Ein verborgener Ort

Dieses leblose Gebiet liegt im hohen Norden. Es ist unfruchtbar und die Pflanzen, die dort wuchern, sind genau so leblos wie das Land. Die dunkle Stadt Morgeria wurde inmitten dieser Ebene erbaut, aber auch ein Orkdorf befindet sich dort.
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Ein verborgener Ort

Beitrag von Erzähler » Samstag 4. April 2015, 19:46

Aurelia kommt von: Das fruchtbare Umland und die tropischen Wälder

(Hintergrundmusik)

Eben war sie noch in einer Höhle gewesen, jetzt war sie in einer anderen. Aurelia hatte nur eine leichtes Ziehen gespürt, dann tauchte auch schon ihr Kopf aus dem blauen Leuchten wieder auf und sie sah sich um. Das dies nicht der Ort war, den sie eben verlassen hatte, war ihr sofort bewusst. Die Ausmaße waren viel gewaltiger und sie konnte die Höhlenwände nicht einmal sehen. Die Tropfsteine waren hier deutlich größer und hatten sich zu dicken Säulen vereinigt, die eine hohe Decke hielten. Die Luft war feucht und dunstig und roch entfernt metallisch, aber auch irgendwie salzig. Es war nicht dunkel, denn nicht weit von ihr entfernt leuchteten violette Kristalle. Gut fünfzig Schritt vom Ufer entfernt erhob sich eine Treppe über der einsam ein Portal stand. Welchen Sinn dieses seltsame Bauwerk hatte, das weder Tür noch Tor, noch Eingang oder Ausgang war, bezweckte, war von hier aus nicht ersichtlich, aber es war durchaus beeindruckend. Hoch über der steinernen Öffnung funkelte ein Kristall, angeleuchtet von einem goldenen Licht, das aus einer Öffnung in der Decke kam.

Eine weitere Höhle

Was ihre Sinne jedoch ebenfalls meldeten, war das ferne Rauschen der Brandung. Sie musste also irgendwo am Meer sein. Plötzlich plätscherte es hinter ihr und die kleine Fee aus der anderen Höhle tauchte japsend aus dem Wasser auf.
„Ihr Großen seid schon komisch ...*hust* … Erst so langsam und dann kann's nicht schnell genug gehen! Hab dich fast nicht eingeholt.“
Sie zog sich auf einen Stein am Ufer des auch hier blau leuchtenden Sees und schüttelte sich kräftig. Die Tropfen lösten sich von ihren Flügeln und flossen zurück in den See, der hier auf dieser Seite sehr viel größer war als dort, von wo sie gekommen waren. Von einer Seite zur anderen waren es bestimmt fünfzehn oder zwanzig Schritt. Auch hier gab es in Zentrum des blauen Leuchten eine Wölbung des Wassers und eine Pfütze an der Decke, nur musste man hier wohl dort hin schwimmen. Die Feen-stimme hörte sich in dieser Umgebung wie ein Flüstern an, fast wie das leise Rauschen des Wassers.
„Hier wolltest du also her? Sag mal ...*sniff*...“
Sie wischte sich noch einen Tropfen von der Nase.
„... Du kannst unsere Sprache gar nicht oder? Du hast mich nicht verstanden und hast doch die Höhle gefunden und bist übergetreten. Entweder bist du sehr mutig, oder … lebensmüde! Verrats mir, du hast keine Ahnung wo du grade bist und was passiert ist, oder?“
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Re: Ein verborgener Ort

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Dienstag 7. April 2015, 20:01

Aurelia kam es vor, als würde sie träumen. Alles geschah so schnell und innerhalb eines Wimpernschlags - so kam es ihr vor – war sie von einem Ort zum nächsten Ort gekommen. Die erste Höhle und diese blaue Flüssigkeit hatten sie schon beeindruckt, aber diese neue Höhle verschlug ihr den Atem. Es war tatsächlich sehr magisch. Nichts schien wirklich irdisch oder logisch. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Sie sah sich um und wunderte sich, was das für ein Fleck war und was er genau für eine Funktion hatte. Sie sah dieses beeindruckende Portal und die steilen Stufen, die hinauf zu dem rechteckigen Eingang führten. Über diesem leuchtete ein rosafarbenes Licht in einem Halbkreis. Es sah aus, wie ein Überbleibsel einer alten Festung oder vielleicht war es der Eingang zu einer verborgenen Festung. Rosa, violett und blau leuchtete es an den Kristallen und dennoch kam warmes Licht – wie das Licht der untergehenden und auch aufgehenden Sonne – durch eine Öffnung der Höhle. Es war nicht abzusehen, wo diese Öffnung hinführte, aber da sie das Meer rauschen hören konnte, war es vielleicht das Meer, dass man draußen sehen konnte, sollte man hinauf klettern. Diese Höhle war so groß und weitläufig, dass man nicht sagen konnte, wo sie endete. Es waren noch in der Ferne weitere Festungsüberreste zu sehen, aber keine wirkliche Burganlage. Vielleicht war sie hier hinter dem Horizont? Am Ende der Welt? Es war sehr beeindruckend und wunderschön. Das Leuchten und die Felsen, die eine eigene Architektur zu sein schienen. So einen Ort hatte Aurelia noch nie gesehen und auch noch nie von ihm gehört.
Sie erinnerte sich dunkel an eine Geschichte, die ihre Mutter einst erzählt hatte. Sie hatte ihr einst vor dem Einschlafen erzählt, dass es einen Ort gäbe, an dem die Sonne und der Mond wohnten. Sie hatte gesagt, der Mond sei eigentlich eine Frau, wunderschön und kühl, mit blasser Haut und silberblondem Haar und Augen so blau wie der Mitternachtshimmel. Die Sonne sei ein Mann, der König des Himmels, mit warmer Haut und feuerrotem Haar, dessen Augen glimmten wie glühende Kohlen. Beide seien unsterblich ineinander verliebt und würden sich aber niemals in die Arme schließen können, weil der Mond die Nacht und die Sonne den Tag regierte. Am Ende aller Tage jedoch, da würden sie sich in ihrer Burg treffen und für immer tanzen. Aurelia hatte die Geschichte damals traurig gefunden, waren die beiden doch so verliebt, jedoch dazu verdammt sich zu sehen, doch unerreichbar füreinander zu sein, bis das Ende aller Zeiten kommen würde. Die kleine Aurelia hatte damals gedacht, dass es bestimmt eine Ewigkeit dauern würde, bis das Ende aller Zeit gekommen sei. Ihre Mutter hatte gelacht und gesagt, dass sei nur eine Geschichte, aber Aurelia hatte sich stets die beiden vorgestellt, wie sie sehnsüchtig aufeinander warteten, ohne sich jemals zu treffen. Komisch war, dass sie an diesem seltsamen Ort an diese Geschichte dachte, hatte sie doch seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr daran gedacht. Sie konnte das schöne Gesicht ihrer Mutter sehen und wie ihre liebevollen Augen lächelten. Einen Moment hatte die Elfe das Gefühl, sie könnte ihre Mutter sogar riechen, dieser Duft, der an reife Früchte und die Wärme der ersten Sonnenstrahlen im Frühling denken ließ.
Ihre Gedanken wurden von der kleinen Fee unterbrochen, die ihr nachgekommen war und sie beinahe vorwurfsvoll anblickte. Sie sprach wieder in ihrer eigenen Sprache, ohne das die Elfe sie verstehen konnte. Sie sah ein wenig aufgeregt aus und Aurelia wollte sie besänftigen, nachdem das kleine Wesen aufgehört hatte zu sprechen.

„Weißt du, ich verstehe kein Wort, von dem was du mir sagst! Aber ich wünschte, ich könnte es! Ich würde so gerne wissen, wo ich bin. Ich war nur neugierig und wollte sehen, wo das blaue Leuchten herkommt und nun steh ich an diesem mystischen Ort – der zweite mystische Ort innerhalb der kurzen Zeit, seit ich in den Teich getaucht bin – und weiß nicht recht, was ich hier tun soll! Ich habe auch noch nie eine Fee gesehen und weiß auch nicht, wie man sich in deiner Gesellschaft angemessen benimmt! Ich möchte nur hoffen, dass ich nicht träume oder vielleicht bin ich ja auch tot! Ich weiß momentan gar nicht mehr, was ich denken soll!“, die Elfe zuckte entschuldigend die Schultern und sah in das hübsche Gesicht der Fee, die anscheinend genauso ratlos war, wie sie.

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Re: Ein verborgener Ort

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 8. April 2015, 09:56

Welch wundersamer Ort!
Von der Reizüberflutung noch gefangen genommen, hatte sich Aurelia umgesehen und Erinnerungen brachen in ihr auf. Erinnerungen an ihre Familie, an ihre Mutter und auch das kleine Gesicht ihres Bruders stahlen sich in ihre Gedanken. Der Geruch von reifen Früchten wollte nicht so recht weichen. Fast schien es so, als hätte etwas aus der Vergangenheit sie hier her geleitet … oder etwas aus der Zukunft? Hatte sie etwas gerufen? … Selbst als sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Fee zuwandte, wollte dieser Eindruck nicht weichen. Um so mehr sie sich von dem Teich entfernten und dem nahestehenden Tor näherten, um so mehr roch es nach reifen Trauben, oder war es Wein? Durch die Bewegung erkannte die Elfe auch schnell, dass das Meeresrauschen wohl von dem entfernteren Tor her rühren musste. Schaute sie in das Loch in der Decke blendete sie die Sonne. Leider war es jedoch so hoch gelegen, dass es keine Klettermöglichkeit dort hinaus gab. Das Geplapper der Fee zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und Aurelia antwortete dem kleinen Wesen:
„Weißt du, ich verstehe kein Wort, von dem was du mir sagst! Aber ich wünschte, ich könnte es! Ich würde so gerne wissen, wo ich bin. Ich war nur neugierig und wollte sehen, wo das blaue Leuchten herkommt und nun steh ich an diesem mystischen Ort – der zweite mystische Ort innerhalb der kurzen Zeit, seit ich in den Teich getaucht bin – und weiß nicht recht, was ich hier tun soll! Ich habe auch noch nie eine Fee gesehen und weiß auch nicht, wie man sich in deiner Gesellschaft angemessen benimmt! Ich möchte nur hoffen, dass ich nicht träume oder vielleicht bin ich ja auch tot! Ich weiß momentan gar nicht mehr, was ich denken soll!“
, die Elfe zuckte entschuldigend die Schultern und sah in das hübsche Gesicht der Fee, die anscheinend genauso ratlos war, wie sie. Das alles musste schon sehr verwirrend für sie sein, denn sie hatte nicht bemerkt, dass das hohe Geplapper der Fee sich verändert hatte und nun doch entfernt celcianischen Worten geähnelt hatte. Die Fee kratzte sich übertrieben heftig am Kopf, raufte sich die Haare und brüllte schon fast, aber sehr langsam und jedes einzelne Wort betonend, zumindest für ihre Verhältnisse, sodass es sich für Aurelia endlich wie eine halbwegs normale Sprache anhören musste:
„Mein Name ist MOTTILDA!“
An Aurelias Reaktion bemerkte sie, dass sie nun wohl die richtige Frequenz für dieses große Spitzohr gefunden hatte und machte einen Knicks in der Luft indem sie einmal auf und ab schwebte.
„Ah … Jetzt geht es … und wie heist du?“
Sie wartete bis Aurelia sich gefangen und vorgestellt hatte und ließ sich auf die Spitzte eines Stalagmiten nieder.
„Neugierde ist schon was gefährliches, ja ja. Hat schon manchen … WIE? DU HAST DAS NICHT GEPLANT?“
Sie raufte sich erneut die Haare.
„Na das ist ja ein Schlamassel! Und gleich sagst du mir noch, dass du keine Ahnung hast, wie du zurück kommen sollst, stimmt das soweit? Froschlaich und Krötendreck, das hab ich nun davon, wenn ich mal helfen will!“
Der zweite Teil, von dem was sie sagte, klang stark nach einem Fluch. Dann seufzte Mottilda, beruhigte sich wieder und setzte in fröhliches Lächeln auf. Ihre winzigen Ärmchen waren in die Hüften gestemmt.
„Na dann lass mal schauen, in welche Richtung du uns gebracht hast. Vielleicht finden wir ja dann auch einen Weg zurück. Aber ein klein bisschen kann ich doch helfen, damit du wieder weist, was du denken sollst … Nicht das ich dir das vorschreiben will … Ich bin ja immer dafür zu denken, was ich will, aber wenn du meinst, dass du da ein bisschen Leitung brauchst, da kann ich helfen.“
Anscheinend hatte sie einiges von dem was Aurelia gesagt hatte wortwörtlich genommen.
„So wie es aussieht, sind wir noch nicht am Ziel, sondern du hast nur den halben Weg geschafft. Hast du an irgendwas gedacht, als du das Ziehen spürtest? Nein? Hm … Hab ich mir gedacht.“
Abermals raufte sie sich die Haare, die inzwischen wirklich wie die Antennen eines Nachtfalters von ihrem Kopf ab standen.
„Also das hier ist ein Nexus. Hm … das wird dir nichts sagen. Bist ja eine Große. Also … öhm, wo fang ich an? Ach ja! Vielleicht kannst du mir einfach glauben, dass es für euch unsichtbare Energielinien gibt die alles Leben zusammen halten und miteinander verbinden, außer die vom Gevatter natürlich. Natürlich!. Es gibt Orte da liegen die Linien übereinander und da verknoten … bündeln sich die Energien zu mächtigen Strömen. In diesen Knoten wird Magie geboren. Ist wie ein Netz, nur dass die Knoten eigentlich oft übereinander liegen. Wie Schlaufen. Aber eigentlich sind sie gerade und nur am Nexus gebogen. Klar soweit?“
Nichts war wirklich klar, aber was blieb einem anders übrig als zu nicken, wenn einem eine Fee ihre Weltanschauung erklärte?
„An diesen Punkten merkt ihr manchmal, dass es euch besser geht und baut eure Häuser drauf oder betet viel. Aber es ist schon extrem selten, dass jemand den direkten Zugang findet, so wie du!“
Mottilda erhob sich und umkreiste skeptisch drein schauend zweimal Aurelias Körper. Plötzlich fühlte diese sich nackt und die Fee redete ohne Pause weiter:
„Nein, ich glaub, du flunkerst nicht. Schwindeln tust du auch nicht. Du hast das nicht schon mal gemacht. Ich glaub, das war tatsächlich ein Versehen. Dumme Neugierde, zieht einen an Orte die gefährlich sein können. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede! Aber brauchst keine Angst haben, hab dich ja noch eingeholt.“
Sie lachte froh und hell.
„Nur was zum Anziehen solltest dir besorgen, sonst erfrierst du bevor ich den Rückweg gefunden habe. Weist du was? Schau dich doch mal um. Aber geh nirgends wo ohne mich durch und halt dich von den Toren fern. Angucken kannst alles, aber nix anfassen!!! Ruf mich, wenn was ist. Klar soweit?“
Der Monolog der Fee schien vorerst beendet und sie begann in einer kleinen Spirale langsam aufzusteigen und sich umzusehen. Sie hielt sich von dem goldenen Lichtschein fern und kreiste langsam durch die Gegend. Später war sicher noch Zeit weitere Fragen zu stellen. Aurelia setzte vorsichtig ihre Füße voreinander, da der Boden ein paar scharfkantige Steine hier und da aufwies. Langsam bewegte sie sich tiefer in die Höhle und entdeckte immer mehr von diesen mystischen Toren. Um so mehr sie sich anschaute, um so mehr gewann sie den Eindruck, dass aus diesen Übergängen Bruchstücke ihrer Ziele zu ihr hinüber schwappten. Bei einem Tor, war sie ganz sicher, dass es direkt am Meer enden musste, da das Rauschen ganz laut zu hören war. Viele der anderen Tore waren still, aus Anderen drangen merkwürdige Gerüche oder sogar leise unverständliche Stimmen in fremden Sprachen. Näherte sie sich den Stufen, so begann manch ein Zwischenraum leicht zu schimmern, doch davor hatte Mottilda sie ja gewarnt. Irgendwann kreuzten sich wieder ihre Wege und die Fee hockte sich auf einen Stein.
„Hm … hab nix gefunden, was geholfen hat, aber vielleicht wäre es hilfreich zu wissen was du suchst?“
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Re: Ein verborgener Ort

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Mittwoch 8. April 2015, 21:03

„Mein Name ist MOTTILDA!“, piepste die kleine Fee nun so, dass auch Aurelia verstand, dass sie celcianisch sprach. Die Elfe starrte die Kleine an und musste sich beinahe das Lachen verkneifen. Mottilda war irgendwie ein Name, den sie einer robusten und sehr kräftigen Frau zugeordnet hätte und die kleine Nachtfalterfee war das ganze Gegenteil
„Ah … Jetzt geht es … und wie heißt du?“, fragte sie neugierig und setzte sich auf einen Stalagmiten, bereit zuzuhören. „Ich heiße Aurelia Eichenherz und ich bin irgendwie hier reingeraten ohne es wirklich geplant zu haben… Nur das Licht hat mich irgendwie neugierig gemacht.“
Die zierliche Gestalt sah sie ermahnend an und begann wieder in ihrer hohen Stimme zu sprechen:
„Neugierde ist schon was gefährliches, ja ja. Hat schon manchen … WIE? DU HAST DAS NICHT GEPLANT?“
Sie raufte sich erneut die Haare.
„Na das ist ja ein Schlamassel! Und gleich sagst du mir noch, dass du keine Ahnung hast, wie du zurück kommen sollst, stimmt das soweit? Froschlaich und Krötendreck, das hab ich nun davon, wenn ich mal helfen will!
Der zweite Teil, von dem was sie sagte, klang stark nach einem Fluch. Dann seufzte Mottilda, beruhigte sich wieder und setzte in fröhliches Lächeln auf. Ihre winzigen Ärmchen waren in die Hüften gestemmt.
„Na dann lass mal schauen, in welche Richtung du uns gebracht hast. Vielleicht finden wir ja dann auch einen Weg zurück. Aber ein klein bisschen kann ich doch helfen, damit du wieder weist, was du denken sollst … Nicht das ich dir das vorschreiben will … Ich bin ja immer dafür zu denken, was ich will, aber wenn du meinst, dass du da ein bisschen Leitung brauchst, da kann ich helfen.“
Anscheinend hatte sie einiges von dem was Aurelia gesagt hatte wortwörtlich genommen.
„So wie es aussieht, sind wir noch nicht am Ziel, sondern du hast nur den halben Weg geschafft. Hast du an irgendwas gedacht, als du das Ziehen spürtest?“, Aurelia schüttelte den Kopf, „ Nein? Hm … Hab ich mir gedacht.“
Abermals raufte sie sich die Haare, die inzwischen wirklich wie die Antennen eines Nachtfalters von ihrem Kopf ab standen.
„Also das hier ist ein Nexus. Hm … das wird dir nichts sagen. Bist ja eine Große. Also … öhm, wo fang ich an? Ach ja! Vielleicht kannst du mir einfach glauben, dass es für euch unsichtbare Energielinien gibt die alles Leben zusammen halten und miteinander verbinden, außer die vom Gevatter natürlich. Natürlich!. Es gibt Orte da liegen die Linien übereinander und da verknoten … bündeln sich die Energien zu mächtigen Strömen. In diesen Knoten wird Magie geboren. Ist wie ein Netz, nur dass die Knoten eigentlich oft übereinander liegen. Wie Schlaufen. Aber eigentlich sind sie gerade und nur am Nexus gebogen. Klar soweit?“
Nichts war wirklich klar, aber was blieb einem anders übrig als zu nicken, wenn einem eine Fee ihre Weltanschauung erklärte?
„An diesen Punkten merkt ihr manchmal, dass es euch besser geht und baut eure Häuser drauf oder betet viel. Aber es ist schon extrem selten, dass jemand den direkten Zugang findet, so wie du!“
Mottilda erhob sich und umkreiste skeptisch drein schauend zweimal Aurelias Körper. Plötzlich fühlte diese sich nackt und die Fee redete ohne Pause weiter:
„Nein, ich glaub, du flunkerst nicht. Schwindeln tust du auch nicht. Du hast das nicht schon mal gemacht. Ich glaub, das war tatsächlich ein Versehen. Dumme Neugierde, zieht einen an Orte die gefährlich sein können. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede! Aber brauchst keine Angst haben, hab dich ja noch eingeholt.“
Sie lachte froh und hell.
„Nur was zum Anziehen solltest dir besorgen, sonst erfrierst du bevor ich den Rückweg gefunden habe. Weißt du was? Schau dich doch mal um. Aber geh nirgends wo ohne mich durch und halt dich von den Toren fern. Angucken kannst alles, aber nix anfassen!!! Ruf mich, wenn was ist. Klar soweit?“
Der Monolog der Fee schien vorerst beendet und sie begann in einer kleinen Spirale langsam aufzusteigen und sich umzusehen. Sie hielt sich von dem goldenen Lichtschein fern und kreiste langsam durch die Gegend. Später war sicher noch Zeit weitere Fragen zu stellen. Aurelia setzte vorsichtig ihre Füße voreinander, da der Boden ein paar scharfkantige Steine hier und da aufwies. Langsam bewegte sie sich tiefer in die Höhle und entdeckte immer mehr von diesen mystischen Toren. Umso mehr sie sich anschaute, umso mehr gewann sie den Eindruck, dass aus diesen Übergängen Bruchstücke ihrer Ziele zu ihr hinüber schwappten. Bei einem Tor, war sie ganz sicher, dass es direkt am Meer enden musste, da das Rauschen ganz laut zu hören war. Viele der anderen Tore waren still, aus Anderen drangen merkwürdige Gerüche oder sogar leise unverständliche Stimmen in fremden Sprachen. Näherte sie sich den Stufen, so begann manch ein Zwischenraum leicht zu schimmern, doch davor hatte Mottilda sie ja gewarnt. Irgendwann kreuzten sich wieder ihre Wege und die Fee hockte sich auf einen Stein.
„Hm … hab nix gefunden, was geholfen hat, aber vielleicht wäre es hilfreich zu wissen was du suchst?“ Die Elfe sah in das kleine und freundliche Gesicht ihrer Begleiterin und fühlte langsam tatsächlich, dass ihr kalt war. Ihre Brustwarzen waren zu harten Knospen geworden und sie wünschte sich, sie würde etwas finden, was sie zum einen bedeckte und zum anderen ein wenig wärmte. Besonders Schuhe hätte sie gebrauchen können, bei dem felsigen Boden. Aber so sehr sie auch geschaut hatte, die Amazone hatte nichts Brauchbares finden können. Und nun wollte Mottilda auch noch wissen, was sie suchte. Aurelia blickte der Fee eine Zeit lang in die Augen und dann in die Ferne. Sie wusste selbst nicht was sie suchte. Sie hatte keine Ahnung ob sie in ihrem Leben überhaupt etwas suchte, oder nur darauf wartete, dass irgendetwas geschah, dass ihr die Lebensfreude wiederbrachte, die sie in der Nacht verloren hatte, in der sie ihre Familie verloren hatte. Auf einmal füllten sich Aurelias Augen mit Tränen, etwas, dass ihr seit ewiger Zeit nicht passiert war und sie unterdrückte diese. Aber die grünen Augen begannen trotzdem wässeriger zu werden. Die kleine Frau hatte recht gehabt! Hier war ein magischer Ort und irgendwelche Energien wühlten in ihr rum und förderten Gefühle zu Tage, die Aurelia verloren und vergessen geglaubt hatte. Sie konnte nun spüren, wie sehr sie immer noch trauerte und wie wenig sie den Verlust und Kummer verarbeitet hatte. Sie schluckte einen Schluchzer runter und wollte nun endlich der kleinen Fee antworten: „Ich weiß nicht was ich suche! Ich hatte geglaubt nichts zu suchen, aber als du mich fragtest, hatte ich dass Gefühl es gäbe da was. Aber ich weiß nicht was es ist! Ich war eigentlich auf der Suche nach Nahrung und Proviant, aber dann hat mich dieses Leuchten angezogen und nun bin ich hier und spreche mit einer Fee! Das würde mir niemand glauben. Du musst wissen, ich gehöre den Amazonen an. Aber keine Angst, ich möchte hier nichts Böses, es war reiner Zufall, dass ich hier gelandet bin. Ich denke auch, der Ort tut mir nicht gut, ich spüre all den Schmerz in meinem Herzen, den ich schon vergessen hatte und ich erinnere mich an so vieles, was diese Emotionen noch verstärkt. Ich habe das Gefühl, meine Erinnerungen würden wiederbelebt. Wieso fragst du, was ich suche, liebe Mottilda? Was hat das denn mit dem Finden eines Ausgangs zu tun?“

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Re: Ein verborgener Ort

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. April 2015, 19:39

„Ich weiß nicht was ich suche! Ich hatte geglaubt nichts zu suchen, aber als du mich fragtest, hatte ich dass Gefühl es gäbe da was. Aber ich weiß nicht was es ist! Ich war eigentlich auf der Suche nach Nahrung und Proviant, aber dann hat mich dieses Leuchten angezogen und nun bin ich hier und spreche mit einer Fee! Das würde mir niemand glauben. Du musst wissen, ich gehöre den Amazonen an. Aber keine Angst, ich möchte hier nichts Böses, es war reiner Zufall, dass ich hier gelandet bin. Ich denke auch, der Ort tut mir nicht gut, ich spüre all den Schmerz in meinem Herzen, den ich schon vergessen hatte und ich erinnere mich an so vieles, was diese Emotionen noch verstärkt. Ich habe das Gefühl, meine Erinnerungen würden wiederbelebt. Wieso fragst du, was ich suche, liebe Mottilda? Was hat das denn mit dem Finden eines Ausgangs zu tun?“
Mottilda hatte aufmerksam zugehört und dabei Aurelias rotes Haar beobachtet. Als die Elfe endete sah sie ihr wieder in die Augen und meinte:
„Das ist es! Ich hab's! Weil deine Seele nicht weiß was sie will, hat der Nexus dich auf halber Stecke rau geworfen. Sonst wärst du ja da wo sein solltest.“
Sie lächelte so breit, dass ihre Mundwinkel fast bis an die Ohrläppchen reichten.
„Bei mir war es leicht. Schau, ich habe dir gezeigt wie man rüber geht und zu spät bemerkt, dass du mich gar nicht verstehst. Also hatte ich ein schlechtes Gewissen und das hat mich zu dir gebracht, damit ich es wieder gut machen kann. Ich wusste aber, dass ich zu dir will und wollte es auch. Wenn man es nicht weiß, und trotzdem etwas will … jaaaa... das muss schon ganz schön verwirrend sein!“
Sie zog die Knie an den Bauch und schaute die Elfe etwas mitleidig an.
„Also müssen wir jetzt herausfinden, was du nicht weißt, aber willst und dann musst du wollen was du nicht weißt um weiter zu kommen. Ja ja, nicht ganz einfach … aber nicht unmöglich.“
Sie lächelte zuversichtlich und irgendwie war dieses Lächeln ansteckend. Sie stand auf und streckte die Flügel spitz in die Höhe.
„Am besten wir suchen jetzt gemeinsam. Sechs Augen sehen mehr als zwei.“
Wieso Sechs? Bei genauer Betrachtung der Feenflügel, konnte man dort eine Erklärung für die Zahl finden, denn die zusätzlichen vier „Augen“ der Nachtfalterfee prangten auf ihnen.
„Lass uns da drüben anfangen, da riecht es so lecker und ich hab Hunger. Vielleicht haben wir ja Glück und du findest da, was du nicht weißt.“
Sie hob ab und flog nah an Aurelias Seite auf das erste Tor zu. Der Geruch nach Obst, dann nach Weintrauben und dann nach Wein verstärkte sich mit jedem Schritt. Als sie am Fuß der Treppe angelangt waren, stoppte sie Mottilda.
„Ich glaube, es wäre besser, wenn du mich trägst ... Falls wir schnell handeln müssen ... Schaffst du das? Ich meine ohne mich zu zerdrücken?“
Das winzige Gesicht drückte deutlich Sorge aus. So lange kannten sie sich schließlich nicht und einem „Großen“ zu vertrauen war für eine Fee sicher auch nicht ganz einfach.
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Re: Ein verborgener Ort

Beitrag von Aurelia Eichenherz » Montag 13. April 2015, 20:38

Die immer noch splitternackte Elfe war ein wenig verwirrt von den Worten der Fee. Sie musste zugeben, dass sie auf eine merkwürdige Art und Weise Sinn machten, aber dennoch schien sie diese nicht wirklich zu begreifen. Aber sicherlich würde es zu irgendeiner Lösung kommen, denn das zarte Wesen schien sehr weise zu sein. Aurelia hoffte, dass sie vielleicht in der nächsten Zeit etwas zum Anziehen finden konnte, sie fühlte sich doch sehr verwundbar in ihrer bloßen Weiblichkeit- allein die Tätowierungen bedeckten ihre helle Haut, die in dem seltsamen Licht doch den grünlichen Schimmer zeigte.
„Ich glaube, es wäre besser, wenn du mich trägst ... Falls wir schnell handeln müssen ... Schaffst du das? Ich meine ohne mich zu zerdrücken?“, fragte Mottilda ein wenig besorgt. Aurelia nahm sie ganz behutsam in die Hand, was nicht sehr einfach war, denn die schönen Flügel waren sehr zerbrechlich. Sie gingen so zusammen in die Richtung des ersten Tores und Aurelias muskulöse Beine erklommen die Stufen wie einen Berg. Sie bewegten sich auf das Portal zu und es roch immer stärker nach Früchten. Sofort bekam Aurelia das Gefühl, sie würden in einen Obstgarten hineinlaufen und wurde direkt neugierig, was sich tatsächlich hinter diesem steinernen Tor befand. Die Amazone nahm die letzte Stufe und stand oben. Sie musste sich noch einmal umdrehen und den Blick zurückschweifen lassen. Sie hatte das Gefühl, sich verabschieden zu wollen und dann drehte sie sich um und folgte dem süßen und saftigen Geruch durch das riesige Tor.

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Re: Ein verborgener Ort

Beitrag von Erzähler » Dienstag 14. April 2015, 20:07

Die Amazone nahm die letzte Stufe und stand oben. Vor ihr waberte die Luft. Sie musste sich einfach noch einmal umdrehen und den Blick zurück schweifen zu lassen. Sie hatte das Gefühl, sich verabschieden zu wollen und dann drehte sie sich um und folgte dem süßen und saftigen Geruch durch das riesige Tor. Kurz bevor ihre Sicht zu verschwimmen begann, hörte sie noch ein hohes:
„Wa...“

weiter bei: Sitz des dunklen Herrschers
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