Die Hütte des Ingenieurs

Die Zwerge bewachen die Siedlung vor den Geheimnissen und Schrecken, die nachts mit dem Nebel kommen. Sie schützen die Bauern, brauen hier aber auch Bier und Schnaps. Sogar ein paar des Tha’Roon-Volkes leben mit Zwergen und Menschen einher.
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Die Zwergensiedlung ist von Dunkelelfen und Piraten eingenommen worden. Die Bewohner Rugtas sind Gefangene in ihrer eigenen Stadt!
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Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Montag 13. April 2015, 19:36

(Einstiegspost von Brovi Brockstein)

Das Ding explodierte ungefähr gegen Mittag. Natürlich hatte Brovi nicht vorgehabt, etwas in die Luft zu sprengen, und es war auch nur eine ganz kleine Explosion. Der Ingenieur hatte gerade an seinem neuesten Werk gearbeitet, als dieses plötzlich mit einem Knall in all seine Einzelteile zersprungen war. Das war in mehrfacher Hinsicht ärgerlich: Zum einen konnte Brovi mit der Entwicklung noch einmal von vorne anfangen. Zum anderen wurden durch das Laute Geräusch möglicherweise patroullierende Dunkelelfen auf die Hütte auf dem Hügel aufmerksam. Unwahrscheinlich, aber möglich. Ausserdem war Brovis linker Handschuh hin. Er machte sich also daran, nach einem Ersatz zu suchen. Den fand er ein einer Kiste irgendwo in seinem unglaublich chaotischen Arbeitszimmer. Hätte er den Handschuh nicht sofort an sich genommen, hätte er wahrscheinlich sehr lange gebraucht, um ihn wiederzufinden.
Nachdem er nach nahenden Feinden ausschau gehalten hatte – es waren keine zu sehen –, machte er sich daran, das explodierte Projekt wieder zusammenzubauen, was sich deshalb als schwierig erwies, da er einige Teile in seinem alltäglichen Durcheinander schlicht nicht wiederfand. Schließlich gab er es auf und führte die Einzelteile wieder seinem Fundus zu, was ungefähr gleichbedeutend ist mit "er pfefferte sie in die Ecke".
Im Grunde war es also ein vollständig unproduktiver Tag, aber Brovi hatte zumindest versucht, etwas auf die Beine zu stellen.
Zuletzt geändert von Brovi Brockstein am Montag 11. Mai 2015, 21:42, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Dienstag 14. April 2015, 11:00

Der Knall war zwar nicht ohrenbetäubend gewesen, aber es konnte sicher nicht schaden, dass sich der bastelnde Zwerg draußen einmal umsah. Nebenbei konnte er auch die Fenster öffnen um den Rauch hinaus zu lassen. Brovi Brockstein, der Ingenieur, Bastler, Gärtner und Schäfer für ein einzelnes Schaf mit Namen „Mopp“, stapfte nach draußen und hielt nach sich nähernden Feinden Ausschau. Es war wenig verwunderlich, dass nach dem Knall kaum ein Vogel zwitscherte und sich auch sonst kein lebendiges Wesen zeigte. Selbst wenn ihn jemand beobachtete, dann zeigte er sich nicht und Rugta lag zum Glück so weit entfernt, dass er Krach die dort stationierten Dunkelelfen wohl nicht angelockt hatte. Und selbst wenn sie es gehört hatten, war dort bekannt, dass es ab und an auf dem Hügel rumste und rauchte. Brovis „Künste“ wurden dort oft nur belächelt, selbst wenn er selbst sicher war einen Erfolg gehabt zu haben. Diese Dunkelelfen sahen nichts nützliches in seinen Werken, da sie ja schließlich von einem „dummen“ Zwerg erdacht worden waren und was konnte da schon heraus kommen! Wenn sie sich da mal nicht irgendwann gewaltig irrten.
„Mööööhöhöhöhh!“
Blökte Mopp und am Klang des ihrer Stimme, wusste Brovi, dass sein zotteliges Begleitertier Hunger hatte. Vielleicht mochte sie auch mal wieder gemolken werden oder sagte nur „Hallo.“?Ganz sicher konnte man sich da bei ihr nie sein. Brovi drehte sich um und ging wieder hinein, um sein Experiment zusammen zu sammeln und „geordnet“ in der Ecke abzulegen. Es war einer jener Tage die nicht gut anfingen und dann meistens auch nicht gut endeten, wenn man nichts dagegen unternahm. Wenigstens hatte er seinen Handschuh wieder gefunden und seine Brille war auch ganz geblieben. Das er sich wohl möglich selbst hätte verletzten können, war ihm nicht mal in den Sinn gekommen. Nachdem der Zwerg sein Heim nach seinen Vorstellungen wieder aufgeräumt hatte, fiel sein Blick aus dem Fenster. Die letzten Tage waren überraschend kalt gewesen und Schnee hatte seine Felder bedeckt, doch heute war es schon deutlich milder geworden und der Frühling kündigte sich mit Sprühregen und tief hängenden Nebelfeldern an, obwohl es Nebel hier eigentlich immer gab. An einem Tag wie heute, da schaffte es sogar die Sonne, ab und an den Boden zu berühren. Vielleicht doch kein schlechter Tag? Der Schnee war schon geschmolzen und langsam begannen die Vögel auch wieder zu singen. Vielleicht sollte er sich auf seinen Feldern mal umsehen und die Frühsaat vorbereiten. Seine Lebensmittel standen nach dem langen Winter nicht zum besten und auch seine Börse hatte schon praller ausgesehen. Der Winter hatte ein ordentliches Loch in seine Kasse gefressen. Ein Blick in die Speisekammer zeigte einen kläglichen Rest Dörrfleisch, sein letztes Fass Bier, einen halben Sack Getreide und fünf schrumpelige Winteräpfel, die schon fast mehr Rosinen ähnelten. Wenigstens Mopp hatte ihren Teil beigetragen, dass er noch reichlich Käse und frische Milch hatte. Ein kleiner Ballen Wolle von der letzten Schur lag auch noch in der Ecke. Es wurde Zeit, dass er bald wieder etwas verkaufte. Dazu musste jedoch ein Plan her und der letzte hatte sich gerade nicht nur sprichwörtlich in Rauch aufgelöst.
„Mööööhöhöhöööö. Möööh.“
, erklang bestätigend von draußen leise und gedämpft durch die Wände Mopps Stimme.

(Startkapital: 62 Füchse)
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Montag 27. April 2015, 20:14

Um nach Jersa zu fahren, hatte Brovi noch lange nicht genug hergestellt. Was er also brauchte, waren Ideen. Welche zu finden, war teilweise gar nicht so einfach: Hätte Er in einer anderen Zeit gelebt, wäre er wohl auch unnütze Dekorationsartikel gut losgeworden, aber jetzt, wo man anscheinend in großen Teilen Celcias Krieg führte, gaben die meisten Leute nur noch Geld für nützliches aus. Moment! Krieg… Waffen! Früher, als Rugta noch frei gewesen war, wäre Brovi niemals auf diese Idee gekommen. Er hatte auch noch nie versucht, Waffen zu bauen. Aber er war auch kein Schmied, zumindest kein konventioneller. Schwerter, Äxte, Helme und so weiter kamen also nicht infrage, und Keulen waren unter seinem Niveau. Seine Kunden wollten ja auch sowieso keine normalen Gegenstände, sie wollten aussergewöhnliches. Aber der Grundgedanke würde sich fortführen lassen. Er musste einfach ein bisschen gewalttätiger denken… Immer die Zielgruppe im Blick haben… Morgen… morgen würde er sich weiter damit befassen… damit war er eingeschlafen.
Im Traum hatte er eine geniale Idee. Zumindest war sie im Traum genial. Als er aufwachte, stellte sich heraus, dass er von einer Bratpfanne geträumt hatte.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Dienstag 28. April 2015, 19:52

Der lange Griff aus glatt geschmirgeltem Holz, fest eingefügt in seine Halterung, der Übergang in das große flache Rund mit den leicht geschwungenen Rändern, die große, flache Fläche in der Mitte, die so klangvoll tönte, schlug man fest damit zu. Ja! Sie war die perfekte Waffe! Wie sollte er sie nur nennen, seine Schöpfung? Mit dem ersten Blinzeln seiner Augen, fiel Brovi Brocksteins Blick auf sein altes geliebtes Kochgeschirr. Ja!
Bratpfanne, ja! Das war ein guter Name, nur dumm, dass die schon jemand erfunden hatte.
Verschlafen rieb er sich die Augen und hörte nun auch bewusst, was ihn geweckt hatte. Es war noch dämmerig, der Tag noch nicht ganz der Nacht entrückt und draußen blökte ein Schaf wie wild. Und ja, er hatte gestern vergessen sich um sein Mädchen „Mopp“ zu kümmern. Sicher war es hungrig und gemolken musste sie auch sicher dringend werden. Der Garten wollte versorgt werden und all die anderen kleinen Aufgaben riefen laut seinen Namen.
Brovi! Du hast uns wieder einmal über deine Grübeleien vergessen!
Aber am lautesten rief Mopp nach ihm. Der gestrige Tag war viel zu schnell vergangen und Brovi konnte sich kaum an den Nachmittag erinnern. Er war sehr früh schlafen gegangen. Heute, so hatte er es sich vorgenommen, wollte er etwas erfinden! Etwas kriegerisches, etwas gewalttätiges, etwas das die Welt noch nicht gesehen hatte! Und die frühsten Morgenstunden waren bekanntlich die kreativsten. Also rann ans Werk und …
„MöööööööööööhhhhMÖÖÖÖÖÖÖHHHHHHH!“
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Samstag 9. Mai 2015, 12:12

Na guut, dachte Brovi, dann kümmere ich mich eben zuerst um Mopp. Er zog sich also seinen Mantel über und ging nach draußen. Obgleich des Wetter langsam besser wurde, die Tage länger und die Temperaturen höher, war es immer noch nicht wirklich warm, eigentlich war es noch relativ kalt. Der Zwerg stapfte durch das nasse, matschige Gras, das sich noch von der Zeit unter dem Schnee erholen musste, auf die Rückseite seiner Hütte, wo Mopps Schuppen stand. Als das Schaf Brovis Schritte hörte, fing es wieder an, ungeduldig zu blöken.
"Na, meine Kleine", sagte der Zwerg, als er bei dem Schaf angelangt war, "was fehlt dir denn?"
Bestimmt hatte Mopp einfach Hunger. Brovi würde etwas zu essen für sie holen. Da er sie gestern ja vollkommen vergessen hatte, würde sie heute etwas mehr bekommen…falls Brovis Vorräte das noch hergaben. Er musste wirklich mal wieder ins Dorf fahren. Und damit war er wieder am Anfang: Er musste dringend etwas bauen. Aber was? Gestern Nachmittag hatte er die Waffe als neuen Markt entdeckt. Er könnte vielleicht mal versuchen, sozusagen zum eingewöhnen, eine Armbrust oder etwas in der Richtung zu bauen. Das war zwar nicht wirklich etwas neues, aber vielleicht würde Brovi auf dieser Grundlage etwas einfallen…

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Montag 11. Mai 2015, 20:32

„MöööööööööööhhhhMÖÖÖÖÖÖÖHHHHHHH!“
, erschallte es vorwurfsvoll aus dem Schuppen, als der Zwerg die Tür öffnete. Im Zwielicht des Bretterverschlags konnte er seine kleine Schafsdame sehen, die vor ihrer leeren Krippe stand und ihn anschaute, als hätte er sich gerade an ihr versündigt. Ihr dunkles Gesicht hob sich deutlich von dem gelblich-weißen Zotteln ab, die ihr in langen verfilzten Strähnen bis zum Boden hingen. Brovi wusste auch, wie schön grün das Fell im Sonnenlicht an manchen Stellen schimmern konnte und wie braun es inzwischen in den Längen war … Mopp war wirklich der passende Name für dieses Wesen gewesen.
"Na, meine Kleine"
, sagte der Zwerg, als er bei dem Schaf angelangt war,
"was fehlt dir denn?"
„MöööööööhhhhMÖÖÖHHHHH!“
Wieder dieser Blickwechsel, als wollte sie ihm die schlimmsten Vorwürfe machen. Mopp machte zwei schnelle Schritte auf Brovi zu und knuffte ihm mit ihrem harten Schädel gegen die Seite. Nicht so stark, dass sie ihn verletzen könnte, doch merklich beleidigt! So drückte sie ihn „liebvoll“ in die Ecke, wo unterm Dach Stroh und Heu lagerte. Es brauchte nur einen kurzen Rundumblick und der Zwerg wusste, dass er auch den Stall ausmisten musste, bevor sein Mädchen wieder Ruhe geben würde. Mit ihrem ununterbrochenen Geblöke konnte er sich ohnehin nicht konzentrieren, also machte er sich an die Arbeit. Mistgabel und Schaufel, ein Eimer und eine Schubkarre standen bereit. Nur um an das Heu und das Stroh zu gelangen musste er eine schmale Leiter hinauf und als Zwerg verließ er einfach ungern den Boden. Aber was tat man nicht alles für die holde Weiblichkeit, selbst wenn es nur ein Schaf war. Mopp kaute derweil auf ein paar Halmen herum, während sie ihm zufrieden bei der Arbeit zusah. Brovi musste ein paar mal zwischen den Schuppen und dem draußen liegenden Misthaufen hin und her fahren, dabei entwischte ihm einmal sein Schaf und prompt stapfte Mopp Richtung Haus. Hatte er die Tür zu gemacht? Sicher … oder? Lieber nachsehen, wo die wandelnde Wollproduktion hin lief. Meist entfernte sie sich nie weit von ihrem Zuhause, doch als er nachsah, stand sie diesmal plötzlich mitten im leeren Kartoffelacker und starrte in den Wald. Ihr leises:
„Mö ...“
wirkte verwirrt. Hatte sie sich mal wieder vor einem fallenden Blatt erschrocken? Im letzten Herbst war das regelmäßig der Fall gewesen. Von Jahr zu Jahr wurde es schlimmer mit ihr und manchmal wäre es sogar vielleicht besser gewesen sie einfach weg zu sperren und ihre ihren Auslauf ganz zu nehmen. Doch jetzt starrte sie einfach nur in eine Richtung, ließ ein paar Köttel fallen und stapfte dann noch zwei Schritte in die Richtung um wieder stehen zu bleiben.
„Möh!“
Wenn Brovi sich irgendwann, vor oder nach getaner Arbeit, von hinten näherte, machte sie kurze Ausfälle nach vorne, doch nie so weit, dass er sie aus den Augen verlor. Irgendetwas hatte ihre Aufmerksamkeit erregt, doch mutig genug um allein zu gehen, war sie nun auch wieder nicht, denn schließlich war der Zwerg ihre Herde. Stellte sich nur die Frage, hatte ihre Herde auch Lust und Muse ihr zu folgen, oder ließ er sie stehen wo sie war? Wollte der Erfinder nicht seiner Berufung nachgehen? Nach ein paar Stunden Freigang würde sie ohnehin zurück in den Stall gehen. Meist auf Kosten irgendwelcher Setzlinge im Acker, aber das war zu verkraften. Oder hatte Mopp vielleicht irgendetwas? Ein wenig merkwürdig benahm sie sich ja schon. Sollte er sich vielleicht doch lieber bewaffnen und nachschauen? Bei Schafen wusste man ja nie so recht was sie antrieb!
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Montag 18. Mai 2015, 17:07

Ja, in der Tat schien Mopp doch etwas zu aufgeregt für ein fallendes Blatt: Wenn es soetwas gewesen wäre, wäre sie wahrscheinlich doch relativ schnell wieder zur Ruhe gekommen. Es musste etwas anderes sein. Was, wenn die Dunkelelfen sich jetzt doch für ihn interessierten? Vielleicht wollten sie ihn zwingen, für sie irgendwelche teuflischen Sachen zu bauen, oder ihn einfach sprichwörtlich "in die Mine schicken" – Rugta hatte ja wegen des feuchten Bodens eigentlich keine Minen. Letzteres war wohl wahrscheinlicher. Möglicherweise lauerten auch Banditen im Unterholz, oder ein schreckliches Monster mit vielen Augen, Feueratem und scharfen Zähnen… wahrscheinlich sollte Brovi besser noch einmal ins Haus gehen und seinen Hammer holen. Gegen das schreckliche Monster würde er damit wahrscheinlich nicht viel ausrichten können und gegen die Dunkelelfen auch nicht, aber wenn es Banditen waren, hatte er viellecht eine Chance. Und wer sagte denn überhaupt, dass, was auch immer sich dort vor seinem Blick verbarg, böse war?
Der Erfinder strich dem Schaf beruhigend über das Fell und schlich auf Zehenspitzen – warum, wusste er selbst nicht genau: Der Unbekannte wusste durch Mopps Blöken wahrscheinlich sowieso längst, dass hier jemand war – zur Hintertür und hinein. Sein Hammer lag auf der Werkbank. Brovi bahnte sich einen Weg durch sein kreatives Chaos und nahm das Werkzeug an sich. Vorsichtshalber schnappte er sich auch noch ein herumliegendes langes Holzstück, dann kehrte er zurück nach draußen. Sein Schaf stand noch da, wo es eben gestanden hatte, und war nach wie vor sichtlich nervös. Brovis heimliche Hoffnung, dass die Ursache für sein und Mopps Unbehagen mittlerweile verschwunden sei, hatte sich also nicht bestätigt. "Gut", sagte Brovi zu seiner Begleiterin, "du wartest hier, ich geh' mal nachsehen, womit wir es hier zu tun haben", und damit machte er den ersten Schritt in Richtung der Bäume.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Mai 2015, 08:36

"Gut"
, sagte Brovi zu seiner Begleiterin,
"Du wartest hier, ich geh' mal nachsehen, womit wir es hier zu tun haben"
, und damit machte er den ersten Schritt in Richtung der Bäume. Das mit dem Warten hielt Mopp anscheinend für keinen angebrachten Vorschlag, wenn sie ihn überhaupt verstand, denn das Schafmädchen fühlte sich ganz offensichtlich bei seiner „Herde“, die nun mal nur aus Brovi bestand, am sichersten. Wenigstens hatte es aufgehört zu blöken und trappelte zufrieden hinter dem Zwerg her. Als sie die Baumgrenze erreichten rückte es sogar noch näher auf und lief fast wie ein Hund an Brovis Seite. Hier fühlte es sich stark und beschützt. Gemeinsam liefen sie in den Wald hinein und nach ein wenigen Schritten blökte Mopp leise und lief plötzlich um einen Baum herum. Auf der anderen Seite senkte sich der Boden ein ganzes Stück ab, so dass sich eine Kante im Gelände gebildet hatte, in der sich Laub und andere kleine Teile zu einer Wehe gesammelt hatten. Die Wurzeln der Bäume ragten wie Finger aus der Wand und darunter schien etwas zu liegen. Was ganz deutlich nicht dort hin gehörte, war der Körper eines Zwerges. Kein Monster, kein Dunkelelf, ein Zwerg lag dort unten zwischen dem Reisig verborgen. Brovi umrundete den steilen Abhang und suchte sich eine flachere Stelle um hinunter zu springen. Mopp sprang nicht und lief unruhig an der oberen Kante entlang, als ob es Angst hätte alleine zurück zu bleiben. Brovi eilte zu der Stelle und fand … Rumpel!
Brovis Freund und Händler lag halb verdeckt vom Laub in der Kuhle und als er ihn umdrehte, stöhnte er leise. Seine von den dichten Brauen halb ein gewucherten Augen blinzelten und ein kurzes Schmunzeln ließ seinen Bart zucken.
„Du hast mich gefunden...“
Er war sehr erschöpft und schloss bei dem Anblick des vertrauten Gesichts erleichtert die Augen. Sein Haar war mit Blut verkrustet. Ob es sein eigenes war, oder das eines Anderen, war auf die schnelle nicht zu erkennen, aber Brovi konnte ihn unmöglich hier liegen lassen.
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Donnerstag 21. Mai 2015, 15:05

Brovi konnte seinen Freund natürlich unmöglich hier liegen lassen. Aber in seinem Zustand würde es Rumpel wahrscheinlich auch nicht besonders gut bekommen, durchs Unterholz geschleift zu werden; und um getragen zu werden war er dann doch etwas zu schwer. Wenn das Blut in seinen Haaren seines war, schien die Wunde zumindest kein neues mehr abzusondern, das war schon mal beruhigend. Trotzdem drängte die Zeit: Einerseits wusste Brovi nach wie vor nicht, ob Rumpel ernsthaft verletzt war, und andererseits hatte höchstwahrscheinlich ein Kampf stattgefunden. Ein solcher erforderte üblicherweise mindestens zwei Teilnehmer, und der andere – oder die anderen – konnte theoretisch noch in der Nähe sein.
Was der Ingenieur brauchte, war eine Trage. Konnte er Rumpel kurz allein lassen, um Material zu holen? Wahrscheinlich blieb ihm nichts anderes übrig. Er flüsterte seinem Freund ein "Bin gleich wieder da" zu, dann machte er sich in zügigem Tempo auf den Weg zu seiner Hütte. Er stieß die Hintertür auf und stürmte durch den Flur in sein Arbeitszimmer. Er brauchte lange Hölzer für einen Rahmen. Notgedrungen griff er nach dem Besen, auf dem Rückweg würde er aus dem Stall noch die Heugabel holen. Kürzere Stöcke für die Ober- und Unterseite waren Schnell in seinem Arbeitsmaterialfundus gefunden. Er griff sich ein Säckchen mit Nägeln, ein Seil und ein Messer zum Abschneiden des Seils.
Geht es Rumpel gut?
Jetzt brauchte er noch etwas, um den Rahmen, den er bei seinem Freund zusammenbauen würde, zu bespannen. Irgendwo fand er einen alten Sack. Der würde funktionieren.
Streunt ein mordlustiger Bösewicht um meine Hütte?
Brovi steckte alles bis auf den Besen, welcher dafür zu lang war, in den Sack und machte sich auf den Rückweg, mit einem Abstecher in den Stall, um die Mistforke zu holen. Als er wieder bei Rumpel angekommen war, lag der noch genauso da wie zuvor und atmete auch noch, wenn auch nicht ganz gleichmäßig. Brovi kippte sein Material aus und begann mit dem Bau. Er legte die Heugabel, den Besen und die beiden kürzeren Hölzer zu einem Rechteck und fixierte sie an den Ecken mit je einem eilig eingeschlagenen Nagel, zwei verbog er, sie hielten aber trotzdem. Dann schnitt er vier Stücke von dem Seil ab und wickelte sie um die Ecken des Rahmens: Er konnte es sich nicht leisten, dass seine Trage auf halbem Weg auseinander fiel. Den Sack schnitt er an den Seiten auf, sodass eine Fläche entstand. Er nagelte sie auf den Rahmen – er konnte nur hoffen, dass die Nägel den Stoff nicht so sehr zerrissen, dass er abfiel. Dann zerrte er Rumpel darauf. Dieser stöhnte kurz, zeigte aber sonst keine nennenswerte Reaktion. Der Erfinder packte die Enden der Trage, an denen keine Spitzen beziehungsweise Reisighalme waren und beförderte die Konstruktion aus der Senke, indem er erst ein Ende auf den oberen Rand hievte und dann um die Trage herumging, um von der anderen Seite zu schieben. Sein Freund war nun oben, aber noch lange nicht beim Haus, und allein würde Brovi eine halbe Ewigkeit brauchen, um das zu erreichen. Also nahm er den Rest des Seils, befestigte ein Ende am oberen Rand der Trage und das andere an Mopp. Diese begriff anscheinend, was von ihr erwartet wurde, und setzte sich relativ schnell – für ihre Verhältnisse – in Bewegung. Erst langsam, dann, als auch Brovi mithalf, etwas schneller. Irgendwann war es dann vorbei. Insofern, dass einige Meter vor der Hütte die Trage auseinanderfiel. Der größte und schwierigste Teil jedoch war überwunden. Der Ingenieur befreite Mopp von dem Seil und zog Rumpel über den hier relativ ebenen Boden das letzte Stück zur Hütte. Drinnen verfrachtete er ihn aufs Bett. Als nächstes würde er ihn genauer untersuchen und sogut er konnte verarzten. Und wenn sein Freund wieder bei Kräften war, würde er ihm hoffentlich erzählen was passiert war.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Freitag 22. Mai 2015, 10:10

Brovi hatte in kürzester Zeit eine Trage zusammengebaut und seinen Freund in Sicherheit gebracht. Kaum hatte er Mopp von der Trage los gebunden trippelte das Schaf in Richtung Gemüsegarten, aber das war jetzt nicht wichtig. Rumpel musste versorgt werden und dafür musste Brovi den Händler gründlich untersuchen, was gar nicht so einfach war bei einem Zwerg seiner Behaartheit.
Nachdem er sich durch die verwilderte Wolle seines Bartes gewühlt hatte, fand er einen prächtig dunkelblauen Bluterguss seitlich an seinem Kiefer, doch da kam das Blut nicht her. Es hatte sich durch die Haarpracht seinen Weg auch dort hin gesucht, aber die Quelle befand sich nördlicher unter den hinteren Schläfenlocken des wahrlich dickköpfigen Zwerges. Die Ränder der Platzwunde waren bereits getrocknet, aber leicht gerötet. Ein Mensch hätte einen solchen Schlag sicher nicht überlebt. Vielleicht spielte Brovi kurz mit dem Gedanken Rumpel den Kopf zu rasieren um ihn besser verarzten zu können, aber er wusste auch wie stolz der Händler auf seine Haarpracht war. Der ganze Mann bestand fast nur aus dunkelrotem Haar, was an vielen Stellen zu Zöpfen geflochten war. Außer um die Wunde zu säubern und sie notdürftig abzudecken hatte er ohnehin nicht viel da. Er musste einfach darauf hoffen, dass Rumpel nicht nur ein Dickschädel war, sondern auch zu stur um ernstlich krank zu werden, denn das würde seine derzeitige Situation noch deutlich verkomplizieren.
Einige Stunden vergingen, bevor Rumpel das erste Mal die Augen aufschlug. Sofort beugte sich sein Freund besorgt über ihn. Er schien Brovi zu erkennen, denn das erste was er leise flüsternd von sich gab war einer seiner Schafswitze, die er sich immer eigens für Brockstein ausdachte:
„Wie guckt ein dummes Schaf?“
Er zuckte ein paar Mal leicht.
„Belämmert.“
Dann machte er noch mal für eine Stunde die Augen zu und begann tatsächlich zu schnarchen, dass es ganze Wälder abholzen könnte, aber auch das verging und nach einer Weile kehrte wieder Ruhe auf dem Berg ein. Brovi kümmerte sich in der Zwischenzeit um die Überreste seiner Trage und brachte Mopp zurück in ihren Stall, nachdem sie sich im Gemüse satt gefressen hatte. Gerade als er wieder seine Hütte betrat, sah Brovi wie Rumpel versuchte sich aufzurichten, die Augen verdrehte und dann zurück in das Kissen sank.
„Was macht ein quengeliges Schafbaby? - Es lammentiert.“
Er gluckste leise. Es ging ihm besser und er verzog sein Gesicht zu einem wolligen Grinsen.
„Hast du vielleicht für einen alten Freund was zu trinken? Und nicht die Plörre, die du mir letztes Mal andrehen wolltest! Ich bin KRANK, also sei nett!“
Ganz offensichtlich war Rumpel nicht ganz so „krank“ wie er vorgab zu sein, eben etwas angeschlagen, aber schon wieder zu Scherzen aufgelegt.
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Freitag 5. Juni 2015, 15:55

Rumpel war wach. Das war gut. Und Rumpel wollte Bier, und zwar welches, das besser schmeckte als das vom letzten Mal. Das war nicht so gut, denn Brovis Braukünste hatten sich seit Rumpels letztem Besuch nicht wirklich verändert, und solange Rugta besetzt war, hatte Brovi nun mal zu keinem Bier Zugang außer seinem selbstgebrauten. Er war sich auch relativ sicher, dass Rumpel das genau wusste und ihn nur ärgern wollte.
"Tut mir leid", sagte er daher zu seinem Freund, "Aber was besseres als das Hausgemachte gibt's hier nicht."
"Na, dann doch lieber das als gar keins", antwortete der fahrende Händler mit einem gespielten Vorwurf in der Stimme.
Der Erfinder ging also in die Küche, nahm zwei Humpen vom Regal – er selbst konnte auch mal wieder was zu trinken vertragen – und füllte sie mit seiner "Plörre".
Als er einen davon an Rumpel reichte, leerte dieser ihn in wenigen Zügen. "Ah, danach geht's einem gleich besser."
"Schmeckt also doch nicht so schlimm?"
"Doch. Natürlich."

Trotz dieses Scherzens fiel es Brovi schwer, seine Neugier zu verbergen; aber er war zu dem Schluss gekommen, dass Rumpel ihm schon erzählen würde was vorgefallen war, wenn er soweit war.
Stattdessen wollte der Ingenieur es seinem ja doch irgendwie lädierten Freund so nett wie möglich machen – aber nur, bis der wieder stehen konnte, danach würde er wieder als der behandelt werden der er eigentlich war: Ein selbstbewusster Zwerg, der gut für sich selbst sorgen konnte. Da es aber noch nicht ganz soweit war, fragte Brovi ihn, ob er noch etwas brauche.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Montag 8. Juni 2015, 19:11

Rumpel setzte geräuschvoll den Humpen ab und gähnte mit weit offen stehendem Munde und ließ sich noch einmal zurück sinken.
„Mein Freund, ich bin wirklich glücklich, dass du mich gefunden hast. Den Göttern sei dank! Ich dachte schon mein letztes Stündlein hätte geläutet!“
Er kratzte sich wegen der etwas komischen Formulierung verlegen am Kopf und meinte etwas leiser:
„Ich habe wirklich Glocken läuten gehört. Seltsam fern, aber doch Glocken, da bin ich mir sicher. Nebelhörner kannte ich ja, aber Nebelglocken? Na ja, denke, das könnte auch an dem Schlag liegen, den ich abbekommen habe? Und der Schnee war dieses Jahr auch erst sehr spät dran … Na ja, ist ja schon wieder weg geschmolzen.“
Er tastete vorsichtig nach seiner Wunde unter seinem Haupthaar und verzog dabei missbilligend das Gesicht.
„Ach, hab ich dir den schon erzählt? … Warum streiten sich Schafe dauernd? - Sie geraten sich in die Wolle! HARharhar! Na ja, nicht der Beste, aber ich hab noch mehr! Ich hab den ganzen Weg zurück nach Rugta mir neue Witze für dich ausgedacht. Hoffe, sie gefallen dir, HA! Wäre doch gelacht, wenn ich nicht ...“
Er versuchte sich erneut aufzusetzen und dieses Mal gelang es ihm sogar. Der Rest seines angefangenen Satzes ging dabei in seinem gepressten Schnaufen unter, aber war anscheinend auch nicht wichtig genug, um ihn zu wiederholen. Sobald Rumpel auf der Bettkante saß, fuhr er fort:
„Wo wir grade bei „in die Wolle geraten“ sind ...“
Er schwankte noch ein wenig und glich dabei einem Trunkenbold, der bei Sturm sich am Mast eines Schiffs fest klammerte. Seine Hände ließen den Bettpfosten nicht eine Sekunde lang los und seine Augen blinzelten noch etwas glasig, immer wieder bei dem Versuch sein Gegenüber zu fixieren. Trotzdem atmete er einmal tief durch und begann zu erzählen:
„ … Was ist hier eigentlich los? Ich weiß ja, dass ich lange weg war - fast zwei Jahre - aber seit wann streifen bitte Orkhorden durch die Nebellande? DAS habe ich nun nicht erwartet! Erst kreuzten so ein paar Dunkel-Pocken am westlichen Grenzgebiet meinen Weg, die ich natürlich ordentlich aufgemischt habe, dann muss ich feststellen, dass sie gute Zwerge aus Rugta und Menschen gleichermaßen in die Sklaverei verkaufen wollten! Ich spucke Galle auf ihre Leichen, aber wo solche herkommen sind doch immer noch mehr! Ah, Moment, auf dem Weg hier her, hatte ich noch einen Mantroner dabei, der ist dir nicht zufällig begegnet? Großer Kerl mit Stil – also mit ordentlich Bart und so … und ich meine wirklich groß - und hatte auch einen Eisbären dabei. Nettes tier. Er sollte eigentlich auf den Wagen aufpassen, aber er ist einem der Spitzohren hinterher, der sicher petzen wollte.“
Er musterte Brovi, dem man im Gesicht ablesen konnte, dass er ganz offensichtlich keinen Mantroner gesehen hatte.
„Also nicht. Hm … Dann wird er weiter nach Osten gegangen sein ...“
Er schien in eine unbestimmte Richtung zu blicken und klopfte gedankenverloren an den Rand seines leeren Humpens.
„Ist vielleicht den Geistern in die Fänge gegangen. Na ja, gibt schlimmeres. Auf jeden Fall, du glaubst nicht was passiert ist, als ich dann alleine mit den Sklaven war. Eigentlich sollten die doch abhauen wollen. Tja, ein paar haben es ja, denke ich, aber irgendein so ein mieser Verräter muss wohl schnurstracks den nächsten Orks in die Hände gelaufen sein und hat ihnen brühwarm erzählt, was passiert ist. War so ein dürrer langer, er war bei ihnen als sie mich verprügelt haben, konnte ihn aber nicht richtig sehen. Aber ich bin ja nicht doof. Denk mir: „Sei schlau Rumpel, stell dich weich und schwach wie ein Mädchen, dann lassen sie schneller von dir ab.“ Dumm sind sie ja und leicht auszutricksen, solang die Spitzohren nicht dabei sind. So wars dann auch und bin dann in der Dunkelheit in den Nebel und davon gerobbt.“
Er zog etwas geräuschvoll die Nase hoch und langsam war sein Blick auch wieder klarer geworden. Der Schlag auf den Schädel würde ihn sicher nicht umbringen und in seinen kleinen Augen begann eine hintergründiges Funkeln seinen Lebenswillen neu zu entfachen.
„Sie haben Muffel und meine gesamte Ladung!“
Der Klang seiner Rache schwangeren Stimme ließ vermuten, dass es sich um mehr als nur die üblichen Handelsgüter handelte. Etwas in der Stilles seines Blickes, sagte, dass er sehr wertvoll sein musste, so gut kannte Brovi seinen langjährigen Freund.
„Jetzt erzähl mir aber erst mal, was ist in Rugta los?“
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Samstag 13. Juni 2015, 19:46

Es waren also Orks gewesen, die Rumpel so zugerichtet hatten. Das war in dieser Gegend ja nicht weiter verwunderlich. Sie hatten Rumpels Fracht und sein Bison Muffel geraubt – und Rumpel selbst auch, der aber hatte fliehen können. – sonst säße er ja jetzt nicht in Brovis Hütte. Dass sich das Bison und die Ware noch in den den grünlichen Händen der Orks befanden, das waren schlechte Nachrichten. Aber bevor die beiden Zwerge beraten konnten, was zu tun war, musste Rumpel aufgeklärt werden, wie die aktuelle Lage in Rugta war.
Brovi begann zu erzählen: "Es begann alles kurz nach deinem letzten Besuch. Eine Armee von Grünhäuten, Piraten und vor allem Dunkelelfen hatte es geschafft, unbemerkt in die Nähe der Siedlung zu gelangen. Als sie einfielen, war also kaum jemand auf den Angriff vorbereitet. Es hat sich herausgestellt, dass die schwarzen Spitzohren längst nicht so verweichlicht waren wie ihre Verwandten, die in den Wäldern hausen. Sie ham' gnadenlos alles in Brand gesteckt und jeden, den sie getroffen haben getötet oder eingefangen. Auch meinen Vater ham' sie ermordet."
Die Erinnerung schmerzte Brovi, aber er war mittlerweile damit fertiggeworden.
"Mir ist klargeworden, dass es im Dorf nichts mehr für mich gab ausser dem Tod. Also bin ich so schnell wie möglich zum Außenwall, oder dem, was davon noch übrig war. Bin nur einmal auf 'nen Finsterling gestoßen. Ich bin ihn mit einem Trick entkommen, er lebt noch, wenn ihn kein anderer getötet hat. Jedenfalls habe ich meine Hütte dann unbehelligt erreicht. Seitdem war ich nicht mehr in Rugta. Ich habe aber ab und zu aus der Ferne runtergeguckt. Mittlerweile ist alles wieder aufgebaut, bis auf das Rathaus, da steht jetzt was anderes. Ein Tempel für Faldor" – Brovi spie den Namen aus wie einen Wurm, der einem in den Mund gekrochen war – "oder ein neues Regierungsgebäude. Kann man von so weit weg nicht richtig erkennen, ist mir aber auch egal. Ich glaube, ich bin denen weitestgehend egal. Die glauben, ich kann ihnen nichts anhaben. Naja, bisher lagen sie damit ja auch richtig."

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Dienstag 16. Juni 2015, 20:39

„Finsterling, sagst du... Sehr passender Name...“
Rumpel hatte aufmerksam der Zusammenfassung gelauscht und seine Miene hatte sich mehr und mehr verfinstert.
„Grünhäute und Finsterlinge!“
Er hieb mit der Faust auf den Bettpfosten, dass es nur so knirschte, aber bereute sogleich seine Tat. Der Schlag ließ vor Schmerz seine Ohren klingeln.
„Verflucht!“
Er hielt sich den Schädel und brauchte ein paar Atemzüge um wieder zu Ruhe zu kommen. Dann sah er langsam wieder zu Brovi auf. In seinem Blick lag nicht nur Schmerz und Wut, sondern nun auch etwas das man bei einem Zwerg selten sah.
„Weist du, was sie mit den Frauen gemacht haben? Ich meine … du … du weist doch, dass ich mein Mädchen in Rugta habe … öhm. Ach ne, hatte ich dir nicht erzählt oder? Wir hatten heimlich geheiratete, kurz bevor ich weg bin. Ihr Vater mochte mich nicht besonders. Er meinte ein Mann sollte Bier brauen und … ach egal! Ich hatte ihr versprochen mit einem Schatz zurück zu kommen. Ich wollte ihr … etwas bieten können, deshalb bin ich fort ...“
Es war Angst, die da aus seinen Augen sprach.
„Deshalb hab ich mich ja auch so weit nach Westen gewagt. Ich war im Eisreich, weil es dort … Dort gibt es etwas, dass jemand hier in der nähe dringend braucht und ich hab es ihm besorgt. Es war auf meinem Wagen und sollte meine Zukunft sichern. Mit dieser Lieferung wollte ich … ach, VERFUCHT SEIN DIE FINSTERLINGE!“
„Määäähhh!“
, kam es leise als Antwort auf Rumpels laute Stimme aus dem Stall und der Händler hielt sich abermals den Schädel, auch wenn der Schmerz dieses Mal wohl einen anderen Ursprung hatte.
Ein paar Minuten lang war es still in Brovis Hütte und die beiden Freunde saßen nur schweigend da. Schwer und düster hingen Gewitterwolken unter der niedrigen Decke, Wolken voller schwermütiger Gedanken, die so gar nicht zu seinem alten Freund passen wollten. Rumpel sprach nach einer Weile sehr zögerlich weiter:
„Auf unserem Weg hier her – der Sklaventransport – Sie hatten eine Frau dabei. Ich kannte sie nicht, aber … sie hatten sich an ihr vergangen, das konnte jeder Blinde erkennen! … Brovi, wenn … wenn Rugta gefallen ist, wie groß sind dann die Chancen meiner süßen Mathilde mit heiler Haut davon gekommen zu sein? Wenn Rugta …“
Er ließ den Kopf fallen und flüsterte fast nur noch:
„Wenn Rugta nicht mehr den Zwergen gehört, dann müssen wir Verbündete finden! Verbündete … um es zurück zu erobern … es zu befreien!“
In seinen Augen funkelte nicht nur Rachedurst, sondern auch noch ein winziger Funken Hoffnung, seine Frau wieder zu finden.
„Brovi mein Freund, wirst du mir helfen?“

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Donnerstag 25. Juni 2015, 18:23

Immer hatte Brovi davon geträumt, eines Tages Rugta zu befreien. Doch nie hatte er tatsächlich etwas getan. Nie. Er beschloss, dass das jetzt vorbei sein würde. Rumpels Situation bot einen konkreten Anlass, es musste etwas unternommen werden, und es würde etwas unternommen werden. Unverzüglich teilte er diesen Gedankengang seinem Freund mit. "Ja, ich werde dir helfen. Aber sehe ich das richtig – das ist ein Haufen bis an die Zähne bewaffneter Orks und wir sind, nun ja, eben wir? Wie du sagst, wir brauchen unbedingt Verbündete. Ich glaube, du kennst dich besser aus, was die Geografie und Bevölkerung von Dunsthügeln und Umgebung betrifft. Wer käme in Frage? Wer ist überhaupt noch frei und kampffähig?" Brovi merkte, dass seine Überlegungen sich kaum noch direkt auf die Rückeroberung von Muffel und Rumpels Ware bezogen, sondern schon auf die Befreiung Rugtas im Allgemeinen. "Gut, für ein paar gammelige Orks ist ein ganzes Heer vielleicht ein bisschen übertrieben. Wenn wir ein paar Assassinen zur Verfügung hätten, dann... ach, was soll's? Wir haben ja keine Assassinen. Aber was ich damit sagen will: Vielleicht müssen wir gar nicht unbedingt alle Grünlinge niedermetzeln – obwohl wir das, glaube ich, beide gerne würden. Vielleicht könnten wir mit einer guten Taktik, etwas Täuschung und vielleicht ein paar Kriegern deine Sachen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zurückklauen. Sag, wie groß ist denn deine Ware? Und kann Muffel leise sein, wenn es darauf ankommt?

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Dienstag 30. Juni 2015, 20:00

Als Brovi Muffel ins Spiel brachte, hellten sich Rumpels Züge merklich auf:
„Ha! Wusste ich's doch! Eines Tage würdest du seinen Wehrt begreifen und ihn nicht mehr einen stinkenden Ochsen nennen!“
Abgesehen davon, dass Muffel wirklich ein stinkender Ochse der Gattung Bison war. Die Wangen des Händlers hoben sich deutlich unter seinem Bart und er fuhr fort:
„Muffel kann durchaus sehr leise sein, vor allem, wenn man ihm etwas zu fressen unter die Nase hält. Hast du noch ein paar Winteräpfel? … Aber der größte Vorteil wird wohl sein, dass er ohne meine liebevolle Behandlung dazu neigt nicht einen Schritt vor den anderen zu machen.“
Er ließ das Gesagte kurz sacken und grinste dann noch breiter, soweit dies noch möglich war.
„Oder anders gesagt, diese vermaledeiten Grünhäute werden mit ihm nicht gerade weit gekommen sein! Wenn wir Glück haben sind sie noch nicht einmal in Rugta angekommen und wir können sie vorher abfangen. Die blöden Orks werden noch nicht einmal wissen, WAS sie da gestohlen haben! HA!“
Er gluckste vor sich hin, sodass sich seine Schultern hoben und verzog dann durch die Kopfschmerzen wieder das Gesicht.
„Gib mir noch ein paar - Minuten - „

Das war die Untertreibung des Jahrhunderts! Rumpel sollte definitiv noch nicht umherlaufen oder gar auf die Idee kommen mit ein paar Orks um seinen Wagen zu kämpfen. Außerdem brauchten sie einen Plan und an dem schien auch Brovis guter alter Freund gedanklich zu arbeiten.
„Mit einem anständigen Ablenkungsmanöver könnten wir sicher die Gruppe trennen. Da hast du doch bestimmt was auf Lager?! Die verbleibenden Wächter überwältigen wir schon und dann nur noch Muffel, samt Wagen befreien. Ich vermiss ihn, meinen großen Wischmopp! Du würdest doch dein Moppelchen auch nicht dem Feind überlassen, oder?“
Rumpel zwinkerte.
„Wo wir grade über dein Schaf sprechen … Wie heißt die Geliebte eines Hammels? - Mähtresse! HAHA!“
Abermals lachte der Händler laut auf.
„Warte die beste Geschichte hab ich dir ja noch gar nicht erzählt! ...“
Er rieb sich die Hände und begann wie ein Barde mit viel Gestik zu erzählen:
„Ein Bauer will sich eine Schafherde aufbauen und kauft sich dazu acht Schafe und einen Bock. Leider wurden die Schafe aber nicht trächtig und er packt den Bock und fährt mit ihm zu einem Tierarzt. Dieser stellte fest, dass der Bock impotent ist und rät ihm, seine Schafe künstlich befruchten zu lassen. Der Bauer denkt die ganze Nacht darüber nach, was der Tierarzt damit wohl gemeint haben könnte... Schließlich ist er sich sicher, dass es nur eine Möglichkeit geben kann. Am nächsten Morgen packt er alle Schafe auf den Karren, läutet die Glocke am Wagen, seiner Frau zum Gruß zur Abfahrt und fährt mit ihnen in den Wald. Nun nimmt er sich jedes Schaf einzeln vor und fährt ziemlich erschöpft wieder nach Hause und sagt dem Tierarzt, dass seine Schafe nun befruchtet wären und er aber nicht genau wisse, wie er das jetzt erkennen könne, falls es geklappt haben sollte. Der Tierarzt erklärt ihm, dass wenn die Schafe zusammen gekuschelt auf der Wiese liegen, dann hätte es geklappt. Am nächsten Morgen rumpelt der Bauer zum Fenster. ... Aber seine Schafe waren grasend über die ganze Wiese verteilt. Also, packt er wieder alle in seinen Laster, läutet seiner Frau zur Abfahrt und fuhr wieder in den Wald. Diesmal nahm er sich zur Sicherheit jedes Schaf gleich zweimal vor und fuhr fix und fertig nach Hause! Am nächsten Morgen ließ er dann seine Frau nachgucken, da er immer noch so geschafft war. Diese kam aufgeregt ins Zimmer hereingestürmt. "Und?" fragt der Bauer sie, "Liegen sie zusammen gekuschelt da?"
"Nein!!!!! Die sitzen alle im Karren und eins läutet andauernd zur Abfahrt!"“

Rumpel versuchte eisern nicht zu Lachen, aber seine Schultern zuckten wieder gefährlich. Anscheinend wartete er auf eine Reaktion seitens seines Freundes, der noch nicht einmal über einen seiner Witze gelacht hatte. Wieso Rumpel immerzu Witze erzählte? So war er eben und lachte man nicht wenigstens über einen, so hörte er auch nicht auf. Das gehörte zu seinem Ritual eine Freundschaft immer wieder zu bestätigen.
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Sonntag 19. Juli 2015, 19:05

Brovi musste einen Moment nachdenken, um Rumpels Witz zu verstehen, aber dann brach er in schallendes Gelächter aus. “Heißt das”, brachte er zwischen zwei Lachern hervor, “der…der…”
Als sich die Zwerge beide wieder beruhigt hatten, kehrten si ezum eigentlichen Thema zurück: Der Rückeroberung von Muffel und Rumpels besonderer Fracht. Brovi war natürlich neugierig was es war, das Rumpel so unglaublich wichtig war, aber er würde noch genug Gelegenheit haben ihn zu fragen, wenn besagtes Etwas wieder in den richtigen Händen war.
“Genialer Plan hin oder her”, überlegte der Ingenieur, “Wir brauchen Waffen. Jeder Plan kann in die Hose gehen und für den Fall müssen wir etwas haben mit dem wir uns retten können. Da wir es heir mit Orks zu tun haben, die wahrscheinlich schon etwas erfahrener im Kampf sind als wir, werden Hammer und Mistforke wohl eher nicht ausreichen. Ich werde und etwas passendes bauen, aber damit sollten wir uns als letztes beschäftigen. Ich hätte einen Vorschlag für ein Grundkonzept: Wir locken zwei Orks von der Gruppe weg, überwältigen sie, nehmen uns ihre Kleidung und Rüstungen, verkleiden uns damit als Orks und betreten das Lager. Wenn wir wissen, wo sich die Zielobjekte befinden, stiften wir irgendwie Chaos und machen uns mit Muffel und deinen Sachen davon. Klar, es fehlen noch einige Details, aber findest du, das könnte man grundsätzlich so machen?”

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. Juli 2015, 08:30

Brovi war nach dem befreienden Lachen seines Freundes jetzt wieder voll bei der Sache. Gemeinsam saßen sie in der Hütte des Ingenieurs und tüftelten an ihren Ideen herum.
„Grundsätzlich ein guter Plan, bis auf das Verkleiden. Hast du schon mal einem Ork Aug in Aug gegenüber gestanden? Nein! Weil es nicht geht! Sie sind viel zu groß! Wir müssten uns übereinander stellen, um einen ihrer Art zu mimen...“
Er überlegte tatsächlich kurz ob das funktionieren könnte und schüttelte dann den Kopf.
„Was aber klappen könnte, wäre die Gruppe zu trennen und sie einzeln zu erledigen. Das Problem bei denen ist, du musst sie immer erst auf Arbeitshöhe herunter holen und das gibt ihnen Zeit zu schreien. Wir brauchen Fallen … Fallen die sie schnell und gründlich mundtot machen.“
Er musterte noch einmal seinen Freund und fuhr fort:
„Was hast du gegen Hämmer? Sind doch herrliche Waffen! Ich denke in deinem Werkzeug werden wir schon einiges an Bewaffnung finden und sobald wir einen erlegt haben, haben wir auch noch ihre Waffen. Aber wir sind nur zu weit und ich hatte mindestens acht gezählt, bevor es mich erwischt hat.“
Er dachte noch einen Moment nach und kratzte dabei ausgiebig seinen Bart.
„Wir brauchen also Orkfallen... Köder... irgendwas, was ihre Aufmerksamkeit nach unten lenken könnte, um sie dann schnell und zielsicher zum schweigen zu bringen. Zum Glück hab ich jene, die ich unangenehmer Weise mal gesehen habe, als dumm wie nen halben Meter Feldweg kennen gelernt und ich glaube aber, sie haben Angst vor Magie... Na ja, hilft nicht wirklich, da wir keine haben, außer du hast inzwischen was gelernt, von dem ich nichts weiß?“
Er musterte seinen Freund nachdenklich, aber sah wohl keine Veränderung zum letzten Mal. - Als wenn man Magie so einfach sehen konnte?!?
„Ihre größte Stärke ist ihre Kraft, davor müssen wir uns in Acht nehmen. Und ihr Geruchssinn... Wir müssen sie finden und dann die Gruppe trennen. Ich hoffe nur, sie lassen meinen Muffel leben, wenn er ihnen nicht gehorcht.“
Er rieb sich noch einmal besorgt den Bart.
„Hast du noch ne andere Idee?“
Hoffnungsvoll sah er Brovi an, da normaler Weise er derjenige mit dem Ideenreichtum war.
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Montag 17. August 2015, 13:22

Orks fürchteten sich vor Magie – das war gut, damit konnte man arbeiten. Unter Zwergen war zwar nach wie vor umstritten, ob die anwendung von Runen unter Magie einzuordnen war, und Brovis Kräfte waren ja, selbst wenn sie zur Abechslung mal funktionierten, nicht sonderlich beeindruckend, aber möglicherweise konnte man damit trotzdem etwas machen, also weihte er Rumpel ein. “Du fragtest mich eben nach Magie, und ob ich nicht in der Zwischenzeit etwas in der Richtung gelernt hätte. Nun, das habe ich. Ich kann ein bisschen Runen…magie. Wirklich nur ein bisschen. Kurz nachdem Rugta erobert wurde, habe ich mit drei Runensteinen ein Schutzdreieck um mein Haus gelegt. Ehrlich gesagt habe ich nicht den leisesten Schimmer ob die noch wirken oder überhaupt je gewirkt haben. Trotzdem denke ich, man könnte etwas ähnliches mit den Orks machen. Die Runensteine anzufertigen hat zwar eine halbe Ewigkeit gedauert, aber die sollten ja auch für die Ewigkeit sein. Oder zumindest bis die Dunsthügel wieder sicher sind. Hier hingegen würde es vielleicht reichen, die Runen in Bäume zu ritzen oder so. So sieht mein Plan aus: Wir schlagen nachts zu, wenn die Orks schlafen. Ich könnte die Runen Raidho, Mannaz und Isa in drei im Dreieck um das Lager stehende Bäume oder ähnliche geeignete Objekte ritzen. Wenn das passiert, wovon ich hoffe, dass es passiert, sollten die Orks durch diese Runen – sie alle haben eine beruhigende Wirkung – erstmal nicht aufwachen. Um uns selbst davor zu schützen, wenn wir das Dreieck betreten, könnte ich uns Anhänger mit der Rune Hagalaz herstellen, diese Rune wird üblicherweise verwendet, um sich vor Magie zu schützen. Einen dritten Anhänger könnten wir für Muffel mitnehmen. Am Ende legen wir ein Feuer, um die Orks von unserer Flucht abzulenken. Ach ja, und ich habe nichts gegen Hämmer, ich meinte nur, dass wir nur einen davon haben."

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Dienstag 18. August 2015, 22:20

„Ha! Gib einen Zwerg einen Hammer und er ist besser als jede Armee! Mit einem Hammer können wir uns auf jeden Fall gewiss ein paar Waffen von ihnen „ausborgen“ HA!“
Rumpel rieb sich siegesgewiss die Hände, ob nun berechtigt oder nicht.
„Da freue ich mich aber wirklich, dass du dazu gelernt hast! Das könnte in der Tat sehr nützlich sein! Hab keine Ahnung was Haralds, Radicio, Manna und Ilsa sind, aber wenn du meinst, die wirken, dann fang schon mal an! Ich … ich leg mich noch nen Stündchen hin, dann sind die Kopfschmerzen vielleicht schon weniger. Einen dummen Ork zu erschlagen macht mit wachem Geist mehr Spaß als mit Schädelweh!“
Er kneisterte mit den Augen und legte sich wieder hin. Ein langes Seufzen entsprang seiner Kehle und der Händler faltete seine großen Hände über der Brust. Er hatte die Augen schon geschlossen, aber schlief noch nicht als er sagte:
„Apropo dumm … Warum heißt es allgemein, Schafe seien dumm? - Sie sind offensichtlich recht einfach gestrickt!“
Er schmunzelte und wurde nach ein paar Atemzügen ruhiger, was für Brovi bedeutete, dass er mit seinen Vorbereitungen anfangen konnte. Ein Plan musste in die Tat umgesetzt werden. Der Ingenieur ließ sich seine Idee noch mal durch den Kopf gehen.
Eine Dreierkombination aus Runen mochte stark sein, wenn sie in einem Werkstück miteinander verbunden war, wie zum Beispiel in einer Klinge. So hatte er es gehört, doch forderten sie auch mehr vom Magier, als wenn eine Rune drei mal angewendet und in Position gebracht wurde. Sein eigener Erfahrungsschatz als Runenmagier reichte da nicht aus. Das Dreieck als Form hielt er definitiv noch immer für eine gute Idee, denn so konnte er eine Fläche abdecken. Wollte er die Wirkung verstärken, musste er sich nur noch eine Verbindung unter den drei Zeichen einfallen lassen. Was ihm bei seinem Haus geglückt oder einfach nur Glück gewesen war, war auch noch nicht bestätigt. Aber zumindest kannte er sich rudimentär mit all den magischen Zeichen aus, die ihm beigebracht worden waren. Nachdenklich betrachtete er seine Werkzeuge und Materialien. Er hatte fast alles da, was die Natur her gab. Besonders viele unterschiedlich harte Hölzer und auch ein paar Steine waren da. Alle würden ihre Zeit für die Bearbeitung brauchen, manche mehr und manche weniger. Nun musste er sich nur noch entscheiden.
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Donnerstag 27. August 2015, 18:57

Die Steine sortierte der Ingenieur sofort aus: Die Zeit die er bräuchte, um auch nur eine einzige Rune in einen Stein zu meißeln, würde wahrscheinlich ausreichen, um alle drei Runen in Holz zu schnitzen. Jetzt stand er allerdings vor dem Problem, dass die meisten der Hölzer zu dünn waren, um eine Rune in ausreichender Größe hineinzuritzen. Natürlich würde notfalls auch ein Brett funktionieren, aber es wäre viel schwerer zu verstecken als ein stück Holz von einer Form wie sie in der Natur vorkam. Schließlich warf Brovi alle Stöcke zur Seite und begab sich zu seinem Feuerholzstapel. Als er an seinem Schlafzimmer vorbeikam, vernahm er ein Geräusch, dass ihn im ersten Moment fast glauben ließ, es mache sich schon jemand mit der Säge an dem Holz zu schaffen, sich dann aber als Rumpels Schnarchen herausstellte. Brockstein nahm drei Stücke Holz vom Stapel – viel war nicht mehr da, er würde bald wieder Holz hacken gehen müssen – und kehrte in sein Arbeitszimmer zurück. Nachdem er die Türen von Schlaf- und Werkraum geschlossen hatte, um seinen Freund nicht zu wecken, begann er sogleich mit der Bearbeitung der Scheite, wobei er in jeden eine Rune schnitzen würde.
Die Holzstücke waren dreieckig, wobei eine Seite mit Rinde bedeckt und leicht gewölbt war, eben die Seite die mal zur Aussenhülle des Baums gehört hatte. Die gegenüberliegende Ecke sägte er großzügig ab, sodass eine etwas dickere, auf einer Seite mit Rinde bedeckte Platte entstand. Die Runen würde er in die glatte Rückseite ritzen. Wichtig war nicht, das sie sichtbar waren, sondern einzig ihre Anwesenheit. Nach Möglichkeit wollte er die drei Tafeln noch verbinden: Die Eckpunkte eines Dreiecks waren gut, aber mit den Seiten wäre die Konstruktion stärker. Das erste was ihm dazu einfiel, war eine Schnur. Doch war sie zu stramm, würde womöglich ein Grünling darüber stolpern und die Falle bemerken. Gleichzeitig durfte sie aber auch nicht so lose sein, dass der Wind sie so weit verschieben konnte, dass es keine halbwegs gerade Linie mehr war. Auch die Platzierung würde einige Tücken bergen: Man würde einmal um das gesamte Lager herumgehen müssen, wobei ein Entdecktwerden nicht unwahrscheinlich war. Die Alternative war, den Faden von einem Eckpunkt zum nächsten zu schießen, aber das würde eine spezielle Gerätschaft, wie einen Bogen oder eine Armbrust, benötigen, welche komplziert und zeitaufwendig zu bauen war und wahrscheinlich Geräusche machen würde. Brovi beschloss nach einigem Hinundher, es darauf ankommen zu lassen und zu versuchen, die Schnur unbemerkt einmal um das gesamte Lager auszulegen. Wenn die Zwerge Glück hatten, rasteten die Orks in einem Gebiet, wo es genug Gesträuch gab um sich zu verstecken. Eine Schnur, die an einem Stück lang genug war, würde Brovi wohl kaum finden, er musste also in seinem Fundus nach Stücken suchen und diese zusammenknoten. Das würde dauern, zumal er nicht wusste wie groß das Lager sein würde und nicht das Risiko eingehen konnte zu wenig Schnur dabei zu haben. Er beschloss, diese Aufgabe erst einmal zurückzustellen und zuerst die Runentafeln fertigzustellen. Zuerst befestigte er an der unteren Kante jeder Tafel eine Öse aus seiner Restekiste, um die Schnur später hindurchzufädeln. Danach machte er sich daran die Runen selbst in das Holz zu ritzen. Dazu verwendete ein vor kurzem geschärftes Messer. Eigentlich hatte er vorgehabt, es so ähnlich zu machen wie bei seinem Haus, allerdings wollte er dann doch lieber kein Risiko eingehen, daher verwendete er ein und dieselbe Rune – Isa – auf allen drei Tafeln. Die Runen brauchten ihre Zeit. Als er fertig war, fielen ihm die Schutzanhänger ein, die er für Rumpel, Muffel und sich selbst machen wollte. Da er keine Schnur würde entbehren können, würde er keine richtigen Anhänger machen können; er und Rumpel würden die Holzstücke mit der Hagalaz-Rune, die er nun anzufertigen beabsichtigte, einfach in die Taschen stecken müssen, für Muffel würde ihnen schon was einfallen. In den “Anhänger” für den Büffel bohrte er ein Loch, um ihn notfalls an eine Fellsträhne des Tiers knoten zu können. Da fiel ihm auf, dass er und Rumpel ja auch über eine Art "Fell" verfügten, und die Schutz...holzstücke... in ihre Bärte zu flechten vielleicht gar keine so schlechte Idee war, da sie dann schwerer verloren gehen würden. Er probierte es bei sich selbst aus und war zufrieden: Das Holzstück war kaum zu sehen, aber sollte es abfallen, würde sein Träger es sofort bemerken. Als nach einer Weile auch dieses Werk getan war, machte Brovi sich daran, Fäden und Ähnliches zu suchen. Auch wenn Rumpel davon gesprochen hatte, sich “ein Stündchen hinzulegen” und mittlerweile weit mehr als eine Stunde vergangen war, hatte Brovi beschlossen, seinen Freund erst nach getaner Arbeit zu wecken; der Händler war kürzlich verletzt worden und konnte ein bisschen mehr Schlaf sicherlich gebrauchen.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Freitag 4. September 2015, 17:31

Drei mal wurde die Isa-Rune in da Holz gearbeitet und drei Mal spürte Brovi die Magie an seiner Seele zerren. Es war wie immer, wenn er mit Magie hantierte. Das wesen eines Zwerges war nicht für das Zaubern geschaffen, aber bei Runenmagiern war das anders. Er dachte daran, dass Magie für sein Volk an sich so schon ungewöhnlich war. Runenmagie war da die einzige, die dem Zaubernden nicht die eigene einem inne wohnende Magie abzog, aber auch sie fordert ihren Preis und die Auswirkungen waren manchmal recht chaotisch. Es war eine Art "umverteilen" von Energien. Der Zaubernde fokussierte eine nicht wirklich greifbare Macht (Umgebungsmagie) durch sich selbst hindurch, um ihr eine effektivere Form zu geben, was dann letztendlich zur Rune wurde. Dabei hing es von seiner Ausbildung ab, wie viel Magie er durch sich durch schleusen konnte, aber auch dass kostet Energie! Brovi hat seine Runenmagie rudimentär erlernt und beherrschte diese sicher. Eine einzelne sich wiederholende Rune in Folge zu einem Dreieck zusammen zu setzen war zwar ein neuer Versuch, aber dass jede einzelne funktionieren würde, da war er sich auf jeden Fall sicher! Wilde Experimente, die ihn wohl möglich zu viel Kraft kosten könnten, durfte er jetzt nicht riskieren, schließlich wollte er nicht, dass er vollkommen erschöpft umfiele, oder noch schlimmer ihm Blut aus der Nase liefe, weil er sich das Gehirn mit zu viel Magie grillt hatte. Sein alter Meister hatte ihm da mal eine gruselige Geschichte von einem seiner vorherigen Lehrlinge erzählt und das war wenig amüsant gewesen ... der arme Zwerg war danach Wochen lang nicht zu gebrauchen gewesen und konnte sich nicht zwei Dinge gleichzeitig merken. Da wollte er doch lieber auf Nummer sicher gehen, zumal ihnen vielleicht noch ein Kampf mit Orks bevor stand, wenn die Runen nicht so funktionierten wie er hoffte!
Brovi hatte seine drei Isa-Runen auf die Rückseiten der Holzscheite gebracht, als er die ersten Auswirkungen zu spüren begann. Es war nichts dramatisches, nur ein leichtes Brennen der Augen und ein langes unwillkürliches Gähnen. Auch fühlte er sich nicht mehr so gehetzt und alles rückte ein wenig in die Ferne. Nicht mal das Schnarchen seines Freundes konnte ihn aus der Ruhe bringen. Es war ein Gefühl von so tiefer Ruhe, die sich in ihm ausbreitete, dass er bemerkte, dass es ihm schon fast egal wurde, dass der Händler seinen Wagen verloren hatte. Für einen kurzen Augenblick fragte, es sich sogar, warum er das alles überhaupt machte. Ein Schläfchen wäre doch viel förderlicher für die Gesundheit, als sich in Gefahr zu begeben …
Schnell legte er die Holzstücke draußen auf dem Hof beiseite, denn fast hätten sie ihn selbst eingeschläfert. Jetzt wusste er wenigstens, dass sie funktionierten! In ihrer direkten Umgebung zu arbeiten, etwas voran zu bringen, war nur schwer möglich und irgendwann sah er ein, dass er besser war sie hinaus zu bringen, wo Mopp einmal an einer neugierig schnupperte und sich dann prompt daneben legte. Danach ging es besser und er machte sich wieder drinnen an die Hagalaz-Rune, die er vielleicht besser vorher angefertigt hätte. Als er mit den weiteren drei Runen fertig war, spürte er dann doch eine tiefe innere Leere. Sein Gehirn fühlte sich an, als hätte es jemand dick in Schafswolle gewickelt. Der leichte Druckschmerz zeigte deutlich an, dass er für diesen Tag mit insgesamt sechs Runen schon deutlich über seine Grenzen gegangen war. Noch eine mehr und er würde ernsthafte Folgen erleiden müssen. Wenn er jetzt noch etwas vorbereiten wollte, so musste sein geübter Ingenieurs-Verstand her halten. Vielleicht fielen ihm noch ein paar Tricks ein, wie er evtl. die Orks ablenken oder ggf. verwirren konnte, sollten sie nicht tief und fest schlafen. Rumpel schlief auf jeden Fall so lange wie sein Freund ihn nicht weckte und würde dies wahrscheinlich noch bis zum nächsten Morgen.
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Sonntag 6. September 2015, 20:05

Als Brovi alle Runen, alle sechs Runen fertiggestellt hatte – er wusste, dass das nicht zwingend hätte gelingen müssen und war Brocknar dankbar, dass er es geschafft hatte – fühlte er sich völlig ausgelaugt. Er hatte Kopfschmerzen, seine Augen brannten, er fühlte sich wie nach einer Nacht komplett ohne Schlaf. Vielleicht sollte er sich auch ein bisschen hinlegen. Ein verletzter und ein todmüder Zwerg würden es nicht mit mindestens acht – Brovi rechnete vorsichtshalber mit zehn – Orks aufnehmen können. Ja, so würde er es machen. Rumpel und er würden morgen so früh wie möglich aufstehen, frühstücken und sich dann auf den Weg machen. Wenn sie Glück hätten, würden sie die Grünlinge innerhalb eines Tages einholen und in der nächsten Nacht zuschlagen können. Aber zuvor waren noch einige letzte Vorbereitungen zu treffen. Der Zwerg ging hinter das Haus, wo noch die Trage vom Vormittag lag. Er nahm sie wieder auseinander, um Rumpel am nächsten Morgen mit der Mistforke ausrüsten zu können. Dann kehrte er noch einmal in seine Werkstatt, zürück um zu sehen, ob er noch irgendwas hatte was er für den Einsatz gebrauchen könnte. Er stieß auf eine große Sprungfeder. Konnte er damit etwas anfangen? Er quetschte sie in eine zu kleine Dose und steckte diese in seine Manteltasche. Wenn er die Dose öffnete, würde die Feder heraus- und seinem Gegenüber ins Gesicht springen. Wahrscheinlich. Vielleicht. Möglicherweise. Wahrscheinlich nicht. Egal. Ansonsten packte er noch das Messer, mit dem er die Runen geschnitzt hatte, ein. Mehr fand er nicht, und wenn er noch länger suchen würde, würde er es nicht mehr ins Bett schaffen… Moment, da lag ja sowieso der Händler drin! Der Ingenieur benutzte einfach seinen Rucksack als Kopfkissen, er würde in der Wekstatt schlafen.

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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Erzähler » Dienstag 8. September 2015, 08:49

Bevor Brovi sich zum Schlafen hin legte, kehrte er noch einmal in seine Werkstatt, zurück um zu sehen, ob er noch irgendwas hatte was er für den Einsatz gebrauchen könnte. Er stieß auf eine große Sprungfeder. Konnte er damit etwas anfangen? Er quetschte sie in eine zu kleine Dose und steckte diese in seine Manteltasche. Wenn er die Dose öffnete, würde die Feder heraus und seinem Gegenüber ins Gesicht springen. Mit dieser letzten kleinen Vorbereitung im Kopf legte er sich hin und schlief bald ein. In seinem Ingenieurs-Geist rotierten noch ein paar Minuten lang die Geschehnisse des Tages und das was sein Freund gesagt hatte: „Orks haben Angst vor Magie“. Vielleicht konnte er seiner kleinen Sprungfeder-Dose noch etwas hinzu fügen und so einen Zaubertrick simulieren, einen stärkeren Effeckt, der einen Ork beeindrucken würde. Der Druck der Feder, das Aufspringen des Deckels würde ordentlich Wucht entfalten und auch die Luftverwirbelungen, die dabei entstanden könnte man mit etwas Pulver förmigem nutzen. Über diese Gedanken schlief der Zwerg dann ein und tüftelte in seinen Träumen weiter.

„Man sagt zwar, wer schläft der sündigt nicht, aber um Broknars Willen, ich WILL doch sündigen!“
, waren die Worte, die Brovi weckten.
„Ich will ein paar Orks gehörig den Hintern versohlen! ...oder wenigstens mein Hab und Gut wiederholen!“
Die Sonne war noch nicht aufgegangen, kündigte sich aber bereits durch einen grauen Himmel an.
„Ach ja, und einen zum wach werden: Welche Todsünde begeht ein Schaf, das sich aus Eitelkeit nicht scheren lassen will? - Wolllust!“
Grinsend und mit den dichten Brauen wackelnd, entfernte er sich von Brovis improvisierter Schlafstätte. Rumpel wirkte deutlich munterer und zu allen Schandtaten bereit. Seinem Dickschädel ging es wohl besser und somit lag ein Tag voller Abenteuer vor ihnen, wenn sie die Orks einholten, die nun ordentlich Vorsprung hatten. Er setzte sich auf Brovis Arbeitshocker und schaute seinen Freund aufmerksam an.
„Hab ich einen Hunger! Hast du noch was zu Essen für einen Freund in Not? Und was hast du so gebastelt, als ich im Land der Träume war? Hast du was für mich?“
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Re: Die Hütte des Ingenieurs

Beitrag von Brovi Brockstein » Montag 28. September 2015, 18:07

Rumpel, anscheinend schon wieder hellwach, verlangte nach etwas zu Essen. Das konnte Brovi verstehen, er hatte selbst auch Hunger. Er warf einen Blich in seine Speisekammer: "Ich hätte hier noch ein kleines Stück Dörrfleisch" – Brovi schnitt das Fleisch in zwei Teile und reichte einen davon seinem Freund – "Und ein paar Winteräpfel. Also, ich glaube es sind Äpfel. Vielleicht ist es auch was anderes. Aber was soll's?" Er warf dem Händler einen Apfel zu. "Ansonsten… jede Menge Käse. Davon können wir uns auch was für unterwegs mitnehmen."
Nachdem die Zwerge gefrühstückt hatten, wurden ein paar allerletzte Vorbereitungen getroffen. Brovi drückte Rumpel die Mistforke in die Hand und verschwand dann nochmal kurz in seiner Werkstatt um die Idee vom Vorabend, die gerade in seinem Kopf wieder aufgetaucht war, zu verwirklichen. Er öffnete die Dose mit der Sprungfeder – langsam, damit er die Feder nicht selbst ins Gesicht geschleudert bekam – und suchte nach einem Pulver zum Füllen der Schachtel. Letztendlich dachte er noch einen Schritt weiter: Eine Wolke war schön und gut und mochte einen Ork vielleicht erschrecken – aber eine Flamme könnte ihn wirklich verwunden. Er erinnerte sich an eine unangenehme Erfahrung, die er einmal mit etwas Mehl gemacht hatte, in das beim Schmieden ein Funke geflogen war… Er fand auch in seinen Vorräten noc etwas Mehl und füllte damit die Dose. Dann befestigte er zwei Feuersteine so daran, dass sie beim Aufklappen des Deckels aneinanderreiben müssten. Er betrachtete sein Werk. Es war eine schlichte Quaderförmige Schachtel aus Holz mit aufklappbarem Deckel. An einer Seite war ein Haken dessen Entfernung den Deckel aufspringen lassen sollte. Testen konnte der Zwerg das aus naheliegenden Gründen leider nicht, und es bestand auch eine Gefahr, bei der Aktivierung selber verletzt zu werden. Brovi würde Schutzbrille und Handschuhe tragen. Die Entwicklung hatte mehr Zeit in Anspruck genommen als geplant, aber das ließ sich jetzt auch nicht mehr ändern. Jetzt jedenfalls stand dem Aufbruch nichts mehr im Wege. Die Grünlinge hatten zwar einen ordentlichen Vorsprung, aber zu zweit reiste es sich natürlich schneller als zu acht.

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