und Ulf, Sohn von Olof Eisenherz, nichts miteinander verband.
„Er war nur ein paar Mal hier. Eirik mochte ihn nicht. Ich hab vergessen warum. Aber das ist jetzt auch unwichtig. Ich plapper, oder? Ich habe das Gefühl, seit Monaten nicht mehr mich richtig ausgesprochen zu haben. Es ist ja auch so. Ich … mein Mann … Ruka ist unser einziges Kind.“
Ein Schatten huschte über ihre Miene. Der letzte Satz hatte einen zu endgültigen Unterton gehabt. Eona war eine ungewöhnliche Frau. Sie trug ihr Herz offen auf ihren Lippen und plauderte mit dem jungen Jäger, als gehöre er zur Familie. Sie verbarg nichts, beschönigte nichts und entblößte ihre Seele vor dem jungen Mann, der ihr ein Zeichen ihrer Tochter zurück gebracht hatte. Dabei hielt sie seine Hand, als bräuchte sie die Wärme seiner Berührung noch, um wieder Kontakt zu der Welt aufzunehmen. Zögerlich sah sie sich um und sagte dann nach einer kleinen Pause:
„Ich bin eine schlechte Gastgeberin. Es tut mir leid, wie ich euch empfangen habe. Irgendwo müsste ich noch Tee haben ...“
Mit dem Leben kehrte auch die Scham über ihr Verhalten zurück.
„Ich würde euch gern etwas anbieten, nur hab ich wohl ein bisschen den Überblick über meinen Haushalt verloren.“
Ihre Augen suchten nach jenen Dingen um die sie sich seit geraumer Zeit nicht mehr gekümmert hatte. Dass ihr Mann sie nicht versorgt hatte, konnte man nicht sagen, doch waren die Dinge nicht mehr da, wo sie sie hin gestellt hatte. Es herrschte allgemeine Unordnung und Eona wurde sich immer mehr bewusst, wie sehr sie sich hatte gehen lassen. Sie verzettelte sich zusehends in Trivialitäten. Nun war an Baltos das peinliche Schweigen aufzulösen und sie auf andere Gedanken zu bringen. Sicher hatte er noch einige Fragen.
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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Baltos » Montag 18. März 2013, 11:38

Als Eona sichtliche Schwierigkeiten hatten sich zu erheben, wollte Baltos ihr helfen. Doch die ältere Frau gab ihn mit einem schnellen und zackigen Handzeichen eindeutig zu verstehen, dass sie diesmal seine Hilfe nicht benötigte. Also ließ sich der Mantroner wieder in seinen Sitz sinken und betrachtete die Frau dabei wie sie zu einer staubigen Kiste ging, diese öffnete und nach etwas suchte. Der Jäger sah nur knapp den Inhalt der Truhe. Da die Mutter Marukas einen Großteil davon verdeckte, aber als Baltos erkannte das in dieser Kiste unter anderem Unterwäsche für eine Frau aufbewahrt wurde, wendete er schnell seinen interessierten Blick wieder ab. So etwas gehörte sich schließlich nicht!

Es dauerte auch nicht lange und Eona nahm mit einen Notizbuch in der Hand wieder platz. Sie blätterte in den vergilbten Seiten und sprach dabei fortwährend den Namen des jungen Eisjägers. Es hörte sich fast schon wie ein Gebet an und dann, beinah am Anfang des Buches, wurde sie fündig.
Anscheinend stand etwas über ihn in diesem Buch, denn in ihren Augen konnte er sehen dass sie ihn jetzt erkannte oder zumindest wusste woher ihr sein Name so bekannt vorkam.

Baltos wollte eigentlich schon gerne Wissen was dort über ihn stand, aber ein Tagebuch war für Frauen heilig. Das zumindest hatte Haros immer gesagt, bevor er gestorben war. Sein Freund aus Kindheitstagen meinte damals immer, bei diesem Thema, man dürfe nie in diesen Büchern lesen, weil die Mädchen das absolut nicht mochten!
Für Baltos war das Ritual Tagebuch bis heute ein Rätsel, warum sollte man seine Gedanken auch in einen Buch niederschreiben? Wozu hatte man denn ein Gedächtnis? Er verstand den Sinn dahinter einfach nicht und sah eigentlich nur die Gefahr eines Tagebuches. Man gab einen Gegenstand seine tiefsten Gefühle preis, der eventuell von jemand gefunden werden konnte der dies niemals lesen sollte. Für Baltos war das ungefähr so als würde man sich mit blutigem Fleisch am Körper, in einer Höhle mit hungrigen Eisbären begeben, um dort dann ein gemütliches Schläfchen zu halten. Halt absoluter Schwachsinn!

Der Kontakt von Eonas Hand auf der seinen, riss in wieder zurück ins hier und jetzt. Er bemerkte ihre Anspielung, doch verstand er sie nicht. „Natürlich war sie das!“
Lies er die Mutter wissen, als sie ihn fragte ob ihre Tochter etwas besonders war. Auf seiner Stirn bildeten sich ein paar Denkfalten, doch er ging nicht weiter auf diese, in seinen Auge unverständliche und vorallen sinnlose frage ein. Eona schien das auch bemerkt zu haben und fuhr weiter mit ihrer Erzählung fort und kam zum Thema Ulf.

Die Mutter musste wohl bemerkt haben dass sich Baltos’ Muskeln anspannten und seine freie Hand sich zu einer Faust bildete und fügte deswegen an, dass ihre Tochter kein Interesse an Ulf gehabt hätte.
Und auch Keinen Moment später entspannte sich der Körper des jungen Jägers wieder. Baltos war selbst von dieser plötzlich auftretenden Wut überrascht gewesen und wusste dieses Gefühl, was die meisten als Eifersucht kannten, nicht richtig ein zu ordnen. Er beschloss einfach, dass die plötzlich auftretende Wut, wahrscheinlich eine Nebenwirkung des Medikaments des Heilers war und konzentrierte sich wieder auf die Worte Eonas.

Ulf hatte damals also Interesse an Maruka gehabt, doch war er mit ihren Vater nicht zu recht gekommen. Das erkälte zumindest warum er die Fundstücke an sich genommen hatte. Der Jäger kramte in seinen Gedächtnis nach, konnte sich aber nicht entsinnen den anderen Mantroner bei der Suche nach der verschollenen Frau damals gesehen zu haben.
Der Rest der Unterhaltung wurde dann schon sehr vertraut, aber der Mantroner störte sich nicht daran. Doch langsam kam das Gespräch ins Stoppen als Eona sich erst richtig bewusst wurde in welchen zustand ihr Heim war. Baltos störte der Zustand der Behausung eher weniger und er brauchte auch keinen Tee oder sonst solch eine Floskel der Höfflichkeit.
Das Feuer in den Augen der Mutter, was wieder brannte, war Dank genug für ihn. Sie würde ihr leben wieder in vernünftige Bahnen lenken und ihren Mann wieder ein gutes Weib sein. Vielleicht würde Maruka auch bei ihrer Rückkehr ein Geschwisterchen haben. Man konnte ja nie wissen!
Doch musste er sie dafür erst einmal finden!
„Ich brauche nichts, danke!
Das ihr euer inneres Feuer wieder gefunden habt, ist mir dank genug. Ich benötige nur ein paar Hilfestellung eurerseits!“

Kurz wartete er auf eine Reaktion der Mutter und als die Bestätigung kam, das er fortfahren sollte, erhob er wieder das Wort. „Ich benötige ein Kleidungsstück das den Geruch eurer Tochter beinhalte. Dieses Hemd sollte dann in einen Behälter verwahrt werden, der den Duft lange genug erhalten kann.
Außerdem wäre es gut zu wissen ob in den Tagebuch ein Lieblingsort von ihr beschrieben wird, denn nur sie kennt!“

Der Mantroner lehnte sich ein Stück in den Sitz zurück und verschränkte seine mächtigen Arme kurz hinter den Kopf und streckte sich dabei, bevor er weiter fortfuhr. „Meine suche nach Maruka werde ich in der Höhle der Eisbestie beginnen die ich erschlagen habe. Ich will Gewissheit haben das sie nicht unter den dortigen Leichen liegt. Außerdem kann ich auf den Weg dorthin, einen Kampfgefährten aufsuchen, der mir bei der Suche vielleicht helfen kann. Seine Nase ist besser als die meine.“
Jetzt grinste er sie an und in seinen Kopf formte sich langsam ein Plan, wie er die junge Frau finden konnte.

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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Erzähler » Dienstag 19. März 2013, 09:46

Eifersucht. So etwas kannte Baltos nicht. Woher den auch. Dazu musste man ja wenigstens schon mal verliebt gewesen sein. Sein Interesse für das Mädchen in seinem Traum war sicher nicht daran schuld, oder? So wie jede neue Erfahrung die man in seinem Leben machte, versuchte er sie zu hinterfragen, schob es jedoch erst einmal auf die Nebenwirkungen des Trankes von Ragen Lebensretter, schon allein um sich wieder auf das Gespräch mit Marukas Mutter konzentrieren zu können, das ins stocken geriet.
„Ich brauche nichts, danke! Das ihr euer inneres Feuer wieder gefunden habt, ist mir dank genug. Ich benötige nur ein paar Hilfestellung eurerseits!“
Eona nickte eifrig, das er fortfahren sollte.
„Ich benötige ein Kleidungsstück das den Geruch eurer Tochter beinhalte. Dieses Hemd sollte dann in einen Behälter verwahrt werden, der den Duft lange genug erhalten kann.
Außerdem wäre es gut zu wissen ob in den Tagebuch ein Lieblingsort von ihr beschrieben wird, denn nur sie kennt!“

Der Mantroner lehnte sich ein Stück in den Sitz zurück und verschränkte seine mächtigen Arme kurz hinter den Kopf und streckte sich dabei, bevor er weiter fortfuhr.
„Meine suche nach Maruka werde ich in der Höhle der Eisbestie beginnen die ich erschlagen habe. Ich will Gewissheit haben das sie nicht unter den dortigen Leichen liegt.“
Eonas Augen weiteten sich.
“Außerdem kann ich auf den Weg dorthin, einen Kampfgefährten aufsuchen, der mir bei der Suche vielleicht helfen kann. Seine Nase ist besser als die meine.“
Jetzt grinste er sie an und in seinen Kopf formte sich langsam ein Plan, wie er die junge Frau finden konnte.
„Eine Höhle mit Leichen? … Eine Eisbestie? Ihr hattet es schon erwähnt, ja richtig. Oh, ich denke, wenn die Männer mit den Schlitten zurück sind, werden sich sicher viele von ihnen anschließen wollen um nach ihren vermissten Angehörigen zu suchen. Sind es viele die begraben werden müssen? Meint ihr Maruka könnte …? Ihr werdet sie finden! So oder so!“
Wieder standen Tränen in den großen mandelförmigen Augen, was noch vor Stunden vollkommen unmöglich erschienen war. Eona wischte sich die Augenwinkel und nickte.
„Ich glaube, ich hab da etwas was euch helfen könnte. Sie hat in selbst gemacht. Oh, was hab ich damals geschimpft, als sie sich dafür die Haare abgeschnitten hatte! Einen Moment ...“
Sie stand wieder auf und ging erneut zur Kiste. Als sie zurück kam, hatte sie einen kleinen unförmigen Eisbären in der Hand, der mehr einem spitzen Ei mit Knubbeln dran glich, als dem größten Landraubtier Mantrons, nach der Eisbestie natürlich. Das Fell war an manchen Stellen schon sehr abgegriffen und das schwarze Leder schimmerte schon hindurch. Eona reichte das Stofftier dem Jäger. Schiefe Augen glotzten ihn treudoof an. Die groben Nähte waren mit feineren Stichen durch die Mutter verstärkt worden und der kleine Bär fühlte sich erstaunlich weich an. Er ließ sich bis auf einen Finger dick zusammen drücken, da eben kein Stroh zum Füllen benutzt worden war, sondern Menschenhaar. An einer Pfote war die Naht aufgerissen und ein paar cremefarbene, milchkaffeebraune Zotteln schauten heraus. Als Eona dies sah, nahm sie sich schnell einen Korb und holte ihr Nähzeug heraus um das Loch für die Reise zu flicken.
„Kiowa, so hat sie ihn getauft, ist schon so häufig nass geworden irgendwo vergessen und verloren gegangen, aber unsere verstorbene Hauswölfin hat ihn immer wieder nach Hause gebracht. Ich denke, ihr braucht ihn nicht einzuwickeln. Wenn etwas ein Stück von ihr in sich trägt, dann Kiowa.“
Dann gab sie ihn Baltos zurück und lächelte das erste Mal wieder. Die einfache Tätigkeit, das Nähen für ihre Tochter, hatte ihr noch mal einen auftrieb gegeben. Während der Jäger das kleine Tier in seinen großen Händen hielt griff sie geistesabwesend sogar in eine steinerne Schatulle und kaute kurz darauf auf einer getrockneten Wurzel herum.
„Mein Mann hatte auf der Jagd eine Eisbärin gelegt und leider erst hinterher bemerkt, dass sie Jungen hatte. Eines lief weg und ist sicher auch gestorben. Die Jungen waren noch zu klein um alleine zu überleben. Das Andere hat mein Mann schnell und gnädig getötet. Doch Maruka hatte fürchterlich geweint und um ihr bei der Verarbeitung zu helfen, haben wir aus dem Fell des Jungen dieses Kuscheltier gemacht. Sie war damals noch so klein und hat nicht verstanden, dass es notwendig gewesen war. Er war von diesem Tag an immer ihr bester Freund, also passt gut auf ihn auf!“
Die Frau sah Baltos eindringlich an aber lächelte auch dabei. Es war als vollzöge sich jetzt schon langsam ein Wandel in ihr. Der junge Jäger hatte ihr ihre Hoffnung zurück gebracht und mit jeder Minute die verging, schien Marukas Mutter sich wieder zu verjüngen. Das glänzen in ihren Augen, die Tränen wuschen die dunklen Schatten weg und das Lächeln straffte die eingefallenen Wangen. Sie war eine hübsche Frau für ihr Alter, aber besonders machte sie ihre Ausstrahlung. Das Funkeln kehrte langsam zurück und Baltos begann vielleicht zu ahnen, woher sie ihren Beinahmen Sternentanz hatte. Sie streichelte noch einem den Kopf des Stofftiers und drückte dann Baltos Hand.
„Bringt mir Gewissheit, wenn ihr nicht meine Tochter finden solltet. Allein der Gedanke und dass ihr mir mein Leben zurück bringen wollt, macht euch zu einem wahren Freund. Wenn ich hoffen darf sie lebend wieder zu sehen, so werdet ihr für immer einen Platz in meinem Herzen finden. Ihr werdet sicher bald aufbrechen wollen. Wenn ihr noch irgendetwas braucht … Wir haben noch ihren kleinen, alten Jagdschlitten, aber eben keine Wölfe die ihn ziehen könnten. Die sind alle mit meinem Mann draußen. Für eine Person mit wenig Gepäck würde er reichen. Er ist leicht und wendig, aber er müsste euch tragen können. Er steht hinter dem Haus. Nehmt ihn wenn ihr in braucht. Mein Mann hatte ihn in der Nähe des Eiskanals gefunden, nachdem sie verschwunden war. Ungefähr auf der Höhe der Steilklippen, dort wo drei Felsen eine gemeinsame Spitze bilden. Mein Mann sagte, sie hätte dort viel gejagt.“
Damit stand sie auf und umarmte den deutlich größeren Jäger, der sicher sich auch erhoben hatte und stellte sich dabei auf die Zehenspitzen.
„Wenn ich … mein Leben wieder aufgeräumt habe, werde ich zu Elin Meersegen gehen und für euch beten. Ich wünsche euch alles Glück der Welt. Kommt gesund zurück … mit oder ohne meine Tochter.“
Dann drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange und stellte sich gerade hin. Fast, als wäre er schon gegangen, schaute sie sich um, schüttelte den Kopf und begann aufzuräumen.
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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Baltos » Dienstag 19. März 2013, 14:52

Als Eona nach der Höhle fragte und ob es vielen Leichen waren, nickte Baltos ihr zu. „Es waren hunderte von Körpern die ich in der Kammer gefunden hatte. Einige liegen dort wahrscheinlich schon seit Jahren! Ich glaube zwar nicht das Maruka unter ihnen ist, aber ich kann diese Möglichkeit leider nicht ausschließen!“ Er sah das seine Worte die besorgte Mutter trafen, als sich Tränen in ihren Augenwinkeln sammelte, aber Eona riss sich zusammen und holte den gewünschten Gegenstand der Baltos bei seiner Suche helfen sollte hervor.
Gleichzeitig erfuhr er auch die Geschichte hinter den Kuscheltier und das er mit den Haaren von Maruka gefüttert war. Das würde seine Suche deutlich erleichtern, wenn er Geri finden konnte und dieser ihn erneut half!
Der Schlitten denn sie im Verlauf des weiteren Gespräches erwähnte, würde Baltos bei seiner Suche ebenfalls gut gebrauchen können. Auch der Ort wo der Schlitten gefunden wurde war ein guter Hinweis und dazu kannte er auch noch die Stelle. Einige Eisbären hielten sich dort auf und es war ja bekannt dass die Familie von Maruka begnadete Eisbärenjäger waren. Er überlegte ob sie damals an diesen Ort nach ihr gesucht hatten, aber er konnte sich nicht mehr Erinnern.
Doch der Vater hatte diesen Fleck vereister Erde bestimmt Gründlich untersucht und unter jeden schneebedeckten Stein nachgeschaut, aber außer den Schlitten hatte er anscheinend nichts weiter gefunden. Vielleicht hatte der Jäger ja mehr glück und außerdem musste er ja irgendwo mit seiner Suche beginnen, wenn er nicht in der Höhle fündig wurde, was er hoffte.

Wieder ein Eisbär! Baltos betrachtete nach dem Wangenkuss das Gesicht des Stofftieres, was viel Ähnlichkeit mit dem hatte was er in der Höhle der Eisbestie gefunden hatte. Vielleicht war dies ein weiteres Zeichen? Das er eventuell auf den richtigen Weg war um seine Suche zu beginnen. Denn warum sonst sollten die Eisbären soviel Ähnlichkeit miteinander haben?
Eona hatte ihn mittlerweile den Rücken zugedreht und schon damit begonnen, die Hütte wieder auf Vordermann zu bringen. Als Baltos in Richtung Ausgang ging und an der Tür kurz anhielt. „Ich werde sie finden!“ Versicherte er ihr noch und dann verließ er das Geburtshaus von Maruka und schloss die Tür.

Sofort vielen ihn die neugierigen Blicke auf die ihn von einigen Frauen zugeworfen wurden. Anscheinend hatte sie den Rauch bemerkt, der aus der Hütte kam und wollten nach den rechten schauen. Aber die Blicke die sie ihn zuwarfen gefielen den Jäger überhaupt nicht. „WAS IST!!!??!!!“ Ließ er die Damenschar in einen wütenden Ton wissen. Doch bekam er keine Antwort, sondern nur erschrockene oder ebenso wütende Blicke.
Mit dem Stofftier in der Hand ging er hinter die Hütte. Er hatte besser zu tun als sich mit Klatschmäulern anzulegen und betrachtet den Einmann-Schlitten, der sich direkt neben der Hauswand befand. Der Schlitten war in einen guten Zustand und wurde eindeutig gepflegt, wahrscheinlich von Eonas Ehemann. Die Kufen waren frisch geschliffen, das Holz war mit einer Wachsschicht überzogen, damit es nicht Faulte und das Leder war ebenfalls gefettet. Baltos blickte kurz in denn Innenraum des Schlittens, der bei der Fahrt den Unterleib vor Schnee und Eis bewahrte und überprüfte ob sich dort ein Tier versteckte.
Nachdem er den Schlitten ordentlich durchgeschüttelt hatte und noch immer kein Tier aus der Fahrerkammer gekrabbelt kam, quetschte Baltos den Eisbären in das Gehäuse. Er wolle das Kuscheltier nicht durch die ganze Stadt tragen. Denn wie sah es denn aus wenn der Bezwinger der Eisbestie mit einen Kinderspielzeug in der Hand durch die Gegend zog!

Also verstaute der Jäger den kleinen Kuschelfreund von Maruka im Schlitten und schob diesen kurz darauf durch Mantron. Sein nächstes Ziel war sein Elternhaus, sein Magen verlangte nach einer guten Speise und seine Eltern wollten bestimmt ihren Sohn wieder sehen.
Baltos schob das Gefährt wieder auf den Weg den er vorhin genommen hatte und bemerkte dass die Frauenversammlung aufgelöst war. Doch der Mantroner kümmerte sich nicht weiter darum. Er schob den Schlitten weiter vor sich hin und passierte wieder die drei Damen, die sich mit dem entgräten der Fische beschäftigten. Der Zuber mit den fertigen Fisch war mittlerweile schon zur hälfte gefüllt und die Damen würde wahrscheinlich noch vor Einbruch der Nacht fertig werden.

Als er das Langhaus von Thure wieder sah, bog er ab und nahm einen Seitenweg der ihn zum Haus seiner Eltern führte. Er brauchte nur ein paar Minuten und hatte die Hütte seiner Eltern erreicht. Baltos stellte den Schlitten in die Nähe der Hauswand ab und betrat sein Heim.
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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Baltos » Donnerstag 11. April 2013, 10:54

Kommt von: Der südliche Teil Celcias ‹ Das Eisreich ‹ Die Eisinsel Ersa ‹ Mantron, Heimat der Tapferen ‹ Mantrons Wohnhäuser ‹ Baltos' Elternhaus
Es war noch früh am Morgen und die Sonne war auch gerade erst aufgestanden.
Die ersten ihrer wärmenden Strahlen zogen über die Dächer der Stadt. Das Licht wurde dabei von den Eiszapfen die an den Dachüberhängen hingen reflektiert und der Schnee glitzerte mit jeder weiteren Sonnenstrahl mehr. Der weißen Boden Mantrons sah somit fast aus wie ein Meer aus Diamanten. Für einen Fremden wäre diesen Anblick wahrscheinlich atemberaubend gewesen und hätte in ihn das Verlangen geweckt sich in den Schnee zu schmeißen, um einen Schneeengel zu machen, aber nicht bei Baltos. Er wollte einfach nur an der frischen Luft laufen und das tat er auch!
In einen leichten trab rannte er durch die Stadt und dachte einfach an nichts. Die letzten Tagen und vorallen Nächte hatte seine Psyche schon ziemlich mitgenommen. Der Jäger genoss es einfach einmal sich um nichts Sorgen zu machen oder hinter irgendwelchen seltsamen Träumen einen Sinn zu erkennen.
In diesen Geistigen Stand-by-Modus lief der Einäugige quer durch die ganze Stadt.
Er passierte als erstes das Haus von Norna, das ziemlich verweist wirkte. Da die Zwinger so gut wie leer waren. Als nächstes kam er dann an der Hütte von Marukas Eltern vorbei und umrundete danach Thures Langhaus. Dann sah er die Lagerhäuser und konnte einige Frauen dabei beobachten wie sie Lebensmittel aus den Silos entnahmen. Am Schluss rannte er am Hafen vorbei, an den wieder reges treiben herrschte und folgte dann den Weg zurück denn er genommen hatte.
Wie viele Runden er somit quer durch die Stadt gedreht hatte, hatte der Einäugige nicht mitgezählt. Er blieb einfach irgendwann in der Mitte der Stadt stehen.

Als sich sein Körper von der Anstrengung des Laufens wieder beruhigt hatte schätzte Baltos das er ungefähr zwei Stunden unterwegs gewesen sein musste. Denn bei genauer Betrachtung der Umgebung waren jetzt eindeutig mehr Frauen auf den Trampelpfaden zwischen den Häusern unterwegs und auch die Sonne hatte eine wesentlich höhere Position am Firmament eingenommen.
Sein Atem bildete während er sich umblickte weiße Wolken vor seinen Mund. Etwas Frost war in seinen Drei-Tage-Bart entstanden und lies den jungen Mann älter wirken als er eigentlich war. Er wischte sich mit der Hand durchs Gesicht um die gefroren Feuchtigkeit von seiner Gesichtsbehaarung zu entfernen.
Das Lauftraining hatte wirklich gut getan und sein Kopf fühlte sich endlich wieder frei an. Es war an der Zeit seine Pläne in die Tat umzusetzen und dafür war er auch mehr als bereit. Ein inneres Kribbeln breitete sich in seinen Körper aus und schürte die Vorfreude auf die Prüfungen die Ventha noch für ihn vorgesehen hatte.

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Re: Im Herzen Mantrons

Beitrag von Erzähler » Freitag 12. April 2013, 16:08

Das eisige Wasser hatte Baltos erhitzten Körper schnell abgekühlt. Dampfend stand er einen Moment vor seinem Bett, das deutlich schmaler war, als das in seinen Träumen. Die Tropfen auf seiner Haut verdunsteten schnell und auch die Nachwirkungen der Nacht verflogen nach dieser Behandlung zügig.
Nach dem Frühstück ging er dann schnell dazu über seinen Geist ebenfalls zu beruhigen und nichts half dabei besser, als ein ordentliches Lauftraining! In der Nacht hatte es geschneit und die Pfade zwischen den Häusern waren perfekt zum Laufen, jetzt da der Himmel für eine Weile einmal aufriss. Mantron war die größte Stadt der Eisinsel, so dass er gut zwei Stunden brauchte um jeden Weg einmal zu durchlaufen. Zwar gab es noch außerhalb ein paar abseits gelegene Außenposten, die oft kaum mehr als vier oder fünf nah zusammenstehende Zelthäuser zählten, aber die meisten Mantroner sammelten sich ohnehin, gesellig wie sie waren, hier an diesem Ort um die Geschichten ihrer Abenteuer zu verbreiten.
So kam es auch, dass Baltos die fehlende Betriebsamkeit auf den Straßen auffiel, aber trotzdem immernoch, wenn auch vorwiegend weiblichen, Mantronern begegnete die ihm freundlich zu grüßten. Ein paar Kinder versuchten ihm eine kurze Stecke hinterher zu rennen, doch er hängte sie schnell ab. Eine alte runzlige Frau kam unvermittelt um eine Ecke gewackelt und Baltos hätte sie fast umgerannt, doch sie lachte nur freundlich. Die kalte Luft klärte seine Gedanken und der Blick auf das gefrorene Meer hinaus, das an manchen Stellen kunstvolle, in der Sonne glitzernde Berge aufgetürmt hatte, ließ Ruhe in seine Seele einkehren. Das schönste jedoch war aber der Anblick von Eona Sternentanz wie sie mit frisch gebürstetem Haar im Morgenwind stand und die Häute ihrer Hütte mit einer dicken Schwarte einfettete. Sie war so beschäftigt dass sie den Läufer gar nicht bemerkte, aber dass sie zu neuen Kräften zurück gefunden hatte und er daran sicher nicht ganz unschuldig war, fühlte sich warm und gut in seiner Seele an.
Baltos Training tat gut und verscheuchte auch die letzten unruhigen Gedanken, doch kamen mit der Klarheit auch die Gedanken an seine Pläne wieder. Noch schwer atmend stand er mitten in der kleinen Stadt und sah sich um. Dies war sein Zuhause. Mehr oder weniger kannte man fast jedes Gesicht vom Sehen her, doch nicht weit von hier, verborgen im Frostwald in der Tiefe einer Höhle, lagen die Überreste von vielen Verstorbenen die endlich den weg zu ihren Ahnen antreten sollten. Das Wissen um sie drückte auf seine Schultern und er war sich sicher, dass ein Krieger auf der suche nach den Lebenden nicht fehlen würde, wenn er den Weg zu den Toten gehen würde. Auch jene Tapfersten hatten ein Recht umsorgt zu werden, jetzt da einer um sie wusste. Ventha hatte ihn nicht umsonst auf diese Reise geschickt. Es gab noch Arbeit zu erledigen!
Für einen kurzen Moment spukte auch der Gedanke in seinem Kopf herum, dass er seinen Namen bei Elin Meersegen einfordern könnte, doch üblicher Weise wurde in diesem Zusammenhang eine größere Feier angesetzt und wenn möglich waren alle Familienmitglieder anwesend. Einen Grund zum Feiern wollte sich kein Mantroner entgegen lassen! Der Tod einer Eisbestie, vor allem einer solch ausgewachsenen und … verfluchten, war etwas Besonderes und solle nicht beiläufig gefeiert werden, wenn die Hälfte der Tapferen unterwegs waren, vor allem weil ihr Tod nicht das einzigste war, was seiner Geschichte Inhalt geben sollte. Der Fluch, der auf dem alten Friedhof gelegen hatte, die Schändung des unterirdischen Tempels durch das Wesen und auch der Fund der vielen vermissten Seelen war ein Teil von Baltos Geschichte die erzählt werden musste.
Also war die Entscheidung klar. Die Bergung der Leichen würde sicher einige Zeit dauern, doch zuvor musste der Weg zu ihnen geebnet werden, die Stollen gesichert und die Höhle vor Tieren verschlossen werden, damit die Folgenden auch ihre Angehörigen fanden und nicht z.B. der ein oder andere wilde Wolf die Knochen schmackhaft fand. Mal ganz davon abgesehen, wollte er wissen, ob die sterblichen Überreste der jungen Frau aus seinen Träumen unter ihnen weilten.
Baltos nahm seinen Lauf wieder auf, schaute noch einmal kurz bei seiner Mutter vorbei um ihr bescheid zu geben, kontrollierte seine Jagdausrüstung, bekam noch etwas Trockenfleisch zugesteckt und einen feuchten Kuss in aller Öffentlichkeit.
Dann zurrte er seine Schulterriemen fester und machte sich auf den Weg Geri zu finden.

(weiter bei: Frostwald – Bergung der Leichen )
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