Die Küstenstraße
Verfasst: Montag 12. November 2012, 21:14
(Marga kommt von:Das Königreich Grandessa – (nördliches Waldgebiet) - Auf den Spuren des Vaters)
Fast eine Stunde lang setzten sie ihren Weg schweigend fort und der Wagen bahnte sich rumpelnd seinen Weg durch den dichten Wald. Sie kamen nur langsam vorwärts, denn es gab keine Straße oder befestigten Wege und ab und an musste Orok abspringen um eine Wurzel oder einen Ast aus den massiven Rädern des Wagens zu befreien oder um ihnen den Weg, mit seiner gewaltigen Axt, zu verbreitern wenn es nicht mehr voran ging. Sie erreichten kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit, selbst dann wenn keine Hindernisse auf ihrem Weg lagen, also hatten sie viel Zeit sich zu unterhalten. Orok nahm diese Chance wahr um sein Versprechen einzulösen ihr ein paar Worte auf Krz'ner bei zu bringen. Er war kein guter Lehrer, deshalb musste Marga ihm immer das Wort sagen, was sie wissen wollte und er übersetzte es dann in seine Sprache. Jede Störung brachte ihn jedoch aus dem Konzept und sie musste häufiger das bereits gesagte wiederholen, sodass ihr Unterricht nur langsam Fortschritte machte. Vielleicht war es besser sich von ihm einen kleineren Wortschatz zuzulegen, mit einzelnen starken Stichworten, die auf den Inhalt eines Gesprächs schließen lassen würden. Wörter wie: Blut, Krieg, Falle, Dunkelelfen, … und was ihr sonst noch so einfiel. Ihre Reisezeit verging gemächlich und nordöstlich. Neben den persönlichen Dingen hatte Orok noch einen kleinen Käfig mit einer Brieftaube hinter dem Kutschbock. Es war ein ausgesprochen hässliches und mageres Exemplar. Das Gefieder war matt und dunkelgrau gefleckt. Eine bereits in Wachs getauchte kleine Rolle war an einem Fuß der Taube befestigt. Vielleicht weckte sie Margas Neugierde, jedoch würde das Aufbrechen der Ummantlung nicht unbemerkt bleiben und Orok bewachte den Käfig mit Argusaugen. Als Marga ihn einmal etwas länger betrachtete, erklärte er dazu:
„Ich Befehl von Morg haben, dass frei lassen, wenn wir andere Truppe treffen.“
Weitere Erläuterungen gab es nicht, da Orok einfach nicht mehr wusste. Orok korrigierte ein paar mal ihren Kurs um dichte Waldstücke zu vermeiden. An manchen Stellen musste er ihnen regelrecht eine Schneise schlagen, doch dann wurde es langsam besser. Ab und an wurden sie von Affen beobachtet die hoch oben in den Bäumen saßen und sie mit kleinen Dingen bewarfen, wenn sie zu nah kamen. Orok ließ sich davon nicht stören. Er erklärte, dass sie noch gut einen Tagesmarsch von stillen Ebene entfernt waren und von dort aus schneller nach Norden reisen würden. Fast den ganzen Tag kämpften sie sich noch durch das dichte Unterholz und auch wenn es nicht wirklich viel für Marga zu tun gab, als ab und zu Orok bei zu schweren Baumstämmen zu helfen, oder nach den beiden Elfen zu sehen, die sich die ganze Zeit an schwiegen, so verging die Zeit doch wie im Fluge. In der stillen Ebene würden sie mit den anderen zusammen schneller voran kommen, versprach Orok. Er bot ihr auch an, das Steuern der Wargs vor der Kutsche zu lernen, da auch dies wieder etwas anderes war als das Reiten. Die Wargs vor dem Gefängniswaren reagierten vor allem auf bestimmte Laute, die Margas Begleiter ab und zu von sich gab. Doch bevor sie damit beginnen konnte sie zu lernen, erreichten sie endlich die Küstenstraße und so wurde auch der Umgang mit dem Wagen leichter. Die Aussicht zeigte eine malerische Bucht über der dicke dunkelgraue Wolken hingen und die sich weiträumig geschwungen an die felsige Küste bettete. Man ritt hoch über der Brandung, die gegen die steil abfallenden Klippen donnerte und nah am Waldrand entlang. Der Wind nahm stetig zu und zerrte unangenehm eisig an Margas Haaren. Es roch nach Regen und Sturm und die bald heraufziehende Nacht versprach ungemütlich zu werden. Fast konnte man die beiden Elfen um ihren geschützten Wagen beneiden. Sie waren gerade auf den Weg nach Norden eingebogen, da hörten sie schrille Pfiffe im schneidenden Wind hinter sich. Ein Orkspäher kam auf seinem Warg schnell heran gesprintet und stoppte neben ihnen. Orok stand auf, sah auf ihn herab, knurrte ihn kräftig an und schien so erst einmal seine Überlegenheit kundzutun. Erst dann begannen sie miteinander zu sprechen:
„Du Späher vom Trupp der von Grandea nach Andunie reist?“
Blaffte Orok ihn in wenig netten Ton an. Der Wargreiter zuckt sogar ein wenig zusammen und schien sich nicht ganz sicher was er von Oroks Erscheinung halten soll. Sein Blick huschte zu Marga und dem vergitterten Wagen.
„J...ja. Was macht ihr hier?“
„Reite zurück! Sagen Anführer, wir hier warten auf euch. Ich Befehle für Gefangenentransport. Los!“
Dem Reiter schien nicht zu gefallen sich von Orok in diesem befehlshabenden Ton ansprechen zu lassen, aber er wendete seinen Warg und ritt nach Süden davon. Sie waren wieder allein. Orok sah Marga an:
„Ich ihm sagen, dass er Anführer Bescheid geben soll. Wir hier warten bis sie aufschießen.“
Dann griff er auch schon hinter sich und nahm den kleinen Käfig auf den Schoß. Er öffnete mit seinen groben Fingern das einfach Steckschloss und griff nach dem zarten Tier, dass allein davon schon fast eine Herzattacke bekommen hatte. Er hielt den Vogel erstaunlich vorsichtig in der Hand und streckte sie dann weit über seinen Kopf um das Tier frei zu lassen. Die Geste war sicher gut gemeint, doch es sah so aus, als ob der arme Täuberich noch unter Schock stand. Er rührte sich nicht und so bekam Oroks Haltung schon etwas äußerst amüsantes, wie er so da saß und darauf wartete, dass das Tier sich erholte. Er schien gerade die Geduld zu verlieren, als ganz plötzlich der Vogel von der Seite in die Senkrechte bewegte und sich fast panisch in die Luft erhob. Das Tier suchte instinktiv so schnell es ging das Weite. Orok nahm seinen Arm runter und rieb ihn. Orkarme waren für fiel Kraft geschaffen, nicht für langes, unbequemes Stillhalten! Er sah wieder Marga an und lächelte.
„Sie bald kommen.“
Er sah nach vorne und erblickte eine etwas breitere Stelle wo sie den Wagen von der Straße lenken konnten um dort ihr Lager aufschlagen zu können. Er schnalzte wider mit der Zunge und lenkte den Wagen dort hin.
„Wir heute bestimmt nicht mehr weiter reisen. Hier gut. Wenn andere kommen, du immer in meiner Nähe bleiben. Orkmänner nicht alle so …“
Ihm schien das Wort nicht einzufallen, was er suchte.
„Orkmänner manchmal Blödmänner!“
Das war wohl war, sonst gäbe es Marga wohl vermutlich nicht. Die Anspielung machte aber auch deutlich, dass das Zusammentreffen mit den Anderen nicht ganz ungefährlich für sie sein könnte. Trotzdem schien sich Orok doch ein bisschen darauf zu freuen. Sie bauten gerade ihr Lager ganz in der Nähe des Wagens auf, so dass auf der übrigen Wiese noch ordentlich Platz blieb, da hörte man schon leise erste Pfiffe. Orok klopfte Marga auf die Schulter und lächelte sie breit an.
„Ich machen das schon. Du keine Sorge. Ich auf dich aufpassen!“
Er ging breitbeinig zur Straße um sich dort zu voller Größe aufzubauen. Dann kam der Konvoi auch langsam in Sicht. Marga staunte nicht schlecht und zählte in Gedanken heimlich mit. Eine Kolonne von drei Lastenwagen mit Waffen, soweit sie wusste, gezogen von jeweils sechs Wargs und einem Orkkutscher und einem Bogenschützen (zusammen sechs), 16 berittene Orks auf Wargs als Geleitschutz, drei Dunkelelfen auf ihren Wargs, die höchstwahrscheinlich Offiziere der dunklen Arme waren. Einer davon wirkte wie ein hoher Adeliger, der jedoch durchaus kampferprobt aussah. Die beiden anderen waren Elitekämpfer der Dunkelelfen, das sah man sofort und Marga erkannte sie als größte Gefahr zwischen all den anderen ebenso tödlich anmutenden Orks. Zusammen waren sie mit ihrem einen schwerer Gefängniswagen auf ihrer Seite, gezogen von vier Wargs, zwei Angebunden, zwei Elfen im Innern und 1,5 Orks oben auf (Marga und Orok) dann also zusammengezählt = 26,5 Kämpfer. Ohne die 43 Wargs, auch wenn diese im Kampf besser waren als jedes Pferd, und ohne die gefangenen Elfen gerechnet, was eine durchaus stattliche Truppe war. Eine schlecht gelaunte Truppe!
Die Begrüßung fiel erstaunlich knapp aus. Orok hatte sich auf den Weg gestellt und einer der fremden Orks war heran geritten um mit ihm ein paar Worte zu wechseln. Es ging anscheinend um den Lagerplatz, den Orok zeigte grob in ihre Richtung und seine Entscheidung wurde abgenickt. Ohne zu stoppen näherte sich der Konvoi weiter und die schwer beladenen Wagen rollten rumpelnd und vor Metall klirrend an ihr vorbei an die schnell zugewiesenen Plätze. Marga wurde mit gemischten Blicken gemustert, doch erst einmal wurde erstaunlich still das Lager aufgebaut. Schnell bemerkte Marga auch warum alles so leise verlief. Die beiden Dunkelelfen hatten den Haufen fest im Blick und ließen keinen Raum für Gespräche. Aus der Ferne sah Marga wie Orok auf sie zu marschierte und dem Adeligen seine Befehle übergeben wollte. Er wurde von zwei weiteren Orks gestoppt und wartete bis sich dann der Elf näherte und die Rolle des Schamanen an sich nahm. Der Blick des Mannes hob sich in Margas Richtung und die Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Während sie näher kamen, hörte Marga ein paar Worte in der dunklen melodischen Sprache der Elfen, doch sie verstand sie nicht und jede Silbe jagte einem ungeübten Hörer kalte Schauer über den Rücken. Der Klang war erfüllt von Magie und Marga wunderte sich nicht, dass diese bösartigen Wesen so leicht Macht über die abergläubischen Orks gewonnen hatten. Marga wurde kaum mit einem Blick bedacht, als sie an ihr vorüber zum Gefängniswaren gingen. Nur einer der Elitekämpfer musterte sie aus dem Augenwinkel, ging jedoch ebenfalls weiter. Orok stellte sich neben Marga und ergriff ihre Hand, während der Anführer in den Wagen hinein spähte. Das dunkel Volk Celcias brauchte kein Licht um die Schatten im Innern zu durchdringen und ein süffisantes Lächeln umspielte kurz seine die Lippen. Marga betrachtete ihn von der Seite her genauer, da er offensichtlich hier das Sagen hatte. Seine Haut war pechschwarz und stand so im krassen Gegensatz zu seinen langen weißen Haaren die ihm offen bis in die Kniekehlen hingen und ihm fast etwas weibisches gaben, aber das konnte täuschen. Der Körperbau war etwas Schmaler als bei den anderen beiden, für Marga fast hager zu nennen. Seine Augen waren stechend violett und seine Gesichtszüge hart und grausam. Lippen und Nase waren gerade und schmal. Er trug eine reich verzierte, fein gearbeitete Kettenrüstung Ton in Ton mit einem schwarzen Umhang. Die einzigsten Farben die man bei allen drei erkennen konnte, sowie bei allen aus der Truppe, waren eine Armbinde über dem linken Oberarm, die in Farbe und Motiv dem grandessarischen Wappen glichen. Selbst wenn er bösartige Ideen in sich trug, was er mit den beiden Gefangenen hätte anstellen können, so machte ihm diesen Abend die Natur einen Strich durch sein Vergnügen. Es begann zu regnen und der Wind verwandelte die kalten Böen schnell in äußerst unangenehme Peitschenhiebe. Der Dunkelelf wandte sich mit seinen Begleitern ab und sie verschwanden in Richtung ihres eigenen Zeltes. Orok atmete einmal erleichtert auf und flüsterte:
„Ich hoffen, dass die da nicht zu viel Interesse für deine Freunde. Ich nicht mögen! Viel böse Magie!“
Viel länger konnten sie nicht hier draußen im Sturm stehen und rings herum zogen sich die Orks in selbstgebaute Unterkünfte zurück. Die Natur hatte heute Nacht etwas gegen eine Weiterreise und protestierte in ihrer unangenehmsten Weise. Orok kroch vor ihr ins Zelt und die feste Teerplane flatterten laut im Wind. Dies sollte keine ruhige Nacht werden, aber andererseits bot der Sturm auch Schutz vor zu neugierigen Blicken. Bei diesem Wetter jagte man keinen Hund vor die Tür. Den Wargs hingegen machte es kaum etwas aus. Nachdem sie abgespannt und gefüttert worden waren, legten sie sich alle eng zueinander, so das sie aussahen wie ein großer Haufen stinkender Fellfetzen und schiefen schnell ein. Das Unwetter zog von norden über sie und verfing sich in den Wäldern, so dass sie nicht mit ganzer Kraft getroffen wurden. Trotzdem hörte man die ganze Nacht das Donnern der Wellen an den Klippen. Orok hatte bestimmt keine Angst vor dem Sturm, aber zusammen mit Margas Einflüsterungen fühlte er sich wohl doch nicht ganz wohl. Kaum hatten sie sich hingelegt, brummelte er:
„Ich jetzt schlafen, du mich später wecken wenn zu müde. Wir einander bewachen, dann nix kann passieren.“
Er drehte ihr den massigen Rücken zu, der aber eine angenehme Wärme ausstrahlte, im Gegensatz zum Rest der Umgebung. Orks hatten ein enorm gutes Immunsystem und Marga war soweit sie sich erinnern konnte auch nie krank gewesen, nicht einmal Gift hatte ihr wirklich schaden können. Trotzdem war diese Nacht schon empfindlich kalt und die Feuchtigkeit die der Sturm mit sich brachte zog durch jeden Winkel. Sie hatten ihr Zelt so aufgebaut, dass Marga sich nun an Orok anlehnen konnte und ab und an den Eingang öffnen und zum Gefängniswagen direkte Sicht hatte.
Fast eine Stunde lang setzten sie ihren Weg schweigend fort und der Wagen bahnte sich rumpelnd seinen Weg durch den dichten Wald. Sie kamen nur langsam vorwärts, denn es gab keine Straße oder befestigten Wege und ab und an musste Orok abspringen um eine Wurzel oder einen Ast aus den massiven Rädern des Wagens zu befreien oder um ihnen den Weg, mit seiner gewaltigen Axt, zu verbreitern wenn es nicht mehr voran ging. Sie erreichten kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit, selbst dann wenn keine Hindernisse auf ihrem Weg lagen, also hatten sie viel Zeit sich zu unterhalten. Orok nahm diese Chance wahr um sein Versprechen einzulösen ihr ein paar Worte auf Krz'ner bei zu bringen. Er war kein guter Lehrer, deshalb musste Marga ihm immer das Wort sagen, was sie wissen wollte und er übersetzte es dann in seine Sprache. Jede Störung brachte ihn jedoch aus dem Konzept und sie musste häufiger das bereits gesagte wiederholen, sodass ihr Unterricht nur langsam Fortschritte machte. Vielleicht war es besser sich von ihm einen kleineren Wortschatz zuzulegen, mit einzelnen starken Stichworten, die auf den Inhalt eines Gesprächs schließen lassen würden. Wörter wie: Blut, Krieg, Falle, Dunkelelfen, … und was ihr sonst noch so einfiel. Ihre Reisezeit verging gemächlich und nordöstlich. Neben den persönlichen Dingen hatte Orok noch einen kleinen Käfig mit einer Brieftaube hinter dem Kutschbock. Es war ein ausgesprochen hässliches und mageres Exemplar. Das Gefieder war matt und dunkelgrau gefleckt. Eine bereits in Wachs getauchte kleine Rolle war an einem Fuß der Taube befestigt. Vielleicht weckte sie Margas Neugierde, jedoch würde das Aufbrechen der Ummantlung nicht unbemerkt bleiben und Orok bewachte den Käfig mit Argusaugen. Als Marga ihn einmal etwas länger betrachtete, erklärte er dazu:
„Ich Befehl von Morg haben, dass frei lassen, wenn wir andere Truppe treffen.“
Weitere Erläuterungen gab es nicht, da Orok einfach nicht mehr wusste. Orok korrigierte ein paar mal ihren Kurs um dichte Waldstücke zu vermeiden. An manchen Stellen musste er ihnen regelrecht eine Schneise schlagen, doch dann wurde es langsam besser. Ab und an wurden sie von Affen beobachtet die hoch oben in den Bäumen saßen und sie mit kleinen Dingen bewarfen, wenn sie zu nah kamen. Orok ließ sich davon nicht stören. Er erklärte, dass sie noch gut einen Tagesmarsch von stillen Ebene entfernt waren und von dort aus schneller nach Norden reisen würden. Fast den ganzen Tag kämpften sie sich noch durch das dichte Unterholz und auch wenn es nicht wirklich viel für Marga zu tun gab, als ab und zu Orok bei zu schweren Baumstämmen zu helfen, oder nach den beiden Elfen zu sehen, die sich die ganze Zeit an schwiegen, so verging die Zeit doch wie im Fluge. In der stillen Ebene würden sie mit den anderen zusammen schneller voran kommen, versprach Orok. Er bot ihr auch an, das Steuern der Wargs vor der Kutsche zu lernen, da auch dies wieder etwas anderes war als das Reiten. Die Wargs vor dem Gefängniswaren reagierten vor allem auf bestimmte Laute, die Margas Begleiter ab und zu von sich gab. Doch bevor sie damit beginnen konnte sie zu lernen, erreichten sie endlich die Küstenstraße und so wurde auch der Umgang mit dem Wagen leichter. Die Aussicht zeigte eine malerische Bucht über der dicke dunkelgraue Wolken hingen und die sich weiträumig geschwungen an die felsige Küste bettete. Man ritt hoch über der Brandung, die gegen die steil abfallenden Klippen donnerte und nah am Waldrand entlang. Der Wind nahm stetig zu und zerrte unangenehm eisig an Margas Haaren. Es roch nach Regen und Sturm und die bald heraufziehende Nacht versprach ungemütlich zu werden. Fast konnte man die beiden Elfen um ihren geschützten Wagen beneiden. Sie waren gerade auf den Weg nach Norden eingebogen, da hörten sie schrille Pfiffe im schneidenden Wind hinter sich. Ein Orkspäher kam auf seinem Warg schnell heran gesprintet und stoppte neben ihnen. Orok stand auf, sah auf ihn herab, knurrte ihn kräftig an und schien so erst einmal seine Überlegenheit kundzutun. Erst dann begannen sie miteinander zu sprechen:
„Du Späher vom Trupp der von Grandea nach Andunie reist?“
Blaffte Orok ihn in wenig netten Ton an. Der Wargreiter zuckt sogar ein wenig zusammen und schien sich nicht ganz sicher was er von Oroks Erscheinung halten soll. Sein Blick huschte zu Marga und dem vergitterten Wagen.
„J...ja. Was macht ihr hier?“
„Reite zurück! Sagen Anführer, wir hier warten auf euch. Ich Befehle für Gefangenentransport. Los!“
Dem Reiter schien nicht zu gefallen sich von Orok in diesem befehlshabenden Ton ansprechen zu lassen, aber er wendete seinen Warg und ritt nach Süden davon. Sie waren wieder allein. Orok sah Marga an:
„Ich ihm sagen, dass er Anführer Bescheid geben soll. Wir hier warten bis sie aufschießen.“
Dann griff er auch schon hinter sich und nahm den kleinen Käfig auf den Schoß. Er öffnete mit seinen groben Fingern das einfach Steckschloss und griff nach dem zarten Tier, dass allein davon schon fast eine Herzattacke bekommen hatte. Er hielt den Vogel erstaunlich vorsichtig in der Hand und streckte sie dann weit über seinen Kopf um das Tier frei zu lassen. Die Geste war sicher gut gemeint, doch es sah so aus, als ob der arme Täuberich noch unter Schock stand. Er rührte sich nicht und so bekam Oroks Haltung schon etwas äußerst amüsantes, wie er so da saß und darauf wartete, dass das Tier sich erholte. Er schien gerade die Geduld zu verlieren, als ganz plötzlich der Vogel von der Seite in die Senkrechte bewegte und sich fast panisch in die Luft erhob. Das Tier suchte instinktiv so schnell es ging das Weite. Orok nahm seinen Arm runter und rieb ihn. Orkarme waren für fiel Kraft geschaffen, nicht für langes, unbequemes Stillhalten! Er sah wieder Marga an und lächelte.
„Sie bald kommen.“
Er sah nach vorne und erblickte eine etwas breitere Stelle wo sie den Wagen von der Straße lenken konnten um dort ihr Lager aufschlagen zu können. Er schnalzte wider mit der Zunge und lenkte den Wagen dort hin.
„Wir heute bestimmt nicht mehr weiter reisen. Hier gut. Wenn andere kommen, du immer in meiner Nähe bleiben. Orkmänner nicht alle so …“
Ihm schien das Wort nicht einzufallen, was er suchte.
„Orkmänner manchmal Blödmänner!“
Das war wohl war, sonst gäbe es Marga wohl vermutlich nicht. Die Anspielung machte aber auch deutlich, dass das Zusammentreffen mit den Anderen nicht ganz ungefährlich für sie sein könnte. Trotzdem schien sich Orok doch ein bisschen darauf zu freuen. Sie bauten gerade ihr Lager ganz in der Nähe des Wagens auf, so dass auf der übrigen Wiese noch ordentlich Platz blieb, da hörte man schon leise erste Pfiffe. Orok klopfte Marga auf die Schulter und lächelte sie breit an.
„Ich machen das schon. Du keine Sorge. Ich auf dich aufpassen!“
Er ging breitbeinig zur Straße um sich dort zu voller Größe aufzubauen. Dann kam der Konvoi auch langsam in Sicht. Marga staunte nicht schlecht und zählte in Gedanken heimlich mit. Eine Kolonne von drei Lastenwagen mit Waffen, soweit sie wusste, gezogen von jeweils sechs Wargs und einem Orkkutscher und einem Bogenschützen (zusammen sechs), 16 berittene Orks auf Wargs als Geleitschutz, drei Dunkelelfen auf ihren Wargs, die höchstwahrscheinlich Offiziere der dunklen Arme waren. Einer davon wirkte wie ein hoher Adeliger, der jedoch durchaus kampferprobt aussah. Die beiden anderen waren Elitekämpfer der Dunkelelfen, das sah man sofort und Marga erkannte sie als größte Gefahr zwischen all den anderen ebenso tödlich anmutenden Orks. Zusammen waren sie mit ihrem einen schwerer Gefängniswagen auf ihrer Seite, gezogen von vier Wargs, zwei Angebunden, zwei Elfen im Innern und 1,5 Orks oben auf (Marga und Orok) dann also zusammengezählt = 26,5 Kämpfer. Ohne die 43 Wargs, auch wenn diese im Kampf besser waren als jedes Pferd, und ohne die gefangenen Elfen gerechnet, was eine durchaus stattliche Truppe war. Eine schlecht gelaunte Truppe!
Die Begrüßung fiel erstaunlich knapp aus. Orok hatte sich auf den Weg gestellt und einer der fremden Orks war heran geritten um mit ihm ein paar Worte zu wechseln. Es ging anscheinend um den Lagerplatz, den Orok zeigte grob in ihre Richtung und seine Entscheidung wurde abgenickt. Ohne zu stoppen näherte sich der Konvoi weiter und die schwer beladenen Wagen rollten rumpelnd und vor Metall klirrend an ihr vorbei an die schnell zugewiesenen Plätze. Marga wurde mit gemischten Blicken gemustert, doch erst einmal wurde erstaunlich still das Lager aufgebaut. Schnell bemerkte Marga auch warum alles so leise verlief. Die beiden Dunkelelfen hatten den Haufen fest im Blick und ließen keinen Raum für Gespräche. Aus der Ferne sah Marga wie Orok auf sie zu marschierte und dem Adeligen seine Befehle übergeben wollte. Er wurde von zwei weiteren Orks gestoppt und wartete bis sich dann der Elf näherte und die Rolle des Schamanen an sich nahm. Der Blick des Mannes hob sich in Margas Richtung und die Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Während sie näher kamen, hörte Marga ein paar Worte in der dunklen melodischen Sprache der Elfen, doch sie verstand sie nicht und jede Silbe jagte einem ungeübten Hörer kalte Schauer über den Rücken. Der Klang war erfüllt von Magie und Marga wunderte sich nicht, dass diese bösartigen Wesen so leicht Macht über die abergläubischen Orks gewonnen hatten. Marga wurde kaum mit einem Blick bedacht, als sie an ihr vorüber zum Gefängniswaren gingen. Nur einer der Elitekämpfer musterte sie aus dem Augenwinkel, ging jedoch ebenfalls weiter. Orok stellte sich neben Marga und ergriff ihre Hand, während der Anführer in den Wagen hinein spähte. Das dunkel Volk Celcias brauchte kein Licht um die Schatten im Innern zu durchdringen und ein süffisantes Lächeln umspielte kurz seine die Lippen. Marga betrachtete ihn von der Seite her genauer, da er offensichtlich hier das Sagen hatte. Seine Haut war pechschwarz und stand so im krassen Gegensatz zu seinen langen weißen Haaren die ihm offen bis in die Kniekehlen hingen und ihm fast etwas weibisches gaben, aber das konnte täuschen. Der Körperbau war etwas Schmaler als bei den anderen beiden, für Marga fast hager zu nennen. Seine Augen waren stechend violett und seine Gesichtszüge hart und grausam. Lippen und Nase waren gerade und schmal. Er trug eine reich verzierte, fein gearbeitete Kettenrüstung Ton in Ton mit einem schwarzen Umhang. Die einzigsten Farben die man bei allen drei erkennen konnte, sowie bei allen aus der Truppe, waren eine Armbinde über dem linken Oberarm, die in Farbe und Motiv dem grandessarischen Wappen glichen. Selbst wenn er bösartige Ideen in sich trug, was er mit den beiden Gefangenen hätte anstellen können, so machte ihm diesen Abend die Natur einen Strich durch sein Vergnügen. Es begann zu regnen und der Wind verwandelte die kalten Böen schnell in äußerst unangenehme Peitschenhiebe. Der Dunkelelf wandte sich mit seinen Begleitern ab und sie verschwanden in Richtung ihres eigenen Zeltes. Orok atmete einmal erleichtert auf und flüsterte:
„Ich hoffen, dass die da nicht zu viel Interesse für deine Freunde. Ich nicht mögen! Viel böse Magie!“
Viel länger konnten sie nicht hier draußen im Sturm stehen und rings herum zogen sich die Orks in selbstgebaute Unterkünfte zurück. Die Natur hatte heute Nacht etwas gegen eine Weiterreise und protestierte in ihrer unangenehmsten Weise. Orok kroch vor ihr ins Zelt und die feste Teerplane flatterten laut im Wind. Dies sollte keine ruhige Nacht werden, aber andererseits bot der Sturm auch Schutz vor zu neugierigen Blicken. Bei diesem Wetter jagte man keinen Hund vor die Tür. Den Wargs hingegen machte es kaum etwas aus. Nachdem sie abgespannt und gefüttert worden waren, legten sie sich alle eng zueinander, so das sie aussahen wie ein großer Haufen stinkender Fellfetzen und schiefen schnell ein. Das Unwetter zog von norden über sie und verfing sich in den Wäldern, so dass sie nicht mit ganzer Kraft getroffen wurden. Trotzdem hörte man die ganze Nacht das Donnern der Wellen an den Klippen. Orok hatte bestimmt keine Angst vor dem Sturm, aber zusammen mit Margas Einflüsterungen fühlte er sich wohl doch nicht ganz wohl. Kaum hatten sie sich hingelegt, brummelte er:
„Ich jetzt schlafen, du mich später wecken wenn zu müde. Wir einander bewachen, dann nix kann passieren.“
Er drehte ihr den massigen Rücken zu, der aber eine angenehme Wärme ausstrahlte, im Gegensatz zum Rest der Umgebung. Orks hatten ein enorm gutes Immunsystem und Marga war soweit sie sich erinnern konnte auch nie krank gewesen, nicht einmal Gift hatte ihr wirklich schaden können. Trotzdem war diese Nacht schon empfindlich kalt und die Feuchtigkeit die der Sturm mit sich brachte zog durch jeden Winkel. Sie hatten ihr Zelt so aufgebaut, dass Marga sich nun an Orok anlehnen konnte und ab und an den Eingang öffnen und zum Gefängniswagen direkte Sicht hatte.