Weg über die Ebene

Diese große Graslandschaft liegt im Herzen des östlichen Teiles Celcias. Bei einem Unwetter verwandelt sich diese schöne Ebene in ein sehr gefährliches Gebiet, da es kaum Schutz bietet. Der große Fluss Ilfar teilt die Ebene in zwei Hälften.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 11. Juni 2014, 11:29

Er war den Hügel hinauf gehechtet, hatte sich weder mit schlafenden Orks, Finten oder Ausfällen beschäftigt und hatte so gerade noch im rechten Augenblick sein Ziel erreicht. Hinter ihm verklangen die Herzschläge, genauso wie seine Schritte in der Zeit. In dem Augenblick in dem alles vorbei war, erstarrte auch sein Verfolger. Auch den untoten Elitekrieger holte die Zeit ein und rammte ihn gegen sein eigenes Vergehen, seine Endlichkeit, gegen eine Wand des Todes. Sein Meister war nicht mehr. Die wenigen Herzschläge, die er noch zu geben hatte, waren nicht für seinen Diener bestimmt. Sein Herr, zurück gelassen in seinem Zelt, riss voller Erstaunen die Augen auf, hob die Hand an seine Kehle, starrte ungläubig auf sein eigenes Blut das zwischen seinen Fingern hervor quoll. Er sah hinunter auf den Dolch im Zentrum seiner Macht und wollte danach greifen. Sein Arm zuckte vor, doch der Tod griff schneller zu. Schwäche ließ den Körper nach vorne sacken und sich im Kampf auf den gemalten Linien abstützen. Magie durchzuckte die erschlaffenden Muskeln, brannten sich ins sterbende Fleisch und seine schmalen Lippen versuchten noch ein magisches Wort hervor zu bringen. Heraus kam nur ein Gurgeln, Blut im Schwall und maßlose Wut über das eigene Versagen. Röchelnd traf das Gesicht mit dem Jochbein voran das Zentrum des Pentagramms. Mit seinem letzten Atemzug rieb der Nekromant sein Gesicht an der Klinge und schälte sich so die Haut daran ab. So war es sein Blut, seine Seele, die Letzte von 99, die in dieser Nacht geopfert wurde.

Gegenwart

Ein Lippenloses Lächeln, eiskalt und doch immer neutral, augenlose Höhlen die doch alles sahen, sie ruhten auf dem flüchtenden Elfen, als die Herzschläge verklungen waren.
So beginnt es.

Kazel sah in so weit aufgerissene Augen, dass er das reflektierende Licht der Lagerfeuer hinter sich in den Tiefen dieser Pupillen sehen konnte, genauso wie sein eigenes Spiegelbild. Vielleicht hatte es sogar etwas tröstliches, sich in den Augen eines anderen Wesens wieder zu sehen, denn so konnte er sicher sein, dass er wirklich existierte. So plötzlich wie er aus der „Zeitfalte“ gefallen war, so erschrocken wirkte Rhudos in seinem Versuch zurück zu weichen. Es hatte ihn eiskalt erwischt. Taumelnd vor Schreck torkelte er nach hinten, als die Worte des Mischlings ihn erreichten.
"Lauf!"
, schnarrte er ihm keuchend, aber eindringlich entgegen.
„WAS?“
Mehr brachte der verkleidete Prinz nicht heraus. Seine Stimme war zu laut und er versuchte verzweifelt seine innere Ruhe wieder zu finden, doch schon an den steil abstehenden Spitzen seines Fellkragens der einmal eine mächtige Mähne werden würde, konnte man sehen, wie sehr ihm der Schreck in die Knochen gefahren war. Sein Atem raste, was man sehr gut an dem sich heftig bewegenden Brustkorb sehen konnte. Erst als er erkannt hatte, wen er da vor sich hatte, wer da so unverhofft direkt vor ihm aus dem Nichts aufgetaucht war, als wäre er ein Geist, da begann er sich zu fangen. Sich nach hinten abstützend starrte er zu Kazel hinauf in sein Gesicht und versuchte Sinn in dem Laut zu finden, dass ihm entgegen geworfen worden war. Er hing fest.
„Was ist das … was war das gewesen … wie … was … Was bist du?“
Es war keine Zeit für Erklärungen, selbst wenn Kazel sie hätte geben wollen. Er musste wohl den Prinzen mit Gewallt auf die Füße ziehen und hoffen, dass die Berührung ihn aus seiner Starre reißen würde.
Ein Blick über die Schulter den Abhang hinunter genügte um sich Klarheit zu verschaffen. Noch lag das feindliche Lager wie schlafend da, doch dann sah er es. Ein Dunkelelf rannte, als wäre ihm Faldor höchstpersönlich auf den Fersen, zum Kommandozelt. Der Blick des Mischlings wollte sich schon wieder abwenden, aber streifte noch kurz über das andere abseits stehende Zelt. Gerade in diesem Moment machten sich dort ein paar Gestalten anscheinend auf den Weg das Lager zu verlassen. Zwei der riesigen Wolfsbestien waren mit Geschirr und Sätteln bestückt, Ein Ork, wahrscheinlich ein Anführer, gab einem anderen ein Befehl und eine zarte Elfe wurde an ihrer Halskette hinter eine halbwegs in Fellen vermummte Frau geführt. Es war so dunkel, dass das Morgengrauen nicht mehr weit sein konnte und so konnte Kazel von seiner Position aus nur Umrisse erkennen. Es war ein seltsames Bild und irgendwas stimmte nicht daran, aber aus dieser Entfernung war nicht auszumachen, wo der Fehler lag. War es die Person die sich so zögernd auf den Warg zubewegte? War es der zu betont breitbeinig dastehende Ork? Warum schickte man eine Elfe mit Bewachung vor Sonnenaufgang weg vom Lager?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 15. Juli 2014, 17:46

Es kam selten vor, dass Kazel sich selbst sah. Momente, in denen sich sein Spiegelbild von Wasseroberflächen reflektierte wie Licht, verursachten ihm oftmals ein Unbehagen. Dann konnte er die mandelfarbene Haut erkennen, das schwarze Haar und seine tiefblauen Augen, die seiner Seele schon so viele Dinge gezeigt hatten. Sich jetzt in den katzenhaften Schlitzen Rhudors zu erkennen, die vor Schreck so weit aufgerissen waren, erfüllte ihn erstmals mit etwas Beruhigendem. Er existierte und dass der andere ihn offenbar bemerkte, bedeutete, dass er aus dem trägen Fluss der Zeit zurückgekehrt war. Und vielleicht bekommt mein Kind diese Augen... Eine Gänsehaut machte sich breit. Obgleich er gerade durch ein feindliches Lager gestürmt und jede Kehle aufgeschlitzt hatte, die ihm in die Quere gekommen war und obgleich er soeben vor etwas geflohen war, das ihn selbst ins Zeitlose hatte verfolgen können, so dachte er an das Leben, das er zusammen mit Janay zurückgelassen hatte. Zwei Leben, für die er hier kämpfte. Er würde niemals erfahren, wie sein Erbe ausschaute, wenn er jetzt nicht rannte. Ebenso wenig würde Rhudos erfahren, ob er sich als Leonidenkönig eignete.
Umso heftiger fuhr Kazel ihn jetzt an: "Du sollst laufen!" Schon suchte seine Hand den Arm des Katzenfüßigen, um ihn mit sich zu reißen.
Es misslang. Rhudos war nach hinten gesunken. Kazel spähte gehetzt über die Schulter. Im Lager schien noch kein allzu großer Tumult ausgebrochen zu sein, doch die Entdeckung seiner Taten würde nicht lang dauern. "Erklär ich dir später ... lauf jetzt, verdammt!" Das waren bereits zu viele Worte, zu viele Herzschläge, in denen er sich nicht mehr zeitunabhängig bewegen konnte. Sie mussten beide hier weg, bevor die Warge der dunklen Völker eine Spur wittern und aufnehmen konnten.

Und dann kniff Kazel die Augen zusammen. Er konnte es hören, das Schnaufen und Hecheln, das tiefe Knurren aus bestialischen Kehlen, gespickt mit Reißzähnen, die sogar in der Lage waren, einem Ork die Gedärme aus dem Leib zu zerren. Sie holten die Warge bereits. Sein Kopf arbeitete auf Hochtouren, obwohl er nur einen Gedanken wirklich fassen konnte: Weg, weg, weg!
Noch einmal fuhr der Kopf herum, gerade lange genug, um die in Fesseln gelegte Gestalt halbwegs auszumachen. Sie musste in einem der Zelte gewesen sein, die der Mischling nicht aufgesucht hatte, sonst wäre sie ihm vorher garantiert aufgefallen. Doch jetzt dachte er vordergründig an die eigene und vor allem die Rettung des Prinzen. Diese Gestalt kannte er nicht und sie beide waren nicht dafür ausgerüstet, sie nun zu befreien. Ha! Sie sollten gar nicht hier sein. Noch einmal packte er nach dem leonidischen Arm. Rhudos musste auf die Beine und sie beide flüchten. Je schneller sie das Leonidenlager erreichten, desto eher konnte sich dieses bereit machen. Die dunkle Armee war viel zu nahe und sie vermutlich trotz Kazels Einsatz, gegeben vom Gevatter, zu wenige, um etwas bewirken zu können.
"Rhudos ... auf die Beine", appellierte er nochmal an den Leoniden. Das Sturmblau seiner Augen durchbohrte den anderen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Freitag 25. Juli 2014, 18:14

"Rhudos ... auf die Beine"
, appellierte er nochmal an den Leoniden. Das Sturmblau seiner Augen durchbohrte den anderen und dann brach die Hölle los!
Bruchteile bevor es los ging konnte Kazel ein leichtes Ziehen in seinem Nacken spüren. Es war ein Gefühl, wie wenn gleich neben einem der Blitz einschlägt, oder man zu nah am Feuer steht. Auch der Leonidenprinz spürte es, denn sein Nackenhaar war gesträubt. Sein Blick war über die Schulter des Elfen rückwärtig in Richtung Feindeslager gerichtet und was er dort sah, schien ihm nicht zu gefallen. Mit einem Satz war er an seiner Seite und beide sprinteten los. Geduckt, die Umgebung mit den hohe Gräsern nutzend, flüchteten sie vor dem, was sich in ihrem Rücken zusammen braute. Das Klirren von Waffen begleitete sie, genauso wie das leise Zischen, bevor ein Feuerball etwas traf und explodierte. Sie hatten also auch noch einen Feuermagier dort unten. Dem Knall folgten Schreie, begleitet von dem leiser werdenden Knurren der Tiere, doch keiner der beiden achtete noch wirklich darauf. Sie mussten so schnell und so viel wie möglich Distanz zwischen sich und dem Tumult bringen. Rhudos hatte durch seinen katzenhaften Körperbau und die langen, kraftvollen Beine einen leichten Vorteil in Geschwindigkeit und Wendigkeit, doch er musste sich auch tiefer ducken, somit war es wieder ausgeglichen.
Nach einigen hundert Schritten wurde er langsamer und spähte immer wieder kurz nach hinten. Sein Kopf erhob sich über die langen Halme der im Wind schwankenden Gräser und seine Ohren suchten wie Trichter nach jedem auffälligen Geräusch. Er atmete schwer vor Aufregung, weniger vor Anstrengung.
„Wir dürfen sie nicht zum Lager führen! Einen Bogen *schnauf*, wir müssen einen Bogen schlagen und unsere Fährte verbergen. Diese *schluck* diese Bestien auf denen sie reiten, sie sind wie riesige Wölfe, oder? Sie werden uns wittern.“
Auch Kazel hatte diese Gedanken gehabt. Es waren seit ihrem Aufbruch aus dem Lager des leonischen Spähtrupps einige Stunden vergangen und der Morgen war nur noch einen Wimpernschlag entfernt. Vielleicht waren sie schon weiter gezogen, vielleicht hatten sie auch ihr Fehlen bemerkt und suchten sie? Doch was würde geschehen, wenn die beiden Gruppen unvorbereitet aufeinander treffen würden? Der Spähtrupp des Katzenvolkes war stark und sie hatten erfahrene Krieger zusammengestellt, doch wie schätzte Kazel schätzte die Chancen im Kampf eins zu eins gegen einen Ork, einen Dunkelelfen, oder gegen Magier die mit Feuer hantierten ein? Den Nekromanten der feindlichen Gruppe hatte er ja ausgeschaltet, doch was würde sie noch für Überraschungen erwarten? Was wenn dieser Versorgungstrupp der Dunkelelfen sie in eine Falle locken sollte? Wie weit war die dunkle Armee schon voran geschritten in ihrem Feldzug. Sie konnten es nicht wissen. Rhudos spähte nach vorne und sah sich schnell, einmal um sich selbst drehend, in ihrer Umgebung um, duckte sich dann wieder und lauerte angespannt neben dem Mischlings-Elfen.
„Nördlich sehe ich nur Graslandschaft, nordöstlich von uns müsste die Straße nach Andunie liegen, im Westen ist es noch dunkler und in der Ferne müsste der Wald beginnen. Nordwestlich liegt unser Lager. Östlich würden wir auf die Küste treffen und hätten keine Fluchtmöglichkeit. Im Süden sind unsere Verfolger. Ich habe mindestens eines dieser Monster gesehen, beritten und sie bewegen sich verdammt schnell.“
Sachlich, schnell und ernsthaft fasste der Prinz die Lage zusammen. Doch man sah ihm auch an, dass er unsicher und sehr erschrocken war. Seine Schwanzspitze peitschte durch das Gras.
„Wir müssen weiter, aber … wie … ihr … Ihr müsst mir berichten, was ihr in diesem Lager gemacht habt! Was war da los? Woher kamt ihr so plötzlich?“
Er schüttelte seine jugendliche Mähne und rieb sich fröstelnd die starken Arme. Der Schock saß noch tief.
„Wir müssen jetzt weiter... aber ihr schuldet mir eine Erklärung!“
Er richtete sich wieder auf und wandte sich dem Wald entgegen.
„Wir gehen nach Westen!“
Auch wenn es wie ein Befehl klang, so lag Unsicherheit in seinem nervösen, gehetzten Blick und Kazel könnte den Eindruck gewinnen, das der junge Prinz, eventuell Spielraum für andere Vorschläge oder Argumente offen ließ. Er war es nicht gewohnt nach Hilfe zu fragen, also gab er Befehle und nur seine Augen musterten verstohlen den Elfen.
„Dort werden wir Deckung finden und können in einem Bogen auf die Fährte der Anderen stoßen.“
Er begann geduckt und langsam in diese Richtung zu laufen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 22. August 2014, 12:56

Kazel brauchte das Ziehen nicht zu spüren, um zu wissen, welche Gefahr er im Rücken hinter sich lassen wollte. Er sah sie auch in Rhudos katzenhaften Augen, deren Pupillen sich bei den aktuellen Lichtverhältnissen wohl etwas geweitet hatten. Vielleicht bildete er es sich aber auch nur ein, doch er meinte, in dem tiefen Schwarz die Reflektionen von Dunkelelfen und Orks zu erkennen und wie sie bereits nach ihren blitzenden Waffen griffen. Zum Glück setzte sich der Leonid endlich in Bewegung, Kazel folgte ihm dicht so dicht auf den Fersen wie es ihm möglich war. Er mochte bei weitem kein langsamer Geselle sein. Wenn der Mischling doch eine Stärke besaß, dann war es seine Wendigkeit. Seiner Schnelligkeit verdankte er oftmals genug einen Sprung von des Gevatters Schippe, aber jetzt musste auch er erkennen, dass ein Elf nicht mit den kraftvollen Beinen eines Leoniden mithalten konnte. Er sah sich förmlich etwas zurückfallen.
Trotzdem versuchte Kazel es, Rhudos' Spur nicht zu verlieren. Er behielt den Blick auf der hügeligen Kontur, die vor ihm durch das hohe Gras huschte. Scharfe Halme peitschten ihm ins Gesicht, piekten an den freien Hautstellen der Arme und sicherlich würde er hier und dort einen scharfen Kratzer zurücklassen. Kazel konnte nur hoffen, dass die Spürnasen der Warge nicht auch jene Witterung aufnehmen würde. Dennoch bezweifelte er es. Denk nicht darüber nach. Lauf!
Sein Gewissen gemahnte ihn genau zur rechten Zeit. Wie heftig er doch unter dem gleißenden Feuerball zusammenzuckte. Was immer dort nun explodiert war, es trieb Kazel das Adrenalin in die Blutbahn und förderte seinen Fluchtinstinkt. Schneller, nur schneller! Er sah nicht zurück. Das kostete nur Zeit. Oh, er hätte die Herzschläge für eine Flucht aufwenden sollen! Sei nicht töricht. Ohne deine Tat wär eine Flucht gar nicht nötig, aber wenigstens hast du die Zahl deiner Feinde verringert. Er stieß ein freudloses Lachen im Lauf aus. Die Erkenntnis machte ihn nicht sonderlich glücklich, denn es würden bald noch genug Schergen hinter ihnen her sein. Doch wohin? Zurück zum Lager und die Leoniden warnen, damit sie sich auf einen Angriff vorbereiten könnten? Oder die Verfolger, welche ihnen bald auf den Fersen wären, gar nicht erst dorthin bringen? Die Situation war heikel. Es existierte zu wenig Zeit, in Ruhe Pläne zu schmieden. Kazel gemahnte sich, einen kühlen Kopf zu bewahren, aber es gestaltete sich angesichts der Flucht gar nicht so einfach.
Rhudos traf die Entscheidung, als er langsam wurde. Im Gegensatz zum Leoniden duckte sich Kazel dicht ins Gras, kauerte sich in einer Haltung zusammen, die ihm jederzeit einen erneuten Sprung in die Flucht hinein ermöglichte. Er brauchte sich nur mit Händen und Beinen vom Boden abzustoßen. Den Kopf legte der Elf etwas schief. Auch er lauschte. Man bemerkte es am seichten Zucken seiner Spitzohren.
"Auch ein Bogen würde sie zum Lager führen. Warge haben ausgeprägte Schnauzen. Sie finden uns, wenn sie es wollen." Kazel durfte keinen Hehl aus diesem Vorteil der Feinde machen. Es würde für sie alle nur ein größeres Unglück bedeuten, wenn er das Talent der Warge herunter schraubte. Ob sie wirklich alles auf so lange Zeit würden wittern können, wusste er selbst nicht so genau. Er hatte sich nie eine dieser vierbeinigen Bestien gehalten, aber er kannte die Geschichten. Wieviel davon geprahlt war ... nein, Kazel wusste es nicht. Allerdings wollte er es nicht darauf ankommen lassen, es durch waghalsige Vorhaben nun herauszufinden. "Wenn wir uns wirklich zu den unseren zurückbegeben, dann müssen wir sie warnen und sofort aufbrechen. Vielleicht in einem weiteren Bogen, um hinter unsere Verfolger zu gelangen. Vielleicht zweigeteilt, von beiden Seiten." Kazel grübelte, versuchte sich Taktiken zu überlegen, die er Xenia zutrauen würde. Ob sie Erfolg brächten, konnte er nicht einschätzen, geschweige denn, ob er damit Gehör beim Leonidenprinzen fand. Er war kein Stratege, ach, nicht einmal ein Kämpfer! Auch Xenia hatte das gern ausgeblendet. An seiner Seite baumelte ein Kurzschwert. So unnütz! Er seufzte leise, während Rhudos die Lage peilte. Daraufhin nickte er ihm im Dämmergrau zu.
"Die Entscheidung liegt bei Euch, Prinz", erinnerte der Mischling an Rhudos' Stellung. Er würde einmal König sein, falls sein Vater ihn nicht enterbte. Dann müsste er weitaus schwerer wiegende Entscheidungen treffen. Es war Zeit, mit ersten Übungen anzufangen. Zu dumm nur, dass sie so lebensbedrohlich ernst waren! "Das Lager war voll von Dunkelelfen und Orks. Ich ... habe ihre Zahl verringert", berichtete er, den Blick wieder nach Süden wendend. "Können wir den Bericht auf später verschieben? Wir - ihr! - werdet Euren militärischen Vorgesetzten einiges zu erzählen haben und dann wird man mich ohnehin fragen. Bitte, Prinz Rhudos ... wir müssen weiter." Jetzt hatte der Leonide nur noch zu entscheiden, in welche Richtung. Kazel hatte einen Ratschlag gegeben, aber vielleicht fiel dem jungen Prinzen etwas Besseres ein. Dessen Kenntnisstand zu Taktik und Kriegskunst war dem Mischling nicht vertraut. Rhudos leitete sie nach Westen, also ging es nicht zurück zum Leonidenlager. Früher oder später würden sie die Truppe wieder finden müssen, aber nicht, solange sie Verfolger im Rücken hatten. Kazel begleitete Rhudos, den Blick nicht zurück sendend, aber seine Ohren zuckten immer wieder bei auffälligen Geräuschen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 25. August 2014, 20:00

Rhudos hatte sich kurz neben ihn gehockt und auch seine Ohren zuckten bei jedem Geräusch. Die geschlitzten Pupillen huschten nervös umher.
„Ich habe sie aus der Ferne gesehen, diese Monster. Wölfe, nur viel ...“
Er schluckte und beendete den Satz nicht. Seine Schnurrhaare vibrierten und die jugendliche Mähne hatte sich steif im Nacken aufgerichtet. Der Leonidenprinz setzte seinen Weg gen Westen fort, aber schien in Gedanken zu sein. Wenigstens achtete er in seinem Lauf darauf, dass sein Begleiter nicht zu weit zurück fiel. Offensichtlich wollte er auch nicht alleine sein. Kazel hatte ihm mehrere neue Aspekte aufgezeigt, die es zu berücksichtigen galt. Trotzdem war er unerfahren in diese höchst brenzligen Situation geraten und die Verantwortung drohte ihn zu erdrücken. Gemeinsam liefen sie geduckt weiter, da die Sonne sich immer weiter in ihrem Rücken erhob, als würden sie vor ihrem Licht fliehen. Die Dunkelheit um sie her, begann lange Schatten zu werfen und Rhudos wurde immer unsicherer. In der Ferne war ein Wäldchen zu sehen, als er plötzlich stehen blieb und sich nah an den Boden drückte.
„Ihr kennt euch mit diesen Bestien besser aus als ich. Meint ihr, ihr könntet eine falsche Fährte legen? Wenn sie sich über ihre Nasen orientieren wie Wölfe, dann müsste mein Urin sie zur Weißglut treiben. Als ich noch jünger war, hatten wir so, also eigentlich Vflex und einer seiner Jäger mal ein besonders mutiges Rudel Wölfe so in die Falle gelotst.“
Sein schiefes Grinsen war zwar halbherzig und er bleckte einen Eckzahn, doch er hoffte, Kazel würde seiner Idee etwas abgewinnen können.
„Ich weiß recht gut meine Spuren zu verwischen und würde meinen Geruch vom Wind davon tragen lassen. Wenn ihr meinen Geruch an euch tragen würdet, also ich zum Beispiel … eure Jacke markierte, ihr sie so weiter weg locken könntet, würde ich etwas Zeit gewinnen unseren Trupp warnen zu können und wir könnten sie gebührend empfangen. Was haltet ihr von der Idee?“
Anscheinend amüsierte ihn irgendetwas an seinem Vorschlag und Kazel konnte sich vielleicht vorstellen was es war. Sich von einem Leoniden anpinkeln zu lassen, sei er noch so hohen Blutes, könnte so manchen an seine Grenzen bringen. Trotzdem war die Grundidee vielleicht nicht schlecht. Wenn eine Fährte stark genug war, konnte sie eine schwächere überdecken.
„Na ja, und sollte etwas schief gehen … ähm, nehmt es mir nicht übel! Sollten sie euch einholen, habt ihr auf jeden Fall alleine bessere Überlebenschancen als ich.“
Er wirkte von seinem Pragmatismus recht überzeugt, doch er fügte noch etwas unsicherer hinzu:
„Mein Vater wäre sicher sehr … ungehalten …wenn mir … Ich sollte so schnell wie möglich zurück zu Vflex. Ihr seid doch sicher meiner Meinung.“
Der letzte Satz war halb Frage, halb Befehl.
„Wenn sie euch finden, könnt ihr euch immernoch als einer der ihren ausgeben … „
Er schämte sich fast für den letzten Satz, als er in Kazels Augen sah und dann gleich ausweichend eine fast reife Ähre eines der wilden Gräser eingehend betrachtete. Er sprach noch etwas leiser:
„Was meint ihr?“
War es eine gute Idee sich zu trennen? Zumindest dachte Rhudos schon recht taktisch über ihre Situation nach. Vielleicht würde er doch einmal ein guter König werden, wenn sie das hier überlebten.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 20. September 2014, 04:42

Kazel wurde mit einem Mal bewusst, dass die Leoniden seinen Fähigkeiten gleich kamen. Der Unterschied bestand darin, dass Rhudos' Talente für eine bessere Sicht - selbst nachts - und ein solides Gehör, sowie durch die Krallen vermutlich erhöhte Kletterfähigkeiten von Geburt an vorhanden waren. Der Mischling besaß seine Spitzohren. Alles andere hatte ihm Raxtian Tausendtod, dieser finstere Nekromant aus den feindlichen Linien, eingepflanzt und ihn zum Ungeheuer werden lassen. Ein Monstrum, das die eigene Seelenheilerin Landria Sinal auf dem Gewissen hatte. Aktuell dachte er darüber nicht nach und vielleicht war es gut, dass er jetzt noch nicht mit dem Leben dafür zahlte. Denn er hatte durch die geschenkten Herzschläge des Gevatters andere Leben nehmen können, die möglicherweise mehr Schaden als Nutzen auf Celcia hinterlassen hätten. Doch wer war er, darüber zu richten?
Für solch philosophische Sinnierungen blieb keine Zeit, vor allem im Augenblick nicht. Er kehrte zu seinen ursprünglichen Gedanken zurück, während sein Körper sich wie von selbst durch das hohe Gras bewegte. Die Halme streiften seine Haut, seine Rüstung. Manchmal kitzelte es, vor allem, wenn sie über seine Wangen fuhren wie sanfte Fingerspitzen, die die Haut zum kribbeln brachten. Unglücklicherweise entstand hier nun der Drang, das Kitzeln loszuwerden und sich über die entsprechende Hautstelle zu reiben. Kazels Finger glitten hoch. "Warge", brummte er Rhudos nochmal zu, um ihm begreiflich zu machen, dass sie keine Wölfe waren. Wölfe jagten gemeinsam im Rudel. Sie waren eine große Familie, besaßen eine Rangordnung, in der selbst der Schwächste seinen Platz hatte. Warge töteten das schwächste Glied, labten sich an seinem Fleisch um selbst stärker zu werden. Sie jagten so, wie es ihre Herren wünschten - Orks und Dunkelelfen. Sie waren keine Wölfe.
Der Mischling rieb sich über die Wange. Das Kribbeln endete, fast ebenso wie die Nacht. Die Strahlen von Lysanthors Rund waren noch fern, aber hinter den beiden spürte Kazel förmlich die Wärme aufsteigen. Er bemerkte, dass er immer mehr Farben erkannte. Aus grauem Zwielicht wurden grüngraue Gräser, braune Ähren und einige Kornblumen leuchteten bereits jetzt schon bläulich. Verbissen stellte er fest, dass sich Rhudos nach Westen bewegte - das hieß, sie entfernten sich vom Ziel ihres Spähtrupps, dem Eldoras. Allerdings würde es schwierig werden, die Strecke später wieder aufzuholen und man würde sie beide vermissen. Man wird den Prinzen vermissen, schoss es Kazel durch den Kopf, während ein Stechen durch seine Brust fuhr, das ihn die Augen zusammenkneifen ließ. Vielleicht vermisste Janay ihn ja. Wenigstens ein bisschen. Auf ihn traf es zu. Er sehnte sich nach ihrer Nähe, wollte schauen, ob ihr Bauch bereits wuchs. Natürlich war es lächerlich, nach so kurzer Zeit sichtbare Veränderungen an ihrem Leib zu bemerken, doch Kazel war absolut unerfahren beim Thema Schwangerschaft. Er wusste lediglich, dass der Bauch dicker wurde ... und das wollte er sich ansehen. Diesem armen Elfen war ja nicht einmal klar, dass man manchmal das Leben darin fühlen konnte, wenn man die Hand an den Bauch legte! Woher sollte er diese schönen Phänomene des Lebens auch erfahren haben? Sicherlich nicht von den eigenen Eltern. Was er alles verpassen würde, während er für den Schutz seines ungeborenen Kindes kämpfte. Vielleicht würde er sterben ...

Rhudos riss ihn aus den Gedanken, die Kazels Kopf bevölkerten, ohne sich wirklich zu festigen. Sie schwirrten vorbei wie ein Schwarm Zugvögel. Sie stoben auseinander wie große Gruppen silbriger Fische in den Meerestiefen oder verpufften, einem Zauber gleich. Trotzdem prasselten sie auf ihn herein, dass er sich zunächst sammeln musste, um herauszufinden, was der Leonidenprinz von ihm wünschte.
Dennoch wollte er seinen Ohren nicht ganz trauen. "Ihr ... nun, Urin ist sicherlich eine stärkere Fährte als Euer Schweiß- oder Fellgeruch. Lediglich Blut wäre wohl stärker zu wittern, aber ..." Kazel stockte. Er schluckte mehrmals leer. Seine Kehle war trocken angesichts der Vorahnung, die sich in seinem Geist bildete. Schließlich musste man den Urin irgendwie mit sich führen, wenn es der Elf sein sollte, der die falsche Fährte legte. Mit fremder Pisse!
Aber was machte man nicht alles, um zu überleben! "Also gut", brachte Kazel nur widerwillig hervor. Letztendlich resignierte er. Lieber stinkend und in Leonidenkörperflüssigkeiten leben als ausgeweidet nach langer Folter sterben. Er blieb stehen, kniff ein Auge zusammen und streckte die Arme von sich ab. Seine Haltung war nach wie vor geduckt, sogar etwas mehr, damit Rhudos auch ja treffen würde. "Auf die Haare und das Leder, dort hält es sich länger." Er glaubte nicht, was er da sagte, versuchte seinen Ekel zu verdrängen. Auch ihn würde der Gestank zur Weißglut treiben, vorausgesetzt Rhudos schaffte es nicht schon vorher. Sein Augenlid zuckte leicht. Außerdem stieß der Mischling ein spöttisches Schnauben aus. "Überlebenschancen? Nur solange sie Informationen aus mir herausholen können. Falls sie es überhaupt für nötig halten, dies zu tun. Vielleicht bin ich auch sofort in Urin getränktes Wargfutter." Er machte sich nichts vor. Er hatte im Lager getötet, sogar einen ihrer Nekromanten oder was immer dieser seltsame Zauberer gewesen war. Dunkelelfen waren ein rachsüchtiges Volk. Außerdem eines, das ihn nicht als einen der ihren anerkennen würde. Seine Mandelhaut war nicht dunkel genug, ebenso wenig seine Gesinnung. Sie würden ihn von ihren Bestien in der Luft zerreißen lassen. Und deine Henkersmahlzeit ist die Pisse aus einer übergroßen, humanoiden Raubkatze. Prächtig!
Kazel atmete tief durch. Das Tiefblau seiner Augen ruhte auf dem Leoniden, wo dieser seinem Blick auswich. "Ich habe etwas gut und ich werde es einfordern, sobald ich wieder zum Trupp gestoßen bin. Sorgt dafür, dass ihr vorbereitet seid. Ich bringe die Dunklen zu euch." Und wie er etwas gut hatte! Vielleicht ließ er Rhudos auf den Rücken rollen, vor versammelter Leonidenarmee! Oder er bepinkelte ihn vor den Augen seines Vaters! Oder ... ich sorge dafür, dass dieser Krieg ein Ende findet. Irgendwie. Kazel besann sich. Es war falsch, auf so kindische Weise Forderungen zu stellen. Ob jetzt oder später, gar nichts würde er in die Richtung mit Rhudos tun. Nichts, was ihn demütigen sollte. "Bringen wir es hinter uns", sagte er deshalb nur noch, bereit für den goldenen Regen beißenden Gestanks, der ihn zur alleinigen Zielscheibe für den Feind machen sollte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 22. September 2014, 17:31

An einem anderen Ort

Gierig sog die breite feuchte Nase die Luft ein. Schnaufend stieß er sie wieder aus und kleine Tröpfchen Speichel und Rotz verteilten sich wie feiner Nebel über den kaum sichtbaren Tatzenabdruck. Schwarze Lefzen hoben sich und bleckten weiße Zähne. Speichel tropfte herab und wurde von der riesigen Zunge wieder aufgenommen, zusammen mit Erde und Pflanzen, aber vor allem, voll mit jenen Partikeln, die seinen Besitzer verrieten. Eine Pfote hob sich und kratze durch die Erde. Ein tiefes Grollen erklang aus einem riesigen Brustkorb und der Warg hob seinen Kopf zu seinem Herrn. Dieser meldete sofort:
„Hier ist noch etwas! Wir haben eine zweite Spur!“
„Das heist, euch sind nicht nur die Sklaven entkommen, sondern es war noch jemand anderes hier! VERFOLGT SIE!“



Bei Kazel und Rhudos

"Überlebenschancen? Nur solange sie Informationen aus mir herausholen können. Falls sie es überhaupt für nötig halten, dies zu tun. Vielleicht bin ich auch sofort in Urin getränktes Wargfutter."
Rhudos zögerte tatsächlich. Vielleicht überdachte er doch noch mal seinen Plan.
"Ich habe etwas gut und ich werde es einfordern, sobald ich wieder zum Trupp gestoßen bin. Sorgt dafür, dass ihr vorbereitet seid. Ich bringe die Dunklen zu euch."
Damit sprach der Elfenmischling genau das aus, was er wohl noch für seine Entscheidung gebraucht hatte.
"Bringen wir es hinter uns"
Rhudos zielte peinlich genau, so dass er weder zu hoch, seinen Nacken, noch zu niedrig, Kazels Beine traf. Der scharfe Geruch des Katers legte sich wie eine warme Deck um ihn. Als dann das prasselnde Geräusch, wie von Regen auf einer Zeltplane verklungen war, trat er zurück und meinte leise:
„Ich muss euch danken und mich entschuldigen. Es war nicht mein Wille euch zu erniedrigen … es ist … Wir müssen überleben und zusammen können wir siegen in diesem Kampf! Vflex hatte Recht ...“
Als Sturmadler in sein Gesicht schaute, stand dort Ernsthaftigkeit und keine Spur von Schadenfreude. Vielleicht wurde aus dem unreifen Leoniden doch noch irgendwann ein Anführer.
„Ich informiere die Anderen und wenn ihr nicht kommen solltet ... Wir sehen uns wieder! Ich verspreche es!“
Der Leonidenprinz verschwand so schnell ihn seine Beine trugen und das war erstaunlich. In voller Geschwindigkeit ging er sogar auf gerader Stecke in einen gesprungenen Sprint über, der ihn auf alle vier Beine zwang. Es war ein harmonisches Schauspiel, eine Komposition aus Kraft und katzenhafter Anmut. Mit wenigen Sätzen war er bald außer Sichtweite. Nun war der Elf wieder alleine und eine Sehnsucht hallte in seinem Herzen wieder, die ihn an sein ungeborenes Kind und dessen Mutter erinnerten. Vielleicht vermisste sie ihn auch? Wie lange würde es dauern, bis sie sich wiedersahen? Würden sie sich wiedersehen? Das alles waren unnütze Gedanken doch EIN Herz sehnte sich auf jeden Fall, ob nun bewusst oder unbewusst. Ein winziges Herz, noch im Aufbau begriffen, dass noch so wenige Schläge gegeben hatte. Ein kleines Herzklopfen, dass irgendwann einmal einen Vater, Frieden zum Leben und Liebe brauchte. Gab es eine Zukunft in der diese Sehnsucht erfüllt werden konnte? Kazel hatte beschlossen dafür zu kämpfen.
Jetzt galt es aber als aller erstes ihre Fährte neu zu legen. Wohin sollte er sich wenden? Tiefer in die Stille Ebene hinein, um zwischen den hohen Gräsern zu verschwinden? Weiter nach Westen und in dem kleinen Hain Deckung suchen? Ein Stück zurück in Richtung ihrer Verfolger, um eine neue Fährte zu legen? Der heimatlose Überlebenskünstler kannte das dunkle Volk gut genug um zu wissen, dass sie nicht alle die Verfolgung aufnehmen würden. Sie würden den harten Kern zur Bewachung ihres Guts zurück behalten und somit ihre Kräfte teilen. Er hatte die schwer beladenen Wagen gesehen, die unter ihrem Gewicht tiefe Rillen in das Erdreich drückten. Er hingegen musste Zeit für seine Verbündeten gewinnen! Zeit, damit sie ihren Hinterhalt vorbereiten konnten, Zeit die ihm zwischen den Fingern wie Sand zerrann oder einem Echo verhallender Herzschläge glichen. Ein Plan musste her.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 4. Oktober 2014, 14:46

Von entkommenen Sklaven wusste Kazel nichts. Ebenso wenig von den Befehlen, die Rhudos und ihm etwas auf den Hals hetzen würde. Aber Letzteres erahnte er wenigstens, immerhin kannte der Mischling sich mit der Kultur der Dunkelelfen - seiner Kultur! - aus. Er war in Morgeria aufgewachsen, wenngleich auch nicht unter den üblichen dunkelelfischen Umständen. Das hatte er seiner für dieses Volk viel zu hellen Haut zu verdanken. Mandelfarben schimmerte sie im ersten Zwielicht des Tages, feuchte Stellen fanden sich auf der Rüstung. Sie rochen sehr penetrant. Der Prinz der Leoniden hatte perfekte Arbeit geleistet. Selbst Kazel wurde es bei den Ausdünstungen etwas schwummerig. Die Warge hätten keine Schwierigkeiten, ihn aufzuspüren. Obgleich er sie weglocken sollte, er würde dennoch schnell sein müssen. Andernfalls holten sie ihn ein, zerfetzten ihn in der Luft und setzten ihren Weg nur viel zu schnell zum Lager des Spähtrupps fort. Ob Vlfex oder eine seiner Wachen bereits die Abwesenheit des Prinzen bemerkt hatte? Kazel dachte keine Sekunde daran, dass es den Großkatzen wohl eher auffallen könnte, wenn der einzige Mischlingself unter ihnen fort war. So machte er sich ebenso wenig Gedanken um den möglichen Umstand, dass sie es als die feige Flucht eines Deserteurs ansehen könnten.
Kazel floh nicht. Nicht, um seine jüngsten Kameraden, Xenia, Janay und alle anderen Verbliebenen in Lenonia im Stich zu lassen. Im Gegenteil, er würde als nach Urin stinkender Lockvogel "fliehen", um seinesgleichen auf eine falsche Fährte zu führen. Hoffentlich klappte der Plan.
Rhudos schien erste Bedenken zu haben oder er war einfach nur nervös. Der Prinz wurde hier praktisch ins kalte Wasser geworfen. Aus einem abenteuerlichen Marsch, bei dem er seinen Teil an der verteidigung des leonidischen Jagdreviers beitragen sollte, verlangte man nun von ihm, ein König zu sein. Er musste Führerqualitäten beweisen, die er noch nicht besaß, aber er lernte dazu. Immerhin regnete es für Kazel neben Katzenurin auch noch eine Entschuldigung. Der Elf erwiderte nichts darauf, nickte nur, aber durchaus mit Anerkennung. Jedes Wort wäre ihm selbst nun wie eine Belehrung oder ein altkluger Rat von einem ebenso jungen Spross vorgekommen, wie Rhudos einer war. Kurz fragte sich Kazel, ob sie auf der Basis der Reife auf gleicher Ebene standen. Für die Dunkelelfen war er selbst doch noch nicht viel mehr als ein Kind; ein heranwachsender Jüngling, gänzlich grün hinter den spitzen Ohren. Und trotzdem werde ich Vater ... Wärme legte sich bei dem Gedanken um seinen Körper, vielleicht drang die Leonidenpisse aber auch bereits durch das Leder. So ätzend wie es stank, war den Körpersäften zuzutrauen, dass sie sich bis zur Haut durchfraßen.
"Verliert nicht zu viel Zeit ... mein Prinz." Kazel zollte auch ihm Respekt. Für den Moment verabschiedete man sich unter dem Ernst der Gefahr und vielleicht gab es keine Gelegenheit mehr, dem jeweils anderen klar zu machen, dass der Anfang missglückt war, man sich aber bereit erklärte einen neuen zu wagen, sollte es möglich sein. Vielleicht starben sie alle vorher.

Der Mischlingself ließ sich kaum Zeit, den zwischen den Gräsern verschwindenen Rhudos zu beobachten. Das durfte er auch nicht. Er musste weiter. In einem weiten Bogen würde er Schlangenlinien laufen, gelegentlich von seinem unsichtbaren Pfad seitlich mitten ins Geflecht der Gräser springen, um die Warge zu verwirren. Er hatte diese Taktik bei Hasen gesehen. Sie rannten, forderten ihre Jäger körperlich heraus. Ein Hase besaß Ausdauer und war mutiger als man es ihm zutraute. Er schlug Haken, sprang seitlich, um neben der eigentlichen Fluchtfährte Geruchsspuren zu legen. Und dann hoffte er darauf, dass sein Verfolger es leid sein würde, die kleinen Aromen seitlich der Hauptfährte weiterhin zu verfolgen. Ein Hase lauerte dann in einem dieser Seitenverstecke darauf, dass der Jäger entnervt vorbei zog. Diesen Moment nutzte er, um auf seiner Fluchtspur ein ganzes Stück und mit schnellem Sprint wieder zurückzulegen.
So ähnlich stellte sich Kazel seine Pläne vor, nur dass er nicht wieder Richtung Dunkelelfenlager eilen würde, sondern in einem weiteren Bogen zum Spähtrupp dazu stoßen wollte. Doch dazu musste ihm erst einmal die Umsetzung dessen gelingen, was er sich gedanklich erarbeitete. Der Mischling war allerdings zuversichtlicher als es so manch anderer in seiner Lage vielleicht hätte sein können. Er war Jahre in der Stillen Ebene unterwegs gewesen. Er kannte das Gebiet inzwischen, wusste, worauf er achten und welche Stellen er meiden musste. So weigerte er sich, den nahen Hain aufzusuchen. Zu auffällig, zu leicht von vielen Feinden einzukreisen. Es war eine Falle, kein Zufluchtsort.
Kazel huschte ins Gras davon. Er wählte zunächst den Weg nach Westen. Zwar hielt er auf den Hain zu, doch drehte er eine Runde am Rand, bevor er sich waghalsig in das Fleckchen hinein stürzte, nur um ebenso schnell wieder an anderer Stelle heraus zu brechen. Er hielt keine Maulaffen feil, hetzte weiter. Seine Beine trugen ihn nicht so schnell wie die sehnigen Schenkel eines Leoniden, aber auch er war gut zu Fuß unterwegs. Es würde sich zeigen, ob er das Katz- und Mausspiel gegen die Warge gewinnen sollte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 9. Oktober 2014, 09:06

Nach Blut hungernde, starre Augen beobachteten den heimatlosen Überlebenskünstler, als er sich dem Wäldchen näherte und dann doch eilig wieder Abstand gewann.
Der Elf verschwand schnell wieder im hohen Gras der Stillen Ebene und legte seine Fährte. Er tat es den Hasen gleich und machte es so seinen Verfolgern so schwer wie möglich, denn eines wusste er sehr genau: Weder Warge noch Dunkelelfen waren für ihre Geduld bekannt. Um so mehr er sie anstrengte, um so mehr sie Ausdauer beweisen müssten, um so eher würde es ihm gelingen sie in die Irre zu führen. Er hatte den Weg nach Westen gewählt und befand sich noch in der südlichen Hälfte der Stillen Ebene. Er bewegte sich auf die Ausläufer des Neldoreth zu, doch das war nicht sein Ziel. Sein eigentliches Ziel lag weit im Norden hinter den Ufern des Iridul. Der Eldoras wartete auf ihn, aber vorerst musste er seine Jäger abschütteln. Der kleine Ausflug des Prinzen hatte einiges an Planung durcheinander geworfen und vielleicht hatten sie gehofft nicht so früh auf Kazels ehemaligen Verwandten zu treffen, doch es war anders gekommen. Seit ewigen Zeiten hatte das Schicksal sich einen Plan für den Mischlings-Elfen ausgedacht, doch manchmal lagen Steine im Weg, oder äußere Geschehnisse ließen den eigentlichen roten Faden zerfasern. So kam es also, dass der stolze Sturmadler, nach Leonidenprinzen-Urin roch und in Gewissheit, dass er damit den Anderen einen Vorteil verschaffen würde, die feinen Nasen der Monster in seinem Rücken, fehl leiten konnte.
Kazel war schon geraume Zeit gelaufen und hatte immer wieder den Horizont nach Spuren abgesucht, da sah er sie. Drei Reiter näherten sich auf seiner Fährte. Als Reiter konnte er sie vor allem an ihren Bewegungen ausmachen, denn ihre Tiere waren durch das hohe Gras kaum zu sehen. Einer schien ihm immer auf der Hauptfährte zu folgen und zwei pendelten immer nach beiden Seiten um die „Kaninchen -spur“ nicht zu verlieren. Der Wind blies aus Süden nach Norden und so witterten sie ihn noch nicht, aber er erfahrene Elf wusste, dass nun der Zeitpunkt für die Finte gekommen war. Er hatte sich seinen Plan gut zurecht gelegt gehabt. Noch waren sie weit genug entfernt. Er drehte um und lief so weit er es riskieren konnte die eigene Fährte zurück, musste sich aber zuvor seines stinkenden Kleidungsstücks entledigen, damit sie glauben konnten, er würde weiter nach Westen fliehen und würde versuchen sie zu täuschen, nur anders als er es eben tat. Geduckt hechtete er weiter. Als sie ihn schon fast sehen konnten war es soweit. Er sprang so weit wie möglich in das hohe Gras abseits seines Weges. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo es galt sich still zu verhalten, auszuharren und vielleicht zu beten. Es dauerte nicht lange und er konnte mit seinen feinen Ohren die ersten leisen Laute hören. Flach an den feuchten Boden gedrückt, der seinen Geruch hoffentlich ebenfalls ein wenig übertünchte, lag er auf der Lauer. Das Scharren der Krallen im weichen Boden, das Schnaufen der witternden Nasen wurde lauter und die drei Reiter näherten sich bis auf wenige Schritte. Der mittlere war durch die schmalen Lücken im Gräser-Wald kurz zu sehen. Seine Schultern waren gepanzert und auf seinem Rücken ragte ein Langbogen in die Höhe. Den Blick hatte er starr auf den Boden gerichtet. Dann kam einer seiner Begleiter gefährlich nahe an Kazels Versteck heran. Im gleichen Moment kam von seiner abgelegenen Seite ein kurzer Befehl:
„Hier ist wieder eine parallele Fährte. Er ist weiter nach Westen!“
Der Warg stand fast direkt vor Kazels Händen. Nicht mal zwei Schritt entfernten ihn von seinem Feind. Er konnte den Gestank seines Atems riechen und sah die schaumigen Lefzen durch die Halme schimmern. Der Warg war höchst angestrengt, wie er es geplant hatte. Einer solch schwierigen Fährte zu folgen kostete den Tieren enorm viel Kraft und Konzentrationsvermögen. Wenn der Wind jetzt drehen oder auch nur kurz verebben würde, wäre die ganze Vorbereitung umsonst gewesen. Das Rauschen der Halme überdeckte jedoch seinen Herzschlag.
„Da hinten sind ein paar Bäume zwischen denen man gut Deckung finden könnte.“
„Vielleicht finden wir dort etwas.“

Der Letzte grummelte missmutig etwas leise und lenkte dann sein Tier von ihm fort. Auch der Reiter schien nur noch wenig Lust auf die Jagd zu haben. Der Mischlings-Elf musste nur den unbewussten Impuls aufzuatmen unterdrücken, damit er nicht doch noch gehört wurde und ein paar Minuten warten. Dann war das Schlimmste überstanden.
Er war sicher. Die drei Dunkelelfen würden weiter seine Fährte folgen und er hatte etwas Zeit gewonnen. Das Katz- und Mausspiel hatte er vorerst mit Intelligenz und Weitsicht gewonnen. Jetzt musste er schnell sein und zurück zu Vflex, Rhudos und den anderen Leoniden. Sobald er außer Gefahr war trugen ihn seine Beine auch schon davon.

Das Lager konnte nicht mehr weit weg sein, trotzdem bewegte sich Kazel vorsichtig. Vor etwas mehr als 100 Schritten hatte er die alte Fährte des 30 Mann starken Spähtrupps ausgemacht und näherte sich dem alten Lagerpunkt. Das Echo seiner Vergangenheit holte ihn wieder ein und vielleicht hallten Erinnerungen jener Nacht in der der Tod zu ihm im Traum gesprochen hatte in seinem Kopf wieder.
Im Vergleich zu seinen Artgenossen mochte Kazel noch jung sein, jedoch war er nicht unerfahren und so warnten ihn seine Sinne, dass irgendetwas nicht stimmte. Alles in ihm schrie „Hinterhalt!“. Es war zu still, zu leise, zu ruhig. Nicht einmal die Vögel sangen so fröhlich wie sonst, sondern man hörte nur da und dort ein leises Zwitschern oder ein Knistern der Natur. Rhudos war voraus gelaufen um die anderen zu warnen. War er erfolgreich gewesen? Als Kazel nun aus seiner Deckung den alten Lagerplatz beobachtete, lag er einsam und verlassen da. Lagen hier nun nur seine Verbündeten auf der Lauer oder war er inzwischen paranoid geworden?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 3. November 2014, 07:53

Blickte Kazel auf sein Leben zurück, das er seit seiner Flucht aus Morgeria geführt hatte, so spielte es sich stets in der Stillen Ebene und der unmittelbaren Umgebung ab. Er war kaum weiter als über dessen Grenzen hinaus gekommen. Der Neldoreth, auf welchen er sich aktuell zubewegte, war die Ausnahme gewesen. Dorthin hatte es ihn schon einmal geführt, vor Monaten, zusammen mit Shantih, Shankar und Luziver. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Was aus den beiden geworden ist? Shantihs Schicksal war ihm ja nur zu gut bekannt. Er lenkte sich allerdings nicht damit ab, in düsteren Erinnerungen zu schwelgen. Das durfte sich der Mischling jetzt nicht erlauben. Er musste auf sein eigentliches Ziel fokussiert bleiben, nämlich, den dunklen Völkern eine falsche Fährte zu legen.
Inzwischen wusste er, dass ihm mindestens drei Verfolger auf den Fersen waren. Der Umstand, dass sie beritten waren, ließ ihn verbissen aufknurren. Er musste schneller als die Reittiere sein, sonst würde man ihn viel zu schnell einholen und dahin wäre der Plan. Ihm blieb jedoch nichts Anderes übrig, als seinem Vorhaben weiter zu folgen, selbst dann, als er sich eingestehen musste, die Rüstung zurückzulassen. Damit lieferst du dich ihren Schwertern auf einem Silbertablett aus. Er schluckte leer, nahm sich die Zeit, den stinkenden Lederharnisch abzustreifen und ließ ihn einfach mitten auf der Fährte liegen. Sollten sie ihn finden und sonst etwas denken. Es war nur ein Harnisch, von den Leoniden gefertigt.
Vielleicht gaben sie ihre Suche auch auf, wenn sie glaubten, dass ein herum streunender Leonide durch ihr Lager geschlichen und einige von ihnen mitgenommen hatte. Unter einem freudlosen Auflachen schüttelte Kazel den Kopf. Es war irrsinnig, an diesem Glauben festzuhalten. Nur die eigene Ungeduld würde sie davon abbringen, Rachen zu üben.
Kazel musste herausfinden, wie weit es mit ihrer Geduld war. Zeitgleich musste er versuchen, ihnen endgültig zu entkommen. Den Geruch von Urin war er losgeworden, nun wurde es an der Zeit, seine Verfolger loszuwerden. Konzentriert lauschte er seinem Atem, dem leisen Rascheln der Gräser, in denen er sich verborgen hielt, bis sich die Geräusche der Reiter in die Kulisse einfügten. Er hörte sie und hielt instinktiv für mehrere Augenblicke den Atem an. Fast war ihm ,als spürte er jenen eines Warges im Nacken; heiß und feucht mit der unterschwelligen Note gerissener Beute. Bleib ruhig... Kazel kniff die Augen zusammen, jedoch nicht lang. Er konnte sie so nur aus seiner Welt ausschließen, das hieß aber nicht, dass sie ihm diesen Gefallen auch täten. So spähte er durch die Halme hindurch und entdeckte als erstes den Langbogen, der wie ein Mahnmal hinter der Schulter eines Reiters heraus ragte. Ein Langbogen ... sie erschießen dich und brauchen dir dabei nicht mal zu folgen. Ein kalter Schauer lief ihm vom Nacken bis zum Steiß. Dann zuckten seine Ohren, als auch er den Befehl wahrnahm. Es war lange her, die Sprache seiner Heimat aus dem Munde eines anderen zu hören. Sie klang vertraut und doch befremdlich für den Mischling, der sie so selten einsetzte und sich viel lieber auf das Celcianische berief. Noch einmal hielt er die Luft an, presste seine eigene Hand in einer zeitlupenartigen Bewegung auf die Lippen, um sich bloß nicht zu verraten. So harrte er aus, betete zu Manthala und Lysanthor, sie mögen ihm Gnade erweisen.

Dann war es vorbei, die Verfolger weitergezogen. Er hatte lange genug gewartet, um von einer sicheren Distanz ausgehen zu können. Endlich atmete Kazel aus. Unter der Aufbringung all seiner Selbstbeherrschung erhob er sich bewusst langsam, ehe er in geduckter Haltung durch das Gras zurück eilte und seinen eigentlichen Fluchtweg einschlug. Er musste weit laufen, wieder Richtung Norden und sich etwas östlich halten. Ein Blick zum Himmel gewährte ihm die Orientierung, die er brauchte. Dort, wo das Zwielicht etwas heller war, da ging die Sonne auf.
Irgendwann erreichte er tatsächlich jene Stellen, an die er sich sogar von der Umgebung her erinnern konnte, mit dem Trupp durchgekommen zu sein. Sie mochten bei Nacht hier entlang gereist sein, doch die Stille Ebene war dem Elfen ein vertrauter Boden. Es war, als sähe er einen alten Freund wieder, in dessen Antlitz er neue Falten und Furchen erkennen konnte. Einem Fremden fielen die kleinen Alterserscheinungen nicht auf. Kazel hingegen stachen sie entgegen wie eine Mohnblume in einem Meer aus grünen Gräsern.
Dieser Vertrautheit mochte er es vielleicht auch verdanken, dass er in seinem Lauf plötzlich innehielt. Etwas ist anders ... Er duckte sich dichter ins Gras, konnte aber noch nichts entdecken, was seinem Bauchgefühl dermaßen Unbehagen bereitete. Seine Ohren zuckten, suchten nach Geräuschen, die Erkenntnis bringen konnten. Aber sie fanden nichts und das war es, was ihn so berunruhigte. Es war still, zu still. Die Ebene verteidigte geflissentlich ihren Titel.
Behutsamen Schrittes bewegte er sich weiter voran, sah schon den Lagerplatz in greifbarer Nähe. Aber er sah keine Leoniden. Die Frage war nun, ob Rhudos den Trupp gewarnt hatte. Konnten sie fliehen oder verbargen sich wie Jäger auf der Lauer? Oder hatte er die Dunkelelfen unterschätzt? Eilig suchten seine tiefblauen Augen den Boden ab. Spuren von Blut? Anzeichen eines Kampfes? Er war sich sicher, dass er in der Erde ausholende Kratzspuren von den Krallenfüßen der Leoniden entdecken müsste, wenn sie sich hätten verteidigen müssen. Sie würden nicht kampflos untergehen, so schätzte Kazel sie nicht ein.
Aber nun? Dem Mischling blieb keine Wahl. Er würde keine Antworten erhalten, wenn er sich dem Lager nicht näherte und notgedrungen huschten die letzten Worte des Katzenprinzen durch seinen Kopf. Vielleicht konnte er sich als einer der ihren ausgeben, wenn er auf dunkle Völker traf. Ohne seinen Harnisch wäre er ihnen sowieso nahezu schutzlos ausgeliefert. Er besaß noch sein Kurzschwert. Mit einem Brotmesser könntest du besser umgehen! Die Gedanken waren harsch, entsprachen aber der Wahrheit. So glitten seine Finger zu den Halftern der Oberarme, wo sich Kazels Wurfdolche befanden. Mit ihnen war er schneller, zielsicherer, geschickter. Ich nehme mindestens zwei von ihnen mit, bevor sie mich kriegen. Entschlossen wagte er sich aus dem Gras und auf den Lagerplatz zu.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Dienstag 4. November 2014, 10:44

Shantih, er hatte lange nicht mehr an sie gedacht. So wie die Stille Ebene Geräusche schluckte, so war es auch manches Mal mit Erinnerungen. Manchmal verschwanden sie tief in den Gedärmen der Zeit und manchmal stießen sie auf, wie Bittere Galle. Shantih war etwas Warmes, etwas Süßes in seiner Vergangenheit gewesen, doch ihr Tod hinterließ einen kalten Stein in seinen Eingeweiden. Er lenkte sich allerdings nicht damit ab, in düsteren Erinnerungen zu schwelgen. Das durfte sich der Mischling jetzt nicht erlauben. Er musste auf sein eigentliches Ziel fokussiert bleiben, nämlich, den dunklen Völkern eine falsche Fährte zu legen und es funktionierte. Starre Sekunden, ausharrend und wartend, lauerte er im hohen Gras, dann waren sie fort und er musste es auch. Er konnte sich nicht darauf verlassen, dass sie aufgeben würden, er musste Abstand gewinnen und so hatte er seine Flucht fortgesetzt.

(Hintergrundmusik)

Kazel näherte sich dem alten Lagerplatz und suchte nach Anzeichen eines Kampfes. Seine Instinkte hatten ihn gewarnt, doch er ging weiter. Keine Kratzspuren, kein Blut, nicht einmal Katzenhaare waren zu finden. Er musste herausfinden was hier geschehen war. Er suchte. Die Stille Ebene war dem Elfen ein vertrauter Boden. Es war, als sähe er einen alten Freund wieder, in dessen Antlitz er neue Falten und Furchen erkennen konnte. Einem Fremden fielen die kleinen Alterserscheinungen nicht auf. Kazel hingegen stachen sie entgegen wie eine Mohnblume in einem Meer aus grünen Gräsern. Dort wo sich die Leoniden zu Ruhe gelegt hatten , hatten sie Decken ausgebreitet. Sie waren ohnehin kein Volk das so etwas wie die Asche von Lagerfeuern oder viel andere Zeichen ihres Daseins zurück ließen, doch hätten sie gekämpft müsste es hier anders aussehen. Ein mit Krallen bewehrter Fuß hätte tiefe Risse in der Erde hinterlassen, wenn er sich zu einer Parade in den Boden grub und wäre Blut geflossen, so würden Kazels Sinne es schnell finden, doch nichts davon war hier. Die wenigen Spuren die er fand, die erkannte er von allem aus seiner Erinnerung. Hier hatte Vflex gelegen, dort er selbst, als ihn seine dunklen Träume heim gesucht hatten. Seine Finger glitten über die abgeknickten Gräser. Er sah einen halben Fußabdruck seines eigenen Stiefels und dann daneben einen weiteren … doch das war nicht sein eigener. Er konnte es nicht sein, denn in seinem hatte sich Feuchtigkeit der Nacht gesammelt, in dem daneben noch nicht. Er war jünger. Jemand war hier gewesen. Kazel ging in die Knie um die Abdruck noch genauer zu untersuchen. Ein Rabe erhob sich krähend von dem Ast eines verkrüppelten Busches vor ihm.
Das Surren an seinem Ohr hätte das letzte sein können, was er je zu hören bekam, doch in dem Moment, in dem der Pfeil die Sehne verlassen hatte, hatte das Ziel sich bewegt. Eiskaltes Silber rann im Fluss des Adrenalins durch seine Adern, durch all seine Zellen und ließen ihn instinktiv zur Seite abrollen. Alle seine Sinne erwachten. Seitlich vor ihm knallte das Geschoss in den Boden. Noch in der Bewegung konnte der Elf seinen Gegner im hohen Gras stehen sehen, wie er einen weiteren Pfeil auf die Sehe legte. Im Augenwinkel waren da noch eine weitere Bewegung weiter links von ihm. Ein hoher Pfiff erklang, ein Zeichen zum Angriff.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 2. Dezember 2014, 18:52

Bei all der Stille hatte Kazel zumindest mit Spuren gerechnet. Dass er keine fand, beunruhigte ihn mehr als wenn er Blutlachen, tote Leoniden oder Dunkelelfen aus einem Hinterhalt heraus springend entdeckt hätte. Seine Nackenhaare stellten sich auf, während Gänsehaut auf seinen Unterarmen ein Kribbeln hinterließ.
Er entdeckte jene Stelle, an der er mit Vlfex gesessen und seinen Worten gelauscht hatte. Alles schaute unverändert aus, ließ man den Umstand außer Acht, dass er nirgends auch nur einen Leoniden ausmachen konnte. Ob Rhudos sie rechtzeitig erreicht hat und sie sich nun versteckt halten? Er verwarf den Gedanken schnell, denn obgleich er sich vorsichtig bewegte, würde eine derart große Truppe wie die von Vflex ihn doch recht schnell bemerken. Sie kannten ihn und würden sich nicht langfristig vor ihm verstecken, das glaubte er nicht. Und doch zeigte sich niemand.
Als das tiefe Blau seiner Augen weiter den Grund absuchte, entdeckte er einen Stiefelabdruck, der dem eigenen unähnlich war. Die Leoniden trugen allesamt keine Stiefel, zumindest war es ihm nicht aufgefallen. So zerfurchte sich seine Stirn vor nachdenklichen Runzeln, als er dem Bedürfnis nach Ergründung nachgab und sich auf ein Knie herabsinken ließ. Die Fingerspitzen fuhren am Rand der Spur entlang, ohne diese zu berühren. Vielmehr prüfte er so die Länge des Abdrucks. Nein, diese Vertiefung im Boden stammte eindeutig nicht von seinem Schuhwerk. Konzentriert verglich er das Bildnis des jüngeren Abdrucks mit seinem eigenen, in dem sich über Nacht die Feuchtigkeit des Raureifs gebildet hatte. Wäre der Rabe nicht krächzend aufgeflattert, so hätte ihn seine Konzentration wohlmöglich das Leben gekostet. Da Kazel aber den Blick flüchtig hob, surrte die scharfe Spitze des abgeschossenen Pfeils gerade noch an seinem Ohr vorbei. Er spürte, wie sie einige Haare auf ihrem Flug durchtrennte. Für den Bruchteil einer Sekunde blieb sein Herz stehen, dafür fuhr ihm der Schreck in die Glieder, dass seine Fingerspitzen zuckten und er nun doch einen Teil des Stiefelabdrucks verwischte.
Im nächsten Moment rollte er sich entgegen des Klangs des fliegenden Pfeils auf die Seite. Er spürte die Umdrehung, nahm ihren Schwung mit, um auf wieder auf die Beine zu kommen, befand sich allerdings noch in einer federnden Hocke. Seine Finger legten sich noch während dieses Kunststücks an einen Wurfdolch am Oberarmhalfter. Kazels Augen huschten umher, suchten nach dem Schützen oder weiteren Gefahren, denen er würde ausweichen müssen. Da entdeckte er den geheimnisvollen Schützen. Kazel ließ sich nur so lange Zeit, die Statur zu ergründen. War sie leonidischen Urpsrungs, dann hatte er nichts zu befürchten, musste zeigen, dass er nicht der Feind war. Jede andere Körperform würde ihm instinktiv mitteilen, dass es nur ein Feind sein konnte, aber hatte er in diesem Fall eine Chance? Gegen einen von ihnen vielleicht, aber da raschelte doch noch mehr im Gras. Nein, zweien konnte er nicht ausweichen, wenn auch dieser weitere Gegner ein Schütze war. Doch was tun? Einen Gegenangriff starten? Seine Gedanken rasten und dennoch fürchtete er, dass das geistige Durchgehen seiner Optionen zu lang dauern könnte. Es raubte ihm Zeit, die er zum reagieren brauchte. Du bist kein Krieger! Das sind Fernkämpfer! Nimm wenigstens einen von ihnen mit! Lauf um dein Leben! So viele Entscheidungen und keine davon schien ihm die richtige zu sein. Er musste eine Wahl treffen, ihm blieb nichts Anderes übrig. Und Kazel entschied sich. Er musste herausfinden, wer ihn attackierte und konnte nur hoffen, dass der Schütze so umsichtig war, den zweiten Pfeil nicht einfach auf ein sich ergebendes Ziel fliegen zu lassen.
"Ich bin keine Gefahr!", rief er in die Stille des dämmernden Morgens hinein, denn Worte mochten nun schneller sein als seine Bewegungen. Zaghaft ließ er vom Halfter ab, ohne den Wurfdolch herausgezogen zu haben. Beide Hände hob er nun offen in Kopfhöhe, um zu signalisieren, dass er zwar bewaffnet sein könnte, aber nichts davon griffbereit war. So erhob er sich mit der Geschwindigkeit einer altersschwachen Schnecke. Nur keine zu schnellen Bewegungen, gemahnte er sich, als er sich auf- und den Blick nun vollends auf den Schützen richtete.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 3. Dezember 2014, 09:59

"Ich bin keine ...“
Der Pfeil hatte schon die Sehne verlassen.
„... Gefahr!"
Der 'Hall seiner Stimme war noch nicht geendet, als ein beißender Schmerz seine linke Wade durchbohrte.
„Halt!“
Er hatte die Hände sich ergebend gehoben und kauerte nah am Boden. Von der einen Seite hörte er ein missmutiges Schnaufen, als hätte er gerade jemandem sein Spielzeug weg genommen und von der anderen ein trockenes Lachen. Von dort war auch der kurze Befehl in Lerium erklungen und kamen nun auch die Schritte.
„Oh das seid ihr wirklich nicht!“
Kazel hatte kurz auf sein Bein gesehen, aus dem ein langer geschwärzter Schaft ragte. Die Wunde brannte fürchterlich, aber es war auszuhalten. Blieb nur zu hoffen, dass die Spitze nicht vergiftet war. Dann nahm er aus dem Augenwinkel die näher kommenden Bewegungen war. Es waren drei. Zwei von ihnen hatten geschwungene Langbögen, aber auch die typischen Klingen der Dunkelelfen an ihrer Seite. Der Dritte, anscheinend derjenige der hier Wort führte trug zwei Klingen. Allesamt Kämpfer, vermutlich ein Spähtrupp. Der Mischling saß im Zentrum eines sich zuziehenden Dreiecks aus dem es nun kein Entrinnen mehr gab. Vor ihm stand der Anführer und musterte ihn aus kalten grauen Augen wie ein Stück Beute. Seine pechschwarze Haut war von Wind und Wetter spröde und rissig geworden. Auch wenn er immernoch diese unheilvolle Eleganz ausstrahlte, die diesem Volk zu eigen war, so wirkte er auch verbraucht und in die Jahre gekommen, aber wirklich alt war er noch nicht, nur hatte er wohl lange keinen Luxus zu spüren bekommen. Er war definitiv der erfahrenste in diesem Trio. Die Kapuze, die das verräterisch silbergraue Haar verdeckt hatte, schlug er zurück und blieb gut drei Schritt vor ihm stehen. Seine Stimme war leise und konzentriert.
„Waffen ablegen!“
Rechts hinter ihm fragte der eine Schütze unheilvoll:
„Wir könnten ein wenig Spaß mit ihm haben?!“
Der Klang seiner Stimme war ekelhaft und er zischte das scharfe „S“ auffällig scharf. Er war es auch der noch immer seinen Bogen auf ihn angelegt hielt und ein Blick genügte, dass Kazel ihn als denjenigen identifizierte, von dem er am meisten Qualen zu erwarten hatte. Jetzt aus der Nähe konnte er fast weißes Haar mit hell-violetten Strähnen erkennen. Das Glitzern in seinen ebenso hellen violetten Augen sprach dabei nicht nur von körperlicher Pein. Der Rechte grinste und zwinkerte ihm neckisch zu, als der Linke schnell an sein Bein heran trat und den Pfeil heraus riss. Der Schmerz verriet, dass das Entfernen des Pfeils, vermutlich mehr Schaden zugefügt hatte, als das „Einsetzen“. Jener der nun sein Geschoss gewissenhaft säuberte, war der Ruhigste und der typische aller Dunkelelfen, fast nichtssagend. Typische schwarze ebenmäßige Haut, die von einer gewissen Jugend sprach, schwarze Augen und schneeweißes Haar, dass tief unter seiner Kleidung verborgen lag. Er war schön und tödlich. Der Anführer erhob wieder das Wort:
„An eurer Stelle hätte ich wenigstens versucht einen von uns mitzunehmen. Also wie ich das sehe, seid ihr entweder unglaublich dumm und glaubt, dass wir einen einzelnen einsamen Elfen leben lassen würden, oder ihr seid so einer, der versucht so viel wie möglich über seinen Gegner herauszufinden, bevor er ihm dann die Klinge in den Rücken stößt.“
Er lächelte schmal bei letzter Variante und zog eine Braue in die Höhe.
„Liege ich richtig?“
Das Gespräch war also eröffnet und anscheinend war der Anführer halbwegs vernünftig zu nennen, was Kazel einerseits eine Chance verschaffte, aber seine Situationen auch gefährlicher machte. Sturmadler hatte schon viele brenzlige Situationen gemeistert und so schaffte er es sicher Ruhe zu bewahren. Trotz aller Gefahr um ihn herum, trotz des Schmerzes in seiner Wade, dienten ihm seine Sinne und sein Verstand auf gewohnt verlässliche Weise. Und eben jene warnten ihn auch, dass irgendetwas in dieser ganzen Situation nicht stimmte. Es war noch nicht greifbar und konnte an allem liegen. Vielleicht war es die alte gebrochene Nase des Anführers, vielleicht der lüsterne Blick des Rechten oder vielleicht auch die Stille des linken Bogenschützen. An den Kleidungsstücken war wenig zu erkennen, wohin diese Späher gehörten, zumal sie lange Umhänge trugen, aber vielleicht würde sich bald das Geheimnis offenbaren.


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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 26. Dezember 2014, 12:57

Sein Bein knickte unter dem Treffer leicht ein, wodurch Kazel etwas ins Straucheln geriet. Die Arme von sich gestreckt suchte er nach Gleichgewicht, während ein zentraler Punkt an seiner Wade beißende Hitze in seinen Körper jagte. Jede noch so kleine Bewegung, jede Verlagerung des Gliedmaßes förderte den Schmerz. Es zog und es brannte, als würde man ihm die glühende Spitze eines Eisenstabs an die Haut pressen. Er konnte nicht verhindern, dass es auch in seinen Augenwinkeln brannte, jedoch gelang es ihm, jegliche Schmerzenstränen wegzublinzeln, ehe sie seine Augen verlassen konnten. Dafür sah er im ersten Moment etwas verschwommen. Das Glück meinte es wirklich nicht gut mit ihm und wer immer den Pfeil in sein Bein geschossen hatte, befand sich definitiv im Vorteil.
Sein Blick wanderte am Pfeilschaft entlang zum Schützen, linste einmal seitlich, wo das Schnauben herkam. Er spannte sich etwas an und innerlich seufzte der Mischling auf. Wie töricht zu glauben, sie würden ihn nicht angreifen! Und nun? Kazel kannte seinesgleichen gut genug, hatte sich nur durch all die Freundlichkeit der letzten Zeit seitens fremder Kulturen irreführen lassen. Oder war er einfach nur unachtsam geworden? Innerlich musste er alle Gutgläubigkeit von sich werfen und zu einer misstrauischen Haltung zurückkehren - eine, die er nach eigenem Ermessen glaubte, abgelegt zu haben. Ein Fehler, wie sich nun herausstellte. Doch wo es in seinem Inneren fieberhaft tobte, da versuchte er, es nach außen hin lediglich so aussehen zu lassen, als machte allein die Verletzung ihm zu schaffen. Eine Tatsache, die nicht ganz einer Lüge entsprach. Das Brennen beeinträchtigte sein Denken.
Auf diese Weise gab er seinen Angreifern Gelegenheit ihn in aller Ruhe zu mustern und das Wort zu ergreifen. Kazel kratzte derweil seine Konzentration zusammen für einen Plan, irgendetwas, das ihn aus der Lage noch retten könnte. Einzig wusste er, dass er nun unter keinen Umständen unsicher, ängstlich oder aber auch allzu stolz reagieren durfte. Beide Extreme würden einen Dunkelelfen nur anspornen, mit ihm zu spielen und sein Ende lang, wie gleichermaßen qualvoll zu gestalten.
"Ihr haltet mich für einen der Waldelfen", antwortete Kazel schließlich auf den Befehl hin. Er versuchte, amüsiert zu klingen, doch das schmerzhafte Ächzen machte ihm einen Strich durch die Rechnung. "Ich bin kein Krieger", fuhr er fort, begann damit, zunächst das Kurzschwert abzulegen. Es nützte ihm von seinem Arsenal am wenigsten und vielleicht ergab sich gleich noch eine Gelegenheit, einen Wurfstern oder -dolch zu schleudern. "Ich bin kein Krieger. Ihr habt mich verletzt und noch dafür gesorgt, dass mir nicht einmal eine Flucht gelänge. Haltet ihr einen von euch für so dumm, nun seinesgleichen anzugreifen?" Er versuchte, nicht über die perfiden Gedanken des einen Elfen nachzudenken. So sprach er einfach weiter, vielleicht konnte er dessen Vorschlag übertönen. Wenn dieser Kerl seinen Willen bekam, würde es erst richtig schmerzhaft.
"Ihr liegt nicht ganz falsch", sagte er daher und mit jeder Silbe, die er sprach, webte sein Geist eine Lüge zurecht, die hoffentlich glaubwürdig genug für dieses Trio wäre. "Ich bin tatsächlich auf einer Mission, Informationen zu sammeln ... aber nicht über euch. Dass ihr mich angegriffen habt, kann für euch zum Problem werden, sollte ich mich für einen vollständigen Bericht vor Raxtian Tausendtod entscheiden." Da, jetzt er hatte er einen Namen eingebracht. Einen möglicherweise bekannten Namen. Kazel ahnte nicht, ob Raxtian bei anderen der dunklen Armee überhaupt so viel Gewicht besaß, dass es ihm nun zum Vorteil gereichen könnte. Aber sein Plan sah vor, ihn nun mit einzuspinnen. Tausendtod hatte ihn zum Werkzeug machen wollen? Gut! Dann spielte er jetzt eben genau jene Bauernfigur, jenes kleine Instrument, das sich als Schöpfung eines der Dunklen präsentierte. Er rang sich ein klägliches Lächeln ab. Von List keine Spur, dazu schmerzte sein Bein zu stark. Erst recht, nachdem der Pfeil entfernt worden war. Er presste die Hand auf die Wunde, wobei Kazel sich auf das gesunde Bein niederließ. Würde man die Blutung nicht stoppen, fände er auch ohne weiteres Eingreifen der Dunkelelfen vermutlich alsbald sein Ende.
"Ich bin sein größtes Meisterwerk", brachte er hervor. Langsam wurde ihm schwindlig vor Schmerz. "Weil ich nicht aussehe wie ... wir." Da hob er den Adlerblick, der leuchtend jenem des Anführers begegnete. Er bleckte die Zähne. Sollten sie ruhig sehen, dass die Eckzähne spitz zuliefen wie gefeilt. Dass er durch sie Schlangengift freigeben konnte, wenn er nur kräftig genug zubiss, das war ja nicht einmal Kazel selbst bewusst. Aber vielleicht unterstrich sein Gebaren seine Worte und man kaufte sie ihm eher ab. Manthala, lege deinen Lügenschleier über meine Geschichte und verhülle mich.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Sonntag 28. Dezember 2014, 23:04

Es gab ein leise, klirrendes Geräusch wie von einem Kettenglied, das entzwei sprang, doch es ging im Gespräch der Elfen unter. Ein Löwenkopf geformtes Amulett fiel und verschwand unbemerkt im hohen Gräserwald der Stillen Ebene. Kazel hatte über die Schmerzen in seinem Bein kaum bemerkt, dass er es verloren hatte. Die Spitze des Pfeils hatte tief im Muskel gesteckt und hätte der Dunkelelf sie vorsichtiger heraus gezogen, hätte sie ihm nur einen schmalen Stichkanal gekostet. So war das Fleisch doch mehr beschädigt worden, als es vielleicht hätte sein müssen, aber so gingen Dunkelelfen nun mal mit ihren Feinden um. Wenigstens hatte das Geschoss keine großen Gefäße getroffen, so dass Kazel nicht verbluten würde. Trotzdem war ihm bewusst, dass er sich schnellst möglichst um die Verwundung kümmern musste. Das Brennen in seiner Wade war ein untrügliches Zeichen dafür, dass er in nächster Zeit nicht rennen, laufen oder gar fliehen würde können, also musste ein anderer Plan her!
"Ihr haltet mich für einen der Waldelfen"
, antwortete Kazel schließlich auf den Befehl hin. Er versuchte, amüsiert zu klingen, doch das schmerzhafte Ächzen machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
"Ich bin kein Krieger"
, fuhr er fort, begann damit, zunächst das Kurzschwert abzulegen. Es nützte ihm von seinem Arsenal am wenigsten und vielleicht ergab sich gleich noch eine Gelegenheit, einen Wurfstern oder -dolch zu schleudern. Der Anführer gab den beiden Anderen ein Zeichen, dass sie etwas Abstand halten sollten, was diese auch sofort taten. Sie standen im Dreieck um ihn verteilt und boten so taktisch gesehen immer nur einen Angriffspunkt. Er konnte sich seine Chancen selbst ausrechnen.
"Ich bin kein Krieger. Ihr habt mich verletzt und noch dafür gesorgt, dass mir nicht einmal eine Flucht gelänge. Haltet ihr einen von euch für so dumm, nun seinesgleichen anzugreifen?"
Er versuchte, nicht über die perfiden Gedanken des fliederhaarfarbenen Elfen nachzudenken der ihn musterte, als sei er ein Stück Fleisch in der Auslage, dass er sich nur nehmen brauchte. Er sprach einfach weiter, vielleicht konnte er dessen Vorschlag übertönen.
"Ihr liegt nicht ganz falsch"
, sagte er daher und mit jeder Silbe, die er sprach, webte sein Geist eine Lüge zurecht.
"Ich bin tatsächlich auf einer Mission, Informationen zu sammeln ... aber nicht über euch. Dass ihr mich angegriffen habt, kann für euch zum Problem werden, sollte ich mich für einen vollständigen Bericht vor Raxtian Tausendtod entscheiden."
Da, jetzt er hatte er einen Namen eingebracht. Tausendtod hatte ihn zum Werkzeug machen wollen? Gut! Dann spielte er jetzt eben genau jene Bauernfigur, jenes kleine Instrument, das sich als Schöpfung eines der Dunklen präsentierte. Er rang sich ein klägliches Lächeln ab. Von List keine Spur, dazu schmerzte sein Bein zu stark. Erst recht, nachdem der Pfeil entfernt worden war. Er presste die Hand auf die Wunde und sah in die ihn umgebenden Gesichter. In den grauen Augen direkt vor ihm zeigte sich nicht einmal ein blinzeln, aber aus dem Augenwinkel hatte eine Bewegung seinen Blick nach rechts gewendet, wo der schmierige Sadist mit gespannten Bogen stand. Dieser hatte seinen Kopf gewendet und sah seinen Anführer fragend an, als wartete er auf eine Reaktion. Allein damit hatte er sie schon verraten, dass sie den Namen Tausendtod wohl kannten.
"Ich bin sein größtes Meisterwerk, weil ich nicht aussehe wie ... wir."
Da hob er den Adlerblick, der leuchtend jenem des Anführers begegnete. Er bleckte die Zähne und ließ die Eckzähne im Morgengrauen glitzern.
Manthala, lege deinen Lügenschleier über meine Geschichte und verhülle mich.

Ein eisiger Windstoß ging über die Gruppe, zerrte an ihren Mänteln und ließ die hohen Halme wanken. Es war ein kalter Wind und zwischen Nacht und Tag lag noch das Zwielicht des Morgens. Es waren jene Tage angebrochen in denen das Licht kaum die Welt erreichte, die dunklen Tage. Die Zeiten Faldors und Manthala waren angebrochen und eine weiße Eule ließ sich unweit auf einem toten Ast eines niedrigen Busches nieder um die Szenerie zu beobachten. Es war fast als wollte die Nacht und ihre Schatten noch nicht gehen. Sogar ein einzelner Stern prangerte noch hoch am grauen Himmel, heller und stärker als all jene die sich schon vor dem Tag hinter den Wolkendecken versteckt hatten. Er spendete Zuversicht, gab neuen Mut und erfüllte die Herzen derer, die ihn ansahen, mit Freude. Jenen die zu ihm hinauf sahen und ihre Gesichter dem Himmel zu wandten, jene sahen sie kommen, doch auch alle anderen berührte der Zauber dieser Tage. Der kalte Wind brachte ihn mit und legte seine eisigen Kristalle eilig über die Welt. Dicke Schneeflocken würden sehr bald das Land in ein reines, weißes Kleid hüllen. Kazel fühlte in seinem überreiztem Empfinden es als erstes, noch bevor seine drei Begleiter es bemerkten. Der kalte Kuss Venthas berührte seine Stirn und stach in seine Haut. In seinem verletzten, in seinem angespannten Zustand mussten sich die Kälte wie kleine Nadelstiche anfühlen, doch sie machte auch wach und aufmerksam.
Sturmadler sah in die Augen seines Gegenübers und sah dort das abschätzende Warten jahrzehntelanger Erfahrung. Das Augenmerk lag auf den Zähnen, der Körperhaltung und den verbleibenden Waffen. Eine senkrechte Falte, die die Zeit zwischen seine Brauen gezeichnet hatte, wurde eine Spur tiefer, aber sonst zeigte sich kein sichtbares Merkmal, ob er seinem Gefangenen Glauben schenkte oder nicht. Wenigstens überdachte er die Situation.
„Ihr behauptet also ihr seid wie WIR? … Da ich eure Geschichte nicht sofort überprüfen kann, schlage ich vor, dass ihr uns begleiten werdet.“
Die melodiöse, zugleich kalt und tödliche klingende Sprache des dunklen Volkes hinterließ oft einen Schauer auf der Haut derer die sie zum ersten Mal hörten, doch Kazel war mit diesem Klang aufgewachsen. Das der Anführer ins Lerium gewechselt hatte, zeigte zumindest seine Neugierde an der Geschichte des Mischlings. Das seine Worte jedoch kein Vorschlag gewesen waren, war so klar wie der Schnee der sich langsam zu einer weißen Schicht auf seinem Haupt und seinen Schultern bildete.
„Aman, entwaffne ihn. Such gründlich!“
Der Anführer ließ ihn nicht aus den Augen, während sich der ruhige Bogenschütze, genannt Aman, Kazel von links näherte.

Der Windes trug noch ein anderes Geräusch mit sich und vertraute man seinen Sinnen, hätte man schwören können Glockengeläut im leisen Rauschen zu hören. Oder kam es aus der Erde? Der Dunkelelf der links von ihm stand zögerte und sah sich verwirrt suchend um. Nichts geschah. Dann griff er unter seinen Umhang und warf ihm einen Beutel hin.
„Verbandszeug.“
Seine Stimme war rauchig dunkel. Dann zog er eine elegante kurze Klinge aus seinem Gürtel, hielt sie ihm drohend in Richtung Kehle, damit Kazel keine Dummheiten machte. Dann machte er sich daran Sturmadler abzutasten und jede Waffe, jeden versteckten Beutel, alles außer die Kleidungsstücke am Leib abzunehmen und auf einem ausgelegten Tuch außerhalb seiner Reichweite aufzureihen. Dabei waren die ganze Zeit die mordlüsternen Augen des zweiten Bogenschützen auf sie gerichtet. Als Aman fertig war sah er ihn einen Moment länger in die Augen als es normal gewesen wäre. Betrachtete er das Werk von Tausendtod eingehender? Beim weggehen nickte er fast unmerklich seinem Anführer zu.
„Saerembor, du holst unseren Wagen. Wir werden heute hier bleiben.“
Auf die Aufforderung des Anführers hin knirschte der rechte Bogenschütze leise mit den Zähnen. Ganz offensichtlich hatte er andere Pläne mit Kazel gehabt und fügte sich nur widerwillig. Nachdem von dem Gefangenen keine Gefahr mehr aus ging schulterte seinen Bogen und machte sich im Laufschritt davon. Während der Mischling nun etwas Zeit bekam seine Wunde zu verbinden und auch eine nach Kräutern duftende Salbe in dem Beutel fand, unterhielten sich die beiden anderen flüsternd. Die Sinne des Elfen vermochten gerade so viel herauszufiltern, dass der Anführer als „Dorun“ angesprochen wurde. Somit hatten seine Wächter alle drei Namen erhalten. Mehr als das konnte er nicht hören, man ließ ihn vorerst in Ruhe aber nur gerade so weit, dass immer einer von ihnen ihn im Blick hatte. Das Spiel der Täuschung konnte seinen Lauf nehmen.

Das Tageslicht ließ auf sich warten oder verbarg sich hinter dichten Wolken aus denen es beständig schneite. Schnell würde jede Spur sich in dieser weißen Pracht verlieren, doch mit seinem verletzen Bein war an eine Flucht kaum zu denken. Wenigstens hatte die Salbe den Schmerz etwas gelindert und der Verband die Blutung gestoppt. Nach gut einer Stunde war ein leise, rumpelndes Geräusch zu hören, was sich näherte. Aman ging dem Wagen entgegen, der von zwei schwarzen, prachtvollen Kaltblütern gezogen wurde. Drei nicht weniger prachtvolle Vollblutpferde waren hinten am Wagen angebunden , der aus zwei Teilen bestand. Der vordere Teil war eine Art Transportschrank mit Sitzbock auf dem Saerembor mit einem wirklich hässlichen, stark verunstaltetem Ork saß und der hintere Teil war ein mit Lederhäuten abgehängter Käfig. Dorun war leise an Kazel heran getreten.
„Euer neues … Heim. Zumindest bis sich heraus gestellt hat, ob ihr die Wahrheit sagt. Ihr versteht sicher, dass wir vorsichtig sein müssen.“
Saerembor öffnete die rückseitig angebrachte Gittertür und machte eine einladende Geste. Seine Stimme war quietschend wie eine rostige Tür und erstaunlich hoch für einen Mann.
„Ich werde es euch schon gemütlich machen.“
Er grinste unheilvoll und wischte altes, schimmelig grünes Stroh vom Käfigboden, dann griff er in eine seitlich angebrachte Kiste und warf ein paar Hand voll Frisches hinein. Dorunbar ergriff Kazels Arm und half ihn mehr oder weniger unfreiwillig auf die Beine. Jede Bewegung schmerzte, aber er konnte das Bein belasten. Deutlich leiser fügte er auf dem Weg zum Käfig hinzu:
„Macht keinen Fehler! Entweder dies, oder ich überlasse euch seiner Obhut.“
Mit jedem Schritt den Kazel näher kam begannen die Augen des Sadisten mehr zu glitzern und er leckte sich erwartungsfroh über die Lippen. Irgendetwas galliges wollte sich unwillkürlich in Kazels Kehle breit machen und ihm den Rachen hinauf steigen, aber er wusste auch, dass er diesem Kerl über keine Furcht zeigen durfte. Ein Zeichen der Schwäche und er würde zu seiner ganz privaten Beute werden. Die Situation war schon extrem verfahren, aber im Augenblick schlich sich ihm vielleicht der Gedanke ein, dass es gut wäre den Anführer für sich zu gewinnen. Sofern er versuchte einen klaren Gedanken zustande zu bringen, denn Schmerz, die Wirkung der Salbe, die inzwischen seine Blutbahn erreicht hatte und die sich überschlagenden Ereignisse trübten seine Wahrnehmung. Ein kurzer Blick aus nächster Nähe zu dem Ork auf dem Kutschbock hinauf, ließ ihn das Blut in den Adern gefrieren. Die Narben und Entstellungen seiner Haut erzählten eine eigene Geschichte, doch der tote Blick dieses Wesens konnte einen Mann wahre Furcht lehren. Ein seltsames eisernes Gestell, dass den Kiefer des Orks drei Finger breit offen hielt war an seinem Schädel befestigt, so dass sein Speichel ungehindert ständig aus dem Maul tropfte. Die mächtigen Hauer, die dieser Rasse zu eigen waren, hatte man ihm gezogen und ein Kettenhalsband lag um seinen wunden Hals. Der Rest seines Körpers war zum Glück von einfachen Lederhäuten verdeckt, aber man konnte sich gut vorstellen, dass dieses Wesen das „private“ Spielzeug des Mannes war, der Kazel jetzt in einen Käfig sperrte. Zögernd übergab Saerembor, Dorun den Schlüssel nachdem die Tür sich hinter dem Gefangenen verschlossen hatte. Vielleicht war dies erst einmal der sicherste Ort für Sturmadler. Hier war er vor gierigen Anwandlungen sicher und in Doruns Geist konnte in Ruhe die Saat seiner Lüge wachsen.

Nachdem ihr Gefangener sicher verwahrt war, bauten die drei Dunkelelfen erstaunlich schnell ein ordentliches Lager auf. Die Pferde wurden mit Decken gewärmt und mit Getreide gefüttert, der Ork rollte sich unter dem Wagen zusammen. Ein festes Zelt zum Schlafen und ein Unterstand gegen den Schnee für die Wachhabenden, denn sie ließen immer zwei ruhen, während zwei Wache hielten. Kein Feuer würde ihren Standort verraten. Aman und Saerembor hielten als erste Wache während der Ork und Dorun schliefen. Kazel konnte mit seinen Sinnen leise ein paar Worte aufgreifen:
„ … ihn in Ruhe. Mein Vater wird … wenn es Zeit ist. Also … „
Es war Aman der da leise sprach.
„Wenn dein Vater nicht … ich keinen stinkenden Ork dafür! Was wenn er ein … der gelernt hat zu lügen, habt … gedacht?“
Aman stand auf und entfernte sich mit zitternden Fäusten und angewidertem Gesicht vom Unterstand. Sein Blick wanderte kurz zu Kazel, aber er hatte anscheinend nicht vor von sich aus mit ihm zu sprechen. Der ruhige Elf lehnte sich etwas abseits gegen einen der wenigen Bäume in der Gegend und beobachtete die Natur. Das Schattenspiel aus Schneeflocken und grauem Tageslicht ließen ihn fast eins werden mit den Umrissen seiner Umgebung. Vielleicht war auch Aman ein Angriffspunkt in dieser Kleingruppe? Die Ruhe die langsam einkehrte konnte trügerisch sein, aber bot auch genug Raum um an einem Plan zu feilen. Vielleicht würde es auch einfach ausreichen alle drei lange genug an diesem Ort zu halten, bis der Leonidenprinz mit Verstärkung zurück kam.

Als Kazel sich in seiner neuen Unterkunft etwas genauer umsah, entdeckte er zwei etwas eigentümliche Dinge. Beide waren winzig und leicht zu verstecken. Das erste Ding war ein Strohhalm unter vielen, der doch anders war als alle anderen, denn er schimmerte sanft golden. Er war schräg in eine Ritze fest geklemmt und ragte nur ein kleines Stück heraus, doch schien er gerade zu auf den Mischlings-Elf gewartet zu haben. In all dem Wirrwarr von kleinen Halmen sah Kazel dann auch den goldenen Faden, der sich um den einen Speziellen gewickelt hatte und hinaus aus dem Wagen hing. Wer wohl hier zuvor schon eingesperrt gewesen war und das verloren hatte? Dem Material nach musste er oder sie von hohem Stand gewesen sein.



Grüppy starrte … und verlor sich in Erinnerungen. Wie wunderschön sie diesen Mann gefunden hatte! Wie erhaben und hübsch. Und sie war stolz, dass sie einander inzwischen so ähnlich sahen. Der Blick der Wichtelin glitt an ihrer Kleidung herab und sie konnte gerade noch die Tränen zurück halten. Sie hatte sich eine Robe aus weißem Stoff selbst genäht. In Brusthöhe prangte ihre Version des Inquisitionssymbols. Sie konnte es nicht gut zeichnen, also hatte sie eine goldgelbe Sonne mit zwei fröhlichen Augen und einem breiten Grinsen gemalt, doch inzwischen war es von einem hässlichen Grün überzogen und roch beißend nach Schimmel, nicht so fein wie ihr frisch gewaschenes Idol. Es war Tage her, dass sie ihn gesehen hatte und es schien ihr schon wie Jahre.
Sie hatte ihm einen Faden aus seinem Gürtel gestohlen und sich dafür nach Art der Inquisitoren selbst bestraft. Sie war nicht artig gewesen, also musste es sein! Erst hatte sie sich in Ermangelung einer Peitsche mit einer Feder selbst gegeißelt, dann hatte sie gefastet … ganze fürchterliche drei Minuten lang und dann hatte sie sich den schrecklichsten Ort ausgesucht um Buße zu tun. Dafür war ihr der Käfigwagen dieser Dunkelelfen gerade recht gekommen, doch inzwischen bereute sie ihre Wahl immer mehr. Sie könnte doch auch in einem weichen Bett einer Prinzessin ein Jahr lang büßen?! So lange bis es wieder galt, Geschenke in die Welt zu bringen. Ja das wollte sie tun und so entschloss sie sich kurzerhand den Käfig zu verlassen um sich ein weiches Kissen zu suchen auf dem sie ein Jahr schlafen ...äh... büßen könnte.
Es gab da nur ein gewaltiges Problem!
Grüppy hatte schrecklich Höhenangst und gerade war ihr entfallen, dass sie sich ja auch einfach weg teleportieren hätte können. Sie spähte zwischen den Gitterstäben nach unten und schluckte schwer. Sie brauchte etwas womit sie sich abseilen konnte. Seufzend fiel ihr Blick auf den goldenen Faden des Inquisitors Gunther Brockhardt. Sie wollte diesen Faden in Ehren halten, wenigstens bis sich ein geeigneter Träger dafür fand. Vielleicht war er für den Mann gedacht der ihr seit einer Stunde Gesellschaft leistete? Wer wusste es schon? Sie nahm sich einen möglichst stabil anmutenden Strohhalm der schön golden schimmerte und befestigte den Faden daran. Dann klemmte sie ihn in die Ritze eines der dicken Bretter im Boden und warf das andere Ende zwischen den Stäben hinaus um sich daran abzuseilen. Dann sah sie noch einmal den Mann mit der Wunde an der Wade an und winkte ihm zu:
„He da, schau her. Du kannst dich hier abseilen, wenn es dir besser geht.“
Natürlich sah und hörte Kazel nichts davon. Er war ja auch viel zu groß für die Abstände zwischen den Stäben, hätte mit einem Schritt den Boden erreicht aber wie sagte man so schön:
... zählt nicht der Gedanke mehr als das Geschenk?
Grüppy meinte es schließlich gut mit ihm und wer weiß schon, wann man einmal einen Lysanthor geweihten Faden braucht?

Du wurdest gewichtelt.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 13. Januar 2015, 15:54

Kazel war über den neutralen Blick des Grauäugigen nicht überrascht. Er musste bei Dunkelelfen nicht mit Mitleid rechnen und hatte seine Lüge nicht vor ihnen ausgebreitet, um jenes Gefühl in ihnen zu wecken. Er erklärte sich, weil er darin seine einzige Chance sah, etwas länger am Leben zu bleiben. Der Schütze war ihm unangenehm genug. Er würde nicht das Risiko eingehen, jemanden am Leben zu lassen, den sie vielleicht nicht mehr brauchten. Kazel war gezwungen, sich als wichtig genug zu geben, um sein Anrecht auf Leben zu rechtfertigen und zu verteidigen.
Immer wieder huschte das sturmblaue Augenpaar in die Winkel. Den dritten Elfen konnte er nur im Geiste ausmachen. Ohne sich zu drehen blieb er außer Sicht, aber Kazel spürte die Wachsamkeit wie Nadelstiche im Nacken. Er war so auf die Dunklen konzentriert, dass ihm die Eule in der Umgebung nicht auffiel, selbst dann nicht, als sich ihr weißes Federkleid vom Rest des Zwielicht als hellerer Fleck abhob. Und auch den Stern entdeckte er nicht, dabei leuchtete er so schön. Fast wie ein Wegweiser des Himmels, ein Edelstein auf Manthalas Nachtgewand. Kazels Augen blieben auf den Elfen, die er sehen konnte.
Dann landete etwas auf seiner Nasenspitze. Er rümpfte jene, blinzelte matt. Was ist d.... Schnee?! Weitere Flocken rieselten herab. Der Mischling ließ sich ablenken, hob den Kopf nur etwas mehr an und richtete den Blick nach oben. Da landete die nächste Flocke auf seiner Haut. Dieses Mal traf sie seine Stirn, verweilte wenige Sekunden, ehe sie sich langsam in Schmelzwasser auflöste und wie ein ungesalzener Tropfen Schweiß entlang der Schläfe bis zum Spitzohr hinab rann. Kazel konnte sich nicht über die eingetretene Wetterveränderung freuen. Schnee hatte ihn ohnehin noch nie glücklich gemacht. Er war nass und kalt. Zwei Jahre in der freien Stillen Ebene waren zwei Zeiten des Wandels, die er erlebt hatte. Sie zählten zu den schwersten Momenten, die er in Freiheit und fern von Morgeria vebrracht hatte. Wenn es kalt wurde, gab es nur wenige Wanderer und noch weniger besaßen Vorräte, die sie mit sich führten. Kazel war mehrfach gezwungen gewesen, in dieser Zeit Andunie sehr nahe zu kommen. Vor allem die Apfelplantagen und Gehöfte außerhalb der Stadtmauern, die sich bevorzugt nahe des Kad Haradt wie eine Perlenkette an der Küste aufreihten, wurden zur Bühne seiner nächtlichen Diebstähle. Hin und wieder hatte er sich auch am Ilfar beim Fischerdorf herumgetrieben, aber als selbst der Fluss teils gefroren war, mied er es, den Fischern ihr letztes Hab und Gut zu entwenden. Nur wenn er wirklich sein Überleben sichern musste, hatte er zugelangt. Die Erinnerungen strömten durch seinen Geist, erfüllten ihn für mehrere Herzschläge und schwanden wieder zusammen mit den schmelzenden Flocken.
Zurück blieb nur ein Frösteln, geschürt noch vom kalten Wind, der aufgezogen war. Oder entsprang es gar nicht der Kälte? Kazel passte es überhaupt nicht, mit diesen Finsterlingen mitzugehen. Er geriet hier in eine scheinbar ausweglose Situation, doch er konnte keinen Schritt mehr zurück. Wo stecken die Leoniden? Hat Rhudos sie alle evakuiert? Sind sie ohne uns weitergezogen? Verdammt! Er ließ sich nicht beirren, sondern versuchte, das Spiel weiterzutreiben. Die Dunklen durften keinen Wimpernschlag lang an seinen Lügen zweifeln. Sie durften seine Unsicherheit nicht bemerken!
So nickte er, als hätte er genau diese Antwort von seinem Gegenüber erwartet. "Ich verstehe. Ihr seid nur vorsichtig. Aber es amüsiert mich, dass auch ihr mich für einen Elfen anderen Volkes haltet. Mein ... Meister hat ganze Arbeit geleistet." Er betete, dass er Raxtian Tausendtod nie wieder in ihrer beider Leben begegnen würde. Wenn die Dunkelelfen zu gute Kontakte besaßen und diesen Wahnsinnigen befragen konnten, würde er vielleicht noch bestätigen, dass Kazel eines seiner Experimente war, aber keinesfalls, dass er vorher eine Dunkelelfen typische Hautfarbe besessen hätte. Der Mischling spürte, dass sich Schweiß auf seinen Handflächen bildete. Die Lage war brenzlig. "Wer seid ihr denn, dass ihr mich erst angreifen und dann fragen müsst?" Es fiel Kazel schwer, die Arroganz der Elfen heraushängen zu lassen. Sie war ihm noch nie ganz eigen gewesen, vielleicht weil es für ihn nie Grund gegeben hatte, arrogant und stolz aufzutreten. Er musste sich bewusst ins Gewissen rufen, dass man ein derartiges Verhalten vermutlich von ihm erwartete. Für andere des düsteren Volkes war es verdächtig, es nicht an den Tag zu legen und gleichzeitig zu behaupten, einer der ihren zu sein. Mehr denn je musste er auf seine frühsten Jahre und die schmerzlichen Erfahrugnen zurückgreifen, die er damals gemacht hatte. Es rief so vieles wach. Er durfte sich von seinen Emotionen nun nur nicht beeinflussen lassen.
Die spitzen Ohren zuckten kaum. Der Schütze - Aman! - bewegte sich unglaublich leise. Erst als er schon sehr dicht war, drehte sich das sturmfarbene Augenpaar zu ihm herum. Missbilligend sah Kazel den anderen an. Er löste gleich das gesamte Halfter mit den Wurfdolchen, um es Aman zu reichen. Wenn sie ihn wirklich gründlich durchsuchten, half es nichts, etwas verbergen zu wollen. Schließlich stand Kazel nur noch in seiner verbliebenen Lederrüstung vor den Dunkelelfen. Seinen Harnisch hatte er ja stinkend in der Stillen Ebene irgendwo zurückgelassen. Es blieb ihm darüber hinaus nur noch der Beutel mit dem seltsamen Naschwerk, wegen dem ihn einige Leoniden des Spähtrupps bereits mehr als einmal neugierig beschnuppert hatten. Offenbar gefiel ihnen, was er mit sich führte. Ob die Dunkelelfen sich die Süßigkeiten auch noch greifen würden? Misstrauisch genug, darin Gift zu vermuten, traten sie ja auf.

Plötzlich klingelte es in Kazels Ohren. Erneut zuckten sie auf. Was war denn das nun wieder. Sein Blick fiel zuerst auf Aman, der erstmals ein anderes Verhalten an den Tag legte als geheimnisvoll und heimtückisch zu wirken. Er schien über das Glockengeläut ebenso verwirrt wie der Mischling selbst, doch Kazel konnte zumindest einordnen, dass es aus Richtung des Drachengebirges kam. Und irgendwie weckte es in ihm ein warmes Gefühl, das ihn dankbar gen Aman nicken ließ. "Danke." Hoffentlich verriet ihn das winzige Wort nicht. Kazel ließ sich behutsam auf das Knie des gesunden Beines nieder, um nach dem Verbandszeug zu greifen. Er kannte sich wenig mit Heilmethoden aus, war dem Schicksal immer weit genug entkommen, um der Notwendigkeit zu entgehen, die Kunst zu erlernen. Tatsächlich hatte er sich höchstens mal ein paar Kratzer eingefangen, die von selbst heilten. Und das Blitzgewitter an Narben auf seinem Rücken war nichts, an dem man nachhaltig noch etwas tun konnte. Umso unbeholfener zeigte er sich, als er kenntnislos den Verband um die Schusswunde legte. Er saß vielleicht ein wenig zu fest und bei Zeiten würde er ihn lockern müssen, doch das sollte Kazel noch merken. Sobald das Kribbeln anfing, weil die Durchblutung unterdrückt wurde, gäbe es schon den passenden Hinweis vom Körper selbst.
Während Kazel sich versorgte und den Beutel anschließend einfach keck an seinem Gürtel befestigte, lauschte er aufmerksam jedem noch so kleinen Wortfetzen, den er ergattern konnte, ohne selbst einen Ton zu sagen. Wer weiß, wofür ich das Verbandszeug noch brauchen kann? Aha und sie heißen also Aman, Dorun und Saerembor. Letzterer ist dieser Elf mit dem lüstern-sadistischen Blick. Vor ihm sollte ich mich am meisten in Acht nehmen.
Die Namen wollte er sich merken. Noch wusste er nicht, ob auch nur einer der drei mit sich reden ließe. Der Anführer war besonnen genug, ihn nicht gleich aus reiner Lust heraus umzubringen. Aman schien zu verschwiegen und war für Kazel daher einfach noch zu schwer einschätzbar und was Saerembor im Kopf umher ging, daran wollte der Mischlingself nicht einmal denken.

Woran er dachte, war die Hoffnung an eine Flucht. Er konnte zwar nicht rennen, aber vielleicht musste er das auch gar nicht. Saerembor brachte neben diesem nach Käfig aussehenden Wagen auch genug Pferde mit. Da sollte sich doch eines entwenden und nutzen lassen - vorausgesetzt, er käme aus seiner unliebsamen Zelle. Denn man musste ihn nicht erst dorthin bugsieren, dass Kazel wusste, wo er gleich landete.
"Ihr vergeudet meine Zeit und behindert meine Mission", gab er somit nur zurück, als man ihn wirklich hinter die Gitterstäbe verfrachtete. Kazel versuchte, seine Missbilligung kundzugeben, ohne wie ein empörtes Gör zu klingen. Dieses Extrem machte ihn nur unglaubwürdig, ebenso wie vollkommen gelassen auf seine Gefangenschaft zu reagieren. Er spazierte auf wahrlich schmalem Grat und konnte nur hoffen, dass die Dunkelelfen mit der Wahrheitsfindung ihn bezüglich blufften. Wie sollten sie hier draußen in der Weite nun auch Näheres herausfinden? Raxtian und die übrigen Belagerer hatten Pelgar doch bereits eingenommen. Sie würden dorthin reisen müssen. Warum lande ich immer wieder in der Stadt? Aller Ärger hat mit Pelgar angefangen... Aber vielleicht verschlug es ihn gar nicht dorthin. Er kannte die Route des Trios ebenso wenig wie deren Motive. Außerdem plante er bereits seine Flucht. Es war nur die grobe Vorstellung davon, sich auf eines der Pferde zu schwingen, aber das war doch schon einmal ein erster Meilenstein, den es anzustreben wert war.
Als hätte Dorun einen Blick in seinen Kopf geworfen, folgte die leise Mahnung, noch bevor Kazel endgültig in seinem neuen "Heim" angekommen war. Er sprach nicht und nickte auch lediglich knapp, um dem Elfen zu signalisieren, dass er die Warnung zur Kenntnis nahm.

Sturmadler ließ sich auf dem strohigen Boden seines Käfigs nieder und legte den Rücken leicht an die Stäbe hinter ihm. Er gab sich der einlullenden Wirkung der Salbe hin und schloss für Momente die Augen, bevor das tiefe Blau zum Ork hinauf glitt, um ihn zu mustern. Ernst flackerte in seinem Blick. Er mochte die Geschichte der Narben nicht kennen, doch dass es keine spannende oder angenehme Erzählung war, das wusste er. Dieses Wesen erweckte allerdings nur wenig Mitleid in ihm. Sein Schicksal war dem so vieler Orks und Goblins aus Morgeria gleich. Selbst jemand wie Kazel war auf dieser Ebene durch seine Kindheitserziehung abgestumpft. Er wusste, dass der Ork ihn tötete, wenn sein Herr nur laut genug den Befehl gab - wer immer Herr dieses Kolosses wäre. Er sah nicht danach aus, kein Sklave zu sein. Vielmehr demütigte man ihn mit diesem Gerüst, das seinen Mund zu einem nicht enden wollenden Quell des Speichels machte. Die gezogenen Hauer ließen ihn auf den ersten Blick ungefährlicher erscheinen, aber das täuschte. Ein Ork besaß selbst in diesem devoten Zustand noch immer genug Kraft, elfische Rippen zu brechen. Kazel wollte diese Erfahrung nicht machen.

Nun hieß es warten. Warten und Ruhen. Viel mehr konnte der Elf in seiner Situation nicht tun, also machte er das Beste daraus. Etwas ERholung zu bekommen, würde ihm sein Körper nur danken, vor allem die angeschossene Wade. Unbewusst rieb er immer wieder mit der linken Hand am Verband herum. Es brannte dank der Salbe nicht, aber der Schmerz blieb als stetes Pulsieren präsent genug, um Kazel am Schlafen zu hindern. So döste er ein wenig. Das dunkle Trio zu beobachten war schließlich nicht sehr interessant, während sie ihr Lager aufschlugen und die Gespräche erreichten seine Ohren nicht.
Erst als sie die Wachen einteilten und sich der Ork unterhalb des Wagens zum Schlafen legte, regten sich auf die Sinne des Gefangenen. Saerembor und Aman befanden sich in Hörrreichweite. Kazel positionierte sich neu, rutschte ein wenig auf die Seite, um das Ohr besser in ihre Richtung zu justieren. Dann lauschte er mit halb geschlossenen Augen. Die letzten Satzfetzen, jene des Sadisten, ließen auf sein weiteres Misstrauen gegenüber Kazel schließen. So gefährlich und unliebsam gerade dieser Mann war, so sehr musste Kazel wohl gerade sein Vertrauen gewinnen. Es käme ihm nur zum Vorteil, wenn Saerembor unvorsichtiger wurde.
Als sich Aman schließlich entfernte und kurz den Blickkontakt zu Kazel suchte, reagierte dieser nicht. Sollten sie ruhig denken, er döse noch immer. So würden sie sich nur unbeobachtet fühlen und vielleicht häufiger in seiner Nähe sprechen, wenn sie glaubten, er schlief. Er verharrte in seiner Haltung, hatte im Grunde nicht einmal vor, sich allzu früh zu regen, obwohl ihm der Sinn danach stand, über ein Gespräch sich langsam Vertrauen zu erschleichen. Doch da lenkte ihn etwas ab. Es glitzerte, funkelte, obwohl in der Dunkelheit doch nichts sein konnte, was sich auf ihm hätte reflektieren können. Was war das? Kazel schob in langsamer Bewegung die Finger vor und zog einen einzelnen Halm aus Stroh zwischen den Ritzen hervor. An jenem hing ein dünner, goldener Faden. Wie schön er war. Er erinnerte den Elfen unwillkürlich an Xenia. Vielleicht, weil sie blonde Haare besaß oder eine Erhabenheit ausstrahlte, wie es auch dieser feine Zwirn in der Lage war. Dann fiel es ihm ein. Das goldene Schimmern erinnerte Kazel an sein Löwenamulett. Hatten die Elfen es ihm entwendet? Er wusste es nicht mehr, glaubte aber, es nicht auf dem ausgebreiteten Tuch gesehen zu haben. Sogleich fuhr seine Hand erschreckt an den Hals. Es fehlte, ebenso wie das sanfte Gewicht, das ihm bisweilen begleitet hatte, weil er es als Kette trug. Nun war es fort. Verloren... Das zumindest konnte er nur hoffen, atmete darüber aber irgendwie beruhigt aus. Es hätte sein Lügengewirr sicherlich zunichte gemacht, wenn man ein solches Amulett bei ihm gefunden hätte. Wohlmöglich wäre er sofort mit der Bruderschaft oder den Leoniden in Verbindung gebracht worden. Da war ein Faden doch unauffälliger. So winzig er war, Kazel wollte ihn behalten und löste ihn vom Stroh. Es erforderte sehr viel Geschick, bis er den dünnen Zwirn an seinem Gürtel befestigt hatte, ohne dass er zerriss. Welch jämmerliche Habe, aber sie erfüllte ihn irgendwie mit neuer Hoffnung. Dass der gehaltene Strohhalm daran schuld war, konnte Kazel schließlich nicht ahnen.
Nun hatte er sich bewegt. Nun war etwas Zeit ins Land gezogen. Er hob den Kopf an, als erwache er soeben aus seinem Dämmerschlaf. Suchend glitt das Augenpaar über den Schnee. Stand Aman immer noch in der Nähe? "He ... Ork", raunte der Mischling. Nicht, weil er viel mit dem Geschöpf sprechen wollte. Er prüfte die Tiefe des Schläfers. Dann schaute er sich erneut um, erhob etwas die Stimme, so dass er einfach ins Nichts hinein sprach: "Gab es Streit?" Ihm waren die geballten Fäuste Amans noch in Erinnerung und entweder würde dieser sich zu Kazel bequemen, vielleicht sogar antworten oder Saerembor lauerte nur darauf, sich ihm zuzuwenden. Wie auch immer, der Sturmadler musste zusehen, dass er endlich seine Flucht einleitete. Mit allen Mitteln...
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Dienstag 13. Januar 2015, 19:53

War es Glück gewesen, dass der heimatlose Mischlings-Elf sein Amulett verloren hatte, bevor die Dunkelelfen ihn durchsucht hatten? Oh ja, in der Stille der Nacht hatte er jede Menge Zeit sich alle nur erdenklichen Szenarien auszumalen, was passiert wäre, wenn sie es bei ihm entdeckte hätten! Sein Volk war nicht dafür bekannt mit den „Wächtern des Lichts“ zart umzuspringen, was wohl auf Gegenseitigkeit beruhte. Trotzdem hatte das Schicksal ihm einen Funken Hoffnung in Form eines goldenen Fadens geschenkt, also war er auch noch lange nicht gewillt aufzugeben!
"He ... Ork"
, raunte der Mischling. Nicht, weil er viel mit dem Geschöpf sprechen wollte. Er prüfte die Tiefe des Schläfers. Es kam zwar keine Antwort, denn wie sollte dieses versklavte und gefolterte Wesen mit dem Gestell im Maul auch verständlich sprechen können, aber das Röcheln und Schnaufen seines Atems veränderte sich merklich. Er war wach. Wenigstens war er ein stiller Zuhörer und würde einem nicht dazwischen reden. Auch vermochte er nicht das was er hörte so einfach wieder zu geben, sofern das Gestell seinen Kiefer auseinander hielt. Eingewachsen wie es in seine Lippen war, nahm es sein Herr und Meister auch nur selten, wenn nicht eher niemals ab. So war einzig ein einzelner Laut des Missfallens zu hören, sofern man ihn als solchen deuten mochte. Nach einer Weile ging der Atem unter dem Wagen wieder gleichmäßig und Kazel schaute sich erneut um. Der Schnee fiel nun gleichmäßig stark und tauchte die Nacht in sein lichtes Grau. Aman hatte sich dem Wagen genähert, lehnte an einem Baum und betrachtete seine eigenen Fußabdrücke im Schnee. Kazel erhob etwas die Stimme, so dass er einfach ins Nichts hinein sprach, aber die Anderen nicht weckte.
"Gab es Streit?"
Ihm waren die geballten Fäuste Amans noch in Erinnerung und entweder würde dieser sich zu Kazel bequemen, vielleicht sogar antworten oder Saerembor lauerte nur darauf, sich ihm zuzuwenden. Bei zweiterem war er sich leider sehr sicher. Wie auch immer, der Sturmadler musste zusehen, dass er endlich seine Flucht einleitete. Mit allen Mitteln … und Aman machte einen Fehler. Einen Fehler, den man vielleicht seiner „Jugend“ zuschreiben konnte, denn ein erfahrener Wächter hätte Kazel gewiss einfach ignoriert, doch das war Aman wohl noch nicht. Seine Stärken lagen definitiv wo anders. Vielleicht war es sogar seine erste Mission außerhalb Morgerias, wer wusste das schon? Vielleicht hatte ihn das Licht des einsam am Himmel stehenden Sterns auch gesprächig gemacht? An seinem Verhalten konnte man jedoch erahnen, dass er noch nie die Wache über einen Gefangenen übernehmen musste. Er ignorierte nicht die Worte und kam ein paar Schritte näher um sich wieder an einen einsam stehenden Baum zu lehnen.
„Seid still! Behaltet eure Ohren lieber bei euch und alles andere auch, wenn ihr nicht enden wollt, wie DAS da.“
Seine linke Hand zeigte grob die Richtung des Orks an.
“Euch gehen unsere Gespräche nichts an und ihr tätet gut daran dazu zu schweigen.“
Wenigstens war er so schlau, nicht gleich seine ganze Lebensgeschichte und sein Herz bei einem Gefangenen auszuschütten, nur weil der danach fragte. Irgendwo im Gehölz raschelte es und die weiße Eule wechselte ihren Platz. Gleich einem geisterhaften Schatten flog sie von einem Baum zum nächsten und thronte dann über Amans Kopf. Dieser sah kurz zu ihr hinauf und seine Lippen formten ein paar lautlose Worte im Gebet. Seine Schwerthand ging ein eine verborgene Stelle an seiner Brust. Vielleicht war Kazel das Glück der Nacht doch noch hold, die Hoffnung hatte ihn auf jeden Fall noch nicht verlassen. Einen Gläubigen Manthalas konnte man bestimmt irgendwie manipulieren.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 6. Februar 2015, 14:43

Mit einem letzten Blick auf dem Ork legte Kazel seine Arme um den Körper. Er fröstelte, bereute es nun, den Lederharnisch zurückgelassen zu haben. Selbst wenn er nach Urin stank und Leoniden vermochten, bestialische Körperflüssigkeiten zu entwickeln, so hätte das Leder ihn nun gewärmt. Er mied es, sich zu dicht an die Gitterstangen zu lehnen. Die Wetterbedigungen würden diese bald richtig auskühlen. Allein der Gedanke daran ließ ihn innerlich zittern.
Da kam jede Abwechslung Recht und sei es auch nur, dass er etwas Anderes als das herab rieselnde Weiß sah. Zwei sich unterhaltende Dunkelelfen beispielsweise, die offenbar eine Meinungsverschiedenheit hinter sich hatten. Eben nach dieser fragte er auch den doch sonst so ruhigen Vertreter der drei Halunken - diesen Aman. Seine Warnung nahm er ohne jede Regung zur Kenntnis. Das hatte Kazel gelernt - neutral, bisweilen sogar emotionslos zu schauen. Zwar hatte er sich in den letzten Wochen - Monaten vielleicht sogar! - nur allzu sehr seinen wieder entdeckten Gefühlen hingegeben, aber lang genug hatte er jene auch unter Verschluss gehalten. Es war wie mit dem Dolchkampf. Man verlernte ihn nicht, musste sich nur wieder seiner Fähigkeiten bewusst werden, um sie aktiv anzuwenden. So blickte er Aman lediglich entgegen, erlaubte sich auf seine Worte hin nur ein weiteres, flüchtiges Huschen seiner Augen auf den Ork. "Wie kann er so essen?" Das interessierte Kazel wirklich, denn mit dem Kiefergestellt konnte er sich schwerlich vorstellen, dass der Ork zu kauen in der Lage war. Und es sah nicht so aus, als nähme ihm Saerembor das Folterinstrument ab, um ihn seine Mahlzeiten genießen zu lassen. Schlucken funktionierte vielleicht. Bekommt er nur Flüssignahrung? Selbst ein Schlinger wie die Orks würde doch bei großen Stücken Schwierigkeiten haben.
Die Konzentration kehrte zu Aman zurück. Sollte er ihm eine dreiste Antwort geben? Jede Freundlichkeit würde ihn bei den Dunklen nur verdächtig machen. Vielleicht kauften sie ihm eher ab, einer der ihren zu sein, wenn er sich auch gab wie sie. So antwortete der Mischling: "So? Auch meine Angelegenheiten gehen euch nichts an und doch sitze ich als Gefangener hinter euren Gittern. Ihr habt euch eingemischt, ihr haltet mich auf. Kann ich nun also erwarten, dass man mich freilässt, damit ich meiner Mission weiter folgen kann?" Er ließ die Worte einen Moment lang sacken. Dann fügte er an: "Auf dem engen Raum kann ich doch um jede Abwechslung dankbar sein. Wovor habt Ihr Angst? Dass ich es dem Schoßork ausplaudere?" Kazel verzichtete auf ein Lächeln. Er hätte kein allzu Listiges hinbekommen. Lediglich in seinem meerblauen Blick funkelte etwas auf. Er gab sich so entwaffnend wie es ihm möglich war, mochte Aman doch nach dem ersten Eindruck nicht viel älter sein als er selbst. Einem Elfen sah man sein Alter ja grundlegend nicht an. In Kazels Fall war es gut. Die meisten seiner Art hätten ihn garantiert noch als Kind abgestempelt. Ein Kind, das in einer brenzligen Situation war und aus dieser wieder hinaus musste. Ein Kind, das zurück zu seinem Spähtrupp musste ... und zu der Mutter seines eigenen Kindes.
Wie oft meine Gedanken bei ihr sind! Kazel blinzelte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Dienstag 10. Februar 2015, 10:16

"Wie kann er so essen?"
Die Konzentration kehrte zu Aman zurück, der auf die riesigen Hände des Orks zeigte und nur leicht mit den Schultern zuckend meinte:
„Die sind doch gesund.“
Amans folgende Warnung an Kazel konterte dieser wie ein geborener Rhetoriker und Dunkelelf.
"So? Auch meine Angelegenheiten gehen euch nichts an und doch sitze ich als Gefangener hinter euren Gittern. Ihr habt euch eingemischt, ihr haltet mich auf. Kann ich nun also erwarten, dass man mich freilässt, damit ich meiner Mission weiter folgen kann?"
Er ließ die Worte einen Moment lang sacken, beobachtete sein Gegenüber und erntete ein sarkastisches Grinsen. Aman würde ihn also sicher nicht frei lassen! Dumm war dieser Mann nicht. Dann fügte er an:
"Auf dem engen Raum kann ich doch um jede Abwechslung dankbar sein. Wovor habt Ihr Angst? Dass ich es dem Schoßork ausplaudere?"
Der Dunkelelf neben seinem Käfig musterte ihn eindringlich. Vielleicht wägte er ab, wen er da wirklich vor sich hatte? Er schien nicht auf die Provokation eingehen zu wollen und lehnte sich wieder an seinen Baum.
„Ihr sprecht zwar wie einer von uns, aber ihr seht nicht so aus. Entweder ihr lügt zu gut, oder zu schlecht. Vielleicht seid ihr ein Spion oder ein Verräter, aber das alles wird sich morgen Mittag zeigen.“
Er lächelte schmal und ließ die unterschwellige Information, dass morgen Mittag wohl irgendetwas geschehen würde, in der Luft hängen.
„Und was den „Schoßork“ angeht … so solltet ihr froh sein, dass ich Wache halte.“
Sein Blick wanderte angewidert zu dem Wesen, dann zum Lagerfeuer und zu Saerembor. Sein Stimme wurde zu einem Flüstern, das wohl kaum noch dem Mischlingselfen galt.
„Wenn ich nicht wäre, würdet ihr morgen früh wünschen tot zu sein.“
Nach einer kleinen Pause fügte er dann doch noch hinzu:
„Wenn ihr der seid, der ihr vorgebt zu sein, dann solltet ihr dankbar sein, dass entschieden wurde, euch in den Käfig zu sperren, denn nicht jeder glaubt euch hier und das war auch der Grund unseres kleinen Disputes, den ihr wohl mit angehört habt. Es ist zu eurem Schutz. Wenn ihr das seid, was ihr sagt, dann werdet … ihr uns noch eine ganze Weile begleiten und die kalte Ruhe dieser Stäbe zu schätzen lernen.“
Sein Gesicht wandte sich dem Sturmadler wieder zu und tatsächlich lag so etwas wie Bedauern auf diesen kühlen Zügen. War Aman die „gute“ Seele in dieser kalten, dunklen Nacht?
„Wenn nicht ...“
Er zuckte abermals mit den Schultern und sah zu dem „Tier“ unter Kazels Wagen. Damit schien für ihn alles gesagt zu sein und er stieß sich mit einem Ruck vom Stamm des Baumes ab. Langsam zog er seine Kreise um das Lager, beobachtete die Umgebung und ließ dabei auch den Gefangenen nicht aus den Augen. Saerembor saß die meiste Zeit am Lagerfeuer und genoss die Wärme. Seine Wangen waren fettig und sogar leicht violett gerötet von der Strahlung des Feuers. Immer wieder beobachtete er Kazel, leckte sich die Lippen und als sich ihre Blicke einmal trafen, warf er ihm einen Luftkuss zu. Sein Lachen drang kehlig hoch an Kazels Ohr, aber sonst geschah nichts weiter bis zum Wachwechsel. Als Aman in das Zelt verschwand, den Anführer weckte und Saerembor sich zu Ruhe legte, sah bald darauf Dorun nach seinem Gefangenen und weckte den Ork mit einem leichten Fußtritt. Der Koloss erhob sich umständlich und nahm seine erhöhte Position auf dem Kutschbock wieder ein. Er griff in eine Tasche und zermatsche zwischen seinen gewaltigen Händen eine Portion Gammelfleisch um sie sich Stück für Stück in den Rachen zu werfen. Der Gestank war fast so ekelerregend wie der Anblick, doch unter Doruns scharfem Blick wollte Kazel sich sicher keine Blöße geben. Der Anführer der drei Dunkelelfen kreiste wie zuvor Aman um das Lager und die Nacht schritt voran.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 25. Februar 2015, 14:27

Kazel betrachtete sich die Pranken des Orks. Ja, die waren in Ordnung soweit, aber von gesund wollte er nicht sprechen. Vielleicht aus Sicht eines Heilkundigen, der die Bestie untersuchte. Für jeden, den der Ork zwischen diese gewaltigen Pfoten bekäme, wären sie garantiert ungesund. Doch das beantwortete die Frage des Elfen nicht wirklich. Er fragte sich, wie der Ork imstande war zu kauen. Er sollte es herausfinden. Der Ork wurde angesichts der weiteren Unterhaltung mit Aman allerdings recht schnell uninteressant. Tja, da war wieder das altbekannte Problem. Er sah nicht wie ein typischer Dunkelelf aus, aber dem anderen nun sagen, dass er ein Mischblut und sein Vater ein Waldelf gewesen war, konnte er natürlich nicht. Nicht, wenn er noch etwas Hoffnung auf ein Überleben haben wollte. Es half nichts. Kazel musste sein Lügennetz weiterspinnen. Oh, so viel hatte er noch nie am Stück herumgesponnen. Er kam sich schon vor wie an einem Lügenwebstuhl, an dem er zusah, wie sein Teppich länger und länger wurde, je häufiger er den Mund öffnete. Er musste hoffen, dass man ihm weiterhin seine Worte auch abkaufte.
So stieß er fast spöttisch lächelnd die Luft durch die Nase auf. Er machte einen Schritt in seinem engen Käfig, auf Aman zu, soweit es eben möglich war. Seine Hände legten sich um die Stäbe, allerdings nur kurz. Die Temperaturen hatten sie fast gefroren und Kazel lief ein eisiger Schauer den Rücken herunter, einzig weil er sie berührt hatte. Er fror. "Immerhin seid Ihr klug genug, mich erst drauf anzusprechen und nicht gleich abzustechen, weil Ihr Euren Augen mehr als Euren Ohren glaubt." Er holte Luft, hauptsächlich um Zeit zu gewinnen, in der er zur inneren Ruhe zurückfinden konnte. "Denkt weiter nach. Natürlich würde mein Auftraggeber seine Mission nicht an einen geben, der wie ein Dunkelelf aussieht, um sich in die feindlichen Reihen zu schleichen. In Morgeria mochte es Nachteil sein. In diesem Feldzug gereicht es mir zum Vorteil ... dachte ich. Aber ich sehe es positiv. Wenn selbst die meinen mich für einen weichlichen Waldelfen halten, ist die Tarnung perfekt. Und nun lasst mich raus!" Die Forderung sollte wenig verzweifelt, sondern dominant klingen. Das war nicht gerade Kazels Stärke. Wann hatte er schon mal einen Anführer oder jemanden von derartiger Wichtigkeit heraushängen lassen? Aber Aman würde ihn vermutlich auch ohne die Aufforderung nicht freilassen. Er glaubte ihm nicht. Kazel biss sich auf die Unterlippe, knetete sie mit den Zähnen. Bis morgen Mittag wollten sie ihn hierlassen. Na, immerhin haben die Leoniden dann einen Vorsprung. Er hatte getan, was er konnte. Dass er dabei seine Freiheit, vermutlich sein Leben, gesetzt und verloren hatte, hing wie ein Dolch über ihm. Irgendwann würde er tödlich niederstürzen. Mit bitterem Beigeschmack wurde Kazel bewusst, dass er seinen Nachwuchs nicht mehr sehen würde. Diese Erkenntnis schmerzte ihn mehr, als er es für möglich gehalten hätte.
"Wessen Idee war es, mich anzugreifen, einzusperren und nun ... wer-weiß-wohin zu bringen?", zischte er auf und legte dabei all die bitteren Verlustgedanken ob seines Kindes und Janay in den Tonfall. "Denn glaubt mir, ich werde mich bedanken ... auf meine Art. Und derjenige von euch kann froh sein, dass der Dank von mir und nicht meinem Meister kommt." Eine dumme Idee, Dunkelelfen einschüchtern zu wollen, aber sprachen sie nicht immer so miteinander? Morgeria hatte sich in dieser Hinsicht seit seiner Flucht doch bestimmt nicht geändert. Es half alles nichts. Aman wandte sich ab, um eine kleine Patrouille durch das Lager zu laufen. Seufzend ließ sich Kazel mit dem Rücken gegen die Stäbe sinken. Für den Moment spürte er die Kühle nicht, was auch seinem Narbengeflecht auf dem Rücken zu verdanken war. Das taube, tote Fleisch ließ kaum ein Kälteempfinden durchdringen, jedenfalls nicht so schnell. Dafür fror der Rest von ihm und der Mischling schob sacht bibbernd die Arme um den Leib. Er schaute erst gar nicht zum Lagerfeuer hinüber. Die Sehnsucht nach den Flammen würde ihn kein bisschen aufwärmen, also wollte er sich der Versuchung gar nicht erst hingeben, hinzuschauen. Aber Kazel war auch nur ein Elf. Er fror im Schnee wie jeder andere auch und so hoben sich die meerblauen Augen irgendwann doch mal zur Lagerstelle. Sein Blick kreuzte den des sadistisch anmutenden Elfen, Saerembor. Ein Luftkuss flog auf ihn zu.
Soll ich alles oder nichts wagen? Was hab ich schon noch zu verlieren? Dein Leben, du Idiot! Sein Gewissen mahnte ihn. Die Kälte motivierte ihn. Also ging er das Wagnis ein. Eine Hand löste sich aus der Verschränkung um gespielt den unsichtbaren Luftkuss aufzufangen. Als hätte er ihn wirklich erwischt, steckte er ihn sich in eine nicht vorhandene Brusttasche und suchte wieder Saerembors Blick. "Der wird mich warmhalten, wo es sonst niemand tut." Er rang sich ein schiefes Grinsen ab und irgendwie wurde ihm wirklich warm. Natürlich! Immerhin spielte er hier sehr gewagt mit dem Feuer. So glaubte er, aber es geschah nichts weiter. Saerembor verschwand irgendwann, um sich zur Ruhe zu legen und der dritte im Bunde erschien. Anführer Dorun, der sofort den Ork weckte. Natürlich unsanft. Kazel verzog keine Miene, beobachtet nur mit stiller Faszination, wie das bedauernswerte Geschöpf seine Mahlzeit zu sich nahm. Aber Kazel hatte nicht lange Mitleid mit dem Ork. Der Geruch seiner Ration stach ihm in die Nase, dass er jene rümpfte und den Kopf abwandte. Das Zeug roch widerlich! So wenig er sich eine Blöße geben wollte, da waren die Reflexe schneller als die Selbstbeherrschung. Er fragte sich, was man dem Ork da zu Essen gab. Von wem auch immer das Fleisch stammte, derjenige war wohl bereits vor Wochen gestorben!
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 25. Februar 2015, 20:30

(Martyrium)

Es war ein kaltes Gefängnis und die wenige Kleidung, die der Mischling am Lebe trug, bot wenig Schutz vor Venthas eisigen Fingernägeln. Er kauerte in seinem Käfig und folgte dem Anführer Runde um Runde auf seiner Wacht. Dorun mied seine Blicke und wenn sie sich trafen, dann nur kurz und kalt. Ein Gespräch anzufangen war unmöglich. Als Gefangener, der er nun einmal jetzt war, hatte er jedoch jede Menge Zeit. In Gedanken ging er noch einmal das Gespräch mit Aman durch, der sich als einziger zu ihm gesellt hatte. Der Dunkelelf war definitiv noch jung an Jahren, vielleicht sogar in seinem Alter. Kazel hatte vehement und dominant um seine Freilassung gefeilscht und Aman hatte nur mit den Schultern gezuckt. Es lag nicht in seiner Macht das zu entscheiden und er war wohl nicht der Typus von Dunkelelf, der nicht wusste wo sein Platz in der Hierarchie lag. Ein anderer hätte sich vielleicht provoziert gefühlt, oder gar eingeschüchtert, doch Aman war ungewöhnlich treu in seinem Verhalten. Er würde sich wohl nicht so leicht gegen seinen Anführer stellen, der vielleicht sogar sein Vater war?
Saerembor war da von einem anderen Kaliber. Als Sturmadler spielerisch den Luftkuss auffing, sog dieser scharf die Luft ein und biss sich sichtbar heftig auf die Unterlippe. Seine Hände wanderten instinktiv in seinen Schoß und man konnte deutlich den Widerstreit in seinen Augen sehen. Allein Amans Wacht hatte Kazel vor seinem Übergriff diese Nacht bewahrt. Doch nun da er diesem Mann ein Zeichen seiner Zuneigung gegeben hatte, was würde dieser sich einfallen lassen um sich seiner zu bemächtigen? Es war sicher nicht nur die Kälte des Windes, die in diesen nebulösen Gedankengängen, einem das Herz gefrieren lassen konnten. Erinnerungen aus seiner Heimat lagen blank und nackt ganz nah unter der Oberfläche. So nah, dass ein Kratzer die dünne Haut zum Bewusstsein zerreißen konnte. Vielleicht trug dieser heimatlose Gefangene ja noch das ein oder andere Bild des Grauens in sich? Auch wenn die Narben seines Rückens jede Empfindsamkeit verloren hatten, so hatte er doch in den letzten Jahren gelernt genau auf diese seine Empfindungen zu hören. Saerembor war das Übel dieser Gruppe. Er würde die Hand sein, die Schmerz versprach und den Albtraum brachte. Nur lag die wage Ahnung bereits schon jetzt in der Luft, dass dieser Mann kein schnell endender Albtraum sein würde, sondern grausame und eiskalte Realität. Einzig die Tatsache, dass er nun schlief, brachte auch Kazel etwas Ruhe. Vielleicht war es auch die Kälte, die ihn schläfrig machte.
Er hatte Dorun nicht bemerkt, er war müde geworden und sah nun nahe dem Ende der Nacht zu seiner Gestalt hinauf. In seinem Rücken leuchtete der Schein des Feuers und tauchte sein Gesicht in Schatten. Etwas wurde ihm entgegen gehalten und er griff mechanisch danach. Seine Finger spürten die Weiche eines Fells und sein Daumen die glatte Haut von Leder. Dorun hatte ihm eine Felldecke gebracht und Kazel hüllte sich sofort in sie ein. Kaum umschloss das weiche Fell seinen Körper begann das unwillkürliche Zittern seiner Muskeln. Selbst wenn er hätte versucht zu sprechen, so wäre nur ein leises Klappern seiner Zähne zu hören gewesen. Dann kam das erste zarte Stechen tausend kleiner Nadeln, die sein Fleisch erwärmten und in Hände und Füße stachen. Mit jedem Herzschlag wurde es um ihn wärmer und weicher. Die Erschöpfung machte sich breit. Dorun war wortlos weiter gegangen und stand gerade am Lagerfeuer, als Kazel endgültig die Augen zu fielen. Zu lange hatte er gegen den Schlaf gekämpft und erlag nun dem kleinen Tod.

Talimées Gesicht, das vertraute Lächeln der Waldelfe sah auf ihn hinab, als schwebte auch nur ihr Gesicht körperlos irgendwo im Nirgendwo. Sie war die Dienerin von Janay und Hellseherin. In diesem Dunkel war sie wie aus Sand gemalt. Winzige Sandkörner, allesamt schwarz und wie aus Kristall formten mit ihrem dunklen Schein ihr Gesicht. Sie lächelte. Dann begannen ihre Züge zu verlaufen und der Sand setzte sich in Bewegung. Sie sah ihn an, als wollte sie ihm sagen, er solle sich nicht sorgen, alles wäre gut und doch verlor sie sich, verlor sie ihn, verlor er sie. Zurück blieb ein leeres Stundenglas.

Irgendetwas hatte ihn geweckt. Hektisch versuchten seine Augen zu fokussieren, wo er war, was sich um ihn herum abspielte. Schnell erkannte Kazel, dass der Albtraum leider kein Ende genommen hatte, sondern sah das breite Grinsen Saerembors nicht weit von ihm. Doch was ihn geweckt hatte, war etwas anderes. Der Wagen schaukelte noch leicht nach und Kazel sah nach oben, dorthin, wo der Ork hätte sein müssen. Der Platz war leer und nur die beiden schwarzen Kaltblüter stampften etwas unruhig den Schnee zu ihren Hufen platt. Etwas musste sie nervös gemacht haben. Der Morgen war schon angebrochen und Saerembor und Aman bereiteten gerade eine Mahlzeit zu. Es roch leicht nach backendem Teig und etwas Süßem. Aman holte gerade ein paar Streifen Trockenfleisch aus einer Tasche und reichte sie seinem Gegenüber.
„Mach keinen Blödsinn!“
„Ich doch nicht.“

Der Folterknecht stand auf und näherte sich langsam und jeden Schritt genießend Kazels Unterkunft. Er trug einen hölzernen Teller mit zwei kleinen handtellergroßen Fladen und drei schmalen Scheiben Dörrfleisch darauf.
„Guten Morgen, Schönheit.“
Die Spiele waren eröffnet.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 27. Februar 2015, 17:34

Es war der Kälte verschuldet, die Kazel letztendlich hatte einschlafen lassen. Sie sorgte neben tauben Gliedern auch nach dem Wunsch des ewigen Schlafes, über den Herrin Manthala keine Macht mehr besaß. Dies war das Reich des Gevatters und wo der Elf weiterhin kämpfte und versucht hatte, sich durch das Beobachtens Doruns wach zu halten, war sein Körper immer weiter heruntergefahren. Die Kerntemperatur sank. Er spürte kaum noch den Schmerz in seinen Fingergliedern, die sich allmählich von rötlich ins Blaue färbten. Ohne das wärmende Fell des Dunkelelfen wäre er entweder erfroren oder hätte sich zumindest üble Erfrierungen zugezogen. So aber genügte es, sich darunter zu schmiegen und wieder allmählich aufzutauen. Wärme lullte ein. Er hatte sich diesem Gefühl irgendwann einfach nicht länger erwehren können und war eingeschlafen.
Nun aber erwachte Kazel, nahezu ruckartig. Dumpf hallte das Bild Talimées in seinem Kopf wieder. Er blinzelte seicht. Diese Konturen, die aus den winzigen schwarzen Sandsteinchen vorgetreten waren. Er mochte die Elfe nicht gut kennengelernt haben, aber er hatte sie im Traum sehr deutlich erkannt. Mit einer gewissen Orientierungslosigkeit hob Kazel den Kopf an. Wo befand er sich? Warum träumte er von dieser Talimée? Nur langsam wie zähflüssiger Honig, der von einem Löffel tropfte, kehrte er in die Realität zurück. Ebenso langsam erhob er sich samt des wärmenden Felles in seinem Gefängnis. Die Bilder der Nacht fielen allmählich von ihm ab, so dass er sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren konnte. Suchend glitten seine Augen über die Umgebung. Er fand den Ork nicht vor, entdeckte nur die Lasttiere, die dumpfe Geräusche bei jedem Huftstampfen in seinem Schädel hinterließen. Gleichermaßen hatte er ein dumpfes Gefühl in der Bauchgegend. Dort zog sich sein Magen zusammen, der Hunger signalisierte, nachdem er das köstliche Aroma seitens des Lagers aufgesogen hatte. Dass Saerembor ihm eine Mahlzeit brachte, kümmerte ihn daher im ersten Moment nur wenig. Nahezu dankbar, denn dieser Dank war aufrichtig, blickte er dem Dunkelelfen entgegen. Erst dann schaltete sich sein Verstand warnend ein: Sieh dich vor! Er nickte sich selbst zu und holte tief Luft, als der Elf vor seinem Gitter zum Stehen kam.
Der Mischling erwiderte zunächst nichts, doch Saerembor mochte die Überraschung ob des Grußes als Aufblitzen in seinen Augen bemerkt haben. Da wurde selbst oder gerade jemand wie Kazel perplex. Seine mandelfarbenen Wangen nahmen ein dezentes Rot an. Schönheit hatte ihn noch nie jemand genannt, erst Recht kein Dunkelelf. Dass er an dieser Stelle ansetzen könnte, wurde ihm im ersten Moment gar nicht bewusst. So stand er bisweilen verdattert vor dem Sadisten, für den es offenbar ein Genuss sein mochte, ihn so zu manipulieren. Darüber hinaus verwirrte es ihn, dass dieser Geselle Männern zugetan schien. Bei Kazel war das nicht der Fall und dennoch ... fühlte er sich auf bizarre Weise geschmeichelt. Nicht einmal Shantih oder Janay hatten ihn jemals "schön" genannt.
"Ihr findet mich schön?", war allein aus dieser perplexen Haltung heraus die erste Frage, die er Saerembor stellte. Dann knurrte sein Magen, der dreiste Verräter. Er konnte nicht umhin, auf die Fladen zu schauen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Samstag 28. Februar 2015, 11:27

(Hintergrundmusik)

Saerembor war deutlich näher an die Käfigstangen herangetreten als jeder seiner Wächter zuvor. Vielleicht hatte Kazels so offen ersichtliche Dankbarkeit ihn angelockt. Er lehnte sich lässig mit einer Schulter an das kalten Metall und schmunzelte amüsiert über die Reaktion des Gefangenen. Kazels Erstaunen ließ ihn voller Verzückung seinen Pelzkragen zurecht rücken. Ohne weitere Spielchen schob er den Teller durch einen Spalt nahe am Boden. Sein linker Mundwinkel hob sich deutlich, als der Mischling seine Gegenfrage stellte:
"Ihr findet mich schön?"
Seine Schultern waren mit Schnee bedeckt und er knetete mit den Fingerspitzen seiner Handschuhe einen kleinen Kluppen der weißen Masse, den er sich von den Ärmeln geklopft hatte. Er ließ die Frage in sich wirken und lächelte in sich hinein, während der Gefangene Zeit zum Essen fand. Die Fladen stellten sich als sehr nahrhaft heraus. Hafer und andere Samen hatte man in der Pfanne zerdrückt und mit getrockneten Früchten zu einem flachen und sehr festen kuchenartigen Gebäck gebacken. Zu Trinken gab es einen dargereichten Wasserschlauch oder reichlich Schnee. Kazel bemerkte an der Betreuung und der Sorgfalt mit dem sie ihn behandelten, dass er zumindest nicht als Sklave angesehen wurde. Bevor es diese besagte Überprüfung nicht gegeben hatte, würden sie ihn also nicht erfrieren, verhungern lassen oder anrühren, so hoffte er. Saerembor beobachtete ihn beim Essen. So aus der Nähe betrachtet war er eben ein klassischer Dunkelelf. Schön auf eine grausame Art, kalt und mystisch in seiner Ausstrahlung. Körperlich war dieser Mann bei bester Gesundheit, soweit man es unter dem geöffneten Mantel erkennen konnte. Breite Schultern, ein Keilförmiger Oberkörper und ein schmales Becken, ließen ihn wohl proportioniert da stehen. Lange, schlanke Glieder vervollkommnten das Bild. Seine hellen, Fliederfarbenen Haare und Augen standen im krassen Gegensatz zu der dunkelbraunen, grau schimmernder Haut. Die gerade Nase, das strenge Kinn und die scharf geschnittenen Brauen gaben seinem Gesicht eine Härte, die die sanfte Linien seiner Lippen Lügen strafte. Sein Mund war von einer Weiblichkeit, dass er schon fast verwirrend war. Ebenso wie die ebenso Mandelförmigen Augenstellung wie bei Kazel. Der Blick wie er ihn musterte war von einer Dunkelheit und Intensität, die einer Frau den Atem rauben könnte, doch war es eben keine Frau, die dieser Mann gerade begehrte, sondern ein zufällig gefangener Mischlings-Elf auf „geheimer Mission“.
Saerembor hätte gewiss der Traum dunkler Nächte für einen Mann sein können, der dies zu schätzen wusste, doch Kazels Verlangen hatte eine andere Richtung bevorzugt. Ein weiterer Umstand, der diesen sonst wirklich interessanten Mann etwas abstoßend machte, was seine Stimme. Die quietschend hohen Frequenzen mit dem etwas zu scharf ausgesprochenen „S“ taten ihm leider durchaus einen Abbruch.
„Alless zu eurer Zufriedenheit?“
Er grinste breit und musterte das Fell, das Kazel um seinen Leib geschlungen hielt neidisch.
„Na? Ssatt geworden, mein Schönster?“
Bevor eine Antwort möglich gewesen wäre, die auch nicht erwartet wurde, fuhr er mit leicht gesenkter Stimme fort:
„Oh jaaaa! Ich finde euch durchauss ssehr schön! Und das liegt nicht nur an dem kalten grau der Eissenstäbe die euer Bild so schmeichlerisch umrahmen!“
Sein charmantes Lächeln, der Schwung dieser weiblichen Lippen und das kurze Aufblitzen seiner hellen Zunge zwischen jenen, verriet seine Wünsche nur zu zu deutlich. Was aber noch viel verwirrender war, war die Tatsache, dass er anscheinend die Wahrheit sprach. Er sah einmal kurz über seine Schulter zum Lagerfeuer, wo Aman mit einem Stock das Feuer am brennen hielt. Dann sprach er leise und etwas versonnen weiter, indem er seine Hände an die Stäbe der Gitter legte, die sie trennten.
„Die Farbe eurer wundervollen, glatten Haut …Ich könnte auf ihr malen wie auf einer Leinwand. ... Ssie erinnert mich an gebrannte Mandeln, obwohl ihr einen ähnlich ssilbernen Schimmer euer eigen nennt, wie ich ess tue. Diess ist eine Eigenart die durchaus aus meinem Volk kenne und mich durchauss Glauben macht, dasss eure Geschichte wenigstenss zum Teil wahr ssein musss. Euer Blut könnte mir ssicher eine kösstliche Mischung an Aromen dieser Welt kredenzen.“
Er lehnte sich noch ein wenig näher und das Dunkel seiner Augen blitzte auf wie feurige Glut in der Nacht.
„Ich ssehe in diesen feuchten, blauen Augen, dass euch ein Mann derartige Dinge noch nie gessagt hat. Ihr schaut, wie ein scheuess Reh, sso voller Unschuld und so unwisssend drein, dasss man meinen könnte, ihr hättet noch nie die Freuden einer sstärkeren Umarmung alss die einer Frau gekosstet. Und trotzdem wart ihr mutig genug mir gesstern einen Kusss zu stehlen, den ihr noch immer an eurem Herzen tragt.“
Er wedelte leicht mit erhobenen Zeigefinger, wie es eine liebende Mutter mit ihrem Sohn tun würde, den sie bei einer kleinen Schandtat erwischt hatte.
„Vielleicht sseid ihr ja doch nicht euren eingefahrenen Gewohnheiten sso treu, wie ihr vermutet? Vielleicht sseid ihr ein Abenteurer voller Neugierde auf dass Unbekannte?“
Er zog die Brauen fragend hoch und weitete seinen Blick.
„Oder ihr sseid ein mutiger, aber dummer, kleiner Mann der ssehen will, wie weit er gehen kann.“
Saerembors Augen stachen in Kazels.
„Also. Was seid ihr, mein Schönster?“
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 4. März 2015, 18:44

Janay kommt von: Das Katz- und Mause-Spiel

Um so näher sie kamen, um so deutlicher wurde auch, dass sich dort ein Lager befinden musste. Vor dem grauen Himmel war die kleine Rauchfahne fast unsichtbar, doch Terror hatte etwas zu Fressen gewittert und sabberte fleißig alles voll, was seine Lefzen berührte. Geduckt und so leise wie Möglich näherten sie sich weiter. Nach gut einer viertel Stunde Umweg schlichen sie so anscheinend immernoch unbemerkt durch die ersten Bäume. Sie näherten sich dem fahlen Schein eines kleinen Lagerfeuers. Es gab Spuren am Boden, dort wo sie sich versteckten. Hier war des Nachts Wache gehalten worden. Die Stiefelabdrücke zeigten einem geübten Fährtenleser mindestens drei unterschiedliche Personen an. Juduka hockte dicht an Janays Seite und hielt einen niedrigen Zweig beiseite gebogen, als sie flüsterte:
„Siehst du den Wagen dort zwischen den Stämmen? Ich sehe auch ein Zelt und höre Pferdescharren. Wie soll es weiter gehen?“
Der Wind drehte und wehte ihnen den köstlichen Duft von Haferteig und Früchten entgegen. Terror winselte leise.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 5. März 2015, 09:29

So perplex er ob des grotesken Kompliments auch war, so registrierte irgendetwas tief in Kazel doch die Nähe des Dunkelelfen am Käfig. Er lehnte locker daran, ein Zeichen von Sicherheit. Er fürchtete eindeutig nicht, dass der Gefangene einschreiten würde. Warum auch? Kazel hatte weder ihm noch den beiden anderen Elfen bisher auch nur einen Grund zur Annahme gegeben, dass er gefährlich war, sah man mal davon ab, dass der Mischling nicht unbewaffnet durch die Lande gezogen war. Und noch immer besaß er gewissermaßen Waffen. Niemand hatte die Adlerkrallen entdeckt, die sich zwischen seinen Handknöcheln verbargen. Niemand hatte ihm befohlen, die Stiefel auszuziehen. So waren auch die Katzenklauen versteckt geblieben, die er nun anstelle von Zehennägeln trug und er besaß Gift in seinen spitzen Reißzähnen. Davon wusste der andersfarbige Elf allerdings selbst nichts. Vielleicht kam der Tag, an dem er es erfahren sollte. Vielleicht endete seine Reise auch bald. Es sah schließlich nicht allzu gut für ihn auch, noch dazu hatte er sich sehr bewusst an Saerembor zugewandt. Wenn dieser Kerl mit dem sadistisch-lüsternen Funkeln im Blick umsetzte, was Kazel insgeheim befürchtete, konnte es schneller vorbei sein als sie alle vermuteten.
Jetzt hast du dich in die Situation gebracht, du Idiot! Da gibt's kein Zurück mehr. Spiel weiter oder stirb. Ha, sein Gewissen hatte gut Reden. Inzwischen zweifelte er kaum noch daran, letztendlich sterben zu müssen. Trotzdem war Kazel schon immer eine Art Überlebenskünstler gewesen mit einem festen Willen. Dieser trieb ihn unbewusst an, ließ ihn nicht aufgeben, auch in seiner jetzigen Lage nicht. Wenn er für Celcia - für Pelgar, die Bruderschaft, die Leoniden, Janay und das Kind unter ihrem Herzen - irgendetwas tun konnte, dann durfte er keine Chance ungenutzt lassen.
Das Rot wich aus seinen Wangen, wohingegen Entschlossenheit in seine gesamte Mimik trat. Für Searembor musste es zwangsläufig so aussehen, als erholte sich der Gefangene soeben von dem Kompliment, das ihn überrumpelt hatte und fasste neuen Mut, die Annäherungsversuche erwidern zu wollen. Untermalt wurde diese Form der Interpretation durch seinen Blick, den er nicht von dem Dunklen lassen wollte. Zu beeindruckt und angezogen von seinem Äußeren, um dem Knurren des Magens nachzukommen und sich die Mahlzeit zu greifen? Nein, der Hunger war letztendlich größer. Noch einen Moment gab sich Kazel des Anblicks Saerembors hin, musterte ihn lang, prägte sich Einzelheiten ein. Erst dann beugte er sich nach dem Tablett. Und trotzdem aß er noch nicht. Ob es vergiftet ist? Er würde es nicht herausfinden und der alternative Tod wäre der durch Verhungern oder Unterkühlung, weil die Fastenkur bei den Temperaturen ihn zusätzlich schwächen könnte. Also nahm er es auf sich, vertilgte die Fladen und trank vom Wasser. Erst als er fertig war und sich Saerembor auch sprachlich erneut an den Mischling wandte, schenkte er ihm wieder seine Aufmerksamkeit. Er nickte. Was sollte er auf die Frage auch antworten? Dankbarkeit würde ihn als Fremden verraten, mehr noch als sein Äußeres.
Die Worte, die der Dunkelelf allerdings an den Sturmadler richtete, erzeugten einen eisigen Schauer. Er spürte ihn Zentimeter um Zentimeter seinen Rücken herablaufen, kälter noch als das Eisen seines Gefängnisses. Dieser Elf besaß eine kranke Ader, erinnerte an Raxtian Tausendtod. Was gäben beide für ein schrecklich finsteres Gespann ab! Kazel räusperte sich, um das leichte Schütteln zu unterdrücken, das ihn zu übermannen drohte. Saerembor war ihm nicht geheuer.
"Ihr irrt", antwortete er so ruhig es ihm möglich war. Das Spiel durchziehen hatte ihm auch sein Gewissen geraten und was blieb ihm im Moment anderes übrig? Vielleicht schaffte er es, Saerembor so weit zu locken, dass er es nicht mehr aushielt und aus dem Käfig holte, um ... nein, daran will ich nicht denken! Sollte es geschehen, ergab sich vielleicht die Möglichkeit zur Flucht oder zu mehr Toden. Er musste sich all dessen bedienen, was er kriegen konnte, um sein Überleben zu sichern. Bist du wirklich bereit, alle Mittel einzusetzen? Auch um deines Seelenheiles Willen? ... Ja. Andernfalls habe ich keine Seele mehr, die ich - nochmals! - verlieren könnte. Eine düstere Erkenntnis, aber auch eine, die neue Motivation schenkte. Es blieb Kazel nichts Anderes übrig. Er musste jede Karte ausspielen, die auch nur ansatzweise in Richtung eines Sieges führen könnte. So sprach er weiter: "Ich bin optische nicht gerade das, was einem unseres Volkes gefällt, ohne dass man mich zu versklaven versucht. Und jedes Mal muss ich zeigen, dass ein Dunkelelf nicht versklavt gehört." Er spielte auf sein Äußeres an und die Tatsache, dass sich Morgerianer nur dann auf hellhäutigere Elfen einließen, wenn sie diese in Ketten zur Hausarbeit, skurril brutalen Kampfspielen oder in ihr Bett zerren konnten. Um diese Fakten baute er sich eine Lügengeschichte auf. Eine, die glaubhafter machen sollte, dass er ein Dunkelelf mit falscher Hautfarbe war, der diesen Nachteil nun für sich nutzte, indem er sich auf irgendwelche Missionen zu besagten Völkern schicken ließ, die ebenso wenig einen aus Morgeria hinter ihm vermuteten, wie Dorun, Saerembor oder Aman es taten.
Der Mischling streckte den Rücken durch. Auch er versuchte sich daran, lässig zu wirken, in jedem Fall unbekümmert. "Mit dem anderen habt Ihr Recht. Die Erfahrung durfte ich noch nicht machen, was nicht heißt, dass ich nicht neugierig wäre. Dass Ihr meinen Schalk wohlwollend aufnehmt ... ist ... erfreulich." Innerlich würgte er ob seiner Worte. Er musste einmal tief durchatmen, das ließ sich nicht verhindern. Am liebsten hätte er sich abgewandt, denn auch wenn der Fliederhaarige weibliche Züge besaß, blieb er für Kazel ein Mann. Ein gefährlich sadistischer Mann, dem man nicht unbedarft den Rücken zukehren sollte. Und trotzdem drehte er sich gerade weg, verschränkte die Arme vor der Brust. Wenn Saerembor sein Gesicht nicht sah, konnte er auch nicht darin lesen. Die Konversation ließ sich so aber fortführen und vielleicht nahm dieser Kerl ihm sein Gebaren als eine Geste der Nachdenklichkeit ab. "Ich bin jemand, der noch immer den Luftkuss einer interessanten Person bei sich trägt. Wollt Ihr ihn zurück?" Das Eis wird immer dünner ... verrenn dich in nichts, was du nicht mehr aufhalten kannst. Nein, ich bin bereits eingebrochen! Jetzt heißt es, so viele von ihnen mit in die kalten Tiefen zu ziehen.
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