Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Diese große Graslandschaft liegt im Herzen des östlichen Teiles Celcias. Bei einem Unwetter verwandelt sich diese schöne Ebene in ein sehr gefährliches Gebiet, da es kaum Schutz bietet. Der große Fluss Ilfar teilt die Ebene in zwei Hälften.
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Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Tahmo » Sonntag 1. Februar 2009, 22:12

Rotglühend ging die Sonne am Firmament unter, um ihre letzten warmen strahlen über die Stille Ebene zu schicken und sie in ein orange leuchtendes Licht zu tauchen. Nichtmehr lange, vielleicht nur noch ein paar Stunden und sie wäre vollends verschwunden um der Nacht und dem Mond mit seinen funkelnden Gestirnen den Platz frei zu machen.
Eine Zeit, in welcher die Tiere des Tages schlafen gingen und die Kreaturen der Nacht langsam aus ihren Höhlen und Bauten krochen.
Eine Zeit, in welcher noch so manch unerschrockener Abenteurer heftig mit dem Aufbau seines Nachtlagers zu kämpfen hatte um nicht in der Schneebedeckten, stillen Ebene zu erfrieren.

„Verdammt, Faro! Hilf mir doch mal!“
Ächzend kämpfte sich der Jungspund unter der grauen Wolldecke hervor, welche er als Zeltplane gebrauchen wollte. In seiner linken und rechten Hand hielt er zwei kurze und Zugeschnitzte Äste, die als Zeltstangen dienen sollten. Der dritte Ast lag noch irgendwo unter der Decke begraben, unter welcher Tahmo nun vollends hervor gekrochen war.
Schnaufend richtete er sich zu seiner vollen Größe auf, während der aufkommende Abendwind durch seine sowieso schon durch die Decke total zerzausten Haare, strich.
Der Junge schnaufte erhitzt und der Atem stob ihm in Rauchwolken von den durch die Kälte spröden Lippen hinweg, wollte er doch sein Nachtlager noch vor Einbruch der Nacht fertig stellen, die beiden Äste dazu hatte er sich vom nahe gelegenen Waldrand des Neldoreth geholt. Welcher nun dunkel und still circa. 30 Schritt von Tahmo und seinem Pferd entfernt war.
Den Wald wollte er lieber bei Tage durchqueren, wohl weil ihm dunkle Wälder nicht so ganz zusagten. Deshalb musste er eben so schnell wie möglich sein Zelt zu Ende bauen.
Faro, ein Pony mit dickem, braunem Fell und einer hellbraunen Mähne welche mindestens so zerstruwelt war wie Tahmos Kopfhaar, interessierte sich indes wohl nicht weiter für die Probleme seines jungen Menschenfreundes.
Er kaute gemütlich auf ein paar dürre und ausgelaugte Grashalme herum und es schien für Tahmo fast so als würde sich Faro leicht darüber amüsieren, das sein zweibeiniger Freund sich nun schon seid Minuten damit beschäftigte ein Zelt zu errichten.
Erst hatte Tahmo den ganzen Schnee weggeschaufelt und springend plattgestampft.
Dann hatte er Holz vom Rand des Neldoreth gesammelt um ein prasselndes Feuer zu entzünden, sowie drei Zeltstangen anzufertigen.
Das Feuer brannte wunderbar… er hatte ja auch lange genug dafür gebraucht….
Nur sein Zelt stand noch nicht so ganz.
Schnaufend und mit rotem Gesicht stemmte Tahmo seine Fäuste in die Seiten und musterte das Zelt… oder vielmehr die Decke die auf der gefrorenen, freigeschaufelten Erde lag und die drei Zeltstangen die neben oder unter der Decke ruhten.
…Immerhin war ihm durch die Arbeit warm geworden!

„Arch… also noch einmal“
Schnaufte er und ging in die Hocke um sich die beiden Stangen zu greifen. Dann wanderte er zu der Stelle an welcher er eine Stange positionieren wollte.
Fest umgriff er das Holz mit seinen klammen Fingern, streckte dann die Arme nach oben und formte ein leichtes Holkreuz. Er stellte sich sogar leicht auf die Zehen, um mit verbissenem Gesicht genügend Schwung zu bekommen um das Holz in den Boden zu treiben.
Mit einem unterdrückten Geräusch rammte er die Holzstange nach unten
„Hrrrfmpf“
welche jedoch nur ein paar Zentimeter in den Boden drang. Nun noch mehr schnaufend betrachtete er sein Werk. Immerhin, der Stock schien stehen zu bleiben… wenn auch sehr wackelig.
„Gut…. Ja nicht umfallen…“
langsam ging er von der Zeltstange zurück, während er die Hände beschwörend vor sich hielt, so als würde die Stange dadurch nicht umkippen.
Plötzlich fühlte er etwas rundes unter seinen Schuhsohlen und wusste wo sich der zweite Stock befand. Aber ehe dieser Umstand wirklich sein Hirn erreichte so dass er hätte reagieren können, war er schon auf der provisorischen Zeltstange ausgerutscht.
„Wuaaah!“ Mehr als einen erschrockenen und verdutzten Schrei brachte er nicht hervor, ehe er kopfüber und mit dem Rücken im weichen Schnee landete, der sofort wie weiser Puderzucker in den Himmel hinaufstob.
Ein leicht geschaffter Seufzer entwich seinem Mund, zum Glück war die Stange ganz geblieben.

Ächzend rappelte er sich wieder hoch und bemerkte den kalten Schnee welcher irgendwie unter seine Tunika auf seinen Rücken gekommen war. Er schüttelte sich fröstelnd, immerhin war das Feuer noch nicht ausgegangen, aber dennoch war kalter Schnee nichts das man gerne im Rücken spürte.
Aber dennoch musste er sich beeilen, denn bald war die Sonne ganz verschwunden. Deshalb versuchte er so schnell wie Möglich die zweite Zeltstange ebenfalls in den Boden zu rammen, was er auch nach einigen Versuchen schaffte.
Ziemlich erledigt und geschafft legte er vorsichtig den dritten Stock über die ersten Beiden und spannte die Wolldecke als Zeltplane darüber. Zufrieden betrachtete er sein Werk und auch Faro war inzwischen gemächlich näher gekommen, nachdem er die wenigen Grashalme noch ausgezupft hatte die man auf der Ebene noch fand, um sich die Schlafhöhle seines Freundes anzusehen.
Das Pony schnaubte kurz und kräftig, wobei ihm einige Schneekristalle von den Nüstern flogen.

„Ja, Faro. Ich finde ebenfalls das dies ein gelungenes Zelt ist.“
Stimmte Tahmo seinem Begleiter mit einem stolzen grinsen zu, auch wenn er sicherlich nicht verstanden hatte was Faro überhaupt mit seinem Schnauben ausdrücken wollte.
Seufzend hockte sich Tahmo vor den Zelteingang um seine inzwischen kalten Finger am prasselnden Lagerfeuer zu wärmen.
Tahmos blonder Haarschopf mit den halblangen zotteln am Kopf war leicht feucht geworden bei der Arbeit. Zum einen durch Schweiß, zum anderen durch Schnee, wodurch seine Haare nun recht wild von seinem Kopf abstanden.
Sein Gesicht war immer noch rot vor Anstrengung und seine restlichen Kleider hatten hier und dort ein paar nasse Stellen bekommen.
Aber dies störte ihn nicht groß weiter. Ihm war warm von der Arbeit und sein dicker Umhang würde ihn nun noch zusätzlich warm durch die Nacht bringen.
Gemütlich wickelte er sich in den Stoff ein, welcher viermal um seine schlanke Statur gepasst hätte und zog seine Kaputze hoch. Damit auch sein Kopf warm blieb.
Dann wärmte er sich noch ein wenig am Feuer, während sich auch Faro langsam niederlies um seine Schlafposition einzunehmen. Für ein Pony mit einem Fell wie Faro es hatte, war so eine Nacht ein Kinderspiel und die Kälte nicht mehr als ein leichter Luftzug.
Tahmo zog unter dem Umhang seine Knie an die Brust, um sein Kinn auf ihnen zu betten.
Nachdenklich und mit ziemlich müden Augen starrte er in die tanzenden Flammen seiner kleinen Feuerstelle. Der Umhang hüllte ihn in eine angenehme Wärme, welche ihn müder und müder werden lies.
Letztendlich kippte er nach hinten in sein Zelt und drehte sich auf die Seite, um die Beine anzuziehen und dann vom Umhang warm gehalten einzuschlafen.
Aufgrund der Anstrengung der bisherigen Reise und des Zeltaufbaues, schlief er ziemlich schnell ein. Er träumte von der bisherigen Strecke die er zurückgelegt hatte.
Die vielen Orte… der glitzernde Schnee auf der Ebene, der klare Himmel.
Diese unendliche Weite… diese Freiheit, die sein Fernweh so schön linderte…

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Montag 2. Februar 2009, 22:28

Das stundenlange Reiten, das ständige auf und ab auf dem Rücken des Pferdes, während seiner Flucht aus dem Fischerdorf – seiner einstmaligen und verhassten Heimat – mussten Tahmo oder zumindest seinem Pony ziemlich zugesetzt haben.

Sie waren spätabends aufgebrochen, nachdem der Jungerwachsene von seinem Ausguck auf dem kleinen Hügel, welcher kurz außerhalb des Dorfes lag, zurück zu seinem Elternhaus gegangen war und dort mehr oder minder mit anhören musste, dass es nicht weiter erwünscht war. Seine Mutter und sein Vater hatten die Tür versperrt und dahinter getuschelt, ihm somit klar gemacht, dass er nicht weiter willkommen war und diesen Umstand hatte Tahmo genutzt und sich auf seine lang gewünschte Reise gemacht.
Zuvor jedoch war er an der Dorfgrenze stehen geblieben, auf die Knie gefallen und hatte seine letzten Zweifel zu den Dämonen gejagt. Als er erkannte hatte, wo er sich gerade befand – nämlich direkt bei den Stallungen – entschloss er sich, einen <i>Freund</i> mit auf seine Reise zu nehmen, dass Pony, welches den Namen Faro trug und ebenso ein Außenseiter war, wie der junge Mann selbst.

So waren sie gemeinsam geflohen, Tahmo auf dem Rücken des Tieres und im strammen Galopp. Sie waren fast die ganze Nacht hindurch geritten, wollten wohl den verhassten Ort so schnell und weit wie möglich hinter sich lassen und so war es auch kein Wunder, dass er bei Tagesanbruch bereits schon lange die Häuser des kleinen Fischerdorfes nicht mehr erblicken konnte. Sie waren mitten auf der Stillen Ebene und, welche Laune auch immer den Jungerwachsenen getrieben hatte, hatte er sich weiter nach Westen gewandt, bis sich der neue Tag ebenfalls wieder dem Ende zu zuneigen begann und sie den Rand des großen und weitläufigen Waldes Neldoreth erreicht hatten.

Nun wurde es an der Zeit, ein Nachtlager aufzuschlagen, denn besonders viele Pausen hatten sie seit dem Aufbruch nicht gehabt und etwas Ruhe würde Faro sicherlich gut tun. Zwar merkte man dem Pony nicht unbedingt die harte, aber doch erfolgreiche Reise an, aber doch stoben bereits mächtige Dunstwolken aus dem Maul und den Nüstern des Tieres.
Nachdem Tahmo sich für eine Stelle entschieden hatte, begann er damit sich für die Nacht vorzubereiten, auch wenn es hierbei die einen oder anderen Schwierigkeiten gab.
Die Temperaturen sanken rapide in den Keller und es dauerte kaum mehr als eineinhalb Stunden, bis der frische und kühle Wind zunahm. Er trug eindeutig den Geruch von Schnee mit sich und auch hiermit dauerte es nicht mehr lange. Schon bald fielen, wild wirbelnd die ersten Flocken des gefrorenen Wassers auf die Erde hinab und gesellten sich zu ihren Kameraden, welche schon seit geraumer Zeit auf dem gefrorenen Boden lagen und das grüne Gras unter sich verbannten.

Faro wieherte, aber endlich hatte es der Jungerwachsene geschafft und sich ein provisorisches Zelt aus einer Decke und diversen Stöcken gezimmert. Auch ein Feuer hatte er entfachen können, sodass zumindest jetzt, wo die goldene Scheibe Lysanthors hinter den großen und mächtigen Bäumen des Neldoreths verschwand, kleine Funken empor stoben und sich etwas Licht auf dem Platz ausbreitete. Tanzend sprangen die Schatten, welche von der Quelle der Helligkeit erzeugt wurden, hin und her und spielten ihr schattenhaftes Spiel.

Tahmo hatte sich inzwischen in seinen dicken Mantel eingehüllt, welcher glücklicherweise die meiste Kälte von seinem Körper fern hielt. Nun hockte der an seinem kleinen Lagerfeuer und schien gedankenverloren irgendwelchen Hirngespinsten nachzujagen, so zumindest hatte es den Anschein für seinen Freund Faro. Letzterer entschied sich jedoch auch sich etwas Ruhe zu gönnen und bereitete sich auf seinen Schlaf vor.
Von der Wärme des Feuers und des Mantels eingehüllt dauerte es auch gar nicht mehr besonders lange, bis der junge Mann sich auch seiner Müdigkeit ergeben musste und langsam aber sicher nach hinten umkippte. Er fiel genau unter sein provisorisches Zelt und rollte sich auf die Seite, schlief fast augenblicklich ein und so bekam er auch nicht mit, dass in weiter, weiter Ferne – kaum sichtbar aber durch das flache Land der Stillen Ebene erahnbar – bereits einige Leute das Licht seines Feuers bemerkt hatten und nun ihre Schritt in seine Richtung lenkten.

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Tahmo » Dienstag 3. Februar 2009, 22:34

Dunkel war es und keine einzige Wolke versperrte den Blick auf die hellfunkelnden Sterne und den Mond, welche die Ebene und den Waldrand in ein dämmrig, silbernes Licht tauchten.
Im Gegenzug für diese nächtliche Idylle, pfiff ein eisiger Wind über die Schneedecke hinweg. Mit leisem Geheul schlug er auch gegen das provisorische Zelt von Tahmo.
Die Decke schlackerte etwas im Wind und die Äste zitterten mit leisem Knarzen.
Tahmo indes störrte dies wohl nicht wirklich. Der Wind und seine Begleiterscheinungen machten ihm keine Angst. Im Gegenteil, das leise Heulen der Luft sowie das schlackern der Decke, was für Tahmo wie rythmisches trommeln klang, erzeugte eine wahre Melodie für den Jungen Abenteurer. Eine Melodie der Freiheit und der Ferne.

So lag er schlummernd auf seiner rechten Körperseite. Der Mantel, welcher aus dickem Loden bestand, hielt ihn recht gut warm. Er hatte sich seine Kaputze über den Kopf gezogen und mit einem angezogenen sowie einem ausgestreckten Fuß, seine Hände unter seine Schläfen gelegt.
Der Tag hatte ihn erschöpft. Die Aufregung, die Anstrengung und die vielen Veränderrungen sorgten dafür das er tief und fest schlief.
Das Feuer war inzwischen aufgrund des Windes kleiner geworden und schließlich erloschen. Sodass nurnoch die Kohle wie grimmige Augen zwischen den abgebrannten Holzstücken glimmte.
Aber dennoch, als das Feuer noch gebrannt hatte, wurde sein Rastplatz von fremden Entdeckt welche nun schneller näher kamen.
Die Absichten der Fremden waren ungewiss, Tahmo konnte sicherlich nur hoffen das sie nichts übles im Schilde führten, denn immerhin schlief er fest.
Aber zur Not hatte er noch seinen Stab neben sich liegen und Faro ruhte ja neben dem Zelt.
Und sollte der Wind nicht drehen oder ungünstig wehen, so würde das Pony die heranrückenden Fremden hoffentlich früh genug bemerken und so schlau sein Tahmo auf den Besuch aufmerksam zu machen.

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Sonntag 8. Februar 2009, 22:31

Es war eine furchtbar kalte Nacht, aber gut eingepackt und geschützt durch seinen Mantel, schlummerte der junge Mann wohlig in seinem provisorischen Zelt und träumte seine schönsten Träume.
So verstrich die Nacht, Stunde um Stunde, und das Feuer, wessen Flammen eben noch so wunderbar hoch gezüngelt hatten, brannten nieder. Sie wurden immer kleiner und kleiner, denn es war keiner mehr da, der ihnen neue Nahrung geben konnte und so verschlungen sie gierig jenes was ihnen noch geblieben war. Bis es soweit war und sie nichts mehr zum züngeln hatten und begannen zu erstarben, bis nur noch heiße und rot glühende Stellen aus Glut vorhanden waren.

Jene Fremden, welche von weiter Ferne das Feuer entdeckt hatten, kamen nun immer näher. Sie wanderten unaufhaltsam durch die kalte Nacht hindurch, legten keine Pause ein, denn ihr Ziel – der Rastplatz des jungen Tahmo – wollten sie unbedingt erreichten. Was genau sie antrieb konnten eventuelle Beobachter nicht sagen, sollten es denn wirklich welche geben.
Sie machten immer einen Schritt vor den Anderen und stützten sich auf ihre Wanderstäbe. Weiße Dunstwolken drang aus ihren Kehlen und zeugte davon, welche Anstrengung sie bei dieser Wanderung durchlebten.

Schließlich jedoch begann die Nacht in den Morgen über zu gehen und die Dunkelheit schien den Kampf gegen das erste Tageslicht zu verlieren, jedenfalls befand es sich nun auf dem Rückzug. Und auch der Wind, welcher nach dem Einschlafen von des jungen Menschen gedreht hatte, entschied sich dazu, wieder seine alte Richtung aufzunehmen. Dies mochte zum Glück Tahmos geschehen sein – vielleicht war ihm Ventha ja wohl gesonnen – denn nun regte sich Faro.
Das Pferd hob den Kopf und schaute genau in die Richtung, aus welcher sich die Fremden näherten. Er schnaubte leicht und auch dabei stoben ihm dichte Dunstwolken aus dem Maul.
Auch wenn sie noch recht weit entfernt waren, so schien das treue Tier doch etwas zu beunruhigen. Schnell stand es auf und kam zu Tahmo herüber, steckte den Kopf in den Zelteingang und stupste seinen Freund mit der kühlen Schnauze genau ins Gesicht. Dabei wieherte es von neuem.

Offenbar wollte es den jungen Mann wecken, ihn die Information mitteilen, dass Menschen auf dem Weg hierher waren und es wahrscheinlich Probleme geben könnte.

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Tahmo » Montag 9. Februar 2009, 15:45

Er war noch so fest und schön am schlafen. Das provisorische Zelt, genauergesagt die Decke welche als Zeltplane zweckenentfremdet worden war, hatte den Schnee recht gut von ihm abgehalten. Kalt war ihm ebenfalls nicht, dank seines dicken Umhanges.
Er schwitzte nicht, noch fror er wirklich.
Langsam ging auch schon die Sonne am Horizont auf, um die Nacht zu vertreiben und ihre warmen Strahlen über die weiss glänzende Winterebene zu schicken.

Tahmo schlief noch fest und Träumte eine Mischung aus vergangenem und jetzigem, so bemerkte er auch im Gegensatz zu seinem tierischen Begleiter, die sich nähernden Fremden nicht.
Schnaubend stand Faro auf und schüttelte sich ersteinmal den Schnee von seinem dichten, dicken Winterfell. Weisse Wolken aus warmen Atemdampf stoben von seinen Pferdenüstern hinfort, während er mit nach vorne gerichteten Ohren inrichtung der Fremden lauschte.
Das Pony wusste vielleicht weder ob diese Fremden Gute oder Böse absichten hatten.
Langsam stapfte Faro durch den Schnee, welcher unter seinen Hufen knirschte, hin zu dem Zelt seines Freundes. Er steckte seinen Pferdekopf in das wacklige Zelt, wodurch er es nun zur Gänze ausfüllte. Schnaubend verharrte Faro mit seiner Schnauze über Tahmos linkem Ohr, welcher immernoch eingehüllt in seinem Umhang auf seiner rechten Seite liegend vor sich hin döste.
Das Pony lies einen kurzen, weiteren Schnauber von sich um somit Tahmo aufzuwecken.

"Mhr? was wie...wo?" Murmelte dieser erst verwirrt und schlaftrunken, ehe er sich auf den Rücken drehte.
Blinzelnd guckte Tahmo den Pferdekopf an, welcher nun wenige Zentimeter vor seinem Gesicht schwebte. Er brauchte kurz um zu begreifen wo er war... und das er wohl Pferdeschnodder an seinem linken Ohr kleben hatte.
"Waah.. Faro..igitt... was soll den dass?"

Sorgfältig rieb sich Tahmo den Schleim von seinem Ohr und seiner Wange, wobei er eine angeekelte Mimik zog.
"Das ist ja voll...eklig! Na komm, raus mit dir."
Behutsam legte Tahmo seine andere Hand auf Faros Kopf und gab ihm mit leichtem Druck zu verstehen das dieser aus dem Zelt verschwinden sollte. Anders würde Tahmo nämlich auch nicht hinauskommen.

Sich erneut schüttelnd stand Faro nun wieder neben dem Zelt und blickte in die Richtung der Fremden Leute, welche schon betrachtlich näher gekommen waren.
Während Tahmo gerade aus dem Zelt kroch und sich dann neben Faro stellte.
Er streckte gähnend seine müden Glieder und fühlte sich als hätte er nach einem durchgezechten Abend auf einem Steinboden geschlafen..
Kurz gesagt, er spührte jeden einzelnen Knochen in seinem Körper, mochte er noch so klein sein.
Mit zerknitterten Kleidern, zerzausten Haaren welche wild abstanden sowie einem verpennten und gerädertem Schlafzimmerblick sah er zuerst zu Faro hin, ehe er aus den Augenwinkeln herraus nun auch die Fremden bemerkte.
"Oh... da kommen ja welche..." Stellte er knapp fest. "Hast du mich deshalb geweckt?"

Wer mag das wohl sein? Vielleicht sind es auch Wanderer und Reisende wie ich? Oder gar am Ende sogar Wegelagerer? Hm. Zur Not kann ich mich ja verteidigen...
Mit ächzenden Gliedern bückte sich Tahmo und zog die Decke von dem Zeltgestänge hinab.
Er musste sie ein wenig ausschütteln und vom Schnee befreien, ehe er sie Faro auf den Rücken legen konnte. Welcher daraufhin nur leicht missbilligend schnaufte und Tahmo fast mit vorwurfsvoller Mimik ansah, fragend was denn nun die kühle Decke auf seinem Rücken soll.
"Dir wird schon warm." Meinte Tahmo, während er sich seinen Rucksack um die Schultern hing und seinen Stab aufhob.
Dann stellte er sich neben Faro hin und blickte sowohl angespannt als auch neugierig den Fremden entgegen.

Ich hoffe echt, die wollen nichts übles... Naja, dann muss ich halt einfach schnell abhauen.. Immerhin habe ich Faro und sie nicht.

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 12. Februar 2009, 07:17

Nachdem Faro die immer näher kommenden Fremden bemerkt hatte, was wohl auch daran lag, dass der Wind plötzlich gedreht hatte, stand das Pferd auf und trabte zu seinem neuen Besitzer und Freund. Er steckte den Kopf in das Zelt und kam Tahmo so nahe, dass ein einziger Schnauber ausreichte, um dem jungen Mann eine gehörige Portion Schmodder auf dessen Ohr und Wange zu platzieren.
Auf diese unsanfte Art und Weise wurde also der Sohn aus dem Fischerdorf geweckt und nur widerwillig öffnete er seine Augen. Dann jedoch war er erstaunlich schnell aber verständlicherweise wieder bei vollem Bewusstsein. Nachdem er Faros Kopf wieder aus seinem provisorischem Unterschlupf geschoben hatte stand er auf und stellte sich neben das Tier und streckte sich ausgiebig, bis er dann auch jene Leute wahrnahm, welche direkt auf ihn zukamen.

Diese waren, bedingt durch ihre nächtliche Wanderung, erstaunlich weit gekommen. Sie konnten nun den Unterschlupf deutlich erkennen, ebenso das herunter- und fast völlig ausgebrannte Lagerfeuer, wo einzig nur noch ein paar einzelne kleine Glutflecken glommen.
Weiße Atemwolken breiteten sich vor ihren Gesichtern aus, was dazu führte, dass das Erkennen dieser Personen nicht ganz so einfach war. Sie stützten sich auf ihre Stäbe und kamen dennoch stetig Schritt um Schritt näher.
Eigentlich hatten sie gehofft bei Tahmo, einen für sie momentan noch fremden Reisenden, Rasten zu können und etwas weitere Gesellschaft auf ihrer Reise beziehungsweise zu haben. Vielleicht würde er ja sogar wissen wo sie jemand bestimmten finden konnten, vielleicht hatte er den Gesuchten ja gesehen. Dann jedoch wurde das Bild des jungen Mannes klarer und nun konnten sie auch das Pferd erkennen.
Einer der Männer blieb unvermittelt stehen, hieb seinen Wanderstab auf den Boden und wollte nicht glauben was er dort sah. Die Spuren hatten sie wirklich in die richtige Richtung geführt und durch ihr unermüdliches weiter Vorandringen, hatten aufholen können.

„DAS IST ER!“, rief der Mann und die anderen Männer erkannten es nun auch.
„Ja!“, rief ein anderer.
„Bei den Göttern, ihr habt Recht!“, meinte ein Dritter.
„Jetzt entkommt er uns nicht mehr!“, gab ein weiterer von sich.

Und dann geschah alles unglaublich schnell. Die Männer, welche Stimmen dem jungen Exbewohner des Fischerdorfes teilweise wohlbekannt vorkommen dürfte, rafften ihre letzten Kraftreserven zusammen und beschleunigten ihre Schritte, bis sie rannten.
Jetzt nahm die Entfernung zwischen ihnen und Tahmo rapide ab und es würde nicht mehr lange dauern, bis sie ihn erreichten. Aufregung machte sich in den Leuten breit und verschiedene Wort- und Satzfetzen drangen durch die kalte Luft zu ihm herüber, hauptsächlich Anschuldigungen und Beschimpfungen.
„Dieb!“ „Feigling!“ „Na warte…“ „Jetzt … wir dich!“

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 12. Februar 2009, 09:42

Tahmo, welcher immernoch neben Faro stand, beobachtete die kleine Gruppe von Reisenden weiterhin. Er wunderte sich ein wenig, als einer der Fremden plötzlich stehen blieb und mit seinem Wanderstock auf den Boden hieb. Faro schnaubte unruhig neben ihm, es schien fast so als würde das Pony rein aus seinem Instinkt herraus bemerken das hier etwas nicht stimmte. Tahmo indess was jedoch weniger misstrauisch als sein Begleiter, er kniff seine Augen zusammen und beugte sich ein wenig nach vorne, um nun genauer in die Richtung der Fremden zu starren.
"...jetzt ist einer stehengeblieben und nun.... fangen sie an zu rennen?"
komische Leute, was die wohl...
Weiter kam er auch schon nicht mit seinem inneren Monolog.
Vereinzelte Wortfetzen drangen nun an sein Ohr, welche alles andere als freundlich klangen. Und auch sicherlich nicht den Eindruck erweckten das diese Fremden dort ihm wohlgesonnen waren.
Erschrocken riss Tahmo nun auch die Augen auf, als er nun letztendlich doch erkannte wer diese Leute waren! Der junge Abenteurer machte sogar einen Schritt zurück und nahm eine angespannte Körperhaltung ein, während der Schnee bei jedem Schritt unter seinen Stiefeln knirschte. "Verdammt! Das gibt es doch nicht!"
Rief er entgeistert aus, während er im Geiste sich erneut über sein immer zur falschen Zeit auftretendes Pech ärgerte.
"Faro, die kommen aus dem Fischersdorf! Aus unserem Dorf!"
Rief er nun seinem tierischen Freund zu, welcher das nur mit einem unruhigen Schnauben quittierte. Es klang fast so als wolle er Tahmo sagen, das er dies schon viel eher bemerkt hatte, wer diese Leute waren. Der junge Abenteurer warf wieder einen schluckenden Blick nach rechts, zu den sich nähernden Männern. Die Distanz war nun schon deutlich geringer geworden und Tahmo konnte nun sehr, sehr deutlich die Anschuldigungen hören, die man ihm entgegenbrachte. Vielleicht war es ja doch, Glück im Unglück gewesen, das sich die Fremden so leicht zu erkennen gegeben hatten. Aber da dachte Tahmo im Moment nichteinmal drann. Für ihn war dies nun mehr als ein Unglücksfall.
Wir müssen weg von hier
Dachte er leise bei sich, während er sich schon auf den Rücken seines Freundes schwang.
Noch ein paar Schritte und diese Dorfbewohner wären nahe genug drann um ihm mit seinen Stöcken eines überzuziehen.
Zum Glück hatte Tahmo ja schon vorsorglich seine Sachen zusammengepackt.
Die Decke auf Faros Rücken gelegt, welche durch den Schnee jedoch immernoch spührbar kalt und etwas feucht war. Sein Rucksack hing auf seinen schmalen Schultern auf seinem Rücken und seinen Stab behielt er fest in seiner rechten Hand.
Um die Zeltstangen war es ja nicht schade, er konnte sich neue machen.
"Los Faro, weg hier! Ehe die uns noch erwischen!"
Rief Tahmo, während leichte Panik in seiner Stimmlage war.
Faro indess, musste man dies wohl nicht zweimal sagen.
Das Pony machte kehrt und trabte in entgegengesetzte Richtung los, nur weg von ihren Häschern.

Und so würde Tahmo eine etwas weniger edle Art der Konflikbewältigung wählen, nämlich das Wegrennen. Sofern ihn die wütenden Dorfbewohner nicht vorher schnappten, ehe Faro auch nur ein paar Sprünge inrichtung Fluchtlinie traben könnte. Vor den Beiden Ausreißern lag zur linken der Neldoreth, dessen Bäume teilweise wie mit Puderzucker bedeckt waren. Und zu ihrer Rechten, breitete sich die Stille Ebene aus, welche sich ebenso in einem weissen Kleid präsentierte. Vor den Beiden konnte man am Horizont die Spitzen des fernen Drachengebierges sehen.
Zuletzt geändert von Tahmo am Sonntag 15. Februar 2009, 11:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Freitag 20. Februar 2009, 10:25

Mit zunächst augenscheinlicher Neugier betrachtete der junge Mann, jene fremden Gestallten, welche sich ihm unaufhaltsam näherten. Dann jedoch wandelte sich diese Wissbegierde von einem Moment zum anderen in ein anderes Gefühl. Der Auslöser dazu war die Tatsache, dass einer der Fremden stehen geblieben war und unbedachter Weise “DAS IST ER!“ rief. Sofort stimmten dessen Begleiter in die Tirade der Anschuldigungen ein und so war es ein Leichtes für Tahmo nun doch endlich zu erkennen, um wen es sich bei den Gestallten handelte.

Kaum dass er begriffen hatte, was hier vor sich ging, dass es tatsächlich die Männer aus dem Fischerdorf auf sich genommen hatten, ihm den ganzen Weg, welche er auf dem Pferd hinter sich gebracht hatte, zu folgen.
Aber doch schien es einen Moment zu dauern, bis er sich wieder dazu aufraffen konnte irgendetwas zu unternehmen. Fast augenblicklich begab er sich zu seinem Freund Faro und schließlich dauerte es nur wenige Sekunden, bis er sich auf den Rücken des Tieres begeben hatte, um auf ihm erneut das Weite zu suchen.

Die Männer, welche den jungen Mann erkannt hatten, konnten deutlich beobachten, wie er sich dem Pferd zu wandte und schwups die wupps bereit für eine erneute Flucht war. Kurz waren sie noch während ihrer Beschuldigungsrufe stehen geblieben, aber schlussendlich wachten sie endlich wieder aus ihrer Starre auf und machten sich erneut auf den Weg zu dem jungen Pferdedieb und Ausgestoßenen.
Sie wollten ihn um jeden Preis erreichen, wollten nicht schon wieder zulassen, dass er einfach so verschwand und auch erneut Faro mitnahm. Zwar hatte der ehemalige Besitzer des Tieres, dieses nie besonders beachtet, aber doch war es sein Eigentum, welches ihm auf nicht ganz legalem Wege entwendet wurde.
Mit schnelle Schritten, ja fast schon rennend kamen sie nun auf Tahmo zu und es würde nicht mehr allzu lange dauern, bis sie ihn erreicht hatte. Offenkundig schien er nicht ganz zu wissen, wohin er fliehen sollte, denn zu seiner Linken lang der große Wald Neldoreth, von seiner Rechten kamen die wütenden Dorfbewohner auf ihn zu. So blieb ihm nur der Weg nach vorn, welcher ihn weiter gen Norden in Richtung der Hauptstadt Celcias bringen würde, oder aber nach Süden, wo er schließlich, nach einigen Hindernissen wie dem Fluss Ilfar, auf einen erneuten Wald, den Urwald Kapayu treffen würde.

Nun war es an Tahmo selbst so schnell wie möglich eine Entscheidung zu treffen. Norden oder Süden, denn nach rechts, Richtung Osten, auf die Stille Ebene konnte er schlecht und nach Westen direkt in den Wald hinein wäre wohl auch nicht die klügste Wahl. Dort müsste er von Faro absteigen und das Tier zu Fuß führen, was wiederum dazu führen könnte, dass die Verfolger ihn einholten.

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Tahmo » Freitag 20. Februar 2009, 18:18

Rechts, Links, Nord, Süd, Wald, Ebene...
Gehetzt blickte sich Tahmo um, während Faro schon recht unrhuig leicht auf der Stelle tänzelte und mit geblähten Nüstern schnaubte.
Tahmo drückte seine Beine fest an das Pony, um nicht eventuell abzustürzen, sollte Faro einen leichten Satz machen.
Indes kamen die drei Drofbewohner immer Näher und das inzwischen sogar rennend!
Sie schnauften und keuchten, sie fluchten und wirbelten eine Menge Schnee auf, während sie immer näher kamen. Tahm und Faro drehten sich leicht,
sodass beide nun die wütenden Dorfbewohner im Rücken hatten, während Tahmo fiebernd überlegte wohin er nun reiten sollte. Der Wald war ausgeschlossen, er würde sich sicherlich nur verlaufen, über eine Wurzel stolpern und sich Verletzen, von einem wilden Waldbewohner angegriffen oder von ihren Häschern eingeholt und gefangen werden. Nein, er musste seinen Vorteil, nämlich Faro, ausspielen. Und ein Pony konnte man eben nicht im Galopp durch einen dichten Wald jagen. Auf der Stillen Ebene jedoch, könnte man so schnell reiten wie man wollte. Jedoch, würde man ihn auch noch in hundert Fuß Entfernung am Horizont sehen können und vor allem, müsste er dann genau an den drei Männern vorbei!

"Also hier lang!" Dachte er ein wenig lauter, wohl um seine eigene Stimme hören zu können, er gab durch ein sanftes ziehen der Zügel Faro zu verstehen das Er inrichtung Pelgars wollte. Aus Erzählungen von Reisenden die seltenst in seine ehemaligen Zuhause vorbeikamen, wusste er das sich dort eine riesen große Stadt befinden musste. Eine Stadt, so groß, wie er sie noch nie in seinem Leben gesehen hatte! Faro wendete willig und weiser Dampf stieg aus seinen Nüstern, ehe er auf einen leichten Fersendruck vonseiten Tahmos hin, losjagte. Das Pony preschte nur so Energiegeladen dahin, inrichtung Pelgar, mit sich überschlagenden Beinen. Wie ein schneller und durch den Schnee gedämpfter Trommelrythmus klopfte seine Hufe auf den Schneeboden, um die Verfolger in einer weissen Schneewolke zurückzulassen. Mit verkrampfter Mimik und aufeinander gebissenen Zähnen, klammerte sich Tahmo inzwischen am Hals von seinem Begleiter fest. Er war wohl recht überrascht darüber, das dass sonst so träge wirkende Pony ein solch enormes Tempo entwickeln konnte, wenn es um die Flucht ging. Der Wind peitschte in sein Gesicht, auf seine Wangen und lies seine Haare wild nach hinten wehen. Was manch einem vielleicht die Tränen in die Pupillen getrieben hätte, empfand Tahmo eher als brausendes Streicheln. Er kniff ein wenig die Augen zu und versuchte weiterhin sich so festzuhalten, dass er nicht sogleich herunterflog. Er hatte vollstes Vertrauen darin, das sein Pony in die richtige Richtung rannte...

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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Sonntag 22. Februar 2009, 20:35

"HEEEE!"
"BLEIB STEEEHN!"
"DIIIEEEBBB!"

Dies waren die letzten Worte, welche der junge Mann noch von seinen Verfolgern hören konnte, während er sich zu einer Entscheidung durch rang. Es war kein so ganz einfacher Entschluss, welchen er fällen musste, doch seine Möglichkeiten waren relativ begrenzt.
Zu seiner Linken, befand sich der Wald Neldoreth und dies fiel als Fluchtweg von vornherein flach, denn dort konnte er die Stärke seines Begleiters Faro nicht ausspielen. Dann war da noch die Stille Ebene zu seiner Rechten, allerdings kamen aus dieser Richtung die wütenden Männer aus dem Fischerdorf und das Risiko auf diesem Wege geschnappt zu werden war einfach zu groß. Also blieb diese Option ebenfalls auf der Strecke. Nun blieb ihm nur noch der Weg nach Süden, welchen er in seinem Rücken hatte, oder aber genau in die entgegengesetzte Richtung – nach Norden. Und dies war es dann auch, wofür er sich schlussendlich entschied.

"Also hier lang!", kam es von Tahmo, wohl etwas lauter, als er es beabsichtigt hatte.

Jedoch reagierte seine treuer Freund augenblicklich darauf und los ging die erneute Reise. Gerade noch rechtzeitig, denn seine Verfolger waren bereits nahe dran ihn zu erreichen. Sie schnauften schwer und hauchten große, weiße Dunstwolken aus ihren Mündern heraus. Ihre Schritte hatten sich dermaßen beschleunigt, dass sie nun regelrecht rannten, denn sie wollten den Dieb des Pferdes unbedingt schnappen und nicht riskieren, dass er ihnen ein weiteres mal entwischte. Leider hatten die Männer auch diesmal kein Glück dabei, denn als der junge Mann, auf dem Rücken des Rosses, die Zügel gepackt hatte, war er auch schon wieder in unerreichbarer Ferne entrückt.

Ja, Tahmo hatte es geschafft und erneut hatte eine Flucht vor seinen Verfolgern erfolgreich vollzogen. Man mochte es kaum glauben, dass Glück oder die Götter schienen wahrhaftig auf seiner Seite zu sein.
Er ritt auf und davon, immer weiter gen Norden, zunächst noch am Rande es Waldes entlang, bis er sich schließlich sicher sein konnte, dass er in die offenen Weiten der Stillen Ebene reiten konnte. So verging ein Großteil des Vormittags und nichts weiter außergewöhnliches geschah. Weit am Horizont konnte der junge Mann seine Verfolger noch immer schemenhaft erkennen, aber momentan drohte ihm keine Gefahr von jenen. Sie waren einfach zu weit entfernt, allerdings konnten sie ihn genauso sehen, wie er sie und würde wohl verheißen, dass sie weiter auf seiner Spur blieben. Und dies würde auch nicht wirklich weiterhin schwer sein, denn durch seinen Galopp hatte er eindeutige Zeichen in dem weichen und lockeren weißen Schnee hinterlassen.

Nun türmte sich vor im aber auch die große Bergkette mit dem Namen Drachengebirge auf und irgendwo darin verbarg sich die Hauptstadt des Landes – Pelgar. Vielleicht war er ja dort sicher, dort wo so viele Menschen waren, dass es für seine Verfolger äußerst schwer sein dürfte, ihn aufzuspüren.
Und in der Tat war er nur noch knapp einen halben Tagesritt von den mächtigen Toren entfernt. Würde er seinen Kurs weiterhin in dieser Richtung halten, so würde er die Silhouette der Stadt bereits in wegen Stunden zu Gesicht bekommen, gerade wenn die Sonne den Zenit überschritten hätte.


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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Montag 7. Oktober 2019, 19:13

Viel Zeit ist vergangen, seid dem Helden und Abenteurer hier wandelten...

(Janay und Kazel kommen von: Weg über die Ebene)

...Sie waren kürzer geritten, als vermutet.
Die gesuchten Elfen mussten sich, seit dem Rhudos sie gesehen hatte, noch weiter in ihre Richtung bewegt haben. Janay und Kazel merkten vor allem am Verhalten ihrer Reittiere, dass jemand fremdes in der Nähe sein musste und ließen die Warge bei dem Orksklaven zurück um einen Versuch zu unternehmen, die neue Situation auszuspionieren. Schnell hörten sie vor allem das Hacken eines Beils und leisere Stimmen zwischen den Bäumen, die in dieser Gegend nun auch schon mal deutlich enger standen und guten Schutz vor einer ungewollten Entdeckung boten. So pirschten sie sich an und bekamen eine äußerst merkwürdige Szenerie geboten.

Als erstes wurden sie eines hoch gewachsenen Elfen in einem weißen „Nachthemd“ gewahr??? Der Mann, doch es war einer, trug ein wirklich hübsches Nachthemd. Eines von der Sorte, die einen weiten Halsausschnitt hatten und mit einem Schleifchen im Ausschnitt und einer breiten Rüsche rund herum den Blick auf das Dekolletee lenken sollte. Nur, dass da bei ihm nun mal nix war, dass es zu bewundern gab. Seine glatte unbehaarte Brust war sicher auch ein netter Anblick, aber was vielleicht noch verstörender wirkte, was, dass er das bodenlange Nachthemd an der Seite hoch gebunden hatte und an seinen nackten Beinen, speziell an den unteren Enden große flauschige Pantoffeln in der Form von Einhörnern trug. Sie waren durch seinen Waldspaziergang schon etwas schmutzig, aber das schien ihn nicht zu stören. Auch wirkte er nicht ganz so koordiniert, wie man es einem Elfen zutrauen würde, der in den Wald ging um totes Holz zu hacken. Gerade eben versuchte er wohl zum elften Mal einen Holzscheit auf einem schrägen Untergrund abzustellen und schnell genug zu sein um ihn mit dem kleinen Handbeil zu treffen... ein aussichtsloses Unterfangen. Aber er bewies Ausdauer! Das Holzstück rollte immer wieder weg, bevor es gespalten werden konnte, bis eine Stimme von weiter links, geschätzt elf Schritt, verborgen hinter einem dickeren Baum lallend rief:
„Elanor, wo hascht du die elf Flaschn hingeschtellt?“
Besagter nachthemdiger Holzfäller hob den Kopf und schnaufte. Er stellte sich gerade hin, schwankte, hielt sich an einem dünnen Baum fest, der sich dabei gefährlich zur Seite bog und rief zurück:
„Ich *hicks*... Ich habse bei Elbrennebell insSeltjestelld. Du muschtmal gugn, Elotiridirion.“
Ganz offensichtlich, für wohl jeden deutlich erkennbar, hatten hier mindestens zwei Elfen zu tief ins Glas geschaut. Eine Bedrohung sah nun wirklich anders aus! Aber wer weiß?! Weiter hinten waren noch mehr Stimmen zu hören, durchzogen von Gelächter. Die Stimme, die als erster gerufen hatte, stellte sich nun ebenfalls als Elf heraus... Und was für einer! Dem Namen und der zarten Singstimme nach hätte man einen kleinen zarten Mann erwartet, doch was da hinter dem Baum hinweg wankte, war der größte Elf den man je gesehen hatte! Er maß bestimmt drei Meter und schwankte wie ein Mast auf stürmischer See. Er hob im davon wanken die Hand und winkte wohl jemand der noch weiter hinten am Rand einer kleinen Lichtung stand. Aus ihrem Versteck konnten Janay das Gegenteil von dem „3mVogel“ gerade noch so ausmachen. Die Elfenfrau die dort vorbei ging, war nicht mal drei Käse hoch (unter 1,50m) und rund wie ein Ball. Ihr Doppelkinn wackelt lustig beim Sprechen:
„Ich hab euschjehört! In meinjer Funtjon als Seltwäschterin erdeil ich dir de Erlöbnis misch zu besuhchen!“
Nummer Drei war also die Zeltwächterin mit Doppelkinn und auch besoffen!
Für mehr Einblicke mussten Janay und Kazel das Lager wohl umrunden oder sich eben vorstellen.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Kazel Tenebrée » Freitag 11. Oktober 2019, 02:08

Mit einem Funken Bedenken im sturmblauen Blick verfolgte Kazel Janays Schritte in Richtung der Warge. Er sah sie zwischen den Bäumen verschwinden. Dann schüttelte er leicht den Kopf. Die Tiere würden ihr schon nichts tun. Seltsam, dass ich mich gerade bei diesen blutrünstigen Bestien so wenig um sie sorge... Aber eines der Biester hatte bereits seinen riesigen Kopf durch die Zeltöffnung gesteckt, als Janay noch bewusstlos in den warmen Fellen gelegen hatte. Und er selbst war ebenso wenig attackiert worden.
Prinz Rhudos riss ihn aus den Gedanken, als er an Kazel und seinen Ork heran trat, um knapp zu besprechen, wie sie die erbeutete Ausrüstung denn nun aufteilen wollen würden. Dorun, sein Sohn und die Spießgesesellen besaßen drei Zelte mit allem, was man für eine längere und vor allem dem Wetter entsprechende Reise durch die Wildnis benötigte, inklusive allerlei Hilfsmittel um zu jagen. Keine Tiere, obwohl der Ork unter den Waffen auch gefüllte Pfeilköcher und Bögen gefunden hatte. Ein Jagdbogen war in jedem Fall dabei. Kazel nutzte er aber wenig. Er war Wurfwaffen und Dolche gewohnt, hatte inzwischen auch schon einmal ein Kurzschwert in der Hand gehabt und erkennen müssen, dass es mehr für ihn selbst eine Gefahr darstellte als für jeden anderen. Sein Blick fiel auf beide Hände und flüchtig ballte er sie, dass die scharfen Spitzen der Adlerkrallen unter seinen Knöcheln schwach hervorlugten. Wie bei einer Wildkatze, dachte er und musste trotz aller Abscheu ob der unwürdigen Experimente sich selbst dennoch eingestehen, dass ihm diese künstlich angebrachten Waffen so langsam in Fleisch und Blut übergingen. Die Krallen in seinen Händen jedenfalls mehr als die an seinen Füßen oder die angespitzten Eckzähne.
Aber vielleicht war Janay in der Lage, einen Bogen zu führen. Ob sie damit Kleintiere erlegen könnte, fragte Kazel sich bisweilen und entschied sich, zumindest einen gefüllten Köcher und eben den Jagdbogen mitzunehmen. Auf die Frage hin, welche Waffen sein Ork denn nutzte, hatte der Sklave nach einigem Zögern nur beide Fäuste angehoben. So ein kräftiges Ungetüm und die Dunkelelfen hatten ihn nicht einmal aktiv als Leibwache eingesetzt. Er war für sie nur Arbeitskraft gewesen wie ein Pferd, das ihnen die Traglast abnahm. So kam der Mischling wenigstens auch auf die Pferde. Rhudos würde sie mitnehmen und gemeinsam mit dem Leoniden spannte er die Tiere vor den Käfigwagen. Darin verluden die beiden dann gemeinsam eines der kleinen Zelte, nachdem der Ork es abgebaut hatte. Das zweite Kleine packten sie zusammen. Es würde Platz auf dem Rücken eines Warges finden müssen und sollte dem Ork als Rückzugsort dienen, wenn sie rasteten. Kazel würde Doruns großes Zelt zusammmen mit Janay nutzen. Entsprechend wurden auch sämtliche Decken, Felle und Kissen in den drei Zelten aufgeteilt.
Darüber hinaus verteilte Kazel die Werkzeuge, wobei er überraschend wenig für seine Gruppe beiseite legte. Er wollte nicht mit zu viel Unnötigem reisen. Alles, was man zur schnellen Erstversorgung bei Verletzungen nutzen konnte, sortierte er auf zwei Haufen. Viel war es nicht, könnte jedoch mal ein Leben retten. Nahrungs- und Wasservorräte teilte er im verhältnis vier zu eins, wobei die eine Rationszusammenstellung natürlich an Rhudos ging. Der Leonid behauptete zwar, er bräuchte nichts - immerhin sei er in der Lage, zu jagen - lehnte seinen Stapel dennoch nicht ab.
Geschirr, Kochutensilien, Feuerstein und Zunder, sowie einige Seile gelangten noch in die Ausrüstung, die Kazel für seine Gruppe vorgesehen hatte. Es gab aber auch genug, dass er vollkommen unbeachtet ließ. Beispielsweise konnte er mit all den seltsamen Fläschchen und Wässerchen aus Saerembors Zelt überhaupt nichts anfangen. War das nun Färbemittel für sein langes Haar gewesen? Handelte es sich um Parfum oder Giftmischereien? Rhudos sollte sie mitnehmen oder man würde sie einfach an der Lagerstelle zurücklassen. Das war Luxus, den niemand benötigte.
So packten Mischling, Ork und Leonid alles zusammen, bis jeder von ihnen abreisefertig und Janay zurückgekehrt war. Man verabschiedete sich mit wenigen Worten vom Prinzen, verlud dann die eigene Ausrüstung auf die morgerianischen Kriegsbestien und nach weiterem Kennenlernen selbiger konnten das Trio gar auf ihnen reiten. Vor allem der Ork leistete hier gute Arbeit, da die Wargs mit ihm vertraut schienen. Und zumindest eines der Tiere schien einen Narren an Janay gefressen zu haben.

Die weitere Reise ging auf den Rücken der Warge wesentlich leichter vonstatten, selbst wenn ihr Weg sie noch nicht allzu weit führte. Von den mit leichtem Schnee bedeckten Weiten der Stillen Ebene hinaus aus dem Wäldchen gelangte die Gruppe bald in einen dichteren Mischwald. Der Neldoreth war zu dieser Jahreszeit nicht so üppig bewachsen, um sich mit all seiner Schönheit zu präsentieren, doch das dichte Strauchwerk gab Aufschluss wie farbenfroh und saftig der Wald zur Zeit des Erwachens oder der Zeit der Abendsonne sein musste.
Sobald sie die Markierungen des Leonidenprinzen entdecken, die sie zu den Elfen führen sollten, schickte Kazel den Ork und die Warge ein Stück weit zurück. Er sollte zunächst warten und wenn es länger als eine Stunde dauerte, ohne Anzeichen einer Gefahr seines ... Meisters ... konnte sein Sklave das Lager aufschlagen. Kazel und Janay würden sich derweil die Elfen aus der Nähe anschauen.
Und schiießlich fanden sie auch die ersten von ihnen. Kazel, der sich hinter einigen Büschen verbarg und durch das wirre Geäst spähte, staunte nicht schlecht beim Anblick des offensichtlich betrunkenen Holzfällers. Er blinzelte mehrmals. So wie das Spitzohr versuchte, den Scheit zu spalten, stellte er mit der Axt für sich eine größere Gefahr dar als für Janay und Kazel. Mit einem Fingerzeig deutete der Mischling seiner Begleiterin an, dennoch wachsam und vor allem zunächst ruhig zu sein. Er wollte den Holzfäller noch einen Moment beobachten und Kazel tat gut daran. Wenig später tauchten weitere Elfen auf. Wieder blinzelte er vor Erstaunen. Einer von ihnen erreichte eine wahrliche Riesengröße. Einen so hochgewachsenen Elfen hatte Kazel in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen.
"Die sind allesamt sturzbetrunken", raunte er Janay so leise wie möglich zu. "Was meinst du? Zeigen wir uns oder überwältigen wir sie?" Anhand seiner Stimmlage konnte Janay vielleicht heraus hören, dass Kazel zu Letzterem tendierte. Er war nach wie vor lieber erst einmal vorsichtig. Zu oft hatte er inzwischen sein Vertrauen geschenkt. Zu oft war er dadurch in nur noch mehr Schwierigkeiten geraten. Allerdings handelte es sich bei den Betrunkenen vor ihnen nicht um Dunkelelfen. Deshalb wollte er sich Rat von Janay einholen. Gespannt wartete er auf ihren Vorschlag.


Was Kazel für seine Gruppe mitgenommen hat:
  • Doruns großes Zelt mit Decken, Fellen und Kissen
  • Ein kleineres Zelt mit Decken, Fellen und Kissen für den Ork
  • Kochgeschirr: Topf, Wasserkanne, drei Schalen, Becher und Besteck, Jagdmesser zur Fleischverarbeitung
  • eine kleine Handaxt für Feuerholz
  • Feuerstein und Zunderdose
  • Nahrungs- und Wasservorräte
  • Verbandsmaterial (sofern vorhanden)
  • zwei bis drei Seile (max. 5 Meter Länge)
  • Waffen: zwei Dolche (einen für sich, einen für den Ork) - bei Bedarf noch einen für Janay und evtl. den Jagdbogen mit Pfeilköcher (voll)
  • Die Warge
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Janay » Sonntag 27. Oktober 2019, 20:46

Die junge Frau kümmerte sich kaum darum, was Kazel mit dem Leoniden zu besprechen hatte. Es interessierte sie eben nur mäßig, vor allem im Vergleich zu der Möglichkeit, den mitgebrachten Warg aufzufinden. Sie konnte zwar nicht sagen, warum, aber irgendwie... bedeutete er ihr was, so, als wäre er schon länger ihr Haustier und Begleiter.
Das war albern, jedoch schob sie solcherart Sentimentalitäten auf ihre beginnende Schwangerschaft. Es hieß schließlich, dass dieser Zustand die betroffenen Frauen veränderte, äußerlich wie innerlich. Weswegen es sich also nicht einfach machen und schon jetzt weniger zu hinterfragen? Es gab schließlich ausreichend andere Gedankengänge, die kompliziert genug waren.
Vollständig weghören bei dem Gespräch wollte sie allerdings ebenfalls nicht, falls es womöglich wider Erwarten eine für sie wichtige Information geben könnte in dem kurzen Wortwechsel. Als dieses indes beendet war und der Leonid die Pferde auf eine... nun ja, zweifelhafte Art ansprach, beobachtete sie ihn einen Moment lang skeptisch.
Danach widmete sie sich noch einmal dem Mischling und der Aufgabe, die der Aufbruch mit sich brachte. Also machte sie sich auf die Suche nach ihrem Reittier, um nachzusehen, ob es ihm auch den Umständen entsprechend gut ging. Und um herauszufinden, wieso sie den Eindruck gehabt hatte, mehrere seiner Art zu hören.
Es dauerte etwas, bis sie den rechten Weg und vor allem den richtigen Felsen gefunden hatte, unter dem sich einige schwarze Körper zusammen gedrängt hatten. Zuerst war sie sich nicht sicher, wie viele es waren, aber das änderte sich bald, nachdem sie näher gekommen war. Dabei bewegte sich Janay sehr vorsichtig, denn trotz allem hatte sie das Knurren mit ihrem feinen Gehör rasch erkannt und würde sich hüten, diese Wesen zu provozieren.
Nein, sie wollte diesen Wargen zeigen, dass sie keine Gefahr für sie darstellte. Etwas, das ihr anscheinend bei Terror tatsächlich gelungen war, denn ein Schnaufen sorgte zuerst für Ruhe und sein Beispiel für aufkeimende Neugier. Fünf Nasen konnte sie aus all dem Fell auftauchen sehen und dadurch die Anzahl bestimmen.
Kurz darauf löste sich ihr Tier schon und sie blieb stehen, um azuwarten, was er vorhatte. Außerdem gefiel es ihr nicht, dass er eine Kette hatte. Einerseits, weil er das nicht verdient hatte, schließlich war er ihr gegenüber immer friedlich gewesen. Andererseits hingegen deutete das darauf hin, dass es einen Grund für eine gewisse Bändigung gebraucht hatte. Davon hatte ihr Kazel nichts erzählt und der Instinkt riet ihr zu mehr Vorsicht.
Deswegen wartete sie auch ab, als der Warg strauchelte und zu Boden ging, anstatt ihm entgegen zu kommen und ihm womöglich das Gefühl zu geben, dass sie ihn bedrängte. Nein, es war besser, er erkannte, dass sie ihm seine Freiheiten und ihn zu sich kommen ließ, wenn er es wollte.
Scheinbar ungerührt von seinem Sturz rappelte er sich wieder auf und erreichte sie schließlich, was sie mit zwei kleinen Schritten unterstützte, da sie nicht wusste, wie lang die Kette war. Seine Begrüßung war... feucht, schlicht und ergreifend feucht, sodass die junge Frau sehr aufpassen musste, nicht davon erwischt zu werden oder in dem heruntertropfenden Sabber auszurutschen.
Trotzdem musste sie unwillkürlich lächeln und näherte sich ihm bedächtig. "Hallo, du!", begrüßte sie ihn und kraulte ihn hinterm Ohr. Etwas, das er zu genießen schien, denn es dauerte, bis sie sich den anderen Wargen zuwenden konnte, ohne, dass er einen murrenden oder bettelnden Laut von sich gab, damit sie weiter machte.
Sie blieb bei ihren vorsichtigen Bewegungen, ließ sich beschnuppern und bemerkte mit einem gewissen Amüsement, dass Terror scheinbar etwas dagegen hatte, dass ein bestimmter Warg sich ihr ebenfalls näherte. Wahrscheinlich ein anderes Männchen oder jemand, den er nicht sonderlich mochte. Trotzdem winkte sie diesem Ausgeschlossenen verstohlen zu und würde es sich merken, um darauf zu achten, dass er deswegen nicht zu kurz käme. Das wäre gefährlich früher oder später und sie wollte so etwas nicht selbst heraufbeschwören.
Als sie das Gefühl hatte, von den Tieren akzeptiert zu sein, besah sie sich die Ausrüstung und beschloss, alle zu satteln, um vor allem die Taschen nutzen zu können. Dabei sprach sie unbewusst mit den Wesen und erklärte ihnen ihr Tun, obwohl sie wahrscheinlich nichts davon verstehen würden. Aber so könnten sie ihre Stimme besser kennenlernen und das wäre vielleicht auch ganz hilfreich.
Lediglich Terror ließ sie vorerst noch ungesattelt, denn für ihn gab es nichts und obwohl das Fell um ihre Schultern bestimmt helfen würde, wollte sie dessen Wärme einstweilen noch nicht missen. Das würde sowieso beim Reiten früh genug kommen. Eventuell würde sie in den Zelten noch das ein oder andere nützliche Kleidungsstück finden können.
Schlussendlich machte sie auch die Ketten los, rollte sie zusammen und verstaute sie in einer der Taschen. Im Vertrauen darauf, dass die Tiere nicht sofort alles in dem Lager plündern oder jemanden angreifen würden, bedeutete sie Terror, dass sie alle ihr folgen sollten, damit sie ebenfalls noch Dinge einpacken könnte. Und in der Annahme, dass der Ork zur Not ein Auge auf sie haben würde.
Zurück im Lager sprach sie noch kurz auf ihren Warg ein, ehe sie sich von ihm löste und die noch aufgebauten Zelte durchstreifte. In einem davon fand sie eine lange Tunika, die ihr zwar viel zu groß war, jedoch ihre Formen mitsamt ihrer spärlichen Bekleidung verbarg und zusätzlich auch wärmte.
Als sie alles beisammen hatten, wenngleich sie kaum noch etwas tun musste, das meiste war bereits erledigt, und sie davon ausgehen konnte, dass nichts einfach so herausfallen würde, legte sie ihre Felldecke auf den Rücken von Terror und befestigte es so, dass es ihm nicht allzu unangenehm wäre, wie sie hoffte. Letzten Endes konnte sie aufsitzen und den Weg nehmen, den Kazel unbedingt beschreiten wollte.

Janay hat noch zusätzlich eingepackt:
  • die Kette der Warge
    drei lange Hemden, vier Hosen, ein paar Schuhe (das sich vielleicht auf ihre Größe umändern oder gegen ein passendes Paar umtauschen lassen könnte)

Wie lange der Weg dauern sollte, wusste sie nicht, rechnete allerdings mit einem längeren Ritt, als es tatsächlich werden sollte. Doch nachdem sie einen anfangs relativ gemächlichen, ruhigen Trott eingelegt hatten, wurden die Warge immer unruhiger und schienen etwas zu wittern. Anfangs vermutete Janay Beute, dass die Tiere schlichtweg Hunger hatten. Dennoch dauerte es nicht lange, bis andere Geräusche durch das Rauschen der Blätter drang und zeigte, dass diese Änderung einen anderen Grund haben musste.
Die junge Frau sah sich um und blickte schließlich fragend zu dem Mischling. Dieser hielt an und glitt herunter, sodass sie es ihm nach einem kurzen Zögern und einem beruhigenden Tatschen am muskulösen Hals gleich tat. Die Wesen blieben bei dem Ork zurück, während sie Kazel folgte. Denn sie hatte keine Lust, zurück zu bleiben und abzuwarten.
So leise wie möglich folgte sie ihm und duckte sich ins Unterholz. Bedauerlicherweise konnte sie nichts sehen, denn das einzige Schlupfloch zum Ausspähen belegte ihr Begleiter. Gerne hätte sie sich neben ihn gedrängt, aber sie wollte nicht riskieren, dadurch entdeckt zu werden. Stattdessen konzentrierte sie sich aufs Hören und staunte nicht schlecht bei dem lallenden Tonfall, den die Personen, es schienen mehrere zu sein, innehatten.
Betrunken, eindeutig, so etwas kannte sie ja gut genug in ihrem Beruf. Hm...
Nun drückte sie sich doch von hinten enger an ihn, um etwas erkennen zu können. Auf jeden Fall gab es einen Riesen und einen kleinen Rollmops, der irgendwo anscheinend weiblich war. In ihrem Kopf begann es zu arbeiten, während sie neben sich Bewegung spürte und dadurch nicht zu einem Schluss kommen konnte, weil er sie zuvor ablenkte.
Ohne den Blick abzuwenden, lauschte sie den Worten. Ihre Augenbraue wanderte wie von selbst in die Höhe und im nächsten Augenblick traf sie eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. "Genau, alle besoffen und gerade nicht sehr zahlreich. Ideal, um sie auszuquetschen.", bemerkte sich und erhob sich, noch ehe Kazel vermutlich verstehen konnte, was sie damit sagen wollte.
Mit einem aufgesetzten, freundlichen Lächeln trat sie aus den Büschen hervor und hoffte, den Überraschungsmoment erfolgreich nutzen zu können. "Ja, wen haben wir denn da? Ich habe euch schon überall gesucht!", behauptete sie mit einem fröhlichen Tonfall und tat, als wäre es selbstverständlich, dass die Anwesenden sofort wüssten, wen sie vor sich hätten.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Dienstag 29. Oktober 2019, 08:55

"Die sind allesamt sturzbetrunken"
, raunte Kazel Janay so leise wie möglich zu.
"Was meinst du? Zeigen wir uns oder überwältigen wir sie?"
Anhand seiner Stimmlage konnte Janay vielleicht heraus hören, dass Kazel zu Letzterem tendierte. Er war nach wie vor lieber erst einmal vorsichtig. Gespannt wartete er auf ihren Vorschlag.

Ohne den Blick abzuwenden, lauschte Janay den Worten der Elfen. Ihre Augenbraue wanderte wie von selbst in die Höhe und im nächsten Augenblick traf sie eine Entscheidung aus dem Bauch heraus.
"Genau, alle besoffen und gerade nicht sehr zahlreich. Ideal, um sie auszuquetschen."
, bemerkte sich und erhob sich, noch ehe Kazel vermutlich verstehen konnte, was sie damit sagen wollte. Mit einem aufgesetzten, freundlichen Lächeln trat sie aus den Büschen hervor und hoffte, den Überraschungsmoment erfolgreich nutzen zu können. Bei Kazel hatte es auf jeden Fall geklappt, denn er hatte keine Chance sie noch aufzuhalten. Mit ein paar schnellen Schritten war sie bei dem Holzfäller.
"Ja, wen haben wir denn da? Ich habe euch schon überall gesucht!"
, behauptete Janay mit einem fröhlichen Tonfall und tat, als wäre es selbstverständlich, dass die Anwesenden sofort wüssten, wen sie vor sich hätten. Sein Nachthemd flatterte im kühlen Wind und er richtete sich als Angesprochener auf. Er schwankte kurz und erst dann fixierte sein Blick die Elfe vor sich.
"Huuuhhhhuuuuhhh... Isch bin ein Geist!...Du auuuch!"
, lallte er. Wie kam er nur darauf? Wegen dem Nachthemd das er trug? Wegen der Tunika vielleicht die Janay trug?
"Bischt du jekommn um misch nach Haus zju bringen?"
Er drehte sich nach hinten, schwankte dabei wieder gefählich und rief:
"Isch will aber noch nisch nachHuse...Hause...!"
Aus der Richtung, in die er gerufen hatte, tauchte nun noch ein weiterer Elf auf. Eine Elfe um genau zu sein, auch wenn sie vom den Gesichtszügen eher ein junger Mann sein könnte...vor allem wegen dem langen geflochtenen dünnen Kinnbart. Bis auf dieses merkwürdige Detail war sie ausgesprochen hübsch. Vielleicht war der ja auch nur angeeklebt? War das hier ein Haufen Schausteller? Sie rief zurück:
"Elanor, wo steckst du, ich brauche... Huch?"
Sie hatte Janay entdeckt und zog die Brauen hoch. Dann zuckten ihre Mundwinkel und sie fing an zu lachen, so richtig herzhaft. Sie war zwar nicht sturzbetrunken wie besagter Elanor, aber wohl auch angeschickert. Kichernd und glucksend sprach sie weiter:
"Gnniiihhiihihihi... Ein Geist! Hihihihi..."
Das Janays Tage als Geist noch ganricht so lange vorbei waren, machte diese ganze Situation nur um so merkwürdiger. Der Holzfäller drehte sich zu der bärtigen Kichernden:
"Der Geist willll misch nach Huse holn! Sie hadd jesacht, Sie hat uns jesucht! Aber sie wes nisch wer wwer sind... Komisch... *hicks*..."
Dann fing auch er an zu glucksen und zu lachen. Der als Elotiridirion erwähnte 3m große Elf mit der hohen Singstimme trat näher, schaute Janay an und fistelte:
„Ui, wer bist denn du? Ich bin Elotiridirion und das da ...“
Er wies mit seinem langen Arm auf die anderen beiden.
„... sind Elanor und Elorin. Magst du mit uns ins Lager kommen, kleiner Geist? Sei unser Gast. Wir haben jerne Gäste.“

Kazel beobachtete noch die Szene aus der Deckung. Er musste jetzt nur bald entscheiden, ob er der Mutter seines Kindes folgte, oder doch lieber Verstärkung holen wollte. Janay hingegen schien hier ganz in ihrem Element zu sein. Mit Betrunkenen kannte sie sich aus. Die waren häufig nicht besonders rational und hatten dankbar lose Zungen, die nur zu gerne die ein oder andere Geschichte und auch so manches Geheimnis auspauderten. Die Einladung in ihr Lager war ausgesprochen und anscheinend fürchteten sie sich nicht im geringsten vor ihr, was gut war. Das schaffte eine gute Atmosphäre um sie auszuhorchen.

"Och jaaaa, biddeeee! Kjomm mid uns!"
, lallte der Holzfäller jetzt und streckte seine Hand, sammt Axt nach ihr aus. Dann sah er auf das Werkzeug und schüttelte den Kopf. Er wechselte die Axt in die andere Hand um diese dann zu Janay zu strecken – mitsammt dem Werkzeug. Abermals schüttelte er den Kopf und versuchte es weiter. Die kleine runde Elfe mit dem Doppelkinn war inzwischen auch hinzu getreten und legte ihm die Hand auf die Schulter, was seine unsinnigen und erfolglosen Versuche unterbrach.
"Komm miduns. Wir köönen noch einpaaaahr durschtige Kehehehhehe... Kehehe... Kehlen jebrauchen."
Zu viert standen sie nun bei Janay und schwankten mal mehr mal weniger vor sich hin, als eine fünfte Stimme, eindeutig ein Mann mit tiefem Bass, von deutlich weiter hinter ihnen rief:
"Wo bleibt das Feuerholz?"
"Eire, wir kommen. Wir bringen einen Gast mit."
, antwortete der Elotiridirion, der 3m Elf mit der hohen Stimme. Es waren wohl doch noch ein paar mehr Elfen, aber alle klangen mehr oder weniger lustig. Und gastfreundlich waren sie auch. Der Holzfäller bot Janay sogar den Arm an. Vielleicht, damit sie ihm beim Laufen half, vielleicht auch aus Höflichkeit. Auf jeden Fall gingen sie fort vom Ort.

Kazel hatte keine Mühe dem Gelächter zu folgen. Er wollte sicher nicht Janay dort mir den Fremden allein lassen. Er konnte jederzeit dazu stoßen und selbst wenn/als er es tat, ohne ein Wort zu sagen, wurde er nicht wirklich bewusst bemerkt. Er gehörte halt einfach zur Truppe dazu, wurde im Rausch des Alkohols und des Momentes, still assimiliert.
((ooc: Entschuldige die Eigenmacht. Ich hoffe, es ist mal an dieser Stelle in Ordnung.))
Der Große schaute ihn zwar mal an, nickte versonnen, blinzelte, aber ging einfach weiter, als seien sie schon lange Freunde, die gemeinsam durch den Wald spazierten.
Erst am Lagerplatz wurden sie dann von weiteren munteren, teils geröteten, teils schlafenden und schnarchenden Gesichtern begrüßt. Die „Wächterin“, den sie wohl offensichtlich eingeteilt hatten, um das Lager zu bewachen, lag halb auf einem umgestürzten Baum und schnarchte so laut, dass man das Brummen und Grollen für einen gurgelnden Bären hätte halten können. Als sie bei ihr ankamen, stiegen sie einfach über ihre Beine hinweg und sie ließ sich noch nicht mal von einem kleinen Stups von dem großen Fuß ihres Freundes wecken:
"Das ist Eilidiella. Sie passt auf uns auf. Ist die beste und ungeschlagene Meister-Schützin im ganzen Land!“
Der Bogen, der an ihrer Seite, der in ihrer Hand lag, sprach von vielen Jahren Gebrauch und sah nicht mehr wirklich gut aus. Die Sehne war fransig und drohte schon beim bloßen Hinsehen zu reißen. Das Holz war morsch und an manchen Stellen sogar schon abgesplittert. Wuchs da Moos auf den Griff?
Als die kleine Gruppe dann am Rand der Lichtung ankam, da viel ihr Blick auf elf kleine Ein-Mann-Zelte, die im Kreis um ein Lagerfeuer aufgestellt worden waren. Die Eingänge zweigten alle zur Mitte. Im äußeren Kreis der Zelte war ein innerer Kreis aus Klötzen, Baumstämmen und größeren Felsen aufgebaut worden, auf denen weitere Elfen saßen, halb darauf lagen, speisten und tranken.
Ein winziges Elfenmädchen, nein, eine sehr kleine Frau kam auf sie zu glaufen und als sie den Mund auf machte, mussten die Gäste doch noch mal schlucken. Es war der männliche Bass, der da zu ihnen aus dem Mund der winzigen Elfenfrau polterte:
"Oh, ich seh, ihr habt Gäste mitgebracht! Fein, fein!"
, brummte es aus ihrem kleinen Körper, wie aus dem Schlund eines Drachen.
"Oh entschuldigt. Ich habe gestern zu viel gesungen...und gelacht...da ist meine Stimme am nächsten Tag immer etwas pipsig."
Pipsig? Sie klang wie ein Zwerg nach zwei Wochen Saufgelage.
"Kommt doch ans Feuer und wärmt euch. Ich bin übrigens Eire. Wir haben auch zu Essen und zu Trinken da. Seid Willkommen. Wir wollen euch sicher nichts böses. Wir sind nur Wanderer, die hier eine Rast eingelegt haben und gern das Leben feiern."
Der Holzfäller zeigte auf Janay und lallte abermals:
"Gug, isch habn Jeist jefunden."
Eire lachte tief und dunkel.
"Sie ist doch kein Geist, Elanor! Sie ist nur eine Frau, wie ich."
Na ja, nicht so ganz wie sie... zum Glück! Mit so einer Stimme, da konnte sie bestimmt Drachen zähmen oder ganze Heere befehligen.
"Wir haben frisches Brot und eine Suppe zum dippen. Ihr müsst unbedingt mit uns auf das Jahr der Elfen anstoßen! Deswegen sind wir ja auf Wahnfahrt. Bitte setzt euch zu uns, dann stell ich euch auch die Anderen vor."
Sie ging voraus und tat wie angekündigt:
"Das hier ist unser Seher. Er heißt Ellinar."
Und er war offensichtlich blind. Seine Pupillen waren schneeweiß. Er nickte in die flasche Richtung und hob die Hand zum gruß, als er voller Würde sprach und dabei jeden Teil irgendwie anders betohnte:
"Es war geweissagt, dass einer ...oder meherer heute ...oder morgen zu uns ...oder Anderen kommen würden."
Eire räusperte sich, grinste etwas verlegen und fuhr dann schnell mit der Vorstellungsrunde fort:
"Das hier ist Eladriel, er ist allwissend, aber stumm, also bringt es nichts ihn was zu fragen."
Der erwähnte nickte, prostete ihnen zu und hob erneut seinen Becker an die Lippen.
"Dies ist Emetiel. Er ist unser ...Koch."
Der besagte, ließ gerade ein paar so extrem hellblaue kleine Kristalle aus einem Beutel in seinen Kelch rieseln, dass man denken könnte, sie leuchteten von innen heraus. Er nahm einen Schluck und begann dann unglaublich breit und selig zu grinsen. Die Pupillen leuchteten einmal hellblau auf und er machte ein kleines Bäuerchen, bei dem er die Faust vor den Mund hielt und bei dem blauer Rauch aus seiner Nase kam.
"Angenehm - Euch kennen zu lernen."
, sprach er zwar deutlich, aber seeeeeeehr gedehnt und langsam."
Er war ganz offensichtlich von seinen Kristallen beeinflusst gerade in andere Spären eingetreten. Eira meinte leise:
"Ich würde lieber nichts von ihm essen...hihihi"
Sie gingen weiter ind er Runde. Eira kam an einem Mann in einer alles verhüllenden Kutte vorbei und wies nur kurz auf ihn:
"Das ist ...Ellashar... glaube ich."
ging weiter und stellte dann das letzte Mitglied der elf Elfen, eine so schöne Elfe vor, bei deren Anblick man unwillkürlich an Florencia selbst denken musste.
"Und zu guter letzt; dies ist Eri'una, ihres Zeichens Heilerin."
Die Angesprochene nickte so lieblich, dass es einem das Herz erwärmen konnte, dann drehte der Wind und ein Hauch von Erbrochenem, ranzigem Fett, Schweiß, faulen Eiern und noch etwas undefinierbaren stieg Janay und Kazel in die Nase. Sie sah die Reaktion in den Gesichtern ihrer Freunde und giftete los:
"WAS? Ach haltet euch doch die Nasen zu! Ich stinke! Ich hab nun mal eine Wasserallergie."
Und mieß gelaunt war sie anscheinend auch.
"Ihr setzt euch besser weit weg. Ich hab keine Lust auf eure Gesichter."
Schön, aber stinkig, dass traf es wohl am besten. Ganz schön stinkig. Eire hatte die elf Elfen dann alle vorgestellt und wer ein gutes Gedächnis für Namen hatte, der konnte wie folgt zusammen fassen:

Elorin (w, hübsche Frau mit langem geflochtenen dünnen Kinnbart)
Eilidiella (w, schnarchende Wächterin mit altem Bogen, Meister-Schützin)
Elbrennebell (w, Zeltwächterin mit Doppelkinn, lallt, )
Ellinar (m, blinder Seher)
Ellashar (m, Kutte!)
Eire (w, Männer-Bass-Stimme!, sonst das Äußere eines kleinen Mädchens, aber nur kleine Frau.)
Elanor (m, weiß nachthemdiger Holzfäller, lallt, )
Eldariel (m, stummer Wissender)
Elotiridirion (m, 3m groß, hohe Singstimme)
Emetiel (m, Koch – spricht – sehr – gedehnt - „high“ von seinen blauen Kristallen)
Eri'una (w, wunderschöne, aber stinkende Heilerin, schön stinkig)

Eire war die nüchternste in der Gruppe, sprach wohl am liebsten, auch wenn sie es besser lassen sollte. Sie setzte sich ans Lagerfeuer neben den besonders hohen Elfen und griff nach seiner Hand. Elotiridirion lächelte etwas verlegen, aber zog seine Hand auch nicht weg. Waren die beiden ein Paar? Unterschiedlicher ging es wohl nicht! Auch der Holzfäller Elanor wankte heran und ließ sich dann zu Füßen des großen nieder.
"Er ischein Horchelf. Eijentlich sindwirja alles Horchelfen, aber er ist halt besonders hohohohihihohihi..."
Elanor lachte laut und herzlich, fiel über seinen eigenen Witz belustigt glatt nach hinten und rollte über den Boden um dann glucksend liegen zu bleiben. Diesmal war es Elorin, die Frau mit dem Bart, die zu ihm ging und schimpfte:
"Du sollst doch nicht verraten, dass wir..."
Ein merkwürdiger Seitenblick zu den Gästen folgte, als überlegte sie angestrengt, dann fuhr sie fort:
"Zu erzählen, dass wir 'Hochelfen sind, das ist doch völliger Unsinn!"
Das Wort 'Unsinn' hatte sie dabei so übertrieben betont, dass man es schon wieder für die Wahrheit halten könnte. Sie nickte Kazel und Janay zu, lächelte etwas schief und setzte sich wieder.
"Wir sind nur ein paar Freunde, die durch das Land ziehen und das Jahr des Elfen feiern... ähm... ich glaube schon seit zwei Jahren inszwischen?"
Die kleine runde Elbrennebell war inzwischen in ihrem Zelt verschwunden und man hörte es darin klappern. Emetiel der „Koch“ lehnte sich in Richtung Kazel und raunte:
„Hast du schon mal Feenstaub und Drachenodem mit einer Spuuuhr...“
Dabei hielt er Daumen und Zeigefinger ganz nah vor seine Augen und zeigte nur einen Fingernagel dünn Abstand.
„... gemahlenen Dryadenhaar probiert??? Ich nenne es Göttertränen! Is klasse! Willst du auch mal?“
Irgendwo lachte vielleicht gerade wirklich ein Gott Tränen!
Dieser Haufen war auf "Wahnfahrt", ja das hatte sie gesagt. Normalerweise hieß es "Wahlfahrt". Sie zogen durch die Lande und feierten das "Jahr des Elfen"? Was sollte das denn sein? Würde es schaden zu fragen?
Auf jeden Fall waren sie harmlos. Sie wirkten viel herum gekommen und doch irgendwie ein bisschen weltfremd. Gerade Eire, das "Mädchen" mit der Männerstimme, die hatte wirklich uralte Augen. Elfen konnten ja auch wirklich alt werden, aber man sah es ihnen kaum an. Einzig ihre Augen verrieten manchmal die Masse der Erfahrungen die sie sammelten. Wenn man sich einen Moment in Ruhe umsah, dann konnte man meinen, hier zwischen lauter Greisen zu sitzen, die mehr oder weniger schon an Altersschwachsinn oder ersthaftem Alkoholismus litten. In Emetiels Fall waren es dann wohl die Drogen.
Eire streichelte die Hand des Großen, stand auf, was sie nicht größer machte und ging zum Topf, der über dem Feuer hing. Sie füllte zwei kleine Schüsseln mit warmer Suppe, klemmte sich ein Brot unter den Arm und kam damit zu Janay und Kazel zurück. Sie blieb vor ihnen stehen und hielt es beiden hin.
Gleichzeitig kam Elbrennebell aus ihrem Zelt gekrochen und hatte einen dicken bauchigen Tonkrug und zwei tönerne Kelche dabei. Auch sie kam dazu, setzte sich im Schneidersitz einfach zu Janay auf den Boden und lächelte strahlend zu ihr hinauf.
"Das ist elf Jahre alter Elfenschnaps! Der BESTE! Was feineres oder gesünders gibt es nicht! Ist wie Medizin, die gegen ALLES hilft. Lauter gutes Zeug drin..."
Sie biss in den Verschluss und zog ihn mit den Zähnen ab. Dann füllte sie die Becher und reichte sie Janay und Kazel. Mit Korken im Mund nuschelte sie:
"Dann erchählt goch mal, wach macht ihr cho?"
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 7. November 2019, 11:44

Das Bild war einfach zu bizarr, um den Blick abzuwenden. Kazel musste sich tatsächlich eingestehen, dass er keine Erinnerung besaß, jemals in seinem Leben mit Alkohol in Kontakt gekommen zu sein. Natürlich hatte selbst er einmal das Ausmaß von Betrunkenen in einer Taverne miterlebt oder wenigstens aus der Ferne betrachten können. Andernfalls wäre ihm die Erkenntnis angesichts dieser versoffenen Elfenschar überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Aber selbst mochte ihm noch kein Schluck Alkohol die Kehle hinab geronnen sein. In Morgeria war er zu jung dafür gewesen und angekettet im Kerker seiner Mutter hatte kein Luxus wie Bier oder Wein existiert. Später dann hatte er sein abgeschiedenes Leben auf der Stillen Ebene verbracht und auch wenn das nahe gelegene Andunie für seinen Apfelwein bekannt und berühmt war ... an Bäumen wuchs dieser nicht. Naja, in Rohform, aber ohne alkoholischen Zusatz. Wenn Kazel es Recht bedachte, wusste er nicht einmal, wie alkoholische Getränke schmeckten. Schon immer war er ein Mischling gewesen, für den Wasser und gelegentlich mal ein Saft oder Milch die Quellen waren, um seinen Durst zu stillen.
Umso interessanter war es nun für ihn, das skurrile Verhalten der betrunkenen Elfen zu beobachten. Zugleich aber traute er dieser überlustigen Gesellschaft nicht. Konnte es eine List sein? Kazel entschied, lieber in seinem Versteck zu bleiben und zu sehen, was noch kommen sollte. Oder er würde sie überwältigen. So betrunken wie sie sich gaben, wäre er mit ihnen allen fertig, ehe der elfische Verstand überhaupt begriff, was vor sich ging. Janay machte ihm hierbei allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Ausquetschen? Was meint ... Moment mal! "J-Janay...", zischte Kazel noch, aber es war zu spät. Sie hatte das Versteck verlassen und ging einfach direkt auf die Fremden zu. Der Mischling unterdrückte ein verärgertes Grummeln, griff sich jedoch empor, um sich in die Nasenwurzel zu kneifen. Janays Aktion wäre das letzte Entscheidung gewesen, die er getroffen hätte. Wenn es nun nach Kazel ging, wäre er sogar lieber in seinem Beobachtungsposten geblieben, bis sich eine Gelegenheit bot, seinen Überraschungsmoment auszunutzen. Andererseits machte sich ein flaues Gefühl in seinem Magen breit, das bis hinauf in sein Herz ging. Dort versetzte es ihm einen sorgenvollen Stich, der Janays Wohlergehen galt. Er konnte nicht zulassen, dass sie einfach so schutzlos in ihr Unglück spazierte!
Kazel bewegte seine Hände, ballte sie immer wieder zu Fäusten und fuhr sich unbewusst mit der Zungenspitze über seine geschärften Eckzähnchen. Er prüfte seine künstlich angelegte Bewaffnung, mit der er immer vertrauter wurde. Längst hatte er sich an seine Adlerkrallen in den Fäusten gewöhnt und dachte zuerst an diese als an den Dolch, welcher in Leder gewickelt an seinem Gürtel ruhte. Er würde Janay verteidigen, durfte nicht zulassen, dass sie nochmal vor seinen Augen starb, ehe er handelte. Wie viele Chancen würde mir der Gevatter noch lachen? Besser, ich finde es nicht heraus. Dieser furchtsame Gedanke in Kombination mit der Sorge um Janay und das wachsende Leben in ihrem Leib sorgten dafür, dass Kazel entgegen seiner instinktiven Vorsicht handelte und ebenfalls die Sträucher verließ. Mit einem leisen Rascheln der Zweige kam auch er aus dem Gebüsch getreten.
Er näherte sich der Traube um Janay herum allerdings nicht sofort und keineswegs so auffällig wie seine Begleiterin. Vielmehr steuerte er sie an, blieb zunächst jedoch auf Distanz. Weit genug fort, um vielleicht noch nicht die Aufmerksamkeit der übrigen Elfen auf sich zu ziehen, aber nah genug, um nach Janays zu packen und sie zu sich zu reißen, sollte einer der Betrunkenen plötzlich unerwartet aggressiv handeln. Gerade der Holzfäller mit seiner Axt und der übergroße - nein, der riesige! - Elf bereiteten ihm den größten Unbehagen.
Als die Gruppe sich auch noch in Bewegung setzte um zu einem vermeintlichen Lagerplatz zu gehen udn weiter zu trinken, bildete Kazel Janays Schatten. Noch konnte er nicht mit ihr sprechen, dafür hielt er sich nicht dicht genug hinter ihr. Und noch schien niemandem aufgefallen zu sein, dass auch er dabei war. So wollte er es belassen. Halte den Überraschungsmoment so lang wie möglich und schlage dann zu... wenn es sein muss. Eine innere Anspannung legte sich um seine Muskeln. Das dunkelelfische Blut fühlte sich irgendwie wärmer in seinen Adern an. Gierte er nach der faldorgefälligsten, der letzten aller Lösungen? Hatte er bereits oft genug gemordet, dass er diesen Weg als einen der ersten in Erwägung zog, selbst wenn keine offensichtliche Gefahr ausging? Es bereitete ihm eine Gänsehaut, die er nicht ganz zu deuten wusste, doch seine Vorsicht blieb bestehen.
Und dann kreuzten sich sein sturmblauer Blick und der des Riesen. Sogleich krümmte Kazel die Hand und schob sie in seinen Rücken, aber der riesenhafte Elf nickte ihm nur zu. "Äh...", machte der Mischling verwirrt, als nichts weiter geschah. Jetzt wagte er sich beim Gehen jedoch dichter an Janay heran, dass er wirklich zu einem Schatten in ihrem Rücken wurde. Ein Schatten, der zumindest vom Größten der Fremden bereits entdeckt worden war.
"Das war sehr riskant", raunte er Janay so leise es ihm möglich war ans Ohr. "Wer weiß, ob sie uns nicht etwas vorspielen und ..." Kazel stockte, als sich das Lager der elf Elfen vor ihnen auftat. Auch wenn es im Grunde nur ein simples Lager war, herrschte eine vollkommen andere Stimmung als bei den Zelten von Dorun und den anderen Dunkelelfen. Vielleicht weil er weder einen Ork-Sklaven noch einen Käfigwagen entdecken konnte. Alles besaß ein heimeliges Ambiente, das ihn verstummen ließ. Mit Neugier, Staunen, aber auch nicht zuletzt weiterhin mit Vorsicht betrachtete er jeden Winkel. Sein Instinkt sagte ihm, nach Fluchtmöglichkeiten Ausschau zu halten, während er sich nach außen hin kaum etwas anmerken ließ. Einzig der wachsame Blick und die ernste Miene zeugten davon, dass er hier wohl der unlustige Grübel-Elf in der feucht fröhlichen Runde war.
Nicht einmal Eire konnte Kazels Misstrauen gänzlich vertreiben. Ihre tiefe Stimme schaffte es aber, seine Züge vor Überraschung entgleisen zu lassen. Er blinzelte und nickte dann nur, ohne sich im Gegenzug vorzustellen. Das alles war sehr verwirrend und ... zu freundlich, um wahr zu sein.
"Das Jahr der Elfen?", hakte er dann doch einmal nach. "Ihr meint, ihr feiert hier ... doch nicht den Erfolg, den die Dunkelelfen über Pelgar erringen konnten, oder?" Nun hatte er ihnen wohl mehr Informationen gegeben als ihm eigentlich lieb war. Aber es musste sein. Anders bekäm er auf seine Frage sicherlich keine Antwort und er musste herausfinden, ob sie wirklich so freundliche Wanderer waren wie sie vorgaben. Kazel hatte sich an Saraembor und den anderen bereits verbrannt und die Stellen der Erinnerungen hatte noch nicht einmal schützenden Schorf gebildet. Lieber rechnete er dieses Mal sofort mit einem Überfall als ein zweites Mal zu gutgläubig gewesen zu sein.
Beinahe hätte er sich dazu sogar erneut breitschlagen lassen, als ihm die heilkundige Elfe vorgestellt wurde. Sie war ein lebendig gewordener Traum, der zur Sünde einlud. Selbst der noch so unschuldigste Bursche würde da nicht widerstehen könnten. Hätte es auch nicht, wenn er vorab um seinen Geruchssinn gebracht worden wäre. Kazel betete stumm zu Manthala, sie möge ihm die Nasenlöcher verschließen, als das Aromagemisch aus faldorischer Todespestilenz und goblinischem Bohneneintopf von vor drei Monaten zu ihm herüber wehte. Sein Magen fühlte sich nun nur noch flauer an und er konnte ein Würgen nicht unterdrücken. "T-tut mir leid", haspelte er auf das Gekeife der Heilkundigen. Trotzdem hielt er sich die Hand vor Mund und Nase. Den Gestank ertrug er kaum. Wenigstens würde er so definitiv nichts von den blaukristallinen Kredenzien des Kochs zu sich nehmen. Das ging nicht! Unmöglich!
Er behielt die eine Hand vor dem Mund und wedelte mit der anderen gen des Koches Emetiel. "Keinen Hunger", nuschelte er. Noch immer stach ihn der Gestank der schönen Eri'una in die Nase. Wie gern hätte Kazel sich nun zwei kleine Kiesel geschnappt und sich damit einfach die Nasenlöcher verstopft. Ob das funktionierte? Vielleicht doch mal nach Kristallen fragen ... nein, lieber nicht! Dieser Koch benimmt sich noch sonderbarer als der Rest. So ganz sorglos konnte er sich nicht geben. Und er wollte auch nicht von der Suppe probieren. Ihm war etwas elend zumute. Wenigstens sorgte es dafür, dass Kazel sich zu der munteren Gesellschaft auf einen der Sitzplätze um das Feuer niederließ. "Diese Eri'una ist Heilerin? Wir ... bräuchten ..." Und da unterbrach die pummelige Elfe ihn sofort wieder, indem sie seinen Satz wunderbar ergänzte. Medizin. Elfenschnaps? Wie bereits erwähnt, war Kazel nicht wirklich mit Alkohol vertraut und wenngleich ihm Begrifflichkeiten wie Bier und Wein noch geläufig waren, so hatte er mit Schnaps noch weniger Erfahrung gemacht. Das harte Zeug war ihm gänzlich unbekannt. "Medizin?", fragte er daher nur nach, konnte sich aber nicht ganz vorstellen, dass sie gegen wirklich alles half. Janay braucht bestimmt Hilfe. Es wäre gut, wenn sie untersucht würde, aber ihr einfach irgendeine Medizin einzuflößen, noch dazu von vollig seltsamen Elfen, die sich als hoch bezeichnen, weil sie garantiert zu viele Kristalle und Alkohol intus haben... Er blieb skeptisch, nahm den Kelch entgegen und betrachtete sich den Elfenschnaps. Wieder stieg ihm ein beißender Geruch in die Nase, aber er kam ihm mehr als gelegen. Das Gesöff in senem Kelch konnte man nicht nur als Rachenputzer bezeichnen. Die Schärfe des Schnapses kitzelte seine Nasenhaare und vertrieb auch noch den letzten Partikel von Eri'unes Pestilenzdämpfen. Kazel hielt den Becher dichter an sein Gesicht und inhalierte den Geruch. Das ist wohl doch Medizin und sie wirkt! Er schaute in die Runde. Wie viel konnten sie ihnen erzählen? Sollten sie die Wahrheit sagen und um Hilfe bitten oder der Gruppe eine Lüge auftischen? Die waren doch alle so betrunken, dass sie sich am Morgen ohnehin nicht erinnern würden. Er entschied, es Janay zu überlassen, raunte ihr aber erneut auf Lerium zu: "Du bist zu ihnen gegangen, um sie auszuquetschen. Du hast also einen Plan? Dann mische ich mich erst ein, wenn sie uns bedrohen." Das Reden überließ er nun ihr.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Janay » Sonntag 24. November 2019, 00:18

Die junge Frau hatte selbst noch überhaupt keine Vorstellung davon, was hinter den Büschen tatsächlich vor sich ging und ob es sich dort um Freund oder Feind handelte. Klar war lediglich, dass zumindest der sichtbare Teil der Personen absolut besoffen und somit kaum eine ernsthafte Gefahr waren. Entsprechend überlegte sie nicht lange, sondern handelte.
Wahrscheinlich voreilig und unklug, aber langes Zögern und hin und her überlegen war nichts für sie. Außerdem war ihr kalt und sie hätte nichts dagegen, sich an einem Feuerchen aufwärmen und auch hinsetzen zu können. Entsprechend gab sie nicht wirklich etwas auf Kazels Worte, sondern ging kurzerhand auf die Betrunkenen zu.
Mit denen sie sich auszukennen glaubte, schließlich hatte sie in ihrem Beruf schon mit einigen von dieser Sorte zu tun gehabt und solange man sie richtig behandelte, waren sie kein Problem. Dazu konnten sie erst werden, wenn sie sich zu sehr aufregten. Doch soweit wollte sie es nicht kommen lassen, nicht, solange sie in deren Nähe wäre.
Ohne viel zu überlegen, handelte sie und war dennoch nicht auf die Reaktion vorbereitet. Irgendetwas brachte seine Frage zwar zum Schwingen wie die Saite eines Musikinstrumentes, aber das versuchte sie zu ignorieren. Es würde sie lediglich unnötig ablenken.
Stattdessen lächelte sie geheimnisvoll. "Wer weiß?", konnte sie noch einwerfen, um sein Interesse anzukurbeln, als er schon weiter plapperte und dafür sorgte, dass sie beinahe ihre Haltung verloren hätte. Gerne hätte sie mit den Augen gerollt, weil sie dieses kindische Verhalten nicht weiter bringen würde, jedoch wäre das unklug gewesen.
Der Kerl war definitiv betrunken, das hieß indes nicht, dass er nicht trotz allem seine Umgebung nicht wahrnahm. Also atmete sie unauffällig tief durch und hakte sich einfach bei ihm ein, locker genug, dass sie es jederzeit wieder lösen könnte, und dennoch spürbar, um es ihn merken zu lassen.
"Nein, nein, wieso denn nach Hause? Wo bleibt da der ganze Spaß?", säuselte sie und kam wieder nicht ganz zu ihrem Ziel, weil noch eine Person auftauchte. Janay sah ihr entgegen und hob zweifelnd eine Augenbraue ob dieser Erscheinung an, während sie sich lieber wieder von dem Elf löste.
Was lief hier egentlich? Wer waren diese Typen? Anscheinend waren ihre Worte allerdings nicht wirklich durch den Alkoholnebel gedrungen, wie sie überaus deutlich hören konnte.
Leise schnaufte sie und horchte dennoch auf, als sich wider Erwarten das Gespräch so entwickelte, wie sie es duchaus begrüßte. Auch wenn sie vorläufig nicht zu einer Antwort kam, sondern von allen Seiten mehr oder weniger angebettelt wurde, zu zutsimmen. Bei dem Versuch des Holzfällergeistes, ihr die Hand zu reichen, kicherte sie leise, das ließ sich nicht verhindern. Die Szenerie war einfach zu komisch.
"Hm... Warum nicht? Mein Weg war lang und eine Pause kann ich gebrauchen.", erwiderte sie ergeben, als wäre das nicht ihr Plan gewesen. Dieses Mal wurde ihr der Arm angeboten, obwohl sie sich nicht wirklich sicher war, ob es klug wäre, den Weg direkt an seiner Seite zu beschreiten. Auf der anderen Seite wusste sie keine andere Möglichkeit, als sein Angebot anzunehmen. Sie konnte nur hoffen, dass sie eine ausreichend gute Balance hätte, um diese Strecke unbeschadet zu schaffen.
Darauf musste sie sich auch konzentrieren, um auf den Beinen zu bleiben, sodass sie nicht einmal in die Richtung schielen konnte, in der sie Kazel noch immer vermutete. Denn auch sie hatte nicht mitbekommen, dass er zwischen den Blättern hervor gekommen war.
Erst, als sie sich in Bewegung setzten, hatte sie das Gefühl, dass etwas... oder jemand dicht hinter ihr war. Sie konnte es weder genau benennen, noch nachsehen, da sie ja den Holzfällergeist irgendwie im Gleichgewicht halten musste, um nicht selbst zu fallen. Stattdessen musste sie damit klar kommen, dass es in ihrem Nacken kribbelte und sich die feinen Härchen dort aufstellten. Dann war sie wieder damit beschäftigt, nicht umzufallen.
Wie weit war es noch bis zu ihrem Ziel? Sie wusste es nicht.
Nur, dass sich plötzlich etwas in ihrem Rücken zu ändern schien. Und noch ehe sie es genauer wahrnehmen konnte, sprach hinter ihr... Kazel?!
Die Dunkelelfe sog scharf die Luft ein und hätte tatsächlich beinahe die Balance verloren. Wie gut, dass sie schon fast bei dem Lager waren und der Elf sich von ihr zu lösen begonnen hatte! So konnte sie sich wieder fangen und einen Moment lang ihn tatsächlich als Stütze gebrauchen, anstatt umgekehrt.
Den Kopf drehte sie leicht, während die Begrüßung der Truppe begann. "Erschreck mich doch nicht so!", zischte sie dem Mischling zu und wollte ihm noch einiges sagen, wenn sie dazu gekommen wäre. Die Konzentration musste sie allerdings auf die anderen richten, um keinen Fehler zu begehen.
Also ließ sie ihren Blick rasch über das Lager schweifen, um ein wenig einschätzen zu können, was sie hier erwartete. Nur... irgendwie waren die viel mehr als gedacht und gleichzeitig scheinbar noch betrunkener als angenommen. Oh je, ob hier überhaupt noch jemand einen klaren Gedanken und geraden Satz schaffen würde? Zweifel drohten in ihr aufzukommen.
Bei der Vorstellung der schnarchenden Wächterin und deren Künste musste sie sich auf die Unterlippe beißen, um keine Bemerkung zu machen, die sie noch später bereut hätte. Die wäre an diesem Abend wohl kaum noch zu irgendeinem Schuss in der Lage. Erst recht nicht mit diesem Bogen! Die Pfeile wären vermutlich auch zu stumpf, um mehr als blaue Flecken zu verursachen. Sofern sie überhaupt noch fliegen würden!
Wie gut, dass sie mit der nächsten Begegnung überrumpelt wurde. Wobei... eigentlich hätte sie auf diese gerne verzichtet. Ungläubig blinzelte sie ein paar Mal und hätte sich nur zu gerne die Ohren gewaschen, wenn das nicht derart unhöflich gewesen wäre. "Äh... piepsig... ja... hört man...", murmelte sie ungewöhnlich unsicher und deutete ein Kopfschütteln an.
Währenddessen plapperte ihr Begleiter schon weiter und die Antwort machte sie noch... einsilbiger. "Äh... ja... so in etwa...", kam es ihr über die Lippen.
'Reiß dich zusammen!', schalt sie sich und versuchte, ihre Gedanken zu klären. Sie hatte schon so viele Situationen mit... ungewöhnlichen Personen gemeistert, da musste ihr das hier doch auch gelingen! Allein, der klare Kopf war dafür notwendig! Und diese Elfen hier waren viel zu betrunken, als dass sie sonderlich viel Schauspiel würde aufbringen müssen, um sie zum Reden zu bringen.
Janay atmete tief durch und bemühte sich, die Seltsamkeiten auszublenden, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Wortlos folgte sie der... Frau oder was genau das war und hörte ihr zu, bemühte sich darum, sich zu merken, was gesagt wurde. Obwohl es ihr nicht gerade leicht fiel, bemühte sie sich, die Vorgestellten zu begrüßen und sie nicht anzustarren.
Lediglich beim weissagenden Elfen schauderte es sie ein wenig. Mochten seine Worte auch verwirrend sein, bedeutete das nicht, dass er im nüchternen Zustand nicht klarer wäre. Nein, bei dem wollte und würde sie vorsichtig sein müssen.
Der Koch war ihr auf eine andere Art und Weise hingegen nicht ganz geheuer. Diese hellblauen Dinger sahen nicht nach etwas aus, das sie wirklich herausfinden wollte. Oder sich von ihm bekochen lassen, wer konnte sagen, was er alles in sein Essen mischte! Wobei... so lange würde sie auch nicht hier bleiben wollen, um das heraus zu finden.
Immerhin, sie schien nicht die einzige hier zu sein, die so dachte. Unwillkürlich musste sie grinsen. "Ja, das könnte recht... rauchig werden.", raunte sie zurück.
Der Elf in der Kutte hingegen wirkte... interessant, obwohl sie glaubte, dass das wahrscheinlich nur Einbildung war, weil er sich verhüllte.
Dann jedoch kamen sie zu der letzten Person. Einen Moment lang stockte ihr der Atem und Neid ob dieser Erscheinung drohte in ihr aufzusteigen. Bis der Wind drehte und ihr den Magen umzustülpen drohte. Hastig schloss sie den Mund und bemühte sich, nicht zu tief Luft zu holen. Anscheinend war diese Elfe solcherart Reaktionen gewohnt, wie die Worte und der Tonfall deutlich machten.
Trotz allen Ekels musste sie schmunzeln und wandte sich daraufhin dankbar ab, um sich etwas zu entfernen. Allerdings konnte sie sich eine Bemerkung nicht verkneifen:"Wasser- oder Seifenallergie?" Diese Frage war laut genug, dass die andere sie würde hören können, wenngleich sie ihr sofort ein freches Zwinkern schenkte, um sie hoffentlich auch wieder zu besänftigen. Es war nicht beleidigend gemeint, schließlich musste sie sich in dieser Gruppe noch ein wenig aufhalten.
Und dann war die Vorstellungsrunde endlich geschafft und sie konnte sich ans Feuer setzen, weit genug, um mehr von den Flammen und dem Holz zu riechen als von der angeblichen Heilerin. Das Pärchen neben ihr war indes derart unterschiedlich, wie es nur sein konnte, und sie musste aufpassen, es nicht niedlich zu finden. Wie gut, dass der Holzfäller sich dazu setzte und den Moment nicht zu kitschig und intim werden ließ.
Außerdem war da noch Kazel, der sich einmischte und anstatt die Fremden auszufragen, selbst einiges über sie verriet. Janay warf ihm einen kurzen, finsteren Blick zu, doch der Schaden war bereits angerichtet.
Dann wandte sie sich wieder dem Pärchen zu, das seinerseits drauf und dran war, etwas preiszugeben. Aufmerksam darauf geworden, legte sie den Kopf schief und sah, vorgeblich nachdenklich, ins Feuer. "Hm... Hochelfen? Seltsam... davon habe ich noch nie gehört.", meinte sie derart offensichtlich ungläubig, dass sie hoffte, damit ein Fortfahren zu provozieren.
Um im Anschluss mit hochgezogener Augenbraue zu der bärtigen Frau zu sehen. "Zwei Jahre? Das ist eine lange Zeit fort von eurem Zuhause.", meinte sie und verdrängte dabei die Erkenntnis, dass ihre Flucht aus ihrem Elternhaus doppelt so lange her war. Nur, dass dieses nie so war, dass sie sich danach zurücksehnen würde.
Wie sie sich selbst immer wieder einredete, um nicht auf die Idee zu kommen, tatsächlich eine Rückkehr zu versuchen. Das wäre ihr sicherer Tod, davon war sie überzeugt.
Wie gut, dass sie gar nicht erst die Gelegenheit bekam, in ihre eigenen Gedanken zu verfolgen. Die Elfenzwergin bewegte sich und schien sie beide tatsächlich bewirten zu wollen. Janay beobachtete sie, konnte allerdings nichts Verdächtiges entdecken während dem Herrichten, bis darauf, dass das Brot etwas zu nahe an der Achsel getragen wurde für ihren Geschmack. Aber solange es nicht feucht wäre oder stinken würde, konnte es nicht so schlimm sein... hoffte sie!
Mit einem kleinen Nicken nahm sie die Schale und das Brot entgegen, begann allerdings noch nicht zu essen. "Wenn ihr so lange unterwegs seid, kennt ihr diesen Wald sicher schon ein bisschen.", meinte sie und untertrieb bewusst, um ebenfalls wieder die Zunge der anderen zu lockern.
Wenn ihr da nicht diese Zeltwärterin dazwischen gekommen wäre mit ihren Schnaps. Die junge Frau würde sich hüten, davon zu kosten. Im Gegensatz zu ihren Gastgebern wollte und musste sie klar im Kopf und nüchtern bleiben. Und das hatte sie definitiv vor! Somit nahm sie den Becher zwar an, stellte ihn jedoch sofort neben sich auf den Boden.
Bei der Frage, die etwas schwer zu verstehen war, zuckte sie mit den Schultern und rührte ein wenig in der Suppe herum, als gehöre diese noch besser vermischt. "Ach, wir sitzen hier und unterhalten uns etwas. Und ihr?", erwiderte sie so harmlos wie möglich, als wolle sie nichts weiter als einen Scherz machen. Solange diese Elfen ihr das abkauften, war sie in der Lage hoffentlich, die interessanten Informationen aus ihnen heraus zu kitzeln.
Wobei sie davon bestimmt Abstand genommen hätte, wenn sie auch nur im Ansatz geahnt hätte, was der Mischling über ihren Zustand dachte, um ihm erst einmal den Kopf zu waschen. Als ob sie Medizin bräuchte! Und schon gar nicht so eine!
Neben ihr bewegte er sich und kam ihr näher, wie sie aus dem Augenwinkel erkennen konnte. Kurz sah sie zu ihm und hob amüsiert ihre Augenbraue wieder an, während es in ihren Augen spöttisch funkelte. Wirkte er nur so oder glaubte er tatsächlich, dass solch ein Schnaps ihm gut tun würde? Die Dunkelelfe war sich noch nicht sicher, würde es ihm allerdings definitiv nicht nachmachen.
Sie sah wieder zu dem Elfenpärchen und wollte erneut das Wort ergreifen, als ihr Begleiter ihr etwas zuraunte. "Du bist witzig! Aber du solltest aufhören, diese Sprache zu nutzen in ihrer Gegenwart.", gab sie genauso leise zurück und baute darauf, dass der Rausch das Gehör der Gastgeber beeinträchtigte, um sie nicht erkennen zu lassen, dass sie gerade Lerium verwendet hatten.
Und um das noch zusätzlich zu überspielen, davon abzulenken, sah sie ihn herausfordernd grinsend an. "Vorsicht, sonst bist du bald noch undeutlicher Elbrennebell und piepst stärker als Eire, wenn du einen zu tiefen Schluck nimmst!", bemerkte sie spöttelnd und laut genug, dass sich die Betrunkenen sicher darüber amüsieren würden. Hoffte sie, damit sie kein Misstrauen schöpfen würden.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. November 2019, 22:02

Janay hielt die mehr oder weniger betrunkenen Elfen um sich herum gut in Schach. Wer wusste schon, wie sie reagiert hätten, wenn sie nicht so viel Erfahrung mit ihnen gehabt hätte und doch... irgendetwas war anders und das weckte ihre Neugierde. Diese Gruppe war so, anders...so widersprüchlich in sich, aber so recht bekam man das Gefühl nicht zu fassen, was sie besonders machte. Die kleinen Kommentare der Dunkelelfe hier und da sorgten dafür, dass niemand tiefer nach ihrer Geschichte nachfragte und ganz im Gegenteil, die Elfen begannen zu erzählen. Janay war im Umgang mit diesen Zuständen bekannt, ganz im Gegensatz zu Kazel, der das Verhalten einfach nur merkwürdig fand.

Eires tiefe Stimme schaffte es Kazels Züge vor Überraschung entgleisen zu lassen. Er blinzelte und nickte dann nur, ohne sich im Gegenzug vorzustellen.
"Das Jahr der Elfen?"
Sie nickt mehrfach und überdeutlich, so dass ihre Haare um ihren Kopf tanzten. Sie war eine süße Elfe, nur die Stimme war - grausam.
"Ihr meint, ihr feiert hier ... doch nicht den Erfolg, den die Dunkelelfen über Pelgar erringen konnten, oder?"

Eire hob die Brauen und schüttelte dann heftig den Kopf. Sie wollte gerade zu einer genaueren Erklärung ansetzen, da waren sie aber bei der wahrhaftigen Schönheit angelangt und sogar der in Janay verliebten Mischling blieb einen Moment die Spucke weg, als ihm die heilkundige Elfe vorgestellt wurde. Sie war ein lebendig gewordener Traum, der zur Sünde einlud. Selbst der noch so unschuldigste Bursche würde da nicht widerstehen könnten. Hätte es auch nicht, wenn er vorab um seinen Geruchssinn gebracht worden wäre.
Kazel betete stumm zu Manthala, sie möge ihm die Nasenlöcher verschließen, als das Aromagemisch aus faldorischer Todespestilenz und goblinischem Bohneneintopf von vor drei Monaten zu ihm herüber wehte. Sein Magen fühlte sich nun nur noch flauer an und er konnte ein Würgen nicht unterdrücken.
"T-tut mir leid"
, haspelte er auf das Gekeife der Heilkundigen. Er behielt die eine Hand vor dem Mund und wedelte mit der anderen gen des Koches Emetiel.
"Keinen Hunger"
, wurde auch das Angebot des Kochs abgelehnt, genauso wie seine blauen Kristalle. Kazel ließ sich zu der munteren Gesellschaft auf einen der Sitzplätze um das Feuer nieder.
"Diese Eri'una ist Heilerin? Wir ... bräuchten ..."
Und da unterbrach die pummelige Elfe ihn sofort wieder, indem sie seinen Satz wunderbar ergänzte. Medizin. Elfenschnaps? Kazel nicht wirklich mit Alkohol vertraut und wenngleich ihm Begrifflichkeiten wie Bier und Wein noch geläufig waren, so hatte er mit Schnaps noch weniger Erfahrung gemacht. Das harte Zeug war ihm gänzlich unbekannt.
"Medizin?"
, fragte er daher nur nach, konnte sich aber nicht ganz vorstellen, dass sie gegen wirklich alles half. Er blieb skeptisch, nahm den Kelch entgegen und betrachtete sich den Elfenschnaps. Wieder stieg ihm ein beißender Geruch in die Nase, aber er kam ihm mehr als gelegen. Das Gesöff in seinem Kelch konnte man nicht nur als Rachenputzer bezeichnen. Die Schärfe des Schnapses kitzelte seine Nasenhaare und vertrieb auch noch den letzten Partikel von Eri'unes Pestilenzdämpfen. Kazel hielt den Becher dichter an sein Gesicht und inhalierte den Geruch.
Das ist wohl doch Medizin und sie wirkt!
Der Schnaps half sogar gegen Eri'unas Ausdünstungen, also konnte er vielleicht wirklich magische Heilkräfte haben? Wieso eigentlich nicht.
Er schaute in die Runde. Wie viel konnten sie ihnen von ihrer eigenen Geschichte erzählen? Sollten sie die Wahrheit sagen und um Hilfe bitten oder der Gruppe eine Lüge auftischen? Die waren doch alle so betrunken, dass sie sich am Morgen ohnehin nicht erinnern würden. Er entschied, es Janay zu überlassen, raunte ihr aber erneut auf Lerium zu:
"Du bist zu ihnen gegangen, um sie auszuquetschen. Du hast also einen Plan? Dann mische ich mich erst ein, wenn sie uns bedrohen."

Der Koch war auch Janay nicht ganz geheuer. Diese hellblauen kleinen Kristall-Brocken sahen nicht nach etwas aus, das sie wirklich ausprobieren wollte. Sich von ihm bekochen zu lassen kam nicht in Frage, aber die Suppe, die alle aßen war schon fertig und sogar der vermummte Typ, der mit dem Namen Ellashar vorgestellt worden war hatte sich eine Schale genommen und sich wieder in das Rund ums Feuer gesetzt. Egal wie oft sie es versuchte, sich mal hier mal dort hin bewegte, sie konnte sein Gesicht nicht sehen, die Schatten der Kapuze waren tief und dunkel, fast wie nicht von dieser Welt und auch seine Hände steckten in schwarzen Handschuhen, so dass nicht mal ein Blick auf seine Hautfarbe gewährt wurde. Der ganze Mann hatte eine sehr starke mystische Ausstrahlung und war doch so still und zurückgezogen, dass ein mitfühlendes Herz sich vielleicht seiner angenommen hätte.

Hin und wieder fiel auch ihr Blick auf die Heilerin der Runde. Auch wenn sie mürrisch war und stinkig, so war sie wirklich eine Augenweide. Hatte Janay jeh das Bett mit einer Frau geteilt, so würde sie sicher diese gern hinein bitten. Neid ob dieser Erscheinung drohte in ihr aufzusteigen, jedoch nur bis der Wind drehte und ihr den Magen umzustülpen drohte. Hastig schloss sie den Mund und bemühte sich, nicht zu tief Luft zu holen. Anscheinend war diese Elfe solcherart Reaktionen gewohnt, wie die Worte und der Tonfall deutlich machten. Trotz allen Ekels musste Janay schmunzeln. Das Mundwerk der Heilerin war wirklich schmutzig und passte so wenig zu ihren Anblick wie ihr Geruch. Janay wandte sich ab, um sich etwas zu entfernen. Allerdings konnte sie sich eine Bemerkung nicht verkneifen:
"Wasser- oder Seifenallergie?"
Stille!!!!!
...
...
...
Einige der Elfen sahen von Janay zu Eri'una und hielten den Atem wohl nicht nur wegen des Gestankes an. Wenngleich Janay ihr sofort ein freches Zwinkern schenkte, um sie hoffentlich auch wieder zu besänftigen, so schien der Moment doch ein wenig brisant. Es war nicht beleidigend gemeint, schließlich musste sie sich in dieser Gruppe noch ein wenig aufhalten, trotzdem war es nun heraus...
Plötzlich erklang ein Wiehern, obwohl die elf Elfen keine Pferde hatten...nein, es war die Heilerin, die herzlich lachte, aufstand und Janay kurz umarmte.
NICHT ATMEN!!!
Sie grinste den weiblichen Gast breit an und ihr Pestodem traf sie mitten ins Gesicht:
"Du bist richtig!"
Sie wieherte/lachte weiter, hielt sie einen Moment an den Schultern von sich gestreckt und sah mit einem Mal auf ihren Bauch hinunter. Eine Millisekunde lächelte sie und setzte sich wieder, nahm ihre Geruchswolke mit sich, die sich beinahe vollständig um Janay geschlossen hätte und das hätte ihr Tod sein können, da war sie sich sicher. Deswegen war es ratsam sich ein Stück weg zu bewegen, denn der laue Wind allein war nicht stark genug um ihre lähmende Nähe abzuwaschen. Eine Narkose brauchte diese Heilerin nicht, wenn sie ihre Patienten ruhig stellen wollte.
Janay setzte sich nun auch in das Rund und atmete wieder frei.
Das Pärchen neben ihr war indes derart unterschiedlich, wie es nur sein konnte, und sie musste aufpassen, es nicht niedlich zu finden. Wie gut, dass der Holzfäller sich dazu setzte und den Moment nicht zu kitschig und intim werden ließ.
Außerdem war da noch Kazel, der sich einmischte und anstatt die Fremden auszufragen, selbst einiges über sie verriet. Janay warf ihm einen kurzen, finsteren Blick zu, doch der Schaden war bereits angerichtet. Dann wandte sie sich wieder dem Pärchen zu, das seinerseits drauf und dran war, etwas preiszugeben. Aufmerksam darauf geworden, legte sie den Kopf schief und sah, vorgeblich nachdenklich, ins Feuer.
"Hm... Hochelfen? Seltsam... davon habe ich noch nie gehört."
, meinte sie derart offensichtlich ungläubig, dass sie hoffte, damit ein Fortfahren zu provozieren. Das einzige was sie jedoch provozierte war ein Hochziehen der Schultern seitens Eire, die sich wohl nicht wunderte, dass Janay keine Hochelfen nicht kannte.
Im Anschluss sah sie mit hochgezogener Augenbraue zu der bärtigen Frau.
"Zwei Jahre? Das ist eine lange Zeit fort von eurem Zuhause."
Diese nickte und seufzte leicht angeheitert.
„Ach was sind schon zwei Jahre. Ellinar sagte mal, wir sind noch in der „Vor-glüh-Phase“ die richtige Feier die kommt erst noch.“
Der Erwähnte nickte, während Janay mit einem kleinen Nicken eine Schale Eintopf und das Brot entgegennahm. Sie begann allerdings noch nicht zu essen.
"Wenn ihr so lange unterwegs seid, kennt ihr diesen Wald sicher schon ein bisschen."
, meinte sie und untertrieb bewusst, um ebenfalls wieder die Zunge der anderen zu lockern.
"OOOhhhhh jaaahhhhh... wir jennen de jazeWeld!!!!"
, lallte das Nachtmend mit der Axt und rutschte mit einer ausladenden Geste von seinem Stamm nach hinten um dann dort schnarchend liegen zu bleiben. Die Zeltwärterin lachte nur und bot Janay nun den Schnaps an. Die junge Frau würde sich hüten, davon zu kosten. Im Gegensatz zu ihren Gastgebern wollte und musste sie klar im Kopf und nüchtern bleiben. Und das hatte sie definitiv vor! Somit nahm sie den Becher zwar an, stellte ihn jedoch sofort neben sich auf den Boden. Die Heilerin nickte ihr in diesem Moment zufrieden zu und widmete sich selbst ihrem Eintopf, den sie kurz anhob und so vielleicht Janay still zu verstehen gab, dass dieser nicht vergiftet war, es aber für sie gut war den Schnaps nicht anzurühren? Nur traute Janay ihrem Urteil?
Bei der Frage, was sie "so machen", die etwas schwer zu verstehen war, zuckte Janay mit den Schultern und rührte ein wenig in der Suppe herum, als gehöre diese noch besser vermischt.
"Ach, wir sitzen hier und unterhalten uns etwas. Und ihr?"
, erwiderte sie so harmlos wie möglich, als wolle sie nichts weiter als einen Scherz machen. Der Große gluckste und wiederholte leise:
"Sitzen und unterhalten...gnhnhn..."
Neben ihr saß nun Kazel und flüsterte:
"Du bist zu ihnen gegangen, um sie auszuquetschen. Du hast also einen Plan? Dann mische ich mich erst ein, wenn sie uns bedrohen."
Während die Anderen lachten, flüsterte sie ihm zurück:
"Du bist witzig! Aber du solltest aufhören, diese Sprache zu nutzen in ihrer Gegenwart."
, gab sie genauso leise zurück und baute darauf, dass der Rausch das Gehör der Gastgeber beeinträchtigte, um sie nicht erkennen zu lassen, dass sie gerade Lerium verwendet hatten.
Und um das Gesagte noch zusätzlich zu überspielen, davon abzulenken, sah sie ihn herausfordernd grinsend an.
"Vorsicht, sonst bist du bald noch undeutlicher Elbrennebell und piepst stärker als Eire, wenn du einen zu tiefen Schluck nimmst!"
, bemerkte sie spöttelnd und laut genug, dass sich die Betrunkenen sicher darüber amüsieren würden. War da vielleicht auch eine versteckte Warnung an Kazel dabei gewesen, dass er nicht trinken sollte? Wenn ja, dann war unklar, ob er sie aufgrund seiner Unwissenheit um die Tiefe seines Bechers überhaupt verstehen würde. Gerade machte der Krug mit dem Schnaps sich auf den Weg in die illustre Runde und hier und da waren immer wieder Trinksprüche zu hören. Man prostete sich zu, hoffte auf gute Gesundheit und einen sternenreichen Nachthimmel.

Das war dann der Moment in dem Eire auffiel, dass keiner der beiden sein Essen oder den dargebotenen Schnaps angerührt hatte. Ihre Augen weiteten sich und ihr Gesicht zog sich in die Länge. Sie sah von den Schüsseln zu den Gesichtern der Gäste und meinte leise:
"Euch schmeckt es nicht, oder? Ich hab mir so viel Mühe gegeben."
Moment! SIE hatte den Eintopf gekocht und nicht der Koch? ... na ja, warum auch nicht. Hier machte ja niemand, dass was er sollte. Die Wächterin schlief, der Allwissende war stumm, die Kleine grollte, der Große pipste, die Sirene stank, also warum sollte der Koch also das Essen gemacht haben?
Elbrennebell legte Eire einen Arm um die Schultern streichelte ihren Kopf.
"Schei nicht draurig, meinen Schnaps rühren sie auch nisch an."
Einige der herum sitzenden Elfen sahen nun die beiden Gäste an und legten mal den Kopf schief, schüttelten ihn sogar und langsam wurde klar, dass ihre Gastfreundschaft abgelehnt wurde. Der Große stand auf und nahm beide Frauen gleichermaßen in die Arme, hob sie an, setzte sie sich auf den Schoß und drückte sie sanft.
"Ist nich schlimm... sie sind halt nicht wie wir."
Mehrere Augenpaare sahen die Gäste an und der blinde Seher sah ebenfalls kurz auf. Seine Stimme war sehr leise und nicht wirklich deutlich, aber vielleicht hörte es Kazel trotzdem, da er näher saß:
„...und sie werden es niemals sein, aber er … er vielleicht, ...wenn er den Tod überlebt...“
Damit war das Thema anscheinend erledigt. Aber nur kurz, denn von der anderen Seite des Feuers erklang nun Eri'unas Stimme:
"Verübelt es ihnen nicht. Wir essen alle aus dem gleichen Topf, von den gleichen Gaben, die Celcia uns geschenkt hat. Wir trinken den gleichen guten Tropfen, doch sie sind nicht frei von Zweifeln. Sie sind voller Sorge vor der Zukunft."
Der blinde Seher nickte und sprach nun laut und gut verständlich:
"Es war geweissagt, dass jene kommen würden die Zweifel in ihren Herzen tragen. Die eine würde die Saat des Anderen unter dem Herzen tragen und der Andere die Sorge der Anderen unter seinem."
Eri'una sah kurz etwas genervt zu ihm hinüber, schüttelte den Kopf, als müsse sie seine Worte erst sortieren, aber fuhr dann fort.
"Ihr kennt uns nicht. Ihr seid trotzdem an unserem Feuer willkommen mit uns zu feiern. Niemand will euch hier etwas böses, glaubt es oder nicht. Aber wir werden uns wohl bestimmt nicht selbst vergiften."
Sie grinste und nahm einen extra großen Happen vom Eintopf. Kauend sprach sie weiter:
"Unf derf Fsnapsf ist auf niff vergiffteft."
"Sie meint, der Schnaps ist nicht vergiftet."
, fügte Ellebrennebell hinzu und trank ihren Becher in einem Zug leer. Sie blinzelte zweimal schnell und grinste dann selig. Dann fiel ihr etwas ein.
"Moment...trägt unterm Herzen... Du bist ...schwanger? Nein! Herzlichen Glückwunsch!! Oh... Natürlich! Kein Schnaps für Mama!"
Prompt kam sie zu Janay und nahm ihr den Schnaps weg, trank den Becher ebenfalls leer, grinste und meinte:
"Bin gleich wieder da..."
und verschwand abermals in ihrem Zelt. Plötzlich waren fast alle Augen auf Janay gerichtet. Außer die des Vermummten natürlich. Der saß nur still da und unter dem Rand seiner Kutte war es dunkel. Trotzdem hatte es kurz so ausgesehen, als ob sein Kopf sich bewegt hätte. Vielleicht war es Zufall, oder einfach nur ein aufmerksames Auge, auf jeden Fall hatte Janay ihn gerade angesehen. Doch auch ihr Blick war bemerkt worden und der inzwischen wieder erwachte Holzfäller Elanor grinste von einem Ohr zum anderen.
"Heehh, Ellashar...dju hast Suschauer! Losch! Mach wasch! Bidde führ unsch wasch vor!!!"
Kutte schüttelte nur leicht den Kopf und senkte denselben wieder.
Nein, die Stimmung passte wohl noch nicht für seine Künste.
Dafür kam Elbrennebell aus ihrem Zelt gekrochen und hatte eine neue Flasche dabei, die aber einen andersfarbigen Korken hatte.
"Hier... schauuu! Das ist die letschte Flasche! Hab sie jersten erst gemacht. Wirklich jesund und fööördert auch die Jesundheit vom Nachwuchs. Magscht du? ..is kein Alkohol! Wirklisch nisch!"
Ja die zwei Becher Schnaps so hinunter zu stürzen war vielleicht nicht gut gewesen. Sie lallte nun auch zunehmend. Sie entkorkte die Flasche, goss sich eine rosafarbene, mit leicht goldenen glühenden Schlieren durchdrungene Flüssigkeit ein und kostete "vor". Ihre Nase kräuselte sich kurz, dann grinste sie.
"Guuuht!"

Kazels Nase war sehr glücklich über den feinen leicht süßen und doch auch scharfen und reinigenden Duft des Schnaps gewesen, der von seinem Becker aufstieg. Hatte er doch mal genippt? Oder einen Schluck getrunken? Wenn ja, war es ein Erlebnis sondergleichen und machte schnell Lust auf mehr.

Die elf Elfen hatten sie in ihr Lager aufgenommen und bewirteten sie nach Kräften. War es da unhöflich nichts anzunehmen? Sie teilten die Wärme des Feuers, ihr Brot, ihr Fleisch, ihren Schnaps und ihre Gesellschaft. Auch wenn sie trunken waren, so waren sie doch freundlich und zuvorkommend, ja sogar umsorgend. Sie lachten miteinander, genossen ihre „Wahnfahrt“, die schon zwei Jahre andauerte. Wenn Kazel und Janay mehr über sie heraus finden wollten, so mussten sie sich wohl oder übel noch ein wenig mehr einbringen und weniger aushorchen und wenn es eben nur erfundene Geschichten wären. Janay kannte das aus den Kneipen ihrer Vergangenheit. Niemand trank gern allein. Niemand feierte gern allein. Es ging hier auch nicht ums Trinken, sondern um das Gefühl der Gemeinschaft, zu der sie noch nicht gehörten.
Also wie ging der Abend weiter?
Würde Ellashar noch seine Kutte fallen lassen?
Würden Janay und Kazel ihren Saft, bzw. Elfenschnaps trinken?
Würde der Große mit der Kleinen verschwinden?
Würde am nächsten Tag die Sonne aufgehen?
Vieles war noch offen, als die Funken des Feuers in den Himmel stoben und sich zu den Sternen gesellten.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 14. Dezember 2019, 04:31

Trotz der mehr als bizarren Lage und ihres Zischens entlockte Janay ihm mit ihren Worten ein seichtes Aufschmunzeln. Schief und nur flüchtig, aber sie hob seine Stimmung. Manche Dinge kann ich immer noch..., grinste er innerlich auf. Nach außen hin gab Kazel nicht mehr als ein leises "Mhm" von sich. Wenn Janay sich schon vor ihm erschreckte, musste er bei den betrunkenen Elfen wenig Sorge tragen. Aber er wäre nicht er selbst, würde er sein Misstrauen so einfach ablegen. Vielleicht lag es auch am morgerianischen Erbe in seinem Blut, dass er lieber erst einmal wachsam blieb - auf seine Weise.
Janay hielt Kazels Vorgehen wohl nicht für sonderlich gut, aber davon bekam er nichts mit. Er würde weiterhin in Lerium mit ihr kommunizieren, wenn er nicht wollte, dass die Betrunkenen ihn verstanden. "Solange ich leise genug mit dir spreche, merken sie es ohnehin nicht", raunte er seiner Begleiterin daher erneut in der Muttersprache zu, die Augen auf die seltsamen Elfen gerichtet. In seine Nase drang aber weiterhin die ... Medizin. Der beißende Geruch störte die Konzentration, aber nicht so sehr, dass er sich gänzlich von dem angebotenen Schnaps trennen wollte.
"Du kennst dich mit Alkohol aus?", fragte er nach. Dann folgte endlich ein Schluck. Und schon hustete Kazel. Das Zeug war scharf, brannte sich einen Weg über seine Zunge und die Kehle herunter bis in den Magen. Dort hinterließ es zunächst ein seltsam flaues Gefühl, zusammen mit dem nach wie vor brennenden Beigeschmack und dem Prickeln an seinen Lippen. Dafür aber entdeckte er ein positives Merkmal an dem Trunk. Er wärmte von innen. Das genügte ihm, um noch einen Schluck zu nehmen, wenn auch kleiner, so dass ein erneuter Hustenanfall verhindert wurde. Na, ob man das wirklich als Medizin bezeichnen konnte? Kazel fühlte sich nur minder besser. Es half gegen das Frösteln, aber es benebelte ihn auch und das immens schnell. Er spürte eine ungewohnte Leichtigkeit, die zu Sorglosigkeit einlud. Mit zusammengezogenen Brauen suchte er die losen Fäden seiner Gedanken, um sie zu einem Knäuel zusammenzuknoten. So würden sie ihm wenigstens nicht entrinnen, auch wenn er dann Schwierigkeiten hätte, den richtigen Faden zu finden.
Janay ging es glücklicherweise ein wenig anders an. Sie horchte die selbsternannten Hochelfen nach und nach aus. Kazel schwieg, inzwischen nicht mehr nur, weil er seiner Begleiterin das Reden überlassen wollte, sondern auch wegen des Schnapses. Der Geschmack war ihm zuwider, viel zu scharf und das Brennen auf der Zunge gefiel ihm nicht. Trotzdem konnte er nicht umhin, immer wieder an dem Getränk zu nippen. Nach und nach stellte sich eine derart federleichte Stimmung bei ihm ein, dass er sich still fragte, wann ihm das letzte Mal so sorglos um's Herz war. Die Probleme waren nicht verschwunden, im Moment badeten sie nur mit Kazel zusammen in der seltsamen Elfenmedizin ... und der Mischling war es, der darin zu ertrinken drohte. Er schmunzelte stumm vor sich her. Auf diese Weise fügte er sich wenigstens besonders unauffällig in das Chaos der elf Gastgeber ein. Würde er weiter trinken, könnte man Kazel wohl kaum noch von ihnen unterscheiden, übersah man Details wie einen fehlenden Bart, eine eher durchschnittliche Größe und die Tatsache, dass er zum Glück noch seine Lederrüstung und kein Nachthemd trug.
"Das Zeug steigt mir zu Kopf", seäuselte er und griff sich an selbigen. Dieses Mal sprach er kein Lerium, gab sich auch keine Mühe, sonderlich leise zu sein. Beschwipste Ehrlichkeit sprach aus ihm. Somit lieferte er ungewollt eine weitere Information für Janay. Sie sollte wirklich unter keinen Umständen von dem Schnaps probieren. Entweder war dieser stärker als alles, was sie bisher in ihrem Leben getrunken haben mochte oder Kazels mangelnde Vertrautheit mit Alkohol ließ auch auf eine mangelnede Kondition bezüglich dessen schließen. Die harten Sachen vertrug er wahrlich nicht.
Aber auch die Elfen waren von den Folgen des Rausches schon betroffen. Sie übersahen, dass Kazel sich ihnen hinzugesellt hatte und zwar in Form von Trunkenheit. Seinen Becher konnte man nun bereits halb voll oder leer nennen, je nachdem, wie man die Dinge sah. Aber der Eintopf war bisher wirklich an ihm vorüber gezogen. So blinzelte er der unglückseligen Köchin erst einmal nur entgegen. "Oh, ich werde essen ...", murmelte er, konzentrierte sich darauf, die Schale zu greifen und schmulte dann wieder zu Janay herüber.
"Wenn's vergiftet ist, musst du alle ..." Ihre Aufgabe verriet er nicht. Der Duft des Eintopfes, der bei Weitem besser war als jener der Köchin, stieg ihm in die Nase. Es mochte wieder nur eine dicke Suppe sein, aber es war eine Abwechslung zu den orkischen Kochkünsten, zu Wurzeln und Nüssen. Sobald Kazel seine Finger um den Löffel koordiniert hatte, begann er zu essen. Der Schnaps beherrschte sein Denken oder eher: er machte ihn arglos. Wenn die Hochelfen etwas im Schilde führten, war er ihnen bereits auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ... und merkte nichts davon. Ungezwungen aß er weiter, hielt nur inne, als die leise Stimme des blinden Sehers an seine Spitzohren drang. Er lauschte. Er wartete. Sein Verstand verarbeitete die Worte.
"Ouh, die vergiften mich doch...", nuschelte er und stopfte sich den nächsten Löffel Eintopf in den Mund. Mit den unheilvollen Worten des Fremden konnte er nicht wirklich etwas anfangen. Der Mischling fühlte sich bestätigt, als Ellebrennebell Janay rettete und ihr den Schnaps entriss. Er hatte es gewusst! Gift! Wenigstens würden Janay und ihr Kind überleben. Aber der Eintopf schmeckte. Was von beidem war nochmal vergiftet? Ach, ich find's raus...
Die Elfe hatte Janay wohl wirklich vor einem schlimmen Schicksal bewahrt, wenn diese sich ihren Begleiter so ansah. Kazel hatte nur die Häflte seines Bechers getrunken, zeigte aber Trunkenbold-Symptome, wie man sie nur in den hintersten Nischen einer nach Bier, Schnaps und Urin stinkenden Kneipe finden konnte. Wenigstens lächelte er und wirkte alles in allem recht fröhlich. Der Alkohol lockerte nicht nur die Zunge, sondern auch sein Misstrauen. Vielleicht tat es ihm gut, einmal vollkommen er selbst sein zu können - ein betrunkenes Selbst, aber dafür nicht ständig besorgt. Die Reue auf sein Tun würde frühestens morgen kommen. Jeztt genoss er immer mehr die skurrile Gesellschaft.
"Ja, sie is' schwanger", lallte der Mischling nach einer Weile, nicht ohne Stolz in der Stimme und einem roten Schimmern auf Wangen und Nase. Letztere glühte aber als Nachwirkung auf den Schnaps. Er zeigte auf sich. "Hab ich gemacht! Und 'se kriegt ... dasch Schönste Kind unter Ly...Lüschtan...Luschentors Sonne! Mhm!"
Mit Kazel würde es schwierig, etwas aus den Elfen herauszubekommen. Er war auf ihre Gastfreundschaft angesprungen. Zwar senkte seine Heiterkeit das Misstrauen der Fremden, aber das Problem hierbei war, dass sie wohl überhaupt keines besaßen. Es blieb an Janay einen kühlen Kopf zu bewahren. Oder aber sie gab sich ebenfalls einmal den einfachen Freuden hin, folgte Kazel in die gesellige Runde, anstatt weiter nach Informationen zu suchen. Wer weiß, wie es endete? Neue Überraschungen konnte sie wohl nicht erleben ... denn wie ihr Begleiter schon stolz verkündet hatte. Sie war bereits schwanger von ihm.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Janay » Dienstag 17. Dezember 2019, 08:33

Die junge Frau war bereits weit herum gekommen, wie sie persönlich in ihrer noch teilweise durchaus kindlichen Naivität meinte. Doch selbst wenn sie mehr Erfahrung gehabt hätte, hätte sie wohl zu Recht bezweifelt, dass sie solch eine Gruppe bereits zuvor einmal hätte treffen können.
Diese Elfen waren nicht nur sturzbetrunken, sondern hatten dadurch ein Verhalten, das durchaus dazu angetan war ihre ehrliche Neugier zu wecken. Sie konnte die anderen nicht einschätzen und das spornte sie an, es zu lernen. Nicht, dass sie Pläne hegen könnte, länger als notwendig in dieser Runde zu verweilen, denn dafür waren ihr die einzelnen Personen wiederum zu schräg. Ihre optische Erscheinung passte nicht mit den Stimmen, dem Verhalten,… dem Geruch zusammen und würde sie auf Dauer wahrscheinlich ziemlich zur Verzweiflung bringen können, wenn sie dieses Rätsel nicht würde lösen können.
Außerdem war sie noch nicht soweit, sich irgendjemandem auf lange Sicht hin anzuschließen und sich ein neues, langfristiges Zuhause zu suchen. Aber für kurze Zeit würde sie es schon aushalten, solange sie dabei kein unnötiges Risiko für ihr Leben einging, da sie die Gefahr ebenfalls noch nicht einschätzen konnte. Entsprechend wollte sie alles vermeiden, um sich zum Zielobjekt zu machen.
Ein Umstand, an den Kazel nicht recht zu denken schien. „Und du meinst nicht, dass sie genauso gute Ohren haben wie wir?“, murrte sie leise und mit einem angedeuteten Kopfschütteln. „Sie sind zwar betrunken und langsamer, aber nicht taub!“, fuhr sie fort und hoffte, dass es ihm nun endlich klar werden würde.
Es würde ein Funken genügen, um ihre Position sehr schnell zu verderben und sie beide in Gefahr zu bringen. Nicht, dass sie der Gruppe zutraute, sie ernsthaft mit Waffen bedrohen zu können, herausfordernd wollte sie dies allerdings genauso wenig. Umso mehr und rascher musste sie in Erfahrung bringen, wen sie auf ihrer Seite brauchte, um in der Runde überleben zu können.
Eine dieser Personen war jene stinkende Schönheit, die bei ihrer Nähe sofort zu keifen begann. Wenn sie nicht einen derartigen Pestodem verbreitet hätte, hätte es Janay wahrscheinlich für nicht wichtig angesehen, ihr überhaupt ein Wort zu gönnen. Schließlich war die andere mit Leichtigkeit dazu angetan, ihren Konkurrenzsinn zu wecken. So jedoch… Sie konnte sich die Worte schlichtweg nicht verkneifen!
Die Stille, die daraufhin folgte, war schlagartig erfolgt und zum Schneiden dick. Hatte sie sich zu weit vorgewagt? Oder hatte sie sich gerade eine Verbündete geschaffen? Innerlich zählte sie ihre Herzschläge, um ruhig zu bleiben und nicht zu zeigen, dass trotz allem eine gewisse Nervosität in ihr aufzusteigen drohte.
Nicht einmal ihren Blick ließ sie in die Runde schweifen, obwohl es sie durchaus interessiert hätte, was vor allem jenes Wesen unter Kapuze von ihrer Reaktion halten würde. In ihm vermutete sie einen weiteren Anwesenden, den sie sich lieber zum Freund, denn zum Feind machte.
Und dann, endlich, kam eine Resonanz auf ihre Worte. Zwar fiel diese nicht ganz so aus, wie sie es erwartet hatte, allerdings ging es immerhin in die richtige Richtung. Die Umarmung war ihr nicht ganz recht, wäre es auch ohne dem Gestank nicht gewesen, doch dagegen sträuben konnte sie sich definitiv auch nicht. Stattdessen grinste sie etwas schief und bemühte sich, so flach wie möglich zu atmen, um ihren rebellierenden Magen halbwegs ruhig halten zu können.
„Das werte ich als Kompliment.“, meinte sie etwas gepresst klingend und war froh, als die Umarmung vorbei war. Nur dieser Blick hin zu ihrem Bauch ließ sie sich kurzfristig unwohl fühlen. Die junge Frau musste sich zusammen reißen, um nicht instinktiv schützend die Arme davor zu halten.
Konnten Ungeborene schon riechen? Sie hoffte es für das Würmchen nicht!
Viel lieber nützte sie die Gelegenheit und entfernte sich ihrerseits ebenfalls, um die Distanz zwischen ihnen beiden zu erhöhen. Erst, als sie sich hingesetzt hatte, wagte sie es wieder regelmäßig zu atmen, wenngleich nicht zu tief, um die letzten Geruchswolkenfetzen nicht irrtümlich zu kräftig zu erwischen.
Nachdem sie ihre Aufmerksamkeit wieder anderem als dem Gestank widmen konnte, beobachtete sie das Pärchen und ihren Störenfried, um mit ihnen bei dieser Gelegenheit das Gespräch am Laufen zu halten. Bedauerlicherweise konnten oder wollten sie ihr nichts wegen der Hochelfen verraten. Doch das konnte sie später noch einmal versuchen, es gab schließlich noch andere Dinge, die sie genauer wissen wollte.
Dieses Mal hatte sie mehr Glück, obwohl sie sich nicht sicher war, was sie von der Antwort halten sollte. „Die richtige Feier? Wann soll sie denn sein? Und kommen noch mehr zu euch?“, hakte sie mit leicht schräg geneigtem Kopf nach. Um im Anschluss daran ihre nächste Frage zu stellen.
Die Erwiderung endete mit einer eindeutig betrunkenen Verhaltensweise, die sie unwillkürlich schmunzeln ließ. „Und in seinen Träumen reist er im Flug gerade weiter, wie?“, bemerkte sie leise spöttelnd.
Nein, so einen Zustand hatte sie nie angestrebt. Janays Leben war viel zu sehr von Selbstkontrolle geprägt, erst recht, seit sie von Morgeria davon gelaufen war, als dass sie einen derartigen Rausch jemals riskiert hätte. Ab und zu hatte sie schon einmal an Alkohol genippt, sogar das ein oder andere Bier getrunken, um ihren Magen zu füllen, mehr jedoch auch nicht. Und das wollte sie jetzt erst recht nicht ändern!
Dementsprechend nahm sie den Becher zwar an, wenngleich nur, um ihn wieder wegzustellen, als wolle sie ihn später trinken. Dass die Heilerin sie dabei beobachtete und zufrieden wirkte, entging ihr, da sie sich auf das Pärchen konzentrierte. Und auf den Mischling, der nicht so viel Vernunft besaß.
Seine Frage lenkte sie ab und sorgte dafür, dass sie ihn noch einmal kurz ansah und mit den Schultern zuckte. „Ich weiß zumindest, was er bewirken kann.“, erwiderte sie ihm leise und deutete unauffällig auf das Nachthemd, das so laut schnarchte, dass es eigentlich keine Axt zur Waldvernichtung bräuchte.
Wahrscheinlich hätte sie ihn deutlicher warnen sollen, denn als er einen Schluck nahm, musste er prompt husten. Seufzend schüttelte sie den Kopf und murmelte etwas, das verdächtig nach „Anfänger“ klang. Allerdings kam sie nicht zu mehr, da nun der Protest aufgrund ihres Verzichts folgte.
Sofort widmete sich die junge Frau ihren Gastgebern und schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln. „Da bin ich mir sicher. Aber im Moment ist mir nicht nach… essen.“, erwiderte sie beschwichtigend und hoffte, dass das ausreichte. Schließlich waren Betrunkene oft wankelmütig und konnten sich nicht sonderlich lang konzentrieren. Hinzu kam die andere Elfe, die wegen ihres Schnapses jammerte.
Janay merkte, dass die Stimmung sich in eine für sie ungute Richtung entwickelte, die sie nicht haben wollte. Sie schluckte und sah instinktiv zu Kazel, in der Hoffnung, dass dieser ihr würde helfen können. In dem Moment kam ihm die Selbsterkenntnis und die ließ sie hörbar seufzen.
Na wunderbar! Was sollte sie jetzt tun? Wie konnte sie ihn davon abhalten, weiter zu trinken, ohne dass er dagegen lautstark aufbegehrte und sie sich selbst in ein verdächtiges Licht rückte?
Während es in ihrem Kopf arbeitete, tröstete ein weiterer Elf seine Begleiterinnen und konnte sie den Seher anfangs nicht verstehen. Sie merkte nur, dass sie rasch etwas tun musste. In dem Moment zeigte sich, dass sie sich mit ihrer Bemerkung vorhin wenigstens keine Feindin gemacht hatte, auch wenn die Verteidigung in den Ohren der jungen Frau eher… dürftig ausfiel. Die Worte entsprachen zwar zweifellos der Wahrheit, jedoch waren dabei etwas zu schonungslos ehrlich und wenig diplomatisch.
Doch während sie noch überlegte, wie sie darauf am besten reagieren könnte, um den Schaden zu begrenzen, mischte sich der Seher erneut ein, nun laut und deutlich. Ihre Augenbraue hob sich skeptisch an und am liebsten hätte sie den Kopf geschüttelt.
Solch kryptischen Worte und Andeutungen machte sie zwar selbst gerne, mochte es aber nicht, wenn das andere ihr gegenüber taten. Lautlos seufzte sie und beschloss, dass sich darin eher weniger eine für sie wichtige Botschaft versteckte. Dass der Mischling sich viele Gedanken machen könnte, darauf konnte sie auch ohne Hilfe kommen, ebenso die Sache mit Zweifeln und ihrer Schwangerschaft. Nichts Neues für sie also!
Auch die Heilerin schien die Bemerkung nicht sonderlich gut zu heißen und ihre Stimmung war kratzig wie bisher. Janay schenkte ihr ein feines Lächeln. „Wir wollen auch nicht undankbar sein. Aber im Moment ist mir nicht nach Essen oder Trinken.“, erwiderte sie ehrlich und zuckte mit den Schultern, als gäbe es dazu nicht mehr zu sagen.
Stattdessen deutete sie mit dem Kopf in Kazels Richtung und rollte leicht mit den Augen. „Bei ihm scheint das nur fürs Essen zu gelten.“, fügte sie, mit einer Spur Genervtheit, hinzu.
Wie aufs Stichwort machte er in seinem Rausch Andeutungen, die rasch falsch… oder eher dem Sinn nach richtig verstanden werden konnten, sodass sie das wieder gerade biegen musste. Abrupt sah sie ihn an. „Muss ich alle bewachen? Ins Bett bringen und zudecken? Sicher nicht!“, empörte sie sich, als hätte er sie schon öfter als Haushaltshilfe versucht zu degradieren. Hoffentlich kamen die anderen, die noch dazu in der Lage waren, nicht darauf, dass er eigentlich etwas anderes gemeint hatte.
Sie versuchte, seinen Blick einzufangen und ihm eine stumme Warnung zu schicken, die er vielleicht noch begreifen könnte. Aber es gelang ihr nicht, da er sich nun seinerseits um das Essen kümmerte. Nun ja, war vermutlich nicht ganz verkehrt. Sie hatte schon des Öfteren bemerkt, dass Hungrige rascher betrunken wurden. Eventuell würde ihm der Eintopf dabei helfen, seine Gedanken wieder etwas zu klären.
Lautlos seufzte sie ein weiteres Mal und wandte sich wieder den Gastgebern zu. Und dann würde sie wenigstens von einem Angebot befreit, als der Elfe aufging, was die Botschaft des Sehers verraten hatte. Beinahe wäre sie versucht gewesen, breit zu grinsen und zu behaupten, dass ihr Würmchen schon einen kräftigen Schluck vertragen würde. Jedoch war sie zu erleichtert darüber, zumindest des Alkohols ledig zu sein, als dass sie sich darum bemühen wollte.
So ließ sie es zu, dass die andere ihre Portion in ihre Kehle kippte und nickte lediglich auf deren Ankündigung. Viel zu deutlich spürte sie, dass sie mehr Aufmerksamkeit als zuvor erhielt und beobachtet wurde.
Fragend sah sie zu der Heilerin, weil sie beschlossen hatte, diese als Verbündete anzusehen, der sie vorläufig wirklich vertrauen wollte, trotz des Gestanks. „Was ist jetzt? So etwas geschieht und ist nur natürlich.“, meinte sie und merkte, dass sie das Bedürfnis hatte, sich dafür zu verteidigen. Nicht, weil sie ein Kind erwartete, sondern da sie dadurch nicht mehr unberührt war.
Eigentlich lächerlich, vor allem bei ihrem Beruf, und dennoch wirkte es so, als würde die Runde es… nicht so gut aufnehmen. Oder kam ihr das nur so vor und sie deutete die Neugier falsch?
Während sie ihren Blick langsam durch die Runde gleiten ließ und bemerkte, dass sich der Kapuzenelf bewegt hatte, schaffte es Kazel erneut, mehr zu verraten, als gut für sie beide war. Sie seufzte ein wenig übertrieben und konnte den Impuls, ihn mit dem Ellbogen in die Rippen zu boxen, gerade noch unterdrücken. Nicht mehr lange und sie würde ihm den Becher wegnehmen, einfach bestimmen, dass er genug gehabt hatte. Doch noch war es nicht ganz so weit und sie wollte sich nicht wie eine Ehefrau oder ähnliches aufführen, solange er sie nicht dazu zwang.
Stattdessen legte sie den Kopf schief und sah aufmerksam in Richtung Kapuze. Nur kurz wurde sie davon abgelenkt, als die Säuferin zurück kehrte und ihr ein anderes Getränk reichen wollte. Mit hochgezogener Braue nahm sie, nachdem vor ihren Augen gekostet worden war, den Becher entgegen. „Und was ist das?“, fragte sie, obwohl ihr Bedürfnis nach einem Schluck äußerst gering war.
Immerhin plädierte auch ihre Nase dafür, dass darin höchstwahrscheinlich kein Alkohol enthalten war. Nur… noch wollte sie nicht zu viel wagen.
Stattdessen sah sie erneut zum Kapuzenelf hinüber. „Warum verhüllst du dich?“, wendete sie sich direkt an die Person. Ihr Interesse war nicht gespielt, einerseits, um einschätzen zu können, wie viel Gefahr von ihm ausgehen könnte. Und andererseits, weil sie Geheimniskrämerei immer schon gereizt hatte. Da war so jemand wirklich anziehend für sie!
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Dienstag 24. Dezember 2019, 10:19

Was von beidem war nochmal vergiftet? Ach, ich find's raus...
Kazel hatte nur die Hälfte seines Bechers getrunken, zeigte aber Trunkenbold-Symptome, wie man sie nur in den hintersten Nischen einer nach Bier, Schnaps und Urin stinkenden Kneipe finden konnte. Wenigstens lächelte er und wirkte alles in allem recht fröhlich. Der Alkohol lockerte nicht nur die Zunge, sondern auch sein Misstrauen. Vielleicht tat es ihm gut, einmal vollkommen er selbst sein zu können - ein betrunkenes Selbst, aber dafür nicht ständig besorgt. Die Reue auf sein Tun würde frühestens morgen kommen. Jetzt genoss er immer mehr die skurrile Gesellschaft.
"Ja, sie is' schwanger"
, lallte der Mischling nach einer Weile, nicht ohne Stolz in der Stimme und einem roten Schimmern auf Wangen und Nase. Letztere glühte aber als Nachwirkung auf den Schnaps. Er zeigte auf sich.
"Hab ich gemacht! Und 'se kriegt ... dasch schönste Kind unter Ly...Lüschtan...Luschentors Sonne! Mhm!"
Kazel war auf die Gastfreundschaft der elf Elfen angesprungen. Er gab sich einmal den einfachen Freuden hin, folgte in die gesellige Runde, anstatt weiter nach Informationen zu suchen.

Janay konnte indes nur zusehen wie Kazel seine ersten Erfahrungen mit Alkohol machte. Fragend sah sie zu der Heilerin, weil sie beschlossen hatte, diese als Verbündete anzusehen, der sie vorläufig wirklich vertrauen wollte, trotz des Gestanks.
„Was ist jetzt? So etwas geschieht und ist nur natürlich.“
, meinte sie und merkte, dass sie das Bedürfnis hatte, sich dafür zu verteidigen. Nicht, weil sie ein Kind erwartete, sondern da sie dadurch nicht mehr unberührt war. Eigentlich lächerlich, vor allem bei ihrem Beruf, und dennoch wirkte es so, als würde die Runde es… nicht so gut aufnehmen. Oder kam ihr das nur so vor und sie deutete die Neugier falsch?
Anscheinend, denn nun kam Elorin, die hübsche Frau mit dem geflochtenen Kinnbart zu ihr und schaute unverhohlen auf ihren Bauch. Ihre Augen glänzten und sie flüsterte mehr für sich, als für die werdende Mutter bestimmt:
„... ein kleines Wunder...so selten und einzigartig, so schön und voller ...“
Sie brach ab und wischte sich eine Glücksträne aus dem Augenwinkel, betrachtete danach die Spur von glitzernder Feuchtigkeit auf ihrer Hand und lächelte selig. Dass sie vor Freude geweint hatte, schien sie noch mehr zu berühren und sie sah zu Janay auf.
„Entschuldige, ...wir sehen nicht häufig neues Leben.“
Was für eine seltsame Aussage. Damit stand sie wieder auf, holte sich ebenfalls einen Becher und prostete Janay zu:
„Auf dein Kind!“
Während Janay ihren Blick langsam durch die Runde gleiten ließ, in der ihr nach dem Trinkspruch einige Blicke zugewandt waren, bemerkte sie, dass sich der Kapuzenelf bewegt hatte. Kazel benahm sich wie zu erwarten in seinem beginnenden Rausch, also legte sie den Kopf schief und sah aufmerksam in Richtung Kapuze. Nur kurz wurde sie davon abgelenkt, als die Säuferin zurück kehrte und ihr ein anderes Getränk reichen wollte. Mit hochgezogener Braue nahm sie, nachdem vor ihren Augen gekostet worden war, den Becher entgegen.
„Und was ist das?“
, fragte sie, obwohl ihr Bedürfnis nach einem Schluck äußerst gering war.
„Schaft.“
, kam die nicht mehr ganz so nüchterne Antwort und kurz darauf schmiss der blinde Seher noch ein eher unwichtiges Detail in die Runde:
„Die Nacht wird kalt werden.“
Allerdings wurden kurz darauf Decken aus den Zelten geholt und auch Kazel und Janay bekamen jeder eine gereicht um sich warm einpacken zu können. Der Wind frischte bald darauf auf und brachte kalte klare Abendluft mit sich. Janay schnupperte an ihrem Getränk. Immerhin plädierte auch ihre Nase dafür, dass darin höchstwahrscheinlich kein Alkohol enthalten war. Nur… noch wollte sie nicht zu viel wagen. Stattdessen sah sie erneut zum Kapuzenelf hinüber.
„Warum verhüllst du dich?“
, wendete sie sich nun direkt an die Person. Ihr Interesse war nicht gespielt, einerseits, um einschätzen zu können, wie viel Gefahr von ihm ausgehen könnte. Und andererseits, weil sie Geheimniskrämerei immer schon gereizt hatte. Da war so jemand wirklich anziehend für sie!
Der Kopf der Kutte hob sich kaum merklich und wanderte ein Stück in ihre Richtung, doch noch immer sah sie nur dunkle Schatten, dort wo sein Gesicht sein sollte. Da er etwas weiter weg in der Runde gesessen hatte, stand er nun auf und bewegte sich auf sie zu. Es wirkte merkwürdig. Etwas stimmte in seinen Bewegungen nicht. Sie waren zu bewusst, zu gezielt und zu vorsichtig, als dass sie als selbstverständlich oder automatisch ihm anzusehen waren. Die Dunkelheit folgte ihm dafür um so natürlicher, als würden die flackernden Schatten seine zweite Natur sein und jeder Bewegung wurde von ihnen begleitet. Er setzte sich ungefähr eine Armeslänge entfernt von Janay zu ihr und schaute zu Boden, so dass sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Dafür erklang seine Stimme, doch sie hallte wie aus weiter Ferne zu ihr, als müsste sich jede Silbe erst für sie allein manifestieren.
„...weil... mein Antlitz ...die meisten entweder bestürzt oder aber verzaubert.“
Sein Kopf hatte sich nur ein winziges Stück zu ihr gedreht, aber was Janay vielleicht faszinieren konnte war die samtige Schwere in seiner Stimme. Sie klang alt und doch klar, rau wie Seide und tief wie die Drachenberge. Rauchig, wie zerfasernder Nebel, das beschrieb es ganz gut. Emetiel, der Koch, schob sich gerade einen weiteren seiner blauen Kristalle in die Wangentasche und murmelte:
„Heeeeehhhhhcccchhh... Der gute Ellashar hier, der hatte einen kleinen Unfall...“
Kutte sah zu ihm und grummelte leise, aber der Koch sprach ungerührt, aber jetzt deutlich grinsender weiter:
„Man könnte sagen, er ist meistens da, aber muss sich immer ganz schön zusammen halten.“
Kutte schüttelte langsam seine Kapuze und wandte sich wieder an Janay:
„Ich sehe, du trinkst nicht... Ich auch nicht.“
Er sah auf seine mit Handschuhen bekleideten Hände und sah in Richtung eines bestimmten Zeltes.
„Hast du schon mal Wasserpfeife geraucht?“
Er stand auf, sah sie kurz einladend an, wobei auch dies nur an seiner Haltung zu deuten war und „glitt“ wieder auf diese ganz bestimmte Art sich zu bewegen in Richtung Zelt. Ging Janay mit?
Wasserpfeife hörte sich auf jeden Fall harmloser an als Alkohol.

Kazel saß mit den Elfen am Lagerfeuer und seine Sinne begannen langsam seine Wahrnehmung zu ändern. Manche Details entgingen ihm einfach und andere wurden dafür um so interessanter. So auch zum Beispiel die Tatsache, dass es wirklich kühler geworden war, seit dem sie die Decken bekommen hatten, aber er fror nicht im geringsten. Die Nacht war herauf gezogen und ein paar Wolken schoben sich nun vor den Mond und vor die kleinen Kinder, die Sterne. Dann fielen sie plötzlich vom Himmel!
Sterne die vom Himmel fielen! Sie fielen auf sein Gesicht, seine Hände, wo sie schmolzen, aber auf der Decke blieben sie eine Weile liegen, wo er sie betrachten konnte. Kristalline Sterne, so rein und schön, dass nur der Himmel sie hatte schicken können. Das es nur Schnee war, das war hier nicht wichtig. Im Schein des Feuers brach sich das Licht in den Fassetten und tanzte im Rausch des Elfenschaps durch seine Sinne. Da klangen sanfte Töne an sein Ohr und er sah, wie Eldariel, der stumme Wissende, eine Klampfe zupfte, der Koch eine Flöte spielte und auch andere der Elfen sich zum musizieren zusammen gefunden hatten. Es wurde gesummt, auf Holzstämme geklopft und sich gewiegt. Auch die ehemals schlafende Wächterin Eilidiella war inzwischen dazu gekommen. Elbrennebell, die Zeltwächterin mit Doppelkinn, tanzte mit Ellinar, dem Seher, wobei ER führte und das mit einer Sicherheit, als könnte er sehen. Vielleicht wusste er auch nur, was geschehen würde, wenn er hier oder dort hin trat.
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(Hintergrundmusik)

Elorin hatte sich neben ihn gesetzt und stieß ihren Becher an seinen. Sie hob ihn an ihre Lippen und trank. Kazel war inzwischen auf den Geschmack gekommen und jeder Schluck schmeckte besser als der vorherige. Inzwischen wärmte der Trank ihn von ihnen und rollte dickflüssig durch seine Adern.
„Willst du tanzen?“
, fragte sie lächelnd. Sie war zwar nicht so überirdisch schön wie die müffelnde und grummelige Eri'una, dafür roch sie nach Zimt und Orangen und hatte die sanften braunen Augen eines Rehs. Sie war auf ihre eigene Weise hübsch. Selbst der kleine Bart war bei ihr nicht unansehnlich. Er war mit kleinen weißen Perlen durchwoben und hatte eine niedliche kleine Locke an Ende, die Kazels Finger lockten mit ihr zu spielen. Außerdem war Elorin ein freundliches Wesen. Sie zuckte mit den Füßen zum Takt der Musik und versprühte eine Lebensfreude, die er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Sie überwand sich, stand auf und hielt ihm etwas schüchtern lächelnd die Hand hin. Ging Kazel mit zum Tanz ...zum Tanz der fallenden Sterne?
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Kazel Tenebrée » Dienstag 31. Dezember 2019, 11:36

Janay blieb unabhängig. Sie wollte keinem dieser Elfen vertrauen, noch ihnen langfristig folgen. Das redete sie sich ein. Aber einem von ihnen war sie gefolgt und sehr erbost gewesen, dass er sie hatte zurücklassen wollen. Kazel gehörte zwar nicht zu der Truppe dieser verwirrt fröhlichen Runde, aber er gliederte sich durch sein Trinken immer mehr hinein. Andere betrunken zu sehen und zu erleben war ihm nicht fremd, aber die Wirkung des Schnapses hatte er dennoch unterschätzt und jetzt gab er sich ihr vollends hin. Es wärmte seinen Brustkorb, hinterließ ein bizarr angenehmes Brennen im Hals und vor allem machte es ihn leicht. Seine Gedanken drückten ihm nicht länger auf's Gemüt. Sie waren frei, schwebten umher und seine Zunge schloss sich an. Sofern Kazel Misstrauen besaß - ha! Natürlich besaß er es! - legte er jegliche Verteidigung und Vorsicht ab. Der Alkohol hatte ein neues Opfer gefunden, wenigstens für diese Nacht. Ob er es bereuen würde, ließe sich erst nach dem Kater sagen. Ohja, diese Erfahrung stand Kazel mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bevor, denn er hatte auf sehr nüchternem Magen getrunken. Und er aß erst jetzt.
Während er nun also den Eintopf in sich hinein schaufelte und gelegentlich nur noch einen Schluck vom Elfenschnaps hinterher schickte, lauschte er weiter Janays Raunen in seine Richtung. Es fiel ihm inzwischen immer schwerer, den Inhalt der Worte zu verarbeiten und er brauchte eine Weile dafür. "Ja, schie haben auch Sch...Schpitzohren .. aber schie hören nur ... Fremdworte. Hochelfen schprechen hoch, kein Ler ... Leer ... Lehrerum ... LERIUM! So. Haha!" Hatte Janay Kazel schon einmal herzlich lachen sehen? Er selbst vermutlich nicht, aber jetzt lachte er, fand irgendetwas sehr komisch und amüsierte sich darüber. Er schüttelte den Kopf, wurde seiner Schale wieder gewahr und löffelte weiter.
Allzu viel bekam er nicht mehr mit. So entging ihm auch gänzlich, dass man Janay von ihm fort führte. Kazel blieb mit dem Alkohol und einer geleerten Schale in den Händen zurück. Träge blickte er sich um.
"Wo kommt'n die Decke her?", wunderte er sich noch, genoss aber die Wärme und lächelte vor sich hin. Er zog den Stoff etwas enger um sich. Kazel hätte noch lange einfach so sitzenbleiben können. Stumm, warm ... bis die Müdigkeit ihn in den Schlaf zog und er mit Rücken- und Kopfschmerzen am Morgen irgendwo aufgewacht wäre. Er wollte sich dieser Erfahrung hingeben, aber man ließ ihn nicht. Verwirrt hob er den Blick. Das Meerblau seiner Iriden schwankte wie man es von der See kannte. Hoffentlich schwappte dieses schöne Blau in all seiner Trunkenheit nicht über. Dann werde ich blind..., raufte er seine Gedanken zusammen. Aber noch konnte er sehen und er schaute zu einer der Hochelfen auf. "Isch kann die Muschik schehen", nuschelte er. Seine Ohren zuckten ein wenig zu den Klängen, die er ganz unbewusst aufnahm. Sie fügten sich in seine Rauschkulisse ein, ebenso wie Elorin. Diese setzte sich nun einfach zu ihm und als sie mit Kazel prostete, verlor jener fast seinen Schnaps. "Vorschicht!", brummelte er und hielt den Becher nun mit beiden Händen fest. Der kostbare Schatz, der ihn in eine Empfindung fröhlicher Sorglosigkeit katapultiert hatte. Er grinste dümmlich auf. Wenigstens schaffte sein Hirn noch die Verknüpfung zu knüpfen, dass ein Becher Alkohol sicherer auf dem Boden als in seinen betrunkenen Händen war. Er stellte ihn dich an den Stamm, auf dem er saß. Dann schaute er ein wenig schief zu Elorin herüber.
"Hä?", fragte er. Es dauerte. Zeit verging. "Tantschen? Nää ... isch hab noch nie getantscht .... nä, dasch isch peinlich. Kann isch nischt." Verlegen grinste er, ohne die grundlegend dümmliche Trunkenheitsmimik loszuwerden. Dann rieb er sich mit der Hand durch das Gesicht. "Ouh, wasch ischt mit mir losch?" Ohne Nachzudenken, was die gereichte Hand an ihn bedeuten mochte, griff er danach und wackelte sich in einen unsicheren Stand. Tanzen könnte er so wohl nicht und wenn, dann nur sehr grobmotorisch. Der Alkohol hatte ihm jegliche Wendigkeit genommen. Er wiegte wie eine junge Erle im Wind sanft umher. Wenigstens fiel er nicht.
"Die Welt geht unter...", lächelte er Elorin an. Meinte er die fallenden Sterne, welche er sah oder sprach der Betrunkene nun doch ein Stückchen Wahrheit, angesichts des Eroberungszug seines Volkes?
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Janay » Mittwoch 8. Januar 2020, 11:17

Hätte sie sich in ihrem Inneren nicht so darüber geärgert, hätte sie sich wahrscheinlich ihre Gedanken darüber gemacht, warum Kazel derart schnell betrunken wurde. Doch sie musste sich vielmehr konzentrieren, um keine Fehler zu machen und Misstrauen zu wecken. Er tat dies ohnehin schon für sie beide in ausreichendem Maße, dass sie darauf am liebsten gar nicht mehr reagieren würde. Hoffentlich verdarb er nicht alles!
Hinzu kam, dass ihre erst vor kurzem begonnene Schwangerschaft zur Sprache kam und das auf eine Art und Weise, die sie nicht recht einordnen konnte. Nach ihrer Verteidigung kam eine der Fremden zu ihr, starrte regelrecht auf ihren Bauch, obwohl man daran bei weitem noch nichts erkennen konnte, sodass sich die junge Frau sehr zusammen reißen musste, um nicht instinktiv ihre Arme schützend davor zu halten.
Als sie die Worte mit Mühe hören konnte und die verräterische Träne der anderen bemerkte, hob sie fragend und irritiert die Augenbraue an. Verwirrt blinzelte sie, als die andere, dieses Mal in einer gewöhnlichen Lautstärke, fortfuhr und ihr auch zuprostete. „Ihr seid seit… was sagtet ihr, zwei Jahre? Ihr seid seit einiger Zeit unterwegs, mitten im Wald, da gibt es immer und überall doch neues Leben.“, erwiderte sie und begriff nicht die Rührung ihres Gegenübers.
Ja, auch für sie war es unerwartet gekommen und es war trotz der Umstände schön, ein Kind unter ihrem Herzen zu tragen. Allerdings hatte sie Angst davor, sich zu sehr darauf zu freuen, nachdem sie schon einmal hatte erleben müssen, dass dieser Zustand zu keinem schönen Ergebnis geführt hatte.
Doch selbst wenn, hätte sie wohl kaum deswegen geweint. Somit konnte sie erst recht nicht nachvollziehen, warum eine ihr fremde Person derart rührselig reagierte.
In dem Versuch, ein wenig Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, sah sie langsam von einem Elf zum nächsten, während der Mischling neben ihr immer betrunkener zu werden schien. Um dann einen neuen Becher anzunehmen und sich kurz damit zu beschäftigen. Immerhin, sie konnte nicht direkt Alkohol wahrnehmen, so ganz aber traute sie der Sache auch weiterhin nicht so wirklich.
Da kam ihr die Ablenkung nur recht, als der Blinde eine Anmerkung machte, nach der eigentlich niemand gefragt hatte. Nachdenklich sah sie in seine Richtung und merkte erst jetzt, dass die Luft tatsächlich schon sehr kühl geworden war. Das wärmende Fell hatte sie bei ihrem Warg gelassen und obwohl sie inzwischen für ihre Verhältnisse recht viel Kleidung trug, war diese nicht dazu angetan, sie ohne Hilfe erfolgreich eine Nacht lang zu wärmen.
Deswegen auch nahm sie die kurze Zeit später gebrachte Decke dankbar an und wickelte sich sofort darin ein. Zumindest in der Hinsicht lehnte sie die Gastfreundschaft nicht ab und empfand auch kein Misstrauen gegen die Gabe. Wäre der Saft in ihrem Becher warm gewesen, hätte sie dieses Gefühl wahrscheinlich auch rascher abgelegt, denn gegen die Kälte war sie zu einigen Methoden bereit. Derzeit reichte jedoch vorläufig allein die dicke Decke, die den aufgekommenen Wind bislang gut abhalten konnte.
Somit blieb ihr Getränk noch immer unberührt und sie suchte nach einer weiteren Ablenkung, die sie in dem Kapuzenelf fand. Er erweckte ihre Neugier, weil er sich derart erfolgreich verhüllte und das anscheinend ganz normal zu sein schien… oder die Gruppe sich schlichtweg damit abgefunden hatte.
Nun beobachtete sie ihn und war gespannt darauf, wie er auf ihre Worte reagieren würde. Im Prinzip rechnete sie mit Schweigen oder einer abwiegelnden Antwort, wenn nicht gar lediglich einem Schulterzucken oder ähnliches. Seine Reaktion allerdings hatte sie nicht erwartet.
Blinzelnd sah sie ihm entgegen, als er erhob und zu ihr kam. Unwillkürlich musste sie schlucken und spürte einen feinen Schauer ihren Rücken hinunter rieseln. Ihr Blick hing regelrecht an ihm, verfolgte jede noch so kleine Bewegung dieser Figur, die es schaffte, ihre Aufmerksamkeit mit derartigen Kleinigkeiten zu fesseln. So nahe war er ihr gekommen und dennoch konnte sie nicht unter den Stoff sehen, nichts von seinem Antlitz erkennen.
Und dann sprach er zu ihr und ihr war, als hülle seine Stimme sie wie in weiche Federn, unabhängig von der Bedeutung seiner Worte. Diese wäre ihr sogar beinahe entgangen, so sehr hing sie an seinen verborgenen Lippen. Wenn sein Aussehen auch nur im Mindestmaß an sein Timbre heran reichte, wäre sie ihm gewiss endgültig verfallen und könnte er sogar von ihr verlangen, ihren Begleiter zu vergessen.
Unwillkürlich biss sie sich auf die Unterlippe und musste gegen den Impuls ankämpfen, bei dieser Nähe selbst nach der Kapuze zu greifen und sie nach hinten zu schieben, um endlich heraus zu finden, wie diese Person aussah. Erst recht, als langsam bei ihr durchsickerte, was er eigentlich zu ihr gesagt hatte. Dieser Widerspruch sorgte nicht gerade dafür, dass sie weniger stark wissen wollte, wie er nun wirklich aussah.
Sie war schon kurz davor, seinen Willen zu übergehen und nach dem Stoff rund um seinen Kopf zu greifen, als sich der Koch einmischte und sie ein wenig aus dem Zauber seiner Anwesenheit riss. Blinzelnd sah sie zu ihm hin und begriff nicht, wie er so grinsen und derartige Worte sprechen konnte.
Was wollte er ihr damit sagen? Wieso mischte er sich überhaupt ein?! In ihrem Kopf arbeitete es heftig und sie begann, erneut an ihrer Unterlippe herum zu kauen.
Doch bevor sie zu einem Entschluss, ganz gleich welcher Art, hätte kommen können, sprach Ellashar wieder und brachte sie damit erneut völlig in seinen Bann. Beinahe schon verlegen sah sie zu ihrer Hand herab, die noch immer den Becher mit Saft hielt und eines der wenigen Körperteile war, die aus der Decke heraus lugten.
Abrupt hob sich ihr Blick wieder und obwohl es unsinnig war, suchte sie in dem Dunkel seiner Kapuze den seinen, fragend und verwundert. Bevor sie allerdings so weit gewesen wäre, eine Antwort auch nur zu überlegen, erhob er sich bereits und ging weg.
Mit leicht geöffnetem Mund und ohne sich dessen bewusst zu sein, stand sie ebenfalls auf. Nicht einmal die Kälte, als die Decke von ihren Schultern glitt, konnte sie aus seiner Aura heraus lösen. Wann und wie sie den Becher abstellte, vermochte die junge Frau nicht zu sagen, auf jeden Fall jedoch folgte sie ihm mit zwei freien Händen.
Janay war wie hypnotisiert und wollte mehr von diesem Mann wissen, ihn sprechen hören… und ihn endlich ganz sehen! So ließ sie Kazel zurück und folgte dem Fremden ins Zelt zu jener Wasserpfeife, unter der sie sich wenig vorstellen konnte. Seit wann war es möglich, Wasser zu rauchen? Es war nicht von Bedeutung, solange sie nur länger in der Nähe der Kapuze sein konnte.
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Freitag 10. Januar 2020, 15:29

"Ja, schie haben auch Sch...Schpitzohren .. aber schie hören nur ... Fremdworte. Hochelfen schprechen hoch, kein Ler ... Leer ... Lehrerum ... LERIUM! So. Haha!"
Na wenn er sich da mal nicht irrte. Seine doch nun deutlich erhobene Stimme war bestimmt vernommen worden, aber entweder waren die anderen auf die Musik konzentriert, saßen zu weit weg, oder es war ihnen vielleicht auch schlicht egal!
Aber das erstaunlichste war das Geräusch, was nach diesem so leicht dahin Gesagtem aus Kazels Kehle erklang. Hatte Janay Kazel schon einmal herzlich lachen sehen? Er selbst vermutlich nicht, aber jetzt lachte er, fand irgendetwas sehr komisch und amüsierte sich darüber. Rings um ihn herum sahen einige der Elfen zu ihm und lachten mit, oder lächelten zumindest. Er schüttelte den Kopf, wurde seiner Schale wieder gewahr und löffelte weiter. Allzu viel bekam er nicht mehr mit. So entging ihm auch gänzlich, dass man Janay von ihm fort führte.

Janays Blick hing regelrecht an dem Verhüllten, verfolgte jede noch so kleine Bewegung dieser Figur, die es schaffte, ihre Aufmerksamkeit mit derartigen Kleinigkeiten zu fesseln. So nahe war er ihr gekommen und dennoch konnte sie nicht unter den Stoff sehen, nichts von seinem Antlitz erkennen. Und dann sprach er zu ihr und ihr war, als hülle seine Stimme sie wie in weiche Federn, unabhängig von der Bedeutung seiner Worte. Diese wäre ihr sogar beinahe entgangen, so sehr hing sie an seinen verborgenen Lippen. Wenn sein Aussehen auch nur im Mindestmaß an sein Timbre heran reichte, wäre sie ihm gewiss endgültig verfallen und könnte er sogar von ihr verlangen, ihren Begleiter zu vergessen. Unwillkürlich biss sie sich auf die Unterlippe und musste gegen den Impuls ankämpfen, bei dieser Nähe selbst nach der Kapuze zu greifen und sie nach hinten zu schieben, um endlich heraus zu finden, wie diese Person aussah. Erst recht, als langsam bei ihr durchsickerte, was er eigentlich zu ihr gesagt hatte. Dieser Widerspruch sorgte nicht gerade dafür, dass sie weniger stark wissen wollte, wie er nun wirklich aussah.
„...weil... mein Antlitz ...die meisten entweder bestürzt oder aber verzaubert.“
Das waren seine Worte gewesen und sie hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Neugierde loderte hell in Janay. Der Koch gab dann noch zum Besten, dass Ellashar einen kleinen Unfall hatte. Also was war geschehen? Gab es hier zu dem geheimnisvollen Mann noch eine interessante Geschichte zu entdecken? Die Formulierung, dass er „meistens da war, aber sich immer ganz schön zusammen halten musste“, machte es gewiss nicht besser. Janay war gefesselt, oder am „Haken“ wie man sagen könnte, ohne das dies von der verhüllten Gestalt beabsichtigt gewesen wäre.
„Kutte“ schüttelte langsam seine Kapuze und wandte sich wieder an Janay:
„Ich sehe, du trinkst nicht... Ich auch nicht.“
Er sah auf seine mit Handschuhen bekleideten Hände und sah in Richtung eines bestimmten Zeltes.
„Hast du schon mal Wasserpfeife geraucht?“
Er stand auf, sah sie kurz einladend an, wobei auch dies nur an seiner Haltung zu deuten war und „glitt“ wieder auf diese ganz bestimmte Art sich zu bewegen in Richtung Zelt. In Janays Kopf arbeitete es heftig und sie begann, erneut an ihrer Unterlippe herum zu kauen. Mit leicht geöffnetem Mund und ohne sich dessen bewusst zu sein, stand sie ebenfalls auf. Nicht einmal die Kälte, als die Decke von ihren Schultern glitt, konnte sie aus seiner Aura heraus lösen. Wann und wie sie den Becher abstellte, vermochte die junge Frau nicht zu sagen, auf jeden Fall jedoch folgte sie ihm mit zwei freien Händen. Janay war wie hypnotisiert und wollte mehr von diesem Mann wissen, ihn sprechen hören… und ihn endlich ganz sehen! So ließ sie Kazel zurück und folgte dem Fremden in sein Zelt zu jener Wasserpfeife, unter der sie sich wenig vorstellen konnte. Seit wann war es möglich, Wasser zu rauchen? Es war nicht von Bedeutung, solange sie nur länger in der Nähe der Kapuze sein konnte.

Kazel blieb mit dem Alkohol und einer geleerten Schale in den Händen zurück. Träge blickte er sich um.
"Wo kommt'n die Decke her?"
, wunderte er sich noch, genoss aber die Wärme und lächelte vor sich hin. Er zog den Stoff etwas enger um sich. Kazel hätte noch lange einfach so sitzenbleiben können. Stumm, warm ... bis die Müdigkeit ihn in den Schlaf zog und er mit Rücken- und Kopfschmerzen am Morgen irgendwo aufgewacht wäre. Er wollte sich dieser Erfahrung hingeben, aber man ließ ihn nicht. Verwirrt hob er den Blick. Das Meerblau seiner Iriden schwankte wie man es von der See kannte.
"Isch kann die Muschik schehen"
, nuschelte er und irgendwo antwortete ein herzliches klingendes Lachen. Seine Ohren zuckten ein wenig zu den Klängen, die er ganz unbewusst aufnahm. Die Musik trug ihn sanft auf ihren Schwingen und entführte in in ein fernes Reich der sinnlichen und fröhlichen Vergnügungen. Die Klänge sangen von Freude, Freundschaft, Liebe und Harmonie. Die Lieder wechselten von sanften Balladen zu fröhlichen Reigen, zu denen man sich automatisch bewegte. Sie fügten sich in seine Rauschkulisse ein, ebenso wie Elorin. Diese setzte sich einfach zu ihm und als sie mit Kazel prostete, verlor jener fast seinen Schnaps.
"Vorschicht!"
, brummelte er und hielt den Becher nun mit beiden Händen fest. Der kostbare Schatz, der ihn in eine Empfindung fröhlicher Sorglosigkeit katapultiert hatte. Was war das Zeug doch für ein Segen! Er grinste dümmlich auf. Wenigstens schaffte sein Hirn noch die Verknüpfung zu knüpfen, dass ein Becher Alkohol sicherer auf dem Boden als in seinen betrunkenen Händen war. Er stellte ihn dicht an den Stamm, auf dem er saß. Dann schaute er ein wenig schief zu Elorin herüber.
"Hä?"
, fragte er. Es dauerte. Zeit verging.
"Tantschen? Nää ... isch hab noch nie getantscht .... nä, dasch isch peinlich. Kann isch nischt."
Verlegen grinste er, ohne die grundlegend dümmliche Trunkenheitsmimik loszuwerden. Dann rieb er sich mit der Hand durch das Gesicht.
"Ouh, wasch ischt mit mir losch?"
Ohne Nachzudenken, was die gereichte Hand an ihn bedeuten mochte, griff er danach und wackelte sich in einen unsicheren Stand. Tanzen könnte er so wohl nicht und wenn, dann nur sehr grobmotorisch. Der Alkohol hatte ihm jegliche Wendigkeit genommen. Er wiegte sich wie eine junge Erle im Wind sanft umher. Wenigstens fiel er nicht.
"Die Welt geht unter..."
, lächelte er Elorin an. Meinte er die fallenden Sterne, welche er sah oder sprach der Betrunkene nun doch ein Stückchen Wahrheit, angesichts des Eroberungszug seines Volkes?
„Das tut sie ganz sicher irgendwann, aber nicht heute.“
Elorin lachte und drehte sich im Kreis um ihn herum. Ihr mit den Augen zu folgen erforderte einiges an Konzentration und war leichter gesagt als getan. Sie griff nach seinen Händen und wiegte sich im Takt der Musik. Als sie schneller und lustiger wurde, zeigte sie ihm, wie er aufstampfen sollte, damit es so aussah wie bei dem nachthemdigen Holzfäller. Dieser torkelte mindestens genauso angetrunken um das große Lagerfeuer wie Kazel und bald tanzten sie zu dritt, schaukelten und lachten über ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Und was gab es schöneres als sich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen?!
„Dju bist rissschtig!“
nuschelte Elanor und wies mit seinem ausgestreckten Zeigefinger auf Kazels Nase ohne diese richtig fixieren zu können. Er grinste dabei leicht debiel von einem Ohr zum anderen. Ein neues Lied begann und er er wippte im Takt mit dem Kopf, oder versuchte es zumindest.
„Dumdidumdideldeideldumdidididdiddeldei, ist mir einerleileileilei ob mein Liedchen richtig heiheiheiheiheißt. Dumdidumdideldeideldumdidididdiddeldei, die Nacht ist jung und ich bin freifreifreieieieiei.“
Sein starker Arm umschloss Kazels Schultern und sie schunkelten trunken umher. Elorin war irgendwann an Kazels anderer Seite und er hatte nicht bemerkt, wie sie dahin gekommen war. Der Halt, den beide ihm boten, der wurde aber sicher dankbar angenommen und so hopsten sie taumelnd zu dritt durch die Gegend, drehten sich, wiegten sich und tanzten munter um die Flammen, während die anderen musizierten, lachten oder auch tanzten.

Währen dessen verschwand Janay mit „Kutte“ in seinem Zelt. Er hielt ihr die Plane auf und selbst als sie ganz nah an ihm vorbei ins Warme huschte, konnte sie kein Gesicht in den Schatten ausmachen. Das war zum verrückt werden und wie mit allen Rätseln so war, es lockte es sie sie zu lösen. Doch erst einmal bestaunte sie das deutlich geräumigere Zelt, als es von außen angemutet hatte. Es gab sogar einen abgeteilten Schlafbereich.
Ob sie noch in der gleichen Dimension war wie die anderen da draußen?
Sie hörte noch die leichte Musik, die sanften Klänge und den Gesang von draußen, der sie begleitete und den Weg hinaus wies, so sie denn wollte. Doch hier drinnen war es so viel schöner. Vor allem anderen war es mollig warm, so dass sie nicht im geringsten ihr Fell vermisste. Janays Blick fiel sofort auf das Zentrum des Raumes. In der Mitte des Zeltes war auf edlen dunklen Teppichen und Kissen in allen möglichen Farben ein Tischlein aufgebaut auf dem eine seltsame Apparatur stand, von der ein Schlauch herab hing. Der bauchige Unterbau aus schwarzem Glas war mit feinen Ornamenten verziert und ein langer schlanker silberner Hals führte zu einem kleinen Teller über dem eine Öffnung saß. Am Ende des langen Schlauches befand sich ein ebenfalls verzierter Griff und ein kleines Mundstück, wie man es bei einer Pfeife erwarten würde. Die Pfeife an sich war ein Kunstwerk zu nennen! Der Glasbläser hatte es geschafft, die schwarzen Schlieren so aussehen zu lassen, als ob sie mitten in der Bewegung Rauch eingefangen worden wäre. Nachdem sich Janay von dem Anblick los reißen konnte und die Bewegung neben sich wieder wahrnahm, drang auch der schwere aber durchaus angenehme aber undefinierbare Geruch in ihre Sinne. Ellashar bot ihr mit einer langsamen und eleganten Handbewegung eines der Sitzkissen an und entfernte sich dann zu einer kleinen Truhe aus der er einen Beutel holte. Während er das tat, sprach er langsam und besonnen zu ihr und der Klang seiner mystisch entfernten Stimme lullte sie ein:
„Vor vielen Leben verlor ich meine Gestalt, so wie sie einst war. Ich war ein Anderer in diesen Zeiten...“
Er drehte sich um und begann die Wasserpfeife vorzubereiten. Das ganze wirkte wie eine ritualisierte Zeremonie, wie ein Zauber, wie Magie. Jede Bewegung war einstudiert und perfekt ausbalanciert. Es war wie ein Tanz der kleinen Dinge.
„Ich war der Schattenmagie mächtig und nun ist sie meiner mächtig. Ich bin das was sie mir gibt und was andere sehen wollen. Einst war ich ihr Herr, heute ist sie es die mir Form gibt. Ich bin das Bild was sie zeichnet, die Phantasie die sie in sich trägt.“
Er sah auf und direkt in Janays Richtung. Trotzdem war es nur Schwärze die sie ansah.
„Mit der Zeit habe ich gelernt, wie ich für ein paar Stunden zurück in dieser Welt sein kann. Und wenn du möchtest, kannst du mir dabei helfen.“
Seine Stimme klang als würde er lächeln, auch wenn sie es nicht sehen konnte.
„Der Odem deines Geistes gibt mir Gestalt. Du wirkst den Zauber durch mich.“
Er baute sich vor ihr auf, hielt den Schlauch in die Dunkelheit seines Gesichtes, zog an der Pfeife und ein leises Blubbern erklang aus dem Bauch des Glases. Ellashar atmete den Rauch aus und er strömte in seichten Spiralen um Janays Körper. Dann reichte er ihr das Mundstück. Während er seine Handschuhe auszog und die Schnallen seiner Kutte löste sprach er leise:
„Zieh... Einatmen... denk, an das was du erwartest.“
Janay hätte auch ohne seine Aufforderung eingeatmet, denn als er seine Kutte abstreifte kam darunter tatsächlich nur Dunkelheit zum Vorschein. Genauer betrachtet war es schon gerade noch so eine humanoide Gestalt die sich da aus Schatten formte. Vor lauter Erstaunen hatte sie ganz automatisch am Mundstück gezogen und den süßlich leichten Rauch tief eingeatmet. Es war als schaue man ins Nichts und es strengte die Augen an. Hatte sie vor Anspannung kurz die Luft angehalten? Falls ja, forderte seine nahe Stimme im Rauch um sie her sie sanft auf:
„...und nun ausatmen...“
Mit Janays Odem kam auch der schwere dichte Rauch über ihre Lippen und plötzlich beugte sich Ellashars Schatten nach vorne, berührte fast ihren weichen Mund, trank ihn von ihren Lippen und vermischte sich mit dem, den er gegeben hatte. Er sank zurück, beide Schleierwolken verbanden sich und verdichteten sich zusehends. Aus der Dunkelheit formte sich ein Körper. Hier und da tauchte Haut aus den Schattenschlieren auf und verschwand wieder, wenn sie nicht Janays Vorstellungen zusagte. Es dauerte einen Moment der Ewigkeit bis aus den Schatten, der Mann heraus nach ihrer Hand griff in der sie das Mundstück hielt, den sie einst als junge Frau in ihren Träumen sich herbei gewünscht hatte.
Hatte nicht jedes Mädchen, jeder heranwachsende junge Frau eine Vorstellung von dem perfekten Mann? Der perfekte Freund, selbst wenn er nur imaginär war? Ellashar war all das, was sie sie wünschte, was sie hatte sehen wollen, wovon sie geträumt hatte. Die Schatten umwoben seine Gestalt gerade so weit, dass er nicht ganz nackt vor ihr saß, als sein Körper sich manifestiert hatte. Er schaute auf seine Hand, lächelte und hob die Pfeife an seine perfekten Lippen, zog daran und gab sich den letzten „Schliff“. Der Mann ihrer Träume brachte seinen eigen Willen mit dem nächsten Atemzug zur Vervollkommnung des Bildes hinzu. Sein Gesicht wurde noch etwas härter, als würde er der Gestalt Jahre der Reife hinzufügen, seine Augen gewannen an Tiefe und glommen in allen Farben froh über ihre Realität, bis sie sich für eine Farbe entschieden hatten, die Janay gefiel. Ein kleines Schmunzeln lag auf seinen Lippen als er nach der Kutte um seine Beine griff und sie über den unteren Teil seines Körpers zog. Seine Stimme klang nun viel realer und näher, aber immernoch sphärisch als er das eine Wort hinaus hauchte:
„Danke.“
Janay konnte kaum wegsehen und bemerkte nur am Rande, dass der Rauch seine ganz eigene Wirkung auf sie hatte. Alles war ein bisschen leichter, ein bisschen weniger wichtig, ein bisschen schöner und ein bisschen bunter. Der Rauch suggerierte ihr auf einer sanften Woge Glück zu sitzen, auch wenn es nur ein weiches Kissen war. Er suggerierte ihr umhüllt von Geborgenheit zu sein, auch wenn es nur die Wärme ihrer Umgebung war. Sie verspürte einen leichten Hunger, mehr ein Appetit auf etwas süßes und prompt wurde ihr dieser Wunsch ohne ein Wort von ihrem Traummann erfüllt in dem er eine Schale heran zog in der schokierte Früchte lagen und damit schmunzelnd ihren offen stehen Mund fütterte.

(Bitte den Mann beschreiben, Janay.)

Kazel tanzte derweil umgeben von Elfen im Schein des Feuers und die Nacht schritt unauffällig voran. Leichtigkeit und Frohsinn rannen durch seine Adern wie der süße Trank des Lebens. Er sah Dinge, die kaum real sein konnten und doch war er für diese Nacht Teil der Gemeinschaft. Er beobachtete wie die Wächterin, die sie zuvor schlafen auf dem Hinweg gesehen hatten, ihren Pfeilköcher mit Pfeilen bestückte in dem immer nur drei Pfeile steckten. Jeder weitere den sie hinein tat vermehrte nicht die Anzahl und jeden den sie hinaus nahm, der war schlicht ...perfekt, was ihn vielleicht noch kurz wunderte. Dann sah er Elorins Bart von seinen Augen im Takt der Musik schwingen und fühlte sich in einen Traum versetzt.

(Hintergrundmusik – Uralte Gesänge vom Anbeginn des Lebens)

Es war ein bisschen wie fliegen, als er in ihren Augen die Länder und Landschaften sich wieder spiegeln sah, die sie bereist hatten, die sie gesehen hatten.
Berge mit eisigen Ebenen, wechselten mit dichten Wäldern und tiefen Tälern, das erwachen des Lebens in der Natur, Wasserfälle so tief und so hoch, dass sie aus dem Himmel zu fallen schienen, gefolgt von endlosen wüsten Weiten und kargen Einöden, nimmer endendem Sand der sich wie Wellen eines Meeres an hatte Felsen schmiegte, tanzende Winde, die das Land formten, und Lichter die den nächtlichen Himmel bunt malten. Eine … seine ganze Welt tauchte vor seinem inneren Auge auf, bereit von ihm entdeckt zu werden.
Elorins Stimme flüsterte leise an seinem Ohr:
„Wo fliegst du hin Sturmadler... wo sind deine Ziele...“
Waren es die kargen Landschaften seiner Kindheit, die ihn zu sich riefen, oder die unbekannte Ferne? Er fühlte Elorins Finger auf seiner Haut im Nacken, wo sie ihn hielt, wo sie sich hielt um nicht im Strudel der Eindrücke unter zu gehen.
„Was trägst du unter der Haut, das an die Oberfläche will? Welches Zeichen soll ich dir geben? Zeige es mir... zeige es mir...“
Ihr Flüstern war wie eine Beschwörungsformel. War er noch am Feuer? Nein... er war in einem der Zelte und sie saß über ihm, oder er lag quer vor ihr? Sie malte etwas auf die Haut seiner Brust, oder lockte sie etwas aus seiner Haut hervor? Und warum trug er eigentlich ein Nachthemd? War das wichtig? Eine Schwere machte sich in Kazel dem Sturmadler breit, die schwerer war als jedes ferne Schicksal es ihm auferlegen könnte. Es war die Schwere all seiner unbewussten Gedanken, die dem Bild auf seiner Haut seine Formen gaben, ihn zeichneten... und mehr.
Kazel glitt hinüber in einen Traum, der vielleicht einen Teil seiner Vergangenheit und seiner Zukunft sein könnte...

(Traum bitte selbst beschreiben, ich guck dann, was ich davon benutzen kann, Kazel.)
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Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Kazel Tenebrée » Donnerstag 16. Januar 2020, 10:50

Wenn man Kazel so sah, konnte man sich fragen, wie es ihm gelungen war, so lange außerhalb Morgerias zu überleben. Für dunkelelfische Verhältnisse war er noch immer ein sehr junger Elf, fast noch ein Kind. Und er schien sowohl erste Kontakte mit Alkohol als auch mit anderen Elfen zu machen.
Wer sich aber näher mit ihm beschäftigte oder seinen Hintergrund kannte, der wusste, dass er noch keine Gelegenheit im Leben hatte, viele soziale Kontakte zu pflegen. Jene wenigen waren ihm immer wieder binnen kürzester Zeit genommen worden. Entweder hatte man sie ihm entrissen, indem man ihn wie einen Spielball in neue Situatioen geworfen hatte oder aber es war sein Verschulden, wie damals bei Shantih oder Landria Sinal, die er beide auf dem Gewissen hatte. Ein junges Gewissen, das sich außerhalb Morgerias immer in der Wildnis aufgehalten hatte, über Jahre hinweg. Fernab der Gesellschaft, aber nah genug, um einzelne Reisende zu überfallen und von ihrer Beute zu leben. Kazel war ein Kind, jung und noch immer irgendwo viel zu unschuldig für alles, was die Welt zu bieten hatte. Weltfremd in Bezug zu gewissen Dingen, die andere für selbstverständlich hielten, beispielsweise Alkohol.
Oh, wie betrunken er war! Morgen würde er das noch bereuen! Heute aber er hampelte er ungelenk und im schwankenden Rhythmus einer Erle im Wind umher und glaubte dabei, den besten Tanz seines Lebens haben. Er ließ sich von ... wie hieß die Elfe mit dem Ringelbart noch gleich? Es war ihm egal. Sie führte ihn. Sie verführte ihn und er hing an ihrem bärtigen Haken. Mit einem dümmlichen Grinsen wiegte Kazel sich in Takt, der nur in seinem Kopf existierte. Zur Musik der Hochelfen passte es nicht.

Musik-Untermalung: GRIS - In your hands

Und dann war da dieses Klingeln. Es lockte ihn wie ein Glöckchen eine spielerische Katze. Mit zuckenden Spitzohren reagierte Kazel sofort darauf. Er neigte den Kopf, verharrte einen Moment in seinem "Tanz" und sah in die Ferne. Die tanzenden und feiernden Elfen waren vergessen. Was hörte er dort? Was sah er? Die Umgebung veränderte sich. Erstmals glaubte der Mischling, die waren Eigenschaften seiner veränderten Adleraugen nutzen zu können. Die Mehrzahl an Zapfen, die seinen Augen zugefügt worden waren, sorgten nicht nur dafür, dass er Farben glasklar und intensiver wahrnahm, er konnte mit der überdimensionierten Sehschärfe im Grunde auch siebenfach weiter sehen als ein Mensch. So lenkte er den Blick nach oben. Wenn isch jetschzt flieeeeeschen könnte..., dümpelte der Gedanke in seinem Kopf umher. Kazel senkte die Lider, begann erneut sich zu wiegen und summte sogar leise. Tatsächlich strömten Bilder an ihm vorbei. Träumte er oder sah er sie gerade wirklich?
Er schaute an seinen Armen entlang. Die winzigen Härchen dort sprossen, wuchsen und bekamen Federn. Dennoch wirkte alles weich wie schwarzseidiges Fell, das zu seinen Haaren passte. Er lächelte. Er verwandelte sich nun wohl wirklich in eine Bestie. Nää, isch werd zum Vogel. Sch...Schturmadlär. Genau! Isch fliesche! Schon begann er sanft mit den Armen zu rudern. Er spürte die Klänge der Musik. Sie fühlten sich weich an, kitzelten seine Unterarme und streiften die Haut. Sie bauschten seine schwarzen Fellfedern auf. Kazel ging etwas in die Knie, ehe er sie und seinen Rücken durchstreckte. Und dann hob er ab. Mit auslandenden Flügelschlägen stob er in den Himmel empor. Der Wind rauschte an seinen Ohren vorbei, wehte ihm die Strähnen aus dem Gesicht und hinterließ eine angenehme Frische. Es beflügelte ihn zusätzlich.
Dass er tatsächlich gerade nur von zwei weiteren, betrunkenen Elfen an den Schultern gehalten und halb durch den Wald geschleift und getänzelt wurde, bekam er nicht mit. Vor ihm erstreckte sich ein Anblick, schöner noch als alles, was er bisher gesehen hatte. Er flog. Er durchbrauste den Himmel, stob durch Wolken, fühlte die Freiheit des Fluges und sah unter sich Celcia. Der Neldoreth mit seiner Ansammlung von Baumkronen, von denen selbst im Winter nicht alle vollkommen kahl waren. Dann eine weite, vom Schnee weiß gefärbte Fläche. Das war die Stille Ebene. Sie machte ihrem Namen alle Ehre. Kazel konnte den Schnee leise Knistern hören. Er verschluckte Schritte und hinterließ unberührte Unschuld.
Sein Blick wanderte weiter. Er sah die Berge. Das zackige Drachengebirge, das er vor Jahren überwunden hatte. Kazel erinnerte sich nicht mehr, wie es ihm gelungen war. Aber es weckte Abenteuerlust in ihm. Mit zwei wilden Flügelschlägen umkreiste er eine Bergspitze, stürzte nieder und striff mit den Flügelspitzen die majestätisch geschwungenen Hörner eines Bergwidders. Er hörte ein Kreischen wie damals von den Drachen. Auch in dieser Vergangenheit war er nur ein Spielball gewesen, hatte aber das Schauspiel der Kristallträger erlebt, die Celcia nicht nur gerettet, sondern auch die Drachen in die Welt zurückgebracht hatten. Mit dem Blick suchte er den Himmel nach ihnen ab. Er wollte kein Drache sein, aber er wollte mit ihnen fliegen. Wie unsagbar frei diese riesigen, geschuppten Bestien sein mussten. Niemand stellte sich ihnen in den Weg. Sie konnten alles erreichen, sich jeder noch so düsteren Vergangenheit stellen.
Ob Kazel von hier oben aus auch bis nach Morgeria sehen konnte. Bis nach zu Hause? Ein Blinzeln nur, dann erkannte er es als schwarze Stadt inmitten einer graubraunen und ockergelben Ödnis. Die Tote Ebene hatte sich nicht verändert. In der Ferne erkannte er Morgeria als düsteren Flecken, mit den schwarzen Zinnen des Palastes. Mit finsteren Mauern und noch finsteren Einwohnern, in denen entweder keines oder aber ein grausames Herz schlug. Ob seine Familie noch lebte? Jene, die er zurückgelassen hatte? Jene, vor denen er geflohen war? Wenn sie ihn jetzt sehen könnten! Er flog. Er kreist über allem und er konnte alles sehen. Morgeria. Dunkler Fleck in meinem Herzen. Er flog einfach darüber hinweg, zog eine weitere Kreisbahn und dann erkannte er, dass es nicht länger der Käfig war, in dem man ihn als kleinen Sturmadler gefangen hielt. Es war die Beute. Er hatte Krallen entwickelt, einen scharfen Schnabel und größere Schwingen als alle Dunkelelfen zusammen. Er besaß die Freiheit eines Drachen unter seinen Flügeln. Er trug sie auf der Haut und sie lag wie Balsam auf den Narben, die man ihm zugefügt hatte. Freiheit. Er war frei. Er war ein Sturmadler. Und er stürzte sich sich in Gedanken tief hinab auf die Stadt.
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