Durch gräserne Auen

Das Grasland macht seinem Namen alle Ehre. Weite Wiesen, geziert von Blumen, Sträuchern und Bäumen. Ein Beben hinterließ eine große Narbe in der schönen Ebene, eine große Schlucht, begehbar über eine dunkle Brücke
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Durch gräserne Auen

Beitrag von Gestalt » Freitag 21. Mai 2010, 11:43

Janay kommt von Ein verlockendes Angebot

Das Trockenland lag bald hinter ihnen. In nur wenigen Stunden hatte die geschlossene Kutsche des Baron von Sonnenbergen das Grasland erreicht. Wo man nun auch hinschaute, wuchsen Wildblumen, kleine Mooshügel und jede Menge verschiedener Gräser, wie man sie auch in der Stillen Ebene vorfand. Das Grasland aber bot durch immer wieder auftauchende Baumgruppen und winzige Haine einen lebhafteren Anblick. Störche flogen über die Weite hinweg. Kaninchen und Wildgänse versteckten sich im Gras. Allerlei Insekten schwirrten umher.

Dennoch missfiel dem Baron der Anblick. Er schaute immer wieder aus dem Fenster, brummte dann und lehnte sich in die Kutschenkabine zurück. "Am Himmel türmen sich die Wolken. Alles ist grau und wechselhaft. Vermutlich wird es regnen." Das sagte er jetzt schon zum mehrfach wiederholten Male. Endlich rückte er mit der Sprache heraus, warum ihn das zunehmend schlechte Wetter so störte.

"Ich hatte geplant, zwischen Blumen und Gräsern ein Picknick zu veranstalten. Nur wir beide unter der Sonne. Aber diese lässt sich jetzt leider nicht blicken." Ein Seufzen erfüllte die Kutsche. "Es tut mir leid, meine Liebe", entschuldigte sich der Baron. "Wir werden es uns hier drin gemütlich machen müssen. Vielleicht möchtest du mir ein wenig mehr von dir erzählen. Wo kommst du her, Janay? Mir ist bereits aufgefallen, dass du eine einzigartige Haut- und Haarfarbe besitzt. Ich würde gern mehr von dir wissen."
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Janay » Freitag 21. Mai 2010, 12:48

Janay hatte schon lange damit aufgehört, sich für das Gerede hinter ihrem Rücken zu interessieren. Deswegen verschwendete sie auch keinen Gedanken daran, welchen Eindruck sie hier hinterlassen hatte. Nur bei dem Jungen wäre sie gerne etwas länger in Erinnerung, für den Fall, dass sie ihm durch irgendeinen Grund wieder begegnen sollte. Zwar hatte sie auch Lissa sympathisch gefunden, aber durch deren Parteiergreifung für den Ritter hatte sie sich einiges bei der jungen Frau verscherzt, sodass sie wohl bald auch vergessen wäre.
Viel wichtiger waren sowieso ihre eigenen Sachen. Ein erleichtertes Lächeln schenkte sie ihm, als er auf den Lederbeutel wies und ihr bestätigte, dass er auch an ihre Dinge gedacht hatte.
Dass diese keinen Platz in einem der Koffer gehabt hatten, störte sie wenig, so wusste sie wenigstens sofort, wo sie waren und wie sie da heran kam.
Zu dem Thema Modestil jedoch schwieg sie lieber. Sie ahnte, dass sie vermutlich immer so viel Staff in der nächsten Zeit würde tragen müssen, aber solange sie ein Mitspracherecht hatte, würde sie es auch ertragbar zu machen wissen.
Deswegen stieg sie schließlich auch ein und ließ sich sogar von ihm helfen, innerlich froh darüber, dass er diesmal noch nicht schwitzte. Vermutlich hatte er sich seine Finger gerade zuvor erst abgetrocknet, was ihr nur recht war.
Da sie sich gut vorstellen konnte, dass er es gewohnt war, in Fahrtrichtung zu sitzen und es demnach auch bevorzugte, ließ sie sich auf der gegenüberliegenden Sitzbank nieder. Sie war selten in Kutschen gefahren, jedoch glaubte sie nicht daran, dass ihr schlecht werden würde.
Dass er eine gesamte Breite einnahm, war ihr tatsächlich sehr recht, so war sie nicht gezwungen ihn dauernd, bei jedem Rütteln zu berühren.
Das gesamte Innere des Gefährts war ausgepolstert, sodass sie es sich relativ bequem machen konnte, indem sie sich an die eine Seitenwand anlehnte und die Füße etwas ausstreckte. So konnte sie auch problemlos durch das Fenster die Gegend ansehen.
Seine Worte hätte sie am liebsten an sich vorbei plätschern lassen, da obendrein das Schaukeln dafür sorgte, dass ihre Müdigkeit zurück kehrte.
Allerdings musste sie sich zusammen reißen und schenkte ihm ein weiteres Lächeln. "Doch, der Hut ist hübsch.", widersprach sie höflich. "Jedoch bin ich es nicht gewöhnt und weiß auch nicht wirklich, wie ich ihn befestigen kann. Außerdem befürchte ich, wäre es hier drinnen nicht so vorteilhaft, er sieht mir recht... empfindlich aus."
Ansonsten ließ sie ihn vorerst reden. Ihr persönlich war das recht egal, denn keine Städte bedeutete auch, dass die Reise recht schnell voran gehen würde. Wobei sie an die gesamte Dauer lieber nicht denken wollte, um nicht deprimiert zu werden, wie lange sie in dieses enge Gefährt mit ihm eingesperrt wäre. Wenigstens waren die Fenster nicht geschlossen, sodass frische Luft herein dringen konnte.
Da ihr Gönner nach einiger Zeit schwieg, schloss sie schließlich die Augen und döste ein wenig vor sich hin.
Hin und wieder hörte sie zwar seine Stimme, aber sie brauchte etwas, um wach genug zu sein, seinen Worten auch einen Sinn zu geben. Etwas träge hob sie ihre Lider an und sah ebenfalls hinaus.
"Regen ist doch schön... bringt kühle Luft.", murmelte sie und versuchte, halbwegs wieder wach zu werden. Dieses Gerüttel war wirklich grauenhaft, wenn man besser nicht schlafen sollte!
Sie richtete sich etwas auf und war froh über den kühlen Luftzug, der ihr etwas in die Wirklichkeit zurück zu kehren half.
Dann allerdings gestand er ihr, was er eigentlich vorgehabt hatte.
Ein feines Lächeln kräuselte ihre Lippen. "Nun ja, das ist natürlich schade. Aber ich bin mir sicher, das lässt sich noch bei anderer Gelegenheit nachholen."
Noch dazu hatte sie jetzt noch keinen Hunger, schon gar nicht, wenn sie an das üppige Frühstück dachte. Sie befürchtete, es wäre mindestens die Hälfte an Menge auch bei einem Picknick gewesen, selbst wenn er behauptete, es würde nur eine Kleinigkeit sein.
Dann aber zuckte sie innerlich zusammen und war endgültig wach.
Verdammt! Daran hatte sie nicht gedacht, dass er sich dafür interessieren könnte. Wie naiv und nachlässig von ihr! Schon am Morgen bei seiner Euphorie hätte sie damit rechnen müssen, dass er damit beginnen würde, sich nach ihrer Herkunft und Vergangenheit zu erkundigen. Und trotzdem hatte sie sich erhofft, er würde es unterlassen... oder wenigstens zu einem späteren Zeitpunkt erwähnen.
Nun würde sich zeigen, ob sie glaubwürdig genug schauspielern könnte. Abgesehen davon musste sie recht nahe bei der Wahrheit bleiben, damit sie sich nicht selbst irgendwann darüber verhedderte und alles als unecht heraus käme. Das wäre mehr als schlecht für ihren Verdienst!
"Ach, weißt du... ich bin schon so viel gereist in meinem Leben, dass ich gar nicht mehr so genau sagen kann, wo ich herkomme.", erwiderte sie und bewegte sich dabei unauffällig, bis ihr Rock wie unbeabsichtigt höher rutschte und mehr von ihrem Bein preisgab. Ablenkung, die war wichtig.
Gleichzeitig tat sie so, als wäre ihr heiß und öffnete deswegen auch den obersten Knopf ihrer Bluse.
"Und von mir erzählen... das wäre doch eher langweilig, fürchte ich. Ich hatte ein normales Leben, mich dazu entschieden, Celcia zu entdecken und bin seitdem auch viel herum gekommen, war mal wo länger, mal kürzer, je nachdem, wie ich wollte.", wand sie sich heraus und strich wie nebenbei mit ihren Fingern über ihre Haut direkt über ihrem Dekolleté.
Hoffte, ihn dadurch ausreichend ablenken zu können, auch wenn sie nicht wirklich erpicht darauf war, wieder mit ihm zu schlafen.
"Dein Leben stelle ich mir bestimmt um vieles interessanter vor!" Bei dieser Bemerkung senkte sie ihre Stimme ein wenig, ließ sie rauchiger, verführerischer klingen.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Gestalt » Freitag 21. Mai 2010, 14:59

"Wir werden das Picknick nachholen, ja. Am besten dann in der Stillen Ebene mit Blick auf die Berge. Es sieht wundervoll aus und ist so idyllisch. Vielleicht könnte ich uns ein Boot im Fischerdorf am Ilfar mieten und wir schippern ein wenig über den Fluss." Baron Oribas besaß durchaus eine romantisch angehauchte Ader und er träumte wohl recht gern. Leicht abwesend schaute er erneut hinaus in die immer dunkler werdenden Wolken. Schließlich tropfte auf der Regen aus ihnen heraus, ein seichtes Nieseln, das ein summendes Geräusch verursachte und das Gras bald rein wusch, dass es ein noch saftigeres Grün annahm.

"Du hast keinen Bezug mehr zur Heimat? Ich kann kaum glauben, dass man das vergessen kann. Ich selbst lebe noch im Haus meiner lieben Eltern - die Götter mögen ihre Seelen gut behandeln." Er richtete sich etwas auf. Körperfette verteilten sich neu. Sein väterlicher Blick ruhte auf Janay. Er musterte sie ausgiebig. Zuerst, um möglicherweise an gewissen Merkmalen heraus zu finden, woher sie kam, dann jedoch, weil er sie einfach nur unsagbar schön fand.
Gerade auf den vorblitzenden Schenkel hatte er es plötzlich abgesehen. Janays Ablenkung war ein voller Erfolg. Als sie dann auch noch ihre Bluse etwas lockerte, schluckte der Baron. Lüsternheit stieg in seine Augen. Janay würde sich dieses Ablenkungsmanöver nicht immer erlauben können, sonst setzte es wohl erneut blaue Flecken.

"Jeder hat doch etwas Interessantes in seinem Leben getan oder gesehen. Ich glaube nicht, dass deines so normal langweilig war. Erzähl mir davon, wie du in diese ... Branche gefunden hast. Gesellschafterinnen sind keine Huren, aber ich hörte dich mit dem Wirt sprechen und kenne deine ursprünglichen Absichten. Für mich ein weiterer Grund, dir das Angebot zu unterbreiten. Ein so schönes Wesen wie du es bist, sollte sich nicht jedem verkaufen."
Er streckte seine Hand aus, legte sie auf Janays Knie und strich bis zum Torso vor. Es gefiel ihm, ihr keine Unterwäsche gegeben zu haben. So konnten seine Finger frech berühren, wo Stoff fehlte. Er genoss es sichtlich, war nun vollkommen abgelenkt. Vermutlich hätte Janay ihm jetzt die volle Wahrheit erzählen können, Baron von Sonnenbergen hörte nicht wirklich zu.
"Mein Leben", brummte er schließlich, "wird jetzt erst interessant." Er zog die Hand zurück und legte sie an seinen Gürtel. Seine Absicht war klar, aber ein gehobener Adeliger wusste sich zu benehmen. Er konnte nicht ständig von Janay verlangen, sich hinzugeben, obgleich er sie gerade dafür angestellt hatte.
"Gibt es etwas Materielles, das du dir wünschst? Ich möchte dir ein letztes großes Geschenk machen, ehe ich mich auf hin und wieder vorkommende Kleinigkeiten reduzieren muss. Teil mir mit, was immer dir beliebt. Geld spielt keine Rolle."
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Janay » Freitag 21. Mai 2010, 18:06

Sie lächelte schmal wegen des Picknicks.
Ja, all dies ließ sich bestimmt organisieren und irgendwie auch so hinbiegen, dass sie dann auf der Decke im Gras nicht direkt dicht gedrängt an ihn würde sitzen müssen. Aber wirklich begeistert war sie davon nicht. So, wie er davon sprach, war es für ihren Geschmack viel zu romantisch und würde nur auf das eine hinauslaufen. Ganz so wie eigentlich alles das anstreben würde, was zwischen ihnen geschah. Doch dafür erhielt sie einiges, womit sie gut würde leben können. Nur übertreiben, das wollte sie nicht.
Sie folgte seinem Blick hinaus aus dem Fenster und schmunzelte fein. Irgendwie mochte sie dieses Wetter, den feinen Regen, der nun aus den Wolken herunter prasselte.
Ein wenig richtete sie sich auf und streckte ihren Arm aus, sodass es etwas auf ihre Finger prasseln konnte.
Danach jedoch sprach er sie wieder an, wieder dieses Thema, das ihr unangenehm war. Janay seufzte innerlich und musste ihr Spiel weiter treiben, um seiner Neugier zu entkommen.
'Nein, ich will und werde Morgeria nie wieder betreten wegen meines Vaters, dem ich damit eins auswischen kann, dass ich die Beine für Geld breit mache!', dachte sie sich und das war die reinste Wahrheit. Allerdings konnte sie ihm das so natürlich nicht sagen und wollte es auch gar nicht. Es hätte zudem ihre wahre Herkunft verraten und das war etwas, was sie erst recht nicht preisgeben würde.
Als sein Blick endgültig auf ihr ruhte, schenkte sie ihm erneut dieses angedeutete, feine, verführerische Grinsen. "Man kann viel, wenn man es möchte.", erwiderte sie mit rauchiger Stimme und hoffte, dass er nicht weiter nachbohren würde
Die Lüsternheit, die in seinen Blick trat, war ihr Zeichen genug, dass sie es gerade richtig machte mit der Ablenkung.
Sie lachte kurz und hell auf bei seinen Worten und zwinkerte ihm verschwörerisch zu. "Vielleicht war ich einfach neugierig und wollte diesen Beruf ergreifen?" Das entsprach sogar mehr oder weniger der Wahrheit, auch wenn sie verschwieg, dass teilweise sogar ihr Vater sie dazu getrieben hatte.
Schließlich war ihr sehr daran gelegen gewesen, seinen Erwartungen zu "entsprechen". Hatte er immerhin selbst ihr vorgeworfen, sie würde sich wie eine Hure benehmen. Was also war da näher gelegen, als genau das zu tun und damit auch ihr Geld zu verdienen? Doch das musste ihr Gönner nicht wirklich erfahren.
Da er, ohne zu fragen oder sich zurück zu halten, ihr Knie berührte und etwas weiter voran strich, rutschte der Rock ein bisschen weiter hinauf.
Um ihn weiterhin abzulenken, stellte sie sogar den Fuß an den Rand der Sitzpolsterung, falls er noch weiter streicheln wollte. Zwar hätte sie gerne etwas länger ihre Schonfrist gehabt, aber bevor sie ihm von ihrer Vergangenheit erzählen würde, wollte sie lieber das tun.
Und dann hörte er wieder auf, sodass sie schon befürchtete, jetzt würde das Thema gleich wieder angesprochen werden von ihm. So grinste sie zwar flüchtig zu seinem nächsten Kompliment, hielt es jedoch für klüger, nicht näher darauf einzugehen oder ihn mehr davon zu fragen. Sonst würde sie es nur erst recht wieder provozieren, was sie wirklich nicht wollte.
Da sie gesehen hatte, dass die Unterseite ihres Stiefels noch nicht sonderlich stark schmutzig geworden war durch den kurzen Weg von der Schenke zur Kutsche, blieb ihr Bein auch, wo es war. Es war eine verführerische Pose, das wusste sie, denn der Rock war noch immer etwas zusammen geschoben. Er verdeckte zwar noch ihre intimste Stelle, allerdings entblößte er das Bisschen Haut zwischen dem Ende des Strumpfbandes und den Falten Stoff.
Innerlich atmete sie auf, als er tatsächlich das Thema wechselte.
Ohne lange zu überlegen, schenkte sie ihm ein glockenhelles Lachen. "Ich wollte immer schon einmal lernen, auf dem Rücken eines Pferdes zu reiten!", scherzte sie, weil es ihr als erstes einfiel. Denn im Prinzip hatte sie derzeit keine materiellen Wünsche.
Wie denn auch? Sie hätte in Pelgar ein Dach über dem Kopf, vermutlich auch eigene Räumlichkeiten, Kleidung und Nahrung bekäme sie auch, und noch dazu einen hohen Lohn. Was sollte sie also mehr wollen?
Erst im Nachhinein wurde ihr klar, dass ihr spontaner Einfall noch eine andere Konsequenz haben könnte. Neben etwas weniger essen bräuchte der Baron eindeutig auch mehr Bewegung. Und da er nicht ständig mit ihr würde das Bett teilen können, noch dazu wo sie das auch nicht wollen würde, war ein Ersatz dafür nötig. Warum also nicht womöglich den Reitsport? Er könnte ihr etwas schenken, wobei sie eigentlich schon damit rechnete, dass auch gleich ein Pferd und ein Reitlehrer dabei wären, und gleichzeitig könnte sie ihn allmählich dazu hinführen, selbst etwas zu tun.
Auch wenn er zuerst etwas würde abnehmen müssen, damit ein Tier ihn überhaupt würde tragen können. Allerdings war sie sich ziemlich sicher, dass sie ihn schon noch dazu würde bringen können. Es war alles nur eine Frage der Zeit und des Überlegens zuvor.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Gestalt » Sonntag 23. Mai 2010, 16:11

Janays Pose ließ den Baron schlucken. Was sich zwischen seinen eigenen Beinen abspielte, wurde vom eigenen Bauch verborgen, aber die Dunkelelfe konnte es sich vermutlich nur zu gut vorstellen. Schließlich hatte sie Erfahrung in ihrem Beruf und kannte die Männerwelt. Obgleich Baron von Sonnenbergen möglicherweise eine Ausnahme zu ihren bisherigen Kunden bildete. Allein deshalb schon, weil er sich doch sehr zurückhielt, auch etwas über Janay als Person wissen wollte und sie nach ihren Wünschen fragte.

Als sie das Reiten ansprach, schmunzelte er. Möglicherweise war er doch nur ein Mann wie alle anderen. Den zweideutigen Kommentar verkniff er sich zum Glück oder dachte er doch nicht daran?
"In Pelgar gibt es nur die Kaserne, wo du anständig reiten lernen könntest, aber auf dem Weg dorthin kommen wir durch den Neldoreth hindurch. Dort leben einige Elfen in einem Dorf namens Neryan. Sie züchten die schnellsten Pferde, die mir je begegnet sind. Ich finde bestimmt einen Elfen, der dich das Reiten lehrt und du darfst dir ein Pferd aussuchen, das dir allein gehören soll." Der Baron schob sich vor. Er ging zwischen den Sitzbänken auf die Knie. Es knackte, er ächzte und plumpste etwas unelegant auf seinen Hintern. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, weiterhin Janays Hand zu halten, sie zu drücken und zu ihr aufzusehen. "Würde dir das gefallen, meine Liebe?" fragte er liebevoll.

Er neigte sich etwas vor. Janays hochgestelltes Bein und der dadurch weiterhin nach oben geschobene Rock mit Andeutung auf Mehr lenkten ihn noch immer ab. Er schnupperte wie ein Hund. "Du riechst gut." Sein Gesicht schob sich vor, bis er das kleine Stück Haut ihres Beines erreichte und ihr dort einen Kuss aufdrückte. Seine große Hand ließ die ihre los und verschwand zwischen ihren Schenkeln. Sanft streichelte er sie.
"Leg dich hin, meine Liebe, und versuche zu schlafen. Ich werde dich verwöhnen, solange du möchtest." Sein Vorhaben setzte er bereits in die Tat um. Zärtlich glitten seine Finger an ihrem Körper entlang, ohne mehr zu verlangen. Möglicherweise blieb Janay von einem weiteren Geschlechtsakt mit dem Baron vorerst verschont, wenn sie auf seinen Vorschlag einging und einfach versuchte, zu schlafen. Er würde ihr kein Leid antun, wenn sie schlief. Diesen Eindruck hinterließ er bislang nicht.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Janay » Sonntag 23. Mai 2010, 20:50

Erst, als ihr Gönner schmunzelte bei ihrem Vorschlag für einen Wunsch, wurde ihr klar, wie zweideutig sie gewesen war. Und das ganz und gar unabsichtlich, ohne sich dessen bewusst zu sein!
Nun ja, anscheinend hatten die letzten Jahre sie zu stark geprägt, als dass sie nicht auch einmal ohne irgendwelche Schlüpfrigkeiten ein Gespräch führen könnte, egal, ob sie es darauf anlegte oder nicht. Aber er hielt sich zurück und auch sie hatte nicht vor, die andere Interpretation des Reitens zu erwähnen.
Sein Vorschlag hingegen ließ ihre Augen aufleuchten, denn er verschaffte ihr die Möglichkeit, auch noch während der Reise nicht ständig in dieser Kutsche in seiner direkten Nähe sitzen zu müssen.
Zwar könnte den Elfen dort etwas auffallen, jedoch glaubte sie nicht daran ernsthaft daran. Einerseits, weil sie ihre eigenen Ohren immer gut zu verbergen wusste, und andererseits weil sie nicht wie allergisch auf deren Anwesenheit reagierte, im Gegensatz zu manch anderen Dunkelelfen. Von daher rechnete sie sich gute Chancen aus, dass sie nicht enttarnt werden würde. Und eventuell wäre ihr... Reitlehrer auch noch attraktiv.
Sie schenkte ihm ein fast schon ehrliches, dankbares Lächeln. "Ja, das wäre sicher aufregend! Solange es uns nicht zu lange bei unserer Reise aufhält...", säuselte sie und sah ihm einen Moment lang direkt in die Augen, bevor sie offiziell fast schon beschämt den Blick wieder abwandte.
Für sie eine der besten Methoden, um ihren Wunsch auch wirklich zu bekommen und gleichzeitig so zu wirken, als wäre sein Wohlbefinden ihr trotz allem wichtiger als das eigene.
Das Thema, ob es sehr teuer werden würde, hingegen sprach sie gar nicht erst an. Schließlich hatte er inzwischen mehrmals betont, dass Geld für ihn keine Rolle spielte, und sie hatte klar gemacht, dass sie nicht einfach nur nehmen würde, so viel sie konnte, sondern auch etwas klaren Verstand behalten wollte. Von daher brauchte sie in der Hinsicht kein schlechtes Gewissen zu haben, wie sie fand.
Dass er sich zwischen die Sitzbänke gequetscht hatte, wunderte sie zwar ein wenig, allerdings würde sie dagegen auch nichts sagen. Er hätte es als Ablehnung interpretieren können und das wollte sie tunlichst vermeiden. Deswegen ließ sie ihm auch ihre Hand umfassen und löste sie nicht gleich wieder.
Als er sichtlich in der Luft schnupperte, hob sie leicht eine Augenbraue an, doch bei seinen Worten schlich sich dazu ein Schmunzeln. "Danke,... auch wenn es in Santros leider nicht meinen Lieblingsduft gab.", gurrte sie, obwohl sie innerlich angespannt war.
Wollte er jetzt trotz seiner Behauptung schon...? Ob das hier in dem beengten Raum überhaupt möglich war?!
Seine nächsten Worte aber ließen sie auch in ihrem Inneren entspannen.
Sie schenkte ihm ein dankbares Lächeln und rutschte etwas in eine liegendere Position. Solange es nur seine Finger waren, die sie zu spüren bekam, und nicht seine gesamte Masse, würde es sie nicht weiter stören.
Dann drehte sie sich auf die Seite, auch wenn es ihm dadurch schwerer fiel, überall dort hin gelangen zu können, wo er wollte, jedoch nur so würde sie wirklich etwas besser schlafen können. Die Beine zog sie an, weil die Bank für alles andere zu kurz war. Ihre Hände faltete sie zusammen und bettete ihren Kopf darauf.
Nach einem letzten, kurzen und freundlichen Blick zu ihrem Gönner, schloss sie die Augen und versuchte, sich zu entspannen.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Montag 24. Mai 2010, 18:02

weiter bei Der Wald Sarius -> Unterwegs im Sarius (Seite 8)
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Dienstag 1. Juni 2010, 14:56

Tahmo kommt von Die magische Stadt Zyranus -> Die fliegende Schenke -> Der Schankraum

Der Wind war auf ihrer Seite. Lua Chii und Tahmo ritten zwischen tanzenden Gräsern und an kleinen Hainen vorbei. Wolken türmten sich über ihnen, doch der Regen blieb dieses Mal aus. Nur der Wind straffte ihre Kleidung, zerrte an ihren Haaren und schubste sie am Rücken weiter voran, damit Faro und das Pferd Nachtwind noch schneller voran kamen.
Zyranus, Stadt der Magier, lag nun schon gut eine Stunde hinter ihnen zurück. Die Türme und Zinnen waren noch zu erkennen, aber niemand folgte ihnen. Nicht einmal nach Tahmos beeindruckenden Ablenkungsmanövers in der fliegenden Schenke.
Lua hatte bislang kein einziges Wort darüber verloren. Genauer: sie hatte noch gar nichts dazu gesagt. Das einzige, was Tahmo seit ihrem gemeinsamen und rasanten Aufbruch aus der Stadt zu hören bekommen hatte, war, dass sie erst einmal eine ausreichend hohe Distanz zwischen sich und Zyranus bekommen sollten.

Jetzt, da der Mittag an ihnen vorüber zog, ebenso wie die dunklen Wolken über ihnen und die Landschaft um sie herum, ließ die Luftmagierin ihr Pferd in einen seichten Trab fallen, so dass sie auf gleicher Höhe mit Faro ritt. Sie schob sich einige blonde Strähnen hinter die Ohren. Der Wind und der schnelle Ritt hatten ihre Haare ganz schön zerzaust, aber dadurch erschien sie auf besondere Art wilder und energischer als je zuvor.
"Das war mehr als eine gute Idee", sagte sie endlich. Ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. "Ich glaube, kein Lehrmeister könnte stolzer sein als ich. Das hast du fantastisch gelöst. Auch wenn der Zauber nicht ganz so geplant ablief, wie du wohl vorgehabt hattest. Trotzdem, ich bin sicher, dass Lyrien ebenso gut entkommen konnte wie wir beiden. Wirklich gut gemacht, du kriegst den Bogen raus." Sie streckte ihre Hand aus, um Tahmo einen Schulterklopfer zu verpassen.
"Lass uns noch eine Weile reiten, bis Zyranus nicht mehr zu sehen ist. Ich würde sagen, wir halten uns westlich, bis wir die Schlucht erreichen. Dann folgen wir ihr nach Süden. Der Urwald Kapayu wartet auf uns. Heya!"
Lua gab ihrem Hengst erneut die Hacken zu spüren. Dieser wieherte und legte sich wieder in ein Galopp. Er schien sich zu freuen, durch die offene Landschaft sausen zu können wie jener Wind, den Tahmo heraufbeschworen hatte.



Tahmo hat die Grundlagen der Luftmagie gemeistert. Er darf sich die Fertigkeit "Luftmagie (rudimentär)" in Steckbrief und Profil eintragen. Glückwunsch!
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Montag 7. Juni 2010, 23:55

Noch nie hatte Tahmo solch eine endlose Freiheit geniesen dürfen. Faros Hufen trommelten nur so dahin auf dem dunkelgrünen Grasboden während die Welt an ihnen vorbei sauste. Da Mähne des braunen Ponys, sowie sein Schweif, flatterten wild im Wind und auch Tahmos Haare wurden durch und durch von seinem neuen, luftigen Freund zerzaust. Es war ein unendlich schönes Gefühl hier über das Weite Grasland zu galoppieren, ein Gefühl welches Tahmo sein ganzes Leben lang vermisst hatte. Der würzige Geruch der Freiheit erfüllte seine Lungen und süßes Adrenalin lies sein Herz aufgeregt höher Schlagen. Faro hatte keinerlei Probleme mit Luas Pferd mitzuhalten. Ja, das sonst so träge Pony fegte geradezu wie ein Wirbelwind durch das kniehohe Gras. Es war Ersichtlich das sowohl Tahmo als auch sein Freund Faro eine Menge Freude hatten. Der junge Magier hielt seine Beine fest um Faros Körper gedrückt, sodass er nur eine Hand an dessen Hals halten musste um mit der anderen durch den Wind zu streichen. Wie die Flecken einer Kuh warfen große, weisse Wolken dunkle Schatten auf die weite Landschaft. Immer wieder passierten sie kleinere und auch größe Mischwälder deren mit Sträuchern bewachsenen Ränder sie entweder umrundeten oder durchritten. Nach einer halben Ewigkeit verfiel Lua, die genau vor den Beiden galopierte in einen seichten Trab sodass alle Vier nun auf selber Höhe ritten.

Tahmo und Faro waren sichtlich ausser Atem. Und während das Pony ein wenig unter seiner Decke schwitzte, Tahmo schien seinem Freund keinen Sattel aufsetzen zu wollen, strahlten Beide zerzaust vom Wind, voller Frohsinn und Glück. Mit einer anmutigen Bewegung schob sich Lua einige entflohene Strähnchen hinter ihr Ohr, während sich Tahmo lediglich kurz über den blonden Schopf strich um dann voller Erwartung zu der Magierin zu gucken. Er musterte sie kurz, wobei ihm sofort auffiel das sie etwas seltsam Wildes in ihrem Blick besaß. Die Träumerrei war gänzlich gewichen, genau wie bei Tahmo dessen grüne Augen nach dem langen Ritt nun auch vor Freiheit und Abenteuerlust glänzten.
"Das war mehr als eine gute Idee", Grinste ihn Lua breit an. Tahmos Herz tat einen Hüpfer. Er freute sich plötzlich darüber das Lua ihn lobte und das obwohl der Zauber eigentlich vollkommen anders beabsichtigt war. Statt alle an die Wand zu drücken, wollte er einen kleinen Wirbelwind erzeugen. Aber das tat nun nichts zur Sache, denn er fühlte sich momentan so als würde langsam die gesamte Welt um ihn und Lua herum Wort für Wort in den Hintergrund rücken. "Ich glaube, kein Lehrmeister könnte stolzer sein als ich. Das hast du fantastisch gelöst. Auch wenn der Zauber nicht ganz so geplant ablief, wie du wohl vorgehabt hattest. Trotzdem, ich bin sicher, dass Lyrien ebenso gut entkommen konnte wie wir beiden. Wirklich gut gemacht, du kriegst den Bogen raus." Die junge Magierrin streckte ihre Hand aus um Tahmo lobend auf die Schulter zu klopfen, während sich dieser mit rosigen Wangen am Hinterkopf kratzte. Er hätte wohl zu gerne nun etwas gesagt, aber irgendwie hinderte ihn der plötzlich entstandene Klos im Hals daran. Lua hatte seine Zauberrei gelobt! Ging es Tahmo immer wieder durch den Kopf.
"Lass uns noch eine Weile reiten, bis Zyranus nicht mehr zu sehen ist. Ich würde sagen, wir halten uns westlich, bis wir die Schlucht erreichen. Dann folgen wir ihr nach Süden. Der Urwald Kapayu wartet auf uns. Heya!" Die Magierin trieb ihren Hengst wieder in einen stürmischen Galopp. Tahmo schluckte knapp, er guckte Lua kurz nach und musste sich selbst eingestehen das er nicht nur Stolz darüber empfand das Lua ihn dermaßen gelobt hatte. Ein paar Sekunden dachte er an den Blick welchen er in Luas Gesicht hatte lesen können wobei er ein angenehmes Kribbeln in seiner Magengegend empfand. Ehe er aber auch nur einen weiteren Gedanken an irgendwelche Gefühle oder Anderes verschwenden konnte, verfiel Faro gepackt vom Reisefieber wie von selbst in den Galopp um mit Luas Hengst mithalten zu können.

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 9. Juni 2010, 15:47

Bitte trage in Steckbrief und Profil noch die Fertigkeit "Luftmagie (rudimentär)" ein ;)

Lua trieb Nachtwind immer schneller an. Das Pferd fegte zwischen den Gräsern durch und hinterließ eine seichte Schneide, der Faro einfach folgte. Das Pony hätte jederzeit mit dem Schimmel Schritt halten können, doch es war wesentlich angenehmer, einem platt gerittenen Pfad zu folgen. Die Gräser hatten sich unter den schweren Hufen gebogen und zur Seite geneigt, der weiche Erdboden lugte bräunlich und reichhaltig an kleinen Krabbelwesen zwischen dem Grün hervor. Schmetterlinge und Käfer retteten sich auf sichere Halme oder in Blütenkelche hinein, wenn die beiden Reittiere vorbei sausten.

Die Reise ging stetig voran. Schließlich aber wurde Luas Pferd langsamer, bis es in einen ruhigen Trab verfiel. Die Luftmagierin wandte den Kopf um, bis Faro erneut auf gleicher Höhe mit Nachtwind ritt. Sie zeigte zu einem Hain aus Birnbäumen und Erlen. "Lass uns dort rasten." Schon ritt Lua darauf zu.
Ihr Pferd band sie an einem dicken Birnbaum an, nachdem sie abgestiegen war. Die dicken, gelben Früchte waren teilweise so saftig schwer, dass die Äste sehr tief hingen. Teilweise hatte der Baum sie aber auch schon fallen gelassen. Bienen, Wespen und sogar Hornissen labten sich an der Fruchtsüße. Lua achtete auf jeden Schritt. Vor allem die Hornissen wollte sie nicht reizen. Nachtwind störte sich nicht an den Schwirrern. Er schlug mit dem Schweif nach ihnen, wenn sie auf ihm landeten und vertrieb so die Unruhestifter. Doch selbst die Hornissen hielten Abstand. Was sollten sie ein riesiges Pferd angreifen, wenn die reifen Früchte auf sie warteten.

"Hier herüber", meinte Lua zu Tahmo und zeigte zu einem Birnbaum, der noch nicht in voller Reife stand. Hier ließ es sich aushalten, die Insekte hielten sich in Grenzen. Die Luftmagierin hatte eine Decke von ihrem Packsattel gelöst und breitete sie am Boden aus. Zusammen mit der Karte von Lyrien ließ sie sich darauf nieder. Schon entrollte sie das Papier. Man erkannte einen guten Teil des westlichen und südlichen Celcias. Letzterer bestand allerdings nur aus Waldgebiet, außerdem hatte jemand eine ganze Menge Ausrufezeichen auf dem Papier hinterlassen.
"Das ist der Urwald Kapayu. Siehst du die vielen Symbole? Sie bedeuten Gefahr. Wir werden sehr aufpassen müssen, aber erst einmal müssen wir den Urwald erreichen." Lua griff nach einem Zweig und zeigte eine Route auf der Karte an. "Ich dachte mir, dass wir die Schlucht etwa bei einer der Brücken erreichen und von dort Richtung Süden weiterziehen werden." Der Stock wanderte über die Karte entlang. Zuerst glitt er über das als Grasland markierte Gebiet, bis er die tiefe Narbe erreichte, die die zerklüftete Große Schlucht darstellte. Lua führte den Stecken weiter nach Süden, nicht aber in das mit kleinen Seen und Tümpeln markierte Gebiet des Waldes Sarius, sondern zu einer langen, gewundenen Linie.
"Das ist der Ilfar, wir werden ihn am Waldrand überqueren und uns dann auf dem Weg in dieses Dorf machen. Die Zyraner sagen, dort leben Menschen und Elfen in Einklang. Wir stocken unsere Vorräte auf und finden vielleicht einen Führer für den Urwald. Wenn nicht, müssen wir uns allein durchschlagen. Wo ich hin möchte, weiß ich genau, allerdings sieht es auf einer Karte einfacher aus als in Wirklichkeit."

Lua streckte den Arm, bis die Stockspitze auf den westlichen Teil des Urwaldes zeigte, nahe der Küste. Sie grinste. "Hier irgendwo befindet sich ein Tempel. Ich weiß das, weil ich schon einmal dort gewesen bin. Damals, als ich bereits Vintha sa Véstha suchte." Ein Seufzen drang aus ihrer Kehle und für einen Moment schaute die Magierin in die Ferne. Ihre Augen schimmerten und verkündeten tiefe Sehnsucht. Doch nur Sekunden verweilte Lua in diesem Tagtraum, dann schüttelte sie sich und klopfte erneut mit dem Zweig auf die Karte. "Beim Urwaldtempel haben wir damals Bekanntschaft mit einem Menschenvolk gemacht, das in den Wolken leben soll. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber sie beherrschten die Luftmagie vorzüglich. Ich überließ ihnen die Schriftrolle für weitere Studien, da ich den Großmeister der Luftmagie schließlich persönlich kennen lernen wollte. Der Hymlianer, so nennt sich das Volk, versprach mir, dass ich Kontakt zu ihm aufnehmen könnte, wann immer ich im Tempel den Wind in die Wolken steigen lasse. Sie würden mich dann finden. Deshalb müssen wir zuerst den Tempel wiederfinden. Doch jetzt genug geplant und geplaudert."
Lua warf den Zweig fort und rollte die Karte ein. "Ich möchte mich ein wenig ausruhen. Du kannst inzwischen in dem dicken Buch lesen, das du von Archimedes bekommen hast. Danach weckst du mich und wir trainieren noch ein wenig deine magischen Fähigkeiten. Bis dahin sollten Faro und Nachtwind wieder munter sein, um uns bis zur Schlucht zu tragen."
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 10. Juni 2010, 19:02

Nachdem Lua, Tahmo ausreichend Kenntnisse über ihren weiteren Weg auf der Karte gezeigt hatte, lag sie nun friedlich schlummernd neben ihm auf der Decke. Der junge Blondschopf indes hatte sich auf den Bauch gelegt, es tat gut nach dem langen Ritt mal sein Hinterteil entlasten zu können. Vor ihm auf der weichen Decke befand sich das dickste Buch welches er wohl in seinem gesamten bisherigen Leben jemals gesehen oder gelesen hatte. Er konnte ja zum Glück lesen und schreiben, nur beim Zählen war er hier und da ein wenig langsam. Gerade wenn es um größere Beträge ging. Und Bücher mochte er schon sein Leben lang, denn Bücher waren wie stille Freunde von denen man lernen oder denen man etwas anvertrauen konnte. Ob Er sich jedoch mit diesem überaus dicken Wälzer anfreunden konnte bezweifelte der Jungmagier ein wenig. Zumal er schon beide Arme benötigte um ihn zu tragen...
Seufzend schlug Tahmo den Buchdeckel auf, blätterte durch die ersten Seiten und überfolg hier und da ein paar Worte. Das Papier schien schon ziemlich alt zu sein, die Ränder waren ein wenig vergilbt und die Seiten fühlten sich ein wenig rau und kratzig an. Allein diese von Hand gezeichneten Borten welche die Texte und wenigen Bilder einramten wehten wie ein frischer Windhauch durch den sonst trockenen Text. Tahmo musterte diese Verzierungen genaustens, es waren ineinander und umeinander verschlungene Linien in allen möglichen Blautönen. Sie wirkten regelrecht lebendig bei längerem hinsehen. Blinzelnd fing der Blondschof an ein paar Absätze des zähen Textes zu lesen. Er fand das Buch durchaus interessant, aber dennoch fingen seine Gedanken an abzuschweifen. Ihm war abermals dieser sehnsuchtsvolle Blick von Lua aufgefallen wenn diese von diesen Winden sprach. Tahmo wusste immer noch nicht genau ob das wirklich nur Wind war, oder ob da eine Person hinter dem Namen stand. Was er jedoch wusste war, das dieses Geseufzte anfing ihn ein klein wenig Eifersüchtig sowie zugleich auch Neugierig zu machen. Mit einem kurzen "Hrm" blätterte der Jüngling um, auf der nächsten Seite befanden sich überraschend viele Bilder welche hintereinander angesehen einen Bewegungsablauf darstellten. Grübelnd legte er seinen Kopf schief um die filigranen Zeichnungen zu studieren. Aber irgendwie wurde er nicht so recht schlau draus, vielleicht sollte er versuchen sie auszuprobieren?
Ohja! Das würde er tun! Praktische Übung und Nachahmen lag ihm sowiso viel mehr als trockene Theorie. Tahmo riskierte einen Blick zu Lua hinüber die inzwischen tief und fest schlummerte. Er musterte ihr Antliz und da sie seinen Blick nicht bemerken konnte, musterte er ihr Gesicht noch ein wenig länger und eingehender als sonst um zu dem Entschluss zu kommen das sie doch irgendwie süß aussah. Leise die Nase hochziehend sah sich Tahmo nach den beiden Pferden um, welche jedoch nicht weit von ihnen unter einem anderen Birnbaum graßten.

So leise wie möglich setzte sich der Jungmagier auf. Seinen Rucksack sowie seinen Umhang welcher inzwischen schon am Rucksack angebunden war, würde er hier bei Lua lassen. Und seine Schuhe? Schon viel zu lange hatte er nicht mehr das kitzelnde Gefühl des Grases unter seinen Fußsohlen gefühlt. Also lies er auch seine dünnen Laufstiefel hier zurück. Bewaffnet mit Stab, Buch und blanken Fußsohlen stand er schließlich auf. Sie befanden sich in einem kleinen Hain mit Birnbäumen, das Gesumme und Gebrunne von Bienen sowie der süßliche Geruch von überreifen Obst erfüllte die Luft. Rings herum um ihn breitete sich wie ein grüner, sanfter Teppich das Grasland aus. Tahmo fand es eine gute Idee den Hain ein wenig zu verlassen, er wollte keine Bienen aufschrecken wenn er übte... immerhin war er nicht darauf aus gestochen zu werden. Mit dem Stab auf der Schulter und das Buch auf dem Arm ging er los. Er atmete die angenehme Luft ein, während die Sonnenstrahlen rings herum durch das grüne Blätterdacht des lichten Hains brachen. Die Bienen labten sich eifrig an abgefallenen Birnen und ein laues Lüftchen brachte die Grashalme zum wiegen. Tahmo hob im gehen eine Bienenfreie Birne auf, um an den Rand des Haines zu gehen. Er lies die Bäume ein paar Schritt hinter sich, bis er auf der offenen, weiten Grasebene stand. Mit geschlossenen Augen fühlte Tahmo den Wind der hier sanft über die Ebene streichelte. Es kam ihm so vor als hätte er den Wind noch nie vorher so deutlich gefühlt. Abenteuerlust und Neugierde fing an sich in ihm zu regen. Sollte er sich ein wenig umsehen hier? Nein, ersteinmal ein wenig diese komischen Bilder studieren. Tahmo stach den Stab in den Boden und legte das schwere Buch ab um die besagten Seiten aufzuschlagen...

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Freitag 11. Juni 2010, 16:40

Die ersten Bilder, die Tahmo in dem dicken Buch vorfand, beschrieben den simpelsten aller Luftmagie-Zauber. Viele Seiten zuvor hatten sich mit der Thematik und Geschichte der Luftmagie befasst - sicherlich nicht uninteressant, aber doch sehr trocken und somit ermüdend.
Lua Chii schlummerte im Hintergrund auf der Decke. Faro und Nachtwind ließen sich frische Gräser schmecken. Sie würden auf die Magierin aufpassen, während Tahmo seinem Studium der Magie-Art nachging. Er hatte sich etwas abgesetzt und betrachtete nun die aufgeschlagenen Buchseiten. Die Bilder zeigten eine Abfolge von Bewegungen. Linien waren dort als Luftwellen eingezeichnet, gestrichelte Linien zeigten die ausgeführte Bewegung als Folge zum vorherigen Bild. Die Person dort hielt zunächst eine Hand an die Stirn. Über den Abbildern stand in geschwungenen Lettern "Windspiel". Was immer dieser Zauber bewirkte, konnte auf den folgenden Seiten nachgelesen werden. Zunächst zeigte man dem eifrigen Studenten aber die Bewegungsabfolge. Sie sah nicht sehr schwierig aus.

Zu erkennen waren winzige Kreise, in Blau dargestellt. Ein Hinweis am Rand der Seite gab Aufschluss darüber, dass es sich um kleinste Luftteilchen handelte. Diese sollten wohl bewegt werden, wie Tahmo schnell erkennen konnte. Auf dem Bild war eine Kerze zu sehen. Sie brannte.
Der gezeichnete Mann schwenkte seine Arme vor und zurück, als wollte er Wellen bewegen. Mit jedem weiteren Bild schwangen mehr Luftteilchen mit. Schließlich umgaben sie die Kerze auf dem vorletzten Bild und die letzte Zeichnung zeigte, dass die kleine Flamme erloschen war. Gezeichneter Rauch stieg zusammen mit den Luft-Kreisen auf.
Mit diesem Zauber konnte man also eine Kerze zum Erlöschen bringen. Das klang doch ähnlich dem Wirken, das Tahmo in der Taverne hatte bezwecken wollen. Bei ihm war der Zauber nur zu heftig gewesen. Die Luftteilchen hatten sich so stark bewegt, dass sie sie Menschen ringsum an die Wand geschoben hatten. Eigentlich sollte der Wind jedoch so lau sein, dass höchstens eine Kerze davon erlosch. Leider war weit und breit kein brennender Docht zu sehen.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Samstag 12. Juni 2010, 12:43

"hmmmmm" Tahmo seufzte während er sich grübelnd am Hintekopf kratzte. Der junge Magier hatte sich vor das aufgeschlagene Buch ins Gras gesetzt. Die Grashalme gingen ihm dabei fast bis zur Schulter, sodass einzig allein sein blonder Haarschopf sowie sein verzierter Stab mit den Federn an der Spitze aus der Wieser heraus spitzten. Eingehend studierte Tahmo die kunstvollen Zeichnungen, er brauchte nicht lange um zu verstehen was mit den Bildern gemeint war. Jedoch gab es ein Problem, er hatte keine Kerze. "Wie stelle ich das am besten an, hmm." Murmelte er abermals grübelnd. Laut den Zeichnungen war es Sinn des Ganzen das man Wind, hier mit kleinen Punkten dargestellt, zum bewegen brachten. Wodurch man dann eine Kerze auspusten konnte. Aber im Grunde ging es doch darum den Wind zu bewegen, oder? Also müsste er nur etwas finden das sich bewegen lies wenn Wind dagegen wehte und schon hätte er eine Bestätigung das es funktioniert.

Der Blick des Jungmagiers striff umher und getrieben vom Tatendrang fielen ihm die beiden bunten Federn auf, welcher schon seit Jahren an seinem verzierten Stab baumelten.
"Ha! so mach ichs!" Grinsend stellte sich Tahmo vor den senkrecht aufgestellten Stab, das Buch neben sich im Gras liegend schielte er abermals die Bilder von Oben herab an. Solange bis er sich ganz sicher war. Dann atmete er tief durch, fixierte die Federn und versuchte die Luft um sich herum zu fühlen. Ganz sachte und langsam, um nicht abermals wieder soetwas wie in der Schenke anzurichten, bewegte er nun seine Hände vor und zurück. So als wolle er der Luft ein wenig die Richtung weisen...

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Montag 14. Juni 2010, 13:36

Unter seinen Fingerspitzen kribbelte es. War das der Wind, respektive kleinste Luftteilchen, die Tahmo nun zu bewegen versuchte? Es kitzelte ein wenig, aber er spürte, dass sich etwas tat. Irgendwie war es leichter, sich vorher auf Bildern den Bewegungsablauf anzuschauen und ihn dann nachzuahmen, anstatt blindlings mithilfe reiner Konzentration Magie zu bewältigen. In der Taverne hatte es nicht ganz so funktioniert, wie der junge Mann es sich erhofft hatte. Vielleicht gab er sich deshalb jetzt bei dem Federschmuck seines Stabes besonders Mühe. Seines Magierstabes! Ob er ihn nun nicht nur zum Kämpfen, sondern auch beim Zaubern verwenden konnte?
Luftmagie schien viel mit Balance zu tun zu haben, jedenfalls bei dem Zauber, den Tahmo gegenwärtig übte. Er musste die Luft im Gleichgewicht halten, sonst ließ sie sich nicht "verschieben". Das konnte er an der Stärke des Kribbelns unterhalb seiner vordersten Fingerkuppen ergründen. Wenn es unter einem oder mehreren, aber nicht allen Fingern gleichzeitig unterschiedlich stark vibrierte, dann machte er in seiner Anwendung noch etwas falsch. Es dauerte eine Weile, dies zu erkennen, doch bald schon bemerkte Tahmo den Unterschied. Vielleicht würde er mit seinem Stab eines Tages eine bessere Balance herstellen können, wenn die zu bewegende Luft sich an dem Holz entlang hangelte wie jemand, der sich in einem finsteren Gang durch Abtasten der Mauern stetig voran trieb. Ja, so würde es wohl funktionieren.

Tahmo bekam immer mehr Gespür dafür, wie er mit der ihn umgebenden Luft umgehen musste. Die stetigen Bewegungen pendelten sich ein und er spürte den leichten Windhauch, der Arme und Finger streifte. Er lenkte ihn auf den Stab zu, auf den daran befestigten Schmuck und tatsächlich: es gelang!
Die Federn raschelten leise, als der Wind sie anhob und klimpernd tanzen ließ. Sie drehten sich und wirbelten umher, ohne sich von ihrem Stab zu lösen. Immer wilder kreisten sie um das Holz herum. Da konnte Tahmo bemerken, dass die Luftmagie sich erneut seiner Kontrolle entreißen wollte. Es war eben doch nicht sooo einfach.
Die Luft wurde schwerer zu bändigen, sie sträubte sich gegen seinen Willen. Sie wollte sich nicht lenken lassen, sondern frei sein, frei! Frei wie der Wind, daher schien die Redewendung zu kommen. Die Luft sauste gebündelt an Tahmos Arm entlang, zerrte an den kleinen Härchen darauf, dass diese sich aufrichteten und dann donnerte sie gegen den Holzstab. Dieser kippte um, landete zwischen den mannshohen Halmen im Gras.
Der dumpfe Schlag ließ Faro und Nachtwind aufschauen. Beide guckten in Tahmos Richtung, entdeckten ihn aber nicht. Das Gras war einfach zu hoch. Faro wieherte. Vielleicht war er besorgt um seinen Freund. Lua Chii wachte allerdings nicht auf. Die Magierin schlummerte noch immer seelenruhig auf der ausgebreiteten Decke. Sie hatte sich diesen Moment der Erholung verdient.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Montag 14. Juni 2010, 23:13

Die Halme bogen sich durch, während die Windböe davonstob und abebbte. Tahmo war in seiner Ausgangsbewegung zu einer Salzsäule erstarrt, so erstaunt war er über das was eben vorgefallen war. Gut, es war immer noch ein wenig heftig gewesen aber dennoch, hatte der Zauber im Grunde funktioniert. Auch wenn er damit eine Kerze wegpusten statt auspusten würde. Fasziniert richtete sich sein Blick auf seine Finger, sowie die wenigen blonden Härrchen auf seinen Unterarmen die sich beim Zaubern regelrecht aufgestellt hatten.
"Bei den Göttern... das war jah... wahnsinn." Fassungslos guckte er dorthin wo bis eben noch sein Stab gestanden hatte. Diese enorme Kraft des Windes die seinen Armen entlang geglitten war, dieses Kribbeln welches am Anfang noch ungleichmäßig und schwer zu bändigen war. Der junge Magier lächelte, gefolgt von einem jubelnden Luftsprung "Jahaaaa!".

Grinsend wie ein Honigkuchenpferd schritt Tahmo Barfuß durch das hohe Gras, dorthin wo sein Stab gelandet war. Er musste ein wenig suchen, hier und dort die Grashalme zur Seite biegen bis er ihr fand. Zum Glück fehlte dem Holz nichts, es war nach wie vor vollkommen unversehrt. Tahmo hatte den Stab vor langer Zeit gefunden, ein fast gerader Ast, dünn und mit Ringe, der plötzlich vor ihm auf dem Weg gelegen hatte. Natürlich hatte er ihn damals mitgenommen und nachdem nach einiger Zeit die Rinde abgeblättert war, hatte er aus Langeweile geschwungene und verschnörkelte Linien sowie Spiralen als Muster in das harte Holz geschnitzt. Nach und Nach kamen dann auch die beiden Federn am oberen Ende des Stabes hinzu, von denen Tahmo keine Ahnung hatte von welchem Vogel sie stammen könnten. Mit einem im Dorf 'gefundenen' Lederband hatte er sie dann befestigt und seitdem, diente ihm der Stock als Wanderstab. Oder um sich zu verteidigen. Zwar hatte Tahmo nie eine Ausbildung im Stabkampf genossen, dafür musste er sich jedoch oftmals allzu nervige Gleichaltrige soweit vom Leib halten bis er flüchten konnte. Und nun? Tahmo strich zärtlich über das raue Holz, fuhr mit seinen Fingerkuppen die Linien nach und musterte die Fazetenreichen Farben der beiden Federn. Tahmos Mimik verzog sich grüblerisch, was wäre wenn? Er stellte den Stab senkrecht neben sich. Hatten Magier nicht immer auch einen Stab? Lua hatte keinen, aber sonst? Dann wäre das hier sein Magierstab und...
Der Jungmagier dachte daran, wie schwierig es gerade gewesen war die Luft gleichmäßig an seinen Händen zu sammeln. Er hatte bemerkt das sich die Luft bis zu seinen Ellbogen hinauf gekräuselt hatte. Ob das auch ging wenn er statt seinen Arm den Stab nehmen würde? Aber, würde er dann noch die Luft überhaupt fühlen wenn sich diese um das Holz und nicht um seine Arme schlängelte? Das musste er unbedingt ausprobieren.

Voller Tatendrang eilte Tahmo zu seinem Buch zurück, er studierte abermals die Bilder. Die Bewegung der Figur dort auf den Bildern ging zurück und dann nach vorne. So als würde sie zuerst Luft sammeln und diese dann durch eine vorwärtsbewegung in eine bestimmte Richtung schicken. Aber Luft war zugleich auch Frei, das hatte Tahmo schon früh bemerkt. Luft konnte man nicht kontrollieren, man konnte ihr anscheinend nur eine Richtung Vorschlagen und sie überzeugen dorthin zu wehen.
Wäre der Luftstoß mit Stab als stärke oder nicht? Tahmo musste das sogleich an der umliegenden Wiese austesten.

Ein wenig entfernt vom Buch und umgeben von hüfthohen Gras atmete Er tief durch. Er umgriff den Stab mit beiden Händen, schwang ihn einmal um den Kopf, ganz so als würde er mit einem Schwinger von rechts zuschlagen. Eine reine Trockenübung. Bei jeder Bewegung entstand ein Luftzug, wenn man schnell rannte, auf dem Pferd schnell ritt oder wenn man zuschlug. Was wäre also wenn man nun die Übung auf den Bildern mit sowas kombinierte? Es wäre sicherlich zuviel um eine Kerze auszupusten, aber für sowas hatte er immer noch Zeit. Seine Neugierde trieb ihn dazu auszuprobieren ob diese Übung auch mit Stab und in anderen Situationen anwendbar war.
Tahmo atmete tief durch, versuchte die Luft um sich herum wahrzunehmen. Um seinen Körper und seinen Armen. Dann bewegt er den Stab sachte in einer halbkreisbewegung nach links halb hinter seine linke Schulter. So als würde jemand mit einer Sense ausholen. Der Jungmagier versuchte die Luft zu fühlen die sich dabei um den Stab sammelte. Das war deutlich schwieriger als wenn man die Luft um seine Hände und Arme sammelte, denn im Stab hatte er kein Gefühl. Aber Tahmo machte weiter. Schon etwas kräftiger hieb er nun den Stab im Halbkreis um seinen Kopf, so als würde er einen Schlag mit seinem Stab von rechts ausführen. Er versuchte dem Wind dadurch eine Richtung zu geben, so als sollte die Luft seinen Schlag im Halbkreis vor Ihm verlängern....

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Freitag 18. Juni 2010, 08:31

Verwirrt schauten Faro und Nachtwind auf die Weiten des Graslandes hinaus. Dann, endlich tauchte Tahmos Kopf zwischen den hohen Halmen auf. Das Pony schnaubte erleichtert. Es mochte seinen zweibeinigen Freund und war daher stets besorgt um dessen Wohlergehen. Schließlich war Tahmo damals der erste und einzige Mensch gewesen, der es als Pony akzeptiert und gut behandelt hatte. Faro wäre niemals mit ihm durchgebrannt, wenn er dem blondsträhnigen Burschen gegenüber keine Zuneigung besäße.
Nun beobachtete er mit lang gerecktem Hals, was sein Freund da hinten im Gras so trieb. Dieser hatte soeben seinen Stab wiedergefunden und wollte einen neuen Versuch in Sachen Magietraining wagen. Dieses Mal wollte er die Federn am Stab nicht zum Flattern und Rascheln bringen, sondern sein geliebtes Holz selbst mit dem Übungszauber kombinieren. Erneut nahm Tahmo die Luft um sich herum wahr. Er spürte den lauen Hauch, der die Gräser streifte und sich seinen Weg über die weiten Ebenen suchte.
Inzwischen beherrschte der Blondschopf es schon recht gut, Luft zu erspüren. Er konnte sogar winzigste Teile von Salzgeruch ausmachen, als eine Brise an ihm vorüber wehte. Sie kam vom Meer, vielleicht aus Santros. Was brachte der Wind noch alles auf seinen Reisen von dort mit?

Tahmo schwenkte seinen Stab. Durch diesen konnte er die Luft nicht wirklich spüren. Lediglich einen leichten Widerstand nahm er wahr, wenn er das Holz durch die unsichtbare Existenz bewegte. Sammelte sich nun auch Luft am Stab selbst? Konnte Tahmo sie in die richtige Richtung lenken?

"Nicht schlecht machst du das, aber kaum ein Anfänger wird Luftmagie schon dem Stab wirken können." Lua war aufgewacht. Sie hatte sofort bemerkt, dass sich ihr Schützling aus dem Staub gemacht hatte, war deswegen aber nicht beunruhigt gewesen. Denn es fehlte auch das schwere, dicke Buch, was Lua schlussfolgern ließ, dass Tahmo seine Kräfte trainierte. Und so war es auch.
Sie fand ihn schnell, als sie den neugierigen Blicken der Reittiere folgte und erreichte ihren Schüler gerade in jenem Moment, als er seinen Stab in einem Halbkreis über seinen Kopf hinweg schwang.
"Da ich aber gesehen habe, wieviel Potenzial in dir steckt, könntest du sogar das bewältigen. Ich würde es dir zutrauen. Doch lass mich helfen." Sie schritt auf Tahmo zu und stellte sich leicht seitlich hinter ihn. Schon legte Lua ihre Hände auf seine. Sie waren sanft und deutlich kleiner als die des jungen Mannes. Feingliedrige Finger schoben seine eigenen in Position. "Halte den Stab von nun an lieber so und versuche, die Luft, die du lenken willst, an deinen Fingerspitzen auf das Holz strömen zu lassen. Gut. Jetzt schwing die Waffe noch einmal, aber langsam. Du musst sie nicht schnell bewegen, um eine Wirkung zu erzielen, nicht am Anfang. Du wirst fühlen, wenn es funktioniert hat und außerdem sehen wir es an den Grashalmen, wenn diese sich biegen."
Vorsichtig ließ Lua Tahmos Hände los und trat zurück. Sie musterte ihn, vor allem aber seine Haltung. Dann legte sie träumerisch einen Finger an die Unterlippe, tippte ein paar Mal dagegen. "Ich frage mich wirklich, ob du diese Aufgabe schon schaffst. Eine magische Verbindung mit deinem Stab bist du noch nicht eingegangen, oder?"
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 20. Juni 2010, 22:34

Eine Gänsehaut huschte über Tahmos Nacken als sich Lua schräg hinter ihn stellte. Ihre Hände griffen nach den Seinen um mit sanften Druck seine Finger auf dem Stab in die richtige Position zu drücken. Das Herz des Jungmagiers schlug schlagartig ein paar Takte schneller, als sich dieser mehr oder minder in der Umarmung der Magierin wiederfand.
Er beobachtete ihre feinen Finger die nur ein wenig kleiner waren als Seine Eigenen, er spührte die Wärme ihrer Nähe welche sie Ausstrahlte und er glaubte sogar das der Wind den Duft ihrer Haare an seine Nase heran trug. Ob Lua bemerkte das Tahmo sich gar nicht mehr großartig auf Ihre Erklärungen konzentrierte? Das seine Gedanken schon lange wo vollkommen anders waren?
"Halte den Stab von nun an lieber so und versuche, die Luft, die du lenken willst, an deinen Fingerspitzen auf das Holz strömen zu lassen. Gut. Jetzt schwing die Waffe noch einmal, aber langsam. Du musst sie nicht schnell bewegen, um eine Wirkung zu erzielen, nicht am Anfang. Du wirst fühlen, wenn es funktioniert hat und außerdem sehen wir es an den Grashalmen, wenn diese sich biegen." Luas Stimme verursachte ein Kribbeln so dicht an Tahmos Ohr. Die Magierin hatte ihre Hände weiterhin auf den Seinigen ruhen um sie somit führen zu können und Tahmo die erklärte Bewegung zu zeigen. Der Blondschopf nickte kurz. Würde man ihn fragen, so würde er es sicherlich niemals offen zugeben das er Luas Nähe äußerst mochte.

Vorsichtig lies Lua Tahmos Hände los um langsam von ihm zurück zu treten und dadurch einen etwas verträumt dreinblickenden Blondschopf mit Stab stehen zu lassen. Erst jetzt bemerkte Tahmo das seine Knie ein wenig weich geworden waren, während sein Herz ihm immer noch bis zum Hals schlug. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie schade er es fand das Lua ihn wieder losgelassen hatte, jedoch war der rosige Schimmer auf seinen Wangen und Nasenrücken bei seinen hellen Haaren und Hautton nur schwer zu kaschieren. War es am Ende so das er sich in Lua verguckt hatte? Die Magierrin musterte ihn kurz, hoffentlich bemerkte sie nichts dachte er leise. Sie tippte sich ein, zweimal gegen die Lippen. Wirklich schöne Lippen, wie Tahmo plötzlich fand. "Ich frage mich wirklich, ob du diese Aufgabe schon schaffst. Eine magische Verbindung mit deinem Stab bist du noch nicht eingegangen, oder?" fragte sie ihn grübelnd.

Tahmo schluckte kurz um seine Kehle wieder zu befeuchten, er versuchte so lässig und entspannt wie möglich im hüfthohen Gras zu stehen. Den Stab locker neben sich gestellt.
"magische Verbindung? erm... nich das ichs weis. Also... nein. Was is das?"

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Gestalt » Dienstag 22. Juni 2010, 07:50

Tahmos Nasenspitze und die Wangen glühten rosa, sie hoben sich vom übrigen Gesicht ab. Ob sich da ein Sonnenbrand bildete? Zu dieser Jahreszeit? Lua blinzelte und verwarf den Gedanken wieder. Er war ein junger Mann, da sollte es sie nicht verwundern, dass er rot wurde, wenn sie sich ihm so dicht näherte.
"Hattest du schon einmal eine feste Freundin?", fragte Lua plötzlich und einfach aus dem Nichts heraus. Obwohl Tahmo ihr bereits eine Gegenfrage zur magischen Verbindung mit seinem Stab gestellt hatte - er konnte sich darunter nichts vorstellen -, hatte Lua ihn nun einfach übergangen. Der Blondschopf konnte nun allerdings schlussfolgern, dass sie seine leichte Rötung eindeutig entdeckt hatte. Aber warum fragte sie nach einer Beziehung? Wollte sie selbst eine mit Tahmo eingehen?

"Jeder Magier geht im Laufe seines Lebens eine solche Verbindung mindestens einmal ein. Wenn sein Stab verschwindet oder zerstört wird, passiert es auch schon einmal häufiger", griff die Luftmagierin das Thema wieder auf. Sie selbst besaß keinen Stab. Ob sie ihren verloren hatte?
"Die meisten Magierinnen und Magier binden sich bereits noch in den ersten Ausbildungsjahren an einen Stab. Wird von vielen Professoren der Akademien eigentlich nicht so gern gesehen, denn die jungen Lehrlinge sind noch unerfahren und suchen sich irgendwelche Stäbe aus. Meistens sehen die besonders pompös aus mit vielen Pailletten, einer riesigen Glaskugel oder Dutzenden kleiner, blinkender Bänder. Solche Stäbe halten nicht einmal eine ganze akademische Ausbildung. Aber beim zweiten Versuch wissen es die Schüler dann besser."
Lua trat erneut an Tahmo heran, wenn auch lange nicht so dicht wie zuvor. Ihre Hand streifte seinen Arm. Sie griff nach dem Holzstab, um ihn prüfend ihrem Blick zu unterziehen. "Du hast dir einen guten Stab ausgesucht. Das Holz ist stabil, es wird lange halten und auch gegen verpatzte oder mächtige Luftmagie Bestand haben." Ihre Finger glitten über die Maserung. Sie fuhr Tahmos Schnitzereien nach, bewunderte die Wirkung der wenigen Verzierungen. Dann nickte sie. Ja, das war ein sehr guter Stab.
"Wenn du mit einem Stab eine magische Verbindung eingehen willst", fuhr sie fort, "dann fließt ein Teil deiner Kraft in das Holz. Du schenkst ihm einen Hauch deiner Seele. Klingt poetisch, nicht wahr? Aber irgendwo stimmt es. Nach einer solchen Bindung fühlt sich der Magier seinem Stab immer deutlich näher als jedem anderen Werkzeug, das er für seine Zaubereien verwendet. Er kann das Holz intensiver spüren und auch die Magie, die von nun an dort hindurch fließt. So fällt es den Jungmagierin leichter, ihre Kräfte zu kontrollieren und entsprechend frei zu setzen. Wenn du möchtest, könntest du eine solche Verbindung eingehen. Du hast ein gutes Holz gewählt und ich würde dir dabei helfen. Ohne einen fähigen Magier ist es nämlich sehr schwierig, dieses Ritual zu vollziehen."
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Dienstag 22. Juni 2010, 22:17

Er kam sich ein wenig blöd vor, wie er so dastand, krampfhaft versucht entspannt zu wirken und darauf bedacht sich nichts von dem schmetterlingshaften Kribbeln im Bauch anmerken zu lassen. Er hoffte mit seiner Frage über die Stabsache möglichst schnell einen Themenwechsel herbeizurufen, zumal er ganz genau wusste das ihm die Röte ins Gesicht gestiegen war.... aber leider hatte er Pech.
"Hattest du schon einmal eine feste Freundin?"
Die Frage traf Tahmo vollkommen unvorbereitet. So als würde man ins Wasser geschubst und dann gefragt werden ob man denn eigentlich schwimmen kann. Lua guckte ihn mit einem so seltsamen Blick an, wie er fand. Und er wusste gar nicht was er nun darauf antworten sollte. Seine Kehle war vollkommen zugeschnürt und denken konnte er gerade überhaupt nichts. Seine einzige Reaktion auf Luas Frage hin war, das seine Wangen und der Nasenrücken von zartrosa auf dunkelrot wechselte. Schlagartig, wie ein Kamäleon. Mit ausweichendem Blick guckte Tahmo nach unten, zu Boden um eingehend die plötzlich so interessant gewordenen Grashalme zu mustern. Im stillen fragte er sich was peinlicher war. Die Tatsache das er rot angelaufen war und keinen Ton mehr herrausbrachte auf Luas Frage hin. Oder das die Magierin nur eins und eins zusammenzählen musste um die Antwort auf Ihre Frage aus Tahmos Reaktion ziehen konnte. Eines war jedoch klar, der Jungmagier hätte sich momentan wohl am liebsten schlichtweg in Luft aufgelöst um unbemerkt und mit einem freundlichen 'Puff' zu verschwinden. Sekunden verstrichen. Sekunden die Tahmo vorkamen wie quälende Stunden, in denen Lua ihn neugierig Mustern konnte. Und das mit ihren schönen Augen.
Ein umso größerer Stein mit den Ausmaßen einer ganzen Bergkette fiel Tahmo vom Herzen als Lua wohl seine immer größer werdende Scham bemerkte und auf seine Frage einging um die Situation wohl gekonnt zu überspielen. Oder sie auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.

Es dauerte kurz, dann hatte sich Tahmo auch schon wieder gesammelt und hing sowohl aufmerksam als auch voller Wissbegierde an den Worten seiner Meisterin. Wie schon zuvor schien er keinerlei Problem damit zu haben von einem Moment zum Anderen mit einer neuen Situation zurecht zu kommen. Er konnte in einem Moment stolpern und dabei unsanft auf dem Boden landen, nur um im nächsten Moment neugierig die erstaunlichen Farben einer auf dem Boden vorbeikriechenden Raupe zu bewundern - Was in seiner jüngeren Zeit öfters vorgekommen war.
So lauschte er mit zurückgehender Schamesröte den Worten Luas. Ein Magier konnte also eine Verbindung mit seinem Stab eingehen um damit dann Magie zu wirken, er gab ihr den Seinigen als sie sich ihn einmal näher ansehen wollte. Tahmo beobachtete sie dabei und lauschte auch weiterhin auf ihre Worte während Lua das wiederstandsfähige, Nussbraune Holz mit den natürlichen Maserungen sowie den von Tahmo hineingeritzten, geschwungenen Linien begutachtete. Die Linien wirkten vollkommen frei, zogen Kreise und Spiralen. Sie umrankten sich, bildeten kleine Knoten und Verwirbelungen ehe sie an anderer Stelle wieder auseinander gingen. Aber sie endeten nie und waren alle irgendwo miteinander verbunden. So als würde das Ganze aus nur einer einzigen Linie bestehen. Tahmo muss oftmals wohl wirklich sehr langweilig gewesen sein, oder er hatte zuviel Zeit gehabt. Die beiden Federn, eine dunkelgründe sowie eine dunkelblaue, baumelten derweil ausgelassen im seichten Wind welcher über die Grasebene schlich. Tahmo hatte sie mit stabilen, dünnen Lederbändern ordentlich am oberen Ende des Stabes festgezurrt. Als Lua mit ihrem Bericht fertig war und den Stab an Tahmo zurück gegeben hatte, brannte dieser regelrecht vor Neugierde. Die eher peinliche Angelegenheit schon vergessend und nur noch mit dem Gedanken an diese Verbindung zwischen Zauberer und Stab beseelt, fing er an Lua einige Fragen zu stellen.
"Also, wird die Magie dann stärker mit Stab? Un kann ich auch ohne trotzdem dann weiterzaubern? Was is wenn er kaputt geht, was passiert da genau mit mir, kommt meine Kraft dann au wieder zurück? Wie meins du das mit der Seele? Un was müssn wir tun um sowas zu machen? Also, was brauchn wir un wie lang dauert das? Un was muss ich dabei dann überhaupt tun?"

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Gestalt » Donnerstag 24. Juni 2010, 10:19

Tahmo hörte sicherlich das unterdrückte Kichern von Seiten seiner Lehrmeisterin, als er sich nicht imstande sah, ihre Frage zu beantworten. Lachte sie ihn aus oder belustigte sie es nur, dass er so rot wurde? Auch sie blieb ihm hierauf eine Antwort schuldig, doch betrachtete sie ihn sich eine ganze Weile, in der Tahmo betreten und peinlich berührt zu Boden blickte.
Dann tauchten in seinem Sichtfeld jedoch zwei Schuhe auf. Es waren schöne Stiefel dunkelbraunen Leders, das an den Öffnungen umgeschlagen worden war. Es glänzte im Tageslicht. Die Trägerin polierte ihre Stiefel wohl häufiger und ging mit ihnen sehr achtsam um. Lua war diese Trägerin und sie stand jetzt ganz dicht bei Tahmo. Schon umarmte sie ihn.
"Das muss dir nicht peinlich sein. Heb dich nur für die Richtige auf." So schnell sie ihm diese aufmunternden Worte und die freundschaftliche Geste geschenkt hatte, so schnell löste sich Lua Chii auch schon wieder von ihrem Schüler. Genug der Fragen, die ihm die Schamesröte ins Gesicht trieben. Lua hatte ihre Antwort erhalten und ahnte langsam auch, was sich neben der magischen Ausbildung noch zwischen ihnen zu entwickeln drohte. Interessanterweise gab sie Tahmo nicht zu verstehen, dass sie bereits in einen anderen Mann verliebt war. Bestanden Chancen?

Es blieb keine Zeit, darüber nachzudenken. Der Unterricht in Luftmagie setzte sich fort und zwar in der Hinsicht, dass Tahmo etwas über magische Bindungen zu Stäben erfuhr, die ein jeder Magier sein eigen nannte - naja, Lua besaß keinen.
"Die Magie verstärkt sich nicht mit irgendeinem einfachen Gegenstand, von magischen Artefakten einmal abgesehen. Aber wenn du eine Verbindung mit deinem Stab eingehst. so wird es dir leichter fallen, deine Magie zu bündeln und zu lenken, solange du ihn beim Zaubern festhältst. Sieh ihn als Balancestange an, so wie die eines Akrobaten, der hoch über den Dächern der Stadt auf einem Seil tanzt."
Für einen Moment wurde Lua ruhig und ihr Blick richtete sich auf einen unsichtbaren Punkt in der Ferne. Sie stellte sie die Szene vor, mit Tahmo in der Hauptrolle. Der Blondschopf trug ein buntes Artistenkostüm, enge Stoffschuhe und versuchte, sein Gleichgewicht auf einem gespannten Drahtseil zu halten. Sein Stab schwankte leicht, weil die Federn beide Seiten unausgeglichen werden ließen. Aber der Wind hielt Tahmo sicher und verhinderte einen Sturz.
Lua lächelte, als sie aus ihrem Tagtraum zurückkehrte.
"Äh, was? Oh ja, ja natürlich. Jeder Magier kann auch ohne Stab zaubern. Ich habe auch keinen mehr, müsste mir mal einen neuen beschaffen. Aber ich habe noch nicht das richtige Holz gefunden. Es soll ein guter Stab werden, so wie der deine. Bis dahin muss ich eben ohne auskommen." Sie zwinkerte. "Sollte dein Magierstab einmal zerbrechen, wird die Kraft freigesetzt. Ob sich das in einem heftigen Zauber oder nur einem Verpuffen der Kräfte ausdrückt, ist bei jedem Magier anders und daher nicht vorhersehbar. Die Kraft wird sich aber bei Zeiten wieder in dir sammeln. Sie ist immer vorhanden und das meine ich auch mit der Seele. Du gibst einen Teil von dir in den Stab, denn die Magie macht dich aus wie es deine Seele tut. Wenn der Stab zerstört wird, kehrt diese Teil in dich zurück, um wieder voll und ganz dir zu gehören. Allerdings besitzt er dann auch noch die Erinnerungen an deinen Magierstab."
Lua kratzte sich an der Nasenspitze. Wie sollte sie das Tahmo begreiflich machen? "Hm, stell es dir folgendermaßen vor: Wenn ein Schreiner eine Figur aus dem Holz schnitzt, das er bearbeitet, steckt er auch einen Teil seiner Seele - sein Herzblut - dort hinein. Nach und nach arbeitet er Konturen und Details heraus, bis die Figur fertig ist. Zu diesem Zeitpunkt erkennt der Schreiner, dass er sie liebt, denn sie ist seine Schöpfung und etwas von ihm fließt darin wie pures Leben. Geht die Schnitzerei kaputt, so wird er dennoch genug Kraft besitzen, eine neue anzufertigen. Aber die Erinnerungen an dieses vergangene, zerstörte Meisterwerk bleiben in seiner Seele beständig."
Ja, so könnte man es ausdrücken. Lua war mit ihrer Erklärung zufrieden. Doch Tahmo zeigte sich nur umso neugieriger. Er wollte alles erfahren, durchlöcherte sie mit Fragen und hätte wohl am liebsten sofort ein solches Bindungsritual vollzogen. Das freute die Magierin, denn es bedeutete, dass er sich wirklich für die Luftmagie begeisterte.

Sie nickte beschwichtigend. "Wir brauchen nicht viel. Den Stab hast du ja bereits. Was fehlt, ist ein erholter Geist, der bereit ist, sich für die Magie-Art zu öffnen, die er anwenden will. Am besten wäre es noch, wenn wir genug Luft hätten. Wassermagier steigen in Teiche oder treten ins Meer, wenn sie das Bindungsritual vollziehen wollen. Feuermagier zünden Kerzen an und ich hörte, dass Assassinenmagier zuvor einen Mord begehen." Sie schüttelte sich. "Was wir brauchen, ist Luft. VIel Luft. Es sollte kein Sturm sein, sonst werden wir fortgeweht, aber etwas mehr Wind als hier zwischen den Gräsern könnte es schon sein. Ach, wenn wir nur fliegen könnten." Lua schaute sehnsüchtig in den Himmel hinauf, wo Wildgänse in V-Formation dahin zogen.
Dann erstrahlte sie. "In der Schlucht wird es genug starken Wind geben, um dir das Ritual zu erleichtern. Wir werden die Bindung dort durchführen, wenn du das willst."
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 24. Juni 2010, 20:11

Tahmo hatte sich neben das aufgeschlagene Buch im Schneidersitz in das hohe Gras gesetzt. Den Stab quer über seinen Schoß gelegt lauschte er nun Luas Worten wobei er hier und da kurz nickte. Sobald sich die nächste Möglichkeit ergab würde er sich etwas zum Schreiben suchen um ja nichts von dem zu vergessen was ihn Lua lehrte. Sie würden also einen windigen Ort brauchen, glücklicherweise schien Lua solch einen zu kennen und bereit zu sein mit Tahmo dorthin zu reisen. "Wir brauchen nicht viel. Den Stab hast du ja bereits. Was fehlt, ist ein erholter Geist, der bereit ist, sich für die Magie-Art zu öffnen, die er anwenden will. Am besten wäre es noch, wenn wir genug Luft hätten. Wassermagier steigen in Teiche oder treten ins Meer, wenn sie das Bindungsritual vollziehen wollen. Feuermagier zünden Kerzen an und ich hörte, dass Assassinenmagier zuvor einen Mord begehen. Was wir brauchen, ist Luft. VIel Luft. Es sollte kein Sturm sein, sonst werden wir fortgeweht, aber etwas mehr Wind als hier zwischen den Gräsern könnte es schon sein. Ach, wenn wir nur fliegen könnten. In der Schlucht wird es genug starken Wind geben, um dir das Ritual zu erleichtern. Wir werden die Bindung dort durchführen, wenn du das willst."

Tahmo lächelte und nickte abermals. "Natürlich will ich das, also... wenn es dir nichts ausmacht das wir dahin gehn halt. Meinen Stab hab ich ja schon un nen andren könnt ich mit nich vorstellen." mit seinen Fingern strich er über das warme Holz seines Stabes, sein Blick folgte kurz den Linien ehe sich seine blonden Augenbrauen ein wenig denkerrisch zusammenzogen. Erst jetzt fiel ihm auf das Lua keinen Stab besaß. Aber warum eigentlich? Hatte sie ihren einst verlohren? War er zerbrochen? Oder hatte er nie einen? Sollte er sie einmal fragen? Tahmo schüttelte leicht den Kopf, er würde sie sicherlich einmal fragen aber nicht jetzt. Der junge Magier rappelte sich auf, klopfte seine Kleidung ein wenig zurecht und griff nach dem wuchtigen Wälzer. Ein Blick gen Himmel veriet ihm das der Abend und die Nacht nicht mehr lange auf sich warten liesen. Die Sonne stand jetzt schon tief wie ein orangener Feuerball über dem vor Gräßer wiegenden Horizont. Bald würde die Dunkelheit hereinbrechen und die Sterne würden den Himmel erobern. Da war es besser wenn man sich vorher schon ein Lager für die Nacht bereitete und zwar ehe es zu spät war. Also würde er Lua ein Andermal nach ihrem Stab fragen.
"Wir... es wird bald Dunkel Ich.. mach uns maln Feuer, ja?" Verkündete der junge Blondschopf. Er guckte Lua kurz musternd in die Augen, sein Blick striff den Ihren wobei ihm abermals ein leichtes Kribbeln ergriff. Mit einem dezenten Räuspern schritt er dann jedoch an seiner Meisterin vorbei und auf den Birnenhain zu.

Die Bienen schienen sich schon zurück in ihre Nester verzogen zu haben, denn nirgends war mehr ihr emsiges Summen zu hören. Dafür hörte man die ersten Zikaden leise Zirpen, sowie die Vögel welche mit ihrem gezwitscher den Abend einläuteten. Tahmo suchte sich eine Ebene Stelle, gut umringt von den Bäumen wo das Gras nicht gar so hoch war. Behutsam um ja keine nachzöglerische Biene aufzuschrecken sammelte er ein paar Birnen ein und legte diese zur Seite um eine Freie Fläche zu bekommen. Dann trampelte er das Gras kreisförmig nieder. Immerhin wollte er nicht das ganze Grasland abfackeln wenn er gleich ein Feuerchen machte. Den Stab, Rucksack sowie sein Buch legte Tahmo zu Boden. Er ging kurz zu Faro, streichelte seinen Freund, kraulte ihn hinter den Ohren und kuschelte sich kurz an ihn ehe er das Pony näher in den Inneren Kreis der Bäume führte. Es war besser wenn man in der Nacht alles nah bei sich hatte, gerade wenn man im Freien schlief. Nun war die Sonne schon fast zur Hälfte versunken, weshalb er hastig ein paar alte Äste der Bäume einsammelte, sie auseinander brach und ein Lagerfeuer aufschichtete. Alles wirkte ganz so, als würde Tahmo nicht zum ersten mal in seinem Leben im freien Nächtigen. Mit dem Feuerstein, dem Schlageisen sowie dem Zunderschwamm aus seinem Rucksack hatte er auch schon kurze Momente später ein prasselndes Feuer entfacht. Den Umhang gegen die nächtliche Kälte umgelegt saß er nun an dem kleinen Lagerfeuer. Faro ging hinter Tahmos Rücken auf die Knie und legte sich in Pferdemanier hin, sodass sich sein Zweibeiniger Freund an die Warme Ponyseite lehnen konnte. Der Abend und die Nacht konnten wohl hereinbrechen, Tahmo und Faro waren bereit.

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Samstag 26. Juni 2010, 01:10

Lua lachte auf. "Wir wollten doch sowieso an den Rand der Schlucht, um uns zu orientieren. Es ist also kein Problem, wenn wir uns dort für das Ritual noch ein wenig länger aufhalten." Sie schaue gen Westen. Die Sonne ging bald unter und Tahmo tat gut daran, für ein Lagerfeuer sorgen zu wollen. Gemeinsam kehrten sie zu der Stelle zurück, wo noch immer die Ruhedecke ausgebreitet lag und wo Faro und Nachtwind an einen Baum gebunden waren.
Das Pony grüßte Tahmo mit einem freundlichen Schnauben. Es blies seine Mähne hoch und drückte sich gegen ihn, als er sich näherte. Dann wartete es geduldig, bis Tahmo genug Holz zusammen und eine passende Lagerstelle gefunden hatte. Lua Chii rollte unterdessen die Decke zusammen und holte Kochutensilien hervor. Viele besaß sie nicht, aber es würde reichen, eine Brühe anzurühren und kleine, getrocknete Fleischbrocken über dem Feuer anzuwärmen. Sonderlich knusprig würden diese nicht mehr werden, aber warm schmeckte eine Mahlzeit nun einmal besser.

Lua setzte sich ebenfalls an die wärmenden, prasselnden Flammen, sobald Tahmo sich gegen Faro lehnend niederließ. Nachtwind bot der Magierin keine gemütliche Lehne. Das Pferd stand lieber weiterhin unter dem Baum und ließ sich die herabgefallenen Birnen schmecken. Nur die Kehrseite hatte es dem Feuer zugewandt, um Wärme einzufangen.
Der Lichtkreis besaß keinen größeren Radius als knapp zwei Meter, aber es genügte, um den Schimmel in der hereinbrechenden Dunkelheit auszumachen.
Lua wickelte sich in eine frische Decke. "Du kannst auch eine haben, wenn du möchtest." Sie schmeckte die Brühe ab und nickte dann. "Ja, die ist jetzt heiß genug." Rasch reichte die Magierin Tahmo eine Holzschale und einen dazu passenden Löffel. Sie selbst beschaffte sich ebenfalls Geschirr, außerdem einen größeren Löffel zum Abschöpfen. Schon füllten sich die Schalen mit dampfender Brühe. Das Feuer knisterte.
"Wir bleiben nicht mehr lange auf, sondern sollten uns zeitig schlafen legen. Träume sind wichtig für eine geistige und magische Entwicklung. Das hat mir Meister Archimedes immer gesagt." Sie schmunzelte, als sie an den Alten denken musste. "Außerdem solltest du gut ausgeruht und ausgeschlafen sein, wenn wir morgen die Schlucht erreichen. Stell dir das Ritual nicht zu einfach vor ... Hm ... doch, es ist recht simpel. Aber trotzdem wirst du dich danach am liebsten gleich wieder ausruhen wollen." Geheimnisvoll schenkte sie Tahmo ein weiteres Zwinkern. Dann schlürfte Lua ihre Suppe, aß auch noch etwas vom Fleisch und legte sich alsbald hin.
"Gute Nacht, Tahmo. Träum schön ... vielleicht von mir." Lua kicherte. Ihr Haar schimmerte rotgolden im Schein des Feuers und ihre weichen Züge entspannten sich, als der Schlaf sie einholte.
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 27. Juni 2010, 01:44

"Gute Nacht, Tahmo. Träum schön ... vielleicht von mir." Mit diesen Worten legte sich Lua neben das prasselnde Feuer und schlief ein. Nun war Stille eingekehrt in den kleinem Obsthain auf der weiten Grasebene. Allein das prasselnde Feuer sowie die tiefen Atemzüge vom schlafenden Faro drangen noch an Tahmos Ohren. Dieser trank noch in Ruhe eine zweite Schüssel warmer Brühe aus dem Topf. Schade das sie kein Brot hatten, denn das Fleisch rührte Tahmo nicht an. Ihm behagte es nicht etwas zu essen das einst lebte. Vielleicht sollte er das Lua einmal sagen, irgendwann. Der junge Blondschof lehnte sich zu seinem Rucksack hinüber, Lua hatte wirklich viele Sachen besorgt und das obwohl Tahmo selbst nicht schlecht ausgerüstet war. Er knüpfte die zu einer Rolle gerollten, dicke Decke von seinem Rucksack ab um sie auseinander zu wickeln. Eigentlich brauchte er sie nicht, denn er hatte seinen dicken Umhang, sowie einen warmen Ponybauch. Sein Blick wanderte am Feuer vorbei hin zu Lua, welche im orangenen Schein der Flammen lag. Nachtwind lag im Gegensatz zu Faro nicht neben ihr, weshalb ihr sicherlich um einiges kühler war als Tahmo. So leise wie möglich stand er auf um auf Zehenspitzen hinüber zu der Magierin zu wandern und sie sorgsam mit seiner Decke zuzudecken. Tahmo nickte zufrieden, sie sah wirklich friedlich aus im Schlaf. Eine kurze Zeit lang blieb er neben ihr sitzen, ehe er sich wieder aufrappelte um noch das restliche Holz nachzulegen, es wäre doof wenn das Feuer über Nacht ausging. Als dann alles nach seiner Zufriedenheit brannte, ging er zurück zu Faro. Nun war es auch Zeit für ihn zu schlafen, vor allem wenn der Tag morgen wirklich so anstrengend werden würde wie von Lua prophezeit. Gespannt auf die Prüfung kuschelte sich Tahmo mit seiner Vorderseite an Faros warmes und weiches Fell. Trotz der Neugierde auf das Ritual war der Tag anstrengend genug gewesen, Tahmo zügig ins Reich der Träume zu befördern. Den Umhang dicht um sich gewickelt, das warme Feuer im Rücken und eine weiche Stelle des Rucksacks als Kopfkissen sowie seinen Stab in greifbarer Nähe schlief der junge Magier recht schnell ein.

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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Erzähler » Sonntag 27. Juni 2010, 18:25

Die Nacht verging ereignislos. Es musste ja auch nicht immer etwas passieren. Das Feuer prasselte langsam herunter und als die ersten hellen Stellen einen wolkenverhangenen Himmel durchdrangen, war von den wärmenden Flammen nur noch glimmende Glut übrig.
Faro hob den Kopf. Das Pony blinzelte, schnaubte eine Strähne fort. Das Wetter hatte sich verschlechtert, der Wind war heftiger geworden und in der Ferne fiel etwas Weißes zu Boden. Schnee? War es denn schon soweit oder irrte sich das Tier nur und es handelte sich um Regen? Was auch immer, wenn sie hier weiter herumlagen, würde die Schlechtwetterfront sie erreichen. So zupfte der kluge Faro an Tahmos Kleidung, um ihn zu wecken.
Lua musste schon von selbst erwachen, aber das gelang ihr recht gut. Sie hatte sich schließlich auch früh schlafen gelegt. Die Arme zu beiden Seiten ausstreckend, richtete sie sich auf. "Guten Morgen", brachte sie unter einem Gähnen hervor. Ihr Haar war vollkommen zerzaust und stand in alle Richtungen von ihrem Kopf aus ab. Sie zückte ihre Feldflasche, um sich ein paar Tropfen Wasser ins Gesicht zu spritzen und fuhr sich dann mit den Fingern durch ihre blonde Mähne, um sie wenigstens ein bisschen zu glätten. Da bemerkte sie die zweite Decke. "Hm? Hat die mir etwa Tahmo ...?" Sie schaute zu ihrem Schüler herüber und lächelte. Dann rollte sie seine und ihre eigene Decke ein. Letztere verstaute sie hinter Nachtwinds Sattel auf dem schönen Schimmel.
Mit Tahmos Decke unter dem Arm trat sie an den Jungen heran. "Aufwachen, Schlafmütze! Danke für die zusätzliche, nächtliche Wärme, aber jetzt wird es langsam Zeit. Die Schlucht wartet. Der Wind ist günstig und ich möchte mir mit einem morgendlichen Ritt die Müdigkeit aus den Augen treiben."
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Re: Durch gräserne Auen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 27. Juni 2010, 23:25

Tahmo murmelte leise als er von Faro angestupst wurde. Er hatte sich vollkommen unter seinen Umhang an die Seite seines Ponys verkrochen. Ihm war warm, aber um ihn herum war die Luft ziemlich kalt. Kälter als gestern. Was also ein guter Grund war den warmen Umhang nicht zurück zu schlagen und aufzustehen. Tahmo war ein ziemlicher morgenmuffel, gerade nach einer Nacht in freier Wildbahn wo man, je nach Schlafgelegenheit einmal mehr und einmal weniger seine Glieder spührte. Erst das freudige: "Aufwachen, Schlafmütze! Danke für die zusätzliche, nächtliche Wärme, aber jetzt wird es langsam Zeit. Die Schlucht wartet. Der Wind ist günstig und ich möchte mir mit einem morgendlichen Ritt die Müdigkeit aus den Augen treiben."
von Lua lies ihn letztendlich wirklich wach werden. Immerhin war Faro so freundlich gewesen solange neben Tahmo liegen zu bleiben bis sich dieser bequemte aufzustehen. Der Blondschopf rappelte sich gähnend hoch, um seine Lehrmeisterin mit verschlafenem Blick und zerzausten Haaren die einem explodierten Besen glichen müde zu begrüßen. "Gutn morgn Lua." murmelte er, gefolgt von einem ausgiebigen Gähnen und strecken. Nun bequemte sich auch Faro aufzustehen. Das Pony schüttelte sich schnaubend, die Luft war wirklich kälter geworden. Tahmo packte seine Sachen zusammen, nahm die Decke mit einem kurzen Lächeln zurück von Lua und legte sie Faro auf den Rücken. So hatte es das Pony wärmer und es war beim Reiten um einiges weicher. Abermals gähnend schwang sich Tahmo mit Stab und Kaputze auf Faros Rücken, streckte sich kurz, trank einen Schluck aus einem Wasserschlauch aus Zyranus und pflückte sich als Wegzehrung einige Birnen von einem nahegelegenen Baum, von welchen er auch Lua ein paar Anbot. Faro stärkte sich mit ein paar Büschel Gras wobei das Pony sicherlich genug Wegzehrung am Körper trug. "In Ordnung, dann ma weiter hm?"

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