Wettlauf gegen die Zeit

Das Grasland macht seinem Namen alle Ehre. Weite Wiesen, geziert von Blumen, Sträuchern und Bäumen. Ein Beben hinterließ eine große Narbe in der schönen Ebene, eine große Schlucht, begehbar über eine dunkle Brücke
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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Montag 15. Oktober 2007, 18:49

<b>Nein, nicht, bleib bei uns! Warum hörst du immer nur auf die Befehle, die so ... Komm zurück!</b> "Komm zurück!", keuchte Mallahall und zappelte wild. Wen meinte sie? Nur die Lichtmaga selbst wusste es. In ihrer Seele hatte sich Asmodeus gerade aufgelöst. War zum Nichts geworden. Etwas, das nicht nur Mallahall ständig befürchtete. Asmodeus hatte es mehrmals erwähnt. "Ich bin ein Nichts", das waren die Worte, welche er grollend oft genug ausgesprochen hatte. Und nun erfüllten sie sich.
"NEEEEEEINNN!" Mallahall krümmte sich, wand sich und warf den Kopf hin und her, welchen sie sich in Verzweiflung hielt. Ihre Seele schmerzte. Das blaue Feuer brannte. Dabei lag es schon längst nicht mehr auf ihrer Haut. Asmodeus hatte die Hand bereits zurückgezogen. Aber dieses Feuer war dämonisch. Es brannte anders, brannte nach. Und jetzt hinterließ es ein asmodeusgroßes Loch in der Seele der Magierin. Ein schwarzes Loch. Reine Finsternis. Wo war ihr Licht, wo ihre Hoffnung? Fort. Übrig blieb ... nichts. Das Nichts, in welches ihr Freund sich verwandelt hatte.

"Asmodeus..." Mallahall weinte und sie bibberte. Ihre blauen Augen schauten leer vor sich hin. Es brauchte etwas Zeit, ehe der Frost des Dämonenfeuers nachließ und das Opfer in die Realität zurück holte. Aber Mallahall würde nicht zurück kommen. Nicht aufgrund nachlassender Flammen, so blau wie ihre Augen.

Es war etwas Anderes, dass sie auf die Wirklichkeit aufmerksam machte. Gleißender Schmerz – physischer Schmerz. Roter Schmerz. Rot wie das Blut, welches unter den zu Klauen verkrampften Fingern des Mannes hervortrat, der ihr Fleisch ankratzte.
Mallahall lauschte. <i>"Herrin."</i> Jemand berührte sie, nahm einen Teil von ihr. Ihre eigenen Hände legten sich auf den roten Schmerz. Dieses Brennen, so anders als dämonischen Feuer. Es verletzte den Körper und nicht die Seele, aber es holte die Seele ins Hier und Jetzt zurück. In eine Welt, in der Asmodeus noch existierte. In der Etelin und Zanraia lebten.
Eine Welt, in der Mallahall heilen konnte.

<i>"Mallahall ... Heil dich ... bitte ... ich kann nicht ..."</i>

Wo war ihr Licht? Sie fand es und es drängte sich in ihren Körper zurück. Die Seele erleuchtete aus eigenem Antrieb und spendete Licht, um zu sehen. Zugleich leuchtete auch Unschuld um Mallahalls Hals. Ihre Augen blickten klar, sie schaute in ein vertrautes Gesicht, das doch so fremd wirkte. "Heilen. Ja." Licht strömte aus Mallahalls Fingern, stoppte den Blutfluss und ließ das Gewebe wachsen. Der Kratzer schloss sich. Der rote Schmerz schwand.
Mallahall kehrte zurück.

Die Lichtmaga richtete sich auf. <i>"Ich will nicht ... Ich sein."</i> Sie schaute Asmodeus an. "Ich werde dich heilen. Ich helfe dir, aber lass uns nicht im Stich. Nicht Etelin, nicht Zanraia und nicht mich. Asmodeus." Mallahall lächelte ihn an, schaute in seine Augen und suchte seine Seelenanteile. Sie fand sie nicht. Sie fand nur ...

"Wo seid ihr?"
Sie sah Eins.
Zuletzt geändert von fremde Frau am Montag 15. Oktober 2007, 18:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Montag 15. Oktober 2007, 23:52

Schlecht. Weder Stark noch Schwach. Weder Dämonisch noch ein Medicus. Weder Asmodeus noch Aurelius. Er brauchte keinen Namen. Er hatte keinen Namen. Doch ein Gegensatz wog besonders schwer:

Er war, wie er auch nicht war. Er erhob sich. Sah an sich herunter. Hatte das Gefühl etwas Vergessen zu haben – wie er es auch nicht hatte. Ein seltsamer Zustand. In dem nicht mal Ordnung oder Chaos existierte. Weniger als Nichts und mehr als das Unendliche – beides ungreifbar.

Es war eine Hülle. Wie damals im Turm. Dort jedoch waren die Seelen zerstört gewesen, unverbindbar geteilt. Ebenfalls zerfallen. Sie konnten nicht ohne einander. Nun war das Nichts aus dem gegensätzlichen Zustand wieder entstanden – denn sie konnten genau so wenig absolut vereint sein. Es gehörte oftmals zu Asmodeus Schicksal, dass er gewisse Dinge aufgrund seiner zwei Seelen ebenfals zweimal erleben musste. Wie sich das Sterben wiederholt hatte und die Wiedergeburt, sowie die Gewissheit der Schuld oder aber der Wert der Liebe. Nun war das Nichts an der Reihe.

Es erhob sich. Guckte an sich runter. Wirkte verwirrt. Es sah Mallahall an. Erkannte das Seelensteinchen nicht welches sie um den Hals trug. Wusste, dass diese Frau Teil des Lebens war. Hatte jedoch keine Ahnung mehr in welcher Beziehung sie zu ihm stand.

Es antwortete nicht. Es lief. An Mallahall vorbei. Weiter gen Sarius. Denn es wusste etwas. Es wusste, dass es Zanraia suchen musste. Denn es kannte Zanriaa. Sie war es, die ihn angelächelt hatte und ihn schön fand.

So lief es. Frierend. Nackt. Verloren und … sich selbst nicht kennend.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Dienstag 16. Oktober 2007, 18:10

Woran erkannte ein Mensch, dass eine vertraute Seele sich verändert hatte, wenn man dieser Seele nur in die Augen schaute? Es waren noch immer dieselben Augen, die Mallahall ansahen. Noch immer erkannte sie rauchige Finsternis und blaue Sterne. Dennoch war eine Veränderung eingetreten. Aus Finsternis und Sternen war wieder ein richtiges Auge geworden. Schwarze Pupillen und nachtschwarzblaue Iris. Das Weiß hatte sich wieder in den Augenhöhlen eingenistet. Nicht länger wurde sie von zwei Seelenteilen gemustert, die sich ein Augenlicht teilten. Sie waren Eins, alles war Eins, selbst der Blick. So vereint, so vertraut und trotzdem neu und befremdlich. Unheimlich.

Er antwortete ihr nicht. Er sagte gar nichts zu ihr. Wer war er überhaupt noch? Seelchen, Dämon? Dämonenmedicus? Letzteres traf es vermutlich noch am ehesten, doch nichts konnte dieses Wesen nun besser beschreiben als der Name, den er sich Minuten zuvor noch selbst gegeben hatte: Asmo.
Aurelius, der vergessen geglaubte Name ... hatte im Beisein des Dämons wohl niemals wirklich wieder existiert. Und Asmodeus? Fort, vergessen. Vereint.

So stand dieser Fremde nun vor Mallahall, löste den Blick von ihr und starrte an sich herab. Er betrachtete sich, als sähe er sich selbst zum ersten Mal. Irgendwo mochte dies gar stimmen, denn Veränderungen waren eingetreten.
Nur eine kleine Erinnerung blieb standhaft zurück. Zanraia ... und dass es jemanden – etwas – gab, das sie liebte.

Dann traf sich sein Blick wieder mit dem der Lichtmagierin. Er schaute so verwirrt. Sie blickte ihn mild an. Versuchte, ihm Trost zu spenden, allein mit ihren blauen Augen. Mallahall streckte ihm die Hand entgegen, eine freundschaftliche Geste.
Der Fremde marschierte an ihr vorbei. Er zog los, mit Zanraia als Ziel und nur ein winziger Hauch in seinem Instinkt sagte ihm, dass er sie im Wald Sarius finden würde.

Mallahall drehte sich, schaute ihm Sekunden verblüfft nach. Dann endlich schaffte sie es, sich überhaupt erst einmal Worte abzuringen. Ihr Körper erhob sich. "Bleib hier! Lauf nicht weg!", rief sie. Gleich zwei Befehle – beide blieben unbefolgt. Mallahall hatte die Befehlsgewalt über Asmodeus verloren, denn er war es nicht, der sie da verließ.
Sie drehte sich wieder. Starrte in die Richtung, aus der Etelin und Iaren hoffentlich bald kommen mussten. Sie waren nicht zu sehen. Die Gruppe hatte sich erneut getrennt.

Was sollte sie nur tun?

<i><b>Schütze uns. Pass auf uns auf.</b></i> Er hatte ihr die Antwort bereits gegeben, bevor sich die Frage in ihrem Kopf gebildet hatte. Mallahall nickte – entschlossen.
Dann riss sie von ihrem ohnehin nur noch aus Fetzen bestehenden Kleid einen Teil des Ärmels ab und legte ihn ins Gras. Ein Zeichen für die, die folgen würden. Ein Pfeil aus Stoff, der auf den Sarius zeigte, welchen sie in der Ferne schon an dunkle Linie ausmachen konnte.
Anschließend wickelte sich Mallahall in die Kleidung ihres Freundes und folgte dem, zu dem er sich gewandelt hatte. Anfangs lief sie nur, dann rannte sie. Schließlich holte sie ihn ein, denn mit der Einigkeit war auch sein hundeähnliches Sprinten verschwunden.

Schweigend, aber heiser keuchend ging Mallahall nun in geringer Distanz hinter ihm her. Die Ratschläge des Medicus waren sinnvoll. Pfefferminze, ja, das brauchte sie jetzt. Und Wärme.
Kurz legte sie sich die Hand an den Hals, wirkte jedoch keine Magie. Licht hätte sie jetzt sicher auch von ihrer Erkältung heilen können, doch fehlte ihr dafür nun endgültig die Kraft. Mallahall brauchte Schlaf. <b>Später!</b>

Sie folgte dem Fremden.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Dienstag 16. Oktober 2007, 22:38

Wie konnte man ein Wesen Beschreiben welches weder schreitet noch geht, eilt noch gemächlich Läuft? Es wandelte nicht, es stampfte nicht, es bewegte sich einfach. Irgendwie und doch anders. Es hatte eine gewaltige Ausstrahlung und war doch so Unscheinbar. Ein Seltsames Wesen. Dieser Asmo. Das nichts mehr war und doch die Vereinigung von allem. Seine Anwesenheit musste zwangsläufig ein flaues Gefühl im Betrachter hinterlassen. Denn es lebte, wie es dies auch nicht tat.

Asmo lief ausdauernd Richtung Sarius. Er veränderte weder die Geschwindigkeit, noch sah er sich um. Er atmete ruhig und regelmässig. Sein Blick starr nach vorn gerichtet und doch schien er alles und nichts aufzunehmen. Ob Asmo etwas dachte? Ob er etwas fühlte? Ob er überhaupt wusste er oder was er war? Stellte er sich diese Fragen überhaupt?

Eins stand fest. Es empfand. Man konnte es verletzen, es töten. Es würde genau so Nahrung brauchen wie alle anderen Lebewesen auch und es brauchte Luft zum Atmen. Denn diese Dinge hatten sowohl Dämon wie auch Medicus gebraucht – diese Grundbedürfnisse waren schon immer eins Gewesen. Doch empfand Asmo auch Hass? Oder Liebe? Oder Schuld?

Es schien sich zumindest der Kälte des Windes bewusst zu sein. Asmo fröstelte. Ob er Mallahalls stille Anwesenheit überhaupt bemerkte oder wahrnahm? Er reagierte zumindest nicht darauf sondern schritt einfach weiter.

Ohne äusserlich sichtbaren Grund blieb Asmo plötzlich stehen und setzte sich. Einige Minuten sass er einfach da und atmete vor sich hin. Starrte ins Leere und schien dennoch alles genau zu mustern. Doch was machte er mit den Bildern die seine Augen ihm boten? Wie interpretierte er Gras, das entfernte Zyranus, den Horizont? Gar nicht. Denn er konnte nicht mehr interpretieren. Bilder konnte man nur verstehen indem man es mit Emotionen und Erfahrungen verknüpfte. Er hatte so viele Emotionen dass er keine mehr davon fassen konnte, gleichzeitig war er so ausgeglichen dass sich auch keine ergeben konnten.

So hockte er und starrte vor sich hin. Wartete. Warum er dies tat? Vermutlich wusste er es selbst nicht.

Schliesslich legte Asmo sich auf den Boden. Rollte sich zusammen und schloss die Augen. Lag einfach da. Mitten im Grasland.

Eine Seele welche sich selbst vergessen hat.

Sein Kopf drückte sich aufs feuchte Gras. Das blaue Haar fiel zur Seite. Sah Asmo friedlich aus? Sah er böse aus? Dämonisch? Nein. Man sah ihn nur. Was man sah war schwer zu definieren. Vielleicht einen Freund in Not… dies könnte vermutlich zutreffen. Obwohl… er wirkte nicht unbedingt so. Er wirkte nicht Hilflos. Doch genau so wenig traute man ihm zu dass es so weitergehen könnte.

Wer oder was war Asmo?

Ein Körper. Einen beseelten Körper. Der Atmete. Der Schlief und doch merkte man deutlich, dass etwas fehlte. Etwas nicht stimmte. Er wirkte so Fremd. Weil er nicht einzuordnen war.

Ordnung und Chaos existierten bei ihm nicht.
Es bleib
Alles…
…und Nichts

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Mittwoch 17. Oktober 2007, 09:11

Von der Seite her betrachtete Mallahall das Fremde. Sie wusste noch nicht, dass es sich Asmo nannte. Sie wusste überhaupt nichts über es. Nur eines wusste sie: Mallahall durfte es nicht im Stich lassen. Die Lichtmagierin wollte es schützen, behüten. Was immer es war.
So schritt sie inzwischen neben ihn her, wie ein goldblonder Schatten. Sie schwieg. Was sollte sie zu einem fremden Wesen auch sagen? Ihr fiel lediglich auf, dass es hin und wieder fröstelte. Dann strich sie über die Kleidung, welche Asmodeus ihr überlassen hatte, senkte dabei den Blick. Inzwischen schmerzte es, wenn sie schluckte. Sie fühlte sich leicht fiebrig. Die Erkältung nahm ihren Lauf. <b>Ich muss mich ausruhen. Nur eine Stunde, dann könnte ich einen Heilversuch wagen. Oh, bitte, bleib enfach mal eine Stunde stehen.</b>

Das Fremde hielt an. Verblüfft riss Mallahall die Augen auf. "Warum halten wir?", fragte sie, doch erhielt weder Antwort noch sonst eine Reaktion von Seite des Wesens.
Dieses setzte sich einfach, atmete, schaute auf einen leeren Punkt vor sich und ... existierte.
Mallahall griff an das Tränensteinchen, letztes Überbleibsel und Beweis dafür, dass das Fremde einmal mehr gewesen war als bloße Existenz. Mehr als ein anwesendes Nichts.

Schließlich rollte das Fremde sich auf dem kalten Gras zusammen. Wie ein überdimensionaler Hund lag es da. Schmerzlich erinnerte dieses Bild an den Dämon und Mallahall unterdrückte ein Schluchzen. Sie hatte keinen Grund, so kummervoll zu sein, schalt sie sich stillschweigend. <b>Er ist noch da und Seelchen auch! Irgendwo ... tief verborgen in der Einigkeit. Und ich werde ihnen helfen. Ich folge, bis ich einen Weg finde.</b>
So wurde die Lehrmeisterin in gewissem Sinne zur Schülerin. Denn sie war es nun, die dem Wesen folgte.

Dieses lag da, die Augen geschlossen. Atmete. Schlief es?
Oh, wenn Mallahall das jetzt nur gewusst hätte. Wenn sie darauf vertrauen konnte, dass es so nun eine oder mehrere Stunden liegenblieb. Wenn es nur schlief ...

Die Lichtmagierin näherte sich langsam. Sie sah die aufgerichteten Härchen. Sie sah das Frösteln. Mallahall gehörte nicht zu der Sorte Mensch, die dies einfach unbeachtet lassen konnte.
So öffnete sie die Robe, dass sie ihr wie ein weiter Umhang von den Schulter fiel. Sie näherte sich dem Wesen, hockte sich neben es. Und dann zögerte sie. Würde es gewalttätig? Könnte es sie beißen oder anderweitig verletzen?
"Asmodeus?", hauchte sie ihm fragend zu, streckte eine Hand nach dem liegenden Körper aus. Mallahall berührte das Fremde zaghaft an der Schulter. Und noch ehe das Wesen in irgendeiner Weise reagieren konnte, legte sich Asmodeus' Gewandung über ihn. Mallahall schmiegte sich an, damit sie auch noch unter die wärmende Robe passte, die nun wie eine Decke über beiden ausgebreitet lag.

Sie vertraute darauf, dass vereinigte Seelen, die einmal Freund und Schüler gewesen waren, ihr nichts antun würden.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Mittwoch 17. Oktober 2007, 12:30

Es lag mitten in Gras. Ruhte es? Schlief es? Tat es etwas? Nun es lag und hielt die Augen geschlossen. Fröstelte leicht. Es atmete ruhig. Ein. Aus. Ein. Aus… Ein…Aus. Ein unbeschreiblicher Rhythmus. Nicht Regelmässig aber auch nicht Arhythmisch. Eigen. Seltsam. Undefinierbar.

Es war etwas bleicher als Asmodeus gewesen war und es bewegte sich nicht. Hechelte nicht. Nichts deutlich dämonisches war erkennbar. Ausser die Spuren seiner Selbstzerstörung und Nedras Wunde zeugte davon dass in diesem Wesen einst was war, dass erbittert gekämpft hatte. Gegen sich selbst und die Welt und besonders, gegen das Nichts zu dem es nun geworden war. Nur ein einziges Wesen auf Celcia kannte das Nichts und hatte dessen Wesen verstanden, hatte ihm beigebracht zu ordnen zu wissen wer oder was es war. Zanraia. Dieses liebliche kleine Wesen, dass durch ihr verschrobenes Denken ungeahnte Pforten öffnen konnte. Der kleine Schlüssel – nun selbst verloren gegangen. Herumirrend, alleine, weinend und von Angst geplagt. Angst vor einem Wesen, einem Dämon, welches gar nicht mehr richtig existierte… oder doch?

Niemand wusste es.
Auch das Es selbst nicht.

Fühlte es? Spürte es?

Ja. Dies tat es. Doch es reagierte nicht als Mallahall es ansprach auch nicht als sie die Hand nach ihm ausstreckte. Gab kein Zeichen welches ihr Zögern besänftigt hätte, jedoch tat es auch nichts, was es bestätigt hätte. Erst als die Robe über den Körper fiel öffnete es die Augen. Sah Mallahall an. Tief in ihre Augen und doch, schien es durch sie hindurch zu starren. Es schien zu erkennen, das Bekannte, wie es dies auch nicht tat und nur fremdes und unbekanntes sah. Mehr tat es nicht. Guckte Mallahall an. Hörte auf zu frösteln. Schloss dann wieder die Augen. Existierte einfach. Kuschelte sich auch nicht in die Robe sondern nahm einfach hin, dass sie nun auf ihm lag.

Als sich die Lichtmaga an seinen Rücken schmiegte öffnete es wieder die Augen, starrte ins Weite und schloss sie nicht mehr. Ruhig lag es da. Rührte sich nicht.

Ob es glücklich war oder traurig? Ängstlich oder ob es sich gar Geborgen fühlte? Ob es kalt hatte oder Schmerzen? Es strahlte so viel aus und doch gar nichts.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 18. Oktober 2007, 02:13

Mallahall hörte es atmen, das Fremde. Sie versuchte, Regelmäßigkeit in den Atemzügen zu erkennen, gab es jedoch schnell auf. Das Atmen kam regelmäßig – in unregelmäßigen Abständen, die sich noch unregelmäßiger änderten, irgendwann aber wieder vorn vorn begannen. Das System dahinter konnte vielleicht von einem sehr klugen Kopf geknackt werden, im Moment war Mallahall dafür jedoch viel zu erschöpft. Sie schätzte sich glücklich, dass es jetzt wenigstens lag. Vielleicht merkte das Fremde, dass es den Körper nicht einfach ohne Folgen ins Unendliche treiben konnte. Dies wäre ein ganz entscheidender Unterschied zu Asmodeus, dem Dämon, gewesen. Der wäre noch zielstrebiger weitergelaufen, hätte sich womöglich selbst verletzt, um den schwächlichen Körper für seine Unzuverlässigkeit zu strafen.

Mallahall gab sich mit dem zufrieden, was sie hatte: ein fremdes Wesen, dass sich selbst und ihr etwas Zeit schenkte, um Kraft zu tanken.
Und das Wesen schenkte ihr noch mehr. Nachdem Mallahall die Gewandung wie eine Decke über sich und das Fremde gelegt hatte, öffneten sich seine Augen. Oh, sie waren so fremd, so leer. Es fehlten die Seelenteile, welche immer aus Finsternis und Sternenfeuer die Welt betrachtet hatten. Nun schaute Nichts durch die Pupillen. In der Iris schimmerten Schwärze und leuchtendes Blau. Dieses sonderbare Gemisch war es, was Mallahall musterte. Sie suchte darin, fand jedoch nichts. Es waren nur Überreste ... von keiner Seele genutzt. Sie waren übrig geblieben und klammerten sich an das Nichts, an die Leere, welche die Pupille darstellte. Die Pupille. Sie war das Schiff, welches einst im Ungleichgewicht gestanden hatte. Nun trieb es auf den Resten beider Seelenteile und beherrschte dennoch alleinig die See.

Es schaute Mallahall an und doch durch sie hindurch. "Ich weiß, du gehorchst meinen Befehlen nicht mehr. Das musst du auch nicht. Aber vielleicht erfüllst du einer Freundin eine Bitte. Lauf nicht weg, ich werde nur ein paar Stunden schlafen. Ruh dich mit mir aus, dann begleite ich dich weiter auf der Suche. Zu zweit sind wir stärker ... und wenn Etelin und Iaren nachkommen ..." Mallahall beendete den Satz nicht. Das Fremde schloss erneut die Augen.

Mallahall seufzte. Dann schmiegte sie sich an den Rücken des Körpers, der einst ihre Freunde getragen hatte. Sie strömte Wärme aus. Diese kam jedoch nicht von Lichtmagie, sondern es handelte sich um Mallahalls eigene Körperwärme. Die breitete sich soeben unter der Robe aus, legte sich auf beide Körper – nahm dem einen das Frösteln und schenkte dem anderen Ruhe. Mallahall schlief ein, träumte nichts.

Über das Wesen legte sich ebenfalls der Schlaf, doch es empfand ihn wohl anders. Seltsamerweise ... träumte es sogar. Bilder formten sich, obwohl es die Augen offen hielt. Es sah ... Erinnerungen? Zukunftsvisionen?
Es sah ... Zanraia. Schatten umrundeten sie. Zan schaute ihnen zu, ängstlich, verwirrt. Die Schatten nahmen Konturen an. Tiere? Es erkannte die Gesichter von Füchsen, Bären und anderen Waldbewohnern. Sie näherten sich Zanraia und diese schrie hilflos: <i>Asmodeus!</i>

Wer war Deus? Interessierte es das Wesen überhaupt? Es war Asmo. Aber was war Asmo?


<i>[Asmos Körper erholt sich auf 80% Lebensenergie]</i>

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Freitag 19. Oktober 2007, 00:45

Stumm lag es da. Fröstelte noch immer leicht, kalte Winde standen vor der Tür der Gezeiten und pochten ungeduldig an die Tore der Welt wollten über Celcia hinwegfegen und es bald in den weissen Schleier legen. Der Boden kühlte aus und mit ihm die Körper die darauf lagen. Von oben kam die spärliche Wärme der Decke und von unten die erbarmungslose Kälte der voranschreitenden Zeit.

Asmo hingegen rührte sich nicht sondern starrte ins Gras musterte wie es sich unter dem kühlen Wind der über das Grasland wehte bog, als wollte es dem Wetter huldigen. Beobachtete dieses Detail, welches vielen Menschen tagtäglich begegnete und dennoch nicht wahrgenommen wurde. So existierte dieses niederknien der Gräser wie es dies auch nicht tat – denn wie wusste etwas das war, dass es war wenn es nicht gesehen wurde? Nicht gespürt, beachtet… geliebt?

Zanraia hatte es gesehen, war als einziges Individuum bis an den Kern des Wesens vorgedrungen dass in jenem Augenblick einfach da lag, regungslos, still vor sich hinatmend. Sie hatte Asmo gesehen und gesagt, dass es lächelte. Asmo lächelte jedoch nicht. Nicht jetzt. Nicht in jenem Moment. Asmo lag da und starrte ins Gras. Ob es dachte das Nichts? Noch immer blieb diese Frage unbeantwortet im Raum stehen – und dieser Raum gestaltete sich als die grenzenlosen Weiten dieser Welt so gross und so unfassbar weitläufig, dass es einem Menschen allein wohl kaum gelingen würde die Antwort auf diese kleine Frage im gesamten Kosmos zu finden.

Stunden vergingen. Asmo hielt still. Ob es den Wunsch einer Freundin erfüllte indem es lag? Wusste es überhaupt wer Mallahall war? Möglich wäre es – hatten schliesslich beide Seelen Mallahall gekannt. Doch die Bedeutung dieser Person schien ungreifbar für das Es geworden zu sein. Doch zumindest schien es ihre Anwesenheit als Teil dieser seltsamen Welt da draussen – die so wenig mit seiner eigenen und doch so nah mit ihm verbunden war – hinzunehmen.

Welten mischten sich. Welten wurden zerstört. Welten konnten Fantasie bedeuten. Fantasie ist eine Welt. Viele davon sind Illusionen, Wünsche… oder Träume doch teilweise in ihrer Art so intensiv, dass sie für den Erlebenden als echt empfunden wurden. Formte nicht jeder selbst, seine Welt? Obwohl man gleichzeitig die Grundzüge der sichtbaren Welt mit allen anderen teilte… man sozusagen ein gemeinsames Ganzes geschaffen hatte?

Doch was… wenn es Wesen gab, die nicht mehr an diesem gemeinsamen Ganzen teilhaben konnten, die herausrückten – ver-rückten. So wie Asmo…

War Asmo in eine neue Welt entflohen oder aber war er zwischen zwei Gefangen… oder gar beides oder nichts von beidem? Wo war es. Dieses Ding. Wo gehörte es hin? In den Hartax? Nach Celcia? Ins Totenreich? War es verloren für diese Welt? Schien es doch noch immer auf irgend eine Art darauf zu existieren… hatte gar Freunde die sich sorgten. Mallahall. Direkt daneben liegend. Schlafend. Ein Herz in sich tragend, dass eine Erinnerung fest verschlossen hielt. Eine Erinnerung an zwei Seelen, noch ganz frisch, nicht bereits durch das fortschreiten der Zeit verblasst. Die Seelenteile waren noch nah. Noch präsent in ihrem Geist, daher konnte Asmo auch so befremdlich wirken.

Manchmal mischten sich auch Welten. Asmos zumindest. Noch immer auf das Gras starrend taten sich plötzlich weitere Bilder auf, erschienen ihm klar vor Augen. Zanraia, Tiere, Gefahr! Es starrte. Musterte. Beobachtete. Guckte. Fixierte das Mädchen. Die Augen funkelten, flackerten wurden glasig und noch leerer doch auch unruhig, verwirrt.

Tränen bildeten sich in den Winkeln und kullerten über die Wange von Asmo. Funkelten einmal in ihrer kurzen Existenz im Lichte auf und verwelkten in die Vergessenheit als sie zu Boden fielen und stumm wie sie geboren wurden auch wieder verstarben und versiegten. Es blieb eine feuchte Bahn die Asmos Gesicht durchzog.

Weinte es?
Man wusste es nicht. Denn ausser den Tränen reagierte das Wesen nicht.

Lag einfach da.
Starrte ins Gras.
Sah Tiere.
Zanria.
Und Grashalme die dem Wind huldigten.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Samstag 20. Oktober 2007, 12:21

Malllahall schlief, aber nicht sehr lange. Sie hatte um ein paar Stunden gebeten und diese auch bekommen. Mehr nicht. Denn die Kälte, die vom Boden heraus in ihre Glieder kroch, ließ sie erwachen. Ihre Beine fühlten sich taub an, ihr Mund war trocken und es ging ihr nicht gerade besser. Keine Pfefferminze, keine Lichtmagie. Aber die Erkältung war während ihrer Ruhepause voran geschritten. Die Robe von Asmodeus hatte nur oberhalb gewärmt. Von unterhalb kam die Krankheit.
Hustend öffnete Mallahall die Augen. Sie hörte sich heiser an, kratzig. Doch wer hörte sie, außer sie selbst? "Asmodeus? Bist du noch da?"

Ja, er war da, wärmte Mallahall, die an seinem Rücken lag. Doch sie spürte diese Wärme kaum. Ihr Körper fühlte sich so taub an, aber alle Glieder ließen sich noch bewegen. Ihr Kopf brummte. Schlaf wäre gut gewesen, hätte die Maga in einem Bett, gut in Decken verpackt, gelegen. Aber auf dem kalten Boden des Graslandes ... "Jetzt bin ich noch mehr erkältet", brachte sie zusammen mit weiterem Husten hervor. "Und ich fühl mich furchtbar." Sie richtete sich auf, dass sie leicht gekrümmt neben dem Nichts hockte. Und sie schaute es an.

"Was...?" Verwirrt betrachtete sie die feuchte Bahn, die auf seiner fahlen Wange schimmerte. <b>Er hat geweint</b>, stellte sie schweigend und ohne jegliche Gefühlsregung fest. Natürlich. "Du hast um Zanraia geweint?" Eine Hand fuhr nach vorn und strich durch das zerzaust liegende blaue Haar. "Ihr geht es sicher gut. Lass uns weitersuchen, ja? Schlaf hat mir nicht viel gebracht." Wieder ein leichter Hustenanfall. Mallahall überlegte, ob sie ihre Magie anwenden sollte. Ein Versuch konnte nicht schaden. Sie legte eine Hand an ihren Hals, spürte die geschwollenen Mandeln, und beschwor ihre magischen Kräfte herauf. Flackerndes Licht, wenige Momente, dann erlosch es wieder. <b>Keine Kraft.</b>

Mallahall stand auf. Sie schaute auf den Fremden herab, den sie noch immer als Asmodeus ansprach und doch wusste, dass er es nicht wirklich war. Wer war es? Was war es?
Sie betrachtete seine schimmernde, nackte Haut. Er wirkte bleich und ebenso leicht unterkühlt wie es Mallahall zu Anfang ihrer Erkältung wohl gewesen war. "Steh auf, ich gebe dir deine Robe wieder. Ich kann das nicht sehen und möchte nicht, dass du auch noch krank wirst."

Dann schaute sie zum Himmel. War es inzwischen Nacht geworden? Alles wirkte dunkel und trüb. Wie Dämmerlicht. Die Sonne selbst ließ sich nicht blicken. Mallahall rechnete im Geiste. "Die Zeit der dunklen Tage hat heute begonnen", wisperte sie und wartete darauf, dass sich das Fremde neben ihr erhob. Langsam machte auch sie sich ernsthafte Sorgen um Zanraia.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Samstag 20. Oktober 2007, 23:06

Ein leichter Schatten legte sich über das Gras. Es wurde dunkler. Deutlich. Asmo sah dies. Doch was bedeutete es einem Wesen wie ihm? Nichts – ausser, dass sich ein leichter Schatten übers Gras gelegt hat. Ein Fakt. Ein Istzustand. Asmo schien nur im jetzt zu Leben und sich doch völlig in der Zeit verloren zu haben. Asmo kannte keine Zeit wie er sie vielleicht doch als einziger wirklich begriff. Gab es so etwas wie Zeit überhaupt? War dies nicht eine Erfindung der Menschen zur verbesserten Orientierung?
Was war Logik?
Was machte aus einer Existenz – Leben aus Leben ein Individuum und aus einem Individuum eine Seele? Eine… Seele? Was war eine Seele?

Asmo war die Lebende Antwort auf diese Fragen die nur noch mehr Fragen entstehen liess und einem nach noch mehr Antworten gieren lässt.

Es lag da. Starrte. Hörte Mallahall, wie es nicht zu hören schien. Denn es reagierte nicht. Wie es doch reagierte, die Augen bewegten sich kurz. Sahen ein anderes Grashälmchen an. Er blieb liegen. Obwohl Mallahall darum gebeten hatte er möge sich bewegen.

Was hatte es? Schmerzen? Sorgen? Verletzungen? War es vielleicht erstarrt? Blind? Gehörlos geworden? War es noch da? Wo war da?

Es lag. Kühlte langsam aus und blieb doch warm. Wärmte sich selbst obwohl es sich der Kälte aussetzte. Irrsinnig. Unlogisch.

Es schloss wieder die Augen. Atmete in diesem seltsamen Takt der nicht wirklich einer war und sich doch zu regelmässig gestaltete als in Arythmisch zu nennen. Es tat so vieles, in dem es sich nicht rührte. Es entschied gegen Mallahalls Aufforderung, gegen ihren Befehl, gegen ihre Bitte. Doch war diese Wahl bewusst getroffen worden?

Was spielte dies überhaupt für eine Rolle? Es änderte nichts daran, dass es da lag.
Mallahalls Hand legte sich um sein Haar. Dieses blaue Haar, einst stolz zum Kamm frisiert. Markenzeichen eines gewissen Medicuses. Die Zerzaustheit in gegen unheilsamer Bote eines finsteren Wesens. Nun wirkte die Frisur einfach… da. Existenz und doch unscheinbar.

Mallahall stand auf. Asmo nicht. Blieb liegen. Zusammengerollt. Fröstelnd. Die Augen geschlossen. Die Tränenbahn im fahlen Licht leicht schimmernd.

Wieder dieser Blick. Als die Heilerin ihn auf Zanraia ansprach. Dieser nichtssagende Blick, der dadurch Bände sprach. Von der Abwesenheit zweier Seelen berichtete. Von der Verlorenheit in der Einigkeit. Von diesem weltlichen Paradoxuum. Als wäre es ein gebrochenes Weltengesetz.

Als Mallahall kurz Lichtmagie anwandte geschah etwas und das war schon viel – eine Reaktion. Asmo öffnete ein Auge und musterte den Lichtblitz. Liess es geöffnet. Guckte. Das andere Augen fest verschlossen – noch fester als zuvor.

Ein Indiz für restbeständige Seelenfragmente? War da noch was… zwei? Oder Zufall… alles bedeutungslos. Asmo öffnete nach langer Zeit wieder beide Augen und rappelte sich auf. Trat einfach an Mallahall vorbei. Streifte sie dabei. Hielt kurz inne. Guckte. Nicht fragend, nicht ängstlich, nicht nichtig. Einfach nur seltsam. Es kam so nichts und doch alles. Es lief los. Schien nichts von einer Robe wissen zu wollen – oder gar nichts darüber zu wissen. Es lief durch die Kälte doch obwohl der Körper fror, regte nicht einmal Asmos Mundwinkel. Er wurde einfach kühl, schliesslich kalt. Mehr nicht.

So ging er. Weiter gen Sarius. Etwa eine Stunde lang. Schweigend. Nicht langsam und doch nicht eilend gehend. Er ging auch nicht wirklich. Wandelte es? Lief es? Es bewegte sich einfach… legte Strecken zurück. Dann blieb es stehen. Starrte nach vorn. Verharrte. Hockte sich hin. Verharrte. Legte sich hin. Verharrte. Rollte sich zusammen und starrte ins Gras, über welches sich ein leichter Schatten legte.

Es wurde dunkler.
Deutlich.
Asmo sah dies.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Sonntag 21. Oktober 2007, 13:40

Die Lichtmagierin stand da, beobachtete das Befremdliche. Es lag noch immer im Gras, die Tränenbahn schimmerte bleich auf der Haut. Sie glänzte, zeigte zusammen mit dem sich hebenden und senkenden Brustkorb, dass Asmodeus noch lebte. Dass <i>es</i> noch lebte.

Die Augen schlossen sich. Es atmete.
"Komm schon. Hier liegen zu bleiben, ist zwecklos. So werden wir Zanraia nicht finden." Nicht einmal darauf reagierte es. Blieb einfach liegen. So beschloss Mallahall, einen Versuch zu wagen, sich selbst zu heilen. Es blieb beim Versuch, er war erfolglos. Zumindest, was die Heilung betraf. Im Es weckte es eine Reaktion.
Das Fremde öffnete ein Auge, während es das andere zusammen drückte. Mallahall betrachtete es. "Steh auf", sagte sie noch einmal. "Folge mir." Was sollte sie diesem Wesen auch noch sagen? Sie konnte nur an seiner Seite weilen, warten, hoffen ... ihm Hilfe anbieten, bis er danach greifen würde. Aber eines konnte sie nicht: dieses Fremde, Verlorene hier einfach liegen lassen.
"Verlorener", murmelte sie das Wort vor sich hin, schaute ihn an.

Da erhob es sich, schritt an Mallahall vorbei und streifte sie kurz. Mallahall folgte sofort, als er los lief. Jedoch war sie nicht einmal halb so schnell wie er. Viel schneller kam sie allerdings außer Atem, musste anhalten, beugte sich vor und hustete heftig. "Warte", rief sie dem Etwas zu, dass ihr so schnell davon lief.

Ob es auf sie oder einen inneren Instinkt hörte, würde Mallahall wohl nicht erfahren. Doch es hielt inne. Blieb stehen, hockte, dann legte es sich hin. Es rollte sich zusammen, schlief jedoch nicht. Existierte nur.

Mallahall schleppte sich voran, bis sie den zusammengekauerten Körper erreichte. "Weiter", forderte sie ihn auf und dieses Mal war er die Magierin, die beharrlich einen Fuß vor den anderen setzte. Der Sarius rückte näher, man konnte schon die Wipfel von den Stämmen unterscheiden. Und ein Stück davor war plötzlich ein Schatten zu sehen. Er näherte sich, nahm Konturen an.

"Ein Händler!", rief Mallahall überrascht aus, als sie den klapprigen kleinen Karren erblickte. Auf dem Kutschbock saß ein rüstiger älterer Herr mit zerknautschtem Zylinder und knallroter Weste, die sich von der vorherrschenden Umgebung in starkem Kontrast abhob. Vor dem heranfahrenden Karren war ein Esel vorgespannt. Dieser blieb stehen, als er sich der Anwesenheit von ... Nichts gewahr wurde. Der Esel hob den Kopf, schaute zum Es und schlackerte mit den Ohren.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Sonntag 21. Oktober 2007, 18:51

Liegen. Starren. Atmen. Existieren. Mehr tat es nicht… oder doch? Dachte es vielleicht? Sehnte es sich nach Zanraia? Es war ihm nicht anzusehen. Auf jeden Fall schien es nicht auf Mallahalls Worte zu reagieren, obwohl es zweifellos hörte – hören musste. Es war doch Asmodeus… irgendwie, dieser Dämon der immer auf ihre Befehle gehört hatte.

Die Zeit verstrich. Eine Existenz wurde wieder ein paar Minuten älter und die Zeit in welcher es gelebt hatte, vor sich hinstarrend – war verloren gegangen. Vergangen. Verblasst. Nur der Schatten blieb, der sich über das Gras legte. Still, schweigend ohne zu fragen. Er tat es einfach. So wie Asmo einfach existierte. Einfach – und doch so komplex.

Ein Karren näherte sich. Asmo hörte das gemächliche Trippeln von Hufen. Nicht so schwer wie jenes der Pferde. Ein kleineres Tier – Esel. Das knarren von Holz. Räder. Das klimpern verschiedener Dinge. Asmo schnupperte. Roch. Menschen. Zwei Menschen. Mallahall und der Fremde. Obwohl Asmo zu Mallahall besser hätte kennen müssen reagierte er auf sie genau so wenig wie auf den Händler. Sie schienen beide Fremde zu sein. Oder aber auf eine ernüchternde und deprimierende Art – unwichtig, dennoch in ihrer Anwesenheit respektiert. Auch sie existierten.

Da trat das Tier näher an das Nichts heran und wenn man die beiden so nah aneinander stehen sah, beschlich einem die seltsame Ahnung, dass der Esel die Umgebung vermutlich bewusster wahrnahm als Asmo. Es starrte auf die Hufen des Tieres. Dann sah es zum Esel hoch. Guckte in die schwarzen feuchten Nüstern. Asmo rappelte sich auf. Guckte dem Lasttier in die Augen. Sein Blick – leer, verloren, nichts und doch so unendlich bannend und vielsagend. Doch was sagte er? Seine Sprache – unmöglich zu entziffern, den wie konnte Etwas, das Nichts verstehen? Vermutlich verstand sich das Nichts nicht einmal selbst… weil es Etwas war.

Abstrakt. Seltsam. Unheimlich.

Genau so lange wie es das Tier betrachtete musterte es auch das Zaumzeug und den Karren. Lief drum herum. Doch dann richtete es seine Aufmerksamkeit – sofern es so was hatte. Einem Grasbüschel. Starrte diesen an. Man sah ihm an dass er nichts erfassen konnte und so auf seine Weise völlig verloren war. Es kannte schliesslich all diese Dinge! Es musste doch wissen, was ein Himme, Esel, Mensch, Stein, Baum und Freund war. ER musste es doch wissen! Selbst der Dämon schien Zeitens seiner Existenz gar dank Mallahall, Etelin und Zanraia sowie Adelmund verstanden zu haben was Freunde waren. Warum erkannte dies das Nichts nicht? Warum?

Es guckte zum Himmel hoch. Dann zu Mallahall. Starrte schliesslich das Seelensteinchen an…

…lange…

… und reagierte…
…nicht.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Erzähler » Montag 22. Oktober 2007, 00:40

Der Händler tuckerte friedlich ins Grasland ein. Vor etwa einer Stunde hatte er den Wald Sarius verlassen. Das war eine schlechte Abkürzung gewesen. Nie wieder würde er sich auf so etwas einlassen! Einfach nach einem Bauchgefühl zu fahren ... jetzt wusste er, dass er seinem Bauch nicht trauen konnte. Wie gut, dass er sich dieses Floß hatte bauen können. Sein Esel wollte ja keinen Huf in das eisige Wasser setzen, welches den Wald durchflutete.

Wie war der Mann froh, dass er endlich aus dem sumpfig-wässrigen Waldgebiet heraus war! Er glaubte, das dürfte wohl das phänomenalste Ereignis seiner Reise geworden sein. Doch dann traf er auf diese in Lumpen gekleidete und mit vertrockneten Blutflecken übersäte Frau und auf einen nackten Hünen, dürr wie ein Ast und mit blauem herabhängendem Haarkamm. Außerdem ... blickte er seinen Esel an!
"Was zum ... was macht er da?!"

Esel und Es musterten sich. Das Tier und das Nichts ... beide waren sich nicht unähnlich. Beide wussten um ihre Existenz, doch keiner fragte nach dem Warum. Dies taten nur Menschen, welche sich das Leben unnötig kompliziert machen wollten. Denn wer würde ihnen jemals eine Antwort geben? Wobei sie – für Eselverhältnisse – doch sehr simpel war. Er war da, weil sein Vater und seine Mutter zusammengeführt worden waren. Und jetzt existierte er, um den Karren des Händlers zu ziehen.
Und warum war Es hier?
Der Esel schlackerte mit den Ohren. Das Tier schaute das Nichts interessiert an, doch ein Büschel Gras konnte ebenso interessant sein. Der Esel beobachtete dieses Wesen, welches besondere Reize auf das Tier ausübte. Irgendwie spürte der Graue, das sich dieses Wesen deutlich von einfachen Zweibeinern unterschied. Aber es war ihm auf gewisse Weise sympathisch. Auch <i>es</i> schaute sich köstliches Gras an.

Mallahall versuchte inzwischen, dem Händler eine Erklärung zu liefern. Dabei musste sie ihre Worte genau abwägen. Asmodeus und sie wurden noch immer gesucht. "Wir sind auf der Suche nach einer Freundin. Wir haben es eilig, denn sie könnte in Gefahr schweben. Und nein, er ist nicht verrückt, noch nicht. Der Wahnsinn um den Verlust seiner Geliebten befällt ihn stetig mehr. Ihr werdet verstehen, wenn wir uns nicht weiter aufhalten lassen können." Mallahall hustete.
"Aber Ihr lauft in Lumpen und er ganz ohne Bekleidung herum. Ihr könnt doch nicht einfach so weiter." Schon kletterte der Mann von seinem Karren. "Ich könnte Euch etwas verkaufen, das wärmt. Bei dieser Kälte ist es nicht ratsam, so wie Ihr herum zu reisen. Und im Sarius ist es noch frischer. Nein, es ist bitterkalt. Hier, schaut Euch um."

Mallahall warf einen Blick auf den Karren. Oh, dort lagen dicke Pelzmäntel und Leinensachen, die mit Schafswolle gefüttert waren. "Ich ... ich habe kein Geld bei mir", sagte sie bedauernd. Dann überlegte sie und griff in die Robe, welche das Fremde einfach liegengelassen und welche Mallahall aufgesammelt hatte. Asmodeus besaß noch etwas Geld. Sie holte 20 Goldmünzen hervor. "Hier, guter Mann, reicht das für zwei Mäntel, Leinenhemden und -hosen?"

Der Händler schnappte nach dem Geld, prüfte die Echtheit mit einem Biss aufs Metall und nickte dann. "Nehmt Euch nur etwas herunter. Gegen Euren Husten kann ich Euch leider nichts anbieten, meine Dame." Mallahall genügte das. Sie nahm für sich und das Fremde Kleidung und Mäntel und dankte dem Händler mit einem Lächeln.
"Na dann, viel Erfolg auf Eurer Reise." Der Mann zurrte an den Zügeln und der Esel setzte sich wieder in Bewegung. Gemächlich tuckerte er weiter.

Mallahall stand da mit der Kleidung in der Hand und guckte zu dem Freund, der ihr so fremd war. Es schaute zurück. Da verharrte es einen Moment auf dem Seelensteinchen. Mallahall bemerkte dies, zeigte darauf. "Das ist ein Geschenk von dir. Deine Unschuld. Die des Dämons ... weißt du noch? Dein dämonischer Anteil. Asmodeus, weißt du nicht mehr?"
Sie trat einen Schritt auf es zu, hielt die Kleidung entgegen. "Zieh das an. Ich möchte nicht, dass du erfrierst." Mallahall legte die Sachen ins Gras und drehte sich um. Kurz fragte sie sich, wie ein solches Wesen wohl auf eine nackte Frau reagieren würde. Aber sie musste sich endlich ihrer Lumpen entledigen. So zog sie sich rasch aus und die Leinenhose und das -hemd ebenso rasch an. Dann hüllte sich Mallahall in den Pelzmantel. Wie angenehm warm er doch war. Sie kuschelte sich hinein und schaute wieder das Wesen an.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Montag 22. Oktober 2007, 13:51

Der Esel schlackerte mit den Ohren. Asmo guckte dumpf. Trat einen Schritt näher – ohne angst, ohne furcht aber auch ohne jegliche Art der Neugierde. Er tat es einfach. Dennoch schien er unschlüssig. Verharrte. Versuchte das Tier zu begreifen, dass lebte und doch nicht so war wie die beiden Menschen. Der Esel war frei von der Sorge wissen zu müssen was er war. Bei Asmo sah dies anders aus. Denn sein Unwissen machte aus ihm einen Weltenfremden. Er konnte über längere Dauer wohl kaum so nicht existieren und doch hier sein.

Es wich weder zurück noch gab es eine freche, zynische Antwort als der Händler sich fragte was es da denn um Himmels willen tat – doch Asmo machte es ja bestimmt nicht aus irgend einem Willen heraus. Der war nämlich verschwunden. Er machte einfach. Der Antrieb dazu, hiess vermutlich Zanraia .Alles andere schien nichtig geworden zu sein – selbst die Freundschaft zu Mallahall, dies war sehr bitter und beklemmend. Sie trug die Erinnerung an sich selbst für ihn mit. Blieb an seiner Seite und erfüllte des Dämons letzter Wunsch, letzte Bitte: <i>“Pass auf uns auf, beschütze uns.</i> Ja. <i>uns</i>. Nicht nur Seelchen und auch nicht nur den Dämon, sondern beide. Die nun eins waren und doch nichts.

Das der Mann ihn in seiner Nacktheit musterte schien das Es kaum zu interessieren, es interagierte auch nicht mit dem Händler – er hätte genau so gut ei Grasbüschel oder Baum sein können, er hätte ihm wohl die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt. Schliesslich lief es weiter näherte sich in seinem seltsamen Gang Mallahall und starrte auf das Seelensteinchen.

<i> "Das ist ein Geschenk von dir. Deine Unschuld. Die des Dämons ... weißt du noch? Dein dämonischer Anteil. Asmodeus, weißt du nicht mehr?"</i>

Asmo gucke Mallahall an. Legte den Kopf schief. Ob es verstand was sie sagte? Es blinzelte. Schloss dann ein Auge und guckte sie weiter an. Dann öffnete es wieder beide. Schon das zweite Mal, dass es dies tat. Ein Auge offen, dem Licht entgegenblickend und das andere zugekniffen versteckt in Dunkelheit. Ein Indiz für zwei vergessene Seelen. Asmo blickte dem Wagen nach der sich entfernte. Die Hufen des Esels. Es runzelte die Stirn. Dann hustete es… blickte auf die Kleider… dumpf… leer… und lief dann einfach weiter. Doch es ging nur ein paar Schritte, denn Mallahall legte die Kleider auf den Boden. Wieder fixierten seine nichtserfassende und doch alles sehende Blicke die Kleider.

Mallahall drehte sich um. Asmo schaute hoch. Sah ihren nackten Rücken, ihre weiblichen Rundungen, sah alles was einen Mann vermutlich gereizt hätte. Asmo fühlte nichts. Kein gieriger, kein lüsterner Blick in seinen Augen. Nichts.

Eine gewöhnliche Frau hätte es wohl als anmassend empfunden wenn ein Mann trotz ihrer Reize die sie Ausstrahlte so reagieren würde. Überhaupt nicht berührt. Überhaupt nicht interessiert oder scheu, beschämt rot werdend aufgrund der offensichtlichen Begierde. Doch sie langweilte ihn auch nicht. Sondern das Bildnis dass sich ihm bot, erreichte ihn nicht.

Dennoch reagierte es. Es lief über die Kleider hinweg weiter gen Sarius. In dem gewohnten unbeschreiblichen Gang.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Montag 22. Oktober 2007, 23:14

Mallahall erwartete keine Antwort. Seit sich die Seelenteile von Mensch und Dämon nun endgültig vereinigt zu haben schienen, sprach das Befremdliche ihre gegenüber kein Wort mehr. Dies erinnerte sie irgendwie an Seelchen und als es sie schließlich mit schiefgelegtem Kopf anschaute, musste sie an den Dämon denken.
Sie erwiderte den Blick des Fremden sanft. "Zieh dir was an", meinte Mallahall. Aber es starrte sie nur an, blinzelte und schloss dann ein Auge. Mallahall hob eine Augenbraue. "Hast du was im Auge? Lass mich sehen." Nichts ließ es zu. Es wandte sich ab, ohne auch nur die Kleidung in Augenschein genommen zu haben. Es bewegte sich wieder auf den Wald zu.

Mallahall ließ die Schultern hängen. Als aber der Pelzmantel drohte, herunter zu rutschen, nahm sie die alte Haltung wieder an. Sie hatte genau gehört, dass es gehustet hatte. Trotzdem lief es nackt weiter, suchte nach Zanraia.
Mallahall seufzte. Sie hob die Kleidung auf und folgte. Sie rannte, keuchte und hustete leicht dabei. "Warte bitte!", rief sie ihm zu, holte ihn schließlich am Waldrand ein. Der Boden war bereits weicher geworden, aber in dem schlammigen Grund war es nicht wärmer. Mallahall sank mit einem Schuh ein, hob das Bein und schüttelte sich den kalten Schlamm von der Schuhspitze.

Dann, als sie das Fremde erneut husten hörte, beschloss sie, endgültig zu handeln. So trat sie an es heran. Es hatte ihr bisher nichts getan, ihre Nähe akzeptiert, sie mehrmals gemustert und ansonsten ignoriert. Es würde sie doch jetzt nicht tätlich angreifen? Mallahall musste es wagen. "Setz dich." Sie legte ihre Hände an seine Hüften, denn die Schultern erreichte sie nicht ganz, und drückte es herunter. Dann nahm sie einen Arm und begann damit, dem Freund das Leinenhemd anzuziehen. Wie weit sie wohl kommen würde?

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Dienstag 23. Oktober 2007, 00:54

Asmo lief und lief und lief. Stetig vor sich hin bis er den Waldrand erreichte. Plötzlich trat es in was Matschiges – sumpfiger Boden. Er tauchte bis zum Knöchel ein und blieb stecken. Es versuchte einfach weiter zu gehen und stolperte beinahe. Dies gab Mallahall genügend Zeit ihn trotz ihrer eigenen brennenden Lungen einzuholen. Als sie ihn erreicht hatte war es dem Wesen gelungen sich aus dem Schlamm zu befreien. Es starrte seinen Fuss an. Bewegte die Zehen. Wollte dann weiter Laufen. Doch Mallahall stellte sich vor ihn. Sie berührte ihn. Es starrte. Schien verwirrt. Blickte auf ihre Hände. Dann auf den Sumpfboden. Liess sich niederdrücken. Hockte da. Frierend. Hustend. Nichts erfassend. Asmo schien nahezu willenlos zu sein, denn sein Arm zeigte nicht den geringsten Widerstand als sie ihn anhob um ihm das Leinenhemd überzustreifen. Es hockte einfach und guckte. Kniff wieder ein Auge zu und musterte Mallahall.
Es war schon eisig kalt geworden und die Haut bibberte unkontrolliert. Obwohl Asmo keine Gefühlsregung zeigte, sich auch nicht für die gespendete Wärme bedankte, konnte Mallahall – als Heilerin – bestimmt sehen, wie sich zumindest seine Haut entspannte. Asmo <i>musste</i> sich doch jetzt einfach besser fühlen? Oder nicht? Wusste es überhaupt noch, dass es so was wie ein besser gab? Oder aber… war die Welt in dem es jetzt existierte gar viel schöner als die wahre?

Es hustete. Als auch Mallahall hustete blickte es sie an. Noch immer ein Auge zugekniffen. Es schien für Asmo so natürlich zu sein. Etwas das seltsam Aussah – schien für ihn zumindest nicht mehr zu existieren. Auch schien es ihn nicht zu stören, dass er so deutlich weniger sah. Bisher hatte Asmo noch nicht im geringsten mit seiner Umwelt interagiert, ausser gucken – und nicht verstehen. Es blickte an sich runter. Runzelte die Stirn. Würde es nun das Leinenhemd anfassen?

Nein. Es akzeptierte es einfach als Teil von sich. Schien gar nicht recht abgrenzen zu können, wo die Umwelt anfing und Asmo aufhörte. Wusste es überhaupt, zu was es geformt war? Es den Körper eines Menschen trug?

Die Hälfte war geschafft und Asmo hockte auch noch friedlich da. Das es entwürdigend aussah, einen halbnackten Medicus, im Schlamm sitzend und mit diesem nichtigen Blick wusste wohl nur Mallahall. Wo war er nur hin. Ihr Freund? Ja. Wo war er. Er schien ja doch präsent zu sein… irgendwie… in dieser seltsamen Existenz. Doch auch ein grösser – wenn auch inzwischen lieb gewonnener Feind war noch irgendwo. Der Dämon. Den Mörder ihres Mentors. Irgendwo in Asmo mussten die beiden doch stecken… oder nicht?

Asmo guckte Mallahalls Knie an. Welcher Mann betrachtete schon ein Knie? Bei einem Körper wie Mall ihn hatte?

Wohl nur Asmo.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Erzähler » Dienstag 23. Oktober 2007, 21:52

Er bibberte und hustete – oder es? Langsam begann Mallahall sich zu fragen, inwieweit ihr altbekannter Freund noch in diesem Körper zugegen war. Er hatte sich so verändert. War so ... unerreichbar geworden. Er wirkte wie in einer anderen Welt. Mallahall hatte von solchen Menschen bereits gelesen. Es war eine spezielle Krankheit. Diese Leute existierten, aber sie interagierten nicht. Sie lebten nur, seltsamerweise mieden sie jedoch Blicke mit anderen. Das wiederum tat das Fremde vor ihr nicht. Asmodeus tat es nicht. <b>Er heißt Asmodeus! Vergiss das nicht, er hat es schon vergessen. Bewahre seinen Namen.</b>

Mallahall versuchte es weiterhin mit Kontaktaufnahme. "Jetzt sind wir wohl beide erkältet", meinte sie und holte die Hose hervor. Es schaute sie an, mit einem Auge. Das andere hielt es geschlossen. "Warum machst du das?", fragte sie, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Bisher hatte Asmodeus ihr auch nicht mehr geantwortet. Das bedrückte Mallahall. Doch sie ließ sich nichts anmerken. Wieder hustete es. "Ich zieh dir jetzt die Hose an", meinte sie und warnte es somit vor. Damit es nicht biss oder aufsprang und auf allen Vieren ... nein, nicht auf allen Vieren. Sie vermisste Dämon und Medicus, vermisste zwei Seelen.

Mallahall ging nun in die Hocke, so dass ihr Knie sehr stark ins Sichtfeld des Wesens glitt. Immerhin befand es sich nun direkt vor ihm. Mallahall nahm eines seiner Beine, hob es sachte an und streifte ein Hosenbein darüber. Diskret mied sie den Blick auf gewisse männliche Körperstellen. Auch wenn es diesem apathischen Wesen ihr gegenüber wohl nichts bedeutete, Mallahall besaß dennoch die Höflichkeit wegzusehen. So zog sie ihm die Hose über das erste Bein und wandte sich dann dem anderen zu. Schließlich erhob sie sich wieder, schaute auf den Blauhaarigen herab. "Du musst schon aufstehen und dir die Hose hochziehen. Sonst kommen wir nicht weiter." Die Magierin würde das Hochziehen wahrscheinlich auch noch übernehmen, aber aufstehen musste Asmodeus schon selbst. Hoffentlich sprang er nicht davon, was nur Gestolper und einen Sturz zur Folge haben würde.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Dienstag 23. Oktober 2007, 23:29

Es hockte einfach da. Starrte auf Mallahalls Knie. Gab keinen Mucks von sich nur ab und an ein Husten. Konnte Asmo nicht mehr sprechen? Oder verstand er die Sprache nicht mehr? Wollte er nicht? Wusste er nicht… wie man sprach? Warum wusste er es nicht? Dabei sagte es doch so viel. Kommunizierte mit Mallahall. So deutlich. Einfach auf eine andere Art und Weise. Es guckte sie an. Ein Auge geschlossen, das andere offen. Diese eine Handlung, hinter welcher sich vermutlich ein tieferer Sinn verbarg, war der Beweis dafür, dass Nichts nicht der Leere entsprach. Mallahall fragte ihn danach. Es guckte nur. Öffnete schliesslich beide Augen als sie ihn nicht mehr direkt ansah. Doch das Muster war nicht so einfach gestrickt wie man es sich vielleicht hätte denken können, er hatte es nämlich nicht immer geschlossen wenn er sie ansah, offenbar schien es nichts mit ihr als Person zu tun zu haben… oder doch?

Philosophen hätten sich wohl mit Freuden an diesem Thema verköstigt, doch für die war es ja auch nur Theorie. Sie standen ja nicht effektiv vor einem Nichts, dass so viel war. In seiner Leere doch so erfüllt. Seltsam. Nein. Dies tat Mallahall. Sie war es die sich mit dem Wesen ohne Namen auseinadersetzte. Immer wieder versuchte mit ihm in Kontakt zu treten und zu erraten was es wohl tun würde. Wohl dachte. Fühlte. Das einzige was sie mit Bestimmtheit wusste war, dass sein Körper genau so krank werden konnte wie ihrer und er sich offensichtlich selbst nicht schützte.

Es guckte nur und wandte den Blick nicht ab als Mallahll sein Bein berührte. Keine Reaktion. Sie zog ihm die Hosen an. Keine Reaktion. Nur zwei Augen, die sie betrachteten – und doch nichts zu sehen schien. Sie waren sich so nah. Selten hatten sie sich so nahe gestanden und doch waren sie sich so entfernt. Weil Asmo unerreichbar für Mall und die Maga so fern für Asmo war. Keine zwei Welten die aufeinander prallten. Sondern einfach neben einander bestanden aneinander vorüberglitten. Sich irgendwie verbanden. Durch eine Freundschaft. Die real war. Jedoch im Moment nicht greifbar. Für Asmo war sie dennoch wichtiger denn je, denn wäre Mallahall nicht eine Freundin gewesen, hätte sie sich vielleicht von ihm abgewandt und er wäre gänzlich verloren gewesen.

Wie hilflos musste sich die Lichtmagierin wohl fühlen als das Nichts mit heruntergelassener Hose im Gras hockte und keine Anstalten machte sich zu erheben. Der einst so stolze und begnadete Medicus. Es war beschämend. Da hockte er. Der einst so gefürchtete und vom Harax ausgespuckte Dämon. Nun höchstens noch bedauerlich – eher aber lächerlich in seinem Dasein. Wenn man wusste wer er war. Gewesen war. Vielleicht hätte gar der Magierrat Genugtuung an seinem Zustand gefunden. Obwohl… die dachten sich wohl Strafen auf, die Quälten. Asmo sah nicht Leidend aus. Jedoch auch nicht Glücklich. Emotionen zählten nicht mehr für ihn. Dieses Wesen Gefangen in seiner eigenen Welt. War frei. Von Gefühl. Emotion. Freundschaft. Liebe? War Liebe eine Emotion…oder doch mehr? Woher wusste Mallahall so genau, dass Asmo Zanraia in Sarius suchte. Warum war diese Gewissheit niemals in Frage gestellt worden?

Eher zweifelte die Maga daran, dass Zanraia seine Liebe erwidern würde – warum zweifelte sie an ihr, die sie doch zumindest ansatzweise rational denken konnte und sich auch ausdrückte.

Seine Liebe. Die Liebe des Es. Schien auf kuriose Weise unbestritten zu sein. Oder aber die Frage stand einfach nicht im Raum.

Noch immer hockte Asmo da. Mallahall bewies eine eiserne Geduld. Denn das Es hatte seit einer halben Stunde nicht im Geringsten auf alle Versuche ihn zum Aufstehen zu bewegen reagiert… und nun plötzlich erhob er sich. Inzwischen musste das Es wohl jeden Winkel ihres Knies kennen. Denn es starrte immer wieder darauf. Da war es wieder. Es schloss ein Auge. Erhob sich. Starrte an sich runter. Betrachtete seinen Fuss. Dann Mallahalls Haare. Er legte den Kopf schief. Schnüffelte. Hustete. Kratziges Husten, wie das der Maga. Das Husten schien da Wesen ein bisschen zu verwirren, denn jedes Mal hielt er einige Sekunden inne als er sich beruhigte. Als würde es auf eine weitere Reaktion dieses unbegreiflichen Körpers achten.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Mittwoch 24. Oktober 2007, 20:42

Es hockte da und starrte. Worauf wartete es? Mallahall stand ihm gegenüber, starrte ebenfalls. <i>Sie</i> wartete und zwar darauf, dass er sich endlich die Hose hochziehen würde. Sie starrte in sein Gesicht, mied den Blick in tiefere Regionen. Sie wusste nicht, ob Asmodeus in seinem vereinten Zustand noch ein Schamgefühl besaß. Anscheinend nicht, aber sie – Mallahall – würde ihm wohl nicht mehr unter die Augen treten können, wenn er erfuhr, was sie alles von ihm gesehen hatte, ohne dass er sich hatte wehren können. Ja, er wehrte sich absolut nicht, zeigte auch sonst leider keine Reaktion. Er guckte nur. Manchmal mit beiden, manchmal aber auch nur mit einem Auge.
Mallahall seufzte.

"Also schön, ich zieh dir die Hose hoch, aber du musst aufstehen." Nichts. Nur Starren, aus leeren Augen. Leere hatte nun eine ganz andere Bedeutung für die Lichtmagierin als bisher. In Leere konnte so viel Stecken. Sie wusste es nicht zu umschreiben, aber sie sah etwas in Asmodeus' Augen und doch entdeckte sie nichts darin.
<b>Keine funkelnden blauen Augen, keine Finsternis ... wo seid ihr?</b> Gern hätte sie ihn gepackt, zu sich gezogen und ihm so tief in die Augen geschaut, dass sie glaubte, zwangsläufig irgendwo den Medicus oder den Dämon finden zu müssen. Sie <i>hätte</i> gern, aber sie tat es nicht. Eine gewisse Achtung besaß Mallahall immer noch, auch wenn das Wesen zu ihren Füßen bislang nichts getan hatte. Kein Zurückweichen, keine Abwehrversuche, keine Selbstzerstörung.

"Du schaust nur. Siehst du auch?" Sie ging in die Hocke, wollte Augenkontakt zu ihm halten, da dies vielleicht das einzige war, was Asmodeus noch konnte. Das und nach Zanraia suchen. Er hatte ihren Namen so lange und so oft gerufen, dieser Wunsch musste noch vorhanden sein. Seine Liebe zu dieser Frau war so stark, sie musste sich selbst im Nichts festgesetzt haben. Mallahall hatte jedenfalls keine Zweifel daran. Außerdem wollte auch sie Zanraia finden. Sie machte sich Sorgen um sie.
Die Lichtmaga rief sich ihren Aufbruch kurz in Gedanken. Zanraia hatte die Gruppe mit Furcht im Herzen verlassen. Sie hatte wahrhafte Angst vor dem Dämon gezeigt, vor seiner schmerzlichen Liebe. Außerdem ... war da noch Wut gewesen und Enttäuschung. Mallahall schauderte. Richtig, Zanraia musste wohl immer noch glauben, dass ihr geliebter Halbdämon sie betrogen hatte. Dieser hatte Mallahall geküsst. Das war schon so ewig her. Und immer noch schmerzte die Erinnerung. "Ich muss es ihr erklären, deshalb muss auch ich sie finden", murmelte die Maga vor sich her und bemerkte zunächst nicht, dass sich das Fremde endlich erhob.

Es stand auf – mit herunter hängender Hose. Mit einem Auge schaute es an sich herab, fixierte den Fuß. Dann hob es den Kopf und betrachtete Mallahalls goldenes Haar, schnupperte gar ein wenig. Mallahall lauschte, schaute Asmodeus an und lächelte – ehe sie erneut von einem leichten Hustenanfall gepackt wurde. Asmodeus hustete ebenfalls. Und dann schaute er sich selbst verwirrt an, als wüsste er nicht, was Husten wäre.

Mallahall erhob sich nun ebenfalls, stellte sowohl Augen- als auch Berührungskontakt wieder her, als sie seine Brust berührte. "Tun sie weh, deine Lungen? Brennen sie?" Die Magierin musste lächeln, als sie sich an die letzten weisen Worte des Medicus erinnerte. Pfefferminze und Thymian ... Schweigend strich sie mit der freien Hand über das Steinchen, senkte und vergoss stille Tränen.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Donnerstag 25. Oktober 2007, 00:30

Sein Atem ging immer noch in seinem eigenen Rhythmus der nicht wirklich einer war.
Er hustete. Guckte verwirrt an sich runter. Hielt wieder inne. Schien zu horchen. Oder zu warten. Mallahall trat auf ihn zu. Redete mit ihm. Versuchte ihn zu erreichen. Er stand einfach da. Mit heruntergelassener Hose. Nicht wissend was er tun musste. Nicht begreifend warum sein Anblick Mallahall so schmerzte. Es guckte auf ihre Hände als sie sie auf seine Brust legte. Keine Lichtmagie. Keine Gefühlsregung. Nur eine Tatsache. Ein einzelne Berührung. Nicht mehr. Nicht weniger. Für Asmo. Wohl aber vermutlich für die Heilerin. Denn sie spürte was fehlte. Die Wärme. Das Herz welches schneller Schlug oder aber die Anspannung, die Wunden eines Dämons.

Was war Scham?

Eine Emotion. Seit Anbeginn der Zeit war es für den Menschen eines der grössten und wichtigsten Bedürfnisse „dazu zu gehören.“ In eine Gemeinschaft integriert zu sein. Es war auch wichtig. Nur Bürger einer Stadt genossen auch deren schützende Mauern. Nur Angehörige der Zunft kannten deren Geheimes wissen. In einer Gruppe integriert zu sein – hiess überleben und wenn man auch nur die Rasse miteinander Teilte. So wie es Dunkelelfen taten, oder Orks, oder Menschen.

Wenn man aber den Erwartungen der Gruppe nicht entspricht, etwas tat was man nicht hätte tun sollen und sich diesem Gewiss wird. Schaltet sich ein ureigenerer Selbsterhaltungstrieb ein, der einem dazu zwang nicht gut zu heissen was man selbst getan hat – man schämte sich und wollte es nie wieder tun. Nie wieder eine Verfehlung die dafür sorgen könnte, dass man aus der Gruppe rückte.

Doch Asmo lebte. Obwohl es völlig alleine war. Nirgendwo mehr dazu gehörte. Existierte als Nichts. So kannte es keinen Scham.

War dies wirklich so? Oder starb es nicht, weil es doch geliebt und integriert wurde – ohne sein eigenes Wissen.

Ein grosser Unterschied und doch lag er nur im Detail einer unterschiedlichen Ansicht.

Er hustete wieder. Sein Körper schüttelte sich. Er guckte Mallahall an. Sah ihre stummen Tränen. Guckte. Schaute. Musterte. Legte den Kopf schief. Schloss ein Auge. Das andere… weinte mit ihr.

So unglaublich paradox es klingen mochte… aber… manchmal konnte gar Wasser Brücken schlagen.
Zwei Wesen. Das Nichts und die Heilerin. Es war die Leere, die Machtlosigkeit Mallahalls diese Lücke die die fehlende Bestätigung ihrer Erinnerungen an Asmodeus bildete. Welche Asmo verstand.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von fremde Frau » Freitag 26. Oktober 2007, 00:07

Mallahall schniefte. Sie versuchte, das Schluchzen zu unterdrücken, sie wischte sich die Tränenbahnen von den Wangen. Dabei lächelte sie gequält. "Dumm, dass ich weine, oder?" Ihre blauen Augen glitten zu Asmodeus, schauten ihn an. Er stand einfach nur da, erwiderte Mallahalls Blick und schaute doch durch sie hindurch. Dann legte er den Kopf schief und schloss wieder ein Auge. "Ich weine, weil du ... ihr ... nicht da seid und doch weiß ich, dass ihr da sein müsst. Irgendwo hier." Sie wollte ihm erneut die Hand auf die Brust legen, aufs Herz. Dann aber wurde Mallahall abgelenkt.

Tränen, im Grunde nichts als salzige Körperflüssigkeit, die das Auge vor dem Austrocknen schützen sollten. Oder sie waren Ausdruck für Emotionen, meist Trauer. Freudentränen existierten auch. Welcher Sorte entsprang diese eine Träne, die da im offenen Auge des Befremdlichen schimmerte? Diese eine Träne, welche aus dem Auge quoll und die bleiche Wange herab lief. Ihr folgten weitere Tränenperlen. Es weinte ... mit oder um Mallahall.

Die Lichtmagierin hob ihre Hand weiter an, berührte die feuchte Bahn und wischte sie fort. "Nicht weinen ... Seelchen. Ich weiß doch, dass du da bist." Es konnte nur Seelchen sein. Der Dämon weinte nicht. Seine letzte Träne war allerdings nie versiegt. Sie hing um Mallahalls Hals und wahrte seine Unschuld. Ein Splitter davon trug er am Herzen. Das Fremde, das Nichts, besaß ein Band zum Leben und zu einer Welt, die ihn verstoßen hatte. Ein festes, real existierendes Band, denn das Nichts besaß einen Körper. Eine Hülle, die Unschuld trug.

Mallahalls Hand wanderte weiter, berührte das geschlossene Auge. Sie strich dem Nichts eien blaue Strähne von der Stirn. Sie betrachtete es. Noch immer war der Schmerz in ihr groß, sie vermisste Freunde. Nicht einmal Etelin oder Neuzugang Iaren waren hier. Sie war mit Nichts zusammen – aber endlich begriff sie. Mallahall glaubte fest daran, dass Medicus und Dämon noch vorhanden waren. Irgendwo ... tief verborgen und wartend. Vielleicht warteten sie, bis die Hülle Zanraia erreichte.

"Lass uns weitergehen", sagte die Maga, durch ihre eigenen Gedanken und einen Blick auf dieses Wesen wiedr ermutigt. Sie nahm ihn bei der Hand, etwas, das sie bei ihrem alten Freund nie gewagt hätte. Der Medicus war zu stolz und erwachsen gewesen, als dass man ihn hätte führen müssen. Und der Dämon ... zu gefährlich. Jetzt aber hielt sie die Hand, welche schon lange nicht mehr klebte, aber noch immer mit Blut befleckt war. Sie zog ihn mit sich, blieb dann jedoch nochmal stehen. "Deine Hose." Mallahall versuchte, diskret zu bleiben, konnte nun aber nicht umhin, Asmodeus' Männlichkeit nicht zu sehen. Mit dem sachlichen Ernst einer Heilerin griff sie nach der Hose und zog sie hoch, knöpfte sie zu. Dann räusperte sie sich. "Gehen wir", und Mallahall griff wieder nach der Hand.


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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Asmodeus » Samstag 27. Oktober 2007, 00:20

Es guckte nur und Tränen rannen über seine Wangen. So lange bis Mallahall seine Tränchen wegwischte und ihm eine Strähne aus dem Gesicht strich. Wusste es überhaupt, dass es blaue Haare hatte? Haare eines Dämons? Das kühle Seelenfeuer welches zu entflammen er fähig war? Vermutlich wusste es dies nicht, denn als es von einem Husten des Körpers überrascht und geschüttelt wurde guckte es wieder verwirrt und mit beiden Augen an sich runter. Es musste doch wenigstens die Nacktheit sehen? Sehen ja – aber eine Bedeutung hatte s nicht. Stolz war nichts was er noch zu brauchen schien. Selbst seine Würde behielt er nicht, obwohl sich Mallahall sichtlich mühe gab ihn nicht zu entehren. Schliesslich stand er halb nackt mitten im Grasland. Auch wenn es nur ihre Augen waren die dies gesehen hatten so würde sich dieser Anblick wohl hartnäckig in ihrem Gedächtnis halten. Sie bückte sich vor ihm. Er guckte ihre blonden Haare an. Blond, goldig. Weisse Dame! WEISSE DAME!

Er musste sich doch erinnern, an den Tod, das Schachspiel…

Nichts.

Es reagierte auf keines ihrer Worte. Warum bloss sprach es nicht? Zanraia hatte es damals im Turm doch auch gefragt, was es war. Hatte… Asmo das interesse an sich selbst verloren? War Gras nun der zentrale Punkt seiner Aufmerksamkeit? Denn genau dort starrte es wieder hin. Doch dann blickte es ihr in die Augen – durch sie hindurch. Erreichte sie nicht. War so unfassbar und begriff auch selbst nicht.

Doch dann…

…tat…

… Asmo was.

Das Wesen blickte auf das Seelensteinchen. Legte den Kopf schief. Runzelte die Stirn. Schloss ein Auge. Streckte seine Hand aus. Berührte es. Normalerweise wäre jetzt ein Zischen, der Geruch verbrühter Haut und ein derber dämonischer Fluch gefolgt. Doch diesmal, geschah nichts. Asmo berührte die Träne. Hielt es in der Hand und betrachtete es ausgiebig. Wollte nicht gehen. Sondern gucken. Die andere Hand ruhte in jener von Mallahall. Keine Wärme, keine Kälte. Nur die Spur einer Berührung.

Asmo schien wie erstarrt. Erinnerte es sich etwa? An einen Dämon? An einen ermordeten Freund? An den gefallenen Medicus? An den Turm?

Nichts. Vielleicht lag es daran, dass der Stein so schön glänzte.

Vielleicht… ja… wie sollte man das Nichts auch deuten?

Der Moment wäre wohl zu einem magischen Augenblick geworden – oder war dies für Mallahall schon. Doch genau so plötzlich wir diese Interaktion kam war sie auch schon wieder verschwunden. Asmo lief los. Weiter gen Sarius – als wäre nichts gewesen… dabei war es doch… Nichts.

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Re: Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag von Kazel Tenebrée » Samstag 27. Oktober 2007, 13:15

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