Weg über die Ebene

Diese große Graslandschaft liegt im Herzen des östlichen Teiles Celcias. Bei einem Unwetter verwandelt sich diese schöne Ebene in ein sehr gefährliches Gebiet, da es kaum Schutz bietet. Der große Fluss Ilfar teilt die Ebene in zwei Hälften.
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Janay
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Donnerstag 5. März 2015, 18:50

Es mochte ja sein, dass diese weiße Pracht schön anzusehen war und friedlich wirken konnte, weil sie sämtliche Geräusche verschluckte und den Eindruck von Harmlosigkeit erweckte. Doch war sie gleichzeitig auch lebensfeindlich, vor allem für all jene Reisenden, die nicht dafür gerüstet waren, so wie dieses Dreiergespann.
Janay hätte sich so einiges selbst an den Kopf vorwerfen können, stumm natürlich, weil es die andere Elfe nichts anging und diese keine Schwäche wittern sollte, wenn es denn Sinn ergeben hätte. Doch sie hatte dieses Wetter nicht vorhersehen können und außerdem war ihr Aufbruch viel zu überstürzt gewesen, um auch nur irgendetwas im Ansatz zu planen. Das rächte sich nun und dennoch hatten sie bislang Glück gehabt, bei diesen Temperaturen nicht erfroren zu sein.
Der Hunger war schlimm, ebenso wie der Durst, aber gegen diese beiden hatten sie noch Chancen. Einmal im Schlaf zu sehr unterkühlt und das wäre es gewesen, nachdem sie nicht einmal Feuer machen konnten.
Die junge Dunkelelfe zwang sich, diese Gedanken abzuschütteln, ehe sie in eine besorgniserregende Richtung zu weit abdriften könnten, und trichterte sich immer wieder die Aufmerksamkeit für ihre Umgebung ein. Was letzten Endes dazu führte, dass sie glaubte, etwas entdeckt zu haben.
Und sie irrte sich nicht, was sie innerlich sehr erleichtert aufatmen ließ, obwohl sie sich darum bemühte, sich nichts anmerken zu lassen. Der Vorschlag allerdings sorgte dafür, dass sie das Gesicht verzog, obwohl sie etwas langsamer zwar, jedoch trotz allem folgte. Als sie auf dem Boden ankam und einen Schritt machte, merkte sie, wie mühsam all das war und wie sehr sie ihr gesamter Körper schmerzte. Außerdem drückte ihre Blase mal wieder, auch wenn sie kaum etwas getrunken hatte.
So nickte sie zu den Worten, während sie dem Warg lobend den Hals klopfte, ähnlich wie bei einem Pferd. "Geh schon vor, ich komme gleich nach.", erwiderte sie und steuerte eines der wenigen Gebüsche an, ohne sich darum zu kümmern, ob Juduka folgte oder auf sie wartete. So rasch könnte die Nachtelfe nicht verschwinden, noch dazu, da Terror ja mehr Gefallen an ihr als an der anderen gefunden hatte und sie kaum allein wegtragen würde.
Und Janay sollte sich nicht täuschen, sie hatte ihre Begleiterin rasch wieder eingeholt und allmählich wurden ihre steifen Knie wenigstens ein bisschen weicher. Hinter ihr folgte der Warg, sodass sie vermutlich einen alles andere als vertrauenerweckenden Eindruck abgaben. Auch ihr selbst war nicht vollkommen wohl dabei, das Raubtier in ihrem Rücken zu wissen, obwohl er bislang nichts getan hatte, um ihr zu schaden. Aber sie würde sich wohler fühlen, wenn sie ihr Ziel erreicht hätten, um das weitere Vorgehen zu überdenken.
Die Zeit wirkte endlos und gleichzeitig nicht fassbar, sodass die junge Dunkelelfe nicht einschätzen konnte, wie schon während ihres Rittes, wie viel davon verging, als sie sich endgültig wieder versteckten, um die Lage zu sondieren. Die Spuren wiesen auf mehrere Personen hin, höchstwahrscheinlich Männer und davon mindestens einer mit Kampferfahrung, da er sonst kaum die Aufgabe einer Wache gehabt haben würde. Doch von ihnen war vorerst niemand zu sehen.
Dennoch legte Janay instinktiv ihre Hand auf den Bauch, der leise grummelte bei dem Geruch nach Essen. Die andere wandte sie zur Seite und legte sie dem Warg auf den Nasenrücken. "Sch, sch!", versuchte sie, ihn zum Schweigen zu bringen, bevor sie jemand hören könnte.
Es war sowieso beinahe ein Wunder, dass die Pferde, die sie hören konnten, noch nicht angeschlagen hatten. Entweder waren sie besonders abgehärtet und somit weniger ängstlich, was wiederum für mindestens einen Kämpfer sprechen würde, oder sie hatten ausnahmsweise Glück.
Erst danach wandte sie sich wieder Juduka zu und wisperte:"Bleib mit Terror hier und beobachte alles. Ich schleiche mich etwas näher heran und sehe nach, was ich entdecken kann." Ein Vorschlag, der mehrere Gründe hatte.
Einerseits war es ungewiss, um welche Personen es sich hier handelte, das konnten sowohl Dunkelelfen sein als auch deren Gegner, aber wenn es mindestens einen Mann dabei gäbe, könnte und würde sie ihr Wissen als Freudenmädchen einsetzen, um die Gefahr abzuwenden. Andererseits war sie nicht gewillt, hier hocken zu bleiben und zu warten, bis etwas geschah. Und zu guter Letzt... vollständig traute sie der Nachtelfe noch immer nicht.
Deswegen setzte sie ihr Vorhaben auch sofort in die Tat um, wenngleich nicht, ohne zuvor leise auf den Warg einzureden, damit er ruhig blieb und ihr nicht folgte, um sie nicht sofort zu verraten, vor allem nicht, sollte es sich nicht um Vertreter ihrer Rasse handeln. Als sie daran glauben konnte, dass das Wesen sie verstanden hatte und hoffentlich auch gehorchen würde, verließ sie geduckt ihr Versteck und schlich in Richtung des Wagens, der ihr eine gute Deckung geben könnte und vielleicht sogar etwas Essbares enthielt.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 5. März 2015, 20:22

"Ich bin optische nicht gerade das, was einem unseres Volkes gefällt, ohne dass man mich zu versklaven versucht. Und jedes Mal muss ich zeigen, dass ein Dunkelelf nicht versklavt gehört."
Saerembor grinste und meinte ausgesprochen leise, fast nur zu sich selbst gesprochen:
„Auch ich würde euch gern einmal in Ketten sehen .. nur in Ketten.“
Der Mischling streckte den Rücken durch. Auch er versuchte sich daran, lässig zu wirken, in jedem Fall unbekümmert.
"Mit dem anderen habt Ihr Recht. Die Erfahrung durfte ich noch nicht machen, was nicht heißt, dass ich nicht neugierig wäre. Dass Ihr meinen Schalk wohlwollend aufnehmt ... ist ... erfreulich."
Innerlich würgte er und musste einmal tief durchatmen, das ließ sich nicht verhindern. Kazel drehte er sich gerade weg, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute so vom Lagerfeuer wieder weg in die Schatten des Waldes. Wenn Saerembor sein Gesicht nicht sah, konnte er auch nicht darin lesen. Die Konversation ließ sich so aber fortführen und vielleicht nahm dieser Kerl ihm sein Gebaren als eine Geste der Nachdenklichkeit ab.
"Ich bin jemand, der noch immer den Luftkuss einer interessanten Person bei sich trägt. Wollt Ihr ihn zurück?"
Das Eis wurde dünner und knirschte unter jedem seiner taktischen Schritte. Eine Folge hatte sein Abwende-Manöver auf jeden Fall. Der Dunkelelf wollte anscheinend ihm ins Gesicht sehen können und umrundete so den Gefängniswagen. Nun stand er mit dem Rücken zum Wald und umschloss mit seinen von dickem Leder umspannten, etwas ungeduldig, bebenden Fäusten die Gitterstangen.
„Ihr macht mir hier wirklich verlockende Angebote. Und ihr ziert euch auch sicher nicht?“
So ganz überzeugt schien der sadistische Folterer noch nicht und musterte eingehend Kazels Gesichtsausdruck. Im gleichen Augenblick nahm Kazel hinter Saerembors linker Schulter eine Bewegung zwischen den Bäumen war. War da jemand eben jemand entlang gehuscht?
„Ich mache euch einen Vorschlag. Wenn ihr eure Hand heraus streckt, mich gewähren lasst und ich keinen Zweifel in euren Augen sehe, dann werde ich euch für ein Schäferstündchen heraus lassen, dass ihr nicht vergessen werdet. Ich werde auch ganz zart sein. Ich will ja keine Klagen hören, wenn ihr das seid, was ihr vorgebt zu sein.“
Er grinste etwas verlegen und hob fragend die Schultern.

Um so näher Janay kam um so mehr schnürte sich ihr unwillkürlich die Kehle zu. Der Wagen war kein normaler, sondern einer mit einem Käfigaufbau am hinteren Ende. Der vorderen Teil des Gefährts war mit stabilem Holz aufgebaut und bot sicher einiges an Stauraum. Ganz vorne waren zwei muskulöse Kaltblüter angeschirrt und mit Decken gegen die Kälte geschützt. Dahinter war irgendwo das Lagerfeuer. Eine Bewegung in dem Wagen zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie sah eine gefangene Gestalt, gehüllt in ein Fell, zwischen den Gitterstäben sitzen. Für einen Moment hielt sie vor Schreck unwillkürlich den Atem an. Fast hätte sie ihn nicht bemerkt, so still wie er da gehockt hatte. Der Wind spielte in den Blättern über ihnen und die bewegten Schatten hatte ihn gleich einem Laubhaufen getarnt. Erstarrte beobachtet sie seine Regungen und irgendetwas daran ließ ihr Herz schneller schlagen. Jeder Schritt könnte sie verraten, doch sie musste einfach näher. Ihre brennende Neugierde trieb sie weiter. Dann bewegte sich plötzlich ein Schatten hinter dem vorderen Aufbau des Wagens hervor und umrundete diesen, sodass er nun mit dem Rücken zu ihr stand. Der Mann, definitiv ein äußerst ansehnlicher Dunkelelf, unterhielt sich offensichtlich mit dem Gefangenen. Etwas an der Szenerie, ließ sie die Spannung in der Luft fast schmecken. Zum Glück waren die beiden vollkommen miteinander beschäftigt, denn sonst hätte sie sicher das dunkle Spitzohr sie schon längst wahrgenommen. Jetzt war sie dankbar, dass sie Judukas Rat gefolgt war und den Bogen geschlagen hatte, denn der Wind stand günstig. Ihre eigenen Geräusche wurden vom Wind davon getragen und der Duft von Essen, leichter Rauch und leider auch eine leichte Note von Verwesung umwehte sie.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 6. März 2015, 13:25

Kazels Ohren zuckten. Elfen besaßen ein besseres Gehör als andere Völker wie beispielsweise die Menschen, doch gerade das war ihnen vertraut genug, um zu wissen, wie leise sie sprechen mussten, um nicht von ihresgleichen gehört zu werden. So bekam der Mischling nicht mit, was Saerembor in seinen nicht vorhandenen Bart murmelte. Dass es im Grunde sein Glück war, wusste Kazel somit ebenso wenig. Denn hätte er die Worte vernommen, ihm wären die Gesichtsmuskeln vermutlich entgleist. Das hätte der Dunkelelf sicherlich nicht mehr mit einer simplen Ausrede und ein paar unterschwelligen Komplimenten abgetan. Er musste sich zusammenreißen, durfte ob der uneheilvollen Zukunft, in die er sich selbst hinein spielte, nicht die Beherrschung verlieren.
Er stand mit dem Rücken zu Saerembor und dankte Aman tatsächlich für den Bruchteil einer Sekunde, noch Gitterstäbe zwischen sich und dem anderen zu haben. Die Lider senkten sich, seine Konzentration wanderte zum Herzen. Es raste. Konnte Saerembor es denn nicht hören? Jeder Herzschlag war ein Donnern tiefst grollender Kriegstrommeln. Kazel glaubte gar, dass es den Boden erschütterte.
Dann zuckten seine Ohren erneut. Er öffnete die Augen und zuckte knapp. Der Elf mit dem fliederfarbenen Haar stand plötzlich wieder vor ihm. Etwas Farbe wich aus seinen Wangen, bis er sich von dem Schreck erholt hatte. Das Unbehagen in seinen Gliedern ließ jedoch nicht nach. So gut es ihm möglich war rang er sich ein Lächeln ab. "Seid Ihr in allen Dingen so leise?" Es sollte wie ein Lob klingen, eine weitere Spielerei zwischen beiden Männern, die Saerembor vermutlich auch noch genoss. Kazel jedoch versuchte, Informationen zu sammeln. Sie mochten ihm noch wichtig sein. Wenn dieser Elf in trauter Zweisamkeit gewöhnlich sein Lager zusammenbrüllte, mochten Dorun und Aman keinen Verdacht schöpfen, falls es Kazel gelang, ihm die Kehle aufzuschlitzen und zu fliehen. Du denkst ziemlich oft sehr schnell und unbekümmert über Mord nach ... jaja, nach dem ersten Mal ist es einfacher, nicht wahr? Ob seiner Gedanken zuckte er heftiger zusammen als angesichts des Folterers. "Wie kann ich Euch versprechen, mich nicht vollends zu zieren? Wer weiß, was Ihr über die Erfahrung an sich hinaus mit mir vorhabt", redete er sich heraus, fügte aber rasch an, "Ihr müsst eben behutsam mit mir umgehen." Noch ein Lächeln. Kazel hoffte, dass es nicht zu gequält aussah. Er konnte seine eigene Mimik natürlich nicht sehen, sie nur erahnen. Allzu vertraut mit nach außen gezeigten Emotionen und seien sie auch nur gekünstelt war er schließlich nicht. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache hatte er sich nie auf dünnes Eis begeben. Er hatte praktisch versucht, auf dem Wasser zu laufen ... ein gekonnter Magier beherrschte das vielleicht, aber kein Mischlings-Elf, der sich Jahre lang in die Einsamkeit geflüchtet hatte. "Ihr seht mich hin- und hergerissen, denn eigentlich habe ich für meine eigenen Bedürfnisse keine Zeit. Andererseits lasst Ihr und Eure Gefährten mir kaum eine Wahl, nicht wahr?" Er konnte schließlich auch weiter im Käfig versauern. Hoffentlich kaufte der Dunkle ihm die Worte zusammen mit seinem Gesichtsausdruck ab. Vielleicht hatte er ihn auch längst durchschaut, spielte nur weiter, um den Mischling am Ende so richtig ins Unglück stürzen zu lassen. So wie Kazel ihn einschätzte, wäre eine derartige Aufdeckung in Saerembors Sinn. Er betrachtete ihn, schaute in sein Gesicht, jedoch sah er sich die feinen elfischen Züge an. Ein direkter Augenkontakt wollte sich nicht aufbauen, Kazel versuchte, dem auszuweichen. Der andere könnte ihn durchschauen. Als Kazel dann den Kopf neigte, nahm er im Hintergrund eine Bewegung wahr. Er beachtete sie allerdings nicht weiter. Es konnte ein Tier sein, ein Vogel vielleicht. Was nützte ihm das? Er musste sich auf diesen schaurigen Elfen konzentrieren. Vor allem jetzt, als er ihm ein Angebot machte, das dem Sturmadler das Blut in den Adern gefrieren ließ. Auch seine Mimik erstarrte. Fast reflexartig schüttelte er den Kopf, erkannte seinen Fauxpas und rang sich ein weiteres schwaches Lächeln ab.
"Meine Hand? Ihr solltet mich nicht für so dumm halten. Nur weil Ihr mein Interesse geweckt habt, vertraue ich Euch noch lange nicht. Wo, glaubt Ihr, habe ich gelebt? Hier in der Stillen Ebene? Auch ich stamme aus Morgeria." Und dass man dort niemandem trauen sollte, nicht einmal der Mutter, die einen geboren hatte, musste jedem in der Stadt gebürtigen Dunkelelfen klar sein. Seine Antwort war plausibel und zugleich so ironisch. Er war so lang nicht mehr in der Toten Ebene gewesen! Aber ob sich etwas in seiner Heimat geändert hatte? Kazel bezweifelte es. Die Dunkelelfen, Orks und finster angehauchten Goblins zeigten durch ihren Feldzug doch, wie verkommen sie noch immer waren! Er durfte Searembor nicht eine Sekunde lang trauen. Ihm nicht, Duron nicht und Aman auch nicht, so menschlich - oder elfisch - sie sich auch gaben. Da blieb nur noch eines: Kazel streckte die Hand aus, aber nicht, um sie dem Dunkelelfen zu reichen. Er versuchte, sich dessen Handgelenk zu greifen, hielt er doch noch immer die Gitter umschlungen. "Ihr verlangt, dass ich Euch bedingungslos vertraue, aber wie sieht es andersherum aus? Reicht Eure Hand hinein, dann folge ich Euch vielleicht, wenn Ihr die Tür für ein Schäferstündchen öffnet."
Konnte er es sich überhaupt leisten, auf Zeit zu spielen? Vielleicht warteten die Leoniden irgendwo in der Umgebung und rüsteten sich zu einer Befreiungsaktion. Wo steckten Rhudos, Vflex und der Spähtrupp eigentlich?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Freitag 1. Mai 2015, 03:17

Die junge Dunkelelfe hatte einige Dinge erwartet hier vorzufinden, aber sich die Realität niemals auf diese Weise ausgemalt. Zwar wusste sie nicht, was zuvor alles schon gesprochen wurde, geschweige denn, dass sie auch jetzt jedes Wort hören konnte, besonders, da sie sich darauf konzentrieren musste, nicht gesehen zu werden. Aber auch aus den Fetzen konnte sie es sich zusammen reimen, um was genau es hier ging.
Was sie stutzig machte und obendrein eine Spur weit kränkte, auf der anderen Seite jedoch einen Hauch amüsierte. Kazel beim Herumturteln zu sehen, ausgerechnet dieser schüchterne Jungspund, der bei ihr teilweise keinen Ton über die Lippen gebracht hatte, war irgendwie… merkwürdig. Wie er nur dazu kam? Und noch dazu in einem Käfig festsaß… Solche Vorlieben hätte sie ihm gar nicht zugetraut.
Unwillkürlich zuckten ihre Mundwinkel bei diesem Gedanken, ehe sie sich wieder konzentrierte und sogar versuchte, in die Runde zu spähen, um auszumachen, wie viele Personen sonst noch in der Nähe waren. Nein, der Mischling verhielt sich sicherlich nicht rein freiwillig so, immerhin würde sie dieselbe Strategie anwenden… und hatte es schon getan, um sich aus einer brenzligen Situation retten zu können. In Kosral hatte sie genauso gehandelt, obwohl es ihr sehr recht war, dass es nicht bis zum bitteren Ende gekommen war.
Janay kniff kurz die Augen zusammen und machte zwei tiefe Atemzüge, um sich zusammen zu reißen und nicht weiter darüber nachzudenken, was sich vor ihr abspielte. Was auch wirklich notwendig war, da sich der fremde Mann plötzlich zu bewegen begann. Instinktiv machte sie sich kleiner und rückte ein Stück weit tiefer in die Schatten, um den Abstand in etwa gleich zu halten und nicht gesehen zu werden. Sogar den Atem hielt sie für einige Sekunden an, bis sie sicher sein konnte, wirklich nicht entdeckt worden zu sein.
Wobei ihre Vorsicht womöglich gar nicht notwendig gewesen wäre, denn der andere hatte nur Augen für Kazel. Und ebenso konnte sie wieder dessen Gesicht sehen, wenngleich lediglich die eine Hälfte und somit sein Profil. Trotzdem erkannte sie, wie er regelrecht erstarrte, und ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten. Was auch immer gerade gesagt worden war, es hatte ihn vermutlich erschüttert… oder klar gemacht, dass das Redespielchen zu Ende war und es ans Eingemachte gehen sollte.
Mochte sein, dass sie nicht viel außerhalb ihres Metiers wusste, allerdings das Kokettieren war ihr vertraut und auch der Moment, in dem es entweder abgebrochen werden musste oder das Gesprochene in die Tat umgesetzt wurde. Genau da war der Gefangene jetzt, sagte ihr der Instinkt, und sie ahnte anhand seiner Mimik, dass er Hilfe bräuchte. Irgendwie zumindest… Jedoch wie sollte sie das tun, ohne einen wirklichen Überblick schon zu haben?
Ihre Augen irrten suchend in die Runde und streiften die beiden Pferde. Zuerst huschten sie weiter, bevor sie schlagartig wieder hinsah. Ihr kam eine Idee, aber sie war waghalsig, weil sie mehr als leicht schief gehen könnte. Aber etwas anderes wollte ihr spontan nicht einfallen.
Absichernd blickte sie wieder zu dem fremden Mann, bevor sie sich noch kleiner machte und langsam, so quälend es sich auch anfühlte, zu den Tieren schlich. Das Feuer reichte gerade noch so aus, dass sie etwas erkennen konnte, da sich ihre Augen daran gewöhnt hatten. Blieb ihr nur zu hoffen, dass alle anderen abgelenkt genug waren und sich niemand dafür interessierte, ob sich eine schmale, helle Hand an der Halterung des Gespanns zu schaffen machte. Es würde nicht einfach werden, doch sie musste es zumindest probiert haben.
Sollte es ihr gelingen, wollte sie die Tiere irgendwie erschrecken und dadurch für Aufruhr sorgen, dass diese plötzlich weglaufen könnten, um dann zu Kazel zu gelangen. Sie musste mit ihm reden, musste wissen, was hier los war, bevor sie zu Juduka wieder und in ein wenig mehr Sicherheit überlegen könnte, wie sie ihm helfen und ihn womöglich befreien konnte. Denn hier lassen würde und wollte sie ihn nicht.
Blieb ihr nur zu hoffen, dass sie selbst nicht erwischt werden würde. Auch wenn sie ihren Körper als Mittel einzusetzen wusste, hatte ihr die Begegnung in Kosral gezeigt, dass sie das nicht zwangsläufig bei ihresgleichen wollte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Sonntag 3. Mai 2015, 11:21

"Seid Ihr in allen Dingen so leise?"
Es sollte wie ein Lob klingen, eine weitere Spielerei zwischen beiden Männern, die Saerembor vermutlich auch noch genoss. Der Dunkelelf lächelte jedoch nur schmal und lecke sich die eingezogenen Lippen.
"Wie kann ich Euch versprechen, mich nicht vollends zu zieren? Wer weiß, was Ihr über die Erfahrung an sich hinaus mit mir vorhabt"
, redete er sich heraus, fügte aber rasch an,
"Ihr müsst eben behutsam mit mir umgehen."
Noch ein Lächeln, welches sofort erwidert wurde. Doch Kazel hoffte, dass es nicht zu gequält aussah und so ging das gefährliche Spiel weiter.
"Ihr seht mich hin- und hergerissen, denn eigentlich habe ich für meine eigenen Bedürfnisse keine Zeit. Andererseits lasst Ihr und Eure Gefährten mir kaum eine Wahl, nicht wahr?"
Als Kazel dann den Kopf neigte, nahm er im Hintergrund eine Bewegung wahr. Er beachtete sie allerdings nicht weiter, er musste sich auf diesen schaurigen Elfen konzentrieren. Vor allem jetzt, als er ihm ein Angebot machte, das dem Sturmadler das Blut in den Adern gefrieren ließ. Auch seine Mimik erstarrte. Fast reflexartig schüttelte er den Kopf, erkannte seinen Fauxpas und rang sich ein weiteres schwaches Lächeln ab. Saerembors Miene verriet nichts darüber, ob er seine Angst gesehen hatte oder nicht.
"Meine Hand? Ihr solltet mich nicht für so dumm halten. Nur weil Ihr mein Interesse geweckt habt, vertraue ich Euch noch lange nicht. Wo, glaubt Ihr, habe ich gelebt? Hier in der Stillen Ebene? Auch ich stamme aus Morgeria."
Und dass man dort niemandem trauen sollte, nicht einmal der Mutter, die einen geboren hatte, musste jedem in der Stadt gebürtigen Dunkelelfen klar sein. Kazel streckte die Hand aus, aber nicht, um sie dem Dunkelelfen zu reichen. Er versuchte, sich dessen Handgelenk zu greifen, hielt er doch noch immer die Gitter umschlungen.
"Ihr verlangt, dass ich Euch bedingungslos vertraue, aber wie sieht es andersherum aus? Reicht Eure Hand hinein, dann folge ich Euch vielleicht, wenn Ihr die Tür für ein Schäferstündchen öffnet."
Saerembors helles violettes Haar glänzte silbern im fahlen Licht des nahenden Tages und seine merkwürdig sinnlichen Lippen öffneten sich voller überraschten Verzücken. Irgendetwas war gerade gebrochen! Vielleicht der Damm seiner Selbstbeherrschung?
„Für so stürmisch hätte ich euch gar nicht gehalten!“
Ein Geräusch, ähnlich einem Schnurren, herausfordernd und zutiefst zufrieden entwich ihm zwischen den weiß glänzenden Zähnen, gebleckt zu einem hungrigen Grinsen. Er genoss es sichtlich, dass Kazel ihn gepackt hielt und schob ihm bereitwillig beide Arme zwischen den Stangen hindurch, unter seine Decke. Der Elf konnte gar nicht so schnell reagieren, wie seine langen Finger seinen Lenden genähert hatten und unter dem Fell geschickt nach seiner Männlichkeit suchten. Seine plötzliche Nähe überwältigte den Elfen für ein paar Herzschläge lang, so wie es der Anblick eines Wolfes bei einem Kaninchen tat. Während Saerembor das tat, was er tat, hauchte sein viel zu nahes Gesicht kleine Wölkchen und vor Leidenschaft bebende leise Worte aus, die nur sie beide hören konnten. Es waren nicht die Worte die die Erstarrung anhalten ließen, mehr der verführende Klang der geflüsterten Silben.
„Ich verlange kein Vertrauen wo keines sein kann. Das was ich mit euch vor habe braucht kein Vertrauen, nur reinste Begierde. Wenn ihr euch ziert, macht es mir besonders Freude, denn das würde mir nur bestätigen, dass ihr eine „Jungfrau“ in diesen Dingen seid... Ich brauche auch kein Vertrauen um meine Hände nach euch auszustrecken. Ich brauche nur euren gesunden Verstand. Was glaubt ihr, würde mit euch passieren, wenn ihr die Hand „beißt“, die euch wohlgesinnt zugewandt ist? Ein falscher Schritt von euch und eure schöne Geschichte wäre aufgeflogen und ihr eine Randnotiz in Doruns Bericht.“
Er zog an irgendetwas und Kazel fühlte, wie sich etwas an seiner Kleidung lockerte. Dass brachte ihn aus seiner Erstarrung. Viel Platz zum Ausweichen hatte er nicht, aber diesen flink suchenden Händen könnte er sich durchaus entziehen, wenn er zurück an die gegenüberliegende Käfigwand rutschte. Oder sollte er angreifen?
„In Morgeria würde ich euch auf Seide betten und euch mit erlesenen Köstlichkeiten verwöhnen, würde euch den Hof machen und mich euch so sanft nähern, bis ihr mich darum bittet, euch endlich zu erlösen, aber hier bleiben mir nur spärliche Mittel um euch in meine Kunst einzuweisen. ...“

Kazel beim Herumturteln zuzusehen, ausgerechnet dieser schüchterne Jungspund, der bei ihr teilweise keinen Ton über die Lippen gebracht hatte, war irgendwie… merkwürdig und Janay grübelte bei dem merkwürdigen Schauspiel über die Beweggründe des Mischlings nach. Nein, der Mischling verhielt sich sicherlich nicht rein freiwillig so, immerhin würde sie selbst dieselbe Strategie anwenden, wenn sie in seiner Situationen wäre, doch andererseits war Kazel nicht „geschult“ in diesen Dingen. Das Eis, auf das er sich hier begab, war mehr als nur dünn und sehr gefährlich, wenn man seine Reize falsch einsetzte. Sie beobachtete, wie Kazel sich nach vorne beugte und die Handgelenke des Elfen griff und hörte:
„Für so stürmisch hätte ich euch gar nicht gehalten!“
Dann wurde es zu leise um noch ein Wort zu verstehen. Irgendetwas ging da vor, doch wollte sie darüber nachzudenken, was sich dort unter dem bewegten Fell tat? Die ganze Situation war mehr als suspekt und Kazel schien auf den entfernten Blick hin, sich auch erst einmal nicht zu wehren. Trotzdem fasste sie einen Plan. Absichernd blickte sie wieder zu dem fremden Mann, bevor sie sich noch kleiner machte und, so quälend es sich auch anfühlte, langsam zu den Tieren schlich. Das Feuer reichte gerade noch so aus, dass sie etwas erkennen konnte, da sich ihre Augen an das Halbdunkel gewöhnt hatten. Blieb ihr nur zu hoffen, dass alle anderen abgelenkt genug waren und sich niemand dafür interessierte, ob sich eine schmale, helle Hand an der Halterung des Gespanns zu schaffen machte. Sollte es ihr gelingen, wollte sie die Tiere irgendwie erschrecken und dadurch für Aufruhr sorgen, dass diese plötzlich weglaufen könnten, um dann zu Kazel zu gelangen. Sie musste mit ihm reden, musste wissen, was hier los war, bevor sie zu Juduka wieder zurück konnte und in ein wenig mehr Sicherheit überlegen könnte, wie sie ihm helfen und ihn womöglich befreien konnte. Denn hier lassen würde und wollte sie ihn nicht. Blieb ihr nur zu hoffen, dass sie selbst nicht erwischt werden würde. Auch wenn sie ihren Körper als Mittel einzusetzen wusste, hatte ihr die Begegnung in Kosral gezeigt, dass sie das nicht zwangsläufig bei ihresgleichen wollte. Legte es Kazel darauf an? Was dachte er sich nur! Einen Dunkelelfen zu bezirzen war lebensgefährlich! Sie hatte die Halterung vom Wagen zum Gespann erreicht, ohne dass die beiden Turteltauben sie bemerkt hatten.

Janay war kaum mehr als vier oder fünf Schritt von den beiden Entfernt und kauerte hinter den Hufen der Pferde, als sie plötzlich laut und deutlich eine schneidende Stimme vernahm:
"HALT!"
Auch Saerembor erstarrte in seiner Bewegung und riss sich unwirsch von Kazel los, bevor dieser handeln konnte. Kazel musste sich umdrehen um zu sehen, was hinter seinem Rücken nun vor sich ging und Janay fand einzig unter dem Wagen Deckung, wo es furchtbar nach Verwesung stank, auch wenn nirgends eine Leiche zu sehen war. Trotzdem war sie sich sicher, dass etwas vor kurzem hier noch gelegen haben musste. Ob die Leute hier einen Nekromanten dabei hatten, der Tote wieder bewegen konnte? Sie hörte ein leises Knurren, als Kazels hoffnungsvoller Liebhaber nun schnellen Schrittes an Janays Position vorbei ging und sich wieder dem Lagerfeuer näherte. Auf der anderen Seite der Lichtung kam Dorun aus seinem Zelt und Aman flankierte mit gespanntem Bogen und aufgelegtem Pfeil eine Frau, die auf einem Warg ritt. Sofort begannen die Pferde nervös mit ihren Hufen zu stampfen und Janay konnte froh sein, nicht mehr in der Nähe hinter ihren Beinen zu hocken.
„DAS IST NAH GENUG!“
Dorun hatte die Hand gehoben und Janay erkannte „Terror“ mit der Nachtelfe auf seinem Rücken, deren Gesicht aber durch tief hängende Zweige verdeckt war. Im gleichen Moment hörten beide ein dumpfes Geräusch aus fast der selben Richtung aus der Janay sich angeschlichen hatte und sah wie ein Ork aus dem Wald kam. Kazel konnte aus seiner etwas erhöhten Position besser sehen und erkannte auf den ersten Blick Juduka, wie sie auf dem Warg saß. Was machte sie hier? War das ein Ablenkungsmanöver? War sie allein? Sicher rasten beiden tausend Fragen durch ihre Gedanken, doch für einen Moment war die Aufmerksamkeit aller Dunkelelfen auf die Nachtelfe gerichtet und nur der langsamere Ork könnte vielleicht etwas mitbekommen, wenn er den Wagen passierte. Sobald er vorbei war, könnte sich eine gute Gelegenheit für eine Befreiung bieten.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 24. Mai 2015, 00:17

Oh, dieser Elf war trotz erster Erfahrungen mit Janay einfach noch viel zu jung und unschuldig, um die Spielereien, die er hier mit Saraembor begang, richtig verstehen zu können. Nie hätte er geahnt, was dieser Dunkelelf wirklich vor gehabt hatte, als er nach Kazels Hand verlangte. Ansonsten wäre dem Mischling mit Sicherheit das Herz in die Hose gerutscht. Vielleicht war es daher ein Gutes, dass er sich in unschuldige Naivität kleidete. Sie verriet ihn nicht. Der Rest von ihm durfte es jetzt allerdings auch nicht tun.
Er verkniff sich ein Stirnrunzeln, als er erneut in Saerembors Gesicht blickte und dessen überraschte Verzückung sah. Stürmisch? Was ... ich verstehe nicht ... Kazel antwortete nicht, versuchte einfach weiter zu lächeln. Er hätte nicht gewusst, was er auf diese Worte erwidern sollte. Hoffentlich trat er durch sein Schweigen nun in kein Fettnäpfchen. Er durchbrach jedoch die Stille durch ein halb ersticktes Japsen, das bald einem scheuen Quieken gleich kam. Der Elf mit dem Fliederhaar war es, der ihn nun überraschte. Kazel hatte es als Vertrauensgeste gefordert, einfach weil er davon ausging, dass man es von einem Dunkelelfen - als den er sich ja ausgab - erwartete. Er musste genug Misstrauen an den Tag legen, um sich nicht sofort bereitwillig und ganz in die Hände eines Fremden zu begeben, ob Elf oder nicht. So hätte er eine in den Käfig gereichte Hand abgenickt und in forderndem Tonfall verlangt, ihn rauszulassen. Er wäre Saerembor möglicherweise in sein Zelt gefolgt, um im erstbesten Moment seine Flucht umzusetzen. Notfalls auch, indem er den Elfen tötete. Es wird einfacher, je häufiger du es tust, nicht wahr? Mit Shantih hat es angefangen, dann Landria Sinal ... und schließlich alle, die du in der Zeit, in der deine Herzschläge zählten, hattest töten können. Er schluckte bei dem Gedanken daran. Außerdem musste der Sturmadler erkennen, dass es stimmte. Sobald die Grenze überschritten war, nahm es beinahe Gewohnheit an. Er würde in Zukunft leichter töten können, einfach, weil er die Hemmschwelle überschritten hatte. Dessen konnte er sich sicher sein, andernfalls würde er nie im Vorfeld über Mord nachdenken und doch ... nun stand er hier mit Mordplänen im Kopf. Pläne, die sofort zunichte gemacht wurden, als Saerembor sich ihm widmete.
Kazel konnte den Stoff der Decke rascheln hören. Alle anderen Geräusche blendeten sich wie von selbst aus, so dass dieses leichte Knistern des Gewebes Ausmaße eines Gewitters annahm. Ein Donnergrollen, gefolgt von tanzenden Blitzen vor seinen Augen und über seine Haut hinweg, als die Finger des anderen ihn berührten. Selten kam ihm jemand so nahe. Noch seltener ein Fremder. Und nun ... Was tut er da?! Das Blut gefror dem Mischling in den Adern. Nein, das stimmte nicht. Es verteilte sich neu, suchte sich zwei Stellen im Körper, wo es sich staute. Zunächst in den Wangen, die eine tiefere Röte als seine Nase annahmen. Die Nase verdankte er den gesunkenen Temperaturen. Für die Wangen war Saerembor verantwortlich. Über die andere Stelle, die zentraler und tiefer lag, wollte Kazel garnicht erst nachdenken. Wäre Kazel nicht vor Schreck so erstarrt, er hätte sich vom Gitter bis an die andere Seite seiner Zelle zurückgestoßen, angewidert und beschämt. Doch durch seinen Kopf flogen entsetzte, verlegene Gedanken, während in seinen spitzen Ohren das Blut rauschte. Er fasst mich an! Manthala, Herrin der Schatten, warum berührt er mich?! Faldor, hilf! Lysanthor! Irgendjemand!
Das leichte Kratzen der Schnürung, die seine Hose zusammenhielt, verursachte ein reißendes Grölen in Kazels Ohren, dass diese zuckten und er glaubte, gleich bewusstlos zusammenzusacken. Seine Knie waren vollkommen weich, aber nur weil ihm das wieder bewusst wurde, fand er aus der Starre zurück. Seine Lippen öffneten sich, aber die Zunge lag ihm schwer im Mund. Sein Hals war trocken. Er brächte ohnehin nur ein Krächzen heraus. Das Spiel konnte er so nicht weiterspielen, zumal sein Körper auf die Zuwendung ansprang. Etwas, das ihn verlegen den Blick senken ließ und in eine passive Rolle zwang, derer er sich gerade nicht zu entwinden wusste. Einfach zurückweichen. Nein, so einfach war es jetzt nicht, denn Saerembor war weder Janay noch irgendeine Frau, von der er diese LIebkosungen noch hätte erwarten können. Hier stand ein Mann vor ihm, ein sadistisch veranlagter Dunkelelf, der ihn in Morgeria umwerben würde, in seinem Zelt aber nur für ein kurzes Stelldichein haben wollte. Was hatte er denn vor? Der Dunkelelf war zu jung, zu unerfahren auf diesem Gebiet um sich auch nur ansatzweise Möglichkeiten ausmalen zu können. Ein Deut Neugier mochte durchaus den Rand seines Bewusstseins streifen, vordergründig lag dort aber nur Entsetzen ob der Situation. So stellte sich der kleine Sturmadler gerade ziemlich sprachlos dar, ohne darüber nachzudenken, ob es seinen Gegenüber verzückte oder ob er sich damit verriet. Denn Denken war angesichts der Umstände für ihn gerade nicht möglich.

Verzögert verarbeitete der Mischling somit auch den gerufenen Befehl. Das "Halt" hämmerte sich mit der Zähflüssigkeit von Honig in seinen Schädel. Irgendwann kam es aber auch bei ihm an, so dass er abgelenkt den Kopf von Saerembor abwandte und sich suchend umschaute. Der Dunkelelf riss sich in jenem Moment aber ohnehin los. Kazel atmete auf, ohne sich dessen ganz klar zu sein. Ein Schauer lief ihm den Rücken herunter, während er nun genau die Stellen hätte benennen können, von denen sich Saarembor gelöst hatte. Er hinterließ prickelnde Kälte. Fröstelnd zog er die Felldecke enger um die Schultern. Dann drehte er sich ganz um, wollte sehen, was ihn davor bewahrt hatte, noch länger den lüsternen Fingern des anderen Mannes ausgesetzt zu sein. Irgendwie fühlte er sich beschmutzt. Es blieb aber keine Zeit, um darüber nachzudenken. Seine Augen weiteten sich, als er die Gestalt auf dem Warg erkannte und ihm klappte gar die Kinnlade herunter. So starrte der Sturmadler Juduka einfach nur an .... während ihm langsam die Hose zu den Kniekehlen rutschte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Montag 25. Mai 2015, 00:48

Hätte sich die junge Dunkelelfin nicht so sehr darauf konzentrieren müssen, lautlos und unentdeckt zu bleiben, damit sie hoffentlich für ein gezieltes Ablenkungsmanöver sorgen könnte, hätte sie vermutlich so einiges zu der Szenerie zu sagen gehabt. Vor allem, als sich Hände zu Kazel in den Wagen schoben und damit begannen, diesen zu betasten.
Doch so entging es ihr, ebenso wie der Sinn all der Worte, wenn diese laut genug gewesen wären, um sie zu verstehen, damit sie sich nicht ablenken ließ. Lediglich auf den Tonfall versuchte sie zu achten, um nicht alles um sie herum zu verpassen, sollte es darum gehen, dass sie womöglich entdeckt worden war.
Bislang lief alles gut und sie wähnte sich schon an einem der Teilziele ihres Plans, als plötzlich eine Stimme dermaßen deutlich erklang, dass ihr Herz regelrecht auszusetzen drohte. Mitten in der Bewegung erstarrte sie, hielt den Atem an und rechnete damit, dass nun alles vorbei wäre. In ihrer derzeitigen Position hätte sie es schwer, einen Grund für ihre Anwesenheit zu finden und ihren Entdecker obendrein becircen zu können.
Allerdings war noch keine Hand hier, um sie zu berühren und herum zu reißen, und obwohl sie glaubte, dass bereits Minuten vergangen waren, handelte es sich lediglich um winzige Sekundenbruchteile, ehe sie unter dem Wagen verschwand und dort Schutz suchte. Weiterhin wagte sie es kaum Luft zu holen, während ihr Herz inzwischen vor Angst regelrecht raste. Den Gestank indes nahm sie vorerst noch nicht wahr oder, dass ihr das Atmen nicht allein wegen der Aufregung schwer fiel. Es wunderte sie ohnehin, dass es noch nicht gehört worden war.
Aus dieser Position konnte sie jedoch nichts weiter als Stiefelpaare erkennen, die sich in einer viel zu großen Nähe aufhielten. Wenngleich es nicht lange dauerte, bis diese sich wieder entfernten und das äußerst eilig. Janay schluckte schwer und wagte es mit bebendem Herzen, eine Spur vorwärts zu kriechen, um mehr von ihrer Umgebung erspähen zu können.
Als erstes fiel ihr auf, dass sich die Pferde zu bewegen begannen, was sie wiederum erneut sehr besorgte. Würden sie jetzt wider Erwartung durchgehen? Noch, bevor sie die Verbindung zu dem Wagen gelöst hatte?! Aber warum das auf einmal?
Sie rutschte noch eine Winzigkeit vorwärts und musste sich auf die Unterlippe beißen, um nicht hörbar zu fluchen. Verdammt, was hatte Juduka jetzt wieder angestellt?! Wieso war sie auf einmal hier? Und... würde sie die Dunkelelfe verraten?! Egal, sie musste sich darauf einstellen und möglichst schnell eine neue Idee haben.
Doch das konnte sie erst, wenn sie kurz mit Kazel gesprochen hatte. Einfach nur, um zu wissen, was sie erwarten würde, wie viele Leute hier waren und was diese wollten! Die Nachtelfe würde schon ein paar Minuten auf sich aufpassen können... zumindest soweit, dass sie nicht umgebracht werden würde. Außerdem war der Warg auch bei ihr und vielleicht war er so weit zu denken fähig, dass er sie ein wenig beschützen würde, nachdem er sie und Janay so weit getragen hatte.
Schon wollte sie sich heraus schieben, um die allgemeine Ablenkung zu nutzen, als noch etwas sie inne halten ließ. Ein dumpfes Geräusch, das sich bald als das Stampfen eines Orks erwies. Ein weiteres Mal wollte sie fluchen, war diesmal allerdings geistesgegenwärtig genug, um sich die Hand vor den Mund zu halten, um wirklich keinen Laut von sich zu geben. Das war übel, richtig übel! Trotzdem... sie musste mit dem Mischling reden, jetzt umso dringender!
Zuerst jedoch wartete sie und atmete innerlich auf, als der Ork an ihr vorbei stapfte, ohne sie zu bemerken. Wenngleich sie dennoch umso vorsichtiger sein musste und sich lieber zuerst unter dem Wagen weg von dem Lagerfeuer schob, ehe sie es wagte, darunter hervor zu kommen und zu Kazel zu schleichen.
Irgendwie schaffte sie es tatsächlich bis zu ihm hin und wollte ihn schon etwas zu zischen, als ihr etwas an ihm auffiel, das ihre Augenbraue deutlich in die Höhe wandern ließ. So entkam ihr eine Bemerkung, die nicht ganz zu ihrem eigentlichen Vorhaben passen wollte und die sie sich dennoch nicht verkneifen konnte. "Ich wusste gar nicht, dass du verschwunden bist, um deine Hose runter zu lassen. Dabei dachte ich, das tätest du nur bei Frauen.", raunte sie in seinem Rücken, dicht an die Gitterstäbe, damit er sie hören und gleichzeitig verdecken konnte. Denn entdeckt zu werden, bevor sie alle wichtigen Informationen hätte, war das Letzte, was nun gebrauchen könnte!
Ein Umstand, der ihr den Ernst der Lage wieder zu Bewusstsein brachte. "Darüber reden wir besser später. Los, sag mir alles, was ich wissen muss. Eigentlich dachte ich, wir müssten nur dir deinen Arsch retten, aber anscheinend muss ich das jetzt bei mehreren tun.", zischte sie und spähte vorsichtig an ihm vorbei in Richtung des Lagerfeuers.
Dabei fiel ihr auf, dass es bei weitem nicht mehr so stark blendete wie noch zu Beginn ihres Besuches. Was sie instinktiv in Richtung Himmel blicken ließ und ein leises Fauchen entlockte. Nicht nur, dass sie bei Tageslicht sofort einer Entdeckung ausgesetzt wäre, war die beginnende Dämmerung für Juduka alles andere als vorteilhaft. Und da der Himmel noch immer von dichten Wolken bedeckt war, musste es eigentlich schon viel später sein als gedacht. Hoffentlich hielt zumindest diese Wand da oben dicht, sonst könnte sie nie ausreichend Zeit herausholen, um einen Plan machen zu können. Denn dies war nun ein Gebiet von Kriegsführung, bei dem sie nicht sonderlich geübt war!
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 25. Mai 2015, 17:11

Das alles war so schnell gegangen und Sturmadler wusste kaum wie ihm geschah, als flinke Finger sein Blut umverteilten und in seinem Körper Reaktionen hervor zauberten, über die er keiner Kontrolle hatte. So überraschend wie es begonnen hatte, endete es aber auch und ließ den Mischling fast paralysiert zurück. Der Umstand, dass ein Mann eben seine Triebe geweckt hatte, die er als letztes zurückhaltend nur Jener geschenkt hatte, die jetzt sein Kind unterm Herzen trug, war mehr als nur eine leichte Verwirrung. Sobald Saerembor von ihm angelassen hatte, fühlte sich Kazel beschmutzt. Zeit zum Nachdenken gab es nicht, denn das Gesicht dass dort sich dem Lagerfeuer näherte war ihm bekannt.

Während der Ork mit dem komischen Gestell am Kopf in geduckter Haltung zu den anderen drei Dunkelelfen, ins besondere zu seinem Herrn Saerembor aufschloss, kroch Janay hinter dem Wagen hervor. Kazels herunter gelassene Hose, die ihm in den Kniekehlen hing, ließ kaum Raum für Spekulationen, was hier eben geschehen war, selbst wenn die Felldecke das meiste bedeckte.
"Ich wusste gar nicht, dass du verschwunden bist, um deine Hose runter zu lassen. Dabei dachte ich, das tätest du nur bei Frauen."
, raunte sie in seinem Rücken, dicht an die Gitterstäbe, damit er sie hören und gleichzeitig verdecken konnte.
"Darüber reden wir besser später. Los, sag mir alles, was ich wissen muss. Eigentlich dachte ich, wir müssten nur dir deinen Arsch retten, aber anscheinend muss ich das jetzt bei mehreren tun."
, zischte sie und spähte vorsichtig an ihm vorbei in Richtung des Lagerfeuers, wo Juduka gerade vom Warg abstieg und die Kette dem verdutzt drein blickenden Aman in die Hand drückte. Dorun fragte:
„Wer seid und was wollt ihr?“
Die Nachtelfe lächelte ihn an. Sie hielt ihren einen Arm unter ihrem Umhang verborgen, was ihn aufmerksam bleiben ließ. Dann wandte sie sich aber an den jungen Aman und sprach:
„Kettet ihn an einen Baum etwas abseits und keine Angst er wird euch schon nicht fressen!“
Damit war klar, dass sie der dunklen Sprache mächtig und durchaus einen äußerst herrischen Ton am Leib haben konnte. Dorun kniff misstrauisch die Augen zusammen und seine Hände spielten mit dem Griff seiner Klinge, als sie sich wieder ihm zu wandte.
„Gut dass ich euch noch vor Anbruch des Tages erreicht habe. Mein Name ist Juduka. Man schickt mich zu eurem „Zeitvertreib“.“
Dorun stand mit dem Rücken zum Gefängniswagen, sodass man von dort sein Gesicht nicht sehen konnte, aber er nickte kurz Aman zu, der sich daran machte das Reittier der Besucherin zu bändigen.
„Ihr sollt nicht denken, dass man euch verge...“
Das weitere Gespräch ging leider in einem voll tönernen Grollen des Warg unter, der sich nur missmutig weg führen ließ, aber man sah, wie Juduka sich an den Arm des steifen Anführers hängte und eine Geste in Richtung seines Zeltes machte. Anscheinend versuchte Juduka gerade Kazel und Janay ein wenig Zeit zu verschaffen, doch was ... würde dann aus ihr werden?
Der Schütze Aman hielt den Warg mit der Spitze eines Feil auf Abstand und führte ihn gleichzeitig von der Lichtung. Saerembor starrte unverwandt die Frau vor sich an und fixierte seinen Anführer, während der Ork neben ihm erfolglos versuchte seine Aufmerksamkeit zu erringen. Einem aufmerksamen Beobachter würden seine zu Fäusten geballten Hände nicht entgehen. Auch wenn die Situation oberflächlich fast locker wirkte, so knisterte die Luft vor Anspannung.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 1. Juni 2015, 14:10

Ist das Juduka? Was ... woher kommt sie denn so plötzlich? Kazel ließ sich nichts seiner Verblüffung anmerken. Ein Grund dafür war, dass er immer noch reglos und perplex mit dem Rücken an den Gitterstäben lehnte, durch die kurz zuvor noch Saerembors Hände sein Intimzone berührt hatten. Er mochte gar nicht daran denken. Zum Glück lenkte Judukas Erscheinen auf diesem gewaltigen Warg seine Hirnströme ab. Er spürte nicht einmal den Hosenstoff, der sich verabschiedete und nun bis in seine Kniekehlen rutschte. Die Felldecke verbarg seinen bloßen Hintern, obgleich sich Janay vielleicht über den Anblick gefreut hätte. Sie war hinter ihm, hinter Kazel. Sie rückte dichter an ihn heran und nutzte seine Haltung als Versteck vor den Blicken der anderen Dunkelelfen. Diese blieben allerdings vorerst mit Juduka beschäftigt.
Der Mischling spitzte die Ohren. Noch sprachen alle laut genau, dass er sie hören konnte. Die Frage war, ob er wirklich alles aufnahm in seinem ersten Zustand der Benommenheit. Er fasste sich nur langsam und gerade, als Kazel glaubte, wieder Herr seiner Sinne zu sein, da zuckten seine Ohren erneut. Wäre er ein Kaninchen oder ein Feldhase gewesen, sie hätten sich nun nach hinten gedreht, um den Wohlklang in Janays Stimme besser aufnehmen zu können.
Er erstarrte. "J-Janay? Was ... wie ... warum ...?" Eine wahre Wortgewalt, die halb gezischt, halb geflüstert vor Verblüffung über seine kalten Lippen kam. Er befeuchtete sie, da die Wetterbedingungen sie hatten trocknen lassen. Ein Schauer rann seinen Rücken herab bei der Idee, dass Saerembor dem vielleicht mit einem lüsternen Kuss entgegengewirkt hätte. Mit Sicherheit hätte er! Dieser Elf war ihm unheimlich. Gefährlich ist er auch. Sehr gefährlich. Verdammt, warum ist Janay hier? Ist sie es überhaupt? Werde ich verrückt? Er konnte nicht anders, er musste nachschauen. So wandte Kazel den Kopf so weit herum, wie es ihm möglich war, ohne auch den Körper mitgleiten zu lassen - noch immer ohne Hosen!
Am Rand seines Sichtfeld entdeckt er sie. Es war wirklich Janay und nie hatte sie schöner ausgesehen. Er erkannte ihre Züge sofort, die Augen, welche ihn verzaubern konnten und es auch getan hatten. Er nahm ihren Duft auf. "Haben die Leoniden dich geschickt? Was machst du denn hier?" Flüchtig spähte er auch immer wieder nach vorn. Die Gruppe unterhielt sich gedämpfter, so dass selbst Elfenohren nicht mehr als das Raunen von stimmen aufnehmen konnten. So blieb ihm nichts weiter übrig als gelegentlich anhand der Haltung zu prüfen, ob man seine Gesprächspartnerin nicht auch schon entdeckt hatte. "Verschwinde von hier, Janay", warnte er sie. "Ich komm hier schon irgendwie heraus. Lass dich nicht auch gefangennehmen. Dieses Trio ist skrupellos und Sarembor ... komm ihm bitte nicht zu nahe. Aman ist ein begabter Schütze, wie mir scheint. Dorun ist ihr Anführer. Ich bitte dich, versuch nichts Unüberlegtes." So wie ich. Das Schuldbewusstsein ob seiner Dummheit, einfach stehengeblieben zu sein und sich abschießen zu lassen, versetzte ihm ein Stechen in der Brust. Es drückte, als sei er erneut von etwas getroffen worden, dass sein Herz langsam in die Beine zerrte.
Janay durfte sich auf kein Risiko einlassen. Sie trug ein Kind! Mein Kind. Er spürte, wie der Gedanke ihn beflügelte. Es vertrieb seine Starre, weckte stattdessen den Elan, die Möglichkeit ihres Daseins zu nutzen. Das Schicksal meinte es gut mit ihm, dass Janay jetzt hier war, um ihm soweit auszuhelfen, dass sie sich nicht noch mehr in Gefahr begab. "Hast du eine Waffe bei dir? Klein genug, sie zu verbergen? Ich werde sie alle töten müssen." Fliehen war ihm ja nicht möglich. Wie sollte er mit dem Bein rennen? "Ich bin verletzt." Das waren alle Informationen, die er der Frau geben konnte, welche seinen Nachwuchs unter dem Herzen trug. Sie sollte nicht hier sein! Seine Gedanken rasten. Es kostete Kazel Überwindung, sich wieder zu beruhigen, bevor aus Sorge geborener Panik in ihm hochstieg.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Sonntag 9. August 2015, 20:40

Während sie sich darum kümmern wollte, so viele Informationen wie möglich aus Kazel herauszuholen, bevor sie entdeckt werden könnte, spähte sie auch beständig an ihm vorbei zu dem Lagerfeuer. Was nur tat Juduka da? Und wieso drückte sie einem der Kerle die Kette von Terror in die Hand?!
Die Anweisung, ihn anzubinden, konnte Janay nicht verstehen, dazu war die Entfernung zu groß, aber sie konnte vertraute Laute ihrer Muttersprache ausmachen. Also verständigte sich die Nachtelfe nicht wie die Allgemeinheit. War das Absicht? Sicherlich, jedoch aus welchem Grund? Was hatte sie vor?! Wie auch immer, die junge Dunkelelfe hatte umso mehr das Gefühl, sich beeilen zu müssen.
Der Kerl, dem Juduka den Warg anvertraut hatte, hatte mit diesem sichtlich zu kämpfen, sodass Janay sich ein flüchtiges Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Allerdings war es überaus freudlos und eher ein unbewusstes Mimikspiel, da ihre Aufmerksamkeit auf ihrer Begleiterin lag. Deren Körpersprache wurde eindeutiger für sie, sodass sich ihre Augenbraue anhob.
Nun ja… anderes hatte die junge Frau auch nicht vorgehabt, ungeachtet ihres Zustandes, doch dass sich die Nachtelfe dafür hergab, überraschte sie. Auch wenn es ihr recht sein und sie gleichzeitig noch mehr antreiben sollte, da sie sich ausmalen konnte dank ihrer Erlebnisse in Kosral, dass selbst freiwilliger Beischlaf für eine Frau äußerst… schmerzhaft ausfallen konnte. Vor allem, weil sie nicht einmal wusste, ob Juduka überhaupt eine Vorstellung davon hatte. Über dieses Thema hatten sie bisher schließlich nicht mal im Ansatz gesprochen. Aber es würde für Ablenkung sorgen… hoffte Janay zumindest.
Also wandte sie sich wieder mehr dem gefangenen Mischling zu. Dessen erste Reaktion sorgte dafür, dass sie mit den Augen rollte. „Nichts was, wie, warum. Sag mir lieber, was ich wissen muss, damit du… und auch Juduka dort wieder in einem Stück rauskommt. Mit oder ohne Hose.“, zischte sie ihm zu, auch als Aufforderung, sich lieber unauffällig wieder anzuziehen.
Mochte ja sein, dass Frischluft dort unten ganz angenehm war, bei einer Flucht jedoch wäre schlackernder Stoff rund um die Knie, wo er nicht hingehörte, äußerst hinderlich. Und wenn sie weglaufen könnten, sollte das auch tunlichst schnell gehen. Ansonsten wäre das wohl der erste und letzte Versuch von ihnen allen, inklusive ihr, da sie dumm genug war, helfen zu wollen.
Als Kazel sich darum zu bemühen begann, sie zu vertreiben und selbst Fragen zu stellen, zischte sie ihm eine leise, wenngleich sehr unflätige Beschimpfung auf Garmisch zu, die sie in ihrer Zeit in Pelgar mehr als rasch gelernt und häufig gebraucht hatte. „Hör auf, unnötiges Zeug zu plappern und gib mir so viele Informationen über die dort wie möglich. Wer hat den Schlüssel für dieses Ding hier und wie komm ich da ran?“, raunte sie ihm zu und überlegte bereits eine andere Möglichkeit.
Ihre Augen wanderten erneut zu dem Pferd. Hm… wenn sie es schaffen würde, die Bremsen so zu lösen, dass das Tier loslaufen könnte, wenn der Warg es gut genug erschrecken würde… Nur irgendwie müsste auch Juduka mitkommen können. Wenn sie nur auch eine Idee hätte, wie sie der anderen Bescheid geben und sich vergewissern könnte, was besser wäre: die Nachtelfe auf den Wagen oder das Pferd zu schleusen und selbst auf Terror zu reiten oder ihr dazu verhelfen, sich wieder wegzuschleichen und sich andernorts dann mit ihr zu treffen!
Dann fuhr er fort und brachte sie erneut dazu, mit den Augen zu rollen. „Wie willst du jemanden töten, wenn du hier festsitzt?“, hielt sie dagegen und schüttelte den Kopf, auch, um sich von der aufkeimenden Sorge abzulenken, dass er ihr gestanden hatte verletzt zu sein.
Dass er hingegen bereit wäre, jemanden zu töten, berührte sie wenig. Sie konnte es sich bei ihm schlichtweg nicht vorstellen, sodass sie darüber nicht im Geringsten nachdachte, dass er es über sich bringen könnte bei passender Gelegenheit.
„Nein, wir machen es anders. Ich brauch nur noch kurz, dann weiß ich wie.“, raunte sie ihm zu und wollte sich wieder mehr in die Schatten zurückziehen. Zuerst musste sie noch einmal den Wagen unter die Lupe nehmen und eventuell schon die Bremsen lösen.
Danach wollte sie zu dem Warg schleichen und versuchen, ihn irgendwie zu befreien. Die Frage war, ob er soweit auf sie hören und Juduka quasi abholen würde, wenn sie es ihm einflüsterte. Ob er sie in der Hinsicht verstehen und ihr folgen würde? Konnte sie das riskieren oder sollte sie lieber vernünftiger überlegen und planen? Aber welche andere Methode hätte sie?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Dienstag 11. August 2015, 09:42

Während Janay und Kazel miteinander diskutierten, Argumente abwogen und Pläne schmiedeten, stand Juduka an Doruns Seite und ließ weiter ihren Charme für sie spielen. Ihr Ablenkungsmanöver war gut. Ihre spitzen Finger wanderten an seinem Arm hinauf und spielten mit den Schnallen seiner Rüstung. In ihrer Haltung und Gebaren lag ein stilles Versprechen und ihr Mund flüsterte dem Anführer sanfte Klänge in sein Ohr.
Aman hatte den Warg angekettet und stand etwas weiter abseits und beobachtete die Szenerie etwas missmutig. Irgendwie schien im das Schauspiel nicht so sehr zuzusagen wie zum Beispiel Saerembor und leider war die Mine Doruns abgewandt und somit nicht zu lesen, aber Saerembor grinste plötzlich von einem Ohr zum anderen. Sein entstellter Ork stand noch immer geduckt halb hinter ihm und versuchte seine Aufmerksamkeit zu erregen, in dem er leise gurgelte. Mit dem merkwürdigen Gestell im Mund war er auch zu mehr nicht fähig. Ausdauernd gab er diese unterdrückten Geräusche von sich und rückte näher um seinen Arm auszustrecken. Saerembor bemerkte es und schlug die Hand des Dieners weg. Er war zu sehr auf das amüsante Treiben seines Anführers und dem des hübschen neuen Gastes fixiert um sich von seinem selbst erschaffenen Ungeheuer ablenken zu lassen. Juduka verschaffte Kazel und Janay ein paar Sekunden in denen sie sich noch weiter unterhalten und jeweils eine kurze Aktion machen konnten. Der Ork war jedoch bei dem Schlag regelrecht zusammen gezuckt und kauerte nun in hockender Stellung am Boden. Sein Blick, der flehend auf seinen Herrn gerichtet war, wanderte langsam zum Gefängniswagen und blieb da auf Kazel heften. Irgendwie wirkten seine Augen furchtbar leer und schienen durch ihn hindurch zu sehen.
Nein!
Sie sahen durch ihn hindurch! Er wusste das Janay dort stand und er wollte es anscheinend seinem Meister zeigen, denn im gleichen Moment, in dem Kazel dies verstand, hob sich sein schwerer grüner Arm und zeigte auf ihn. Kazel sah in sein Gesicht und sah das Zucken seiner breiten Nase. Seine Nasenlöcher blähten sich als würden sie jedes Geheimnis aufsaugen, dass sie zu verbergen suchten. Dieser verdammte Ork hatte Janay gewittert und sein Arm war der Verrat, den sie nicht brauchen konnten!
Zum Glück schien niemand auf ihn zu achten, nur Juduka erkannte die brenzlige Situation und versuchte mit noch mehr Anstrengung den Dunkelelfen an ihrer Seite zu umgarnen. Vielleicht war es das winzige Maß „zufiel“ was Dorun aufmerksam werden ließ, denn er packte sie grob am Arm, drehte ihr ihn auf den Rücken und befahl besser hörbar:
„Achtung! Hinterhalt!“
Juduka wand sich und wimmerte:
„Nein, nein … es ist kein Hinterhalt! Es ist …“
„Was Weib?!“

Die Situation hatte sich plötzlich grundlegend geändert. Alle sahen sich suchend um, griffen zu ihren Waffen und Saerembor starrte nun auch endlich seinen Ork an. Langsam hob sich sein Kopf und folgte seinem Arm.
„Es ist ...“
Dorun packte Judukas Kehle und die nächsten Worte klangen gepresst:
„ … nur meine Freundin. *röchel* Sie ist dort hinten und wartete auf mein *hust* Zeichen, ob ich Verstärkung für euch drei brauche. Sie ist harmlos! ...“
Alle Augen waren auf den Wagen gerichtet.
„... sie ist nicht so geübt wie ich und noch nicht lange dabei, deshalb hatte ich ihr gesagt, sie solle sich zurück halten. Aber wenn ihr es wollt, dann wird sie sicher ...“
Die drei Dunkelelfen positionierten sich eilig neu. Aman wich in Richtung des Wargs aus und hatte einen Pfeil aufgelegt und einen Weiteren quer im Mund. Saerembor wich zur anderen Seite aus, näherte sich langsam und hielt sein Schwert kampfbereit. Seinen Bogen hatte er leider nicht dabei.
„KOMM RAUS, ODER ICH TÖTE SIE!“
Doruns Stimme schnitt durch die Luft und er untermauerte seine Absicht, indem er Juduka die Klinge an die Kehle setzte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 27. August 2015, 12:10

Unauffallig rutschte Kazel am Gitter seines engen Gefängnisses herab, ohne die kalten Stangen selbst zu berühren. Seine Finger suchten ganz von allein nach dem Hosenstoff. So brauchte er den Blick nicht von der Szenerie zu lösen, die sich ihm und Janay bot. Er beobachtete Juduka, die Dunkelelfen und den gewaltigen Warg, mit denen einer von ihnen ganz schön zu kämpfen hatte. Fragen, wie die Nachtelfe zu einer solchen Bestie gekommen war und warum er ihr überhaupt als Reittier diente, huschten ihm durch den Kopf. Doch jetzt bot sich keine Gelegenheit, sie zu stellen. Janay beantwortete ihm ja nicht einmal den Grund ihres Hierseins. Nagut, davon abgesehen, dass sie mich retten will ... sie sollte nicht hier sein. Oder sind die Leoniden zurück und haben nach ihr gesandt? Nein, unmöglich! Das sind kriegerische Großkatzen. Die würden sich nicht hinter einer schwangeren Frau verstecken.
Seine Finger fanden von selbst den Hosenstoff. Kaum kehrte Kazel in den Stand zurück, um Janay wieder ordentlich zu verdecken, zog er die Hose mit. Es ziepte in seinem Bein, welches von dem Pfeil durchbohrt worden war. Er kniff ein Auge leicht zu, nahm den Schmerz hin und überwand ihn. Danach schnürte er sein Beinkleid. "Ich weiß nicht, wer den Schlüssel hat", raunte er Janay wieder zu. In seiner Stimme fehlte das Zischen. Tatsächlich klang er überaus ruhig. Er fühlte sich weniger gehetzt und wollte nicht unnötig Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Möglicherweise betäubte ihn die Kälte auch etwas. "Ich vermute, dass er bei Dorun sein könnte, weil er der Anführer ist. Oder bei ... Saerembor, diesem extravaganten Elf. Halte dich von ihm fern. Wenn er den Schlüssel hat, mach ich das selbst." Auf Kosten deiner unschuldigen Männlichkeit, die bis vorhin noch nie Kontakt zu einem anderen Mann hatte? Wiederholt ging ein Zucken durch Kazels Körper. Er wischte die Frage beiseite. Daran wollte er gar nicht denken. Fest entschlossen entschied er nur für sich, dass man manchmal alle Mittel anwenden und unangenehme Wege gehen musste, um sein Ziel zu erreichen. Immerhin hatte er in dem anderen Lager auch unzählige Leben genommen, um die Leoniden sowie Prinz Rhudos zu schützen.
"Wenn ich es schaffe, dass sich Saerembor auf ein ... Stelldichein einlässt und mir den Käfig öffnet, brauchen wir den Schlüssel nicht. Dann muss nur ein einziger, günstiger Moment her, um zu fliehen ... und ich brauche das Pferd." Zu Fuß ging ja schlecht, das hatte er Janay inzwischen mitgeteilt. Er hätte keine Chance in seinem Zustand gegen ausgeruhte, unverletzte Dunkelelfen, die zu dritt sicherlich ein eingespieltes und mit Saerembor vor allem sadistisches Trio ergaben. Janay hingegen erstickte all seine Pläne im Keim. Sie wollte es offenbar gar nicht darauf ankommen lassen, dass sich Kazel mit Saraembor abgab oder die Dunkelelfen tötete, wenn er musste. Das ließ ihn doch einmal über die Schulter hinter sich blicken, wobei seine Züge etwas sanfter wurden. Er lächelte - mit den Augen. "In Ordnung", gestand er ihr zu. Immerhin war sie in Freiheit. Er hatte sich in all seiner Naivität fangen und einsperren lassen. Das unterschied den Elfen vielleicht von älteren Artgenossen. Sie beiden mochten für menschliche Verhältnisse als erwachsen gelten, doch im Denken waren sie auf elfischer Basis kaum mehr als aus dem Kindesalter heraus. Losgelassen auf die Welt, um sie zu retten. "Versuch dein Glück, ich vertraue dir."
Der Mischling richtete den Blick wieder nach vorn. Da runzelte sich seine Stirn, dass sich zwischen den Brauen eine leichte Falte bildete. Etwas stimmte nicht. Irgendetwas bereitete ihm Unbehagen, mehr noch als bisher. Bedauerlicherweise konnte er nicht sagen, worin sein Gefühl begründet lag. So reckte Kazel den Hals, als ließe sich dadurch eine Antwort erzwingen. Er straffte die Schultern, streckte die Statur, bis er erneut den leichten Schmerz in seinem Schenkel spüren konnte. Dann fiel es ihm auf. Die Erkenntnis durchdrang seinen Körper wie eiskaltes Wasser, das man über ihm ausgeschüttet hatte. Es suchte sich einen Weg in all seine Glieder, ließ sie gribbeln, obgleich er sich wie betäubt fühlte. Sein meerblauer Blick war auf das orkische Ungetüm gerichtet. Bislang hatte es nicht mehr getan als gesabbert, geschlafen. Eine jämmerliche Kreatur, die sein Mitleid verdiente. Doch jetzt wurde das Wesen zur Gefahr. "Es warnt ihn ... Janay. Der Ork weiß es", zischte er seiner Gefährtin zu, ohne sich zu ihr umzudrehen. Kazel wagte kaum zu atmen. Seine Ohren zuckten, versuchten jeden Laut, den Saerembors Spielzeug von sich gab, aufzunehmen und zu verarbeiten. Natürlich würde Kazel nie erfahren, was genau die Bestie da gurgelte. Er beherrschte zudem gerade einmal ein paar Fetzen Kr'zner. Genug, um sich einigermaßen verständlich zu machen, wenn man in Morgeria einen Platz zum Schlafen, etwas zu Essen oder eine feiste Prügelei suchte.
Dann drehte der Ork langsam den Kopf um. Kazel schüttelte den seinen kaum merklich, aber eindringlich. Er stierte dem klotzigen Viech entgegen mit einer Mischung aus Bitten und Drohen, wobei Ersteres überwog. Was nützte ihm, der Bestie derart düsteres Verhalten zu zeigen wie Saerembor. Aber vielleicht konnte er ihn für sich gewinnen, wenn der Ork nur glaubte, mit ihnen fliehen zu können. Tu es nicht, lag in Kazels Blick. Eine Bitte mit unausgesprochenem Versprechen, dass es einen Dank als Gegenleistung geben würde. Er konnte nur hoffen, der Ork würde ihn verstehen und vorerst Ruhe geben. Seine Hoffnungen wurden zunichte gemacht. Der Sklave war seinem Herrn loyal, was den Mischlingselfen ausseufzen ließ. Dann senkte er den Kopf, um seinen verräterischen Blick zu verbergen. "Lauf", wisperte er nach hinten. "Verschwinde von hier, bevor sie dich einsperren." Oder dich töten. Oder schlimmer. Dich lang leben lassen ... während dieser Saerembor sich über dich beugt.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Sonntag 30. August 2015, 21:01

Die Dunkelelfe fühlte sich sicher in ihrem Versteck hinter Kazel, anscheinend zu sicher. Denn sie konzentrierte sich hauptsächlich auf das Gespräch mit dem Mischling und ihre eigenen Pläne, um eine gemeinsame Flucht zu schaffen, bei der sie alle überlebten. Währenddessen schielte sie zwar immer wieder in Judukas Richtung, aber bekam offenbar zu wenig mit, da sie entdeckt wurde.
Zuerst bemerkte sie es auch gar nicht, sodass sie noch etwas hätte retten können vielleicht. Erst, als es wirklich zu spät war, fuhr sie zusammen und zischte einen deftigen Fluch auf Garmisch, den sie aus Pelgar hatte und nach einiger Zeit auch verstanden hatte, was er bedeutete. Nichts, was eine Frau oder gar werdende Mutter eigentlich in den Mund nehmen oder überhaupt kennen sollte. Nun ja, außer natürlich jemand mit ihrem Beruf, dessen sie sich auch weiterhin nicht schämte.
Wie genau es passiert war, warum sie entdeckt worden war, konnte sie nicht sagen. Im Endeffekt war es eigentlich auch nicht von Bedeutung, denn es würde nichts ändern. Auch wenn sie sich maßlos ärgerte und darüber spekulieren würde, wer sie verraten hätte. Sie selbst, Kazel oder Juduka? Oder gar der Warg? Nein, ihr Reittier wäre für sie am wenigsten wahrscheinlich. Also jemand anderes. Nur wer? Egal… dafür war jetzt nicht die Zeit.
Stattdessen entschied sie sich rasch zu einer Taktik, denn sie hatte Judukas letzte Worte zum Glück trotz des Röchelns gehört. Sie und ungeübt? Nun… warum nicht? Vielleicht könnte sie dadurch Zeit gewinnen, wenn sie sich schüchtern gab. Immerhin wirkte sie noch jung genug und ihre helle Haut wäre ausnahmsweise mal ein Vorteil, denn sie wäre nicht sofort als Dunkelelfe erkennbar.
Konnte sie nur hoffen, dass diese Truppe damals nicht in Kosral war, als sie dort gewesen war. Oder Kontakte dorthin hatte und wusste, dass sie abgehauen war. Denn das wäre ihr Todesurteil…
Mit dieser Erkenntnis im Nacken löste sich Janay, entgegen Kazels Worte, aus ihrem misslungenen Versteck und ging langsam in Richtung des Feuerscheins. Dabei hatte sie die Schultern hochgezogen, setzte ihren Schritt lediglich zögernd und sah sich in alle Richtungen beinahe schon ängstlich um.
Ein Verhalten, das sie nicht vollkommen spielen musste, denn ihr Herz schlug tatsächlich schneller vor leiser Furcht. Nicht vor dem möglichen Vergnügen, das die Krieger mit ihr haben wollen würden, das kannte sie, obwohl die Brutalität von Dunkelelfen ihr bislang noch erspart geblieben war. Viel eher ängstigte sie sich davor, erkannt zu werden oder ihr Würmchen zu gefährden, das in ihrem Bauch heranwuchs und noch viel zu frisch war, um alles überstehen zu können, was ihr widerfuhr.
Nur mit Mühe widerstand sie dem Drang, ihre Hand schützend auf ihren Bauch zu legen und sich mit dieser Geste womöglich noch mehr zu verraten. Stattdessen kam sie näher, wenngleich auch jeder Schritt später kam und kleiner ausfiel als der vorherige.
Schließlich blieb sie im Rand des Feuerscheins stehen und schluckte hörbar. Nun hieß es abwarten, was kommen würde.
Wie würden die Männer reagieren? Würde sie gemeinsam mit Juduka in ein Zelt gehen können oder würden sie getrennt werden? Könnte sie dem Warg irgendein Zeichen geben, das dieser verstehen und sich losreißen würde, um sie zu retten? Nein, dazu war ihre Bindung zueinander noch zu lose. Im Gegensatz zu ihr und Kazel, der ihr noch zuvor gestanden hatte, dass er ihr vertraute. Und sie? Nein, dazu war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Ihre volle Konzentration musste in der Gegenwart bleiben. Und das dringend! Ein einziger falscher Schritt oder verräterischer Atemzug und alles wäre vorbei.
Juduka hatte vorhin in Janays Muttersprache Lerium gesprochen und sie als noch unerfahren bezeichnet. Außerdem hatte sie einen relativ hellen Teint und ihre Familie hatte sich des Öfteren geschämt, weil dieser eher in das Reich der Nachtelfen gepasst hätte. Warum sollte sie das nicht nützen?
Sie hatte ihre Rolle gefunden und sah betont ängstlich zu der echten Nachtelfe hin. „Mir… tuen leid… Ich falsch… haben gemacht… was?“, radebrechte sie in einem Akzent, der schauerlich klang, selbst in ihren eigenen Ohren. Aber es war die Idee, um vielleicht mehr erfahren zu können, wenn die Feinde annahmen, sie würde sie nicht verstehen.
Nur wie sie sich mit Juduka unterhalten sollte, da sie kein Herendia konnte, doch sie war sich sicher, dass sie beide kreativ genug wären, um diesem Dilemma entgehen zu können. Hoffentlich würde das gut gehen! Es war wichtig, damit sie alle überleben könnten.
Denn mit Rückendeckung brauchten sie gar nicht erst zu rechnen. Wenn sie von Kazel nur erfahren hätte, wo diese komischen Katzenwesen steckten, dann hätte sich da vielleicht etwas machen lassen! Doch so waren sie auf sich gestellt… Aber irgendwie würde das schon werden… musste es gelingen! Allein schon für das Würmchen in ihrem Bauch…
Mit echter Nervosität spielte sie mit ihren Fingern, in dem Versuch, deren Zittern zu verbergen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 2. September 2015, 05:44

"Es warnt ihn ... Janay. Der Ork weiß es"
, zischte Kazel seiner Gefährtin zu, ohne sich zu ihr umzudrehen. Er wagte kaum zu atmen. Nicht nur sein Gefängnis fesselte ihn, sicher auch die Angst um seine Familie.
Familie –
"Lauf"
, wisperte er nach hinten.
"Verschwinde von hier, bevor sie dich einsperren."
Doch Janay löste sich, entgegen Kazels Worte, aus ihrem misslungenen Versteck und ging langsam in Richtung des Feuerscheins. Dabei hatte sie die Schultern hochgezogen, setzte ihren Schritt lediglich zögernd und sah sich in alle Richtungen beinahe schon ängstlich um. Die Angst brauchte sie nicht einmal zu spielen, denn allein die matt schimmernde Pfeilspitze von besagtem „Aman“ konnte ihren Plan und auch ihrem Leben ein vorschnelles Ende machen.
Statt weg zu rennen, kam sie näher, wenngleich auch jeder Schritt später kam und kleiner ausfiel als der vorherige und Kazel konnte nur zusehen. Schließlich blieb sie im Rand des Feuerscheins stehen und schluckte hörbar. Sie hatte ihre Rolle gefunden und sah betont ängstlich zu der echten Nachtelfe hin.
„Mir… tuen leid… Ich falsch… haben gemacht… was?“
, radebrechte sie in einem Akzent, der schauerlich klang, selbst in ihren eigenen Ohren.
Judukas Kopf wurde noch ein Stück nach hinten gebogen und ein winziger, roter Strich erschien an ihrer Kehle. Der Anführer starrte zu Janay und musterte sie argwöhnisch. Mit einem Nicken befahl er Saerembor an ihre Seite und dieser untersuchte sie während der nächsten Worte gründlich auf Waffen. Alles was Janay an Kleinteilen besaß warf er dabei in die Nähe des Feuers, weg aus ihrer Reichweite. Dabei genoss er es sichtlich, sie befingern zu dürfen. Erst als sie nichts mehr, außer ihrer Kleidung bei sich trug und der Mann an ihrer Seite sein „OK“ gab, senkte Aman den Pfeil. Ein kurzer Blickwechsel mit dem Anführer folgte und der Dunkelelf begann vorsorglich die Umgebung abzusuchen. Terror knurrte bei der ganzen Szenerie einmal leise, aber da seine Herrin nicht wirklich angegriffen wurde, nahm das Tier wohl an, dass alles in Ordnung sei und setzte sich auf sein Hinterteil. Was blieb ihm auch anders übrig. Er war wie von Juduka befohlen an einen Baum gekettet.
„Wie ist dein Name, Weib und was hast du an dem Käfig unseres Gefangenen getrieben?!“
, fragte Dorun nun scharf. Es war nur logisch, dass er aufgrund ihrer schlechten Kenntnisse seiner eigenen Sprache in das Celcianische wechselte. Zumindest das hatte man ihr also abgekauft. Ihre Rolle, als Judukas „unerfahrene“ Freundin und Nachtelfe nahm man also vorerst hin. Nun galt es für Kazel zu hoffen und zu bangen und für Janay gut zu schauspielern.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 24. September 2015, 15:58

Zu spät, es war zu spät. Nicht nur, dass der Ork neben Juduka auch noch Janay bemerkt hatte, er teilte es seinem dunkelelfischen Herrn auch noch mit. Kazel presste die Lippen aufeinander, dass das Blut aus ihnen wich. Es bildete sich eine schmale weiße Linie in seinem sonst so mandelfarbenen bis bräunlichen Gesicht. Sein Teint besaß schon immer diese besondere Mischung: zu hell für einen Dunkelelfen, zu dunkel für einen eldorischen Waldelfen. Dennoch, eine blutleere Linie stach immer noch hervor, zumindest für jene, die ihn aus nächster Nähe betrachteten. Den entfernten Elfen würde sie kaum auffallen. Nur Janay ... die hatte man entdeckt.
Kazel stellte jegliches weitere Gespräch ein. Er tat allerdings auch nicht sonderlich überrascht oder entsetzt darüber, dass sich jemand so nahe an ihn hätte heranschleichen können. Seine ganze Fassade des aus Morgeria geschickten Spähers bräche damit nur in sich zusammen. Niemand würde ihm abkaufen, ein solcher Späher zu sein, wenn er sich von einer einzelnen Elfe überrumpeln ließ. So blieb er zunächst recht zurückhaltend, fast distanziert. Wie ein Beobachter, der schauen wollte, was jene mit Janay anstellen würden, die auch ihn in einen Käfig steckten. Er versuchte, sich keiner Sorge um sie anmerken zu lassen. Das sollte ihm doch gelingen. Ich konnte über Jahre hinweg meine Gefühle verbergen, so wie ich mich unter dem grauen Umhang verborgen habe. Dieses antrainierte Talent sollte ich mir endlich zunutze machen.
Gern hätte er die Elfe hinter sich noch darauf hingewiesen, dass sie sich nur verdächtig machte, wenn sie auf Garmisch fluchte, aber mit ihr zu reden, hätte ihn dann ebenso verdächtig gemacht. Der Mischling verstand den Fluch. Er hatte zwar nicht lange in Pelgar gelebt, aber die Reisenden zwischen der einstigen celcianischen Haupstadt und Andunie überfallen. Da fielen oft genug Flüche, dass er die meisten von ihnen beherrschte, ohne die Sprache an sich zu kennen. Trotzdem könnte er vermutlich noch eher sich ein Schimpfgefecht mit dem Ork in dessen Muttersprache erlauben als auf rein Garmisch zu fluchen. Wie auch immer, Janays Laut hatte er verstanden. Er musste sich dabei sogar ein Zucken der Mundwinkel verkneifen. Etwas dermaßen Derbes aus ihrem Mund zu hören amüsierte ihn fast, wäre die Situation im Augenblick nicht so brenzlig.

Er verfolgte ihre Bewegungen, als sich Janay aus ihrem ohnehin zunichte gemachten Versteck und in den Lichtkreis des Lagerfeuers begab. Nur flüchtig huschten seine Augen dabei auch über den entfernt stehenden Saraembor. Den Schein wahren... So sehr es ihm im Inneren auch zuwider war, Kazel wollte nicht als der vollkommen teilnahmslose Geselle dastehen. Das durfte er sich gar nicht erlauben. Es war ein schmaler Grat, auf dem er wanderte. Zu viel Aufmerksamkeit fiel ebenso auf wie zu wenig. Also löste er sich samt wärmender Decke vom Gitter, nur um sich auf der anderen Seite seiner kleinen Zelle wieder dagegen zu lehnen. Er spielte die Neugierde ob der mutmaßlich fremden Frauen nur, übte sich aber darin, möglichst authentisch zu sein. Der sadistische Dunkelelf hatte ihm einige Anzeichen gegeben, wie man zu schauen hatte, wenn man ein Objekt der Begierde vor sich entdeckte. Also befeuchtete sich Kazel die Unterlippe, leckte sich den rechten Mundwinkel und neigte den Kopf, als würde er bei Janays Bewegungen vor allem auf ihre weiblichen Vorzüge schauen. Dass er unterbewusst tatsächlich einen Blick auf ihren Hintern riskierte, bemerkte er dabei gar nicht.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Sonntag 4. Oktober 2015, 12:27

Zur Flucht war es zu spät gewesen, das hatte ihr der Instinkt verraten. Außerdem hätte sie sich viel verdächtiger gemacht, als mit der Methode, die sie nun anwandte. Hoffte Janay zumindest… Denn, was genau Juduka erzählt hatte, hatte sie nicht gehört, sodass sie auf ihre Beobachtungsgabe baute und dass sie stets rasch genug die richtigen Schlüsse aus der Reaktion der anderen ziehen würde. Somit wäre viel Improvisation gefragt und obwohl sie sich nicht völlig sicher war, dass ihre Fähigkeiten dazu reichen würden, durfte sie keinerlei Zweifel zulassen, weil ihr Vorhaben sonst von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.
Also gab sie sich als die Gehilfin der Nachtelfe aus, denn das Metier, in dem sie sich bewegten, war bekannt. Lediglich ihre Erfahrenheit darin wollte sie verschleiern, ebenso wie ihre wahre Herkunft. Diese könnte zu rasch zu ihrem Todesurteil werden, sollte sie herauskommen. Es galt somit auch diesen Punkt zu verschleiern und darauf zu bauen, dass weder die drei Dunkelelfen, noch der Ork Herendia sprachen und sich darin mit ihr unterhalten wollen würden. Und dass, sollte Juduka ihre Muttersprache verwenden, sie trotz allem genug Signale erkennen würde, um die Bedeutung zu verstehen.
Nach ihrer Ankunft war die Reaktion nicht sonderlich ermutigend, sodass sich ihre Augen beinahe von selbst ein wenig vor Schreck weiteten. Dann allerdings versteifte sie unwillkürlich, als der Fast-Liebhaber von Kazel zu ihr kam und sie nach Waffen abzutasten begann.
Ob sie froh darüber sein sollte, dass er sie nicht auch hieß, sich ganz zu entblößen? Nicht, weil sie sich geschämt hätte, sondern vielmehr, weil sie einen kleinen Dolch, eigentlich eher ein Messer, in ihrem Stiefel hatte und man da an sich nicht herankam, um ihn zu entdecken. Selbst sie müsste eine Situation rechtzeitig erkennen, um an die Waffe herankommen zu können. Ansonsten hatte sie außer einigen Dreckklumpen von der Reise und Schuppen des Wargs nichts an sich, was etwas anderes gewesen wäre als Stoff.
Trotzdem nahm der Dunkelelf seine Aufgabe ziemlich genau wahr, so sehr, dass sie rasch der Eindruck beschlich, dass er sein Tun genoss. Nun ja, wenn sie daran dachte, dass er sich auch an Kazel herangemacht und diesen wohl neue Horizonte eröffnet hatte… Hätte vermutlich nicht viel gefehlt, dass er ihr zwischen die Beine gegriffen hätte, um zu überprüfen, ob sie bereit für ein Liebesspiel wäre. Nicht, dass es einen Dunkelelf gekümmert hätte, aber sie hatten oft Freude am Schmerz anderer. Und einer Frau konnte man dort am meisten zufügen…
Natürlich wehrte sich Janay nicht gegen das Befummeln, obwohl ihr beinahe schlecht wurde vor Sorge darum, wie einer aus ihrer Rasse sie im Bett behandeln würde, und welches Risiko das für ihren Krümel bedeutete. Aber sonderlich leicht fiel es ihr nicht, die Maske des Lehrlings aufrecht zu erhalten und wie ein kleines Mädchen zu kichern, wenn er eine Stelle berührte, die sie entweder als kitzlig verkaufen wollte oder offensichtlich intimer war. Einmal zwickte er sie sogar in den Po, sodass sie aufquiekte und ihm spielerisch mit den Fingern auf den Handrücken klopfte, als wäre er unartig gewesen und als hätte sie den Ernst ihrer Situation nicht sonderlich realitätsnah eingestuft. Denn ihrer aller Leben hing von ihrem Schauspiel ab.
Doch Janay hatte nicht umsonst vier Jahre in dem ältesten Gewerbe aller Rassen verbracht und war erfolgreich gewesen, wenn sie kein Talent dazu gehabt hätte. Sie musste sich lediglich konzentrieren, um es wirklich glaubhaft rüber bringen und durchziehen zu können.
Anscheinend verfehlte sie ihre Wirkung auch nicht bei ihresgleichen, denn plötzlich wurde nicht nur Celcianisch verwendet, was äußerst selten war und für Interesse zeugte, sondern auch nach ihrem Namen gefragt. Selbstverständlich neben dem, was sie angestellt hatte.
Mit einer Unschuldsmiene, die einem wahren Unschuldslamm zur Ehre gereicht hätte, sah sie den Anführer mit großen Kulleraugen an. „Minea, Herr.“ Natürlich verriet sie nicht ihren wahren Namen und noch natürlicher schmeichelte sie ihrem Gegenüber, indem sie ein bisschen Unterwürfigkeit in ihr Verhalten mischte.
Daraufhin blinzelte sie und sah zurück zu dem Käfig, warf Kazel einen äußerst flüchtigen Blick zu, bevor sie wieder mädchenhaft kicherte und ihren Kopf dem Anführer zuwandte. „Er hatte heruntergelassene Hosen...“, säuselte sie, als wäre so etwas noch lustig für sie in ihrer vermeintlichen Jugend. Wer sie nicht kannte, könnte ihr das kindliche Dummchen vermutlich sogar abnehmen. Die Frage war nur, wie gut diese Dunkelelfen darin waren, ihr Spiel zu durchschauen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 5. Oktober 2015, 20:33

Den Schein wahren...
Kazel spielte die Neugierde ob der mutmaßlich fremden Frauen nur, übte sich aber darin, möglichst authentisch zu sein. Der sadistische Dunkelelf hatte ihm einige Anzeichen gegeben, wie man zu schauen hatte, wenn man ein Objekt der Begierde vor sich entdeckte. Also befeuchtete sich Kazel die Unterlippe, leckte sich den rechten Mundwinkel und neigte den Kopf, als würde er bei Janays Bewegungen vor allem auf ihre weiblichen Vorzüge schauen. Dass er unterbewusst tatsächlich einen Blick auf ihren Hintern riskierte, bemerkte er dabei gar nicht. Die besten Lügen waren schließlich jene welche, die der Wahrheit am nächsten standen und zumindest Saerembor schien seinen Blick bemerkt zu haben und gab sich bei der Untersuchung der Mutter seines Kindes besonders viel Mühe, insbesondere bei dem Körperteil, dass Kazel eben augenscheinlich betrachtet hatte. Die Hände des Sadisten kneteten einmal kräftig Janays festen kleinen Po und sie lachte sogar leise. Da sie mit dem Rücken zu dem Käfig stand konnte er ihr Gesicht nicht sehen, aber der Laut hatte kein Missfallen gezeigt, keine Abneigung. Es klang mehr wie ein zurückhaltendes Locken für jemanden, der Gefallen an Unschuld hatte. Saerembor ließ von ihr ab und stellte sich so, dass Janay ihn kurz nicht sehen konnte. In diesem Augenblick sah er zu Kazel und griff sich in den Schritt. Sein Grinsen zog sich von einem Ohr zum anderen. Die Geste war zu deutlich um seine Absichten falsch zu verstehen.

Janay wurde vom Anführer der drei Krieger gemustert.
„Minea, Herr.“
Sie schmeichelte ihrem Gegenüber, indem sie ein bisschen Unterwürfigkeit in ihr Verhalten mischte. Auf das Nachfragen hin sah sie zurück zu dem Käfig, warf Kazel einen äußerst flüchtigen Blick zu, bevor sie wieder mädchenhaft kicherte und ihren Kopf dem Anführer wieder zu wandte. Hatte sie vielleicht wirklich Spaß an diesem Spiel? Ihr Gesicht zeigte nichts als spielerisches Verlangen.
„Er hatte heruntergelassene Hosen...“
, säuselte sie, als wäre so etwas noch lustig für sie in ihrer vermeintlichen Jugend. Wer sie nicht kannte, könnte ihr das kindliche Dummchen vermutlich sogar abnehmen. Die Frage war nur, wie gut diese Dunkelelfen darin waren, ihr Spiel zu durchschauen. Saerembor mischte sich ein:
„Dann mag die Kleine wohl was sie gesehen hat, was?!“
Dorun war auf jeden Fall nichts anzusehen. Sein starrer Blick wanderte zwischen den Frauen hin und her bevor er wieder sprach:
„Aman, suche die Gegend ab. Ich will keine Überraschungen erleben!“
Der jüngere Dunkelelf kontrollierte noch einmal kurz die Ketten des Wargs und machte sich dann auf seine Runde. Er hatte den Druck auf Judukas Arm ein wenig gelockert und sie schmiegte sich mit jedem Zentimeter Spielraum mehr an seine Seite.
„Wir warten!“
Und das taten sie dann auch.

Juduka hatte kurz noch einmal den Mund geöffnet um vielleicht etwas zu fragen und hatte sofort wieder seinen harten Griff zu spüren bekommen. Erst als besagter Aman einige, zähe, lange Minuten später von seiner Runde zurück kam und Entwarnung gab:
„Niemand da. Keine Spuren, nur ihre.“
Erst jetzt löste Dorun seinen festen Halt und Juduka rieb sich unbewusst das Handgelenk.
„Gut. Hole meine anderen Waffen aus dem Zelt. Wir wollen nur Vorsicht walten lassen. Wenn ihr das seid, was ihr vorgebt zu sein, werdet ihr sicher nichts dagegen haben, wenn ich euch teste.“
„Einen Test?“
Juduka wirkte etwas verwirrt. Aman begab sich kurz in das Zelt und kam mit einer Decke im Arm zurück, in die etwas eingeschlagen war. Er legte es deutlich außerhalb der Frauen in das hohe Gras.
„Natürlich! Ihr sollt uns Vergnügen bereiten und ich möchte vorher dieses Vergnügen beurteilen können, bevor ich entscheide, ob es auch wert ist eingegangen zu werden.“
Zufälliger Weise war das improvisierte Paket so etwas näher an Kazels Standpunkt, als zu Janays und er konnte einen Schwertknauf unter einer Ecke hervorschauen sehen. An seinem Ende war ein Totenschädel aus geschwärztem Silber angebracht, der sein kaltes Lächeln zeigte. Eine solche Verzierung an einem Schwert hatte meinst eher zeremonielle Bedeutung als praktische. Aman stieß kurz den Ork mit seinem Bogen an und zeigte auf die Decke und dieser setzte sich mit angezogenen Beinen sogleich darüber. Seine riesigen Hände verdeckten jeden weiteren Blick auf die Waffen.
Doruns sachliche Miene hatte sich während seiner Ausführung keinen Millimeter verändert, aber Saerembors Gesicht sprach dafür um so deutlicher. Er hatte während der Worte des Anführers leicht den Kopf gesenkt und grinste vor sich hin, als Dorun näher auf Janays und Judukas Aufgabe einging.
„Es ist ganz einfach. Ihr werdet euch eurer Kleidungsstücke entledigen, hier und jetzt, dann werdet ihr mein Zelt betreten. Dort ist es schön warm, ihr werdet also nicht frieren und euch dort werdet ihr euch gegenseitig Freude bereiten. Ich werde vom vorderen Bereich aus zusehen. … Wenn ihr gut seid, werde ich euch gut entlohnen. Wenn ihr noch besser seid, dann werde ich vielleicht mich dazu gesellen und wenn ihr herausragend seid, dann werde ich euch auch an meine Männer empfehlen.“
Er klopfte auf einen Teil seiner Brust, wo vermutlich sein Geld verborgen lag und sah fragend von einer Frau zur anderen.
„Nun? ...Auf! Bereitet uns Vergnügen in dieser kalten Nacht und heizt unserem Geist und unseren Leibern ein!“
Juduka lächelte, stand auf und hielt Janay einladend die Hand hin.
„Nichts leichter als das! Komm meine Süße. Wir machen es so, wie ich es dir beigebracht habe.“
Als sie sich schon dem Zelt zu wandte, huschte ein kurzer besorgter Blick über ihr Antlitz. Juduka konnte zwar gut schauspielern, aber hatte sie in diesen Sachen Erfahrungen sammeln dürfen? Ihr Gesicht sagte etwas anderes. Sie biss die Zähne zusammen und setzte ein verführerisches Lächeln auf, bevor sie sich wieder ihrer Begleiterin voll zu wandte.
„Es wird dir gefallen!“
Nun war es wieder an Janay die weniger Erfahrene zu spielen und ihrer „Ausbilderin“, sowie den Zuschauern gleichzeitig zu zeigen, dass ihre Geschichte stimmte. Im besten Fall kam Dorun dann zu ihnen ins Zelt und ließ sich von ihnen verwöhnen. Die mittlere der drei Varianten versprach die beste zu sein um ggf. einen Vorstoß in die ein oder andere Richtung zu wagen. Bei nur „gut“ bekamen sie wenigstens ein bisschen Geld, nur fürs Zusehen. Bei „besser“ würden sie den Anführer alleine für sich haben und ggf. eine Möglichkeit finden, ihn abzulenken, ihn zu überwältigen, oder wer weis was mit ihm zu machen. Unansehnlich war auch er nicht und aus seinen Augen sprach Erfahrung. Trotz seiner einstmals gebrochenen Nase hatte sein Aussehen Charakter und interessante Kanten. Die dritte Variante war vielleicht auch nicht schlecht. So würden sie auch an seine Männer heran kommen, doch wollten sie das? So oder so würden sie eine Weile mehr oder weniger allein im Zelt des Anführers sein.

Saerembor hielt es kaum noch auf der Stelle. Immer wieder veränderte er seine Beinstellung, als würde ihm seine Hose zu klein. Ab und zu sah er schon übertrieben sehnsüchtig zu Kazel, Janays Hintern und grinste dabei anzüglich. Seine Vorstellung von einer gelungenen Nacht, wäre wohl eine andere als die Doruns Vorschlag.
Aman hingegen wirkte fast etwas unsicher. Er behielt immer die Umgebung im Auge und ließ sich nicht von seiner Aufgabe ablenken, auch wenn es ihm schwer fiel.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 10. Oktober 2015, 09:13

Den Schein wahren ...
das funktionierte, wenn es um ihn allein ging. Wenn er seine Emotionen auf sich und seine Lage beschränken konnte, um sie im Zaum zu halten. Emotionen, die er Jahre lang tief in seinem Inneren verborgen gehalten hatte. Es war keine große Leistung, die man da von Kazel abverlangte. Vorausgesetzt, es ging um ihn allein. Jetzt jedoch waren Janay und Juduka auf den Plan getreten. Vielleicht hätte es auch weiterhin funktioniert, wenn es nur die Nachtelfe gewesen wäre. Sie und ihn verband lediglich eine Reise. Im Grunde hatte er nicht allzu viel für sie übrig. Sie hat Raxtian Tausendtod damals geholfen, aus dir zu machen, was du jetzt bist. Unbewusst leckte er über die eigenen Eckzähne. Jene, in denen sich Schlangengift befand. Er bewegte die Zehen. Jene, an denen sich Tierkrallen befanden um besser klettern zu können. Er blinzelte mit Augen, die nun schärfer und weiter sahen. Nur die Hände ballte er nicht zu Fäusten, wenngleich er die scharfen Adlerkrallen oberhalb der Fingerknöcheln fühlen konnte. Selbst jetzt, wo sich seine Hände nur um die Stäbe seiner Zelle legten, spürte er, wie sie am Rand ihres Verstecks unter seiner Haut darauf warteten, vorzuschnellen.
Kazel klammerte sich immer fester an das Käfiggitter. Es war Janay geschuldet oder eher Saerembor. Ja, jetzt ging es nicht mehr nur um Emotionen, die ihn allein betrafen und irgendwie doch. Es waren Emotionen - seine Emotionen -, aber sie bezogen sich auf eine andere Elfe. Eine, die sein Kind trug und für die er deutsam mehr empfand, als er sich selbst bislang eingestehen wollte. Zu sehen, wie die feingliedrigen Finger dieses Ungeheuers über ihre Haut glitten, raubte dem Mischling fast den Atem. Er knurrte leise auf. Zugleich rann es ihm eiskalt über den Rücken. Saerembors Hände hatten kurz zuvor ihn selbst berührt und zwar an Körperstellen, an denen ihn sonst niemand berührte, erst recht kein Mann! So gierig wie der Elf Janay anblickte, wollte es sich der Gefangene gar nicht vorstellen, was er mit ihr anstellen würde, wenn er könnte. Er kann ... und er wird ... Kazel knurrte etwas lauter. Dass er sich bereits eng an das kalte Gitter drückte, spürte er gar nicht. Er fror auch nicht mehr, denn in ihm da kochte das Blut. Es brachte seine Augen zum Funkeln, dass sich darin graue Wolkentürme aufbauten und die See seiner sonst so tiefblauen Seelenspiegel heftig ins Wanken brachte. Ein Sturm zog auf. Der Sturmadler erhob sich mit wachsam eifersüchtigem Blick. Wenn er nur nicht eingesperrt wäre. Er würde Saerembor töten ... er würde sie alle töten. Es ist so viel leichter, wenn man erstmal gemordet hat, nicht wahr? Seine eigenen Gedanken lenkten ihn ab. Glücklicherweise genug, um sein erhitztes Gemüt zu beruhigen, bevor ihm noch ein unvorteilhafter Ausruf entkommen wäre. Angenehmer machte es die Stimme seines Gewissens jedoch nicht. Endlich benimmst du dich deiner Natur und deinem Glauben entsprechend. Faldorgefällig. Jaja, in dir fließt trotz allem dunkelelfisches Blut und das will töten. Kazel verengte die Augen. Nicht, um seinen Gedanken zu entgehen, das konnte er nicht. Er gestand sich gerade ein, dass sein Gewissen Recht hatte. Er wünschte sich im Moment doch nichts sehnlicher, als diese drei Artgenossen ausbluten zu lassen, allen voran Saerembor. Allein seine Beweggründe unterschieden ihn noch von den meisten dunkelelfischen Motiven, denn Kazel wollte es tun, um Janay zu schützen.
Aber was machte die Elfe? Sie lachte, obwohl dieser feiste Mann ihren Hintern kniff. Es gefiel ihr doch nicht etwa? Ein Stich in Kazels Brust ließ ihn zusammenzucken. Es schmerzte, dieser winzige Laut, den der kalte Wind an seine Spitzohren trug, versetzte ihm einen derartigen Schmerz als wäre Kazel mit einem Messer attackiert worden. Nicht einmal die Wunde an seinem Bein konnte dagegen ankommen. Saerembors Kontrollgriff zwischen seine Beine trug nicht dazu bei, dass es ihm besser ging. Im Gegenteil. Kazel erwiderte dessen listigen Blick mit einem, der vom Schmerz sprach, welcher sein Herz überschattete. Er machte eine jämmerliche Gestalt aus, ein Stück entfernt in seinem Käfig.

Bleib geduldig. Es wird sich eine Chance ergeben. Du darfst sie nicht vorüberziehen lassen, indem du dich deiner Pein hingibst. Geduld ... und dann bringst du sie alle zur Strecke. Er atmete tief durch, schob seinen Körper etwas von den Gitterstäben fort, denn langsam beruhigte sich auch sein kochendes Blut. Die Kälte drang zurück in seine Glieder. Sie betäubte jeglichen Schmerz. So hüllte er sich zurück in seine Decke, beobachtete nun Aman, der auf Befehl hin die nähere Umgebung ausspähte, bis die Waffen der Dunkelelfen in greifbare Nähe rückten. Ein Hoffnungsschimmer blitzte in Kazels Augen auf ... und erlosch, als der Ork sich wie ein grober Wachhund auf die Klingen niederließ. Der würde sich nicht weglocken lassen, sein Geist war gebrochen und weder Kazel noch ein anderer, der sein Verbündeter hätte sein können, würde ihm Befehle erteilen können. Es sei denn ... Seine sturmblauen Augen wanderten langsam zur Gestalt Saerembors. Er musterte den Elfen. Ein Würgreiz erklomm seinen Schlund. Kazel schluckte leer, um ihn zurück in die Tiefe seiner Magengrube zu verbannen. Alles in ihm widerstrebte es, sich nochmal auf einen Plan einzulassen, bei dem Saerembors Finger ihn erneut berühren könnten, doch ihm blieb keine Wahl. Es war der einzige Plan, den er hatte. Er musste ihn ausführen und zwar bald. Denn das, was Dorun da von den Frauen verlangte, sorgte dafür, dass sich der Würgreiz in Kazels Magen verdrehte und dort einen dicken Knoten bildete. Ihm wurde übel.
Trotz allem erhob er sich seine Stimme so weit, dass Saerembor ihn wohl sprechen hören konnte und entweder spitzte er die Ohren auf seine Worte hin oder - noch besser - er kam näher an den Käfig heran. Bewusst wandte Kazel Lerium an, als wolle er eine Schlucht zwischen sich und den Nachtelfenfrauen reißen. "So ist das also. Wäre ich eine Frau, hätte man mich nicht in eine Zelle gesteckt, sondern in ein Zelt ... auf warme Felle, während ich die ganze Aufmerksamkeit eines Mannes genießen könnte. Und während er sich nun eine schöne Zeit macht, ignoriert der einzig andere Mann mich, obgleich er mir zuvor Verheißungsvolles versprochen hat." Kazel legte alle gespielte Kränkung in seinen Ton, die er aufbringen wollte. Es sollte divenhaft und nach dem verschmähten Liebhaber klingen, aber keinesfalls voller Hass, der sich in seinem Bauch formte wie das Kind in jenem von Janay.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Sonntag 18. Oktober 2015, 17:50

Die junge Frau fühlte sich alles andere als wohl in ihrer Haut, zu deutlich war sie sich der Gefahr bewusst. Allerdings hatte sie keine andere Wahl, als mitzuspielen und die Rolle auszufüllen, die sie sich selbst übergestülpt hatte. Dass da ein wenig Unbehagen erkennbar bleiben würde, würde das Ganze nur noch realistischer machen, hoffte sie. Schließlich mimte sie einen Neuling und diese brauchten für gewöhnlich ihre Zeit, um sich in ihre Position einfinden zu können. Und welche Nachtelfe, selbst eine vermeintliche, würde sich nicht in Gegenwart von Dunkelelfen hüten und die Worte sorgfältig abwägen? Somit machte sich Janay wenig Sorgen, dass ihr ihre Rolle nicht abgekauft werden würde.
Die Frage war eher, wie sie es dennoch allesamt lebendig aus dieser Situation heraus schaffen könnten… Auf der anderen Seite hatte sie natürlich auch Angst. Noch nie hatte sie es mit ihresgleichen im Bett zu tun gehabt, Kazel war schließlich kein typischer Vertreter ihrer Art, sondern ein schüchterner Mischling, doch sie kannte die Szenen aus dem Bett ihrer Eltern. Zärtlich oder gar angenehm für eine Frau war etwas vollkommen anderes… Und auch ihre Erfahrungen in Kosral hatten nicht dazu beigetragen, der Begegnung gelassen entgegen sehen zu können. Wenn auch nur irgendwie möglich, wollte sie die Flucht ergriffen haben, bevor es zum Äußersten kommen konnte.
Das Abtasten des einen Kerls war dabei lediglich der Vorgeschmack, wie sie wusste, obwohl es noch zum Aushalten gewesen war. Die Geste hinter sich konnte sie zwar nicht sehen, doch ahnen, dass ihm seine Aufgabe zumindest Spaß gemacht hatte. Wäre bei keinem sonstigen Mann anders gewesen, der Interesse für Frauen hatte… Bei diesen Dingen waren Dunkelelfen kaum anders als Pelgarer oder sonstige Rassen.
Allerdings konnte sie sich darüber keine Gedanken machen, sondern musste sich vollständig konzentrieren, um bei dem kurzen Gespräch keinen Fehler zu begehen und die Tarnung zunichte zu machen. Ein falscher Name war rasch gefunden und geäußert, schien auch kein Misstrauen zu erwecken.
Kurz nutzte sie die Gelegenheit, Kazel einen viel zu flüchtigen Blick zuwerfen zu können, ehe sie ihr Spiel weitertreiben musste. Das Nachfragen hätte sie nicht erwarten müssen, kam für sie jedoch auch nicht vollkommen aus freien Stücken. Da der andere Dunkelelf halb hinter ihr geblieben war, ergriff sie die Chance, um noch einmal zu dem Mischling im Käfig zu sehen. Mochte das Licht auch nicht gut sein, vielleicht könnte er trotzdem erkennen, dass in ihren Augen einen Moment lang ein aufrichtiger Ausdruck lag, eventuell sogar in einer Mischung mit Beruhigung, da sie sein leises Knurren wahrgenommen hatte, ehe sie ein weiteres Mal kindlich kicherte und einen koketten Augenaufschlag Richtung Saerembor schickte.
„Vielleicht…“, gurrte sie, um nicht zu lügen, aber auch nicht die Wahrheit zu verraten.
Ob Kazel sie verstanden hatte? Ob er wusste, dass sie das hier nicht zum Vergnügen, ja nicht einmal wegen der Bezahlung tat, sondern sich lediglich verstellte? War sein Knurren nicht Ausdruck von Eifersucht gewesen oder eher Begierde, nachdem er es mit ihr im Wasser kennengelernt hatte? Oder würde er gekränkt sein und glauben, sie wäre so leichtfertig? War sie das nicht in gewisser Weise auch? Janay musste sich zwingen, ihre Gedanken nicht in die falschen Bahnen abdriften zu lassen. Konzentration war gefragt und sie durfte nichts, absolut nichts riskieren. Über solche Dinge grübeln konnte sie ein anderes Mal… wenn sie das hier überlebte.
Wie groß die Gefahr noch immer war, in der sie schwebten, zeigten die Worte des Anführers. Sollte sie froh darüber sein, dass sie keine Verstärkung mehr im Rücken hatten oder diesen Umstand eher verfluchen? Sie war sich nicht ganz klar darüber. Aber noch hatte sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie es schaffen würden und sich ihnen bald eine Gelegenheit böte.
Vorerst indes mussten sie warten, darauf, dass der Anführer zufrieden war und dessen ausgeschickter Mann zurückkehrte. In diesen endlos langen Sekunden, die sich zu Minuten ausdehnten, hörte die junge Frau in sich hinein und versuchte, sich zu beruhigen, um einen kühlen Kopf wahren zu können. Schließlich kehrte der Dunkelelf zurück und sprach aus, was leider nur zu wahr war.
Lautlos seufzte sie und lauschte, froh darüber, dass diese Männer glaubten, sie verstünde sie nicht. Stattdessen tat sie so, als würde sie sich langweilen, weil sich nichts Offensichtliches ereignete und zwinkerte Saerembor zu, um ihn von Kazel abzulenken. Wer wusste denn, was der Mischling vorhatte oder ob ihm nicht eine Idee gekommen wäre? Da könnte er es nur gebrauchen, nicht beachtet zu werden. Vor allem, als der Befehl kam, die Waffen heraus zu holen.
Bis sie wieder zu dem Anführer sah und dümmlich lächelte. „Wieso Vorsicht? Ich beiße nicht, wenn Ihr das nicht wollt, Herr.“, säuselte sie und kicherte leise, als hätte sie in ihrer Beschränktheit eher verstanden, dass sie geprüft werden mussten, als ihre Ausbilderin. Denn Juduka hakte nach und Janay musste sich hüten, nicht scharf vor Schreck über diese Unvorsichtigkeit die Luft einzusaugen.
Umso eifriger fragte sie dazwischen, ehe der Anführer sich erklären konnte. „Oh, darf ich wieder einen nackten Po sehen? Wieder von ihm?“, kicherte sie und deutete zu Kazel. Zwar glaubte sie nicht eine Sekunde lang daran, dass sie zu ihm gelangen könnte, doch ein Versuch war es wert. Sie durfte es nur nicht übertreiben, das würde auffallen.
Ihre Hoffnung wurde allerdings rasch zunichte gemacht, als deutliche Anweisungen kamen, was nun von ihnen erwartet wurde. Die junge Frau hörte zu und biss die Zähne zusammen, um keinen erleichterten Seufzer von sich zu geben. Zwar hatte sie noch nie mit einer Geschlechtsgenossin… „gespielt“, jedoch hatte sie keine Bedenken, dass sie das zuwege bringen könnte. Und es war ihr allemal lieber als sofort mit einem reinen Dunkelelfen das Lager teilen zu müssen. Diese Gefahr bestand auch weiterhin, wenngleich sie noch etwas Aufschub bekommen hatte.
Bemüht um ihre Rolle versuchte sie an etwas zu denken, das ihr die Röte in die Wangen trieb. Was gar nicht so einfach war, schließlich hatte sie schon einige Erfahrungen gesammelt. Doch schlussendlich fiel ihr eine Situation in Jorsa ein, in der einer ihrer Kunden in fortgeschrittenem Alter es nicht geschafft hatte, sich so lange zurück zu halten, bis er am Ziel war, sondern zu früh fertig geworden war. Das ließ ihr Gesicht Farbe annehmen, zwar aus Ärger und nicht aus Scham, allerdings sollte das reichen.
„Ihr wollt uns zusehen, Herr? Oh… wie aufregend!“, gurrte sie und begann zu tänzeln, als könne sie es kaum erwarten. Auch wenn in Wahrheit in ihr der Wunsch aufkeimte, dass es nicht soweit kommen würde und sie Kazel tatsächlich treu bleiben könnte. Zumindest noch eine gewisse Zeit lang… Jedoch würde sie so oder so früher oder später ihren Beruf wieder ausüben, um überleben zu können, also konnte sie auch jetzt damit anfangen. Wäre nur nicht ihr und das Leben der anderen dabei ständig bedroht…
Trotzdem konnte sie sich, ganz in ihrer Rolle drin, eine weitere Frage nicht verkneifen. „Und am Schluss dürfen wir uns etwas wünschen?“, meinte sie, ganz das naive Kind im Körper einer Frau.
Inzwischen rührte sich ihre Begleiterin und hielt ihr die Hand hin, die sie nach kurzem Zögern ergriff. „Ist gut.“, erwiderte sie schlicht und tat so, als ließe sie sich führen. Dennoch versuchte sie, unbemerkt die Hand der anderen zu drücken, in dem instinktiven Bedürfnis, ihr zu zeigen, dass noch nicht alles verloren war. Immerhin saßen sie ja jetzt im gleichen Boot, auch wenn sie zuvor einander nicht wirklich hatten leiden können oder was da auch immer gewesen war.
Noch einmal wandte sich Juduka an die Dunkelelfen mit der Versicherung, dass ihr Spiel Gefallen finden würde, und Janay kicherte wie zur Bestätigung. Somit ließ sie sich in Richtung des Zelts ziehen, als ihr eine Idee kam. Plötzlich sträubte sie sich, blieb stehen und begann auf andere Art und Weise zu tänzeln, bevor sie der Nachtelfe und schließlich dem Anführer einen beinahe schon weinerlichen Blick zuwarf.
„Darf ich vorher noch schnell ins Gebüsch?“, fragte sie säuselnd und setzte sofort wieder ein naiv-kokettes Lächeln auf. „Wir werden ja lange brauchen und Ihr sicher keine Pause benötigen, Herr.“, gab sie wie als weise Voraussicht zu bedenken und als eifrige Liebesdienerin, die alles zuvor erledigen wollte, was das Vergnügen anderer trüben könnte. Mit einem Erfolg rechnete sie eher nur halbherzig, ein Bewacher würde dabei auf jeden Fall mitkommen.
Vielleicht wäre es ja dieser schüchterne Dunkelelf, der alles tat, um die Umgebung im Auge zu behalten und nicht sie zu mustern. Das wäre ideal, denn ihn könnte sie vermutlich am ehesten soweit ablenken, dass sie ihn ausschalten könnte. Dann wäre einer weniger und vielleicht würde sie es schaffen, in die Nähe des Wargs gelangen zu können, um seine Kette zu lösen. Das wäre natürlich der Vorteil schlechthin!
Doch noch wagte sie nicht zu weit vorauszusehen, um sich nichts anmerken zu lassen, was sie plante. Stattdessen behielt sie ihr Lächeln bei und wartete auf eine Reaktion, die ihr zeigen würde, ob sie nachlegen sollte oder nicht.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Freitag 23. Oktober 2015, 10:10

Janays kleiner Zwischenruf wurde durchaus vernommen, aber zum Glück nicht als zu ernsthaft eingestuft.
„Wieso Vorsicht? Ich beiße nicht, wenn Ihr das nicht wollt, Herr.“
, säuselte sie und kicherte leise, als hätte sie in ihrer Beschränktheit eher verstanden, dass sie geprüft werden mussten, als ihre Ausbilderin. Denn Juduka hakte nach und Janay musste sich hüten, nicht scharf vor Schreck über diese Unvorsichtigkeit die Luft einzusaugen. Ihre Verbündete war leider auch nicht perfekt in ihrer Rolle, aber gab sich alle Mühe erfahren zu wirken. Sah man sie aber genau an, so flatterten ihre Lider leicht und man Janay merkte schon, dass Juduka ihre wahren Gefühle verbarg. Umso eifriger fragte Janay dazwischen, ehe der Anführer sich erklären konnte.
„Oh, darf ich wieder einen nackten Po sehen? Wieder von ihm?“
, kicherte sie und deutete zu Kazel. Sie durfte es nur nicht übertreiben, das würde auffallen, aber bisher schien keiner ihre Ausrufe wirklich ernst genommen worden zu sein. Man taxierte sich noch, lernte sich kennen und versuchte sein Gegenüber einzuschätzen. Ihre Hoffnung dem ganzen zu entgehen wurde allerdings rasch zunichte gemacht, als deutliche Anweisungen kamen, was nun von ihnen erwartet wurde.

Kazels Stimme hatte sich so weit gehoben, dass Saerembor ihn wohl sprechen hören konnte. Bewusst wandte Kazel Lerium an, als wolle er eine Schlucht zwischen sich und den Nachtelfenfrauen reißen. Sein Plan begann zu funktionieren und der sadistische Elf kam grinsend näher, während die beiden Frauen den Anführer in ein Gespräch verwikelt hielten.
"So ist das also. Wäre ich eine Frau, hätte man mich nicht in eine Zelle gesteckt, sondern in ein Zelt ... auf warme Felle, während ich die ganze Aufmerksamkeit eines Mannes genießen könnte. Und während er sich nun eine schöne Zeit macht, ignoriert der einzig andere Mann mich, obgleich er mir zuvor Verheißungsvolles versprochen hat."
Kazel legte alle gespielte Kränkung in seinen Ton, die er aufbringen wollte. Es sollte divenhaft und nach dem verschmähten Liebhaber klingen, aber keinesfalls voller Hass, der sich in seinem Bauch formte wie das Kind in jenem von Janay.

„Ihr wollt uns zusehen, Herr? Oh… wie aufregend!“

, gurrte Janay und begann zu tänzeln, als könne sie es kaum erwarten. Wenn Kazel sie so sah, erkannte er sicher einige Bewegungen aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Das alles ähnelte doch sehr einem Balzritual, nur das er diesmal nicht das Ziel war, sondern ein ihr fremder Dunkelelf.
„Darf ich vorher noch schnell ins Gebüsch?“
, fragte sie säuselnd und setzte sofort wieder ein naiv-kokettes Lächeln auf.
„Wir werden ja lange brauchen und Ihr sicher keine Pause benötigen, Herr.“
Der Anführer zog mistrauisch eine Braue hoch, aber ließ sie sogleich wieder sinken.
"Nein. Es steht ein Eimer im Zelt.",
war seine knappe Antwort.
"Fangt an, sonst fange ich an!"
Sein Blick verriet, dass er diese wenig subtiele Drohung wahr machen würde und keine Geduld mit ihnen hatte. Von ihrer Darstellung war er wohl noch nicht überzeugt und sein linker Zeigefinger rieb langsam über den Schaft seines Schwertes, dort wo Klinge und Griff sich vereinten. Der Druck von Judukas Hand verstärkte sich und sie zog Janay in das Vorzelt, fort aus Kazels Blickwinkel.

Saerembor trat unendlich langsam rückwärts näher an Kazels Gefängnis heran und blieb dann knapp eine Armlänge davon stehen. Er behielt noch seinen Anführer im Auge, als erwartete er villeicht doch noch schnell eingreifen zu müssen, aber ließ sich halt doch von seinen Trieben genug ablenken, dass er sich seinem scheinbar gekränktem und doch willigem Opfer näherte. Er sprach leise und drehte dabei den Kopf nur bis ins Profil dem Gefangenen zu. Er mochte ihn so aus dem Augenwinkel sehen können, aber behielt doch das Zelt noch im Auge:
„Ihr schmeichelt mir mit eurer Eifersucht. Das hätte ich in der Tat nicht erwartet. Also hat euch meine kleine Tat gefallen?“
Er nahm sich kurz heraus, zu Kazel zu blicken um in seinen Gesichtsausdruck zu erforschen, doch wandte sich dann schnell wieder ab.
„Ich würde sehr gerne dort weiter machen, wo wir aufgehört haben. Seid ihr noch bereit für mich, oder hat die Kälte eure Leidenschaft erfrieren lassen?“
Die Anspielung auf Kazels Standfestigkeit hatte großes Potenzial seine ohnehin schon vorhandene Übelkeit zu verstärken. Besonders weil Saerembor seine Hände hinter dem Rücken kreuzte und zwei Finger der einen Hand mit der leicht geöffneten Faust der anderen massierte.
„Ich hätte nichts gegen ein Stelldichein. Nur kann ich euch noch nicht raus lassen, solange der Chef noch nicht ...beschäftigt ist. Aman wird nichts sagen, den hab ich in der Hand und er wird auch eher beim Zelt bleiben, als uns zu folgen... Also werdet ihr brav sein, wenn es soweit ist?“
Er hatte angebissen. Wieder drehte sich sein Gesicht ins Profil, was seine ebenmäßigen Züge gut zur Geltung brachte. Er war ein schöner Mann. Sein Aussehen wirkte gefährlich, mystisch, markant und doch irgendwie sinnlich. Eben einer von der Sorte, die immer das bekamen, was sie wollten und in Anderen ihrer Art sogar oft Neid weckten. Kazel hatte es geschafft seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, damit seine Liebe bessere Chancen hatte für ihre Pläne. Doch wie sah nun sein Plan aus? Erst einmal musste er sich noch ein klein wenig gedulden.

Juduka stand neben Janay im Vorzelt und drehte sich ihr zu. Sie schluckte einmal leer unter ihrem etwas künstlichem Lächeln und begann ihr die Kleidung zu öffnen. Ihre Finger zitterten leicht und waren kühl, wenn sie ihre Haut berührten. Noch konnten sie nicht miteinander reden, ohne belauscht zu werden, aber wenn sie im Innenzelt angekommen war und „offensichtlich“ im Spiel vertieft waren, so konnte man sich gewiss etwas zu flüstern und sich absprechen. Jetzt sah sie sie nur fragend an und ihre Lippen zuckten leicht, als wollte sie fragen, was Janay nun vor hatte. Ihre Hände zupften an Schnüren und Bändern und dann beugte sie sich vor um sie auf den Mund zu küssen. In dem Augenblick, da Janay das erkannte, kam ihr vielleicht ein Gedanke. Eine Prostituierte küsste normaler Weise nicht auf den Mund und Juduka stand kurz davor sie zu verraten. Unter den scharfen Blicken ihres Beobachters wäre das fatal.

Derweil kaute Terror erst an einem Ast herum und schnupperte dann an einem Pilz. Seine Welt war in Ordnung, keine List, keine Lüge und kein Schauspiel der Welt ging ihn etwas an. Einzig der Geruch der Pferde war interessant, aber die Kette hinderte ihn daran seinen Instinkten nachzugehen. Die Weibchen beachteten ihn gerade nicht, der Kerl mit dem Geruch vom Bauch auch nicht und die anderen waren ihm egal. Äste-kauen war sowieso interessanter.

Aman stand etwas abseits und behielt alle im Blick. Sein Bogen war gespannt und ein Pfeil locker aufgelegt und zu Boden gerichtet.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 16. November 2015, 16:53

Do-domm. Do-domm! Do-DOMM. DO-DOMM!
Hörte er es denn nicht? Das immer lautere Schlagen hinter seiner Brust war nicht zu ignorieren. Es begann dumpf, doch nahm an Intensität zu, je mehr sich Saerembor näherte. Das Schlagen wuchs zu einem Hämmern heran, dann zu einem Trommeln, bis es dem Donnern bei einem heftigen Gewitter glich. Anders als jenes schlug das Mischlingselfenherz stetig und regelmäßig, obwohl Kazel für einen Moment glaubte, es setzte kurz aus. Jener Moment, da es keinen Schritt des sadistischen Dunkelelfen untermalte. Ein Moment, in dem es schwer wurde und gefühlt bis zu den Hosen herabsank, die nun wieder seine Kehrseite bedeckten. Aber ein Knoten aus purem Unbehagen blieb. Er umschlang das Herz, breitete sich vom Magen her aus. Er schmerzte, dass Kazel den Würgreiz kaum noch unterdrücken konnte. Oder lag das an dem anzüglichen Gurren der Frau, die einen Platz in diesem hämmernden Herzen gefunden hatte? Er wollte sich nicht ausmalen, was die anderen Elfen mit Janay und Juduka anstellen würden. Er durfte nicht! Andernfalls würde seine Wut nur weiter geschürt. Andernfalls vergaß er sich. Auf der anderen Seite schien es Janay doch sehr leicht zu fallen, mit den Trieben der Männer zu spielen. Es erinnerte Kazel an ihre eigene Begegnung und wie sie ihn mit kleinsten Gesten eingelullt hatte. Für sie ist's ein Spiel. Du hast ebenso wenig Bedeutung darin wie die übrigen.
Saerembor war es, der jegliche Zweifel verwischte, die im Geist des Mischlings aufkommen wollten, als er in sein Blickfeld trat. Er hatte den Käfig erreicht, stand nun dicht Kazel. Zwischen beiden befanden sich nur noch die vom winterlichen Wetter erkalteten Gitterstangen. Saerembor drehte ihm den Rücken zu. Oh, wenn er jetzt nur einen Dolch hätte! Wenn Saerembor nur etwas näher stünde. Sicher wäre seine Kehle wesentlich leichter zu zerteilen als im anderen Lager der dunklen Völker die Hälse der Orks. Wenn, wenn, wenn ... es half nichts. Er durfte sich keine Hoffnungen aus Situationen machen, die ohnehin unerreichbar waren. Und schon verging sie, als der andere sich doch noch ihm widmete. Für den Bruchteil weniger Sekunden stockte Kazel der Atem. Ihm war speiübel. Wie könnte jemandem gefallen, was du mit mir angestellt hast, du Perversling?!
So blieb er Saerembor zunächst eine Antwort schuldig. Es kostete ihn schon all seine Selbstbeherrschung, den Mundwinkel wie verlegen zu heben und leicht zu nicken. Ein Glück, ließ sich ein gesenkter Kopf auch mit gleicher Verlegenheit eines Unerfahrenen interpretieren. Kazel aber wandte tatsächlich den Blick ab, damit er seinen jüngsten Mageninhalt nicht dem anderen entgegenspuckte. Oh, er wollte sich nur noch übergeben.
"Euer kaltes Herz, als Ihr Euch dem Weib zuwandtet", keuchte der Jüngere. Dann schüttelte ihn ein Husten. Ihm kam wirklich die Galle hoch und er hatte sie reflexartig wieder herunter geschluckt, um sich nicht zu verraten. Noch immer hielt Kazel den Kopf gesenkt. Er sah einen schimmernden Speicheltropfen zwischen den Fellfusseln seiner Decke. Der war ihm wohl gerade entkommen. So unauffällig wie es ihm möglich erschien, wischte er sich in beiläufiger Geste mit der Hand über den Mund. Hoffentlich käme Saerembor nicht noch auf die Idee, ihn zu küssen! Den beißenden, säuerlichen Geschmack der Gallenflüssigkeit konnte er nicht verbergen. Es schmeckte, als hätte er sich im gesamten Mundraum ausgebreitet.
"Ihr habt diesen Aman also in der Hand", echote er, versuchte dabei sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Sofern Saerembor nicht weitere, deutlichere Avancen machte, lenkte es von der Übelkeit ab. Als wäre diese Fingergeste nicht schon deutlich genug. Etwas zog sich in Kazel zusammen und er glaubte, dass es etwas unterhalb des verlängerten Rückens war. Denk nicht zu detailliert drüber nach! "Dann ist Aman Euer bisheriger Liebhaber? Und Ihr ... das Schoßhündchen vom Chef?" Den Kopf weiterhin gesenkt verließ sich Kazel auf seine unbeteiligte Stimme. Seine Zunge musste nun so scharf sein wie die Wurfmesser, die man ihm abgenommen hatte. "Ihr kränkt mich, dass Ihr Nachtelfenfrauen mehr Glauben schenkt als jemandem von Eurem Blut. Wer weiß, ob sich das nicht ... später rächt ... bei dem Stelldichein." Mit Mühe würgte er die letzten Worte hervor. Er wollte zum einen nicht verdächtig klingen, zum anderen gefiel Saerembor vielleicht, wenn er sich ein wenig ruppig gab. Es konnte natürlich auch vollkommen schief gehen, aber dann ließ der Elf zumindest seine Finger von ihm. Blieb nur zu hoffen, dass er sie nicht an Janay anlegte. Juduka war ihm in dieser Hinsicht herzlich gleichgültig. Es wäre eine gerechte Strafe für das, was sie Kazel als Raxtians Handlangerin angetan hatte, als sie ihm bei seiner perfiden Arbeit assistierte. Oh, aber niemand weiß von deinen Gaben. Saerembor ahnt nicht, dass deine Eckzähne scharf sind. Er weiß nichts von deinen Krallen. Lock ihn und töte ihn. Faldorische Gedanken. Kazel ließ sie in seinen Geist. Das war der Plan. Es war der einzige, der ihn hier heraus brächte. Morden. Er war Gefangener von Dunkelelfen, also sollte er besser wie sie zu denken lernen, bevor es zu spät war.
"Wenn du dir noch Chancen erhoffst, mit mir einen unvergesslichen Abend zu verbringen, so wie ich noch hoffe, dass das Misstrauen gegenüber einem Volksgenossen von euch abfällt und ihr mich heraus lasst, dann solltest du die Käfigtür bald öffnen." Bewusst wechselte Kazel wieder zum vertraulichen "Du". Bewusst forderte er jetzt, auch wenn die Formulierung indirekter blieb. Er drängte Saerembor, appellierte an seine steigende Lust. Je nachdem, wie der Elf auf seine Worte reagierte, wüsste Kazel im Anschluss zumindest auch, wie weit er ihn in Sachen männlicher Vorlieben nutzen konnte. Unabhängig, wie sehr Kazel das wollte oder nicht. Er wollte nicht. Er verabscheute den bloßen Gedanken. Es schauderte ihn bei der Erinnerung an Saerembors Hände. Und es schauderte ihn wirklich! Er zitterte leicht und keuchte erneut, dass es fast einem Japsen gleich kam. Außerdem lehnte er sich nun doch wieder an die Stäbe, wenn auch nur mit der bedeckten Schulter. Sein Bein schmerzte trotz der Kälte. Er konnte kaum mehr darauf stehen. Ich verliere Zeit. "Lass mich nicht warten. Ich ... will ... mehr ..." Den Rest brachte er nicht heraus, da kam ihm endgültig ein dünner Schwall Galle empor, den er als schleimige Pfütze zu Boden spie. Ein Husten folgte und hinzu gesellte sich Schwindel, dass Kazel sich nun mit beiden Händen ans Gitter krallen musste.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Samstag 5. Dezember 2015, 19:18

Ihre Tätigkeit der letzten vier Jahre kam Janay in dieser Situation eindeutig zugute. Sie hatte sich diesen Beruf, den sie hier vorgab, auszuüben, tatsächlich getan und dabei naturgemäß nicht immer nur Spaß haben können. Im Gegenteil, meistens waren ihre Kunden alles andere als optische Schönheiten gewesen und sie hatte schon mitunter Glück gehabt, wenn sie währenddessen und danach keine gröbere Schmerzen gehabt hatte. Spaß war da sowieso stets die seltene Ausnahme gewesen. Trotzdem hatte sie ihre Flucht von daheim, abgesehen von ihrer Sehnsucht nach ihrer Schwester, nie bereut. Und nun konnte sie sich gut genug verstellen, dass man ihr die willige, leicht dümmlich-naive Gehilfin bisher abgekauft hatte.
Juduka allerdings war drauf und dran, das Ganze zu verderben und die Dunkelelfe musste sich sehr zusammennehmen, um es nicht ebenfalls zu tun. So bemühte sie sich darum, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, bis die andere sich wieder gefangen hatte und beherrschen konnte.
Um sich vielleicht eine Möglichkeit auf eine Flucht zu verschaffen, hatte sie somit einen Einwand gefunden und presste flüchtig die Zähne aufeinander, als dieser grob abgeschmettert wurde. Doch rasch hatte sie sich gefasst und machte stattdessen demonstrativ einen Schmollmund. „Ich kann aber nicht pinkeln, wenn man mir zusieht.“, nuschelte sie und warf einen wirklich herzerweichenden in Richtung des Anführers, während sie schon in Richtung des Zeltes gezogen wurde.
Dagegen sträubte sie sich leicht, wenngleich nicht so sehr, dass Juduka sie nicht ihrem Willen hätte unterwerfen können. Das Problem war nämlich, dass die junge Frau nun, nachdem sie davon gesprochen hatte, tatsächlich Wasser lassen müsste. So ein Mist aber auch!
Lautlos seufzte sie, als sie der ärgsten Kälte entkommen waren, indem sie das Vorzelt betreten hatte. Jetzt, derart dicht vor der anderen stehend, konnte sie deutlich wahrnehmen, dass diese unsicher war, ja, vielleicht sogar Angst hatte. So genau konnte sie die beiden Regungen nicht trennen. Fest stand jedoch, dass sie vermutlich die Regie übernehmen musste, auch wenn ihr Gegenüber damit begonnen hatte, sie zu entkleiden.
Somit versuchte Janay, ohne Ton die Worte „Ganz ruhig“ zu formen, während sie unwillkürlich ob der kühlen Fingerspitzen immer wieder erschauerte. Mehr konnte sie jetzt nicht tun, ohne, dass man es hören konnte. Verdammt, jetzt hätte ihr die Sprache der Nachtelfen geholfen… zumindest ein wenig, sofern die Worte in Lerium nicht zu ähnlich gewesen wären…
Dann aber bemerkte sie die Gefahr gerade noch rechtzeitig und quietschte auf einmal laut auf, dass man es bis nach draußen hören konnte, ehe sie zu kichern begann, um Juduka abzulenken. „Du weißt doch, dass ich kitzelig bin! Immer wieder tust du das!“, warf sie ihr scheinbar fröhlich lachend vor und wandte sich kurzerhand zu der Gefahrenquelle in ihrem Rücken um.
„Seid Ihr auch kitzlig, Herr?“, fragte sie sofort wieder säuselnd, ungeachtet dessen, dass ihr Oberteil bereits den Ansatz ihrer Brüste zeigte. Schamgefühl hatte sie wenigstens keines, das in diesem Falle sowieso nur gestört hätte. So konnte sie in ihrer Rolle bleiben und verschwendete tatsächlich nicht mal einen Gedanken daran, dass er sie mit Leichtigkeit entblößt sehen könnte.
„Oh, darf ich es ausprobieren?“, flötete sie und war bereits bei dem Dunkelelfen angelangt, die Hände an seinem Oberkörper. Es war ein riskantes Manöver und sie betete zu Manthala, dass es nicht schief gehen würde, aber sie war diesem Impuls gefolgt. Gleichzeitig drückte sie ihre Hüfte vor gegen seine und hoffte inständig, dass ihr Krümelchen davon niemals etwas mitbekommen könnte. Auch nicht, sollte sie wieder einen Mann zu sich lassen, ehe es geboren war.
Schon wanderten ihre geschickten, flinken Finger seinen Körper entlang, als wollten sie tatsächlich eine kitzelige Stelle erwischen. Dabei allerdings könnte sie auch vielleicht ein bisschen herausfinden, ob es hier einen Dolch für sie gäbe, den sie sich aneignen könnte… oder später Juduka, wenn sie dieser einen entsprechenden Wink geben könnte.
Sofern sie ihren Wagemut nicht doch mit dem Leben bezahlen würde… Daran durfte sie gar nicht erst denken, sonst würde ihre Maske durch die aufsteigende Angst sich auflösen wie Nebel im Morgenlicht.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 24. Dezember 2015, 11:16

Beim Gefängniswagen

Kazel war schlecht! Und ihm war nicht einfach nur übel, es kroch ihm immer wieder bittere Galle den Hals hinauf um so länger er diesem sadistischen Elfen etwas vorspielen musste. Die Mutter seines Kindes begab sich für ihn in Gefahr und er konnte nichts weiter tun, als die Risikofaktoren so gering wie möglich zu halten. Bilder von unaussprechlichen Taten die seine Phantasie befüllten, weckten in seinen Gedärmen die Säure. Ein kaltes Brennen legte sich gleich einer eisigen Hand um seinen Magen. Eins war sicher: Saerembors Finger sollten in jedem Fall lieber ihn berühren als Janay! Auch hatte sein Vorgehen einen weiteren taktischen Vorteil. Sobald er einen von der Truppe getrennt hatte, verbesserten sich die Chancen für die beiden Frauen enorm. Noch immer hielt er den Kopf gesenkt. Er sah einen schimmernden Speicheltropfen zwischen den Fellfusseln seiner Decke. Der war ihm wohl gerade entkommen. So unauffällig wie es ihm möglich erschien, wischte er sich in beiläufiger Geste mit der Hand über den Mund. Was Saerembor aus seiner Position nicht bemerkt hatte. Hoffentlich käme der Sadist nicht noch auf die Idee, ihn zu küssen! Den beißenden, säuerlichen Geschmack der Gallenflüssigkeit konnte er nicht verbergen. Es schmeckte, als hätte er sich im gesamten Mundraum ausgebreitet. So oder so, ging das perfide Spiel weiter.

"Ihr habt diesen Aman also in der Hand"
, echote Kazel, versuchte dabei sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Sofern Saerembor nicht weitere, deutlichere Avancen machte, lenkte es von der Übelkeit ab.
"Dann ist Aman Euer bisheriger Liebhaber? Und Ihr ... das Schoßhündchen vom Chef?"
„Schoßhündchen?“
, echote diesmal der Dunkelelf.
„Das wohl eher nicht und Aman darf ich nicht anrühren, so gern ich es wollte, das kannst du mir glauben! Der Jungspunt ist sein Sohn und damit leider tabu. Aber er ist sehr leicht beeinflussbar und noch grün hinter den Ohren, trotz seiner Ausbildung. Es gibt da ein paar Dinge die ich über ihn weiß, die ich verwenden könnte, also auf gewisse Weise hab ich ihn wohl in der Hand ... Na ja … ich schwafel. Vielleicht habe ich schon zu viel erzählt, mein Süßer! Kann ich dir denn Vertrauen?“
Die letzte Frage glich regelrecht einer Farce unter Dunkelelfen, wurde aber trotzdem gerne benutzt um seinen Partner zu necken. Sah Saerembor Kazel schon als einen Partner? Es blieb zu hoffen! Den Kopf weiterhin gesenkt verließ sich Kazel auf seine unbeteiligte Stimme. Seine Zunge musste nun so scharf sein wie die Wurfmesser, die man ihm abgenommen hatte.
"Ihr kränkt mich, dass Ihr Nachtelfenfrauen mehr Glauben schenkt als jemandem von Eurem Blut. Wer weiß, ob sich das nicht ... später rächt ... bei dem Stelldichein."
Saerembors Kiefer spannten sich und er schien ernsthaft ins Grübeln gekommen zu sein. Soweit so gut. Kazel hatte mit Mühe die letzten Worte hervorgewürgt. Sein Plan konnte natürlich auch vollkommen schief gehen, aber dann ließ der Elf zumindest seine Finger von ihm. Blieb nur zu hoffen, dass er sie nicht an Janay anlegte. Juduka war ihm in dieser Hinsicht herzlich gleichgültig. Es wäre eine gerechte Strafe für das, was sie Kazel als Raxtians Handlangerin angetan hatte, als sie ihm bei seiner perfiden Arbeit assistierte. Ja Juduka war ihm egal... Juduka.... Irgendetwas in seinem Nacken rebellierte leise, das hatte er schon, als er die drei das erste Mal gesehen hatte und das Gefühl verschwand erst im Angesicht des nahen Sadisten. Der Kerl war ihm von Anfang an unheimlich gewesen, aber Dorun auch.
Oh, aber niemand weiß von deinen Gaben. Saerembor ahnt nicht, dass deine Eckzähne scharf sind. Er weiß nichts von deinen Krallen. Lock ihn und töte ihn.
Faldorische Gedanken verfolgten ihn und Kazel ließ sie in seinen Geist. Das war der Plan. Es war der einzige, der ihn hier heraus brächte. Morden. Er war Gefangener von Dunkelelfen, also sollte er besser wie sie zu denken lernen, bevor es zu spät war.
"Wenn du dir noch Chancen erhoffst, mit mir einen unvergesslichen Abend zu verbringen, so wie ich noch hoffe, dass das Misstrauen gegenüber einem Volksgenossen von euch abfällt und ihr mich heraus lasst, dann solltest du die Käfigtür bald öffnen."
Bewusst wechselte Kazel wieder zum vertraulichen "Du". Bewusst forderte er jetzt, auch wenn die Formulierung indirekter blieb. Er drängte Saerembor, appellierte an seine steigende Lust. Es schauderte ihn bei der Erinnerung an Saerembors Hände. Er zitterte leicht und keuchte erneut, dass es fast einem Japsen gleich kam. Außerdem lehnte er sich nun doch wieder an die Stäbe, wenn auch nur mit der bedeckten Schulter. Sein Bein schmerzte trotz der Kälte. Er konnte kaum mehr darauf stehen.
"Lass mich nicht warten. Ich ... will ... mehr ..."
Den Rest brachte er nicht heraus, da kam ihm endgültig ein dünner Schwall Galle empor, den er als schleimige Pfütze zu Boden spie. Ein Husten folgte und hinzu gesellte sich Schwindel, dass Kazel sich nun mit beiden Händen ans Gitter krallen musste.

Im Zelt des Anführers

„Ich kann aber nicht pinkeln, wenn man mir zusieht.“
, nuschelte sie und warf einen wirklich herzerweichenden in Richtung des Anführers, während sie schon in Richtung des Zeltes gezogen wurde. Dagegen sträubte sie sich leicht, wenngleich nicht so sehr, dass Juduka sie nicht ihrem Willen hätte unterwerfen können. Das Problem war nämlich, dass die junge Frau nun, nachdem sie davon gesprochen hatte, tatsächlich Wasser lassen müsste. So ein Mist aber auch!
Juduka hatte begonnen sie zu entkleiden und Janay formte, ohne Ton die Worte: „Ganz ruhig“, während sie unwillkürlich ob der kühlen Fingerspitzen immer wieder erschauerte. Wirklich erregend war das ganze wohl eher nicht, aber wenigstens waren sie jetzt im Warmen was ihrem Krümelchen auch besser gefiel, denn Janay's Unterbauch entspannte sich unwillkürlich.
Dann aber bemerkte sie jedoch die Gefahr enttarnt zu werden gerade noch rechtzeitig und quietschte auf einmal laut auf, dass man es bis nach draußen hören konnte, ehe sie zu kichern begann, um Juduka abzulenken.
„Du weißt doch, dass ich kitzelig bin! Immer wieder tust du das!“
, warf sie ihr scheinbar fröhlich lachend vor und wandte sich kurzerhand zu der Gefahrenquelle in ihrem Rücken um. Juduka meinte jetzt wieder ganz in ihrer Rolle:
„Ich will ja nur, dass du locker wirst, meine Süße!“
und lachte leise.
„Seid Ihr auch kitzlig, Herr?“
, fragte Janay wieder säuselnd, ungeachtet dessen, dass ihr Oberteil bereits den Ansatz ihrer Brüste zeigte. Schamgefühl hatte sie wenigstens keines, das in diesem Falle sowieso nur gestört hätte. Doruns Blick war zwar hart, aber auch er war nur ein Mann und so wanderten seine Augen kurz zu den weichen Rundungen der Elfe.
„Oh, darf ich es ausprobieren?“
, flötete diese und war bereits bei dem Dunkelelfen angelangt, die Hände an seinem festen Oberkörper. Es war ein riskantes Manöver und sie betete zu Manthala, dass es nicht schief gehen würde, aber sie war diesem Impuls gefolgt. Gleichzeitig drückte sie ihre Hüfte vor gegen seine und hoffte inständig, dass ihr Krümelchen davon niemals etwas mitbekommen könnte. Auch nicht, sollte sie wieder einen Mann zu sich lassen, ehe es geboren war.
Schon wanderten ihre geschickten, flinken Finger seinen Körper entlang, als wollten sie tatsächlich eine kitzelige Stelle erwischen. Dabei war sie auf der Suche nach einem Dolch.
Der harte Griff der sich fest schmerzhaft um Janays Handgelenke legte, lockerte sich erst als Dorun zu ihr sprach:
„Dort hinten steht deine Aufgabe und wartet. Ich sag es nicht noch einmal!“
Seine Stimme war klar aber leiser geworden, wie die Schritte eines lauernden Raubtiers, das sich seiner Beute annäherte. Auch wenn Janays Reize ihr Wirkung nicht verfehlt hatten, was sie deutlich an ihrem Bauch fühlen konnte, so war es noch nicht ausreichend gewesen, dass er die Kontrolle abgab. Noch etwas unsanft aber auch nicht zu grob, stieß er sie zurück ins Zelt und nickte in Judukas Richtung.

Beim Gefängniswagen

Kazel hatte sich gerade übergeben müssen, als er eine Bewegung am Zelt des Anführers ausmachen konnte und sah, wie Janay noch einmal heraus trat und sich an der Brust des Anführers rekelte. Kurz darauf stieß er sie wieder ins Zelt zurück, warf ihr eine Feldflasche locker hinterher, die er am Gürtel getragen hatte und blieb weiterhin beobachtend draußen stehen. Blieb zu hoffen, dass das zu ihrem Spiel gehört hatte. Saerembors Körper trat nun in sein Blickfeld und verdeckte die Sicht auf das Zelt. Der Kerl hatte ein ekelhaftes Timing und Gesichtsausdruck war nicht weniger ekelhaft. Sein kaltes Lächeln hatte sich mit etwas leicht mitleidigem vermischt.
„Na wunderbar... Jetzt werdet ihr mir auch noch krank, mein Liebster? Dabei hatte ich so viele schöne Sachen mit euch vor ...“
Etwas angewidert betrachtete er die feuchte Lache Erbrochenes und war schon dabei sich wieder etwas zurück zu ziehen, als ihm noch etwas einfiel.
„Oder ist euch schlecht, weil der Gedanke meine Männlichkeit in euch zu spüren euch so sehr abstößt? ...“
Mit einem Schritt war er wieder an den Stäben und flüsterte Worte in den Käfig, die sich wie glühender Stahl in Kazels Magen fraßen. Kazel wurde schwindelig. Mit Worten malte Saerembor Bilder, die der Sturmadler sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht hatte vorstellen können. Sein ganzes Wesen wollte instinktiv vor diesem Mann zurück weichen, doch er ertrug die schrecklichsten Beschreibungen, der Wollust, die Saerembors Stimme zur Wirklichkeit machen wollte. Die Schmerzen seines verletzten Beins waren nichts gegen die Schmerzen, die seiner Seele drohten, wenn er sich in seine Hände begab! Jedes Wort, jede halb vor Gier gerollte Silbe fraß sich durch sein Ohr in seine Eingeweide und weckte etwas das viel tiefer ging als bloßer Ekel. Allein durch die bildliche Vorstellung, durch die feinen Pinselstriche der wiedernatürlichen Phantasie, die er in seinen Geist malte, von den Spuren die jetzt schon auf seiner Seele brannten, von dem was der dunkle Elf ihm da versprach zu tun schwanden Kazels Sinne. Doch eines gab seinem taumelnden Gedanken Hoffnung. Wollte Saerembor all das umsetzen, was er ihm eben zugeflüsterte hatte, so musste er Kazel aus dem Wagen befreien.

Im Zelt des Anführers

Janay war sehr bestimmend wieder auf Abstand gebracht und zurück ins Zelt halb gestoßen, halb geschoben worden. Juduka empfing sie mit lockenden Armen. Kurz darauf hörte man ein kleines Plopp in ihrer Nähe und sie sahen eine Feldflasche in den ausgebreiteten Fellen aus kullern.
„Wenn euch das schneller in Stimmung bringt, könnt ihr gern was davon trinken.“
, hörten sie Doruns Stimme und sein hungriger Blick glitt über Janays nackte Schulter, die gerade von Juduka entblößt worden war. Die Nachtelfe ließ von ihr ab und hob die Flasche auf. Sie lächelte den Dunkelelfen an und nahm einen großen Schluck, dann reichte sie leicht hustend die Flasche weiter.
„Nimm ruhig, ist gut!“
In ihren Augen stand eine stille Aufforderung und überdachte man die Situation, so war dies ein kleiner Test, ob die beiden vermeintlichen Gespielinnen, genug Vertrauen aufbrachten um sich den Männern auch wirklich hinzugeben. Juduka, befürchtete sonst wohl, dass Dorun nicht dass Bett mit ihnen teilen würde, wo sie ihn am leichtesten unbemerkt von den Anderen überwältigen könnten. War er erst erledigt, wären es nur noch zwei. Der Ork zählt nur, wenn Saerembors Befehle ihn steuerten, dass hatten die beiden schnell erkennen können.
„Trink.“
, forderte Juduka ihre Schülerin auf, kniete sich vor ihr nieder und machte sich weiter an ihrer Kleidung zu schaffen. Die offene Flasche hatte sie ihr vorher in die Hand gedrückt und aus dieser stieg ein fein würziger, aber auch scharfer Geruch in ihre Nase. Was es auch war, es war hochprozentig und zeigte schnell Wirkung denn Juduka schmunzelte ein wenig. Ob es gespielt war um dem Dunkelelfen zu gefallen, echt oder nur dem Alkohol geschuldet war, war nicht leicht zu erkennen, aber es passte in ihr Schauspiel. Dorun machte einen Schritt näher in den Eingang des Vorzeltes. Anscheinend hatte er schon eine wenig angebissen und wartete gerade aber noch, ob Janay auch trinken würde.
(ot: Absprache mit Janay: Sie trinkt.)
Zögerlich hob Janay die Flüssigkeit an ihre Lippen und nahm einen kleinen Schluck, aber so, dass Dorun die Bewegung ihres Halses gut dabei sehen konnte. Ihre Gedanken kreisten dabei und sie sorgte sich vor allem anderen um ihr „Krümelchen“. Der erste Schluck war erst einmal scharf und brannte im Rachen. Dann aber füllt sich ihr Mund mit einer süßlich würzigen Komposition aus allen möglichen Kräutern. Als der edle Tropfen ihren Bauch erreichte füllte er ihn mit einer angenehmem Wärme. Der Nachgeschmack war köstlich und rundete das kleine Erlebnis mit holzig herben Noten ab. Es dauerte nur drei Herzschläge, da begann das gute Zeug anscheinend zu wirken. Janay fühlte es eher, als dass sie es bewusst wahrnahm. Irgendwie wurde die Welt etwas „weiter“, sodass man sich selbst eher entrückt empfand. Alles wurde irgendwie weicher, leichter und schöner, glänzender, ganz so als würden die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen.
Zwischen wachen und schlafen ... wo Träume noch die deinen sind.
Bild
Irgendetwas erzeugte eine sachte Wellenbewegung - Nebel oder Dunst gerieten in Bewegung, seidige Haare wippten im Takt der Melodie leichter Schritte. Gebannt hingen ihre Augen an jedem einzelnen ihrer glänzenden Haare.
Ein atemberaubender Körper drehte sich geschmeidig um und ein wunderschönes Gesicht lächelte Janay zu. So fremd und doch so vertraut, lächelte sie zurück - kannte sie diese Frau?!
Gesprochene Worte, versetzten alle ihre Sinne in vibrierende Schwingungen, jagten ihr langsam ein um den anderen Schauer über die dunkle Haut.
Sollte sie es wagen?! ... diesen Wunsch, diesen Traum in die Realität zu holen ... dominiert von bedingungslosem Verlangen, welches mit der Disziplin um die Vorherrschaft kämpfte. Warum sollte sie nicht ...
Irritiert und verunsichert folgte sie ihr langsam, fast schüchtern dieser bisweilen gesichtslosen Fremden, aber das hier war doch alles so egal, oder? Keine Wachsamkeit, kein Bedauern, sie konnte einfach nur sie selbst sein und doch, geriet nicht gerade etwas in Vergessenheit?! ... ein kurzer Anflug von Panik ließ sie innehalten - was war geschehen?
Lief hier gerade etwas gehörig verkehrt?!
Ein kurzer Blick zurück zur Schönen war wie Balsam für ihre geschundene Seele, glättet die aufbrausenden Wogen und umhüllte samtig die Sinne. Mit schwerem Blick, voll glühendem Verlangens lodert die Gier erneut auf.
Dennoch blitzte am Randes des Bewussten etwas bedrohlich auf ... wenn sie sich nur dessen in aller Deutlichkeit bewusst werden könnte.
Ihr Innerstes verlangte doch nur nach ein wenig Zärtlichkeit, unbeugsam durch Äußeres in Schach gehalten.
Zwei Sturmfronten kämpfen miteinander, toben auf weiter Flur.
Kälte, eisige Kälte, kroch an allem hoch, hinterließ ein feines Glitzern, gleich einer tödlichen Bedrohung, stach unablässig ins Fleisch ... warum war es nur seltsam? Woher kam das?
Lichter flackerten in der Dunkelheit und legten offen, was verborgen war - blitzende Klingen, eine furchtbare Wahrheit, Eiseskälte ... endloses Schweigen ... von Schmerzen gelähmt, das Denken vergessend und das Wissen erstickend.
In Zeitlupe - alles war lieblich und friedlich - alles in Zeitlupe.
Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden, Stunden zu Tage - dann eine Ewigkeit.
Die Zeit wartet nicht
~ Sand rieselt ~
Sie fließt.
Ein letzter kalter Kuss.
Ein Farbenspiel - ein heller Blitz - alles vergessen
tausend Seelenfunken, gleich einer Hitzewelle - glutheiß
ein Atemzug - ein tiefer Atemzug - giert nach
Stille ... Erlösung ... nach Erfüllung!
Ein letzter heißer Kuss
und dann die Kälte.
Janay sah in Judukas geweitete Augen unter sich. Sie kniete immernoch vor ihr. Ihr Lippen waren leicht geöffnet und ihre rosa Zungenspitze fuhr über die Innenseiten. Janay sprühte ihre Hände auf den Seiten ihren weiblichen Rundungen und das unwillkürliche Ziehen in ihrem Unterleib, als sich Judukas warmer Mund auf eine Knospen legte. Dann waren da plötzlich weitere Hände, die ihr die letzte Kleidung über die Hüften nach unten schoben. Sie spürte seinen warmen Atem auf ihrer linken Schulter.

Beim Gefängniswagen

Als Kazel das nächste Mal einen verschwommenen Blick in Richtung Zelt werfen konnte, war Dorun verschwunden. Vermutlich amüsierte er sich gerade mit Janay und den kichernden Lauten nach zu urteilen, hatten alle ihren Spaß dabei. Kazels emotional angeschlagener Zustand verhinderte jedoch, dass er richtig hören konnte. Das Rauschen in seinen Ohren hatte zugenommen und die Tränen die vor Ekel in seinen Augen standen verschleierten ihm die Sicht. Vielleicht wollte er auch aus einem ureigenen Instinkt heraus seine Sinne abschotten. Vielleicht versuchte seine Seele ihn zu schützen, damit die geflüsterte Eingebung aus dem Munde des Sadisten nicht auf fruchtbaren Boden stieß. Kazels Seele zog sich zusammen, sein Körper schwitzte trotz der Kälte unter der Felldecke und sein Magen wollte abermals rebellieren. Noch hatte er die Worte nicht mal recht verstanden, noch weigerte sich sein Verstand den Sinn daraus zu formen und ihm damit Gewicht zu geben. Etwas in ihm legte schützend einen Schalter um und kurz wurde es dunkel.

Alles war Dunkelheit, nichts erkennbar. Anfangs verbunden mit Stille, doch allmählich wurde diese von einem Klang unterbrochen. Zuerst noch nicht erkennbar, zeigte sich bald, dass es eine Spieluhr war, die ein beruhigendes Wiegenlied produzierte, immer und immer wieder, wie eine Endlosschleife. (Spieluhr)
Langsam lichtete sich auch die Schwärze, gab preis, was sie bislang verborgen hatte. Eine einfache Wiege aus hellem Holz, in dessen Fußteil außen ein Herz eingeritzt worden war. Dort, beim Kopfteil, war zusätzlich ein Stab befestigt worden, der in einem rechten Winkel abknickte und über den Liegebereich des Möbelstücks reichte. Von dort baumelte etwas herab, das bei gutem Willen als gefüllter Stoffhase anzusehen war.
Langsam trat Kazel vorwärts, das Herz pochte so laut, dass die Musik beinahe davon übertönt wurde. Wieso war er allein mit dieser Wiege? Was war darin enthalten? War es…? Hatte Janay schon…? Wo war sie…? Fragen prasselten auf ihn ein, als ein leises Glucksen aus den Tiefen des Möbelstücks drang und kurz darauf sich ein helles Ärmchen mit winzigen, pummeligen Fingerchen dran in die Höhe streckte.
Die Knie des Mischlings wurden weich, Wärme durchströmte seinen Körper und nichts hielt ihn mehr davon ab, in die Wiege zu sehen und den Säugling in Augenschein zu nehmen. Sein Kind, dessen war er sich sicher. Und tatsächlich, ein rundes Gesicht mit leicht geröteten Pausbacken sah zu ihm hoch, mit leuchtenden Augen in der blauen Farbe des Meeres… seinen Augen!
Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen und er beugte sich weiter über das Kleine. Schon lachte es glucksend auf und streckte ihm beide Ärmchen entgegen. „Dada!“, kam es mit hohem Stimmchen aus seinem Mündchen, als wolle es ihn dazu auffordern, es herauszunehmen, zu halten, zu liebkosen, zu beschäftigen. Was hätte ihn auch davon abgehalten, dieses Würmchen, das von ihm stammte, in den Arm zu nehmen?
Schon wollte er danach greifen, als hinter ihm ein erneutes „Dada!“ erklang. Überrascht fuhr Kazel herum und glaubte seinen Augen nicht trauen zu können. Da, keine zwei Schritte vor ihm, war auf allen Vieren und nur in eine Stoffwindel gewickelt ein weiterer Säugling. Er glich dem ersten aufs Haar, mit dem einzigen Unterschied, dass es nicht lag, sondern nun auf den Mischling zugekrabbelt kam und wieder auffordernd „Dada!“ rief.
Obwohl… nein, halt! Es hatte den Mund jetzt gar nicht bewegt. Verwirrt blickte er zurück zur Wiege, wo noch immer das erste Kleine lag, mit aufforderndem Blick und ausgestreckten Ärmchen. Aber von hier war das Wort nicht erklungen.
Noch bevor Kazel die neue Quelle ausmachen konnte, erklang ein weiteres Mal „Dada!“… aus zwei Richtungen gleichzeitig! Unwillkürlich erschauerte er, wandte sich zu dem krabbelnden Säugling um und wollte ihn in einer beschützenden Reaktion hochnehmen.
Nur… da saßen vor ihm auf einmal drei kleine Wesen, alle haargenau gleich aussehend, und sahen ihn erwartungsvoll an. Der Mischling spürte, wie er bleich wurde, sein Herz stolperte einen Moment lang. Einen halben Schritt wich er vor dem fordernden „Dada!“ zurück und stieß gegen die Wiege.
Moment… die stand doch… Er konnte fühlen, wie ihm weiter das Blut aus dem Antlitz wich, denn nun musste er erkennen, dass auf einmal zwei Stück von diesen speziellen Möbeln hier standen und in beiden waren Ärmchen und Fingerchen zu erkennen, die in die Höhe gereckt wurden.
Langsam wich Kazel weiter zurück von dieser unheimlich werdenden Szenerie und als er den dritten Schritt geschafft hatte, merkte er, dass ihm das Gehen etwas schwerer fiel als zuvor. Als er hinab sah, musste er erkennen, dass eines der Säuglinge ihn erwischt hatte und nun an seinem Bein hing. Beinahe schon erbost klang sein „Dada!“ und auch der Blick aus den meerblauen Augen war nicht mehr lieblich-niedlich glänzend, sondern eine einzige Forderung, nach seinem Willen zu tanzen.
Schon beugte er sich herab und wollte sich von dem Kleinen lösen… oder eher es von sich, als von der anderen Seite zwei weitere herangekrabbelt kamen. „Dada! Dada!“, erklang es von ihnen und auch von vorne näherten sich diese Wesen. Allmählich bekam Kazel es tatsächlich mit der Angst zu tun bei dieser Übermacht an fordernden, obwohl eigentlich hilflosen Säuglingen.
Doch bei einem flüchtigen Blick über die Schulter musste er erkennen, dass es auch nach hinten keinen Ausweg mehr gab. Von immer mehr kleinen Sprösslingen wurde der Mischling eingekreist, sie kamen wie aus dem Nichts und gaben in einem fort immer nur „Dada!“ von sich. Panik begann endgültig in ihm hochzusteigen und seine Augen irrten in die Runde.
Wo war nur Janay? Wieso kümmerte sie sich nicht darum und wie konnte es sein, dass sie so viele Kinder von ihm bekommen hatte?! Es hätten doch niemals so viele in ihren schlanken Körper gepasst!
Eine Berührung an seinem Knie ließ ihn zusammen zucken und hinab sehen, aus seinen Gedanken wieder herausgerissen. Seine Augen wurden groß, als er erkennen musste, dass es inzwischen so viele kleine Wesen geworden waren, dass sie übereinander zu krabbeln begannen, um ausreichend Platz zu haben und ihn besser erreichen zu können. Wenn das nicht bald aufhörte, würden sie ihn womöglich noch unter sich begraben!
Und als hätte er dieses Szenario heraufbeschworen, musste er feststellen, dass die warmen, fast vollkommen nackten Leiber inzwischen seinen Ellbogen erreicht hatten. Als wäre das noch nicht genug, begannen sie damit, daran hochzuklettern, zu seinen Schultern, auf seinen Kopf. Kazel öffnete seinen Mund, um nach Hilfe zu rufen, nach Janay, Juduka,… ja, egal, nach wem, Hauptsache Hilfe! Doch kein Laut kam über seine Lippen, stattdessen konnte er nichts weiter als „Dada!“ hören… und die Spieluhr, die unablässig ihre Melodie von sich gab und seltsamerweise nicht vollständig übertönt werden konnte. Ganz so, als wäre sie der Antrieb für dieses albtraumartige Geschehen.
Immer und immer mehr Säuglinge kletterten an ihm hinauf und fingen schließlich damit an, ihn unter sich zu begraben. Es war zu spät, um zu fliehen oder die Kleinen noch abzuschütteln. Er konnte sich längst nicht mehr rühren. Die Luft wurde ihm knapp, das Atmen wurde mühsamer und auch sein Blickfeld wieder kleiner.
Immer mehr und mehr verdeckte ihn, bis erneut Dunkelheit um ihn herum herrschte, lediglich durchbrochen von der Ahnung von Licht… und dem Lied der Spieluhr.
Dunkelheit verwandelte sich in Finsternis und die Klänge der Spieluhr legten sich kalt wie Eiskristalle auf seine Haut. Es war so kalt, so leer, so …
Die Klänge wurden langsamer und zogen sich zu arrhythmischen Disharmonien auseinander. Bald, sehr bald würde das alles ein Ende haben, ein kaltes grausames Ende.


Noch bevor Kazel die Augen aufschlug spürte er, dass der Gevatter nahte. Irgendwo zwischen den Schichten der Welt, irgendwo im kalten Nebel des Vergessens ging er umher und suchte nach seinen für Kata Mayan bestimmte Seelen. Der Tod war auf der Suche. Nach wem? Das Lied der Spieluhr war schon fast verklungen, oder hatte Kazel sich das nur eingebildet?
Schwer lastete der Druck des Lebens noch auf ihm – so schwer! Konnte er los lassen? War seine Zeit gekommen? Seine rechte Wange drückte sich tiefer in das Fell der Decke unter ihm. Mit einem Schlag war er hellwach! Aus dem linken Auge konnte er klar einen Spalt der Welt um sich sehen. Da waren Bäume und Schnee, aber sie lagen waagerecht. Er war nicht mehr im Käfig. Er war irgendwo im Wald, weg von der Lichtung, denn die Bäume standen enger. Etwas bewegte sich in seinem Rücken und ein kalter Windhauch, gefolgt von fast unnatürlich warmen Händen, bahnte sich brennende Spuren über seinen Rücken. Er lag auf dem Bauch und etwas sog an seiner Hose, drückte sie nieder bis in die Kniekehle und streifte sie auf der linken Seite ganz über sein Bein. Kalter Wind streichelte seine Haut wie der Atem des Todes. Dann – Etwas – Jemand lastete schwer auf seinem Rücken und gurrte voller Vorfreud bittere Laute in sein Ohr. Weißes Haar fiel über seine Wange als ihm der warme Atem streifte und eine heiße Hand sich zwischen seine Beine schob um sie zu öffnen. Er musste jetzt handeln, oder alle seine prophezeiten Ängste würden war werden.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 29. Dezember 2015, 06:02

Kazel hätte sich gern eingeredet, dass es der Ekel vor Saerembor war, der ihn hatte die Kontrolle über seinen Körper verlieren lassen. Die Sehnsucht nach Flucht vor dem gierigen Blick des Dunkelelfen, seinem Verlangen, das wie Schweiß aus jeder seiner Poren drang. Und tatsächlich war dem Mischling ja auch übel geworden. Letztendlich musste er sich im Nachhinein jedoch eingestehen, dass nur ein ganz winziger Teil davon seinem sadistischen Verehrer zuzusprechen war. Der wahre Grund, der Kazel hatte bewusstlos werden und einknicken lassen, war sein Bein. Man hatte es verbunden - er hatte es verbunden! Darüber hinaus war der Wunde jedoch keine Behandlung zuteil geworden. Man hatte sie weder vorher gereinigt, noch mit Alkohol desinfiziert und schon gar nicht war man so gnädig gewesen, dem Verletzten etwas Schmerzstillendes zu überlassen. Stattdessen hatten die drei Artgenossen ihn in einen Käfig gesperrt, ihn im hereinbrechenden Schneefall nur mit einer Felldecke versorgt und unermüdlich auch auf dem verletzten Bein stehen lassen. Das, sowie die Tatsache, dass der Elf Tage zuvor einen für ihn ungewohnten Marsch im Armee-Schritt mit streng rationierter Versorgung hinter sich hatte, waren Belastungen für seinen Körper gewesen, denen sich dieser nicht länger hatte entgegenstellen können. Hinzu kam sein Eindringen in das feindliche Lager, als er auf der Suche nach Rhudos, dem Leonidenprinzen, gewesen war. Dort hatte er in wenigen Herzschlägen viele Leben genommen.
Es war demnach nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Elf hatte zusammenbrechen müssen. Nun war der Moment gekommen. Die kalten Gitterstäbe glitten ihm aus den Fingern, als ihm immer mulmiger zumute wurde. Seine Sicht verschwamm. Er konnte Saerembor kaum noch klar erkennen, wo dieser doch so dicht noch am Käfig stand. Dicht genug, um ...
Nur am Rande seines Wahrnehmung sog Kazel die Worte auf, die Saerembor vor sich her plapperte. Sein Geist würde sie zu einem späteren Zeitpunkt verarbeiten müssen, all diese Informationen über Aman. Wichtige, vielleicht sogar nützliche Informationen! Der Sohn Doruns, des Chefs der Truppe. Ein Jungspund in der Ausbildung. Die beeinflussbare Figur in diesem Trio. Er versuchte, sich möglichst viel einzuprägen, aber die Konzentration zehrte dadurch nur noch mehr an den Kräften des Mischlings. Seine Beine zitterten, das verletzte Linke schmerzte. Mit jedem pochenden Impuls, der durch das angeschossene Fleisch ging, zuckten die Muskeln und schickten Signale, die seine Übelkeit nur verstärkten. Der Schwindel wuchst. Taumelte er nicht bereits? Warum tanzt Saerembor? Nein, der Boden schwankt. Bin ich betrunken? Ja, ich habe Durst ... dieser elende Geschmack. Es fiel ihm zunehmend schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Auch was sich hinter dem Dunkelelfen beim Anführerzelt abspielte - was Janay dort trieb - blieben nur unerkennbare Schleier, die sich in das verwaschene Grau des Hintergrundes einfügten.
Es gesellten sich auch Klänge hinzu. Worte, die Kazel nicht mehr richtig verstand. Saerembor sprach mit ihm, aber er konnte es nicht mehr entziffern. Liebster? Sachen ... männlich ...? Ich kann nicht mehr. Der letzte Gedanke war jener, der noch am stabilsten in seinem Geist verankert war. Er blieb lange genug, um ihn zu formen und zu fassen, zu begreifen, dass Kazel seine Grenze erreicht hatte. Nein, überschritten. Zu viel ... Er wollte etwas sagen, etwas tun. Seine Finger streckten sich aus, während kalter Schweiß von seiner Stirn an der Schläfe entlang und bis zu seinem Hals herab lief. Mit den Fingerspitzen bekam er gerade so Saerembors Stoff zu fassen, dass er ihn streifte. Seine Lippen formten Worte. In Gedanken sprach er sie aus, doch letztendlich erreichte die Realität nur ein unverständlich gekrächztes Flehen um Hilfe. Dann empfing ihn Schwärze.

Manthala schonte ihn nicht. Kazel träumte. Ob er es später als Albtraum oder als gute Erinnerung in seinem Geist behalten würde, blieb zunächst noch unklar. Vielleicht erinnerte er sich auch gar nicht mehr daran, obgleich die Bilder, der Klang der Spieluhr und diese winzigen Hände überall doch sehr präsent waren. Dada. Der Traum bewegte ihn tief, wenigstens zu Beginn. Diese winzigen Finger, die kleinen Hände. Diese großen Augen, in denen neugierige Unschuld ihm entgegen blickte. Ob er als Säugling auch so wundervoll ausgesehen hatte? So zerbrechlich und schutzbedürftig?
Bis sich alles wandelte und er selbst derjenige war, der Schutz dringend nötig hatte. Eine rettende Hand vor der Flut an Händchen, in der er unterzugehen drohte. Dass genau in jenem Moment Hände an seiner Hose zerrten, um ihn davon zu befreien, weckte Kazel. Zunächst glaubte er, es seien die kalten Finger des Todes, denn irgendwie hatte er die Gestalt des Zeitlosen noch am Rand seines Dämmerzustands im Kopf, bis ihm klar wurde, dass die feinen, spinnenwebartigen, weißen Haare unmöglich vom Gevatter stammen konnten. Sie waren ihm in zu großer Abscheu vertraut. Der Mischling meinte gar, sie am Geruch ihrem Träger zuordnen zu können. "Sae...", wisperte er. Sein Hals war trocken, der widerliche Geschmack von Galle aber noch vorhanden. Säuerlich klebte er an seiner Zunge, die zu schwer noch im Mundraum lag, um ganze Sätze formulieren zu können. Benommen blinzelte sich Kazel in die wache Welt zurück. Und dann wurde dieser selig langsame Ritus des Erwachens jäh unterbrochen. Schlagartig holte es ihn aus seinen letzten Resten an schläfriger Bewusstlosigkeit.
Saerembor hatte die Hose in Kazels Kniekehlen gezogen. Die mandelfarbene Haut - zu hell für einen Dunkelelfen, zu dunkel für ein Spitzohr der Wälder - schimmerte im Zwielicht. Nur der Verband hob sich am Rand der heruntergelassenen Beinkleider noch heller ab. Die grobe Handhabung mit seiner Verletzung war es, die Kazel in eine Ohnmacht befördert hatte. Nun holte sie ihn daraus wieder hervor. Schmerz durchflutete seinen Körper, jagte Adrenalin durch die Adern, ließ ihn sich verkrampfen und unter Pein aufkeuchen. Er atmete nur noch schwerer, ächzte, als sich Gewicht auf ihm breit machte, um weiteren Schmerz zu verursachen. Die Narben auf seinem Rücken, das Blitzgewitter, das Vermächtnis der Peitschenhiebe. Saerembor lehnte sich genau darauf. Sterne tanzten vor Kazels Augen. Er zog die Mundwinkel einem geifernden Köter gleich hoch, der die Lefzen in drohender Haltung hochzog. Unbewusst fuhr seine Zunge über die spitzen Eckzähne und für einen kurzen Moment war das Bedürfnis erwacht, sich einfach herumzureißen und den Schmerz zu zerfleischen. Aber dazu fehlte ihm die Kraft.
"Argh ... runter ...", presste er zunächst auf Celcianisch heraus. Dann aber, wie von selbst, wechselte er ins Lerium und nur der weiße Schleier der dunkelelfischen Haare gab ihm Gewissheit, wer da schmerzverursachend auf ihm lag. "Saerembor ... ich bin ... verletzt ... lass mich ... oben ... sein." Über dir und dich töten. Jetzt. Dada. Runter von mir!
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Sonntag 24. Januar 2016, 20:06

Allmählich gingen ihr die Ideen aus und zwar wirklich alle, wie sie es noch verhindern könnte, dass sie und Juduka ebenso wie der Dunkelelf miteinander… Spaß hätten. Dieses Streben lag nicht daran, dass sie sich scheute, sich in die Hände einer Frau zu begeben, denn so etwas kannte sie bereits, oder daran, dass die Nachtelfe offenbar im Gegensatz zu ihr weitaus mehr Bedenken hatte. Es war auch nur bedingt deswegen, weil sie vor dem Kerl insgeheim Angst hatte, da ihresgleichen weitaus brutaler war, wie sie annehmen musste. Geschweige denn, dass sie so etwas wie Treue zu Kazel hätte halten wollen, dem nicht so war. Zumindest noch nicht bewusst, denn sie sah überhaupt keinen Grund derzeit, nach ihrer Schwangerschaft nicht wieder ihren Beruf zu ergreifen. Es würde schwierig werden, jedoch konnte sie dabei selbst verdienen mit dem, was sie konnte, und unabhängig sein.
Nein, all ihr Bestreben ging dahin, Krümel in ihrem Bauch zu schützen. Aber Erfolg war ihr keiner beschieden, denn egal, was sie tat, es wurde abgeschmettert und sie durfte den Bogen keinesfalls überspannen. So musste sie auch hinnehmen, dass der Dunkelelf sie wieder abwies und zurück zu Juduka schickte, und konnte nicht mit einer weiteren, nichtigen Bemerkung zu ihm zurück huschen.
Dennoch schob sie einen Moment lang schmollend die Unterlippe vor, als wäre sie gekränkt darüber, dass er sich nicht betatschen lassen wollte von ihr. In Wahrheit aber fluchte sie innerlich, weil sie keinen Dolch ertastet oder gar heimlich hatte heraus ziehen können. Außerdem musste sie sich zusammen reißen, um nicht das Gesicht zu verziehen, weil er sie so grob anpackte und ihr einen Vorgeschmack darauf lieferte, was ihr bevorstehen könnte. Nichts, was ihr Herz vor Freude schneller klopfen lassen würde, sondern ihr einen flauen Magen stattdessen bescherte.
Sie hoffte wirklich auf eine weitere Idee, um das Allerschlimmste verhindern zu können. Nur wollte ihr eben nichts mehr einfallen…
Bis dahin musste sie allerdings in ihrer Rolle bleiben, also kehrte sie wirklich zu der Nachtelfe zurück, eine andere Wahl hatte sie ja ohnehin nicht, und sah ihr mit dem Ausdruck in die Augen, der ihr gedachtes Schulterzucken ausdrücken sollte. Sie hatte vieles versucht, mehr konnte man von ihr nicht verlangen, abgesehen vom Überleben.
Dass direkt hinter ihr etwas ins Zelt flog, hatte sie nicht kommen sehen, sodass sie leicht zusammen zuckte, als es in ihr Blickfeld kam. Überrascht, beinahe schon erschrocken, sah sie zur Seite und erkannte die Flasche. Hinzu kamen die Worte des Dunkelelfs, die dafür sorgten, dass sie eine Augenbraue leicht anhob, ehe sie sich darauf besinnen konnte, welche Maske sie zu tragen hatte.
Also bemühte sie sich um einen verlegenen Gesichtsausdruck und biss sich auf die Unterlippe. Sie hatte Alkohol noch nie gemocht, nur… dieses Angebot oder Aufforderung, oder was auch immer das gewesen war, jetzt abzulehnen, wäre mehr als verheerend gewesen.
Dennoch überließ sie bereitwillig Juduka den ersten Schritt… oder eher Schluck. Was diese auch tat und zwar recht großzügig. Ein Glück, dass lediglich die Nachtelfe sehen konnte, wie sich ihre Miene ein wenig widerwillig verzog.
Doch tapfer nahm sie die Flasche entgegen, obwohl sie noch zögerte, es der anderen gleich zu tun. In ihrem Kopf ratterte es, aber ihr wollte nichts einfallen, wie sie es hinauszögern oder gar verhindern könnte. Also atmete sie tief durch, hoffte, dass nichts darin wäre, das ihrem Krümel schaden könnte, und setzte an.
Der Geruch war nicht ganz so leicht zu ertragen, da er ihren Magen ein wenig zur Rebellion bewegen wollte, dafür konnte sie den Geschmack halbwegs überstehen. Wohlige Wärme begann sich in ihrem Inneren auszubreiten und dennoch war ihr, als schnüre etwas ihre Kehle zu. Auch war ihr, als würde sich ihr Blick ein wenig trüben und als würde ihr schwindelig.
Die momentane Situation trat in den Hintergrund und anderes eröffnete sich vor ihrem inneren Auge. Es war seltsam und gleichzeitig konnte sie sich dem nicht entziehen. Vor sich hatte sie große, unbeschreibliche Schönheit und zur selben Zeit spürte sie hinter sich eine Eiseskälte, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Wirklich begreifen, was sie da wahrnahm, konnte sie nicht, wahrscheinlich nicht einmal im Ansatz. Denn, ehe ihre Gedanken wirklich sich formen könnten, war alles wieder vorbei.
Blinzelnd nahm sie wieder wahr, dass sich Juduka vor ihr befand und mit ihrem Körper so spielte, dass sie in Stimmung kommen sollte. Doch damit nicht genug, gesellten sich noch weitere, größere, rauere Hände dazu und sorgten dafür, dass sie noch weiter entblößt wurde. Atem traf immer wieder auf ihre Schulter und verursachte ihr einen gewissen Schauer, von dem sie nicht wusste, ob er ihr angenehm sein sollte oder eher das Gegenteil darstellte. Schließlich zeugte er davon, dass sie ihr Ziel doch erreicht und ihn zu sich gelockt hatte. Auf der anderen Seite verstärkte es ihre Angst vor dem Kommenden.
Ihr ohnehin schon flauer Magen schien sich noch mehr zusammen zu krampfen, leicht saurer Geschmack stieg ihr die Kehle hoch. Konnte sie es verhindern, weil es unklug wäre, ausgerechnet jetzt sich übergeben zu müssen? Oder sollte sie die Gelegenheit nützen und nackt, trotz der Kälte hinaus stürmen und dort dafür sorgen, dass sie doch irgendwie lebend wieder hier heraus kämen? Blieb ihr noch Zeit zu überlegen oder wäre sie machtlos gegen den Drang, der immer weiter in ihr hochstieg, ganz so wie ihr Mageninhalt?!
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