Das Haus der jungen Jägerin

Dieses Dorf beweist, dass unterschiedliche Rassen auch friedlich miteinander leben und auskommen können. Menschen und Elfen haben sich zusammengetan und dieses Dorf geschaffen. Im Einklang und friedlicher Harmonie hilft man sich gegenseitig.
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Yasmina Peresen
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Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Samstag 18. April 2009, 20:33

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als ihre von Wolken gedämpften Strahlen durch das Fenster in ihr Zimmer schienen. Hier und da waren einige Wassertröpfchen an der Scheibe des Glases und leise murrend reckte und streckte die junge Jägerin sich, bevor sie sich erhob und an das Fenster trat, um es zu öffnen. Es war Windstill, diesig und nass und doch wäre Yasmina gerne hinaus gegangen, um ihren Tag im Wald zu verbringen. Noch einmal streckte sie sich, ehe sie ihr Nachtgewand auszog und zu einem Stuhl ging, über dessen Lehne ihre Kleidung gelegt war. Ruhig zog sie die Hose, dann ihr Oberteil an. Mit zwei, drei Handgriffen hatte sie sich dann auch ihre Armlinge angelegt. Der Gürtel mit dem Dolch ruhte auf dem Tisch, der neben dem Fenster stand. Sie nahm ihn und legte ihn sich um die Hüfte, zog ihn fest und ruckte ihn noch ein wenig zurecht. Erst dann ging sie zum Fußende ihres Bettes, wo sie ihre Stiefel am Vorabend abgestellt hatte. Mit den Stiefeln in der Hand ging sie wieder zu dem Stuhl, den sie weniger sanft und mit einem lauten Knarren zurückzog, um sich auf ihn zu setzen. Mit einem kräftigen Ruck zog sie sich erst den linken, dann den rechten Stiefel an, erhob sich und verließ ihr Zimmer. Ihre Mutter saß an ihrem Tisch, auf dem sie einen Berg an Stoffen gelegt hatte und fing gerade an, mit einem Stück Kohle ein Schnittmuster auf einen Fetzen weißen Stoff zu zeichnen. „Mutter, ich werde mich nun auf den Weg in den Wald machen…“, sprach Yasmina ruhig. Daraufhin nahm sie sich ihren Bogen, den sie an der Wand neben der Haustür gelehnt hatte und den Köcher mit ihren Pfeilen, der an einem Haken hing. Dann öffnete sie die Haustür, um das Haus zu verlassen.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. April 2009, 04:31

Die ältere Frau sah auf und ihr Blick fiel auf den Rücken ihrer Tochter.
Sie seufzte vernehmlich und widmete sich wieder ihrem Stück Stoff. Trotzdem konnte sie sich eine Bemerkung nicht verkneifen:"Du solltest lieber daheim bleiben. In dieser Jahreszeit weiß man nie, wann ein Gewitter kommt. Der Umschwung geht zu schnell."
Das hatten sie erst am gestrigen Nachmittag erlebt. Urplötzlich hatte sich der Himmel zugezogen und keine Stunde später war ein derartig heftiges Gewitter über den Wald und seine nähere Umgebung gezogen, dass einige Schäden entstanden waren. Ein paar der Dorfbewohner waren bereits auf den Beinen, um diese wieder auszubessern.
Außerdem war Boden noch immer sehr aufgeweicht und konnte so nur zu leicht zu einer ungewollten Rutschpartie führen. Vor allem, wenn man unter diesen Bedingungen auf die Jagd ging, wie ihre Tochter das vor hatte, konnte das gefährlich werden.
Es musste nur ein Tier zum Angriff übergehen, Yasmina ausgleiten und schon würde sie in Lebensgefahr schweben. Dieses Risiko musste man nicht eingehen, schon gar nicht, nachdem...
Die ältere Frau zwang sich zur Konzentration auf ihre Arbeit.
Sie konnte und wollte nicht an das Unglück denken, das über ihre Familie herein gebrochen war. Es schmerzte nach all der Zeit noch immer zu sehr.
Wenn Yasmina auch nur halbwegs vernünftig war, musste sie einsehen, dass die Bedenken nicht unbegründet waren.
Aber sie kannte ihr Kind und war sich beinahe sicher, dass es dennoch in den Wald gehen würde. Vorsichtig war sie, ja, jedoch sollte man das Schicksal nicht zu stark herausfordern.
Das musste früher oder später einfach ins Unglück führen!
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Sonntag 19. April 2009, 20:05

Mit einem leisen, aber vernehmbaren Murren wandte Yasmina sich ihrer Mutter zu. Den Bogen stellte sie wieder ab, dann stemmte sie die Hände in die Hüften und schenkte ihrer Mutter einen minder freundlichen Blick. „Mutter, meinst du nicht, dass ich alt genug bin?“, fragte Yasmina mit einem Hauch Ironie in der Stimme. Sie mochte es nicht, wenn ihre Mutter es wieder besser wissen musste… Gut, sie war um einiges an Jahren älter als Yasmina selbst, aber sie hatte nicht die Erfahrungen im Wald wie ihre Tochter. Sicher, das Wetter würde auf der einen Seite ein Hindernis darstellen, sollte sie ungünstig Auftreten und ins Rutschen geraten. Aber als Yasmina die Haustür geöffnet hatte, hatte sie keinen Wind gemerkt…Und wenn es Windstill war, konnten die Wildtiere nicht ihre Witterung aufnehmen. Also was sollte dieser Kommentar von der Mutter?
Einen Augenblick blickte Yasmina zu Boden. Sie wusste, warum sich ihre Mutter Sorgen machte, doch konnte sie doch deswegen nicht von ihrer Tochter erwarten, die Gelegenheit der Windstille nicht wahrzunehmen. Einige Minuten vergingen, bis Yasmina ihren Blick wieder auf ihre Mutter richtete und ruhig fragte: „Wäre es dir recht, wenn ich zuerst den anderen Dorfbewohnern bei den Ausbesserungsarbeiten Hilfe leiste und dann auf die Jagd gehe?“ Es war selten, dass Yasmina Kompromisse einging oder sogar vorschlug… Aber ab und zu musste sie ihrer Mutter ja ein wenig Beruhigung bieten, damit diese sich nicht den ganzen Tag den Kopf zerbrach, was Yasmina trieb. In den Wald gehen würde sie so oder so…da konnte auch ihre Mutter nichts gegen machen. „Ich werde auch vorsichtig sein.“, meinte sie dann noch einmal, in etwas freundlicherem Tonfall.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Sonntag 19. April 2009, 20:58

Die Angesprochene presste die Lippen fest aufeinander, dass sie einen dünnen, farblosen Strich bildeten, und zwang sich dazu, nicht aufzusehen. Vielleicht hätte der Schmerz sie dann doch übermannen können und das wollte sie vermeiden.
Je länger das Schweigen zwischen ihnen andauerte und je drückender es wurde, desto angespannter wurde ihre Mutter.
Ihre Finger begannen leicht zu zittern und eine Bewegung war einfach nicht mehr möglich.
Die Qual des Verlustes in seinem vollen Ausmaß stürmte gegen die innere Barriere der älteren Frau, die sie nur mühsam hatte aufbauen können.
Und dann reagierte ihre Tochter auf eine Art, worauf sie nicht zu hoffen gewagt hatte.
Ruckartig sah sie auf und in ihrem Blick lag so viel unausgesprochene Dankbarkeit allein für dieses eine, simple Entgegenkommen. Ihr Gesicht wurde weich und voller Wärme war ihr feines Lächeln, als sie langsam nickte.
"Ja, das wäre gut, mein Kind, die anderen können jede Hand brauchen." Aussprechen, was sie gerade empfand, konnte sie einfach nicht.
Seitdem sie... in diesem Zustand war, war es ihr nicht mehr möglich, über so etwas zu reden, schon gar nicht gegenüber ihrer einzigen Tochter.
Deswegen wandte sie sich wenige Sekunden später auch wieder ihrer eigenen Arbeit zu, da sie wusste, wie deutlich ihr Gesichtsausdruck gewesen war.
Mehr konnte sie einfach nicht tun. So sehr ihr Mutterherz auch für dieses Kind schlug, sie hatte nie einen wirklichen Zugang zu ihm gefunden. Zu verschieden waren ihrer beider Persönlichkeiten und zu stark die eigenen Ansichten.
So wr ihr Verhältnis zueinander niemals so herzlich, wie es sich die ältere Frau früher gewünscht hatte. Doch mit der Zeit hatte sie diesen Wunsch und die Hoffnung auf dessen Erfüllung, wann auch immer, allmählich aufgegeben, so sehr es sie auch geschmerzt hatte.
Aber aus ihrer Haut konnten weder Mutter noch Tochter.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Sonntag 19. April 2009, 23:28

Die wenigen Sekunden, in denen Yasminas Mutter sie angesehen hatte, hatten Yasmina gereicht. Sie wusste, was ihre Mutter für Schmerzen haben musste, seitdem ihr Vater bei einer Jagd überfallen und ermordet worden ist. Auch Yasmina hatte unter dem Tod gelitten, sie hatte ihren einzigen, wirklich Vertrauten verloren. Mit ihrer Mutter hatte Yasmina nie eine wirklich gute Verbindung aufbauen können. Woran das lag, wusste die junge Jägerin nur zu gut. Sie war einfach zu sehr auf ihren Vater fixiert gewesen und wurde zu sehr von der zur Schneiderarbeit getrieben. Dieses herum schneiden und nähen war einfach nichts für Yasmina, sie fühlte sich nur mit Pfeil und Bogen im Wald wirklich wohl. Trotzdem hatte es gut getan, die Mutter so warm lächeln zu sehen. Selten konnte Yasmina mit ihrer Mutter zärtliche Worte oder Gesten, sogar Blicke austauschen. Entweder war die Mutter zu sehr in Arbeiten vertieft oder Yasmina einfach nicht anwesend. Sie war auch lieber außer Haus, auf Jagd…raus aus den kargen vier Wänden, die einen zu erdrücken schienen. Irgendwann würde Yasmina ihre Mutter mitnehmen…doch noch konnte sie sich nicht überwinden, ihrer Mutter diesen Vorschlag zu machen, war sie doch eh lieber am Schneidern. Die junge Jägerin holte kurz tief Luft, wandte sich dann wieder der Tür zu und öffnete sie, verharrte aber dann, um sich noch einmal zu ihrer Mutter umzuwenden. „Ich versuche, gegen Abend wieder im Haus zu sein. Sollte ich in den Wald gehen, lasse ich dir eine Nachricht zukommen.“, erklärte sie ruhig, aber deutlich, sodass ihre Mutter aus erkennen dürfte, dass Yasmina auf jeden Fall nochmal in den Wald gehen würde.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Montag 20. April 2009, 01:34

Das deutliche Einatmen ihrer Tochter machte der älteren Frau klar, dass sie gleich gehen würde. Die Worte trafen sie nun nicht mehr so stark wie noch vorhin, auch ihre Sorge hatte sich ein wenig gemildert.
Trotzdem sah sie Yasmina noch einmal an und nickte.
"Ich koche heute Abend und werde vielleicht etwas backen.", erwiderte sie, um auf ihre Art zu betonen, dass sie die Anwesenheit ihres Kindes als wünschenswert empfand.
Wenn sie wusste, dass sie alleine daheim sein würde, egal, zu welcher Uhrzeit, genoss sie meistens eher kalte Speisen oder war wo anders eingeladen. Kochen, geschweige denn backen tat sie seit dem schrecklichen Ereignis nur noch dann, wenn ihre Tochter wirklich zu Hause sein würde. Ansonsten zahlte es sich einfach nicht aus.
Somit war zwischen den Beiden alles gesagt und die ältere Frau konnte sich nun wieder voll auf ihre Arbeit konzentrieren, was sie auch tat.
Erst, nachdem Yasmina längst die Tür hinter sich geschlossen hatte, seufzte sie und legte das Stück Stoff beiseite, um einige Sekunden lang die Augen zu schließen.
Sie brauchte diesen kurzen Moment, um wieder völlig zu sich finden zu können, ehe sie den Tag weiter anging.

Draußen schien die Sonne inzwischen angenehm warm und kaum ein zartes, weißes Wölkchen zeigte sich noch am Himmel. Das Gewitter war endgültig weiter gezogen in der Nacht.
Die meisten der Männer hatten zu tun, viele befanden sich auf den Dächern ihrer Häuser und reparierten die Schäden. Manchmal kam auch eine der Frauen zur Hilfe, doch beschäftigten diese sich eher mit dem Haushalt oder dem Nachwuchs.
Ein weiteres Paar Hände konnte man da durchaus gebrauchen, denn man wollte rasch fertig sein, um zu den gewohnten Alltagsbeschäftigungen übergehen zu können.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Montag 20. April 2009, 21:31

[weiter in --> Im Walddorf]

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Dienstag 12. Mai 2009, 17:08

Yasmina und Nara kommen von: Im Walddorf


Die Frau war unruhig geworden. Ihre Tochter hatte sich nicht, wie eigentlich ausgemacht, bei ihr gemeldet.
Entsprechend war sie verletzt, als sie durch Zufall davon erfahren hatte, dass Yasmina trotzdem in den Wald gegangen war.
Dennoch hatte sie eine Tätigkeit aufgenommen, von der sie am Morgen gesprochen hatte. Sie hatte zu dem Geflügel, das sie am vorigen Tag erworben hatte, noch ein wenig Gemüse dazu geschnitten und einen kleinen Salat gemacht. Das wäre ausgewogen und auch recht gesund.
Aber vor allem war ihr das Gericht gut gelungen, sie hatte nicht zuviel Gewürz erwischt. Dementsprechend herrlich duftete es in der gesamten Küche und teilweise auch noch im angrenzenden Wohnraum, indem sie auch essen würden. Hinzu kam auch noch der Geruch des auskühlenden Kuchens, den sie gemacht hatte und dessen Anblick allein einem schon das Wasser im Mund zusammen laufen ließ. Obwohl er recht klein war und wohl nur für sechs Portionen reichte.
Allerdings würden sie das bis zum nächsten Tag schaffen. Sofern ihre Tochter überhaupt auftauchte...
Die Frau war inzwischen fertig und sorgte nur noch dafür, dass das Essen warm blieb.
Immer wieder ging ihr Blick zum Fenster, jedoch konnte sie ihr Kind nicht entdecken.
Sie seufzte und wollte sich schon damit abfinden, dass sie diesen Abend wieder alleine verbringen musste, als sie die Tür hörte.
Leicht zuckte sie zusammen und eilte dann in den Wohnraum. "Yasmina? Bist du das?"
Und als sie die Angesprochene erkannte, verdüsterte sich ihr Gesicht sofort und sie stemmte die Hände in die Hüfte. "Was sollte das, Kind?! Wir hatten ausgemacht, du meldest dich, bevor du das Dorf verlässt! Ich habe mir Sorgen gemacht und bin zutiefst enttäuscht von dir!", zeterte sie und wandte sich bereits wieder der Küche zu. Nara hatte sie noch nicht entdeckt. "Wenigstens bist du jetzt hier und das Essen wird mir nicht schlecht!", fügte sie noch hinzu und machte sich keine Mühe, aus ihrer Stimme die Enttäuschung zu verbannen.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Mittwoch 13. Mai 2009, 21:20

Yasmina hatte Naras Frage mit einem leichten Winken beantwortet. Sie war einfach zu müde, sich jetzt noch mit irgendwelchen Männern zu unterhalten. Die Begegnung mit ihrer Mutter stand ihr noch bevor, dass würde noch genug Aufregung bedeuten…

Und tatsächlich. Yasmina hatte die Tür gerade erst hinter Nara geschlossen, da war ihre Mutter schon in den Wohnraum getreten und hatte sich aufgespielt, wie sie es immer tun musste… Dabei war sie wirklich alt genug, um auf sich selbst zu achten. Sie rollte kurz mit den Augen und schüttelte leicht den Kopf. Ihr Blick wanderte zu Nara. „Sie ist immer so…“, erklärte sie ruhig, „Soll ich deine Sachen eben in mein Zimmer bringen? Du kannst dich ja dann schonmal setzen.“ Sie lächelte knapp und erschöpft. Doch bevor sie Naras Antwort abwarten konnte, hatte ihre Mutter sich wieder zu Wort gemeldet. „Mutter!“, Yasmina sprach ein wenig lauter und nicht wenig gereizt, „Zum Einen hatte die Jagd eine hohe Priorität und ich keine Zeit, dir eine Nachricht überbringen zu lassen und zum Zweiten haben wir besuch!“ Sie seufzte und rieb sich erneut die Stirn. „Es tut mir leid Nara, meine Mutter ist ein wenig…launisch manchmal…“

Yasmina nahm ruhig den Köcher von ihrem Rücken und stellte ihn sachte an ein Tischbein, ehe sie sich selbst auf einen Stuhl fallen ließ. Ihr Kopf schmerzte und die Müdigkeit durchzog ihren Körper. Ob Yasmina überhaupt noch mitessen konnte, dass wusste sie selbst nicht. Zumindest in diesem Moment nicht. Ihre Mutter konnte zwar sehr gut kochen und die junge Jägerin hatte daran nichts zu meckern… doch wollte sie am heutigen Abend keine weiteren Diskussionen mit ihrer Mutter führen und vor Nara weiter bloß gestellt werden. Ein wenig peinlich war ihr das Verhalten ihrer Mutter ja schon…

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Nara Brea » Mittwoch 13. Mai 2009, 21:45

Nara war Yasmina stillschweigend bis zu ihrem Haus gefolgt. Die Last ihres Gepäcks wog schwer und bleierne Müdigkeit durchzog ihren Körper. Trotzdem konnte sie das nicht davon abhalten weiterhin jeden Elf, der ihnen über den Weg lief, genau zu beobachten. Nara war einfach neugierig und die Schönheit dieser Wesen hatte sie in ihren Bann gezogen.

Doch schon bald erreichten sie das Haus der Jägerin. Gemeinsam traten sie ein, Nara blieb ein wenig hinter Yasmina stehen, um erst einmal abzuwarten. Doch beinahe sofort nachdem sie das Haus betreten hatten, sah sie schon Yasminas Mutter. Dass es ihre Mutter war, daran bestand kein Zweifel, kaum jemand sonst konnte sich solch furchtbare Sorgen machen und dies mit so vorwurfsvoller Stimme kundtun. Sie schien die Pferdezüchterin nicht zu bemerken, aber Nara machte vorerst auch keine Anstalten dies zu ändern. Sie erfuhr oft genug am eigenen Leib, wie nervig die Besorgnis einer Mutter sein konnte, auch wenn ihre eigene Mutter ihre Sorgen eher auf eine ruhige, aber durchaus drängende Weise zeigte.

Bei Yasminas Entschuldigung winkte Nara ab.
„So sind Mütter eben. Meine macht sich auch immer so furchtbare Sorgen.“
Und auf die Frage, ob Yasmina ihre Sachen auf ihr Zimmer bringen sollte, schüttelte sie den Kopf.
„Das mache ich nachher selber. Aber jetzt möchte ich einmal einfach kurz sitzen.“
Zum wiederholten Male an diesem Tag legte sie all ihr Gepäck ab und stelle es in eine Ecke, mit ihrem Bogen verfuhr sie dabei besonders behutsam, den Dolch hingegen legte sie eher achtlos dazu, er hatte ihr heute kaum geholfen. Dann ließ sie sich mit einem tiefen Seufzen auf einen der Stühle fallen und streckte ihre Füße aus.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 14. Mai 2009, 18:50

Die ältere Frau hatte die Küche bereits betreten, als das Wort "Besuch" ihr Ohr erreichte.
Sofort erstarrte sie, nur um keine zwei Sekunden später herum zu wirbeln und große Augen zu machen. "Oh! Nein, wie reizend!"
Mit einem strahlenden Lächeln, als hätte es das Gezeter von gerade eben niemals gegeben, ging sie auf Nara zu und schüttelte ihr grüßend die Hand. "Das freut mich aber sehr, dass meine Tochter eine Freundin mit gebracht hat. Wie lange habe ich denn das Vergnügen?"
Doch sie ließ ihr Gegenüber gar nicht erst zu Wort kommen, sondern wandte sich bereits wieder Yasmina zu. "Wieso hast du mir denn nichts gesagt, Kind? Dann hätte ich selbstverständlich etwas anderes gekocht!"
Schon waren ihre Augen wieder auf Nara gerichtet, das Lächeln zurück auf ihre Lippen gekehrt, obwohl es nun einen entschuldigenden Zug angenommen hatte. "Ihr müsst verzeihen, wir haben nicht oft Besuch. Ich hoffe, Euch schmeckt es trotzdem. Ihr bleibt doch zum Abendessen?"
Und erneut galt die Aufmerksamkeit der älteren Frau ihrem Kind. "Ja, wieso sitzt du denn noch hier? Du könntest derweil ruhig schon den Tisch decken!"
Ein leises, freundliches Lachen entrang sich ihrer Kehle, als sie ein weiteres Mal den Gast ansah.
Man konnte ihr deutlich anmerken, dass sie sich über den Besuch sehr freute, obwohl sie damit sichtlich leicht überfordert war, oder besser gesagt, mit der Überraschung darüber. Sie hatte nichts vorbereiten können und versuchte so, es durch viele, muntere Worte wett zu machen, um nichts Peinliches entstehen zu lassen. Dabei übersah sie, keineswegs mit Absicht, dass beide jungen Frauen eigentlich müde und erschöpft waren.
"Ihr habt bestimmt Durst! Was kann ich Euch denn anbieten? Neben Wasser müsste ich noch einen oder zwei Fruchtsäfte daheim haben. Die werden Euch auf alle Fälle schmecken!"
Und schon war sie auf dem Weg zur Küche, als wäre es selbstverständlich, dass Nara ihr Angebot nicht ablehnen würde. Auch wollte sie nach dem Essen sehen, ob es noch warm genug war, um einen guten Eindruck bei dem Gast zu hinterlassen.
So geschäftig war sie schon lange nicht mehr gewesen und man konnte an dem Funkeln in ihren Augen erkennen, dass sie dabei aufblühte. Nur zu gerne hätte sie öfters Gäste bewirtet, aber seit dem Tod ihres Gatten...
Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie das Essen so servieren kann, sobald Yasmina den Tisch gedeckt hatte, trat sie mit zwei Flaschen in den Händen in den Wohnraum.
Lächelnd zeigte sie diese Nara und meinte:"Also, ich kann Euch Holunder- oder Kräutersaft anbieten. Was möchtet Ihr? Soll ich es mit Wasser verdünnen?"
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Donnerstag 14. Mai 2009, 23:28

Ein leichtes Nicken ging von Yasmina aus, als Nara ihre Frage beantwortet hatte und sie streckte die Beine aus. Es tat gut, einfach nur da zu sitzen und sich zu entspannen. Zwar war Yasmina es gewohnt, weite Strecke zu Fuß zurückzulegen, zu jagen und auch schonmal mehrere Tage im Wald zu bleiben, doch hatte sie bisher keine größeren Zwischenfälle gehabt.

An diesem Tag aber war Nara zu Yasmina gestoßen und es freute sie doch, jemanden gefunden zu haben, mit dem sie sich versteht. Und dann auch noch der Fall mit Angarin. Sie rieb sich kurz die Wange. Sie tat nicht mehr ganz so weh, doch ärgerte es Yasmina immer noch, dass dieser Kerl ihr so quer kommen musste.

Yasmina war gerade dabei, die Augen zu schließen und für einen Moment vor sich hin zu dösen, als ihre Mutter zurück kam und Yasmina direkt wieder eine Frage an den Kopf warf. Mit einem Ruck saß sie gerade im Stuhl und sie deutete auf ihre Mutter. „Weil du mich nicht hast zu Wort…“, begann sie, doch da hatte sich ihre Mutter schon wieder Nara zugewandt und sie mit ihrer Gastfreundlichkeit bombardiert. Kurz schüttelte sie den Kopf, ehe sie erneut von ihrer Mutter angesprochen wurde. „Ist ja in Ordnung!“, gab Yasmina ein wenig patzig zurück, ehe sie sich erhob und zu einem Regal stiefelte. Sie nahm einige Teller heraus und zog eine Schublade auf, aus der sie Besteck holte. Das Geschirr war gewiss nicht das Schönste, doch zum Speisen war es gut genug.

Ruhig deckte Yasmina den Tisch, während ihre Mutter Nara etwas zu trinken anbot und sich dann davon machte. Die Augen der Jägerin machten eine kreisende Bewegung und sie schüttelte den Kopf etwas. Nachdem sie den Tisch gedeckt hatte, nahm sie ihren Köcher und ihren Bogen und sie brachte die Sachen rasch in ihr Zimmer, bevor ihre Mutter auch noch wegen diesen Kleinigkeiten anfing sich zu beschweren.

Sachte öffnete Yasmina die Tür zu ihrem Zimmer und sie legte die Sachen beiläufig am Bettende ab. Zielstrebig ging sie auf die Fenster zu, die sie öffnete. Es sollte wenigstens ein wenig frische Luft in das Zimmer kommen, ehe Nara und sie hier nächtigen würden. Sie holte tief Luft, seufzte beim ausatmen und wandte sich dann wieder um, um das Zimmer zu verlassen. Nara sollte ja nicht all zu lange mit ihrer Mutter alleine bleiben. Dieses übertrieben freundliche Verhalten der Mutter ging Yasmina irgendwie auf die Nerven… auf der anderen Seite freute sie sich unheimlich darüber, dass sie ihrer Mutter eine Freude bereiten konnte. Schon seit langem war sie nicht mehr so fröhlich gewesen. Vielleicht konnte Yasmina sich nicht richtig über die Freude der Mutter freuen, weil sie sie lange nicht mehr so gesehen hatte und es irgendwie ein ungewohntes Bild für sie geworden war. War es an der Zeit, sich mit der Mutter auszusprechen? Vielleicht würde sich dann einiges verbessern.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Nara Brea » Samstag 16. Mai 2009, 11:30

Als Yasminas Mutter aus der Küche zurück gerauscht kam, hob Nara neugierig den Blick. Hatte sie vorhin noch das Gefühl gehabt eher unerwünscht zu sein, so fühlte sie sich jetzt sehr freundlich empfangen. Yasminas Mutter fragte sie, wer sie denn sei. Nara setzte an sich vorzustellen, aber die Mutter hatte sich schon wieder Yasmina zugewendet und fuhr sie an, wieso sie denn nichts gesagt hätte. Ruhig lehnte sich Nara zurück. Ja, solch einen Stress hatte sie jetzt erst einmal nicht mehr am Hals. Aber an Yasminas Stelle hätte sie diese kleine Ungerechtigkeit schon wieder wütend gemacht.

Doch ehe Nara lange darüber nachdenken konnte, wurde sie schon gefragt, ob sie zum Abendessen bliebe.
„Ja sehr gerne. Wie das Abendessen ist, ist mir egal, Hauptsache ein Abendessen“, antwortete sie und lächelte ihr ehrliches Lächeln.
Yasmina wurde nun aufgefordert den Tisch zu decken. Fast bewundernd musterte Nara sie dabei, wie sie dies zwar etwas mürrisch, aber dennoch ruhig tat. Nara hätte die Teller sicher auf den Tisch geknallt, ohne Rücksicht auf Verluste.

Doch schon wieder wurde sie von Yasminas Mutter aus ihren Gedanken gerissen. Jetzt wurde sie gefragt, was sie zu trinken wollte.
„Ich nehme einen Kräutersaft, mit Wasser verdünnt. Den macht meine Mutter auch sehr oft, mit Kräutern aus ihrem kleinen Garten. Mein Name ist übrigens Nara Brea“, fügte sie noch hinzu.
Dann verschwand Yasminas Mutter wieder in der Küche und Yasmina brachte ihre Sachen auf ihr Zimmer.

Jetzt saß Nara erst einmal allein am Tisch und dachte ein wenig über die Szene von gerade eben nach.
Irgendwie schien Nara das Verhältnis zwischen Yasmina und ihrer Mutter etwas eingefroren, nicht herzlich genug. Aber es kam von beiden Seiten aus, sie schienen aneinander vorbei zu reden. Doch dass Yasminas Mutter ihre Tochter liebte, daran bestand kein Zweifel, sonst hätte sie sich nicht solche Sorgen gemacht.
Nara senkte den Blick und betrachtete das Geschirr. Es war nicht das Teuerste, aber absolut in Ordnung. Ein wenig, wie das Geschirr dass Naras Mutter benutzte, wenn es keinen besonderen Anlass gab. Doch Yasmina hatte nur für drei Personen gedeckt, fiel Nara jetzt auf. Also hatte sie tatsächlich keinen Vater mehr.
Jetzt begann Nara zu verstehen. Hätte sie nur allein mit ihrer Mutter gelebt, ohne den seelischen Ausgleich ihres Vaters, wäre ihr Verhältnis wohl auch etwas schlechter geworden. Aber ebenso, wenn sie allein mit ihrem Vater gelebt hätte. Nara brauchte beide Pole zum Ausgleich.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Montag 18. Mai 2009, 12:52

Kaum hatte sie ihre Antwort erhalten, rauschte sie in die Küche zurück und bereitete das Getränk vor. Den Kräutersaft verdünnte sie, während sie für Yasmina einen Becher mit Holundersaft füllte, ganz so, wie es ihre Tochter gewöhnlich trank. Für sich selbst nahm sie ebenfalls einige Tropfen von dem Kräutersaft in ihr Wasser. So war der Geschmack nicht zu stark, jedoch vorhanden.
Danach brachte sie die Becher für die beiden Mädchen hinein und positionierte sie dort auf dem Tisch, wo Nara saß und Yasmina nachher Platz nehmen würde.
Sie schenkte dem Gast ein warmes, herzliches Lächeln, das sie mit einem Mal viel jünger und verletzlicher wirken ließ.
Dann war der Moment auch schon wieder vorbei und sie begann damit, das Essen aufzutragen. Die Töpfe stellte sie auf geflochtene Untersetzer, damit das Holz des Tisches unter der Hitze nicht leiden konnte.
Als schließlich alles dort stand, wo es hingehört, setzte sie sich rechts von Nara an den Tisch.
"Bitte, bitte, bedient Euch." Damit streckte sie sich noch einmal und hob alle Deckel herab. "Nehmt Euch, so viel Ihr wollt. Ihr seht ja, es ist einiges da." Ihre Worte waren voller Freundlichkeit.
Umso stärker war der Kontrast, als sie sich zurück auf den Stuhl fallen ließ und rief:"Yasmina, Essen!" Schlagartig war die Wärme aus der Stimme verschwunden und hatte einer gewissen Befehlsgewalt Platz gemacht, so wie es vielen Müttern zu eigen ist, deren Kinder auch mal nicht deren Willen erfüllten.
Nur um die ältere Frau gleich darauf wieder Nara ermutigend anlächeln zu lassen.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Dienstag 19. Mai 2009, 18:59

„Ja, ich komme ja schon!“, rief Yasmina ein wenig genervt aus ihrem Zimmer zurück. Ihre schlechte Laune würde sich wohl auch nach einer Aussprache nicht mehr bessern und so entschied Yasmina sich dafür, nicht weiter darüber nachzudenken. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter würde sich vielleicht dann bessern, wenn Yasmina in ihren eigenen vier Wänden wohnte… Ein Haus, hoch in den Bäumen… das war ihr Traum. Aber das würde auch eine Zeit lang noch ein Traum bleiben.

Etwas band sie an dieses Haus… und an ihre Mutter. Es fiel ihr schwer, dieses Gefühl wirklich ernst zu nehmen. So oft wie sich stritten. Yasmina seufzte kurz. Es machte keinen Sinn, weiter darüber nachzudenken. Außerdem würde ihre Mutter sie sicher bald rufen und dann noch unfreundlicher.

Also kam Yasmina aus dem Zimmer, die Tür wurde leise geschlossen und sie setzte sich ruhig auf ihren Platz. Direkt nahm sie ihren Becher in die Hand, um einen Schluck daraus zu trinken. Ein wenig kleinlaut bedankte sie sich dafür, dass ihre Mutter ihr schon etwas zu trinken geholt hatte. Eine etwas ungewohnte Art von der jungen Jägerin, hatte sie es doch sonst als eine Selbstverständlichkeit angesehen.

Nachdem sie ihren Becher abgestellt hatte, fing sie an ihren Teller mit Gemüse, Geflügel und Salat zu befüllen. Anschließend wartete sie, bis auch ihre Mutter und Nara etwas auf ihre Teller gepackt hatten und griff nach dem Besteck, um zu beginnen. Zuvor wünschte sie aber noch ganz freundlich einen guten Appetit.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Nara Brea » Dienstag 19. Mai 2009, 19:35

Als das Essen aufgetragen wurde, fing Naras Magen unangenehm zu knurren an. Sie hatte den Tag über kaum etwas gegessen, etwas Brot mit gesalzenem Fleisch zu Mittag, aber ansonsten hatten sie die neuen Eindrücke viel zu sehr abgelenkt, um großartig ans Essen denken zu können.
Das wurde ihr nun heimgezahlt. Lautstark meldete sich ihr Bauch zu Wort und sie spürte, wie es in ihr drängte rasch etwas von dem Essen zu bekommen. Als dann noch der köstliche Geruch ihre Nase erreichte, gab es für Nara kein Halten mehr; sie setzte sich kerzengerade hin und nahm reflexartig die Gabel in die Hand.
Yasminas Mutter musste sie nicht zweimal auffordern sich etwas zu nehmen. Sogleich lud sie sich den Teller voll mit Salat, Gemüse und Geflügel. Dass das Essen vielleicht gar nicht für sie alle ausreichte, daran dachte sie nicht, weniger weil sie es böse meinte, sondern eher weil sie einfach hungrig war und mit Sitten und Höflichkeiten noch nicht oft konfrontiert worden war.

So war sie gerade fertig mit dem Beladen ihres Tellers, als Yasmina herein kam. Sie lud sich jetzt ebenfalls den Teller voll und wünschte allen einen guten Appetit.
„Danke“, murmelte Nara mit vollem Mund.
Das Essen schmeckte einfach herrlich. Gut es hätte auch Mehlsuppe geben können und Nara hätte sich darüber hergemacht, aber das hier mundete ihr wirklich.
Als sie ein Stückchen des Geflügels auf ihre Gabel schob, hielt sie inne.
Mitten im Wald Geflügel und kein Wild? Ob sie hier Hühner hatten? Oder andere Nutztiere? Vielleicht sogar Pferde?
Sie schob sich ihren Bissen in den Mund zerkaute ihn und schluckte und spülte ihn mit einem Schluck Kräutersaft hinunter. Auch der Kräutersaft war nich schlecht, auch wenn die Kräuter hier anders waren, irgendwie vertraut schmeckte er dennoch.
Zwischen dem nächsten Bissen fragte sie in die Runde:
„Habt ihr hier auch Bauern? Oder woher stammt das Geflügel? Reiten man hier auch oder hat Pferde?“
Nara interessierte sich noch immer für das Leben im Wald.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 20. Mai 2009, 14:15

Nachdem endlich alle am Tisch versammelt saßen, konnte die ältere Frau ein leises Wort von ihrer Tochter hören.
Es dauerte einige Sekunden, bis sie begriff, was es bedeutet hatte. Ein Lächeln kräuselte ihre Lippen und ihre Augen glänzten für einen Moment feucht, als sie Yasmina kurz ansah.
Dieses eine Wort bekam sie derart selten von ihr zu hören, dass ihr dabei umso stärker das Herz aufging.
Sie wartete darauf, dass sich auch ihr Gast ausreichend zu essen genommen hatte, ehe sie selbst ihren Teller befüllte. Es war bei weitem nicht so viel, wie ihre Tochter und deren Freundin sich genommen hatten, allerdings hatte sie nicht derart körperliche Arbeit geleistet, wie sie es den Beiden im Wald durchaus zutraute. Somit störte es sie auch nicht, wenn für sie weniger zurück blieb. Sie war es gewohnt, sich mit kleineren Portionen zufrieden zu geben.
Viel mehr freute es sie, dass es allen beiden zu schmecken schien, und es machte sie sogar ein wenig stolz. Ihre Kochkünste schien sie nicht völlig verlernt zu haben, selbst wenn sie diese selten einsetzen konnte.
So gern sie der Freundin ihrer Tochter einige Fragen gestellt hatte, begriff sie doch bei deren Anblick, dass sie erst einmal ihren Hunger stillen musste, ehe sie dazu bereit sein konnte, Antworten zu geben. Umso überraschter war sie, als schließlich von Nara selbst eine Frage kam.
Die ältere Frau hatte gerade herunter geschluckt, sodass sie mit dem nächsten Bissen wartete und ihr Gegenüber freundlich lächelnd ansah.
Dann jedoch musste sie langsam den Kopf schütteln, obwohl sie sich irgendwie sicher war, eine positive Erwiderung hätte der anderen besser gefallen.
Trotzdem blieb sie selbstverständlich bei der Wahrheit, als sie erklärte:"Es gibt Händler, die uns regelmäßig besuchen. Den Rest unseres Bedarfs können wir selbst befriedigen. Das Geflügel stammt zum Beispiel ursprünglich aus Jorsan, aber gekauft wurde es von einem Händler in Shyána, der es uns gebracht hat. Aber keine Sorge, es ist wirklich frisch." Dieser Satz war ihr wichtig zu versichern, nicht, dass ihr Gast noch etwas Falsches, Schlechtes in den Sinn kam.
Denn natürlich hätte sie niemals etwas gekocht, was nicht mehr vollständig genießbar und gesund wäre.
Als das für sie also geklärt war, ging sie zu den anderen beiden Frage über. "Nein, wir haben keine Bauern, dazu gibt es keine geeignete Anbaufläche hier. Die meisten Männer sind Jäger und die Frauen sind gute Handarbeiterinnen." Wobei sie sich einen Seitenblick auf ihre Tochter tatsächlich verkneifen konnte, wofür höchstwahrscheinlich unbewusst noch immer dieses "Danke" verantwortlich war. "Und nein, wir besitzen auch keine Pferde, das wäre im Wald auch eher hinderlich." Das war keine Zurechtweisung, sondern eine Erklärung, bevor Nara erneut nachhaken musste. "Wenn wir eines oder mehrere dieser Tiere benötigen, leihen wir sie uns an entsprechenden Gestüten aus." Sie selbst hatte das noch nie getan, wusste aber dennoch darüber Bescheid.
Doch nun war es an ihr, endlich eine Frage stellen zu können. Scheinbar war Nara bereits gesättigt genug, um sich auch auf anderes konzentrieren zu können.
Also äußerte sie:"Und woher stammt Ihr, wenn ich das fragen darf? Wie kommt es, dass Ihr hier im Wald Sarius seid? Und woher kennt Ihr meine Tochter? Obwohl ich mich selbstverständlich auch darüber freue, das steht fest!"
Die ältere Frau wollte alles, nur ihrem Gast gegenüber keinen schlechten Eindruck machen. Dadurch erklärte sie lieber viel mehr als zu wenig.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Dienstag 26. Mai 2009, 22:30

Yasmina ließ sich von den gestellten Fragen Naras kein bisschen vom Essen abhalten. Hatte sie hunger und etwas zu essen vor sich, war es hoffnungslos, sie anzusprechen. Trotzdem hielt sie sich an die Manieren, die ihre Mutter ihr von klein auf ans Herz gelegt hatte. Immer die Hände oberhalb der Tischkante lassen, nicht schmatzen oder schlürfen und darauf achtend, sich nicht voll zukleckern. Ein Manko, dass Yasmina bis heute noch nicht abgelegt hatte. Man sah immer genau, wo sie saß… entweder wegen übergeschwappter Suppe oder Soße, wegen kleinen Kartoffelstücken… es war egal, was es zu essen gab, irgendwas flog immer über den Rand ihres Tellers.

So musste sich ein bisschen von dem Gemüse von ihrem Teller verabschieden. Dass sie wieder etwas vom Teller hat kullern lassen würde Yasmina erst nach dem Abdecken des Tisches bemerken. Hoffentlich reagierte die Mutter nicht so wie sonst, mit einem Schnalzen der Zunge, einem Kopfschütteln und den Händen in die Hüften gestemmt.

Aber in diesem Moment war es Yasmina relativ egal, was gleich sein würde, für sie zählte nun erstmal das Essen!


Nachdem ihr Teller zur Hälfte leer war, legte sie kurz das Besteck an den Tellerrand und ihre Hand umschloss sachte den Becher, den sie zugleich anhob. Sie wollte gerade an ihrem Getränk nippen, als ihre Mutter Nara mit ihren neugierigen Fragen nervte. Dass Nara zuvor ebenfalls einige Fragen gestellt hatte, schien Yasmina zu ignorieren. Oder es machte ihr einfach nicht so viel aus…

„Mutter“, fing Yasmina leicht entnervt an, „nun konfrontiere Nara doch nicht direkt wieder mit deinen neugierigen Fragen! Ich kann sie dir auch beantworten…“. Aus irgendeinem Grund war Yasmina beleidigt. Sie wusste selbst nicht, warum, aber sie würde gerne selbst von ihrer Mutter gefragt werden, wie sie und Nara sich begegnet sind und was im Wald geschehen war. Ihren Frust ließ Yasmina sich deutlich anmerken, in dem sie das Besteck auf den Teller legte, den Becher zur Seite stellte und sich mit verschränkten Armen zurück lehnte. Eine kindische und übertriebene Geste, dass wusste sie selbst, aber auf der anderen Seite wäre sie ausnahmsweise erfreut gewesen, Fragen der Mutter beantworten zu können. Auch wenn es nur dazu diente, für Nara den schiefen Haussegen wieder gerade zu rücken.

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Nara Brea
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Nara Brea » Mittwoch 27. Mai 2009, 00:19

Nara lauschte den Erklärungen von Yasminas Mutter aufmerksam. Dass es hier keine Bauern gab, das hätte sie sich auch wirklich denken können. Sie hatte ja hier kaum etwas anderes, als Bäume gesehen. Es war tatsächlich eine ganz andere Welt, als im Grasland, in dem höchsten eben Bauernhöfe das Bild von den ewigen Wiesen auflockerten.
Bei der Bemerkung zu den Frauen und was sie hier normalerweise taten schnellten ihre Augenbrauen in die Höhe. Sie, als Pferdezüchterin, saß so gut wie nie zu Hause und verrichtete irgendwelche Handarbeiten, wenn sie einmal drinnen saß, dann führte sie zusammen mit ihrem Vater die Buchhaltung. Das war zwar ein wunder Punkt bei ihr, da ihr dafür oft einfach die Geduld fehlte, aber es war immer noch besser als irgendwelche Handarbeiten zu verrichten.
Seltsam, dass die Frau ihr das so erklärte, obwohl ihre eigene Tochter doch eine Jägerin war. Ihre Mutter hatte solch eine Ansicht nie geteilt, sie als Magierin, war nie zu Hause hinter dem Herd gewesen, erst nach ihrem Unfall... aber da hatte sie sich auch verliebt und war ihrem Vater zu Liebe auf das Gestüt gezogen! Nara würde so etwas nie tun. Ihr Herz gehörte den Pferden.
So strich sie in Gedanken auch ein zweites Haus im Wald, als ihr erklärt wurde, dass es hier keine Pferde gab. Unvorstellbar für Nara ohne Pferde zu leben, allerdings lernte sie diesen Alltag ja gerade auch kennen.

Bevor Nara nun jedoch wieder von den Pferden träumen konnte wurden ihr ein paar Gegenfragen gestellt. Neugierige, wie sie Mütter nun eben gerne stellten. Bevor sie antwortete schob sie sich jedoch noch einen Löffel Gemüse in den Mund. Einen ziemlich großen, aber die besten Tischmanieren waren ihr sowieso nie beigebracht worden.
Während sie kaute kam ihr Yasmina allerdings dazwischen. Yasmina schien aus irgendeinem, Nara nicht ersichtlichen, Grund, sauer auf ihre Mutter zu sein, da sie ihr so viele Fragen gestellt hatte.
Dabei hatte doch Nara selbst mit fragen begonnen! Das war nun wirklich ungerecht und Yasminas beleidigte Haltung fand Nara ebenso seltsam.
Da Nara immer sofort sagte, was sie dachte, hielt sie auch jetzt nicht mit ihrer Meinung hinterm Berg.
„Aber Yasmina, ich habe doch mit Fragen begonnen!“, sagte sie ziemlich erstaunt und auch etwas zu Recht weisend, da sie die Jägerin bisher eher als ruhige und ziemlich gerechte Persönlichkeit kennen gelernt hatte.
Doch Nara musste einsehen, dass man die Spannungen zwischen Mutter und Tochter nicht immer verstehen konnte und so lächelte sie Yasmina bald auch wieder entschuldigend an.

Nur um gleich darauf auf die Fragen der Mutter einzugehen. Dass Yasmina die Fragen vielleicht gerne selbst beantwortet hätte, das bemerkte Nara nicht. Dafür kam sie zu selten unter andere Menschen. Aber sie meinte es auf alle Fälle nicht böse.
„Ich stamme direkt aus dem Grasland, südlich der Magierstadt Zyranus. Dort haben wir auch unser Gestüt, das ich übernehmen werde, sobald mein Vater zu alt für die Führung ist. Gerade bin ich auf der Durchreise ins Königreich Grandessa, wo ich einen Interessenten für eines unserer Pferde treffen werde.“
Dann spulte sie ihre Gedanken zurück, bis zu dem Moment, als sie Yasmina getroffen hatte. Eigentlich war es ein soderbarer Zufall.
„Eure Tochter kenne ich erst seit ein paar Stunden“, sagte Nara gerade heraus und direkt, „wir sind uns im Wald durch einen Zufall begegnet. Und da ich sie fragte, ob es hier Übernachtungsmöglichkeiten gibt, bot sie mir sehr zuvorkommen euer Haus an.“
Nara schenkte Yasmina noch einmal ein dankbares Lächeln.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Mittwoch 27. Mai 2009, 18:21

Die ältere Frau hatte sich so sehr auf ihren Gast konzentriert, dass sie die Anwesenheit ihrer Tochter nur noch am Rande wahrgenommen hatte.
Nun wurde sie von Yasmina selbst darauf wieder aufmerksam gemacht. Ihr Kopf ruckte etwas zu heftig herum, doch sie versuchte das mit einem freundlichen Lächeln zu überspielen.
Das hielt allerdings nicht lange, denn das Lächeln verblasste und machte einem fragenden Stirnrunzeln Platz.
Was hatte ihre Tochter denn jetzt wieder? Sie wollte nur zeigen, wie hoch sie die Gastfreundschaft schrieb und hatte selbst ebenfalls Antworten gegeben.
Die ältere Frau kannte ihr Kind und wusste ihre Körpersprache zu deuten. Jedoch wollte sie so etwas jetzt nicht dulden, also wies sie Yasmina leise zurecht:"Nun setz dich gerade hin und iss auf. Es wäre schade um das Essen!" Deutlicher wurde sie nicht, denn Nara konnte alles miterleben.
Damit ihr nicht doch noch etwas heraus rutschen konnte, wandte sie sich dem Gast wieder zu und setzte ihr strahlendstes Lächeln auf, um diesen kleinen Disput vergessen zu machen.
Was nicht so einfach war, denn Nara mischte sich ein und verteidigte die Hausbesitzerin überraschenderweise.
Etwas peinlich berührt schwieg sie und es hätte sich wohl diese unangenehme Stille über die Drei gelegt, wäre die junge Frau nun nicht trotz allem auf die gestellten Fragen eingegangen.
Ihre Stirn runzelte sich erstaunt darüber, wie selbstständig, ja... richtig männlich ihr Gast sich verhielt. Sie würde ein gesamtes Gestüt zu leiten haben und sie würde auf Reisen gehen.
Das konnte nicht ganz mit rechten Dingen zugehen! Yasminas Mutter war zu traditionsbewusst, als dass sie daran denken konnte, eine Frau allein könnte all solche Dinge bewältigen.
So war es ihrerseits ebenfalls nicht böse gemeint, als sie bemerkte:"Euer Gatte wird bestimmt froh über so eine tatkräftige Unterstützung sein!" Denn sie schätzte Nara auf das Alter ihrer eigenen Tochter und normalerweise war man da schon verheiratet.
Trotzdem erschien es ihr irgendwie nicht richtig, dass diese junge Frau alleine, ohne männlichen Schutz reiste. Der Wald Sarius würde weniger Gefahren bergen im Vergleich zu anderen Gegenden Celcias. Das war ja fast schon verantwortungslos, dieses junge Ding einfach ohne Begleitung in die weite Welt zu schicken!
Näher konnte sie auf das Thema, wohl zum Glück für Yasmina und Nara, nicht eingehen, denn der Gast sprach weiter.
"Oh, der Zufall war es? Aber das sieht meinem Kind ähnlich, sie ist immer sehr hilfsbereit! Und natürlich freut es mich sehr, dass Ihr uns heute Gesellschaft leistet." Das war ehrlich gemeint und das hörte man ihr auch trotz des übertrieben wirkenden Lächelns an.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Mittwoch 27. Mai 2009, 22:40

Etwas mürrisch richtete sich ihr Blick auf ihre Mutter, die sie kurz zurechtweisen wollte, ehe sie sich wieder an Nara wandte. Dabei zog sich ihre Braue sachte nach oben. Normalerweise würde ihre Mutter nun wieder einen Streit mit ihr anfangen oder ihr einfach den Teller wegnehmen, egal ob Yasmina nur aus Trotz mit dem Essen aufhörte oder weil sie wirklich satt war. Naras Anwesenheit schien ihre Mutter so zu beeinflussen, dass sie sich regelrecht eine Maske aufsetzte, die aus purer Freundlichkeit bestand und es nicht zuließ, dass man die Wahrheit über das Mutter-Tochter-Verhältnis der beiden erkennen konnte.

Als Nara sich mit einem zurechtweisenden Ton an Yasmina wandte, schien es ein Wunder, dass sie nur leicht nickte und seufzte, anstatt an die Decke zu gehen. Irgendwie schaffte Nara es, das aufbrausende Gemüht der Jägerin still zu halten. Wie sie es schaffte war ihr nicht klar. Yasmina musste sich eingestehen, dass sie im Dorf nie wirkliche Freunde gehabt hatte, allein schon weil sie sich mehr im Wald aufhielt als im Dorf und mehr mit den Elfen zu tun hatte, als mit dem Rest der Menschen. Nara war die erste menschliche Person, mit der sie sich auf Anhieb verstanden hatte. Sicher konnte sie auch mit den anderen Dorfbewohnern. Das Verhältnis war aber niemals so gewesen, dass Yasmina ihnen irgendetwas anvertraut hätte.

Gerade hatte Yasmina sich, brav wie ein kleines, unschuldiges Kind, wieder richtig hingesetzt, da fing ihre Mutter an über einen Gatten an Naras Seite zu reden. Yasmina konnte sich ein Schmunzeln einfach nicht verkneifen. Immer wieder aufs Neue kam sie auf die Idee, dass junge, vom Alter noch unberührte Frauen rasch einen Mann an ihre Seite ließen. Es war zwar eine fast typische Sache, jung verheiratet zu sein, doch für Yasmina selbst war es einfach nicht denkbar, ihre Zeit als gesunde Frau mit einem Mann zu verschwenden, der sie vielleicht sogar vom Jagen abhalten wollte. Sie war zu selbstständig, als dass sie sich von einem Kerl von irgendetwas abhalten lassen würde. Ruhig wanderten ihre Augen zu Nara herüber, das Schmunzeln war immer noch auf ihren Lippen. „Ich glaube nicht, Mutter, dass Nara einen Gatten an ihrer Seite hat“, sprach sie ruhig, wobei sie zu ihrer Mutter sah und sie kokett anlächelte. „In diesem Punkt unterscheiden Nara und ich uns gar nicht so sehr.“

Zumindest hatte Yasmina bisher diesen Eindruck gehabt. Nara war eine Pferdezüchterin, sie musste hart mit anpacken und schien die Freiheit ebenso zu leben wie Yasmina es tat. Ein Mann würde ihr vielleicht die Leitung des Gestüts abnehmen und es als sein Eigentum bezeichnen, Nara von ihren Aufgaben und Pflichten als Pferdezüchterin „befreien“ und sie zu einer Kinder gebärenden Hausfrau machen. Kurz schüttelte Yasmina den Kopf. Es war ihr unmöglich, Nara und sich selbst in einer Küche stehen zu sehen, dass zweite oder dritte Kind erwartend und bemüht, den Mann ja zufrieden zu stellen. In Gedanken versunken nahm Yasmina wieder ihr Besteck zu Hand und ruhig leerte sie den Teller, wobei sie zwischenzeitlich grinste.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Nara Brea » Donnerstag 28. Mai 2009, 19:05

Nara hatte, nachdem sie Yasminas Mutter geantwortet hatte, noch den Rest des Essens auf ihrem Teller zusammen geschabt und sich in den Mund geschoben, danach wollte sie nur noch ihren Becher leer trinken und gut gesättigt wohl totmüde ins Bett fallen. Doch dieser Rest auf ihrem Teller war noch recht viel, sodass sie mit Kauen beschäftigt war, als sie nach ihrem Gatten gefragt wurde. Beinahe hätte sie sich verschluckt.
Was sollte das jetzt?
Sie war als Frau durchaus selbst in der Lage ein Gestüt zu führen! Ja, Frauen hatten schon oft bewiesen, dass sie manchmal sogar erheblich mehr Pferdeverstand als Männer besaßen!
Sie spürte, wie eine gewisse Wut sich in ihr breit machte und sie wollte das so schnell wie möglich klar stellen, dass sie durchaus in der Lage war selbst ein Gestüt zu führen!
Durch diese Wut wurde sie aber auch wieder unachtsam und verschluckte sich doch. Hustend klopfte sie sich auf die Brust.

Währenddessen hatte glücklicherweise schon Yasmina für sie geantwortet. Keine Sekunde länger als nötig sollte im Raum schweben, dass Nara Brea einen Mann zur Führung eines Gestüts brauchte.
Doch Yasmina schien ziemlich ruhig zu bleiben und das beruhigte dann Nara auch wieder ein wenig. Als sie endlich den Rest ihres Essen geschluckt hatte und mit dem Kräutersaft herunter gespült, konnte sie schon fast wieder grinsen.
"Ja, wir unterscheiden uns in dieser Hinsicht wirklich nicht sehr, Yasmina", sagte Nara und lächelte ein wenig frech zu der jungen Jägerin hinüber, ehe sie sich wieder der Mutter zuwandte, ohne dass ihr Lächeln verblasste.
"Ich habe tatsächlich keinen Gatten. Ich werde das Gestüt ganz alleine übernehmen, falls ich mich tatsächlich einmal verlieben sollte, dann muss vorher ganz klar abgesprochen werden, dass ich meinen Pferden erhalten bleibe. Wisst Ihr, wir Frauen haben häufig viel bessere Sinne für diese Tiere. Mein Vater ist zwar ein wirklich guter Züchter und verkauft Pferde bis weit über die Grenzen des Graslandes hinaus, aber er sagt immer wieder, dass er den Eindruck habe, ich hätte mehr Gefühl dafür Pferde zu beruhigen, wenn sie sich beispielsweise einmal wieder vor nichts erschreckt haben."
Über die Sache mit dem Verlieben hatte sich Nara aber ehrlich gesagt nie wirklich Gedanken gemacht. Das war ihr eher im Redefluss so heraus gerutscht. Wieso sollte sie auch? Sie hatte ja bisher selten etwas anderes gesehen als ihr Gestüt.
Sie redete sich auch immer wieder ein, dass sie keinen bräuchte. Nur wie lange das noch gut gehen würde, wusste keiner.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. Juni 2009, 15:36

Der Kopf der älteren Frau fuhr ruckartig zu ihrer Tochter herum. Ihre Stirn war fragend gerunzelt.
Yasmina musste sich irren! Ihr Gast hatte bestimmt einen Gatten und sie sollte nicht auf andere schließen, nur weil sie sich nicht so verhielt, wie es die Tradition und Gesellschaft erforderte. Geschweige, die Wünsche ihrer Mutter betraf.
Durch diese Gedanken versäumte sie, dass die andere sich verschluckte und konnte deswegen auch nicht helfend eingreifen.
Als ihr Kind den Kopf schüttelte, nichts mehr jedoch gesagt hatte, wandte sie sich wieder an Nara. Noch immer war deutlich, dass sie nicht wusste, was sie von der Bemerkung ihrer Tochter halten sollte, und sie hoffte, von ihrem Gast eine beruhigende Antwort zu erhalten.
Doch diese war bei weitem nicht das, was sie erwartet hätte. Je mehr Worte Nara sprach, desto bleicher wurde die ältere Frau und schließlich öffnete sich sogar ihr Mund, ohne, dass sie es bemerkte.
Das war nicht möglich! Dieses Mädchen konnte das nicht alles selbst schaffen, das war Frauen einfach nicht gegeben! Sie brauchten einen Mann an ihrer Seite, um ihnen eine Stütze sein und ein geregeltes Leben führen zu können!
Aber irgendwo in einem Winkel ihres Wesens begann sie langsam zu begreifen, warum sich ihr Kind mit dieser jungen Frau so gut verstehen konnte. Für sie jedoch war es allmählich zu viel.
Ihr Redefluss war zum Versiegen gekommen und so konnten die Beiden erleben, wie sie seit langem wieder einmal in Verlegenheit kam. "Ich... ich...", stammelte sie eher ratlos und warf einen fast schon hilfesuchenden Blick auf Yasmina.
Vor Verwirrung war ihr der Appetit vergangen und sie musste sich erst einmal sammeln können. Das ging allerdings nicht in der Gegenwart der Zwei.
So stand sie auf und murmelte:"Entschuldigt mich bitte." Beinahe fluchtartig verließ sie den Raum und eilte in die Küche, ihr Refugium, ihr Ort der Ruhe.
Dort stützte sie sich auf einer Arbeitsfläche mit beiden Händen ab und atmete tief durch.
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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Yasmina Peresen » Donnerstag 4. Juni 2009, 16:18

Yasmina lachte, als Nara ihre Vermutung bestätigte. Es war ein Segen, dass sie Nara getroffen hatte. Vielleicht würde ihrer Mutter endlich klar werden, dass die Traditionen sich änderten, die Gesellschaft sich neu formte. Als Nara weiter erklärte, verputzte Yasmina den Rest an Essen auf ihrem Teller. Dann wollte sie einige Worte an ihre Mutter richten, verstummte jedoch, als diese immer blasser wurde und schließlich sogar den Mund öffnete, ohne dass sie es wirklich wahrnahm. „Mutter?“, fragte Yasmina ruhig, wobei sie eine Braue sachte nach oben gewölbt hatte und ihr Blick sämtliche Fragen stellte, die ihr gerade im Kopf umher schwirrten.

Der fast hilfesuchende Blick ihrer Mutter ließ Yasmina jedoch keine weiteren Fragen stellen. Anscheinend war es ihr einfach zuviel gewesen. Nun hatte sie nicht nur ihre Tochter, die sich von den Traditionen abwandte, sondern auch noch eine ihr fremde Frau im Haus, die es ebenso tat. Als sich die ältere Dame dann auch noch erhob und aus dem Esszimmer stürmte, war Yasmina sichtlich überrascht. War es etwa so überfordernd für sie gewesen?

Rasch griff Yasmina zu ihrem Becher, um ihn hastig zu leeren. Sie würde nun etwas tun, was sie in den letzten Jahren, seit ihr Vater von ihnen gegangen war, nicht mehr getan hatte. Mit einem leisen Quietschen der Stuhlbeine, die über den Boden rieben, verkündete Yasmina, dass sie sich erheben wollte. „Nara, lasst Euch nicht vom Essen abhalten, ich werde nur kurz nachsehen, was los ist.“, erklärte sie der Züchterin ruhig und sie lächelte sachte. Dann ging sie in die Küche, jedoch eher langsam und zögerlich. Schon fast nervös spielte sie an ihren Fingern rum.

Ihre Mutter stand da, in der Küche, die Hände auf der Arbeitsfläche abgestützt und am Luft holen. Sachte ging sie auf sie zu, wobei sie kurz schluckte. Vielleicht würde ihre Mutter sie ja nun auch fortschicken, so wie Yasmina es immer tat, wenn ihre Mutter ihr beistehen wollte. „Mutter, alles in Ordnung?“, fragte die junge Jägerin ruhig und sie blieb mit verschränkten Armen neben ihr stehen. Dabei war diese Haltung kein Zeichen des Ärgers, sondern eher der Zurückhaltung.

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Re: Das Haus der jungen Jägerin

Beitrag von Nara Brea » Donnerstag 4. Juni 2009, 18:14

Wäre Nara ein einfühlsamerer Mensch gewesen, hätte sie wohl ihre Worte abgeschwächt, als Yasminas Mutter immer bleicher geworden war.
Aber das war sie nun einmal nicht, sie war eine Frau die sagte, was sie dachte. Es war doch nur gut, wenn sich auch diese Frau endlich von den Fesseln der Männer löste und begriff, dass Selbständigkeit nicht nur ein Begriff für Männer war. Starke Frauen waren wichtig und ebenso wichtig war es auch endlich mit den Vorurteilen aufzuräumen. Wahrscheinlich hatte sie lange in der Annahme gelebt, dass ihre Tochter eine sehr seltene Ausnahme war. Aber das war sie nicht. Nun, vielleicht noch immer eine Ausnahme aber eine Seltene nicht mehr unbedingt.
Das beste Beispiel waren eigentlich die Magier in Zyranus, dort wurde jedem gleich viel beigebracht, egal ob Mann oder Frau.
Allerdings war das auch die einzige Stadt auf die Nara einen kleinen Einblick hatte und das auch nur durch seltene Verwandtschaftsbesuche. Wie es sich in Dörfern verhielt oder in anderen großen Städten, das konnte sie nicht wissen.

Auch Yasmina schien der Schock der Mutter aufgefallen zu sein.
Ruhig fragte sie „Mutter?“ und zog eine Augenbraue hoch. Nara war wieder einmal von der Ruhe Yasminas beeindruckt. Sie schien ebenso zu wissen, was sie wollte. Nur schien das Blut nicht ganz so heiß in ihren Adern zu kochen, wie in Naras. Was ein ziemlich großer Vorteil sein konnte, wie man an dem Vorfall vor ein paar Stunden gesehen hatte. Nara selbst war nur ruhig, wenn sie mit den Pferden arbeitete.

"Entschuldigt mich bitte."
Bei diesen Worten wandte Nara sich wieder der älteren Frau zu, die gleich darauf in der Küche verschwand. Für sich fühlte Nara keine Schuld. Sie hatte die Wahrheit gesagt und hatte nicht unfreundlich geantwortet. Jeder Andere hätte wohl Gewissensbisse gehabt, doch Nara fühlte sich im Recht.
„Jede harte Wahrheit ist besser, als die sanfteste Lüge“, pflegte ihr Vater zu sagen.
Als sich dann aber auch Yasmina erhob war sie etwas verwirrt, aber keineswegs enttäuscht. Sie verstand, dass man als Tochter in solchen Momenten seine Mutter irgendwie zu trösten versuchte – wenn man nicht gerade den Sturkopf Nara Breas besaß.
Was sie eher verwirrte, war, dass sie mit ein paar Sätzen solch einen Wirbel entfacht hatte. Aber es schien ihr niemand böse.

„Nara, lasst Euch nicht vom Essen abhalten, ich werde nur kurz nachsehen, was los ist“, sagte Yasmina noch zu ihr, ehe sie sich auf in die Küche machte.
Nara war zwar schon so gut wie fertig mit Essen, aber sie ließ Yasmina jetzt lieber laufen.
„Klar, mache ich“, sagte sie ihr noch hinterher.
Dann trank sie den Rest ihres Kräutersaftes leer und lehnte sich zurück in ihrem Stuhl. Die Hände über dem Bauch gefaltet dachte sie nach.
Sie hatte einen vollen Magen, war heute recht weit gekommen und hatte auch für die Nacht ein Dach über dem Kopf. Eigentlich doch ein wunderbarer Tag.
Zwar überfiel sie jetzt ihre Müdigkeit in vollem Ausmaß, doch aufstehen wollte sie noch nicht. Yasmina und ihre Mutter hatten noch etwas auf ihren Tellern, so konnte Nara sich auch nicht derweil erkenntlich zeigen konnte und das Geschirr schon einmal aufeinander stapeln.
So betrachtete sie jetzt das Räumchen ein wenig genauer und ließ ihre Gedanken zu den Pferden schweifen.
Zwar war Nara eher ein ungeduldiger Mensch, aber gerade war sie einfach zu erschöpft, um ungeduldig zu sein. Oder um sich zu erheben und in der Küche nach dem Rechten zu sehen.
Sie saß einfach da und wartete bis die Beiden zurückkamen.

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