Baltos’ Elternhaus

Stein ist zu selten und kostbar in Mantron und Holz wird zu schnell feucht, daher leben die Menschen hier in Hütten, die sie mit gegerbter Tierhaut bespannen. Die ist nicht nur sehr wetterfest, sondern hält auch die Wärme in den Häusern.
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Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Dienstag 10. Juli 2012, 06:21

[Einstiegspost]

Baltos stand gerade vor der Hütte seiner Eltern und widmete sich seinem Muskelaufbau-Training. Ein Baumstamm von zwei Metern Länge und einem Gewicht von 50 Kilo ruhte auf seinen breiten Schultern, mehrmals ging er in die Knie und stemmte sich wieder in die Höhe.
Schweiß lief wie ein Rinnsal an seinen Körper herab, jedes Mal wenn er aus der Hocke kam, stöhnte er aus: „Arghhhhh! Vierundzwanzig! Harrrrrrr! Fünfundzwanzig!“
Baltos wiederholte dies bis er bei der 50. Wiederholung angekommen war. Der Baumstamm donnerte förmlich als er lautstark auf den gefrorenen und verschneiten Boden aufschlug.
Schnee erhob sich durch die Wucht des Aufpralles einer Wolke gleich und wurde sofort von dem Schneeregen, der momentan auf die Stadt hinab fiel wieder auf den Boden geschickt.

Es war ein ganz normaler Tag für die Mantroner, bei Temperaturen von -35°C, wo Anderen die Gliedmaßen einfroren, ging dieses tapfere Volk seinen Tätigkeiten nach, als wäre es ein warmer Sommertag.
Dampf stieg von dem erhitzten Körper auf, als Baltos seinen Kopf in den Nacken legte und den Schneeregen auf seiner Haut genoss. Eine willkommene Abkühlung, nach diesem schweißtreibenden Training, doch das war erst sein Warm-Up. Die lange Zeit, die er im Bett verbracht hatte, um seinen Körper die Ruhe zu geben damit er sich erholen konnte, hatte Auswirkung auf seine Muskulatur gehabt. Er war natürlich immer noch ein Bär von einem Mann, der mit seinen bloßen Händen wahrscheinlich einen Menschlichenschädel zerbrechen konnte, nur hatte die Auszeit seinen Tribut gezollt und einige seiner Muskelpartien waren leicht zurückgegangen. Eine Tatsache, die Baltos nicht so hinnehmen konnte. Er widmete sich nun schon mehr als vier Wochen lang seinem Training. Baltos’ Vater hatte ihn von sämtlichen häuslichen Aktivitäten befreit, damit er wieder den körperlichen Zustand, den er vor dem Unfall hatte, erlangte. Er wusste wie wichtig es seinem Sohn war fit zu sein und junge starke Männer waren in Mantron die treibende Kraft, um das Leben in dieser menschenunfreundlichen Welt aufrecht zu erhalten.

Baltos’ Streitaxt ruhte auf seinem Rücken, er hatte das komplette Training in voller Montur durchgeführt. Seine Rüstung sah man es nicht mehr an, dass sie vor einigen Wochen von gefrorenem Geröll und Eis beschädigt wurde. Seine Mutter hatte ihr ganzes Geschick aufgebracht um sie wieder zu reparieren und Baltos war ihr mehr als dankbar dafür. Sie war wie neu und nirgends konnte man erkennen, dass das Leder eventuell aufgerissen war.

„Los geht’s!“, Baltos legte sich mit seinem ganzen Gewicht nach vorne. Er hatte den am Boden liegenden Baumstamm mit Seilen verbunden und die Enden hatte er an seinem Oberkörper befestigt. Langsam begann der Stamm sich von seiner Position zu lösen, es knackte leicht, da der Schweiß dafür gesorgt hatte das der Baumstamm am Boden angefroren war.
Doch wenn 110 Kilo Muskelmasse sich bewegten, konnte sie auch ein bisschen Eis nicht aufhalten. Baltos’ Beine stampften durch den Schnee als er mit seinen Ausdauerlauf begann, er umrundete mehrmals die Hütte seiner Eltern. Dieses Lauftraining nutze er auch um sich an seine Sehbehinderung zu gewöhnen. Der Boden war nicht eben und oft genug gab es Stolperfallen in Form von Erhebungen oder Senkungen, manchmal lag auch ein gezähmtes Tier auf dem Boden und schlief. Genug um sich darin zu üben, mit nur einem Auge sehen zu können.
Seine Mutter hatte ihm die Augenklappe geschenkt, die das Wappen der Stadt Mantron trug: Ein Eisbär auf blauem Grund, umgeben von weißen verschnörkelten Linien.
Wenn jemand nähen konnte, dann war sie es. Er selbst hatte sich einmal an dieser Kunst probiert, doch seine Hände waren zu groß und die gewisse Feinmotorik, die man dafür brauchte, besaß er nicht.
Die Augenklappe hatte ihn zum Anfang gestört und er spürte sie die ganze Zeit, es glich einem Jucken und Kratzen und sie machte ihn fast wahnsinnig. Doch lag es nicht an der Augenklappe sonder an der Naht die sich über sein Auge zog. Nachdem die Fäden gezogen waren hatte er kein Problem mehr mit der Klappe, mit der Zeit wurde sie so selbstverständlich für ihn, dass er sie nicht einmal zum Schlafen ablegte.

Nach einer Halben stunde hatte er genug vom Laufen und vom Sehtraining und hielt wieder vor dem Eingang der Hütte seiner Eltern an. Baltos schnaufte kurz und kleiner weißer Dampf entstand als er ausatmete. Der Schweiß auf seiner Stirn war schon zu kleinen Kristallen gefroren, doch kümmerte es den jungen Mantroner weniger. Er warf die Seile auf den Boden und ging zum Baumstamm.
Seine Hand glitt zu seiner Axt und in einer fließenden Bewegung lies er sie auf den Baumstamm einschlagen. Er teilte ihn mit zwei kraftvollen Schlägen und der Griff bebte unter der Wucht der Schläge, diesen Vorgang wiederholte er sooft, bis der Baumstamm in 40 kleine Teile zerhackt war. Diese brachte er dann zu einer Platte und hackte sie dann noch einmal in Kleinholz, bis er 160 Holzscheite hatte. In Mantron war Holz wichtiger als Gold, denn es war der Treibstoff für die brennenden Öfen der Dorbewohner und nur ein warmes Feuer sorgte dafür, dass sie im Schlaf nicht erfroren.
Mehrmals ging er in das Haus seiner Eltern und brachte die Holzscheite in die dafür vorgesehene Kammer, damit sie trocknen konnten.

Als die Arbeit erledigt war ging er auf sein Zimmer, er wollte die untere Kleidung wechseln da sie sich mit Schweiß vollgesaugt hatte und wer roch schon gerne wie eine Horde Orks? Außerdem würde es der Gesundheit nicht gut tun sich draußen mit feuchter Unterkleidung lange aufzuhalten.
Baltos nahm seine Axt und hängte sie an die Stelle links neben der Tür, dann begann er sich seiner Lederrüstung zu entledigen. Die Schuhe flogen unter das Bett und dann zog er sich die wärmende Unterkleidung aus. Er hatte jetzt nur noch seinen Lendenschutz an und nahm den Lappen aus der mit lauwarmem Wasser gefüllten Schüssel, die seine Mutter in weiser Voraussicht bereitgestellt hatte, und wusch sich den Schweiß vom Körper.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Dienstag 24. Juli 2012, 14:41

Schnee und Eis umgaben das stille Mantron wie die schützend ausgebreiteten Arme der Göttin Ventha. Trotz der ziemlich unwirtlichen Temperaturen, die auch den Rest des Jahres Esera beherrschten, machten sich die Mantroner daran ihr Überleben zu sichern, indem sie mit all ihrer Hartnäckigkeit und Stärke den Naturgegebenheiten trotzten.
Es war förmlich in der Luft zu spüren wie hart in diesem Städtchen gearbeitet wurde, wenngleich die wenigsten Celcianer in diesen eisigen Weiten überhaupt etwas anderes in der Luft spüren konnten, als die bittere Kälte die sie vollkommen einnehmen würde.
Auch Baltos widmete sich seinem Tagewerk, was lediglich aus seinem Aufpäppel-Training bestand, welches er absolvierte, um für sein Volk wieder vollkommen einsatzbereit zu sein.
Doch war es nun einmal wichtig in diesen Graden bei Kräften zu bleiben und so war es nicht verwunderlich, dass Baltos trotz seines behinderten Sehfeldes alle Kraft aus sich herausholte, um einen riesigen Baumstamm herauszufordern. Seine Muskelmasse zeichnete sich deutlich unter seiner gestrafften Haut ab, die mittlerweile gesündere Farbtöne angenommen hatte, seit dem tragischen Unfall in der eisigen Schlucht.
Es war ein Schock für alle Familienmitglieder und Freunde des Mantroners gewesen, als ein fremder Elf Baltos mit blutendem Gesicht nach Hause brachte.
Lange Zeit sah es nicht gut für ihn aus, Baltos Mutter wäre beinahe vor Trauer verwelkt und auch sein Vater blieb lange Zeit ein grimmiger, mürrischer Zeitgenosse.
Die Zeiten der strengen Bettruhe waren aber schon seit vier Wochen vorbei. Die Sorgen der Eltern um ihren einzigen Sohn hatten sich in Stolz verwandelt, da Baltos sich wahrlich als wackerer Kämpfer herausgestellt hatte. Schließlich hatte er den Verlust seines Auges, die eisigen Temperaturen und die Reise zurück nach Mantron überlebt. Auch viele Bekannte und Freunde der Familie sprachen nun mit respektvollen Worten über den jungen Mann und erhofften sich, dass dieser eines Tages eine ihrer Töchter zur Frau nehmen würde.
All diese Gespräche fanden allerdings hinter Baltos Rücken statt. Er interessierte sich momentan herzlich wenig für eine Heirat, hatte er doch momentan mit seiner 'Schwäche' zu kämpfen, die er am ganzen Leib zu verspüren meinte.
Der Schweiß rann Baltos in Bächen über die Stirn und gefror noch ehe er auf den Boden tropfen konnte. Manche Eiskristalle blieben daher auch auf seiner Haut kleben, allerdings ließ er sich davon nicht aufhalten.
Nachdem er mit seinen Aufwärmübungen fertig war, machte er sich daran den schweren Baumstamm hinter sich her zu ziehen. Welchem Celcianer wären da die Augen nicht vor Staunen aus den Höhlen gekullert?
Dieses gewaltige Gewicht zog er beinahe mühelos hinter sich her, zumindest erschien es einem so, wenn man ihn beobachtete, und dennoch konnte er sich zeitgleich auf den unebenen Boden konzentrieren, den er mit dem Blick seines einen Auges abtastete.
Und das alles nur zur Übung.

Ein kleiner Eisfuchs beobachtete das Geschehen von einiger Entfernung aus. Er war sehr klein, vorsichtig und dennoch äußerst neugierig. Gerade hatte er sich aus seinem zugeschneiten Bau gekämpft, und hatte dabei einige Schneeflocken in seinem weißen Fell zurückbehalten, da zogen auch schon die Trainingseinheiten des Mantroners seine Aufmerksamkeit auf sich.
Der Fuchs sollte jedoch nur ein kurzweiliger Beobachter bleiben, knurrte doch der Magen dieses zierlichen Tieres und ermahnte ihn zur Futtersuche.
Während also der Eisfuchs mit dem umliegenden Schnee verschmolz, beendete der Mantroner seine letzte Übung, die sich im Zerhacken des Holzes äußerte.
Trotz, dass ihm häusliche Angelegenheiten strikt vom Leib gehalten wurden, hatte Baltos es sich nicht nehmen lassen, dennoch etwas nützliches für seine Familie zu tun. Holz war äußerst wichtig in diesen kalten Gebieten und so brachte er all das Feuerholz ins Trockene, um sich anschließend zurückzuziehen. Der Schweiß kribbelte unangenehm auf seiner Haut, würde auf Dauer krank machen und roch auch nicht gerade angenehm. Also zog er sich die Sachen aus und wusch sich gründlich ab.
Draußen hingegen schlich sich der Eisfuchs durch den Schnee und wagte sich gefährlich nahe an die Häuser der Menschen heran. Er wusste, dass es hier ab und an etwas zu Fressen gab, doch wusste er auch von den gefährlichen Wölfen, die hier wachten oder schliefen.
Er huschte von einer Hüttenecke zur nächsten, um dann schließlich auf jene Hütte zu zu schleichen, die besonders stark nach leckerem Fleisch roch.
Ein großer bärtiger Geselle trat gerade aus eben jener hervor und streckte sich, wie ein soeben erwachter Eisbär. Sein Gähnen war laut und dröhnend, das darauffolgende Schmatzen klang hingegen genüsslich und irgendwie zufrieden.
„Ornos! Bleib nicht zu lange weg! Die Kinder sind gerade mit deinem Bruder auf der Jagd! Du weißt was das heißt, mein starker Wilderer?“
Es war eine weibliche Stimme, die da mit fester, dunkler Tonlage sprach. In den Ohren des Eisfuches hätte sie sogar angenehm geklungen, wäre ihr Stimmenorgan nicht so unerwartet kräftig gewesen.
„Keine Sorge, meine süße Pelzrobbe! Ich will mir nur ein wenig aufwärmen für unser kleines Spielchen nachher!“ Lachte er zurück und das war bereits zufiel für die zierlichen, wenn auch recht großen, Ohren des Eisfuchses. Mit einem hohen Fiepen schlüpfte es zwischen die nächstbesten Fässer und versuchte der lauten Geräuschkulisse zu entkommen.
Ornos hingegen wandte seine trägen, schweren Schritte zu einer Hütte ganz in seiner Nähe...

Kurze Zeit darauf, es mochte vielleicht eine Viertelstunde vergangen sein, hörte Baltos ein lautes Rufen von außerhalb seiner Hütte. Von der Stimmlage her konnte dies nur Ornos der Wilde sein, der unter anderem darunter bekannt war, in leidenschaftliche Raserei zu verfallen, sobald es einmal zu einem Kampf kam. Hatte er einmal seine Axt zur Hand genommen, wechselte sein freundliches Gemüt in die teuflische Blutlust eines Dämonen. Zumindest behaupten das so manche Bewunderer seiner brutalen Kampfkunst.
„Baltos! BALTOS! Lass dich ansehen, du verdammter Glückssohn Venthas!“ Ornos hatte scheinbar nicht das Bedürfnis nach einem netten Plausch innerhalb schützender Hüttenwände. Er liebte diese kalten Temperaturen, da sie ihn daran erinnerten, wie hartgesotten sein Volk doch war. Und trotz der vielen grauen Wolken am Himmel, würde der Schwarzbärtige dieses Wetter als besonders schön bezeichnen.
Als der junge Mantroner sich blicken ließ, grinste der Bärtige mit erstaunlich weißen Zähnen und klopfte Baltos kräftig auf die Schulter, allein diese Geste machte deutlich wie stark, der weitaus ältere Mann doch war.
„Mensch, hast dich gut erholt, was? Ich sag ja, einen Mantroner haut nichts so leicht aus dem Pelz. Da muss schon die gewaltige Ventha kommen, mit ihrem mächtigen Vorbau wenn du verstehst was ich meine!“ Sein lautes Lachen schien tief aus seiner Kehle zu entspringen und klang erfrischend ehrlich und warmherzig.
„Wie siehts aus Baltos, Hast du genug Mumm in den Knochen, um dir wieder einen kleinen Wettkampf mit mir zu liefern? Keine Sorge, meine Axt bleibt dieses Mal aus dem Spiel. Es geht lediglich um eine kleine Jagd, wer das stattlichste Tier erlegt gewinnt! Also was sagst du dazu?“
Ornos war in letzter Zeit des öfteren bei Baltos Hütte vorbei gekommen, wie so viele andere Mantroner auch, schließlich waren sie ein sehr geselliges Volk und kümmerten sich fürsorglich umeinander, wenn auch etwas grob. Allerdings kam Ornos immer wieder, um irgendeinen Wettstreit mit Baltos auszufechten. Mal war es das Weitwerfen von Baumstämmen, mal der Kampf mit den bloßen Fäusten. Immer gab es einen anderen Wettstreit, den er sich für den weitaus Jüngeren ausdachte und das wurde langsam aber sicher auffällig.
In Wahrheit wollte der Wilde diesen jungen Mann testen. Er sah in ihm großes Potenzial und verfolgte das Ziel eine seiner Töchter mit Baltos zu vermählen.
Zu dumm nur, dass seine Töchter absolut kein Interesse zeigten und ihrem lieben Vater immer wieder eins auf die Rübe geben mussten, damit dieser das endlich verstand. Aber er war nicht unterzukriegen, die Mädchen müssten nur einmal sehen, wie stark und tapfer der junge Mantroner doch war. Ornos war sich ziemlich sicher, dass sie es dann einsehen und sich kreischend in Baltos Arme stürzen würden.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Samstag 28. Juli 2012, 12:08

Das warme Wasser war wie Balsam für die Seele, als es an Baltos` Körper hinab glitt. Ein warmer Tropfen lief von seinem Hals hinab, bis in den Lendenbereich. Der junge Mantroner nahm sich ein Fell, was hier in dieser Gegend eine Art Handtuch war, und rubbelte sich die feuchten Stellen vom Leib.
Draußen hörte er den eisigen Wind an der Hütte vorbei ziehen, Venthas Kuss. So nannten einige in seinem Dorf solche Windböen. „Wie recht sie doch hatten!“ Dieser Kuss war da draußen wirklich ein zweiseitiges Schwert, einerseits gab er einem das Gefühl am Leben zu sein, andererseits sorgte er dafür, dass man erfror, wenn man nicht die richtigen Kleider trug.
Der Jäger blickte an seinen Körper hinab, sein Bizeps am linken Arm pochte leicht und auch seine Bauchmuskeln hatten sich stark hervorgehoben. In seinem rechten Oberschenkel spürte er ein starkes Ziehen, er ließ den Kopf einmal in einer kreisenden Bewegung rotieren und ein Knacken entstand, wie bei einem Knochen, den man zerbrach.
„Ein gutes Training!“ Baltos nahm sich seine neue Unterkleidung aus einem kleinen Schrank heraus, der gegenüber seinem Bett stand und wollte sie gerade anziehen, als er eine vertraute Stimme vernahm, die über das Wohnviertel Mantrons donnerte.
„Baltos! BALTOS! Lass dich ansehen, du verdammter Glückssohn Venthas!“ Auf Baltos‘ Gesichts zeichnete sich ein Lächeln ab. Diese Stimme konnte nur zu einer Person in ganz Mantron gehören! Ornos der Wilde, schien wohl wieder vor der Hütte seiner Eltern zu stehen. Dieser Mann war, seitdem der Jägerssohn wieder zu Bewusstsein gekommen war, regelmäßig bei ihm zu Besuch und forderte ihn immer wieder zu Wettkämpfen heraus, die jedes Mal anders waren.
Mal Wettschwimmen durch das kalte Wasser, Baumstammweitwurf, Axtkampf, eine Form des Ringens und vieles mehr. Manchmal fühlte sich der junge Mantroner wieder in die Zeit zurückversetzt als Haros noch lebte.
„Haros! Mein guter Freund, genau heute vor ein paar Jahren bist du gestorben!“ Seine Stimme war nur ein Flüstern, beim Gedanken an seinen verstorbenen Freund. Das Bild Haros`, wie er in den eisigen Fluten versank, entstand vor seinen Augen. Kurz schüttelte er den Kopf und zog sich schnell an, jetzt war nicht die Zeit zum Trauern, wenn Ornos vor der Tür stand, dazu hätte er noch später Zeit.
Die Unterkleidung wie die Lederrüstung waren schnell angelegt, seine Axt nahm er noch beim Gehen von der Wand und befestigte sie an seinem Rücken, ein paar Holzreste hingen noch an ihr. Kurz bevor er die Hütte seiner Geburt verließ, sah er noch seine Mutter wie sie etwas zu essen zubereitete, es roch nach Robbeneintopf.
Sie lächelte ihn kurz an und widmete sich wieder dem Kochen. In letzter Zeit lachte sie wieder mehr. Baltos hatte von seinen Vater gehört, dass sie erst wieder lachte, seitdem er aufgewacht war. Der Mantroner konnte sich das nicht vorstellen, schließlich kannte er sie seit seiner Geburt nur mit einen Lächeln auf dem Gesicht und sie trug nicht umsonst den Namen: Lena die Fröhliche. Er dankte Ventha dafür, dass sie wieder lachen konnte und schob den Vorhang beiseite und trat aus der Hütte seiner Eltern.
Die eisige Luft umfing ihn wie eine Geliebte, die seit einer Ewigkeit auf ihn gewartet hatte. „Ein herrlicher Tag!“ Sagte er mehr zu sich selbst, als zu seinem Gegenüber, der wohl schon ungeduldig gewartet hatte und seine Hand mit einer Kraft auf seine Schulter niederließ, die für Männer in diesem Alter eher ungewöhnlich war. Jedenfalls galt das überall in Celcia so, außer in Mantron, wo auch noch die Menschen im fortgeschrittenen Alter eine Kraft inne hatten, die manch einen kräftigen Bauernsohn erblassen lassen würde.
„Mensch, hast dich gut erholt, was? Ich sag ja, einen Mantroner haut nichts so leicht aus dem Pelz. Da muss schon die gewaltige Ventha kommen, mit ihrem mächtigen Vorbau, wenn du verstehst was ich meine!“
Baltos stimmte in das Lachen ein, bevor auch er seine Hand auf die Schulter von Ornos donnerte und sie festhielt.
„Wenn wir schon beim Vorbau sind, was machst du hier bei mir? Solltest du jetzt nicht eigentlich zwischen den Schenkeln deiner Frau liegen? Dein Bruder und dein Töchter sind doch bei der Jagd und jeder weiß doch was Ornos der Wilde und sein Weib dann machen!“
Baltos grinste kurz, wenn man ihn so reden hörte, konnte man sich schon denken, dass er eigentlich der Letzte war, der überhaupt das Talent besaß eine Frau für sich zu gewinnen.
Viele Männer in seinem Alter beneideten Baltos, weil Ornos ihm so viel Interesse entgegenbrachte, schließlich lag es ja eigentlich auf der Hand was er mit diesen Wettstreiten bezwecken wollte. Ornos selbst hatte keinen Sohn, nur drei wunderschöne Töchter im heiratswilligen Alter. Jeder männliche, junge Mantroner hätte sich freiwillig einen Hand abgehackt, um nur von einer einen Kuss zu bekommen, nur Baltos nicht. Er konnte nicht abstreiten das die Töchter von Ornos dem Wilden schön waren, nur wusste er was passieren würde sollte er ein Gespräch mit ihnen beginnen, dass nicht vom Wetter handelte und dies wollte er unbedingt vermeiden. Er mochte den Bärtigen und seine Wettkämpfe, waren sie doch gleichzeitige ein gutes Training und ein willkommende Abwechslung in dieser trostlosen Gegend.

„Wie siehts aus Baltos, Hast du genug Mumm in den Knochen, um dir wieder einen kleinen Wettkampf mit mir zu liefern? Keine Sorge, meine Axt bleibt dieses Mal aus dem Spiel. Es geht lediglich um eine kleine Jagd, wer das stattlichste Tier erlegt gewinnt! Also was sagst du dazu?“

„Gerne, aber kannst du mir mal sagen warum du ständig zu mir kommst und mit mir einen Wettstreit nach dem anderen anzettelst? Es ist ja nicht so als würde ich unsere Wettkämpfe nicht genießen, doch habe ich so den Verdacht das du Hintergedanken dabei hast. Nicht, dass es noch heißt, Ornos der Wilde betrügt sein Weib mit Baltos, Sohn von Drago Flink Lanze und Lena Fröhlich.“
Baltos hatte noch nicht, wie seine Eltern und Ornos, eine Bezeichnung hinter seinem Namen. Bei den Mantronern gab es keine Familiennamen, den Anhang verdiente man sich durch Taten oder eine Eigenart und solange er nicht einen von Thure Sturmschreier bekam, stellte er sich mit den Namen seiner Eltern vor, wie es schon immer Brauch bei den jungen Mantronern war, um den Eltern Respekt zu zollen.
Er dankte Ventha dafür, dass sie ihn bis jetzt nicht so ein Namen wie Baltos Einauge oder Baltos Elfenfreund gegeben hatten. Der Mantroner wollte einen Namen haben den man mit Stolz sagen konnte und diesen würde er sich auch verdienen.
Sein Blick lag ruhig auf seinem Kontrahenten. Er wollte also eine Jagd und wer das stattlichste Tier finden würde gewinnt. Zu dumm, dass heute der Todestag von Haros war, er musste wohl zwei Tiere fangen und das erste frei lassen. Hoffentlich ließ Ventha nicht zu, dass das erste Tier ein bessere Fang sein würde als das Zweite. Er hatte geschworen, dass er am Todestag seines Freundes ein Tier verschonen würde und diese Tradition würde er auch nicht brechen. Egal, ob es ein Wettstreit war, dies schuldete er einfach seinen Freund.
"Wie lange soll die Jagd gehen? Einen Tag oder eine Woche? Ich meine um einen Eisbären zu fangen braucht man nicht lange, aber einen Schneefuchs, dass ist eine andere Geschichte."
Dabei deutete er auf sein verdecktes Auge und lächelte wieder kurz.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Montag 30. Juli 2012, 18:18

Der graue Himmel über Mantron verdeckte vollkommen die wärmende Sonne und ließ die Wikingerstadt ziemlich ungemütlich erscheinen. Überall lag Schnee, die Bäume ringsum hatten schon längst aufgegeben neue Blätter auszutreiben und dennoch ließ sich Ornos von all diesen Wettergegebenheiten nicht beeindrucken. Die Häuser der Stadt vermittelten einen so vertrauten und sicheren Eindruck, dass die eisigen Windböen restlos an ihm vorbeizogen.
Jeder Mantroner hatte sich an dieses Wetter gewöhnt, es war geradezu ideal für ihr temperamentvolles Gemüt, denn so konnten sie stundenlang trainieren oder jagen ohne dabei einen Hitzeschlag zu bekommen. Auch Baltos hatte so ein Training nötig und obwohl es ihm den Schweiß auf die Stirn getrieben hatte, fühlte er sich wunderbar belebt und fit für den Tag.
Der Besuch von Ornos des Wilden war für ihn keine Überraschung. Lächelnd vernahm er dessen dröhnende Stimme und machte sich bereit sich wieder einem seiner Ideen auszuliefern. Welcher Wettstreit mochte es wohl dieses Mal sein?
Baltos beschäftigte sich vorerst nicht mit dieser Frage sondern stellte wehmütig fest, dass sich heute wieder einmal Haros' Todestag jährte. Tatsächlich waren Ornos Herausforderungen ähnlich wild und ungestüm wie die damaligen Wettstreite mit seinem alten Freund und so kam er nicht umhin an jenen Verstorbenen zu denken, der noch immer einen großen Platz in seinem Herzen einnahm.
Doch schnell waren diese Gedanken beiseite geschoben, als er wieder an Ornos dachte.
Eiligst machte er sich bereit, zog seine Unterkleidung an, legte Lederrüstung und Axt an und blickte sich noch einmal nach seiner Mutter um. Diese bereitete bereits ein leckeres Mahl vor, was nach ihrem Wettstreit gewiss fertig sein würde.
Lena die Fröhliche beobachtete die Treffen zwischen Baltos und Ornos mit Wohlwollen und einem freudigen Lächeln auf den Lippen. Sie wusste nur zu gut, was dieser alte Raufbold vor hatte und so musste sich Lenas Herz einfach an der Hoffnung erfreuen, dass sie möglicherweise bald eine Schwiegertochter haben würde. Auch heute konnte sie die Stimme des Wilden nicht überhören. Vermutlich hatte er sich dieses Mal etwas ganz besonderes ausgedacht... so wie jedes Mal.

Das Grinsen im Gesicht des älteren Mantroners war wie eine Tradition für Baltos geworden. Jeden Tag stand er da, mit seiner Axt auf der Schulter und dem gehörnten Helm auf dem Schädel und lachte sein ansteckendes Lachen, was dem Brüllen eines Schneeleoparden ohne weiteres trotzen konnte.
Sein langer schwarzer Bart war in viele Zöpfe geflochten, die seine heißgeliebte Frau Hilde in aller Sorgfalt für ihn zurecht gemacht hatte. Trotz der Tatsache, dass er dabei jedes Mal murrte und grimmiges Unbehagen verlauten ließ. Von seiner Frau ließ er sich eben alles gefallen, Gewalt könnte er ihr ohnehin niemals antun, war sie doch seine süße kleine Schneeflocke und würde dies auch immer bleiben.
Nachdem die beiden Mantroner sich also lachend und kräftig begrüßt hatten, kam Baltos direkt darauf zu sprechen, dass sich Ornos eben nicht bei seiner Frau befand. Jeder im Dorf wusste, was für ein leidenschaftliches Liebesleben die beiden führten, waren sie doch nicht gerade leise in ihren intimsten Stunden. Doch ließen sich Ornos und Hilde vom Gerede der Leute nicht beeindrucken sondern genossen ihre Zweisamkeit und machten sogar herbe Späße darüber.
„Oh ja, und ich freue mich auch schon darauf mich an ihrem üppigen Busen zu laben, doch verlangen meine Muskeln zunächst ein wenig Aufwärmung! Sie ist manchmal nämlich ziemlich fordernd, wenn du verstehst!“ Und wieder folgte ein heiteres Lachen. Man mochte meinen, dass es in Ornos Leben kaum eine Sorge gab, was auch einer der Gründde dafür war, dass man ihn beinahe Ornos den Heiteren getauft hatte. Doch nachdem er mit äußerst guten Argumenten darauf bestanden hatte, einen anderen Namen zu erhalten, gewährte man ihm diesen Wunsch.
Der Wilde ignorierte die leicht naive Note in Baltos Kommentar, welche darauf schließen ließ, wie unerfahren er in diesem Bezug noch war. Ornos war selbst ein äußerst grober Zeitgenosse, und hatte eigentlich selbst keinen besonders guten Draht zu Frauen. Nur die liebe Hilde schien aus ihm eine Art zahmen Kater zu machen, der sie zwar nicht mit Blumen überhäufte, ihr aber auf grobe Art und Weise sagen konnte, wie wichtig sie doch in seinem Leben war. Hilde war ohnehin eine äußerst herzensgute Frau und konnte die Gefühle ihres Mannes schon immer sehr gut deuten. Gäbe es sie nicht, hätte Ornos heute vielleicht keine so hübschen Töchter, die nun von allen Mantronern ringsum umgarnt und teilweise sogar vergöttert werden. Dass Ornos keinen Sohn hatte, konnte der herzensgute Mantroner daher leicht verschmerzen. Seine Töchter waren sein ein und alles und niemand würde ungestraft eine Hand an sie legen. Dementsprechend eifersüchtig zeigten sich viele Mantroner Baltos gegenüber, da er die Gunst des Wilden spielend leicht errungen zu haben schien. Was war an ihm bloß so besonders?
„Schaut ihn euch doch an! Da brauch ich doch nicht mehr viel zu sagen, oder?!“ Niemand zweifelte seine damaligen Worte an, allerdings verstand sie auch keiner, denn Baltos war eigentlich ein ganz gewöhnlicher Mantroner. So blieb es Ornos kleines Geheimnis was er sich von diesem jungen Mann versprach.
Allerdings war Baltos nicht auf den Kopf gefallen. Die vielen Besuche des Wilden waren ihm nicht nur aufgefallen sondern hatten seine Gedanken mit so einigen Fragen angefüllt, die er nun zu äußern wagte.
Mit einem weiteren Lachen antwortete Ornos darauf: „Ha! Ich meine Frau mit dir betrügen? Dazu bist du mir viel zu kantig. Wenn du Kurven hättest, ein paar Locken und eine weniger hässliche Fratze könnte man sich das allerdings überlegen! Ha ha ha ha!“
Und somit überging der Wilde die eigentliche Frage des jungen Mantroners. Viel eher ging er darauf ein, wie lange diese Jagd nun eigentlich dauern sollte.
„Eine Woche? Oh nein, wir wollen eine schnelle, gute Jagd machen, denn auch durch Schnelligkeit zeichnet sich ein guter Jäger aus. Das solltest du als Sohn von Drago Flink Lanze eigentlich wissen!“ plötzlich schlug der Hüne dem Jüngeren erneut auf die Schulter. Sein Grinsen war ihm dabei einfach nicht aus dem Gesicht zu wischen. „Fühlst du dich etwa benachteiligt? Haha! Wenn du mit nur einem Auge einen Eisbären erlegen kannst bist du schon gerissener als so mancher Mantroner im Dorf! Das packst du, Junge. Du wirst mich schon nicht enttäuschen und deinen Vater schon gar nicht!“
Doch dann wurde seine Miene ernst und seine Stimme senkte sich, was für seine Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich war!
„Vielleicht hat Ventha sogar eine besondere Fährte für dich gelegt. Bei deinem Glück würde es mich nicht wundern, wenn du auf einmal der gefürchteten Eisbestie gegenüber stehst...“ Doch dann erhob sich seine Stimme wieder mit dröhnender Stärke. „Ja, es wäre sogar möglich, dass du diesen Angriff überlebst und eine ihrer Klauen mit nach Hause schleppst! Ha ha ha!“
Und mit diesen Worten ging Ornos bereits die ersten Schritte auf den Wald zu, der Mantron umgab.
Seine schweren Füße stapften dabei geräuschvoll durch den Schnee und verursachten tiefe Spuren in der weißen Schneelandschaft. „Aber für dieses Biest wirst du länger als einen Tag brauchen... sehen wir einfach mal was Ventha für uns bereit hält und wenn du an einem besonders zähen Brocken dran bist, verüble ich dir eine Verspätung nicht!“
Einige Schritte weiter und der Hüne war hinter den dunklen Tannen und blattlosen Bäumen verschwunden. Ohne ein weiteres Wort.
Doch sein Lachen hallte noch lange Zeit im Wohnviertel Mantrons wieder.
Einige Menschen, die sich aufmerksam das Gespräch mit angehört hatten, wandten sich nun wieder ihrer Arbeit zu, ein Einzelner jedoch hielt auf Baltos zu und packte ihn am Arm. Es war Brom der Vorsichtige, der sich niemals auf ein Risiko einließ und auch andere immer wieder daran erinnerte vorsichtig zu sein.
„Baltos, diese Bestie darf niemals deinen Weg kreuzen! Schande über Ornos, dass er es wagte, diesen Namen heraufzubeschwören! Wenn du sie siehst, lauf so schnell du kannst und schaue nicht zurück. Kaum jemand hat eine Begegnung mit ihr überlebt!“
Eine weitere Mantronerin kam dazu und zerrte Brom den Vorsichtigen von Baltos fort. „Lass doch endlich die armen Leute in Ruhe ihre Arbeit machen! Wer sagt denn, dass er wirklich auf die Eisbestie stößt? Komm jetzt, du verängstigter Hasenfuß, es gibt noch viel zu tun!“ Das war seine Frau Maru die Mutige. Niemand wusste wie die beiden zueinander finden konnten. Tatsächlich besaßen sie aber zwei Söhne und eine kleine Tochter im Säuglingsalter. Nachdem sich beide entfernt hatten, ließ man Baltos endlich mit seinen Gedanken allein.
Diese Jagd würde besonders nervenaufreibend werden, denn es galt zwei Tiere zu erjagen. Eines zum Gedenken an seinen Freund und das andere zum beeindrucken des wackeren Mantroners, der so viel Vertrauen in Baltos Fähigkeiten setzte. Niemals würde der junge Jägerssohn seinen Schwur brechen wollen und das erste Tier erlegen, was er fing. Daher würde dies eine doppelte Herausforderung für ihn darstellen. Ornos der Wilde wusste sehr wohl von diesem Umstand und hatte sich daher extra diesen Tag für diese Herausforderung ausgesucht. Denn wenn er seinen Töchtern davon berichtete, so vermutete er, so würden sie Baltos gewiss schneller zu Füßen liegen als dass dieser 'Hossa!' sagen konnte
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Sonntag 19. August 2012, 21:18

Die Worte von Brom, den Vorsichtigen, hingen noch einige Zeit in Baltos Gedächtnis, als er seine Jagdutensilien holte. Er sollte weglaufen, wenn er einer Eisbestie begegnete. Sein Kopf machte die verneinende Geste wie von allein. Der junge Mantroner war ein Kämpfer und würde dies immer sein und falls Ventha vorgesehen hatte, dass er diesen Wesen gegenüber stehen sollte dann würde er auch kämpfen. Angst vor dem Tod hatte er nicht, jeder würde irgendwann sterben manch einer zu früh oder zu spät und bei seinem Glück würde er wahrscheinlich gleich mit drei von diesen Wesen in einen Kampf verwickelt werden.
Mittlerweile war er wieder in seinem Zimmer angekommen, zielsicher griff er sich einen Speer, den ihm sein Vater für die Jagd geschenkt hatte, und einen Käfig.
Der Käfig war eine ausgeklügelte Falle, die Drago für ihn entworfen hatte, damit konnte man ein Tier bis zu einer Größe eines Fuchses lebend fangen. Der Köder wurde in der Mitte des Gehäuses platziert und wenn die Beute die Falle betrat und am Köder zog, fiel die Klappe, die mit einem dünnen Seil mit dem Köder verbunden war, zu. Es war das ideale Mittel für Baltos um am Todestag seines Freundes das Leben eines wilden Tieres zu verschonen.
Mit dem Speer in der rechten Hand und dem Käfig in der Linken verließ der Mantroner die Hütte seiner Eltern und ging in Richtung Wald, der das Dorf wie ein schützender Wall umgab.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Mittwoch 20. März 2013, 07:32

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Kaum hatte er die Eingangstür geöffnet, hallte ihn gleich eine vertraute tiefe Stimme entgegen und keinen Moment später das Lachen seiner Mutter. Es waren nur fünf Schritte zur Küche seiner Mutter und als er durch den Türbogen ging erblickte er Ornos den Wilden und die Frau die Baltos zur Welt gebracht hatte. Die Beiden saßen gemütlich am Esstisch und schwatzten miteinander. Man könnte fast schon von einen Kaffeekränzchen reden, wenn man die beiden so am Tisch sitzen saß. Mit zwei heißen Bechern Lebertran und zwei kleinen Tellern mit getrocknetem Robenfleisch vor sich. Doch der große Eisbestienkopf, der in der Mitte des Tisches lag und den Jägersohn anklagend anschaute, verwarf irgendwie das Bild, von einen gemütlichen beisammen sitzen. Lena war augenblicklich aufgesprungen und fiel ihren Sohn um den Hals. Dieser war von der stürmischen Attacke doch etwas überrascht und musste mit seiner Mutter um den Hals ein paar Schritten nach hinten gehen, um das Gleichgewicht zu halten.
Ornos hingegen lächelte ihn nur an und wartete das ende der Umarmung von Mutter und Sohn ab.
Nur sah es nicht danach aus das Lena so schnell ihren Sohn preis gab. Auch als ihr Baltos auf die Schulter klopfte (das internationale Zeichen zum beenden der Umarmung), ließ sie ihren Sohn nicht los. Also blieb den jungen Mann nichts anderes übrig als seine Mutter an der Hüfte zu packen, sie hochzuheben als wäre sie nicht schwere als ein Kind und ein stück von sich entfernt auf den Boden abzusetzen. Er lächelte sie noch einmal an um ihr zu versichern dass alles gut war und dann wendete er sich an seinen Wettkampfgegner.
„Und was sagt du zu meiner Jagdbeute?“ Das grinsen war der erfolgreichen Eisjäger kaum noch aus dem Gesicht zu wischen. Da er wusste das Ornos nichts Vergleichbares erlegt hatte. Außer vielleicht den Eisdrachen, was mehr als unwahrscheinlich war.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. März 2013, 09:07

Nach der herzlichen Verabschiedung von Marukas Mutter war Baltos hinaus gegangen um den kleinen Schlitten gründlich zu untersuchen. Eiskrabben versteckten sich gern in den Hohlräumen und waren unangenehme Mitfahrer, wenn man sie nicht vorher herausschüttelte, doch Ruka's Vater hatte den Schlitten anscheinend erst vor kurzem komplett ein gewachst. Die Kufen waren scharf geschliffen und die Ledergurte zum Geschirr der Tiere ordentlich eingefettet. Baltos verstaute Kiowa und schob dann das Gefährt vor sich her. Eben an diesen Griffen hatte dies bestimmt auch schon tausend mal die Frau aus seinem Traum getan und leichte Gebrauchsspuren bewiesen dies. Eben auf diesen Kufen hatte sie den Weg zu ihrem Schicksal begonnen und war vor vielen Monden verschwunden. Baltos ließ sich die beschriebene Gegend noch einmal durch den Kopf gehen, war sich aber nicht sicher, ob er Ulf damals gesehen hatte. Die Gedanken an den verletzten jungen Mann im Haupthaus, warfen eine Frage auf.
Was wenn er nicht das Hemd mit dem Anhänger an sich genommen hätte und statt seiner Ulf hier erschienen wäre um es Marukas Mutter zurück zu bringen? Nicht er hatte das Hemd gefunden, sondern der verletzte Jäger. Dieses seltsame Gefühl von Wut, dass immer aufkam, wenn er nun an Ulf dachte, gespart mit einem leichten Stechen in der Magengegend wurde auf seinen Hunger geschoben und er machte sich auf den Weg.

Als Baltos hinter dem Haus hervor kam, waren die neugierigen Fischfrauen wieder verschwunden und er sah sie nur wenig später bei ihrer Arbeit wieder. Sicher würde sich bald sein Besuch herum gesprochen haben. In einer kleinen Stadt wie Mantron blieb nie etwas lange im Geheimen.
Der Weg zu seinem Elternhaus war schnell bewältigt und das sein Vater nicht da war, konnte nur bedeuten, dass er auch mit Thure hinaus gefahren war um die Seeleute zu retten. Die Begrüßung seiner Mutter fiel stürmisch aus, Baltos musste ihre Arme irgendwann mit zärtlicher Gewalt von seinem Hals befreien. Ornos der Wilde grinste von einem Ohr zum anderen bei diesem Anblick.
„Und was sagt du zu meiner Jagdbeute?“
Baltos grinste seinen Gegenspieler im Wettstreit um die größere Beute an. Sein Stolz war mehr als nur begründet und Ornos Blick verriet, dass auch er so dachte.
„Mickrig!“
Witzelte Ornos.
„Mein Hirsch bringt mehr auf die Wage, als der kleine Schädel hier!“
Dabei klopfte er dem Schädel zwischen den kleinen Spitzen Ohren auf die Stirn und lachte herzlich. Der Kopf der Eisbestie lag in einer großen Schale mit Steinsalz, damit er nicht begann zu faulen. Anscheinend hatte seine Mutter schon damit begonnen ihn zu bearbeiten.
„Aber mal im Ernst, ich hab noch nie ein so gewaltiges Exemplar gesehen! Nicht das ich schon mal eine Eisbestie gesehen hätte, aber in den meisten Geschichten waren sie doch etwas kleiner und hatten auch kein blaues Blut, eben etwas größer als ein Eisbär, aber DAS hier ... Wo hast du nur dieses Monster gefunden? Ich will die ganze Geschichte hören!“
„Setze dich doch erste mal. Hast du Hunger? Ach sicher! Ich mach dir was. Ach, ich bin so stolz auf meinen Jungen!!!“

, schaltete sich seine Mutter dazwischen und rückte Baltos Stuhl zurecht. Nachdem er sich gesetzt hatte, wuschelte sie ihm wie einem kleinen Jungen durchs Haar und lachte hoch. Dann ging sie zur Feuerstelle und schnell erfüllte sich die Hütte mit dem Duft von Baltos Lieblingsspeise. Gepannt warteten die beiden auf seine Geschichte.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Montag 25. März 2013, 09:13

Kaum hatte er platz genommen, wurde sein Haar von Lena verwuschelt. „Eyy!“
Baltos zog sein Kopf seitlich weg, von der Hand seiner Mutter, damit sich seine Frisur nicht noch mehr verabschiedete. Er lächelte in ihre Richtung als sie sich von ihm entfernte und sich zur Kochstelle begab.
„Ihr wollt also wissen wie ich die Eisbestie besiegt habe??“ Dabei deutete er auf den Kopf der erschlagenen Bestie. „Wo fange ich da am besten an?“
Kurz überlegte der junge Mann und bemerkte dabei die gespannten Gesichter der Beiden älteren. Mit einen grinsen im Gesicht fuhr er fort. „Es begann alles mit einer kleinen Maus die ich im Lagerhaus getötet hatte. Ich befand mich…“
Der Mantroner holte weit aus und erzählte ihnen dann von der Falle die er den Schneefuchs gestellt hatte und wie Geri ihn dabei beobachtet hatte. Darauf folgte der Weg durch den totenstillen Frostwald. Die Beschreibung der Hilferufe eines einsamen Wolfes, der Fund des Friedhofes, der ihn an eine alte Kindergeschichte erinnerte. Die erste Begegnung mit der Eisbestie, sowie der Geisterfrau. Seine Vorbereitung für den Angriff gegen die Eisbestie. Wie er zusammen mit dem Wolf die Höhle entdeckt hatte, dabei beschrieb er ausführlich die Höhle in der der Kampf statt gefunden hatte. Der Kampf an sich wurde natürlich auch nicht ausgelassen und wurde bis ins kleinste Detail beschrieben sowie auch die Verletzung die er dabei erleiden musste.
Dann kam er zum Teil der Geschichte wo er die Handaxt gefunden hatte und wie er diese aus dem Leichenberg gezogen hatte. Er ließ dabei auch nicht aus was passiert war, als sich seine Hände um den Griff der Waffe gelegt hatten. Baltos schilderte den Beiden was sich vor seinen Augen abgespielt hatte und wie der vorherige Besitzer den Tot fand. Dann kam er zu zweiten und letzte Begegnung mit dem Geist.
Darauf folgte die Erzählung wie er zweimal die kleine Höhle, hinter dem Leichenberg, betrat und dabei eine Schriftrolle fand und wie das Brandmal auf seinen Unterarm gekommen war.

Während seiner Geschichte aß er mehr als nur eine Rehkeule und als er am ende seine Erzählung ankam, konnte man unter den Berg von Knochen den Teller nicht mehr erkennen.
„…und so wurde ich dann wieder von Ragan in Nornas Hütte zusammen geflickt. Kurz darauf hast du…“Dabei blickte er wieder zu seiner Mutter. „… mir den Kopf der Bestie abgenommen und wir machten…“ Er zeigte kurz auf den Schädel der Eisbestie und erzählte den Beiden, die Version seiner Geschichte, zum Kampf gegen die Seeschlange und warum er eine weitere Narbe in Form einer Rune auf seinen Arm hatte.
Er erzählte ihnen auch vom Gespräch mit Marukas Mutter und seinen Plan den Leichen in der Höhle der Bestie eine ordentliche Beerdigung zuteil werden zu lassen.

„…und so kommen wir dann dazu, das ich die Hütte betrat und euch meine Geschichte erzählt habe!“ Der Jäger nahm einen großen Schluck vom Met den seine Mutter in der Zwischenzeit bereitgestellt hatte. Da sein Mund vom ganzen erzählen ganz ausgetrocknet war.
Der Jäger leckte sich noch kurz mit der Zunge über die Lippen um auch den letzen Tropfen nicht zu verschwenden und wendete sich dann an seine Mutter.
„Ich werde heute Abend noch zu Norna gehen und ihr ebenfalls die Geschichte erzählen wie ich die Eisbestie besiegt habe. Sie wollte sie als Gegenleistung für das behandeln von Geri hören. Also warte nicht auf mich, du weißt ja wie lange die Geschichte dauert!“ Dabei deutete der junge Mantroner nach draußen.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Montag 25. März 2013, 21:37

Lena und Ornos lauschten angespannt jedem Detail von Baltos Geschichte. Wahrlich der junge Jäger hatte in sehr kurzer Zeit sehr viel erlebt und sie hingen förmlich an seinen Lippen. Viel Ehre wurde an diesem Tag der kleinen Familie zu teil, die einen solchen Sohn hatte und Baltos Mutter schien mit jeder neuen Kleinigkeit ein Stück vor Stolz zu wachsen. Ihr Lächeln wurde immer breiter und ihre Augen größer und größer. Mal zitternd vor Spannung, mal ängstlich die Hände vor die bebenden Lippen haltend hörte sie ihrem Sohn zu. Sicher gab es Stellen die schier unmöglich klangen, aber Lena glaubt ihrem Sohn jedes Wort! Bald platzte sie vor stolz heraus:
„DAS IST MEIN SOHN!“
, und fiel Baltos wieder einmal in die Arme. Lena ließ sich manche Passagen gleich noch mal erzählen und schlug sich immer wieder die Hände an die Brust. Die Taten ihres Sohnes, so wusste dieser, würden schnell die Runde machen. Lena war überglücklich und als Baltos nebenbei die Worte Elin Meersegen erwähnte, standen ihr die Tränen in den Augen und sie flüsterte:
„Mein Junge bekommt seinen Namen von Ventha selbst! Ich bin so glücklich!“
Nach einer kleinen Atempause fuhr sie fort:
„ … Oh, da musst du dich aber gut vorbereiten! Jeder Name mag in das Buch von Mantron eingetragen werden, aber nicht jeder wird mit solchen Taten von der Göttin belohnt. Hast du ihr schon gedankt? Hast du ihr schon ein Opfer gebracht? Das musst du noch! Spätestens wenn du deine Taten im Hause Sturmrufer verlesen wirst, musst du ein Opfer zu ihren Ehren gebracht haben!“
Lena war eine hoch gläubige Frau und hatte seit frühster Kindheit darauf geachtet, dass Venthas Seegen die Familie nicht verließ. So war es nur natürlich, dass sie sich nun auch darum sorgte. Wenn gleich ihr Ton wie so oft, ihren Sohn gängelte, so meinte sie es immer gut und hatte meistens Recht.

Ornos hingegen, schien nicht ganz so begeistert. Jeder wusste, dass er gern mindestens eine seiner drei Töchter an Baltos verheiratet gesehen hätte, wenn nicht nach dieser Geschichte gleich alle drei. Er kräuselte grübelnd die Stirn, als Baltos begann von Maruka zu berichten.
„ … und du willst wirklich wegen einem Traum hinaus ins Eis ziehen und nach diesem Mädchen suchen? Du weist doch noch nicht mal wohin du musst?!“
Ein Hauch Enttäuschung klang in seiner Stimme unüberhörbar mit, aber böse war er sicher nicht. Auch seine Mutter wurde bei dem Einwand deutlich ruhiger und nickte sogar beipflichtend. Konnte man es einer sich sorgenden Mutter verübeln, dass sie ihren Sohn nicht gleich ins nächste Abenteuer schicken wollte? Sicher nicht! Der Jäger fuhr fort:
„Baltos, wenn du einen Rat von mir annehmen willst, dann lass es langsam angehen. Du hast so viel erlebt. Allein das Ding mit den Runen! Puh, ich versteh davon kein Wort, aber es klingt nach Magie und die ist oft auch gefährlich. Du hast da was losgetreten, das dich wie eine Lawine überrollen könnte. Sei bloß vorsichtig!“
Er musterte die Rolle die Baltos während seiner Erzählungen auf den Tisch gelegt hatte, aber wagte noch nicht einmal die Hand danach auszustrecken. Ebenso rührte er die Axt nicht an, aber betrachtete sie hingegen mit großer Ehrfurcht. Ganz im Gegensatz zu Baltus Mutter die sich sogleich neues Leder für den Griff bereit gelegt hatte und schon am Wickeln war, während Baltos noch gegessen hatte. Eine Weile kehrte dann Schweigen in die Hütte ein und alle ließen die Bilder in ihren Köpfen Revue passieren.
„Ich wollte eigentlich einen neuen Trupp in den Eiskanal zusammenstellen um nach Verschollenen zu suchen, aber wenn du möchtest, helf ich dir … nur … “
Ornos war ein langjähriger Freund der Familie und ein herzensguter noch dazu. Jemanden wie ihn an seiner Seite zu haben, wäre sicher ein Gewinn in jeder Hinsicht, aber er hatte auch eine sehr fordernde Frau und drei ebenso fordernde Töchter. Als der einzigste Mann hatte er wohl genug mit seiner eigenen Familie zu tun. Sein leicht verträumter Blick ließ erahnen, dass er wohl gerade abwog seinen Pflichten als Vater für eine Weile zu entfliehen um auf ein Abenteuer zu gehen.
„Nur werd ich Ersa nicht verlassen.“
Und schon hatte ihn die Vernunft wieder eingeholt. Lena tätschelte verständnisvoll seinen Arm. Ornos sah zu Baltos auf und wartete auf seine Antwort. Das Angebot zählte, doch noch gab es Seeleute die vermisst wurden, das wusste auch Baltos, deshalb gab es nur eine Antwort. Der junge Jäger schüttelte nur mit dem Kopf. Seine Pläne Norna zu besuchen, die Leichen zu bergen, vielleicht sich der Runenmagie zu widmen und letztendlich Maruka zu finden, waren nicht kompatibel mit denen des dreifachen Vaters. Ornos nickte und reichte Baltos die Hand zum Kriegergruß. Kräftig umspannten sich ihre Unterarme.
„Na dann werde ich mich mal um meine Mädchen kümmern und dann ein paar versprengten Tapferen in den Hintern treten, dass wir noch Leute da draußen haben!“
Er grinste breit und verließ lachend die Hütte. Lena schloss die Tür hinter im und lächelte ihren Sohn wieder an.
„Sag mal was ist das mit diesem Mädchen? Gibt es da was was ich wissen sollte? Nicht das ich Großmutter werde und nichts davon weiß! Das würde ich dir dann schon übel nehmen! Ist ja nicht so, dass ich neugierig bin ...“
Während sie das Geschirr säuberte und weg räumte ging ihr munteres Geplapper weiter und wie so oft, kam sie vom hundertsten ins tausendste. Alles wurde noch mal aufgerollt und bis Baltos sich endlich von ihr lösen konnte um wie versprochen zu Norna zu gehen, verging bestimmt noch eine Stunde.
„ … Also warte nicht auf mich, du weißt ja wie lange die Geschichte dauert!“
, verabschiedete er sich und verließ das Elternhaus. Die eisige Luft um seine vom Met erhitzte Nase tat gut, auch wenn der Sauerstoff und die plötzliche Bewegung ihn kurz ein wenig schwindelig machten. Der Weg bis zu Norna war etwas länger, da sie abseits wohnte. Der Abend näherte sich und es blieben nur noch wenige Stunden Licht über Mantron bis die Stadt zu Ruhe kommen würde. Durch den Schnee und das helle Eis war es in Mantrons Nächten nie wirklich dunkel, denn selbst das geringste bisschen Sternenlicht vermochte die Kristalle zum glitzern zu bringen. Doch der Himmel war verhangen und grau. Diese Nacht versprach finster zu werden und Baltos sollte sich beeilen. Er erreichte Nornas Haus und wie schon oft zuvor begrüßten ihn, nun aber ein deutlich kleineres Rudel am Zaun. Viele von Nornas Wölfen waren mit den Schlitten draußen im Eiskanal und viele der Jäger hatten sich an der Suche beteiligt. Im Laufe des nächsten Tages war zu erwarten, dass die Tapferen die Meerenge komplett abgesucht hatten und die Bürger Mantrons ihre Vermissten zurück brachten. Solange das Eis durch die Meerwesen von unten verzaubert war, gab es nur die Wölfe mit ihren Schlitten als Fortbewegungsmittel. Das Bild der Fischfrau spukte sicher auch noch in Baltos Geist herum. Das Winseln der Welpen holte ihn aus seinen Gedanken und Norna öffnete die Tür ihres Heims für ihn.

(weiter bei Norna Wolfsruf)
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Donnerstag 28. März 2013, 12:36

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Er erreichte ohne Unterbrechung das Haus seiner Eltern, schnell fischte er noch Marukas Stofftier aus den Schlitten und nahm es mit rein. Er ging ohne ein Wort zu verlieren in seine Kammer, zog sich aus setzte das Stofftier ab und legte sich schlafen. Es dauerte auch keine fünf Sekunden da schloss sich sein Auge und Baltos verlor sich in die Schwärze die man schlaf nannte.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Freitag 29. März 2013, 12:59

Es dauerte nur vier Sekunden bis die Augen des Jägers zu fielen. Die Geschehnisse der letzten Zeit hatten ihn ermüdet. Vier Sekunden in denen der Tag an ihm vorbei hechtete. Jetzt kamen ihm noch die letzten Worte seiner Mutter in den Sinn, als er aus dem Haus geflüchtet war:
„Bis später, mein Junge! … hm … ob ich mal die Mutter dieses Mädchens besuchen gehe? Auf einen kleinen Plausch …?“
Er war bei den letzten Worten schon fast die Tür hinaus gewesen, hatte sie aber noch mit dem Unterbewusstsein mitbekommen. Dann vermischten sich seine Gedanken auch schon mit dem Besuch bei Norna. Er hatte sein Versprechen eingelöst und ihr die Geschichte seines Kampfes gegen die Eisbestie erzählt. Ihre ruhige Art ihm zuzuhören war sehr angenehm gewesen, auch wenn Norna durch ihr Spezialisierung auf die Aufzucht der Wölfe nicht so viel mitbekam wie manch anderer in Mantron, so konnte sie ihm doch berichten, dass es nicht viel neues gab. Thure war mit seinen Männern noch unterwegs und Baltos wusste nur zu gut, dass wenn man hinaus ins Eis ging auch immer irgendetwas passieren konnte, was jede Planung über den Haufen warf. Es war einfach nicht abschätzbar, wann die Männer Mantrons wieder alle sicher in der Stadt sein würden. Die Herzen der Tapferen schlugen für Treue, Ehre, Ruhm und ihre Familien. Dadurch das der Eiskanal gefroren war, war Mantron sicher vor Piraten und die Männer waren ausgezogen und würden nicht eher ruhen, bis der Verbleib des letzten Tapferen geklärt war. So wie damals, als Maruka verschwunden war und so viele sich an der Suche beteiligt hatten, so hielt auch jetzt die Stadt eng zusammen. Maruka … Er hatte ihr Kuscheltier aus Kindertagen neben sich gelegt und die etwas schiefen Augen starrten reglos an die Decke, als er das Auge schloss. Sein letzter bewusster Gedanke erinnerte sich an sein Gebet an Ventha und wie der Wind seine Haarsträhne ergriffen hatte und hinauf aufs Meer in Richtung Norden getragen hatte. Dann umarmte ihn der Schlaf.

Baltos öffnete sein Auge, er befand sich immernoch in seinem Zimmer. Er richtete sich in seinem Bett auf und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Dabei rieb er sich kurz die Augen und lies seine Hände in Form eines Spitzdaches an der Nase verharren. Inzwischen war er sich fast sicher, das die Ereignisse der letzten Tage real gewesen waren, so unglaublich sie auch waren. Sein Sieg über die Eisbestie und der Kampf gegen die Seeschlange, das alles war real!
Er legte seine Hände auf die Oberschenkel und drückte sein Kreuz durch, wie er es jeden Morgen tat. Dabei ließ er noch seinen Kopf kreisen. Sofort entstand ein lautes knacken und er hörte neben sich ein Gemurmel wie
„…mmmhh lass das!“
Wie von einer Eisspinne gestochen blickte er in die Richtung aus der das Geräusch kam.
Lange musste er auch nicht suchen, die Verursacherin lag direkt neben ihn. Milchkaffee-braunes Haar lugte unter einer Decke aus pechschwarzem, ungewöhnlich kurzem Fell hervor und verdeckte das Gesicht dahinter, was sich in ein Kopfkissen vergraben hatte. Hätte Baltos sein Auge noch weiter vor erstaunen geöffnet, wäre es höchstwahrscheinlich heraus gefallen und er hätte mit zwei Augenklappen durch die Welt ziehen müssen. Er schluckte! Hatte er das nicht schon einmal erle... geträumt? Der Jäger untersuchte kurz seine Umgebung mit seinen Blick, dann schaute er wieder zu denn Haarschopf, dann wieder ins Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf. Es gab kein Zweifel, er befand sich in seinem Zimmer, nur gab es drei Unterschiede. Der erste und eher belanglose war das sein Bett nicht mehr für eine Person sonder für zwei ausreichte. Der zweite war das schwarze unbekannte Fell dessen Geschmeidigkeit alles übertraf, was Baltos je hatte berühren dürfen. Aber der entscheidende Unterschied war das wenn sich nicht alle seine Sinne täuschten, eine Frau neben ihn lag. EINE FRAU!!!! Mit leicht zittrigen Händen schob er die Decke ein Stück beiseite. Kurz dachte er an die Seeschlange und eine Perücke, doch der nackte Rücken der den gleichen Farbton wie das Haar der Frau hatte, lies jeden abstrusen Gedanken sofort verschwinden. Der Kopf drehte sich kurz in seine Richtung und Baltos sah zwischen den Haaren ein offenes Auge. Dieses helle bernsteinfarbene Auge würde Baltos überall wieder erkennen, er wollte gerade den Blick abwenden, als er unfreiwillig noch mehr nackte Haut sah. Eine nackte Schulter hob sich ein Stück und legte einen schlanken Arm frei, der sich nach ihm ausstreckte. Dabei rutschte die Decke noch ein Stück tiefer und die Ansätze eines festen Hügels wurden sichtbar. Schnell suchte er wieder Blickkontakt. Weil das was er da eben gerade gesehen hatte, für seine Sinne zu viel war.
„Entweder du kommst zurück ins Bett und wärmst mich, oder du verschwindest und lässt mich weiter träumen!“
Er erkannte ein Lächeln auf ihrem Gesicht, bevor sich die junge Frau, und daran bestand kein Zweifel, wieder umdrehte und die Decke energisch zu sich zog und somit Baltos nackt im Bett sitzen ließ. Er war NACKT! Ein warmer, nach ihrem Haar duftender Lufthauch streifte seine bloße Haut und sprach von wohliger Wärme, Geborgenheit in den armen der schönen Frau unter der seltsamen Decke.
Das Herz des Mannes raste so schnell wie ein Streitwagen der einen Abhang hinab donnerte und sein Körper reagierte entsprechend willig auf das deutliche Angebot. Kurzzeitig wusste der Jägersohn nicht wo oben und unten war. Selbst der Kampf gegen die Eisbestie oder gegen die Seeschlange hatte ihn nicht so sehr aus der Verfassung gebracht, wie der Anblick DIESER FRAU, in SEINEM Bett. Das konnte doch nur ein Traum sein! Wollte er überhaupt aufwachen? Der Gedanke allein genügte leider.

Baltos öffnete sein Auge, er befand sich immernoch in seinem Zimmer und neben ihm lag ein altes Kuscheltier. Er richtete sich in seinem Bett auf und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Dabei rieb er sich kurz die Augen und lies seine Hände in Form eines Spitzdaches an der Nase verharren. Aus dem Hauptraum des Hauses hörte er leise gewohnte Geräusche seiner Mutter, wie sie mit dem Kochgeschirr hantierte. Sein Auge streifte durchs Zimmer und entdeckte die Wasserschüssel und einen Eimer mit eisigem Wasser. Vielleicht genau das Richtige, bevor er sich zu seiner Mutter begeben konnte! Auf jeden Fall genau das Richtige um einen klaren Kopf zu bekommen! Trotzdem fühlte sich Baltos erholt und erfrischt. Er hatte gut geschlafen und recht lange. Die Nachwirkungen des Heiltanks und die Ruhe hatten die letzten Spuren seiner Schwäche weg gewischt. Ihm ging es wieder richtig gut! Zeit für ein ordentliches Krafttraining um Ausdauer für seine Pläne anzusammeln.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Donnerstag 11. April 2013, 10:51

Nachdem er seinen Nasenrücken ordentlich durchgeknetet hatte ging er zielstrebig auf den Eimer zu.
Baltos’ Hände griffen sicher und fest zu und hoben dann das Gefäß über seinen Kopf. Der Jäger hielt kurz die Luft an und kippte dann das Wasser über sich aus. Das eisige Nass traf den Körper des Mantroners mit einen lauten Platschen und durchnässte ihn von oben bis unten.
„BBBBBBBBBBBRRRRRRRRRRRAAAAAAAAAA!“ Entrang es dabei seiner Kehle.
Die Frostigen Bissen vertrieben jegliche Erregung über den Traum und Baltos war der Kälte auch dankbar dafür. Denn jetzt konnte er endlich wieder normal laufen!
Er schüttelte sich kurz wie ein Hund und nahm, nach dem er die erst Tropfen von seinen Körper vertrieben hatte, ein Handtuch vom Beistelltisch und rieb sich trocken.

Nachdem alles andere auch trocken war (sein Zimmer) und er sich angezogen hatte, ging der junge Mann in die Küche und gesellte sich zu seiner Mutter.
Sein Vater war bis jetzt immer noch nicht da, aber das verwunderte den Jäger auch nicht. Denn die Suche nach den Schiffen war kein leichtes Unterfangen und das Bergen der Mannschaft war noch weitaus schwieriger. Wie Baltos am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte. Der Jägersohn würde es schon rechtzeitig erfahren wenn er gebraucht wurde. Denn die Rufhörner Mantrons konnte man schlecht überhören.
Teller um Teller verschlang er das reichliche Angebot aus Fisch und Fleisch, um seinen Muskeln die benötigten Proteine zu liefern. Er spülte größere Essensbrocken, in seinen Mund, mit einem ordentlichen Schluck Wasser hinunter. Tischmanieren suchte man bei einem Mantroner vergebens, sämtliches Essen was man vor sie stellte wurde umgehend lautstark verschlungen. Denn das Leben war viel zu kurz um den Ellbogen vom Tisch zu nehmen oder sich einen Rülpser zu unterdrücken.
So wie es keine Tischmanieren in Mantron gab so gab es auch so gut wie kein Brot in diesen Gefilden.
Nicht weil es den Mantronern nicht schmeckte, sondern aus den einfachen Grund heraus weil hier kein Getreide wuchs!
Natürlich gab es auch den Handel um dieser einseitigen Ernährung entgegen zu steuern aber meist wurden eigentlich Kräuter und Verbandsmaterial erstanden. Denn Verletzungen lagen an der Tagesordnung, bei diesem kämpferischen Volk und Heilkräuter wuchsen hier nur sehr selten oder an schwer zugänglichen Orten. Wohingegen es Nahrung in den Augen der Tapferen im Eisreich mehr als genug gab.
Man musste halt nur wissen wo man suchen musste!

Nach einigen Portion und einen belanglosen Gespräch mit seiner Mutter später, erhob sich der gesättigte junge Mann von seinen Platz und verließ das Haus seiner Eltern.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Freitag 7. Juni 2013, 09:31

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Völlig unproblematisch erreichten die drei das Elternhaus von Baltos. Doch bevor er sich bei seiner Mutter bemerkbar machte wendete er sich noch einmal an Rukulla. „Wäre es vielleicht möglich dass du dich für meine Mutter sichtbar machst? Es ist nicht gerade einfach sich mit jemanden zu unterhalten währen dessen du ebenfalls dich mit mir unterhältst!“

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Freitag 7. Juni 2013, 11:36

Elin Meersegen hatte zustimmend genickt und verabschiedete den Jäger mit den Worten:
„Ganz wie du möchtest, Baltos. Ich werde Ventha um ihren Segen bitten. Rufe du bitte, für diesen Tag, deine Lieben zusammen.“
Sie winkte ihm kurz hinterher und war dann nach hinten in der Küche verschwunden. Baltos hatte sich von der Alten nach draußen ziehen lassen und verabschiedete sich auch von Kjartans kleiner Schwerster. Dann ging es gemütlich, begleitet von einem melodischen Summen der Alten, in Richtung seines Elternhauses. Baltos wandte sich noch einmal der Geisteroma zu und fragte:
„Wäre es vielleicht möglich dass du dich für meine Mutter sichtbar machst? Es ist nicht gerade einfach sich mit jemanden zu unterhalten währen dessen du ebenfalls dich mit mir unterhältst!“
Rukulla blinzelte mehrfach kurz hintereinander und schien irritiert.
„Wie? War ich vorhin nicht sichtbar? Bin ich unsichtbar? Warum bin ich denn nicht sichtbar? Oh je! Es ist schlimmer als ich gedacht habe!“
Seltsamer Weise begann ihr Körper im gleichen Moment wieder an Materie zu verlieren und Baltos konnte durch ihren Bauch die Handstücke des Schlittens sehen. Die Alte mümmelte auf ihrer Unterlippe herum was ihren Nasenring leise klingeln ließ.
„Du hast schon recht, das wird nicht einfach. Hm … unsichtbar also. Das erklärt einiges. Hi hi, hab schon gedacht die Leute, die ich in letzter Zeit so traf, würden einfach unhöflich sein und mich ignorieren, aber wenn ich unsichtbar bin, dann ist das natürlich verständlich.“
Sie zog die Stirn plötzlich kraus und überlegte laut:
„Aber da war doch neulich ein Mann … Ich sollte ihm den Weg unter den Sand zum Wächter des Königs zeigen. Hm … er hat doch auch mit mir gesprochen … nicht viel, aber doch … ja … Hm. Unsichtbar! Tz, tz!“
Die letzten beiden zischenden Laute, ließen Nanuqs Ohren wackeln.
„Tia, da du aber mit mir redest, kann es ja nicht so schlimm sein. Vielleicht bin ich ja wo anders und rede in deinem Kopf mit dir? Oder Opa hat mal wieder nicht … Wo steckt der eigentlich schon wieder?!“
Sie sah sich suchend um.
„Opa?“
Rukulla schüttelte den Kopf.
„Wo war ich? Ach ja, wir wollten was essen gehen.“
Sie grinste breit. Die Alte war ganz klar, nicht ganz richtig im Kopf! Verrückt, senil, aber wenigstens nett und freundlich dabei. Eine Kombination die bei Magiern oft zu Katastrophen führen konnte. Anscheinend vergaß sie alle paar Minuten wann, wo, wer, wie oder was sie war. Dann hatte sie wieder ganz klare Momente, in denen sie irgendwelche Orakelsprüche von sich gab, was zugegebener maßen, auch wenig verständlicher war.
Da ihre Gedanken sich wieder auf etwas naheliegendes richteten, wie das Essen, gewann ihr Körper auch wieder an Substanz.
„Hier wohnst du?“
Anscheinend hatte sie schon seine Bemerkung mit der Unsichtbarkeit wieder vergessen. In Baltos Schädel begann es langsam zu klicken. Er war nun schon eine kleine Weile mit der Alten zusammen und ständig veränderte sie sich. Genauso wie seine Gedanken immer wieder neu zu erfassen versuchten was sie eigentlich war. Erst war sie ihm als leuchtende Priesterin erschienen, die ihm das Brandmal setze, als er die Rolle fand und jetzt als Letztes auf dem Bärenfelsen, als er nach Marukas Spur suchte. Jedes Mal hatte sie ihm auf irgendeine Weise genau das gegeben, was nötig war um seinen weiteren weg zu finden. Das Mahl um die Runenmagie zu verstehen und Nanuq und seine Sprache um Marukas letzten Aufenthaltsort zu finden. Genauso wie seine Suche sich veränderte, so veränderte sich anscheinend auch die Oma … eben wie ein hilfreicher Geist, doch ob dieses Wort Geist bei ihr der Wahrheit entsprach? War es wichtig was sie für Baltos war? Die großen runden Augen sahen hungrig zu ihm hinauf und auch von Nanuq spürte er deutliche Signale.
„Fressen?“
Nanuq fühlte anscheinend auch, dass es um sein Lieblingsthema ging und stupste Baltos mit der Schnauze an. Sie standen vor seinem Elternhaus und Baltos hob grade die Hand um zu klopfen, als seine Mutter schon die Tür aufriss, dann kurz zögernd auf den Bären sah, aber schnell erkannte, das ihr Sohn wohl einen neuen Gefährten gefunden hatte. Das lose Wolfsgeschirr um Nanuqs Hals sprach Bände.
„Schön das du …. Ooohh!“
Sie sah Baltos erstaunt an.
„Wen hast du denn da im Schlepptau?“
Nachdem Baltos Nanuq vorgestellt hatte und dieses Mal Rukulla weg ließ, trat seine Mutter zu ihnen heraus. Der Bär begutachtete die Mutter und die Mutter begutachtete den Bären. Beide befanden einander für in Ordnung und Lena reagierte perfekt.
„Ich hab grade das Fett von deines Vaters letzter Beute vom Fell abgezogen. Ich glaube, das wird dem großen, liiieben Bären schmecken. Ich hol es schnell und du wasch dir schon mal die Hände! Über'm Feuer hängt der Schmorbraten. Du kannst dann schon mal auftun!“
Lena lächelte fröhlich, wie es ihr Name schon sagte und eilte ins Haus um kurz darauf einen großen Zuber mit Robbenfett vor sich her zu schieben, bei dem ihr Sohn ihr sicher auch schnell half. Lena hatte sich sofort in Nanuq verliebt und Nanuq mit dem Robbenfett sofort in Lena. Der Bär fraß draußen, während die Menschen drinnen speisten. Rukulla saß mit am Tisch und schien die ganze Zeit über etwas nachzusinnen. Sehr lange, ungewöhnlich lange kam kein Ton aus ihrem Mund und Baltos konnte sich in aller Ruhe mit seiner Mutter unterhalten. Diese fragte ihren Sohn wie immer nach strich und Faden aus und kitzelte jedes noch so kleine Detail aus ihm heraus. Doch sollte er wirklich über die Alte reden, die ihn begleitete, oder war sie vielleicht doch nur ein Gespinst seines eigenen Geistes? Für ihn war sie sehr real, das stand fest, doch auch seine Mutter konnte die alte Geisterfrau nicht sehen … Lena war ja auch nicht auf der Suche …
Der Braten war köstlich und schon beim ersten Bissen überkam Baltos ein Hunger, als hätte er seit Monaten nichts anständiges zwischen die Zähen bekommen. Lena beobachtete mit einem Lächeln, wie ihr Sohn fast alles alleine aufaß und reichte immer wieder Nachschlag. Im Laufe des Essens holte sie auch aus dem Vorratslager einiges, was Baltos alles hungrig verschlang. Lange dachte der Jäger nicht darüber nach doch dann wurde ihm bewusst, dass es nicht nur sein Hunger war, den er hier befriedigte. Auch Lena staunte nach einer Weile nicht schlecht über seinen extrem gesteigerten Appetit, aber trug ohne einen Kommentar dazu weiter auf. Zwischendurch kochte sie noch eine starke Fischsuppe mit getrocknetem seltenen Gemüse, dass sie von den Elfen getauscht hatten. Sogar das getrocknete Walfleisch wurde angebrochen. Baltos aß für drei ausgewachsene Mantroner und langsam wirkte auch Rukulla nicht mehr ganz so ausgetrocknet. Ab und an schmunzelte sie zufrieden vor sich hin, aber schwieg weiter, als konzertierte sie sich auf etwas ganz anderes. Jeder Mann wäre geplatzt, oder hätte zu mindestens höllische Bauchschmerzen nach diesen Mengen gehabt, aber Baltos hatte hinterher sogar noch einen leichten Appetit. Etwas Süßes wäre schön, aber so etwas gab es in Mantron noch seltener als Gemüse. Rukulla kramte in ihren tiefen Rocktaschen und holte ein kleines Beutelchen hervor aus dem sie eine rot glänzende Kugel holte. Mit einem leisen Glucksen schnippte sie sich sie in den Mund und Baltos hatte sehr kurz einen ungewöhnlich fruchtigen Geschmack im Mund, den er nicht identifizieren konnte. Dann war er satt. Das große Fressen war vorbei!
Lena sah in an. Etwas in ihrem Blick fragte schon danach, was mit ihm los war, doch andererseits wagte sie ihn nicht zu fragen. Ihr Sohn würde ihr schon von selbst erzählen, wenn er etwas zu berichten hätte.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Montag 10. Juni 2013, 16:29

Warum frage ich sie überhaupt? Dieser Gedanke von Baltos traf die Sache genau auf den Punkt. Wenn Rukulla Antwortete waren 90 Prozent davon undefinierbarer Ausschuss. Vielleicht sollte er seine Fragen kürzer formulieren, aber ob dies was bringen würde?
Der Mantroner beließ es erst mal damit das nur er und Nanuq die Alte sehen konnten und ging zur Tür. Wie nicht anders zu erwarten, war seine Mutter schon an der Tür. Bevor er sich überhaupt bemerkbar machen konnte.
Seine Mutter war auch gleich Feuer und Flamme für den Bären und hatte mit ihrer Bemerkung, dass sie etwas zu fressen für ihn hatte, ein Stein im Brett bei ihm.
Natürlich half der Sohn von Lena den Zuber nach draußen zu Nanuq zu tragen. Der Bär hätte nicht glücklicher sein können als er sein Festmahl betrachtete und es mit lauten schmatz Geräuschen verschlang.
Die beiden gingen ins Haus und setzten sich in die Küche. Die Alte folgte Baltos sprichwörtlich wie ein Geist und setzte sich ebenfalls an den Tisch.
Was dann passierte war unglaublich. Der junge Mantroner war schon immer ein guter Esser gewesen, aber die Menge die er während des Gespräches mit seiner Mutter verschlang erschreckten selbst ihn. Wahrscheinlich lag dies an Rukulla. Denn mit jeden Bissen den er zu sich nahm wurde sie „besser sichtbar“, jedenfalls für ihn. Ihr Körper war nicht mehr ganz so durchsichtig wie vorher.
Dieser fruchtige Geschmack, der in Baltos Mund entstand, als Rukulla den roten Bonbon lutschte, warf ihn fast vom Stuhl. Noch nie zuvor in seinen Leben hatte er den Geschmack von Obst kennen gelernt! Diese angehnehme süße war förmlich ein Feuerwerk für seine Geschmacksknospen.
Es war aber auch nicht weiter verwunderlich das er so etwas nicht kannte. Denn in dieser Region konnte man absolut nichts anbauen, was solch einen Geschmack verursachte.
Nachdem das Essen beendet war musste Baltos nun wohl zum schwierigsten Teil des Gespräches übergehen. Erst einmal wollte er etwas Positives sagen, bevor er mit den schlechten Neuigkeiten für seine Mutter rausrückte. „In drei Tagen bekomme ich meinen Beinamen von Elin verliehen!“ Der Jäger wartete den Freudigen Ausbruch seiner Mutter ab und als sie die Umarmung löste bemerkte sie seinen Blick.
„Nach der Zeremonie werde ich Mantron für unbestimmte Zeit verlassen. Ich habe eine Spur entdeckt die mich zu Maruka führen wird. Zumindest hoffe ich das! Diese Suche wird wahrscheinlich weit über das Eisreiche hinaus reichen und vor Gefahren nur so wimmeln.“ Es war besser ihr gleich reinen Wein ein zu schenken, als lange um den heißen Brei zu reden.
Baltos blickte sie jetzt wieder mit einen Lächeln an. „Aber ich glaube, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Eine innere Stimme sagt mir das! In den nächsten Tagen werde ich Vorbereitungen für meine Abreise treffen.“
Er blickte in das Sorgenerfüllte Gesicht seiner Mutter. Dieser Ausdruck passte sogar nicht zu ihr.
Mach dir keine Sorgen ich habe doch jetzt einen Beschützer an meiner Seite! Nanuq wird schon auf mich aufpassen!“
Der einzige Sohn der Familie wusste, dass dies nur ein kleiner Trost für seine Mutter sein würde. Denn er konnte bei dieser Reise den Tod finden und niemand würde in diesen Fall seine Eltern benachrichtigen. Damit diese Abschied nehmen konnten und das alles für eine Frau die wahrscheinlich Tod war!
Doch er wusste, wenn er seine Mutter betrachtete, dass sie ihn verstehen würde. Denn irgendwann kam nun einmal die Zeit das die Kinder sich von ihren Eltern abkapselten und sein Moment war jetzt gekommen. Er musste und wollte diese Reise antreten!

Während er auf eine Antwort seiner Mutter wartete viel ihn wieder einmal auf das ihr Bauch leicht gewachsen war. Anscheinend würde es bald einen Familienzuwachs geben.
Denn wenn der Jäger eins konnte dann war es beobachten!
Ihn war schon in den vergangen Wochen aufgefallen das seine Mutter mehr zu sich nahm als sonst und öfters die Hand auf ihren Bauch legte wenn sie saß. Es deutete alles darauf hin, dass sie Schwanger war.
Natürlich verstand er, dass sie bis jetzt Niemanden von ihren Glück erzählt hatte. Denn in Mantron war es üblich eine Geburt erst preis zugeben wenn die Schwangerschaft sich in den Entzügen befand. Dies lag daran, dass die einseitig Ernährung der Mantroner und die starke Körperliche Belastung oft zu Fehlgeburten führte.
Baltos hoffte für seine Mutter das die Schwangerschaft und die Geburt Reibungslos verlief. Wenn es jemand verdient hatte ein Kind zu bekommen, dann sie!
Schließlich hatte der junge Jäger eine wunderschöne Kindheit bei seinen Eltern erlebt.
Ein bisschen betrübt war er bei den Gedanken dass er die Geburt nicht miterleben konnte. Aber seine Mission war wichtig und duldete keinen weiteren Aufschub. Denn würde er länger warten würde die Spur sich wohl völlig im Nichts verlieren.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. Juni 2013, 09:57

Wie erwartet fiel Lena ihrem Sohn vor Freude weinend um den Hals, als er ihr offenbarte, dass in drei Tagen, SEIN großer Tag sein würde. Ihr strahlen hätte nicht stolzer sein können! Mit glitzernden Augen murmelte sie leise und voller Verzückung:
„Mein Junge!“
Liebevoll strich sie ihm über den Kopf, drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, was für einen 18 Jahre jungen Mann vielleicht noch eine etwas zu kindliche Geste war, doch sie waren allein und niemals hätte er seine Mutter in solch einem zärtlichen Moment von sich gestoßen. Das Band was sie verband war Liebe und Baltos erwiderte den Druck ihrer Arme. Dann begann sie immer wieder leise:
„ … drei Tage … drei Tage ...“
zu murmeln und Baltos ahnte, das sie in Gedanken schon bei den Vorbereitungen für die anschließenden Feierlichkeiten war. Er würde ihr helfen müssen, in ihrem Zustand. Dann fiel ihr Blick wieder in seine Augen sie verstummte.
„Nach der Zeremonie werde ich Mantron für unbestimmte Zeit verlassen. Ich habe eine Spur entdeckt die mich zu Maruka führen wird. Zumindest hoffe ich das! Diese Suche wird wahrscheinlich weit über das Eisreiche hinaus reichen und vor Gefahren nur so wimmeln. Aber ich glaube, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Eine innere Stimme sagt mir das! In den nächsten Tagen werde ich Vorbereitungen für meine Abreise treffen. Mach dir keine Sorgen ich habe doch jetzt einen Beschützer an meiner Seite! Nanuq wird schon auf mich aufpassen!“
Die Sorgen standen Lena in den Augen, doch sie bemühte sich um ein Lächeln.
„Mein Junge, wenn du wirklich der Überzeugung bist, dass dies dein Weg ist, dann werde ich dich nicht aufhalten. Es ist nur schade, dass dein Vater nicht hier ist ...“
Sehnsucht klang in Lenas Stimme mit und Baltos wurde sich bewusst, dass seine Mutter nicht nur schwanger, sondern auch sehr einsam in diesen Tagen war. Ein dunkler Gedanke wollte sich kurz in seinen Verstand schummeln. *Was wenn Drago Flink Lanze, NICHT von seiner Reise zurück kehrte?!* Die Vorstellung seine Mutter schwanger und allein zurück zu lassen war sicher nicht angenehm, doch Baltos hatte sich entschieden. Mantron war kein Ort in dem eine alleinstehende Frau auch allein gelassen wurde. Thure Sturmschreier hatte ein wachsames Auge auf jeden Bewohner. Vielleicht sollte er trotzdem Elin informieren, auch wenn es noch weit vor der Zeit der Niederkunft war. Es waren schließlich besondere Umstände und beide Frauen waren guter Hoffnung. Lenas folgende Worte rissen ihn zurück ins Hier und Jetzt.
„Sie muss dich ganz schön beeindruckt haben.“
„Wer?“

platzte es unwillkürlich aus ihm heraus.
„Na deine Maruka.“
Baltos spürte, dass die Erinnerung an seinen Traum von ihr, in seinem Bett, unter seiner Decke, wieder erwachen wollte und sich sofort in Form einer vermehrten Durchblutung seiner Ohren bemerkbar machte. Lena grinste. Sie kannte ihren Jungen nur zu gut.
„Du konntest noch nie gut mit Mädchen umgehen!“
Das Offensichtliche auszusprechen, machte es leider auch nicht besser.
„Ich kann dir nur einen Rat geben, für den Fall, das du sie findest. … Sei ehrlich. Du bist so wie du bist und so bist du gut! Versuch niemand anders zu sein um ihr beispielsweise zu gefallen. Wenn sie dich genauso mag, wie du anscheinend sie, dann wird sie dich verstehen, egal welche holpernden Worte deinen Mund verlassen.“
Lena lächelte sanft und drückte seine Hand.
„Dein Vater war früher genauso und hat kein Tranfässchen ausgelassen. Trotzdem hab ich mich in ihn verliebt. Auch wenn ich deine Mutter bin und somit emotional vorbelastet, so denke ich, dass du ein großartiger Ehemann sein würdest und immer deine Pflichten erfüllen würdest!“
Heute kam sie aber mal auf den Punkt! Baltos Ohren pulsierten und ein stetiges Rauschen setzte ein und plötzlich sprach auch die Alte wieder:
„Sie meint nicht DIE ehelichen Pflichten, Großer. Sie meint dein Verantwortungsgefühl der Familie gegenüber.“
Rukulla sah auf und grinste breit. Anscheinend war sie vollständig regeneriert. Eine sanft flimmernden Aura umgab die kleine Frau, wie als wenn von ihr große Hitze ausgehen würde. Lena sah die Alte nicht, also warum alles unnötig verkomplizieren.
„Drei Tage ist wirklich nicht viel Zeit.“
moserte Rukulla.
„Da werd' ich mir was einfallen lassen müssen ...“
Dann hatte sie anscheinend eine Idee und begann übers ganze Gesicht zu strahlen.
„Also, wenn du mir erlaubst deinen Körper zu benutzen, könnte ich dir helfen!“
WAS? Baltos starrte fassungslos in die Richtung der Alten und Lena folgte seinem Blick, doch hatte nur einen fragenden Gesichtsausdruck.
„Dir in drei Tagen die Kunst der Runenmagie beizubringen ist unmöglich, aber ich könnte dir helfen ein paar Runen zu fertigen, die dich auf deinem Weg begleiten könnten. Ich könnte dir was schönes stricken oder häkeln oder vielleicht auch nähen oder sticken?! Was meinst du? Hast du einen Wunsch? Etwas das du für hilfreich für deine Suche halten würdest? Sieh dir die Rolle noch einmal an und vielleicht hast du ja eine gute Idee.“
Rukulla wippte aufgeregt mit dem ganzen Körper. Sie wollte Baltos Körper benutzen? Was hatte das nun wieder zu bedeuten? War das gefährlich? Was würde mit seiner Seele solange passieren?
„Brauchst dir auch keine Sorgen zu machen, dass ich nicht wieder geh. Ich glaub, dein Körper *passt* sowieso nicht richtig, Großer.“
Wie immer beantwortete sie schon ungestellte Fragen, bevor man an sie überhaupt denken konnte. Aber was wäre … Es gab so viele *was wenn* Fragen! Die Alte grinste vergnügt, hopste mit einem Satz vom Stuhl und näherte sich Baltos. Als sie bei ihm war, tippte sie mit der Spitze ihres kleinen Fingers auf die Stelle, wo er die Rolle der Runenmagie verbarg.
„Zeig mir mal, was du dir so vorstellen kannst! Ist eine gute Übung für deine Phantasie. Die brauchst du, wenn du später mal Runen kombinieren willst.“
Lena runzelte etwas nachdenklich die Stirn und begann dann den Tisch von Essen abzuräumen. Ihr Sohn war nie als zu gesprächig, aber in letzter Zeit war er ein richtig nachdenklicher junger Mann geworden! Sie lächelte und entfernte sich erst einmal.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Dienstag 11. Juni 2013, 12:55

Für Baltos Geschmack sprach seine Mutter viel zu oft von Heiraten. Er wolle sie nicht finden um sie zur Frau zu nehmen. Sondern um ihr zu helfen oder wenigstens ihre sterblichen Überreste zu bergen. Der junge Jäger hatte Gefühle für sie, das wollte er nicht abstreiten, aber war es Liebe? Sein Körper und sein Unterbewusstsein waren da einer Meinung, nur Baltos’ Geist war nicht davon überzeugt.
Überzeugt war wahrscheinlich das Falsche Wort dafür, eher anderweit beschäftigt oder verschlossen. Wie immer, wenn er sich die Frage stellte was er für eine Frau empfand, lenkte er sich mit anderen Gedanken ab. Da kam es gerade gelegen das Rukulla die Frage stellte ob sie sich seinen Körper mal ausborgen konnte. Was war das eigentlich wieder für eine Frage?
Konnte man einfach so einem Geist seinen Körper überlassen? Was passierte mit einen während eine andere Person diesen steuerte? War es so ein Gefühl als ob man schlief oder bekam man alles mit? Quasi als Beifahrer so zu sagen.

Der Mantroner war ganz froh das seine Mutter nicht mehr in unmittelbarer nähe war. Denn so konnte er mit der Geisteroma unbeobachtet Reden. Trotzdem Sprach er dabei mit einer Flüsterstimme. „Wenn du meine Rüstung oder meine Axt verzaubern könntest wäre das wahrscheinlich sehr hilfreich!“ Lies er die betagte Dame wissen und im selben Atemzug holte er die Schriftrolle hervor.
„Mal sehen!“ Er folgte mit den Fingern den Text der Schriftrolle. Seine Lippen bewegten sich dabei und formten die Worte die er las.
Es dauerte eine Weile bis Baltos die für sich passenden Runen aus dem Text herausgesucht hatte. Als er sie zusammen hatte lies er Rukulla umgehend davon wissen.
„Mir behagt es zwar nicht das du meinen Körper übernehmen willst, aber ich vertraue dir! Die Runen Hargalz, Uruz und Teiwaz könnten mit bei meiner Reise bestimmt helfen!“ Der Jäger blickte sich kurz um, ob seine Mutter immer noch aus der Hörreichweite war. Nach dem er dies Überprüft hatte, sprach Baltos weiter.
„Wenn du meine Rüstung mit den beiden Runen Hargalz und Teiwaz verzieren könntest hätte ich genug Schutz gegen bevorstehende Kämpfe. Sei es gegen Magie oder physischen Schaden. Die Rune Uruz würde ich gerne auf den Griff meines Handbeiles angebracht haben. Somit hätte ich genügend Kraft für längere Gefechte!“
Er verzichtete bewusst auf andere Runen die ihn bei seiner Suche Unterstützen könnten. Denn da verließ er sich lieber auf seinen eigenen Verstand. Doch Hilfe für bevorstehende Gefechte konnte nie Verkehrt sein.
„Ich würde sagen wir machen diesen Körpertausch in der Nacht, wenn meine Mutter schläft!“ Er warf noch einmal einen kurzen Seitenblick in die Richtung seiner Mutter, bevor er sich wieder an die Alte wendete.
„Was brauchst du für die Verzauberungen?“

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 12. Juni 2013, 09:45

„Ist schön zu hören, dass du mir vertraust. Ich werd mir größte Mühe geben!“
Rukulla lächelte versonnen, aber konzentrierte sich dann auch auf die Rolle.
„Uruz für die Axt, ja das ist eine gute Wahl. Hm, und Teiwaz für die Rüstung, das steigert deine Ausdauer, fein fein. Könnte ich auch im Schwerpunkt an die Beine machen, für längere Märsche ... Hagalz schützt aber nur vor Magie, da würde ich dir eher Algitz empfehlen. Ist breiter gefächert, aber halt nicht ganz so stark im Schutz vor Magie ... oder noch präventiever Eiwaz, damit könnte manch ein Kampf an dir vorüber gehen, der nicht nötig ist. Für eine lange Reise ist es gut, wenn man die Gefahren niedrig hält. Verletzungen kosten viel Zeit … Zeit, die man vielleicht nicht hat.“
Die Alte rieb sich grübelnd das schrumplige Kinn. Sie sah Baltos an, ob er irgendwelche Einwände haben würde und fuhr dann fort:
„Nachts ist gut, da kann ich mich am besten konzentrieren und wenn du schläfst ist dein Geist offener für die Übernahme. Wäre leichter beim ersten Mal … Wenn du wach bist, solange ich in dir bin, wirst du … na ja … neben dir stehen. Ich glaube das beschriebt es ganz gut, aber es kann schon etwas beängstigend sein … . Wenn du schläfst ist es leichter für dich und für mich … und du wirst träumen. Dann wäre es ein bisschen wie Schlafwandeln. Zum Aufwachen bräuchten wir ein Wort, oder etwas das du selten siehst, was dich daran erinnert, dass du in einem Traum bist. Oh, ich hab eine gute Idee. Wie wäre es mit etwas das fehlt? Schnee zum Beispiel. Dein Geist kennt nur Gegenden mit dem weißen Zeug. Wenn du etwas ohne Schnee siehst, wirst du doch bestimmt wissen, das etwas nicht stimmt, oder?“
Die Geisteroma war ganz aus dem Häuschen bei der Vorstellung der kommenden Nacht. Sie wippte von den Fersen zu den Zehenspitzen und hatte die Hände hinterm Körper verschränkt.
„Ach eine Sache wäre da noch.“
Sie runzelte die Stirn. Da war er der Haken!
„Du bist noch jung und hast zwar einen starken Körper, doch dein Geist ist noch untrainiert für solche Dinge. Jede Rune wird deine mentale Kraft schwächen und dich den Schlaf und die Erholung einer Nacht kosten. Runenmagie ist nicht was man schnell wirkt. Sie braucht Zeit und Hingabe. Wenn du in drei Tagen deine große Feier hast, wirst du sehr sehr müde sein, soll ich drei Runen weben. Willst du alle drei, so solltest du dir überlegen wie du Ruhe finden kannst zur Regenerierung.“
Rukulla hörte auf zu wippen und sah den Jäger ernsthaft an.
„Ich überlasse dir die Entscheidung. Wach oder schlafend, alle drei auf einmal oder mit Pausen, oder doch lieber weniger und welche genau? Was hältst du von meinem Rat? Welche möchtest du wo tragen? Du kennst deine Kräfte hoffentlich selbst am besten. Ich könnte schon alles so machen und mehr … , aber es hat seinen Preis.“
Ihr dunklen Augen glitzerten.
„Wir könnten auch dafür sorgen, dass deine Mutter ihr Kind nicht verliert. Berkana wäre da eine große Hilfe … sag mir was ich tun soll, was du bereit bist zu geben und ich mach es.“
Der seltsame Handel schien der kleinen Frau Spaß zu machen auch wenn eine große Ernsthaftigkeit sie erfasst hatte.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Dienstag 18. Juni 2013, 15:51

„Vor Kämpfen muss ich nicht davon laufen, die ziehe ich sowieso an wie ein einsames Reh die Wölfe. Ich bleibe bei Hagalz denn gegen magiebegabte Wesen habe ich so gut wie keine Chance, wenn sie anfangen zu zaubern!
Wir bleiben bei diesen drei Runen!“

Als diese Sache geklärt war begann die Alte Baltos zu schildern wie die Übernahme von statten lief, dieser nickte nur. Nach dem sie ihren Monolog beendet hatte, dachte Baltos eine Zeit lang über das gesagt nach. Es vergingen vielleicht fünf Minuten bis er wieder etwas sagte.
„Mmmmhhh! Ich denke wir machen es so! Heute Nacht wirst du meine Axt mit der Rune Uruz versehen. Morgen werde ich mich dann um den Proviant für die Reise kümmern und meiner Mutter helfen. Die Nacht darauf machst du nichts. Da will ich meinen Schlaf nachholen. Die letzte Nacht vor der Namensgebung wird dann wieder an der Rune gearbeitet und zwar verzauberst du meine Rüstung mit Teiwaz.
Die letzte Rune werden wir dann auf unserer Reise anbringen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Ich geh nicht davon aus das ich gleich über eine Horde zaubernder Piraten stoße. Auch wenn man sich, bei meinen Glück, da nicht sicher sein kann.“
Bei diesen Satz musste er ganz kurz lachen.
„Ich denke das Kind meiner Mutter braucht keinen weiteren Schutz. Wenn dann muss es selbst den Weg ins Leben finden. Da sollte keine Magie nachhelfen. Denn in Mantron überleben nur die Starken!“
Dies hörte sich vielleicht kaltherzig an, aber es war die Wahrheit. In dieser rauen und eisigen Wildnis überlebten nur die Starken. Diese Welt sonderte schwache sofort aus.
„Was brauchst du für die Verzauberung?“ Baltos wollte die Zeit nicht weiter mit Reden totschlagen. Er war schon immer ein Mann der Tat gewesen. Damit unterschied er sich wohl eindeutig von Rukulla. Denn diese schien gerne stundenlange Monologe zu halten, die meist nur sie verstand.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Samstag 22. Juni 2013, 20:49

„Mmmmhhh! Ich denke wir machen es so! Heute Nacht wirst du meine Axt mit der Rune Uruz versehen. Morgen werde ich mich dann um den Proviant für die Reise kümmern und meiner Mutter helfen. Die Nacht darauf machst du nichts. Da will ich meinen Schlaf nachholen...“
Rukulla nickte zustimmend.
„... Die letzte Nacht vor der Namensgebung wird dann wieder an der Rune gearbeitet und zwar verzauberst du meine Rüstung mit Teiwaz.“
Ihre Augen wurden minimal größer, aber die Alte sagte nichts dazu. Baltos war jung und stark! Zwei schlaflose Nächte würden einen stattlichen Mann wie ihn sicher nicht aus den Stiefeln hauen. Ein wenig wehmütig krochen ein Paar Erinnerungen aus ihren jungen Tagen durch ihr Gemüt in denen sie auch noch beschwingter durchs Leben tapste, dann sah sie wieder ernst drein und versuchte sich zu konzentrieren. Baltos klang sehr bestimmt und sie wollte ihn gewiss nicht bremsen. Die Runen waren ihr Geschenk und er sollte sie anzunehmen.
„Die letzte Rune werden wir dann auf unserer Reise anbringen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Ich geh nicht davon aus das ich gleich über eine Horde zaubernder Piraten stoße. Auch wenn man sich, bei meinen Glück, da nicht sicher sein kann.“
Bei diesen Satz musste er ganz kurz lachen. Zu seinem Glück konnte er nicht die gekreuzten Finger hinter dem Rücken der Alten sehen, als sie leise ins Lachen mit einstimmte.
„Ich denke das Kind meiner Mutter braucht keinen weiteren Schutz. Wenn dann muss es selbst den Weg ins Leben finden. Da sollte keine Magie nachhelfen. Denn in Mantron überleben nur die Starken!“
Rukulla nickte abermals und schaute sich um, als Baltos fragte, ob sie alles für ihr Werk beisammen hätte.
„Ich glaub, für heute Nacht ist alles da.“
Sie stand kurz auf und inspizierte die Handwerksecke seiner Mutter. Dicke lederne Flicken, Felle, Bänder, gebogene Nadeln, aus Knochen oder Zähnen gefertigte Vorstecher, Materialien zum Gerben und Härten der Häute und viele andere Dinge lagen fein säuberlich sortiert bereit. Sie hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt und hielt immernoch die Finger gekreuzt, sodass Baltos sie kurz sehen konnte. Sie griff nach einer Nadel, die sie vermutlich sich genauer betrachten wollte und schnaufte resigniert, als ihre Hand hindurch glitt.
„Du solltest heute früh schlafen gehen! Ich werde Zeit brauchen und muss mich beim ersten Mal noch in deinem Körper zurecht finden. Aber wenn du so weit bist, ich bin es. Wir können jeder Zeit beginnen. Also wenn du heute noch etwas erledigen möchtest, dann tu es. Ich werde hier auf dich warten.“
Damit nahm sie auf der steinernen Bank in der Ecke platz auf der viele gemütliche Felle ausgebreitet lagen. Baltos Mutter lief gerade in diesem Moment an ihr vorbei, ohne sie wahrzunehmen und Rukulla streckte die Stummelbeine aus. Lena räumte gerade die leeren Teller vom Tisch ab, und sammelte ein paar Krümel von der Oberfläche. Sie musterte ihren Sohn aufmerksam. Vielleicht hatte sie mitbekommen, dass Baltos „Selbstgespräche“ führte, doch sicher nichts vom Inhalt. Wie eine liebende Mutter es nun mal tat, machte sie sich Sorgen um ihr Kind, auch wenn es sie um fast einen Köpf überragte.
„Baltos, soll ich dir dein Bett vorwärmen? Du siehst etwas … geschafft aus.“
Vorwärmen bedeutete warme Steine aus der Nähe des Feuers unter die Decken zu schieben. Lena hatte das immer gern für ihn gemacht, wenn er krank war und es war ein herrliches Gefühl, seine klammen Hände an den Steinen zu wärmen bis sie zu kribbeln begannen. Allein der Gedanke daran erinnerte den Jäger augenblicklich an die Anstrengungen der letzten Tage und Wochen. Alles in allem gesehen schien das Schicksal es wirklich auf ihn abgesehen zu haben!
Erst hatte es ihm ein Auge geraubt, eine schwere Zeit der Genesung beschert, dann war er auf Geri und die Eisbestie gestoßen und hatte sie mit ihm gemeinsam nieder gestreckt, er hatte den Fluch besiegt und die Leichen aufgeschichtet und mal eben zwischendurch, als einer von 13 Kriegern, den „Schrecken der Tiefe“ in die eisige Dunkelheit zurück geschickt. Auch wenn sein Körper vor Kraft nur so strotzte und die Anstrengungen gut überstand, so war sein Geist immernoch der eines jungen Mannes und musste sich nun plötzlich mit Geistererscheinungen und wirren Träumen herum schlagen. Baltos war sichtlich froh über die Fürsorge seiner Mutter. Er nickte müde. Der Tag war mit so viel Gedanken und Neuem gefüllt gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte wie schnell er vergangen war. Es war zwar erst Nachmittag, aber er hatte seinem Körper in den letzten Jahren beigebracht, dann zu ruhen, wenn es Zeit dafür gab und nicht wann er müde war. Die Natur des Eisreichs war ein gnadenloser Lehrer und selten gab es geregelte Abläufe, also nahm Baltos seine Sachen zusammen, half seiner Mutter kurz noch beim Aufräumen, ging dann auf sein Zimmer, zog seine Rüstung bis auf den Lendenschurz aus und legte sich in die weichen Felle. Sein Kopf berührte kaum den Untergrund, da senkten sich auch schon bleiern seine Lieder.

Die Alte hatte sich die ganze Zeit nicht von der Stelle gerührt, doch kaum, da aus dem Nebenraum der leise gleichmäßige Atem des Kriegers drang, hopste sie von der Bank herunter und schlenderte hinüber. Einen kleinen Moment beobachtete sie Baltos beim Schlafen, dann kletterte sie umständlich zu ihm ins Bett, spuckte sie in die Hände und zeichnete mit höchster Konzentration eine Runenkombination aus Isa, Gebo und Thurisaz auf seinen Körper.

Baltos Traum

Woher er wusste, wie die beiden Bären hießen? Unwichtig!
Kiowa und Nanuq tollten durch den Schnee und rollten munter umher, so das kleine Wolken durch austoben, wo ihre Körper hinfielen. Ein Stück entfernt saß ihre Mutter und kaute an einem Stück Rinde, das sie von einer Eiseiche geschält hatte. Die Krallenspuren waren deutlich am Stamm des Baumes zu erkennen. Ihr Nase zuckte und ihr Kopf hob sich in den Wind. Sie witterte etwas. Leise knurrte sie:
„Ihr bleibt! Ich gleich wieder da!“
Langsam und vorsichtig ging sie dem seltsamen Geruch nach. Ihr mächtiger Leib verschwand zwischen den Bäumen. Zurück blieben zwei kleine Bären. Nanuq und Kiowa saßen eine ganze Weile auf dem Bärenfelsen ganz oben und schauten ihrer Mutter hinterher. Kiowa war es irgendwann zu langweilig und er war in Spiellaune, also rempelte er Nanuq an. Überrumpelt kullerte dieser von seinem Hochsitz. Zu seinem Glück, denn so entging er dem heran sausenden Speer des Jägers, an dem schon das Blut seiner Mutter klebte. Der Jäger hatte die Bärin erlegt, doch erst danach entdeckt, dass sie ein Junges hatte. Mit getrübter Miene näherte er sich. Die Chancen, dass es alleine überleben würde, waren verschwindend gering. Der Speer flog und fand sein zweites Ziel. Es war ein schneller Gnadentod. Kiowa rollte wie er zuvor den Felsen herunter und landete neben seinem Bruder. Das Eisbärenjunge schnüffelte an dem langen, glatten Ast, der aus dem Brustkorb ragte.
„Kiowa! Steh auf! Spielen! Steh auf!“
Doch sein Bruder rührte sich nicht. Nanuq leckte über die weichen Ohren, die halb offenen, reglosen Augen und die raue Nase, doch sein Bruder wollte nicht mehr mit ihm spielen. Da hörte er es schon. Es näherte sich etwas und es roch nicht nach seiner Mutter. Sie hatte ihren Kindern beigebracht sich zu verstecken, wenn sie nicht bei ihnen war und das tat er auch. Schnell drückte er sich in die schmale Spalte zwischen dem Felsen und einer Schneewehe. Sein Herz raste. Das große zweibeinige Wesen kam näher und hob seinen Bruder behutsam auf. Es streichelte ihn und sagte leise etwas, was er nicht verstand. Die Stimme aber lang warm und brummig, ähnlich die seiner Mutter.
„Ventha ich danke, dir für deine Gaben. Das Fleisch seiner der Bärin wird meine Familie nähren, ihr Fell wird mein Weib wärmen und ihr Kind wird meinem Kind die Träume bewachen.“
Der Zweibeiner ging fort und Nanuq suchte nach seiner Mutter, doch das Einzige was er fand, war ein kleiner Blutfleck und den Geruch von Wölfen, die sich neben zwei seltsamen langgezogenen Rillen im Schnee befanden. Doch hier roch es überall auch nach dem Zweibeiner, also kehrte er allein in den Schutz des Bärenfelsen zurück.

Die Nacht der ersten Rune – Uruz

Lena war gerade schlafen gegangen, da schob sich schon lautlos Baltos Hand zwischen die schweren Fellvorhänge, die die Räume teilten. Der junge Mann hielt sich an einer Verstrebung fest und torkelte dann weiter in Richtung des Tischs. Die kurze freie Strecke, die er überbrücken musste, um zur Handwerksnische seiner Mutter zu gelangen, glich einem einzigen Hindernissparkur. Das Gesicht war angespannt und mürrisch. Seine tiefe Stimme moserte kaum hörbar:
„Wie kann man nur so in die Höhe wachsen! Umöööglich!“
Schwankend steuerte er schnurgerade auf das nächste Problem zu. Anstatt sich automatisch an der entsprechenden Stelle zu bücken, dort wo die Deckenpfeiler in den Raum hinein ragten, krachte Baltos mit Schwung gegen das harte Holz der Eiseiche und taumelte wieder zwei Schritte zurück.
„Oooohuuuh …!“
Der Jäger stöhnte und sein Hand suchte unkoordiniert nach der langsam wachsenden Beule. Der Balken wurde mit tödlich Blicken bestraft und der Kopf nun eingezogen. Am Tisch entlang hangelnd, erreichte er endlich die mit Fellen bespannte Steinbank und ließ sich blinzelnd darauf nieder.
„Verflucht! Ich muss das schon länger nicht mehr gemacht haben! Ich bin vollkommen aus der Übung! So jetzt aber an die Arbeit ...“
Wenig später sah man einen mantronischen Krieger, mit Muskeln, die Bäume entwurzeln konnten, mit elegant übereinander geschlagenen Beinen bei der Handarbeit sitzen. Ab und an fluchte er noch leise, wenn ein Knoten zu fein für die groben Finger war, oder die Tiefenwahrnehmung durch das fehlende Auge beanstandet wurde, doch den größten Teil der Nacht arbeitete er fleißig und ohne eine Pause am Griff der Axt herum, bis die Finger wund waren. Als das Werk vollendet war, hatte er das Leder um das Handstück durch Neues ersetzt. Er hatte liebevoll viele, dünne Lederschnüre geschnitten, sie miteinander verknüpft. Jeder Knoten war links gebunden, der die Rune bildete, das andere Flechtwerk ging den rechten Weg. Zufrieden vor sich hin lächelnd betrachtete er sein Werk, als Lena aus ihrer Nische trat.
„Oh!“
Ein Moment Stille trat zwischen sie. Lena war es nicht gewöhnt, dass ihr Sohn vor ihr wach war.
„Alles in Ordnung?“
Baltos nickte nur eifrig und sah sich um. Er wirkte wie ein in die Ecke gedrängtes Tier. Nackt bis auf den Lendenschurz entknotete er seine Beine und versuchte sich grade hinzustellen. Laufen an sich war schon schwer, aber als das Blut zurück in die Beine schoss, stöhnte er auf. Noch bevor sie ihn weiter löchern konnte, sagte er:
„Au, Beine eingeschlafen! Muss mal wo hin.“
Hoffentlich reichte das seiner Mutter. Er verzog das Gesicht zu einem gequälten Grinsen und torkelte breitbeinig und mit eingezogenem Kopf zurück in sein Zimmer, wo man ein leises plumpsen hören konnte. Lena sah ihm kopfschüttelnd hinterher. Was hatte ihr Sohn hier getrieben. Neugierig ging sie zu der Stelle wo er gesessen hatte, hob die Axt auf und musterte sie. Die Schnürung um den Handriff war neu und irgendwie ungewöhnlich. Vielleicht hatte ihm die alte Bindung ja nicht gefallen. Lena zuckte mit den Schultern. Ihr Sohn benahm sich seltsam, aber wenn er wirklich Hilfe bräuchte, würde er auch fragen, so gut kannte sie ihr eigen Fleisch und Blut.

Das Erwachen

Baltos öffnete sein Auge, er befand sich immernoch in seinem Zimmer. Er richtete sich in seinem Bett auf und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Dabei rieb er sich kurz die Augen und lies seine Hände in Form eines Spitzdaches an der Nase verharren. Langsam ordneten sich seine Gedanken. Wie war wohl die letzte Nacht verlaufen? Hatte Rukulla geschafft was sie wollte?
Er legte seine Hände auf die Oberschenkel und drückte sein Kreuz durch, wie er es jeden Morgen tat. Dabei ließ er noch seinen Kopf kreisen. Sofort entstand ein lautes knacken und er hörte neben sich ein Gemurmel wie
„…mmmhh lass das!“
Wie von einer Eisspinne gestochen blickte er in die Richtung aus der das Geräusch kam.
Lange musste er auch nicht suchen, die Verursacherin lag direkt neben ihn. Milchkaffee-braunes Haar lugte unter einer Decke aus pechschwarzem, ungewöhnlich kurzem Fell hervor und verdeckte das Gesicht dahinter, was sich in ein Kopfkissen vergraben hatte. Hätte Baltos sein Auge noch weiter vor erstaunen geöffnet, wäre es höchstwahrscheinlich heraus gefallen und er hätte mit zwei Augenklappen durch die Welt ziehen müssen. Er schluckte! Der Jäger untersuchte kurz seine Umgebung mit seinen Blick, dann schaute er wieder zu denn Haarschopf, dann wieder ins Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf, Zimmer, Haarschopf. Es gab kein Zweifel, er befand sich in seinem Zimmer und Maruka war bei ihm. Mit leicht zittrigen Händen schob er die Decke ein Stück beiseite. Der Kopf drehte sich kurz in seine Richtung und Baltos sah zwischen den wirren Haaren ein offenes Auge. Dieses helle bernsteinfarbene Auge würde Baltos überall wieder erkennen, er wollte gerade den Blick abwenden, als er unfreiwillig noch mehr nackte Haut sah. Eine nackte Schulter hob sich ein Stück und legte einen schlanken Arm frei, der sich nach ihm ausstreckte und seinen Oberschenkel berührte, der sofort heftig zu kribbeln begann. Dabei rutschte die Decke noch ein Stück tiefer und die Ansätze eines festen Hügels wurden sichtbar. Schnell suchte er wieder Blickkontakt. Weil das was er da eben gerade gesehen hatte, für seine Sinne zu viel war.
„Entweder du kommst zurück ins Bett und wärmst mich, oder du verschwindest und lässt uns weiter träumen!“
Er erkannte das Lächeln auf ihrem Gesicht, das Lächeln, dass er schon einige Male aus der Ferne in seinen Erinnerungen gesehen hatte. Als Kind hatte sie ihn häufig so angehen und immer schnell ihren Blick abgewandt, doch heute lag noch etwas darin, was ihn irritierte. Eben hatte doch ihre Augen noch in diesem hellen Bernstein geschimmert und jetzt? Jetzt waren sie dunkelbraun. Die Frau neben ihm stand auf, ohne auch nur darauf zu achten, dass er vielleicht zu viel Haut sehen könnte und schlug ein Fell an der Wand beiseite. Kalte Luft wehte herein und ließ abermals seine Haut kribbeln. Als sie die nächsten Worte sprach knarrte eine Tür, oder war es ihre Stimme?
„Schau!“
Baltos reckte ein wenig den Kopf und statt den erwarteten, ewigen Schneefeldern um Mantron, sah er hinaus auf tote Erde. Der Horizont verging in einer Wand aus Feuer und irgendwo hörte man gewaltige Schwingen schlagen, wie sie langsam näher kamen. Da war nirgends Schnee, nicht eine Flocke ...

Baltos öffnete sein Auge, er befand sich immernoch in seinem Zimmer. Er richtete sich in seinem Bett auf und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Dabei rieb er sich kurz die Augen und lies seine Hände in Form eines Spitzdaches an der Nase verharren.
Nicht schon wieder!
Seine Beine kribbelten, als würden tausend Eisflöhe unter seiner Haut tanzen. Sein Kopf brummte ein wenig und wenn er sich an die Stirn fasste, so würde er dort eine Beule finden und bemerken, dass seine Finger wund waren. Als er aufsah, erblickte er Rukulla, wie sie auf sein Bett kletterte und es sich gemütlich machte.
„Die Erste ist geschafft.“
Sie wirkte müde, genauso müde wie Baltos sich fühlte. Eiswasser half auch an diesem Morgen, um die angespannten Nerven zu beruhigen. Etwas später beim Frühstück war Lena ruhiger als sonst, aber als er dann fragte, was er heute erledigen sollte, brach seine Mutter wieder mit Macht hervor. Munter erzählte sie, welche Freundinnen sie noch gern einladen würde, da ja sonst kaum jemand da war um seinen großen Tag zu feiern. Dann gab sie Baltos eine Liste mit Dingen die er besorgen sollte, die so lang war, das er damit den ganzen Tag beschäftigt sein würde. Bevor er sich auf machte alles zu erledigen, betrachtete er Fluchbrechers Griff eingehender. Eine feines geknüpftes Geflecht schmiegte sich nahtlos um den Stahl und in seine Hand. Es fühlte sich gut an. Stark und Kraftvoll.

Der Tag verging wie im Fluge. Schnell sprach sich herum, das er seinen Namen erhalten würde und man schenkte ihm immer wieder ein herzliches Lächeln. Der Stolz, der den Mantronern inne wohnte, galt nicht nur den eigenen Fähigkeiten, sondern auch den glorreichen Taten ihres ganzen Volkes. Jeder der sich darum verdient machte wurde geehrt und sein Name in die „Chronik der Tapferen“ aufgenommen. Genau das stand Baltos bevor. Vielleicht machte er sich schon Gedanken, was er vortragen würde, welche seiner Geschichten seinen Namen in sich tragen sollte? Und Elin Meersegen hatte gesagt, dass Ventha ein Auge auf ihn geworfen hatte. Den Segen der Göttin am Tag seiner Namensgebung zu erhalten, war für Baltos eine große Ehre. Die Vorfreude trieb ihn an und am Abend fiel er halb tot ins Bett.

Traumlos, oder zumindest konnte er sich nicht bewusst erinnern, erwachte Baltos am nächsten Tag. Rukulla hockte wie eine Krähe auf seinem unteren Bettpfosten und fiel erstaunlicher Weise nicht runter. Sicher hatte sie ihn beim Schlafen beobachtet. Ihrem Lächeln nach zu urteilen hatte sie vielleicht sogar irgendwie dafür gesorgt, dass er in tiefen ruhigen Schlaf gefallen war, aber sie hatten die kommende Nacht auch wieder viel vor. Der Tag verlief ähnlich wie der Vorherige. Baltos und seine Mutter bereiteten gemeinsam die Feierlichkeiten nach der Zeremonie vor und Lena grinste fröhlich vor sich hin. Auch für Nanuq fiel jede Menge Futter ab und gemütlich brummend teilte er Baltos mit seinen eigenen Worten mit, dass er sich das Leben so gefallen lassen könnte.
Die einfachen Tätigkeiten ließen die Zeit schnell vergehen und lenkte von all zu großer Grübelei ab.

Die Nacht der zweiten Rune – Teiwaz

„Das ist wie Balancieren auf einem Hochseil, Puh. Na ja, wer hoch wächst kann tief fallen, hihi.“
Das Laufen wurde langsam besser, nur mit der Tiefenwahrnehmung gab es noch immer Probleme. Es war halt nicht einfach eine feine Stickarbeit zu bewältigen, wenn man sich ständig die Nadel in den Finger jagte, anstatt in Baltos Rüstung. Na ja, waren ja seine Finger, nicht ihre. Das sie überhaupt ihre Fähigkeiten mal wieder voll entfalten konnte, war eine reine Wohltat. Dass sie dafür einen deutlich zu großen Körper in Besitz hatte nehmen müssen und sich darin fast verlaufen konnte, war ein kleines Übel. Baltos Gesicht war hoch konzentriert, als er zum x-ten Mal versuchte den Faden zurück in die Nadel zu fädeln. Als er aufblickte, sah er in das verwunderte Gesicht von Lena und erstarrte.
„Was machst du da?“
Gegenfrage, das könnte sie ablenken.
„Warum bist du wach?“
„Heißhunger. Willst du auch was?“
„Ja gerne.“

Solange ich sie beschäftigen kann, fällt ihr vielleicht nichts auf. Oh je, wie peinlich!
Lena machte schnell eine Kleinigkeit und setze sich dann zu Baltos. Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete sie die Stickerei.
„Das hast du nicht von mir gelernt.“
„Hm ...“

Mehr fragte sie zum Glück nicht. Nach ein paar Minuten gähnte Lena ausgiebig und meinte:
„Ich geht wieder ins Bett.“
Ihr fragender Blick, ob Baltos es ihr gleich tun würde, wurde nicht erwidert.

Das Erwachen

Baltos öffnete sein Auge, er befand sich in seinem Zimmer. Er richtete sich in seinem Bett auf und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Dabei rieb er sich kurz die Augen und lies seine Hände in Form eines Spitzdaches an der Nase verharren. Er schloss noch einmal die Augen und lauschte auf seinen Atem. Dann hielt er in an und hörte einen Zweiten leiseren. Vielleicht … ?
Vielleicht, wenn er heute mal nicht die Knochen knacken lassen würde … ?
Langsam drehte er den Kopf zur Seite, wo sich unter dem schwarzen Fell ein Körper wölbte. Maruka schlief tief noch. Die sanften Hügel ihres Körpers schmiegten sich an Täler voller Schatten und glänzten silbrig in den Spitzen. Wie dunkle Berge die der Schnee vergessen hatte … kein Schnee auf den Gipfeln.

„Na das ging doch schon besser. Wie geht es dir, Großer?“
Baltos Lieder wollten nicht so recht aufgehen, aber er zwang sich wach zu werden. Rukulla saß neben ihm an der Bettkante und ließ die Füße baumeln.
„Heute ist es soweit!“
Ihre müden Augen funkelten trotzdem voller Zufriedenheit und Vorfreude auf den heutigen Tag. Seine Rüstung lag bereit und von draußen konnte man schon leise Lenas fröhliches Summen hören.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Montag 24. Juni 2013, 14:49

„Müde aber ansonsten gut!“ Baltos musste sich erst einmal daran gewöhnen das jemand bei ihm war, wenn er aufwachte. Dies war auch der Grund warum er so kurz antwortete, irgendwie nervte ihn langsam die Alte.
Wie jeden morgen knete er mit den Fingern seinen Nasenrücken und ließ die letzten Tage Revue passieren. Dieser wiederkehrende Traum mit Maruka beschäftigte ihn dabei am meisten. Das Grundprinzip blieb immer gleich nur änderten sich kleine Details in im. Waren diese Veränderungen vielleicht ein Hinweis wo er sie suchen sollte? Der Mantroner wusste es nicht, aber eine Bedeutung hatte dieser immer wiederkehrende Traum. Da war sich ganz sicher!
Als Rukulla ihn freudig erinnerte das heute sein großer Tag gekommen war, hörte Baltos auf zu Grübeln. Es war schon amüsant dass die kleine Frau so Aufgeregt war. Wahrscheinlich sogar noch mehr als Baltos!

Wie üblich tunkte Baltos seinen Kopf ins Wasser um erst mal wieder ins Hier und Jetzt zurück zu finden. Das Eiskalte Nass stach in seine Haut und weckte dabei seine Lebensgeister. Der weiße Nebel vor seinen Auge verschwand und die bleierne Schwere ins seinen Gelenken wurde dadurch auch vertrieben. Er fühlte sich zwar nicht Topfit, aber es gab schon schlimmere Tage.
„Es wäre nett wenn du kurz verschwinden würdest!“ Kaum hatte er dies gesagt fühlte die Alte sich gleich persönlich angegriffen und zeterte los, dass er undankbar sei, die Jugend von Heute keinen Respekt mehr hatte, was er sich einbildete und so weiter.
Baltos der wie bekannt eigentlich die Nacht nicht geschlafen hatte packte die Geisteroma am Kragen (ja sie ließ greifen) und schleuderte sie gegen die Wand.
Rukulla verpuffte augenblicklich beim Kontakt mir der Zeltplane, schon fast wie eine Wolke. Wahrscheinlich schlug sie auf der anderen Seite außerhalb des Hauses im Schnee auf und hinterließ einen Abdruck.

Endlich hatte er mal ruhe von ihr. Mit einen Seufzer der Erleichterung begann sich Baltos zu waschen und seine Notdurft zu verrichten. Danach ging es ans anziehen und kaum hatte er seine neue Rüstung angezogen erschien auch Rukulla wieder.
Der junge Mantroner sah es auch gar nicht ein sich bei der Geisteroma für sein Rüpelhaftes Verhalten zu entschuldigen. Schließlich war sie eine richtige Nervensäge, zwar ein nützliche aber trotzdem eine Nervensäge.
Es war aber auch nicht nötig, da sie wieder über irgendwas anderes Schwafelte.

Frisch gewaschen und fertig angezogen verließ Baltos sein Zimmer und betrat die Küche. Seine Mutter war dem Anschein nach schon einige Zeit wach und hatte ein wahres Festmahl vorbereitet. Es gab Robenbrühe, Walröllchen und viele verschiedene Fischvariationen. Baltos lief bei diesem Anblick schon förmlich das Wasser im Munde zusammen. Eilig nahm er platz und wartete darauf das sich seine Mutter zu ihn setzte. Während dieser Zeit drifteten seine Gedanken an die heutige Zeremonie.
Endlich war es soweit, er konnte es eigentlich immer noch nicht fassen. Der Tag auf den er und Haros seit ihrer Kindheit gewartet hatten, würde nun endlich kommen. Nur konnte sein bester Freund dieses langersehnte Ereignis nicht miterleben.
Das ist unser Tag mein Freund! Sein Kindheitsfreund war schon einige Jahre Tot doch für Baltos würde er immer in seinen Gedanken weiterleben.
Schon lange war die Zeit vorbei das Baltos sich gewünscht hätte das er in die eisigen Fluten gefallen wäre, anstatt Haros. Denn die Schuld für diesen Unfall lag nicht bei ihm.
Wenn man nicht jeden Tag auf alles gefasst war konnte das Leben in Mantron schnell vorbei sein und das hatte der junge Jäger, an diesen Tag, hart beigebracht bekommen.

Seine Mutter hatte wohl mitbekommen wie sich das Gesicht ihres Sohnes verfinstert als sie ihn mit einer innigen Umarmung aus dem Sumpf seiner Erinnerung zog.
Jetzt kam Baltos wieder zurück in die Gegenwart und zurück zum Ursprung seiner anfänglichen Gedanken. Heute würde er seinen Namensanhang bekommen. Wie dieser wohl lauten würde?
Denn die Geschichte seiner Taten hatte einen Großteil mit seinen neuen Namen zu tun. Doch Baltos schätzte sein Glück auf einen Respekteinflößenden Namenanhang ziemlich hoch ein. Schließlich hatten nicht viele einen angriff gegen eine Eisbestie überlebt oder sie sogar besiegt. Vor allen die Größe dieses Monstrum war mit nichts zu vergleichen was anderer Mantroner berichtet hatten.
Genau wie seine Geschichte als er sich zusammen mit Kjartan und 11 anderen Krieger auf den Weg gemacht hatte um gegen eine Seeschlange zu bekämpfen und das auch noch in ihren heimischen Umgebung!
Sie hatten das Wesen zwar nicht besiegen können doch hatten sie einige Leben an diesen Tag gerettet.
In den letzten Wochen hatte er wirklich eine Menge erlebt und wieder einmal stellte er sich die Frage wie wohl seiner neuer Name lauten würde.

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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. Juni 2013, 18:37

„Es wäre nett wenn du kurz verschwinden würdest!“
„ALSOOO Jungchen! Nun mal langsam mit den kleinen Fohlen! So redet man doch nicht mit einer Dame! Warts mal ab, wenn du mal in mein Alter gekommen bist! Ein bisschen mehr Respekt in der Stimme würde wirklich nicht schaden, Großer! Ich sollte dir eine Rune für gutes Benehmen ...“
Rukulla kam gar nicht dazu auszusprechen. Baltos der wie bekannt, die Nacht quasi nicht geschlafen hatte, packte die Geisteroma am Kragen und schleuderte sie gegen die Wand.
Sie verpuffte augenblicklich beim Kontakt mir der Zeltplane wie eine Wolke. Außerhalb der Zeltwand formierte sich ein zarter Nebel und schlich sich langsam wieder zur durch die Ritzen der Fördertür herein. Der leichte Bodennebel war im Halbdunkel der Zelthütte kaum zu sehen, weshalb er auch Lena nicht auffiel, die schon seit den frühsten Morgenstunden am Herd werkelte. Vielleicht hätte sie nicht mal einen Wirbelsturm bemerkt, so beschäftigt war sie. Baltos nutzte die kurze Zeit des Alleinseins um sich zu waschen und seine Notdurft zu verrichten. Danach ging es ans anziehen und kaum hatte er seine neue Rüstung angezogen materialisierte die Oma auch schon wieder. Ohne auf den Vorfall einzugehen, wahrscheinlich hatte sie ihn eh längst vergessen, plapperte sie weiter, sodass Baltos vielleicht mit dem Gedanken spielte, eine neue Disziplin bei den Tapferkeitsspielen einzuführen: *Geisteroma-Weitwurf* klang gut.
„Hallo mein Großer! Bist du schon aufgeregt? Hast du dir schon einen guten Text ausgedacht? Was willst du erzählen? Ach, ich finde das alles schrecklich spannend! Und wenn meine Antennen mich nicht verlassen haben, sollte das ein wirklich besonderer Tag für dich werden, hi hi. Ups, ich sollte nicht zu viel verraten. Ach, hör einfach auf dein Herz. Es ist groß und stark und matschig. Auf jeden Fall größer als meins. Ist schon erstaunlich ... wie viel Platz du da drinnen hast!“
Dabei tippte sie gegen Baltos Rüstung.
„Ich muss mich heute um was anderes kümmern, aber werd an dich denken. Ach ja und grüß schön … falls ich nicht rechtzeitig wieder da bin.“
Wen Baltos grüßen sollte, erwähnte sie nicht. Auch nicht was sie zu tun hatte, aber vielleicht war es sogar besser sich nicht zu sehr mit der Alten zu beschäftigen. Sie war verrückt, nett aber verrückt. Sie nahm kurz seine Hand und drückte sie. Ihre Haut fühlte sich erstaunlich warm an. Ihr runzliges Gesicht zog sich in die Breite und sie schenkte ihm ein warmes Lächeln. Schon vor ihrem Tod musste sie unendlich alt geworden sein, aber wie lange sie wohl schon die Welt als Geist unsicher machte, wollte sich Baltos gar nicht vorstellen. Während seine Gedanken zurück zu dem unterirdischen Tempel huschten, in dem er ihre sterblichen Überreste als kleinen, versteinerten Sandhaufen gesehen hatte, löste sich ihr Antlitz vor ihm auf. Wie lange wohl die verfluchte Eisbestie dort unten das Beinsternsiegel bewacht hatte? Dieses Monster war durch die Magie gewaltig geworden und selbst Berichte von vorherigen Begegnungen anderer Jäger verblassten vor dem riesigen Schädel den Baltos mitgebracht hatte. Selbst sein Blut hatte nicht mehr die Farbe der untergehenden Sonne, sondern war durch den Fluch in ein krankes Blau verändert worden. Die Höhle unter dem vergessenen Friedhof war nun gereinigt und „Fluchbrecher“ war befreit. Durch Baltos Hand hatte die Axt ihr Werk, das sie vor vielen Jahren begonnen hatte, beendet. Jetzt stand der Tempel offen und Rukullas „Sand“ zwar noch unberührt … aber zugänglich. Hoffentlich machte niemand von den Trauernden, die kommen würden, dort unten sauber! Elin Meersegen würde sicher als erste den Tempel betreten wollen und wenn es etwas gab, das dort zu tun wäre, dann war sie die richtige Person dafür. Ob die Alte sich überhaupt bewusst war, dass sie tot war? Was würde passieren, wenn man ihre Überreste begrub?Lenas Stimme riss ihn aus seinen Grübeleien.
„Frühstück, mein Held!“
Ihr Lachen klang wie Musik und erinnerte ihn an die Hochstimmung, die unterschwellig in seinem Magen sich sammelte. Als er aus seinem Zimmer trat strahlte seine Mutter mit der Sonne um die Wette. Der Stolz stand ihr offen ins Gesicht geschrieben und als sie ihn versonnen musterte, stahlt sich eine Träne in ihren Augenwinkel. Auf dem Tisch stand zur Feier des Tages sogar frisch gebackenes Brot, dass den ganzen Raum mit seinem Duft verzauberte. Mehl war selten und kostspielig in dieser Gegend. Unwillkürlich sammelte sich Speichel in Baltos Mund, der ihn schlucken ließ.
„Iss etwas.“
Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange und ging dann zurück zu ihrem Herd, wo zauberhafte Düfte sich aus brodelnden Töpfen erhoben. Lena verwöhnte ihren Jungen nach Strich und Faden, aber heute würde sie wohl jedes Wiederwort mit nur einem Satz beiseite fegen. Es war sein großer Tag!
„Lass uns noch mal alles durch gehen. Zum Höchststand der Sonne sollen sich alle Zeugen vor Thures Haus versammeln. Ach ja, Norna ist zwar wieder da, aber sie kann nicht kommen. Sie hat Gäste von außerhalb. Mit den ganzen Wölfen zwischen dem Essen wäre mir das auch gar nicht so recht gewesen. Sie ist wunderbar auf ihre Weise, aber ich könnte mich nicht recht entspannen, ja. … Wie geht es dann weiter? Ja! Dann werden wir den Ahnen gedenken, Ventha danken und es wird im großen Buch gelesen. Danach musst du deine Geschichte erzählen. Du musst dir noch ein Opfer für die Göttin suchen. Wenn sie es annimmt, ach wäre das schön, wird Elin dich zu den Steinen unserer Ahnen bringen. Ach wenn nicht ist auch nicht schlimm. Dann kommen wir eher zum Feiern. Dein Name wird verlesen und in die „CHRONIKEN DER TAPFEREN“ aufgenommen. Ich bin soooo STOLZ auf dich!“
Lena lachte und zwinkerte ihrem Sohn zu. So fröhlich hatte er sie lange nicht mehr erlebt! Egal wie der Tag verlaufen würde, ihr Lächeln war in Stein gemeißelt. Sie strahlte über beide Ohren und ihre rosigen Wangen verrieten ihre Aufregung. Leise summend rührte sie in einem Topf. Dann sah sie noch einmal über ihr Schulter zu ihm und scheuchte ihn mit der Hand hinaus:
„Los, los! Nicht das du zu deinem großen Tag zu spät kommst!“
Baltos musste sich etwas einfallen lassen, was Ventha gefallen könnte. Er brauchte ein Opfer. Kaum war er aus dem Haus getreten, hörte er ein Brummen und Nanuq hob neugierig den Kopf. Der Bär lag neben der Eingangstür und hatte sich die ganze Zeit nicht von der Stelle bewegt. Sicher würde auch ihm etwas Bewegung gut tun.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Mittwoch 3. Juli 2013, 13:00

Der Mantroner ging in Gedanken versunken zu Nanuq der sich aus seiner liegenden Position erhoben hatte als er Baltos sah. Immer noch grübelnd, streichelte er das linke Ohr des Eisbären. Dieser schloss genießerisch die Ohren und genoss die Streicheleinheiten.
Schon seltsam das einen so gefährlicher Jäger der Eistundra Streicheleinheiten gefielen, aber warum auch nicht! Jeder mochte es ja verwöhnt zu werden, warum dann also auch nicht ein Eisbär.

Was für ein Opfer für Ventha wohl angemessen war? Dieser Gedanken kreiste die ganze Zeit in Baltos Kopf herum. Was war angemessen, was nicht? Zu dieser Problematik gesellte sich noch der akute Zeitmangel für diese Aufgabe. Bis zur Mittagszeit musste er etwas Gescheites gefunden haben.
Auf einmal hatte er einen Geistesblitz. „Nanuq mir nach! Wir gehen zum Hafen.“
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 11. Juli 2013, 18:26

Baltos kommt von: Bei Thure Sturmrufer

Vom vielen gedrückt werden, auf die Schulter geklopft bekommen und Händeschütteln hatte Baltos einen leichten Triesel im Kopf und fühlte sich benommen. In dem ganzen hin und her, dem Gewusel der Hände und Gesichter hatte ihm auch irgendjemand einen Kuss aufgedrückt. Er war sich fast sicher, dass dies aber nicht seine Mutter gewesen war.
Kaum hatten sie das Langhaus des mantronischen Anführers verlassen. Strömte auch schon die Gesellschaft in Feierstimmung seinem Heim entgegen. Erste Lieder wurden anstimmt und die angenehm tiefen Bässe der alten Seebären paarten sich mit den hohen Stimmen der Mädchen. Schon der Weg bis zu ihrer Hütte war von Heiterkeit und Frohsinn erfüllt, was sich noch steigerte, kaum das sie die Wärme und den Duft seines Heims erreichten. Nanuq war friedlich hinter dem Tross hergelaufen und hatte sich wieder auf seinen Platz gelegt. Einzig ein gebrummtes:
„Heb mir was zu Fressen auf.“
hatte der Bär beigetragen, denn ihm war das alles nicht so wichtig. Baltos und seine Gäste wurden sogleich mit einem köstlichen Gelage empfangen und einer der Seeleute stach auch sofort ein nicht gerade kleines Fässchen Rum an, das sie einem Piratenschiff abgejagt hatten. Es begann ein herrliches Fest. Jeder erzählte seine Geschichten, seine Abenteuer, die Geschichten und Abenteuer anderer die nicht da waren, man lachte, aß, trank und feierte. Ornos Töchter rückten näher und im Laufe des fortschreitenden Abends wurden sie hübscher und redseliger. Auch Baltos trank und spürte die enthemmende Wirkung des Rums seine Beine und Zunge zu den Liedern lösen. Später gesellte sich auch noch Jennas Schwester Susa aus der Taverne hinzu und brachte noch zwei Gäste mit, die Musik erklingen ließen. Der eine hatte eine mit Leder bespannte Trommel, der andere eine bauchige Laute mit bunten Bändern am Griff. Sofort stimmten einige mit in die fröhlichen Texte mit ein, die mit der Zeit immer lauter und wilder wurden. Man merkte deutlich, dass die älteren Herren sich köstlich amüsierten und die jungen Frauen Mantrons dem aber in nichts nachstanden. Susa tanzte auf dem Tisch und ihr Rock schwang lustig im Takt der Musik. Irgendwann merkte Baltos, dass Jenna ihn schmunzelnd von der Seite her beobachtete.

Hintergrundmusik - (Wein, Weib und Gesang)

Ihre Wangen waren gerötet und ihre Augen glänzten, als sie sich im Stimmengewirr zu ihm hinüber setze und sich zu ihm beugte. Ihr Atem war warm an seinem Ohr und roch mehr nach Met als nach Rum. Er wusste, sie war in den 20igern, etwas jünger als ihre Schwester.
„Baltos Bestientod! Wenn du möchtest, könnten wir nach nebenan gehen und deinen Namenstag auf eine süßere Weise als diese feiern.“
Sie sah ihn durchdringend an und lehnte sich an seine Schulter, wobei ihre Hand, die er erst gar nicht bemerkt hatte, etwas fester seinen Oberschenkel griff. Ihr Mieder saß lose um ihre Rundungen und ließ tief einblicken. Verschmitzt biss sie sich auf die Unterlippe und hoffte wohl Baltos würde die deutlichen Zeichen verstehen. Ihre Beine rieben unter ihren Röcken aneinander und die freie Hand hinter seinem Rücken spielte mit seinem Haar. In all dem Lachen und Singen hatte sonst niemand ihr Angebot gehört.
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Re: Baltos’ Elternhaus

Beitrag von Baltos » Freitag 12. Juli 2013, 15:02

Jetzt war der große Zeitpunkt der Opfergabe gekommen. Baltos letztes verbliebenes Auge weitete sich durch die Anspannung erheblich. Er behielt die Perle genau im Blick und betrachtete aufmerksam, wie sie auf den Grund der Schale sank.
Sein Auge begann schon langsam zu tränen als er so die Perle, wie eine Jagdbeute, anstarrte und dann passierte das Unglaubliche!
Das Herz des Mantroners setzte fast aus, als sich auf einmal das Wasser im inneren der Schale bläulich verfärbte. Man konnte nicht in Worte fassen, wie sich der junge Mann gerade fühlte. Seine Hände begannen leicht zu zittern und er spürte, wie die Beine weich wurden. Erst als er seine Hände zu Fäusten ballte, kam wieder ruhe in seinen Körper.
Genau in den Moment, wo er wieder Herr über seinen Körper wurde, spürte er eine Präsenz neben sich. Fast so als hätte ihn jemand die Hand auf die Schulter gelegt. Doch da war nichts, dann aber sah er etwas was er noch seinen Kindern erzählen würde.
Um die versammelten Menschen standen die Ahnen der Mantroner!
Augenblicklich bekam er eine Gänsehaut, dass prickelnde Gefühl breitete sich über die Arme auf den Nacken aus. Wie eine Spinne die langsam über den Körper lief.

Zwischen all diesen Geistern erblickte er ein Gesicht, das er unter Tausenden erkannt hätte. Ihn blieb die Luft weg als Haros ihn auf seine übliche weise anlächelte. Baltos hatte so gut wie nie in seinen Leben geweint, aber dieser Anblick seines Freundes, der ihn aus dem Jenseits ansah, rührte ihn dann doch zu tränen.
Der Jäger blinzelte kurz um die Feuchtigkeit zu vertreiben, und als er wieder zu den Ahnen sah, waren sie weg.
Er konnte immer noch nicht glauben, was er gerade gesehen hatte, die Ahnen standen hinter ihn. Ein schöneres Kompliment gab es für einen Mantroner nicht!
Doch er konnte nicht mehr weiter darüber nachdenken, denn die Zeremonie neigte sich dem Ende.
Wie gebannt starrte er auf das Wasser in der Schale und sah die Bilder seiner Vergangenheit, auf der sich bewegenden Flüssigkeit. Das letzte Szenario was er sah war der Tod der Eisbestie und Baltos konnte sich noch bildlich an dieses Erlebnis erinnern.
Der Jäger hatte damals selbst nicht daran geglaubt, dass er die Bestie besiegt hatte und das Maul des Monsters, dass eine Fratze im Sterben noch gezogen hatte ebenfalls nicht.
Kurz erschien sein neuer Name und Baltos dankte Ventha innerlich noch einmal für Ihren Segen.
Dies war ein Name, auf den man wirklich Stolz sein konnte und der gut für Geschichten am Lagerfeuer geeignet war. Vielleicht konnte er mit diesem Namensanhang ebenfalls solch eine Legende werden wie Thure Sturmschreier?!

Elin trug seinen neuen Namen feierlich in das Buch der Mantroner ein und verkündete ihn laut an die Anwesenden. Der Blick seiner Mutter, die ihn voller Stolz und Achtung anblickte genau wie die versammelten Freunde, würde er niemals wieder vergessen. Wahrscheinlich grinste er gerade von einem Ohr zum anderen.

An den Rest konnte er sich kaum noch erinnern. Er blickte quasi über seine eigene Schulter und sah zu, wie sein Körper die Gratulationen entgegennahm und dann mit den Freunden der Familie nach Hause ging.
Irgendwann kam er wieder zu sich und befand sich auf einen Hocker in seinen Heim und trank einen kräftigen Schluck Rum. Der wievielte Krug es schon war konnte er nicht sagen. Es waren aber sicherlich schon einige Becher, die er gelehrt hatte. Vielleicht verhielt es sich ja genauso wie mit den Essen bei Rukulla. Bei den Gedanken musste Baltos schmunzeln, dass irgendwo in Celcia gerade eine besoffene Geisteroma durch die Gegend zog.
Doch wie es immer mit schönen und lustigen Momenten so ist, gehen sie viel zu schnell vorbei.
Jenna setzte sich deutlich betrunken neben ihn und flüsterte ihn etwas ins Ohr. Der Jäger konnte gar nicht so schnell reagieren da hatte sich die junge Frau an ihn gelehnt und drückte Ihre eine Hand auf seinen Oberschenkel, deutlich in der nähe seines Schritts. Ihre andere Hand spielte mit Baltos Zopf.
Der junge Mantroner war ja dafür bei den Frauen der Stadt bekannt, nicht gleich zu verstehen, was sie wollten, aber dieses Angebot war mehr als offensichtlich. Er blickte in die glasigen Augen von Jenna und spürte ihren heißen nach Alkohol riechenden Atem auf der Haut. Sollten wir? Warum eigentlich nicht! Sie ist aber betrunken! Nein das geht nicht! Außerdem hat sie sich doch früher auch nicht für mich interessiert! Wer weiß ob ich jemals...? Nein nicht so? Sie bedeutet mir nichts!
MARUKA!!!!
Baltos drehte sich um und suchte den Verursacher dieses Ausrufes. Er hatte dabei fast die willige Frau zu Boden geschleudert, die sich an ihn schmiegte.
Nein alles normal. Woher kam diese Stimme?? Der junge Jäger suchte angestrengt mit dem Auge die feiernden Gäste ab. Doch er fand niemanden zu dem diese Stimme gepasst haben könnte. Drehte er jetzt langsam durch? War diese seltsame Stimme in seinen Gedanken vielleicht eine Nebenwirkung von der Körperübernahme durch Rukulla? Vielleicht, er wusste es nicht!
„Der Alkohol spricht aus dir, nicht du!“ Der neue Herzensbrecher Baltos erhob sich und ging nach draußen zu Nanuq. Auf seinen Weg drehte er sich nicht noch einmal nach Jenna um. Beim Gehen nahm er noch zwei Hirschkeulen mit, die verweist auf einen Teller lagen.

Als er durch die Tür des Hauses das Freie betrat, begrüßte ihn freundlich der kalte Wind des Eisreiches. Es war eine angenehme Briese, die einen wieder zur Besinnung brachte.
Zielstrebig ging er auf Nanuq zu und hielt kurz vor ihn an. Baltos gab Nanuq die größere Keule und lehnte sich dann gegen die Flanke des mächtigen Eisbären. Das Fell seines Begleiters war unglaublich weich und lulte einen so richtig ein.
Er spürte wie die Körperwärme von Nanuq auf seinen Rücken überging und ihn leicht wärmte. Bequemer hatte er noch nie gesessen. Der Jägersmann streckte die Beine aus und drückte sich noch etwas mehr in die Flanke seines neuen Freundes.
Während Baltos und der Bär ihre Keulen verspeisten hing jeder seinen Gedanken nach.
Was wohl Nanuq gerade dachte? Überlegte der Mantroner, während er gerade ein Stück Fleisch von der Keule löste. Wahrscheinlich nur ans Fressen. Er musste schmunzeln, bei diesen Gedanken. Ein Eisbär müsste man sein!
Baltos legte den Kopf in den Nacken und betrachtete die Sterne am Firmament und genoss einfach den Anblick. Vom Zauber der Sterne gefesselt schickte er seine Seele auf die Reise.

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