Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Diese große Graslandschaft liegt im Herzen des östlichen Teiles Celcias. Bei einem Unwetter verwandelt sich diese schöne Ebene in ein sehr gefährliches Gebiet, da es kaum Schutz bietet. Der große Fluss Ilfar teilt die Ebene in zwei Hälften.
Benutzeravatar
Janay
Moderator
Moderator
Beiträge: 679
Registriert: Montag 7. Juli 2008, 23:38
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Stille Ebene
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelfe
Sprachen: Celcianisch, Lerium, Nimuk(rudimentär)
Beruf: Freudenmädchen
Fähigkeiten: Verführung
Lebensenergie:
Geld: 0D, 0L,
Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib, einen Dolch
Tierische Begleiter: keine

Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Janay » Samstag 18. Januar 2020, 06:50

Die junge Frau bezweifelte, dass dieses Getränk ihrem Begleiter sonderlich gut tat. Er war viel zu rasch betrunken davon und zeigte es auch noch hemmungslos. Dabei war er so ganz anders, als sie ihn bisher erleben konnte, dass er sie damit regelrecht irritierte. Vielleicht war sie trotz ihres forschen Vorgehens auch etwas zu angespannt, um sich darüber zu freuen, dass Kazel einmal herzhaft und ehrlich lachte. Stattdessen begann sie sich sogar ein wenig über seine lose Zunge zu ärgern, weil sie ihnen noch viele Probleme würde bereiten können.
Deswegen bemühte sie sich darum, die Aufmerksamkeit der ebenfalls hauptsächlich betrunkenen Anwesenden auf sich zu lenken und weg von dem Mischling. Die Frage war nur, wie lange das gut gehen würde! Zumindest für sie nicht lange genug, denn wenige Minuten später hatte sie ihren Plan schon wieder so gut wie ganz vergessen.
Da war jene verhüllte Gestalt unter der Kapuze, die ihr Interesse geweckt hatte und sie mit jedem weiteren Moment mehr faszinierte. Alles um sie herum wurde unbedeutend und beinahe erging es ihr so wie Kazel. Nur mit dem Unterschied, dass sie nicht betrunken war und laut herum posaunte. Doch hätte dieser Elf sie nach irgendetwas gefragt, hätte sie wahrscheinlich nicht gezögert, ihm ihre gesamte Lebensgeschichte anzuvertrauen.
Soweit kam es anfangs allerdings nicht, denn vielmehr lud er sie dazu ein, ihm zu folgen. Etwas, das sie sich nicht zweimal sagen ließ. Zwar hatte sie womöglich noch andere Hintergedanken, wenn sie mit einem Mann allein in einem Zelt wäre, dafür jedoch hätte sie auch klar genug im Kopf noch sein müssen. Was sie nicht länger war, da sich all ihre Gedanken nur noch um diese geheimnisvolle Gestalt zu drehen schienen.
Mit fast schon andächtigem Blick folgte sie ihm und ließ sogar den Mischling allein zurück, ganz gleich, ob er in seinem Rausch weitere Informationen über sie preisgeben würde oder nicht. Wie lang der Weg zu dem Zelt war, wusste sie im Nachhinein nicht mehr zu sagen, ebenso wenig über seine Beschaffenheit und ob sie zu einem anderen Zeitpunkt das selbe Ziel wieder finden könnte. Aber als sie entrat, umfing sie wohlige Wärme und der Frust darüber, dass sie nicht einmal bei großer Nähe etwas unter der Kapuze erkennen konnte.
Trotz seiner Anziehungskraft besaß sie auch weiterhin eine gewisse Neugier, um sich in dem Zelt umzusehen und nicht ständig zu ihm zu starren. Es wirkte riesig und geräumig, beinhaltete tatsächlich einen abgetrennten Bereich, der wahrscheinlich zum Schlafen gedacht war… oder für ungestörte Dienste, wie sie es in ihrem Beruf angeboten hatte. Ob sie auch zu diesem Thema kommen würden? Janay wusste es nicht und ihr fehlte die Konzentration, um sich damit länger als flüchtig zu befassen.
Hinzu kam jenes seltsame Gerät in der Mitte des vorderen Raumes, das wohl etwas mit diesem Wasser rauchen zu tun haben würde. Den Kopf ein wenig schief gelegt und blinzelnd trat sie näher, wagte es jedoch nicht, es anzugreifen. Noch nie hatte sie so etwas gesehen oder überhaupt davon gehört. Dadurch konnte sie auch mögliche Folgen gar nicht einschätzen. Anstatt allerdings misstrauisch zu sein, klopfte ihr Herz lediglich ein wenig schneller und sie wartete darauf, was der Verhüllte als nächstes tun würde, um ihm folgen zu können.
So zögerte sie keinen Moment, als sie wahrnahm, dass er ihr einen Sitzplatz anbot. Eine Spur weit ungelenk, nachdem sie sich so lange draußen in der Kälte aufgehalten hatte, ließ sie sich auf dem weichen Kissen nieder. Neugierig beobachtete sie ihn in seinem Tun und kümmerte sich nicht darum, dass ihre eigene Position noch nicht die ideale war. Diese müsste sie erst finden, sofern sie sich von seinem vermummten Anblick endlich einmal losreißen könnte. Doch bis dahin war sie viel zu gefesselt von ihm.
Mit leicht geöffnetem Mund, schon ein wenig glasigen Augen und leise hörbarem Atmen sah und hörte sie ihm zu, ohne den Sinn seiner Erzählung wirklich begreifen zu können. Sie ließ sich viel lieber von seinem Timbre einlullen und die Gedanken durch ihren Kopf schwirren, als wären sie nichts weiter als Nebelschleier wie jene, die dem Geruch in diesem Zelt etwas ganz eigenes gaben. Außer einem Satz, der in ihr nachhallte, als hätte er eine Saite in ihr zum Schwingen gebracht.
Bislang hatte Janay ihr Leben größtenteils ohne Magie bestritten, da sie selbst in nichts in dieser Richtung ausgebildet worden war. Oder zumindest den Anfang dessen hätte meistern müssen. Ob tatsächlich etwas in ihr schlummerte, wusste sie nicht einmal und es hatte sie bislang auch nicht wirklich interessiert. Nun indes fühlte sie sich geschmeichelt, dass sie ihm seine Gestalt würde schenken können, wie das feine Lächeln auf ihren Lippen zeigte.
Wie, das zeigte er ihr mehr oder weniger, indem er ihr vorführte, was sie mit der Pfeife tun sollte. Mit schneller klopfendem Herzen und einem leisen Rauschen ihres Blutes in den Ohren nahm sie das Ding entgegen und führte es langsam zu ihrem Mund. Dabei wandte sie den Blick nicht von ihm ab und hatte gerade damit begonnen, ihre Lippen zu schließen, als er die Kutte abstreifte.
Die absolute Schwärze, die darunter zum Vorschein kam, sorgte dafür, dass sie die Augen aufriss… und kräftig einatmete. Hustend riss sie das Mundstück heraus und musste sich erst einmal kräftig aushusten, ehe sie tatsächlich wieder so etwas wie Luft zu bekommen glaubte. Umgeben von einer dichten, hartnäckigen Schwade blinzelte sie und rieb sich sogar die leicht brennenden Augen. Gleichzeitig fühlte sie sich merkwürdig schwindelig und so, als könne sie schweben und spürte keinen Boden mehr unter sich.
Es dauerte, bis sie glaubte, dass es wieder besser wurde, als sie blinzelnd zu ihrem Gegenüber sah… und beinahe umgefallen wäre. Nichts war von der Kutte oder der unendlichen Schwärze geblieben. Nein, stattdessen befand sich ihr jemand gegenüber, wie er nur einem ihrer Träume hatte entspringen können. Natürlich hatte auch sie so etwas gehabt, immer wieder, unabhängig davon, wie klar die Realität und ihr Beruf gewesen waren. Und nun… nun war er leibhaftig vor ihr!
Mit vor Staunen offenem Mund starrte sie ihn an und besah ihn sich langsam von Kopf bis Fuß, als könne sie nicht glauben, dass er für sie so vollkommen ohne Makel war. Seine Gestalt war lang gestreckt, ohne überlang zu wirken, gleichzeitig zeichneten sich seine Muskeln gut erkennbar unter der glatten, bronzenen, haarlosen Haut ab, so, wie sie harte Arbeit und aufgebaute Kraft schufen. Die Beine konnte sie nicht vollständig erkennen, da er saß, aber etwas in ihrem Inneren sagte ihr, dass sie genauso passen würden wie der Rest. Und dann erst das Zeichen seiner Männlichkeit…
Während ihr die Röte in die Wangen schoss, biss sie sich beinahe schon bedauernd auf die Unterlippe, als er seine Blöße so rasch bedeckte. Notgedrungen musste sie ihn anderswo ansehen, auch wenn sie es kaum wagte, um nicht wieder die Fähigkeit zu atmen zu verlieren. Aber schließlich tat sie es doch und wäre wirklich beinahe umgefallen. Da war es, das perfekte Haupt!
Schwarzes, glänzendes Haar, das bis zu den Schultern herabfloss und sich ein wenig wellte. Es umrahmte ein kantiges, wenngleich nicht wuchtiges Gesicht, dessen Kieferpartie von einem leichten Bartschatten betont wurde. Die Nase war gerade und passte perfekt in die Proportionen, ebenso wie die Lippen, die sie nur zu gerne geküsst hätte. Am Faszinierendsten waren jedoch seine Augen, die sie erst als letztes anzusehen wagte. Das eine war von einem betörenden Blau mit grauen Sprenkeln, beinahe ähnelte es jenem von Kazel. Das andere hingegen… war von einem hellen und dennoch satten Grün, als hätte die Natur sich zwischen diesen beiden Farben nicht entscheiden können.
Während sie ihn noch staunend betrachtete und den Blick von seinen Augen kaum mehr lösen konnte, schien ihr Körper andere Bedürfnisse zu verspüren. Ungefragt zauberte er eine gefüllte Schale herbei und reichte ihr etwas zu essen. Ohne hinzusehen, in dem blinden Vertrauen, das er durch seine Aura in ihr geschaffen hatte, öffnete sie den Mund, um sich von ihm füttern zu lassen.
Als sie seine Finger an ihren Lippen spürte, konnte sie nicht anders, als diese darum zu schließen, als wolle sie ihn kosten. Was wohl besser schmecken würde? Janay wusste es nicht, aber irgendwie wollte sie, dass er es wäre. Dass sie auf die Nascherei verzichten und sich viel lieber ihm widmen könnte.
Bild

Benutzeravatar
Erzähler
Nicht-Spieler-Charakter
Nicht-Spieler-Charakter
Beiträge: 4298
Registriert: Montag 4. Januar 2010, 20:11
Lebensenergie:

Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Erzähler » Samstag 18. Januar 2020, 09:36

Bis nach zu Hause...
Kazels Traum hatte wunderschöne Formen angenommen und er war weit geflogen. Seine schwarzen Flügel trugen ihn sicher über die Drachenberge und zurück in die ferne Heimat.
Ein Blinzeln nur, dann erkannte er die schwarze Stadt inmitten einer graubraunen und ockergelben Ödnis. Die Tote Ebene hatte sich nicht verändert, das würde sie nie. In der Ferne erkannte er Morgeria als düsteren Flecken, mit den schwarzen Zinnen des Palastes. Mit seinen finsteren Mauern und noch finsteren Einwohnern, war Morgeria ein einmaliger Anblick.
Ob seine Familie noch lebte? Jene, die er zurückgelassen hatte? Jene, vor denen er geflohen war? Wenn sie ihn jetzt sehen könnten! Er flog. Er kreist über allem und er konnte alles sehen.
Morgeria. Dunkler Fleck in meinem Herzen.
Es war ein Sichelmond auf einer schwarzen Scheibe, der dort unten silbern schimmerte und seinen Blick nun magisch anzog... sein Familienwappen. Flatternd zappelte die Fahne im Wind und bot seinen Klauen kaum Widerstand, als sie sie durchschnitten und weißlich schimmernden Narben hinterließen. Unter ihm lagen die Dächer des Anwesens der Tenebrées, jene Mauern die er so verabscheute, vor denen er geflohen war, in denen er so viel Schmerz ertragen hatte. Sein Blick glitt hinüber auf seine schwarze Schwinge, wo sein Unterarm sein sollte und dort sah er das Gewitter der Narben, als er versucht hatte sich ihr Zeichen zu entfernen. Es waren noch da, genauso wie jene Narben die von Mutters Hand seinen Rücken zeichneten. Auf seinen schwarzem Federkleid war das Zeichen grau wie seine Seele, stets unentschlossen wohin er gehörte, aber hier sah er nun seine Wurzeln. Wurzeln die ihn immernoch quälten... die ihn geformt hatten.
Kazel glitt lautlos durch die Luft und schwebte an ein Fenster heran. Er veränderte den Winkel der Schwungfedern und landete auf dem Fenstersims. Hinter dem Glas schimmerte das Licht einer Kerze. Er sah durch das Fenster und erblickte eine Gestalt. Sie, die Frau die nicht seine Mutter sein konnte, denn er hatte ihre Kehle durchtrennt, sie saß aber an ihrem Schreibtisch. Ihr Haar war kunstvoll hoch gesteckt und reich mit Schmuck beladen. Der Morgenmantel, den sie trug, auch jener gehörte einst seiner Mutter. Sie saß mit dem Rücken zum Fenster und Kazel konnte ihr Gesicht nicht sehen. Sein Schnabel stieß gegen das Glas und die Frau ruckte erschrocken herum.
Starle...
, schoss es ihm durchs Gehirn. Es war seine Amme, die die Idee hatte, dass Kazel seinen Vater Jerlyn als Beweis seiner Familientreue töten sollte! Sie trug den Schmuck seiner Mutter, schlief in ihrem Zimmer. Kazels Ohr begann zu jucken und er rieb den gefiederten Kopf an seiner Schulter, dort wo sein Ohrring sein sollte, den er in der Nacht mitgenommen hatte, als er Preia ermordet hatte.
So viele Zeit war ins Land gezogen und da saß sie. Starle, seine Amme, die nun den Platz seiner Mutter eingenommen hatte. Das Geräusch seines scharfen Schnabels auf Glas hatte sie aufgeschreckt und sie kam nun näher. Als sie den schwarzen Adler auf ihrem Sims entdeckte, schlug sie die Hände vor den Mund und starrte ihn mit großen Augen an. Vorsichtig kam sie näher und ruderte mit den Armen, wie um ihn zu verscheuchen.
„Ein...ein Adler?... vielleicht ein Sendbote Lysanthors... aber warum schwarz? Dunkles Omen der Finsternis, weiche und besudel nicht dieses Haus! Faldor halte deinen Segen über uns und beschütze uns!“
Abermals ruderte sie mit den Armen und kam zum Fenster. Als sie es öffnete, musste Kazel seinen Posten verlassen um nicht hinunter gestoßen zu werden. Der Wind griff wieder unter seine Flügel und trug ihn hinauf in den Himmel. Ein letzter Blick auf die Zinnen zeigte die schwarze Stadt in all seiner Pracht und Grausamkeit. Er flog einfach darüber hinweg, zog eine weitere Kreisbahn und dann erkannte er, dass sie nicht länger der Käfig war, in dem man ihn als kleinen Sturmadler gefangen hielt. Es war die Beute. Er hatte Krallen entwickelt, einen scharfen Schnabel und größere Schwingen als alle Dunkelelfen zusammen. Er besaß die Freiheit eines Drachen unter seinen Flügeln. Er trug sie auf der Haut und sie lag wie Balsam auf den Narben, die man ihm zugefügt hatte. Freiheit. Er war frei. Er war ein Sturmadler. Und er stürzte sich sich in Gedanken tief hinab auf die Stadt und seine Krallen versanken in den Mauern wie in Butter. Er war riesig und die Festungsmauern boten keinen Widerstand. Morgeria war angreifbar und kaum jemand sah zu ihm auf. Die Stadt war leer, die Armeen auf ihren Raubzügen im Land verstreut. Es waren kaum noch Einwohnern zu sehen und wenn dann schienen die Sklaven in der Überzahl. Die Stadt war ein weiches Opfer für seine Krallen, wie eine Maus, die er mit einer Klaue zerreißen könnte.

In Janays, bzw. Ellashars Zelt war es mollig warm und wurde langsam richtig heiß. Seine Gestalt war aber auch zum anbeißen... Schwarzes, glänzendes Haar, das bis zu den Schultern herabfloss und sich ein wenig wellte. Es umrahmte ein kantiges, wenngleich nicht wuchtiges Gesicht, dessen Kieferpartie von einem leichten Bartschatten betont wurde. Die Nase war gerade und passte perfekt in die Proportionen, ebenso wie die Lippen, die sie nur zu gerne geküsst hätte. Am Faszinierendsten waren jedoch seine Augen, die sie erst als letztes anzusehen wagte. Das eine war von einem betörenden Blau mit grauen Sprenkeln, beinahe ähnelte es jenem von Kazel. Das andere hingegen… war von einem hellen und dennoch satten Grün, als hätte die Natur sich zwischen diesen beiden Farben nicht entscheiden können.
Während sie ihn noch staunend betrachtete und den Blick von seinen Augen kaum mehr lösen konnte, schien ihr Körper andere Bedürfnisse zu verspüren. Ungefragt zauberte er eine gefüllte Schale herbei und reichte ihr etwas zu essen. Ohne hinzusehen, in dem blinden Vertrauen, das er durch seine Aura in ihr geschaffen hatte, öffnete sie den Mund, um sich von ihm füttern zu lassen.
Als sie seine Finger an ihren Lippen spürte, konnte sie nicht anders, als diese darum zu schließen, als wolle sie ihn kosten. Sofort weiteten sich seine Pupillen, was den Rest der Iris deutlich dunkler machte. Das Blau wurde tief wie der Ozean und das Grün dunkel wie die dichten Wälder im Norden an den Hängen der Drachenberge. Dann folgte eine kleine süße Geschmacksexplosion, denn die Süße der Frucht mischte sich mit dem ganz eigenen Geschmack des Mannes der sie reichte. Janay wollte am liebsten sofort auf die Nascherei verzichten und sich viel lieber ihm widmen und auch bei ihm veränderte sich etwas.
Eben war er noch schelmhaft und neckend gewesen, jetzt sah er er sie ernst und hungrig an. Er betrachtete ihre Lippen um seinen Finger und hielt den Atem an. Der Hunger in seinen Augen war unverkennbar. Janay kannte diesen Blick und wusste was mit ihm geschah. Er reagierte heftig und doch hielt er sich zurück. Sein Blut begann zu sieden und wenn sie nur ein bisschen mehr saugen würde, würde es kochen. Ein kleines Lecken ihrer frechen Zunge würde seine Kontrolle umgehen und sie hätte Macht über ihn. Die Ernsthaftigkeit in seinem Blick machte das ganze noch heißer. Seine ungestillte Leidenschaft war ja schon offensichtlich, aber es brauchte nur einen Tropfen und aus Leidenschaft würde Lust werden. Noch schien er zu überlegen, unsicher in all seiner Stärke, ob er das tun sollte, wonach ihm war... wonach ihr war? Sein Blick wanderte fragend zurück zu ihren Augen und der nächste Herzschlag begann. Wie herrlich sich die Zeit doch dehnen konnte, wenn die Intensität stimmte. Das hier war Janays Traummann und er wollte sie. Eine Regung seines Umhang über seinen Lenden verriet ihr, dass es so war. Sie wusste, es würde ein einladendes Lächeln, ein kleines Nicken reichen und er würde sie in seine starken Arme heben, die nach hinten zwischen die Schleier tragen und sie verwöhnen, wie sie es sich wünschte. Er war für sie gemacht und willig es ihr zu zeigen, doch... gab es Hindernisse? Gründe? Stärkere Gedanken die sie im Rausch des Rauches daran hindern würden?
Wenn ja, würde Ellashar leidvoll, geplagt und sehr anständig diese Nacht getrennt von seiner Schöpferin, seiner Göttin verbringen.
Wenn nein, würde er ihr einen Traum bereiten, der sie noch lange wärmen würde, noch lange in ihren folgenden kalten Nächten ein Lächeln auf die Lippen zaubern könnte.
So oder so, dies hier war ein süßes Geheimnis zwischen ihnen.

Kazels Finger krallten sich in weichen Untergrund. Eine Decke? Fell? Es gab nach und im nächsten Moment spürte er ein leichtes Stechen auf seiner Brust. Unwillkürlich wanderte seine Hand hinauf zu der Stelle und seine schweren Lider versuchten sich zu öffnen. Das erste was sie sahen, waren weiße Rüschen... die eines Nachthemdes... genauer gesagt, das Nachthemd des Holzfällers, der seinerseits nun Kazels Kleidung trug. Kazels Gehirn kam nun langsam in Gang und wollte vielleicht noch nicht so recht die Eindrücke um ihn herum wahr haben, aber da war noch eine dritte Person im Zelt. Elorin, erinnerte er sich dunkel. So hieß die hübsche Elfe mit dem Kinnbart. Sie saß seitlich zu ihm und sortierte gerade ein paar merkwürdig aussehende Gegenstände zurück in einen Kasten. Die langen Dinger sahen aus wie Nadeln, die hinten einen breiteren Kopf hatten und einen kleinen Hammer gab es auch. Ihre Finger hatten schwarze Flecken und als letztes stellte sie auch ein Fläschchen mit schwarzer Flüssigkeit, die seltsam lebendig im Glas herum schwappte zurück in den Kasten. Sie schloss ihn und bemerkte erst dann, dass sie beobachtet wurde.
„Ah, du bist wach...“
Himmel! Warum schrie sie ihn denn gleich so an?!? Seine Reaktion ließ sie auch noch leise lachen, aber wenigstens schien sie Mitleid mit ihm zu haben und flüsterte nur noch:
„Ich bring dir gleich etwas z trinken. Du wirst Durst haben und … etwas Salbe wäre auch nicht verkehrt, denke ich... ach ja, und NICHT KRATZEN! Sonst aktivierst du die Magie, bevor ich dir erklärt habe was sie macht!“
Das zuletzt erwähnte, erinnerte ihn an die wunde Stelle auf seiner Brust. Wenn er vorsichtig den Kopf hob, konnte er in seinem Dekolletee nun zwischen weißen Rüschen eine schwarze flaumige Feder auf seiner Brust erkennen. Die Bärtige stand derweil auf und meinte noch:
„Bin gleich wieder da.“
und verließ das Zelt. Kazel war erst einmal mit dem noch schlafenden ehemaligen Holzfäller in SEINER Rüstung allein, hatte etwas Zeit zum nachdenken und seinem schmerzenden Kopf zu huldigen.

((ooc: Kazel, deine Konsequenz der Elfennacht war:
- beliebiges(!) Tattoo an beliebiger(!) Stelle, außer Gesicht
- nackt oder in sehr fragwürdiger Bekleidung aufwachen
beides erfüllt ;-) ))


Janay schlug die Augen auf und ihre Welt setzte sich langsam und fließen aus bunten Farben wieder zusammen. Eigentlich ging es ihr sogar ausgespochen gut... Vielleicht war da noch ein leichtes Ziehen...
Sie lag gebettet zwischen Seidenkissen in SEINEM Zelt und roch ihn um sich herum. Doch er war nicht da. Oder doch? Als sie sich langsam aufsetzte, flossen die Schatten über sie und unter ihrer Decke hervor, verdichteten sich zu jender diffusen Gestalt, die sie am Abend zuvor gesehen hatte. Einen Moment starrte sie ihn einfach nur an. Für ein paar Stunden hatte sie ihm Gestalt gegeben und nun war es als liefe die Zeit rückwärts. Er zog seine Kutte wieder an, streifte die Handschuhe über und hob die Kapuze über sein Haupt. Er stand auf und verharrte einen Moment, dann sah er über seine Schulter zu ihr. Seine Stimme war wieder fern, wie durch die Dimensionen von ihr getrennt und doch ganz nah:
"Lass dir Zeit... solange du brauchst. Das Lager erwacht und wir müssen bald weiter."
Für einen Moment sah es so aus, als wollte er noch mehr sagen, beließ es aber dabei und verließ das Zelt. Janay hatte nun etwas Zeit darüber nachzudenken, was passiert war und ob es Folgen für sie haben sollte/konnte/hatte. War etwas geschehen, für das sie sich nun schämte? Hatte sie die Nacht genossen und würde sie veschweigen wollen? Hatte es Auswirkungen auf ihre Liebe zu Kazel?... Sie hatte die Nacht mit einem Anderen verbracht ... ob nun so oder so? Wo war Kazel überhaupt? War es Zeit ihm ihre Liebe zu gestehen oder ihm endlich reinen Wein einzuschenken über ihren Beruf. Viele Gedanken wurden gerade angestubst und wirbelten durch ihren Kopf und würden auf jeden Fall heraus plazten, sobald sie vor ihm stünde!

((ooc: Janay, deine Konsequenz der Elfennacht war:
- gesteht Kazel ihre Liebe
- gesteht Kazel ihren Beruf (für sie zwar nicht peinlich, aber sicher mit... "unangenehmen" Folgen.
Ich bitte dich, das in deinem nächsten Post selbst einzubauen. Vielleicht lockert der Nachhall des Rausches ihr ja die Zunge oder sie hat einfach ein schlechtes Gewissen. ;-) Auch wenn ich das laut deiner Wünsche ja gleich mit einbauen hätte können, so finde ich es schöner, wenn du es selbst formulierst.))
Bild

Benutzeravatar
Kazel Tenebrée
Administrator
Administrator
Beiträge: 3016
Registriert: Mittwoch 9. August 2006, 23:05
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Stille Ebene
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Mischling (Elf/Dunkelelf)
Sprachen: Lerium
etwas Kr'zner
Beruf: Überlebenskünstler
Fähigkeiten: Dolche (durchschnittlich)
Adlerkrallen (rudimentär)
Flinkheit
Lebensenergie:

Geld: 0D, 0L, 0F
Ausrüstung: - lederne Arm-/Beinschienen, Lederhelm
- goldener Faden aus dem Gürtel eines Inquisitors
- ein Stundenglas mit eigener Lebenszeit
- Zelte, Kochgeschirr, Handaxt für Feuerholz, Feuerstein & Zunder, Verbandsmaterial, 2-3 Seile
- 1 Dolch
Tierische Begleiter: Terror (Warg)
4 weitere Warge
Zum Vorzeigen: Bild

Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Kazel Tenebrée » Montag 3. Februar 2020, 16:19

Kazel kniff die Augen enger zusammen, hielt die Lider aber geschlossen. Sein Traumflug hatte ihn in die Heimat zurück gebracht und ihm seltsame Einblicke beschert, die weder Vergangenheit noch Zukunft sein konnten oder irrte er da? Er war sich nicht sicher. Starles Anblick im Zimmer seiner Mutter, mit dem Schmuck seiner Mutter, lag ihm als bitterer Nachgeschmack auf der Zunge. Irgendwie schmeckte alles in seinem Mund nach Kupfer, als hätte ihm jemand den Mundraum mit Blut ausgekleistert. Er schmatzte und umfasste instinktiv, was er zwischen die Finger bekommen konnte. Weich, flauschig. Das fühlte sich wie jenes Federkleid an, mit dem der Sturmadler die Wolken durchbrochen und die Freiheit des Windes gespürt hatte. Er seufzte zufrieden. Das war doch besser als der Traum über Jarle. Viel besser.
Wenn nur dieses Stechen nicht wäre ... pickt mir ein Artgenosse gegen die Brust? Will er mein Herz herausreißen? Er würde das nicht zulassen! Er würde sich den dreisten anderen Adler packen und ... In Gedanken waren seine Bewegungen schneller und präziser als in der Wirklichkeit. Der Alkohol schwamm noch seinen Blutbahnen umher, waberte auch ein wenig in seinem Kopf, wo ein zweites Stechen sich meldete, just als Kazel begann, bewusste Gedanken zu fassen.
Außerdem bekam er noch etwas zu fassen und es fühlte sich weder nach einem Federkleid, noch nach Haut an. Er trug Stoff. Endlich öffnet er langsam die Augen, zog das Hemd des Holzfällers an der Brust etwas nach vorn und starrte es schläfrig an. Er unterdrückte ein Husten. Seine Kehle war irgendwie trocken, alles schmeckte widerlich. Hab ich an einer Schuhsohle geleckt? Uhhh, mein Kopf! Nicht zu laut ... nicht zu laut denken ... Träge sah er sich um und sein Blick blieb an dem geringelten Kinnbart der Hochelfe hängen. Er wippte leicht wie am Vorabend, als diese Bewegung den Mischling so hypnotisiert hatte. Heute brachte er dem quirligen Willkommensgruß kein Lächeln entgegen. Dafür fühlte er sich auf unvertraute Weise zu elend.
Erneut kniff er die Augen zusammen, als sie ihn anschrie, ohne zornig zu klingen. Ihre Worte zerrüttelten sein Innerstes und klingelten empfindlich in seinen Ohren. "Bitte ... leise...", nuschelte Kazel und spürte, wie sich bei jeder Bewegung - selbst jener seiner Lippen - alles zu drehen schien. Die Aussicht auf ein Getränk weckte allerdings seine Motivation. So langsam es ging, nickt er. "Wasser ... bitte nicht das von ... gestern?" War es erst eine Nacht her? Kazel hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Wie spät war es nun? Langsam richtete er sich auf und prompt glitt seine Hand vor den Mund, als ihm speiübel wurde.
Die Anweisung, sich nicht zu kratzen, tropfe zähflüssig wie Honig in seinen Geist. Nicht kratzen ... kotzen .... ouh, mir kommt's gleich hoch ... bäh, was ist nur los? Am liebsten würde er in irgendeinen Eimer spucken, sich dann auf seiner Schlafstatt umdrehen und ruhen, bis er sich besser fühlte. Seine Umgebung kam ihm etwas farblos vor, trist und elend wie sein Gemütszustand. Nachwirkungen einer alkohollischen Nacht zeigten sich viel zu erschreckend, als dass er das jemals wiederholen wollte. Sämtliche Glieder schmerzten und sogar Gedanken stachen in seinen Schädel wie angespitzte Speere. Er hielt sich den Bauch, obwohl er keine Magenschmerzen hatte. Ihm war einfach nur schlecht und er wünschte sich einen Becher frisches Quellwasser herbei.
Müde begutachtete er seine Umgebung. Wann hatten der Holzfäller-Elf und Kazel die Kleidung getauscht? Das Hemd war ihm glücklicherweise zu groß, dass es ihm über die Knie reichte. Eine Hose trug er nicht. Und wohin waren eigentlich seine Stiefel verschwunden? Für eine Weile beobachtete der Mischling seine Zehen, bewegte sie und versuchte, wieder ein Gefühl für seinen Körper zu entwickeln, das jenseits von Übelkeit war.
Mit einer Hand schob er den Holzfällerelfen beiseite. Jedenfalls versuchte er es. Der Kerl gab nur ein widerwärtiges Schnarchen von sich und Kazel ließ von ihm ab. Er spürte, dass seine Hand Richtung Brust fuhr. Es juckte und brannte ein wenig. Er schaute an sich herab. Er blätterte die Hemdrüschen beiseite und betrachtete das Bildnis einer flaumigen, schwarzen Feder auf seiner mandelbraunen Haut. Er blinzelte. Dann starrte er weiter. Irgendwie war Kazel bewusst, dass er vorher kein Hautbild an jener Stelle besessen hatte. Gleichzeitig versuchte er zu ergründen, warum es eine Feder sein sollte und dann war es ihm vollkommen gleichgültig. Er gähnte, hielt sich anschließend die Stirn und blieb einfach sitzen. "Wasser...", murmelte er, erinnerte sich auf diese Weise daran, warum er nicht in den Schlaf zurückkehren sollte. Obwohl liegen sicherlich angenehmer wäre. Alles drehte sich.
Bild

Benutzeravatar
Janay
Moderator
Moderator
Beiträge: 679
Registriert: Montag 7. Juli 2008, 23:38
Moderator des Spielers: Maruka
Aufenthaltsort: Stille Ebene
Steckbrief: Zum Steckbrief
Rasse: Dunkelelfe
Sprachen: Celcianisch, Lerium, Nimuk(rudimentär)
Beruf: Freudenmädchen
Fähigkeiten: Verführung
Lebensenergie:
Geld: 0D, 0L,
Ausrüstung: die Kleidung an ihrem Leib, einen Dolch
Tierische Begleiter: keine

Re: Zeltaufbau am Rande des Neldoreth

Beitrag von Janay » Montag 3. Februar 2020, 21:45

Die junge Frau hatte sich immer gewünscht, irgendwann einmal einen Mann wie ihr Gegenüber zu treffen. Und nun war es, wenngleich durch Magie, Wirklichkeit geworden. Das musste ein Traum sein! Anders konnte sie sich das nicht erklären, wie es sein konnte, dass er genau so aussah, wie sie es sich stets vorgestellt hatte. Er war schlichtweg… perfekt!
So sehr, dass sie nicht allein beim Mustern bleiben, sondern ihn berühren wollte, ihn umschließen und nicht mehr loslassen, solange es möglich wäre. Um davon zu zehren, wenn all das wieder vorbei wäre.
Bewundernd glitt ihr Blick an ihm entlang und ließ auch nicht die wirklich wichtigen Stellen aus. Sie hatte lang genug in ihrem Beruf gearbeitet, um in der Hinsicht keine Scham oder sonstige Zurückhaltung zu kennen. Es war beinahe schon schade, als er sich bedeckte und sie dazu nötigte, sich wieder seinem Antlitz zu widmen, das ebenfalls nichts zu wünschen übrig ließ.
Bis er sie mit einer kleinen Nascherei ablenkte, die dazu führte, dass ihre Gedanken endgültig in eine bestimmte Richtung abdrifteten. Seine Reaktion war auch recht eindeutig und ließ ihr Herz regelrecht rasen. Seine Augen verdunkelten sich und wurden dadurch nur noch anziehender.
Ja, sie kannte solche Reaktionen und hatte sie oftmals bewusst provoziert, um an ihr Geld kommen zu können. Doch nur sehr selten hätte sie sich freiwillig auf einen für sie vollkommen Fremden eingelassen.
Der Geschmack auf ihrer Zunge war einmalig und unvergesslich, brachte sie allerdings noch auf ganz andere Ideen und weckte ihr eigenes Verlangen endgültig. Ja, sie wollte ihn berühren, ihn küssen und ihn so spüren, wie es nur bei einer bestimmten Art von Begegnung zwischen Mann und Frau der Fall sein konnte.
Deutlich konnte sie an ihm erkennen, wie auch ihn die Erregung packte und ihr Spieltrieb meldete sich. Tatsächlich stupste sie mit ihrer Zunge gegen seine Fingerspitze und machte sich beinahe einen Spaß daraus, wie lange es dauern würde, bis er die Beherrschung verlieren würde. Wenn da nicht ihre eigenen Empfindungen gewesen wären, die in ihr brodelten und ihre Ungeduld schürten.
Also ließ sie es bleiben, entließ seinen Finger aus ihrem Mund und beugte sich direkt zu ihm hin, um seine Lippen zu kosten. Diese waren so herrlich weich und warm, regelrecht verführerisch süß, wie sie es sich ausgemalt hatte. Die Umgebung um sie herum wurde unwichtig und begann sich zugleich zu drehen, während ihr Kuss hungriger und fordernder wurde.
Bis… bis auf einmal das Bild eines anderen vor ihrem inneren Auge vorbei huschte und sie irritierte. Damit nicht genug zuckte sie zurück und blinzelte, ohne recht zu begreifen, was genau die Stimmung zwischen ihnen gerade gestört hatte.
Den fragenden Blick ihres Gegenübers beantwortete sie einen Moment später mit einem feinen, spöttischen Grinsen und hatte sich wieder gefangen, um einen weiteren Kuss zu beginnen. Ohne sich von ihm zu lösen, ließ sie es zu, dass er sie anhob und in den abgetrennten Bereich seines Zeltes trug. Janay spürte, dass sie bereit dafür war, dass sie es wollte und es kaum noch erwarten konnte.
Ohne sich gegen die unterlegene Position zu sträuben, ließ sie es zu, dass er sie unter sich auf dem Lager bettete. Noch immer küsste sie ihn, als wäre sie eine Verdurstende und er ihr Trunk. Solange, bis plötzlich wieder dieses Bild vor ihrem inneren Auge erschien.
Dieses Mal war es andauernder und deutlicher, sorgte dafür, dass sie nach Luft schnappen musste. Wie konnte das sein? Was sollte das? Wieso kam ihr ausgerechnet jetzt Kazel in den Sinn, während sie sich hier in den Armen ihres Traummannes befand?! Das konnte nur ein schlechter Scherz sein!
Ärger wollte in ihr hochsteigen und ihr die Stimmung vermiesen, wogegen sie mit einem weiteren Kuss vorgehen wollte. Kurzerhand griff sie mit beiden Händen nach seinen Wagen und zog ihn zu sich wieder herunter, um ihn noch einmal zu küssen und an seinen Lippen zu knabbern. Fast schon verbissen bemühte sie sich darum, ihre Lust aufrecht zu halten.
Als er allerdings dazu überging, ihren Körper zu streicheln und zu den entscheidenden Stellen zu gelangen, war es damit jedoch vorüber. Zu deutlich stand ihr das Bild des Mischlings vor ihrem Auge und sie bekam es nicht los. So schwer es ihr fiel, sie musste nach seinen Händen greifen und ihn aufhalten.
Keuchend und ein wenig zitternd sah sie zu ihm auf, verlangend und bedauernd zugleich. Nur ein kleines, mehr angedeutetes Kopfschütteln gelang ihr, während sie um Worte rang. „Ich… ich kann das… nicht…“, wisperte sie mit belegter Stimme und hätte sich am liebsten selbst in ihre Vier Buchstaben gebissen für diese Entscheidung.
Aber… was blieb ihr anderes übrig? Oft genug hatte sie in ihrem Beruf andere Gedanken gehegt, während sie ihre Kunden bedient hatte. Doch dieses Mal hätte es für sie sein sollen, nach ihren Bedürfnissen. Und das konnte sie nicht, wenn sie ständig an jemand anderes denken musste. Was war nur los mit ihr? Wie konnte es soweit mit ihr kommen, da sie sich als abgebrüht betrachtet hatte?!
Fast schon rechnete sie damit, dass dieser Traummann sich nicht mehr aufhalten lassen würde, nun, so knapp vor dem Ziel. Zu ihrer großen Verwunderung allerdings drängte er sie nicht oder versuchte, sie mit Gewalt zu ihrem Glück zu zwingen, sondern schien… was? Verständnisvoll? Einsichtig? Rücksichtsvoll?! Wie auch immer, er wirkte nicht wirklich erfreut darüber und beachtete dennoch ihren Willen.
Es war der jungen Frau beinahe schon peinlich und sie war einen Moment lang versucht, ihre Professionalität hervor zu kramen, um ihn wenigstens ein bisschen für die entgangene Lust zu entschädigen. In diesem Grad der Erregung half bei Männern durchaus auch mal ein wenig Handarbeit, um zum Ziel zu gelangen. Nur… ob sie es wollte oder nicht, es war ihr tatsächlich unangenehm, dieses Thema auch nur anzuschneiden! Es war lange her, dass sie sich für etwas geschämt hatte und noch nie dermaßen stark wie jetzt. Trotzdem konnte sie gerade nichts daran ändern, dafür war das Chaos, das in ihrem Inneren herrschte, viel zu groß und verwirrend.
Beinahe trieb es ihr sogar die Tränen in die Augen und sie merkte erst, dass sie tatsächlich flossen, als er sie in seine Arme gezogen hatte und es nass unter ihrer Wange wurde. Das verstand sie nicht, das ging über ihre Erfahrungen hinaus und machte ihr Angst. Gedanken verschiedenster Art wirbelten durch ihren Kopf, ließen sie regelrecht schwindelig werden und waren gleichzeitig überhaupt nicht fassbar.
Sie versuchte es immer wieder und wieder, bis sie ob dieser unlösbaren Aufgabe und bedingt durch den sie weiterhin umgebenden Rauch schläfrig wurde. Ohne ihr Zutun fielen ihr die Augen zu und sie schlief in seinen Armen ein, obwohl sie eigentlich lieber in denen eines anderen gelegen hätte. Ohne es noch zu bemerken, floss sein Name wie ein Hauch über ihre Lippen, begleitet von einem sehnsüchtigen Seufzen. „Kazel…“

Wie lange sie schlief, konnte sie nicht sagen, aber als sie aufwachte, spürte sie, dass einige Zeit vergangen sein musste. Langsam öffnete sie ihre leicht verquollenen Augen… und wunderte sich darüber, dass sie allein auf dem Lager lag. Dennoch hing sein Duft noch immer in der Luft und hüllte sie ein, ebenso wie schwarze Schatten, die um sie herum flossen.
Es war beinahe schon unheimlich, als wollte er sie noch immer greifen, ohne es in seiner eigentlichen Gestalt noch tun zu können. Und obwohl es dumm war, schließlich waren sie in der Nacht nicht zu ihrem Entkleiden gekommen, zog sie die Decke enger an sich, als müsse sie ihre Blöße verbergen.
Sie versuchte, sein Gesicht in der Dunkelheit auszumachen und schaffte es nicht, während er sich wieder anzog und zu der geheimnisvollen Kapuzengestalt wurde, die sie am gestrigen Abend hierher geführt hatte. Er wandte sich von ihr ab und war schon regelrecht im Gehen, ehe er das Wort an sie richtete.
Wahrscheinlich waren seine Worte nett oder beruhigend gemeint, doch bei ihr kamen sie wie Beleidigungen an, so, als wolle er ihr noch einmal deutlich vor Augen führen, dass sie mit ihm gespielt und ihn danach hatte fallen lassen, ohne ihn zu befriedigen. Verletzt und irgendwie gedemütigt, starrte sie ihm wortlos nach, bis irgendwann die Frage aus ihr heraus brach. „Was ist hier passiert?“, erklang es in dem Zelt, doch sie war bereits allein und würde somit auch vorerst ohne Antwort bleiben.
Dafür kam allmählich die Erinnerung zurück und der Grund, warum es zwischen ihnen nicht zum Äußersten gekommen war. Was bedeutete das nur? Konnte es…? Nein, unmöglich! Oder…? Talimée hatte es bereits erkannt und sie hatte es nicht wahrhaben wollen. Jedoch… wie stand es um ihn? Würde er sie überhaupt so akzeptieren, wie sie war mitsamt ihrer Vergangenheit?
Ein Entschluss reifte in ihr heran, der Leben in sie brachte. Gut, bevor es für sie noch schlimmer werden würde, so wie damals in Pelgar, würde sie in die Offensive gehen. Ganz nach dem Motto, besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!
Janay rappelte sich auf und stürmte regelrecht aus dem Zelt. Die Kälte schlug ihr entgegen und hätte sie beinahe wieder zurück in die herrliche Wärme getrieben, wenn ihr Entschluss nicht derart fest gewesen wäre.
Anstatt somit zurück zu kriechen und sich wieder unter die Decke zu kuscheln, ballte sie ihre Hände zu Fäusten und sah sich nach ihrem Begleiter um. In diesem Moment öffnete sich ein anderer Zelteingang und die bärtige Elfe trat heraus, bemerkte sie und nickte ihr zu. Die junge Frau hob eine Augenbraue an und wollte sich lieber keine Gedanken darum machen, was die Kapuze über sie bereits herum erzählt haben könnte.
Besser, sie ging ihrer selbst gefundenen Aufgabe nach und suchte nach dem Mischling. War er womöglich dort? Nun, sie hatte keine Anhaltspunkte, denn fast niemand befand sich um diese Uhrzeit heraußen, sodass nichts dagegen sprach, dort gleich einmal nachzusehen.
Zielstrebig näherte sie sich dem Eingang und spähte hinein. Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie etwas erkennen konnte. Und ihr Gefühl hatte sie nicht getrogen, tatsächlich befand sich Kazel dort, halb sitzend, halb liegend und scheinbar ebenfalls nicht ganz bei Sinnen.
Na ja, nach dem Rausch von gestern Abend, der sicherlich nicht besser geworden war, nachdem sie ihn allein gelassen hatte, war das kein Wunder. Eigentlich sollte sie ihn lieber in Ruhe lassen und ihn nicht überfordern, wenn… wenn es ihr nicht so ein dringendes Bedürfnis gewesen wäre, ihm die Wahrheit zu sagen und alles auf eine Karte zu setzen.
Lautlos glitt sie hinein und hörte von der Seite her ein verräterisches Schnarchen, das ihr bewies, dass sie zumindest körperlich nicht allein wären. Doch sie kümmerte sich nicht darum, sondern überwand die geringe Distanz und packte den Mischling kurzerhand an den Rüschen seiner neuen Kleidung.
Abrupt und entschlossen zog sie ihn zu sich und presste einen Moment lang ihre Lippen auf seine in einem alles andere als zärtlichen Kuss. Dann sah sie ihm in die Augen und plapperte einfach drauf los, um nicht Angst vor der eigenen Courage zu bekommen. „Du schmeckst widerlich und ich liebe dich. Und ich arbeite als Prostituierte und werde das auch weiter machen, ob es dir passt oder nicht. Vor allem, weil ich wegen dir eine tolle Nacht ausgeschlagen habe! Also solltest du lieber… Wie siehst du überhaupt aus?!“
Kaum war ihre Botschaft überbracht, drifteten ihre ebenfalls noch etwas benebelten Gedanken ab und nahmen erst jetzt seine Aufmachung wahr. So plötzlich und beherzt, wie sie ihn gepackt hatte, ließ sie ihn wieder los und trat einen halben Schritt zurück, unsicher, was sie von seinem neuen Aufzug halten sollte. Fragend glitt ihr Blick an ihm herab und wieder hinauf, um diese Reise noch ein paar Mal zu machen.
Bild

Antworten

Zurück zu „Die Stille Ebene“