Die vergessene Stadt

Einst eine mächtige Stadt, doch die Natur schlug zu. Unerwartet wurde die Stadt von der Wüste verschlungen, nur wenige Gebäude ragen noch aus dem Boden. Diebe oder heimatlose Bewohner haben sich hier eingenistet.
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Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 8. November 2012, 19:05

(Viro kommt von: Von Santros nach Sintos )

Langsam setzen sie sich in Bewegung und um so näher sie Sintos kamen, um so mehr Leute konnte Viro in den Ruinen erkennen. Überall waren Zelte an die Überreste der Stadt gebaut. Aus Bruchstücken von alten Mauern waren einfache neue kleine Gebäude errichtet worden. Neugierige Blicke tauchten überall aus den Löchern auf und verfolgten die kleine Prozession, die zielstrebig auf den Tempel zu hielt. Einzig das leise Schnauben eines der stattlichen, schön geschmückten Tiere, oder das Flattern wenn der Wind sich in einer Zeltplane verfing begleitete Viros Marsch in die Stadtmitte. Sie kamen an mehreren großen Zelten vorbei, vor denen Personen mit verschränkten Armen missgünstig das Geschehen betrachteten. Nicht jedem schien die Ankunft eines Fremden hier zu gefallen und die gespenstische Stille die herrschte, machte es nicht besser. Niemand sprach ein Wort. Was aber auffaltend war, dass sie sich sehr wohl in Rendinea über Viros Ankunft unterhielten. Wenn das hier immer so still war, war Sintos die leiseste Stadt ganz Celcias.
Die Karawane aus Reitern und einem Fußgänger näherte sich einem sehr großen Zelt, einer Art Zeltpalast, das im Schatten der Tempelbauten stand. Schon auf Entfernung wurden ein paar Gesten gewechselt und Bewegung kam dort vorne in die Szenerie. Als sie zum Stehen kamen, saßen die Reiter ab und die Pferde wurden in einen Unterstand etwas weiter links gebracht und dort sofort gestriegelt. Bis auf die beiden Redner entfernten sich die anderen, da hier in der Gegend nun wirklich genug Bewaffnete herum standen und saßen, für den unwahrscheinlichen Fall, dass Viro etwas dummes machen sollte. Der größere Reiter, der die Gruppe anscheinend anführte trat an Viros Seite und sah ihn aufmerksam an.
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Er sah ihm direkt in die Augen, starrte ihn förmlich an. Eine weichere Seele als Viros wäre schon von diesem Blick in die Knie gegangen, doch Viro begann zu ahnen, dass er geprüft wurde. Der kleinere Reiter stand nicht all zu weit weg und machte gelangweilt Dehnungen. Aus dem Innern des Zeltpalastes waren ein paar raschelnde Laute zu hören, aber mehr nicht. Der Krieger vor ihm verschränkte die Arme vor der Brust und sein einer Ärmel rutschte dabei etwas höher und gab die Sicht auf einen kleinen Teil einer Tätowierung frei. Vermutlich handelte es sich um das Abbild eines Skorpions. Der Mann vor ihm schien auf etwas zuwarten, Viro förmlich herausfordern zu wollen, doch Viro sah auch genauso hinter ihm den kleineren, der wie zufällig noch einmal seinen Finger vor seinen Mund hielt und sich dann verstohlen am Kopf kratzte. Welchem wollte er vertrauen? Eine schier endlose Zeit geschah gar nichts und sie standen vor dem Zelt herum. Vielleicht war es klüger erst einmal abzuwarten und Ruhe zu beweisen und tatsächlich dauerte es gar nicht so lange, bis der Provokateur vor ihm, fast enttäuscht wirkte und Viro alleine stehen ließ. Er forderte den kleinen auf mitzukommen und dieser folgte. Kurz bevor die Zeltplane sich erneut schloss, glaubte Viro noch eine Handbewegung zu erkennen, die ihm bedeutete stehen zu bleiben. Sie gingen hinein und es kam eine sehr kleine Gestalt, ebenso verhüllt, wieder heraus und gebot mit einem Winken Viro ihm, oder ihr, zu folgen. Das ganze Prozedere hatte bis dahin schon seltsam angemutet, aber als Viro nun den Vorraum des Zeltpalastes betrat, staunte er nicht schlecht. Dicke Teppiche verwandelten das unscheinbare Äußere im Innern in ein wohnliches Ambiente. Auf breiten Sitzkissen saßen verschleierte Gestalten. Manche wie die Krieger, denen er draußen begegnet war, aber auch andere die prunkvollere Gewänder trugen. Kleine Tische standen herum und auf ihnen waren Schalen mit Datteln und Feigen angerichtet. Der hintere Bereich war mit leicht durchsichtigen Stoffen abgehängt und dahinter tummelten sich weitere Leute. Auch wenn hier jeder eine Waffe trug, so war die Stimmung weder bedrohlich, noch das war Viro vielleicht erwartet hatte. Dies hier waren keine Wilden! Dies hier war kein Haufen von Dieben, Verbrechern und Halsabschneidern im wörtlichen Sinne, nein dies war eine gut strukturierte Gemeinschaft mit ihrer ganz eigenen Kultur. Und das was am meisten heraus stach war, ihr Schweigen. Die winzige Gestalt, die wohl eher zu einem Gnom gehören würde als zu einem Menschen, gebot Viro mit klaren einfachen Handzeichen sich auf ein bestimmtes Kissen zu setzen. Er fühlte sich sicher von allen Seiten beobachtet, aber er bekam schwarzen bitteren Tee und Datteln vorgesetzt. Der Tee erinnerte ihn vielleicht an eine andere Begebenheit zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort. Den kleinen Wächter fand er, wenn er sich umsah, in einer Ecke mit dem größeren zusammen sitzend ebenfalls speisen. Eine noch etwas kleiner Gestalt saß bei ihnen und gestikulierte mit ihnen. Bei dieser könnte Viro vor allem an der Kleidung wetten, dass es sich um eine Frau handelte. Auch sie trug diese schwarze Gase vor den Augen. Langsam begannen sich vielleicht die ersten Puzzlestücke zusammenzusetzen und einen ersten Eindruck von den Menschen, oder was auch immer sich hier angesiedelt hatte und ihrer Kultur zu ergeben. Ein verhülltes Wesen brauchte Viro eine Schale mit einem undefinierbaren Brei, der bei näherer Untersuchung aus irgendeiner Art zerriebener Samen zu bestehen schien. Kostete Viro würde er süßlich und leicht scharf schmecken.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 9. November 2012, 14:14

Die Reaktion seines Gegenübers war anders als Viro es sich erwünscht hatte, zum einen schnippte er ihm einen Samen zurück und zum anderen bedeutete er ihn zu schweigen.
Kurz drauf erreichten sie auch schon die Reiter und Gesten wurden zwischen seinen Gegenüber und den Anführer der Reiter, von dem sich Viro fast sicher war das es sich um einen Mann handelt, ausgetauscht.
Viro wusste kaum eine Bewegung zu deuten und ließ seinen Blick über deshalb kurz über die Reiter schweifen. Was ihm sofort auffiel war die Gaze, die sein Gegenüber und drei andere hatten, doch keiner der anderen aufzuweisen schien. Was es bedeutete konnte er jedoch nicht sagen. Sein Blick ruhte kurz auf den Anführer und es war eine deutliche Abneigung in seinen Gebärden heraus zu lesen.
Dann wurde ihm plötzlich bedeutet der Gruppe zu folgen, wobei er eher flankiert wurde.
Langsam und begleite von diesem nahezu erdrückenden Schweigen ging Viro langsam auf die Nerven. Er selbst war ja sehr schweigsam, weshalb von der Warte aus alles in Ordnung war, doch konnte er es nicht leiden, wenn die Leute in seiner Umgebung zu sehr schwiegen. Viro schloss immer gern von den Worten auf die Person, denn auch wenn er sie nicht verstand, konnte man doch am Unterton immer etwas in Erfahrung bringen, dies war bei den Gesten nicht möglich.
Und während sie sich den Resten Sintos nährten, musste Viro zugeben, dass es ihn auch irgendwie faszinierte. Es war wie mit dem Buch, die Worte, die Information war da, jedoch für ihn nahezu völlig unverständlich.
Trotzdem war das Schweigen bedrückend.
Und es wurde noch unbehaglicher, als man in das „Zentrum“ von Sintos kam. Kein Wort fiel und doch schien er das Hauptgesprächsthema der Leute zu sein, überall flogen buchstäblich Hände durch die Gegend. Hätten die Leute gesprochen, so war sich Viro sicher, hätte er mit Sicherheit Probleme gehabt seine eigenen Gedanken zu hören, doch so waren sie, die einzigen, die er hörte. Was ihn zu einer seltsamen Entscheidung führte. Er klappte den Schirm zusammen und ein leises, murmelndes Stimmengewitter brach auf ihn ein.
Es beruhigte Viro ein wenig, eine Stadt sollte nicht SO still sein!
Letzen Endes blieben sie vor einem großen Zeltgebilde stehen.

Abermals wurde er vom Anführer gemustert, dieses Mal jedoch genauer. Seine Augen bohrten sich förmlich in Viro, so dass es Viro ein leichtes Unbehagen verspüren ließ, doch versuchte er es sich nichts anmerken zu lassen. Als er die Arme verschränkte und etwas von einer Tätowierung auf der Haut darunter zum Vorschein kam, was es genau war konnte Viro nicht erkennen, fragte er sich, ob es eine Geste der Einschüchterung war, wie man sie in anderen Gegenden antraf. Was Viro kurz mit dem Gedanken spielen ließ, seinen rechten Arm ebenfalls zu entblößen, diese Geste hatte noch nie ihre Wirkung verfehlt, doch entschied er sich dagegen. In einer Gemeinschaft, in der anscheinend jede Geste auf die Goldwaage legt, musste man jede Bewegung mit Bedacht wählen.
So starrte der Anführer ihn nur an und Viro erspähte die kleine Person von Vorher hinter ihm, sie bedeutete ihn still zu bleiben, also versuchte er so gut es ging, den Anführer zu ignorieren. Was anscheinend auch gelang, kurze Zeit später verlor der Anführer der Reiter scheinbar das Interesse an Viro und kurz darauf verschwenden bei hinter den Zeltplanen und ließen Viro allein zurück, abgesehen von der bewaffneten, schweigenden Unbeteiligten ringsherum.
Nach einigen Momenten kam eine andere kleine Gestalt aus dem Zeltgewirr hervor und bedeute ihm, ihr zu folgen.
Das Halbdunkel des Zelt -Kolosses bot ein bizarres Bild. Im Inneren hatten dicke Teppich ersetzten den Sand und das Gestein von draußen. Auf dem Boden waren kleine , flache Tische und Sitzkissen verteilt, auf einigen saßen diverse Gestalten. Einige waren gekleidet wie die Krieger von Draußen, andere Trugen aufwändigere und prächtigere Gewänder, was auf einen höheren Status schließen ließ. Auf den Tischen standen Schälchen mit Dattel und Feigen, beides Früchte, denen Viro nur bedingt etwas abgewinnen konnte, jedoch verspürte er auch erheblichen Hunger zudem Standen überall Tassen mit Tee, wie es schien.
Alles in allem war es eher freundlich Atmosphäre, wann da nicht die Stille wäre.
Viro wurde ein Platz zugewiesen und er nahm auf ihn Platz, den Schirm zusammengeklappt, legte er zu seiner Linken ab, das Buch zu seiner Rechten, dann wand sein Blick in die Runde. Sein Blick wurde anscheinend von allen Anwesenden erwidert.
Seine beiden Begleiter bis hier hin, fand er in einer dunklen Ecke sitzen. Ihm wurde Tee und Datteln gereicht. Der Tee erinnert ihn an den, der ihm von Kasan vorgesetzt wurde und die Datteln waren ebenfalls ein willkommenes Mahl. Als Viro Zugriff achtete er darauf, nur die rechte Hand zu verwendete, da er sich dunkel daran erinnerte, dass einige Kulturen, die Linke für unrein hielten. Er wusste nicht, ob dem hier auch so war oder ob es unfein war, den Handschuh nicht ab zu legen, doch Wollte ihn Viro nicht ablegen, wenn es nicht unbedingt nötig war.
Dann wurde sein Aufmerksamkeit von ein Person auf sich gezogen, die allem Anschein nach weiblichen Geschlechts war und als er auch vor ihren Augen die Gaze sah, wurde ihm einiges klar. Die Frauen hier durften wohl ihre Augen vor niemanden entblößen, aus welchen Gründen auch immer. Das lüfte auch das Geheimnisse um das Geschlecht, der ReiterIN, die ihn aufgelesen hatte.
Die Frau, die ihm jetzt gegenüber saß gestikulierte wild, doch konnte Viro aus den Bewegungen nicht schlau werden. Also hab er nur die rechte Braue und starrte sie an, da wurde ihm ein Brei vorgesetzt. Viro wusste nicht, ob das normal war oder ob er nur zu schnell bei den Datteln zugegriffen hatte und man ihn nun für ausgehungert hielt, Viro probierte ihn, hielt dabei aber den Blick auf die Frau gerichtet, die sich immer noch mit ihm „unterhielt“ und auch der Brei schmeckte sonderbar, doch Viro war es ziemlich egal.
Er wollte nicht der erste sein, der das Schweigen durchbrach, den das die Leute sprechen konnten, daran hegte er keinen Zweifel, immerhin konnte er Kasan. So schwieg er, lauschte den Bewegungen und harrte dessen, was nun geschah.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Freitag 9. November 2012, 14:19

Hintergrundmusik

Langsam setzten sich die einzelnen Beobachtungen zu einem Bild zusammen. Die schwarze Gaze vor den Augen einzelner Personen konnte ein Zeichen für eine geschlechtsspezifische Identifikation sein, da war er sich inzwischen recht sicher. Die Umgebung war zwar still, aber auch lehrreich und faszinierend, wie die Geheimnisse seines verschlüsselten Buchs. Viro beobachtete genau und wägte gründlich ab, wann und ob er handeln würde. Selbst kleinste Gesten kontrollierte er vorsichtig, da in einer schweigenden Kultur schon ein Fingerzeig eine derbe Beleidigung sein könnte. Es war ein enormer Balanceakt zwischen Neugierde, Aufmerksamkeit und Anpassungsvermögen, dem Viro sich aber erstaunlich gut stellte. Seine Zurückhaltung wurde seinerseits aufmerksam beobachtet und anscheinend für gut befunden. Er zeigte gegenüber der seltsamen Lebensweise Respekt und passte sich an, auch wenn es ihm schwer fiel. Immer mehr, anfangs noch neugierige Augenpaare, richteten sich wieder auf ihre gewohnten Tätigkeiten. Mit jeder Minute die ohne schweren Zwischenfall verging, schienen die Anwesenden den neuen Gast in ihre Gemeinschaft zu integrieren, ohne dafür eine Silbe zu verschwenden. Viro war sich durchaus bewusst, dass er noch beobachtet wurde, aber die gestikulierten Gespräche wurden immer entspannter und weniger Aufmerksamkeit richtete sich in seine Richtung. Als dann eine Frau, ebenfalls mit Gaze vor den Augen, ihm die Schale mit Brei gebracht hatte, er zu essen begonnen hatte, bemerkte er am Rande, dass nun noch ein paar Gesichter sich von ihm abwandten. Anscheinend akzeptierten sie ihn als ihren Gast und dazu gehörte auch das Essen von der Nahrung die man angeboten bekam, ohne Angst vor Gift zurück zu schrecken.
Einzig der Anführer des Reitertrupps schaute immer wieder zu ihm hinüber und wollte sich wohl durch Viros scheinbarer Gelassenheit nicht täuschen lassen. Eine Weile versuchte wohl die Reiterin an seiner Seite ihn abzulenken, jedoch nur mit mittlerem Erfolg. So langsam konnte Viro bewusst werden, dass sie durch die kleinen Handzeichen, ihm durchaus geholfen hatte. Auch wenn sie nicht anders wirkte als die Anderen hier, so war sie doch die erste gewesen, die ihn offen gegenüber getreten war. Wenn Viro genau überlegte, so hatte sie ihn vielleicht schon entdeckt, bevor er in den Ruinen erwacht war. So wie sie auf ihrem Pferd ihn beobachtet hatte, ihm Raum gelassen hatte, so passte ihr Verhalten gut zu der Mentalität die er hier gerade kennen lernte. Die Menschen hier waren auf ihre Stille Art etwas ganz besonderes.
Viro hatte noch nicht aufgegessen und der Brei klebte schwer auf seiner Zunge, als er einen höchst befremdlichen Vorgang beobachten konnte. Der Vordere Vorhang schwang auf und zwei Krieger traten ein um ihn aufzuhalten um so einen größeren Durchgang zu ermöglichen. Dann wurde von einem dritten Krieger ein pechschwarzer Hengst hereingeführt. Einige der Anwesenden machten wiederholt die Begrüßungsgeste, indem sie ihre Brust, ihre verborgenen Lippen und ihre Stirn berührten. Menschen die ein Pferd begrüßten, als wäre es ein … Adeliger?
Das Fell glänzte, die Mähne fiel in langen Wellen wunderschön über den Hals des stolzen Tieres. Winzige mit silbrig glänzenden Bändern verzierte, gedrehte Zöpfe im Deckhaar schmückten Mähne und Schweif und sogar die Hufe glänzten glatt poliert. Detaillierte Muskelstränge zeichneten das Tier als wahren Schatz aus. Der geschwungene Hals bog sich weit zurück gezogen zu einer edlen Körperhaltung und dieses Tier schien ganz genau zu wissen was es wehrt war. Der feurige Blick galt weder den Leckereien auf den Tischen, noch den Menschen in seiner Umgebung. Er stand einfach nur da und ließ scheinbar ganz bewusst seine Presence wirken. Viro hatte definitive noch nie in seinem Leben ein schöneres Tier gesehen! Und das solche Schönheit in der Wüste erblühte, war mehr als ungewöhnlich. Woher nahmen die Menschen hier das Wasser, die Nahrung die Vitamine die ein Pferd zu solcher Pracht heranwachsen lassen konnte? Doch darüber konnte sich Viro auch noch später Gedanken machen, denn just in dem Augenblick, da er seinen Blick von dem Tier lösen konnte, schwang im Hintergrund einer der zart durchsichtigen Vorhänge auf, gehalten von zwei Frauen, soweit Viro erkennen konnte und heraus trat ein Mann. Komplett in Schwarz, wie viele andere hier ebenso gekleidet waren, wirkte er trotzdem sofort wie ein König inmitten seinen Untertanen. Vielleicht lag es auch an der plötzlichen Bewegungslosigkeit der Umgebung, dem Verstummen des Gestiken. Er schritt langsam bis zu dem Tier und ging vor dem Hengst auf die Knie. Seine Augen waren von tiefschwarzen Rändern umgeben, wahrscheinliche eine Tätowierung, die den mystischen Effekt noch verstärkte. Der Mann hob langsam eine Hand vor sich, sodass sein Handrücken seine Stirn berührte. Auch seine Hände, jeder einzelne Finger waren tätowiert, wie Viro deutlich sehen konnte. Der Pferdekopf ruckte zwei dreimal nickend und schnaubend, bevor er seine weiche Nase in die Handfläche des Mannes legte. Der Kontakt war hergestellt und der Mann erhob sich langsam, ohne die Berührung zu lösen. Mit der anderen Hand streichelte er nun die Stirn des Tiers und sah ihm in die Augen. Viro war sich sicher, dass er in diesem Moment lächelte. Als er dann seinen Blick löste und sich umsah, begannen die Gestiken wieder munterer zu werden. Er streichelte noch ein paar Mal über den Hals des Hengstes, als der Anführer des Reitertrupps aufstand und zu ihm trat. Winzige Zeichen und bedeutungsvolle Blicke wurden gewechselt und sein Auge ruhte still auf dem Hengst. Eine unmissverständliche Handbewegung bedeutete dem jüngeren zu gehen. Viro bemerkte eine gewisse Unruhe aus der Ecke, aus der er schon einmal Hilfe erhalten hatte. Die Reiterin erhob sich und sie und der Anführer trafen sich kurz. Er versuchte sie am Ärmel zurück zu halten, doch sie riss sich unwirsch los. Sie ging weiter zielstrebig auf den Mann beim Pferd zu und sank an seiner Seite auf die Knie, berührte mit ihrer Stirn seinen Fuß. Es war eine sehr unterwürfige Geste, doch sie verfehlte anscheinend ihre Wirkung nicht, denn die schwarz umrandeten Augen schauten auf sie nieder und hoben dann nach ein paar Sekunden ihren Kopf unterm Kinn an. Sie sahen einander an und er schüttelte leicht den Kopf. Dann ließ er unvermittelt von ihr ab und wandte sich Viro mit zwei Schritten zu. Der Stimmungsumschwung kam so plötzlich, dass Viro durch seine plötzliche Aufmerksamkeit überrascht wurde und noch schnell etwas von dem zähen Brei hinunter schlucken musste. Ein abschätzender Blick, wenn gleich nicht unfreundlich, wanderte über seine Gestalt und eine sich hebende Hand bat Viro sich zu erheben und ihm anschließend zu folgen. Alles schwieg und ließ die Hände ruhen. Nur die am Boden kniende Reiterin nickte Viro aufmunternd zu. Es war wohl besser dem „König von Sintos“, oder einem anderen Adelsrang, so wie ihn Viro vielleicht einschätzte zu folgen.
Aus dem großen Vorraum ging es durch die hab transparenten Vorhänge tiefer in den Zeltpalast hinein. Die Gestalten die er schon schemenhaft aus dem Vorraum aus gesehen hatten, verbeugten sich tief. Es waren hauptsächlich Frauen, wie man vor allem an der verhüllenden Gaze vor den Augen sofort erkennen konnte, aber hier wurde auch Schmuck getragen. Eine der Damen hatte einen filigran gearbeiteten Kopfschmuck, eine andere einen leise klingenden Gürtel aus fein geschlagenen Metallplättchen und eine andere fiel durch dünne Ketten an ihren Füßen auf die bis zu den Ringen an ihren nackten tätowierten Zehen reichten. Wenn auch die Räume in diesem Teil des Palastes sich kaum von den anderen unterschieden, so waren es doch die Wesen die Pracht in Farbe und Formen in ihre Umgebung brachten. Viro wurde tiefer in das verwirrende Konstrukt aus Schleiern, Vorhängen, Tüchern und Zeltplanen gebracht. Ein weiterer Vorhang wurde beiseite gezogen und ein gewaltiger Krieger, der bestimmt über zwei Meter maß und dabei sicher seine 125 Kilogramm wog, fixierte Viro, aber machte vor seinem Begleiter bereitwillig platz. Auffallend waren auch die glutroten Augen, umrandet von geschwärzter Haut, die den Nekromanten misstrauisch folgten. Nach dieser Wache ging es eine schmale Treppe hinab in ein unterirdisches Höhlensystem. Fackeln brannten an den Wänden und verbreiteten einen seltsam würzigen Duft. Nach ein paar Biegungen betraten sie einen Raum, der durch ein warmes Feuer in der Mitte erhellt wurde und in seiner Decke einen trichterförmigen Abzug hatte. Um die Feuerstelle herum waren Matten und Kissen im Kreis gelegt und an den Wänden konnte man schemenhaft Figuren, Szenen im flackernden Licht auf kunstvollen Mosaiken erkennen. Sie waren nicht allein, aber die drei in schwarz gehüllten Gestalten im hinteren Winkel der Höhle nahmen wenig Notiz von ihnen, zu mindestens wirkte es so auf einen ungeübten Beobachter. Viro ahnte, dass sie alles sehr genau verfolgten und bei dem geringsten Zeichen für Gefahr einschreiten konnten. Der Wüstenkönig nah, Platz und bot einen Platz in seiner Nähe an.
„Ich bin Omar iben Yasir Umarah, oberster Stammesfürst der Wüstenwinde, Wüstenskorpion und gewähltes Oberhaupt dieser Gemeinschaft die euch in Gastfreundschaft empfangen hat. Ihr dürft nun sprechen.“
Seine Stimme war unglaublich tief und brummte mit jeder Silbe die über seine Lippen kam. Noch während er gesprochen hatte, war eine Hand an seinen Kopf gewandert und er hatte eine Wickelung gelockert. Er hatte tief schwarze Augen, die schon von ein paar Falten umgeben waren, umrandet von der schwarzen Stammestätowierung, die in Wellen wie die Dünenkanten sich über seine ganzes Gesicht bahnten. Er mochte in den 50igern sein Seine leicht gebogene Nase erinnerte an einen Falkenschnabel, die Wangenknochen lagen hoch und seine Lippen waren schmal und von einer gewissen Strenge geprägt.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 9. November 2012, 21:56

Viro versuchte angestrengt, sich von der Stille und den Blicken nicht verunsichern zu lassen. Er wand sich einfach den Brei zu und blendete alles andere so gut es ging aus. Einzig die bohrenden Blicke des Anführers der Reiter blieben ihm ununterbrochen gewahr.
Der Brei war für und an sich seltsam, nicht nur der süß-scharfe Geschmack, sondern auch die Konsistenz. Nach seiner Ansicht hatte alles seinen nahmen aufgrund der Eigenschaft die es aufwies und wenn etwas nicht so war, wie es der Name erahnen ließ, hat jemand entweder einen Fehler gemacht oder man hatte etwas vollkommen neues entdeckt. Der Brei, nun er war nicht so dünnflüssig wie man es erwartet, eher hatte er eine sehr zähe, fast schon trockene Konsistenz. Es war auf jedenfalls kein Brei, jedoch viel ihm nicht passenderes für dieses Zeug ein, weshalb er es trotzdem bei Brei beließ.
Als er gerade langsam den Brei aß, wurde plötzlich einer der Vorhänge von zwei Kriegern beiseite geschoben, nur um es einen dritten zu ermöglichen ein schwarzes Pferd hereinzuführen. Abermals war Viro an Kasan erinnert, der auf einem ähnlichen Tier davon geritten war. Nun kannte sich nicht sonderlich gut mit Pferden aus, er musste dem Tier eine gewissen Pracht zugestehen, doch verwundert ihn das Gehabe der anderen Anwesenden doch sehr. Als die Ehrerbietung für ein Tier, es hätte ein ähnliches verhalten von Viro nur geerntet, wenn es plötzlich angefangen hätte zu sprechen doch offensichtlich blieb dies aus.
Dann wurde ein anderer Vorhang geöffnet, diesmal von zwei Frauen und zum Vorschein kam ein Mann, der eindeutig hoheitliche Präsenz ausstrahlte. Der Mann schritt auf das Pferd zu, das daraufhin vor dem Mann in die Knie ging, das beeindruckte Viro dann doch schon. Auch erfolgten einige Gesten, denen Viro jedoch keine allzu hohe Beachtung schenkte, erst als der Anführer der Reiter auf den Mann zuging und mit ihm „sprach“ hatten beide Viros ungeteilte Aufmerksamkeit.
Viro konnte nichts deuten und als sich dann der Reiterführer entfernt und mit der Reiterin sprach, nein stritt schien angemessener zu sein, wusste Viro die Situation nicht zu deuten. Als sie sich dann von dem Mann löste und auf den scheinbaren Fürsten dieser Gegend zuschritt, musste Viro kurz innehalten und die Szenerie auf sich wirken lassen. Sie vollführte eine SEHR unterwürfige Geste, die anscheinend wohlwollen von ihrem Herren erntet.
Was dann allerdings geschah überraschte Viro doch, er kämpfte gerade mit dem Brei, als der Fürst plötzlich auf ihn zu schritt und mit einer schwachen Geste ihm bedeutete dem Mann zu folgen. Ein Blick auf seine „Freunden“ von den Reitern versicherte ihm, dass er dieser Aufforderung unbedingt nachkommen sollte, also erhob er sich und folgte dem Fürsten.
Es ging tiefer ins Innere der Zeltfestung und schließlich in einen Höhlen komplex, wie man ihn von außen hier und da bereits gesehen hatte. Neben einigen verhüllten Damen sah man zudem viele finster dreinblickende Krieger, zudem gesellte sich nun zu der Stille, eine muffige Hitze die von den Fackeln an den Wänden, der Hitze von draußen und letzten Endes den Feuern, die in einigen Räumen brannten herrührten. In einen jener Räume endete die Führung. Es war ein nach obenhin spitzzulaufender Raum mit einen Loch in der Decke und direkt darunter brannte das Feuer. Um es herum waren Kissen angeordnet und an den Wänden erkannte man Schmuckwerk. Viro nahm an, das sie aus dem ursprünglichen Palast stammten, ausgegraben und dann in diesem Raum angebracht wurden. In einer Ecke harrten einige gestalten die Viro jedoch nicht näher erkennen konnte.
Dann wand endlich der Herr dieses Gebietes das Wort an ihn und zu Viros Erleichterung war es das gesprochene Wort.
Er stellte sich als der Häuptling von Wilden vor und auch wenn Viro wusste, dass dies nicht ganz nett war und einigen mit Sicherheit dem gänzlich widersprochen hätten, blieb ein Gedanke in Viros Hinterkopf. Dies war einst eine mächtige Metropole gewesen und nur wenig erinnerte noch daran. Eine große Zivilisation hätte das hier wieder aufgebaut oder etwas Neues erschaffen, doch diese Leute nahmen alles mehr oder weniger so, wie sie es vorfanden.
Das Mochte den Leuten hier genügen, doch es war eine Entwürdigung für Sintos.
Dies war Viros Meinung, jedoch war er beherrscht genug um folgendes zu entgegen: „Seit gegrüßte Stammesführer Omar iben Yasir Umarah, mein Name Viro Mentis studierter Magier der Akademie von Zyranus. Ich bedanke mich herzlich für die Gastfreundschaft, die mir eure Leute zu teil werden ließen und frage mich doch, weshalb Ihr mich persönlich empfangt?“
Viro wusste nicht, ob es normal war, das der Herr dieser Gegend einen Reisenden empfang. Mit Sicherheit gab es nicht allzu viel Reisende und vielleicht war diesem Mann auch nur langweilig, doch hatte er ein ungutes Gefühl. Ihm wurde für seinen Geschmack zu viel Aufmerksamkeit geschenkt und erneut huschten seine Gedanken zu Kasan. Er hatte vor diesen Mann Magie gewirkt, war er bereits hier und wenn ja, hatte er davon berichtet, war Viro womöglich schon seit einiger Zeit das Thema in der Stadt?
Doch sosehr sich Viro den Kopf zermarterte, so würde nur eine Antwort des Fürsten Klarheit bringen.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Samstag 10. November 2012, 17:42

„Viro Mentis, studierter Magier der Akademie von Zyranus. Ihr seid nicht zufällig hier. Es ist selten, dass eine Wanderer den verborgenen Weg zu uns beschreitet und dann lebend unsere Heimat erreicht. Dies allein zeigt uns, dass ihr genügend Stärke besitzt um der Wüste stand zu halten. Ihr habt Selbstkontrolle bewiesen und geschwiegen als es notwendig war. Ihr habt die Gesetzte der Gastfreundschaft eingehalten und ein Mahl gespeist, dass ihr aus fremder Hand erhalten habt. Wir empfangen jeden Gast mit Respekt, doch die Gunst, in unseren Reihen geduldet zu werden, muss geprüft werden um von Dauer zu sein. Ich werde euch unsere Gebräuche und Gesetzte näher bringen, wenn ihr bleiben wollt, doch vorher hätte ich auch eine Frage an euch … Eurer Weg wurde schon früher von einem von uns gekreuzt. Sonst wärt ihr nicht hier! Sprecht und berichtet mir seinen Namen und was er zu euch gesagt hat.“
Viros Gesprächspartner waren keinerlei Emotionen im Gesicht abzulesen. Auch der Tonfall war wenig von Schwankungen unterlegt und Gestik, wie Haltung neutral gehalten. Was aber dem Nekromanten während des Gesprächs aufgefallen war, dass zwei der drei verhüllten Gestalten sich neu im Raum positioniert hatten, so dass er nun keine Fluchtmöglichkeit mehr hatte. Auch wenn der Fürst kein Anzeichen darauf gegeben hatte, dass Viros Antwort von Bedeutung sein könnte, so hatte das Umfeld sich verraten. Ein unangenehmes Gefühl, kroch ihm den Nacken hinauf, denn er begann zu ahnen, dass diese „wilde“ Volk seine Gesetzte sehr ernst nahm und sein Leben plötzlich am sprichwörtlichen seidenen Faden hing. Der Fürst hantierte jedoch nur scheinbar mit geteilter Aufmerksamkeit mit zwei Kelchen, die er eigenhändig mit einer minimal grünlich schimmernden Flüssigkeit aus einem Krug füllte. In einen Kelch kippte er den Inhalt einer kleinen Phiole, die ebenfalls bereit lag und schwenkte dann langsam das Trinkgefäß. Dann sah er Viro wieder aufmerksam an. Das Feuer in der Mitte des Raums knackte einmal laut und entzündete die steigende Spannung im Raum. Viro fühlte sich sicher nicht ganz wohl in dieser Situation. Sein Magen brannte noch von dieser seltsamen Pampe und sein Puls ging auch nicht ganz regelmäßig. Seine paranoide Ader fragte sich sofort, ob man ihn vielleicht vergiftet hatte? Kam es jetzt auf seine Antwort an, auf ihre Richtigkeit, dass man ihn das Gegengift geben würde? Ja, er könnte auch einfach vorsorglich seine Magie wirken, doch war das klug in dieser brenzligen Situation? Man wartete gespannt auf seine Antwort.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Montag 12. November 2012, 15:30

Viro wusste die neuerliche Situation nicht einzuschätzen, während die letzten Worte verhalten, rasten sein Gedanken förmlich. Er versuchte die aktuelle Situation so gut wie möglich zu erfassen. Ein Gedanke, es war einer der sich langsam anhäufenden leicht psychotisch- irrationalen, sagte ihm dass er vergiftet worden sein konnte. Doch entgegnete ein anderer Gedanke, einer der kühl-logischen, die sich manchmal für besser hielten als die anderen Gedanken, das er doch einmal gelesen hatte, das in vielen Kulturen das Mahl heilig ist und eher Selbstmord begangen wird, als es zu beschmutzen. Nun wusste Viro nicht viel über die Sinter, er wusste nicht, ob es auch hier der Fall war, doch wusste Viro schon, das die menschliche Varianz äußerst beschränkt war. Außerdem, sagte ihm ein weiterer Gedanke, ein der nüchternen-realistischen, dass wenn er vergiftet wurde, auch nichts daran im Moment hätte ändern können.
Also entsann sich Viro zurück zu dem Gespräch mit Kasan und dessen Worten. Viel wollte ihm nicht in den Sinn kommen, doch versuchte er soviel wie möglich zusammen zu bekommen.
Er schloss die Augen und nach dem sich kurz seine Lippen kaum merklich bewegt hatten, antwortete er: „Er hat sich mir unweit Santros bei einer Oase als Kasan vorgestellte. Er sagt nicht viel, nur das ich mich vor den Skorpionen in acht nehmen sollte und dann hat er sich mit den Worten „Die Wüstenwinde mögen dir gewogen sein.“ verabschiedet und bitte seht es mir nach, wenn ich es falsch Ausgesprochen habe, doch waren mir die Worte nicht geläufig, ich bin froh das ich sie halbwegs hin bekommen habe.“
Mit diesen Worten entspannte sich Viro ein wenige. Zumindest der Großteil von ihm, seine rechte Faust öffnete und schloss sich unregelmäßig und abgehackt und die Muskeln und Sehnen des Armes, waren bis zum Bersten angespannt, doch viel es Viro nicht auf, er beobachtete seinen gegenüber mit festen Blick und wartete ab.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Dienstag 13. November 2012, 19:06

Viro wusste nicht genau, was um ihn herum geschah, doch abermals bewies er, dass er ein aufmerksamer Beobachter war.
„Er hat sich mir unweit Santros bei einer Oase als Kasan vorgestellte. Er sagt nicht viel, nur das ich mich vor den Skorpionen in acht nehmen sollte und dann hat er sich mit den Worten „Die Wüstenwinde mögen dir gewogen sein.“ verabschiedet und bitte seht es mir nach, wenn ich es falsch Ausgesprochen habe, doch waren mir die Worte nicht geläufig, ich bin froh das ich sie halbwegs hin bekommen habe.“
Das er Gesten als Worte betitelte und sie gestikulierte, statt aussprach, nahm ihn hier niemand übel. Ganz im Gegenteil. Noch während er gesprochen hatte, veränderte sich die Situation abermals und die drei Männer, zogen sich wieder in den hinteren Teil der Höhle zurück. Der Wüstenfürst lächelte und wirkte recht angetan von Viros Demonstration seiner Sprachkenntnisse des Rendineischen. Der Nekromant hatte anscheinend, sehr wohl bemerkt, dass ein und die selbe Geste, eben das Führen der Hand vom Herzen, über die Lippen zum Geist, ganz unterschiedliche Bedeutungen haben konnte. Kasan hatte die Hand über dem Herzen weit geöffnet gehabt, bei seinen Lippen zur Faust geschlossen und als er sie an die Stirn führte nur mit zwei Fingern berührt. Viro hatte sich das Bild gut eingeprägt und anscheinend ausgezeichnet wieder gegeben, denn der Fürst nickte anerkennend.
„Viro Mentis, studierter Magier der Akademie von Zyranus, ihr habt euer Gastrecht für einen Tag und eine Nacht soeben erstanden. Befolgt unser erstes Gesetzt, schweigt und ihr werdet leben.“
Das Wort „schweigt“ hatte er besonders betont und das entsprechende Zeichen in Rendinea dazu gemacht:
„Schweigt!“
Wenn ihr länger bleiben wollt, werde ich euch einer weiteren Prüfung unterziehen. Nur diejenigen die im Sand Sintos geboren worden sind, oder sich das Recht hier zu leben erkämpft haben, dürfen hier auch verweilen. „Kasan“ hat euch für würdig genug erachtet, dass er euch diesen Namen genannt hat. Wenn ihr die zweite Prüfung besteht, erkläre ich euch gerne, warum dies so wichtig für uns ist. Jedoch, wenn euch euer Gastrecht bis morgen zu dieser Stunde reicht, dann werden wir euch zum Sonnen Aufgang zurück auf die offiziellen Pfade führen, die mit Vergessen getränkt sein werden. Das ist das zweite unserer Gesetze. Wir lassen keine Reisende sterben, die den Mut und die Kraft bewiesen haben uns zu finden, jedoch schützen wir unsere Lebensweise. Jeder der wahrhaftig die Geheimnisse Sintos ergründen will muss sich unseren Prüfungen stellen. Also frage ich euch Viro Mentis, studierter Magier der Akademie von Zyranus, wollt ihr bleiben, tun was man euch sagt, euren Wert beweisen und wissen oder morgen früh gehen und vergessen?“
Der Fürst hatte ihm den Becher ohne das beigemengte Pulver gereicht und hielt ihn seinen zum anstoßen entgegen. Als er Viros Blick auf dem Kelch bemerkte, wackelte er kurz mit dem Kopf und fügte erklärend hinzu:
„ … meine Medizin.“
Dann sah er Viro wieder fragend an und wartete auf seine Antwort.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 16. November 2012, 00:22

Viro entspannte sich sichtlich, als das, was er von seiner Begegnung mit Kasan zu berichten wusste, gut angenommen wurde. Auch dass er die „Worte“ richtig in Erinnerung rufen konnte und nicht eine unbedachte oder unflätige Handbewegung einfließen ließ.
Zugute kam ihm, das er Kasan so misstrauisch studiert hatte, dies hatte ihn wahrscheinlich in diesem Moment das Leben gerettet, doch wollte er darüber nicht weiter nachdenken.
Viro hörte das Angebot des Fürsten, besaß jedoch nicht die geringste Absicht in Sintos länger zu verweilen als nötig, also würde er versuchen, am heutigen Tag seine Geschäfte über die Bühne zu bringen und Morgenfrüh auf zu brechen.
Bevor Viro antworten konnte, wurde ihm ein Becher gereicht und der Fürst streckte ihm seinen entgegen. Was das für eine „Medizin“ war, die dem Fürst zusätzlich mit dem Getränk zu sich nahm wusste Viro nicht. Jedoch waren die Optionen begrenzt, entweder war es Medizin oder es waren Rauschmittel, was von vielen ja auch als Medizin angesehen wurde, doch Viro war es gleich.
Er stieß mit dem Fürsten an und benetzte vorsichtig seine Lippen mit dem Inhalt des Kelches. Es war Wasser, was man beim schummrigen licht nicht erahnen konnte und es enttäuschte Viro ein wenig, er hatte mit einem exotischeren Getränk gerechnet, doch das kühle schlichte Nass beseitige glücklicherweise, die über Reste des doch recht seltsam schmeckenden Mahles.
Viro stellte den Kelch ab und blickte Omar fest an: „Ich weiß diese Geste der Gastfreundschaft wirklich zu schätzen, doch habe ich nicht vor all zulange in der Gegend zu verweilen. Sintos war nur die erste Station auf meiner Reise. Ich würde gerne den örtlichen Barsa oder das Äquivalent das ihr hier habt aufsuchen und wenn ich habe weshalb ich gekommen bin, werde ich morgen in aller Frühe aufbrechen. Das heißt natürlich nur, wenn ihr nichts dagegen habt, Omar iben Yasir Umarah“
Man wusste nur wenig von Sintos nach außen hin und nichts von dem, ließ auf eine so strickte Hierarchie schließen, aber Sintos war all gemeinhin bekannt für Dieb und Gesindel. Was zwangsläufig auf einen Schwarzmarkt schleißen ließ und wenn man die Ausmaße des Komplexes berücksichtigte, der Viros Erwartungen bei weiten übertraf, musste es ein ziemlich großer Markt sein, jetzt hoffte Viro nur, das dieser ihm nicht verwehrt werden würde, da sonst die ganze Reise nach Sintos sinnlos gewesen wäre. Do so beeindruckend die Überreste auch warne, Viro verschwendete ungern seine kostbare Zeit.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Samstag 17. November 2012, 00:50

Fürst Omar Umarah sah Viro etwas erstaunt an. Er musterte ihn noch einmal eingehend und in seinem Gesicht war deutlich ein beginnender Zwiespalt zu erkennen. Er stellte seinen Kelch ab und schaute eine Weile auf den Grund, wo sich ein zarter Schleier des Pulvers abgesetzt hatte. Sein Finger tippte ein paar Mal auf den Rand, als ob er etwas abwägte, dann sah er wieder auf, direkt in Viros kühle blauen Augen. Man merkte deutlich, dass dieses Volk nicht gewohnt war solche langen verbalen Dialoge zu führen und er seine Worte mit Bedacht wählte. Sicher war das hier verwendete Rendinea nicht leicht zu lernen, doch wer hier geboren wurde, kannte nichts viel anderes. Hörte man genau auf die Phonetik, so fand man schnell heraus, dass Stimmbänder wie auch spracheproduzierende Organe wie die Zunge und ihre Koordination nicht sonderlich stark trainiert waren, was aber keinen Rückschluss auf die Intelligenz oder Presence des Sprechers zu ließ. Die sehr tiefe Stimmlage des Fürsten rührte vielleicht sogar daher, dass er als einer der Wenigen hier war, der überhaupt regelmäßig sprach. Der Syntax, die Anordnung und Zusammenstellung der Worte, glich in vielem dem einfachen Celcianisch, doch ein ungeübter Sintosianer würde sicher auch hier seine Probleme in der Übersetzung bekommen. Ein wacher Geist wie Viro ihn besaß, würde sich auch für die Semiotik, die Bilderschrift dieser Sprache interessieren, zumal auch sein verschlüsseltes Buch einen Teil besaß, der in Rendinea geschrieben war. Trotz aller analytischer Intelligenz die Viro besaß, war es schwierig von dem gesprochenen Wort auf die Gedankengänge dahinter zu schließen. Die Hände des Fürsten zu beobachten, war da viel aufschlussreicher, auch wenn für Viro ungewohnt. Omar sprach weiter:
„Kasan hat euch nicht umsonst hier her geschickt. Er muss etwas in euch gesehen haben, was euch für uns wertvoll macht und ich würde es begrüßen, wenn ihr mir von eurem Treffen genauer berichtet, damit ich es auch sehen kann. Sintos ist keine Stadt, die man einfach so durchreist. Ihr habt die Bedingungen gehört und ein „Plausch“ auf einem Basar, selbst die einfachsten Verhandlungsgespräche werden unter diesen Umständen für euch nicht sehr einfach, sogar vielleicht unmöglich sein, wenn ich euch nicht helfe.“
Er drehte den Kelch zwischen den Fingern.
„Wir hören hier nicht all zu viel von der Außenwelt und sind gern für uns, trotzdem würde ich gerne wissen, was ihr über unsere Stadt gehört habt? Mich würde auch interessieren, welche Art von Magie ihr studiert habt in Zyranus und was ihr hier zu finden gedenkt? Ich bin gewillt euch mit meinem Rat und Wissen den bestmöglichen Start zu gewähren, aber niemand kommt nach Sintos um ... einzukaufen. Was sucht ihr wirklich hier?“
Er ließ den Kelch los und legte seine Hände flach auf seine Oberschenkel, während die Ellenbogen dabei leicht abgespreizt waren. Körperhaltung und Mimik waren offen, aber wollten auch hinter die glatte Fassade des Magiers blicken. Viro fühlte sich jetzt vielleicht schon an eine Szenerie auf einem Marktplatz erinnert, nur dass es hier um sehr viel größere Dinge ging, als Lebensmittel oder Tand. Hier ging es um die Frage, ob er gewillt war auch etwas von sich Preis zu geben, damit dieses Volk ebenfalls seine Mentalität für ihn öffnete.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Montag 19. November 2012, 22:43

Viro vernahm die sorgfältig zurechtgelegten Worte. Sie wirkten um einiges gewichtiger, als sie es eigentlich waren, doch lag dies wahrscheinlich an dem Umstand, dass Worte in dieser Stadt, Mangelware waren.
Er schwieg kurz und wägte seine Worte mit gleicher Sorgfalt ab. Viro überlegt, was er sagen sollte und was verschweigen und vor allem, wie er es sagen sollte. Nach einigen Augenblicken atmete er einmal tief durch, griff den Schirm neben sich und stellte ihn zusammengeklappt, mit der Spitze nach unten zeigen neben sich auf. Er sah den Fürst fest an: „Zuerst zu dem WARUM. Es gibt zwei Gründe. Der Erste, ist dieses alte Familienerbstück und da ich eine längere Reise plane, wollte ich ihn veräußern um selbige zu finanzieren. Es ist ein alter mit diversen Schutz-Runen verzierter Schirm. Und jetzt werdet ihr euch Fragen, warum ich ihn ausgerechnet hier loswerden will.“, Viro schweigt kurz und legt des Schirm wieder flach auf den Boden, „Ich bin mit der Absicht nach Sintos gekommen, mir einen … Gefährten, Begleiter, Leibwächter, nett es wie ihr es wollt, an die Seite zu holen.“, wieder sinniert er kurz über die nächsten Worte, „Ich suche keinen Söldner, wie man ihn in den großen Städten…“, mir sarkastischen Unterton fuhr er fort, „Den selbsternannten Hochburgen der Zivilisation.“, wieder ernst führt er fort, „Ich will jemanden, der gemeinhin als Glücksritter tituliert wird. Der seine Sache der Sache wegen tut und nicht wegen glänzender Münze. Weshalb mir klar wurde, das ich abseits der üblichen Orte nach einen solchen Jemand Ausschau halten musste.“, Viro lässt kurz seinen Blick durch den Raum schweifen, „Da viel meine Wahl auf Sintos. Aus zweierlei Gründen. Die Bewohner dieser Gegend gelten als, von der Wüste gestählt und der andere ist ein vollkommen selbstsüchtiger. Ich wollte die Stadt einfach mit meinen eigenen Augen sehen, sehen ob das, was ich aus diesen Buch entnehmen konnte der Wahrheit entspricht, entsprechen kann. Und was ich gesehen habe, lässt darauf schließen.“, Viro seufzt einmal auf, „Also, das WARUM und WIESO hätten wir jetzt also, nun zum WER oder vielmehr WAS BIN ICH!“, Viro legt in die letzten Worte eine Härte und Bitterkeit wie man sie nur selten von ihn vernahm, er fuhr jedoch vollkommen ruhig fort und um seine nachfolgenden Wort mit mehr Gewicht zu versehen, nahm er den Handschuh von der rechten Hand während er sprach, „Ich habe mich an der Akademie für die Studie der Nekromantie entschieden und zwar, wenn ich jetzt so zurück Blicke, in erster Linie aus puren Trotz.“, er hält seine rechte Hand im schummrigen Licht erhoben und sein Blick fixiert sie, während er fortfährt, „Dies ist mein größtes Werk und zugleich meine größte Schmach. Es ist etwas, was außer mir, wahrscheinlich niemanden sonst je gelungen ist und zugleich nimmt sie mir langsam das Leben. Dies bringt mich zu dem ZIEL meiner Reise, ich gedenke dem Tod ein Schnäppchen zu schlagen, jedoch nicht auf die Törichte Art und Weise, wie es die vielen anderen Nekromanten der Geschichte getan haben. Nein, meine Reise soll mich von Sintos, einem vergessenen Ort der Geschichte zu einen anderen bringen, dem Turm der Weisheit.“, Viro reißt seinen Blick von seiner Hand und seine kalten blauen Augen sehen in die dunklen seines Gegenüber, „Und nun, Fürst Omar, da ihr meine Geschichte und Beweggründe kennt, sagt was haltet ihr davon?“
Viro fühlt sich plötzlich vollkommen ruhig, sein Geist ist klar oder vielmehr seine Gedanken arbeiten zumindest zusammen und in dieselbe Richtung. Auch die Stimmen sind ein leises raunen im Hintergrund, kein nervendes Stimmengewirr, wie es manchmal der Fall war und kein schmerz durchzog seinen Körper. Lediglich sein Magen schien zu rebellieren, anscheinend verträgt er sich nicht so gut mit dem Brei.
Viro wusste nicht, wie sein kleiner Monolog bei dem Fürsten angekommen war. Auch fragte er sich, ob er so viel hätte preisgeben sollen, doch da er sein Rede mit einer Lüge begonnen hatte, wollte er sie mit der Wahrheit wieder aufwiegen. Zumal es ihm egal war, was dieses schweigende Schatten eines Volkes über ihn Dachte oder wusste.
So hielt er seinen Blick auf den Fürsten gerichtet und wartete.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 21. November 2012, 23:17

Ein Wandel ging durch den Mann vor ihm. Noch während Viro sein „Familienerbstück“ vorstellte, bildete sich eine grüblerische Falte zwischen den Brauen des Fürsten. Hiermit war also geklärt, womit Viro bezahlen wollte. Omar betrachtete den Schirm, wartete auf ein zustimmendes Nicken seitens Viros, bis er dann ihn kurz in die Hand nahm und ihn langsam drehte. Das alte Leder mit seinen Löchern wirkte auf den ersten Blick wie Plunder ohne Wehrt, doch Fürst war aufmerksam genug, um ein jedes Stück, das ihm angeboten wurde, zu hinterfragen. In diesem speziellen Fall löste er die Mechanik und öffnete ihn ein kleines Stück. Sein Blick fiel in das Innere und die Brauen hoben sich merklich. Dann legte er den Schirm wieder hin und hörte Viro weiter aufmerksam zu. Viro äußerte den Wunsch, der ihn an diesen Ort getrieben hatte und der Fürst nickte nachdenklich. Einen „Glücksritter“ unter seinen Gefolgsmännern zu finden, sollte wohl kein all zu großes Unterfangen werden, wenn die Gesetze geheiligt wurden. Er saß vor Viro, hatte die Ellenbogen auf den Knien abgestützt und die Fingerspitzen aneinander gelegt. Die Geste formte ein spitzes Dach und seine Zeigefinger berührten seine Lippen, während er den Magier beobachtete. Viros Stimme veränderte sich merklich und er zog den Handschuh von seiner entstellten Hand. Die Augen des Fürsten weiteten sich.
„Ich habe mich an der Akademie für die Studie der Nekromantie entschieden und zwar, wenn ich jetzt so zurück Blicke, in erster Linie aus puren Trotz.“
Allein das Wort „Nekromantie“ schien eine Wirkung auf den Fürsten zu haben, auch wenn er versuchte sie nicht zu offen zu zeigen. Der Kopf hob sich und drehte sich ein Stück zur Seite, auch wenn er die vernarbte und graue Haut genauso wie Viro gebannt betrachtete.
„Dies ist mein größtes Werk und zugleich meine größte Schmach. Es ist etwas, was außer mir, wahrscheinlich niemanden sonst je gelungen ist und zugleich nimmt sie mir langsam das Leben. Dies bringt mich zu dem ZIEL meiner Reise, ich gedenke dem Tod ein Schnäppchen zu schlagen, jedoch nicht auf die Törichte Art und Weise, wie es die vielen anderen Nekromanten der Geschichte getan haben. Nein, meine Reise soll mich von Sintos, einem vergessenen Ort der Geschichte zu einen anderen bringen, dem Turm der Weisheit.“
Dann sah er wieder den Fürsten an. In dessen Augen hatte sich ein undefinierbarer Ausdruck geschlichen.
„Und nun, Fürst Omar, da ihr meine Geschichte und Beweggründe kennt, sagt was haltet ihr davon?“
Omar schwieg, stand auf und lief im Raum auf und ab. Es vergingen quälend lange Minuten der Stille, doch der Fürst nahm sich all die Zeit die er brauchte und die seine Antwort benötigte, damit sie Viros Wahrheit gerecht wurde.
„Heute ist meine Antwort eine andere, als sie morgen sein könnte, aber ich verstehe nun, warum Kasan euch zu uns geschickt hat. Ihr seid in der Tat wertvoll. Mehr als ihr vielleicht jemals verstehen werdet, wenn ihr uns morgen verlassen wollt. Für heute sag ich euch, dass es kaum eine Seele in Sintos geben wird die bereit wäre euch zu folgen, denn ihr seid ein Fremder. Für euren Schirm bin ich gewillt für euch zu sprechen und es dem Schicksal zu überlassen, ob euch jemand begleiten wird.“
Seinem Gesichtsausdruck nach, glaubte er nicht, dass es viel sein würden, selbst wenn er sprach.
„Doch solltet ihr euch entscheiden eine Aufgabe für uns zu erfüllen und noch zu bleiben, so werdet ihr meine sprechenden Hände nicht mehr brauchen. Solltet ihr euch als das erweisen, was ich denke, das ihr für uns ein könntet, so hättet ihr die freie Wahl unter den Seelen der Stadt zu wählen. Sogar ich selbst würde dann euch mit Freuden begleiten, doch leider binden mich meine Aufgaben hier.“
Er schien kurz mit sich zu hadern, ob er noch mehr sagen dufte.
„Für heute muss euch reichen, dass ich glaube, euer Weg war nicht vergebens. Ihr seid ein Nekromant, der nach Wissen strebt und weise Türme können mehr sein, als aufeinander gelegte Steine, sowie Sand mehr sein als eine Decke die Ruinen verhüllt.“
Er war wieder ein paar Mal auf und abgelaufen und musterte nun abermals Viros Hand.
„Ich würde es begrüßen, eine Kostprobe eurer Macht zu sehen. Ich … Ich würde gerne einschätzen wie mächtig ihr seid, wenn ihr erlaubt. Wir hatten schon andere eures Fachs hier die … versagten.“
Zwei Fragen standen im Raum. Die eine, ob Viro neugierig geworden war und sich der Aufgabe annehmen würde um noch eine Weile zu bleiben und zum Anderen, ob er gewillt war seine Kunst zu präsentieren. Für zweiteres bräuchte er allerdings ein paar „Hilfsmittel“.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Sonntag 25. November 2012, 13:08

Viro lauschte den vagen Ausführungen des Fürsten. Einerseits gefiel ihm nicht das Interesse, das man plötzlich an ihm und seiner Nekromantie zu entwickeln schien, zum anderen kämpfte sich langsam Neugier durch. Viro konnte nur mutmaßen, was der Herrscher dieser Gefilde von ihm wollte, doch was ihn wirklich anstachelte waren die Worte: „Wir hatten schon andere eures Fachs hier die … versagten.“ Viro hielt sich eh für ein Ausnahmetalent, vielleicht etwas hochgestochen, doch war es ihm gleich und etwas zu erreichen, bei dem andere seines Faches gescheitert waren, würde diesen Punkt zusätzlich untermauern.
Doch während sich der Enthusiasmus langsam hochkämpfte, erinnert Viros kühl-brechender Teil seines Selbst, das auch wenn er die Fähigkeiten hätte, diesen Leuten zu helfen, sein derzeitiger Zustand ihn mit großer Wahrscheinlichkeit davon abhalten würde. Unterstütz wurde dieser, von dem Teil von Viro, der Alles und Jeden mehr oder weniger hasste, er gab zu bedenken, dass es keinen guten Grund gab, diesen Wilden zu helfen, er würde schon jemanden finden, der ihn begleiten würde.
Als diese Gedanken die Oberhand gewonnen hatte und Viro eine passende Entgegnung hervorbringen wollte, schob sich plötzlich ein zu gleichenteilen ehrgeiziger, wie arroganter Gedanke vor sie und Viro antwortete: „Fürst Oman, ich bin nicht der Magier, der ich vielleicht noch vor fünf Jahren war…“, nachdenklich senkt er seinen Blick auf seine Hand, „weshalb ich nichts versprechen kann, doch bin ich gewillt mir euer Problem an zuhören und wenn es meine derzeitige Verfassung erlaubt, werde ich es auch für euch lösen.“
Viro sprach mit einer Gewissheit, wie sie ihm selbst nicht ganz behagte. Als er vor einigen Jahren, noch ohne die Leiden die ihn nun plagten, hatte er oft so gesprochen. Es war die Kombination aus dem Wissen um seine Fähigkeiten und der Unfähigkeit, die er in jedem anderen sah, die ihn an nicht zweifeln ließen. Doch jetzt, in seinem Zustand, sowohl physisch als auch psychisch, war er sich schon lange nichts mehr absolut sicher gewesen. Er zweifelte immer wieder an sich und seinen Entscheidungen, nicht sehr, aber so sicher, wie er jetzt gerade war, war er lange nicht mehr gewesen.
Mit einem ruhigen Blick wartete Viro auf Omars Ausführungen.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Sonntag 25. November 2012, 21:43

Viros innerer Zwist drehte sich um Arroganz, Stolz, Neugierde und tief verwurzelter Abneigung alles und jedem gegenüber. Trotzdem reizte in auch der Gedanke, etwas zu vollbringen, an dem andere gescheitert waren. Es stachelte seinen Ehrgeiz an.
„Fürst Oman, ich bin nicht der Magier, der ich vielleicht noch vor fünf Jahren war…“
Er sah auf seine „verdorrte“ Hand.
„ … weshalb ich nichts versprechen kann, doch bin ich gewillt mir euer Problem an zuhören und wenn es meine derzeitige Verfassung erlaubt, werde ich es auch für euch lösen.“
Fürst Omar nickte langsam, doch Zögern lag in dieser Geste. Wieder ging ein paar Schritte hin und her. Eine der vermummten Gestalten lief kurz am Eingang vorbei, doch er scheuchte sie mit einer abwehrenden Handbewegung fort. Viro hatte nur kurz hingesehen, aber das unter Leder verborgene Gesicht hatte die strahlensten blauen Augen die er jemals gesehen hatte! Sie waren definitiv weiblicher Natur, was ohne die schwarze Gaze nur um so ungewöhnlicher war. Sie sah ihn nicht an, aber die unter leicht gesenkten, dichten, schwarzen Wimpern verborgenen Halbmonde schienen auch so von Innen heraus zu leuchten. Wenn dies doch ein Mann sein sollte, so besaß er eine ungewöhnlich anziehende Schönheit.

(Augen)

Fürst Omar wirkte über die Störung kurz ungehalten, aber sah nur eine Sekunde lang der Gestalt hinterher. Das Gespräch mit Viro war ihm anscheinend wichtiger.
„Es wird sich alles zeigen, … doch ihr seid kein Mann der sich gerne festlegen möchte, wie mir scheint, deshalb werde ich es euch einfacher machen.“
Er rieb sich nachdenklich die Stirn und fuhr dann fort. Das Viro auf seine Bitte nicht eingegangen war, schien ihn zwar nicht wütend zu machen, aber er reagierte nach seinem Gewissen entsprechend auf das zögerliche Verhalten des Nekromanten.
„Ich habt meine Bitte um eine Vorführung eurer Macht nicht beantwortet. Ihr seid gewillt euch ein Problem anzuhören, als ich von einer Aufgabe für euch sprach. Ich stellt eure Verfassung vor euren Willen, ohne zu wissen, ob ihr erfolgreich sein werdet, was nicht für euren Mut spricht. Um Missverständnisse zu vermeiden und Worte in meiner Gesellschaft nicht so viel wiegen wie Zeichen, werde ich es euch noch einmal erklären. … Ihr scheint mir unsicher, deshalb fordere ich von euch den Beweis schon heute. Euer Interesse zeigt mir, dass ihr kein Mann seid, der gerne wartet. Löst meine Aufgabe, beweist euren Mut und ich werde euch eine Tür zu den Geheimnissen von Sintos öffnen. Hindurchgehen muss jeder der es wagt, alleine. Doch VOR allem liegt eure Prüfung. Versagt ihr werdet ihr vergessen werden, wie die, die vor euch kamen. Mein Volk und auch ich brauchen den Beweis, dass wir euch Vertrauen schenken können, also werdet ihr etwas tun müssen, ohne zu fragen warum ihr dies sollt. Besteht ihr, so werde ich euch jede Frage beantworten.“
Er legte die Handflächen aneinander.
„Eure Aufgabe ist einfach. Wir werden zu der Geburtstagsfeier einer meiner Töchter zurück kehren und ich werde einigen Personen drei Küsse zur Begrüßung geben. Dabei beginne ich immer auf der linken Seite, gehe dann zur Rechte und noch einmal die Linke. Bei einer Person werde ich auf der Rechten beginnen, zur linken Wange wechseln und zur Rechten zurück kehren. Diese werdet ihr töten. Wie ihr dies tut, ist euch überlassen. Ihr habt Zeit bis zum Sonnenuntergang.“
Er sah Viro an und ließ das Gesprochene ein paar Atemzüge wirken.
„Solltet ihr sie nicht bis zum Sonnenuntergang erfüllt haben, verlasst ihr uns im folgenden Morgengrauen für immer. Solltet ihr dies Aufgabe nicht erfüllen wollen, so sagt es jetzt.“
Mit vor dem Körper verschränkten Armen stand der Fürst gegenüber von Viro, zwischen ihnen brannte die Feuerstelle und Endgültigkeit lag in der Luft.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Sonntag 25. November 2012, 22:32

Viro musste sich ein Lächeln verkneifen, er konnte jedoch nicht verhindern, dass seine Lippenwinkel sich etwas anhoben. Ein Mord, man verlangte von ihm einen Mord. Langsam entwickelt sich das Bild dieser Gesellschaft wieder zudem, was er erwartet hatte. Sie waren zivilisierte Wilde und Viro fühlte sich zu tiefst verletzt, das man etwas Derartiges von ihm verlangte. Er spielte mit dem Gedanken Wortlos Sintos wieder zu verlassen, doch stemmten sich auch viele andere Gedanken dagegen. Angeführt wurde diese Horde von Gedanken von dem Teil Viros, der durch und durch Nekromant war und während Gedenke die anderen Gedanken mit Für und Wider auf seine Seite zog, überlegt er nebenbei, welchen Zauber oder Methodik er verwenden sollte.
Er spielte Szenarien durch, die zuletzt dermaßen ausarteten, das in Sintos kein lebendes Wesen zurück bleiben wurde und als der Gedanke daraufhin, metaphorisch gesprochen, anfing düster vor sich hin zu lachen, schupste ihn der kühl kalkulierende Viro etwas zur Seite und erinnerte ihn an seinen Zustand und das er wahrscheinlich auch in bester Verfassung dazu nicht in der Lage wäre.
Viro holte aus seiner Tasche den kleinen Samen, der ihm vor der Stadt gegeben wurde und legte ihn sorgfältig in die offene rechte Hand, dann konzentrierte er sich vollständig auf die Hand.
Langsam, sehr langsam, aber gleichmäßig, schoss sie sich. Als die Faust vollständig geschlossen war, knackten alle Knochen der Hand einmal, als wollten sie andeuten, dass jeder Finger seine Endposition erreicht hatte. Durch die Anspannung und den Druck öffnete sich einer der alten Narben auf der Handfläche und langsam sickerte schwarzes Sekret in die kleine Frucht in seiner Hand.
Viro atmet einmal tief durch: „Ich wisst, das ihr mich mit eurer Anfrage beleidigt, Wüsten Fürst! Das ihr einen Gelehrten einen simplen Mordauftrag aufzwängt!“, Viro seufzte auf und öffnet die Faust, dieses Mal bewegten sich die Finger asynchron, jeder hatte sein eigenes Tempo, doch was sie offenbarte war das, was Viro wichtig war. Der Samen hatte eine gleichmäßige schwarze Färbung angenommen. Viro blickte auf ihn hinab: „Jedoch werde ich tun, was ihr von mir verlangt, unter einer Bedingung! Ich werde einen Dolmetscher brauchen, jemanden, mit dem ich uneingeschränkt reden kann!“
Viro wusste, dass diese Forderung vermessen war, doch fand der arrogante Teil seines Selbst, der von vielen anderen zusätzlich Rückendeckung erhielt, das man auf eine vermessene Forderung mit einer ebenso vermessenen antwortet.
Jedoch richtete sich sein Hauptaugenmerk auf den Samen. Viro wusste nicht, ob das, was er geplant hatte, so wirkte, wie es sollte. Ein sich ausbreitender, unangenehmer Schmerz in der rechten Hand lies zumindest darauf schließen, dass irgendetwas passiert war. Eigentlich sollten sein Blut und die kanalisierte Nekromantie in seiner rechten Hand, den Samen in einen Wirt des Todes verwandelt haben. Der Verzehr würde das Opfer binnen Stunden von innen Töten, zumindest theoretisch, doch der Schmerz und die Erschöpft, die von diesem Trick resultieren zeigten Viro, dass bereits dieser schwache Zauber Viro seine aktuelle Grenzen brachte.
Resigniert von dieser Erkenntnis starrte Viro über das Feuer hinweg sein gegenüber an und wartete die Antwort ab.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 29. November 2012, 23:52

Unterschätzte Fürst Omar, Viro wirklich so sehr, dass er ihm einen schnöden Mord abverlangte? Viro empfand diese Aufgabe anscheinen schon so lächerlich, dass seine zerrissenen Gedankengänge wild zu spekulieren begannen und sie als beleidigend einstuften. Trotzdem hatte der Gedanke an einen Mord seinen Reiz nicht ganz verloren, denn auch Szenarien, in denen er in seinem Übermut die ganze Stadt auslöschen wollte, begannen in seinem Kopf zu kreisen. Rational betrachtet war dies unmöglich und vermutlich auch sehr unklug und würde ihn schon beim Versuch umbringen, wenn es nicht schon vorher die Bewohner taten. Aber es waren nur Ideen und somit keine Bedrohung für sein Leben.
„Ich wisst, das ihr mich mit eurer Anfrage beleidigt, Wüsten Fürst! Das ihr einen Gelehrten einen simplen Mordauftrag auf zwängt!“
Der Fürst schmunzelte nur. Dann kam Viro ein verwegener Gedanke. Vielleicht würden seine Kräfte einen kleinen Schachzug zulassen, der ihn gegenüber dem Fürsten sowohl mächtig erscheinen lassen, seine Verhandlungsposition verbessern würde, als auch ihm einen gerissenen Vorteil in seinem Auftrag bringen könnte … Viro holte das Samenkorn aus seiner Tasche und legte es in seine verdorrte Hand. Knackend und ruckelnd schlossen sich seine Finger zur Faust und er ließ seine Magie hinein fließen. Es war ein Experiment, was den Keim verderben sollte. Viro hatte genaue Vorstellungen davon wie die Magie wirken sollte und das war auch nicht schlecht, wenn man mit Magie experimentierte, so bekam man wenigstens früh genug mit, wenn etwas schief lief. Er spürte sehr schnell den gewohnten Schmerz in seinem Arm und die lauter werdenden protestierenden Stimmen in seinem Kopf. Es war ein Klang der alarmierend war, doch Viro hatte gelernt sie zu ignorieren. Der Schmerz gründete nicht aus der Wunde die entstand, er kam tiefer aus Viros Seele und zehrte an seinen Kräften. Langsam öffnete er seine Hand wieder. Der Samen hatte eine gleichmäßige schwarze Färbung angenommen. Viro blickte auf ihn hinab. Eigentlich sollte sein Blut und die kanalisierte Nekromantie in seiner rechten Hand, den Samen in einen „Wirt des Todes“ verwandelt haben. Der Verzehr sollte das Opfer binnen Stunden von innen Töten, zumindest theoretisch … Ob es wirklich so war, würde sich erst bei der Verabreichung herausstellen.
Auf jeden Fall war der Effekt seiner schwarz-blutigen Hand schon eine Abschreckung an sich.
„Jedoch werde ich tun, was ihr von mir verlangt, unter einer Bedingung! Ich werde einen Dolmetscher brauchen, jemanden, mit dem ich uneingeschränkt reden kann!“
Fürst Omar rieb sich das Kinn und überlegte. Viros Verlangen war nicht ganz abwegig, auch wenn er nicht in der Position war Bedingungen zu stellen. Wenn er ohne Begleitung durch Sintos stolperte, würde er wohl kaum bis zum Abend überleben und der Fürst wollte die Hoffnung noch nicht so früh aufgeben. Omar nickte zweimal sehr langsam.
„Viro Mentis, Magier der Nekromantie. Ich werde euch einen Dolmetscher an eure Seite stellen, aber ihr werdet ausschließlich mit ihm reden und das auch nur, wenn ihr vollkommen alleine seid. Ich nehme an, ihr seid des geschriebenen Wortes mächtig?“
Die Frage war auf keinen Fall ernst gemeint, sie unterstrich nur ein gewisses Maß an Amüsement des Fürsten, auf Viros Reaktionen, doch dann wurde er sehr ernst.
„Ich kann und werde unsere Gesetze für euch nicht brechen, nicht einmal biegen. Wenn ihr innerhalb der Stadt, außerhalb dieses Raumes sprecht, werdet ihr nach unseren Bräuchen angeklagt und gerichtet.“
Er machte ein paar schnelle Gesten in Richtung eines der Männer im Hintergrund und dieser eilte davon.
„Sollte euch diese Bedingung nicht genehm sein, lege ich euch in aller Gastfreundschaft an Herz uns so schnell wie möglich zu verlassen. Es werden andere kommen, die gewillter sein werden ihr Schicksal selbst in den Händen zu halten. Unsere Geheimnisse schützen sich selbst und werden dies auch noch in Jahrhunderten. So lange, bis einer kommen wird, der sie aus dem Sand und den Schatten des Vergessens befreit.“
Sich nähernde Schritte kündigten die Rückkehr des Mannes an, der sich nun in der Begleitung einer weiteren Gestalt befand. Viro erkannte die Reiterin, die er als erstes auf der Düne angetroffen hatte.
„Dies ist meine Tochter Alisar. Sie ist jung und übermütig, aber eurer Sprache mächtig und wird die Feder für euch führen.“
Die Augen der Frau weiteten sich, als schien sie nicht gerade übermäßig erfreut über ihre neue Aufgabe oder aber, dass ihr Vater sie grade vor einem Fremden als übermütig bezeichnet hatte. Eine Salve an Handbewegungen ihrerseits wurde mit einer Einzigen von Omar fort gewischt.
„Mehr kann ich euch nicht zugestehen.“
Alisar ließ den Kopf hängen und ein leises Seufzen war zu hören.
„Ihr ist es nicht erlaubt mit euch zu sprechen. Körperliche Berührungen haben sich auf die Hände zu beschränken, wenn sie unbedingt erforderlich sein sollten und ihr dürft auf gar keinen Fall ihr Gesicht sehen!“
Fürst Omar winkte einem der Männer und dieser kam mit einem unregelmäßig, ovalem, flachen Gegenstand auf ihn zu. Er wurde überreicht und an Alisar weiter gegeben. Damit trat sie an Viro heran und malte mit dem Nagel ihres linken Mittelfingers flotte Buchstaben auf das Brett. Eine dünne Membran, wie aus Leder überzog straff den feinen Sand darunter und durch die Bewegungen zeichneten sich folgende Worte ab:
„Nehmt ihr an?“
Dann schüttelte sie das Brett und die Worte waren verschwunden.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Sonntag 2. Dezember 2012, 13:46

Wieder klärte sich das Bild etwas mehr, als sich die Reiterin, die ihn aufgelesen und unterstützt hatte, als Tochter des hiesigen Fürsten entpuppte. Alisar war also ihr Name und Viro fragte sich, wieso sie ihm geholfen hatte. Zwei Gedanken nahmen dazu Stellung. Der eine vertrat die Ansicht, dass sie nur ihren Vater ärgern wollte, wie es Kinder ihren Eltern nun mal gegenüber taten. Der andere Unterstellte ihr dunklere heimtückischere Absichten, die sich in Viros Geist jedoch nicht klar abzeichnen wollten. Ein dritter kämpfte sich langsam empor und vertrat die Ansicht, dass sie vielleicht einfach nur Nett war. Einem vierten war es vollkommen egal, was ihr Motiv war, er drängte Viro lediglich dazu, sich zu beeilen, da er wichtigeres zu tun hatte, als in Sintos die Zeit zu verplempern.
Sein Blick verweilte auf dem Brett, das sie ihm entgegen hielt und auch nachdem die Worte wieder verschwunden waren, starrte Viro weiterhin. Er registrierte die Worte, doch fokussierten sich nahezu alle Gedanken auf das Brett an sich. Wieder einmal offenbarte Sintos kleine Wunder die den Zaubrer reizten. Es war faszinierend, wieso simple Materialien und die Kombination von ihnen, etwas so komplexes und nützliches hervorbringen konnten. Viro musst an Zyranus denken und wie dort Magiue für die simpelsten Dinge verschwendet wurde und schüttelte innerlich den Kopf.
Schließlich löste er sein Aufmerksamkeit von dem Brett und sieht Alisar an, er nickt ihr zu und hält ihr die offene Hand entgegen, mit dem Kinn deutet er auf das Brett. Als sie es ihm gereicht hatte, hält er es in der rechten Hand und mit der linken schrieb er, eher unsauber, aber gerade noch leserlich, die Worte:
„Das tue ich.
Ich hoffe ihr könnt dies lesen!“
Er reichte ihr wieder das Brett und zeigte ihr ein dünnes Lächeln.
Dann wand er sich an Fürst Omar, schloss die rechte Hand wieder um den Samen und sprach: „Ich wäre dann soweit Fürst Omar iben Yasir Umarah.“
Er drehte sich halb zum Ausgang und blickte vom Augenwinkel auf Alisar, während er Omars antworte abwartete.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Montag 3. Dezember 2012, 18:15

Die Tochter der Fürsten nahm das ovale Schreibbrett an sich und ein Glitzern huschte unter der schwarzen Gase über ihre nahen Augen. Lächelte sie? Vielleicht.
„Das tue ich.
Ich hoffe ihr könnt dies lesen!“

Ihrer Kopfhaltung nach zu ahnen, musterte sie eingehend jeden einzelnen Letter in Viros Schriftbild, als gäbe es noch mehr dort zu lesen, als nur die Worte. Sie hob den Kopf zu Viro hinauf und nickte. Ein paar schnelle Gesten wurden noch einmal mit ihrem Vater gewechselt, der den Schirm der Alten noch eine Weile betrachtete, ihn dann bei sich behielt, mit den Worten:
„Ich nehme ihn als Tausch für die Dienste meiner Tochter. Sie wird euch gut beraten und zur Seite stehen, solange ihr hier seid.“
Viro war vielleicht sogar ein bisschen froh das Ding los zu sein. Sogar seine Stimmen murmelten etwas leiser. Alisar bedeutete dem Nekromanten ihr zu folgen. Fürst Omar sah nicht sehr glücklich aus, als sie den Raum verließen. Viro wurde durch das Wirrwarr der Schleierwände in einen neuen Raum gebracht wo tatsächlich leise rhythmische Musik her kam. Sie waren immernoch im unterirdischen Bereich des Zeltpalastes und die Klänge würden somit die Oberfläche nicht erreichen, trotzdem sprach auch hier niemand. Als sie den Raum betraten, fiel sofort auf, dass hier die Männer ihre Turbane und andere Kopfbedeckungen abgenommen hatten und an flachen Tischen saßen, die gedeckt mit würzigen Speisen, Getränken und Rauchwerk waren. Sie lagen halb auf weichen Kissen, aßen, tranken und rauchten. Viro sah einen Tisch, der anscheinend der „Obrigkeit“ dieser Versammlung gehörte und an dem noch ein Platz frei war, vermutlich für den Fürsten. Fünf Männer saßen an dem Haupttisch. Der ganz Linke, ein Mann mit mittellangen schwarzem Haar, kaute ununterbrochen an einer dunklen Wurzel, die seine Zähne gelblich grün verfärbt hatte. Der rechts daneben, hatte eine Glatze und einen Schnurrbart über seinen verlängerten unteren Eckzähnen die wie bei einem Ork ein kleines Stück über seine Lippen lugten. Auch seine Haut war leicht grünlich, sonst sah er mehr aus wie ein Mensch, doch war er wohl ein Mischling. Der Mann daneben war besonders schön und seine leicht angespitzten Ohren unter den halb blonden Haaren ließen auf eine elfische Herkunft vermuten. Dann kam der freie Platz und danach die letzten beiden Männer. Der Linke davon war ein alter menschlicher Mann mit grauem Bart und der neben ihm war sehr stark behaart, hatte einen dicken Bauch und war recht klein geraten. So wie viele weitere in diesem Raum machten sie den Eindruck, als ob sie allesamt Mischlinge aus den Völkern ganz Celcias waren, aber auch reinrassige sah Viro. Mensch saß neben Gnom, Elf neben Zwerg, sogar eine Echse und ein Tha'Roon konnte er unter den Anwesenden finden. Die violette Hautfärbung war unverkennbar und Viro belesen genug um auch die seltensten Völker der Welt zu identifizieren. In einer dunklen Ecke saß wie passend auch ein Dunkelelf und speiste mit einem … kleinen Troll. Alisar machte vor dem Haupttisch eine tiefe Verbeugung bevor sie selbst und Viro sich zu einem anderen Tisch führte. Viro wurde aus den unterschiedlichsten Richtungen eingehend gemustert, bis sie sich gesetzt hatten, doch dann schien jeder sich wieder seinen eigenen Interessen zuzuwenden. Alisar zog Viros Aufmerksamkeit auf sich und sie schrieb etwas auf das ovale Brett.
„Das sind die Oberhäupter der einzelnen Stämme.“
Viel Platz war nicht auf dem Brett und so musste sie es immer wieder schütten zwischen den Sätzen, aber jede ihrer Bewegungen hatte Übung uns so ging die etwas umständliche Kommunikation doch recht schnell. Nach diesem Satz wies sie mit dem Kinn, so wie Viro es getan hatte auf den Haupttisch. Sie wollte gerade weiter schreiben, als Fürst Omar den Raum betrat, die Musik kurz verstummte und alle Anwesenden kurz sich zum Gruß erhoben. Fürst Omar grüßte zurück und alles setzte sich wieder. Alisars Vater nahm am Haupttisch Platz und Einige Gesten zeigten deutlich, dass es viel zu bereden gab. Immer wieder näherten sich einzelne Personen dem Fürsten und er hielt so etwas, was an Königshöfen wohl Audienz genannt werden würde. Am Abschluss jeder Verhandlung wurde eine freundschaftliche Geste ausgetauscht. Eben jene angedeuteten Küsse auf die Wangen deren Reihenfolge Viro beachten sollte. Einige unter den Gästen waren wohl etwas anders gestellt als, der Rest, aber die Hierarchie war nicht so recht einfach zu durchschauen, da außer am Haupttisch alles so bunt durcheinander gewürfelt war. Es waren mehr Männer als Frauen anwesend, was man besonders durch die verhüllenden Schleier nun erkennen konnte. Die schwarzen Gazen vor den Augen waren zwar teilweise abgelegt worden, doch nicht bei allen. Alisar war immernoch komplett verhüllt, andere hatten offene Haare, trugen nur einen Schleier vor der unteren Hälfte ihres Gesichts und strahlten mit wunderschönen Augen. Jeder Verhüllungsgrad schien eine andere Bedeutung zu haben. Eine weitere Frau saß auch mit am Tisch des Nekromanten und kam ihm vertraut vor. Es war jene mit den blauen Augen unter der bräunlichen Lederrüstung die sie schön aber auch gefährlich wirken ließ. Doch mit an Viros Tisch saßen nicht nur unterschiedliche Völker, sondern anscheinend Einheimische, wie auch weitere Gäste. Er entdecke weitere Paarungen, die sich eben eines solchen Schreibbrettes bediente wie Alisar und er es taten. Viro konnte in aller Ruhe, speisen, den Fürsten mit seinen Gästen beobachten, sich mit Alisar „unterhalten“ und der etwas ungewohnt klingenden Musik lauschen, (ot: Viros Fragen kannst du hier in die Handlung einfügen, beantworte ich dann im nächsten Post.) bis ein Moment der Ruhe eintrat und der Fürst tatsächlich zwei Mal etwas lauter in die Hände klatschte. Ein Vorhang im Hintergrund unter einem Baldachin öffnete sich und eine fast nackte junge Frau betrat den Raum. Mit lautlosen Schritten ging sie in die Mitte und alle Augen verfolgten sie. Tief schwarzes, langes Haar fiel in weichen Wellen lang bis zur Mitte ihres Rückens. Ein kleiner Schleier verhüllt die untere Gesichtshälfte und auch ihre Augen glitzerten in mystischem Schwarz. Ihre Haut war fast weiß und ihr Kleid in Silber und grau gehalten. Feinste Ketten und filigraner Schmuck fielen leise klingend von ihren Hüften über den fliegenden Stoff. Das Oberteil war nur ein Hauch, gerade breit genug um ihre Brüste zu bedecken. Der Bauch und Arme waren nackt und erst sehr tief auf den wiegenden Hüften begann ein langer halb durchsichtiger Rock, der von einem Kettengürtel gehalten wurde. Schmuckbänder um Ober- und Unterarme, Knöchel, Hals und selbst im Haar ließen den ganzen perfekt geformten Körper glitzern. Als die den Mittelpunkt des Raums erreicht hatte, blieb sie reglos stehen und schloss die Augen. Einige Sekunden lang geschah nichts, dann klatschte der Fürst noch einmal in die Hände und die Musik setzte wieder leise ein. Ein Tanz begann, fesselnd und schöner als Märchen es ersinnen konnten, als Phantasie es sich erträumen, oder Legenden es berichten würden. Zauber lag in der Luft und selbst Viro konnte nicht genau sagen, ob das Knistern der Luft von natürlicher Eleganz her rührte, oder wirklich Magie hier wirkte. Die Bewegungen zogen glitzernde und schimmernde Luft hinter sich er und tauchten die Umgebung in Traum und lockende Sehnsüchte. Die Schleier ihres Gewands schienen sich manches Mal wie von selbst zu bewegen, selbst wenn sie still stand. Viro wurde vorsichtig von der Seite aus angestupst und das beschriebene Brett lag neben seiner Hand.

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„Meine Schwester. Es ist ihr 18ter Geburtstag.“
Stand in einfachen Worten darauf und ein wenig später schrieb Alisar noch.
„Ab heute steht es ihr frei, sich einen Mann zu wählen.“
Als der Tanz beendet war stand sie wieder reglos mit geschlossenen Augen in der Mitte und der Fürst trat zu ihr, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und lächelte. Während er sich wieder setzte, machte Alisars Schwester einmal eine Runde und betrachtete dabei jeden der Gäste. Selbst Viro streifte kurz ihr funkelnder Blick voller Magie, doch nicht länger als irgend einen Anderen. Dann verschwand sie wieder hinter dem Vorhang und die Audienz-Gäste des Fürsten traten wieder vor.
„Es wird heute den ganzen Tag Ersuche geben.
Jeder will sich vorstellen.“
Alisars geschriebenen Worte, zusammen mit dem leichten Wackeln ihres Kopfes, könnten auf eine gewisse Form der Ablehnung schließen lassen. Entweder sie mochte das Prozedere nicht, oder sie war ihrer Schwester nicht ganz wohl gesonnen. Auf jeden Fall seufzte sie ein paar Mal etwas gelangweilt. Doch insgesamt war ein gemütliches Beisammensein, ein festlicher Anlass und auch wenn es leise von statten ging, so konnte Viro doch schnell, durch reines Beobachten ein paar Gesten identifizieren. Lachen, z.B. gab es in zwei Ausführungen. Man lächelte und lachte lautlos und ließ die Fingerspitzen in schneller Abfolge aneinander schnellen. Je nach Intensität, nahm man eine oder beide Hände. Dann kam endlich der Moment auf den Viro gewartete hatte. In der scheinbar endlosen Abfolge von Anwärtern, Personen die etwas vom Fürsten oder seiner Tochter wollten, kam das Zeichen, dass Omar Viro gegeben hatte. Der kleine Troll, den Viro beim Dunkelelfen hatte sitzen sehen hatte gerade vor gesprochen und Omar küsste ihn zum Abschluss in umgekehrter Reihenfolge auf die Wangen. Der Troll war nur knapp 1,40 m hoch gewachsen, um so seltsamer wirkte die Geste, da der Fürst sich tatsächlich in die Hocke ging. Viro betrachtete sich nun sein Opfer vielleicht etwas genauer. Der Winzling, der mehr einer knorrigen Wurzel, als einem lebendigen Wesen ähnlete, stapfte breit grinsend zurück an seinen Platz zum Dunkelelfen und machte ein paar sehr unflätige, aber sehr eindeutige Zeichen in die Luft. Sein Witz, dass er wohl gern die „Prinzessin wurzeln“ wollte, brauchte keine Worte. Der Dunkelelf lächelte nur schmal, dann sah er sich wieder im Raum um. Viros Blick und seiner trafen sich kurz. Etwas kaltes, etwas tödliches lag in seinem Blick und erinnerte Viro an seine eigene Ausstrahlung. Vielleicht kam ihm sogar der Gedanke, dass er nicht der einzige Nekromant in diesem Raum war. Doch nicht den Dunkelelfen sollte er töten, nein. Er sollte den kleinen Begleiter, den Troll bis zum Sonnenuntergang seinem Ende zuführen. Wie war ihm überlassen worden, doch was wusste er über Trolle?
Alisar hatte wieder etwas geschrieben.
„Ich kann euch jetzt die Stadt zeigen.“
Sie musterte Viro.
„Ist das alles was ihr bei euch habt?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Ihr braucht eine Ausrüstung.
So könnt ihr nicht überleben.“
Sie sah Viros Blick wie er noch einmal zu dem Troll in die Ecke wanderte.
„Der läuft euch nicht weg.
Er sitzt immer hier und trinkt sicher wieder bis zum Abend.“
Wieder schüttelte sie das Bett und schrieb etwas Neues.
„Ihr solltet ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken.
Lasst uns frische Luft atmen!“
Damit stand sie auf und lockte mit der Hand Viro ihr zu folgen. Sie verließen auf verschlungenen Pfaden den Zeltpalast und ein bedeckter Himmel empfing sie, sobald sie die Oberfläche wieder betraten. Die Natur hatte den leichten Nieselregen der Nacht in sich aufgesogen, doch schien die feuchte Nahrung hier in dieser Gegend auf keinerlei hungrige Wurzeln zu treffen. Der Sand war tot und keine einzige Pflanze war zu sehen. Auch wenn die Zeit der langen Nächte Kälte und sogar Regen in diese Gegend brachte so war nirgends Leben zu entdecken. Woher nahmen die Bewohner ihre Nahrung, woher ihr Wasser? Es war schon alles ein wenig mysteriös.
Alisar führte Viro schweigend zu einem kleinen Basar, der in den schattigen Höhlen lag, die er schon von dem Kamm der Düne aus gesehen hatte. Das Leben war hier einfacher und die Leute musterten ihn neugierig, jedoch nicht abweisend. Ein seltsames flinkes Treiben stellte sich nach ein paar gestikulierten Worten der Tochter des Fürsten ein und allerlei Dinge wurden herbei gebracht.
Zwei feste Taschen, eine davon so genäht, dass man die vielen Lagen wasserdichten Stoffes auseinanderfalten konnte und ein Zelt gewann, Feuersteine, ein Tiegel mit einer schwarzen, öligen Paste, vermutlich hoch brennbar, Seil, ein scharfes Messer mit Scheide und Gürtel, ein Wasserschlauch, ein Beutel mit Viro bekannten Kräutern die den Durst milderten, eingewickeltes und gesalzenes Trockenfleisch und ein paar Wurzeln, ein kleiner Kessel, der auch als Tasse oder Schüssel dienen konnte, ein Tiegel mit Kamelfett zum imprägnieren und ein Satz neue Kleidung, inklusive eines dieser weiten gewickelten Mäntel, die das Gesicht verbargen. Alisar hatte die Farbe schwarz für Viro gewählt, wie alles was er nun eingepackt bekam. Sein Buch fand perfekt Platz in dem Falt-Taschen-Zelt. Insgesamt war alles zusammen eine gute Überlebensausrüstung.

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Überlebensausrüstung
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Freitag 14. Dezember 2012, 17:22

Alisar führte Viro durch das chaotische, Gewirr von Gängen, bis sich schließlich ein Vorhang beiseitegeschoben wurde und einen großen Raum preisgab.
Hier wurde die Stille von einer sanften Melodie durchbrochen, doch anstatt eine angenehme Atmosphäre zu erzeugen, verstörte es Viro nur noch mehr. Denn auch hier wurde nicht gesprochen, wo man ausgelassene Gespräche erwartete, wurde nur ausgelassen gestikuliert, das weckte in Viro ein Gefühl des Unbehagens.
Was ihn jedoch entspannte, war die Tatsache, dass er den verfluchten Schirm los war. Auch wenn seit dem eine „mehr Parteiendebatte“ in seinem Kopf entbrannt war. Während die meisten Stimmen ruhiger wurden, hallten drei auf. Die Eine, die die absolut mit Viros handeln übereinstimmte, bekräftigte ihm in seiner Entscheidung, sie vertrat den Standpunkt, dass der Schirm eines Zaubrers unwürdig sei, da er nun mal Magie unterdrückte. Die Zweite, sie vertrat einen eher negativen Standpunkt gegenüber Alles und Jedem. Sie war der Ansicht, dass man ein Relikt wie dieses, nicht irgendwelchen Wilden geben dürfe, die es nicht zu schätzen wusste. Die Dritte beteiligte sich nur sekundär an dem Wortgefecht. Sie, hatte das Gesamtbild und vor allem den Grund seiner Reise im Auge und beschäftigte sich vielmehr mit der Frage, wieso Viro überhaupt noch hier war, immerhin hatte er doch besser es zu tun und sowieso alles ganz anders geplant.
Sosehr sich auch die Stimmen in seinem Kopf überschlugen, beachtete Viro seine Umgebung eher teilnahmslos. Er nahm zwar viel war, die ganzen Halb-Blüter und teils fehl am Platz wirkenden Gestalten, doch schenkte er den meisten kein großen Interesse. Er sah Bretter, wie sie von ihm und Alisar verwendet wurden und er fragte sich, ob er nicht der einzige Gast war und wer diese anderen waren, doch genau so, sagte er sich, das es eh keine roll speilt, weshalb er sich nicht weiter mit ihnen beschäftigte. Einzig der Tha’Roon erhielt mehr Aufmerksamkeit von Viro als die anderen anwesenden. Wenn schon vieles nicht eindeutig in das „Bild Sintos“ passte, war er doch noch Herausstehender als so vieles andere. Viro interessiert, wie Jemand aus einer der zurückgezogensten Kulturen Celcias ausgerechnet hier landete.
Doch bevor Viro diesen Gedanken weiter verfolgen konnte, betrat Fürst Omar den Raum und er erhielt Viros ungeteilte Aufmerksamkeit. Viro beobachte den Fürsten genau und wollte wissen, wer nach Omars Ansicht den Tod verdient hatte. Als dann ein Troll, der anscheinend kein Musterbeispiel seiner Art war, als Ziel auserkorene war, stieg eine Art von Zorn in Viro aus. Dieser wurde von einigen der Stimmen geschürt, die sich lautstark darüber empörten, dass man von IHM erwarte, eine so jämmerliche Kreatur zu Töten. Was würde als nächsten kommen, ein räudiger, inkontinenter Köter!?! Doch bevor sich Viros Gemüht zu sehr davon erhitzen lassen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit von einer lieblichen Dame an sich gerissen, die, wie er später erfuhr, Alisars Schwerster war. Ihr aufreizender Tanz ließ selbst Viro nicht kalt und auch nur wenige Stimmen schafften es, sich zu Wort zu melden und noch weniger sich zu beschweren, zu meckern oder zu quengeln.
Als Alisars Schwester wieder verschwunden war und er sich wieder Alisar selbst zugewandt hatte, schrieb sie ihm einige Zeilen, die in Zusammenarbeit mit ihrer Körpersprache, eine Starke Abneigung gegen das dargeboten Ausdrückten. Was es genau war, das Alisar störte, wusste Viro nicht und er wollte auch nicht mutmaßen, dafür wusste er zu wenig über Alisar. Weshalb er sich wieder von ihr abwand und mit seinen Augen den Troll suchte. Dieser War in Begleitung eines Dunkelelfen und dieser Elf machte einen zwielichtigen Eindruck, auch wenn Viro nicht wusste, was diesen Gedanken hervor rief, immerhin machte im Grunde genommen alles hier einen Zwielichtigen Eindruck, doch dieser Elf setzte irgendwie noch einen rauf.
Als die Ungeduld und die Diskussion in seinem Kopf, Viro beinahe aus der Fassung gebracht hätten, erregt Alisar abermals seine Aufmerksamkeit und beharrte vehement darauf, dass sie den Raum verließen und erste einmal etwas Zeit auf dem örtlichen Markt verbringen sollten.
Ob sie seine Innere Unruh spürte oder es einfach nur Zufall war, wusste Viro nicht, doch war er froh, dass er zu diesen Ganzen vorerst Abstand gewinnen konnte.
Abermals führte sie ihn durch die chaotischen Gänge, letzten Endes auf den Markt. Dort legte sie die Autorität einer Fürstentochter an den Tag und nach nur kurzen Augenblicken stand Viro mit zwei Taschen gefüllt mit Reiseutensilien.
Es war alles, was man für einen ordentlich Marsch brauchte und während Viro mit einer gehobenen Braue, zuerst das Treiben und dann die Taschen selbst betrachtete, wirkte Alisar äußerst zufrieden mit sich, sie schien regelrecht zu strahlen.
Doch Viros Gedanken wanderte langsam zurück zu dem Troll und der Situation an sich. Er bezweifelte, das er in seiner derzeitigen Lage, fähig wäre, einen Troll mit Hilfe seiner Magie zu töten, zumindest nicht, ohne, dass es jemand bemerken würde. Ein anderer Gedanke meinte hingegen, dass er sicher dazu in der Lage sei, doch wäre es auch der Mühe wert., immerhin würde er mit den physischen Konsequenzen der Magie leben müssen und würde dadurch auch nichts Gewinnen, da Omar ihn nur eine weitere Aufgabe stellen würde.
Somit entschied sich Viro, fast einstimmig, Omars Angebot in den Wind zu schießen, als die Sachen alle verstaut waren, sah er Alisar an und ließ sich das Brett geben:
Sag deinem Vater bitte, das ich ablehne, ich werde Sintos schnellst möglich verlassen.
Diese mit zittriger Hand geschriebenen Worte, passten gerade so auf das Brett, er drückte es ihr wieder in die Hände und ohne ein weiteres Wort, wand sich Viro von ihr ab.
Er wusste nicht was sie nun dachte, auch nicht ob sie ihn folgte, vielmehr suchte er sich planlos einen Weg durch Sintos. Er hielt Ausschau nach einer Taverne oder etwas in der Art, in der Hoffnung, dort jemanden zu finden.
Doch war seine Zuversicht nicht groß, so setzte er einfach einen Fuß vor den anderen und harte der Dinge, die da kommen mochten.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 27. Dezember 2012, 10:26

Die Stimmen im Kopf des Magiers hatten die Entscheidung leicht gemacht, er wollte das Risiko nicht eingehen. Natürlich gab es immer noch die Stimme, die ihn jetzt zu mehr Vorsicht ermahnte. Man schlug nicht ohne weiteres oder ohne Folgen das Angebot eines Sultans ab. Vielleicht war das auch der Grund, dass Viro recht schnell sich auf den Weg machte und die Fürstentochter hinter sich ließ. Diese sah ihn nach, dass Brettchen mit den Worten in der Hand. Ob sie ihn Glück wünschte, wusste man nicht. Ihre Gedanken waren nur für sie bestimmt. Die Hand zuckte kurz, als wolle sie ihn noch zum Anschluss winken, senkte sich jedoch fast augenblicklich.
Was der Magus jetzt tat, lang ganz alleine an ihn.
Die Wege durch die Straßen schienen den Stimmen in seinen Kopf nicht gerade zu gefallen. ER hatte sich mitunter einen mächtigen feind gemacht, denn Personen von Reichtum und Macht duldeten es nur selten, dass man ihre Wünsche ablehnte. Natürlich wusste das der Magus nicht mit Gewissheit. Aber es war schon ein seltsames Treffen gewesen, wenn Wesen beisammensaßen, als wenn es normal wäre, dass diese so friedlich beisammen saßen. Der Blick des Dunkelelfen würde sogar gezielt im Kopf des Mannes bleiben. Er hatte Viro angesehen, ja ihn fast zugenickt. Hatte der Dunkelelf gespürt, dass Viro dunkle Mächte ausübte.
Seine Schritte führten ihn durch die Straßen…und er würde es merken, er wurde beobachtet. Es war als wenn immer jemand ihn seltsam anstarrte. Wie lange er jetzt schon rumirrte ließ sich bezweifeln.
„ ihr seid hier ebenso fehl am Platz, wie die meisten Gäste… oder wolltet ihr schon gehen?“
Neben ihm schritt plötzlich ein… was für ein Zufall, ein Dunkelelf. Ob es der selbige war, wie von dem Bankett ließ sich schwer sagen. Sie sahen sich einfach zu ähnlich. Alle dieselbe dunkle Hautfarbe und dunkle Kleidung. Dass Haar war weiß und in einem strengen Zopf gebunden. Rote Augen, die eher wie glühende Kohlen aussahen. Er schritt lässig neben dem Magus, so als würden sie sich kennen und machten einen Spaziergang. Den weiten Umhang des Elfen täuschte nicht über das leise Klirren einen Kettenhemdes und einer Waffe hinweg. Er war bewaffnet, machte jedoch keine Anstalten eine Waffe zu ziehen. Der Dunkelelf blickte sich neugierig um, sah zu den Ständen auf den Datteln, exotische Citrusfrüchte und Nüsse angeboten wurden.
Mit einem freundlichen Lächeln, wer hätte gedacht, dass Dunkelelfen dies auch ohne Häme könnten, blickte er zu dem Magus rüber.
„Mein Anführer würde gerne mit euch sprechen. …“ ein neugieriger Blick zu dem Gesicht des Magus, was dieser wohl dazu sagte.
„ er würde euch gerne bezüglich einem anderen Angebot im Sinne für Faldor sprechen. Ihr versteht was ich meine…“ der Dunkelelf griff sich von einem der Stände eine Dattel und warf dem Händler etwas rüber. Dieser nickte nur dankend.
„Etwas was euren Kräften und Fähigkeiten entspricht anstatt der Tod eines Trolls.“ Der Elf neben ihm, wusste also von dem geplanten Anschlag auf dem Troll. Er verhielt sich dabei jedoch nicht bedrohlich, sondern sprach im Plauderton. Fast so, als würde man über das Wetter reden, wenn seine Stimme auch etwas gedämpft war.
Natürlich könnte Viro ablehnen, aber es schien ja, dass man zumindest wusste, wer oder was er war. Und das Dunkelelfen dem dunklen Volk dienten war ja mehr als klar, sie gehörten ihn an.
Und wurden nicht Gerüchte und Geschichten inzwischen verbreitet, dass schon Städte gefallen waren. Sollte man sich den Gewinnern anschließen oder sie versuchen zu bekämpfen?
„überlegt es euch und kommt dann vor die Stadt um Mitternacht. …ihr solltet die Datteln versuchen, köstlich“ damit biss der Dunkelelf in diese herzhaft hinein und nickte Viro zu, wie einem Bekannten, den man einen Guten Tag noch wünschte.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Samstag 5. Januar 2013, 20:21

Während Viro seine Schritt ziellos durch die engen Wege Sintos führte, gingen seine Gedanken ein letztes Mal zurück zu Alisar. Es war vielleicht nicht das klügste gewesen, die Fürstentochter so zurück zulassen, ebenso unklug war es wahrscheinlich Fürst Omar so vor den Kopf zu stoßen, doch war es nun mal geschehen und nichts mehr daran zu ändern.
Und während seine Gedanken noch bei den jüngsten Ereignissen verweilten und er weiterhin ziellos irrte, durch brach plötzlich eine Stimme die allgegenwärtige Stille. Sie ließ Viro innerlich aufschrecken, doch gab es sich nach außen äußerst beherrscht und wand sich der Quelle zu. Neben ihm schritt auf einmal ein Dunkelelf und schlug einen plauderhaften Ton an, während er so neben ihm schritt. Er wirkt wie alle Dunkelelfen, weshalb Viro nicht sagen konnte, ab er ihm bereits in der Stadt begegnet war, bestenfalls konnte er sie auseinander halten, wenn etwas markiges an ihnen war, wie eine entstellende Nabe, eine auffällige Tätowierung oder etwas in der Art. Doch dieser Vertreter seine Rasse schien darauf bemüht zu sein, alle gängigen Standards einzuhalten.
So schritten die beiden durch weniger belebte Straßen und es war fast schon unheimlich, wie ungezwungen er sprach. Verstärkt wurde dieser unheimliche Eindruck durch die Stille, die jedes Wort das laut ausgesprochen wurde, zusätzliches Gewicht zu verleihen schien. Die Worte des Fremden waren Viro nicht sonderlich suspekt, zumindest nicht mehr, bei allen anderen auch, denen er hier begegnet war. So lauschte Viro den Worten über einen ominösen Anführer, einer Aufgabe in Faldors Sinne und die Erwähnung eines Treffens um Mitternacht beendet den Monolog des Dunkelelfen.
Schließlich durchbrach Viro sein Schweigen und antwortete mit leiser Stimme: „Es Freud mich, das euer Herr, anscheinend erkannt hat, wozu der hiesige Fürst nicht im Stande war und es wäre mir eine Freude mich mit ihm zu treffen, Herr …“, Viro streckt das „Herr“ etwas, macht dann eine kurz Pause und fährt fort, „Doch könntet ihr mir sagen, wo ich bis dato unterkomme könnte?“
Viro wusste nicht was er genau von diesem plötzlichen Ereignis halten soll, viele seiner Gedanken warnten ihn, andere nickten die neuerlichen Ereignisse nur zufrieden ab, doch der Hauptgedanke war der, dieser Typ, der Dunkelelf hat in aller Öffentlichkeit das offene Wort an ihn gerichtete, also war er höchst wahrscheinlich nicht von hier oder kein Freund der hiesigen Ordnung. So oder so, war er wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, doch noch Unterstützung in Sintos zu finden, jetzt da sich die Bewohner als so unflexible und Verschloss entpuppt hatten.
Über den Grund dieses Treffens konnte Viro nur spekulieren, Sinto schien trotz dem Fakt, dass das dunkle Volk stark in seinen Reihen vertreten war, nicht im Krieg auf dessen Seite zu stehen. Nun war es möglich, dass dies jemand ändern wollte oder es gab nur einen herkömmlichen Machtkampf, wie ihn auch schon Fürst Omar von ihm wollte oder es gab einen Grund, den sich Viro einfach nicht vorstellen konnte.
Doch war es im Grunde egal, Viro wartete ab, wie er es schon so oft getan hatte, er wartete auf die Reaktion seines gegenüber, dessen Verhalten, seine Worte. Es würde sich schon ein Bild ergeben, Viro musste nur warten und so tat er dies.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Samstag 26. Januar 2013, 17:15

Die hiesigen Gepflogenheiten kümmerten dem Dunkelelfen reichlich wenig. Wieso auch, es würde nicht mehr lange dauern und auch diese Gegend würde unter der Herrschaft des dunklen Volkes stehen. Egal was man dazusagte oder eher dazu aufschrieb. Es war nervig sich an so was halten zu müssen und Viro passte eben perfekt in das Bild, was man sich erdacht hatte. Man konnte die dunklen Kräfte fast schon spüren, welche den Magus umgaben. Ihn anzuheuern, als wenn er ein gewöhnlicher Assassine war, war eine Beleidigung an dessen Fähigkeiten.
Viro sprach selber mit gedämpfter Stimme und der Dunkelelfs, der wirklich unscheinbar wirkte, reichte ihm die Hand, nachdem Viro einen ansprechbaren Namen haben wollte.
„Vassharras, angenehm“ er lächelte, zeigte seine Zähne weißen Zähne, die im starken Kontrast zu der tiefschwarzen Haut standen.
Genüsslich konzentrierte er sich auf die Frucht, während er die Bewohner dieser Gegend beäugte, wie ein Mann der einen Haufen nichtsnutziger Ameisen beobachtete.
„ich werde es meinen Anführer ausrichten.“ Nickte er bestätigend, während er seine Schritte in eine Seitenstraße lenkte.
„Hmm, ehrlich, ich gebe mich hier ungerne in ein Gasthaus…die Ruhe ist fast schon erdrückend, nicht wahr?... wenn ihr wollt, könnt ihr mich begleiten… wenn euch das leise töten nicht stört“ Er zwinkerte fast schon verschwörerisch zu. Nur weil Viro ein Magus war und sich für einiges zu schade war, hieß das ja nicht, dass sein neuer Bekannter das Töten mit der Klinge nicht bevorzugte.
„Schöne Töchter hatte der hiesiger Herrscher hier, oder“ jetzt konnte man ein wölfisches Grinsen sehen und ein Blitzen in den Augen, was man wohl alles mit den Frauen anfangen konnte.
„Sie haben gute Chancen die Übernahme zu überleben“ Man konnte ja sagen was man wollte, aber ein Blatt nahm der gesprächige Kerl nicht vor dem Mund. Vielleicht wollte er aber auch Viro damit testen und eine bestimmte Reaktion hervorkitzeln. Man konnte ja nie wissen, was in den Köpfen des dunklen Volkes vorging.
Der Dunkelelf überließ es Viro ob er folgen wollte, ihm war es soweit egal. Er hatte immerhin einen Teil seines Auftrages schon erledigt und das andere würde sich ergeben.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Montag 18. Februar 2013, 11:27

Viro lauschte weiterhin dem Dunkelelfen der sich ihm mittlerweile als vorgestellt Vassharras hatte und immer noch konnte er sich nicht daran gewöhnen, dass er so frei sprach.
Doch kannte Viro die hiesigen Gepflogenheiten nicht und er nahm an, das das freie Sprechen eine Art von Machtbeweis darstellen sollte oder es Vassharras einfach nur ähnlich wie Viro erging, er den Sinn dieser Sitte nicht ganz nachvollziehen konnte.
So oder so, Viro war froh, Vassharras begegnet zu sein und auf dessen Einladung, ihm bei seinem „Tagwerk“ zu begleiten, nickte er einmal zustimmend.
Viro hatte nichts gegen das ermorden von Leuten. Jeder starb irgendwann und wenn es eben früher war, aufgrund einer Handlung eines Anderen, denn war dem so, doch war es eine Tätigkeit die man von einfachen Mördern oder geschulten Attentätern erledigen lassen sollte und nicht von einem geschulten Magus.
Magier die sich auf diese Stufe herabließen, verhurten in Viros Augen bloß sich Selbst und ihre Magie. Jeder hatte nun einmal eine Aufgabe und bei der sollte man bleiben, Magier waren für etwas Großes bestimmt und Mörder nun mal nicht, das war sein einfacher Blickwinkel.
Doch die zotigen Kommentare zu Fürst Omars Töchtern, ließ Viro kurz inne halten. Seine Gedanken wanderten zu der hübschen jungen Dame, die heute verheiratet werden sollte, sicher sie war schön an zu sehen, doch unwillkürlich wanden seine Gedanken zu Alisar. Ohne ihre Hilfe, wäre Viro wahrscheinlich jetzt nicht hier, er war ihr dankbar, weshalb ihm der Kommentar etwas zusetzte. Er blickte auf die Tasche, die sie ihm gegen hatte und seufzte einmal, dann antwortete er leise: „Sie haben mit Sicherheit ihre reiße und sollte ihr wirklich hier Erfolg haben, dann werden sie einigen Offizieren und Schlüsselpersonen, mit Sicherheit reichlich Freude bereiten, doch „Spielzeug“ gibt es doch überall! Oder nicht?“
Viro schätzte, das diese eine Antwort war, die man von ihm erwartet hätte.
Die antworte abwarten, blickte er, aus dem Augenwinkel, auf seinen gegenüber, er vermochte ihn noch immer nicht ganz ein zu schätzen. Entweder, Vassharras gab sich wirklich wie er war oder versuchte mit einer aufgesetzten frivolen Art, Viro aus der Reserve zu locken.
Was auch immer der Fall war, auch Viro würde versuchen in ihm zu lesen.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 13. März 2013, 15:44

Die zwei Männer konnten nicht ähnlicher und doch verschiedenen sein. Der Eine ein dunkler Magus und Beherrscher der dunklen Künste der Nekromantie und der andere ein Assssine des Volkes der Dunkelelfen. Aber doch gab es Ähnlichkeiten, die nicht zu verleugnen waren. Jeder versuchte den anderen auszuhorchen und die Fassade und Maske der Freundlichkeit zu durchbrechen.
Vassharras starrte zwar nicht in das Gesicht des Magiers, aber er registrierte wie dieser kurz am überlegen war, als das Thema auf die schönen Töchter des Sultans kam.
„wenn ihr selber Interesse an den Töchtern habt, solltet ihr dies melden…denn wenn dieses Volk fällt..“ er machte ein Pause und seine Worte waren gedämpfter als noch gerade davor.
„… dann wird jeder seinen Lohn erhalten der Faldor gedient hat. Und dieses reich wird fallen ebenso wie der Rest der jämmerlichen von schwächlichen Kreaturen beherrschten Welt. Celcia wird Ruhm erhalten, aber zum Wohle Faldors.“ Er stieß fast schon leicht kameradschaftlich den anderen leicht in die Rippen.
„aber zur Arbeit“ er zwinkerte und von einer Sekunde zur anderen, war er still- lautlos und betrat mit Viro eine Seitengasse. Ein verzücktes Funkeln war in den Augen des anderen zu sehen.
„falls jemand hier langkommt, geht lieber aus dem Weg…dies ist etwas, was eurem Stand nicht würdig ist.“ Verulkte ihn der Dunkelelf, denn seine Stimme war fast so süß wie Honig. Das Gesicht beinhaltete keinen Spot.
Vassharras deute Viro etwas außerhalb zu warten, und lud eine Armbrust durch, die er unter seinem Mantel hervorgeholt hatte. Er zwinkerte diabolisch und trat den geräuschlos zu der Hintertür eines kleinen Hauses. Es schien wohlhabend zu sein und es war recht ruhig.
Der Assassine klopfte an die Tür…wartete ab…und klopfte noch dreimal. Es dauerte einen Moment, denn öffnete sich die Tür. Ein Mann erschien und der Dunkelelf legte si h einen Finger auf die Lippen um eine Frage zu stoppen, denn ging das Töten los.
Der Mann bekam den Bolzen als erstes durch das Herz geschossen, er sackte zusammen mit einem Stöhnen, als er schon zur Seite geschoben wurde und der Dunkelelf seine Schwert zog um über den Mann hinweg ins Innere zu steigen. Lärm und Geschreie ertönte aus dem Haus, wurde schnell erstickt. Ein anderer Mann, noch jung und gutaussehend gewesen, schleppte sich zur Tür, eine Verletzung nahe der Kehle ließ ihn mehr und mehr Blut verlieren.
„Hilfe… hilfe…“ er sah Viro an. Bettelnd und flehend. Ob der Magus etwas tun wollte lag bei ihm, denn gerade hörte man aus dem Haus die letzten Geräusche und wie Jemand seine Waffe wegsteckte.
Vassharras trat zur Tür raus, blickte verächtlich auf den fliehenden Mann. Er sah zu Viro rüber, fragend.
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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Viro Mentis » Mittwoch 20. März 2013, 21:43

Auf den Kommentar über die Töchter schwieg Viro vorerst, ehe er nicht genau wusste wer sein Gegenüber und seine Kontakte waren, wägte er ab, was er sagte.
Als der Name Faldors viel, wanden Viros Gedanken kurz zu Malo und seiner Zeit im Tempel vor all diesen Jahren. Seit dem er das Drachengebirge damals verlassen hatte, hatte er nur wenig Gedanken an Faldor verschwendet und ihm gehuldigt erstrecht nicht, vielmehr hat er leise Verflucht. Unbewusst wanderte während dieser Gedanken seine linke Hand zu dem Anhänger um seinen Hals, der freundschaftliche Stoß in die Rippen von Vassharra. holten Viro wieder ins hier und jetzt zurück. Er ließ die Hand schnell wieder sinken und fand sich an der Rückseite eines kleinen Hauses wieder. Auf Vassharras jovialen Kommentar hin erwiderte Viro nichts, sondern nickte nur und lehnte sich neben dem Eingang mit den Rücken an die Wand. Der Dunkelelf bediente sich einer sehr ausgelassenen Rhetorik, gleiches galt auch für seine Gestik und Mimik. Viro wusste immer noch nichts damit anzufangen.
Das folgende verwunderte ihn dann jedoch noch mehr, mit bloßer Gewalt verschaffte sich sein Gegenüber Zutritt zum Gebäude, ein Motiv, das anscheinend auch im Inneren fortgeführt wurde. Viro hatte mehr Finesse erwartet und als sich dann auch noch eine Person aus dem Eingang quälte und sich flehend an ihn wandte, war das Viro wieder äußerst suspekt. Langsam aber sicher, schob sich seine Paranoia wieder in den Vordergrund und sie wetterte mit vielen Stimmen.
War dies ein Test?
Das will ein Assassine sein, da gibt es ja Barbarenhorden, die filigraner agieren.
Warum lebt dieser Mann noch?
Wer war Vassharras wirklich?
Was soll das alles?
Diese und andere Gedanken säten Misstrauen in Viros Geist.
Doch tat Vier diese mit einem Achselzucken ab, er blickte auf den Mann zu seinen Füßen und hob eine Braue. Ein schmales Lächeln formte sich auf Viros Lippen, man musste schon sehr geschickt sein, um jemanden die Kehle durch zu schneiden und ihn nicht umgehend daran sterben zu lassen. Dann stand Vassharras in der Tür, er hatte einen fragenden Blick auf gesetzt.
Viro entgegnete mit leiser Stimme: „Ihr habt da etwas übersehen, Meister Assassine!“
Er wand ihm den Rücken zu und hörte wie Vassharras es beendete, dann richtete er erneut das Wort an den Auftragsmörder: „Da dies nun erledigt ist, was nun?“
Viro konnte sich irren, viele Stimmen in seinen Kopf waren der Meinung, dass er es tat, aber er hatte den Eindruck gewonnen, das Vassharras nahezu das war, was er vorgab zu sein.
Viro war nicht so törisch anzunehmen, das der Assassine ihm alles verraten hatte oder das man ihm vollends trauen konnte, aber doch wenn man wusste oder zumindest glaubte zu wissen mit wem man es zu tun hatte, dann war alles um einiges leichter.

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Re: Die vergessene Stadt

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. März 2013, 18:25

Der Dunkelelf blieb am Türrahmen stehen, lehnte sich sogar gelassen dagegen. Mit einem Lappen oder einem Stück Stoff, wischte er die gezackte Klinge sauber. Sein Augenmerk galt dem flüchtigen Mann und dem Magier. Es war immer wieder interessant, wie lange ein Lebewesen gegen den Tod zu kämpfen vermochte, wenn dieser doch unvermeidlich war. Ja, er hatte absichtlich den schnitt so angesetzt, dass der Mann noch fliehen konnte. Ein Test für den Menschen, wie dieser sich verhielt.
Aber er reagierte genau richtig. Versuchte nicht den heilsamen Retter und Erlöser zu spielen, sondern machte den Dunkelelf nur auf den Entflohenen aufmerksam. Das diabolische Lächeln, welches mit einem grausamen Funkeln die Augen erreichte, wurde breiter. Gelassen langsam trat er zu dem Sterbenden und dem Magus. Packte den Halbtoten an den Haare und riss ihn nach hinten. Der erlösende Stich folgte nicht sofort, denn er versenkte die Klinge in der Wirbelsäule. Mit einem Stöhnen ging der Mann zu Boden. Er würde noch einen Moment so liegen, hilflos bevor das restliche Blut seinen weg aus der Wunde gefunden hatte.
Der Dunkelelf säuberte ein zweites Mal seine Klinge und steckte sie dann weg. Zufrieden.
„Eindeutig der richtige Mann für die Aufgabe“ trat zu dem Magus und wies mit einem Kopfnicken wieder zur Straße.
„eure Fähigkeiten, wie weit reichen sie in der Magie?...könntet ihr Tote wieder auferstehen lassen und diese beherrschen? Ich dachte nämlich gerade daran, dass diese nichtsnutzigen Versager uns vielleicht nützlich sind.“ Er sah wieder mit dem gelassenen Gesichtsausdruck zu dem Magus sich um. Dass der Elf gerade eine Familie abgeschlachtet hatte, konnte man nicht sehen. Fast schon so etwas wie Sympathie schien dieser auf die Bewohner der Gegend auszustrahlen.
„Erzählt schon“ drängte er den anderen neugierig.
„Wieso seit ihr den Menschen so überdrüssig. Man merkt es, sonst hätte es eine größere Reaktion von euch gegeben. Die meisten zeigen zumindest eine Spur von Entsetzen.“
Sie schritten weiter durch die Straßen und der Dunkelelf steuerte den Außenrand an. Dort wo sie wohl sowieso noch hinmussten. Die Sonne war bereits hinter den Häusern verschwunden und Dunkelheit überschattete die Gassen der Stadt.
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