In der Schenke

Dem schlafenden Eisdrachen hat diese Taverne ihren Namen gewidmet. Hier gibt es heiße Getränke und eine köstliche Mahlzeit für jeden. Die Bürger treffen sich gerne zu einem gemütlichen Plausch in diesem Gasthaus.
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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Dienstag 17. Juni 2008, 03:18

Obwohl Martej die weiße Pracht so sehr hasste, so konnte er doch vorerst nicht vor ihr fliehen.
Dick eingepackt in die ach so verhasste weiße Winterkleidung, machte er sich auf den Weg in die Schenke. Diese besagte Schenke war wohl mitunter der geselligste Platz in Estria, was wohl auch daran lag, dass es hier massig Alkohol geben konnte, so wie eine warme und recht saubere Stube, sowie reichlich warmes und leckeres Essen. Ein Vorteil war unübertroffen, man musste selber nichts dafür tun, außer die Rechnung zu zahlen. Was Martej wohl am Meisten an diesem Ort liebte, war die Tatsache, dass es hier nach Abenteuer roch. Es verirrten sich zwar nicht viele aus dem Rest Celcias hier her, dafür waren die Einwohner von Estria recht „gierig“ darauf, ihre Einöde zu verlassen und die Gegensätze kennen zu lernen. Aber das traf nicht nur alleine auf Estria zu, jeder denkt wohl mal, dass es überall schöner wäre, als Daheim. Hier konnte er immerhin den Elfen oder auch mal Menschen lauschen, die viel über die Welt da draußen zu berichten hatten, ob von der Hitze in Sarma, der Schwüle im Dschungel oder den Stürmen auf dem Meer. Früher hatte Martej jedes Wort für bare Münze gehalten und war immer ganz aufgeregt zu seinem Großvater gelaufen, um ihn ebenfalls zu frage, ob dieser so etwas auch erlebt hatte. Sein Großvater war dann jedes Mal gut am Lachen gewesen und hatte seinen Enkel immer daraufhin gewiesen nicht alles zu glauben, was die Abenteurer erzählten. Letztere neigten immer gerne dazu, zu übertreiben und so wurde aus einer handvoll Banditen am Wegesrand schnell mal eine ganze Armee übelster Schurken. Aber auch das schürte nur den Willen in Martej, selber auf Abenteuer auszuziehen.
Nur den Geschichten über seine eigene Heimat hatte er nie richtig zuhören wollen, was zumindest sein Großvater bedauerte, auch wenn er dies den jungen Elfen nicht zeigte. – Suche zuerst vor deiner eigenen Tür nach Wissen und Antworten und dann vor den Anderen – Dies war ein Grundsatz nach dem sein Großvater stets vorwärts strebte aber, eine Wand brachte man immerhin nicht mit Tadel zu Einsturz und so hoffte er immer darauf, dass sich sein Enkel irgendwann einmal ändern würde, Martej hätte ja genug Zeit dazu.
Die Schenke war natürlich noch recht leer zu dieser Stunde und so blieb dem Jungen nichts anderes übrig, als zu warten. Er hatte den Wirt nach Aufträgen gefragt, obwohl ihm selber schon klar war, dass noch keine da waren.
<span style="color:D4F8FD;">„Martej, nach dem du dir vor zwei Tagen die letzten Aufträge mitgenommen hast, sind noch keine neuen hier angeschlagen worden. Nicht jeder hat jeden Tag irgendeinen Botengang für dich,“</span> gab der Wirt lachend zurück. Ein gemütlicher Mann, der die meisten Ereignisse als gegeben hinnahm und selten durch etwas aus der Bahn zu werfen war.
<span style="color:D4F8FD;">„Außerdem, könnte man fast meinen, du rennst wieder einmal vor irgendetwas davon … aber das musst du wissen. Lass dir nur eines gesagt sein, die Flucht anzutreten, ist nur im Kampf eine gute Wahl. Kämpfe anderer Art sollten man austragen, sonst holen sie einen eines Tages ein.“</span>
Der Wirt wusste aber sehr wohl, was Martej von Ratschlägen hielt, ganz gleich welcher Natur sie waren, deswegen wechselte er auch schnell wieder mit einem Augenzwinkern das Thema.
<span style="color:D4F8FD;">„Wie sieht es aus mit einem guten Frühstück? Du hast doch garantiert wieder vollkommen überstürzt dein Elternhaus verlassen. Was hättest du denn gerne?“</span>
Während Martej mit der Wahl seines Essens beschäftigt war, macht der Wirt sich daran, die letzten Kleinigkeiten erledigt zu wissen, bevor weitere Kunden kamen. Immerhin wollte er voll für seine Gäste da sein und fast nichts hasste er so sehr wie Unhöfflichkeit. Sein Zeitplan war aber perfekt wie immer und nach dem er die ersten Kunden ordentlich bedient hatte, wandte er sich wieder Martej zu, da ihm doch noch etwas einfiel, was den jungen Elfen vielleicht auf andere Gedanken brachte.
<span style="color:D4F8FD;">„ Auch wenn heute keine Aufträge herein kommen sollten, so hast du vielleicht doch noch etwas hier zu tun und fühlst dich nicht genötigt, deinen durchaus dummen Gedanken nachzuhängen.“</span> Herausfordern sah der Mann den Elfen an, ob dieser wieder aufbrausend reagieren würde, fuhr dann aber lächelnd und fast schon beiläufig erzählend fort.
<span style="color:D4F8FD;">„ Gestern traf hier eine Abenteuergruppe ein, falls es dich interessiert …
keine aus den hiesigen Landen übrigens … wie ich mitbekommen habe, sollen sie zum Teil aus dem Süden Celcias stammen. Sie sind hier und werden wohl im Laufe des Tages herunter kommen. vielleicht ergibt sich ja dann etwas für dich. … Nun, was willst du zu essen?“</span>
Zuletzt geändert von Erzähler am Dienstag 17. Juni 2008, 03:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. Juni 2008, 17:07

Der Wirt schüttelte leicht amüsiert den Kopf, als Martej stürmisch wie üblich auf seine Fragen antwortete. Martej rechtfertigte sich, dementierte und redete sich zumindest gerne in Rage, sobald man ihm etwas „vorwarf“. Aber so war der junge Elf nun mal, wenn er es nicht gerade liebte, sich an seiner mürrischen Laune festzuklammern, um ja niemanden an sich heran zu lassen.
<span style="color:D4F8FD;">„So sind Eltern nun mal und glaube mir, alle Eltern sind so, auch wenn du dir wahrscheinlich einreden magst, dass ausgerechnet deine Eltern die Schlimmsten sind.</span>
Nun lachte der Wirt wirklich laut auf, eher er weiter versuchte, Martejs Laune aufzuheitern.
<span style="color:D4F8FD;">„Außerdem wollen alle Eltern nur das Beste … du kannst deine Mutter ja mal fragen. Außerdem müssen Standpauken manchmal sein, wenn du nicht wenigstens ein bisschen auf deine Eltern hörst, dann wirst du bald fühlen müssen, so ist das immer.</span>
Wenn eines die vollkommene Aufmerksamkeit des jungen Elfen erregen würde, dann das Thema Abenteuer mit fast allen Facetten. Dann wirkte Martej wieder wie ein kleiner Junge. Der Wirt kannte ihn schon von klein auf und auch dessen Großvater. Die Beiden waren früher regelmäßig hier gewesen und der kleine Martej lauschte immer andächtig mit großen und leuchtenden Augen seinem Großvater und genau so leuchteten seine Augen jetzt auch wieder und er brach fast in einen Redeschwall aus.
<i> <span style="color:D4F8FD;"> "Du sagtest eine Abenteuergruppe? Meinst du, die kommen bald runter? Es sind doch Männer, oder? Ob sie schon viel erlebt haben? Ich freue mich schon darauf auch endlich die Welt sehen zu können... auch, wenn das wohl wegen des Geldes noch ein wenig auf sich warten lassen muss. Ich will schließlich nicht ohne die richtige Ausrüstung losziehen."</span></i>
<span style="color:D4F8FD;">Immer mit der Ruhe Martej…“</span>, lachte der Wirt abermals auf,
<span style="color:D4F8FD;"> wie gesagt, sie sind gestern erst angekommen und waren dementsprechend geschafft. Ein Leben als Abenteurer ist kein Zuckerschlecken und wenn man es dann noch mit widrigen Wetterumständen, wie hier bei uns zu tun bekommt, dann zehrt das ganz schön an den Kräften.</span>
Eigentlich hatte er nicht vorgehabt Martejs Laune zu verschlechtern, aber der junge Elf konnte manchmal kleine Dämpfer gut vertragen.
<span style="color:D4F8FD;">Ob die Gruppe aus Männern besteht, willst du wissen? … Oh ja, allesamt kampferprobt und äußerst erfahren … besonders im Umgang mit Jungspunden wie dich.</span>
Ersteres teilte er Martej mit einem Grinsen mit, der junge Elf würde sich noch wundern, was es außerhalb seiner Heimat so alles gab und insgeheim hoffte der Wirt darauf, dass diese neue und unbekannte Welt dort draußen, Martej zum Guten verändern würde.
<span style="color:D4F8FD;"> Weißt du, wenn du nicht immer nur Botengänge erledigen würdest, sondern dir auch noch eine normale Arbeit zulegen würdest, so würdest du schneller und vor allem zu wesentlich mehr Gold kommen und dir damit auch schneller deine ersehnte Ausrüstung kaufen können. Aber wenn du nur deinen Tagträumen nachhängst, wirst du wohl nicht großartig arbeiten können … aber was soll’s, sei es drum. Ich hole dir jetzt erstmal dein Essen.</span>
Gesagt, getan … eigentlich ging er nur zu Tür, die in die Küche führte und gab „die Bestellung“ an seine Frau weiter.
In der Zwischenzeit zogen sich die Minuten hin und Martej musste mal wieder feststellen, dass nichts tun die Zeit auch nicht schneller vergehen ließ. Die Schenke füllte sich langsam so nach und nach mit mehr Wesen, die meisten waren Elfen, die sich hier trafen, um eine schöne Zeit zu haben. Schnell flirrte die Luft voller melodischer Stimmen und Lachen, ab und zu unterbrochen von ernsteren Gesprächen. Der Wirt hatte sich nun wieder seinen Aufgaben gewidmet, denn die Gäste sollten schon an seinem Tresen bewirtet werden, auch wenn er dabei Martej und die Treppe zu den oberen Schlafgemächern abwechselnd im Auge behielt. Da es aber noch sehr früher Vormittag war, rechnete der Wirt noch all zu sehr damit, dass jetzt schon einer der Abenteurer herunter kommen würde. So müsste Martej sich noch gedulden und den anderen Gästen lauschen.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Dienstag 1. Juli 2008, 17:13

Wieder einmal gab es etwas, was Martej theoretisch schneller an ein Abenteuer heranbrachte. Aber er war nicht der Elf für langwierige Arbeiten, die man doch schon regelmäßig und mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben musste. So unstet wie er selber war, so spiegelte sich diese Eigenschaft auch gerne in den Dingen wieder, die er so üblicherweise zu tun pflegte. Der Wirt musste laut auflachen wie Martej mit dem typischen Ausspruch kam, den alle Kinder so gerne von sich gaben.
<span style="color:D4F8FD;"> <i> "Das sagst du doch nur, weil du selber Vater bist.„</i></span>
Er trocknete die restlichen Gläser ab und schlenderte dann wieder zu Martej. Die bisherigen Gäste waren alle gut versorgt und sahen sehr zufrieden aus. Der Morgen war erst ein wenig fortgeschritten und viele waren noch nicht auf den Beinen. Es versprach zwar draußen, ein schöner Tag zu werden, aber die Winden waren um diese Zeit dennoch eisig.
<span style="color:D4F8FD;">Mein Vorschlag, dass du eine regelmäßige Arbeit annehmen sollst, rührt nicht daher, dass ich selber Vater bin. Ich wollte dich lediglich noch einmal darauf hinweisen, dass du dadurch zu mehr Gold kommen würdest. Aber das ist deine Sache, du wirst schon selber wissen, welcher Weg für dich der Richtige ist.</span>
Er wusste nur zu gut, dass es nichts brachte, auf Kinder einzureden und andauernd Vorhaltungen zu machen. Seine eigenen Kinder hatten ihm dies zu deutlich gezeigt, so blieb einem als Elternteil nur der gut gemeinte Ratschlag und beim Scheitern des Kindes, eben jenem zur Seite zu stehen.
<span style="color:D4F8FD;">Ich glaube, ich bin ein wenig toleranter als dein Vater, aber ich werde ihm da nicht reinreden. Wenn das seine Art der Erziehung ist, dann ist dem so. Ich persönlich bin der Meinung, dass du mit deinen Haaren machen kannst, was du willst. Wenn es dämlich aussieht, musst du damit herum laufen und wenn du meinst die eine Glatze scheren lassen zu müssen, würdest du früher oder später merken, dass das eine ganz dumme Idee war.</span>
Grinsend sah er Martej an.
<span style="color:D4F8FD;">Hm, hat dir dein Vater je einmal erzählt, oder begründet, warum du überwiegend weiße Kleidung tragen sollst? … Ich nehmen an, dass er das nicht getan hat, deswegen hörst du das jetzt von mir.</span>
Der Wirt zog sich einen Stuhl heran und setzte sich.
<span style="color:D4F8FD;">Keine Sorge, ich fasse mich auch kurz. Ich glaube, dass war damals zu der Zeit, als dein Vater in deinem Alter war, vielleicht war er auch etwas älter. Er war zusammen mit deinem Onkel vor den Toren der Stadt, dort tollten sie mit jungen Wölfen herum. Dein Onkel und dein Vater trugen damals auch bevorzugt farbige Kleidung. Ob du das jetzt glaubst oder nicht. Die Beiden waren wohl sehr unachtsam … na ja, wie dem auch sei … sie wurden leider angegriffen, von einem Winterwolf und dein Onkel wurde dabei schwer verletzt. Dein Vater kam unverletzt davon und seit jenem Tage trägt er überwiegend nur weiß. Vielleicht kannst du ja jetzt nachvollziehen, dass dein Vater eigentlich nur aus Sorge dir vorschreibt, dass du weiß tragen sollst.</span>
Er machte eine größere Pause und beobachtete Martejs Gesichtsausdruck. Vielleicht hatte er den jungen Elfen ja erreichen können, dass dieser ein bisschen mehr Verständnis für seinen Vater empfand. Aber so schnell wie man zu ihm durchgedrungen war, so schnell verschloss er sich auch schon wieder.
<span style="color:D4F8FD;"> <i> "Entschuldige bitte. Das sind alles Sachen, die niemanden sonst etwas angehen. Ich hätte gar nicht damit anfangen sollen. Aber sag mal, hast du früher nicht gedacht, dass deine Eltern dir verbieten so zu leben, wie du es gerne wolltest?"</i></span>
<span style="color:D4F8FD;">Das ist doch normal für Eltern und wir wollen euch nicht vorschreiben, wie ihr euer Leben zu führen habt. Es sind nur gut gemeinte Ratschläge, die euch helfen sollen, aber aus irgendeinem Grunde kommt das bei euch nicht so an. Aber das ist wohl bei jedem so, der jung ist. Man will wohl immer genau das Gegenteil von dem machen, was einem wärmstens ans
Herz gelegt wurde.</span>
In der Zwischenzeit kam ein Mann die Treppe herunter und hatte sich im hinteren Bereich an einen der größeren Tische gesetzt. Dieser Mann war eindeutig ein Mensch, mit einem ernsten Blick, aber nicht unfreundlich und er war verdammt groß, er maß wohl so um die sechseinhalb Fuß. Wer sich mit Menschen auskannte, mochte ihn auf Mitte 30 schätzen. Gekleidet war dieser in eine dunkelbraune Lederhose und in ein ungefärbtes Linnen-
hemd. Er trug einen Gürtel, an dem ein paar kleinere Beutel hingen und ein paar dunkelbraune, weiche Lederstiefel rundeten das Gesamtbild eines Abenteurers ab. Seine langen, hellbraunen Harre trug er zu einem Zopf gebunden auf dem Rücken. Die Haut des Mannes war gebräunt und man merkte ihm leicht an, dass er schon etlichen Wetterkapriolen ausgesetzt war. Mit wachen, braunen Augen sah sich dieser im Gasthaus um und studierte dann die Essenskarte. Wenn man genauer hinsah, konnte man unter dem locker sitzenden Hemd einen gut durchtrainierten Oberkörper erblicken, was eigentlich auch nicht verwunderlich war, so musste man doch körperlich fit sein für ein Abenteuer, um die Strapazen gut zu überstehen … und Muskeln blieben nun mal auch nicht aus, wenn man oft ein Schwert führt und damit trainiert. Wenn jemand noch genauer hinsah, konnte er sogar eine Narbe erkennen, die quer über den linken Unterarm führte, aber auch das musste man mit einkalkulieren, wenn man auf Abenteuer auszog.
Der Wirt sah sich in regelmäßigen Abständen in seiner Schenke um, wollte er doch nicht verpassen, einen Gast sofort bewirten zu können. Dann fiel ihm jener große Mann auf, der sich vor kurzem gesetzte hatte. Er erinnerte sich noch zu gut an gestern Abend, wie diese Abenteuergruppe hier hereingeweht worden war und im Gegensatz zu gestern sah dieser Mann jetzt wieder richtig gepflegt aus. Unwillkürlich musste er in sich hinein grinsen und fragte sich, ob Martej wirklich wusste, auf was er sich da einließ, wenn er auf Abenteuer ausziehen würde.
<span style="color:D4F8FD;">Martej, … der Erste aus der Abenteuergruppe hat den Schankraum betreten. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die Gruppe vollzählig ist. Ich jedenfalls mache mich mal wieder ans bewirten … .“</span>
Der Wirt hatte recht behalten, denn kurz nachdem er das zu dem jungen Elfen gesagt hatte, kam noch ein Mitglied dieser Gruppe in die Schenke, dies Mal aber von draußen. Dieses Mitglied war ebenfalls ein Mann, aber ein Elf. Auch dieser war hoch gewachsen und maß wohl seine sieben Fuß. Mit grazilen Bewegungen, sanften und lautlosen Schritten betrat dieser Elf die Schenke, sah sich genau beobachtend im Schankraum um und hielt dann auf den zuvor beschriebenen Mann zu. Man konnte ein leises und melodisches: <span style="color:2F5C1F;">„Guten morgen“</span>, aus dem Mund des Elfen vernehmen, welches freundlich erwidert wurde.
Dieser Elf war von schlankem und sehnigen Wuchs und jede Körperbewegung war geprägt von vollkommener Harmonie. Sein schlankes und erhabenes Gesicht wurde von hellblonden Haaren eingerahmt, welche er zum Halbzopf trug. Da der Elf mit dem Rücken zu Martej stand, konnte dieser auch sehen, dass die seidigen Harre des Elfen bis knapp zur hälfte des Rücken wallten. Einige Blätter und Knochstücke waren in die kleinen Zöpfe gewoben worden und deuteten auf einen sehr naturbezogenen Elfen hin. Gekleidet war er in eine weiß-silberne Pelzjacke, die wohl von einem Silberlöwen stammte, dazu eine fast weiße Hose und helle, weiche Lederstiefel. Seine Kleidung war mit silbernen Ornamenten verziert und erzählte des Öfteren Geschichten, ob nun aus dem Leben des Elfen selbst oder von den großen Heldentaten anderer elfischer Helden, vermochte nur der Elf selber zu beantworten. Dieser Elf führte auch seine Waffen mit sich, an seiner Seite hing ein wunderschön geschwungenes Schwert in einer Scheide. Eine schlanke Klinge und kunstvolle Intarsien zeichneten dieses Schwert als eine wertvolle und alte Klinge aus. Auf dem Rücken des Elfen war sein Bogen befestigt und wie alle Elfenbögen aus einem Stück geformten Holzes eines besonderen Baumes. Gepäck hatte dieser Elf kaum bei sich, nur einen kleinen Beutel auf dem Rücken und mehrere kleine Beutel, die am Schwertgut mitbefestigt waren.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Montag 8. März 2010, 20:56

Trianna ließ den letzten Ton sanft verklingen und nahm die Flöte vorsichtig von den Lippen. Doch anstatt in ehrfürchtigem Staunen zu erstarren und nach einem langen Moment der Stille schließlich in frenetischen Applaus auszubrechen, zeigte sich ihr Publikum eher undankbar. Besser gesagt: absolut uninteressiert. Tumbe Kulturbanausen, dachte sie verächtlich und warf einem Elfen, der gerade mit einem ekelerregenden Schmatzen seine Zähne in ein großes Stück Robbenfleisch versenkte, einen angewiderten Blick zu. Auch die übrigen Gäste der Schenke machten sich nicht gerade Mühe, leise zu sein: Aus der gegenüberliegenden Ecke ertönte das laute Gelächter einiger Trunkenbolde, die eifrig dem Wein zusprachen, und an den umliegenden Tischen waren fröhliche Gespräche im Gange. Doch viel demütigender als diese unverschämte Missachtung ihrer Kunst war der Anblick des turtelnden Pärchens, das sich gerade ihrem Tisch näherte, um ihr lächelnd einige Münzen in die Hand zu drücken. Ich habe es nicht nötig, mich von diesen Idioten entlohnen zu lassen wie ein gewöhnlicher Gaukler, dachte sie wie so oft, doch ihr knurrender Magen strafte diesen Gedanken Lügen. Sie brauchte das Geld.
Selbst die Musik war ihr in diesen düsteren Tagen kein Trost mehr. Die meisten Wirte verlangten von ihr, ausschließlich fröhliche, belanglose Volksweisen zu spielen, die für eine Musikerin ihres Kalibers fast eine Beleidigung waren. Auch ihr Instrument ließ Einiges zu wünschen übrig. Wie sehr sie die sanfte Vibration der Querflöte vermisste, aus der sich so wundervoll klare und reine Töne entlocken ließen!
Bei diesen Gedanken überkam sie stets ein so heftiger Hass auf ihren Vater, dass sie am liebsten schnurstracks in sein Haus gestürmt wäre, um ihm die Kehle durchzuschneiden. Sie hatte gehofft, dass sich dieser Hass mit der Zeit abmildern würde, doch er schien im Gegenteil eher noch weiter zu wachsen, je länger ihr Streit zurücklag.
Obwohl sie versuchte, jede Fuchsmünze zu sparen, die sie verdiente, hatte sich ihr Geldbeutel immer noch nicht gefüllt. Jeden Tag war sie gezwungen, Geld für Essen und einen Schlafplatz auszugeben, was ihren gesamten mageren Verdienst beanspruchte. Wie sollte sie je genügend Geld verdienen, um sich eine neue Querflöte zu kaufen? Sie hatte ja noch nicht einmal genug, um sich den Reiseproviant zu beschaffen, den sie benötigte, um dieser vermaledeiten Stadt für immer den Rücken zu kehren. Manchmal hatte sie das Gefühl, sie würde für immer in diesem Käfig aus Eis gefangen bleiben.
Um sich von den düsteren Gedanken abzulenken, stimmte sie schnell ein neues Stück an. Doch diesmal gelang es ihr nicht, sich wie sonst völlig in den Fluss der Musik zu versenken. Überdeutlich nahm sie die Geräuschkulisse der Gaststube wahr, das Klirren des Bestecks, das Schaben der Stühle... Sie hörte auf zu spielen und legte die Flöte vor sich auf den Tisch. Niemand schien auch nur zu bemerken, dass die Musik verstummt war. Am liebsten hätte sie das Gasthaus verlassen, doch draußen war es dunkel und eiskalt.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. März 2010, 17:04

Tatsächlich schien niemand ihr Flötenspiel gehört, geschweige denn wahrgenommen, denn alle hatten besseres zu tun. Natürlich war es nun selbstverständlich, dass sie sich innerlich darüber aufregte, denn ihrer Meinung waren das alles eh nur ignorante Narren, die ihre Kunst nicht schätzten. Das Pärchen, das ihr einige Münzen in die Hand gedrückt hatte, erntete nur giftige Blicke ihrerseits, denn sie sah sich nicht als irgendein dreckiger Gaukler, der sein Geld auf diese Weise erarbeitete. Ihr eigener Stolz verbot es ihr. Das Paar eilte schnell vorbei, der düstere Blick war ihnen unangenehm.

Die Manieren der Essenden waren ebenfalls ekelerregend. Der Elf, der an einer Robbenfleischkeule nagte, gab ein rülpsen von sich, dass schon mit einem betrunkenen Ork gleichzusetzen wäre, während er genüsslich „weiterspeiste“. Natürlich war das für Trianna ein weiterer Grund, die Taverne so schnell wie möglich zu verlassen, wäre die Temperatur nicht so schnell herabgesunken. Auch gab es Anzeichen auf einen der häufigen Schneestürme. So ohne weiteres konnte sie diesem grauenvollen Anblick nicht entkommen. Es wäre vorerst besser, die Atmosphäre des Grauens zu ertragen. Das Knurren ihres Magens war auch ein Grund. Sie bekam Hunger. Leider hatte sie nicht so viel Geld, wie sie gerne hätte.

Würde sie sich umdrehen, könnte sie eine Gestalt in der Zimmerecke erkennen, die sie scheinbar beobachtete. Offenbar war ihr Flötenspiel doch nicht in dem Lärm der anderen Gäste untergegangen, denn er schien interessiert darauf zu warten, dass sie ein neues Lied anstimmen würde. Er würde sie nicht darauf ansprechen, er würde abwarten. Sie hat Talent, vielleicht könnte sie eines Tages groß rauskommen. Hm..ich werde dich im Auge behalten. Hahaha. Seine violetten Augen blitzten. Er würde sie tatsächlich im Auge behalten. Ich werde mich ihr erst später vorstellen. Sie soll sich nicht gleich unterdrückt fühlen…NOCH nicht. Er lachte leise in sich hinein.

Trianna erhält durch die Gabe des Pärchens Fünf Fuchsmünzen.

[So. Hier mal als Einstieg ;) . Wünsche dir viel Spaß beim Lesen :) Ist noch ein bisschen kurz geraten der Post, aber keine Sorge: Die Nächsten werden länger ;) ]
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Dienstag 9. März 2010, 18:16

Trianna beobachtete befriedigt, wie das Pärchen hastig den Blick abwandte und an seinen Tisch zurückeilte. Es erstaunte sie immer wieder, wie leicht es war, andere einzuschüchtern, ohne auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Diese Memmen!, dachte sie verächtlich. Wenn sie schon vor meinem Blick zurückweichen wie verschüchterte Robbenbabys vor einer Seeschlange, was würden sie wohl tun, wenn sie dem Eisdrachen begegneten? Mit geübtem Blick zählte sie das Geld, das sie erhalten hatte. Das Pärchen war wahrhaft großzügig gewesen, geradezu verschwenderisch. Fünf Füchse! Leider machte diese Gabe schon die Hälfte ihres mageren Verdienstes von diesem Abend aus. Schnell zog sie ihre Lederbörse hervor und ließ die Münzen darin verschwinden. Immerhin hatte sie nun genug beisammen, um sich ein anständiges Einzelzimmer für die Nacht zu mieten. Schließlich kam es nicht in Frage, auch nur einen Fuß in den Gemeinschaftsschlafsaal zu setzen. Wenn sie jedoch nicht hungrig zu Bett gehen wollte, musste sie auf irgendeine Weise noch ein wenig mehr Geld verdienen.
In Momenten wie diesem war sie versucht, ins Haus ihres Vaters zurückzukehren und ihn darum zu bitten, sie wieder aufzunehmen. Doch ihr Stolz verbot es ihr, diesen Gedanken auch nur zu Ende zu denken. Eines Tages würde sie zurückkehren, doch erst, wenn ihre magischen Kräfte so stark waren, dass sie ihren Vater zerquetschen konnte wie eine Wanze unter ihrer Stiefelspitze.
Suchend ließ sie ihren Blick durch das Gasthaus schweifen. Vielleicht gab es irgendwo einen Platz, an dem das Publikum ihr mehr Aufmerksamkeit schenken würde? Erneut fiel ihr der Elf auf, der gerade ungeniert rülpste und sich seine fetttriefende Hand an seinem schmutzigen Hemd abwischte. Hätte er grüne Haut, könnte man ihn für einen Ork halten, dachte sie angewidert. Man sollte seine Mutter dafür auspeitschen lassen, dass sie ihm keine besseren Manieren beigebracht hat. Wann war es passiert, dass die Eiselfen ihre Würde verloren hatten? Angeblich waren sie früher von Selbstbeherrschung erfüllt gewesen, doch davon war hier wenig zu sehen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass die Zustände in einem menschlichen Gasthaus viel schlimmer waren. Was der Alkohol aus den Elfen macht...
Plötzlich hatte sie das vage Gefühl, beobachtet zu werden. Ein Schauer rann ihr den Rücken herunter. Ein düstere Vorwarnung? Vorsichtig wandte sie den Kopf zur Seite. Aus den Augenwinkel nach sie eine dunkle Gestalt war, die in der hintersten Ecke des Gasthauses saß. Bildete sie es sich nur ein oder glommen die Augen des Wesens in einem unheilvollen Violett?
Natürlich kam es häufig vor, dass die Blicke der Männer an ihr klebten wie ranziges Fett. Das war in der alkoholgeschwängerten Atmosphäre von Gasthäusern kaum zu vermeiden und steigerte, auch wenn sie sich das nicht eingestehen wollte, ihre Einnahmen beträchtlich. Nicht, dass sie je auf die Annäherungsversuche reagieren würde – doch bis die Männer das begriffen, hatten sie ihr meist schon einen erklecklichen Haufen Münzen zugesteckt. Doch irgendwie hatte sie das Gefühl, dass dieser Mann - war es ein Mann? - keiner der üblichen Kneipenbesucher war. Er verströmte einen leichte Andersartigkeit, die schwer in Worte zu fassen war.
Sie nahm ihre Flöte vom Tisch und stimmte ein neues Lied an. Diesmal kümmerte sie sich nicht um die Anweisungen des Wirts, sondern spielte eine melancholische, von leiser Trauer erfüllte Eigenkomposition. Augenblicklich vergaß sie ihre Umgebung, ihren Geldmangel, den unheimlichen Beobachter. Sie war weit, weit weg, in Sphären voller Schönheit und Sinn.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Dienstag 9. März 2010, 20:00

Also hatte sie ihn endlich bemerkt. Er lächelte grimmig. Man konnte es unter der Kapuze, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte, natürlich nicht erkennen. Jetzt wird sie sich so einige Gedanken machen..Hehehe. Nur zu. Streng deinen hübschen Kopf an. Dachte er selbstzufrieden.
Als jemand an ihn herantrat, fiel er in die Wirklichkeit zurück. „Hier bin ich, Herr“. Sagte die Gestalt. „Na dass wurde auch allmählich Zeit! Wo hast du gesteckt? Ich habe jemanden passenden gefunden“. Sagte der Beobachtende, nun leiser. Sie sprachen eine kalte und dunkle Sprache: Lerium, die Sprache der Dunkelelfen. „Und wen? Die Kleine dort mit der Holzflöte? Was ist an ihr so besonders?“ Sagte der andere zweifelnd. „Schweig, Narr! Ich irre mich niemals! Sie ist es, da gibt es keinen Zweifel! Such lieber die anderen. Sag ihnen dass ich, Vangaril jemanden gefunden habe, der uns hier sehr weiterhelfen kann! Sie könnte der Schlüssel zu unserem Bestreben sein! Los, troll dich! Und pass auf, damit dir niemand folgt!“ Sagte er mit einer ruhigen, doch bedrohlichen Stimmlage zu der Gestalt, die sein Untergebener zu sein schien. "Ja Herr." Sagte dieser. Dann verlies er verlies ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen die Schenke, genauso, wie er sie betreten hatte.

Trotz ihrer Nervosität setzte Trianna abermals die Flöte an die Lippen und spielte ein weiteres Lied. Auch diesmal schien niemand im Gasthaus etwas bemerkt zu haben. Sie schien sich zu entspannen. Auch hatte die Melodie etwas trauriges und melancholisches an sich.

Mit dem Einsetzen der Melodie entspannten sich seine Gesichtszüge ein wenig, doch wenn man sie sehen würde, strahlten sie immer noch Grausamkeit und Kälte aus. Er hatte sie, Trianna für eine Sache auserkoren, von der sie nicht einmal hätte ahnen können. Bisher verleuft alles nach Plan. Die Unterwanderung der Stadt ist in vollem Gange. Bald werden wir sie gänzlich kontrollieren! Hahaha! Er fixierte sie wieder mit seinem eiskalten Blick.

Nach einer Weile fiel sein Blick auch auf den Elfen, der wohl ein paar Maß zu viel Bier getrunken hatte und wie ein Tier sein Robbenfleisch hinunterschlang. Tss. Wie kann man sich nur so gehen lassen? Wenn diese Leute nicht wären, würde ich ihn wie eine Sau abstechen und ihn in seinem Blut ertrinken lassen! Er griff an seinen Gürtel, an dem mehrere Kurzschwerter steckten. Wie gerne würde ich meine Klingen in sein Fleisch treiben, und ihn elendig verrecken lassen. Doch er entschied sich dagegen. Das hatte Zeit. Jetzt musste nur noch alles so klappen, wie er es geplant hatte und geplant war vieles.
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Dienstag 9. März 2010, 23:26

Trianna war völlig in die Musik versunken, sodass sie die Unterhaltung der beiden Fremdlinge nicht bemerkte. Es war, als wäre sie mit dem Instrument verschmolzen. Mit einem Mal kümmerte es sie nicht mehr, dass es nur eine billige Holzflöte war, auf der sie spielte, denn jedes Instrument hatte seine eigene, wunderschöne Stimme.
Als sie geendet hatte, wurde sie unsanft in die Wirklichkeit zurückkatapultiert, auch wenn ein Teil von ihr der friedlichen Welt der Musik verhaftet blieb. Um sie herum waren weiterhin die lauten Kneipengespräche im Gange, doch die Geräusche störten sie nicht mehr so wie vorher.
Einem plötzlichen Impuls gehorchend drehte sie sich ruckartig um und blickte der Gestalt in der Ecke mitten in die Augen – besser gesagt auf die Stelle, an der sie die Augen vermutete, denn sicher sein konnte sie sich nicht. Das Gesicht, das fast völlig von der Kapuze beschattet wurde, erhielt durch das flackernde Licht der Kerze auf dem Tisch vor ihm eine beinahe beängstigende Wirkung. Es schien, als würde selbst das Licht vor der düsteren Gestalt zurückweichen, oder aber, als würde sie das Licht in ihrer Umgebung absorbieren, bis nur noch Düsternis zurückblieb. Trianna meinte einen schmalen Mund zu erkennen, die Andeutung eines grausamen Lächelns... Sie wusste selbst nicht, warum dieser Fremde eine so große Anziehungskraft auf sie ausübte.
Abrupt wandte sie sich ab. Es wurde langsam Zeit, sich beim Wirt ein Bett zu reservieren. Zwar kam es nur selten vor, dass alle Betten belegt waren, doch es war besser, kein Risiko einzugehen. Die Zeiten waren unsicher, was die Anwesenheit des Fremden einmal mehr eindrucksvoll bewies. Vielleicht war der Wirt ja so nett und spendierte ihr für ihre Mühen eine warme Mahlzeit.
Vorsichtig legte sie ihre Flöte ab und zog ihre Geldbörse hervor. Der Raum füllte sich immer weiter und so ließ sie ihren Umhang am Tisch zurück, damit jedem Neuankömmling klar war, dass der Platz schon besetzt war. Mit eiligen Schritten durchquerte sie die Schenke, wobei sie darauf achtete, weder den Trunkenbolden noch dem Fremdling zu nah zu kommen. Vorsicht hatte schließlich noch nie geschadet...
Die ganze Zeit über meinte sie den Blick des Fremden im Nacken zu spüren. Was ist los mit dir? Du bist doch sonst nicht so nervös!, schalt sie sich, doch eine eigentümliche Unruhe hatte von ihr Besitz ergriffen. Unkonzentriert, wie sie war, blieb sie mit der Stiefelspitze an einem Tischbein hängen. Sie stolperte ein paar Meter weiter, bevor sie sich, verfolgt vom Lachen der Betrunkenen, wieder fangen konnte, indem sie sich an der Schulter eines Elfs festhielt. Sobald sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte, ließ sie den Mann los, als hätte sie sich verbrannt. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihr die Börse aus der Hand gefallen war. Zehn Fuchsmünzen kullerten über den Boden und verschwanden unter Tischen und Bänken.
Sie blieb einen Moment lang wie erstarrt stehen, betrachtete die Bescherung und fühlte nichts, weder Enttäuschung noch Wut auf sich selbst. Sollte sie hier vor aller Augen auf den Knien herumrutschen wie eine putzende Magd? Vielleicht wäre der Verlust der Fuchsmünzen leichter zu ertragen als diese Demütigung.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 10. März 2010, 20:32

Er sah zu, wie sie aufstand und sich zum Tresen hinarbeitete. Er beobachtete alles in Seelenruhe. Wer ihn kannte, wusste dass er kalt und berechnend war. Auch schwang immer ein Hauch sadistischen Wahnsinns mit. Sein Grinsen verbreiterte sich. Sie ist die Richtige. Seit fast einer Ewigkeit suche ich jemanden wie sie. Zwar ist sie etwas tollpatschig, doch jeder fängt mal klein an. Doriên hat hoffentlich schon im Stützpunkt bescheid gesagt. Die ehrwürdige Eminenz wird sehr erfreut sein.
Ein leises Kichern entrann seiner Kehle, doch das löste sich schnell wieder auf, denn in diesem Moment betrat ein ihm sehr bekannter Elf die Taverne. Es war Aerendil, sein verhasster Widersacher. Seit Generationen befanden sich ihre Familien in einer endlos scheinenden Blutfehde. Verdammt! Der hat mir grade noch gefehlt! Sieh zu dass er dich nicht entdeckt! Dachte er erzürnt und verzog sich noch weiter in die Dunkelheit.

Wenn Trianna noch einmal hingesehen hätte, würde ihr bestimmt ein grauenhafter Schauer über den Rücken laufen, denn er verschwand von einer Sekunde zur anderen.

Der Elf, der Aerendil genannt wurde, sah sich ein paar mal prüfend um, bis er Trianna entdeckte, die immer noch mit der Entscheidung rang, ob sie die Münzen retten oder sich selbst vor allen Leuten erniedrigen sollte. Rechtschaffen wie er nun mal war ging er auf sie zu und fragte: „Kann ich Euch helfen?“
Bevor Trianna reagieren konnte, hob er die einzelnen Münzen auf und gab sie ihr. Pah! Rechtschaffen wie immer! Oh dieser Kerl macht mich noch wahnsinnig! So viel Güte ist einfach widerwärtig. Erniedrigt sich selbst vor ihr. Mal sehen, wie es aussieht, wenn du erst einmal meine Klinge gekostet hast! Vangaril tobte vor Wut. Güte und dergleichen hasste er wie die Pest. Es waren in seinen Augen minderwertige Gefühle.

Aerendil war tatsächlich die Güte in Person. Er strahlte den Frieden buchstäblich aus. Und genau das machte Vangaril so zornig. Er würde sich des Problems annehmen. Doch das hatte Zeit. An einem ruhigen Ort, mein Freund. Oh ja. Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du um den erlösenden Tod betteln, und ich werde ihn dir, barmherzig wie ich bin gewähren! Hahahahaha! Er freute sich schon darauf, diesem elendigen Drecksack bei seinem Todeskampf zuzusehen. Er leckte sich über die Lippen. Allein die Vorstellung davon gefiel ihm.

Für den Moment würde er abwarten und schauen, wie sich die Situation entwickeln würde. Er würde seine Rache schon noch bekommen.

Was Trianna anging, vielleicht war sie ihm dafür auch noch nützlich.
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Mittwoch 10. März 2010, 23:26

Ein wenig überrumpelt nahm Trianna die Münzen an. Vor ihr stand ein hübscher Elf mit weichen Gesichtszügen, die von einem freundlichen Lächeln erhellt wurden. Was für ein einfältiger Kerl!, urteilte Trianna nach einer raschen Musterung, wobei es ihr gelang, den Elf trotz ihrer geringen Körpergröße hochmütig von oben herab anzublicken. Sein närrisches Grinsen deutete auf eine unterentwickelte Intelligenz hin, ebenso wie sein wenig stilvolles Gebaren, fand sie.

Es war schon häufiger vorgekommen, dass wildfremde Männer versuchten, ihr zu Hilfe zu eilen. Ihre zarte Gestalt schien einen angeborenen Beschützerinstinkt in ihnen wachzurufen, der bei Eiselfen zwar nur schwach ausgeprägt, aber dennoch zweifellos vorhanden war. Als wäre ich eine verdammte Jungfrau in Not!, dachte sie verächtlich, auch wenn man die Situation durchaus so hätte auslegen können.

Sie wusste nicht recht, wie sie nun reagieren sollte. Zwar war die Wiederbeschaffung ihres Geldes alles in allem sehr erfreulich, doch „Danke“ war ein Wort, das nicht zu ihrem Vokabular gehörte. Außerdem war es seine eigene Entscheidung, sich vor mir in den Staub zu werfen. Ich habe nie darum gebeten, überlegte sie abwägend.

„Nein, ich brauche keine Hilfe“, antwortete sie schließlich brüsk auf seine Frage, obwohl diese wohl eigentlich rhetorischer Natur gewesen war. Schließlich hatte er nicht auf ihre Zustimmung gewartet, um über den Boden zu kriechen.

Während sie das Geld in ihrer Hosentasche verstaute, hielt sie ihre strahlend blauen Augen unverwandt auf sein Gesicht gerichtet. Sie hoffte, dass er ihrem Blick nicht standhalten könnte und sich kleinlaut abwenden würde. Bitte, lass nicht zu, dass sich schon wieder so ein dummdreister Tölpel in mich verliebt!, schickte sie ein Stoßgebet an Ventha, in Gedanken bei einer ganz ähnlichen Situation, die zu einigen peinlichen Verwicklungen geführt hatte.

Die Gelassenheit des Elfen war ihr suspekt. Wie konnte er nach einer solchen Erniedrigung so aufrecht vor ihr stehen? Plötzlich war ihr der ruhige Blick des Elfen unangenehm. Es schien fast, als wüsste er etwas, das ihr verborgen blieb. Ein Teil von ihr war versucht, den Kopf zu senken, doch sie zwang sich, seinem Blick weiterhin standzuhalten.

Die merkwürdige Anwandlung verging so schnell, wie sie gekommen war. Doch nun fiel ihr plötzlich wieder der Fremde in der Ecke ein. Wohin war er verschwunden? Sie hätte doch bemerken müssen, wenn er das Gasthaus verlassen hätte, befand sie sich doch zwischen ihm und der Tür. Stirnrunzelnd schaute sie sich um und vergaß dabei ganz das Blickduell. Schließlich gab sie die Suche auf und rief sich zur Ordnung. Warum nur war sie heute so überempfindlich und vermutete hinter jeder Ecke eine Verschwörung?

In ihr wuchs das Verlangen, sich endlich in ein stilles, einsames Einzelzimmer zurückzuziehen. Ohne den hilfsbereiten Elfen weiter zu beachten, ging sie zur Theke und wandte sich an den Wirt, der gerade dabei war, glänzende Weingläser mit einem weißen Tuch zu polieren. "Ich brauche ein Zimmer für die Nacht", sagte sie in genau dem herrischen Befehlston, von dem sie wusste, dass der Wirt ihn verabscheute. Bei ihrem letzten Besuch hatte er sie in ihrem Stolz gekränkt, indem er ihre Auswahl der Musikstücke kritisiert hatte, und sie beabsichtigte, es ihm in gleicher Münze heimzuzahlen.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 11. März 2010, 18:37

Der Elf verzog keine Miene. Trotz ihres unfreundlichen Tonfalls mochte er sie von dem Moment an, an dem er sie sah. „Ich bin froh, dass ich helfen konnte.“ Sagte er knapp in der Eiselfensprache. Sein Lächeln behielt er bei.

Hahaha...Verschwinde du Traumtänzer! Du kannst eh nicht bei ihr landen! Vergiss es! Dachte Vangaril düster in der Dunkelheit. Schattenmagie war von Vorteil, dass wusste er. Perfekt um so kleine Insekten wie dem da zu entgehen. Er beobachtete weiter das Szenario.

„Nein, ich brauche keine Hilfe.“ Kam ihre Antwort. „Oh. In diesem Fall tut es mir Leid.“ Er zögerte kurz. Als sie sich von ihm wegdrehte, fielen ihm die Worte wieder ein, die er sagen wollte. „Warten Sie einen Moment! Ist ihnen hier an diesem Ort etwas Merkwürdiges aufgefallen?“

Buhahahaha! Das einzige Merkwürdige Wesen hier bist du! Sieh dich doch mal an! Dafür lohnt es sich nicht einmal schlechte Gedanken zu hegen! Hahahaha! Vangaril war sehr angespannt. Jede Sekunde hätte er seine Tarnung auffliegen lassen und diesem elendigen Wicht das Leben aus dem Körper geprügelt. Doch er durfte keine Aufmerksamkeit erregen, noch nicht.

Das Trianna ein Stoßgebet zur Göttin von Schnee und Eis sandte bekam der Elf zum Glück nicht mit. Wie peinlich wäre das geworden. Und schon war sie in der Menge verschwunden. „Leb wohl.“ Sagte Aerendil. Er bedauerte es, dass sie so schnell verschwunden war.

„Ich brauche ein Zimmer für die Nacht.“ Sprach sie den Wirt an. Der reagierte erst nach Widerholung ihrer Worte „Hm? Oh. Ein Gast. Ihr sucht ein Zimmer? Ich hätte da noch eines. Kostet 4 Füchse pro Nacht.“ Sagte er. Er schien sehr beschäftigt zu sein schließlich musste er noch die ganzen Gläser sauber machen, vom schmutzigen Geschirr ganz zu schweigen. „Diese faulen Küchenhilfen! Machen nichts als Ärger.“ Brummte er leise. Ihm gefiel es gar nicht, dass er die ganze Arbeit machen musste, während die anderen sich einen faulen Lenz machten. Dann wandte er sich wieder an Trianna. „Wo war ich gerade? Ah ja. Das Zimmer kostet 4 Füchse, genau das war es. Wird dir bestimmt gefallen.“ Er grinste breit. Er stank nach Bier und abgestandenem Wein. Widerlich!

Wahrhaft kein Mann, den man um sich haben möchte. Da wäre ihr der andere Elf bestimmt tausendmal lieber gewesen. Sie würde wohl erst richtig entspannt sein, wenn sie in einem weichen Bett läge.
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Donnerstag 11. März 2010, 20:53

Erst an der Theke drang die merkwürdige Frage des Elfen zu ihr durch, ob ihr an diesem Ort etwas aufgefallen war. Ja, so Einiges, dachte sie grimmig, zum Beispiel der schleichende Verfall unserer Kultur, die Fahne des Wirts und natürlich... – sie blickte verstohlen in Richtung Ecke – ... der verschwundene Fremdling.

Sicherlich hatte der Elf Letzteres von ihr erfahren wollen. Plötzlich hatte sie das ungute Gefühl, dass ihre Anwesenheit an diesem Ort dunkle Ereignisse ins Rollen brachte, die sie nicht würde kontrollieren können. Sie verspürte das Bedürfnis, die Beine in die Hand zu nehmen und so schnell wie möglich viele Meilen zwischen sich und diese vermaledeite Schankstube zu bringen. Doch auf Grund des Schneesturms war sie wohl oder übel zum Ausharren gezwungen. Sollte irgendjemand in diesem Raum es wagen, mich anzugreifen, wird er an der eisigen Kälte Venthas scheitern, ermutigte sie sich selbst und ermahnte sich gleichzeitig, wachsam zu bleiben. An diesem Abend würde sie die Flöte nicht mehr in die Hand nehmen, denn sie musste dafür sorgen, dass ihre Eismagie im Notfall einsatzbereit war.

Der Wirt schien sie zu ignorieren, was ihren Groll auf den armen Mann noch weiter steigerte. „Ich brauche ein Zimmer für die Nacht!“, wiederholte sie ungeduldig. Jetzt bemerkte er sie. „Hm? Oh. Ein Gast. Ihr sucht ein Zimmer? Ich hätte da noch eines. Kostet vier Füchse pro Nacht“, antwortete er zerstreut, woraufhin sie angeekelt das Gesicht abwandte, um nicht seinen fauligen Mundgeruch einatmen zu müssen.

Der Preis für ein Einzelzimmer war seit ihrem letzten Besuch gesunken. Sie warf dem Wirt einen misstrauischen Blick zu. Plante er etwa, sie in eine dreckverkrustete Rumpelkammer abzuschieben, weil alle anständigen Zimmer belegt waren?

Der Mann schien sie gar nicht richtig wahrzunehmen, sondern führte ein lebhaftes Selbstgespräch. Schließlich richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Trianna und wiederholte sein Angebot. Wie kann er es wagen, mich zu duzen!, dachte sie erbost und legte die Hand auf ihren Dolchgriff. Mal sehen, ob er immer noch so unverschämte grinst, wenn ich ihm die Nase abgeschnitten habe. Doch natürlich war ihr klar, dass sie nichts dergleichen versuchen würde. Der kleine Tagtraum tat dennoch gut und der kühle, glatte Metallgriff beruhigte ihre aufgewühlten Gedanken.

„Jetzt rück endlich den Schlüssel raus, Mann!“, befahl sie unfreundlich und verzog angeekelt die Nase, als ein Luftzug den alkoholgeschwängerten Gestank des Elfs zu ihr herüberwehte. Zwar wusste sie, dass es in ihrer Situation von Vorteil war, wenn man zu den Wirten eine freundschaftliche Beziehung unterhielt, doch es war ihr unmöglich, diesem Narren auch nur ein freundliches Lächeln zu schenken.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Freitag 12. März 2010, 16:15

Der Wirt starrte Trianna einen Augenblick an. „Jetzt rück endlich den Schlüssel raus, Mann!“ Sagte diese unfreundlich. Der Wirt nahm es einfach hin. Er hatte es tagtäglich mit so vielen unfreundlichen Personen zu tun, dass es ihm zu dumm wurde, sich ständig neue Gegenargumente einfallen lassen zu müssen. Also sagte er nur: „Hier bitte schön. Die Kammer am Ende dieses Korridors. Wünsche wohl zu ruhen.“ Mit dem Finger zeigte er auf eine Holztüre auf der man Gästezimmer lesen konnte. „Immer der Nase nach. Aber da es ja am Ende des Ganges liegt, ist es nicht schwer, es zu finden.“ Er grinste nochmals, sodass ein erneuter Schwall des Alkoholgeruchs aus seinem Mund trat. Sie musste hier weg! Weg von diesem dämlichen Kerl, es war wirklich das Beste, wenn sie sofort auf ihr Zimmer ginge. Doch vorher musste sie noch ihren Mantel holen. Er hing schließlich immer noch über dem Stuhl.

Das unheimliche Gefühl, dass sie bekommen hatte, nachdem sie mit diesem Elf geredet hatte, kam erneut. Sie hatte den Verdacht, dass sie in etwas hineingerutscht war, von dem so gut wie niemand recht wusste, was es war. Vielleicht ein Verschwörung? Oder etwas NOCH schlimmeres?

Ich muss ihr sagen, dass sie in Gefahr ist. Mein Erzfeind ist hier. Ich habe ihn schon gespürt, als ich hier hereinkam. Dachte Aerendil. Das verheißt nichts Gutes. Seit Tagen folge ich schon seiner Spur, jetzt gibt alles einen Sinn. Sie ist Flötistin. Oh bei Ventha. Sie wollen doch nicht etwa….Nein! Das würde selbst er nicht wagen! Aerendil war vollkommen durcheinander. Er lief schnell Trianna hinterher, die schon durch die Tür gegangen war. „Warten Sie! Sie sind in großer Gefahr! Etwas Schreckliches wird geschehen! Verlassen sie die Stadt, schnell!“ Endlich hatte er sie eingeholt. „Bitte Sie müssen hier weg, bevor...!“ Weiter kam er nicht, denn Vangaril war urplötzlich aufgetaucht. „Soso. Wen haben wir den da?“ Seine Augen blitzten Angriffslustig. „Meinen Lieblingsfeind. Glaube bloß nicht, dass du uns aufhalten kannst, Schwächling!“ „Ihr werdet damit niemals durchkommen!“ entgegnete dieser. Vangaril grinste nur hämisch. „Optimistisch, wie immer. Nur diesmal wirst du uns nicht mehr behelligen!“ Wie aus dem Nichts waren zwei weitere Personen aufgetaucht. Besonders die eine fiel einem besonders ins Auge, was bei einer Körpergröße von 2,40 Metern nicht verwunderlich war. Auch sie waren in dunkle Umhänge gekleidet.

Vangaril wandte sich nun an Trianna: "Ah. Wen haben wir denn da? Du hast Talent und ich würde ungern wollen, dass du dieses in einer Taverne verschwendest, in der dir niemand zuhört. Komm mit uns! Dann wird dich jeder beachten!" "Tu es nicht! Es wird schrecklich enden!" "Schweig, Wurm!"

Er wandte sich zurück an Trianna. "Also? Nimmst du mein Angebot an?"

Nun musste sich Trianna entscheiden. Bewunderung oder Nichtbeachtet werden? Mehr Auswahl blieb nicht.
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Freitag 12. März 2010, 18:36

Trianna registrierte befriedigt, dass der Wirt ihr nun endlich die gebotene Aufmerksamkeit schenkte. Während sie mit halbem Ohr seiner Wegbeschreibung lauschte, zog sie vier Fuchsmünzen hervor und knallte sie auf den Tresen. Zwar blieb ihr eigentlich noch genügend Geld für ein bescheidenes Abendessen, aber während des Gesprächs mit dem Wirt war ihr gründlich der Appetit vergangen. Wie sie sich auf die Ruhe und Abgeschiedenheit ihres Zimmers freute!

Rasch durchquerte sie die Schankstube, um ihren Mantel zu holen. Ein Kellner, der ihren Weg kreuzte, musste hastig ausweichen und hätte beinahe sein Tablett fallen lassen, doch sie beachtete ihn nicht.

Kurz darauf schloss sich die Holztür hinter ihr. Sie befand sich nun in einem düsteren und schmucklosen Gang, von dem links und rechts in kurzen Abständen weitere Türen zu den Schlafzimmern abgingen. Hier war nichts von der fröhlichen Schenkenatmosphäre zu spüren. Das massive Eichenholz der Tür dämpfte die Geräusche der Schankstube und ließ nichts hindurchdringen bis auf ein gelegentliches helles Lachen, das die beklemmende Stille nicht vertreiben konnte.

Anders, als sie erwartet hatte, fühlte sie sich nicht im Mindesten erleichtert, endlich der lästigen Gesellschaft entronnen zu sein. Angespannt spitzte sie die Ohren, um auf ein verdächtiges Geräusch sofort reagieren zu können, und schloss ihre Hand wieder um den Griff des Messers. Als würde sich ihre dunkle Vorahnung bewahrheiten, wurde in diesem Moment die Tür erneut aufgestoßen, und hastige Schritte ertönten hinter ihr. Sofort wirbelte sie herum und ließ ihren Mantel fallen, damit er sie im Falle eines Kampfes nicht behindern würde. Es war der Elf, der eben ihr Geld aufgehoben hatte und der nun völlig von Sinnen auf sie zustürmte. Noch im Laufen brabbelte er irgendetwas von einer großen Gefahr, doch er kam nicht dazu, seine Warnung zu beenden, da urplötzlich ein zweiter Elf neben ihm auftauchte.

Trianna zweifelte keine Sekunde daran, dass dies der Fremde war, der sie im Gasthaus beobachtet hatte. Nun, da sie so dicht neben ihm stand, hatte sie erneut das Gefühl, dass er eine unbestimmte Boshaftigkeit verströmte – Boshaftigkeit und Macht. Er sah anders aus als alle Elfen, die sie kannte, irgendwie dunkler. Ein Dunkelelf?

Zwischen den beiden Elfen entspann sich nun ein wütender Dialog. Rasch versuchte sie, die Situation einzuschätzen und herauszufinden, welcher der beiden Kontrahenten der überlegene war, um sich – gesetzt den Fall, sie müsste für einen der beiden Partei ergreifen – nicht auf die Seite des Verlierers zu schlagen. Als die beiden Kumpane Vangariels auftauchten, war die Sache klar. Der eine war fast doppelt so groß wie sie, sodass sie den Kopf in den Nacken legen musste, um sein Gesicht zu erkennen. Sie würde im Kampf niemals gegen ihn bestehen können, zumal sie spürte, dass ihre Eismagie immer noch nicht einsatzbereit war, wie sehr sie sich auch konzentrierte.

Als Vangariel sich ihr zuwandte, packte sie den Griff ihres Dolches fester. „Du hast Talent und ich würde ungern wollen, dass du dieses in einer Taverne verschwendest, in der dir niemand zuhört. Komm mit uns! Dann wird dich jeder beachten!", sagte er und sie kam sich vor wie in einem Traum. Wie lange schon hatte sie darauf gehofft, dass jemand ihr Talent erkannte und ihr endlich die gebührende Aufmerksamkeit schenkte! Die Warnung Aerendils beachtete sie kaum, so berauscht war sie vom Gedanken an Ruhm und Anerkennung. Sie wusste, dass sie bereit war, jeden Preis zu zahlen, wenn sie nur endlich aus diesem elendigen Dasein als Schenkenmusikerin befreit würde. Zwar gab es eine leise Stimme in ihr, die bezweifelte, dass Vangariel wirklich an ihren Qualitäten als Musikerin interessiert war, doch sie beachtete sie nicht. Erst der knappe Befehl des Elfen ließ sie aufhorchen: „Schweig, Wurm!“ Hatte er gerade Lerium gesprochen? Da sie die Sprache nur in der schriftlichen Form studiert hatte, war sie sich nicht sicher. Doch was auch immer es bedeuten mochte, es klang wie die Verheißung schrecklicher Macht.

In diesem Moment entschied sie sich, das Angebot des Elfen anzunehmen. Obwohl dieser nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkte, zweifelte sie nicht daran, dass er ihr tatsächlich zu Ruhm verhelfen konnte. Außerdem hatte sie das leise Gefühl, dass der Elf ihr so oder so keine Wahl lassen würde.

Obwohl sie sich längst entschieden hatte, blieb sie noch einen Augenblick stumm, genoss die gespannte Erwartung der anderen und schenkte Aerendil ein kühles Lächeln, das ihn erkennen ließ, dass die Schlacht verloren war. „Ja“, antwortete sie schließlich und beobachtete genüsslich, wie die Gesichtszüge Aerendils entgleisten. Wenn sie eins nicht leiden konnte, dann war es, wenn andere versuchten, sie zu bevormunden. „Vorausgesetzt, Ihr beantwortet mir zwei Fragen. Erstens: Wer seid Ihr? Zweitens: Was springt für mich konkret dabei heraus?“

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Freitag 12. März 2010, 19:44

Vangaril registrierte das unscheinbare „Ja“ Triannas mit einem amüsierten Lächeln. Doch leider war da immer noch Aerendil. Solange er da war, konnte alles was sie planten, fehlschlagen. Er wandte sich an den Hünen. „Los, Bossk! Schick ihn schlafen!“ Er sprach seltsame zischende Laute. Der Hüne antwortete nur mit einem: „Ja Sssir!“ Schon allein der Ausdruck seiner Stimme war beängstigend. Diese Zischlaute waren im Eisreich recht ungewöhnlich.

Der Angriff gelang, da Aerendil immer noch vor Schreck erstarrt war. Er hatte keine Chance, der Schlag traf ihn direkt am Kopf und er fiel um wie ein Sack Kartoffeln. „Kurzzz und Ssschmerzzloss.“ Zischte der Hüne nun in verständlichem celcianisch. Während seiner Schlagbewegung war seine Kapuze zurückgerutscht und hatte seinen Kopf enthüllt. Dieser war weder menschlich noch elfisch. Die Form glich der eines Reptils. Eine Echse! Vermutlich eine aus dem Mashmoor, denn seine Schuppen hatten eine grüne Färbung. Seine Augen waren gelb, mit geschlitzten Pupillen. Er warf sich den Elf mit einer Leichtigkeit über die Schulter. „Den nehmen wir besssser mit. Nicht dasss er noch entdeckt wird.“ Vangaril nickte nur. Er konnte nicht zulassen, dass alles auf das sie hingearbeitet hatten, von so einem einfältigen Tölpel ruiniert wurde.
Er wandte sich wieder Trianna zu. Sie hatte ja schon zugestimmt, sie zu begleiten, doch sie stellte auch zwei Forderungen. „Nun. Mein Name ist Vangaril. Stets zu diensten.“ Er deutete eine Verbeugung an. „Man kennt mich auch unter dem Titel ‚Hand des Grauens“. Sagte er in einem ruhigen Tonfall. „Nun wisst ihr wer ich bin.“ Er deutete auf seine beiden Begleiter. „Dieser hier ist Bossk. Er ist der Mann für die groben Sachen.“ Er lächelte eisig. Dann zeigte er auf den anderen. „Und dieser Bursche hier ist Alvias. Guter Mann.“ Mehr hatte er im Moment bezüglich seiner Begleiter nicht zu sagen.

Die zweite Forderung klang in seinen Ohren etwas unverschämt, doch er sagte nur: „Reichtum, Macht und das Gefühl der Überlegenheit allen anderen gegenüber. Sie werden sich vor Euch in den Staub werfen und um Vergebung flehen.“ Er wusste, dass er sie damit vollständig überzeugen konnte. Schließlich hatte er sie schon seit geraumer Zeit beobachtet und beobachten lassen. Er spürte den Zorn und den Hass in ihr. Dass sie nie ernst genommen wurde, schien ihr arg zu schaffen zu machen.

„Gehen wir, bevor jemand kommt. Sieht wirklich auffällig aus, wie wir hier herumstehen, noch dazu mit diesem Elf da.“ Sagte Alvias plötzlich und deutete auf den bewusstlosen Elf, der da über Bossks Schulter hing, schlaff wie ein Wassersack. Und er hatte nicht Unrecht. Wenn irgendjemand Alarm schlüge, hätten sie sofort die Wachen auf ihren Fersen.

"Wenn wir in unserem Versteck sind, werde ich dir alle Einzelheiten erklären, die du wissen musst. Und ich werde dich mit meinem Anführer bekannt machen.“ Mit einer Armbewegung beschied er ihr, ihm zu folgen.
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Samstag 13. März 2010, 21:02

Mit wachsendem Erstaunen lauschte Trianna den Zischlauten, die sich so sehr von der eleganten, klaren Sprache des Eisreichs unterschieden. Aus Vangariels Mund klangen diese sehr merkwürdig, fast schon ein wenig lächerlich. Als jedoch der Riese zu sprechen begann, gefror ihr das Blut in den Adern. Was mochte sich hinter der dunklen Kapuze verbergen?

Auch Aerendil schien vor Schreck wie erstarrt zu sein und versuchte nicht einmal, sich zu wehren, als der Hüne ihn mit einer präzisen, seltsam ruckartigen Bewegung niederschlug. Im Eifer des Gefechts wurde der Kopf des Wesens vollständig enthüllt. Es ähnelte niemandem, dem sie je begegnet war. Dunkel meinte sie sich an einen dicken Wälzer aus der Bibliothek der Magierakademie zu erinnern, in dem von „monströse[n] Echsen mit ungeheuren Kräften“ die Rede gewesen war, aber sie war sich nicht sicher, wie die Illustration dazu ausgesehen hatte. Doch was sonst sollte das Wesen sein?

Triannas anfänglicher Schrecken machte einem rauschartigen Hochgefühl Platz. Die Anwesenheit der Echse bewies zweifelsfrei, dass Vangariel nicht übertrieben hatte, als er ihr Anerkennung versprach. Wenn er mächtig genug war, um einer Echse Befehle zu erteilen, musste er über sehr ungewöhnliche Kräfte verfügen. Und er hatte sie auserwählt, in seine Reihen aufgenommen zu werden. Was für eine Ehre! Gierig stellte sie sich vor, wie eines Tages ein armseliger Elf wie Aerendil vor ihr zittern würde, wie er vor Vangariel gezittert hatte. Sie werden mich fürchten!

Ehrfürchtig lauschte sie Vangariels knapper Vorstellung. Aus seinen Worten sprach eine wunderbare Lässigkeit, aus der das gleiche Gefühl der Überlegenheit sprach, dass sie ebenfalls verinnerlicht hatte. Endlich hatte sie Gleichgesinnte gefunden!

Als er auf ihre zweite Frage antwortete, meinte sie einen leichten Anflug von Missbilligung in seiner Stimme zu hören. War sie vermessen gewesen? Sie fand, dass sie ein Anrecht darauf hatte, Fragen zu stellen. Schließlich verlangte er nicht weniger von ihr, als sich einer völlig unbekannten Gruppierung auszuliefern, ohne zu wissen, welche Aufgaben sie dort erwarteten. Seine Worte jedoch waren sehr verführerisch: „Reichtum, Macht und das Gefühl der Überlegenheit allen anderen gegenüber. Sie werden sich vor Euch in den Staub werfen und um Vergebung flehen.“ Ihre letzten Zweifel, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte, lösten sich in Luft auf. Dieser Mann weiß, worauf es ankommt, dachte sie zufrieden und fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben anerkannt.

Als Alvias sie zur Eile mahnte, legte sie rasch ihren Umhang an. Hoffentlich war der Schneesturm mittlerweile abgeklungen! Erneut warf sie einen Blick auf die Zimmertür am Ende des Ganges, doch diese bot für sie keinen Reiz mehr. Die Zeiten, in denen sie in hässlichen, kleinen Gästezimmern übernachten musste, ohne eine richtige Mahlzeit im Magen zu haben, waren endgültig vorbei. Sie war auf dem Weg zur Macht.

Vangariel imitierend zog sie ihre Kapuze über den Kopf, bis nichts mehr von ihrem Gesicht zu sehen war, und folgte ihrem neuen Meister, als sei sie schon jahrelang eine seiner Untergebenen.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Samstag 13. März 2010, 22:04

Die Befürchtung Triannas, dass sie in einen Schneesturm hineingerieten, traf glücklicherweise nicht ein. Es schneite zwar noch, aber nicht mehr so arg, dass man es als Sturm bezeichnen konnte. „Alvias. Schau um die Ecke, ob nicht doch jemand lauscht. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn jemand uns auf die Schliche kommt!“ Sagte Vangaril streng. „Sofort, Boss!“ Sagte der Elf knapp. Er schlich bis zu dem Punkt, an dem der Gang einen Knick machte und spähte um die Ecke. Er winkte mit dem Arm. „Die Luft ist rein. Niemand da.“ Sagte der Späher. Vangaril, Trianna und Bossk schlossen zu ihm auf.

Alvias deutete auf ein offenes Fenster. „Da ist der Ausgang, Leute. Durch die Schankstube können wir nicht. Zumindest nicht, wenn ein bewusstloser Elf einem über der Schulter hängt.“ Er sah zu Trianna. „Ich hoffe es macht dir nichts aus, da raus zu klettern. Zur Not fängt Bossk dich auf.“ Er lächelte frech. Dann sah er zu dem Riesen von einer Sumpfechse. Dieser verzog keine Miene. So war er halt. Still, zurückhaltend und vor allem tödlich. Vangaril kletterte als Erster, schließlich war er hier der Anführer. Danach kletterte Bossk durch das Fenster. Er wirkte etwas unbeholfen, da das Fenster für ihn etwas zu eng war. Der Rahmen dehnte sich erschreckend weit aus, kein Wunder bei SO einem Kreuz! Es knackte ein paar Mal, bis der monströse Leib nach draußen kam. Er landete sacht im Schnee, ungewöhnlich für so jemand riesiges.

Alvias signalisierte Trianna mit einer Armbewegung, dass sie nun an der Reihe war. „Ich bleibe noch kurz hier und stelle sicher, dass uns niemand folgen kann. Keine Sorge, Bossk wird dich auf jeden Fall auffangen, wenn du den Halt verlieren solltest. Wir passen aufeinander auf.“ Ein Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. Er hatte stahlgraue Augen, jedoch eine dunklere Hautfarbe, als bei Eiselfen üblich. Dort wo das Licht hinfiel, schimmerte sie bläulich, er war also ein Mischelf. Man musste also nicht lange raten, wenn man über den anderen Erbanteil nachdachte.

Trianna kletterte nun also aus dem Fenster auf das eisglatte Dach. Unten konnte sie Bossk erkennen, er war bereit sie aufzufangen, sollte etwas passieren. Doch nichts dergleichen geschah und Trianna landete unversehrt auf dem Boden. Als Letzter kam Alvias, gerade noch rechtzeitig, denn Bossk witterte eine Patrouille der Stadtwache. „Sie kommen in unsere Richtung. Wir müssen schnellstens verschwinden! Sonst können wir im Kerker landen!“ Sagte die Echse. Also fingen sie an zu rennen. Bossk bemerkte, dass Trianna zurückfiel, war sie nicht so athletisch wie die anderen. „Los! Geh und hol sie! Ich hab nicht so lange nach ihr gesucht, dass ich sie jetzt schon wieder verlieren möchte!“ Rief Vangaril dem Hünen zu. Der drehte nochmals um und nahm Trianna huckepack. „Tut mir leid, aber der Boss möchte, dass wir so schnell wie möglich in unser Versteck kommen.“ Sagte er mit tiefer und kratziger Stimme, zum größten Erstaunen Triannas in Esera. Man konnte also erkennen, dass sie schon längere Zeit hier im Eisreich verweilten, wenn sogar Bossk diese Sprache sprechen konnte...Ansatzweise natürlich.

Vangaril, der voraus lief, bog schließlich in eine dunklere Gasse ab. Alvias und Bossk, mit Trianna auf dem Rücken folgten. „So hier wären wir! Unser Versteck!“ Er zeigte auf ein baufälliges Gebäude, das seine beste Zeit wohl lange hinter sich hatte. „Keine Sorge, innen sieht es freundlicher aus.“ Er lächelte wieder, doch diesmal war es nicht eiskalt, sondern ermutigend. Er klopfte an die Tür. Drei mal. „Wie lautet die Losung?“ Kam es durch einen schmalen Schlitz in der Tür. „Halt die Klappe und lass uns rein, verdammt!“ Zischte Vangaril, nun sichtlich verärgert. „Oh, Herr ihr seid es. Verzeiht!“ Rasch wurde die Türe geöffnet. Von einem Ork!!
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Re: In der Schenke

Beitrag von Trianna » Montag 15. März 2010, 21:08

Während Alvias sie zum Fenster führte, unterzog Trianna ihn einer genauen Musterung. Er schien kein reinrassiger Eiself zu sein, sondern auch dunkelelfisches Blut in den Adern zu haben. Trotzdem wirkte er lange nicht so respekteinflößend wie Vangariel. Allerdings schien er sich auch gar nicht zu bemühen, eine gewisse Distanz zu wahren, sondern war beinahe unerträglich freundlich, was ihn in ihrer Achtung gleich ein ganzes Stück abstürzen ließ.

Vor dem Fenster blieb Alvias stehen und sagte mit einem unverschämten Grinsen: „Ich hoffe, es macht dir nichts aus, da raus zu klettern. Zur Not fängt Bossk dich auf.“ Seine Worte – falls sie denn freundlich gemeint waren – hatten genau das Gegenteil der erhofften Wirkung zur Folge. Trianna warf ihm nur einen kühlen Blick unter hochgezogenen Augenbrauen zu und erwiderte pikiert: „Wenn ich gute Ratschläge bräuchte, hätte ich dich danach gefragt.“ Ohne seine Antwort abzuwarten, kletterte sie behände durch das Fenster und landete mit einem eleganten Sprung im Schnee.

Kaum hatte sie sich an die Dunkelheit gewöhnt, begann auch schon die wilde Flucht. Nun zeigte sich, wie sehr sie nach den langen Jahren ohne körperliche Betätigung außer Form war. Schon nach ein paar Schritten fiel sie zurück und wäre in der Eile fast gestolpert. Die Echse schien zu bemerken, dass sie nicht mithalten konnte, und nahm sie huckepack – wohlgemerkt ohne sie um Erlaubnis zu fragen. Obwohl sie sich schon einigermaßen an den Anblick der Echse gewöhnt hatte, war dieser blitzschnelle Ritt auf dem Echsenrücken eine ziemlich beängstigende Erfahrung – und entwürdigend noch dazu. Wut und Angst waren jedoch schnell vergessen, als Bossk erneut das Wort ergriff. Er sprach Esera! Zwar mit einem starken Akzent, aber dennoch deutlich und grammatikalisch korrekt. Wie lange mochte das Grüppchen schon im Eisreich verweilen? Und was konnte eine Echse dazu veranlassen, ihren natürlichen Lebensraum aufzugeben und lange Zeit in Eis und Schnee zu verbringen?

Schließlich waren sie vor dem Versteck angekommen. Bossk ließ Trianna vorsichtig, fast behutsam auf den Boden herab. In ihr wuchs die Spannung. Wo mochte sich der Unterschlupf des Verschwörergrüppchens befinden? Als Vangaril auf das alte, heruntergekommene Gebäude wies, war sie enttäuscht, hatte es doch nichts mit der herrschaftlichen Residenz gemeinsam, die sie erwartet hatte. Doch vielleicht war dies nur Tarnung.

Vangaril klopfte an und gab sich zu erkennen, woraufhin die Tür geöffnet wurde. Und plötzlich stand vor ihr das hässlichste Wesen, das sie je gesehen hatte, hässlicher noch als Bossk. Es war plump und stämmig, hatte strohige Haare in einem schmutzigen Braunton und eine Haut in derselben Farbe. Am hässlichsten war jedoch sein Gesicht mit den riesigen Hauern und kleinen, boshaften Augen. Es verströmte eine Aura von unfassbarer Dummheit. „Was ist das?“, fragte sie mit angewidert gekräuselter Nase, wobei sie jedes Wort einzeln betonte.

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Montag 15. März 2010, 21:19

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Re: In der Schenke

Beitrag von Kalea » Mittwoch 29. Juni 2011, 16:41

[erster Post]

Etwas genervt von der heutigen Kundschaft verschwand Kalea in die Küche der Schenke und schnappte sich den Teller mit der Fischsuppe. Das dazu gehörige Brot ergriff sie mit der anderen Hand. Dass man so betrunken werden konnte, wie die Männer dort vorne wusste sie ja, aber heute kam es ihr noch schlimmer vor. Vielleicht, weil sie schon so lange auf den Beinen war. Möglicherweise aber auch, weil ihr Vater zuvor mal wieder gemeint hatte, dass sie unbedingt in der Nähe ihres Onkels bleiben sollte, solange er und ihre älteren Brüder eine Lagebesprechung über den Handel der Zwei machten. So viel Kontrolle war ihr gar nicht lieb.

Nachdem sie einmal tief Luft geholt hatte, schritt sie wieder in den vorderen Bereich des `eisigen Drachen´ und direkt zu dem hintersten Tisch, wo der Mann saß, der nun bestimmt schon leicht ungeduldig seine Suppe herbei sehnte. Mit einem nicht unfreundlich klingendem "Das macht dann bitte 2 Fuchsmünzen. Einen guten Appetit wünsche ich." sammelte sie das Geld ein, welches er ihr in die Hand drückte und steckte es in die große Geldbörse, die sie am Ende ihrer Schicht immer wieder ausleeren musste, nun jedoch noch fröhlich klimpernd um ihre Taille hing. "Wenn es noch etwas sein darf, scheuen Sie sich nicht nach mir zu rufen." Nach diesen Worten kehrte sie ihm den Rücken zu und ging zu ihrem Onkel, der hinter der Bar stand und die Männer davor mit immer neuem Bier befriedigte.

Ein Blick nach draußen durch das kleine, dick verglaste Fenster verriet ihr, dass der heftige Schneefall, der schon den ganzen Tag andauerte noch immer kein Ende finden wollte. Keine Seltenheit in Estria. Innerlich graute es ihr schon davor heute Abend nach hause zu gehen, obwohl sie sich schon darauf freute sich zu ihrer Ur-Großmutter zu gesellen und noch ein wenig ihren Geschichten zu lauschen, wie sie es oft machte, wenn es draußen stürmte.

Sie blickte sich um, damit sie nicht zu verträumt wirkte, was ihr Vater des öfteren an ihr bemängelte.
Die meisten Gäste waren vorübergehend zufrieden gestellt. Nur eine kleine Truppe Männer, wahrscheinlich Jäger so wie sie aussahen, verlangten nach mehr zu trinken. Also ging sie hin um die Bestellung auf zu nehmen. So wie sie die Kerle einschätzte, wollten sie wohl Schnaps haben. Jäger kamen oft her um sich gnadenlos zu betrinken, was gerne auch mal gefährlich für das junge Mädchen werden konnte, doch war sie sich sicher, dass ihr Onkel bei jeder noch so kleinen Rempelei eingreifen würde, um sie zu schützen. Das war der Vorteil, wenn man einen gnadenlos vernarrten Vater hatte.

Mit fester Stimme lenkte sie die Aufmerksamkeit der Truppe auf sich.
"Was darf ich euch bringen?"

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Re: In der Schenke

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 30. Juni 2011, 09:52

Die Bänke der Schenke „Zum Eisigen Drachen“ waren eher spärlich besetzt, aber für eine einzige Elfe als Kellnerin war es doch einiges zu tun. Die Leute wollten trinken, die Leute wollten essen: Alles was an diesem kalten Tag wärmte. Sehr viele bestellten die Fischsuppe. Es war zwar keine Delikatesse und man lief Gefahr, gelegentlich ein Fischköpfchen zu erwischen, das einen vorwurfsvoll anstarrte, oder eine Gräte in den Hals zu bekommen, aber sie war billig, nahrhaft und warm.
"Nein, das wäre alles." , erklärte der Gast, bevor er laut schlürfend sich seiner Suppe widmete. Ihr Onkel kümmerte sich um die Gäste am Tresen, also diejenigen, die gleich an der Quelle des Alkohols dran sein wollten. Dennoch schaute er gelegentlich zu seiner Nichte Kalea hin, um zu überprüfen, ob mit ihr auch alles in Ordnung war. Außerdem deutete er gelegentlich mit einer leichten Geste an, wo weitere Gäste auf die Bedienung warteten.

Dieses Mal waren es drei Männer, die an einem Tisch zusammen saßen. Ihre Kleidung war in Jägermanier dick und grob, aber an den Gelenken des Armes dünner, um die Bewegungsfreiheit zu garantieren. Ihre Waffen hatten sie im Moment nicht dabei.
Unbestritten waren es Eiselfen, auch wenn einer von ihnen einen etwas wilden Bart hatte und die Ohren kürzer als der Durchschnitt war. Vielleicht war er zur Hälfte oder zu einem Viertel Mantroner?
Ihre Köpfe waren zusammengesteckt und über etwas gebeugt. Man konnte gerade noch ein geflüstertes "…uwelen und Gold?" hören, als sie die Präsenz der Eiselfe wahrnahmen. Fix hatte einer einen Stofffetzen zusammengerollt und schaute sie etwas verärgert an.
"Ja, dreimal die Fischsuppe." , sagte einer der Eiselfen und schaute herausfordernd in die Runde.
"Und Branntwein!" , fügte der Elf mit mantronischen Blut hinzu, als sei es das wichtigste von allen.
"Dreimal Branntwein." , erklärte der erste Elf. Dass er die Bestellung wiederholte, deutete auf einen dominanten Charakter hin, er war auch der Älteste der Gruppe. "Schnell, wenn es geht."

Interessant, was da von statten ging. Die drei unterhielten sich über irgendetwas geheimes, jedenfalls redete dritte Eiself, derjenige mit dem Stofffetzen und der bei der Bestellung still geblieben war, auf die anderen zwei leise ein. Es wäre durchaus im Bereich des Möglichen, dass Kalea Froststern zufällig ein paar Mal an ihnen vorbei ging, um andere Gäste zu bedienen und dabei die Ohren spitzte.
Bespitzeln war kein schönes Wort, aber als Mitglied der Froststernfamilie wäre es doch wichtig zu wissen, was denn im familieneigenen Gasthaus so vor sich ging, oder?
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Re: In der Schenke

Beitrag von Kalea » Donnerstag 30. Juni 2011, 11:58

Als Kalea wieder Absand von dem Tisch nahm, an dem die drei saßen zog sie leicht die Stirn kraus - nur um es gleich wieder zu unterlassen, weil sie noch immer übte so viel Gefühlsregung zu verbergen. Außerdem spürte sie wieder das Auge ihres Onkels auf sich und hatte kein Interesse daran, dass er sie nach den Männern fragte. Am Ende wollte er noch die Bestellung übernehmen und sie musste die Kerle am Tresen versorgen.

Sie sprachen von Gold. Und was war das andere Wort? Juwelen? Und aussehen tun sie wie Jäger. Ob sie hinter einem Schatz her sind? Oder wollen sie irgendwo einbrechen?

Ihre Beine trugen sie nach hinten in die Küche, wärend ihre Gedanken immer weiter abschweiften. Es war nicht zu leugnen, dass ihr Interesse geweckt war. Wie konnte man auch besser einen nervigen Abend in einen spannenden verwandeln, wenn nicht mit kindlicher Neugier. Um schnell wieder zurück zum Tisch zu kommen rief sie ihrer Tante, die heute als Köchin fungierte, zu, was die Männer essen wollten. Dann gesellte sie sich zu ihrem Onkel hinter den Tresen, um den Branntwein einzuschenken, den sie dann auf einem Tablett drapierte, welches sie gedachte hin zu bringen, wenn auch die Suppe da war.
In der Zwischenzeit ging sie zu dem Nachbartisch der Männer um dort nach dem rechten zu sehen. Und möglicherweise auch in der Hoffnung etwas von dem Gespräch erlauschen zu können.
Die beiden Stammgäste, die sie nun aber bediente waren so laut, dass man überhaupt nichts anderes verstehen konnte, als ihr geplänkel nach noch mehr Met und ein paar Lütten. Also kehrte sie wieder um um ihren Wusch zu erfüllen.

Bei ihrem Onkel angekommen ertönte die kleine Glocke, die ihr mit teilte, dass ihre Tante mit der Bestellung fertig war.
Sie sagten schnell. Dann sollte ich gleich mal wieder hin. Oder lieber doch etwas Zeit lassen, damit sie länger sitzen bleiben?

Als sie bemerkte, dass ihr Onkel grade einen Augenblick von seiner Kundschaft in ruhe gelassen wurde, ging sie zu ihm hinüber. „Magst du mir eben 2 Met und zwei Schnäpse für die beiden dort hinten fertig machen?“
Als er nickte verschwand sie mit dem Tablett in die Küche und kam mit der gewünschten Fischsuppe wieder raus.

Mal sehen, ob ich jetzt etwas von dem mit bekomme, was sie planen.

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