am Waldrand

Dieser wunderschöne Wald liegt im Nordosten, abgegrenzt durch den Fluss Iridul. Das Elfendorf Eldar ist in ihm verborgen, sowie der Sternensee – ein magischer See, dessen Geheimnis gut von den Elfen bewahrt wird.
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Die Bruderschaft aus Pelgar hat im Eldoras ein verstecktes Lager aufgebaut, in dem sie auch erste Flüchtlinge aus der Hauptstadt aufgenommen haben.
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Re: am Waldrand

Beitrag von fremde Frau » Freitag 25. August 2006, 14:30

Die Elfin lachte.

"Keine Angst vertraue mir. So spät ist es noch nicht, schau hinauf zu den Sternen,, es ist kurz vor Mitternacht. Die Wirtin hat noch offfen, sie schließt erst in einer Stunde, also haben wir noch Zeit um etwas zu essen!"sprach sei mit ruhiger Stimme und setzte sich in Bewegung.

Fröhlich ging sie in das Dorf hinein. Einige Elfen waren noch munter und plauderten gemütlich. Als sie Lyranda sahen, liefen einige zu ihr und begrüßten sie herzlichst, lange hatten sie sie nicht mehr gesehen.

Sie versprach ihnen morgen ein großes Fest zu feiern, um all ihre Freunde und Bekannte zu begrüßen.

Und so machte sie sich auf in die Taverne.

[weiter in der "singenden" Taverne]

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Re: am Waldrand

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 13. September 2006, 20:37

<i>Lyrien schlief immer fester ein, bald hörte sie nicht einmal mehr das Grollen der Wolken. Die Zeit verging und auch Lara ihr Pferd machte ein kurzes Nickerchen.

Doch leider verging die Zeit schneller als geplant. Lara wachte als erstes auf und stupste Lyrien an, welche darauf langsam aufwachte. Zuerst war sie erschrocken, doch dann sah sie das es nur das Pferd war. Liebevolle streichelte sie es und richtete sich auf.

Sie merkte gar nicht wie spät es war, denn die Wolken liesen einfach kein Licht hindurch, sie wusste nur das sie weiter reiten sollten. Bald würden sie auch die kleine Brücke über den Fluß erreichn, dann wäre der Weg nach Pelgar nicht mehr soweit.</i>

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Darak Luthrokar
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Re: am Waldrand

Beitrag von Darak Luthrokar » Freitag 21. September 2007, 02:21

<i> Darak wurde von Alma (NPC) und dem Nichtgenannten (NPC von der Stillen Ebene - Wege des Schmerzes hier hin gerollt</i>

<b> Leichtsinn?</b> Darak gefiel dieses Wort überhaupt nicht. Sein ganzes Leben war nie Leichtsinnig gewesen – naja vielleicht höchstens in Zeiten höchster Wut und Rage. Um zu überleben hatte er gelernt kaltblütig und zwecksorientiert zu denken, do dass für ihn immer das bestmöglichste heraussprang!

So kam es dass er sich im Kerker zum schlafen immer als zweiter Mann neben jener der ganz in der Ecke lag legte. So erhielt er dessen Wärme wurde aber nicht von den anderen zerdrückt, wie es in der Mitte des Raumes meist geschah. Das spärliche pissedurchtränkte Essen hatte er sich selbst Rationiert, damit er auch während der Arbeit – immer dann wenn sein Kreislauf zu versagen drohte – auch noch etwas zum verspeisen hatte. Die richtigen Menschen hatte er selbst ermordet und mit den wichtigsten Bündnisse geschlossen, jedoch nie so gefestigte, dass er in ihre Pflicht genommen wurde. Mit Menschen die er am meisten verabscheute konnte er arbeiten, weil es eben <i>Leichtsinnig</i> gewesen wäre es nicht zu tun.

Er schwieg beleidigt. Starrte düster vor sich her und lauschte Almas Worten über Valrock, dabei zuckte er unwillkürlich zusammen als sie sich ereiferte kein Schuster zu sein. Genau dies hatte nämlich auch der Folterer gesagt, als er ihm die Stiefel angeschnallt hatte. Darak schauderte. Spürte wie seine Nerven begannen zu flattern und seine Hände zitterten. Dankbar griff er nach Almas Kräuterklumpen und würgte ihn hinunter. Die Wirkung trat schneller ein als gedacht. Er sah noch wie die Heilerin vor ihm stand und mit ihm sprach, doch er nahm es gar nicht mehr war. Nur ein Gedanke verhakte sich hartnäckig in seinem Bewusstsein. Er fühlte sich gerade gelinkt. Dann war er weg. Sein Kopf kippte nach hinten weg so dass sich sein Mund durch die Streckung des Halses öffnete und er Alma anstarrte – hätte er nicht geschlafen. Doch sobald sie den Stuhl angeschoben hatte fiel er nach vorn und baumelte dann immer wieder leicht hin und her. Sonderlich bequem sah es nicht aus, doch Daraks Körper war sich wohl bereits schlimmeres gewohnt und konnte auch aus dieser Postion seie nötige Erholung ziehen. Nur sein Bein machte dabei nicht richtig mit, sondern sonderte sich ab.

<i> Darak?</i> … <i> Schläft er noch?</i> …

Er träumte.

Er lag auf einem Steinboden. In völliger Dunkelheit, jedoch selbst durch einen Lichtkegel erhellt, der von irgendwo aus der Decke – die man nicht sehen konnte – zu kommen schien. Er sah sich um. War allein. Sah sich um. Neben ihm lag ein Nest mit fünf weissen Eiern. Darak runzelte die Stirn. Richtete sich auf und als er dies versuchte, merkte er, dass dies nicht ging. Seine Beine zogen nicht mit. Verwirrt sah er an sich runter und stellte entsetzt fest, dass seine Beine im Steinboden eingemauert waren. Er steckte fest. So legte er sich wieder auf den Rücken und starrte ins Licht. Leise vernahm er ein gackern, dass sich ihm näherte und immer lauter wurde. Eine dicke fette Henne tapste auf ihn zu und juckte auf seinen Bauch. Starrte ihn an. „Gaaackgagagagag“ Das Huhn presste plötzlich und die Augen blähten sich auf als würden sie gleich Platzen. Das Tier schrie gequält vor sich hin und legte schliesslich ein schwarzes, gehörntes Ei auf seinem Bauch. Die Henne drehte sich um und musterte es. Dann sah sie zu den anderen Eiern hin. Kickte das schwarze Weg, so dass es von Daraks Bauch weg auf den kalten Steinboden kullerte und einen Riss bekam. Ungerührt tapste das Huhn zurück aufs Nest und brütete. Darak griff vorsichtig nach dem gehörnten Ei. Es war noch warm. Er betrachtete es. Er rümpfte die Nase, denn das schwarze Ding roch faulig und schlecht. Kein wunder wurde es von der Henne abgestossen – verstossen. Wie ein Körper beispielsweise ein Bein abstiess. Darak wärmte das Ei. Konnte aber nicht genug davon spenden. Es erkaltete. Blut sickerte durch den Riss.

„Gehörntes Ei.“ Murmelte er laut vor sich her. „Blutet.“ Doch er war tief in seinem Schlaf versunken und Hauptfigur dieses seltsamen Traumes. Er drückte etwas gegen die Schale – sie zersprang. Blut spritzte auf Daraks Gesicht. Das Ei selbst war leer gewesen. Beim Nest neben ihn hingegen schlüpften gerade die Küken. Die Henne kümmerte sich rührend um sie, eines davon jedoch wankte auf Darak zu, der noch immer die gehörnte Schale in den Händen hielt. Das Küken kippte seitlich um und stiess auf dem Steinboden auf. Der Foltermeister hob es vorsichtig an und legte ihm die gehörnte, schwarze Schale… wie ein Helm ums gelbe Köpfchen. So war das Verstossene, wieder Teil der Familie. Auch wenn der Weg dahin ein Anderer gewesen war.

Ein verwirrender Traum dessen Sinn wohl zweifelhaft war.

Darak rührte sich und stöhnte schliesslich auf. Sein linker Arm war eingeschlafen und ausserdem fühlte sich sein Nacken an als wäre er inzwischen gerostet. „mhrm.“ Brabbelte er müde und schlug seine Augen auf. Blinzelte und war verwirrt über die veränderte Umgebung. „Was… wo sind wir?“ Fragte er träg und schloss seine Augen wieder. Spürte die künstliche Ruhe die ihn noch immer fest im Griff hatte. Obwohl er noch sehr müde war fühlte er, dass seine körperliche Kräfte sich etwas gesteigert hatten. Er hatte sich etwas erholt. Doch durch die Drogen war es ihm, als wäre er in Watte gepackt. Alles wirkte so dumpf und entfernt. Auch war ihm auf wohltuende Weise alles ziemlich gleichgültig – nicht jene unangenehm resignierte Gleichgültigkeit. Er atmete in tiefen und regelmässigen Zügen. Sass, abgesehen vom Nacken, so entspannt wie es eben möglich war im Räderstuhl.

Er hatte keine Ahnung wie viel Zeit vergangen war. Offensichtlich hatte er während der Reise kalt gehabt, denn er war fester in den Umhang gewickelt als zuvor. Seltsam. Er hatte nicht gemerkt, dass er offensichtlich berührt worden war. Er musste sehr tief geschlafen haben – obwohl – Darak schlief eigentlich immer sehr tief.

„Alma?“ Fragte er leise, noch immer die Augen geschlossen habend. Er schlummerte noch immer halb vor sich her, war aber soweit wach, dass er alles mitkriegte und verstehen konnte.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Freitag 21. September 2007, 02:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Erzähler » Samstag 22. September 2007, 13:05

<i>[Daraks Lebensenergie steigt auf 25% an]</i>

<i>"Was… wo sind wir?"</i> Darak schaute sich nur kurz um, doch fiel ihm sofort auf, dass sie sich nicht mehr auf der Stillen Ebene befinden konnten. Ringsum sah er große, dicke Stämme und jede Menge Blätter und Nadeln. Sie befanden sich in einem Wald. Das Licht hier war anders und auch das Gemüt, selbst wenn Darak durch die Auswirkungen der kleinen Schlafdroge noch nicht allzu viel spüren mochte.
Auf jeden Fall war es etwas wärmer als auf den grünen Weiten der Ebene. Den Himmel konnte man kaum sehen, denn das dichte Laubdach verdeckte ihn schier ganz. Nur an winzigen Stellen erkannte man das grau und die Wolken.

Ein leises, kaum hörbares "Alma?" entfleuchte Daraks Kehle und drang an die richtigen Ohren. Alma schob immerhin den Räderstuhl, daher vernahm sie Daraks Worte. Der Nichtgenannte, welcher wieder ein Stück weit voraus ging, hörte es nicht. Zumindest reagierte er nicht.
Alma jedoch griff nach vorn und legte ihre fette Hand auf seine Schulter. "Wir sind gleich in Eldar", murmelte sie, klang jedoch seltsam ruhig. Keine lauten Worte, keine Energie, die aus dieser Tonne von Frau sprach. Nein, sie hatte es sanft gesagt, ruhig und besonnen. Was Darak bis dahin nicht wusste, es lag an seinem Knie und überhaupt dem ganzen Bein.
Das Knie war dunkel angelaufen. Das Purpur hatte sich fast schwarz gefärbt, wohingegen alles, was darunter kam, bleich war. Wie die tote Haut einer Blase, die man einfach abziehen konnte, ohne fürchten zu müssen, dass es schmerzte. War sein Bein abgestorben? Warum schob man ihn dann immer noch weiter nach Eldar. Besaß Alma vielleicht noch einen Funken Hoffnung im Herzen, der sie dazu antrieb? Oder hatte sie einfach nur keine Lust – oder entsprechende Werkzeuge – ihm das Bein hier mitten im Wald zu amputieren?

Die Hand auf seiner Schulter drückte selbige. Alma seufzte zugleich. "Du hast fast die ganze Reise über geschlafen. Fühlst du dich schon besser? Tolles Kraut, was?"
Definitiv keine Lautstärke. Wie konnte ein Brocken wie Alma so ruhig und freundlich sprechen? Es konnte ja unheimlich wirken, gerade weil sie <i>nicht</i> laut war!

Da raschelte es im Gebüsch. Der Nichtgenannte blieb stehen und auch Alma bremste den Räderstuhl. Weiße Äste hoben sich aus den Büschen. Dann folgte ein weißer Kopf und schließlich trat ein Hirsch aus dem Dickicht – stolz und ehrfürchtig.

<img src="http://i140.photobucket.com/albums/r21/ ... hirsch.jpg">

Almas Mund klappte auf. Sie hatte noch nie einen weißen Hirsch gesehen, auch wenn sie öfter mal im Eldoras spazieren war und Kräuter sammelte. Der Nichtgenannte aber rührte sich nicht. Erst als der weiße Hirsch einen Vorderhuf streckte und den Kopf respektvoll senkte, verneigte sich auch der Maskierte.
"Wir werden Eure Wälder vom Schmerze fernhalten. Wir suchen nur die Hilfe der Elfen."
Kannte der Nichtgenannte etwa ebenso den Boten Phauns, mit dem auch Darak schon an der Bucht Kad Harat Bekanntschaft geschlossen hatte?
Der Hirsch neigte den Kopf und verschwand dann wieder im Dickicht. Der Gruß eines Gottes an Geschöpfe seiner Welt.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Darak Luthrokar » Samstag 22. September 2007, 20:11

Darak sass verschlafen in dem Räderstuhl und hielt sich den Kopf – ertastete den Helm und musste unweigerlich an die schwarze, gehörnte Eierschale denken. Er grübelte kurz über die Bedeutung seines Traumes nach, kam aber zu keinem vernünftigen Schluss und liess es schliesslich bleiben. Manche Dinge ergaben einfach keinen Sinn. Zum Beispiel warum Valrock seinen Hund „Samtpfote“ genannt hatte. Er blinzelte und dachte weiter nach,
warum es überhaupt Menschen wie ihn und Valrock gab. Foltermeister, Sklaventreiber, Mörder, die nur wieder Krüppel hervorbrachten, wie er nun einer war.

Daraks Blick verdüsterte sich und er starrte wieder vor sich her. Sah dumpf die Bäume des Waldes, das Dickicht. Die Natur. Darak hatte sie eigentlich immer gemocht, die Wälder und Wiesen des östlichen Celcia. Denn als er aus den düsteren Eisenminen entlassen wurde, war es ein wahrer Segen für ihn gewesen überall um sich herum das Leben in Form von Blüten und Bäumen sowie Wiesen und Tieren zu sehen. Die einzige Lebensform die ihn nicht mehr zu rühren schien waren die Menschen und andere höhere Lebensgenossen gewesen. Denn er hatte gesehen, zu was sie fähig waren. Zu welch Schrecken und dies wohlgemerkt im Name Lysanthors – der all jenes Unheil schweigend zuliess. Wie immer und immer wieder sein Name geschändet und befleckt wurde, nun durch die Jahre hinweg nicht minder von Darak. Seine Enttäuschung und sein Zorn waren schon längst in Hass gemündet. Der Mönch war abtrünnig geworden. Sein Glaube, beinahe schon seit einer Ewigkeit vergangen. Seufzend atmete er tief durch. So vergangen wie vielleicht auch die erst kürzlich entfachte Liebe zu Elena war? Ob sie ihn suchte? Ihn vermisste? Bald würde sie sich wohl abwenden und wieder ihre eigenen Wege gehen. Fern ab von seinem krüppeligen Herzen. Er konnte es ihr nicht verübeln – wahrlich nicht.

Er spürte Almas, so ungewöhnlich mitfühlende und ruhige jedoch noch immer unweigerlich kräftige Hand auf seiner Schulter, die ihn kurz drückte. Er sah zu ihr hoch. Musterte das Gesicht der Heilerin. Diese tiefe Kerbe in seinen Augen, sie war deutlich sichtbar. Diese Schneise welche Valrock hinein gedroschen hatte in jenem Moment als er ihm den Keil zwischen die Knie getrieben hatte.

<b> Mein Knie…</b> Er sah zu seinen Beinen und sah dieses schwarze Etwas neben ehemals schlechteren Bein. Seine Pupillen weiteten sich. Er zog scharf die Luft ein. Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben. <b> Mein verdammtes Knie fault mir unter dem Arsch weg!</b> Dachte er beinahe panisch. „M-mein Bein!“ Keuchte er sichtlich mitgenommen vor sich her. Ihm wurde sofort übel – schliesslich konnte man nicht alle Tage dabei zugucken wie ein eigenes Körperteil abstarb.

Ausserdem kannte er sich etwas mit solchen schwarzen Gliedmassen aus. Schliesslich war sie eine Konsequenz eines zu übertriebenen Arm oder Beinbundes. Er wusste, dass solche Extremitäten oft entfernt werden mussten weil sie sonst irgendwelche Fäulnisgase bilden würden und diese dann das Blut vergifteten, was den Besitzer langsam dahinraffte.

Tolle Aussichten.

Er biss sich auf die Zähne so dass sie knirschten. Beugte sich vor und fasste sich an sein Knie. Es war kalt und er fühlte seine Fingerkuppen nicht, wie sie nervös darüber fuhren. Die Unebenheiten des zertrümmerten Gelenks abtastete.

<i>"Du hast fast die ganze Reise über geschlafen. Fühlst du dich schon besser? Tolles Kraut, was?"</i>

Lange schwieg er. „Offensichtlich ist nicht alles wieder aufgewacht.“ Murmelte er verbittert und starrte auf sein Bein. Er griff nach der Hand der Heilerin und versuchte sich vorzustellen wie es wohl für sie war, zu sehen und insgeheim vermutlich auch zu wissen, dass sie selbst als Heilkundige nichts tun konnte. Die Natur ihren grässlichen Verlauf nahm. Er hatte mehr von ihr bekommen als er verdient hatte. Soviel war gar ihm, Darak – der eigentlich ein sehr undankbarer Zeitgenossen war – bewusst.

Die Erlebnisse der letzten Zeit hatten ihn bereits stark geprägt und verändert. Viel grauenhaftes war ihm widerfahren doch auch wunderschönes, wie Elena… und nun auch Almas Schulterdrückende Hand, die ihm trotz der verheerenden Situation doch das Gefühl gab, nicht alleine, nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Es war jemand für ihn da. Eine Gewissheit, die er bei seinem Gott nie gefunden hatte.

Da raschelte es im Gebüsch. Darak blickte auf. Sah den weissen Hirsch aus dem Geäst treten. Stolz und Ehrbar. Der Foltermeister hielt den Atem an. Für einen kurzen Augenblick wagte er den närrischen Gedanken, dass hinter dem Hirsch das Einhorn folgen mochte und ihn ein zweites Mal mit dem Horn berühren würde. Stattdessen jedoch galt die Aufmerksamkeit des Götterbotens dem Nichtgenannten. Ja er verneigte sich gar vor ihm! Vor einem Piraten! Darak betrachtete die Szenerie mit wachsender Verwunderung. „Dem Wald keine Schmerzen bringen?!... Was… faselt der da?“ Hauchte er Alma verwirrt zu.

Wer war dieser Mann und über welche Macht verfügte er, wenn gar ein Götterbote sich vor ihm verneigte und dies bevor es er selbst tat?

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Re: am Waldrand

Beitrag von fremde Frau » Sonntag 23. September 2007, 19:58

<i>"M-mein Bein!"</i> Darak sah nicht gut aus, gar nicht gut. Almas persönlich Diagnose lautete: "Verdammt, Junge, du siehst ziemlich scheiße aus! Guck nicht immer DA hin, noch bleicher kannst nicht werden!" Rasch nahm sie Darak das Hemd des Nichtgenannten aus dem Schoß und legte es ihm wie einer alten Oma die Decke über die Beine. Irgendwie beruhigte sie es, das schlimme Knie nun selbst nicht mehr anschauen zu müssen. Alma seufzte.
Ihre Tasche war voll von verschiedenem Krimskrams. Ein Heilkundiger hätte gejauchzt und zugleich geschrien bei all den Utensilien, die diese Weltkugel von Frau mit sich herum schleppte. Von einfachen kleinen Hausmittelchen über eine wahrlich gut ausgestattete Medizinerausrüstung bis hin zu den nicht ganz gesetzlich erlaubten "Medikamenten" in diversen versteckten Seitentaschen. Natürlich durften auch einige Gläser mit konservierten Nieren nicht fehlen. Alma trug immer ein paar als Glücksbringer mit sich herum.
Es frustrierte sie, dass ihr nichts einfallen wollte, was Daraks Bein noch helfen konnte. Derzeit behandelte sie es mit dieser Salbe, was das Faulen deutlich hinauszögerte. Andernfalls wäre das Bein längst ab gewesen. Doch auch auf Dauer würde die Salbe nicht verhindern, dass ein gewisser Verfall eintrat. <b>Dieser Kerl verliert sein Bein. Was interessiert es mich? Der ist doch nur ein Verbrecher, ein Mörder ... bei meinen NIEREN, ich kann nichts machen!</b>

Darak beugte sich vor und berührte das Knie. Alma hörte das Knirschen seiner Zähne. Sofort schnappte sie nach seinen Armen und riss sie zurück. "Muss ich dich erst festbinden? Lass das Bein mal in Ruhe, sonst heilt's ja nicht!" <b>Als würde das einen Unterschied machen. Du belügst ihn.</b>
Alma ließ Daraks Arme wieder los. Wie sollte sie ihm beibringen, dass sie würde amputieren müssen, vermutlich noch, bevor sie Eldar erreichten? Das Knie war verloren, das Bein nicht mehr zu retten. Dieser Kerl würde nie wieder laufen können.

Alma nahm all ihren Mut zusammen. Es ging ja nicht anders. Sie musste es Darak sagen, sie würde ihm nicht ewig etwas vormachen können.
Gerade holte sie Luft, um die Schreckensbotschaft zu verkünden, als der weiße Hirsch auftauchte. Die dicke Heilerin verschluckte sich fast und starrte ihn aus ihren kleinen Augen an. Der Hirsch aber bliebn zunächst stehen, ehe er den Kopf nach unten beugte und sich vor den Anwesenden verneigte. Der Nichtgenannte antwortete mit einer Verbeugung und dem Versprechen, dem Wald keinen Schmerz zuzufügen. Das schien dem Hirsch zu genügen und er verschwand wieder.

"Gehen wir weiter", drängte der Nichtgenannte und wanderte wieder los. Sorgte er sich etwa auch um Darak? Es musste einen Grund geben, warum er keine Rast einlegen und weiter voran kommen wollte.

<i>"Dem Wald keine Schmerzen bringen?!... Was… faselt der da?"</i>

Alma antwortete nicht. Sie umfasste wieder die Griffe des Räderstuhles und fuhr dem Maskierten einfach hinterher. Flüchtig schaute sie noch einmal zu den Büschen, aus dem der Hirsch hervorgetreten war. <b>Dieses Mistvieh hat mir jetzt alles vermasselt. Ich werde jetzt wohl kaum die RUHE nochmal aufbringen können, es auszusprechen!</b>
"Dein Bein wird nicht mehr zu retten sein. Sag Bescheid, wenn ich es amputieren soll." Schon war es draußen. Als Alma dies bewusst wurde, bremste sie den Walzstuhl aprubt ab. Sie starrte auf den gehörnten Helm Daraks, auf die Tätowierung, die leicht darunter im Nacken zu sehen war. Irgendwie wünschte sie sich nun, damals lieber eine Sammlerlust für Beine entwickelt zu haben.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Darak Luthrokar » Sonntag 23. September 2007, 22:01

Der Heilerin schien es gar nicht zu behagen, dass er immer wieder auf sein Bein starrte und dies warf sie ihm, in ihrem üblichen Tonfall auch an den Kopf. Verdutzt sah er auf und liess es zu, dass sie ihm des Nichtgenannten Hemd aus den Händen zog und es über seine Beine legte. Das Hemd war in etwa genau so schwarz wie sein Knie. Dennoch beugte er sich wieder vor und berührte das Knie durch das Hemd hindurch. Es war ein seltsames Gefühl, da er den Stoff nur auf dem einen Bein spürte, dass andere schien gar nicht mehr da drunter zu sein. Nur die Form die er ertasten konnte, bewies ihm das Gegenteil. Da war noch was, so ein kaltes Ding.

Plötzlich packte Alma seine Arme und riss sie von seinem Bein weg. Er erschrak sich dabei und sah sie verwirrt an. Er starrte wieder aufs Hemd. Langsam gewann seine Haut wieder an Farbe. „Tut mir Leid…“ Hauchte er beinahe tonlos. Er wusste, dass er es Alma nicht gerade leicht machte, sich um sein Bein zu kümmern.

Er hatte einfach nicht so viel Geduld mit sich und seinem Körper. Der musste doch einfach funktionieren! Zeit für eine Heilung hatte er doch nicht! Dennoch lehnte er sich resignierend zurück. „Ich mach alles was du sagst.“ <b>Wenns nur heilt</b>

Darak hatte den Räderstuhl bereits jetzt mehr als satt. Sein Rücken und Nacken war verspannt vom Schlafen, ausserdem wollte er dann aufstehen wenn es ihm passte und das auch gleich! Jetzt musste er ständig warten bis irgendwen ihn ächzend aufhob.

Wie sollte er SO pinkeln? Anständig – wie ein Mann - indem ihm Alma unter die Arme griff? Sie würde ohnehin nicht ewig bei ihm bleiben. Vermutlich nur noch solange wie der Nichtgenannte zahlte und dies konnte weiss der Geier schnell vorüber sein. Ausserdem konnte er sich den Räderstuhl nicht leisten, ein grosser Teil seines Goldes gehörte schliesslich Elena. Für die Bezahlung des Trankes, den sie ihm unter Wasser eingeflösst hatte um ihn den lebensrettenden Atem zu spenden.

Die Salbe schien zumindest zu wirken – er spürte ja nicht mehr diese grässlichen Schmerzen. Ein wahrer Segen! Ja es würde Zeit brauchen… wie es auch in den Minen Zeit gebraucht hatte. Schwere, blutige und erniedrigende Zeit, doch er hatte sie überwunden und war wieder auf die Beine gekommen!

Er grinste.„Diesmal hat der Bastard ja nur eines geschlissen…“ Murmelte er nervös vor sich her. Als ahnte ein unbewusster Teil von ihm das Übel welches Alma so auf der Zunge brannte und doch momentan ihrer Kehle nicht entfleuchte. <b> Und ich hab Alma… verdammt ja ich hab Alma!</b>

Er hielt sich wieder den Kopf und sah dem Nichtgenannten hinterher. Wie auch Alma ihm einfach zu folgen schien. Der Stuhl setzte sich in Bewegung. Die Zeit <i>lief</i> weiter. Alles war in einem Fluss, bewegte sich. Zog an ihm vorüber oder begleitete ihn.

Und dann… stand auf einen Schlag alles Still. Alma bremste den Stuhl ab. Stand da im Gras. Nur er sass.

<i>"Dein Bein wird nicht mehr zu retten sein. Sag Bescheid, wenn ich es amputieren soll."</i>

Ein Moment der absoluten Bewegungslosigkeit. Jede Faser seines Körpers fühlte sich in jenem Augenblick genau so an wie sein Knie. Anwesend und doch weit entfernt – unnahbar, fühlbar und selbst nichts fühlend.

Alma konnte von ihrer Position aus wohl nichts weiteres vernehmen als seine Hände, die sich ins Leder der Lehnen krallten. Angespannt. Deutlich hörbar war auch sein einmaliger Aussetzer des Atems, der sich nach einigen Sekunden vibrieren und viel schwerer als zuvor fortsetzte. Die Muskeln um seine Tätowierung verspannten sich wie der Rest vom Körper.

Er starrte auf das Hemd. Einige Zeit rührte er sich nicht. Dann atmete er tief durch. Mit zittrigen Händen – die mehr bebten als sonst in letzter Zeit, nahm er seinen Helm ab und legte ihn auf seinen Schoss – eher auf jene Seite wo das kaputte Knie war. Eine grössere Eierschale hätte wohl eher als Helm gepasst. Aufs Knie.

Seine Stirnvene trat pochend hervor. Als würden sich dort die Tränen stauen die er in jenem Moment der Realität nicht vergiessen konnte. Er riss das Hemd weg. Schnaubte. Starrte auf das schwarze Bein. Er sah es ja selbst. Das Ergebnis der beginnenden Fäulnis. Der Beweis für die Notwendigkeit einer Amputation. Selbst ein Laie – oder Foltermeister erkannte dies und doch tat es verdammt weh, dies aus dem Munde einer Heilerin zu hören. Auf welche doch jeder Patient all seine Hoffnung setzte – selbst dann wenn das unvermeidliche Eintraf.

„…“

Er versuchte zu sprechen brachte aber erst keinen Ton heraus.

„W-was…“

Er keuchte.

„W-was soll ich… denn nun… tun?“

Er sah zu Alma hoch. Seine Augen… dieser Blick… er war unbeschreiblich schwer. Zerbrochen, gespalten, zertrümmert.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Erzähler » Montag 24. September 2007, 09:44

Nicht nur Alma war erstarrt. Darak verharrte in absoluter Regungslosigkeit. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, der ganze Kopf wurde ja vom Helm eingenommen, außerdem stand der Koloss von Heilerin ja hinter Darak. Aber sie spürte förmlich die Anspannung, die durch seinen Körper fuhr.
Sie sah die Fingernägel, die sich in die weichen Lederpolster der Armlehnen krallten. Sie sah seine Nackenpartie, welche Knoten der Verspannung bildete und zugleich sämtliche Härchen aufrichtete. Das Symbol, welches "Verdammter" von seinem Nacken schrie, wurde zwangsläufig unangenehm verzerrt.
Und er atmete nicht, hielt für einen sehr langen Moment einfach die Luft an. Es hatte den Anschein, als stünden selbst Lungen und Herz unter Schock.
Schließlich setzte Darak den Helm ab. Seine Haare waren schweißnass, auf seiner Stirn pochte eine Ader, dick und groß.
Einen Augenblick sagte er nichts, hatte nur das Hemd weggerissen und starrte auf das Knie, welches so schwarz – so hoffnungslos verloren – der Welt entgegen faulte.

<i>"W-was ... W-was soll ich ... denn nun ... tun?"</i>
Sein Blick begegnete dem der Heilerin. Er war so schwer, so verzweifelt. Dieser Mann stand am Ende. Es war schlimmer als der Kerker, schlimmer als der Moment, in dem er zitternd und um seinen Helm bittend auf dem großen, rosa Sofa hockte. Nicht einmal auf dem kalten Tempelboden hatten diese Augen so gebrochen in die Almas geschaut.
Ohne seine Beine ... die letzte Möglichkeit, noch über all seinen Schandtaten zu stehen ... war auch er verloren, denn er konnte sich nicht halten. Er würde fallen, konnte sich nicht mehr gegen die Last seines Gewissens stemmen. Er konnte sich seinem Schicksal nicht stellen, denn er würde nicht mehr stehen können. Doch genausowenig war er in der Lage, fortzulaufen, denn auch Laufen würde ihm versagt werden. Es gab nichts mehr für diesen Mann. Absolut nichts.

Alma walzte um den Stuhl herum, bis sie vor Darak stand. Betroffen schaute sie auf ihn herab und zugleich frustriert. Alles war nutzlos, das Beste, was sie noch tun konnte ... "Komm her!" Sie breitete die beindicken Arme aus und zog Darak aus dem Stuhl, setzte ihn auf den Waldboden. Die Erde unter ihm war kühl, aber Blätter und Moos bedeckten sie. Der Wind pfiff leise zwischen den Bäumen hindurch, dennoch blieb Almas Seufzen der lautere Ton.
"MASKENMANN!", rief sie den Nichtgenannten herbei. Interessant war, dass er dem Ruf bedingungslos nachkam und schließlich neben Darak stand. Sein Kupfergesicht schaute auf Alma herab.
"Du hast gesagt, du folgst dem Schmerz. Nun, schau her, er ist vorhanden. Darak ist deine schwerste Prüfung, Schmerzmaske! Befreie ihn von dem Leid, das aus seinen Augen spricht, sonst geht er kaputt, wenn ich ihm das Bein abnehme."
Alma würde es also wirklich tun. Sie würde es amputieren, allerdings war der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen. Ja, Darak würde noch mehr zerbrechen, auch wenn man es sich nicht vorstellen konnte. In wie viele Teilchen konnte ein Scherbenhaufen noch zerbröseln? Der Verlust des Beines würde es zeigen – wenn der Nichtgenannte nichts unternahm. Es war nun seine Aufgabe, denn Darak war sein ausgewählter Schüler. Nun, wo war hier die Möglichkeit, dem Schmerz eines zertrümmerten Herzens zu entgehen?

Der Maskierte ging in die Knie. Von seinem Oberkörper stieg Dampf auf, Resultat der Temperaturänderung hier im Wald, wo es nicht ganz so kühl war wie auf der Stillen Ebene. Die Augen der Maske waren auf das schwarze Knie gerichtet. Schließlich sagte er mit blecherner Stimme: "Eine schwere Prüfung für mich und für dich. Wir beide können ihr nicht entrinnen. Abschied ist ..." Der Nichtgenannte stockte. Die sonst so ruhige, unnahbare Fassade bröckelte. Er legte Darak eine Hand auf die Schulter, doch mehr, um sich abzustützen anstatt Halt zu spenden. Noch einmal hob er an: "Abschied ist die schmerzlichste aller Prüfungen. Nimm Abschied von einem Teil, den du liebst, den du brauchst. Der dir aber nichts mehr geben kann als Schmerz." <b>Und wieder ist es Valrock, der einen Abschied verursachte.</b> "Ich verlange nicht von dir, dass du die Augen schließt. Schau dir dein Bein ruhig an, behalte es in Erinnerung. Aber konzentriere dich darauf. Denk an gute Zeiten, die schmerzfrei waren. Denk an Momente, in denen es gut tat, dieses Bein zu besitzen. Starke Erinnerungen, die über jeglichen Schmerz hinweg gehen. Und dann sage Lebewohl."
Alma bereitete inzwischen alles für die Amputation vor.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Darak Luthrokar » Montag 24. September 2007, 19:35

Wie konnte in einem Moment absoluter Bewegungslosigkeit, doch so viel zerbrechen und in einem Menschen vorgehen?
Er hockte da. Aufs Bein starrend. Sein Bein. Dieses tote Ding, das sich offensichtlich dazu entschlossen hatte sich früher als der Rest des Körpers von dieser Welt zu verabschieden. Es war einfach so weggestorben während sein Besitzer unter Drogen gestanden hatte! Der Foltermeister lächelte traurig. Selbst sein Bein war ein verdammter bastardischer Luthrokar gewesen und nun krönte es in diesem grässlichen Ende. Ein gutes Bein. Irgendwie. Na ja welch eine Beziehung konnte ein Mann schon zu einem solchen Körperteil haben… vermutlich kümmerte er sich wohl lieber um das dritte Beinchen im Bunde. Doch Darak hatte schon immer einen besonderen Bezug zu ihnen gehabt, schliesslich waren sie ihm schon so früh beinahe genommen worden…

Bilder der Eisenmine schossen ihm durch den Kopf. Wie er die ersten Tage in der Massenzelle gelegen hatte und immer wieder durch unzählige Peitschenhiebe zur Arbeit gezwungen wurde. Kniend. Bei den Männern gab es stets einen zu erfüllenden Tagessoll, welcher Darak natürlich durch seine damalige Behinderung niemals hatte erreichen können. Was gleichbedeutend einem halben Todesurteils gewesen war… zumindest für seine männliche Würde.

„Arbeitsversager“ waren Freiwild gewesen.

Er schauderte als er wieder ins Hier und Jetzt zurückkehrte und in Almas kleine Augen blickte. Die ihn ebenfalls besorgt und frustriert musterten. Heileraugen mussten ohnehin auch viel Leid sehen, doch im Unterschied zu allen anderen, trugen sie auch das Gefühl mit sich herum, trotz ihres Wissens nichts mehr tun zu können, ausser das, was niemand tun wollte und dennoch getan werden musste.

<b>Würde? Darak Luthrokar, verdammt wie viel Mal haben deine Feinde es eigentlich versucht sie dir zu nehmen?</b> Nun würde es also eine… Vertraute… Freundin sein, welche sie ihm nahm.

Zu allen Hochblicken müssen und es ertragen, dass alle anderen auf ihn herabschauten. Celcia war eine Welt für aufrechtgehende Menschen, nicht für räderstuhlpflichtige Menschen geschaffen. Krüppel fanden keine Arbeit, besonders keine Sklaventreiber und Foltermeister ohne Beine.
Sicher er hatte ja noch das linke. Aber dies konnte ihm nicht den Dienst erweisen wie es damals in den Minen sein anderes getan hatte, denn es war bisher immer das schlechtere Gewesen. Es trug nicht. Ihn nicht.

Alma walzte um ihn herum und warf dabei ungewollt einen dicken schwarzen Schatten über ihn. Er hockte da, rührte sich nicht. Liess sich widerstandslos – jedoch auch nicht unbedingt mitmachend – aus dem Räderstuhl heben und auf den Boden setzen. Daran musste er sich wohl oder übel gewöhnen. Rumgesetzt zu werden. Nun ja vielleicht konnte er ja auch durch die Gegend kriechen. Und wie sollte er pinkeln? Wer würde jemand brauchen der ihm die Ho… Darak keuchte. Wie sollte er… Darak war ein MANN und dann noch einer der männlichen Sorte die sicherlich nicht unter einer Frau zu liegen kommen wollten – obwohl, doch schon wenn er wollte… aber nicht… weil er nicht anders können würde!

Er hockte auf dem Boden, packte sein Helm bevor er runterkullern konnte. Setzte ihn auf. Eigentlich ein Sinnloses unterfangen. Was wollte er denn noch schützen? Er legte sich hin und drehte sich auf die Seite. Wusste, dass er das nächste mal, wenn Alma ihn bat sich auf den Rücken zu legen – sein Bein verlieren würde.

Er rollte sich zusammen. Wollte einfach… irgendwie… sein. Ganz. Einfach vergessen, einschlafen und aufwachen und kein schwarzes Bein mehr haben. Doch so einfach war das Leben nun mal nicht und das Schicksal hielt es sich vor, schwere Lebensprüfungen zu stellen. Daraks Schicksalsgeber, war offensichtlich höchst sadistisch veranlagt.

<i>“Du hast gesagt, du folgst dem Schmerz. Nun, schau her, er ist vorhanden. Darak ist deine schwerste Prüfung, Schmerzmaske! Befreie ihn von dem Leid, das aus seinen Augen spricht, sonst geht er kaputt, wenn ich ihm das Bein abnehme.“</i>

Er lauschte dumpf, starrte vor sich her. Der Nichtgenannte behagte ihm nicht. Zudem gefiel ihm nicht, teil SEINER Prüfung zu sein! Er war ein Mann der sein verdammtes Bein verlor und keine Herausforderung um irgendwelche Schmerzdings- was der Geier was – für Mächte zu demonstrieren! Zornig über Almas Worte, den Maskierten, sich selbst und über sein ganzes Leben schnaubte er vor sich her.
Sein Verhalten war Teil eines schwierigen und nerven zerrenden Prozesses der Ablösung. Schwer nicht nur für ihn selbst, sondern auch fürs Umfeld. Erst der Schock, dann die Hoffnung auf ein Wunder, auf Heilung, auf Besserung – die war ihm ja gerade eben zerstört geworden, dann folgte Wut, Zorn. Die Tatsache wurde zur Lüge. Die nüchternde Wahrheit verdrängt… und schliesslich… so schmerzlich es war und dennoch unvermeidbar… die Einsicht über die Lage.
Er spürte wie sich der Nichtgenannte zu ihm kniete. Die Präsenz seiner nackten kühlen Haut, war ihm nah. Irgendwie eigenartig, hatte sich erst kürzlich schliesslich ein Götterboten vor ihm verneigt.

<i>“Eine schwere Prüfung für mich und für dich. Wir beide können ihr nicht entrinnen. Abschied ist ...“</i>
<b> Richtig! Wir BEIDE können dies nicht!</b> Er starrte auf die Füsse des Nichtgenannten. Der Maskierte war der einzige der hier einfach wegmarschieren konnte wie es ihm passte! ER hatte ja zwei funktionierende Beine! Ihn musste es ja nicht schmerzen, er würde nicht gleich um ein paar Kilos erleichtert werden auf die er am liebsten NICHT verzichten würde!
Da legte ihm der Fremde eine Hand auf die Schulter. Darak seufzte schwer. Sie beruhigte ihn. Auch wenn es nie zugeben würde aber in jenem Moment war er um den Halt froh, welchen ihm der Nichtgenannte spendete. Sein halbtaubes Ohr vernahm die Geräusche welche von Alma her kamen. Sie bereitete sich vor.

Er sollte sich also verabschieden, riet ihm sein Lehrmeister. Beine brachten einem so viele schöne Dinge ein! Im Stehen pinkeln, im stehen Essen! Im stehen eine Frau verwöhnen – oder verwöhnt zu werden. Jemanden treten! Steine wegkicken! Klettern… nun gut das hatte er ohnehin nie gemocht – Seine Grösse zur Geltung bringen. Auf besiegte Gegner stehen. Stehen! STEHEN! LAUFEN! RENNEN! STOLPERN! Stampfen! Mensch sein… vollwertig. War er doch schon immer Krüppel gewesen, hatte sich aber nie so gefühlt… nun hingegen… war er kein Krüppel mehr sondern ein Pflegefall!

Kaum eine Frau würde wohl einen Typen mit einem Stummel auf der Seite attraktiv finden! Es war wohl gut, dass Elena nicht wusste wo er steckte. Dies ersparte ihm ihr entsetztes Gesicht. Sie würde sich vielleicht die ersten Tage erbarmen und sich zwingen bei ihm zu bleiben, einige Zeit lang ihm Helfen, bei ihm sein… doch irgendwann würde es ihr selbst wieder nach Freiheit und Sicherheit gieren. Sie würde sich nach einem Mann sehnen, einem zweibeinigen, der gehen konnte. Ihr nachlief wenn sie zornig war, ihr vorging, wenn sie in ein Haus eintreten wollte und ihr die Tür aufhielt. Oder sie im Akt stürmischer Leidenschaft zum Liebesnest tragen.
Er nickte nur.

Er musste wohl dankbar sein für die Momente die er als Vollwertiger Mensch erlebt hatte, besonders für die kurze Zeitspanne vor der pelgarischen Folter, als Elena ihm so was wie Hoffnung gegeben hatte.

Er erinnerte sich an seinen eigenen Wunsch, den er gehabt hatte, als er halb tot im Kerker gelegen hatte. Leben – egal wie. Nun <i>stand</i> er dazu.

Er wurde ruhig. Blickte sein Bein an. Schliesslich schloss er seine Augen. Atmete schwer. Verabschiedete sich seufzend und in Gedanken… und wartete, bis Alma ihn auffordern würde, sich auf den Rücken zu drehen.
Zuletzt geändert von Darak Luthrokar am Montag 24. September 2007, 19:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. September 2007, 17:06

Darak setzte seinen Helm wieder auf. Offenbar brauchte er diesen Schutz immer dann am meisten, wenn eine schlechte Nachricht wie ein Donnerhagel auf ihn einbrach. Dummerweise würde der Helm ihn nicht vorm Verlust seines Beines bewahren.
Alma seufzte, als er schließlich noch die Augen schloss. Sein letzter Blick hatte dem schwarzen Knie und dem Bein gegolten, das er schon lange nicht mehr spürte. Er musste ihr einfach glauben, dass auch sie – AUSNAHMSWEISE – mit einem ihrer Patienten Mitleid empfand. Sie konnte es sich selbst nicht wirklich erklären. Darak hatte ihr gestanden, ein Mörder zu sein und auch, dass selbst Kinder zu seinen Opfern zählten. Trotzdem ... niemand verdiente es, nicht mehr laufen zu können. Und er würde vermutlich nicht einmal ohne Hilfsmittel mehr stehen können.

Alma nahm ein Lederband. Damit würde sie das Bein oberhalb der Stelle abbinden, an der sie es amputieren würde. Das Leder ähnelte einem Gürtel, nur dass man es mit noch mehr schnallen fest und eng fixieren konnte. Auf diese Weise richtete Alma eine Blutsperrung ein. Immerhin wollte niemand, dass Darak während oder nach der Beinabnahme verblutete. Keine einfache Aufgabe und vor eine einzige Sauerei.
"Leg dich hin", forderte die Heilerin nun endgültig auf. "Wenn du willst, geb ich dir nochmal von dem Johanniskraut eine höhere Dosis als Betäubungsmittel. Auf jeden Fall wirst du DEN HIER trotzdem brauchen." Sie reichte Darak einen Beißkeil. Zahnabdrücke waren darauf zu sehen, er wurde in Almas Heilerkarriere wohl schon oft genug angewandt.

"Besser, du schaust jetzt weg", erhob Alma wieder ihre Stimme und kramte in ihrer Tasche herum. Sie besaß wirklich alles, was man jederzeit für einen Eingriff welcher Art auch immer benötigte. Aber dass sie eine Amputationssäge mit sich führte ... oh, dieses Werkzeug sah schrecklich aus – nicht, weil es hätte blutig oder rostig sein können! Nein, Alma hielt ihre ärztlichen Hilfsmittel sehr sauber, aber allein der Anblick eines solchen Gerätes musste einfache Bürger glauben machen, sich in einer Folterkammer zu befinden.

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Alma hielt das gute Stück hoch. "Schau lieber nicht hin", meinte sie nochmals, als spielte sie es darauf an, dass Darak gerade jetzt hinsehen sollte.
Alma legte die Säge beiseite und holte ein Döschen hervor. Darin befanden sich die Pastillen, deren Hauptstoff Johanniskraut darstellte und Darak vor den schlimmsten Qualen bewahren sollte. Sie reichte ihm das Döschchen. "Zwei oder drei Pastillen sollten reichen."

Der Nichtgenannte setzte sich einfach ins Laub neben Darak. Seine Hand ruhte noch immer auf dessen Schulter. "Wenn du möchtest, zeige ich dir vorher eine Meditationsübung, die dich gegen den Schmerz abschirmen soll. Da du ungeübt bist, wirst du sie kaum perfekt beherrschen, aber es kann helfen."
Alma wartete geduldig, bis Darak das Zeichen zum Start der Tortur geben würde. Sie alle hatten Zeit, das Bein war ohnehin verloren.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Darak Luthrokar » Dienstag 25. September 2007, 20:44

Er hätte ewig auf der Seite liegen können. Die Augen geschlossen. Irgendwo zwischen den Zeiten hängend. Sie schien weder voran, noch zurück zu schreiten. Er spürte das kühle Gras unter sich. Ausser dort wo das war, was bald nicht mehr sein würde. Sein Bein. Nicht gerade der sauberste Ort auf dieser Welt, irgendwo im Gras. Da wäre vielleicht sogar noch seine Folterbank besser geeignet für solche Operationen gewesen. Er seufzte. <b> Wach auf Bastard. Wach endlich auf! Das ist hier alles ein verdammter Albtraum! Nicht wahr? Ihr habt mir den Geschickt ja?!</b> Er meinte die Gesichter seiner Opfer, doch die waren nicht da. Erschienen nicht. Selbst sie wandten sich von einem Mensch der bald nicht mehr Vollwertig sein würde ab. Ruhe kehrte in seinen Geist ein. Der Schmerzensschrei seines Beines war verhallt. Nichts mehr da, was ihn daran erinnerte, dass es noch lebte. Er seufzte. Atmete tief durch.

<i>Leg dich hin</i>

Ja. Hocken und Liegen. Liegen und Hocken. Für den Rest seines Lebens. Das war seine Zukunftsaussicht. Er drehte sich auf den Rücken. Schaute seinem Schicksal in die Augen – in diese kleinen. Almaaugen. Die ihn musterten. Mitfühlend. Er musste grässlich aussehen, dass er es schaffte einem Mensch wie ihr dieses Gefühl zu entlocken. Besonders nach dem, was sie von ihm und seinen Taten wusste.

Sein Herz schlug unweigerlich schneller, es würde bald etwas weniger stark Pumpen, schliesslich würde es nur noch ein Bein mit Blut versorgen müssen. Jeder einzelne dieser Gedanken trieb ihn weiter in die völlige Abkoppelung seines eigenen Körpers. Er liess ihn schon wieder im Stich. Er war sein eigener Foltermeister. Kopf, Ohren, Beine, Seele alles war betroffen und ärgerte ihn, quälte ihn. Doch bisher hatte wenigstens jeder dieser Körperteile mehr schlecht als recht seinen Dienst noch erfüllt. Dieses Bein jedoch, das so viele lange Jahre ihm stets treu geblieben war und gar das andere gestützt hatte, konnte nicht mehr.

<i>"Wenn du willst, geb ich dir nochmal von dem Johanniskraut eine höhere Dosis als Betäubungsmittel. Auf jeden Fall wirst du DEN HIER trotzdem brauchen."</i>

Er nickte. Es war definitiv nicht die Zeit für irgendwelches Macho gehabe. Sie würde ihm ein Bein amputieren! Sein Bein! Das dies weh tat, war ja wohl klar. Insgeheim fragte er sich ob es nicht besser war ihn einfach niederzuknüppeln. Doch der Gedanke einzuschlafen, wissend, ohne Bein wieder aufzuwachen, könnte seinen Verstand wohl in den Wahnsinn treiben.

Er nahm den Beisskeil entgegen. Sah die Abdrücke. Er würde wohl einen Neuen, sehr tiefen machen. Vielleicht sammelte Alma ja diese Abdrücke genau so wie Organe. Vielleicht… würde sie gar sein Bein aufbewahren. Es anschreiben mit einem Schildchen. „Des Foltermeisters Luthrokars Bein – abgeschnitten am Waldrand Eldoras.“

„Hah!“ Keuchte er in seiner selbst Ironie vor sich her. Absolute Verzweiflung konnte manchmal seine Situation sogar auf eine ganz absurde Art komisch erscheinen lassen. „Ich bin wohl kein Stehaufmännchen was?“ Nein es war definitiv nicht lustig .

<i>"Besser, du schaust jetzt weg"</i>

Von einer Sekunde auf die Andere war er wieder todernst. Er schaute angestrengt zur Seite. Auf einen Baumstumpf… der da am Waldrand <i>stand</i>. Er atmete schneller, ängstlich. Unruhig nestelte er im Gras herum. Wurde blass. Angespannt.

<i>"Schau lieber nicht hin"</i> Wütend schnaubte er. Er machte ja nichts! „BEI LYSANTHORS ARSCH ICH SCHAU NICHT…“ Zu seinem eigenen Unglück bäumte er sich in seiner plötzlichen Wut auf und starrte direkt auf die spitzen, grob geschliffenen Zacken der Knochensäge. „Verdammt.“ Keuchte er und brach in Tränen aus. Liess sich auf den Rücken fallen und hielt sich die Hände schützend vors Gesicht. Mit seinen Händen, die so zitterten dass sie einem Erdbeben mithalten konnten griff er zum Döschen und schüttete den Inhalt hinein. Er erwischte vier Pastillen. Die er hastig zerkaute und runterschluckte. Er bebte am ganzen Leib. Weinte. Hatte keine Hemmungen mehr – schliesslich würde er ohnehin bald in seiner Würde massiv eingeschnitten werden.

Nur noch weit entfernt hörte er das Angebot des Nichtgenannten zur Meditation. Er konnte nicht. Nicht jetzt. Nicht in dieser Verfassung. Der Weinkrampf hatte ihm voll im Griff. Erst langsam und zäh trat die Wirkung der Pastillen auf. Er wurde etwas schläfrig und sichtlich ruhiger. Diese unheimliche Gleichgültigkeit beschlich ihn wieder. Es kam ihm vor als sässe er unter einer Glasglocke, als Stiller Beobachter. Er starrte auf den Beisskeil. Nahm ihn in den Mund. Was sollte er auch noch zu sagen haben?

Schnaubend starrte er Alma an. Eher durch sie hindurch. Ängstlich und Geschunden. Die hässliche Fratze seines Schicksals betrachtend.

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Re: am Waldrand

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 26. September 2007, 13:51

Darak nahm das Angebot eines Betäubungsmittels nickend an. Ja, er brauchte es und niemand würde ihn hier verurteilen, weil er die bevorstehende Operation nicht wie ein Mann trug. Ein Bein zu verlieren ... bedeutete nicht nur körperlichen Schmerz und Alma wollte mit ihren Pastillen hauptsächlich Daraks Seele betäuben. Sie sah ja, wie sehr er unter dieser Schreckensbotschaft litt – einer Entscheidung, die ihm das Leben retten und ihn gleichzeitig für alle Zeit zum Krüppel machen würde.
Auch für den Beißkeil entschied er sich und nahm ihn schweigend entgegen, betrachtete ihn kurz.
Sein Atem ging auf einmal deutlich schneller, was aber eigentlich kein Wunder war. Auch seine Hautfarbe nahm ein immer blasseres Schimmern an. Schweiß trat ihm auf die Stirn und Alma sah, wie sich Daraks Härchen auf den Unterarmen aufrichteten. Jeder Muskel verspannte sich im Moment in diesem Mann – bis auf die in seinem Bein, welche er schon lange nicht mehr spürte.

Dann holte Alma die Säge hervor. Zu dumm, dass sie immer wieder darauf beharrte, Darak solle nicht schauen. Gerade das war es, was ihn wütend auffahren und kurz darauf stumm erstarren ließ. Er hatte geschaut und schaute noch immer – auf diese schrecklich aussehende Säge, deren scharfe Zacken ihn beinahe spöttische anfunkelten. Ja, diese eiserne Zahnreihe würde sein Schicksal besiegeln. Ein eisernes, lebloses Monster würde ihm sein Bein abbeißen – das sonst doch immer gute Bein!

<i>"Verdammt!"</i> Darak brach in Tränen aus, ein Bild des Grauens. Doch schnell sorgte er dafür, dass sich das Bild nicht im Gedächtnis von Alma oder des des Nichtgenannten einbrennen konnte. Er ließ sich auf den Rücken fallen und verbarg sein Gesicht in zitternden Händen.
Er brauchte jetzt Halt, Unterstützung – Schutz und Betäubung. Den Helm trug er schon, doch dieses Mal würde er ihn nicht schützen können – würde sein Bein nicht beschützen können. Und dann gab es noch Almas Tabletten. Er schüttete sich mehrere Pastillen in die Hand und warf sie sich in den Rachen. Zwei oder drei Pastillen, hatte Alma gesagt. Vier der kleinen grünlichen Tabletten kullerten seine Speiseröhre hinunter und begannen bereits, sich aufzulösen ...

Kurze Zeit später setzte auch schon die Wirkung ein, die höher als erwünscht war, denn die Dosis war etwas zu hoch ausgefallen. Darak fühlte sich benebelt. Als verließe sein Geist den Körper, der ihm den Dienst so schmerzlich versagte.
Er stand neben sich, hatte das Gefühl über Almas Schulter schauen zu können wie sie die schwarze Stelle an seinem Knie mit einem kleinen Lappen und einer seltsamen Flüssigkeit abwischte. Oberhalb dieser Stelle war sein Bein eng abgebunden. Er durfte nicht zu viel Blut verlieren. Und dann erschien wieder das Bild der Säge vor seinen Augen. Er wurde schläfrig, sein Hals ganz trocken.

"Ich fange jetzt an", sagte Alma und stieß gepresst die Luft aus. Der Nichtgenannte griff nach Daraks Arm und drückte ihn. Darak würde es ob der Drogen wohl kaum noch spüren, doch unter der Maske dieses unheimlichen Mannes an seiner Seite stand purer Schrecken. Nach außen hin war dies nur durch den Druck zu erkennen, den er auf Daraks Arm ausübte. Vor ihm lag ein Mann, der gekämpft hatte. Ein Mann, der es mit Pelgar, den Eisenminen, Mönchen und einer gewaltigen Portion Schmerz und Pein aufgenommen hatte – und dennoch begann jetzt die wohl größte Tortur seines Lebens. <b>So viel Schmerz ...</b>

Alma setzte die Knochensäge an ...
Sekunden schleppten sich dahin wie ein Trauerzug, der sein Bein bald in einer ewigen Prozession mit sich führen würde.
Darak hörte die Geräusche des Waldes nicht mehr. Die Vögel waren verstummt. Kein Rascheln mehr in den Büschen – als hielt auch Celcia den Atem an, um zu sehen, was gleich geschehen würde. Um auf Daraks Schreie zu warten, die er trotz des Betäubungsmittels ausstoßen würde.
Welch grausames Schicksal und kein Gott würde ihm jetzt Beistand leisten. Lysanthor am wenigsten. Er lag hier, allein. Hatte gleich mit dem Verlust seines Beines zu kämpfen – allein. Die Drogen ließen Alma und den Nichtgenannten verschwinden. Beide wurden zu natürlicher Umgebung, zur Welt. Die Welt nahm ihm sein Bein und er war allein.

Darak spürte nicht wie die Säge angesetzt wurde. Er hörte nicht, wie Alma sich leise selbst zusprach, dass sie das machen musste, um den resltichen Körper vor Fäulnis zu bewahren. Er hörte auch nicht dieses seltsame Getrappel, das sich gemächlich näherte.
Darak schwand die Sicht. Schwärze umfing ihn und hüllte ihn in einen Schleier aus Finsternis. Schlaf, riet ihm der Wirkstoff der Pastillen. Schlaf ein und finde ein paar Stunden Ruhe.
Dabei hatte er doch nicht einschlafen wollen! Er hatte es nicht gewollt, aufzuwachen und dann einfach beinlos zu sein. Aber die überhöhte Dosis ließ nichts Anderes zu. Darak Luthrokar, Foltermeister, Sklaventreiber, Mörder ... Verdammter ... er würde bald wieder erwachen und dann einen neuen Titel tragen: einbeiniger Krüppel.

Darak war bereits geistig in einer anderen Welt, als das trappelnde Geräusch lauter wurde. Alma haderte noch. Es war das erste Mal, dass sie mit sich selbst um ihre Kontrolle kämpfte. Sie musste es tun, da führte kein Weg mehr dran vorbei. So seufzte die dicke Heilerin und setzte die Säge erneut an, die sich jetzt schon zweimal wieder vom Bein genommen hatte.
Da trabten einige Reiter aus dem Dickicht. Sie betrachteten die Szenerie. Dann ritt einer von ihnen näher, blickte auf das Trio hinab und keuchte. "Ist das ... Darak Luthrokar?"


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