Im Schutz des Waldes

Dieser wunderschöne Wald liegt im Nordosten, abgegrenzt durch den Fluss Iridul. Das Elfendorf Eldar ist in ihm verborgen, sowie der Sternensee – ein magischer See, dessen Geheimnis gut von den Elfen bewahrt wird.
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Die Bruderschaft aus Pelgar hat im Eldoras ein verstecktes Lager aufgebaut, in dem sie auch erste Flüchtlinge aus der Hauptstadt aufgenommen haben.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Dienstag 1. März 2011, 22:04

Janays Mundwinkel zuckten leicht, aber das Lächeln wollte sich nicht formen bei seinen Worten, dazu war sie schon zu müde. Eine Reinigung... Ja, so etwas konnte sie wirklich gut gebrauchen. Das wäre wie passend und trotzdem wohl kaum möglich. Die Vergangenheit würde sie so leicht nicht abschütteln können und sie hatte schon zu viele Dinge getan, die in den meisten Augen mit Schmutz beladen waren. Wenn es nach denen ginge, würde sie nie wieder auch nur im Ansatz rein sein können.
Und was die Gefahren betraf... nun, die waren für eine Frau, selbst ihres Kallibers und Berufes, teilweise von ganz anderer Art als für einen Mann. Aber daran wollte sie jetzt erst recht nicht denken, sie hatte schon genug eigene Sorgen, auch wenn diese allmählich verschwommener wurden, während sie dahin dämmerte und immer tiefer ins Traumland sank.
Noch an ihn geschmiegt und ihn als Polster sowie als Wärmespender gebrauchend. Es war nicht so bequem, wie sie es gewohnt war und liegend wäre es ihr bestimmt besser ergangen, aber seine Nähe spendete ihren Nerven ein bisschen Trost. Nicht viel und schon gar nicht so, dass sie es bewusst zugelassen hätte, jedoch immerhin ein wenig, sodass sie tatsächlich schlafen konnte.
Mit leisen, wohligen Lauten auf den Lippen schmiegte sie sich an ihn, als er sie an der Hüfte streichelte. Ein leichter Schauder überzog ihre Haut und ließ ihre feinen Härchen sich aufstellen. Allerdings wachte sie davon nicht auf, dazu war ihr Schlaf bereits zu tief geraten.
Die Zeit zog dahin und sie bemerkte weder, dass Kazel sie behutsam hinlegte, noch, dass er sich von ihr entfernte. Ihre Seele führte sie stattdessen wo anders hin, in eine unendlich weite Vergangenheit, zu einem sonnigen, warmen Tag, der in eine sternenklare, frische Nacht geführt hatte. Sie und Arina hatten sich tagsüber allein miteinander beschäftigt, wie alt sie waren, war Janay entfallen.
Wie ein Beobachter befand sie sich in Arinas Zimmer, das nur von einer einzelnen Kerze erhellt wurde, konnte zusehen, wie deren kleine Schwester plötzlich herein gestürmt kam und schluchzend, wegen eines Alptraums, zu ihr ins Bett krabbelte.
Was die zwei Mädchen miteinander sprachen, konnte sie nicht hören, die Erinnerung daran war längst verblasst. Die Körpersprache hingegen war eindeutig und während die Jüngere sich beruhigte, um einzuschlafen, blieb die Ältere wach und hielt sie beschützend im Arm.
Arina sah nachdenklich aus dem Fenster hinaus, bis sich ihr Blick irgendwann auf die Beobachterin richtete, als könnte sie diese sehen. Der Ausdruck ihrer Augen war unendlich traurig, viel hätte nicht mehr bis zu Tränen gefehlt.
"Janay...", klagte sie lautlos und trotzdem war der Träumenden, als würde die Stimme schmerzhaft in ihren Ohren schrillen.
Hör auf so zu schreien! Ich bin da, ich bin doch da! Aber das Mädchen, das einst ihre Schwester gewesen war, hatte kein Erbarmen. Sie öffnete den Mund, formulierte Worte und dennoch war es viel zu laut sowie zu schrill, als dass sie etwas hätte verstehen können.
Die Beobachterin sank in die Knie, presste die Hände auf die Ohren und flehte verzweifelt, damit Arina damit aufhörte. Nur, sie ignorierte ihr Betteln und Bitten, bis... die junge Frau plötzlich kerzengerade und keuchend aufrecht saß.
Sie starrte blicklos und zitternd gerade aus, ohne erkennen zu können, dass sie in die Wirklichkeit zurück gekehrt war. Instinktiv schlang sie die Arme umeinander und während sich ihr Blick allmählich klärte, kehrte der Schmerz mit Wucht in ihr Bewusstsein zurück.
Sie versuchte ihn zu verdrängen, sich auf dieses seltsame Geräusch zu konzentrieren, das ihr an die Ohren drang. Es dauerte seine Zeit, bis sie sich darüber klar wurde, dass es ihre eigenen Zähne waren, die vor Kälte klappernd immer und immer wieder aufeinander schlugen.
Janay fror trotz des Feuers in ihrer Nähe, der wärmende, tröstende Körper war ebenfalls von ihrer Seite verschwunden und die ihr dadurch noch stärker bewusst werdende Einsamkeit hielt ihr Herz stark umklammert. Der Alptraum, zu dem sich die Szene der Erinnerung gewandelt hatte, hielt sie in seinen Klauen und wollte sie nicht los lassen.
Heftig schüttelte sie den Kopf und zog die Beine eng an sich, die sie mit ihren Armen umschlang.
Sie hatte nichts gemacht, Arina durfte sie jetzt nicht bestrafen! Schließlich hatte sie ihre Schwester nicht dazu gezwungen, mit ihr dieses Leben zu führen, das sie nicht gewollt hätte. Die junge Frau jedoch war entschlossen gewesen und bereute es auch nicht, ihrem Vater und Morgeria entkommen zu sein. Allerdings... hatte sie dadurch Arina einer Gefahr ausgesetzt?
"Ich kann doch nichts dafür für das, was ich bin!", stieß sie mit einem unterdrückten Schluchzen aus und schlug die Hände vors Gesicht. Ihr Körper zitterte noch immer und ihr war zum Heulen zumute, wenn auch keine Tränen kommen wollten.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 2. März 2011, 19:26

Er stocherte immer noch in der Glut des Feuers, als sich von der anderen Seite plötzlich etwas regte. Oder genauer gesagt: jemand. Janay hatte sich kerzengerade aufgerichtet. Welch seltsame Art zu erwachen! Kazel runzelte die Stirn, als er ihre Unruhe wahrnahm. Sie schaute gehetzt, beinahe erschreckt, als hätte sie einen Geist gesehen. Ihre Atmung ging keuchend. Sie starrte in weite Ferne.
Schlafwandlerin? Nein, dann wäre sie wohl aufgestanden und einfach losgewandert. Stattdessen wurde Kazel Zeuge einer Szene, die ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Nie zuvor hatte er jemand anderen so selbst seine eigenen einstigen Probleme wiedergeben sehen. Janay war ein Bild seines Kummers, so unheimlich, dass seine Unterarme kribbelten.
Ihre Worte hallten in seinen Spitzohren nach wie ein Echo im Gebirge. Sein Gewissen wiederholte mit nüchterner Routine. Er selbst hatte sich oft genug dieser Aussage in seinen Gedanken gegenüber gestanden. Ich kann doch nichts dafür, für das, was ich bin!"
Aber hier und jetzt folgte diesen Worten in seinem Geist eine Gewissheit, die ihn beruhigte und ihm Seelenfrieden gegeben hatte: Es ist nicht deine Schuld.
Seltsam war es lediglich, solche Worte aus Janays Mund zu hören. Was hatte sie sich denn vorzuwerfen? Sie war eine bezaubernde Elfe und … Bezaubernd?! Was sollte das denn?!
Ihm ging das Herz auf, als er sie schluchzen hörte. Der Stock, mit dem Kazel eben noch gestochert hatte, landete im Feuer, um Opfer der gierigen Flammen zu werden. Mit zwei raschen Sätzen erreichte er Janay. Auf den letzten Zentimetern näherte er sich allerdings vorsichtig. Wer wusste schon, ob er der Richtige dafür war, sie zu trösten?
Xenia hätte das besser gekonnt. Sie hatte auch einen klaren Kopf bewahrt, als Kazel in Selbstmitleid und Verzweiflung einem Nervenzusammenbruch nahe gewesen war. Sie hatte ihm die Chance gegeben, seinen Frust auszulassen und sich dann zu beruhigen. Und anschließend waren ihre Worte ausreichend gewesen, dass er sich besser gefühlt hatte. Ja, Xenia hätte jetzt wach sein müssen – nicht Kazel, Kleiner oder Sturmadler, der inzwischen eine richtige Affinität dazu besaß, es nur schlimmer zu machen.
Aber ich bin jetzt der einzige, der es mitkriegt. Damit wird sie auskommen müssen. Diesen Ehrgeiz besaß Kazel noch nicht lange. Es zeugte von Veränderung, aber im positiven Sinn. Er bemerkte es selbst an sich, daher brachte er auch den Mut auf, Janay Trost zu spenden. Es hatte ihm damals gut getan, vielleicht gelang es auch bei ihr.
Seine Hand landete auf ihrer Schulter. Im ersten Moment schwieg er. Was sollte er eigentlich sagen? Vielleicht, was du selbst gern gehört hättest, wenn du damit konfrontiert warst, dass du einsehen musstest, dass du bist, wer du bist. Komplizierte Sache.
"Niemand kann etwas für das, was er ist. Nicht allein, glaube ich jedenfalls. Außerdem … du bist doch in Ordnung, soweit ich es mitkriege. Du legst dich sogar mit Sintus an, hinten herum." Es war ein kläglicher Versuch, sie zum Schmunzeln zu bringen. Außerdem war Kazel eben zum vertraulicheren Du übergegangen. Es wurde erneut ruhig am Lagerfeuer, seine Wangen glühten wieder.
"Ich bin nicht sehr gut darin, andere aufzumuntern", gestand der Mischling schließlich. Seine Hand ruhte weiterhin auf Janays Schulter. "Aber wenn es etwas gibt, das ich tun kann, damit es dir besser geht, dann lass es mich wissen. Wir … sollten alle aufeinander achten." Und seinen Worten folgten sogar Taten! Er spürte das Zittern, hörte das Klappern der Zähne. Langsam schob Kazel wieder seinen Arm um die Elfe. Sie hatte es schon einmal zugelassen, warum sollte sie es jetzt ablehnen? Er besaß keine anzüglichen Hintergedanken.
"Warum hast du überhaupt solche Gedanken? Du bist eine … irgendeine Waldelfe? Was sollte daran denn so schlecht sein?"
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Mittwoch 2. März 2011, 22:44

Die Bilder ihres Alptraums wollten einfach nicht loslassen. Zwar verblassten die Bilder recht rasch und das der Realität konnte die Oberhand gewinnen, sodass ihre Augen einen Teil der Höhle und das Feuer wahrnehmen konnte, aber ihr war trotzdem noch immer, als höre sie die anklagende Stimme, die ihr in den Ohren schmerzhaft schrillte.
Ihr Körper bebte unter dem trockenen Schluchzen, das sie beutelte. Die Tränen hingegen wollten nicht wirklich kommen, obwohl ihre Augen davon brannten, eben weil sie nicht vergossen werden konnten.
Es war furchtbar und sie hatte sich in ihrer Schwäche nicht rechtzeitig wappnen können. All der Druck, der auf ihr gelastet hatte, seit damals in Jorsan ihr Kunde vor ihren Augen umgebracht worden war, forderte nun, mit geballter Macht, seinen Tribut. Es war zu viel und sie brauchte endlich mal einen Moment der Erholung sowie ihre Schwester, die sie in die Arme nahm, so wie früher.
'Aber nichts wird wie früher sein! Schlag dir das ein für alle Mal aus dem Kopf, du törichtes Kind!', schalt sie sich selbst und glaubte, dabei die kalte Stimme ihrer Mutter hören zu müssen.
Was ihr nicht sonderlich half, stattdessen hatte sie das Gefühl, ihr Versuch hatte das Gefühl in ihrer Brust nur noch verschlimmert. Es war ihr, als würde darin eine Hand ihr Herz zusammen drücken und ihr gleichzeitig den Atem nehmen. Angst kroch in ihr hoch, ihre Luftzüge wurden noch etwas hektischer, weil sie glaubte, ersticken zu müssen. Luft, sie brauchte frische Luft! Doch sie würde es nicht hinaus schaffen, sie war nur ein schwächliches, kleines Kind, das bei dem Bemühen kläglich scheitern würde. Ihre Beine würden sie nicht tragen...
Ihr war einen Moment lang so, als würde sie das spöttische Lachen ihrer Mutter hören, so wie damals, als sie als kleines Kind sich eingebildet hatte, sie könnte schon für die Familie kochen. In der Vergangenheit war sie ebenfalls vollkommen gescheitert und wäre Arina nicht gewesen, sie hätte sich vielleicht auch noch irgendetwas verbrannt. Das Feuer vom Herd war ihr schon sehr nahe gewesen, ähnlich wie jetzt, wo neben ihr die Flammen prasselten und Licht sowie Wärme spenden sollten. Ob sie schon erwischt worden war? Schwelten bereits ihre Haare?
Plötzlich legte sich eine Hand auf sie. Erschrocken fuhr sie zusammen und blinzelte hoch. Einen Moment lang hatte sie das Gefühl, als würde sie Glück haben und Arina sehen.
Aber dann blinzelte sie und erkannte, dass es nicht einmal eine Frau war, sondern lediglich... Kazel.
Sie hörte seine Worte, jedoch dauerte es noch viele Sekunden länger, bis der Sinn ebenfalls zu ihrem umnebelten Geist durchdringen konnte. "Was...?", wisperte sie, noch immer viel zu verwirrt ob all dieser drückenden, auf ihr lastenden Gefühle.
Und bevor sie tatsächlich etwas erwidern oder sich fassen konnte, schob er seinen Arm um sie, zog sie sogar zu sich, sodass sie sich mehr oder weniger in einer tröstenden Umarmung wieder fand. Das ließ ihr erst recht den Atem stocken und die Augen aufreißen.
Das war falsch, das sollte sie nicht zulassen! Es war ihr so klar, wie sonst fast gar nichts, und dennoch... ihr Körper zitterte viel zu sehr, als dass sie sich sofort hätte befreien können. Wenigstens das Geräusch aufeinander klappender Zähne ließ nach und damit legte sich auch ein bisschen das Schrillen in ihren Ohren. Sie war schwach, selbst ihrem eigenen Widerstand musste sie unterliegen, denn sie begriff, dass ihr Körper ihr derzeit nicht gehorchte.
Also schloss sie seufzend und ergeben die Augen und bemühte sich, erst einmal ihre Nerven wieder unter Kontrolle zu bekommen. Das erforderte all ihre Konzentration, sodass keine weiteren Bilder aufkommen konnten.
Langsam, viel zu langsam legte sich das Beben ihres Leibes und schließlich schüttelte sie wie in Zeitlupe den Kopf. "Du hast keine Ahnung wer... und was ich bin. Ich und in Ordnung...?"
Erneut seufzte sie und raffte sich auf, um sich allmählich aus seinen Armen zu schlängeln.
Dann sah sie ihn an und zwar mit einem traurigen Ausdruck in den Augen. Mühsam rang sie sich ein wehmütiges Lächeln ab und wollte abwinken, um diese Szene lieber rasch abtun zu können. "Lass dich von meinem Äußeren nicht täuschen, Kazel." Es fiel ihr nicht auf, dass er vertraulicher geworden war, und schon gar nicht, dass es ihr nun selbst passierte.
Ihre Worte hingegen mussten ihm genügen, denn sie hatte ohnehin schon viel zu viel von sich preisgegeben. Ihr Ausbruch war ihr unangenehm und sie wünschte, es wäre ihr erspart geblieben, dass es irgendjemand mitbekam, wenn sie es schon nicht unterdrücken konnte.
Aber jetzt brauchte sie wirklich frische Luft, um tief durchatmen und sich endgültig zusammen reißen zu können. Also rappelte sie sich, mit einem leisen Ächzen, da ihre Glieder sich steif anfühlten und schmerzten, etwas mühsam auf die Beine. Janay wollte hinaus.
Sie fürchtete sich nicht vor der Nacht, ihr machte eher ihr Inneres Angst, weil es Dinge verbarg, die schlimm für sie persönlich waren. Für sie zählte derzeit nur, dass dort kühle Luft, Dunkelheit und Stille auf sie warteten, mitsamt von frischem Wasser.
Außerdem meldete sich auch ihre Blase langsam, aber sicher, jetzt, wo sie sich besser auf sich selbst konzentrieren konnte.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 3. März 2011, 17:23

Es war ein seltsames Gefühl, aber nicht unbedingt eines, das Kazel aus seiner Welt verbannen wollte. Für ihn bedeutete es etwas Ungewohntes. Wann war es schließlich zuvor in seinem Leben dazu gekommen, dass er jemanden trösten musste? Für den Bruchteil einer Sekunde dachte er an eine alte Freundschaft. Er dachte an das kleine Mädchen Luziver, das ihn zusammen mit anderen Gefährten begleitet und sich immer sehr wohl in seiner Gegenwart gefühlt hatte. Aber einmal war auch sie trübselig gewesen. Kazel hatte sie damals mit ein paar Worten und kurzem Tätscheln auf den Kopf wieder zum Lächeln gebracht. Aber es war etwas ganz Anderes nun eine Frau gleichen Alters - Kazel vermutete das, aber konnte er es genau wissen? - im Arm zu halten. Vor allem, weil ihre Gedanken sich um ein Schicksal drehten, das er beinahe als sein eigenes wiedererkannte. Auch er hatte unter der Last leben müssen, sich für sein Sein zu schämen. Man akzeptierte nicht, wer oder was er war - damals.
Noch während der Mischling Janay im Arm hielt, schweigend und auf diese weise stillen Beistand leistend, spürte er die wohltuende Wärme. Er konnte nicht sagen, ob es ihr zitternder Körper war oder das Wissen, dass sein Schicksal wie getrockneter Schlamm von seiner Haut abgeblättert war. Die Bruderschaft des Lichts akzeptierte ihn - von Sintus einmal abgesehen.
Es war seltsam, dass Janay sich ähnlich elend fühlte. Sie hatte doch sogar Talimée mitgebracht. Sie war nicht allein. "Lass dich von meinem Äußeren nicht täuschen, Kazel." Er schaute auf, aber sie gab keine genauere Erklärung ab. "Dein Äußeres hat mich auch nur zweitrangig bewogen, dich zu trösten." Ja, sie hatte traurig ausgesehen. Das weckte doch in jedem Mann sofort Beschützerinstinkte, wenn er nicht gerade ander gepolt war. Aber es waren Janays Worte gewesen, die für das nötige Mitleid gesorgt hatten, dass Kazel sie umarmt hatte. Und gerade jemand wie er schloss sicherlich nicht auf das Äußere. Sein als Hautfarbe sichtbares Mischblut war ihm so oft in die Quere gekommen, dass er selbst vollkommen unbewusst eine Toleranz gegenüber dem Äußeren entwickelt hatte. Lediglich sein damaliger noch blanker Hass auf Dunkelelfen war von dem Versuch, anderen vorurteilslos zu begegnen, unberücksichtigt geblieben. Inzwischen hatte sich wahrlich viel in seinem Leben verändert.

Abgelenkt durch seine Gedanken hielt er Janay nicht auf, als sie sich von ihm löste, um aufzustehen. Er blinzelte lediglich und schaute verwirrt zu ihr hinauf. Hatte sie sich wieder beruhigt? Sie war ihm so selbstbewusst und stark begegnet. Eben war sie zart und schwach gewesen - und weich. Er nahm noch immer ihren Duft wahr.
Kazel beobachtete sie und sah, dass sie ihre Aufmerksamkeit dem Ausgang widmete. Er würde ihr nicht wie ein misstrauischer Wachhund folgen. Sicherlich wollte sie nur einen Schluck Wasser aus dem Bach oder die Frische der klaren Nachtluft auf dem Gesicht spüren. Trotzdem erinnerte er sie: "Geh allein nicht zu weit weg." Er musste die anderen bewachen. Wie hatte Annabelle gemeint? Neben Sintus war er der einzige verblieben Kämpfer. Ein schöner Kämpfer! Du hast keine Waffe, nicht einmal Schuhe. "Janay!" Nun erhob er sich ebenfalls. "Ich werde niemanden hiervon etwas sagen, aber ... wer ist Arina? Erzähl mir von ihr. Vielleicht weiß ich dann besser, wer ... und was du bist."
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Donnerstag 3. März 2011, 21:49

Für Janay ab es solche Gefühle höchstens unterschwellig. Es tat ihrem Körper und ihren Nerven recht gut, dass er sie hielt, denn es half ihr dabei, sich zu beruhigen. Hätte sie es allerdings bewusst wahrgenommen und wäre sich auch klar darüber gewesen, in wessen Armen sie gerade lag, hätte sie sich bestimmt sofort befreit. Immerhin hatte er einen schlechten Start bei ihr gehabt und wäre es nach ihrem kühlen Denken gegangen, hätte sich daran nicht sonderlich viel geändert, weil er in ihren Augen keine so bedeutende Funktion inne hatte wie Sintus und Xenia.
Später, wenn die Geschehnisse Revue passieren lassen und distanzierter betrachten würde, würde sie sich ausreichend darüber ärgern, weil es ihr unangenehm war. Nicht nur, dass sie solch einen Aussetzer hatte, der ihr peinlich genug war, nein, sie war dabei sogar noch gesehen und getröstet worden. Furchtbar, fast wie eine Tragödie! Wäre sie derzeit im Geschäft und müsste ihr Geld in dieser Gruppe verdienen, wäre solch ein Auftritt tödlich für ihr Ansehen. Wie gut, dass sie lediglich auf der Flucht war...
Zugeben hingegen, dass ihr sein Körper und die davon ausgehende Wärme wohl tat und gerade diese Nähe ihr um ein Vielfaches mehr half, als es Wörter je gekonnt hätten, würde sie natürlich nicht.
Es war etwas vollkommen anderes als damals bei Arina und trotzdem hatte es beinahe die selbe Wirkung.
Sein Geruch stieg ihr dabei in die Nase und obwohl es ein wenig an Schweiß und Schmutz und lange Reise erinnerte, war es nicht so unangenehm, wie sie es schon erlebt hatte. Somit musste sie nicht sofort entsetzt von ihm zurück weichen und ihre nervliche Reaktion unterdrücken, sondern hatte den "Luxus", sich erst ein bisschen beruhigen zu können, bevor sie sich von ihm löste. Dass sie nicht in seinen Armen bleiben konnte und wollte, war selbstverständlich. Aber immerhin war ihr eine kurze Zeitspanne vergönnt, die ihr Kraft geben sollte.
Auf ihre Worte hin, die ihm eigentlich klar machen sollten, dass der Schein gewöhnlich trog, auch bei ihr, erwiderte er etwas, was sie unwillkürlich, wenngleich mit einem traurigen Beigeschmack schmunzeln ließ.
"Wenn du wirklich so bist, wie du jetzt tust, bist du eine Rarität unter den Männern.", murmelte sie, mehr zu sich selbst, als zu ihm, und schüttelte leicht den Kopf darüber, ehe sie sich aus seinen Armen endlich wieder befreite.
Es war nicht so einfach, sich auf den Beinen zu halten, bei all den Schmerzen, die ihr durch den Körper schossen. Ihr war, als hätte der Boden die Pein vom Sturz wieder verstärkt, sodass sie durchaus ihre Zeit brauchte, um ein paar Schritte vom Feuer weg zu kommen.
Die Warnung hörte sie gar nicht richtig, weil es so selbstverständlich und gleichzeitig unbedeutend war.
Bis Kazel dafür sorgte, dass sie abrupt stehen blieb und das Gefühl hatte, als müsse sogar die Welt erstarren.
Woher...? Hatte sie geredet im Schlaf? Vielleicht... es würde zu ihrem Traum passen und auch damals als Kind hatte sie manchmal im Schlaf gesprochen.
Die junge Frau schloss die Augen und atmete tief durch, um ihr erneut hämmerndes Herz und die Gefühle zu dämpfen, um nicht wieder so aufgelöst reagieren zu müssen. Sie wollte sich nicht schon wieder ihren Empfindungen ausliefern!
Als sie glaubte, sie wäre dem Kommenden gewappnet, hob sie ihre Lider langsam an und drehte sich noch langsamer zu ihm zurück.
Janay bemühte sich, ihren Blick ausdruckslos zu belassen und nicht die Traurigkeit sich hinein schleusen zu lassen, während sie bedauernd den Kopf schüttelte. "Arina ist Vergangenheit. Ich habe meinen Weg ohne sie beschritten.", erwiderte sie leise und hatte das Gefühl, als müsse sie an diesen Worten ersticken, so sehr schmerzten sie die junge Frau.
Vor allem, weil sie der Warhehit entsprachen. Vielleicht trauerte sie deswegen gerade so stark, weil es ihr endgültig klar geworden war.
Ihr Blick richtete sich in weite Ferne, da sie erneut von Erinnerungen übermannt zu werden drohte. Dieser Zustand dauerte ein paar Sekunden, bis sie erneut den Kopf schüttelte und leise seufzte.
"Ich wünsche mir, dass sie lebt, es ihr gut geht und sie glücklich ist. Aber ich werde es nie erfahren." Ihre Stimme erstarb und sie wandte sich ab, damit er nicht den Schmerz sehen konnte, der in ihren Augen aufflackerte. Es reichte, was er bisher mitbekommen hatte.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 4. März 2011, 19:41

Janay hatte etwas überaus Trauriges an sich. Es sprach aus ihrer gesamten Körperhaltung, sowie ihren Worten, ohne eigene zu benutzen. Der Klang ihrer Stimme zeugte von Erlebnissen, die sie geprägt hatten. Viele davon wohl nicht unbedingt zum besten, sonst wäre sie jetzt nicht so … ja, was? Niedergeschlagen? Einsam?
Kazel wusste es nicht, aber es hatte anscheinend mit dieser Arina zu tun. Hinzu kamen wohl auch noch einige Männer, die sie enttäuscht hatten. Anders konnte er sich ihr Gemurmel von eben nicht erklären. Eine Rarität unter Männern, weil er sie hatte trösten wollen! Wer würde das denn nicht tun, wenn er sie so sähe! Der Mischling konnte sich das kaum erklären. Vielleicht schreckten einige vor ihr zurück, weil sie überaus selbstbewusst, wenn nicht gar dominant auftreten konnte. Aber dieses Verhalten war verflogen, seit Sintus und Talimée aus der Höhle heraus waren. Möglicherweise lag es an der Dienerin. Wollte Janay ihr gegenüber keine Schwäche zeigen? Vielleicht, um sie nicht zu beunruhigen. Es half, Zuversicht und Kraft für andere auszustrahlen, selbst wenn man sie nicht mehr wirklich besaß. Und jetzt gönnte sich Janay eben einen Moment der Schwäche.
Auch körperlich. Kazel sah, wie sie sich darauf konzentrierte, den Schmerz zu ignorieren. Es tat ihm schon wieder leid, sie so grob angepackt zu haben. Sicherlich drückte und ziepte jede einzelne Bewegung. Er glaubte zuerst, es läge an dieser Pein, dass Janay plötzlich stehen blieb. Doch der wahre Grund war seine Bitte gewesen, ihm von Arina zu erzählen.
Viel verriet sie allerdings nicht. Sie bemühte sich um eine unnahbare Mimik, aber Kazel erkannte diesen Zwang hinter der Maske. Er selbst hatte sich jahrelang so gezeigt: unerreichbar für jegliche andere Personen, in dem naiven Glauben, dadurch stärker – unangreifbar – zu wirken. Jetzt sah er an Janay, welche Farce dies all die Jahre gewesen war. Zugleich richteten sich ihm die Nackenhaare auf. Diese Frau war wie ein weibliches Abbild seines vergangenen Selbst. Umso mehr wuchs in ihm das Bedürfnis, mehr über sie herauszufinden.

"Wohl nicht so ganz", erwiderte er und machte zwei Schritte auf sie zu. Ihm ging es wesentlich besser als ihr. Er mochte erschöpft gewesen sein, aber hatte keine Landung vom Rücken eines Pferdes auf den harten Untergrund machen müssen. Ihn schmerzten maximal die Narben auf seinem Rücken, eine Nachwirkung von der Huckepack-Tour durch die Stille Ebene. "Du hast ihren Namen gesagt. Du bist aus dem Schlaf geschreckt und sahst aus, als stünde vor dir Faldor persönlich." Kazel schüttelte den Kopf. "Da ist immer noch etwas - ich vermute von ihr -, das dich beschäftigt. Sehr mitnimmt." Noch ein Schritt. Jetzt stand er schon fast wieder dicht bei ihr. Nah genug, um den Luftzug zu spüren, den ihre Drehung erzeugte, als sie sich abwandte.
Er hätte gern gewusst, weshalb sie glaubte, niemals zu erfahren, wie es Arina ging. Sie musste eine enge Freundin oder Verwandte sein. Eine Vertraute, die ihr fehlte. "Ist sie Gefangene der Dunkelelfen?", fragte Kazel, weil ihm nichts Anderes einfiel. Janay hatte deutlich gemacht, dass sie nicht mehr in den Arm genommen werden wollte. Vermutlich mochte sie auch nicht länger über Arina sprechen. Dann hör endlich auf, Fragen zu stellen, Idiot! Er schluckte. Er räusperte sich schuldbewusst. "Ich ... frag nicht weiter. Nicht über sie. Aber sag mir, wo du hin möchtest. Du siehst aus, als brauchst du noch Ruhe. Ich kann dich auch begleiten, wenn wir uns nicht zu weit von der Höhle entfernen." Er sorgte sich irgendwie um sie. Vielleicht, weil er sich zum Teil die Schuld gab, dass es ihr nicht allzu gut ging - berechtigt.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Montag 7. März 2011, 10:02

Hätte Kazel ihr gesagt, welchen Eindruck sie gerade machte, sie hätte darüber geflucht, vermutlich sogar in der Sprache ihrer Rasse, weil sie eigentlich neutral hatte bleiben wollen. Es war überlebenswichtig, die Außenwelt niemals wissen zu lassen, wie elend einem zumute sein konnte, man durfte absolut nichts zeigen. Und trotzdem konnte sie sich gerade nicht sonderlich gut verstellen. Die Wucht ihrer Sehnsucht hatte sie viel zu stark von vorne getroffen, ähnlich einem Schiff, das volle Breitseite gerammt worden war. Es war einfach eine absolut miserable Situation für sie.
Doch sie würde auch dies meistern, dessen war sie sich sicher, sie brauchte lediglich die Zeit dazu... oder ein brenzliges Geschehen, das sie notgedrungen wachrütteln und sich zusammen reißen lassen musste.
Dass Männer sie enttäuscht hatten, traf durchaus zu. Wobei Janay kaum einen Gedanken an all jene Kunden verschwendete, die kurz in ihrem Bett gelandet und dann wieder verschwunden waren. Auch der ermordete Kerl aus Jorsan war fast völlig aus ihrer Erinnerung gewichen, ebenso wie jener Mann, der ihr die beiden Mischlingsbabys angehängt hatte. Geblieben allerdings waren drei äußerst enttäuschende Personen.
Allen voran war da natürlich ihr Vater, der sie mit seinen Beschuldigungen und seiner Kälte genau dorthin getrieben hatte, wo er sie wegen seines Stolzes nicht hatte haben wollen. Nun ja, das war seine Schuld und sie hatte schon immer ihren eigenen Weg gehen, das machen wollen, was ihr gefiel.
Dann war da an zweiter Stelle jener Kunde aus Pelgar, in den sie sich törichterweise verliebt hatte. Sie hatte sich, wie ein dummes, kleines Mädchen, Hoffnungen auf Unmögliches gemacht. Der Fall aus ihren Träumen war tief gewesen, sehr tief und hatte dem Geschöpf in ihrem Bauch das Leben gekostet. Aber sie hatte daraus ihre Lehren gezogen und war im Grunde nur einsamer dadurch geworden, wenngleich sie noch zu jung war, um wegen so etwas auch zu verbittern.
Und zu guter Letzt gab es noch Véllin. Sie hatte zu ihm aufgesehen, ihn bewundert, alles Negative, das ihr Unbehagen bereitet hatte, aus ihrem Bewusstsein verbannt. Doch jetzt war alles anders, ihre Mädchenphantasien waren von der Realität zerstört, sie empfand neben Angst auch so etwas wie Abscheu vor ihm und sie hatte einen Feind mehr, dessen war sie sich sicher. Er hatte ihr bereits klar gemacht, dass sie sterben würde, würde sie ihren Auftrag nicht ausführen, was sie schließlich vorhatte. Außerdem würde er sie brutal nehmen, um seine Gelüste zu befriedigen, was ihr keineswegs recht war. Sie hatte gewöhnlich bestimmt, wie weit ein Kunde gehen durfte und Schmerzen waren dabei niemals im Spiel gewesen. Bei ihm hingegen...
Allein die Erinnerung an den Vorgeschmack ließ sie innerlich frösteln.
Ausgenommen aus der Schar der enttäuschenden Männer stand einzig und allein Václav, ihr großer Bruder. Zwar wäre es schön gewesen, wenn er sich auf ihre Seite gestellt und sie besser beschützt hätte vor den Eltern. Aber sie war inzwischen erfahren genug, um sich klar darüber zu sein, dass er nicht anders hätte handeln können. Er wusste es einfach nicht besser, das war alles. Somit war es nicht seine Schuld und es hätte bei dem Vorbild ihres Vaters durchaus schlimmer kommen können.
Unter all diesen Eindrücken stach nun einmal Kazel als positives Einzelbeispiel hervor, sodass sie ihre Worte danach gewählt hatte.
Dass sich ihre Stimmung und ihr Verhalten derart offensichtlich geändert hatte, seit Talimée und der Ritter zur Jagd aufgebrochen waren, war eher nur Zufall. Oder vielleicht hatte die Anwesenheit der Dienerin ihr noch eine trotzige Kraft gegeben, weil sie es sich nicht wirklich leisten konnte, ihr gegenüber Schwäche zu zeigen. Sie wusste einfach zu viel über sie, als dass die junge Frau das Risiko eingegangen wäre. Ob sie sich wieder zusammen reißen konnte, sobald Talimée in Sicht käme? Sie würde es wenigstens versuchen müssen. Es hing zu viel davon ab.
Mit all diesen Gedanken, die unaufhörlich in ihrem Kopf herum spukten, rappelte sie sich auf und strebte dem Ausgang der Höhle zu, bis seine Worte sie erneut zurück hielten und sie sich zu einer Antwort genötigt sah. Es fiel ihr schwer, jedoch wollte sie sich allmählich selbst beweisen, dass sie es alleine schaffte. Das war ihr vier Jahre lang gelungen, jetzt würde sie bestimmt nicht aufgeben!
Auf seine ersten Worte hin pressten sich ihre Lippen zu einem dünnen Strich zusammen.
Danach wurde sie blass und keine Sekunde später schlich sich der Hauch einer Zornesröte in ihre Wangen. Es war ihr peinlich und sie ärgerte sich über sich selbst, weil sie sich nicht besser unter Kontrolle gehabt hatte, denn auch ihren Schlaf sollte sie mehr regeln können. Um es ihm nicht zu deutlich zu zeigen und obendrein deutlich zu machen, dass für sie das Thema abgeschlossen sein sollte, wandte sie sich ab, als er sehr nahe an sie heran gekommen war.
Seine unschuldige Frage wiederum ließ sie leise und bitter auflachen. Langsam schüttelte sie den Kopf. "Ich bin gegangen und sie ist daheim geblieben. Auch wenn mein Weg schon beschwerlich war, befürchte ich, dass sie es viel schlimmer getroffen hat.", wisperte sie, ohne sich dessen bewusst zu sein, da sie lediglich ihre Gedanken formulierte.
Gewissermaßen waren sie beide Gefangene der Dunkelelfen, denn sie gehörten selbst dazu und ihre Rasse würde sie niemals vollständig loslassen können. Ganz gleich, wie weit sie davon lief, was sie für andere Verhaltensmuster annahm, im Grunde würde sie immer der eigenen Art verhaften bleiben, ohne die Möglichkeit, ihr jemals erfolgreich zu entkommen.
Seine nächste Bemerkung holte sie nicht nur in die Realität zurück, sondern rührte sie sogar ein klein wenig wegen seiner Unbeholfenheit. Der Hauch eines Lächelns huschte in ihren Mundwinkel.
Fast hätte sie ihm gestanden, dass sie ihn süß fand, weil er wirklich niedlich und sie auch ihrer Rolle verhaftet war. Doch sie unterließ es besser und zuckte stattdessen mit den Schultern.
"Durst und ein Gebüsch.", erwiderte sie, ohne daran zu denken, dass sie ihn damit vertreiben könnte. An sich wäre das sogar ein Ziel, denn sie wollte ihre Ruhe und die körperliche Einsamkeit, um niemandem etwas vorspielen zu müssen. Andererseits legte sie es nicht darauf an ihn verlegen zu machen oder gar zu kränken. Es würde ihr keinen Nutzen bringen und sie unterließ solche boshaften Spiele schon seit langem, weil sie ihr keinen Genuss bereiteten, im Gegensatz zu vielen anderen der Dunkelelfen. Ihre Worte entsprachen schlicht und ergreifend die Wahrheit, nichts anderem.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 9. März 2011, 18:50

Ob sie sich Vorwürfe machte? Kazel konnte noch immer nicht ganz nachvollziehen, was Janay und dieser Arina denn zugestoßen war. Die Elfe hüllte sich schließlich weiterhin in etwas, das er als geheimnisvolle Aura bezeichnen würde. Sie versuchte, so wenig wie möglich von sich preiszugeben. Dieses unnahbare Verhalten war ihm ja so vertraut!
Nicht einmal die Frau, die er geliebt und getötet hatte, hatte ihren Mischling sonderlich gut gekannt und dennoch besser als vermutlich alle anderen Lebewesen Celcias. Ihr hatte er seine Narben gezeigt, ansatzweise seine Geschichte erzählt und beide waren sich sehr nahe gekommen. Kazel blinzelte. Irgendwie wollte er sich nicht ständig an Shantih erinnern. Es war eine gute Erinnerung. Er wusste, dass jemand ihn akzeptiert und geliebt hatte, wie er war. Zugleich weckte es in ihm aber auch weiterhin das Wissen, wie sie ihr Leben hatte lassen müssen. Es war nur indirekt Kazels schuld gewesen, dennoch hätte er es verhindern können. Er war beeinflussbar, deshalb hatte man ihn ja erst mit dieser Gehirnwäsche manipulieren können. Vielleicht sollte er sich fortan auch weniger anderen anvertrauen … Er schaute auf, sah Janay und entschied sich gegen diese Überlegungen. Nein, es ging ihm bereits jetzt schon besser als zu damaligen Zeiten. Er musste lediglich erkennen, wem er vertrauen konnte und wem nicht. Xenia vertraute er voll und ganz.
Janay musste auch so jemanden finden. Du eignest dich dafür nicht, komm ja nicht erst auf die Idee. Er nickte. Er würde kein Vertrauter für diese Frau sein können, da hatte sein Gewissen – seine Seele, was immer ihn da ständig ansprach und ihn Idiot nannte – durchaus Recht. Aber vielleicht konnte er ihr ein Wegweiser sein oder eben jemand, der ihr beistand, bis sie jenen Vertrauten gefunden hatte. Vielleicht konnte die Bruderschaft nach Arina suchen, sobald sie sich einander wieder gefunden und die Reihen gestärkt hatten.
Janay schien es zu bereuen, diese Elfe verlassen zu haben. Sie war gegangen, Arina war geblieben. Möglicherweise steckte sie jetzt in Schwierigkeiten und Janay machte sich einen Vorwurf, sie nicht mitgenommen zu haben. Er konnte nur mutmaßen, solange er nicht weiter nachhakte. Doch das würde der Mischling nicht machen. Er hatte es ihr versprochen.

"Durst und ein Gebüsch." "W-was?" Kazel blinzelte. Den Bruchteil einer Sekunde hatte er seinen eigenen Gedanken nachgehangen, aber das reichte aus, um kurzerhand den Faden der Realität zu verlieren. Jetzt ergriff er ihn wieder und musste sich ein Stück weit daran zurückhangeln, um ihre Antwort begreifen zu können. Als ihm bewusst wurde, was sie da eigentlich gesagt hatte, schluckte er seine aufsteigende Schamesröte wieder herunter. Zu einem Busch konnte er sie schließlich unmöglich begleiten! Natürlich! Auch dieses Bedürfnis musste einmal befriedigt werden … er selbst spürte, dass auch er sich bald einmal einen stillen Ort suchen sollte. Es war noch nicht so sehr nötig – Kazel hatte in der letzten Zeit einfach zu wenig zu sich genommen, um schon wieder zu müssen.
Verlegen senkte er den Kopf. "Dann … äh … gutes Gelingen?" Vollidiot! Er scharrte mit dem nackten Fuß über den Boden. Die Kälte stieg ihm in die Beine. Das Feuer war bereits zu weit weg, um seine Sohlen zu wärmen. "Ich lass dich einen Moment allein. Äh … Komm dann einfach zur Höhle zurück."
Plötzlich fiel ihm auf, dass er sich sehr nach seinem Kapuzenumhang sehnte. Dieses alte, zerschlissene Stück Stoff. Wo hatte er ihn verloren? Und wie viele Jahre hatte er sich darunter verborgen, um seine Gefühle nicht offen zu präsentieren? Jetzt wollte er alle Emotionen intensiv spüren, aber peinliches Berührtsein musste ja nicht gleich jeder mitbekommen. Da kam ihm eine Idee.
"Such dir einen Busch." Er formulierte es sehr leise und sagte es zaghaft. "Ich hole Wasser. Dann müssen wir beide uns nicht zu lange hier draußen in der Kälte aufhalten." Gesagt, getan. Schon stolperte Kazel los, um den Bach zu erreichen.

Er brauchte lange, bis er ein passend großes Blatt gefunden hatte, um damit frisches Wasser zu schöpfen. Außerdem stieß er sich mehrmals die Zehen oder trat in spitze Steinchen. Der Wegbereiter der Finsternis mochte sein Opfer mit Krallen, Giftzähnen und Adleraugen ausgestattet haben, aber nichts davon half ihm, in der Dunkelheit besser sehen zu können. "Eulenaugen …" Nein, daran wollte er gar nicht erst denken! Es war Folter gewesen und Kazel froh, sie irgendwie überstanden zu haben.
Endlich entdeckte er ein großes, fast schon kelchförmiges Blatt. Damit schöpfte er Wasser und kehrte zur Höhle zurück. Janay wäre sicherlich bereits da – sofern sie nichts aufgehalten hatte.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Mittwoch 9. März 2011, 21:15

Und ob sie sich Vorwürfe machte! Jedes Mal, wenn sie an Arina dachte, sofern sie es überhaupt zuließ, machte sie sich die bittersten Vorwürfe. Vor allem, weil sie nicht wusste, wie sie es hätte anders machen können. Das Leben, das Janay nun geführt hatte, wäre nichts für ihre Schwester gewesen. Sie wäre daran zwar nicht zerbrochen, aber durchaus hart und verbittert geworden, was sie ihr nicht gewünscht hatte. Andererseits hatte sie keine Ahnung, was Arina in Morgeria zugestoßen war. Dass es nichts gegeben hatte, daran konnte sie nicht glauben. Vielleicht hatte sie keine Prügel von ihrem Vater bezogen, jedoch wäre sie inzwischen bestimmt verheiratet und wie sie ihr Ehemann behandeln würde, wollte sich die junge Frau gar nicht erst vorstellen bei der Erinnerung an Véllin.
Im Prinzip war Arina nun mal nichts zugestoßen, nichts, was andere nicht auch erduldet hatten. Sie hatten nur das Problem, dass sie beide als Dunkelelfen geboren worden waren.
Dass Janay sich in diese Aura hüllte, war Teil ihres Lebens. Angefangen hatte es, als sie begriffen hatte, dass es klüger war, ihre wirklichen Gedanken und Gefühle nur der großen Schwester anzuvertrauen. Und in den letzten vier Jahren war ihr das zugute gekommen, sie hatte es noch verfeinert und sich zu etwas Geheimnisvollem gemacht. Das, was sie notgedrungen über Arina diesem Mann preisgegeben hatte, war viel mehr, als sie anderen zugestanden hatte. Es war nicht freiwillig geschehen und ihr entsprechend unangenehm, sodass sie hoffte, sich wenigstens jetzt wieder halbwegs im Griff zu haben.
Ihr Vertrauen konnte, wollte und würde sie in ihrem Leben nur einer einzigen Person schenken und diese saß in Morgeria, für sie unerreichbar. Somit musste sie in der Einsamkeit bleiben, die sie sich selbst geschaffen hatte. Außerdem gab es da ein dringenderes Bedürfnis in ihrem Körper, das sie ablenkte und sie begrüßte das innerlich.
Ein feines Lächeln huschte bei seiner Entrüstung und Verwirrung über ihre Lippen, auch wenn es trotzdem eher freudlos war. Da sie allerdings nun wieder in seine Richtung sah, konnte sie auch seine Erkenntnis mitsamt der aufsteigenden Röte sehen.
Dieses bisschen Farbe und seine Verlegenheit machte ihn schon irgendwie niedlich. Obwohl sie keine Ahnung hatte, wie alt Kazel war, wurde er in ihren Augen immer mehr zu einem unbedarften Jüngling, der kein Wissen von der Welt und schon gar keine Erfahrung mit Frauen hatte. Sie fühlte sich ihm überlegen, ohne Überheblichkeit dabei zu verspüren.
Bevor ihr bewusst wurde, was sie tat, hob sich ihre Hand bereits und sie strich mit den Fingerspitzen über seine Wange, während er den Kopf senkte. Es war in ihren Augen wie die Berührung einer großen, erwachsenen Schwester, die dem viel jüngeren Bruder dadurch kurz Aufmerksamkeit und Nähe schenkte.
Als ihr das jäh klar wurde, erblassten sämtliche freundlichen Züge in ihrem Gesicht und sie zog sofort ihre Hand zurück. Nun war ihr wieder etwas peinlich, wenngleich sie sich um eine Miene bemühte, die das nicht zeigte.
Janay unterdrückte ein leises Kichern bei seinen Worten, denn es würde ihr natürlich gelingen.
Sie nickte ihm leicht zu und wandte sich um. Die Kälte spürte sie nicht sonderlich stark, da das andere Bedürfnis viel zu präsent dafür war. Doch ehe sie gehen konnte, erwiderte sie:"Das Feuer wird mir bei dem Weg zurück helfen."
Danach machte sie die ersten paar Schritte, als ihm noch was einfiel. Er ließ ihr diesmal keine Zeit mehr, darauf eine Antwort zu geben. Stattdessen sah sie ihm einen Moment lang nach und schmunzelte fein, diesmal wirklich ehrlich.
Kazel war niedlich, aber mehr wie ein Kind in ihren Augen, der noch erwachsen werden musste. Vielleicht nicht im Kampf, da traute sie es ihm durchaus zu, denn darin profilierten sich schon Jungen gerne und früh. Allerdings um wirklich zu reifen, dazu benötigten sie noch meistens mehr Zeit.
Sie schüttelte leicht den Kopf über ihre Gedanken und seufzte lautlos, dann wandte sie sich ab und suchte nach einem geeigneten Busch. Er sollte sie verdecken, nicht zu weit von der Höhle entfernt, als dass sie sich einer Gefahr aussetzen würde, und trotzdem nicht nahe genug, als dass der Geruch hinein dringen würde. Das brauchte sie schließlich auch nicht!
Sie tauchte in das Unterholz und bemühte sich, so leise wie möglich dabei zu sein. Das Kleid, das sie auf Véllins Geheiß hin angezogen hatte, war mehr als hinderlich und dennoch konnte sie es nicht ausziehen, weil dafür die Luft viel zu kalt war. Also musste sie sich damit abquälen und hörte mehr als einmal den Stoff leicht am Saum reißen.
Die junge Frau unterdrückte jedes Mal einen Fluch und endlich hatte sie einen geeigneten Flecken gefunden. Sie raffte ihren Rock, ging in die Hocke und wollte sich gerade erleichtern, als ein Rascheln ganz in der Nähe sie innehalten ließ.
Ihre Augen huschten durch die Dunkelheit, jedoch konnte sie absolut nichts erkennen. Trotzdem blieb sie vorsichtig und wollte sich lieber wieder von diesem Ort entfernen. Ihre Notdurft musste sie wo anders verrichten, das stand für sie fest.
Also streifte sie weiterhin durchs Unterholz, hatte aber keinen Blick auf den Lichtschein, der aus der Höhle drang. Dadurch verlor sie, ohne es zu merken, ein wenig die Orientierung und entfernte sich immer mehr von ihrem Lager.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 10. März 2011, 19:09

Es war ihm wohl kaum zuzutrauen, aber Kazel hatte bereits mehr Jahre auf dem Buckel als Janay, wenngleich sie sich beide – für Dunkelelfen – in einem noch sehr jungem Stadium befanden. Doch der Mischling gab sich um so vieles unbeholfener und weltfremder, dass man ihn vermutlich sogar noch jünger schätzte. Er wirkte unsicher im Umgang mit Frauen, zumindest dann, wenn er nicht mit ihnen über Kriegsprobleme oder Kampfsituationen sprach. Mit Xenia klappte dies schließlich sehr gut.
Lediglich bei Juduka oder Janay lief er regelmäßig rot an, sobald ihm auffiel, wie nah er ihnen war oder irgendeine andere Erkenntnis ihn heimsuchte, die man als anzüglich interpretieren konnte. Wie stand es bei Talimée? Nun, mit ihr hatte Kazel bislang noch keinen engeren Kontakt gehabt. Im Grunde hatte er mit ihr nicht ein Wort gewechselt, dafür zeigte er sich Annabelle gegenüber ebenfalls weniger … schüchtern. Verständlich, die Vettel strahlte nicht gerade Begehrenswertes aus und so verknüpfte man weder Aussagen noch Gesten sofort mit einem Versuch, ihr Avancen zu machen.
Arme Annabelle Rosenheim. Unter ihrer Hässlichkeit verbarg sich doch trotzdem ein Mensch mit einer Seele und Gefühlen – sogar ein sehr netter, geradezu fürsorglicher Mensch. Im Grunde verdiente sie es nicht, dass Männer sie keines leidenschaftlich aufflammenden Blickes würdigten. Doch Begehren ließ sich nicht aufzwingen. Ebenso wenig ließ es sich leugnen, schon gar nicht, wenn man die Rötung seiner Wangen nicht unter Kontrolle bringen konnte.
Janay strich soeben über eine solche Wange. Kurz nur, aber es reichte aus, dass Kazels Augen wie Mondlicht auf den weiten eines Ozeans glitzerten. Er hob den Kopf und starrte Janay direkt an, außerstande, sich zu rühren. Lediglich seine Kinnlade klappte herunter und auf seinen Unterarmen bildete sich eine Gänsehaut, die ihm wohlig warme Schauer bereitete.
Kazels Hand schoss in die Höhe, doch ehe sie Janays Finger auch nur im Ansatz berühren konnte, zog die Elfe ihre eigene, zartere Hand zurück. So landeten Kazels Finger nur auf seiner Wange. Dort, wo sie ihn hauchfein gestreift hatte, war die Haut noch warm. Er blickte sie weiterhin an. Ein scheues Lächeln huschte über sein Gesicht. Zeit verstrich zähflüssig wie Honig. Sie tropfte in geradezu endlos scheinenden Bahnen herab, so dass es zumindest dem Mischling vorkam, als besäße er Zeit genug, jede noch so kleine Feinheit im Gesicht seines Gegenübers kennen zu lernen. Er konzentrierte sich allerdings auf die Augen, umrahmt von geschwungenen Wimpern, die wussten, wie sie einen Mann anzublinzeln hatten.
Er starrte, bis sie sich abwandte. Und dann drehte sich auch Kazel ab, um sofort seiner selbst auferlegten Pflicht nachzukommen. Er holte Wasser. Wie verwirrt würde er sein, sobald er in die Höhle zurückkehrte und Janay dort nicht vorfand. Es bereitete ihm gar solches Unbehagen, dass er das Kelchblatt achtlos fallen ließ, sich mit ein paar kleinen Kieseln bewaffnete und beinahe sofort wieder aus der Höhle gestürmt wäre. Ein letztes Mal hielt er inne, wandte sich um. Die übrigen Frauen der Gruppe schliefen. Annabelle gab sogar ein leichtes Schnarchen von sich. Er schüttelte den Kopf. Eine von ihnen jetzt zu wecken und ihr alles zu erklären, verbrauchte zu viel Zeit. Dies könnte Janay zum Verhängnis werden, wo immer sie sich befand. Er eilte erneut in die Nacht hinaus, einen Satz Steine als Munition zwischen den Fingern.

Janay hatte sich unterdessen so weit in den Wald zurückgezogen, dass sie ungestört ihre Notdurft hätte verrichten können, den Feuerschein der Höhle aber immer noch zwischen den schwarzen Schatten der Bäume hindurch leuchten sah. Wäre da nicht das Rascheln ringsum gewesen. Es klang nicht nach einem Nachtvogel, der sich auf Beute am Boden gestürzt hatte. Dazu klang es viel zu laut. So viel Laub wirbelte kein Vogel auf, nicht einmal eine Eule.
Es genügte, in Janay eine Art Fluchtinstinkt zu wecken. Zumindest wollte sie nicht in der Nähe des Raschelns sein. Dass sie in ihrer Hast vollkommen vergaß, auf die Höhle zu achten, würde sie noch bereuen. Der Mond schwand hinter Wolken, außerdem erschwerten die Zweige mit ihren jungen, aber dicht bewachsenen Knospen die Sicht. Die Dunkelheit um die Frau herum nahm zu, das Lagerfeuer war längst nicht mehr zu sehen. Aber endlich bestand die Möglichkeit, der Natur Tribut zu zollen. Janay fand einen neuen Flecken, an dem sie sich endlich erleichtern konnte.
Eine Weile herrschte gar Stille im Wald Eldoras. Doch plötzlich raschelte es erneut. Viel dichter war es jetzt als noch eben zuvor. Da verfolgte sie doch etwas oder jemand. Kazel?
Nein, der Mischling war es definitiv nicht, denn statt eines schwarzen Haarschopfes schimmerte weißes Fell zwischen einigen Büschen hindurch. Ausgerechnet jetzt machte es sich Manthala zum Spaß, ihr Mondlicht durch die Zweige und genau auf diesen Punkt fallen zu lassen. Der Pelzträger bewegte sich. Schwere Schritte brachen Äste und ließen das Laub vergangener Jahreszeiten knistern. Es waren mehr als zwei Beine. Da lauerte ein Tier. Schwarz und perlengleich glänzte plötzlich ein Augenpaar durch das Dickicht. Etwas musterte Janay. Dieses Etwas schnaubte und dann erneutes Rascheln. Es kam näher. Ein halbes Dutzend knorriger Arme hob sich aus dem Blattwerk eines Busches heraus. Verrenkt wie die Klauen eines Ungeheuers griffen sie in Janays Richtung. Sie wirkten dunkel und verdorrt, an einigen Stellen hingen Fetzen herab. Hautfetzen?!
Was auch immer da auf sie lauerte, es hatte sich entschlossen, auf Janay Jagd zu machen und jetzt wollte es seine Beute reißen.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Donnerstag 10. März 2011, 21:34

Die junge Frau hätte es sicher interessiert und neugierig gemacht, wenn er anders sein könnte, so etwas auch einmal zu erleben. Allerdings würde das wohl kaum geschehen, da sie nichts über das Kriegshandwerk wusste oder erfahren wollte, nicht mal, um mit ihm reden zu können, wenn es das einzige, mögliche Thema wäre. Und bei anderen wirkte er schüchtern in ihrer Gegenwart.
Was dazu führte, dass sie in ihm jemanden sah, den sie sogar dann nicht um den Finger zu wickeln versuchen würde, wenn er viel mehr Informationen zu haben scheinen würde. Er war für sie noch zu kindlich und sie vergriff sich nicht an Jungs, die noch keine Männer waren, ganz egal, wie viel Erfahrung sie haben mochten oder nicht. Immerhin hatte sie auch Kunden abgelehnt, die nichts weiter als Halbstarke gewesen waren.
Es war für sie prägend genug gewesen, mit 14 diesen Pfad schon beschritten zu haben, da musste sie anderen nicht den Weg ebnen, um das ebenfalls zu erleben. Das mochten andere mit weniger Skrupel machen, sie hingegen schätzte die Kindheit, eben weil sie diese schon lange nicht mehr hatte. Er war für sie so etwas wie tabu, gerade damit er so niedlich bleiben könnte.
Sie wollte nicht diejenige sein, die ihn vor der Zeit verdarb, ganz von dem Groll zu schweigen, den sie ihm eigentlich entgegen bringen sollte und den sie inzwischen für den Moment zumindest ein bisschen beiseite geschoben hatte.
Bisher hatte sie bei ihm keine Anzüglichkeiten wahrgenommen und sie war bei weitem erfahren genug, um viele Variationen des Spiels der Verführung zu erkennen. Nicht einmal, als er sie getragen und den Stab noch in einem Stück gehabt hatte, hatte er sie unsittlich angefasst. Was ihre Meinung über ihn nur verstärkte und ihn erst recht davon ausnahm, von ihr einiges Körperliches zu bekommen.
Seine Röte war für sie eher der Hinweis auf seine Unschuld, denn für mögliche, schmutzige Gedanken.
Ob er überhaupt schon einmal bei einem Mädchen gewesen war oder überhaupt eines nackt gesehen hatte? Janay würde es ihm zutrauen, dass er nicht einmal letzteres bisher hatte genießen dürfen. Er musste wirklich noch sehr jung sein.
Obwohl es ihr unangenehm war, dass sie sich eine schwächliche Geste erlaubt hatte, musste sie schmunzeln, als er sie anstarrte und den Mund öffnete, als wäre sie ein Geist oder eine göttliche Erscheinung. Sooo toll war das jetzt wiederum zwar nicht gewesen, aber es war süß, wie fassungslos er dadurch wirkte.
'Ob das sein erster Ausflug in die große, weite Welt war?', fragte sie sich unwillkürlich.
Seine Bewegung mit der eigenen Hand verstärkte das Schmunzeln auf ihren Lippen um eine Spur. Doch die Dinge, die sie beide mit ihren Worten in Gang gesetzt hatten, ließen sich nicht mehr aufhalten, wenigstens versuchte sie es nicht.
Schließlich unterbrach sie den Blickkontakt, indem sie sich von ihm abwandte.
Nachdem er sie allein gelassen hatte, konnte sie sich endlich um ihr Bedürfnis kümmern. Nur leider wurde sie darin gestört und drang tiefer in das Unterholz ein. Es dauerte seine Zeit, bis sie eine weitere geeignete Stelle ausfindig machen konnte, und lediglich dank der Bewegung hielt sie das auch aus, ohne ständig zappeln zu müssen.
Ein leises, erleichtertes Stöhnen entrang sich ihrer Kehle, als es endlich soweit war.
Als sie fertig war, erhob sie sich aus ihrer Position und ging ein paar Schritte weg, um noch ein bisschen die kalte Luft in die Lunge saugen zu können. Der Geruch wurde in eine andere Richtung getragen, sodass er ihre Sinne nicht belästigte.
Erst jetzt blickte sich die junge Frau um und schluckte leicht. Wieso konnte sie von dem Lichtschein nichts mehr entdecken?
Sie machte ein paar behutsame Schritte nach rechts, weil sie glaubte, aus der Richtung gekommen zu sein, jedoch half es nichts. Das Licht blieb verschwunden.
Bei dieser Erkenntnis begann ihr Herz zu klopfen und ihre Kehle wurde eng. Panik wollte in ihr hoch steigen. Zwar hatte sie keine Lust, lange in der Gesellschaft von Personen zu sein, die niemals erfahren durften, dass sie eine Dunkelelfe war. Allerdings allein durch einen nächtlichen, eisigen Wald zu wandern wollte sie definitiv auch nicht. Sie musste also den Weg zurück finden, irgendwie!
Bis sie auf einmal den Atem anhielt und sich ängstlich umsah.
War da ein Rascheln gewesen? Ja, eindeutig, denn da war es wieder!
Und dann konnte sie etwas ausmachen, was ihr erst recht Furcht einjagte. Ihre Haltung versteifte sich, ihr Atem floss nur noch flach über ihre Lippen und sie bemühte sich, nicht zu zittern zu beginnen, was dieses Wesen hätte aufmerksam werden lassen können.
Aber dafür schien es ohnehin schon zu spät zu sein, denn es schob sich näher und Janay erkannte mit großem Schrecken, dass es völlig auf sie fixiert war.
Was sollte sie tun? Es hieß, plötzliche Bewegungen würden Jagdinstinkte bei wilden Tieren auslösen, demnach sollte sie weiterhin verharren. Jedoch still stehen konnte sie einfach nicht mehr.
Die Panik kroch in ihr hoch und trotz ihrer Feststellungen wandte sie sich abrupt um, raffte ihren Rock und dann rannte sie, was ihre Beine in diesem unwegsamen Gelände hergaben.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 11. März 2011, 19:19

Panik konnte ungewohnte Reflexe hervorrufen, aber sie konnte auch Leben retten. Zumindest, wenn man glaubte, in Gefahr zu schweben. Janay rannte um ihr Leben. Sie war sich sicher, dass dieses Ding, was immer es war, sie als Beute auserkoren hatte und so wollte sie nicht enden. Trotz aller Vernunft und dem Wissen, gerade durch Flucht den Jagdtrieb von Tieren nicht weiter auszureizen, hatte sie den raschen Rückweg angetreten. Logik und Verstand hatten selten etwas zu sagen, wenn der pure Überlebensinstinkt sich meldete. Er besaß das Ausnahmeprivileg, die volle Kontrolle über den Körper zu nehmen, denn wenn es diesen nicht mehr gab, war alles vorbei.
So kam es immer wieder vor, dass Leute fluchtartig davon stürmten, obwohl sie wussten, dass ihre Verfolger ihnen nachhetzen und sie vermutlich einholen würden. Ohne besondere Manöver oder Taktiken waren die Opfer verloren. Der Jäger erwies sich in den meisten Fällen als schneller. Daher waren Raffinesse und Witz gefragt, wenn es darum ging, ihn abzuschütteln.
Dass Janay keines von beidem brauchte, würde sie nicht erfahren. Ihre Flucht blieb unbegründet, denn aus dem Dickicht sprang keine Bestie. Nein, heraus trat ein schlankes, anmutiges Wesen. Die klauenartig gekrümmten Arme entpuppten sich als ein weit verzweigtes Geweih. Die herab hängenden Haut- oder Fleischfetzen waren nichts Anderes als Moosflechten, welche sich in dieser noblen Naturkrone verfangen hatten. Neugierig blickten schwarze Götteraugen der Fliehenden nach. Phaun, in Gestalt des weißen Hirsches, als der er sich so gern präsentierte, legte den Kopf schief. Es kam selten vor, dass man vor ihm floh, wenn er Neuankömmlinge in seinem Wald begrüßte.
Normalerweise zeigte sich ja seine Gemahlin Florencia, Herrin allen pflanzlichen Lebens und Hüterin weiblicher Unschuld, den Frauen. Sie zog dann die Gestalt eines Einhorns vor. Heute aber hatte Phaun sein Geweih vor dieser Dunkelelfe senken und ihr somit signalisieren wollen, dass sie – obwohl vom dunklen Volk abstammend – in seinem Waldreich willkommen war. Zu schade, dass sie davon rannte. Der Hirsch schlackerte mit den Ohren. Das Mondlicht traf auf seinen rein weißen Körper, dass das Fell schimmerte wie der Korpus eines Geistes.
Er hob den Kopf, spitzte die Ohren, als er Laub rascheln hörte. Dieser Gast bewegte sich viel leiser durch das Dickicht als die Dunkelelfe. Er besaß Talent im Schleichen und kannte sich mit natürlichem Untergrund aus. Vermutlich lag es am waldelfischen Anteil in seinem Blut. Phaun beschloss, sich ihm nicht zu zeigen. Er wollte nicht, dass Kazel auch noch floh. Aber es wäre besser, er fand seine Gefährtin, ehe sie noch Stunden ziellos im Wald umher irrte.
Der Hirsch stapfte los. Bewusst trat er auf Zweige oder zwängte sich an Büschen vorbei, dass das Laub raschelte. Kazel sollte ihn hören. Er würde den Mischling zu Janay führen, in dem Glauben, er folgte die ganze Zeit über ihr.

Janay hatte es unterdessen sicherlich nicht ganz aus Zufall in eine bestimmte Richtung getrieben. Sanftes Mondlicht erzeugte einen silbrigen Glanz auf der Oberfläche des Sees im Eldoras, der seinem Namen soeben alle Ehre machte: Sternensee. Denn als hätte er die leuchtenden Juwelen des Himmels zu sich geholt und sich selbst damit geschmückt, glitzerten ihre Spiegelbilder hell und glanzvoll auf der glatten Oberfläche. Nicht ein Lüftchen schlug Wellen auf dem Wasser.
Um den See herum wuchsen Weidenröschen und Salbei. Ihr Duft war betörend. Allein die plötzlich eintretende Atmosphäre erzeugte eine friedvolle, geradezu idyllische Ruhe, die jegliche Angst nahm. Hier bist du sicher, säuselte die gesamte Lichtung. Nachtfalter und Glühwürmchen tanzten umher, vom Ufer drang gemächliches Quaken. Frösche gaben ein mitternächtliches Konzert zum Besten. Der Wind rauschte in den Zweigen. Vereinzelt sanken Blätter in tranceartigem Taumel zu Boden. Blüten segelten hinterher. Es blieb nur der Friede, den die gesamte Lichtung atmete.

Und dann raschelte es wieder hinter Janay. Etwas trat aus dem Dickicht. Ihr Verfolger?
Ein weißer Hirsch schritt anmutig mit erhobenem Kopf und vollkommen ungehemmt an Janay vorbei. Kurz war es, als blickte er sie direkt an. In seinen tiefschwarzen, von einem braunen Ring umgebenen Pupillen spiegelte sich das Leben des gesamten Waldes wider. Erhaben neigte er das Haupt, um an der friedlichen Quelle zu trinken. Sein Fell war weißer als alles andere, das die Dunkelelfe zuvor in ihrem Leben gesehen hatte.
Der Hirsch nahm einen tiefen Schluck aus dem See. Dann sprang er mit neuer Vitalität und Frische zurück in das Dickicht. Dieses Mal verschwand er vollkommen lautlos. Vielleicht schluckten aber auch die Rufe hinter der Beobachterin seine ohnehin kaum wahrnehmbaren Geräusche.
"Janay! Janay? Bist du hier irgendwo?" Dem Rufen folgte ein sorgenvolles Selbstgespräch. "Bei Manthala, verdammt! Wenn ihr etwas zugestoßen ist oder sie verschwunden bleibt, wird Sintus mich vierteilen… Janay!" Kazel war es, der die Stille des Waldes störte. Er würde von links auf die Lichtung kommen, ganz so wie der Hirsch und als wäre er seinem Pfad gefolgt.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Samstag 12. März 2011, 23:25

Die Panik in ihren Knochen vertrieb vorerst die Sehnsucht nach Arina und die trübe Stimmung aus ihrem Bewusstsein. Sie war sich sicher, in diesem nächtlichen Wald demnächst überfallen und womöglich ernstlich verletzt zu werden, wenn nicht sogar schlimmeres. Und in dieser ohnehin schon für sie angespannten Situation löste der Anblick eines Tieres, das sie verfolgte, erst recht großen Schrecken hervor. Also nahm sie die Beine in die Hand und rannte so schnell, wie es ihr in diesem Dickicht möglich war.
Dass ihr Kleid immer größeren Schaden dabei nahm, war ihr egal. Was hätte es sie auch kümmern sollen? Sie war bei weitem nicht schamhaft und schon gar nicht würde sie auf so etwas Lächerliches Rücksicht nehmen, wenn es um ihr Leben ging.
Dass hinter ihr immer wieder Zweige knackten und Blätter raschelten, hörte sie nicht bewusst, jedoch drang es durchaus bis zu ihr und verstärkte ihre Bemühungen nur noch, dem Räuber zu entkommen.
Wie lang ihre Flucht dauerte, wusste sie nicht. Janay verlor nicht nur endgültig die Orientierung, sondern auch den Großteil ihres Zeitgefühls. Es war allein genug, dass sie halbwegs ihre Umgebung wahrnehmen konnte und nicht in einen Baum lief. Das hätte ihr zu ihren bisherigen Schmerzen, die in diesem Moment verdrängt wurden, noch gefehlt!
Irgendwann allerdings lichtete sich das Unterholz ein bisschen und plötzlich war sie aus dem dichten Wald heraus.
Abrupt, als wäre sie vor eine Wand gelaufen, blieb sie stehen. Ihr Atem ging keuchend, ihr Herzschlag flatterte und allmählich wollte sich die Müdigkeit wieder melden. Einen Blick für die Schönheit und der trügerisch ausgestrahlen Friedlichkeit der neuen Umgebung hatte sie nicht. Stattdessen deutete sie ein unwilliges Kopfschütteln an, da sie hier erst recht keine Deckung finden konnte.
Zurück konnte sie nicht, also blieb nur die Flucht nach vorn. Ob der Räuber noch Lust auf seine Beute hätte, wenn sie im Wasser war?
Die junge Frau dachte nicht lange nach, sondern baute einfach auf ihren erhofften Vorsprung und diesen Einfall. Das Wasser war in der Nacht kühl wie Eis geworden und es schüttelte sie heftig, als sie einige Schritt hinein lief.
Kurz zögerte sie erneut, aber sie blieb bei ihrem Plan. Lange würde sie es hoffentlich darin nicht aushalten müssen.
Als ihr das Wasser bis zur Hüfte reichte, blieb sie stehen und drehte sich keuchend um. Ihre Zähne drohten ihr bereits jetzt zu klappern und das kalte Nass kroch immer weiter den Stoff ihres Kleides hinauf.
Sie bemühte sich, es zu ignorieren, während sie die Augen leicht zusammen kniff, um besser sehen zu können. Zu ihrer Erleichterung und ihrem Schaden gleichermaßen spendeten die Sterne und der Mond relativ gut Licht, um die Umgebung erkennen zu können. Vor allem weißes Fell war auffällig.
Unwillkürlich hielt sie den Atem an, nachdem sie ihn scharf eingesogen hatte, als das Wesen aus dem Wald heraus trat und schon wieder direkt auf sie zu kam. Doch was musste sie da erkennen? Das war gar kein Räuber!
Ungläubig blinzelte Janay und konnte es im ersten Moment nicht glauben. Sie war tatsächlich und wahrhaftig vor einem Hirsch geflohen, einem harmlosen Tier, das Talimée und Sintus gewiss gerne selbst gejagt und das die gesamte Gruppe mindestens zwei Tage lang vorzüglich genährt hätte!
Kurz trafen sich ihre Blicke und ihr war, als hätte sie darin mehr gesehen als bei einem gewöhnlichen Tier. Verstand? Nein, so etwas wäre schließlich lächerlich! Trotzdem wurde sie in diesen Sekunden das Gefühl nicht los, als hätte dieses Wesen sie bewusst hierher getrieben.
Noch immer stand sie in dem eiskalten Wasser, allerdings spürte sie ihre Beine mitsamt den Füßen kaum noch, weil sie allmählich taub wurden. Außerdem löste sich die Panik wie Rauch in Luft aus und brach sich in einem leisen Lachen Bahn, wenngleich es nicht völlig frei von Irrsinn klang.
Sie war vor einem blöden Hirsch davon gelaufen, den sie für einen Wolf oder schlimmeres gehalten hatte!
Kichernd schüttelte sie den Kopf über ihr eigenes Verhalten. "Jetzt schnappst du langsam wirklich über, altes Mädchen. Wie passend zu deiner Art...", murmelte sie zu sich selbst und zuckte dann wie unter einem Peitschenhieb zusammen, als sie noch eine andere Stimme hörte, die ganz nah war.
Wie...?
Janay blinzelte und nahm erst jetzt ihre Umgebung wirklich wahr. Der Hirsch war verschwunden, wie als wäre er lediglich ein Traum gewesen. Der Wald erhob sich vor ihr wie eine dunkle, angsteinflößende Wand, während der Ort hier einen erstaunlich friedlichen Eindruck machte. Die Kälte um sie herum nahm zu und nun, wo sie sich darauf konzentrierte, konnte sie das Geräusch, das an ihr Ohr bereits gedrungen war, ihren klappernden Zähnen zuordnen.
Rasch machte sie sich daran, wieder aus dem Wasser heraus zu kommen. Trotzdem rutschte sie mehrmals auf dem glitschigen Boden beinahe aus und riskierte es, ganz durchnässt zu werden.
So zwang sie sich zur Ruhe und zu langsameren, behutsameren Schritten, um das Ufer zu erreichen, während sie ihren Rock hoch raffte, damit er ihr weniger hinderlich war. Zwar entblößte sie so ihre Knie und einen Teil ihrer Oberschenkel der zugigen Nachtluft, der Rest war noch unter der Oberfläche, allerdings war ihr das lieber, als dass sie noch länger brauchte.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 13. März 2011, 00:41

Seine Ohren zuckten. Das eben war kein Rascheln gewesen. Es klang hoch und hell. Zuerst hielt Kazel das Geräusch für Vogelzwitschern, aber das konnte nicht sein. Es herrschte tiefste Nacht, einzig Eulen waren jetzt aktiv. Die zwitscherten nicht! Er lauschte noch einmal, konzentrierter jetzt. Leider hatte das Geräusch geendet, war einem anderen gewichen. Wasser. Befand er sich wieder am Bach? Hatte sich Kazel im Kreis bewegt, ohne es zu merken? Er zwängte sich durch das Dickicht auf eine Lichtung zu. Der Mondschein, der sich hier frei entfalten konnte, hatte sie ihm gezeigt. Doch jetzt entdeckte er noch mehr. Etwas, das in keinem anderen Licht hätte mystischer erscheinen können.

Kazels Mund klappte auf. Er wollte ihren Namen sagen, die Lippen formten ihn, aber kein Ton drang aus seiner Kehle. Das Glitzern der Sterne wurde von seinen Augen reflektiert wie die Oberfläche des Sees, aus dem eine Gestalt, so samten und anmutig, heraus stieg. Sie hielt ihre Röcke gerafft, dass man ihren schlanken Schenkel ausmachen konnte. So zart und feucht glänzte er in einem beinahe perlmuttfarbenen Schimmer. Überhaupt leuchtete Janays Haut in Manthalas Mondenschein angenehm fein oder war es Blässe?
Kazel schluckte. "Janay", brachte er nun endlich hervor und der Ausspruch ihres Namens löste den Bann, der ihn hatte am Rand der Lichtung erstarren lassen. Mit geweiteten Augen betrachtete er sie. Sie kam aus dem Wasser, einer neugeborenen Göttin gleich. Sie steigt aus dem eiskalten Wasser. Ja, eiskalt. Besaß sie eine Gänsehaut, zitterte sie? Vielleicht bildete er es sich auch nur ein, aber Kazel wollte nicht riskieren, dass er zu lange überlegte. Außerdem taumelte sie ab und zu, kämpfte um ihr Gleichgewicht. Ohne weiter nachzudenken kam er ihr entgegen. Das feuchte Nass kribbelte sofort auf seinen nackten Füßen. "Verdammt!", stieß er hervor. Dann riss er sich zusammen, weil er an Xenia dachte. Die Söldnerkönigin ließ sich von Wasser nicht aufhalten und er war ihr Partner. Er trat hinein, kam Janay entgegen. Schon sog sich der untere Saum seiner Seidenrobe voll. Bei jedem Schritt klatschte der Stoff gegen seine Beine. Es war ein mehr als unangenehmes Gefühl. Wie musste es dann erst ihr ergehen? Sie hatte bis zur Hüfte im Wasser gestanden!

Kazel hielt ihr erst zaghaft eine Hand entgegen. "Was hat dich nur ins Wasser getrieben? Du schlotterst, komm raus, ehe du dich erkältest." Zusammen mit der steigenden Forderung seiner Worte wuchs auch seine Entschlossenheit, über den eigenen Schatten zu springen. Der Mischling zeigte Initiative und griff nun nach Janay. Wie schon bei ihrer ersten Begegnung hob er sie ungefragt auf seine Arme, um sie ans Ufer zu tragen. Dieses Mal aber konnte sie wohl sein Bemühen spüren, dass sie nicht wie ein nasser Sack in seinen Armen hing. Kazels Seele trug einiges dazu bei, dass er mit seinen Mitmenschen - und Elfen - behutsamer umging.
Er schaffte es sogar bis ans trockene Ufer, ohne zu stolpern. Vorsichtig setzte er Janay ab. "Wir müssen ein Feuer machen oder dich irgendwie wärmen. Du holst dir den Tod in den nassen Sachen." Dass auch seine Kleidung bis zu den Knien aufgesogen war, beachtete er im Augenblick nicht. Sintus wird dich trotzdem vierteilen ... ja, verdammt! Tu was! Fieberhaft überlegte Kazel. Das beste wäre, zur Höhle zurückzukehren und das so schnell wie möglich. Hoffentlich wäre Janay bis dahin nicht erfroren.
"Genug der Zurückhaltung, die wärmt dich nicht!", stieß Kazel impulsiv aus. Er legte einen Arm um die Elfe, begann mit beiden Händen ihre Arme zu rubbeln, damit ihr wenigstens ein bisschen wärmer wurde. Danach mussten sie unbedingt den Weg zurück finden.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Sonntag 13. März 2011, 22:01

Schon wieder musste Janay erleben, dass ihr die eigene Umgebung mehr oder weniger gleichgültig wurde. Ihr war kalt, sie ärgerte sich über dieses blöde Vieh, das ihr so einen Schrecken eingejagt hatte, über sich selbst und darüber, dass so etwas, wenn es schon passieren musste, ihr nicht in der wärmsten Jahreszeit geschehen war. Aber nein, irgendwie musste sich ja alles im Moment gegen sie verschwören.
Ihre Zähne klapperten hörbar, vor allem in der relativ stillen Nachtluft, und die Bewegungen fielen ihr schwer.
Ihre Muskeln waren schon zu steif geworden, obwohl es lediglich ein paar Minuten gewesen sein konnte, die seit ihrem Hineinlaufen verstrichen waren.
Dass sie bei ihren Bemühungen beobachtet wurde, bemerkte sie nicht und es wäre ihr auch egal gewesen. Sie wollte nur noch hier raus. Verflucht noch mal, warum musste der Boden so glitschig sein und ihr Schuhwerk eine solch rutschige Sohle haben?! Wenn sie ausgleiten würde... dann könnte sie gleich liegen bleiben.
Energisch schüttelte die junge Frau den Kopf und kämpfte sich weiter zum Ufer zurück.
Erst ein Geräusch ließ sie rein instinktiv inne halten und den Kopf heben, so wie es schon oft geschehen war, wenn jemand ihren Namen ausgesprochen hatte. Ihr Blick ruckte in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war und in dem nächtlichen Licht konnte sie die Gestalt erkennen.
Die Kälte in ihren Gliedern verstärkte sich durch die plötzliche Ruhe ihres Körpers und es verlangsamte sogar schon ein wenig ihre Gedanken. So dauerte es einige unendlich lange Sekunden, bis sie in dem Wesen Kazel erkennen konnte.
Wie war er denn hierher gelangt? Hatte er nicht bei der Höhle warten wollen? War das im Moment überhaupt noch wichtig?
Da kam er ihr auch schon entgegen und erinnerte sie damit, dass ein längeres Verweilen für sie ein großes Risiko barg.
Gerade wollte sie sich erneut weiter voran kämpfen, als sie dieses eine einzige Wort in ihrer Muttersprache hören konnte, das sie ein zweites Mal innerhalb weniger, hektischer Atemzüge erstarrte. Wie...? Das musste sie herausfinden, näher ergründen, wieso er des Lerium mächtig war.
'Wenn du weiter so dumm da stehst, wirst du gar nichts mehr raus finden können!', schalt eine innere Stimme, die ihres Überlebenswillens, sie in scharfem Ton.
Sie deutete ein weiteres Kopfschütteln an und zwang sich zu den nächsten Schritten. Bildete sie sich das nur ein oder kam sie schwerer voran, obwohl sie schon weniger Wasser umgab als noch zuvor? Es kostete sie unendliche Mühe, ein Bein vorwärts zu bewegen, während die Kälte sie immer stärker taub machte.
Ihr Blick verschleierte sich schon ein kleines Bisschen und sie starrte nur ausdruckslos auf die ausgestreckte Hand, weil sie den Rettungsanker nicht begriff. Die Worte flossen ohnehin an ihr vorbei wie die Wellen, die sich von ihr zur Mitte des Sees hin entfernten.
Als sie jedoch voran gezogen wurde, sank sie mit einem Aufseufzen in seine Arme, unfähig, sich selbst zu rühren. Sie schepperte am gesamten Leib, ihre Kleidung war eiskalt von all dem Wasser, das bis hinauf zu ihrem Oberteil gewandert war. Wenngleich etwas in ihrem Geist aufblitzte, sie an eine ähnliche Situation erinnern wollte, klammerte sie sich mit laut klappernden Zähnen an ihn.
Erschöpft schloss sie die Augen und als er sie abstellte, griff sie instinktiv sofort wieder nach ihm, da ihr die Knie nachzugeben drohten. Ihre Lippen hatten sich sogar schon leicht bläulich verfärbt und die Kälte hatte sie viel zu sehr unter Kontrolle, als dass sie etwas darauf hätte antworten können.
Sie war ihm außerdem machtlos ausgeliefert und konnte sich nur an seinen Hals klammern, während er sich um ihre Arme bemühte. Doch das brachte nicht wirklich etwas, das konnte sie spüren.
Dieses Kleid...
Mit Müh und Not zwang sie sich, ihre Kiefer ein bisschen unter ihren Willen zu zwingen, damit sie irgendetwas verständlich hervor bringen könnte. "Zieh... zieh... mir... das... Ding... aus!", stammelte sie unter großer Anstrengung.
Janay konnte sich selbst nicht ausziehen, das war ihr klar, ihre gesamter Körper zitterte dafür zu stark und war zu schwach. Aber sie musste aus diesem eisigen Stoff raus. Darunter trug sie zwar ebenfalls kalte, nasse Stücke am Leib, jedoch waren diese bei weitem nicht so stark vollgesogen und durchtränkt. Eine andere Lösung hatte sie nicht, sondern nur das Wissen, dass sie es mit diesem Kleid nicht bis zur Höhle zurück schaffen würde, nicht bei ihrem noch vorhandenem Bewusstsein.
Ihr war nicht klar, wie weit sie von dem wärmenden Feuer entfernt waren, und trotzdem wusste sie, dass jeder Schritt für sie zu viel wäre, egal, ob sie dabei getragen werden würde oder nicht.
Plötzlich kam noch etwas weiteres zu ihrem Schüttelfrost. Ihre Brust zog sich zusammen und ein kehliger Husten war das Einzige, was ihr Körper als Antwort darauf zu bieten hatte.
Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis die wenigen Sekunden vorüber waren, in denen sie sich lediglich hilflos an Kazel klammerte, und sie wieder Atem holen konnte. Auch wenn es schaurig klang, denn als sie Luft in die Lungen sog, rasselte es wie ein Burggespenst. Das machte ihr Angst.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 14. März 2011, 19:00

Die Lage wirkte so aussichtslos. Kazel sorgte sich sehr um Janay. Ihr Körper fühlte sich kalt an, ihre Kleidung war nass, dass sie bereits auch an ihm klebte. Sie schlotterte, ihre Zähne klapperten, ihr Mund war blau. Auf bizarre Weise wirkten sie dadurch verführerisch, die kleinen geschwungenen Lippen. Aber der Mischling dachte im Moment an alles andere als ans Küssen – das war ohnehin nicht seine Art. Die einzige Frau, die er jemals und aus voller Leidenschaft geküsst hatte, war Shantih gewesen. Ihre Liebe hatte sich auf jugendliche und sehr romantische Weise entwickelt. Hier herrschte weder das eine noch das andere vor. Sie befanden sich in einer Notlage. Nein, an Romanzen dachte in solch einem Moment vermutlich nur ein armer Frauenheld, bei dem sich aus unerfindlichen Gründen zu viel Triebhaftigkeit angestaut hatte.
Kazel drückte die bibbernde Janay eng an sich. Er rieb ihre Arme – es war wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich muss etwas tun. Sie erfriert. Aber was nur? Er wurde beinahe panisch und es trug nicht zu seiner Beruhigung bei, als Janay plötzlich beinahe flehentlich verlangte, dass er sie von dem Kleid befreite. Natürlich besaß sie keinen Hintergedanken. Ihr war kalt, der Stoff nass und sie wollte ihn nur loswerden. Kazel jedoch lief rot an wie eine Tomate.
"Ich … w-was?! A-aber …" Nein, kein Aber! Glaubst du etwa, sie will kuscheln?! Du bist so ein Idiot! Sein Gewissen rettete ihn aus der Starre. Noch immer rot, aber mit der Einsicht, dass es das Beste wäre, sie aus dem eisigen Stoff zu befreien, zerrte Kazel an dem Kleid. Er war kein Verführungskünstler, außerdem wäre langsames Vorgehen hier nur hinderlich gewesen. Der Stoff leistete jedoch starken Widerstand. Nasses Gewebe riss nicht so leicht, ganz im Gegenteil. Es existierten sogar Geschichten, dass Verbrecher ihre Kleidung benässten, um anschließend damit die Gitterstäbe ihrer Zelle auszuhebeln. Es war möglich. Aber der Mischling dachte nicht daran, Knöpfe, Schlaufen und Ösen zu öffnen. Zum Glück kam ihm ein rettender Gedanken. Er ballte die Faust.
Ob Janay sehen konnte, wie ihm scharfe Adlerkrallen aus den Knöcheln ragten? Wenigstens halfen sie ihm ausnahmsweise einmal. Bei Raxtian Tausendtod würde er sich dafür aber keineswegs bedanken. Die Krallen ritzten den Stoff. Kazel klaubte Janay aus ihren Sachen. Sie trug Unterwäsche, fein, wie für eine Königin gemacht. Gut, sie war auch eine Elfe.
Kazel ertappte sich dabei, dass er einen Moment zu lang auf ihre lieblich eingepackten Rundungen schaute. "T-tut mir …" Er atmete tief durch, blinzelte dann. Er wollte sich nicht noch länger ablenken lassen. Janay war von dem feuchten Lappen befreit, schön und gut. Aber jetzt stand sie fast nackt vor ihm, was nicht dazu beitrug, dass ihr wärmer wurde.
Kazel war der Verzweiflung nahe. Er drückte ihren Leib eng an sich. Seine Körperwärme reichte doch niemals aus! Ein Husten ihrerseits bestätigte es ihm. "Halt durch, bitte!", keuchte er, rieb wieder ihren Arm – es war so vergeblich. Sie brauchte warme Kleidun oder das Feuer der Höhle. Kazel begann zu gehen. Janay schleifte er eher neben sich her, sie war so steifgefroren, so schwach. Sie würde es so niemals zurück schaffen.
Der Stoff seiner Robe schlackerte feucht gegen seine Schienbeine. Da blieb Kazel stehen. Vorsichtig ließ er Janay los, achtete darauf, dass sie im Fall von zu viel Kraftlosigkeit nicht unsanft zusammensinken würde. "Das mach ich, damit es dir wärmer ist!", beteuerte er in verzweifeltem Tonfall und wandte sich um. Schon zog er sich die Robe über den Kopf. Im Gegensatz zu ihr trug Kazel keine Unterwäsche, die hatte ihm der Wegbereiter der Toten nicht zugestanden. Ein drahtiger Körperbau, ein nicht unattraktiver Hintern und … ein sternförmiges Blitzgewitter aus weißen Narben auf seinem Rücken wurden entblößt. Kazel atmete durch. Sie ist zu erschöpft, sie wird nicht darauf achten. Sie wird sich nicht erschrecken.
Erneut kamen die Adlerkrallen zum Einsatz. Kazel schnitt den unteren – den feuchten – Teil seiner Robe ab. So würde das gute Stück Janay nur bis zu den Knien reichen, aber es wäre besser als sie halbnackt zu lassen. Eine Hand vor sein Zentrum gepresst drehte er sich zu ihr um. "Zieh das an, es ist noch warm." Umständlich half er ihr dabei mit der freien Hand. Anschließend klaubte er das kaltfeuchte Ende seiner Robe auf, um sich daraus seinen Lendenschurz zu binden. Jetzt war es auch an ihm zu schlottern. Er sah aus wie ein elfischer Eingeborener und die Narben hoben sich hell von seinem Rücken ab.
Keine Rücksicht auf sich selbst nehmend zog er Janay auf ihre Beine zurück. Wieder drückte er sie an sich, rieb ihren Rücken. Sie fühlte sich schrecklich kalt an. "Halte durch. Schlaf nicht ein, unter keinen Umständen die Augen zumachen. Ich bring dich zum Feuer. Aber schlaf nicht ein." Er hob sie an. Es würde ein weiter, beschwerlicher Weg werden. Wenn er nicht mehr konnte, würde Janay laufen müssen. Hatten sie überhaupt eine Chance?
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Montag 14. März 2011, 20:20

Ihr Denken wurde immer langsamer und träger, je stärker die Kälte durch ihre Glieder kroch. Dass sie in einer scheinbar aussichtlosen Lage war, war zwar deutlich, ihr hingegen nicht wirklich bewusst. Dazu steckte sie zu tief darin. Somit schlotterte sie in seinen Armen und hatte nur mit größter Mühe das hervor gebracht, was ihr umnebelter Überlegenswille als die einzige Lösung ansah.
Wie genau sie es schaffte, ihre eigenen Arme ein bisschen zu bewegen, wusste sie nicht und es war im Prinzip auch egal. Wichtig war das Ergebnis und das hieß, dass sie ihre Hände versuchte, in seine Ärmel zu schieben, um dort ein wenig Wärme zu finden, direkt an seiner Haut. Im Gegensatz zu ihr schien er richtig wohltuend zu brennen, sodass ihr ein heiseres Stöhnen aus der malträtierten Kehle entwich.
Darauf folgte ein Wimmern, das sie nicht zurück halten konnte, als dieser Kontakt nach wenigen Sekunden wieder aufgelöst wurde. Allerdings musste sie das in Kauf nehmen, denn nur so könnte er ihrer Aufforderung nachkommen.
Zitternd und mit den Zähnen klappernd sowie immer wieder leicht, quälend hustend ließ sie es über sich ergehen, dass er das bestimmt einst teure Kleid endgültig zerstörte. Einen Gedanken daran, was sie am nächsten Tag anziehen sollte, machte sie sich nicht. Es war ihr zur Zeit vollkommen gleichgültig.
Die junge Frau kämpfte und hatte sich der Eiseskälte noch nicht ergeben, was man deutlich daran erkennen konnte, dass sie sich darum bemühte, sich selbstständig auf den Beinen zu halten, während er an ihr herum werkelte. Es gelang ihr nicht vollständig, jedoch immer wieder für ein paar keuchende, rasselnde Atemzüge lang.
Für seine Röte hingegen hatte sie absolut keinen Blick und selbst wenn, hätte es sie nicht gekümmert. Nicht nur wegen ihrer Meinung über seine kindliche Unschuld, sondern auch, weil es hier um ihr Überleben ging, um nichts sonst. Wäre es nötig, würde sie ihn sogar dazu auffordern, sich zwischen ihre Beine zu legen, damit er ihr so wieder Wärme in den Körper trieb. Aber noch waren sie nicht ganz so weit, stattdessen wollte sie lediglich aus diesem Kleid heraus.
Es schien schiere Ewigkeiten zu dauern, jede weitere Sekunde war wie eine Qual für sie. Janay versuchte, die Zähne zum Schweigen zu bringen, indem sie diese fest zusammen presste. Gleichzeitig schloss sie die Augen und bemühte sich darum, sich einen warmen Ort vorzustellen, ein Lagerfeuer oder eine andere Jahreszeit. Es half so gut wie nichts, außer, dass es sie von der Dauer der Prozedur ablenkte und das war immerhin etwas.
Dadurch allerdings sah sie nicht, dass Kazels Körper Stellen aufwies, die nicht gewöhnlich waren.
Dann endlich war es soweit, sie konnte spüren, wie nicht nur nasse Kälte, sondern auch ein großes Gewicht von ihr genommen wurde. Ihre Knie gaben nach und erleichtert sackte sie zusammen, wieder direkt in seine Arme.
Nun war es zwar die Luft, die ihr eisig vorkam, aber in den ersten Momenten wirkte sie auf die Dunkelelfe trotzdem wärmer. Doch dieser Eindruck hielt nicht lange vor, denn die seidige Unterwäsche war ebenfalls nass und obendrein aus einem dünnen Stoff, sodass sie sich mit wieder laut aufeinander schlagenden Zähnen an ihn klammerte.
Diesmal schaffte sie es nicht mehr, die Arme in seine Ärmel zu stecken. Ihr wurde bereits ein wenig schwindelig und ihr drohten die Sinne immer stärker zu entgleiten. Die Lider wurden ihr schwer, wenngleich sie diese noch offen halten konnte.
Dafür peinigte sie erneut dieser Husten, der ihr den Atem raubte und sie am gesamten Körper noch stärker schüttelte als die Kälte. Beinahe glaubte sie schon ersticken zu müssen dabei, so lange schien er anzuhalten, bis sie endlich wieder Luft in ihre Lungen saugte, gierig, wie eine Ertrinkende.
Was Kazel tat, begriff sie inzwischen nicht mehr, ihr Körper reagierte eher automatisch, als dass sie ihm Befehle erteilen könnte. Plötzlich allerdings war der Halt verschwunden und ihre Knie gaben fast sofort nach.
Zwar sagte ihr irgendetwas in ihrem Unterbewusstsein, dass sie nicht so schnell zu Boden prallte, wie es eigentlich hätte der Fall sein müssen, den Grund jedoch konnte sie nicht begreifen. Sie schepperte nur vor sich hin und fand den Gedanken, diese bleischweren Lider zu schließen, immer verlockender.
Tatsächlich sehen, was in ihrer Umgebung geschah, konnte sie ebenfalls nicht mehr, geschweige denn, dass sie hätte unterscheiden können, ob das an ihrer Schwäche oder dem Dickicht lag, in das sie vielleicht wieder eingetaucht war.
Die Leistung ihres Verstandes reduzierte sich mit jedem quälenden Atemzug und sie wurde allmählich apathisch in der Kälte. Geräusche schwirrten an ihr vorbei und irgendwann spürte sie erneut etwas an ihrem Körper.
Es gelang ihr nicht zu erkennen, dass es Hände waren, die ihr in ein Gewand halfen. Zwar zuckten ihre Glieder noch gehorsam, wenn sie einen Arm in einen Ärmel schieben sollte oder dergleichen, aber es war, als wäre sie lediglich ein belebter Gegenstand, ohne eigenem Willen.
Ihr Überlebenswille registrierte es durchaus, dass es auf einmal ein bisschen wärmer wurde und auch der Geruch von einem fremden Körper von der Quelle zu ihrer Nase drang, doch wirklich etwas ausrichten konnte es nicht mehr. Stattdessen knickten ihre Beine wie gefrorene Stecken unter ihrem Gewicht weg, als er sie aufrichten wollte.
So würde das nichts werden und das schien auch er zu begreifen. Janay fühlte noch, wie sie den Boden unter den Füßen verlor und zu schweben schien.
In diesem Gefühl glitt ihr Bewusstsein allmählich der Schwärze zu, die paradoxerweise Wärme zu versprechen schien. Warum schließlich auch Lider offen halten, die ohnehin viel zu schwer dafür waren?
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 15. März 2011, 19:06

Hinweis: In Absprache mit Asmodeus ist es mir erlaubt, den NPC Sintus in meinem Posting auftauchen zu lassen und zu steuern.

Sie waren verloren. Die sichere Erkenntnis schlich sich in Kazels Bewusstsein ein wie die Kälte, welche sich mit unerbittlicher Härte als zweite Haut über seinen Körper legte. Mittlerweile zitterte auch er wie Espenlaub. Dass er Janay seine Kleidung überlassen hatte, half ihr nur geringfügig. Sie fühlte sich in seinen Armen nicht wärmer an, ihre Lippen glänzten immer noch bläulich in dem blassen Gesicht und während des schleppenden Vorankommens stellte er wiederholt fest, dass ihr die Lider schwer wurden.
"Halte durch. Wir sind gleich da." Kazel redete auf sie ein, machte Versprechungen, von denen er wusste, dass jede einzelne einer Lüge näher war als alles andere. Sie würden nicht gleich da sein. "Ich kann schon das Lagerfeuer leuchten sehen." Er sah überhaupt nichts.
"Bleib wach!" Er bettelte darum. Seine Worte galten zugleich aber auch als Ansporn für ihn selbst, nicht aufzugeben. Trotzdem hallte in seinem Hinterkopf die Gewissheit, dass sie beide die Höhle nicht mehr erreichen würden. Wir erfrieren.
Es trieb Kazel fast die Tränen in die Augen. Seine ohnehin durch die nächtliche Finsternis eingeschränkte Sicht verschwamm. Das konnte doch nicht das Ende sein! Er hatte so viel und so lange gekämpft! Folter, Gefangenschaft, einem Todesurteil, körperlicher Pein und dem Verlust seiner Seele getrotzt, um nun aufgrund zu dünner – respektive keiner – Bekleidung sein Leben an den schneidenden Nachtwind zu verlieren? Und auch Janay in seinen Armen klang, soweit er es mitbekommen hatte, nicht nach der typischen Waldelfe in ihrer Märchenwelt. Ihr trauriges Gesicht zeigte sich wiederholt vor seinem inneren Auge. Jemand, der so traurig schaute, besaß Narben auf der Seele. Jemand mit einem schicksalshaften Leben durfte nicht an Unterkühlung sterben. Es war nicht richtig.

Kazel blieb stehen. Seine Beine zitterten, er drohte, einzuknicken. Nur einen Moment stehen und verschnaufen, leugnete er seine eigene Erschöpfung. Seine Hände brannten unter der Last Janays und angesichts der Kälte. Unterhalb seines Bauches und oberhalb der Schenkel spürte er nichts mehr. Alles war betäubt vom feuchten Stoffrest seiner Robe, der als Lendenschurz diente. "Ich muss weitergehen. Und du musst wach bleiben. Janay, schlaf nicht ein." Es klang matt. Seine Kraftreserven waren aufgebraucht, sein Körper ausgezehrt. Noch einmal setzte er einen Fuß vor den anderen. Noch ein Schritt, ein weiterer.
Dann krachte es. Kazel war frontal gegen einen Baumstamm gelaufen. Der Ruck musste auch durch Janay Körper gegangen sein. Kraftlos sank der Mischling an jenem Stamm zusammen. Sein Atem kam stoßweise. Ihm war übel. "Tut mir leid", entschuldigte er sich noch bei Janay. Dass sie starb, hatte er nicht gewollt. Mit einem letzten keimenden Hoffnungsfunken, sie könnte möglicherweise gerade so überleben und vielleicht im Morgengrauen unter seinem erkalteten Körper gefunden werden, zog er sie dicht an sich heran und umklammerte sie, dass er schon halb auf ihr lag. Aber wahrscheinlich vermochten seine bebenden Muskeln längst niemanden mehr zu wärmen. Voller Verzweiflung versuchte Kazel, ihre Wange zu tätscheln. Bleib wach, flehten seine Lippen lautlos. Sogar das Einatmen der kalten Luft wurde unerträglich. Seine Hand sank von ihrer Wange fort, die letzten Gedanken waren ein verstricktes Gemisch an Janay, Xenia, Annabelle und …

"Ich spüre es deutlich, Sintus, noch immer! Gleich nachdem ich diesen Strauch berührt habe. Hier muss ein verletztes Tier oder ähnliches sein. Ich sah … schwach schlagende Herzen."
"Ein Hirsch wäre eine gelungene Abwechslung."
Stimmen. Eine davon lieblich. Sie erinnerte an eine erblühende Rose. Die andere kraftvoll und stark, strotzte von Lebendigkeit. Die Jagd tat sowohl Sintus als auch Talimée gut. Der Paladin hatte für einen Moment die Strapazen von sich abwerfen und sich ganz auf seine Rolle als Jäger konzentrieren können. Wenn es auch nur wenige Stunden waren, so reichten sie aus, ihm ein wenig seiner bekannten Lebendigkeit und Vitalität zurückzugeben. Das mochte nachher vielleicht schon wieder anders aussehen, doch im Augenblick – hier draußen an der frischen Luft und fernab jeglichen Krieges – da fühlte er sich für gewisse Zeit wohl. Zudem war er erfolgreich gewesen. Zwei mit der Schleuder erlegte Hasen hingen über seiner Schulter, an den Ohren zusammengebunden. Sie waren nicht fett, aber ihr Fleisch würde alle der Gruppe nähren.
Auch Talimée lebte unter der nächtlichen Schwärze, aber vor allem der Freundlichkeit des Menschen auf. Ihre Scheu schwand mit jeder Minute. Sie lächelte sogar und ging zielstrebig voraus, um nach Möglichkeit ihre seherischen Fähigkeiten für die Jagd einzusetzen. Dass sie und der Paladin bei ihrem Hinweis auf schwach schlagende Herzen auf kein Tier trafen, erschreckte beide gleichermaßen.

Die Elfe sprang sofort vor, als sie die beiden bleich wirkenden Körper sah. "Herrin!", keuchte sie entsetzt, verstand nicht, was diese überhaupt hier mitten im Wald machte. Und warum trug Kazel keine Kleidung?
Sintus hingegen reagierte deutlich ungehaltener. Er schnauzte wild herum, beschimpfte Kazel. Beide lagen auch nicht gerade in einer unschuldigen Pose beieinander. Der Mischling hatte sich ja schon halb auf die Frau hinauf gewälzt! Doch er hörte das Zetern des Paladins nicht. Talimée wies sofort darauf hin. "Er ist bewusstlos, Herr. Und beide sind entsetzlich kalt."
"Atmen sie noch?" Sintus gewann seine Fassung wieder. Er hatte eine Ausbildung in der Bruderschaft genossen, was ihn dazu befähigte, in heiklen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Aber diesem Kazel würde er noch ordentlich ein Hühnchen rupfen. Jetzt war dazu allerdings der falsche Zeitpunkt. Wie die beiden Elfen hierhergekommen waren, warum und weshalb Janay Kazels Robe und er selbst nur einen Fetzen trug, dies stellten derzeit unbeantwortbare Fragen dar. Sie konnten sich jetzt nicht darum kümmern.
Sintus besaß Kraft. Er reichte die beiden Kaninchen an Talimée weiter. Dann schulterte er erst Kazel und anschließend Janay. "Sie sind wirklich eiskalt", bemerkte er. Bemüht, hauptsächlich die Frau zu retten, machte er sich im Eiltempo auf den Weg zurück zur Höhle. Die Unterkühlten legte er sofort am Feuer ab, achtete dabei nicht auf den Lärm, den er eventuell versursachte. Er suchte Decken und Umhänge zusammen, wickelte Janay in zwei und Kazel in einen. Dann brummte er, denn erneut würde sein Helm als Topf herhalten müssen. Schon machte er sich auf den Weg, Wasser vom Bach zu schöpfen. Oho, der Paladin war wütend. Der Mischling würde etwas zu hören bekommen, wenn er erst wieder aufgetaut war! Diese Idee war doch sicherlich auf seinem Mist gewachsen, den Kerl konnte man einfach nicht allein lassen. Und die anderen? Dass es in der Höhle noch Frauen gab, auf die er hätte achten müssen, daran dachte dieser liebestolle Lüstling wohl gar nicht!
Sintus' Laune sank, stattdessen breitete sich Wut aus und er wusste schon, wen er als Zielscheibe einsetzte, um ihr Luft zu machen.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Mittwoch 16. März 2011, 19:19

Die junge Frau konnte kaum noch klar denken, geschweige denn, etwas wirklich von ihrer Umgebung wahrnehmen. Ihr Geist driftete immer mehr ab, die Schwärze wurde verlockend und versprach Wärme, während ihr Körper wegen der Kälte schepperte.
Die Körperwärme, die noch in dem Stoff gesteckt hatte, war fast sofort verschwunden. Zwar schützte der Stoff sie halbwegs vor der kühlen Nachtluft, aber das reichte einfach nicht mehr aus.
Auch weiterhin hatte sie das Gefühl, als würde sie schweben, wie, als wäre sie schon in der Ohnmacht oder in einem schönen Traum, wo sie sich nicht mehr anstrengen musste, um sich fortbewegen zu können. Ob sie seit neuestem fliegen konnte?
Leider bekam sie ihre Lider nicht mehr auf, sodass sie nicht nachsehen konnte, wie hoch sie schon gestiegen war. Wie war ihr das nur gelungen? Waren ihr Flügel gewachsen? In ihrem dämmrigen Zustand erschien ihr das nicht unlogisch, sondern durchaus plausibel.
Von weit her drang ein Laut an ihr Ohr, doch sie war schon so weit der Wirklichkeit entrückt, dass sie ihn nicht mehr als Stimme ausmachen konnte. Von Worte zu verstehen ganz zu schweigen. Es war auch nicht wichtig, nichts sollte sie länger von der wärmenden Schwärze und dem schwebenden Gefühl abhalten, auf das sie immer mehr zu driftete.
Dass sie sich gleichzeitig auch dem Tod näherte, war ihr längst nicht bewusst. Woher sollte sie es schließlich auch ahnen? Ihr war zwar kalt, allerdings ihr Geist hatte keinen Bezug mehr zum eigenen Körper. Nicht einmal mehr, dass dieser schlimme, angsteinflößende Husten ihre Lunge quälte, bekam sie mit. Es war zwar sehr leise zu hören, allerdings viel zu weit weg.
Was danach kam, der Zusammenstoß Kazels mit dem Baumstamm und ihr gemeinsames zu Boden sinken, raubte ihrem geschwächten Leib endgültig die Sinne. Alles wurde dunkel und gefühllos, ohne Zeit und Raum und lästigen, nichtsnutzigen Gedanken mitsamt ihren Sorgen.

Das Erwachen hingegen war weniger angenehm, sondern richtig grauenvoll. Ihr war entsetzlich kalt, sämtliche Knochen im Leib taten ihr weh und ihre Haut fühlte sich an, als würde sie regelrecht brennen, da sie nun zu allem Überfluss vom Fieber geschüttelt wurde.
Ihr gesamter Hals schmerzte und ein weiterer Husten quälte sie, sodass sie schon richtig Panik bekam, weil keine Luft in ihre Lunge dringen konnte. Als es soweit war, japste sie rasselnd nach Atem. Es tat unglaublich weh, jedoch brauchte sie das, das wusste ihr Körper noch. Ihr Kopf schien indes zerspringen zu wollen und ihre Lider fühlten sich noch immer unbeschreiblich schwer an.
Lange hielt das ihr Bewusstsein nicht aus und sie glitt wieder in die Schwärze zurück. Diesmal war aber der Zeitabstand nicht so groß, wenngleich sie ihr Gefühl dafür längst verloren hatte.
Sie hatte keine Ahnung, wie viele Minuten oder gar Stunden seit ihrem ersten Wegsacken verstrichen waren und es kümmerte sie nicht. Ihr war übel und der Gedanke allein an Nahrung oder Wasser verstärkte das noch.
Ein leises, gequältes Stöhnen entrang sich ihrer geschundenen Kehle, das wie ein Dröhnen in ihrem Kopf widerhallte und sie noch stärker malträtierte, sodass sie sich wünschte, diesen Laut nicht von sich gegeben zu haben.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Erzähler » Samstag 19. März 2011, 22:26

Sintus stapfte zum Fluss hinaus und holte Wasser. Düstere Gedanken jagten durch seinen Kopf. Die Freude über den Jagderfolg war verschwunden. Die Heiterkeit die er mit der jungen Frau gehabt hatte während der Pirsch ebenso. Wieder hatte dieser Bastard ihm die Laune versaut und wieder hatte dieser Kazel bewiesen was für ein untaugliches Bruderschaftsmitglied er war!

Die anderen waren durch die Rückkehr der beiden Jäger und den Verwundeten aufgewacht, ausser Juduka rührte sich nicht.
Xenia musterte die beiden Unterkühlten eingehend und wollte sich gerade erheben. „Lass das gefälligst sein Xenia!“ Tadelte Annabelle sie. Die Hexe wühlte sich gerade selbst aus ihrem Schlafplatz. Viel zu wühlen gab es dabei gar nicht, hatten sie doch nur gerade das als Decke was sie selbst bei sich getragen hatten. „Du weisst, dass du dich schonen musst.“ Zum ersten Mal erschien selbst die Hexe etwas angespannt. Sie hatten schon zwei Schwerverletzte zu versorgen, dass sich die Anzahl Pflegefälle somit gerade verdoppelt hatte war selbst für sie zu viel. Xenia nickte. „Du hast Recht, entschuldige bitte.“ Annabelle schickte die junge Dienerin an sich um Janay zu kümmern. „Herrin… Herrin… wach auf!“ Flehte Talimé sie an. War die Vision so undeutlich gewesen? War die Hand welche nach Kazel gegriffen hatte etwa der Kältetod gewesen? Doch Janays Schicksal sah doch einen anderen Weg vor! Doch die Seherin wusste dass es viele Möglichkeiten gab um vom „Schicksalsweg“ abzukommen. Ihre Visionen zeigten ihr immer nur die Bilder einer möglichen Zukunft, sie hatten nicht den Anspruch immer absolut Zutreffend zu sein.

Die Hellseherin war eilends darum bemüht den bereits vom Fieber geplagten Körper trocken zu reiben. Man Rückte die beiden nahe ans Feuer aber nicht zu nahe. Annabelle eilte ebenfalls hinaus. Xenia schnaubte, es war eine schwere Belastungsprobe für sie, ruhig sitzen zu bleiben und nichts tun zu können. Draussen entstand ein kurzes Streitgespräch.
Sintus kehrte zurück. Er setzte Wasser auf, dann entkleidete er sich. Sein Umhang und Sein Waffenrock legte er ab und deckte Kazel damit zu. Er wickelte ihn dicht in den Stoff ein und stand selbst nur noch in seiner schlichten Tunika da. Sein Kettenhemd legte er neben sich, denn es konnte nicht als Wärmeisolator dienen. Während Talimée Janay vorsichtig gegen die Wange tätschelte ging Sintus bei Kazel doch bedeutend ruppiger vor. „WACH AUF!“ knurrte er ihm entgegen und klapste ihn ordentlich. Annabelle kehrte mit Steinen in den Armen zurück die sie sogleich in die Glut legte. „Hör auf damit Sintus! Du hast allen Grund wütend zu sein aber im Moment hilft es uns nicht weiter wenn du Kazel prügelst.“
Sintus knurrte nur und erhob sich. Er ging zu den Pferden… und sammelte deren Dung auf. Dabei achtete er darauf nur den frischen Kot mitzunehmen. Kuhfläden eigneten sich eigentlich besser für das was er vor hatte aber zur Not mussten halt Pferdeäpfel herhalten. Er schaufelte einen Haufen Dung unter Kazels und Janays Füsse und versenkte eben jene darin. Wärme breitete sich allmählich an den Fusssohlen der beiden aus. Annabelle sammelte die inzwischen Warm gewordenen Steine wieder ein und legte sie auf die Körper der beiden – nicht direkt auf die Haut aber auf sie drauf. Sie wärmten zusätzlich.

„Seit wann waren die beiden weg?!“ „Wir haben nichts bemerkt.“ Stellte Xenia ernüchternd fest. Auch dies gefiel der Kriegerin nicht. Wenn sie fit war, entgingen ihr solche Dinge nicht.
„Warum denkt dieser verfluchte Mischling nicht vernünftig!“ Knurrte Sintus. Er ballte seine Fäuste. Allen war klar dass der Paladin bis zum äussersten Angespannt war. Er zog sich zurück und überliess den Frauen die Betreuung der beiden.

Das Ausweiden der Hasen war eine gute Beschäftigung um Aggressionen abzubauen. Er zerfleischte den Hasen, schnitt das Fleisch in Stücke und kochte sie im Helm. „Sie hätten die Höhle nicht verlassen dürfen!“ Brummte Sintus vor sich hin. „Ja.“ Meinte Xenia nüchtern. „Ich kann nicht auf alle Gleichzeitig aufpassen!“ Schnaubte er weiter. „Wie sollen wir hier draussen überleben wenn jeder nur an seine eigene Nase denkt?!“ Ganz unrecht hatte der Paladin nicht. Die beiden Ausreisser gefährdeten mit ihrer Aktion die ganze Gruppe. „Jetzt werden wir länger Rast machen müssen und noch langsamer vorankommen!“ Auch wenn der Paladin offensichtlich genug von seiner Gruppe hatte, schien er nicht einmal den Gedanken zu hegen sie zu verlassen.

„Vielleicht erholen sie sich bald.“ Talimée blickte besorgt auf. „Sie haben beide hohes Fieber.“ Annabelle seufzte nur und nickte. „Nun kann nur die Zeit helfen.“
Wärme zog in die beiden Körper. Lullte sie ein. Und Träume. Träume des Fiebers:

“Folge mir Janay. Folge mir und lass mich nicht mehr allein.“ Erst klang die Stimme verzerrt und viel zu grell als dass sie von einem Menschen hätte stammen können. Janay sah sich um. Sie war in einem dunklen Wald, bestehend aus Schattenbäumen die rote Augen zu besitzen schienen und klauenartige Äste von ihrem Stamm trieben. Eine Lichtgestalt rannte durch diesen düsteren Wald. „Komm Janay, folge mir…“ Janay folgte der Gestalt. Denn die Stimme kam ihr vertraut vor. Eine tiefe Sehnsucht rührte sich in ihr dieser Stimme zu folgen. Doch die Bäume stellten sich ihr in den Weg und packten nach ihr. „NEINNRRHHH…..duuuu wiirrrrrsssst dein…Herrrrzzzzz an jemanden…anderes…verlieeeerreeennnddrhrhh.“ „Janay! Komm! Komm!“ Rief die Stimme weit hinter den Bäumen. „Sieee…wird unnzzz gehören… denn duuu wiirrrzzzst sie vergesssennrhrrhh!“ Zischten die Bäume düster. „Sag meinen Namen Janay! Vergiss niemals meinen Namen!“ Ertönte die Stimme noch leise… und dann auf einen Schlag: Schwärze. Plötzlich fand sie sich in einer Wüste wider, bestehend aus weissen Dünen. Ein einzelner schwarzer Kaktus stand da. Sonst nichts. Gedanken konnten treiben.

Auch Kazel träumte, doch sein Fieber brachte ganz andere Bilder mit sich.

„Sturmadler… mein Krieger.“ Er lag in tausenden Kissen gebettet, jeglicher Kleidung beraubt. Eine ungemein zarte Hand begann über seinen Bauch zu streicheln und die Muskeln nachzuzeichnen die sich dezent wölbten. Heisser Atem an seinem Hals, der verführerische Duft von Frauenhaut lag in seiner Nase. Sie roch, wie der Nektar für eine Biene riechen musste. Anziehend. Die Frau beugte sich über ihn, küsste seine Nasenspitze. Ein verschmitztes Lächeln ertönte während seine Brust von den Haaren der Frau gekitzelt wurde. „Ich begehre dich Kazel… ich möchte, dass du mich besitzt.“ Ihre Lippen trafen die seinen. Sie küsste leidenschaftlich, voller Begierde. „Wir…sind eins… du weisst es. Du kennst die Merkmale unseres Stammes, du hast nur nicht genau hingeschaut Kazel…Mischlingsblut.“ Sie küsste weiter, seinen Hals entlang nach unten über die Brust hinweg zum Bauch. Beiläufig und doch mit genügend Druck um deutliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken strich die Hand der Frau über seine Lenden hinunter zu seinem Schritt. „Sieh…mich an…Kazel…“ Hauchte die Frau. Kazel öffnete seine Augen… und dann auf einen Schlag: Schwärze. Plötzlich fand er sich auf einem Meer treibend wieder, bestehend aus schwarzem Wasser. Über ihm ein schneeweisser, leerer Himmel. Eine einzige kleine Möwe kreiste stumm über ihm. Sonst nichts. Gedanken konnten treiben.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 20. März 2011, 04:56

Er hatte keine Ahnung, was vor sich ging. Das Fieber rettete ihn vorerst vor Sintus' Wut, Kazel würde sich aber nicht darauf verlassen können, dass diese verflogen wäre, sobald er erwachte. Im Gegenteil, er würde mit weiteren bösen Blicken von Seiten Annabelle und Xenia rechnen müssen. Sie alle hielten ihn für einen Narren, dass er die Höhle verlassen hatte. Sie kannten ja den Grund nicht und Kazel konnte ihn derzeit nicht nennen. Er steckte in einem Wahn fest, gefangen zwischen Traum und Wirklichkeit.
Dass Sintus ihm einen Teil seiner Kleidung um die inzwischen eisigen Schultern legte, bemerkte er ebensowenig wie den Dung, der sich als wärmendes Paar Naturschuhe seiner Füße annahm. Dies war eine gute Idee, denn Menschen wie Elfen froren von den Füßen aus. Waren diese warm, ging es besser.
Er seufzte im Schlaf auf, als warme Steine sich auf seinen Körper legten. Das Feuer tat sowohl ihm als auch Janay gut. Sie hatte es bei weiten jedoch schlimmer erwischt. Kazel war ja nicht so lange und so tief im kalten Wasser des Sternensees gewesen. Sein Körper wurde nicht von rasselndem Husten durchgerüttelt. Das übernahm Sintus. Man konnte den Paladin ja verstehen. Er gab sein Bestes, um die Gruppe zu versorgen. Er behielt dabei den Blick auf das Notwendige und ging keine Risiken ein. Wäre er Janay in den Wald gefolgt, um sie zu suchen?

Kazel wand den Kopf von links nach rechts. Er träumte. Die Hitze des Fiebers rief ihn, dass seine Lippen sich lautlos bewegten. Sie formten Xenias Namen. Vielleicht weil er seinerseits den eigenen Spitznamen im Traum hörte und Xenia es war, die ihn vergeben hatte. Sein Traum gestaltete sich lieblicher und weitaus besser als die Wirklichkeit. Kazel beruhigte sich, die Weichheit der Kissen, auf denen er angeblich lag, ließ ihn entspannen.
Selbst im Traum schoss ihm Schamesröte in die Wangen. Man mochte sie fälschlicherweise für eine Nebenwirkung des Fiebers handeln, aber bei dem, was der Mischling im Schlaf wahrnahm, hätte man auf Verlegenheit tippen können. Die Finger, die ihn berührten, waren mehr als gut. Verheißungsvolle Verführung, die ihn in ihren Bann schlug. Eine Frauenstimme. Wieder Xenia? Er konnte sie nicht deuten.
Kazel reckte sein Gesicht. Sie hatte seine Nase geküsst. So weich! Es war nicht das einzige, was sich hob. Doch Kazel träumte, er konnte nichts verhindern noch verbergen. Der Stoff des Waffenrockes spannte sich. In seinem Kopf gab die geheimnisvolle Frauenstimme - die ihn begehrte! - Hinweise auf mehr Mischblut. Er runzelte die Stirn. Bei wem hatte er nicht hingeschaut? "J...na...y?" Der Name kam nur als heiseres Stöhnen über seine Lippen. Schweiß rann von seiner Stirn. Seien Finger kratzten kraftlos über den Untergrund. Er atmete immer schwerer, aber es war nicht das Fieber, das ihn Keuchen ließ.
Im Geiste hob er den Kopf, um das Bild der Frau einzufangen. Kurz, während des blitzartigen Wechsels der Kulisse, glaubte er, sie erkannt zu haben. Doch es ging zu schnell. Ihr Anlitz verschwamm, verlief im Weiß des Himmels. Er selbst schwamm . schwarzes Wasser. Nirgends Land in Sicht. Sein Blick fing die vor dem weißen Hintergrund dahin segelnde Möwe ein. Der hypnotische Anblick ihres Fluges beruhigte nun auch wieder seinen Körper. Jegliche durch Erotik angefachten Gefühle ließen nach. Kazel würde nicht wissen, was sich ereignet hatte und vermutlich wäre es das Beste, wenn alle darüber schwiegen. Er war auch nur ein Mann - die hatten alle mal solche Träume. Und sie konnten sich den Zeitpunkt dafür niemals aussuchen. Es war Pech, dass es für den Mischling ein dermaßen schlecht gewählter war.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Sonntag 20. März 2011, 21:33

Der Schmerz in ihrem gesamten Brustkorb und in ihrer Kehle hielten sie für einige Sekunden länger in der Realität, als ihre verschwundene Kraft es sonst vermocht hätte.
Von ganz weit her drang ein Laut an ihr Ohr, den sie instinktiv zu erkennen oder deuten versuchte. Kurz, bevor sie die Lösung, dass es eine Stimme, Talimées, war, greifen konnte, sank sie zurück in die allumfassende, alles schluckende Schwärze.
Was alles unternommen wurde, um sie aufzuwärmen, bekam sie nicht mit und sonderlich viel half es ihrem Körper auch nicht, was ihre nächste Ohnmacht nur bekräftigte.
Während die Zeit weiterhin an ihrem ausgelöschten Geist vorüber zog, änderte sich dieses Mal doch etwas. Die Dunkelheit war nicht mehr ganz so dicht, als dass sie nicht Traumbilder hindurch gelassen hätte. Sie waren alles andere als schön oder wohltuend. Im Gegenteil, sie jagten ihr Angst und Schmerz ein, ließen ihr geplagtes Herz noch schneller schlagen, als es in seiner Hektik ohnehin schon tat. Schweiß brach ihr aus und ihr Leib begann damit, unbemerkt von ihrer Seele, sich gepeinigt hin und her zu werfen, ihre Beine strampelten leicht und ihre Arme zuckten unkontrolliert.
In dem Traum hingegen litt sie Höllenqualen, denn der Name, der von ihr gefordert wurde, lag ihr direkt auf der Zunge. Sie konnte ihn spüren, konnte die Liebe und das Vertrauen, die damit verbunden waren, regelrecht schmecken. Aber... er kam ihr einfach nicht über die Lippen! Es war zum Haare raufen!
Wimmernd versuchte sie, an den Bäumen vorbei zu kommen.
Als sie nach ihr packten, begann sie zu schreien, in jener alten, selten gebrauchten Sprache, die sie von klein auf gelernt hatte. "Ich bin es! Bleib bei mir! Lauf nicht weg! Ich bin nicht so schnell!", brüllte sie verzweifelt.
Sie warf sich mit ihrem gesamten Fliegengewicht gegen die Arme... und landete plötzlich auf allen Vieren im warmen, goldgelben Sand. Keuchend und zitternd kniete sie da und starrte vor sich hin, während die Sonne in ihren Nacken regelrecht zu brennen schien. In ihren Augen sammelten sich Tränen und noch immer rang sie um dieses eine Wort, das ihr entglitten war.
Schluchzend schüttelte sie den Kopf, als sie erkennen musste, wie sinnlos es war. Kraftlos ließ sie sich zur Seite fallen, rollte sich zusammen und weinte, weinte, bis sie glaubte, nie etwas anderes gemacht zu haben, und solange, bis keine salzige Flüssigkeit mehr kam und sie zu dem Schluss gelangte, nie wieder Tränen vergießen zu können.
Danach wurde sie apathisch. Die junge Frau lag einfach nur da, starrte ausdruckslos vor sich hin und spürte, wie die Sonne zu verbrannte. Es war ihr egal. Was kümmerte es sie schließlich auch, wenn sie gerade das Wichtigste in ihrem Leben verloren hatte? Wer auch immer das gewesen war, die Gefühle waren nicht verschwunden und nun trauerte sie.
Wieder wimmernd litt sie vor sich hin, versuchte, sich so klein wie möglich zu machen vor diesem Feuer, das sie verzehren wollte.
Bis sie auf einmal zusammen zuckte und die Augen aufriss. "Arina...", sprach sie langsam, Buchstaben für Buchstaben, die ihr beim ersten Mal fremd in den Ohren klangen.
Jedoch spürte sie, dass es die richtigen gewesen waren und somit wiederholte sie dieses eine Wort, diesen Namen, der alles für sie bedeutete. "Arina."
Stöhnend vor Schmerz ob ihrer steifen Glieder löste sie ihre Haltung, die sie viel zu lange inne gehabt hatte. Ihre Haut brannte und spannte bei jeder ihrer Bewegungen, mochten sie noch so klein sein, allerdings kämpfte sie sich hoch.
Solange, bis sie schwankend auf den eigenen Beinen sich befand. Sie breitete ihre Arme aus, sah hinauf in den gleißend hellen Himmel und brüllte aus Leibeskräften:"Arina!"
Und dann wurde alles wieder anders...

In diesem Moment schlug ihr Körper die verquollenen Augen auf, ohne dass ihre Lider dadurch viel Bewegung bekommen hätten.
Ein Wimmern kam ihr über die Lippen, in das wie ein Hauch ihrer geschundenen Kehle sich das letzte Wort entrang, an das sie sich erinnern konnte aus dem Traum. "Arina..." Es war so gut wie gar nicht zu hören und selbst wenn, war ihr Geist viel zu schwach und ihr Körper zu fiebrig, als dass sie von ihrer Muttersprache auf das allgemeine Celcianisch hätte wechseln können, um sich nicht zu verraten.
Tränen traten in ihre fiebrig glänzenden, brennenden Augen und ein trockenes Schluchzen schüttelte sie, bis es in diesem schrecklichen Husten wieder endete, der sie zu ersticken drohte und ihren gesamten Körper durchschüttelte, ihn noch mehr peinigte. Dass dabei etwas von ihrem Oberkörper herunter kullerte, bei ihren starken Bewegungen, bemerkte sie nicht, sie hörte das dumpfe Poltern auch nicht.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 24. März 2011, 23:09

Annabelle wollte sich vollumfänglich um die beiden durchgefrorenen kümmern, doch Sintus verbot es ihr. Auch sie war nicht unermüdlich und die letzten Tagehatten auch bei ihre deutliche Spuren hinterlassen. Sintus hatte sich schon diese beiden Eiszapfen nicht leisten können, jetzt auch noch die Hexe zu verlieren wäre ihr aller Ende. Die Lage wurde immer aussichtsloser. Sintus Laune war auf einem handelsüblichen Thermometer gar nicht mehr messbar so unterkühlt war sie. Selbst die sonst sehr taffe Hexe entschied sich dafür ihm besser nicht zu widersprechen. Sie zog sich an das Schlaflager zurück und legte sich wieder aufs Ohr. „Weck mich aber wenn der Hase fertig ist.“ „Natürlich.“ Meinte Sintus knapp. „Und sei nicht zu hart zu ihm…“ Darauf blieb Sintus der Hexe eine Antwort schuldig.

Auch er hätte eine Mütze voll Schlaf nötig aber die anderen hatten ja deutlich genug bewiesen dass man ihnen nicht trauen konnte. Die Übermüdung sorgte nicht gerade dafür dass seine Laune sich verbesserte – im Gegenteil. Ausserdem entwickelte er langsam bei jedem Geräusch beinahe eine paranoide Interpretation von Gefahr. So wandelte sich der Ruf der Eule in einen geheimen Laut der Dunkelelfen, das rauschen der Blätter als Pfeilhagel. Er rieb sich seine Schläfen. „Verflucht.“ „Nicht den Mut verlieren Kamerad.“ So etwas konnte nur Xenia in einem solchen Moment sagen ohne lächerlich zu wirken. „Wir finden einen Weg. Es gibt immer einen… manchmal offenbart er sich uns überraschend.“

Sintus schnaubte nur und rührte im Topf herum. Wenigstens auf den Hasen freute er sich ein bisschen. Er und die kleine Hellseherin waren wirklich ein gutes Team. Sie konnte besser die Fährte aufnehmen als jeder Jäger, denn sie ahnte voraus wo bald Wild erscheinen würde. Eine eindrückliche Frau. Wenn sie sich doch nu ihre Haare wachsen lassen könnte. Er seufzte. Für solcherlei Gedanken war im Moment nicht die Zeit… so dachte er zumindest, während Kazel nur ein paar Meter neben ihm gerade einen Beischlaf im Traum erlebte. Talimée war die erste welche seine veränderte Atmung registrierte und zu ihm hinsah. Erst zu seinem Gesicht… dann zu seinem… zur Wölbung. Während die Haut der beiden Unterkühlten blass, beinahe grau war, färbten sich Talimées Wangen rot.

Nun sie als Hellseherin wusste um die Macht der Träume und Visionen. Auch sie erlebte diese Intensiv… und ja manche davon konnten auch von dieser Art sein wie Kazel sie im Moment wohl erlebte aber… bei einer Frau waren die Anzeichen solcherlei Träume nicht so… offensichtlich. Sie versuchte so unauffällig wie möglich wieder wegzusehen. Es wäre besser für Kazel wenn sein Traum unentdeckt blieb. Die Seherin musterte ihre Herrin. Auch diese schien intensiv zu Träumen allerdings weniger erfreulicheres.
Talimée legte Janay ihre Hände auf die Stirn. Da durchzuckte sie eine kurze Vision. Sie riss die Augen auf, hielt für einen Moment den Atem an. Es war anders als sonst, sie sah einen Hirsch, imposant und stolz durch den Eldoras laufen. Er war weiss! Sein Geweih gewaltig! Ein gerader 16-Ender! Der Hirsch deutete auf einen See vor sich und stampfte mit den Hufen auf. Das Wasser Talimée… das…Wasser. Sie…tragen es noch immer bei sich…Wasser ist Leben.
Dann verpuffte die Vision so schnell wie sie gekommen war. „Was hast du gesehen? Sag es mir!“ Sintus war der kleine geistige Ausflug der Seherin wohl nicht entgangen. Sein Blick schweifte erst von ihr weg zu Janay und dann zu Kazel… und dessen Wölbung. „Was…in…Ly..s.anthors…Namen?!“ Sein Wappenrock! Aufgespiesst durch Kazels Männlichkeit! Selbst im Schlaf spottete dieser Mischling ihm! „Es reicht!“

Annabelle und Xenia wurden erneut aufgeschreckt. Sintus stapfte wütend auf Kazel zu und riss ihm den Wappenrock weg. Hätte er nicht tun sollen, da sich Kazel nun in seinem Naturkostüm präsentierte… und zumindest ein Organ präsentierte sich.
Xenia nahm es gelassen während die sonst so gefasste Annabelle überraschenderweise starrte. Auch ihre Wangen färbten sich hochrot. „Na…na…sowas..kommt doch in den besten Lenden…vor…“ Sie merkte dass sie die Situation so nicht gerade entschärfte.
„Wenn der mir einen Fleck gemacht hat… „ Fauchte Sintus und zog sich ans Feuer zurück um seinen Wappenrock peinlichst genau zu untersuchen. „Stell dich nicht so an.“ Brummte Annabelle und spendete dem noch immer schlafenden Kazel ihren Oberrock. Doch auch sie kostete es etwas Überwindung ihre persönliche Kleidung über… DAS da… zu legen. Kurz darauf war der ganze Spuck ohnehin vorbei.

Xenia seufzte. „Das…war nichts vorauf wir viele Gedanken verschwenden sollten. Auch du nicht Sintus, spar dir deinen Zorn für den Feind auf.“ „TU ICH DOCH!“ Antwortete er schneidend. Die Botschaft dahinter schien unmissverständlich. „Wasser…“ Hauchte Talimée leise. „Dort drüben Liebes.“ Meinte Annabelle und deutete auf ein Blatt voll Wasser. Die Seherin jedoch schüttelte den Kopf. „Nein, meine Vision… es ging um Wasser. Spezielles Wasser.“

Xenia dachte nach. „Wir haben Wasser auf dem Blatt und das welches noch in den Kleidern der beiden steckt.“
„Das ist es! Es muss spezielles Wasser sein!“ „Was…speziell kalt? Oder speziell Potenzsteigernd vielleicht?!“ Antwortete Sintus mürrisch. „Hör auf Sintus! Damit hilfst du der Gruppe nicht weiter und dies weisst du.“ „JA ich bin mir dessen bewusst wenn ich der Gruppe schade im Gegensatz zu diesen beiden Vögeln hier!“ Er schnaubte versuchte sich aber zu beherrschen. „In welchem Sinne denn speziell?“ Wollte er wissen. Talimée schüttelte langsam den Kopf „Das…weiss ich nicht Sintus.“
Während die Gruppe über das Wasser rätselte wurden Jana und Kazel allmählich von neuen Lebensgeistern erfasst. Beide husteten heftig, doch kein Wasser trat aus ihren Lungen, stattdessen husteten sie einen hässlichen schwarzen Klumpen heraus der auf den Boden flog und sich sofort in einen schwarzen Stein verwandelte.

Unsägliche Ruhe und Entspannung kehrte in die Körper die beiden ein und das Atmen fiel ihnen plötzlich um ein so vielfaches leichter. Kleine Wunden schlossen sich… und grössere. Kazels Rücken kribbelte angenehm und ein Teil der Narben bildete sich zurück. Jedoch nicht alle. Dafür fühlte sich sein Gemüt um ein vielfaches leichter an. Das Gewicht der Vergangenheit welches auf ihm lastete schien halbiert worden zu sein. Die unsägliche Trauer welches sein Herz versteinert hatte war geschrumpft. Noch immer hatte sie ihren Platz in seinem Herzen und der war auch berechtigt, doch nun war es auch wieder offen für neues.
Auch Janay fühlte sich leichter, die Strapazen welche das Pferd ihr beschert hatte waren wie weggespült und in jenem Moment als sie den Klumpen aushustete breitete sich in ihr ein heimeliges Gefühl aus. Ein Urvertrauen in die Welt welches sie von Zuhause wohl nie gekannt hatte… und sie fühlte sich auf eine seltsame Weise behütet. Sie hatte nur eine vage Ahnung durch wen…
Nur die Magie des Sternensees konnte diese Wunder wirken. Die beiden schlugen ihre Augen auf, ihre Körper fühlten sich wieder warm und vital an und sie fühlten sich überraschenderweise so richtig ausgeruht.

Da die Gruppe so sehr mit dem Wasserrätsel beschäftigt war entging ihnen die „Auferstehung“ ihrer Kameraden.


[Die Lebensenergie von beiden Charakern ist wieder auf 100%]
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 29. März 2011, 11:46

Er ertrank. Er würde sterben. Und das hier war doch kein Traum! So real hörte er den Wind unter den Flügeln der Möwe, das Wasser war kalt und nass, der weiße Himmel blendete ihn. Seine Glieder wurden so schwer, unendlich schwer. Kazel wusste, dass seine Kraft schwand. Er würde nicht weiterschwimmen können. Er ging unter. Das Ende ... warum starb er denn? Wie war er hier herein geraten?
Zu schwer war das Denken, um darauf eine Antwort zu finden. Sein Kopf glitt unter Wasser. Jetzt schwand ihm der Sauerstoff, den er doch so dringend brauchte. Irgendwann holte er aus Reflex Luft, doch Wasser drang in seinen Hals. Es füllte seine Lungen, legte sich darauf, um ihm endgültig den Verlust seines Lebens klar zu machen. Er hustete, denn das Wasser brannte, fühlte sich dick und zähflüssig an.

Dann rührte er sich - in der Realität. Ein Schütteln ging durch seinen gesamten Körper, als das Husten echt wurde. Seine Glieder krümmten sich und Kazel drehte sich auf die Seite. Er würgte kurz, als ein Brocken schwarzen Schleimes seinen Rachen verließ. Von seinem Körper abgestoßén verwandelte sich der Klumpen in einen Stein. Kazel blinzelte langsam. Jener Stein war es, den er zuerst deutlich erkannte. Er lächelte ihn an, war aber verwirrt.
Dann richtete er sich auf. Unsägliche Entspannung hielt ihn umarmt wie eine liebende Frau. Es bescherte ihm eine Gänsehaut, jagte ihm wohlige Schauer über den Rücken. Er konnte nicht sehen, was sich dort noch ereignete. Jene, die dieses Sterngewitter aus Narben kannten, würden ihn vielleicht irgendwann einmal darauf aufmerksam machen, wie klein es geworden war. Möglicherweise bemerkte er es selbst, wenn ein erwartetes Ziepen oder Schmerz aufgrund zu hoher Belastung ausblieben.
Im Moment achtete er nicht darauf, sondern fühlte sich nur unsagbar wohl. Neue Kraft war in seinen Körper eingefahren wie ein Blitz. Erholt war er, strotzte nur so vor Gesundheit. Und das war es, was ihn lächeln ließ. Hier und jetzt schien alles in Ordnung, Sorgen zwar vorhanden, aber auch das Wissen, sich ihrer anzunehmen und sie bewältigen zu können.

Kazel blickte sich um. Er sah Xenia, Annabelle, Talimée und Sintus. Sie unterhielten sich. Gut, der Jäger und die haarlose Elfe waren wieder da. Erleichterung folgte dieser Erkenntnis. Niemandem schien etwas zugestoßen zu sein in seiner und Janays Abwesenheit. Sein Blick glitt weiter durch die Höhle. Er entdeckte Janay. Sie besaß endlich wieder Farbe, schaute überhaupt sehr lebendig und ausgeruht aus. Er schmunzelte. Sie trug seine Robe - und er?
Kazel starrte an sich herab. Das Stück Stoff, das ihn bedeckte, kannte er nicht. Wem gehörte es, woher kam es? So konnte er jedenfalls nicht herumlaufen. Siedend heiß fiel ihm ein: "Ich habe ihr Kleid an dem See zurückgelassen." Kazel strafte sich selbst mit einem Klaps gegen die Stirn. "Am Feuer hätte es trocknen können." Er schaute zu den Diskutierenden. Ob sie einen Umweg zum See mitmachen würden? Notfalls könnte er schnell allein gehen. Er fühlte sich ausgeruht und stark genug dazu.
"Wie geht es dir?", erkundigte er sich noch bei Janay. Dann erhob er sich, das Stück Stoff vor seinen Körper haltend. Mit keinem Wort erwähnte er die Rettung oder wunderte sich über die Tatsache, überlebt zu haben. Fast als sei nichts davon geschehen. Möglicherweise war er aber auch einfach nur zu beschwingt, um die Gefahr und beinahe tötliche Konsequenz im Nachhinein zu begreifen.
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Re: Im Schutz des Waldes

Beitrag von Janay » Donnerstag 14. April 2011, 13:02

Wäre es nach Janays Wünschen und Vorstellungen gegangen, wäre es niemals soweit gekommen, wie es nun geschehen war. Sie wäre nicht in dieser Lage und schon gar nicht wäre sie vor einem weißen Hirschen davon gerannt, um sich mehr oder weniger den Tod zu holen. Doch sie war weder gefragt, noch ihr Wille berücksichtigt worden, sodass sie jetzt in dieser Situation steckte und dem Wohlwollen der Fremden ausgeliefert, in einem Zustand, wo sie sich nicht mehr unter Kontrolle hatte und sich jederzeit mit ihrer Muttersprache verraten könnte. Von den wirren Traumbildern und dem Schmerz in ihrem Herzen ganz zu schweigen!
Die Chance, ihre Umgebung auch nur im Geringsten wahrzunehmen, hatte sie schon seit langem nicht mehr, das betraf Geräusche ebenso wie Gerüche. Die Aufregung um Kazels körperliche Reaktion allerdings hätte sie bestimmt amüsiert. Zu schade, dass sie dies ebenfalls nicht erleben durfte.
Bis die Bilder ihres Geister von einem hässlichen, grauenhaften Hustenanfall mit Auswurf unterbrochen wurden.
Doch kaum war dieses Ding aus ihrem Körper heraußen, fühlte sie sich mit einem Mal erheblich besser. Ein entspanntes, heiseres Stöhnen entwich ihrer gepeinigten Kehle und ihr Leib erschlaffte in dem gelösten Zustand. Ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit hüllte sie ein und gleichzeitig kam das Drängen in ihr auf, dass sie aufwachen müsste.
Abrupt, ohne den Entschluss bewusst gefasst zu haben, hob sie ihre Lider an und sah... eine weit entfernte, dunkle, steinige Wand, da sie nach dem Ausspucken leicht gekrümmt auf der Seite lag.
Sie blinzelte und benötigte einige Sekunden, um zu erkennen, wo sie sich überhaupt befand und was diese orangefarbenen Zuckungen waren, nämlich das Licht der Flammen, die sie auch wärmten.
Langsam, wie in Erwartung eines unbekannten Schmerzes, drehte sich die junge Frau zurück auf den Rücken, ehe sie die Arme anwinkelte und sich auf die Unterarme hochstemmte.
Kein Schwindel ergriff sie, war sie nicht lange hier gelegen? Selbst wenn, war sie dankbar dafür, dass ihr Körper keine Proteste gegen die Bewegungen hatte, auch dann nicht, als sie sich aufsetzte und umsah.
Sie entdeckte ebenfalls die Streithähne, die sie überhaupt nicht zu bemerken schienen. Dann wanderte ihr Blick zu Kazel und begegnete in sich ruhend dem seinen.
Das feine, angedeutete und dadurch kokett wirkende Lächeln, das sie in den letzten Jahren zur Meisterschaft gebracht hatte, schlich sich in ihren Mundwinkel. Den Kopf legte sie leicht schief und mit der gewohnt gespielten Neugier gepaart mit der berufsmäßig nötigen Einschätzung musterte sie seinen kaum bekleideten Körper.
Wo war denn seine Robe geblieben?
Sie bewegte sich leicht, wodurch sein Geruch, der sich in dem Stoff festgesetzt hatte, wie ein Hauch in ihre Nase steigen konnte und sie an das Geschehene erinnerte.
Kurz blickte sie an sich herab und ihr Lächeln wurde eine Spur breiter, als sie ihm erneut ins Gesicht sah.
Ihm schien ebenfalls einzufallen, was passiert war, und seine Reaktion erheiterte sie, sodass sie leise auflachte. "Du willst wohl an alles denken.", neckte sie ihn flüsternd, um die anderen nicht auf sie aufmerksam zu machen, sollte es nicht schon geschehen sein, da sie ihn nicht bloßstellen wollte. Das hatte er mit seiner Nacktheit vermutlich schon von allein getan.
Außerdem fühlte sie sich behaglich und guter Laune, weswegen sie ihn erst recht ein bisschen und wohlgemeint aufziehen wollte.
Aus diesem Grund erhob sie sich nach ihm ebenfalls und trat direkt auf ihn zu. "Ich fühle mich gut, mir ist warm..." Sie grinste spitzbübisch und strich mit ihren Fingerspitzen wie ein Hauch über seinen nackten Oberkörper. "Aber mir scheint, du brauchst deine Kleidung.", fügte sie hinzu und schlüpfte aus einem Ärmel.
Janay spürte, dass sie noch ihre Unterwäsche trug, und in ihrem Beruf war Scham fehl am Platze, sodass sie kein Problem damit hätte, leicht bekleidet beim Feuer zu bleiben. Jedoch wollte sie ihn ein bisschen testen und ihn anstacheln, seine unschuldige Art zu zeigen, die so ungewöhnlich an einem Jungen seines Alters war.
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