Weg über die Ebene

Diese große Graslandschaft liegt im Herzen des östlichen Teiles Celcias. Bei einem Unwetter verwandelt sich diese schöne Ebene in ein sehr gefährliches Gebiet, da es kaum Schutz bietet. Der große Fluss Ilfar teilt die Ebene in zwei Hälften.
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Kazel Tenebrée
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 18. Januar 2017, 07:06

Der Mischlingself beanspruchte den Gevatter ganz schön. Er starb ja mehr, als dass er ihm nutzte. Schon wieder spürte Kazel das Leben aus sich heraus sickern. Es war das letzte, das man fühlte, bevor eine unsagbare Kälte eintrat und dann friedvolle Schwärze. Letztere mochte das Gewand der zeitlosen Gestalt sein. Es legte sich über den sterbenden Körper, nahm ihm alles Leid, um die Seele an einen anderen Ort zu bringen. Kazel hatte es nun schon mehrmals mitgemacht. Langsam gewöhnte er sich daran, aber wie viele Chancen würde ihm der Tod noch lassen?
Er durfte doch noch nicht gehen. Er hatte eine Aufgabe für ihn zu erledigen, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Schwer drückte etwas in seiner Handfläche. Kazel gelang es, mit den Fingerspitzen die Sanduhr nachzufahren. Ein wenig mehr Zeit. Landrias Zeit stehlen, um was zu tun? Er starb doch! Ich bin nicht mehr in der Lage, irgendetwas... Seine immer schwammiger werdenden Gedanken drifteten nun ganz ab, als ihm neben den dunklen Schatten des Gevatters ein vertrauterer Anblick gewahr wurde. Zwar bildeten nur nebelartige und schleierhafte Konturen Janays Gestalt, doch er erkannte sie wieder. Der Anblick hätte ihm das Herz zerrissen, wenn er sich nicht gerade in einer gleichgültigen Schwebe des Nahtods befand. Was kümmerten ihn noch weltliche Dinge? Obwohl ... er hatte eine Aufgabe ... irgendwo, im Leben. Aber da war Janay! Ging es ihr gut? Vielleicht ... sie sieht so friedlich aus und ich fühle mich wohl in ihrer Nähe.
Weil er auch starb, so glaubte er. Sterben. Wieder bei Janay sein. Es klang nach einem guten Ende. Je länger er darüber nachdachte, desto zufriedener fühlte er sich. Wärme umfing ihn, erfüllte ihn von innen. Sie vertrieb die Schmerzen, vervollständigte die vorhandenen, körperlichen Schäden. Geister besaßen doch keine Verletzungen? Alles heilte. Er fühlte sich geheilt.

Kazel konnte ja nicht ahnen, dass man ihn tatsächlich heilte. Dass Juduka ihre Lichtmagie anwandte, um ihn am Leben zu erhalten. Er sah sie nicht, blickte auf ihre Lippen und doch durch sie hindurch. Nichts von dem, was sie sagte, erreichte seine Ohren. Was er sah, war Janay, deren Konturen sich jetzt ganz dicht bei ihm verfestigten. Fast glaubt er, ihre Finger an seinem Gesicht zu spüren, wie es die Schläfen berührte und er glaubte auch, sie sprechen zu sehen. Doch dann trat ein, worauf er wartete. Stille. Schwärze. Tod.

So ganz stimmte es nicht. Er war noch nicht tot. Nicht alles war schwarz um ihn herum oder bildete er sich Janays silbrigen Schatten immer noch ein? Außerdem war es auch nicht vollkommen still. Worte wirbelten durch seinen Geist. Sie lockten ihn, doch ehe Kazel sie wirklich zu fassen bekam, entrannen sie seinen Sinnen. Nur ihr Nachhall erfüllte sein Denken, dass sie sich überschlugen wie wilde Schneeflocken in einem Orkan. Es war Janays Stimme, die er hörte. Sie sprach von einem Feind, aber mehr konnte er nicht deuten. Welchen Feind meinte sie? Wer wollte sie töten? Ich war es doch ... meint sie Aman?
Noch bevor sich der Elfensohn von Wald und Dunkel einen Reim darauf machen konnte, was die wirren Worte zu bedeuten haben mochten, begann der Gevatter Tod seinerseits, ihm Reime ins Ohr tropfen zu lassen wie Wachs. Sie verfestigten sich dort, verhärteten, so dass nichts mehr hindurch dringen wollte außer der seemännischen Melodie, die der Knochenschädel auf seinen toten Zähnen zum Besten gab.
Im rationalen Zustand hätte Kazel wieder angefangen zu grübeln. Er hätte sich gefragt, was die ganzen seltsamen Blütenblätter und Flocken sollten und warum eine Gestalt, der man doch alles Ende zusagte, plötzlich den Wunsch verspürte, ihm ein Ständchen zu bringen. Zudem noch eines mit wahrlich rätselhaften Versen. Doch er träumte ... oder nicht? Starb er? Auf jeden Fall wirkte jede noch so kleine Skurillität irgendwie logisch. Nadel und Faden nehmen ... die Einzelteile zusammenfügen, denn Geister starben nicht. Man musste sie nur ...

"W..."as? Das Leben hatte ihn zurück, ein weiteres Mal. Er spürte es in jedem Knochen seines Körpers. Alle Muskeln waren verspannt und pochten. Der Elf fühlte sich wie ein einziger Krampf, aber das bedeutete, dass er lebte. Am Anfang existierte auch nichts Anderes als Schmerz. Ob sich eine Geburt so anfühlte? Ob man sich deshalb nicht daran erinnerte, weil der Schmerz so unsagbar gewaltig war, dass der Verlust der Erinnerung davor bewahrte? Und Kazel wurde nun doch irgendwie zum vierten Mal geboren. Oh, was hatte es der Tod doch nicht leicht mit ihm und das Leben erst Recht nicht. Aber er war zurück. Jede gepeinigte Faser seines Leibes machte es ihm klar, wenngleich seine Sinne am längsten brauchten, um sich dessen über die Pein hinaus bewusst zu werden.
Nach und nach kehrte auch sein Verstand ins Leben zurück.
Seine Ohren zuckten noch. In ihren klang der Nachhall des Liedes, wollte auch jetzt noch nicht wirklich verklingen. So vernahm Kazel kaum seine eigene Stimme, die doch nicht mehr als ein Wimmern unter dem Schmerz war. Ihm folgte der Geschmackssinn. Er hatte sich auf die Zunge gebissen. Es musste so sein, denn unliebsam lag die Erinnerung von Kupfer in seinem Mundraum. Als hätte er an einer Münze geleckt!
Sein Tastsinn war weiterhin halb betäubt. Und doch fühlte er, fühlte das Leben und die Erschöpfung. Er fühlte den Schmerz, sowie die Überreste an Lichtmagie, die wie warme Tropfen unter seiner Haut entlang rannen. Letzte Rückstände der heilenden Kräfte, die sich mit der Zeit ganz zurückziehen würden, setzte er sich nicht noch einmal der Magie aus. Dann sah er etwas. Zunächst verschwommen glaubte Kazel noch immer zu träumen. Da waren wieder diese silbrigen Nebelfetzen. Diese halb durchschimmernden Anteile, von denen jedes ihn irgendwie an Janay denken ließ. Er erkannte sogar ihr Gesicht darin, wenn auch nicht vollständig und just in dem Augenblick, da er im Geiste die einzelnen Teilchen miteinander formte, meinte er auch, Janays körpereigenen Geruch wahrzunehmen. Wie damals, als sie sich verbunden hatten.

Mühsam versuchte er sich zu rühren. Ein innerer Drang, gepaart mit der Erinnerung an das Lied, an Nadel und Faden, zwang ihn dazu. So musste er Judukas Frage gar nicht beantworten, welche ohnehin nur zäh in sein Denken sickerte. Dafür nahm er den Schmerz über die Lautstärke ihrer Stimme umso intensiver wahr. Was brüllte sie ihn denn so an? Sie musste doch erkennen, dass er wach war, weil er sich bewegte. Mochten seine Glieder auch immer noch schwer wie Blei sein und mit jedem überwundenen Zentimeter brennen, so ließ er nicht davon ab. Wenigstens den Kopf wollte Kazel drehen, sich umschauen. Es gelang. Endlich! Das Glücksgefühl, das ihn ob dieses Erfolges beflügelte, war nicht zu messen.
Leider währte es nicht lang. Kazels Augen suchten sein Sichtfeld nach den silbrigen Konturen ab. Er suchte all die zauberhaften Schleierfetzen, die Janays Bild, Geruch und Erinnerungen trugen. Sie schwanden. Zurück blieb nur das ihm bekannte Gesicht der Nachtelfe. Müde schaute er Judukas Augenpaar entgegen. Langsam verebbte der körperweite Schmerz. Er zog sich auf zwei Teile seines Körpers zurück - in seinen Schenkel und die Brust. Dort sammelte er sich, aber wenigstens nur noch dort.
Kazel blinzelte. "Wo...?", fragte er, die eigene Stimme kaum mehr als ein Krächzen. Wo steckte Janay? Nein! Das wusste er. Sie befand sich überall, um ihn herum. Wenn er nur die Augen schloss, würde er sie bestimmt wiedersehen. Aber jetzt durfte er nicht schlafen. Er musste etwas tun. "Was...?"
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Donnerstag 9. Februar 2017, 12:51

Auf der einen Seite musste sie es der Nachtelfe ja zugute halten, dass sie tatsächlich versuchte, den Mischling am Leben zu erhalten. Auf der anderen jedoch war da eine Erinnerung an eine Drohung, die das positive Gefühl sehr in Grenzen hielt. Zumindest bei den Teilen von ihr, die sich darauf besinnen konnten und sich überhaupt für die Vorgänge am Boden interessierten.
Wenigstens eine ihrer unzähligen Erscheinungen schaffte es, sich zu Kazel durchzudrängen und bei ihm zu bleiben. Als Trost beim Sterben oder als Schutz vor zu viel Einfluss von Juduka ließ sich nicht trennen, wahrscheinlich beides, wenn nicht sogar noch andere Beweggründe, die ihr derzeit nicht bewusst waren. Auf jeden Fall haftete sie ihren Blick auf sein Gesicht, versuchte ihn zu warnen und gleichzeitig ihn überhaupt auf sich aufmerksam zu machen.
Dann war da noch das Gefühl, dass er sie tatsächlich ansah, das ihr gefiel und zur selben Zeit wiederum nicht. Auch bemühte sie sich darum, ihn zu berühren, seine Haut zu fühlen, ohne es wirklich zu können. Sie war durcheinander und mit der Situation vollkommen überfordert, sonst hätte sie vielleicht noch mehr ausrichten können. Oder es wenigstens versucht…
Mit einem Mal spürte sie, dass er ihr entglitt und gleichzeitig eine andere Kraft ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Und zwar diejenige von all ihren Teilen, die sich in unmittelbarer Umgebung aufhielten. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus, die eine Erscheinung begann selig zu lächeln, eine andere strich sich nervös ihre Gestalt glatt, als wäre es ihre Kleidung, während die nächste ein wenig gelangweilt wirkte. Eine weitere hingegen machte eine beleidigte Miene, so, als wolle sie sagen: Jetzt brauchst du auch nicht mehr daher kommen. Und die nächste wirkte weinerlich und schluchzte lautlos, weil er sie vergessen hatte. Hätte nicht viel gefehlt und sie hätte sich an seine schwarze, nicht sichtbare Brust geworfen, um laut zu weinen und sich an ihn zu klammern, damit er sie nicht wieder links liegen lassen würde.
Doch nicht alle Erscheinungen von ihr wollten nun endlich in das Reich der Toten geholt werden. Der kniende Teil verstand nicht, warum der Mischling den Geisterhänden entglitt, was ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein anderer wollte sich an Juduka rächen und ein dritter, der so gar nicht weg von hier wollte, schaffte es sogar, sich bis zum Warg durchzukämpfen.
Dort bemühte sie sich, dem Wesen irgendwie zu verstehen zu geben, dass sie ihn nicht vergessen hatte. Dass es reagierte und winselte, tat ihr weh, gerade, weil sie ihm keine Schmerzen hatte zufügen wollen. Es machte sie traurig und irgendwie auch schuldbewusst, weil sie es nicht schaffte, ihn zu befreien.
Unterdessen konnten andere Teile von Janay beobachten, was Juduka tat. Ein wenig verlangte es ihr Respekt ab, wie sehr sich die Nachtelfe quälte, allerdings bei weitem nicht genug, um ihre negativen Gefühle der anderen gegenüber zu besänftigen. Dass sie nichts dagegen unternahm, lag schlichtweg daran, dass sie es derzeit nicht konnte. Was Kazel zugute kam, sonst hätte die Heilung vermutlich länger gedauert und wäre um einiges gefährlicher für ihn gewesen.
Stattdessen war sie zur Beobachterin verdammt, auch wenn einer ihrer Teile versuchte, die Hand des Mischlings zu halten, als könne sie ihm damit Kraft spenden. Dafür konnte sie wahrnehmen, dass die Nachtelfe etwas von einem anderen Leichnam an sich brachte, was sie sich merken wollte. Man konnte ja nie wissen, für was das noch zu gebrauchen wäre. So verging die Zeit, ohne dass sie für den Geist in seinen Erscheinungen greifbar gewesen wäre. Es interessierte sie auch einfach nicht.
Bei dem Warg tat sich inzwischen auch etwas, lockte sogar weitere Teile zu sich, die allesamt beobachteten, was dort geschah. Was auch immer das war, sie verstand es nicht, sodass sie lediglich zusah, wie dieses seltsame Wesen auftauchte, ihr zunickte und dann in ihre eigene Hand blies. Skeptisch blickte sie dem Staub nach, der glitzernd durch die Luft wanderte und sich schließlich auf den Warg legte, um dort einen Sattel entstehen zu lassen, die wie für sie gemacht schien. Die Erscheinung, die bisher immer wieder das Fell des Wesens berührt hatte, seufzte lautlos und beinahe schon sehnsüchtig. Nie würde sie darin sitzen und dadurch besser auf dem Tierrücken reiten können. Denn daran, dass sie irgendwann wieder nur eine Gestalt hätte und vielleicht sogar leben könnte, glaubte sie nicht.
Währenddessen wanderten die anderen Teile durch den Wald, blieben hie und da hängen und nur einer gelangte bis in das Vorzelt hinein, wollte bei Kazel bleiben, um ihn zu warnen. So wurde sie auch Zeugin, als er ins Leben zurückkehrte… und dadurch auch die Verbindung zu ihr wieder verlor. Hatte sie zuvor noch das Gefühl gehabt, er würde sie wahrnehmen, so war das nun vorbei. Und irgendwie… fühlte sie sich mit einem Mal richtig verloren und mutlos.


(Occ: Janay würde gerne wieder eins mit sich sein und leben :cool: )
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 13. Februar 2017, 19:40

Noch im Vorgang des Heilens drifteten Kazels Gedanken immer wieder ab. Er schaffte es leider nicht die Zusammenhänge, die losen Fäden miteinander zu verbinden, obwohl sie deutlich vor ihm lagen. Er fuhr mit den Fingerspitzen die Sanduhr nach, die in seinen Händen lag und ihm ein wenig mehr Zeit schenken konnte, doch nciht nur das! Sie konnte ihn auch aus der Zeit nehmen, so wie damals, als er durch das gegenerische Lager gestreift war und dort gekämpft hatte. Er konnte für sich die Zeit anhalten und sich einen Raum zwischen den Realitäten erschaffen... mit Landrias Zeit
Ich bin nicht mehr in der Lage, irgendetwas...
Seine immer schwammiger werdenden Gedanken drifteten nur leider immer wieder ab, als ihm neben den dunklen Schatten des Gevatters ein vertrauterer Anblick gewahr wurde. Zwar bildeten nur nebelartige und schleierhafte Konturen Janays Gestalt, doch er erkannte sie wieder. Der Anblick hätte ihm das Herz zerrissen, wenn er sich nicht gerade in einer gleichgültigen Schwebe des Nahtods befand. Was kümmerten ihn noch weltliche Dinge? Obwohl ... er hatte eine Aufgabe ... irgendwo, im Leben. Aber da war Janay! Ging es ihr gut? Hatte er sie nicht retten wollen? Mit diesem Ding, was Aman besessen hatte, was dieser bei seinem Vater benutzen hatte wollen? Er sah Janays Geister, wie sie ihn umringten und manche, wie sie gingen.
Vielleicht ... sie sieht so friedlich aus und ich fühle mich wohl in ihrer Nähe.
Wieder bei Janay sein, das war ein kleiner unbestimmter Wunsch. Es klang nach einem guten Ende, doch wäre es nicht besser, wenn sie beide wieder leben würden? Er war doch noch am Leben und Janay, genauso wie der Tod selbst hatten ihn nicht so reich beschenkt, damit er jetzt einfach aufgab. Und trotzdem hing da diese tödliche Melancholie in seinem Herzen, die ihn lähmte, ihn handlungsunfähig machte. Aber auch die Wärme der Heilung umfing ihn, erfüllte ihn von innen. Sie vertrieb die Schmerzen, vervollständigte die vorhandenen, körperlichen Schäden. Geister besaßen doch keine Verletzungen? Alles heilte. Er fühlte sich geheilt. Dass Juduka ihre Lichtmagie anwandte, um ihn am Leben zu erhalten, bemerkte er kaum. Er sah durch sie hindurch. Was er sah, war Janay. Es war Janays Stimme, die er hörte. Sie sprach von einem Feind, aber mehr konnte er nicht deuten. Welchen Feind meinte sie? Wer wollte sie töten?
Ich war es doch ... meint sie Aman?
Noch bevor sich der Elfensohn von Wald und Dunkel einen Reim darauf machen konnte, was die wirren Worte zu bedeuten haben mochten, begann der Gevatter Tod seinerseits, ihm Reime ins Ohr tropfen zu lassen wie Wachs... Nadel und Faden nehmen ... die Einzelteile zusammenfügen, denn Geister starben nicht. Man musste sie nur ...
"W..."as?
Das Leben hatte ihn zurück, ein weiteres Mal. Er spürte es in jedem Knochen seines Körpers. Oh, was hatte es der Tod doch nicht leicht mit ihm und das Leben erst Recht nicht. Aber er war zurück.
Seine Ohren zuckten noch. In ihren klang der Nachhall des Liedes, wollte auch jetzt noch nicht wirklich verklingen. Mühsam versuchte er sich zu rühren. Ein innerer Drang, gepaart mit der Erinnerung an das Lied, an Nadel und Faden, zwang ihn zu leben. Mochten seine Glieder auch immer noch schwer wie Blei sein und mit jedem überwundenen Zentimeter brennen, so ließ er nicht davon ab. Wenigstens den Kopf wollte Kazel drehen, sich umschauen. Es gelang.
Endlich!
Das Glücksgefühl, das ihn ob dieses Erfolges beflügelte, war mit nichts zu messen. Leider währte es nicht lang. Kazels Augen suchten sein Sichtfeld nach den silbrigen Konturen ab. Er suchte Janays Bilder die ihren Geruch und Erinnerungen trugen. Sie schwanden. Zurück blieb nur das ihm bekannte Gesicht der Nachtelfe. Müde schaute er Judukas Augenpaar entgegen. Langsam verebbte der körperweite Schmerz. Er zog sich auf zwei Teile seines Körpers zurück - in seinen Schenkel und die Brust. Dort sammelte er sich, aber wenigstens nur noch dort und auch dort ebbte er langesam zu einem stetigen Brennen ab, das unangenehm, aber ertäglich war. Juduka musste ihm viel ihrer Magie gegeben haben, wenn es ihm jetzt so schnell so viel besser ging. Kazel blinzelte.
"Wo...?"
, fragte er, die eigene Stimme kaum mehr als ein Krächzen. Wo steckte Janay? Nein! Das wusste er. Sie befand sich überall, um ihn herum. Wenn er nur die Augen schloss, würde er sie bestimmt wiedersehen. Aber jetzt durfte er nicht schlafen. Er musste etwas tun.
"Was...?"

Einer ihrer unzähligen Erscheinungen schaffte es, sich zu Kazel durchzudrängen und bei ihm zu bleiben. Janays Blick haftete auf seinem Gesicht, sie versuchte ihn zu warnen und gleichzeitig ihn überhaupt auf sich aufmerksam zu machen und seine Augen fingen sie ein. Er hob sogar einmal seine Hand in ihre Richtung. Mit einem Mal spürte sie, dass er ihr entglitt. Juduka hatte ihn soweit geheilt, dass er wach wurde und damit sich Janays Einflüsterungen wieder entzog.
Viel hätte nicht viel gefehlt und sie hätte sich an seine schwarze, nicht sichtbare Brust geworfen, um laut zu weinen und sich an ihn zu klammern, damit er sie nicht wieder links liegen lassen würde. Der kniende Teil verstand nicht, warum der Mischling den Geisterhänden entglitt, was ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein anderer wollte sich an Juduka rächen und ein dritter, der so gar nicht weg von hier wollte, schaffte es sogar, sich bis zum Warg durchzukämpfen. Dort bemühte sie sich, dem Wesen irgendwie zu verstehen zu geben, dass sie ihn nicht vergessen hatte. Dass es reagierte und winselte, tat ihr weh, gerade, weil sie ihm keine Schmerzen hatte zufügen wollen. Es machte sie traurig und irgendwie auch schuldbewusst, weil sie es nicht schaffte, ihn zu befreien.
Janay war zur Beobachterin auf so vielen Ebenen verdammt, auch wenn einer ihrer Teile versuchte, die Hand des Mischlings zu halten, als könne sie ihm damit Kraft spenden. Dafür konnte sie wahrnehmen, dass die Nachtelfe etwas von einem anderen Leichnam an sich brachte, was sie sich merken wollte. Man konnte ja nie wissen, für was das noch zu gebrauchen wäre. Wäre sie noch am Leben, sie hätte nie so viel gesehen! Bei dem Warg tat sich inzwischen auch etwas, lockte sogar weitere Teile zu sich, die allesamt beobachteten, was dort geschah. Was auch immer das war, sie verstand es nicht und blickte letztendlich dem Staub nach, der glitzernd durch die Luft wanderte und sich schließlich auf den Warg legte, um dort einen Sattel entstehen zu lassen, die wie für sie gemacht schien. Währenddessen wanderten die anderen Teile durch den Wald, blieben hier und da hängen und nur einer gelangte bis in das Vorzelt hinein, wollte bei Kazel bleiben, um ihn zu warnen. So wurde sie auch Zeugin, als er ins Leben zurückkehrte… und dadurch auch die Verbindung zu ihr wieder verlor. Hatte sie zuvor noch das Gefühl gehabt, er würde sie wahrnehmen, so war das nun vorbei. Und irgendwie… fühlte sie sich mit einem Mal richtig verloren und mutlos.


"Wo...?"
, fragte der Sturmadler, die eigene Stimme kaum mehr als ein Krächzen. Juduka strich ihm sanft über die Stirn.
"Du bist bei mir. Wir sind in dem Wäldchen, weißt du nicht mehr? Du hast uns gerettet... vor diesen Dunkelelfen. Du hast gekämpf und bist verletzt worden. Du hast viel Blut verlohren, aber du wirst wieder gesung. Lass meine Magie noch ein kleines Weilchen wirken, dann geht es dir besser. Bleib still liegen und ruh dich aus..."
"Was...?"
„Was passiert ist? ...Ich... du hast mit dem älteren der beiden gekämpft. Ich habe euch gesehen und dann...Ich habe... Ich habe ein Messer geworfen. Du hast ihn gedreht und der jüngere hat den Anderen erschossen. Wir... Wir haben sie getötet.“
Judukas Stimme klang gepresst, aber sie tat nicht mehr in seinen Ohren weh, auch wenn sie nicht von dem sprach, worüber er nachgedacht hatte.
„Wir haben überlebt, Kazel. Du hast überlebt und ich... ich brauche dich.“
Letzteres war nur ein Flüstern gewesen, ein leises Eingeständnis ihrer eigenen Schwäche.
Schwäche... Im gleichen Moment, da Kazels Verstand wieder begann zu arbeiten, da wurde ihm auch bewusst, dass er Janay wirklich gesehen hatte, dass er sie gehört und sogar gerochen hatte! Er hatte sie gesehen und sie war noch hier! Der Tod hatte sie nicht mitgenommen und sie weilte ZERISSEN zwischen den Welten! Er hatte NADEL und FADEN bekommen um sie wieder zusammen zu fügen, er hatte das Werkzeug und er hatte die ZEIT um zwischen die Welten zu gehen! Er musste es nur tun. Janay gehörte nicht in diesen Zustand. Sie sollte nicht tot sein! Sie gehörte doch zu ihm, oder? Judukas warme Handfläche legte sich an seine Wange und ihre mandelförmigen Augen hefteten sich in seinen Blick.
„Kazel... wir sind allein... allein in dieser Welt. Wir müssen zusammen halten. Ich verstehe deinen Schmerz... über Janay... Es tut mir so leid!“
Sie schluckte und unterdrückte anscheinend ein leises Schluchzen.
„Ich... ich wünschte das alles wäre nicht passiert!“

Janays Anteile schwirrten umher und so zerrissen wie sie waren, so verwirrt und hoffnungslos war auch ihr Geist. Sie hörte Judukas Worte und sie klangen sogar ehrlich. Vielleicht hatte sie wirklich nicht vor gehabt, sie zu verraten?
QUATSCH!
Das Miststück log nur so gut, dass Kazel es in seinem geschwächten Zustand es einfach nicht merkte. Sie hatte den Dolch nicht auf Dorun geworfen. Sie hatte auf Kazel gezielt und nur weil er sich im Kampf gedreht hatte... Oder war es noch schlimmer und sie hatte es wirklich auf Kazel abgesehen? Wollte sie ihn wirklich verführen? Ihn auf ihre Seite ziehen? Was hatte dieses Biest vor? Sie hatte mit den Dunkelelfen hier zusammen gearbeitet und Kazel wusste nichts von alledem! Nur Janay hatte das alles aus undenkbar vielen Perspektiven mitbekommen und sie so entlarvt. War Juduka noch immer eine Spionin des Feindes oder wollte sie Janay einfach nur weh tun? Sogar jetzt noch, da sie tot war?

„Du bist ja eiskalt! Ich muss dich warm halten! Kazel, ich werde kurz weg gehen und noch eine Decke holen. Schlaf nicht ein, ja?! Ich komme gleich wieder und dann leg ich mich zu dir... um dich zu wärmen. Dann kannst du schlafen. Vorher nicht!“
Schlaf... lockender, verlockender Schlaf... aber es war auch kalt und vielleicht wirklich gefährlich wenn er einschlief. Juduka verließ das Zelt ((ooc: Ich glaube, Kazel lag zwar noch draußen, aber Janay hatte das in ihrem Post schon so geschrieben. Ist meiner Meinung nach auch ok so.)). Sie ging zu dem verlassenen Wagen des Sadisten Saerembor und stöberte darin. Bald darauf kam sie mit einer Decke zurück zum Zelt, blieb ungesehen von Kazel davor stehen. Sie hielt aber auch eine kleine Dose in der Hand, die sie dort unter den Kochutensilien entdeckt hatte. Auf ihrem Gesicht lag ein hauch dünnes Lächeln, das böser nicht hätte sein können. Sie legte die Decke ab und öffnete die Dose um leise summend die weißen Salzkristalle um das Zelt herum zu verteilen.

SALZ! Juduka fühlte, wie jedes Körnchen ihre Existenz bedrohte. Geister waren nicht immun gegen die Welt der Lebenden und Salz war etwas das einen Geist ein oder aussperren konnte. All ihre Instinkte rieten ihr, sich entweder außerhalb des Kreises zu versammeln und so weit es ging sich mit sich selbst zu verbrüdern gegen den Feind oder zu flüchten. Es gab nur ein Problem: Kazel war noch da drinnen und er war wehrlos, wenn sie draußen blieb. Hing sie noch an ihm? Natürlich! Wenn hier jemand Kazel quälen durfte, dann war es sie! Sie und niemand anderes! Aber ...Was wenn Juduka etwas schlimmes mit ihm vor hatte, wo sie keine Einmischung von ihr wollte?? Die Nachtelfe wusste, dass Janay noch da war und ihrem Grinsen nach, hatte sie gerade etwas gefunden, das ihr Zeit mit ihm allein verschaffen könnte. Wenn Janay sich von diesem Salzkristallen einsperren ließ, dann war sie wenigstens bei Kazel und konnte ihm vielleicht helfen, wenn es drauf ankam. Sie wusste, dass sie dort hinein musste! Sie musste nur ihr eigenen verstreuten Anteile überzeugen, dass es notwendig war und das schnell, bevor sich der Kreis schloss.


((ooc: Kazel sollte hiermit langsam klar werden, dass er die Zeit, die er bekommen hat auch nutzen muss wenn er etwas bewirken will. Er hat alle Mittel um Janay wieder zusammen zu fügen und er ahnte auch schon den richtigen Weg um sie zurück ins Leben zu rufen. Er hatte das Medaillon bei Aman gesehen. Das mit dem dieser seinen Vater zurück rufen wollte.
Genauso wie Janay ihre gesammelten Informationen zusammen tragen muss, wenn sie zurück ins Leben will. Zerrissen wie sie ist, ist das aber auch nicht bedeutungslos. Sie hat so mehr gesehen als alle anderen und weiß um ein paar andere wichtige Details, die noch auf sie lauern, genauso wie um Judukas Verrat. Sie ist auch eine Dunkelelfe und als eine solche, sollte sie ein RACHEDURSTIGER Geist sein.
Kleine Anregung: Für den Fall, dass ihr euch mal mit dem Thema der klassischen „Besessenheit“ auseinander setzten wollt, können wir das gern auch vorab per PM klären. Nur wenn von allen Seiten gewollt und es zeitlich begrenzt ist! Wäre sicher mal eine ganz andere Art der Erfahrung. Juduka schließt das Thema leider aus, da sie sich mit Lichtmagie wehren könnte, aber ein geschwächter Geist, könnte das durchaus zulassen ;) ))
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 3. März 2017, 15:39

In seinem Zustand der Apathie, während Juduka ihn noch immer heilte, da besaß Kazel Zeit. Er brauchte keine Sanduhr dafür. Er brauchte nicht die Körnchen Leben einer anderen Seele. Jetzt hatte er Zeit, nutzte sie vor allem, um den vielen Gedanken nachzuhängen, die sein Innerstes ausfüllten. Man sollte meinen, sie verblassen, nachdem man sich mit ihnen beschäftigt hatte. Irgendwann gingen sie verloren. Deshalb schrieben Künstler sie doch nieder, gleichermaßen wie Forscher und andere Theoretiker. Verlustängste bei wichtigen Errungenschaften oder kreativen Ideen zum Wohle der Mensch-, Elfen- oder Zwergenheit drängten sie und war nicht notiert wurde, ging für Celcia verloren. Falls sich nicht ein anderer kluger Kopf damit auseinandersetzte oder - im Fall von Kazel - falls man sich nicht wirklich die Zeit nahm, noch einmal in sich zu gehen. Wann sonst wäre ein besserer Zeitpunkt als auf der Schwelle des Todes? Er dachte hier nicht nur über seine Möglichkeiten eines geisterhaften Nachlebens nach. Er dachte nicht ausschließlich an Janay. Da waren noch Gedankenfetzen seiner Erinnerung, die lose im Raum schwebten wie die vielen kleinen Teilchen seiner Liebsten um ihn herum.
Kazel erinnerte sich. Es war nicht das erste Mal, dass er sich mit dem Ende konfrontiert sah. Ich bin schon einmal gestorben ... oder sogar zwei Mal? Er erinnerte sich daran. Es lief friedlich ab, so wie jetzt. Und auch damals hatte er sich vollständig gefühlt, gleichermaßen wie jetzt. Dennoch war ihm der aktuelle Zustand seines Seins nicht so vertraut. Irgendwo schwand Schmerz. Wenn man starb, löste er sich ebenfalls auf, aber nicht auf diese einlullende, wohlige Weise. Er war irgendwann einfach fort, ebenso wie alles andere. Es blieben Schwärze, der Gevatter und die eigene Seele. Kazel aber spürte, dass dort noch mehr war. Warme Hände an seinem Leib. Ja, er spürte noch immer seinen Körper! Er spürte, wie der Schmerz einem gesunden Gefühl wich. Er spürte, dass er lag und seine Ohrspitzen zuckten leicht, weil sie Worte aufnahmen. Worte, die er noch nicht einzuordnen vermochte, aber sie waren da. Ich sterbe nicht. Jedenfalls noch nicht. Es musste einen Grund haben, dass man ihn daran hinderte. Die einzig schlüssige Antwort dafür war für den Mischling, dass es weder an seinem Geist noch an seinem Körper war, zu entscheiden, wann er diese Welt verlassen konnte. Es hing alles vom Willen eines einzigen, höheren Wesens ab, vielleicht noch in Zusammenarbeit mit den Göttern, zu denen er manchmal betete. Aber auch sie konnten sich dem Tod selbst sicherlich nicht in den Weg stellen und er hatte entschieden. Er hatte Kazel zu seinem Diener gemacht. Nicht zu seinem Werkzeug. Ich habe immer noch meine Seele. Ein bedeutungsschwerer Unterschied.

Schwer fühlten sich auch Kazels Glieder an. Selbst die Lider schienen aus Blei gegossen. Er hatte alle Mühe, sie zu heben, um seinen sturmblauen Blick wieder auf eine existierende Welt jenseits von Träumen und Tod zu richten. Aber er lebte, immer noch. Das war nicht der Tod und es war auch kein seelenloses Dasein wie unter der Knechtschaft von Raxtian Tausendtod. Unter ihm hatte er keinen Schmerz empfunden, selbst wenn er vorhanden gewesen war. Was kümmerte ein seelenloses Wesen schon Schmerz? Aber er spürte ihn jetzt. Im Schenkel und in der Brust brannte es leicht. Es pulsierte, sorgte dafür, ihn stets ans Leben zu erinnern. Dennoch hielt er sich zurück, so dass Kazel nicht einem gepeinigten Wahnsinn verfiel. Dafür hatte Juduka gesorgt. Jene Nachtelfe, die er nun ansah. Janay ... war fort.
Selbst wenn Kazel sich einbildete, ihre Konturen noch kurz als silbern aufblitzende Streifen im Licht zu erkennen, so verflogen sie wie jene Gedanken, auf die er bis eben noch seine Zeit angewandt hatte. Sie zerfaserten, lösten sich auf. Sie mussten sich ohnehin der stärkeren Präsenz der Nachtelfe unterwefen. Juduka sprach zu ihm. Es waren nur wenige Worte, doch sie beinhalteten eine Menge Informationen für den geschwächten Mischlingselfen. Er schwieg sehr lange, selbst als Judukas Stimme schon wieder verstummt war. Es dauerte, bis sich all das Wissen zu Brauchbarem heraus kristallisiert hatte. Gerettet. Blutverlust durch eine Verletzung. Magie. Er würde gesund werden, wenn er sich nur Ruhe könnte. Und das könnte er, denn er hatte sie getötet.
"Getötet", wiederholte er das Wort mit schwerer Zunge. Es versetzte ihm einen Stich. "Janay ist tot." Rasch blinzelte Kazel, damit das Brennen in den Augenwinkeln schwand. Jetzt erst wurde ihm richtig bewusst, wofür er sich entschieden hatte. Er hätte sie retten können. Oder ihr gemeinsames Kind. Er hatte Landria Sinal gewählt. Janay war tot. Gestorben. Nein, das stimmt so nicht. Sie ist noch da.
Das Wissen über ihre Anwesenheit, selbst nachdem ihr Körper den Waldboden erreicht hatte und reglos liegengeblieben war, ließ ihn nicht verzweifeln. Hoffnung keimte irgendwo. Der Gevatter konnte ihn am Leben lassen, wenn es ihm so gefiel. Wenn er ihn noch brauchte und Kazel hatte Janay noch immer gesehen. Sie musste auch noch leben, irgendwie. Weil er sie brauchte.
In diesem Moment sprach Juduka genau diese Worte aus. Ich brauche dich. Sie erfüllten ihn mehr noch als es ihre Magie vermocht hätte. Sie brachten ihn dazu, seine Extremitäten zu ordnen und trotz allen Brennens in der Brust, seine Muskeln einzusetzen. Langsam und ohne Judukas Hilfe sicherlich noch nicht allzu weit, richtete Kazel sich nach und nach in eine halbwegs sitzende Position. Seine Atmung ging schwer. Es brannte in der Brust und dennoch setzte sich seine Willenskraft darüber hinweg. Suchend flog das Augenpaar durch den Wald. Dann fixierte er sich erneut auf Juduka. Ihre Finger fühlten sich warm und weich an seiner Haut an. Nicht so wie die eigenen, die noch immer etwas hielten. Es piekt. Das ist die Nadel. Nadel und Faden.
"Wir sind nicht allein." Er antwortete der Nachtelfe mechanisch und auch wenn er sie jetzt ansah, suchte er doch selbst in ihren Augen nach Anzeichen von Janay. Sie waren da. Er wusste es. Im Grunde wusste er sogar, was zu tun war. "Ja. Zusammenhalten. Ich muss ... alles wieder zusammenfügen." Nadel und Faden hatte er und Janay flirrte hier noch irgendwo herum. Vielleicht fand er sie, wenn er erneut ruhte?
"Ich ... ich wünschte, das alles wäre nicht passiert!" "Wir können die Zeit nicht zurückdrehen", erwiderte er und dann sprang der letzte Funke über. All die vielen geisterhaften Bilder von Janay, die wie Schleier um ihn herum getanzt waren. Kleine Seidenfetzen. Die geheimnisvolle Nadel samt dem Faden in seinen Fingern und das schwere Gewicht der unsichtbaren Sanduhr zu Landrias neuem Leben. "Nein ..." Nicht so. Ich kann es nicht so tun. Nicht wieder das Versprechen brechen, nein.
Unter der Anwesenheit des Gevatters hatte er sich für Landria Sinal entschieden. Er hatte Janay sterben lassen, um diese Seele zurück ins Leben zu bringen und ihr die übrige Zeit zu schenken, die er ihr weggenommen hatte. Er hatte sich selbst und Landria ein unausgesprochenes Versprechen gegeben, ihre Zeit nicht erneut anzurühren. Und so viele Versprechen hatte er schon gebrochen. So oft hatte er gegen seine Prinzipien verstoßen im Versuch, ein besserer Elf zu sein. Dieses Mal durfte er sich nicht erneut dem einfachen Weg hingeben. Nicht einmal für Janay. Es musste doch eine andere Möglichkeit geben! Oh, ihr Götter, helft mir!

Nur am Rand seiner Wahrnehmung sickerten die Worte Judukas zu ihm hindurch. Kazel nickte. Schlafen klang gut, ebenso wie Wärme. Dass sie sich zu ihm legen wollte, registrierte er nicht wirklich. Es fühlte sich ohnehin nicht real an, solange sie ihren Worten nicht Taten folgen ließ. Wärme war gut. Nähe ... brauchte er im Moment nicht. Dazu brannten die Erinnerungen an Saerembor noch immer wie kleine Flecke auf seiner Haut. Er würde sich auch ihrer wieder bewusst werden, lenkte man seinen Geist erneut darauf. Für den Moment aber suchte er mit aller Kraft nach einem Weg, Janay zu retten. Wirklich zu retten! Er hatte sie in diese Lage gebracht. Natürlich. Sie war nicht die erste Frau, für die er zum Verhängnis geworden war. Shantih, Landria, jetzt Janay ... gerade deshalb wollte er nicht auf die Seelenzeit der Toten zurückgreifen. Sie hatte nicht verdient, nochmals zum Opfer seiner Spielchen zu werden, selbst wenn Kazel sich nie freiwillig als Teilnehmer ausgerufen hatte.
Der Mischling hob den Kopf etwas an. Juduka verließ gerade das Zelt. Kazel atmete durch. Sie konnte ihm helfen, aber keiner geisterhaften Seele. Das musste er irgendwie schaffen, doch benötigte Kazel Zugang zu den flatterhaften Geisterteilen Janays. Am besten, ohne sich der Totenzeit zu bedienen. Was blieb ihm da noch? Er atmete tief durch und schloss die Augen. Nein, nicht um zu schlafen. Wären seine Arme nicht so schwer, hätte er die Hände nun gefaltet. So aber blieb es bei wenigen Worten. "Manthala ... wenn selbst der Gevatter Tod mich erhört, dann tut auch Ihr mir den Gefallen." Zwischen den Worten setzte Kazel Pausen an. Das Sprechen strengte ihn an und Manthala lockte ihn doch bereits, sich in ihre Traumwelt zu begeben. Sie musste ihn hören. Sie war doch so nahe. Sie musste einfach. "Schlaf ist der Vorbote des Todes. Träume sein Geleit. Ich ... muss dorthin. Ich muss Janay retten. Helft, Herrin. Ich bitte Euch."
Es war seine einzige Chance. Der letzte Strohhalm, nach dem er greifen konnte. Manthala musste ihn im Traum zu Janays Seele führen. Wenn er dann noch Zugriff auf Nadel und Faden hätte, wer brauchte Landrias Zeit? Es war ein Versuch und Kazel konnte sich nicht sicher sein, ob die Idee zu sehr an den Haaren herbei gezogen war. Vielleicht existierte der Tod, aber die Götter waren nur Schein? Dann wäre alles vergebens. Er konnte nur hoffen, erhört zu werden und ein Wunder geschenkt zu bekommen. Was es ihn kosten würde, daran dachte er bisweilen nicht. Was hatte er einer Göttin auch noch zu geben, wenn der Zeitlose bereits über ihn verfügte?
Dass Juduka vor dem Zelt bereits ihrem eigenen, perfiden Plan nachging, um gerade ein Aufeinandertreffen von Kazel und Janay zu verhindern - in welcher Form auch immer - das ahnte er nicht.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Mittwoch 22. März 2017, 21:11

Wäre sie Herrin ihrer Sinne gewesen und hätte sich einen Reim auf all das machen können, wäre sie sich dessen bewusst geworden, dass es einfach zum Haare Raufen war. Da versuchte sie, Kazel etwas mitzuteilen und was machte der? Er verstand sie schlicht und ergreifend nicht! Wozu also gab sie sich überhaupt die Mühe? Ach ja, richtig, es war ihre Aufgabe, ihm die Hölle heiß zu machen und nicht die der Nachtelfe. Mit der sie ohnehin genug Rechnungen inzwischen offen hatte.
Doch bedauerlicherweise wollte die Anziehungskraft nicht und nicht wirken, um sie wenigstens zu einem einzigen Geist wieder zusammen fügen zu können. Stattdessen war vorläufig lediglich jeweils ein fixer Bestandteil von ihr bei dem Mischling, der andere bei dem Warg, dem sie sich aus unerfindlichen Gründen ebenfalls verbunden fühlte. Der Rest befand sich mal hier, mal dort und irgendwie schwebte er an einander stets vorbei. Wobei, nein, das ein oder andere Grüppchen schien sich zu finden, blieb allerdings auf Abstand und beschränkte sich auf wortlose Kommunikation, als hätten sie ihre Sprache verloren und würden sich gegenseitig nicht als zur selben Person gehörend erkennen.
In der Zwischenzeit spürte der Teil von ihr, der sich bei Kazel aufhielt und nicht von seiner Seite wich, wie unzähmbarer Zorn in ihr zu lodern begann. Beinahe wäre sie auf das Gejammer der Verräterin hereingefallen, wenn nicht ausnahmsweise ein Fetzen Erinnerung in ihr Denken getreten wäre. Nicht, dass sie an Janays Tod und somit auch ihrem jetzigen Zustand schuld war. Nein, soweit reichte ihr Bewusstsein in der Teilung nicht aus. Aber die Sache kurz vor diesem Ereignis, ehe sie in das Sonnenlicht geraten war… Daran konnte sie sich erinnern!
Und es machte ihr klar, dass Juduka es gar nicht ehrlich meinen konnte. Die geisterhafte Dunkelelfe spürte, wie die Wut ihr Kraft zu verleihen begann und sie stieß einen für lebende Ohren lautlos, für die in der Zwischenwelt Gefangenen hingegen sehr wohl hörbaren und alarmierenden Schrei aus. Wie sie das machte und woher sie wusste, dass sie das konnte, war für sie ungewiss.
Sie merkte lediglich den Erfolg, als mit einem Mal einige ihrer Teile den Weg ins Zelt fanden und sich zwischen ihnen, sobald ein Blickkontakt zu der Zornigen hergestellt war, eine gewisse Anziehungskraft aufzubauen begann. Noch nicht ausreichend, um sich endlich wieder zu vereinen, aber immerhin genug, um zu spüren, dass sie zueinander gehörten, verstärkt durch die Wut, die auch auf die anderen überzugehen begann.
Mit einem Mal sprach die Nachtelfe von Kälte und Janay spürte einen Hauch von Genugtuung, so, als wäre sie dafür verantwortlich. Vielleicht war sie es ja tatsächlich? Immerhin hatte sie das schon einmal geschafft, wenngleich noch als ein einzelner Geist.
Endlich verließ die Verräterin das Zelt und die Erscheinungen konnten sich darauf konzentrieren, den Zorn zu nähren und weitere Einzelteile herbei zu rufen. Vollständig konnten sie jedoch nicht mehr werden, zu rasch war die andere wieder vor Ort.
Janay in ihren Formen spürte den Feind näher kommen und wollte schon in geballter Menge aus dem Vorzelt fahren, um es der Nachtelfe zu zeigen. Doch kaum waren einige außerhalb spürten sie die Magie des Salzes und alle wichen wie auf Kommando zurück in den Schutz des Zeltes. Die wenigen Reste, die sich noch draußen befunden und es nicht mehr zu den anderen geschafft hatten, stießen stumme Zischlaute aus und flüchteten sich instinktiv zu dem anderen Pol ihres Wesens. Nämlich zu dem Teil, der beim Warg geblieben war und durch die Verzweiflung, dem Tier nicht helfen oder sich irgendwie verständlich machen zu können, angezogen.
Im Vorzelt indes pulsierte der Zorn inzwischen durch die geisterhaften Körper der Dunkelelfe, sie spürte, wie die Anziehungskraft zwischen ihnen immer stärker wurde. Bis mit einem Mal Kazel selbst für Ablenkung sorgte. Alle Köpfe drehten sich abrupt zu ihm, als er in ihrer Muttersprache ein Gebet zu der Göttin formulierte, die auch sie manchmal angerufen hatte. In einigen Gesichtern hob sich zweifelnd die Augenbraue, bis es die erste Ruferin war, diejenige, die dem Mischling nicht von der Seite gewichen war, die begriff und handelte.
Sie nickte den anderen zu und begann dann leise, aber beschwörend zu sprechen:„Juduka benutzt dich. Sie ist der Feind! Sie wollte dich töten! Sie hat das Amulett. Pass auf!“ Das wiederholte sie immer und immer wieder, während die anderen Teile einfielen, um die Wirkung zu verstärken. Ob es funktionieren würde, wussten sie nicht, doch was blieb ihnen anderes sonst übrig?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 23. März 2017, 12:51

"Getötet"
, wiederholte er das Wort mit schwerer Zunge. Es versetzte ihm einen Stich.
"Janay ist tot."
Rasch blinzelte Kazel, damit das Brennen in den Augenwinkeln schwand. Jetzt erst wurde ihm richtig bewusst, wofür er sich entschieden hatte. Er hätte sie retten können. Oder ihr gemeinsames Kind. Er hatte Landria Sinal gewählt. Janay war tot. Gestorben.
Nein, das stimmt so nicht. Sie ist noch da.
Das Wissen über ihre Anwesenheit, selbst nachdem ihr Körper den Waldboden erreicht hatte und reglos liegengeblieben war, ließ ihn nicht verzweifeln. Hoffnung keimte irgendwo. Der Gevatter konnte ihn am Leben lassen, wenn es ihm so gefiel. Er hatte sie noch nicht zu sich heholt. Warum?Sie musste auch noch leben, irgendwie. Weil er sie brauchte.
In diesem Moment sprach Juduka genau diese Worte aus:
"Ich brauche dich."
Sie erfüllten ihn mehr noch als es ihre Magie vermocht hätte. Sie brachten ihn dazu, seine Extremitäten zu ordnen und trotz allen Brennens in der Brust, seine Muskeln einzusetzen. Langsam richtete Kazel sich nach und nach in eine halbwegs sitzende Position. Seine Atmung ging schwer. Ihre Finger fühlten sich warm und weich an seiner Haut an. Nicht so wie die eigenen, die noch immer etwas hielten. Sah er auf seine Hände verhielt es sich wie mit dem Stundenglas. Es war nicht da und doch allgegenwärtig.
Es piekt. Das ist die Nadel. Nadel und Faden.
"Wir sind nicht allein."
Er antwortete der Nachtelfe mechanisch und auch wenn er sie jetzt ansah, suchte er doch selbst in ihren Augen nach Anzeichen von Janay. Judukas Gesicht zuckte.
"Ja. Zusammenhalten. Ich muss ... alles wieder zusammenfügen."
Nadel und Faden hatte er und Janay flirrte hier noch irgendwo herum. Vielleicht fand er sie, wenn er erneut ruhte?
"Ich ... ich wünschte, das alles wäre nicht passiert!"
"Wir können die Zeit nicht zurückdrehen"

, erwiderte er und dann sprang der letzte Funke über. All die vielen geisterhaften Bilder von Janay, die wie Schleier um ihn herum getanzt waren. Kleine Seidenfetzen. Die geheimnisvolle Nadel samt dem Faden in seinen Fingern und das schwere Gewicht der unsichtbaren Sanduhr zu Landrias neuem Leben.
"Nein ..."
Nicht so. Ich kann es nicht so tun. Nicht wieder das Versprechen brechen, nein.
Unter der Anwesenheit des Gevatters hatte er sich für Landria Sinal entschieden. Er hatte Janay sterben lassen, um diese Seele zurück ins Leben zu bringen und ihr die übrige Zeit zu schenken, die er ihr weggenommen hatte. Er hatte sich selbst und Landria ein unausgesprochenes Versprechen gegeben, ihre Zeit nicht erneut anzurühren. Und so viele Versprechen hatte er schon gebrochen. So oft hatte er gegen seine Prinzipien verstoßen im Versuch, ein besserer Elf zu sein. Dieses Mal durfte er sich nicht erneut dem einfachen Weg hingeben. Nicht einmal für Janay. Es musste doch eine andere Möglichkeit geben!
Oh, ihr Götter, helft mir!
Nur am Rand seiner Wahrnehmung sickerten die Worte Judukas zu ihm hindurch. Kazel nickte. Schlafen klang gut, ebenso wie Wärme. Für den Moment aber suchte er mit aller Kraft nach einem Weg, Janay zu retten. Wirklich zu retten! Er hatte sie in diese Lage gebracht.
Natürlich.
Sie war nicht die erste Frau, für die er zum Verhängnis geworden war. Shantih, Landria, jetzt Janay ... gerade deshalb wollte er nicht auf die Seelenzeit der Toten zurückgreifen. Sie hatte nicht verdient, nochmals zum Opfer seiner Spielchen zu werden.
Der Mischling hob den Kopf etwas an. Juduka verließ gerade das Zelt. Kazel atmete durch. Sie konnte ihm helfen, aber keiner geisterhaften Seele. Das musste er irgendwie schaffen, doch benötigte Kazel Zugang zu den flatterhaften Geisterteilen Janays. Am besten, ohne sich der Totenzeit zu bedienen. Was blieb ihm da noch? Er atmete tief durch und schloss die Augen. Nein, nicht um zu schlafen. Wären seine Arme nicht so schwer, hätte er die Hände nun gefaltet. So aber blieb es bei wenigen Worten.
"Manthala ... wenn selbst der Gevatter Tod mich erhört, dann tut auch Ihr mir den Gefallen."
Zwischen den Worten setzte Kazel Pausen an. Das Sprechen strengte ihn an und Manthala lockte ihn doch bereits, sich in ihre Traumwelt zu begeben. Sie musste ihn hören. Sie war doch so nahe. Sie musste einfach.
"Schlaf ist der Vorbote des Todes. Träume sein Geleit. Ich ... muss dorthin. Ich muss Janay retten. Helft, Herrin. Ich bitte Euch."
Es war seine einzige Chance. Der letzte Strohhalm, nach dem er greifen konnte. Manthala musste ihn im Traum zu Janays Seele führen. Wenn er dann noch Zugriff auf Nadel und Faden hätte, wer brauchte Landrias Zeit? Er konnte nur hoffen, erhört zu werden und ein Wunder geschenkt zu bekommen. Was es ihn kosten würde, daran dachte er bisweilen nicht. Was hatte er einer Göttin auch noch zu geben, wenn der Zeitlose bereits über ihn verfügte?
Und warum roch es hier im Zelt plötzlich nach Rosen?

Wäre Janay Herrin ihrer Sinne gewesen und hätte sich einen Reim auf all das machen können, wäre sie sich dessen bewusst geworden, dass es einfach zum Haare Raufen war. Da versuchte sie, Kazel etwas mitzuteilen und was machte der? Er verstand sie schlicht und ergreifend nicht!
Die Anziehungskraft wollte einfach nicht wirken, um sie wenigstens zu einem einzigen Geist wieder zusammen fügen zu können. Stattdessen war vorläufig lediglich jeweils ein fixer Bestandteil von ihr bei dem Mischling, der andere bei dem Warg, dem sie sich aus unerfindlichen Gründen ebenfalls verbunden fühlte. Der Rest befand sich mal hier, mal dort und irgendwie schwebte er an einander stets vorbei.
Der Teil von ihr, der sich bei Kazel aufhielt und nicht von seiner Seite wich, fühlte wie unzähmbarer Zorn in ihr zu lodern begann. Beinahe wäre sie auf das Gejammer der Verräterin hereingefallen, wenn nicht ausnahmsweise ein Fetzen Erinnerung in ihr Denken getreten wäre. Juduka log wie gedruckt! Die geisterhafte Dunkelelfe spürte, wie die Wut ihr Kraft zu verleihen begann und sie stieß einen für lebende Ohren lautlos, für die in der Zwischenwelt Gefangenen hingegen sehr wohl hörbaren und alarmierenden Schrei aus.
Sie merkte schnell den Erfolg, als mit einem Mal einige ihrer Teile den Weg ins Zelt fanden und sich zwischen ihnen, sobald ein Blickkontakt zu der Zornigen hergestellt war, eine gewisse Anziehungskraft aufzubauen begann. Vereint im Hass stand sie sich selbst gegenüber und fühlte wie sie sich ihrem Selbst wieder annäherte. Noch nicht ausreichend, um sich endlich wieder gänzlich zu vereinen, aber immerhin genug, um zu spüren, dass sie zueinander gehörten, verstärkt durch die Wut, die auch auf die anderen überzugehen begann. Sie spürte, wie die Anziehungskraft zwischen ihnen immer stärker wurde. Bis mit einem Mal Kazel selbst für Ablenkung sorgte. Alle Köpfe drehten sich abrupt zu ihm, als er in ihrer Muttersprache ein Gebet zu der Göttin formulierte, die auch sie manchmal angerufen hatte. Irgendwo hörte Janay den Schrei einer Eule und dann das Schlagen von Flügeln. In einigen Gesichtern hob sich zweifelnd die Augenbraue, bis es die erste Ruferin war, diejenige, die dem Mischling nicht von der Seite gewichen war, die begriff und handelte. Manthala hatte ihn gehört und als Herrin der Nacht und oft auch als Traumweberin verschrien, hatte sie wohl sein Gebet erhört. Für die Lebenden unsichtbarer Nebel wallte durch den Eingang des Vorzelts und der schwere Duft von schwarzen Rosen hing in der Luft. Als Zwischenwesen, als Geist konnte Juduka körperlich die niederdrückende Präsenz der nahenden Göttin fühlen, auch wenn sie sich nicht zeigte. Sie fühlte mit jeder Faser ihres zerstreuten Daseins, dass der Schleier, der die Welten von einander trennte dünner wurde. Manthala rief Kazel in ihre Welt und Janay musste nicht folgen... sie war schon da. Geistesgegenwärtig nickte sie den anderen zu und begann dann leise, aber beschwörend zu sprechen:
„Juduka benutzt dich. Sie ist der Feind! Sie wollte dich töten! Sie hat das Amulett. Pass auf!“
Das wiederholte sie immer und immer wieder, während die anderen Teile einfielen, um die Wirkung zu verstärken.

Schwerer süßer Rosenduft hüllte Kazels Sinne ein und der Sturmadler schloss zum Gebet seine Augen.
"Manthala ... wenn selbst der Gevatter Tod mich erhört, dann tut auch Ihr mir den Gefallen... Schlaf ist der Vorbote des Todes. Träume sein Geleit. Ich ... muss dorthin. Ich muss Janay retten. Helft, Herrin. Ich bitte Euch."
Als er seine Augen wieder öffnete, war er sich fast sicher, dass er nicht mehr in der realen Welt war. Er stand aufrecht und ohne jede Verletzung, mit den Kleidern die er wünschte, in einem Wald aus Nebelbäumen. Die Umgebung erinnerte entfernt an den Ort an dem er eben noch gewesen war und war doch ganz anders. Die Äste trugen verwehende und sich ständig erneuernde Schleier wie andere Blätter. Die Rinde war weiß wie bei Birken und teilweise durchsichtig. Sanftes Zwielicht berührte seine Haut und ließ sie schimmern. Er hörte einen Flügelschlag über sich und schaute nach oben. Eine Eulenfeder sank auf ihn herab, landete in seinen Händen. Er senkte den Blick wieder und vor ihm, keine fünf Schritt entfernt, stand eine Frau. Ihr Leib war in Dunkelheit gekleidet und Schatten verhüllten, dass was die Phantasie nicht sehen sollte. Schönheit war ein Wort, das niemals das beschreiben konnte, was sie war. Geheimnisvoll und mystisch zog sie seinen Blick an und trat aus den Schatten heraus. Ein langes Bein, eine schlanke Fessel, ein nackter feingliedriger Fuß berührte den Boden der sie anbetete. Das Rascheln von Federn folgte und ein Mantel aus weißen Eulenfedern schloss sich um die göttliche Gestalt.
"Der Gefallen... sei dir gewährt... Kazel, Sturmadler."
Ihre Stimme war der nachtschwarze Samt am Himmelszelt und drang in Kazels Sinne, süß und lockend wie Honig für die Biene. Jede einzelne Silbe war wie ein Streicheln. Ihr Antlitz war verborgen unter der fedrigen Kapuze. Nur ein paar sehr lange Strähnen nachtschwarzen Haares flossen über ihre Schultern über den Mantel bis fast zu ihren nackten Füßen. Dort wo sie ging wallte der Nebel für sie auseinander und zeigte weiches silbergraues Moos. Wo sie die Erde berührte, erblühten Träume wie Krokusse im Frühling. Langsam schritt sie halbmondförmig um Kazel herum und ihre Stimme liebkoste seine Seele.
"Da hat mein 'Bruder Tod' dir aber einen schlimmen Streich gespielt..."
Ein weiterer Schritt und sie sprach weiter:
"Er hatte schon immer einen sehr schwarzen Humor... aber eine solch harte Prüfung?... Ihm muss viel an dir liegen!"
Ihr Haupt hob sich ein wenig, aber Kazel konnte nur einen Herzschlag lang ihr göttliches Profil erahnen.
"Aber du hast um einen Gefallen gebeten und den gewähre ich gerne... doch ich verschenke nichts. Sei gewiss, ich werde zurückverlangen, was gegeben wurde. Gefallen für Gefallen!“
Erst jetzt bemerkte Kazel den seltsam golden leuchtenden Kreis am Boden, der sich langsam schloss. Manthala trat auf ihn und er verblasste.
„Hier hast du alle Zeit der Welt... Tu wozu du her gekommen bist...“
Sie wandte dem Mischling das Gesicht zu, aber in dem Moment wo er ihre Schönheit hätte sehen können, verschwamm ihre Gestalt und Kazel blinzelte instinktiv.
„Wir werden uns wiedersehen.“
Ihr Flüstern verklang in der Endlosigkeit und das nächste was er sah, waren die vielen silbrigen Gestalten von Janay um ihn herum. Er sah in ihre flehenden Gesichter und hörte ihre leise beschwörende Stimme:
„Juduka benutzt dich. Sie ist der Feind! Sie wollte dich töten! Sie hat das Amulett. Pass auf!“
Kazel fühlte Nadel und Faden in der einen Hand und das Gewicht der Sanduhr in der anderen, doch er wusste, hier in Manthalas Welt, hier in seinem Traum würde er nur eines davon brauchen.

Manthala rief Kazel in ihre Welt und Janay musste nicht folgen... sie war schon da. Die Schleier die die Welt der Lebenden von der der Toten trennte öffneten sich und Janays Geister glitten sanft in Kazels Traum hinüber, fast ohne es zu bemerken. Sie konzentrierte sich während des gesprochene Mantras ganz und gar auf ihn und würde erst später die Veränderungen ihrer Umgebung bemerken, die in Kazels Unterbewusstsein Form angenommen hatten.

((ooc: Kazel kann hier die Umwelt beeinflussen und umformen, wenn er möchte, nur Janay nicht.))
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 6. April 2017, 10:37

War es vorbei? War Kazel gestorben - schon wieder? Seine Lider hoben sich und das tiefe Meerblau der elfischen Seelenspiegel versuchte, sich zu orientieren. Etwas drang in sein Bewusstsein ein. Es war die Erkenntnis, dass er noch lebte. Er fühlte die Schwere seines eigenen Körpers am Rande seiner Wahrnehmung. Dort irgendwo lag er, atmete immer ruhiger, aber nicht bedrohlich ruhig. Er war nicht auf dem Weg zum Gevatter. Nein, er schlief nur. Solche Momente existierten. Man befand sich in einem tranceartigen Halbzustand zwischen Schlafen und Wachen. Man wusste, dass der Körper sich zur Ruhe gelegt, das Denken aber nicht gänzlich eingestellt hatte. Ein kostbarer Moment zwischen den Welten und so greifbar wie eine Seifenblase. Würde Kazel zu intensiv über die Gegebenheit nachdenken, zerplatzte der Augenblick zwischen seinen Fingern. Daher entschied er sich, es als gegeben hinzunehmen und sich weiter umzuschauen. Immerhin hatte er für diesen Moment gebetet!
Schmerz fand niemals Einzug in Manthalas Reich. Sein Bein fühlte sich normal und richtig an. So musste es sein. Er erkannte nicht einmal Anzeichen einer Verletzung. So setzt er den nackten Fuß auf den Untergrund. Ja, nackt war er, dass er weiches Gras zwischen seinen Zehen spüren konnte. Es kitzelte die Fußknöchel, doch nicht weiter. Eine schlichte Hose bedeckte seine Beine, ein einfaches Leinenhemd den Oberkörper und über beidem lag etwas, das er schon sehr lange nicht mehr getragen hatte: sein Umhang, mausgrau und unscheinbar. So konnte auch er in die grauen Schatten einer Randerscheinung verschwinden. Die Welt drehte sich auch ohne ihn weiter. Er war nicht wichtig genug, dass Dunkelelfen ihn jagten oder er im Namen des Lichts für die Freiheit der menschlichen Hauptstadt kämpfen musste. Nicht einmal der Tod schien Herr über ihn sein zu wollen, wenn er sich im Schatten seines Mantels unsichtbar machte. Ein geborgenes Gefühl unendlicher Freiheit beflügelte ihn. Es trug ihn zwischen den Bäumen seines Traums hindurch. Sie reihten sich aneinander, schienen endlos wie das Gefühl in seinem Herzen. Graue Rauchsäulen, in der Ferne grob und mit faseriger Rinde, aus der Nähe aber nur verschwommene Nebelbänke, die von Rosenduft begleitet wurden. Der Mischling sog den Duft tief in sich ein.
Für den Moment genoss er es einfach nur, in seinem Traum zu existieren und ihn anzunehmen. Er tänzelte fast schon zwischen den Stämmen hindurch. Seine Füße berührten kaum den Boden, da machte er längst den nächsten Schritt. Der Umhang wehte selbst wie ein Schleier aus grauem Nebelspiel hinter ihm her. Ein schützender Schweif des Vergessens. Kazel streckte die Arme aus, um die Bäume zu berühren, aber noch vor seinen Fingern teilten sie sich. Der Nebel löste sich auf, ließ ihn vorüber ziehen und bildete sich hinter seinen Händen neu. Nicht einmal herab hängende Blätterschleier hinderten seinen Weg.
Erst der sanfte Ruf einer Eule inmitten dieser Idylle vermochte es, Kazels Lauf zu unterbrechen. So blieb er stehen, hob den Blick zu den Wipfeln. Zwischen Nuancen von Grau segelte mit einer Leichtigkeit, die sein Verstand niemals würde erfassen können, eine weiße Feder herab. Flauschig und fein zeigte sich jede einzelne Faser. Nichts auf der Welt mochte so rein und unschuldig sein wie dieses Eulengeschenk. Es landete auf Kazels offen liegenden Handflächen und doch fühlte er abgesehen von einem sanften Kitzeln nichts. Seine Mundwinkel kräuselten sich zu einem Lächeln. Die Sanftheit der Feder spiegelte sich in seinen Zügen wieder und als Kazel erneut den Blick hob, richtete er diese sanften Züge nebst seinem Lächeln auf die Frauengestalt einige Schritte vor ihm.
Nie zuvor war sie ihm erschienen und falls doch, dann nur so flüchtig wie ein Traum, den man nach dem Erwachen vergaß. Das war ihr Schicksal und ihr Fluch. Nun aber wirkte die Herrin so greifbar! Wenige Schritte und Kazel könnte sie berühren. Eine ungeahnte Sehnsucht machte sich in seinem Herzen breit. Er wollte dicht an diese Gestalt herantreten, sich in ihre Arme flüchten und sie bis in alle Ewigkeit halten. Solange sie ihn nur in diesem friedlichen Traum existieren ließ. Nie mehr erwachen. Für immer den Frieden und die Sorglosigkeit genießen.
Sie zerstörte seine Welt, wischte Sehnsüchte beiseite und doch weckte sie damit weder Enttäuschungen noch Zorn. Es war ihr Reich, in dem Kazel sich aufhielt. Wer sonst außer ihr durfte entscheiden, ob ihm Frieden gewährt wurde inmitten ihrer Domäne? Kazel lauschte den samtschweren Worten der Herrin. "Ich werde für alles bezahl, wenn ich kann", formten seine Lippen. Er war sich nicht sicher, ob er seine eigene Stimme auch hörte oder nur in seinem Kopf sprach. Dann blinzelte er die Anwesenheit der Göttin fort. Fort. Kazel war allein.
Seine Augen streiften umher, einzige Farbkleckse in diesem Traum aus Schattengrau und Silber. In Edelsteinen eingeschlossenes Meer mit tiefschwarzen Inseln, in denen silbrig das Licht der nebelhaften Bäume reflektierte. Jene wandelten sich, formten sich zu Anteilen vertrauter Bilder. Kazel wurde ein Arm bewusst, den er berührt, eine Hand, die er gehalten hatte. Er erkannte die feinen Gesichtszüge, welche er schon mehr als einmal angeschaut und insgeheim dabei den Atem vor so viel Schönheit angehalten hatte. Er erkannte sanfte Rundungen, die ihn verführt und ihm ein Ruhekissen geboten hatten wie sein jetziger Traum.
"Janay", hauchte er ihren Namen in die Stille seiner grauen Welt. Für den Moment glaubte er, dass jeder der geisterhaften Lichtfetzen dabei aufleuchtete. Vielleicht irrte er auch. Er durfte nicht zulassen, dass auch ihre Gestalt schwand wie jene der Göttin. Der Elf tat einen Schritt. Er wiederholte den Namen, um jeden noch so winzigen Teil von ihr in seinem Traum zu halten. Und er lauschte, was sie zu sagen hatte. Juduka. Der Feind. Sie hat das Amulett. Aufpassen.
"Das werde ich. Später." Es ließ sich so leicht dahin sagen, wenn man Gewissheit besaß, alle Zeit der Welt zu haben. Dabei war es nur Landrias Zeit, die er wirklich bei sich trug. Er fühlte das Stundenglas schwer in seiner Handfläche. In der anderen piekte aber auch erneut die Nadel. Ganz leicht, gerade so viel, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber nicht so stark, als dass sie ihn hätte wecken können. Nicht schmerzhaft.
"Lass mich dir helfen. Wenigstens diese eine Mal lass mich dich retten und zusammenfügen, was ich zerstört habe", bat er jeden einzelnen Teil Janays. Dann setzte er sich. So selbstverständlich wie man es nur im Traum erwarten konnte, war da plötzlich dieser Tisch. Und Kazel setzte sich einfach darauf. Er winkelte beide Beine an, überkreuzte sie, dass seine Füße unter den Schenkeln und neben seinem Hosenboden hervorlugten. Schneidersitz nannte man diese Haltung und Kazel war jetzt ein Schneider. Er formte sich nicht nur eine Stube voll mit Stoffen, zu verarbeitenden Textilien, einer Modellpuppe und gefertigten Kleidern. Er gab sich im Traum auch die Befähigung des Nähens. Er wusste wie man stickte, den Faden zog und selbst seine Finger überspannte gehärtete Haut, so dass es ihn nicht kümmerte, wenn die Nadel ihn piekte.
"Lass mich das schönste schaffen, was meine Finger vermögen", bat er Janay erneut. Er wies jeden geisterhaften Teil an, sich zu ihm auf den Tisch zu begeben. Dort zückte Kazel Nadel und Faden. Mit einem Lächeln auf den Lippen wollte er ans Werk gehen, begleitet von dem friedlichen Prasseln einer Feuerstelle und den Geräuschen einer belebten Stadt in der Zeit der Abendsonne. Er hörte Kinderlachen. Sie spielten draußen vor seiner kleinen Schneiderei. Sie akzeptierten seine Existenz, ebenso wie ihre Mütter, die zu dem Elfen kamen, um Kleidung flicken zu lassen. Doch heute würde er ein persönliches Meisterwerk vollenden. Eines, das er zu lange aufgeschoben hatte. Hier und jetzt dachte er an sich und die Fertigstellung eines wahren Künstlerstreichs. Es musste sein. Denn Kazel selbst wäre nur vollständig, wenn er seine Liebe und den goldenen Kern ungeborenen Lebens in ihr wieder zusammenfügte.
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Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Montag 24. April 2017, 09:48

Der Geist der Dunkelelfe hörte zwar, was gesprochen wurde, aber sie konnte die Sache mit tot nicht mit sich selbst in Verbindung bringen, wenngleich sie erstaunlicherweise noch wusste, dass mit Janay sie gemeint war. Für sie war es eine andere Erscheinungsform, zum Teil losgelöst von ihrer körperlichen Vergangenheit, sodass es sich anfühlte, als wäre es schon immer so gewesen. Außerdem war sie lebendig, sie war in dieser Welt und musste lediglich Mittel und Wege finden, um sich bemerkbar machen zu können.
Was also bedeutete, sie wäre tot? Ihr Körper war irgendwo anders, lag regungslos auf dem Waldboden herum, das war jedoch auch schon alles. Der Rest von ihr war frei, obendrein zerfasert, und bewegte sich frei von Hindernissen herum.
Umso mehr wurmte es sie, dass sie noch nicht gut genug war, um sich in das Gespräch einzumischen. Wie gerne hätte sie Juduka erneut angegriffen, während diese Lügen verbreitete und der Mischling diese sogar noch zu glauben schien!
Als sie behauptete, sich zu wünschen, dass das alles nicht passiert wäre, schnaubte der Geist direkt neben Kazel nur verächtlich. Von wegen! Aber mehr konnte sie nicht machen. Doch, eine Sache gab es, die sie erledigen konnte.
Sie versuchte, sich zu sammeln und ihre eigenen Einzelteile zusammen zu rufen, um sich allmählich wieder miteinander zu verbinden. Das wäre vermutlich von Vorteil! Es gelang ihr tatsächlich, den Großteil zu sich ins Vorzelt zu rufen, ehe die Nachelfe ihr Steine in den Weg legen konnte. Lediglich ein paar ihrer Gestalten gruppierten sich stattdessen um den Warg, als wäre dieser der Punkt, an dem sie sich in dieser Welt halten konnten.
Im Zelt indes bemühten sich alle eingetroffenen Teile, endlich eine Botschaft an Kazel senden zu können. Immer und immer wieder sprach sie dieselben Worte, beschwörend und eindringlich, mit all dem Bestreben, ihn zu erreichen, das sie aufbringen konnte. Dass sich währenddessen ihre Umwelt veränderte und sogar Manthala selbst sich dazu bequemte, sich zu zeigen, bemerkte sie vorläufig nicht.
Erst, als sie Kazel stehend vor sich erkannte und er sie ansah, als würde er sie tatsächlich erblicken können, wurde ihr klar, dass sich etwas geändert hatte. Das ein oder andere geisterhafte Wesen blinzelte verwundert und sah sich um, nur eine einzelne fixierte seine Augen, diejenige, die beständig bei ihm geblieben war und wie eine Anführerin fungierte. Sie schien auch am meisten an Erinnerungen behalten zu haben, zumindest, wer sie hatte beobachten können, konnte diesen Eindruck gewinnen.
Seelenruhig, als hätte sie allein auf diesen Moment gewartet, verharrte sie in ihrer Position. Lediglich ihre Augen musterten ihn von oben bis unten, bevor sie zurück zu seinem Gesicht fanden. "Juduka benutzt dich. Sie ist der Feind! Sie wollte dich töten! Sie hat das Amulett. Pass auf!", wiederholte sie ein letztes Mal eindringlich ihre Worte, direkt an ihn gerichtet und in dem Wissen, dass er sie dieses Mal tatsächlich würde hören können.
Zwar verstand sie nicht, wo sie sich nun alle befanden, allerdings hatte sie die Überzeugung in sich, dass sie miteinander würden reden und handeln können, solange sie hier wären. Außerdem spürte sie eine Hand, die ihre hielt, fühlte die Wärme und den sanften Druck. Wann hatte er sie ergriffen, seine Finger um die ihren geschlossen? Sie wusste es nicht, es war einfach geschehen.
Endlich auch sprach er sie an, direkt und ganz so, als wären sie beide tot... oder lebendig. Sie nickte knapp auf ihren Namen und fixierte weiterhin seinen Blick mit dem ihren. Doch auch die anderen Wesen reagierten, er konnte sie mit seiner Stimme immer mehr zurück aus ihrer Beobachtung holen und ihre Aufmerksamkeit gewinnen.
Schließlich antwortete er auch endlich auf ihre Warnung. Die Anführerin schüttelte den Kopf. "Nicht später, ständig!", verlangte sie mit einer Vehemenz, die für sie typisch gewesen war, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.
Im nächsten Moment veränderte sich die Umgebung, wurde der Wald zu einem gemütlichen, etwas vollgestopften Raum. Schon verlor er erneut die Aufmerksamkeit von ein paar Teilen des Geistes, die sich den Stoffen zuwandten und interessiert diese betrachteten, sogar befühlten. Es hätte nicht viel gefehlt und sie hätten eine Diskussion begonnen, was ihnen am besten stehen würde und wie viel von ihrem Körper bedeckt sein sollte.
"Was hast du vor?", fragte die Anführerin etwas skeptisch, als es an der Tür klopfte. Missmutig ob dieser Störung blickte sie dorthin, während sich eine von ihren Gestalten die Freiheit nahm, einfach zu öffnen. Es war, als hätte sie gespürt, dass das richtig und wichtig wäre.
Was auch zutraf, denn weitere Erscheinungen von Janay befanden sich draußen und begehrten Einlass, waren von dem Warg weg- und hierher gelockt worden. Nun wollten auch sie wieder zusammengeflickt werden. "Sind wir vollzählig?", murrte die Anführerin in Richtung der Eintretenden, die ein wenig beschämt den Kopf senkten, als wären sie säumig gewesen.
Schließlich brummte sie etwas Unverständliches und wandte sich Kazel wieder zu. "Also, dann lasst uns beginnen.", verkündete sie und trat als erste an den Tisch heran.
"Wird das weh tun?", kam es ein wenig weinerlich aus dem Hintergrund und führte dazu, dass die Anführerin die Augen verdrehte.
Es war demnach nicht allein so, dass die Dunkelelfe in unzählige Gestalten zerfasert war, sondern scheinbar auch ihr Wesen sich entsprechend vielfältig geteilt hatte. Ob der Mischling tatsächlich ausreichend Zeit hätte, sie alle wieder zusammen zu fügen?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Dienstag 25. April 2017, 20:02

Zeit -

Was war Zeit in einem Traum? -

Zeit war ein Gedanke und als solcher war er dehnbar und man konnte sich in seinen Details verlieren, so man denn wollte. Und Kazel hatte sehr detailreiche Gedanken, genauso wie ein Künstler, der seine Leinwand bemalte, erschuf er seiner Psyche eine Leinwand auf der er agieren konnte. Wände mit vertäfeltem Holz und Regale voller Stoffe zierten sein Innenleben und der Tisch auf dem er saß, er war ihm so vertraut, als würde er ihn seit Jahren kennen. Jede kleine Scharte, jede Schramme erzählte eine Geschichte und er kannte sie alle. Er kannte auch die Stimmen der Kinder, die von draußen seine Sinne erreichten und sie webten ihm neue Stoffe aus den Geschichten geschrieben wurden. Es war ein friedlicher Ort und es war ein gutes Gefühl hier zu sein, fast ein wenig zu gut.
Warum nicht noch eine Weile hier bleiben und der wunderschönen Frau mit den Augen folgen, die sich so fassettenreich in seinem Laden umsah, sich selbst die Tür öffnete und sich in seine Phantasie kleiden wollte. Natürlich würde er an ihr sein Meisterwerk vollbringen!

Irgendwo lächelte ein Göttin.
Ob dies ein gutes Zeichen war? Wer waren die Sterblichen die Pläne der Götter entwirren zu wollen? Manthala hatte Kazel diese Leinwand geschenkt, aber ganz uneigennützig war auch dies nicht geschehen.

Janay sammelte ihre verstreuten Einzelteile um Kazels Tisch und der Schneider begann sein Tun. Mit einer Hand hielt er die Nadel, in die er einen einzelnen silbrig glänzenden Traumfaden fädelte und begann sein Werk. Er brauchte nur seine Hand auszustrecken und Janay brauchte sie nur zu ergreifen. Sofort verwandelten sich die Nebelgestalten um ihn herum in reinste Seide. Stück um Stück griff er nach ihr und führte sie zu seinen Händen. Da waren welche, die waren so fein und weiß, dass er sie fast mit einem Streicheln seiner Fingern zerreißen konnte. Andere waren schwer und dunkel, roh gewebt in ihrer Struktur und grob anzufassen. Manch ein Teil sträubte sich sogar und andere flossen nur so auf ihn zu. Jedes Teil war so einzigartig und auf seine Weise schön, dass das Gesamtbild ihn in seinem Kopf schon jetzt in Verzücken versetzte. Fleißig arbeitete er und seine Stiche waren eilig, doch gekonnt. Er würde nicht aufhören, bis es getan war. Er konnte gar nicht anders. Stück um Stück fügte er zusammen und Janay wurde wieder eins.

Juduka schritt um das Zelt und legte ihre Falle aus. Ein schmales kaltes Lächeln ließ ihre Lippen begeben. Janay war tot und Kazel war nun ihr ganz und gar ausgeliefert. Nichts sollte ihren Triumph jetzt noch aufhalten. Die Späher ihres Meisters waren zwar ums Leben gekommen, aber was war ihr kleiner Verlust, gegen ihren Gewinn! Sie schaute zum Zelt und zu dem schlafenden Mischling.
„Schlafe, holder Prinz. Bald wirst du dich erheben und zu deiner Bestimmung zurück kehren! Wir erwarten dich. Du warst ein braves Werkzeug und wirst es wieder sein. Er wird mich belohnen und ich werde wieder in seiner Gunst stehen, so wie es sein sollte!“
Unbemerkt von den Toten und den Schlafenden vollendete sie ihren Kreis. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk und flüsterte ungehörte Worte in den Wind:
„Janay, selbst wenn dein Geist noch irgendwo hier draußen ist... Ich bin mächtiger als du! Ich trage das Licht deines Untergangs in mir. Ich weiß zu verhindern, dass du ins Licht deines Lebens zurück kehrst! Du wirst die Schattenwesen kennen lernen, ihre Welt, du wirst auf Ewigkeit bereuen, dass du dumm und zu vertrauensselig warst. Dumme kleine Janay, ...“
Sie griff unter ihr Gewand und hielt das Amulett in ihren Händen, starrte darauf hinunter.
„Hab keine Angst, ich werde mich gut um deinen Geliebten kümmern. Er wird das hier nicht bekommen. Für ihn ist ein anderer Weg vorgesehen! Er kommt in die besten Hände! Oh, nein...nicht in meine, wenn du das dachtest, kleiner Geist - - - „
Ihr Lächeln wurde blutig kalt.
„Raxtian erwartet ihn schon sehnsüchtig.“
Damit schritt sie in den Wald, fort von der kleinen Lichtung in Richtung der Leichen und des Kampfplatzes. Drohend und schmal lächelnd stand sie über Janay und trat sie einmal mit dem Fuß in den Bauch. Sie lachte trocken und wandte sich dann den beiden Dunkelelfen zu. Sie durchsuchte sie beide gründlich und fand schnell, wonach es sie verzehrte. Dorun, der Versager, hatte es „heimlich“ aus dem Kästchen im Zelt genommen und in ein Tuch gewickelt. Er war schon immer zu weich gewesen. Vielleicht hätten sie ihn doch von seinem Sohn trennen sollen. Sie hatte schon damals in seinem Gesicht die Zweifel erkannt, als Kazels Schreie die Nacht erfüllt hatten. Ihr Meister hatte sein Meisterwerk an ihm vollbracht und es verlangte nach ihm. Viele der anderen Wesen hatten sich nicht als zufriedenstellend herauskristallisiert, aber Kazel... ER hatte überlebt! Dorun hatte sein Potenzial nicht erkannt und seine Wacht vernachlässigt. Er war nur ein Wächter gewesen, einer von vielen die die Schöpfungen des Meisters im Auge behalten sollten. Er hatte versagt! Er und sein Sohn, seine ganze Blutlinie waren dafür von Tausendtod mit seiner Wiederbeschaffung beauftragt worden. Sofern sie ohne ihn zurück kehrten, wartete schlimmeres als der Tod auf sie und deshalb war Dorun auch so „glücklich“ gewesen, dass Juduka ihm zuspielte, als sie und Janay ihn trafen. Kazel allein gefangen zu nehmen, das war schon etwas! Aber Kazel, seine Geliebte und sein ungeborenes Kind?! Da war er gierig geworden.
„Du warst so dumm! Ungeduldig und berechenbar.“
Juduka drehte an dem Pfeil, der aus seiner Kehle ragte. Dann wandte sie sich wieder ab und ging sehr langsam auf Janays Leichnam zu. In ihren Händen trug sie ein kleines Lederbündel, verborgen darin ein Ding, dass alles ändern könnte. Einst war es für Kazel bestimmt gewesen, aber Juduka traute sich durchaus zu, ihn soweit zu beeinflussen, dass er ihr folgen würde, jetzt da er traurig und allein in dieser Welt war. Das Ding, ein ähnliches hatte schon einmal Kazel gehört, oder genauer gesagt, einmal hatte Kazel schon ihm gehört.
Aber sie brauchte es nicht. Sie konnte es für Janay verwenden, ihren Geist, ihre Seele einfangen und sie für immer in die Dunkelheit werfen. Ihre Finger spannten sich um den kleinen harten Gegenstand, fühlte die Schwere seines Schicksals durch den Stoff hindurch. Sie kam bei ihrem leblosen Körper an und starrte mitleidlos auf sie herab. Ein Hauch Magie huschte über ihre Augen und sie zog erstaunt die Brauen hoch.
„Wie... Was? Du kleiner WURM! Bist einfach noch am Leben!“
Die Nachtelfe kniete sich neben den Körper und legte ihre Handfläche an Janays Bauch. Ein tonloses Lachen ließ ihre Schultern zucken.
„Das ist ja zu köstlich! Das ändert ja alles!“
Sie schien sich wirklich zu freuen und wickelte das kleine Ding in ihrer Hand aus. Ein fahles Leuchten breitete sich um sie aus, als sie leise magische Worte wisperte. Dann holte sie aus und sie stach Juduka den Kristall tief in den Unterleib. Mit einem bösartigen Lächeln schloss sie die Wunde und schaute auf makellose Haut hinab.

Kazel war fast fertig.
Nur noch wenige Teile Janays schlenderten abgelenkt von seiner Phantasie-Umgebung durch seinen Laden. Sie merkten nichts von dem was mit ihnen passierte. Weder das Zusammensetzen war schmerzhaft, noch die plötzliche Veränderung, die vor sich ging. Zwei von ihnen diskutierten noch darüber, welche Farbe ihnen wohl am besten stehen würde, aber plötzlich Kazel zusammen zuckte und das Gefühl hatte, den Faden verloren zu haben. Er sah auf seine Hände hinunter. Da war die Nadel, da der Faden und trotzdem... Irgendetwas hatte sich verändert. Wo war das kleine goldene Leuchten hin, das das Gesamtkunstwerk so perfekt gemacht hatte, - seine – ihre Liebe so perfekt gemacht hatte? Hatte er es fallen lassen? War es ihm durch die Maschen gerutscht. Schnell durchsuchte er Falte um Falte, prüfte jede Naht, doch es war nicht mehr da, dabei hatte er es doch mit als erstes vernäht. Was war nur geschehen?
Vielleicht wurde es Zeit sein Werk zu beenden und aufzuwachen? Sollte er Janay von seinem Missgeschick erzählen, den letzten Teilen, die noch frei und unverbunden bei ihm waren um mit ihm kommunizieren zu können? Auf seinem Schoß lag eine fast fertige Geisterhülle, die darauf wartete komplett zu sein. Dann musste er nur noch aufwachen und dieses Amulett, was Aman bei seinem Vater hatte anwenden wollen bekommen. Janay sollte doch wieder leben! Er hatte sie doch retten wollen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Mittwoch 31. Mai 2017, 15:55

Vielleicht sollte diese Traumwelt, die Kazel sich selbst hatte schaffen dürfen, der einzigen Flecken Frieden sein, den er je kennen lernen würde. Der einzige Ort, an dem er seine eigenen Entscheidungen traf, ohne Spielball eines anderen zu sein. Denn war er das nicht schon immer gewesen? Damals in Morgeria noch das ungeliebte Mischlingskind mit der unreinen Hautfarbe, welches den eigenen Vater hatte töten müssen, um seinen Platz zu finden. Keinen der Akzeptanz, sondern einen der Toleranz - um das noch verblieben Beste aus ihm herauszuholen. Danach unbewusster Diener Landrias in einer in sich abgeschotteten Welt der Anstalt zu Pelgar, wo kein Geist sich selbst gehört hatte. Befreit vom Orden des Lichst, der vielleicht nicht nur rechtschaffene Motivationen besaß. Warum rettet man schon einen zu Folter und Tod verurteilten Mischlingselfen, wenn man dessen Existenz nicht in irgendeiner Form für sich nutzen möchte. Gleichermaßen ausnutzen wie es Raxtian Tausendtod getan hat, als er Kazels Seele in dieser magischen Kugel gefangen hielt und seinen Körper auf schändlichste Weise deformierte, um sich ein perfektioniertes Werkzeug zu gestalten. Aber seine Schöpfung war nicht perfekt gewesen. Sie hatte genug eigenen Willen noch besessen, um sich zu befreien ... und somit in den Dienst eines Zeitlosen zu stellen, des Gevatter Todes höchstselbst. Und nun verkaufte sich der Elf auch noch an Manthala. Nicht für das kleine Stückchen Frieden, das er sich selbst vortäuschte und gerade ausgiebig genoss, sondern um in dieser winzigen, eigenen Welt den letzten Rest Glückseligkeit zu einem Ganzen zusammenzufügen. Er wollte Janay retten. Sie und sein Erben, den er insgeheim nur in soweit ausnutzen wollte, dass dieser frei entscheiden, denken, fühlen und handeln durfte. Frei von allen Ketten.

Wie eine Kette aus silbrig grauen Schleierfetzen schwebten Janays Anteile nun auch in seinem Traum um Kazel herum. Er ließ sich von ihnen nicht beunruhigen. Er ließ sich nicht verführen. Dennoch war er vollkommen froh, sie um sich zu haben, jeden einzelnen noch so kleinen Teil davon. "Wie schön ihr seid", murmelte er ihnen zu, ließ dabei keine noch so winzige Faser unangesprochen. Der meerblaue Blick legte sich mit milder Verliebtheit auf die hellsten Seidenweben wie auf die dunkelsten, maschenhaft fasrigen Stoffteile und unter seinen Händen fügten sie sich nach und nach wieder zusammen. Sie vereinten sich nicht zu einem Flickenteppich, sondern verflochten sich in sich selbst wieder neu. Kazel schenkte ihnen mit Nadel und Faden nur eine Richtung, ein kleines Band, an dem sie sich festhalten konnten. Sie würden es vergessen, wären die eigenen Bande ihrer Existenzen wieder zu einem Gesamtbild geformt.
Der Traumschneider ließ sich alle Zeit. Er hatte nicht einmal das Gefühl, sich beeilen zu müssen. Was war schon Zeit? Ein Gedanke? Und was bedeutete ein Gedanke in einem Traum, der aus eben jenen bestand? Aus seinen Gedanken, welche er nach Belieben formen konnte! Hier war er Herr über die Zeit und das ohne das Geschenk des Gevatters auch nur anzurühren. Es wog schwer in seiner linken Handfläche, wenn er daran dachte, aber derweil konzentrierte Kazel sich ausschließlich auf Janay. Fast war er fertig. Nur noch hier ein Stich und dort ein ... ein Stich! Etwas piekte ihn unangenehm in seiner Wahrnehmung. Es war nicht schmerzhaft. Es gab keinen Schmerz im Traum. Es war einfach spürbar und es sollte eigentlich nicht da sein. Vor allem hatte es dafür gesorgt, dass Kazel seine Arbeit unterbrechen musste. Wohin war der Faden verschwunden? Wo steckte die Nadel? Er sah beides vor sich, konnte es aber nicht greifen, weder mit seinen Traumfingern noch mit seinen Gedanken.

Oh, wie dumm war er nur gewesen! Hochmut kam vor dem Fall und er war über den Rand der Klippe getreten, ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden. Welch ein Narr, zu glauben, er könne die Zeit beeinflussen. Auch sein Traum gehörte letztendlich Manthala. Niemand konnte sich über sie stellen, erst Recht keine kleine, sterbliche Hülle. Er hätte es besser wissen müssen. So dachte Kazel, das Schwinden dieses goldenen Leuchtens, an das er sich nur schwer überhaupt erinnern konnte, sei Signal ihrer Gunst gewesen. Und diese drohte nun zu schwinden. Er hatte Manthala erzürnt. Nun beendete sie seinen Traum, obwohl er noch gar nicht fertig war. Er brauchte mehr Zeit.
"Janay", hauchte er den Namen und versuchte, seinen Traum am Klang zu befestigen. Er sollte wenigstens noch so lange halten, wie ihr lieblicher Name in seinen Spitzohren nachklang. "Janay, kannst du mich hören? Jan...Ju ... Judu.... Juduka benutzt mich?" Ein erneutes Stechen. Während seiner Arbeit hatte Kazel ihre Worte nur als weiteren Teil des geisterhaften Seins im Raum wahrgenommen. Ein flüchtiger Blick jener Kundin, der er ihr Lebenskleid geschneidert hatte. Seidig dünn lag es in seinen Händen und jedes Mal, wenn der Geisterschleier raschelte, stob Janays Warnung wie Staub empor. Sie benutzt mich. Sie will mich töten. Aufpassen. Sie hat das Amulett. "Juduka...." Er blinzelte, versuchte noch die letzten Stückchen von Janays Seele zu erhaschen, um sie ihrem Bild zuzufügen. Doch sie verblassten, als der Name einer anderen Person den Traum zu zerreißen drohte. "Juduka..."
Kazel spürte das weiche Fell an seiner Haut, auf dem er lag. Juduka... Er wusste, dass er noch schlief, noch nicht ganz wach war. Er hörte sich selbst im Traum. Juduka ... der Feind ... Ju... "...duka", murmelte der Mischling, als seine Lider sich langsam hoben und er gegen die Zeltdecke blickte. Wohin war sein Traum verschwunden? War war mit Janay geschehen? Und Juduka war der Feind.
Vorsichtig versuchte Kazel, sich aufzusetzen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Sonntag 11. Juni 2017, 14:58

Auch für Geister war Zeit eine unbedeutende Größe, denn sie brauchten weder Schlaf, noch mussten sie sonstigen körperlichen Bedürfnissen nachgeben, die sich hin und wieder einstellten. Für sie war es unerheblich, ob es Nacht oder Tag war, wenn sie nicht in irgendeiner Form gebunden waren. So hatten auch alle Teile von Janay diese Empfindung verloren, was Zeit hieß und ob etwas lange oder kurz dauerte.
Was allerdings nicht dazu führte, dass sie alle zwangsläufig mit besonders großer Geduld gesegnet wären. Es war unterschiedlich, manche der Erscheinungen sahen sich weiterhin um, während sie darauf warten mussten, dass sie dran kämen. Andere hingegen vergaßen schlichtweg, warum sie an Ort und Stelle standen und wollten sich davon machen, was wiederum andere zu verhindern wussten. Und der ein oder andere Geist gab auch Unmutslaute von sich, weil das Ganze nicht schnell genug ablief. Doch alles in allem waren diese Teile relativ angenehme Kunden, begannen weder zu schimpfen, noch zu toben, lediglich das ein oder andere kleine Gedränge brachte zeitweise etwas Unruhe in die Gruppe. Mehr geschah aber auch nicht.
Dafür fügten sich immer mehr Einzelheiten zusammen, wurden wieder zu dem einen Wesen, das sie vor dem Lichtstrahl gewesen waren. Mit einem Mal indes schien sich die Atmosphäre zu verändern. Es war nicht greifbar oder hatte einen Namen, jedoch konnte sie mit allen ihren Sinnen spüren, dass nun Eile geboten wäre. Die wenigen Teile, die sich bisher geduldet und weiterhin umgesehen hatten, kamen rasch zu dem Tisch, als spürten sie, dass sie eigenständig handeln müssten.
Mit großen, runden Augen, in denen ein eindringlicher, fast schon flehender Blick lag, sie nicht zu vergessen, sahen sie den Schneider an, der plötzlich so verwirrt und unkonzentriert wirkte. Jetzt endlich ihre Worte aufgriff und dennoch nicht weiter nähte. "Ja, sie ist der Feind! Hilf uns! Lass uns nicht zurück!", zischelten und flüsterten sie.
Eine war mutig und sprang regelrecht in die Nadel, um noch aufgefädelt werden zu können, ehe es zu spät war. Die letzten beiden Teile allerdings hatten diese Gelegenheit nicht mehr. Die Umgebung veränderte sich, löste sich auf und machte dem Zelt Platz, in dem sich Kazel noch immer am Boden liegend fand.
Drei Geister schwebten nun in diesem Raum, einer stark, zwei durchscheinend und alle drei sahen sich betrübt an, weil sie ahnten, dass sie zusammengehörten und trotzdem getrennt waren. Wie nur sollten sie sich jetzt wieder vereinen können? Sie waren starr und fühlten sich hilf- sowie ratlos. Das Auffädeln des Schneiders hatte so simpel und logisch gewirkt. Sie stattdessen hatten diese Möglichkeit nicht, konnten weder Nadel, noch Faden erkennen oder gar angreifen.
Was sollte sie dann aneinander binden? Würde eine Berührung oder vielleicht sogar allein der Wunsch helfen? Wer könnte sie leiten und ihnen die Antwort geben, jetzt, da der Mischling aufwachte und sie vermutlich wieder nicht hören konnte?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 12. Juni 2017, 09:40

"Janay"
, hauchte Kazel den Namen und versuchte, seinen Traum am Klang zu befestigen. Er sollte wenigstens noch so lange halten, wie ihr lieblicher Name in seinen Spitzohren nachklang.
"Janay, kannst du mich hören? Jan...Ju ... Judu.... Juduka benutzt mich?"
Ein erneutes Stechen.
"Ja, sie ist der Feind! Hilf uns! Lass uns nicht zurück!"
, zischelten und flüsterten sie.
Eine war mutig und sprang regelrecht in die Nadel, um noch aufgefädelt werden zu können, ehe es zu spät war. Die letzten beiden Teile allerdings hatten diese Gelegenheit nicht mehr.
Sie benutzt mich. Sie will mich töten. Aufpassen. Sie hat das Amulett.
"Juduka...."

Er blinzelte, versuchte noch die letzten Stückchen von Janays Seele zu erhaschen, um sie ihrem Bild zuzufügen. Doch sie verblassten, als der Name einer anderen Person den Traum zu zerreißen drohte. Janay hatte ihn vor ihr gewarnt, aber damit auch seine Aufmerksamkeit von sich selbst auf die andere Frau gelenkt. Sicher war es wichtig gewesen, doch nun war er nicht fertig geworden.
"Juduka..."
Kazel spürte das weiche Fell an seiner Haut, auf dem er lag.
Juduka...
Er wusste, dass er noch schlief, noch nicht ganz wach war. Er hörte sich selbst im Traum leise sprechen:
"...duka"
, murmelte der Mischling, als seine Lider sich langsam hoben und er gegen die Zeltdecke blickte. Wohin war sein Traum verschwunden? War war mit Janay geschehen? Und Juduka war der Feind.
Vorsichtig versuchte Kazel, sich aufzusetzen. Von draußen hörte er eilige leichte Schritte schnell näher kommen.

Drei Geister schwebten nun in diesem Raum, einer stark, zwei durchscheinend und alle drei sahen sich betrübt an, weil sie ahnten, dass sie zusammengehörten und trotzdem getrennt waren. Wie nur sollten sie sich jetzt wieder vereinen können? Sie waren starr und fühlten sich hilf- sowie ratlos. Das Auffädeln des Schneiders hatte so simpel und logisch gewirkt. Sie stattdessen hatten diese Möglichkeit nicht, konnten weder Nadel, noch Faden erkennen oder gar angreifen.
Was sollte sie dann aneinander binden? Würde eine Berührung oder vielleicht sogar allein der Wunsch helfen? Wer könnte sie leiten und ihnen die Antwort geben, jetzt, da der Mischling aufwachte und sie vermutlich wieder nicht hören konnte?
Sie sahen einander an und betrachteten sich. Der größte und stärkste Teil von ihnen war erfüllt mit allen Emotionen die Janay vorher ihr eigen nannte, nur die beiden kleinen abseits stehenden Geister hatten sich nicht eingefügt. Da war zum einen „Stolz“, ein hübsches Wesen, dass sich einfach zu gut war, dass glaubte, sie könnte auch alleine bestehen. Auf der anderen Seite stand „Zweifel“, die sich einfach nicht rechtzeitig hatte entscheiden können. Alle anderen Emotionen hatten sich wieder in ein ganzes Geisterwesen vereint und besonders „Vernunft“ und „Vertrauen“ versuchten die letzten beiden zu überreden, zurück zu kommen. Jetzt da Janay fast wieder vollständig war, spürte sie auch ihren Willen zurückkehren und das mächtige Wesen brauchte nur seine Arme auszustrecken um sich wieder vollständig zu vereinen...
… Aber wollte sie das? Brauchte sie denn wirklich „Stolz“ und „Zweifel“ in ihrem Leben?
Sie musste sich nur entscheiden und dann kräftig zugreifen.... oder auch nicht. Würde sie es nicht tun, könnte sie in Zukunft deutlich „demütiger“ und auch sicher ein wenig „gutgläubiger“ durchs Leben gehen, aber eben auch ganz leicht geschwächt. Es waren schließlich nur zwei kleine Teile in einer fülle von Emotionen, die Janay ausmachten. Ihre Seele sehnte sich nach Vollständigkeit, aber es lag bei ihr diese Entscheidung zu treffen. Leider hatte sie dafür auch nur kaum Zeit, denn sie fühlte, dass die Magie des Traumes, Manthalas Magie nun schnell abnahm. Sobald Kazel ganz wach war, musste sie sich entschieden haben. Also wie überwand man „Stolz“ und „Zweifel“?
Fast glaubte sie ein leises ätherales Flüstern aus den verblassenden Bildern der Schneiderei zu hören, das ihr zuflüsterte:
„Vertrau dir und spring über deinen Schatten.“
Tatsächlich hatte „Stolz“ einen Schatten, über den sie springen könnte und dahinter stand „Zweifel“ , die man dann vertrauensvoll in die Arme nehmen konnte.

Juduka war draußen vor dem Zelt umher gelaufen und hatte angestrengt die Umgebung beobachtet. Immer wieder wob sie einen kleinen Zauber, der ihre Augen seltsam schimmern ließ und sah sich suchend um. Sie war sich so sicher gewesen, dass Janay hier noch draußen herum spukte und sie sie ausgesperrt hatte! Denn welches Wesen würde sich schon freiwillig einsperren lassen? Das wäre doch unlogisch und dumm! Nein, sie war der Meinung, dass Janays Geist sie mied und Angst vor ihr hatte. Seit dem sie sie mit ihrer Lichtmagie aufgespürt hatte und der Sonnenstrahl sie aufgelöst hatte, sorgte sich Juduka nur darum, dass die bald wieder aufziehende Dunkelheit ihre Feindin zurück bringen könnte. Unruhig lief sie herum und stöberte nur ab und an in den Taschen und im Wagen der Dunkelelfen, die ihr Hab und Gut zurück gelassen hatten. Die drei Späher und ihr Ork hatten ein paar nützliche Sachen dabei. Schnell wanderte eine gut zu versteckende kleine Klinge in ihren Besitz. Kazel schlief derweil friedlich im Zelt und erholte sich von seinen Strapazen. Ihre Magie hatte gut gewirkt und sicher wäre er ihr dankbar, dass sie ihn gerettet hatte. Sie grinste vor sich hin. Alles lief nach Plan und nur die Langeweile ließ sie umher wandern. Sie schürte das Lagerfeuer, fand im Wagen ein paar Zutaten die sie zu einem vielleicht wohlschm...nein, eher nahrhaften Eintopf verwenden konnte und hockte sich an den kleinen Kochtopf, der an einem Dreibein über dem Feuer hing. Bald roch es ganz annehmbar und sie aß ein wenig, damit sie selbst wieder zu Kräften kam. Die Verletzung durch den Sonnenstrahl und ihre verbrauchte Magie setzten ihr noch etwas zu und sie brauchte die Zeit genauso wie Kazel, wenn sie bald weiter ziehen würden. Weiter zu ihrem Meister, der sie für ihren Fang sicher hoch belohnen würde. Da regte sich etwas im Zelt und Juduka hörte das leise Stöhnen des Mischlingselfen. Sofort eilte sie zu ihm.

Kazels Blick klärte sich in dem Moment, in dem die Zeltwand aufschwang und Juduka von draußen herein kam.
"...duka"
„Kazel! Ich danke den Göttern, du bist wach!“
Sie schlitterte fast an seine Seite und kniete sich zu ihm. Sanft strichen ihre angenehm warmen Hände die leicht nach Essen rochen über seine Schläfe.
„Wie geht es dir? Du siehst besser aus. Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich dich gefunden habe. Du wärst fast... fast...“
Sie blinzelte schnell und schluckte ein paar mal, bevor sie sich anscheinend wieder fing und die aufsteigenden Tränen herunter zwang.
„Ich habe gedacht, ich hätte dich auch noch verloren...“
Sie wandte kurz das Gesicht ab, schluchzte und wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht. Was Janay aber nicht Kazel in diesem Augenblick sehen konnte, war dass sie keine Tränen weg wischte, sondern sich kräftig die Augen rieb, damit sie gerötet wären. Dann wandte sie sich wieder Sturmadler zu.
„Ich bin so froh, dass ich dein Leben retten konnte. Was wäre ich denn ...so allein.“
Sie schniefte einmal herzzerreißend und schluckte noch mal. Dann fiel ihr etwas ein:
„Hast du Hunger? Sicher hast du Hunger! Kannst du schon aufstehen? Wir könnten am Feuer essen... oder ich bring es dir her.“
Sie sah an ihm hinunter, während sie weiter plapperte, was gut zu ihrem leicht nervösen Zustand passte. Sie war eine gute Schauspielerin und wäre Kazel nicht gewarnt worden, so hätte er ihr ihr besorgtes, leicht verzweifeltes Verhalten geglaubt.
„Die Wunder an deiner Brust hätte dich fast umgebracht...“
Sie sprach leise, voller Angst und zitterte kurz.
„Die an deinem Bein kann ich bestimmt morgen früh behandeln. Ich... ich bin selbst etwas schwach.“
, so ihr Geständnis.
„Ich krieg dich wieder ganz hin. Dann bist du wieder so schö... schön stark und kräftig und kannst uns hier weg führen. Ich muss gestehen, ich weiß nicht genau wo wir sind, aber wir sollten gewiss nicht hier bleiben, wenn Dunkelelfenspione hier ihr Lager hatten.“
Sie sah ihn seine stürmischen Augen und stockte.
„Entschuldige ich plapper. Ich ...bin irgendwie aufgeregt und unruhig. Auch etwas verwirrt, was ja verständlich ist nach all dem...“
Juduka schwieg einen Moment und sah sich im Zelt um. Immer wieder huschten ihre Augen zu ihm.
„Es tut mir so leid!... du weist schon... Janay...sie... ich konnte nicht... Es tut mir leid, dass sie tot ist! Wenn ich irgendetwas tun kann, egal was, sag es bitte! Ich würde dir so gerne Trost spenden...“
Tatsächlich klang alles aufrichtig.

Janay war wieder Geist und hier im Zelt gefangen. Im wachen Zustand konnte sie nicht mit Kazel oder sonst irgendwem reden, aber sie konnte ihre Emotionen nutzen um kleinere Effekte in der realen Welt zu wirken. Aber erst einmal beobachtete sie gespannt Judukas und Kazels Reaktionen.

Kazel wusste einfach, dass Janay bei ihm war. Er fühlte ihre Gegenwart und manchmal vielleicht auch ein wenig mehr, wie ein Kribbeln auf der Haut, wenn warmer Atem ihn streichelte. Er wusste, dass Juduka das Medaillon hatte, dass er brauchte um Janay zurück in ihren Körper zu bringen. Aman hatte darauf vertraut, dass es bei seinem Vater funktionieren würde, also gab es für ihn und Janay auch noch Hoffnung! - Hoffnung! Eine der stärksten Emotionen, die es gab und die er brauchte um das hier zu vollbringen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Sonntag 9. Juli 2017, 13:09

Letzte Erinnerungsfetzen an den Traum hingen in Kazels Schläfrigkeit nach wie der mutige kleine Schleierfetzen ihrer Seele, der den Sprung in die Nadel noch gewagt hatte. Mit einem gekonnten Schwung eben jener war es dem Schneider dennoch nicht gelungen, sie zu erreichen, um sie in einer fließenden Bewegung an das Gewand ihrer geisterhaften Seelengestalt zu knüpfen. Das Bild war zu schnell verblasst, zusammen mit den letzten Anteilen Janays und dem Traum selbst. Zurück blieben die Erinnerung, sowie der leichte Klang ihrer Stimme. Die Warnung, die in seinen Ohren nachklang und sie zuckten ließ.
Kazel schlug die Augen auf, rührte sich endlich und es gelang ihm mit ein wenig Mühe, sich etwas aufzurichten. Die Brust schmerzte, auch wenn Juduka ihr Bestes gegeben haben mochte, sie rasch mittels Lichtmagie zu heilen und den Mischling auf diese Weise zu retten. Die Erinnerungen des Schmerzes steckten noch im Körper, würden sicherlich etwas länger als der Rest brauchen, um zu schwinden. Aber Kazel konnte es weitgehend ignorieren. Vor allem, weil er nach wie vor über die Warnung aus seinem Traum nachdachte, während sich das Bild von Juduka festigte, die durch den Zelteingang ins Innere und an seine Seite kam. Er nahm weniger die Wärme ihrer Finger wahr, als vielmehr das leichte Aroma zubereiteter Nahrung. Schon zog sich sein Magen zu einem flauen Knäuel zusammen. Wann hatte er das letzte Mal etwas Richtiges gegessen? Kazel würde keine Antwort finden, aber seine Sinne und auch sein Bauch verrieten ihm, dass es zu lange her sein musste. Der Hunger aber hielt ihn wach, drängte Emotionen zurück, so dass Kazel Judukas feuchte Tränchen in den Augenwinkeln mit gewisser Distanz betrachtete, ohne Mitleid und ein Bedürfnis zu trösten in sich aufkeimen spürte. Vielleicht lag es aber auch weiterhin an der Warnung seiner Geisterliebsten aus dem Traum.
"Ja, ich bin hungrig", entgegnet der Mischling auf die Frage hin. Seine Zunge fühlte sich schwer und trocken an. Wasser wäre sicherlich auch nicht verkehrt, um ihn gesprächiger zu machen. Jetzt lauschte er Juduka lediglich, nickte ein paar Mal, ohne ihre Worte direkt zu bestätigen. Er musste den Eindruck eines leicht geschwächten Elfen machen, der soeben versuchte, sich zu orientieren. Gleichermaßen fielen seine Versuche aus, aufzustehen. Die Beine fühlten sich butterweich an, die Bewegungen ähnelten denen eines schlaksigen Jugendlichen, der mit seinem Körper nicht allzu vertraut war. Doch schließlich stand Kazel auf seinem Lager, wobei er den Stunden zuvor verletzten Schenkel nicht so sehr belastete wie das heile Bein. "Morgen erst...", murmelte er. Konnte er es sich leisten, so lange zu warten? Etwas in seiner Art, Probleme zu lösen, hatte einen Wandel durchlebt. Er dachte nun deutlich radikaler und war eher zu einer endgültigen Lösung bereit, vor allem wenn ihm Janays Worte noch so mahnend im Kopf herum spukten. Je länger er damit wartete, Juduka zu überwäligen, desto mehr Chancen hatte auch sie, es bei ihm ähnlich zu versuchen. Wer wusste schon, wieviel ihrer Tränen Schauspielerei war und ob sie Kazel wirklich nur Gutes wollte. Aber warum versucht sie dann, mich zu heilen? Er konnte es sich nicht ganz erklären, war jedoch bereit, lieber Janay zu glauben als seinen zweifelnden Fragen. Jene drängte er beiseite. Dafür legte sich seine Hand nun wie von selbstverständlich an Judukas Schulter. Zum einen, weil er ohne Stütze nun nicht mehr lange hätte gerade stehen können, zum anderen wollte er überprüfen, inwieweit sie sich von ihm einfach berühren ließ. Wie weit komme ich problemlos an sie heran? Mit der freien Hand prüfte er, ob die Adlerkrallen noch immer aus seinen Knöcheln traten, wenn er eine Faust bildete.
"Dunkelelfenspione... woher weißt du, dass es Spione waren?" Kazel schüttelte den Kopf, obwohl er durchaus eine Antwort erwartete. "Ich habe sie alle umgebracht. Ich kann es auch mit Nachzüglern tun. Lass mir nur etwas Zeit, neue Kräfte zu gewinnen." Zeit, die er sich selbst nicht gab. Mit etwas Druck gegen die Schulter der Elfe wollte Kazel sich wieder von ihr lösen und erste eigene Schritte durch das Zelt unternehmen. Dabei schaute er sich suchend um. Auf Janay ging er nicht eine Sekunde lang ein. "Wo sind die Leichen der Dunkelelfen? Ich ... brauche eine Waffe." Wenn Juduka ihn nicht aufhielt, würde Kazel das Zelt verlassen. Er war dabei langsam genug, dass es kein Problem darstellte, ihn aufzuhalten. Trotzdem ging er zielstrebig. Saerembor, Dorun und sein Sohn lagen irgendwo da draußen. Ob der Boden noch mit Schnee bedeckt war? Ob Janays Körper sich noch im Wald befand?
Juduka hat das Amulett. Ich brauche eine Waffe und dann muss ich es ihr abnehmen. Janays Körper hat nicht ewig Zeit. Unwillkürlich glitt der strumgewoben graublaue Blick noch einmal über die Schulter durch das Zelt. Kazel stutzte kurz. Hatte einer der Schatten nicht eben wie Janay ausgesehen? Er drehte den Kopf wieder vor, um sich vor Juduka keine verräterische Blöße zu geben. Nach seinem Traum, nach der Warnung, nach dem Gespräch mit dem Gevatter am Strand der Sanduhren glaubte er fest daran, dass Janay hier noch irgendwo sein musste. "Ich helfe dir", raunte der Mischling leise, in der Hoffnung, seine tote Geliebte könne ihn hören. Lauter meinte er dann zu Juduka: "Hilf mir, eine Waffe zu finden und meinen Magen zu füllen ... dann können wir uns weiteren Vorhaben widmen." Und derweil konnte er darüber grübeln, ob er mit seinen eigenen Plänen bis zum Morgen warten sollte, falls Juduka ihn wirklich heilen wollte.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Mittwoch 12. Juli 2017, 15:09

Der Geist war beinahe vollständig und spürte nur zu deutlich, dass diese beiden letzten Teile fehlten. Es war einerseits nichts Besonderes, sie würden ihr kaum abgehen. Aber andererseits war auch jedes Fitzelchen von ihrer Seele etwas, das zu ihr gehörte. Und obwohl es ausreichend Gefühle und Stimmen in ihr gab, die ihr rieten, es sein zu lassen und damit zufrieden zu sein, was sie erreicht hatte, schüttelte Janay den Kopf und hatte sich erstaunlich rasch entschieden. Nein, sie wollte wieder sie selbst sein, mit all dem, was sie bisher ausgemacht hatte.
Also hörte sie auf die geflüsterte Stimme und folgte dem Ratschlag, besaß schließlich noch keine Zweifel, die sie davon hätten abhalten können. Ihr war, als würde sie in einen Strudel geraten, der sie durchwirbelte, als sie über den Schatten des einen gesprungen und den anderen Teil fest in ihre Arme geschlossen hatte. Der Traum verblasste endgültig, während ihr war, als hätte sie einen Laut vernommen, der nicht so recht in Zeit und Raum passen wollte, und den sie weder eindeutig als Lachen, noch als Wutschrei oder ähnliches hätte definieren können. Er verwirrte sie lediglich und ließ sie sogar ein wenig frösteln.
Dann allerdings war sie wieder, als vollkommener Geist, in dem Zelt, in dem sich auch Kazel und die Nachtelfe befanden. Letztere tat sehr besorgt um den Mischling, berührte ihn und sprach zärtlich auf ihn ein. Gesten, die Janay in ihrem unsichtbaren Zustand verächtlich die Mundwinkel verziehen ließen. Schließlich wusste sie um die Wahrheit und hatte wenig dafür übrig, solch ein Schauspiel beobachten zu müssen.
Noch dazu, weil es um eine Person ging, die ihr im Leben äußerst wichtig gewesen war. Nicht, dass sie schon wieder so etwas wie diese Gefühle verspüren könnte, jedoch durch die Zusammenführung all ihrer Seelenteile war da eine vage Erinnerung. Neben dem Wunsch, ihm kräftig in seine vier Buchstaben zu treten dafür, dass sich der Tod vorhin ihm zugewandt und sie schlichtweg vergessen hatte.
Da sie auch darum wusste, wer hier auf welcher Seite stand, ließ sie Juduka nicht aus den Augen, wodurch sie auch das Wegreiben der nicht vorhandenen Tränen erkennen konnte. Ein kaltes Grinsen huschte über ihre Lippen. "Du könntest wirklich als Hure durchgehen.", zischte sie und konzentrierte sich, um einmal dicht an der Nachtelfe vorbei zu huschen und ihr hoffentlich ein unangenehmes Kälteempfinden zufügen zu können.
Alles, was in ihrer Macht stünde, um der anderen zu schaden, würde sie anwenden wollen. Die Frage war lediglich, was konnte sie tun? Sie hatte zu wenig Erfahrung und Wissen, als dass sie sonderlich viele Ideen hätte spinnen können. Vielleicht sollte sie es mit Gegenständen versuchen, jetzt, wo sie es nicht schaffen würde, Tageslicht ins Zelt zu bringen? Obwohl... Womöglich könnte sie es doch!
Janay bewegte sich in Richtung des Zeltausganges und spürte mit jedem Zentimeter, den sie sich näherte, eine Kraft, die sie wie ein Magnet den falschen Pol abstoßen wollte. Irritiert hielt sie inne und konnte trotzdem nicht verstehen, warum dem so war.
Stattdessen nahm sie ihr Vorhaben wieder auf und kämpfte sich vorwärts, auch wenn es mühsamer wurde. Schließlich erreichte sie ihr Ziel und wusste instinktiv, dass sie nicht würde hinausschweben können. Aber etwas anderes konnte sie versuchen. Hochkonzentriert griff sie nach der Plane und bemühte sich, sie aufzustoßen. Immer und immer wieder, um es irgendwann hoffentlich irgendwann zu schaffen und so dafür zu sorgen, dass das Licht herein dringen könnte. Und vielleicht sogar die Nachtelfe erneut schmerzhaft treffen würde.
Nur dieses Mal wollte der Geist darauf achten, nicht selbst in die Lichtbahn zu geraten. Ein zweites Mal würde Kazel sie höchstwahrscheinlich nicht zusammenflicken können... oder wollen...
Sie hielt erst in ihrem Tun inne, als sich der Mischling ihr näherte und sie aufmerksam darauf wurde, neugierig ein wenig, was er vorhaben mochte. Ihre Augenbraue hob sich an, als sie glaubte, er würde etwas zu ihr sagen. Sie verstand sein Raunen, aber ob er sie meinte, war für sie nicht sicher. Außerdem hätte sie ihm kaum antworten können, er würde sie vermutlich wieder nicht hören.
Diese Ruhephase bewirkte jedoch noch eine zweite Reaktion bei ihr. Der Geist hatte das Gefühl, als rege sich in seinem Unterbauch etwas, eine Art flaues Gefühl, kaum wahrnehmbar. Seltsam... Nichts und niemand hatte sie in ihrer jetzigen Gestalt berührt. Woher also sollte das kommen?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 24. Juli 2017, 18:47

Da Janay darum wusste, wer hier auf welcher Seite stand, ließ sie Juduka nicht aus den Augen, wodurch sie auch das Wegreiben der nicht vorhandenen Tränen erkennen konnte. Ein kaltes Grinsen huschte über ihre Lippen.
"Du könntest wirklich als Hure durchgehen."
, zischte sie und konzentrierte sich, um einmal dicht an der Nachtelfe vorbei zu huschen und ihr hoffentlich ein unangenehmes Kälteempfinden zufügen zu können. Juduka fröstelte und rieb sich den Arm, an dem der Geist sie gestreift hatte, während sie ihr Schauspiel fort setzte um Kazel von ihrer Sorge um ihn zu überzeugen. Doch Janay konnte in den von Kazel unbemerkten Momenten erkennen, dass Juduka nervös wirkte und sich gelegentlich umsah. Sie schien nachdenklich und ganz offensichtlich gefiel ihr der Umstand nicht, dass es Janay geschafft hatte sich wieder zusammen zu setzen um sie weiterhin als Geist zu verfolgen.

"Ja, ich bin hungrig"
, entgegnete der Mischling auf ihre Frage hin. Er lauschte Juduka lediglich, nickte ein paar Mal, ohne ihre Worte direkt zu bestätigen. Er machte den Eindruck eines leicht geschwächten Elfen, der soeben versuchte, sich zu orientieren. Seine Bewegungen ähnelten denen eines schlaksigen Jugendlichen, der mit seinem Körper nicht allzu vertraut war. Doch schließlich stand Kazel auf seinem Lager, wobei er den Stunden zuvor verletzten Schenkel nicht so sehr belastete wie das heile Bein.
"Morgen erst..."
, murmelte er. Konnte er es sich leisten, so lange zu warten? Je länger er damit wartete, Juduka zu überwältigen, desto mehr Chancen hatte auch sie, es bei ihm ähnlich zu versuchen. Wer wusste schon, wie viel ihrer Tränen Schauspielerei war und ob sie Kazel wirklich nur Gutes wollte.
Aber warum versucht sie dann, mich zu heilen?
Er legte seine Hand nun wie von selbstverständlich an Judukas Schulter. Zum einen, weil er ohne Stütze nun nicht mehr lange hätte gerade stehen können, zum anderen wollte er überprüfen, inwieweit sie sich von ihm einfach berühren ließ. Sie zuckte nicht zurück, sondern griff ihrerseits um seine Taille um ihn besser stützen zu können. Mit der freien Hand prüfte er in ihrem Rücken, ob die Adlerkrallen noch immer aus seinen Knöcheln traten, wenn er eine Faust bildete – mit Erfolg. Ihr Tod war zum Greifen nah, doch noch zögerte er. Noch ließ er sie am Leben.
"Dunkelelfenspione... woher weißt du, dass es Spione waren?"
Kazel schüttelte den Kopf, obwohl er durchaus eine Antwort erwartete, doch sie zuckte nur mit den Schultern, als ob es eher eine naheliegende Vermutung von ihr gewesen war, als eine militärische Einstufung ihres Ranges.
"Ich habe sie alle umgebracht. Ich kann es auch mit Nachzüglern tun. Lass mir nur etwas Zeit, neue Kräfte zu gewinnen."
Sie lächelte leicht und nickte zustimmend zu seinen grimmigen Worten und fügte leise hinzu:
„Das wirst du sicher... aber nicht in deinem jetzigen Zustand.“
Mit etwas Druck gegen die Schulter der Elfe löste er sich wieder von ihr und tat erste eigene Schritte durch das Zelt. Dabei schaute er sich suchend um.
"Wo sind die Leichen der Dunkelelfen? Ich ... brauche eine Waffe."
„Wo du sie zurück gelassen hast. Die Tiere werden sich an ihnen gütlich tun. So haben sie noch einen Nutzen.“
Juduka hat das Amulett. Ich brauche eine Waffe und dann muss ich es ihr abnehmen. Janays Körper hat nicht ewig Zeit.
Unwillkürlich glitt der strumgewoben graublaue Blick noch einmal über die Schulter durch das Zelt. Kazel stutzte kurz. Einer der Schatten hatte eben wie Janay ausgesehen, da war er sich sicher, aber auch nur so weit wie er seinen eigenen Sinnen traute. Er drehte den Kopf wieder vor, um sich vor Juduka keine verräterische Blöße zu geben. Nun war der Schatten vor ihm. Nach seinem Traum, nach der Warnung, nach dem Gespräch mit dem Gevatter am Strand der Sanduhren glaubte er fest daran, dass Janay hier noch irgendwo sein musste.
"Ich helfe dir"
, raunte der Mischling leise, in der Hoffnung, seine tote Geliebte könne ihn hören. Lauter meinte er dann zu Juduka:
"Hilf mir, eine Waffe zu finden und meinen Magen zu füllen ... dann können wir uns weiteren Vorhaben widmen."
Juduka trat an seine Seite und zog ihr Gewand tiefer in ihr Gesicht.
„Natürlich.“

Janay hatte sich in Richtung des Zeltausganges bewegt und spürte mit jedem Zentimeter, den sie sich näherte, eine Kraft, die sie wie ein Magnet den falschen Pol abstoßen wollte. Irritiert hielt sie inne und konnte trotzdem nicht verstehen, warum dem so war. Stattdessen nahm sie ihr Vorhaben wieder auf und kämpfte sich vorwärts, auch wenn es mühsamer wurde. Schließlich erreichte sie ihr Ziel und wusste instinktiv, dass sie nicht würde hinaus schweben können. Aber etwas anderes konnte sie versuchen. Hochkonzentriert griff sie nach der Plane und bemühte sich, sie aufzustoßen und so dafür zu sorgen, dass das Licht herein dringen könnte. Und vielleicht sogar die Nachtelfe erneut schmerzhaft treffen würde. Nur dieses Mal wollte der Geist darauf achten, nicht selbst in die Lichtbahn zu geraten. Ein zweites Mal würde Kazel sie höchstwahrscheinlich nicht zusammenflicken können... oder wollen...
Sie hielt erst in ihrem Tun inne, als sich der Mischling ihr näherte und sie aufmerksam darauf wurde, neugierig ein wenig, was er vorhaben mochte. Ihre Augenbraue hob sich an, als sie glaubte, er würde etwas zu ihr sagen. Sie verstand sein Raunen, aber ob er sie meinte, war für sie nicht sicher. Auf jeden Fall half er ihr indem er den Vorhang beiseite schob. Licht fiel in das Zelt, aber traf nicht auf Janay oder Juduka. Beide Frauen waren vorbereitet den selben Fehler nicht zweimal zu begehen. Und so verließen die Lebenden das Zelt und die Toten blieben zurück.

Feuchte, kalte Luft schlug Kazel entgegen und kühlte seine Wangen. Der Morgen war wärmer als die voran gegangenen und kündete von einer nahenden Zeit des Erwachens. Der Schnee hatte an vielen Stellen begonnen zu schmelzen und verwandelt die weiße Landschaft in ein Meer von glitzernden Tropfen, die von den kahlen Zweigen und Ästen fielen. Die Wolken am Himmel hatten sich für ein paar Sonnenstrahlen geöffnet und Juduka murrte leise über diesen Umstand, biss aber trotzdem für ihn die Zähne zusammen und führte Kazel zu dem kleinen Lagerfeuer über dem ein kleiner Topf an einem Dreibein hing. Der Sud aus Wurzeln, Fleisch und allerlei Kräutern des Waldes lockte seinen ausgedörrten Gaumen ihn zu kosten. Auch einen Tee hatte sie für ihn bereitet und so kniete sie sich neben die Flammen und warf noch ein paar Zweige hinein. Man hätte die Situation fast idyllisch nennen können, wäre da nicht Kazels Jahre währende Erfahrung. Ihn störte sofort, dass das Feuer zu viel Rauch abgab. Kundige Beobachter würden sie so leichter entdecken können, aber war dies nicht eher wünschenswert? Noch immer durfte er hoffen, dass der Spähtrupp der Leoniden hier irgendwo in der Nähe sein musste. Auch der Geruch des Essens dürfte das ein oder andere Tier sicher neugierig machen und just als er darüber nach dachte, nahmen seine feinen Sinne ein fernes Knacken im Unterholz war. Näherte sich da etwas? Juduka schien nichts bemerkt zu haben, aber sie wirkte auch abwesend und dann unterbrach sie die Stille:
„Kazel... Ich weiß, der Tod...Janays Tod hat dich sicher tief getroffen und es tut mir aufrichtig leid. Ich würde dich in einer anderen Situation sicher nicht damit quälen so früh dich damit beschäftigen zu müssen, aber...“
Sie suchte seinen Blick.
„...aber ...“
Anscheinend fand sie nicht recht die passenden Worte und man sah ihrer Miene an, dass ihr das folgende unangenehm war auszusprechen:
„Ich muss anderes beginnen. Ähm, was weißt du über meine Lichtmagie? Nein... oder was weißt du über die Magie der Geister? Beziehungsweise über unstete Seelen die nicht ihren Frieden finden können?“
Ihr Blick wanderte wieder fahrig in eine unbestimmte Ferne und sie sprach weiter, als erwartete sie nicht wirklich eine Antwort.
„Ich glaube... nein, ich weiß... und es tut mir wirklich leid, dass es so ist!...Ich weiß, dass Janays Seele noch nicht gegangen ist. Der Tod hat sie nicht mit sich genommen und...“
Sie blinzelte vorsichtig unter ihren langen Wimpern hervor in seine Richtung.
„...sie... sie ist wütend auf mich... Sie ist ein wütender Geist und sucht mich heim. Vermutlich, weil ich sie nicht gerettet habe, als... Als dieser Widerling... Ich glaube, sie ist wahnsinnig geworden.“
Ihre Finger gruben sich in den Stoff ihrer Gewandung als könnten sie dort Halt finden.
„Geister ...gewaltsam gestorbene Seelen sehen manchmal nur ihre Wahrheit ...nur aus ihrer Perspektive und verwandeln sich dann in eine Art ...Rachegeist, der die Lebenden heim sucht. Ich glaube, so etwas passiert gerade mit Janay. Sie wurde aus dem Leben gewissen, gerade als sie wieder einen Sinn darin gefunden hatte. Gerade als sie... ein Kind erwartete und wider eine Zukunft vor sich sah. Das ist so grausam! Ihr Geist kann nicht akzeptieren, dass sie tot ist und sinnt auf Rache. Es beginnt mit einzelnen, aber es wird nicht dabei bleiben. Ich weiß es! Um so länger sie so bleibt, um so mehr wird sie sich der Realität entfremden. Sie kann nicht rational denken. Geister können nur empfinden und sehen irgendwann in allem Lebenden nur noch die Bedrohung. Erst wird sie mich ihn ihrem Hass verderben wollen, irgendwann vielleicht auch dich, dann alles was lebt! Kazel, ich habe Angst vor ihr. Ihr Wahnsinn kann sich übertragen und die Wahrnehmung verwirren. Ich spüre sie, wie sie umher geht. Ich bin Lichtmagierin und kann ihre Aura sehen, wenn ich einen speziellen Zauber wirke. Sie ist so voller Hass.“
Sie löste die Umklammerung ihres Mantels und massierte ihre Fingerknöchel. Langsam sah sie zu ihm auf.
„Ich weiß, du liebst sie. Sie liebte dich auch, aber sie ist auch wütend. Wenn sie so bleibt, dann wird sie an Macht gewinnen und irgendetwas schreckliches wird geschehen. Ich habe das schon erlebt. All die Seelen die gewaltsam genommen worden sind... Manche kehren zurück und wollen sich dann an den Lebenden rächen. Ich will nicht, dass Janay ein Rachegeist wird... du willst das sicher auch nicht, oder?“
Endlich schwieg sie und Kazel konnte noch einmal in die Richtung lauschen, aus der er das Knacken vernommen hatte. Er hörte es wieder, doch dieses mal ein wenig näher. Etwas schlich sich tatsächlich an.

Janay konnte jedes Wort der beiden hören, wie sie sich dort draußen am Lagerfeuer unterhielten. Und der Umstand, dass sie ihnen nicht folgen konnte, machte es auch nicht besser. Ihre Wut begann nicht nur zu sieden, nein sie kochte. Judukas Worte waren bitter und verdrehten die Wahrheit. Es war doch die Wahrheit? Sie hatte sie doch verraten oder? Natürlich! Janay hatte schließlich ihren Verrat erlebt! Das hatte sie sich doch nicht eingebildet! Und nun stellte diese heuchlerische Nachtelfe sie auch noch als wahnsinnig dar, damit Kazels Zweifel genährt wurden? Ob sie wollte oder nicht, jede Silbe aus Judukas Mund schürte ihren Hass und bekräftigte damit sogar noch ihre Argumente. Rache! Welch süßes Wort!
Janay hatte wieder und wieder versucht die Zeltplane mit ihrer Hand zu bewegen, aber sie besaß keine Handflächen, keine Finger die den Stoff hätten greifen können. Ihre Gedanken waren noch zu sehr an ihr vergangenes Leben gebunden und so hatte sie hochkonzentriert nach der Plane gegriffen und versagt. Jetzt war es ihre Wut, die wie ein heftiger Windstoß durch die Plane fegte und sie nach beiden Seiten auf stieß. Es hatte ein bisschen gedauert und es hatte ein paar Lügen gebraucht um diese Wut in ihr aufzustauen, aber dann hatte sie sich entladen und den Weg geebnet. Sogar der Kreis um das Zelt war durch die Wucht des Stoffes dabei verwischt worden und Janay war frei. Es war nur ein winziger Strich, der durch ein loses, wild umher gerissenes Befestigungsseil den Ring zerteilte, aber es reichte aus. Sofort konnte sie sein wo sie wollte.

Juduka zuckte zusammen. Ein Windstoß hatte das Zelt getroffen und die Stoffbahnen des Eingang aufgewirbelt. Das ganze Zelt hatte sich aufgebläht wie eine Lunge und fiel nun wieder in die gewohnte Form zusammen. Die Nachtelfe hatte instinktiv nach Kazels Arm gegriffen und ließ nun langsam wieder los. Sichtlich nervös meinte sie leise:
„War das der Wind? War sie das? Bitte! Janay? Hör auf!!! ...Kazel, sie wird sich und alles verderben! Sie wird unser Fluch werden. Sie ist verrückt...wahnsinnig vor Wut. Ich kann es fühlen!“
Sie sah ihn an, als erwarte sie die Frage nachdem was sie tun könnten.
„Wir müssen sie bestatten. Sie muss ihre Ruhe finden.“

Genau in diesem Moment brach der Ork aus dem Dickicht und stürzte sich auf den Eintopf. Juduka entfuhr ein überraschter Schrei und Kazel erkannte den Saerembors Sklaven wieder. Mit bloßen Händen schaufelte er sich dicke Brocken in den von Metall weit offen gehaltenen Mund, warf den Kopf wie ein Kranich in den Nacken um schlucken zu können. Schmatzende Laute, Gurgeln und Husten erfüllte die Luft, dann gespenstische Stille.

Abwartend sahen sich die drei Lebenden an und im Hintergrund knurrte ein angeketteter Warg.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 2. September 2017, 12:14

Zeit. Alles basierte auf diesem Faktor. Er ließ sich messen, doch besaß er wirklich die Regelmäßigkeit, die die Lebenden ihr zustanden? Verging Zeit in trägen und langweilig empfundenen Situationen nicht wesentlich langsamer als wenn man sich amüsierte? Besaß man im Angesicht des Todes nicht noch genug Zeit, um ein ganzes Leben, das möglicherweise Jahrzehnte geführt worden war, noch einmal vor dem inneren Auge ablaufen zu sehen? Und verlangsamte sich nicht alles zu einem zeitlupenartigen Bild, wenn es darum ging, mit Präzision etwas oder jemanden aus einer Situation herauszufiltern?
Zeit war beständig. Zeit war relativ. Sie war existent, doch sie bewegte sich nach ihrem eigenen Maßstab. Alles Leben war von Zeit abhängig. Jedes Leben wünschte sich mehr davon, besonders im Angesichts der Endlichkeit. Wenn etwas endete, besaß niemand genug Zeit. Niemals.
Kazel könnte sie haben. Wenn er nur über seinen Schatten spränge, könnte er sich Zeit leihen. Einen Atemzug, ein paar Herzschläge. Es brauchte doch nicht mehr für ihn, um dann zu reagieren und Judukas Kehle mit seinen Krallen aufzuschlitzen wie er es bei den Orks im Lager der Ebene getan hatte. Welch Ironie des Schicksal er flechten könnte. Waffen, gegeben von ihrem eigenen Meister, dem sie möglicherweise immer noch diente? Er würde sie umbringen mit jenen Werkzeugen, die sie ihm verpassten, damit der Mischling zum Werkzeug ihrer düsteren Machenschaften werden konnte. Kazel wusste, dass er es tun würde. Der einzig ungeklärte Faktor blieb die Zeit. Früher oder später. Es wird sich eine Gelegenheit finden. Hoffentlich früher, damit es nicht zu spät ist.
Nach wie vor weigerte er sich, auf die Zeit zurückzugreifen, deren Gewicht er in Form der kleinen Sanduhr in seiner Handinnenfläche fühlen konnte. Sie war spürbar fester. Er konnte fast die glatte Oberfläche des Materials fühlen, aus dem der kleine Zeitträger gestaltet war. Kazel wünschte sich, das Gefühl würde verblassen. Er blieb fest entschlossen, diese Körner an Zeit nicht zu nehmen. Sie gehörten einem winzigen Stück Strandsand, über das ein einfacher Elf wie er nicht verfügen sollte. Er hatte sie bereits gestohlen. Er hatte sich über die Natürlichkeit des Lebens hinweggesetzt und ihrer Besitzerin die Zeit gestohlen. Er war es, der Landria Sinal ihre Lebenszeit auf Celcia genommen hatte. Er würde sie ihr zurückgeben, Sandkorn für Sandkorn. Nicht noch einmal wollte er sich von ihrer Zeit bedienen. Diese Entscheidung war in sein Herz gemeißelt, ebenso fest und unveränderbar wie der Wille, noch einmal zum Zeitdieb zu werden und Juduka die ihre zu rauben. Bei ihr war es in Ordnung. Es musste sein. Ihre kleine Sanduhr könnte so viele mehr mit sich reißen, wenn er nichts unternahm.

Kühle durchfuhr seinen Körper. Selbst wenn der Schnee langsam eine neue Form annahm und schmolz, so blieb es frostig, ganz ohne dicke Kleidung. Kazel stapfte mit Judukas Hilfe zum Lagerfeuer. Er bildete sich ein, einen Hauch Restwärme zu spüren, der ihm als warme Brise entgegenströmte, doch seine Nase verriet ihm den wahren Ursprung. Seine Sinne reagierten. Der Magen gab ein klägliches Knurren von sich. Kazel war mehr als hungrig, so dass selbst der Geruch von verkochten Wurzeln seinen Appetit anregte.
Im ersten Moment lenkten all diese natürlichen Regungen seine Aufmerksamkeit ab. Der Elf gab sich seinen Bedürfnissen hin, die ihn zwar den Qualm wahrnehmen ließen, aber nicht die Gefahr, die er instinktiv damit hätte in Verbindung bringen sollen. Zu viel Rauch. Es würde die Tiere trotz des Blutgeruchs all der Leichen erst einmal vom Lager fernhalten. Aber der Qualm könnze andere anziehen. Freund oder Feind? Leoniden oder weitere Dunkelelfen? Auf wessen Seite stand Juduka oder war sie beim Überleben in der Wildnis nicht bedacht genug, um ihre Tat zu bemerken? War ihr bewusst, dass der Rauch ein Signal für alle sein konnte?
Ihre Stimme weckte Kazels Wachsamkeit, veränderte seine Perspektive auf die Dinge. Er blieb hungrig, aber ließ sich von der Notwendigkeit nicht mehr von seiner Umgebung ablenkten. Der sturmgraue Blick über tiefblauem Meer hob sich zur Nachtelfe empor. "Aber was?", hakte er mit distanzierter Ruhe nach. Er konnte ohnehin nichts am Tod seiner liebsten Janay ändern. Noch nicht. Die Frage ist, ob du etwas ahnst, Juduka.
"Magie ist nichts, womit ich etwas anfangen kann. Ich bin nicht magisch begabt. Ich kenne keine Magier und sicherlich noch weniger welche, die sich mit dem Licht auseinandersetzen. Juduka, wir stammen aus Welten jenseits von Licht. Ich gehöre zum dunklen Volk. Lysanthor..." Kazel zögerte. Das könnte ein Fehler sein. Er durfte sich nicht verraten. Kaum ein Dunkelelf kannte genug über den Lichtgott, um ihn seinen Namen für mehr als eine blasphemische Bemerkung in den Mund zu nehmen. In rascher Panik formulierte er den unausgesprochenen Satz um. "Lysanthor ist nicht mehr als ein Name. Er hat keine Bedeutung angesichts all der Dunkelheit, die Faldor über das Land legt. Unser einziges Licht gewährt Manthala." Als Nachtelfe sollte doch gerade Juduka das verstehen. Sie konnte nur sicher unter Manthalas Schutz, im Auge des Mondes, wandeln. Er atmete aus.
"Du scheinst mehr über die Magien zu wissen ... und auch über Geister. Bist du dir sicher? Ich bezweifle, dass es so einfach ist. Janay ist fort. Ihre jenseitige Wut bildest du dir ein", entgegnet er plötzlich recht abgebrüht. Möglich, dass Juduka darin Verdrängung des Geschehenen interpretierte. Kazel und Janay standen sich nahe. Es wäre kein Wunder, wenn er ihren Tod nicht wahrhaben wollte und sich nun dagegen sträubte, jeden noch so kleinen Strohhalm zu ergreifen. Ein Geist könnte Hoffnung bedeuten. Hoffnung, die Kazel innewohnte. Er wollteJanay mit aller Macht irgendwie ins Leben zurückbringen, doch Juduka durfte das nicht wissen. Er musste sie von ihrer Präsenz und ihrem Körper fernhalten. Ihre Spielchen würden nicht funktionieren. Kazel dachte an den Gevatter. Wenn Janay ein Geist war, so war die Gestalt des Zeitlosen ebenso real ... und sein Wort hatte bei weitem mehr Gewicht als das einer Nachtelfe, die im Namen Raxtian Tausendtods den Mischling zu einem noch größeren Monster gemacht hatte als die Dunkelelfen ihn je gesehen haben.
Ich kann nicht bis zum Morgen warten ...
Er lauschte der Nachtelfe, bis ihre abschließende Frage das Ende ihres Dialogs einläutete. Nun war Kazel gefragt. Sie erwartete eine Reaktion in Form von Worten. Sie sollte jene erhalten und mehr. Mental bereitete der Mischling sich auf den nächsten - den wichtigsten - Mord vor. Es ist so einfach, wenn man den ersten hinter sich hat und darüber hinweg ist.
"Ich ... hätte gern gelernt, sie wirklich zu lieben, über diese Anfänge unserer holprigen Zusammenfindung hinaus." Diese Worte waren noch aufrichtig und sein Blick suchte die Umgebung ab in der Hoffnung, noch einmal den Schatten zu sehen, der Janays Form besessen hatte. Doch Kazel sah nichts. Also blieb er konzentriert. Er griff nach einem Strohhalm. Einer, der nicht in Judukas Hand lag. "Du klingst wirklich überzeugend. All diese Worte über Geister. Ich möchte ebenfalls nicht, dass sie von Rachegedanken geplagt wird, bis der letzte Rest von ihr an diesem verzerrten Wahn zerbricht. Aber du musst keine Angst vor ihr haben, Juduka. Du hast mich und ich werde dich beschützen. Notfalls auch vor Janay, sollte sie nicht mehr Herrin ihrer Sinne sein." Auch du musst nun überzeugend sein. Lass deinen Worten Gesten folgen ... und dann die Tat. Nur diese eine. Nur ein weiterer Mord. Kazel wusste, dass er sich nun beeilen musste, ohne dass seine Bewegungen gehetzt wirkten. Das könnte ihn verraten. Aber zu Judukas Misstrauen fügten sich noch Geräusche aus der Umgebung hinzu. Knacken, eine Präsenz. Etwas kam auf sie zu.
Die Sanduhr mit Landrias Restleben wog wieder schwer in seiner Handinnenfläche. Er brauchte mehr Zeit. Nein! Er musste nur rechtzeitig handeln. Jetzt. "Fürchte dich nicht", sprach er so ruhig wie es ihm möglich war und breitete die Arme aus. Juduka brauchte sich nur neben ihn zu setzen, sich einem stillen Moment der Schwäche hinzugeben und sich in falscher Geborgenheit zu wiegen. Und Kazel brauchte dann nur die Arme um sie zu legen, die Faust zu ballen einen kraftvollen Stoß der Adlerkrallen in ihren Hals zu wagen. Es musste klappen. Es ging so viel davon ab.

Und dann kam der Ork. Instinktiv ballte Kazel die Fäuste. Die Adlerkrallen kamen zum Vorschein, viel zu früh und in die falsche Richtung. Der Mischling stand zwischen dem Sklaven und Juduka, noch bevor ihm der erneut pulsierende Schmerz in seinem Bein bewusst wurde. Er knickte leicht ein, kniff dabei ein Auge zusammen, aber beides verhinderte, dass er sich einfach auf den mutmaßlichen Angreifer stürzte. Denn der Ork war offenbar nicht sehr feindselig gesinnt, sondern auch nur hungrig wie der Mischling selbst.
Kazel betrachtete ihn mit verkniffener Miene, wie er über den Eintopf herfiel. Im inneren seines Geistes aber zerbrach ein Glas. Der Moment war vorbei. Sofern sich Juduka jetzt nicht so weit von dieser Bestie ablenken ließ, dass Kazel ihr rasch ein Ende machen konnte, müsste er auf eine neue Gelegenheit warten. Und der Ork? Wie würde er auf Judukas Tod reagieren?
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Freitag 13. Oktober 2017, 20:24

Noch immer konnte sie nicht sonderlich viel ausrichten, außer zu beobachten und versuchen, sich die dabei gewonnenen Erkenntnisse einzuprägen, um sie später wieder verwenden zu können. Später… was würde später sein? Was war später überhaupt?
Janay hatte angefangen den Bezug zu ihrem Dasein vor diesem zu verlieren, allen voran was Zeit bedeutete. Trotzdem wollte sie nicht so leicht aufgeben, sondern spürte, dass etwas sie dazu trieb, sich nicht einfach zurück zu ziehen und dem Ganzen seinen Lauf zu lassen. Stattdessen versuchte sie, einzugreifen, soweit ihr das möglich war.
Umso mehr befriedigte es sie, dass sie tatsächlich eine Reaktion hervorrufen konnte, auch wenn diese nicht sonderlich stark war. Aber sie war vorhanden und darauf konnte sie aufbauen. Ganz besonders diese aufkommende Nervosität, die sich immer häufiger in dem Gebaren der Nachtelfe zeigte, gefiel ihr und bestärkte sie in ihrem Vorhaben, immer wieder ein Störfaktor zu sein. Zumindest, solange sie sich alle im Zelt befanden.
Dass Kazel die andere berührte und diese ihn ihrerseits gefiel dem Geist überhaupt nicht, ohne darüber einen Gedanken zu verschwenden, dass es einen tieferen Sinn dahinter geben könnte. Allein der Anblick provozierte ihren Unmut und ließ die Luft herinnen um eine Nuance kühler werden.
Im nächsten Moment war ihr, als hätte der Mischling sie gesehen. Hatte ihre Reaktion auch etwas damit zu tun, ob sie auch von noch Lebenden gesehen werden konnte? Wenn ja, müsste sie sich das unbedingt merken und besser kontrollieren, das würde die Wirkung ihres Spukens sicherlich noch erhöhen.
Er wandte sich allerdings schon wieder von ihr ab, sodass sie lautlos seufzte. Trotzdem blieb sie nicht, wo sie war, sondern wollte sichergehen, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Sie bewegte sich, schwebte wieder in Kazels Blickfeld und versuchte zu ergründen, ob er sie wahrnahm oder nicht. Ihr war einen Sekundenbruchteil lang, als würde er sie wieder ansehen. Genauso wie seine leisen Worte, die sowohl an Juduka, als auch an sie gerichtet sein könnten.
Wieso nur wollte sie lieber letzteres denn ersteres glauben? Wurde sie jetzt unangebracht sentimental? Diese Stimmung verflog so rasch jedoch wieder, wie sie aufgekommen war, sodass sie sich erneut ganz ihren Plänen widmen konnte.
Wobei es alles andere als einfach war, denn irgendetwas wollte sie auf ihrem Weg nicht nur bremsen, sondern regelrecht zurück stoßen. Aber sie konzentrierte sich darauf und mit etwas mehr Mühe schaffte sie es schließlich auch. Sie hatte es beinahe geschafft, als Kazel sie ablenkte und schlussendlich das Zelt sogar verließ, gefolgt von der Nachtelfe. Janay blieb allein zurück und konnte nicht hinaus, diese unsichtbare Kraft verhinderte das sehr erfolgreich.
So musste sie sich auf ihre verbliebenen Sinne konzentrieren, um nicht den Anschluss zu verlieren, was draußen vor sich ging. Wobei ihr Gerüche relativ gleichgültig waren, da sie ohnehin nichts zu sich nehmen könnte oder etwas an ihr haften bleiben würde. Umso wichtiger war ihr das, was sie belauschen konnte. Und was sie dabei zu hören bekam, machte sie tatsächlich wütend. Diese falsche Natter wollte den Mischling auf ihre Seite ziehen, obwohl sie, Janay, diejenige war, die die Wahrheit kannte!
Zweifel wollten in ihr zwar aufsteigen, aber mittels der geschürten Wut konnte sie diese unterdrücken und erreichte auch endlich, wenngleich verspätet, ihr Ziel. Sie stieß die Plane auf! Wie ein Windstoß flog das Material hoch und plötzlich veränderte sich etwas rund um sie herum.
Die Dunkelelfe konnte es nicht benennen oder irgendwie ergründen, was das gewesen sein mochte. Doch sie spürte es deutlich, der Druck gegen sie war verschwunden und sie konnte sich frei bewegen. Ein lautloser Triumphschrei entrang sich ihrer Kehle, als sie nach draußen drang, instinktiv ausschließlich durch die schmale Öffnung, die sich in der magischen Barriere gebildet hatte.
Am liebsten hätte sie sich sofort auf Juduka gestürzt, ihr so gerne den Hals mit eigenen Händen umgedreht. Nur… so überzeugt davon, dass ihr das gelingen könnte, war sie nicht. Darum auch flog sie nicht wie der beschworene Rachegeist zu der Nachtelfe hin. Nein, ihr Weg führte sie an ein anderes Ziel, zu dem Warg, der noch immer angekettet war.
Sie war bei ihm, ehe sie sich dessen vollständig bewusst wurde, und hörte sein Winseln. „Sch, sch… alles gut! Ich bin es, ich tu dir nichts!“, sprach sie beruhigend auf ihn ein, in der Hoffnung, dass er sie hören könnte, und versuchte, ihn im Nacken zu kraulen. Ihr Blick fixierte dabei die Kette, die ihn noch immer festhielt. Irgendwie müsste sie diese aufsprengen oder sonst wie lösen können.
Nicht nur, weil dieses Wesen es nicht verdiente, so gefesselt zu sein, sondern, weil sie darauf hoffte, dass es sie hören und verstehen könnte. Sie wollte es frei bekommen, um einen Verbündeten in der Welt der Lebenden zu haben, den sie gegen Juduka schicken könnte.
Da sie sich derart darauf konzentrierte, bekam sie nicht mehr mit, was sich bei Kazel abspielte und dass der Ork sich uneingeladen zu ihnen gesellt hatte, um den Eintopf zu vernichten. Erst das Knurren des Wargs machte sie darauf aufmerksam und ließ sie aufsehen.
Kurz verdüsterte sich ihr Gesicht, doch sie war sich noch uneins darüber, ob sie das gut oder schlecht finden sollte. Nein, einen Schritt nach dem anderen, also widmete sie sich erneut der Öffnung der Kette und suchte weiter nach einer Lösung.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 18. Oktober 2017, 10:41

Kazel wollte Janay mit aller Macht irgendwie ins Leben zurückbringen, doch Juduka durfte das nicht wissen. Er musste sie von ihrer Präsenz und ihrem Körper fernhalten. Ihre Spielchen würden nicht funktionieren. Kazel dachte an den Gevatter. Wenn Janay ein Geist war, so war die Gestalt des Zeitlosen ebenso real ... und sein Wort hatte bei weitem mehr Gewicht als das einer Nachtelfe, die im Namen Raxtian Tausendtods den Mischling zu einem noch größeren Monster gemacht hatte als die Dunkelelfen ihn je gesehen haben.
Ich kann nicht bis zum Morgen warten ...
Er lauschte der Nachtelfe, bis ihre abschließende Frage das Ende ihres Dialogs einläutete. Nun war Kazel gefragt. Sie erwartete eine Reaktion in Form von Worten. Sie sollte jene erhalten und mehr. Mental bereitete der Mischling sich auf den nächsten - den wichtigsten - Mord vor.
Es ist so einfach, wenn man den ersten hinter sich hat und darüber hinweg ist.
"Ich ... hätte gern gelernt, sie wirklich zu lieben, über diese Anfänge unserer holprigen Zusammenfindung hinaus."
Diese Worte waren noch aufrichtig und sein Blick suchte die Umgebung ab in der Hoffnung, noch einmal den Schatten zu sehen, der Janays Form besessen hatte. Doch Kazel sah nichts. Also blieb er konzentriert. Er griff nach einem Strohhalm. Einer, der nicht in Judukas Hand lag.
"Du klingst wirklich überzeugend. All diese Worte über Geister. Ich möchte ebenfalls nicht, dass sie von Rachegedanken geplagt wird, bis der letzte Rest von ihr an diesem verzerrten Wahn zerbricht. Aber du musst keine Angst vor ihr haben, Juduka. Du hast mich und ich werde dich beschützen. Notfalls auch vor Janay, sollte sie nicht mehr Herrin ihrer Sinne sein."
Auch du musst nun überzeugend sein. Lass deinen Worten Gesten folgen ... und dann die Tat. Nur diese eine. Nur ein weiterer Mord.
Kazel wusste, dass er sich nun beeilen musste, ohne dass seine Bewegungen gehetzt wirkten. Das könnte ihn verraten. Aber zu Judukas Misstrauen fügten sich noch Geräusche aus der Umgebung hinzu. Knacken, eine Präsenz. Etwas kam auf sie zu.
Die Sanduhr mit Landrias Restleben wog wieder schwer in seiner Handinnenfläche. Er brauchte mehr Zeit. Nein! Er musste nur rechtzeitig handeln. Jetzt.
"Fürchte dich nicht"
, sprach er so ruhig wie es ihm möglich war und breitete die Arme aus. Juduka brauchte sich nur neben ihn zu setzen, sich einem stillen Moment der Schwäche hinzugeben und sich in falscher Geborgenheit zu wiegen. Sie blinzelte zweimal langsam und kam schon auf ihn zu, da kam der Ork. Instinktiv ballte Kazel die Fäuste. Die Adlerkrallen kamen zum Vorschein, viel zu früh und in die falsche Richtung. Der Mischling stand zwischen dem Sklaven und Juduka, noch bevor ihm der erneut pulsierende Schmerz in seinem Bein bewusst wurde. Er knickte leicht ein, kniff dabei ein Auge zusammen, aber beides verhinderte, dass er sich einfach auf den mutmaßlichen Angreifer stürzte. Denn der Ork war offenbar nicht sehr feindselig gesinnt, sondern auch nur hungrig wie der Mischling selbst. Kazel betrachtete ihn mit verkniffener Miene, wie er über den Eintopf herfiel. Hinter ihm stand Juduka und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„“Kazel, nicht! Du bist verletzt. Lass mich...“
flüsterte Judukas Stimme in seinem Nacken. Dann trat sie vor ihn, wandte ihm damit den Rücken zu. War das seine Chance? Juduka sprach in fließendem Krzner:
„Verschwinde! Oder ich werde mit meiner Magie das Fleisch von deinen Knochen brennen und dir schlimmeres antun, als dein vorheriger Herr es je getan hat!“
Kazel sprach auch ein wenig Krzner, also verstand er grob den Inhalt ihrer Worte. Zur Untermalung ihrer (eigentlich leeren) Drohung ließ sie eine flackernde Lichtkugel über ihrer Handfläche entstehen. Wer schon einmal mit Orks in Kontakt geraten war, wusste, dass sie fast jede Form von Magie fürchteten. So war es auch bei diesem, denn sobald er Juduka und ihr Licht sah, zuckte er ängstlich zusammen, als hätte man ihn geschlagen. Er ließ den Topf fallen und zog sich wimmernd in eine kauernde Haltung zurück. Rückwärts, ständig stolpernd, kroch er von ihr weg und wagte es nicht sie aus den Augen zu lassen. Es war ein jämmerlicher Anblick.

Zeitgleich an einem nicht weit entfernten Baum:
Am liebsten hätte Janay sich sofort auf Juduka gestürzt, ihr so gerne den Hals mit eigenen Händen umgedreht. Nur… so überzeugt davon, dass ihr das gelingen könnte, war sie nicht. Darum auch flog sie nicht wie der beschworene Rachegeist zu der Nachtelfe hin. Nein, ihr Weg führte sie an ein anderes Ziel, zu dem Warg, der noch immer angekettet war. Sie war bei ihm, ehe sie sich dessen vollständig bewusst wurde, und hörte sein Winseln.
„Sch, sch… alles gut! Ich bin es, ich tu dir nichts!“
, sprach sie beruhigend auf ihn ein. Ihre der Hoffnung, dass er sie hören könnte, war gerechtfertigt, denn er zuckte mit den Ohren und winselte in ihre Richtung. Dann versuchte sie, ihn im Nacken zu kraulen. Leider griffen ihre Finger durch ihn hindurch und er knurrte winselnd. In ihrer Geistform machte sie ihm mehr Angst, als es gut war. Sein Fell richtete sich auf. Ihr Blick fixierte die Kette, die ihn noch immer festhielt. Irgendwie müsste sie diese aufsprengen oder sonst wie lösen können. Leise winselnd folgten seine Augen ihrer unsichtbaren Gestalt. Anscheinend nahmen Tiere Geister eher wahr als Menschen. Da sie sich derart darauf konzentrierte, bekam sie nicht mehr mit, was sich bei Kazel abspielte und dass der Ork sich ungeladenen zu ihnen gesellt hatte, um den Eintopf zu vernichten. Erst das Knurren des Wargs machte sie darauf aufmerksam und ließ sie aufsehen.
Kurz verdüsterte sich ihr Gesicht, doch sie war sich noch uneins darüber, ob sie das gut oder schlecht finden sollte. Nein, einen Schritt nach dem anderen, also widmete sie sich erneut der Öffnung der Kette und suchte weiter nach einer Lösung, denn sie spürte, dass die Zeit knapp wurde. Juduka hatte sich vor Kazel aufgebaut und eine auch ihr unangenehme Lichtkugel erschaffen. Diese Frau war ein verräterisches Miststück und stellte sich tatsächlich zwischen sie und Kazel?! In Janays Seele knirschte die Wut, wie wenn Kiesel zwischen Felsen zerrieben wurden.Hass floss durch ihre unsichtbaren Adern. Ihre Hand lag noch auf der Kette und als sie von ihrer Feindin zurück auf die Fessel sah, war diese von Eiskristallen überzogen, sah matt und brüchig aus. Ein kräftiger Ruck vom Warg sollte genügen um sie jetzt zu brechen. Leblose Dinge waren auf jeden Fall leichter zu beeinflussen als Wesen, die einen Geist, ein Bewusstsein hatten und sich wehren konnten. Ohne groß darüber nachzudenken, tat sie was getan werden musste. Sie erschreckte ihren Warg und ließ ihren Arm auf/durch sein Hinterteil fahren. Jaulend bäumte sich der Warg auf und riss an seiner Fessel. Klirrend brach das Metall und ihr Freund war frei. Sofort macht er einen Satz von ihr weg und knurrte leise in ihre Richtung. Das war nicht nett gewesen, hatte aber seinen Zweck erfüllt. Ein Stück Kette baumelte noch um seinen Hals, aber war frei.
Solange Janay in Geistform war, war dem Tier jedoch nicht zum Kuscheln zu Mute, aber sie konnte ihn treiben, oder versuchen Befehle einzuflüstern, solange sie ihm nicht zu nahe kam. Der Warg war sich anscheinend nicht ganz sicher, wo jetzt die größte Gefahr, bzw. sein Gegner war. Einerseits war ihm die geisterhafte Gestalt an seiner Seite vertraut und doch zu fremdartig, andererseits war da auch dieser Mann, denn seine Herrin gesucht hatte. Sollte er ihn beschützen? Wo war seine Herrin? Sie war hier und doch nicht und ihr Geruch lockte ihn in den Wald. Aber da war auch noch der fliehende Ork und die Frau mit dem Leuchten. Verwirrt sah er sich um und gab ein unsicheres winseln von sich.

Kazel stand hinter Juduka, die ihr Spiel mit dem Ork trieb. Sie versetzte ihn in Angst und Schrecken, ein Wesen, dass unter Saerembor schon lange genug gelitten hatte und eigentlich jetzt von seinen Ängsten und von ihm erlöst sein sollte. Trotzdem war es nur Theater, ein Schauspiel, denn die Lichtkugel könnte ihm nicht anhaben. Doch das wusste er Ork nicht, ganz im Gegenteil, er fürchtete sich zu Tode. Juduka trieb ihn damit weg, aber der gute Eintopf war für Kazel trotzdem verloren. Was hatte Juduka gesagt? Sie hätte nicht mehr genug Magie übrig um sein Bein auch gleich zu heilen? Sichtbar schwebte die Kugel aus Licht über ihrer Handfläche. War es eine Lüge gewesen um ihn doch noch schwach zu halten? Hier war der sichtbare Beweis. Die Nachtelfe war bei weitem nicht so geschwächt wie sie vorgab und somit noch immer eine Gefahr. Kazel war noch leicht verletzt und nicht so wendig, also musste er die Chance nutzen, die sich ihm nun bot.
Juduka hatte ihn geheilt, ihm geglaubt und nun verteidigte sie ihn. Doch war das alles nur Spiel? Konnte er sie hinterrücks ermorden?
Ein einzelner Blick an ihr und auch an dem Ork vorbei zeigte ihm, dass sich auch der Warg gerade los gerissen hatte. Es musste wirklich ein starkes Tier sein, denn der Rest der Kette hing noch um seinen Hals. Nicht unweit davon, noch nahe dem Baum, an dem das Tier gefangen gehalten worden war, da sah er ein leichtes Schimmern in der Luft. Sein Blick fiel zurück auf Judukas Nacken und der schmalen Kette, die sich dort auf einem schmalen Streifen Haut abzeichnete. Die Kette, an dem ein verborgenes Medaillon hing, dass er brauchte.

Janay stand am Baum in schaute zu Kazel hinüber. Für einen Moment war es so, dass er sie direkt ansah, dann legte sich sein Blick wieder auf die Elfe vor ihm. Hass pulsierte durch ihre Seele und wollte den Tod der Nachtelfe und vielleicht übertrug sich auch in diesem einen Augenblick, in dieser kleinem Moment ihrer Verbindung etwas davon auf Kazel.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 14. November 2017, 08:03

Dass Juduka die Sprache der Orks beherrschte, überraschte Kazel nicht. Sie hatte für Raxtian Tausendtod gearbeitet - möglicherweise immer noch? -, demnach hatte sie sich auch als Nachtelfe in den Kreisen der dunklen Völker aufgehalten. Dass man in einer solchen Umgebung einige Happen ihrer Sprache aufschnappt, ist nachvollziehbar. Kazel selbst war in seiner Kindheit nie groß unter Orks gewesen und doch konnte man nicht anders, als einige Brocken ihrer recht primitiven Sprache zu erlernen, wenn man in Morgeria lebte. Dass Juduka allerdings fließend Kr'zner beherrschte. ließ den Mischling kurz stutzen. Anschließend schürte es sein Misstrauen gegenüber dieser Elfe. Etwas stimmte nicht mit ihr. Sie hatte Böses vor. Er musste sie ausschalten. Nicht zögern, handeln. Auch wenn der Ork zuschaute. Auch wenn er im Hintergrund irgendein anderes Viech aufjaulen hörte. Kazel hatte nur noch diese eine Chance. Diesen kleinen Moment, in dem Juduka sich der hungrigen Bestie zuwandte. Jetzt!

Kazel atmete innerlich tief durch. Er sammelte all seine Konzentration in Bruchteilen von Sekunden ein. Seine Muskeln spannten sich an. Beinahe konnte er hören, wie sich die Haut über seinen geballten Fäusten spannte. Es erinnerte an ein festgezogenes Stück Seil, das nun stramm Gewicht hielt. Auch auf seinen Schultern lastete Gewicht. Er war einen Pakt mit dem Gevatter eingegangen. Er hatte ihm versprochen, weitere Seelen ins Reich der Toten zu bringen. Juduka sollte die Erste sein. Die Wichtigste. Ein Leben, damit er ein anderes zurückholen konnte. Möglicherweise sogar zwei.
Kazel mied es, an das Ungeborene in Janays Leib zu denken. Er mied es, sich vorzustellen, ob sie wirklich wieder lebendig werden konnte - mit all diesen Pfeilen im Körper. Er mied all diese offenen Fragen, für die er außer seinen wirren Gedanken keine Antwort besaß und die ihn somit nur ablenken würden. Ablenkung vor einer Tat, die nun nicht mehr aufzuhalten war.

Kazel hatte seine Umgebung weitgehend ausgeblendet. Ihm war noch der Warg aufgefallen. In seinen Erinnerungen hing der Bildfetzen einer losgerissenen Kette, ähnlich dem Lichtblitz in der Nähe der wolfartigen Bestie. Hatte er die Form von Janay besessen? Bildete er es sich in seiner Sehnsucht, sie zurück ins Leben bringen zu wollen, nur ein?
Keine ablenkenden Gedanken, keine Überlegungen! Nun war sein Geist frei davon. Sein Fokus richtete sich gezielt auf Juduka. Seine Augen huschten über ihren Körper, analysierten, wo er die hoffentlich tödlichen Adlerkrallen in ihr Fleisch versenken sollte. Er war kein Heilkundiger, kannte sich mit der Anatomie der Elfen nicht dermaßen gut aus, als dass er einen fixen Punkt gezielt hätte benennen können. Aber man musste kein Mediziner sein, um zu wissen, dass auch durch Judukas Hals eine dicke Ader führte, die ihren Lebenssaft endgültig verteilte, sobald Kazel sie durchtrennen würde.
Er zögerte nicht länger. Vielleicht hatte er sogar schon zu lang gewartet. Nein! Der Moment war perfekt. Er hielt sich nicht länger mit mentalen Vorbereitungen auf. Er dachte nicht an ungeklärte Fragen, für die er niemals Antworten finden würde. Er ignorierte den Ork, er vergaß den Warg. Für Wimpernschläge war selbst Janay nur noch ein Begriff in seinem Herzen. Übrig blieben Janays geballte Faust mit den aufblitzenden Adlerkrallen und Judukas schlanker Hals, in die er jene Faust nun rammen wollte, um ihr das Leben zu beenden.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Mittwoch 17. Januar 2018, 19:22

Auch die junge Frau wäre gerne ins Leben zurück gekehrt, hätte sie sich noch daran erinnern können, wie dies gewesen war und was das überhaupt bedeuten würde. Dazu war sie zu erfolgreich von ihren Erinnerungen abgetrennt worden und hatte nur Zugriff auf die ein oder andere Erahnung, die ihr Handeln dadurch umso mehr leitete. Denn ihr war erstaunlicherweise klar, wer Freund und wer Feind war. Oder zumindest soweit Freund, dass sie diesen nicht dem Feind überlassen wollte.
Dafür setzte sie sich mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, ein. Obwohl sie kurzfristig ins Schwanken geriet, als er davon sprach, die Nachtelfe vor ihr selbst beschützen zu wollen. Aber etwas in ihr war zu sehr mit ihm verhaftet, als dass sie dadurch all ihre Vorhaben hätte fallen lassen.
Nein, im Gegenteil, jetzt wollte sie erst recht der anderen schaden, fast war ihr, als würde ein Gefühl wie Eifersucht von ihr Besitz ergreifen wollen. Hatte dieser Mischling ihr tatsächlich einst so viel bedeutet, dass sie so etwas empfinden könnte? Janay wusste es nicht, konnte es jedoch auch nicht vor sich selbst verbergen.
Dennoch war sie mehr oder weniger machtlos, persönlich einen Handgriff auszuführen, der in der Realität der Lebenden Bestand hätte. Also ließ sie es zu, dass eine andere Empfindung sie zu sich zog und sie schlussendlich sich bei dem Warg wiederfand, der noch immer angekettet sein Dasein fristen musste.
Sie wollte mit ihm Kontakt aufnehmen, aber zu ihrem Bedauern funktionierte es nicht. Stattdessen schien sie ihm viel eher Angst zu machen, was ihr leid tat. Doch sie konnte es nicht ändern, sondern nur für ihre Zwecke soweit nützen, dass er trotzdem frei käme und ihr half.
Zwar wusste sie nicht so recht, was sie tun sollte, dafür war der Moment der richtige, um sie zu unterstützen, denn er sorgte für ausreichend Zorn und Hass, um die Kräfte, die in ihrer Geistgestalt schlummerten, zu aktivieren. Somit konnte sie das Material der Kette mittels Eiskristallen angreifen und brüchig genug machen, dass der Warg sie selbstständig würde sprengen können.
Er bräuchte lediglich eine Motivation, um sich auszutoben. Und auch wenn sie es nicht gerne tat, sie wusste keine andere Lösung, als ihm einen gehörigen Schrecken zu verpassen. Ihr Blick wurde einen Moment lang traurig, als er von ihr knurrend wegsprang und sie regelrecht vorwurfsvoll ansah. Ja, sie wusste, dass es gemein gewesen war, und gerne hätte sie sich dafür entschuldigt. Aber das würde warten müssen, bis sie wüsste, wie sie sich mit ihm unterhalten könnte.
Dadurch wollte sie sich bevorzugt darauf beschränken, dass dieser Teil ihres Plans aufgegangen war. Jetzt bräuchte sie nur noch eine Methode, um ihn auf Juduka hetzen zu können. Während sie noch nachdachte, war ihr, als würde der Mischling sie erkennen können oder zumindest auf irgendeine Weise erahnen, wo sie sich aufhielt.
Bedauerlicherweise war der Moment viel zu kurz, um auch nur den Hauch einer Chance für eine Botschaft zu haben, die sie sich sowieso erst hätte einfallen lassen müssen. Denn er wandte sich wieder der Nachtelfe zu, was die Wut in ihr erneut nährte. Ausreichend, um sich zu konzentrieren und in die Nähe des felligen Wesens zu schweben. „Siehst du die Nachtelfe? Sie wollte dich angekettet lassen. Sie hat dir nichts gegeben! Sie will dir nur weh tun! Willst du das zulassen? Tu ihr zuerst weh, greif sie an!“, raunte sie ihm beschwörend zu und hoffte sehr, dass er sie tatsächlich verstehen sowie ihr folgen würde.
Ob sie ihn noch irgendwie zu berühren versuchen sollte, damit er sich bewegte und angriff? Oder sollte sie hinüber schweben, um ihr Ziel kenntlich zu machen? Die Dunkelelfe wusste es nicht und musste sich das erst überlegen, sollte der Warg nichts tun, um ihren Worten Folge zu leisten.

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kleines Present für Maru und hoffentlich Entschädigung für euch beide für die lange Wartezeit :shame:
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Montag 22. Januar 2018, 21:50

So viel geschah auf einmal.

Kazel ignorierte den Ork, er vergaß den Warg. Für einen Wimpernschlag war selbst Janay nur noch ein Begriff in seinem Herzen. Übrig blieb seine geballte Faust mit den aufblitzenden Adlerkrallen und Judukas schlanker Hals, in die er jene Faust nun rammen wollte, um ihr Leben zu beenden.

Juduka fühlte, dass etwas nicht stimmte. Irgendetwas veränderte sich und es bedürfte nur eines kleinen Zaubers der „Kinderaugen“ um ihr zu verraten, dass Kazel ihr nicht wohlgesonnen war, dass er ihr Mörder sein könnte, doch noch vertraute sie ihm, denn dass musste sie! Sie musste es ihm beweisen, damit er mit ihr ging. Doch sie musste ihn auch beschützen und dieses dreckige Monster von ihnen fern halten. Diesem Ork, der sich über ihr Essen her machte. Doch das war alles nebensächlich neben der einen wichtigen Aufgabe, die sie zu vollbringen suchte.
Sie musste Kazel, das Geschöpf ihres Meisters, zu ihm bringen! Lebend! Zu ihrem Meister...zu Raxtian Tausendtod.

Und für Janay?... Bedauerlicherweise war der Moment viel zu kurz, um auch nur den Hauch einer Chance für eine Botschaft zu haben, die sie Kazel in dem kurzen Augenblick hätte zukommen lassen können. Der Moment war vergangen.
Er wandte sich wieder der Nachtelfe zu, was die Wut in ihr erneut nährte. Ausreichend, um sich zu konzentrieren und in die Nähe des Wargs zu schweben.
„Siehst du die Nachtelfe? Sie wollte dich angekettet lassen. Sie hat dir nichts gegeben! Sie will dir nur weh tun! Willst du das zulassen? Tu ihr zuerst weh, greif sie an!“
, raunte sie ihm beschwörend zu. Da das Tier nun mal Furcht vor ihrer ätherischen Präsens hatte, wich es vor ihr zurück und Janay beobachtete, dass sie in ihrer Jetzigen Daseinsform eben nur mit Hass und Furcht arbeiten konnte. Hass setzte ihre Kräfte frei und Furcht bewirkte in ihrem Freund, dem Reittier, dass sie ihn leiten konnte. Als sie ihn nahe genug an Kazel und Juduka heran manövriert hatte, brauchte sie ihn nun noch einen kleinen Schlag auf die Flanke zu geben, was sie auch tat. Dann würde er schon um sich beißen!

Für Kazel war der Moment der Entscheidung schon zur Vergangenheit geworden. Juduka hatte eben noch den Ork beschimpft und hielt nun in ihrem Handeln inne. Langsam, wie in Zeitlupe, selbst ohne das Kazel die Magie der geliehenen Zeit des Gevatters nutzte, wandte sie ihren Kopf Kazel zu. Sein Blick fiel noch einmal auf Judukas Hals und der schmalen Kette, die sich dort auf einem schmalen Streifen Haut abzeichnete. Die Kette, an dem ein verborgenes Medaillon hing, dass er brauchte. Er sah ihr Profil, die gerade kleine Nase, ein fragend drein schauendes Auge. All seine Sinne fokussierten sich auf diesen Moment und er stieß seine Fäuste nach vorne, bevor es zu spät war.

Ein hungriger Ork, der vor Furcht schlotterte,
ein losgerissener Warg, der vor Angst um sich biss,
ein in sich gespaltener Geist, der rastlos umher schweifte,
eine unsichere Elfe, die ihre Entscheidungen zu spät in Frage stellte
und ein Gehilfe des Todes, der ein Leben nahm.

So endete mitten irgendwo im Nirgendwo viel zu leicht Judukas Dasein. Spät erkannte sie, dass Kazel sie als sein Opfer auserkoren hatte. Zu spät zweifelte sie an ihren Fähigkeiten ihn hinters Licht zu führen. Viel zu spät hob sie ihre Arme um seinen Angriff abzuwehren.
Kazel hatte nicht eine Sekunde zu lange gezögert. Schnell erreichten seine Klauen das weiche Fleisch des zarten Elfenhalses. Zu schnell um noch zu reagieren. Viel zu schnell um einen Gegenzauber zu wirken, verblasste das Lebenslicht in den Augen, die ihren Mörder anstarrten.

Juduka hatte einen Fehler begangen. Sie hatte gehofft, genug Vertrauen in Kazel gepflanzt zu haben, dass er auf sie hören würde. Sie hatte ihre Intrige fein gesponnen, hatte sogar alle störenden Faktoren ausgeschaltet, sogar Janay. Sogar als Geist hatte sie ihn nicht frei geben wollen, doch Juduka hatte Kazel geglaubt. Er war schließlich der Gute... Auf jeden Fall war er besser als sie. Und deshalb lag sie jetzt am Boden und Blut tropfte von den Adlerklauen in den letzten Schnee des vergangenen Jahres. Silbrig schimmerte die Kette zwischen den purpurnen Flüssen, die das weiß ihrer Haut unheimlich schimmern ließen.

Juduka war tot. Janay war tot. Eben nur schon etwas länger und sie war ein Geist. Ein Geist der eben beobachtete, wie der Tod sich Kazel näherte und seine Hand nach ihm ausstreckte. Dann fror für Janay die Zeit ein und es wurde still um sie. Seliger Frieden breitete sich in ihrer geschundenen und gebeutelten Seele aus. Dunkelheit umfing sie geborgen wie der samtene Mantel des Todes.

Kazels Atem bildete eine kleine weiße Wolke vor seinem Gesicht, als er den Leichnam vor sich betrachtete. Wieder einmal schien die Welt für ihn still zu stehen.
Nackte Fingerknöchel legten sich sanft auf seine Schulter und als er den Blick hob, schaute er in die leeren Höhlen eines Schädels. Der Tod betrachtete eine Sanduhr in seinen Händen. Das letzte gefallene Korn hin reglos in der Luft. Dann kniete er sich an ihre Seite, nahm die Kette und dann Judukas Seele an sich. Ein flackerndes kleines Leuchten, schmutzig und in einem ungesunden violetten Ton schimmernd flog in seine Hand. Er schloss sie und als er die knöchernen Finger wieder öffnete war sie fort. Der Gevatter sah zu Kazel und nickte einmal langsam. Die Hand mit der Kette und dem Amulett hob er in Reichweite des Sturmadlers.
„Leg das hier um den Hals deiner Freundin und sprich drei mal ihren Namen. Wenn sie willens genug ist, wird sie zurück ins Leben finden. Sie wartet schon auf dich.... obwohl, wenn es ich mir recht überlege, dann solltest du es vielleicht nicht tun. Mit dieser Kette wird sie als Untote auferstehen. “
Er wollte sich schon abwenden, da drehte er sich noch einmal um:
„Ach ja und ich hoffe du verstehst meinen kleinen Scherz. Hahaha... Nein, die Kette behalte ich mal schön selbst! Das kleine unscheinbare Ding hat mir schon genug Seelen vorenthalten. Komm mit...“
Er schritt voran.
„... Bringen wir mal deine Freundin und ihr Balg zurück ins Leben. Vorausgesetzt du bist bereit zwei Stunden deines Lebens zu opfern?“
Er sah sich kurz zu dem sicher verwirrt drein schauenden Mischling um und ging dann lachend weiter. Ja, der Tod hatte einen merkwürdigen und sehr, sehr schwarzen Humor.
„Ach vergaß ich zu erwähnen, dass das Glas, das du da in deiner Hand bei dir trägst schon immer deines war?“
Er gluckste leise.
„Ich musste doch sehen, wie viel wert dir die Zeit eines Lebewesens ist.“
Er war neben Janays Leiche stehen geblieben und sah Kazel an:
„Ihr Sterblichen seid immer nur zu gern bereit eure kostbare Lebenszeit zu opfern, sogar euer Leben selbst, solange es euer eigenes ist und es für euch einen Zweck erfüllt. doch am Ende jammert ihr immer, dass es zu wenig war. Wenn ihr glaubt, dass ihr die Zeit eines anderen verschwendet, dann sieht das plötzlich ganz anders aus, nicht wahr?“
Wissend sah er seinen Schüler an und verzog seinen Kiefer so, als würde er grinsen. Da ihm die entsprechende Mimik aber fehlte, sah es einfach nur gruselig aus.
„Jetzt wo du weißt, dass dies dein eigenes Stundenglas ist, wirst du hoffentlich achtsam damit umgehen. Verschwende es nicht, denn du weißt nie von welchen Stunden du dich trennst.“
Er sah zu Janay hinunter uns stupste sie mit dem Fuß an. Sofort zuckte ihr Leib, als wolle er sich gegen die Schwerkraft selbst erheben.
„Na los, steh schon auf.“
Als nächstes ruckte tatsächlich ihr Leib in die Höhe und die Pfeile fielen aus ihrem Rücken. Der Tod trat an ihre Seite und klopfte mit leichtem Lachen auf die Stellen, wo sie verletzt worden war. Augenblicklich war es als wäre es nie geschehen. Stocksteif stand Janays Körper aufrecht da und blickte seelenlos in die Gegend.
„Jetzt du.“
Der Gevatter winkte Kazel an seine Seite und meinte:
Berühre sie mit der Uhr und sei willig ihr deine Zeit zu schenken. Denk auch an das Kind, wenn du willst. Für jedes Leben in ihr verlange ich einen Tag, das ist der Preis. Und wenn ich deinen jämmerlichen Zustand verbessern soll, dann noch einen dritten. Entscheide wie du magst. Mit letzterem kannst du auch noch warten, ob es sich von selbst bessert, aber glaube mir, es ist wahr: Die Zeit heilt ALLE Wunden.... Hahahaha“
Er lachte wieder hohl.
„Aber da du die Heilerin getötet hast bevor sie ihr Versprechen dich zu am nächsten Morgen wieder her zu stellen einhalten konnte, verrate ich dir, dass deine Qualen sich eher wieder verschlimmern werden. Lichtmagier gibt es nicht so viel wie Sand an meinen Stränden und dein Allgemeinzustand war auch schon mal besser.“
Wie auf Abruf knurrte Kazels verräterischer Magen.
„Noch ein kleiner Tipp. Lass den Ork am Leben.“
Er zwinkerte dem Mischling zu, soweit das mit seinen im Innern glühenden Augen möglich war.
„Und jetzt bring das arme Mädchen zurück. Wir sehen uns bald wieder.“
Er wandte sich ab und hob noch kurz mit dem Ärmel seiner Kutte wedelnd die Hand zum Abschied.
Fort war er.

Janay hatte von dem Besuch des Gevatters nur sein erstes Erscheinen mitbekommen, dann war da nur noch diese friedliche Stille gewesen. Ihr Erwachen in einem vollständig gesunden Körper kostete Kazel zwei Tage seines Lebens, wenn er nicht nur ihres, sondern auch das seines Kindes sich erkaufen wollte. Sein eigener Leib schrie in der feuchtkalten Luft ebenfalls nach Heilung und ein wenig entfernt vom Geschehen, am Lagerfeuer, dort saß ein geschundener Ork und kraulte einen Warg hinterm Ohr, damit der sich endlich beruhigte und nicht mehr vor den unruhigen Geistern des Waldes floh.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 1. Februar 2018, 10:42

Es wurde zur Routine. So makaber es auch klingen mochte, aber ein Leben auszulöschen kümmerte Kazel nicht mehr weiter. Nicht, wenn es sich um Judukas Leben handelte. Jene, die mit so vielen gespielt, so viele manipuliert hatte und deren Tod Janays Überleben sichern sollte. Er konnte nur hoffen, dass es mit dem Amulett klappen würde, dessen Kette er am Hals der Nachtelfe nun aufblitzen sah. Blutstropfen befleckten sie mit ihrem rubinhaften Schimmern, als Kazel ihre Wärme spürte. Blut legte sich über seine Fäuste und rann zwischen den Fingern hindurch, vorbei an seinen Krallen, die tiefe Löcher in Judukas Hals hinterließen. Er zog die Fäuste zurück, löste sie auf. Die Adlerkrallen schwanden. Alles lief wie in Zeitlupe ab und Kazel sah nur noch den überraschten Blick seines jüngsten Opfers. Er bemerkte den Ork noch immer nicht. Er spürte, wie der Warg ihn streifte, konnte die Ursache dieses Schubsens aber nicht ausmachen. Das Ungetüm war ausgeblendet. Die Welt trug einen grauen Schleier und ihre einzig scharfen Konturen blieben jene, die das Bild einer sterbenden Juduka formten. Es brannte sich scharf in Kazels Geist und doch würde dieses Bild ihn wohl niemals als Albtraum einholen. Nicht so wie vielleicht Landria oder Shantih, die er auch auf dem Gewissen hatte, aber ohne es jemals zu wollen.
Dieser Mord war gewählt. Dieses Ende hatte er entschieden.

Juduka starb, ohne leitende Worte. Kazel schwieg. Er sah sie nur an und für ihn war dieser Moment erfüllt von Stille und tiefer ... Befriedigung. Noch nie hatte es sich so gut angefühlt. Er glaubte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und doch labte er sich nicht daran. Er sah Juduka zu und das war es.
Dann war es geschafft. Die Elfe sank in den Schnee, färbte ihn und raubte dem gefallenen Weiß die Unschuld. Kazel sackte zusammen. Nein, er stand noch. Seiner Verletzung durfte er eine solche Belastung nicht erlauben, aber mental sank er auf die Knie. Das tiefe, erleichterte Durchatmen blieb in beiden Welten real. Er schloss für einen Moment die Augen und legt den Kopf in den Nacken. Er fror überhaupt nicht. Seltsam.
Es gab nur eine frostige Stelle, die die Kälte in seinen Körper dringen ließ und sie ging von mehreren Fingerknochen aus, welche seine Schulter umschlossen. Der Mischling brauchte nicht hinzuschauen, um zu wissen, wer ihn da berührte. Er hielt die Augen geschlossen und lauschte. Dennoch konnte er alles vor seinem inneren Auge erkennen. Der Gevatter wollte wohl, dass er sah. Er konnte den bleichen Schädel erkennen, das unheimliche Funkeln in den Augenhöhlen, Judukas Seele, die ihrem Körper entrissen wurde. Das Amulett.
Plötzlich bemerkte der Mörder, dass er doch starrte. Wann hatte er seine Lider wieder gehoben, seinen Blick auf die Szenerie gerichtet? Er wusste es nicht. Alles fühlte sich irgendwie fern an, obwohl er Teil des Geschehens war. Er nahm sogar nun die Kette mit dem Amulett entgegen. Er spürte ihr Gewicht und das kalte Metall. Dennoch musste beides durch eine Taubheit zu ihm hindurch dringen. Eine Taubheit, an die er sich langsam gewöhnte. Es war die Routine eines Mannes, der Leben nahm.
"Nicht tun? Ich ... habe dafür gekämpft ..." Sein Blick streifte Judukas Körper. Das Bild Saraembors flackerte vor seinen Augen auf und er erinnerte sich an dessen gierige Finger. An die unangenehme Nähe des Elfen. Flüchtig sah er den Orksklaven am Rand deines Sichtfeldes. Er hatte ein ganzes Orklager ausgelöscht mit 666 Herzschlägen geliehener Zeit. Er hatte viel getan, um bis an diesen Punkt zu gelangen. Er hatte Janays und den Tod seines Ungeborenen riskiert, um das hier zu erreichen. Und nun schlug ihm der Zeitlos vor, sein Vorhaben nicht zu Ende zu bringen? Sollten Janay und das Baby nicht leben?
Die Erklärung, die der Gevatter lieferte schleuderte Kazels Taubheit von ihm wie ein Faustschlag in den Magen. Und genau dort zog sich nun alles zusammen, wanderte seine Kehle hoch und schnürte auch diese zu. Er konnte nicht einmal aufkeuchen. Seine Stimme klang heiser udn fremd, als er sie mit den eigenen Spitzohren vernahm. "Als ... als Untote? A-aber..." Das war so nicht abgemacht gewesen. Eine Untote! Und das Kind? Er starrte den Schädel des Gevatters an. Aber die unheimliche Kuttengestalt wandte sich ab. Der Mischling folgte ihm. Seine Beine bewegten sich von allein. Sein Verstand trug nicht viel dazu bei. Untot ... mein Stundenglas ... zwei Stunden Zeit .... untot ... Gedanken wirbelten in seinem Geist umher, spülten tieflbaue Wogen in seine Seelenspiegel und ließen darin jenen Sturm erwachen, der Teil seines neuen Namens geworden war. Der Name eines Mörders. Ein Retter war nicht. Nein, so konnte er sich nicht bezeichnen, wenn er Janay nur als Untote zurück holen könnte. Und das kind? Gibt es ... untote Säuglinge?
Er bekam die Worte des Gevatters nur mit halbem Herzen mit. Seine Konzentration lag auf Janays Körper. Er starrte ihren Unterleib an. Er starrte sie an. Untot. Und seine eigene Stimme wob ein sarkastisches Band in seinem Hinterkopf. Das hast du ja wunderbar hinbekommen - wie üblich, kleiner Idiot. Er schluckte, aber schmeckte nur seine ledrig trockene Zunge.

Kazel zuckte bei jedem Pfeil, der sich aus dem Körper der Elfe löste, die er doch retten wollte. Nun war er unsicher, ob sie ihm überhaupt dankbar wäre. Welches Schicksal wäre das Bessere für Janay? Gab es etwas nach dem Tod? Wenn ja, wäre Juduka doch nun auch dort. Mit ihr wollte er weder sie noch das Kind allein lassen. Aber ein untotes Leben...?
"Jetzt du." "... was? Oh. Jetzt ich." Der Elf straffte seine Haltung. Er machte einen Schritt auf Janays versteiften Körper zu. Er zögerte nicht, ebenso wenig wie er bei Juduka gezögert hatte, obgleich seine Entschlossenheit nun mit mehr Zweifeln erfüllt war. Doch was kümmerten ihn zwei Tage seiner eigenen Zeit für zwei Leben, die vielleicht noch Jahre hatten? Untote Jahre ... ist das gut?
"Der Ork hat mir nichts getan", antwortete der Mischling schlicht. Er berührte Janays Gesicht mit der Hand, in dessen hohler Fläche die Sanduhr ruhte. Er legte beides an ihre Wange. "Ich schätze, dann müssen es drei Tage sein. Ich darf ihnen nun keine Last sein." Im Gegenteil! Er würde die Gruppe schützen müssen und dazu brauchte er einen gesunden Leib. Wer wusste schon, ob es sich als Untote so leicht lebte? Dieser Gedankengang klang seltsam bizarr, so paradox. "Janay", sprach er ihren Namen das erste Mal aus. Kazel wusste nicht einmal mehr zu sagen, ob eine dreifache Nennung nun nötig war, er tat es einfach. "Wenn du es versuchen willst, dann komm zu mir zurück, Janay." Das zweite Mal und seine andere Hand legte sich um ihren Körper. Sein Gesicht schob er an ihren Hals und selbst im Tod fühlte es sich bei ihr angenehmer an als seine Fäuste an Judukas Hals. "Ich lasse dich das nicht allein durchstehen. Wenn du glaubst, an meiner Seite ist es besser ... für dich und unser Kind ... dann bin ich für euch da. Dann sei wieder lebendig, Janay." Das dritte Mal. Kazel hielt sie fest umschlungen. Er wartete auf etwas. Körperwärme, ein Zucken, irgendein Anzeichen von Leben.
An die verlorenen Tage, um die Elfe und das Kind zurückzuholen, sowie sich selbst zu heilen, dachte er nicht. In einem ruhigeren Moment würde er vielleicht hoffen, dass es bereits gelebte Tage wären. Schreckliche, die er ohnehin lieber vergessen wollte. Vielleicht wäre der Gevatter auch gnädig, sie von hinten fortzunehmen. Wenn man alt und schwach war, vielleicht Schmerzen hatte und nur noch darauf wartete, dass er als verhüllter Schatten an das Sterbebett trat. Aber jetzt dachte Kazel nicht darüber nach. Er hielt nur Janays Körper, wartete auf sie und bemerkte gar nicht, dass die ersten Anzeichen von Wärme die Tränen waren, welche heiß seine Augen verließen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 1. Februar 2018, 19:52

Noch einmal hallten die Worte des Gevatters durch Kazels Gedanken:
„Leg das hier um den Hals deiner Freundin und sprich drei mal ihren Namen. Wenn sie willens genug ist, wird sie zurück ins Leben finden. Sie wartet schon auf dich.... obwohl, wenn es ich mir recht überlege, dann solltest du es vielleicht nicht tun. Mit dieser Kette wird sie als Untote auferstehen. “
Er wollte sich schon abwenden, da drehte er sich noch einmal um:
„Ach ja und ich hoffe du verstehst meinen kleinen Scherz. Hahaha... Nein, die Kette behalte ich mal schön selbst! Das kleine unscheinbare Ding hat mir schon genug Seelen vorenthalten. Komm mit...“
Er schritt voran.
"Nicht tun? Ich ... habe dafür gekämpft ..."
Sein Blick streifte Judukas Körper. Das Bild Saraembors flackerte vor seinen Augen auf und er erinnerte sich an dessen gierige Finger. An die unangenehme Nähe des Elfen. Flüchtig sah er den Orksklaven am Rand deines Sichtfeldes. Er hatte ein ganzes Orklager ausgelöscht mit 666 Herzschlägen geliehener Zeit. Er hatte viel getan, um bis an diesen Punkt zu gelangen. Er hatte Janays und den Tod seines Ungeborenen riskiert, um das hier zu erreichen. Und nun schlug ihm der Zeitlos vor, sein Vorhaben nicht zu Ende zu bringen? Sollten Janay und das Baby nicht leben?
"Als ... als Untote? A-aber..."
Das war so nicht abgemacht gewesen. Eine Untote! Und das Kind? Er starrte den Schädel des Gevatters an. Aber die unheimliche Kuttengestalt wandte sich ab. Der Mischling folgte ihm. Seine Beine bewegten sich von allein. Sein Verstand trug nicht viel dazu bei.
Untot ... mein Stundenglas ... zwei Stunden Zeit .... untot ...
Gedanken wirbelten in seinem Geist umher, spülten tieflbaue Wogen in seine Seelenspiegel und ließen darin jenen Sturm erwachen, der Teil seines neuen Namens geworden war. Der Name eines Mörders.
Und das kind? Gibt es ... untote Säuglinge?
Er bekam die Worte des Gevatters nur mit halbem Herzen mit. Seine Konzentration lag auf Janays Körper. Er starrte ihren Unterleib an. Er starrte sie an.
Untot.
Und seine eigene Stimme wob ein sarkastisches Band in seinem Hinterkopf.
Das hast du ja wunderbar hinbekommen - wie üblich, kleiner Idiot.
Er schluckte, aber schmeckte nur seine ledrig trockene Zunge.
Das der Tod ihn musterte und leicht den Kopf über so viele Gedanken schüttelte, bekam Kazel gar nicht richtig mit. Hätte er versucht das böse Wort „Untot“ aus seine kreisenden Gedankengängen zu verbannen, hätte er vielleicht gemerkt, dass der Gevatter einen Scherz gemacht hatte. Der Tod und sein rabenschwarzer Humor, war noch nicht bei dem Mischling angekommen und der Herr über das Ende jeden Lebens hatte auch nicht vor seine Worte richtig zu stellen. Eher amüsiert beobachtet er seinen Gesellen dabei, wie er sich im Kreis drehte und machte dabei seine Arbeit rückgängig.

Kazel zuckte bei jedem Pfeil, der sich aus dem Körper der Elfe löste, die er doch retten wollte. Nun war er unsicher, ob sie ihm überhaupt dankbar wäre. Welches Schicksal wäre das Bessere für Janay? Gab es etwas nach dem Tod? Wenn ja, wäre Juduka doch nun auch dort. Mit ihr wollte er weder sie noch das Kind allein lassen. Aber ein untotes Leben...?
"Jetzt du."
"... was? Oh. Jetzt ich."

Der Elf straffte seine Haltung. Er machte einen Schritt auf Janays versteiften Körper zu. Er zögerte nicht, ebenso wenig wie er bei Juduka gezögert hatte, obgleich seine Entschlossenheit nun mit mehr Zweifeln erfüllt war. Doch was kümmerten ihn zwei Tage seiner eigenen Zeit für zwei Leben, die vielleicht noch Jahre hatten?
Untote Jahre ... ist das gut?
Abermals schüttelte der Gevatter leicht sein Haupt und ließ die Kette durch seine knochigen Finger gleiten, so dass es ein leises merkwürdig hölzernes Geräusch gab, das einem eine Gänsehaut bescheren konnte. Durch diese Kette würde dieser vermaledeite Tausendtot nicht noch eine Seele bekommen. Ohne die Kette, hätte die Anweisung von zuvor ohnehin nicht geklappt, aber Kazel war so in Gedanken, dass er einfach tat was er tat. Und der Tod ließ ihn gewähren, so war der Deal. Kazel tat, was der Gevatter verlangte, holte ihm dieses Amulett zurück, holte ihm seine verloren gegangenen Seelen zurück und dafür bekam er ein wenig Freiheit mehr, als die eines normalen Sterblichen. Kazel verfügte nun über seine eigene Lebenszeit und der Tod war gespannt, wie er sie nutzen würde.
Als erstes berührte Kazel Janays Gesicht mit der Hand, in dessen hohler Fläche die Sanduhr ruhte. Er legte beides an ihre Wange. Der Tod lächelte, sofern man da von einem Lächeln sprechen konnte. Sein Grinsen wirkte noch tiefer als sonst, aber Kazel sah es nicht und auch sonst niemand. Es passierte schließlich nicht häufig, das der Tod zwei herzen zueinander führte. Eher war es normalerweise anders herum und er trennte die Liebenden von einander. Hier zu stehen und Kazel und Janay zuzusehen, ja, das war mal eine Abwechslung für seinen schwarzen Alltag und dafür lohnte es sich auch den ein oder andere misslungene Scherz weg zu stecken. Kazel würde schon früh genug dahinter kommen, aber dann wäre er schon lange wieder an seinen endlosen Stränden und würde Sandkörner zählen.
"Ich schätze, dann müssen es drei Tage sein. Ich darf ihnen nun keine Last sein."
Im Gegenteil! Er würde die Gruppe schützen müssen und dazu brauchte er einen gesunden Leib. Also schenkte sich Kazel eine Stunde seines Lebens um im hier und jetzt zu genesen

Kazel ist:



"Janay"
, sprach er ihren Namen das erste Mal aus. Kazel wusste nicht einmal mehr zu sagen, ob eine dreifache Nennung nun nötig war, er tat es einfach. Es fühlte sich schlicht gut und richtig an.

Janay hörte ihren Namen und ein eisiger Schauder ging durch ihre verwirrte Seele. Der der da ihren Namen sprach, der setzte da etwas in ihrer Ebene in Gang, das sich anfühlte, als ob flüssiges Silber wie Nebelschwaden an ihr ziehen würden. Der Sog war wie ein Flehen, ein Bitten, ein Ruf! Ein Ruf der einen Stein ins Rollen brachte... erst einen...

"Wenn du es versuchen willst, dann komm zu mir zurück, Janay."
Das zweite Mal und seine andere Hand legte sich um ihren Körper. Sein Gesicht schob er an ihren Hals und selbst im Tod fühlte es sich bei ihr angenehmer an als seine Fäuste an Judukas Hals.

Janay hörte den zweiten Ruf und ein stiller Wind rauschte durch die Geisterwelt. Ein Stein, ein Bruchstück ihrer Seele begann sich zu regen, zu bewegen, dann ein zweiter und plötzlich bebte die Erde ihrer Existenz. All die kleinen Steine wollten wieder rollen, wollten wieder leben! Der Sand der Lebenszeit begann sich wieder zu bewegen.

"Ich lasse dich das nicht allein durchstehen. Wenn du glaubst, an meiner Seite ist es besser ... für dich und unser Kind ... dann bin ich für euch da. Dann sei wieder lebendig, Janay."
Das dritte Mal. Kazel hielt sie fest umschlungen. Er wartete auf etwas. Körperwärme, ein Zucken, irgendein Anzeichen von Leben. Es wurde still um sie. Einen Moment lang stand alles still und dann brach die Zeit wie eine Welle über sie herein! Kazel und Janay spürten es, den Sog der Zeit, den Sog des Lebens. Er riss sie mit sich, riss die geschenkten Stunden aus Kazels Leben und gab damit dem stecken gebliebenen Fluss, Janays Leben den „Schubs“ den es brauchte.

Vielleicht war Janay nie wirklich tot gewesen? Vielleicht war dies alles nur ein dummer alberner Streich, oder ein Test des schwarz humorigen Gevatters gewesen? Vielleicht hatte dies alles einen höheren Sinn verfolgt, vielleicht auch nicht. Was wussten schon die Sterblichen, was die Götter so für sie bereit hielten, was für sie in den Schicksalsteppich gewoben wurde oder wann der Tod sie besuchen würde... Nun gut, Kazel hatte da eine gewisse Ahnung.
Was aber sicher war und das konnte er mit absoluter Sicherheit sagen:
Janay lebte!

Die erste Empfindung die die Elfe fühlte, was ihr Bewusstsein wieder eins werden ließ, was ihr verriet, dass sie am Leben war, war nicht etwas ihr Herzschlag, oder ein tiefer Atemzug.
Es war ein kräftiges Ziehen in ihrem Unterleib, als würde sich ein dicker Knoten in ihrer Gebärmutter lösen und sich ihre Organe neu ordnen. Wäre sie nicht in Kazels Armen gefangen gewesen, gehalten und gestützt, so wäre sie sicher als erstes stöhnend zusammen gebrochen. Der Schmerz, der sie ins Leben riss, war ein guter. Einer der von Kraft und Gesundheit zeugte. Ein kleiner starker Willen, der ebenso leben wollte wie sie! Gerade in diesem Moment spürte sie zum ersten Mal das neu erschaffene Leben in sich „aufleuchten“. Es war wie ein kleiner Schrei, ein:
**Hier bin ich!**
Und obwohl es noch viel kleiner sein sollte, weniger aktiv, so fühlte Janay wirklich eine Veränderung in sich. Wenn sie vielleicht später voller Staunen ihren Bauch berühren würde, könnte sie fühlen, dass er sich leicht unter ihrer hohlen Hand gewölbt hatte.
Vielleicht hatte eine „Behandlung mit Zeit“ auch so ihre Nebenwirkungen.
Jetzt sah sie in Kazels sturmverhangene Augen und fühlte seine Arme um ihren Leib.

In einem ruhigeren Moment würde Kazel vielleicht hoffen, dass es bereits gelebte Tage wären, die er gegeben hatte. Schreckliche, die er ohnehin lieber vergessen wollte. Vielleicht wäre der Gevatter auch gnädig, sie von hinten fortzunehmen. Wenn man alt und schwach war, vielleicht Schmerzen hatte und nur noch darauf wartete, dass er als verhüllter Schatten an das Sterbebett trat. Aber jetzt dachte Kazel nicht darüber nach. Er hielt nur Janays Körper, wartete auf sie und bemerkte gar nicht, dass die ersten Anzeichen von Wärme die Tränen waren, welche heiß seine Augen verließen.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Janay » Montag 26. März 2018, 06:43

Mit dieser Wendung, dass Kazel ihre Konkurrentin um seine Aufmerksamkeit selbst töten würde, hatte sie nicht gerechnet. Gleichzeitig fühlte sie auch nichts dabei, weder Überraschung, noch Entsetzung über den Mord oder Genugtuung. Stattdessen nahm sie die neue Situation hin, unschlüssig, was sie jetzt im Anschluss tun sollte.
Die Entscheidung wurde ihr vorläufig genommen, als ein Gefühl von seligem Frieden sie umhüllte. Unwillkürlich schloss sie ihre Geisteraugen und ließ sich fallen in diese Empfindung, die so wohltuend war, wie sie es noch nie erlebt hatte. Weder vor, noch nach ihrem Tod. All das, das sie sich instinktiv gewünscht hatte, Ruhe und Dunkelheit, kein Gespür für Zeit oder sonstigen Ablenkungen. Einfach nur das Fallenlassen in dem sicheren Wissen, geborgen und aufgehoben zu sein, an nichts denken müssen und auch nicht können. Absolute Stille!
Bis es plötzlich damit wieder vorbei war. Ein Ruck ging durch ihre geisterhafte Gestalt. Irritiert blinzelte sie und sah sich um, ohne wirklich verstehen zu können, was sich auf einmal geändert hatte. Gerade noch war es so herrlich um sie herum und in ihr gewesen. Und jetzt?
Sie fühlte sich unwohl, alles an ihr schien zu kribbeln, als würden Ameisen oder andere Insekten auf ihrem Körper herumlaufen. Es kitzelte nicht, sondern war schlichtweg etwas, das man instinktiv los werden wollte. Doch für sie sichtbar war nichts, hatte sich nichts geändert.
Auf einmal ruckte allerdings ihr Kopf, ihre Augenbraue hob sich zweifelnd an. Was war das gewesen? Das… das hatte seltsam geklungen, irgendwie vertraut und so, als sollte sie darauf hören.
Wie von selbst kam ihre Entscheidung, sich zu der Quelle des merkwürdigen Lautes zu begeben. Wie schon einmal, war sie in der einen Sekunde noch an Ort und Stelle und in der nächsten dort, wo sie sein wollte.
Im selben Moment erklangen diese Silben erneut und wirkten tatsächlich schon etwas… vertrauter. Der Geist schüttelte leicht den Kopf und wusste nicht so recht, was sie damit anfangen sollte, weil ihr entfallen war, dass dies ihr eigener Name war.
Fragend blieb ihr Blick und erst, als würde sie alles nur in Zeitlupe und Schritt für Schritt wahrnehmen können, bemerkte sie den Gevatter, der sich noch immer bei Kazel aufhielt. Ihre Augen richteten sich auf ihn, als ob er ihr eine Antwort auf ihre unausgesprochene Frage schuldig wäre.
Langsam wanderte ihr Blick zu ihrem eigenen, derzeit noch leblosen Körper, ohne ihn wirklich mit selbst zu verbinden. Aber dort war auch Kazel, hielt diesen Leib und sprach darauf ein in einer Weise, die alle Sinne in ihrem Geist wecken zu schien.
Und dann war da noch ein drittes, letztes Mal jener Laut, der mit ihr in Verbindung stand, ohne, dass sie gerade den Grund dafür wusste. Als wäre es ein endgültiges Signal gewesen, veränderte sich schlagartig alles für sie.
Einen Atemzug der Lebenden lang war alles wieder vollkommen finster um sie herum, konnte sie weder etwas sehen, noch hören. Doch im Gegensatz zu vorhin herrschte in ihrem Inneren keine wohltuende Stille, sondern eher ein Gefühl der Schwere und des Kampfes. Gleichzeitig konnte sie nichts davon verstehen oder irgendwie darüber nachdenken, als wäre sie in der Hinsicht regelrecht gelähmt.
Dann kam ein regelrechter Schlag, als würde sie gegen eine Wand geschleudert. Zur selben Zeit schlug ihr Körper die Augen auf und machte einen ersten, tiefen Atemzug wie eine Ertrinkende, die nach gefühlten Ewigkeiten wieder an die Oberfläche gespült wurde. Anfangs konnte sie nichts sehen, obwohl sie nach oben starrte, oder hören, wenngleich ein Wald niemals vollkommen ruhig war, sondern kämpfte lediglich damit, wieder zu atmen und nicht das Gefühl zu haben, zu ersticken.
Allerdings empfand sie etwas vollkommen anderen, denn alles, was sie spürte, war ein Schmerz in ihrem Unterleib, der ein Stöhnen in ihrer Kehle entstehen ließ. Instinktiv zog sie ihre Beine an, was mühsam war, denn ihre Glieder waren durchfroren und ihre Muskeln steif. Langsam schlossen sich ihre Lider wieder, während ihr freier Arm, der andere wurde durch Kazels Körper daran gehindert, sich allmählich hob und auf ihren Bauch legte, dessen Veränderung ihr dabei entging.
Noch begriff sie nicht, was hier los war, wo sie sich befand und alles drumherum. Die Pein und deren körperliche Quelle hingegen war ihr klar. Ein leises, leidvolles Stöhnen kam ihr über die Lippen, als ihre Lungen endlich wieder reibungslos atmeten. Ihr Gesicht war gequält verzogen und sie fragte sich, ob das normal war, was sie da spürte. Oder ob… ob sich das von damals wiederholen sollte. Tränen stiegen ihr hinter ihren Lidern in die Augen.
Während ihr Geist nicht recht begriff, was ihr Instinkt mit damals verband, oder was überhaupt in den letzten Minuten… Stunden geschehen war. Die Erinnerung war verschwommen und so, als müsse sie erst ihren Weg zurück in ihren Geist finden.
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Re: Weg über die Ebene

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 16. April 2018, 14:34

Wenn ein Leben endete, hinterließ es eine Leere. Und hier war nicht das Gefühl im eigenen Herzen gemeint, das so fremd und unvertraut war, dass man glaubte, es existierte gar nicht. Immerhin, wie fühlte sich Leere an? Wo nichts war, da konnte auch keine Emotion vorhanden sein. Leere war nur ein absoluter Mangel an Gefühl. Wenn jemand starb, riss er etwas ins endlose Geschehen der Welt hinein, indem er alles mit sich nahm, was ihn ausmachte. Nicht nur das, sondern noch mehr. Er ging nie allein in einen Zustand über, der fern jeglichen Lebens war. Er nahm sich mit, nahezu alles von sich. Nur Erinnerung, die waren nicht vollkommen sein Eigentum, also ließ der Sterbende sie zurück. Dadurch, dass er sie mit seiner eigenen Seele nicht länger auffrischte, nicht länger fütterte, wandelten sie sich. Sie nahmen eine einseitige Perspektive an und sie verblassten. Genauso wie die Leere. Es gab andere Dinge, andere Seelen und neue Emotionen, die einen Platz brauchten. Was war besser geeignet als etwas, das man nicht wirklich umschreiben konnte. Etwas Existentes, das schmerzte und traurig machte, dennoch irgendwie vollkommen unberührt bleiben ließ. So viele Emotionen kreisten um es herum: Wut, Einsamkeit, Sehnsucht, Verzweiflung und Angst, aber auch Monotonie, die diesen Wirbel letztendlich gleichgültig machte. Leere war emotionlos, zog Gefühle aber an wie ein Lichtfunke die Motten.
Der Gegenpart davon war Erfüllung. Leben spendete diesen Zustand. Kazel spürte für Sekunden nichts als Erfüllung. Er konnte fühlen, wie das Leben in Janays Körper zurückkehrte, ihre Seele formte und sie mit jeder Faser ihres Körpers schmerzlich daran erinnerte, dass Leben etwas Anstrengendes war. Leben nahm unendliche Freiheiten, aber es schenkte auch Möglichkeiten. So unglaublich viele davon, dass allein wenige ausreichten, um Erfüllung in dem zu finden, was einen glücklich machte.
Kazel war glücklich. Er zog Janays atmenden Leib enger an sich heran. Er wollte mehr von diesem Leben spüren, wollte ein Teil davon sein und all seine Gefühle auf es einströmen lassen, damit es wusste, dass es nicht allein war. Dann hob sich der Totenvorhang in Form zweier Lider und Kazel durfte Zeuge dessen werden, was Leben bedeutete. Er sah in Janays Augen. Er sah zunächst nur die überschattete Iris und die leere, schwarzen Pupillen, welche so puppenhaft wirkten, ehe der Funke Leben darin zum Vorschein kam. Ein Strahlen, schöner noch als der Sonnenaufgang eines neuen Tages regte sich darin. Ihre Augen gewannen an Farbe, jung und frisch, dann nahmen sie immer mehr Farbe an. Obgleich Janays Augen schon immer hellgrau gewesen waren, empfand der Mischlingself gerade nichts farbenfroher als ihren Anblick. Er stieß ein ungläubiges Keuchen aus, das in einem Lächeln endete. Warm und unendlich erleichtert, sie wieder bei sich zu haben empfing Kazel sie zurück in der Welt der Sterblichen.
Nun stach es auch in seinem Hinterkopf, dass der Gevatter nur einen Scherz gemacht haben konnte. Nichts, das untot war, strotzte von so viel Lebendigkeit und war so schön! "Janay", ächzte er ihren Namen zum vierten Mal. Dann weinte Kazel, ohne es zu merken. Alles, was er konnte, war in ihre Augen zu starren, bis sie vor der Schwere des Lebens noch einmal erschöpft die Lider schloss. "Alles wird gut", raunte der Elf, zog sie noch enger an sich und streichelte seine Tränen von ihrem Gesicht. Da bemerkte er die Hand, welche an ihrem Bauch lag und Kazel führte seine eigenen Finger schützend darüber. "Es wird alles gut", wiederholte er, "für euch beide. Ich bin so froh."

Mit wiedergewonnener Kraft erhob er sich. Kazel hatte einen weiteren Tag geopfert, um nun die Energie zu haben, Janay auf beide Arme zu heben. Er würde sie weder fallen- noch jetzt wieder loslassen und wenn ihm die Arme abrissen! Sein Wille hielt ihn auf den wieder unversehrten Beinen. "Dir muss kalt sein." Davon war er überzeugt. Ihr Körper hatte so lange auf dem leicht verschneiten Erdboden gelegen. Am besten wäre es, er brächte die Elfe in das Zelt ihrer Peiniger. Es gab dort Felle, auf denen sie sich ausruhen und in die sie sich einwickeln konnte. Dazu noch ein Feuer und etwas zu Essen ... Nahrung ... "Nahrung... oh!" Der Mischling erinnerte sich an den Ork und schaute zu ihm hin. Hatte dieser in seiner Not mit der seltsamen Mundfesselung überhaupt etwas vertilgen können?
"Ork ... mich .. helfen?" Es war lange her und der Sturmadler kannte nur Brocken von Krz'ner. Er war nicht sicher, ob der hünenhafte Sklave der Dunkelelfen ihn verstehen würde, aber Kazel wollte nichts unversucht lassen.
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