Unter Elfen und Menschen

Dieses Dorf beweist, dass unterschiedliche Rassen auch friedlich miteinander leben und auskommen können. Menschen und Elfen haben sich zusammengetan und dieses Dorf geschaffen. Im Einklang und friedlicher Harmonie hilft man sich gegenseitig.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Oktober 2010, 08:57

Der Wind sauste ihm um die Ohren. War es wirklich der Wind? Schemenhaft flogen die Kämpfer des Schlachtfeldes an Tahmo vorbei. Er entging nur knapp einem Axthieb, doch für ihn wandelte sich diese hochgefährliche Situation in einen träumerischen Tanz. Er wirbelte einfach Pirouetten um die Waffen und Feinde herum, die auf ihn niedersausen wollten. Dabei kribbelte es unablässig unter seinen Fingernägeln. Die Magie zog ihn zu sich. Sie hatte ein Opfer gefunden.
So ist es gut, Tahmo, Kind des Fischerdorfes.
Setz mich ein, ich werde dir dienlich sein.
Du hast Macht, zeige sie.
Lass den Sturm sprechen.
Magie konnte grundsätzlich weder als gut noch als böse eingestuft werden, auch wenn es zyranische Dozenten gab, die in ihren Vorlesungen etwas Anderes behaupteten. Magie war neutral. Sie wechselte ihre Gesinnung je nach Anwender, sie passte sich an. Bei Ungeübten Begabten, die sich auf zu kräftige - für sie zu starke - Zauber einließen, wurde sie jedoch aufmerksam. Solche Charaktere ließen sich manipulieren, denn sie waren noch allzu offen für Magie.
Wäre es nicht wundervoll, wenn dein Umhang hinter dir tosend flattert?
Es macht so ein gutes Bild.
Luftheld, Windheld ...
Setze mich vollends ein und erlebe deinen großen Moment.
Dass es dann der einzige Moment für einen solchen Schüler werden konnte, behielt die Magie zurück. Sie war nicht dazu verpflichtet, ihren Anwender auf Gefahren und Konsequenzen übermütiger Zauberei hinzuweisen. Sie war Werkzeug und Spielzeug, das man nur erfahrenen Magiekundigen in die Hand drücken sollte. Sie war die Streichholzschachtel auf dem niedrigen, dem erreichbaren Tisch für Kinderhände, während der Vater für einige Minuten den Raum verließ. Verlockend, was man mit ihr alles anstellen konnte. Gefährlich und möglicherweise tödlich, wenn man nicht wusste, wie man es richtig anstellte.

Tahmo konnte von Glück sagen, dass er einer persönlichen Feindin begegnet war. Obgleich ihre Stimme ihn sofort das Fürchten lehrte, so lenkte sie ihn kurzweilig von den Einflüsterungen der Magie ab. Die blanke Angst wusch seinen Kopf rein. Die Luftmagie stellte sich wieder unter seine Kontrolle. Der Rausch ebbte ab - vorerst. Leider erlaubte er sich, Fragen zu stellen. Nur gedacht, aber es gab jemanden im Hintergrund, der Antworten lieferte.
Verteidige dich mit Magie - mit mir.
Ich werde dich schützen.
Ich werde alle deine Feinde hinweg fegen.
Warum einen Schild nicht nutzen, wenn man ihn trägt?
Nutze mich, Kind des Fischerdorfes!
Emotional aufgewühlt war es für die pure Magie - allgegenwärtig auf einem Schlachtfeld mit Zauberern - ein leichtes, Tahmo für sie empfänglicher zu machen als jemals zuvor. Der Zorn wurde ihr ein loyaler Helfer, er fachte ein Feuer im Innern des Blondschopfes an, das kein Wind im Moment hätte ausblasen können.
Zu viel hatte Vlune ihm angetan, zu sehr war er von ihr gedemütigt worden. So viel Angst hatte er erfahren müssen. Jetzt formten sich Zorn und sein magisches Potenzial zu einer lodernden Mischung: Rache. Er würde sich rächen.
Es kribbelte derart unter seinen Fingerkuppen, dass es brannte. Kleine Nadeln stachen hinein, brachten die Finger zum Zucken, ohne dass Tahmo sich dessen hätte erwehren können. Möglicherweise wollte er dies auch gar nicht. Die Magie weckte in ihm einen Sturm.

Lua starrte von ihrem Platz im Eichbaum nach unten. Sie hatte ihren pflanzlichen Gefährten vor den meisten Orks bewahren können. Hier und da gab es Hackstellen. Goldenes Harz glänzte darin wie Honig, doch der baum beteuerte ihr, dass es halb so schlimm sei. Seine Blätter raschelten Unheil verkündend.
"Ein Sturm zieht auf", knarrte er. Ein Ast zeigte zur Quelle. Deshalb starrte Lua. Sie starrte auf Tahmo. Er stand inmitten des Schlachtfeldes, dort, wo sich dunkelelfische Magier in schwarzen Kapuzenroben einem Kampf widmeten, der glücklicherweise nicht ihren Schützling direkt als Ziel hatte. Lediglich eine der vermummten Gestalten richtete die Hände auf ihn. Aber auch das war noch nicht der Grund für Luas Starren. Ihre Sorge galt dem Schüler.
Um Tahmo herum wirbelte die Luft, dass man sie fast sehen konnte. Sie färbte sich dunkel, wie Wolken bei einem Gewitter. Fast schon erwartete man Donnergrollen oder zuckende Blitze, die nach Außenstehenden leckten. Aber bis auf das Tosen, welches für ein Klingeln in den Ohren ausreichte, gab die Magie keinen Ton von sich. Trotzdem blieb Lua Chii besorgt. Sie erkannte die Anzeichen. Ihr Meister hatte sich damals bemüht, dass sie selbst niemals in dieses Stadium des Magierausches geriet.
"Ich hätte auf ihn achten, ihn warnen sollen", machte sie sich Vorwürfe, jedoch nur kurzzeitig. Rasch wechselte sie ein paar Worte mit der Eiche. Der Baum war stark und würde sich von Wind nicht so schnell umwehen lassen wie ein einfacher Mensch. "Bitte, bring mich zu ihm. Ich muss ihn retten." Schon setzten sich Wurzeln in Bewegung.

Um Tahmo hatte sich derweil eine Kuppel geballter Luftmagie gebildet. Er konnte nichts mehr hören. Weder den Kampflärm noch die Flüche der boshaften Nachtelfe, die ihren Zauber unterbrochen hatte und nun wie gebannt auf jene magische Kraft des Jungen starrte, dem sie den Eselskopf verpasst hatte. Er konnte zaubern?!
Sie ließ sich für eine Reaktion zu viel Zeit. Tahmos Fäuste vom Herzen aus im Halbkreis zur Seite. Die Luftmagie folgte ihm in einem bläulich-weißen Schein, der einen dunkeln Schweif hinter sich herzog. Ein Herzschlag nur ... dudumm ... schon löste sich konzentrierte Luft nach allen Seiten aus. Es war wie in der Taverne, als Tahmo sämtliche Gäste und Mobiliar an die Wände geschoben hatte. Nur dieses Mal steckte Zorn dahinter.
Schreiend und brüllend wurden Orks wie Menschen, Elfen und Tiere von den Füßen gerissen. Die Magie unterschied nicht zwischen Freund und Feind. In sturmartigen Luftwirbeln schleuderte es die Kämpfer über das Schlachtfeld. Sträucher und junge Bäume konnten sich mit ihren Wurzeln nicht im Boden halten. Blätter flogen als scharfkantige Geschosse umher.
Auch Vlune, die Schadenfreudige, wurde von der Luftmagie gepackt und fort geschleudert. Ein Baum hielt ihren Flug auf. Ein großer Eichbaum.
"TAHMO!", rief Lua aus seiner Krone herab. Sie klammerte sich mit aller Kraft an den Stamm. "IST GUT, TAHMO! ES IST VORBEI. DU KANNST AUFHÖREN. Bitte, hör auf." Der Eichling beugte sich vor. Sein Laub riss sich von den Ästen. Mit einer borkigen "Hand" drückte er Lua schützend gegen seinen Stamm. Ein anderer Ast versuchte, nach Tahmo zu fassen. Holz umschlang ihn, hielt ihn. Sie gaben alles, damit sich der unkontrollierte Blondschopf beruhigte.


Sobald Tahmos Rausch von ihm abfällt, ist er vom Zaubern derart geschwächt, dass seine Lebensenergie folgenden Zustand annimmt:
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 21. Oktober 2010, 23:05

Mit einem zornigen Schrei der aus seinem tiefsten inneren drang, riss Tahmo seine geballten Fäuste zur Seite. Jeder Muskel seines Körpers war gespannt, wild flogen seine Haare und Kleider in dem Sturm umher. Die Kuppel aus geballter Luftmagie raßte mit dem Geräusch eines kurzen, heftigen Donnerschlages zu allen Seiten davon - badumm - Elfen, Orks, Pflanzen, Tiere, Tote und Teile des Erdreiches wurden wie Spielzeug hinfortgewirbelt als die Schockwelle sie erfasste. Die Soldaten beider Armeen welche zu Nahe an Tahmo in diesem Moment standen, wurden Meterweit geschleudert oder an Ort und Stelle von Windböen oder herumfliegenden Soldaten erschlagen. Die die weiter entfernt standen hatten mehr Glück und wurden nur heftig von den Beinen gerissen. Auch die überraschte Vlune wurde von der Welle gepackt und mit Wucht an den dicken Stamm einer alten Eiche geschleudert.
Lua schien den Aufprall der Nachtelfe gar nicht bemerkt zu haben, sie klammerte sich fest an die Rinde des Baumes der sie mit seinen Ästen vor dem Zauber schützte, um lauthals nach Tahmo zu rufen. Doch dieser hörte seine Lehrmeisterin nun nicht mehr.

Über Tahmo war die Magie wie eine tosende Welle hereingebrochen um ihn niederzuschlagen und weit hinaus zu treiben. Mit süßlicher Stimme hatte sie ihn eingelullt, gelockt und als Medium benutzt. Es war sicherlich nicht die Luftmagie alleine gewesen, sondern vielmehr die geballte Macht der allgemeinen Magie die auf dem Schlachtfeld gewirkt hatte. Doch jetzt wo er in nur einer Aktion sämtliche aufgestaute, gesammelte, chaotische Magie zu allen Seiten hinfortjagte, erlangte er mehr und mehr sein Bewusstsein wieder. Die Magie verlohr ihr Interesse an dem Jüngling dessen Körper sehr unter der Verausgabung des Zaubers litt und von Sekunde zu Sekunde schwächer wurden. Weiterhin fegten stürmische Böen über das Schlachtfeld. Waffen wirbelten umher, erschlugen ziellos Personen. Orks wurden Meter weiter durch die Luft geschleudert und kleinere, schwächere Pflanzen entwurzelten sich. Die zuvor von den Orks abgeholzte Lichtung verwandelte sich nun in ein schlammiges, braunes Fleckchen Brachland auf dem kein Halm, kein Feind und kein Freund mehr stand. Tod, benommen oder einfach nur umgeworfen. Was das für den Ausgang der Schlacht bedeutete war noch ungewiss. Gewiss war nur das der umliegende Wald verschohnt wurde, denn soweit reichte Tahmos zauber nicht. Dort landeten nur vereinzelt Trümmer der Schlacht.

Die Kraft des Zaubers ebbte ab und absolute Totenstille kehrte auf dem Schlachtfeld ein. Nur allein Luas Schreie nach Tahmo hallten durch die nun stille Luft. Der junge Blondschopf war wieder bei Sinnen, aber reichlich desorientiert. Verwirrt blickte er sich um, ehe er hustend auf die Knie sank. Der Zauber hatte wirklich jede Luft benutzt, auch die welche sich in seinen Lungen befand. Sein Körper gierte nun nach dem kostbaren Sauerstoff, seine Muskeln brannten wie Feuer und ein beständiger Schmerz saß in seinem Knöchel. Er machte ein paar tiefe, schnappende Atemzüge, während er weiter auf alle Viere sank und sich nun auch mit seinen Händen auf dem matschigen Boden abstützte. Wo war er nur? Sein Kopf dröhnte schmerzhaft, sein Blick war so verschwommen und es klang alles als würde er es durch eine dicke Schicht Watte hören. Undeutlich und dumpf. Sein Blick fiel auf seine Finger die richtig blass waren mit bläulichen Fingernägeln. Er sah sich um, überall lagen Leute verstreut, er selbst befand sich in einem kleinen Krater umgeben von Tod, Zerstörung und Chaos. Was ist passiert?Ihm wurde schlecht, würgend übergab er sich ehe die Finsterniss ihn umschlang und er in Ohnmacht fiel. Sein kraftloser Körper fiel seitlich zu Boden wo er reglos und flach atmend auf seinem Stab liegen blieb. Er sah äußerst mitgenommen aus, seine Haut war blass und seine Kleidung hatte an manchen Stellen Risse sowie Löcher erlitten. kalter Schweiß tratt auf seine Stirn und sein Körper zehrte von der Wärme die sein Zaubererstab austrahlte. Dass die knorrigen Äste der alten Eiche ihn umschlangen um ihn vom Boden zu heben bekam er schon gar nicht mehr mit.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Montag 25. Oktober 2010, 23:24

Gesegnete Schwärze und Stille umgaben Tahmo. Sein Geist schwebte frei, jeglicher Sorgen und Ängste beraubt. Es tat so gut, einmal nicht an den Schrecken der Realität und den harten Seiten des Lebens festhalten zu müssen. Es tat gut, frei zu sein. Auch die Magie hatte ihn verlassen. Nicht vollkommen, nein, so war es nicht gemeint. Sie war in ihm erwacht, hatte sich gezeigt und war von Lua Chii gefördert worden. Sie würde von nun an für immer ein Teil von ihm bleiben. Aber sie hatte Tahmo endlich losgelassen. Der Preis waren Schmerzen gewesen, jedoch nur für einen kurzen Augenblick. Danach hatte die Erschöpfung seines Körpers für den Eintritt in eine tiefe Ohnmacht gesorgt.
Gesegnete Schwärze ...

Ein Pochen ließ die Freiheit zerspringen wie das glänzende Abbild eines Spiegels. Scherben regneten auf Tahmos Geist herab. Sie brannten, stachen sich in sein Fleisch. Sie machten das Atmen schwer. Weglaufen nützte auch nichts, denn sein Bein wollte ihm nicht gehorchen. Schmerz durchfuhr den Knöchel, als sei er dort mit einem frischen Brandzeichen versehen worden. Heiß und pulsierend strömte er in alle Richtungen aus.
Der Schmerz war es, der ihn wieder in den Wachzustand zurück rief. Er lehnte in einer halb sitzenden Position gegen das kühle Holz eines gezimmerten Bettes. Sein Fuß mit dem verletzten Knöchel ruhte in einer Schlinge, die durch ein Seil an der Decke befestigt worden war. Ein kühler Lappen ruhte auf seiner Stirn. Er befand sich in einer fremden Hütte, doch das Stimmengewirr, das langsam zu ihm durch drang, kam ihm teilweise vertraut vor. Samsons donnernde Stimme schwebte über allem. Jedoch war der Schmerz derzeit zu präsent, als dass Tahmo inhaltlich viel mitbekommen hätte.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Dienstag 26. Oktober 2010, 21:57

Tahmo war anscheinend in Sicherheit gebracht worden, ohne zu wissen wie die Schlacht nun geendet hatte. Sein Geist befand sich noch in der tiefen schwärze der Ohnmacht die ihn aus Erschöpfung ergriffen hatte. Seinen Körper indes hatte man in ein Bett gebracht. Die Kleidung fein säuberlich auf einen Stuhl zusammen gelegt, während Tahmo zugedeckt und den Fuß in der Schlinge nur langsam ins hier und jetzt zurück kehrte.

Das erste was Tahmo wahr nahm, war ein pochender Schmerz in seinem Knöchel. Ein Schmerz der beständig wuchs je wacher er wurde. Tahmo verzog die Mimik, murmelte leise und schlaftrunken. Sein Körper erwachte Stück für Stück. Tahmos Lungen fühlten sich schlaff und erledigt an, weshalb er tiefe, langsame Atemzüge machte. Seine Glieder kribbelten unangenehm und jeder einzelne Muskel meldete sich mit einem brennenden Muskelater von der vergangenen Anspannung zu Wort. In seinem Kopf herschte nach wie vor reichlich verwirrung. Wo bin ich? und Warum fühl ich mich so kaputt? sowie: Was ist geschehen? Waren die ersten Gedanken die er einigermaßen klar erfassen konnte. Als hätte er Migräne bei einem Kopf von der Größe eines Zwergenstollens den man in dicke Watte gepackt hatte, so fühlte sich das an. Sein Mund war trocken und seine Zunge so rau wie Schleifpapier. Mit Mühe und Not schaffte er es seine Augen langsam aufzuzwängen um sie gegen das noch blendende Umgebungslicht wieder zusammen zu kneifen. Der Fußknöchel meldete sich abermals mit stechendem Schmerz zu Wort. Tahmo bewegte seinen Kopf behutsam, um die Ursache des Schmerzes zu ergründen. Er sah seinen Fuß in einer Art Schlinge hängen, war etwa gebrochen? Was war nur passiert? Er konnte sich kaum erinnern.
Plötzlich umarmte ihn wieder Dunkelheit, etwas kühles, nasses war von seiner warmen Stirn vor seine Augen gerutscht. Tahmo benötigte einige Augenblicke bis sein noch träges Hirn die Information verarbeiten konnte, den Schreck über die plötzlich wiedergekehrte Dunkelheit bewältigte und schlieslich mit der Information das dies ein nasser Lappen war Entwarnung gab. Indem er seinen Kopf ein wenig zur Seite drehte, rutschte das feuchte Tuch ganz zu Boden, auf welchem es nass klatschend aufschlug. Mit zittrigen Fingern fing er an seine Umgebung abzutasten. Infolgedessen er zu dem Entschluss kam, dass er in einem Holzbett liegen musste. Der Blondschopf atmete durch, er fühlte sich nach wie vor ganz schön entkräftet.

Gerade als er darüber nachdachte wer ihn hierher - wo auch immer 'hier' sein mochte - gebracht hatte, drangen Stimmen an sein Ohr. Erst war es nur unverständliches gebrummel und geblubbere. Seine Ohren schienen ebenfalls noch zu schlafen. Es dauerte bis er einzelne Stimmen auseinander halten konnte, ohne sie jedoch sofort bestimmend zuordnen zu können. Das Stimmgewirr wurde lauter, eine besonders durchdringende, bassige Stimme sonderte sich ab. War das etwa? Ein Name sauste durch Tahmos Gedanken, das musste Samson sein. War da nicht irgendwas gewesen? Irgendwas mit einem Bären... er konnte sich nicht genau erinnern. Aber es würde ihm sicher wieder einfallen sobald sein Kopf wieder klarer und seine Gedanken weniger träge waren. Vorerst musste er auf sich aufmerksam machen.

Tahmo öffnete seinen Mund, er wollte etwas sagen, brachte aber nur ein undeutliches Stöhnen hervor. Auch der zweite Versuch war nur ein Ächzen, dafür schon lauter. Beim dritten klang es immerhin schon Satzähnlich, aber enorm verwaschen und undeutlich. Abermals lies der Schmerz in seinen Gliedern und vor allem in seinem Knöchel, ihn zusammenzucken. Er seufzte ergeben, vielleicht hatte er Glück und die Stimmen gingen in seine Richtung.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Freitag 29. Oktober 2010, 10:56

Ein Gesicht tauchte bei ihm auf. Dann tätschelte ihn eine sanfte Hand und das erleichterte Lächeln in den Zügen der Frau, spendete ein wärmendes Gefühl. Lua hatte als einzige den Lappen wahrgenommen, der klatschend zu Boden gerutscht war. Hinter ihr ging die heftige Diskussion weiter. Inzwischen konnte auch Tahmo einzelne Gesprächsfetzen ausmachen, vor allem auch, weil Samson ziemlich laut Argumente lieferte.
Offenbar hatte man die Dunkelelfen und Orks erneut vertreiben können, aber jetzt wurde beraten, was man gegen sie unternehmen sollte. Tahmo nahm die Diskussion mitten im Gespräch auf. Es wurde viel argumentiert. Einige Waldbewohner wollten wohl lediglich in ihrem Dorf bleiben und es verteidigen, sollten sie nochmal angegriffen werden. Andere schlugen einen offensiven Angriff vor. Dem Naturschänder musste Einhalt geboten werden.
Dann sprachen sie alle wild durcheinander und das auch noch in Lyrintha, dass es dem Blondschopf reichlich Kopfschmerzen bereitete. Zum Glück saß Lua an seiner Seite. Sie strich ihm über die Wangen.
"Du hast immer noch leichtes Fieber", sagte sie. "Aber das geht vorbei. Ich hätte etwas mehr auf dich achten sollen. All die Magie, das war zu viel für dich. Du hast dich ihr hingegeben. Ich bin froh, dass nichts Schlimmes geschehen ist." Sie legte ihm wieder den Lappen auf die Stirn.

Das tosende Gespräch der anderen setzte sich fort.
"Wir müssen ihr Versteck aufsuchen und einen Gegenschlag eröffnen, ehe sie uns erneut stören können! Die Wälder leiden unter ihrer rücksichtslosen Behandlung!"
"Aber wie sollen wir das bewerkstelligen, Samson?"
"Genau! Weißt du denn, wo sich diese dunkelhäutigen Waldelfen aufhalten?"
"Man nennt sie Dunkelelfen und sie haben nichts mehr mit Wäldern oder der Natur gemein. Sie sind eine düstere Abspaltung unseres Volkes."
"Auf jeden Fall müssen wir sie verjagen. Besser noch besiegen, damit sie unseren Pflanzen und Tieren nie wieder den Freiraum nehmen!" Eine Welle zustimmender Rufe brandete auf. Doch erneut kamen mit ihr Fragen, wie das bewerkstelligt werden sollte. Samson erhob zum wiederholten Male die Stimme: "Wir haben doch den Jungen! Seine Kraft - besser eingesetzt - wird uns einen enormen Vorteil verschaffen. Außerdem haben wir Gefangene machen können. Verhören wir sie. Sie werden uns schon ihren Aufenthaltsort nennen!"
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Samstag 30. Oktober 2010, 22:12

Tahmo waren schon nach kurzer Zeit wieder die Augen zugefallen, er schlummerte leise vor sich her, nahm das Gespräch nur noch als entferntes gebrabbel wahr, als er plötzlich von einer sanften, warmen Hand getätschelt wurde. Blinzelnd öffnete der Blondschopf wieder seine Augen. Erst sah er nur verschwommene Umrisse, bis sich seine Pupillen scharf stellten und er Luas Gesicht vor dem seinigen wahrnahm. Sie hatte wohl den herabfallenden Lappen bemerkt. Tahmos Mundwinkel hoben sich und er schenkte Lua ein ermattetes lächeln, er freute sich anscheinend das er sie sah. Innerlich fühlte Tahmo Erleichterung, dass es ihr gut ging. Auch wenn ihm seine Gedanken noch nicht ganz verrieten warum er diese Erleichterung spührte. Es war als wollte ihn sein Geist noch vor einer schlimmen Erinnerung bewahren. Vorerst. Das Gespräch im Hintergrund wurde deutlicher, lauter, Tahmo fing mit zunehmender Wachheit immer mehr Gesprächsfetzen und Wörter auf. Bis er der Diskussion plötzlich wieder folgen konnte. Diese Dunkelelfen und Orks konnten vertrieben werden und man beratschlagte sich nun darüber ob man offensiv oder eher defensiv gegen sie vorgehen sollte. Wieder einmal wusste der ermattete Jungmagier nicht so ganz worum es ging. Es war nur ein Gefühl vorhanden, ein ungutes Gefühl das wie eine Gewitterwolke in der Luft hing. Tahmo verzog das Gesicht, ein stechender Schmerz jagte durch seinen Kopf. Nachdenken war also noch nicht so gut, vor allem sollte er versuchen das Gespräch vorerst auszublenden. Sonst wurden seine Kopfschmerzen nur noch schlimmer.

Er konzentrierte sich also wieder auf Lua, die neben ihm an seinem Bett stand, das Gesicht in seinem Blickfeld. Die Magierin strich ihm zärtlich über die Wangen, woraufhin Tahmo entspannt die Augen schloss. Er genoss Luas kühlere Haut auf der Seinigen, zudem war das ein beruhigendes Gefühl zu wissen das sie bei ihm war. Aber wiso nur? War sie irgendwann nicht bei ihm gewesen? "Du hast immer noch leichtes Fieber" flüsterte die Stimme der Magierin. Tahmo öffnete wieder seine Augen um sie zu mustern. "Aber das geht vorbei. Ich hätte etwas mehr auf dich achten sollen. All die Magie, das war zu viel für dich. Du hast dich ihr hingegeben. Ich bin froh, dass nichts Schlimmes geschehen ist." Magie? Welche Magie? Schlimmes passiert? Was war nur los? Wiso fühl ich mich als hätte ich etwas wichtiges vergessen... was ist überhaupt geschehen?... Diese blöden Kopfschmerzen!
Abermals verzog Tahmo die Mimik, ein pochender Schmerz meldete sich hinter seiner linken Schläfe, welcher durch das wieder aufbrandende Gespräch nicht gemindert wurde.

"Wir müssen ihr Versteck aufsuchen und einen Gegenschlag eröffnen, ehe sie uns erneut stören können! Die Wälder leiden unter ihrer rücksichtslosen Behandlung!" Sprach eine erzünte Stimme, die eindeutig Samson gehörte. Eine etwas ruhigere Stimme versuchte den Hühnen zu beruhigen: "Aber wie sollen wir das bewerkstelligen, Samson?"
"Genau! Weißt du denn, wo sich diese dunkelhäutigen Waldelfen aufhalten?" meldete sich eine dritte Stimme zurück, gefolgt von einem Satz in der Sprache der Waldelfen, den Tahmo somit nicht verstand. Das was jedoch danach folgte, lies den Blondschopf merklich aufhorchen.
"Auf jeden Fall müssen wir sie verjagen. Besser noch besiegen, damit sie unseren Pflanzen und Tieren nie wieder den Freiraum nehmen!" Erhob sich abermals die polternde Stimme Samsons, "Wir haben doch den Jungen! Seine Kraft - besser eingesetzt - wird uns einen enormen Vorteil verschaffen. Außerdem haben wir Gefangene machen können. Verhören wir sie. Sie werden uns schon ihren Aufenthaltsort nennen!"

Tahmo wurde gleichzeitig Heiß und Kalt als er das hörte. Er riss seine Augen erschrocken auf und zuckte zugleich zusammen. Das war es! Als ob man eine Seifenblase hätte zerplatzen lassen strömten nun aus einem unbestimmten Eck seines Kopfes die Erinnerungen der letzten Stunden herein. Er sah alles! Den Baum, den Elf, die Orks, Vlune! Und er sah sich selbst. Er fühlte ansatzweise das was er auf dem Schlachtfeld gespührt hatte. Aber er spührte auch eine Anwesenheit von etwas großen, unbekannten und Mächtigen. Einer fremden Kraft die ihn wie eine Marionette gelenkt hatte. Uralte Magie, die ihn hatte Dinge tun lassen die er sonst nie so getahn hätte ehe sie seinen Körper ermattet zurück lies. Der Blondschopf zitterte, der Nebel aus seinen Gedanken war gewichen. Zurück blieben nur die Erinnerungen, heftige Kopfschmerzen, ein ermatteter Geist sowie sein mitgenommener Körper. Fassungslos und blass sah er Lua an, ehe er leise ein paar Wörter formte: "Bei den Göttern... was hab ich getahn?"

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 4. November 2010, 21:21

Lua kümmerte sich mit voller Aufmerksamkeit um Tahmo. Immerhin war er ihr Schützling und sie wusste, was geschehen war. Ein bisschen gab sie sich selbst die Schuld für diesen Unfall. Sie hätte es vorausahnend wissen müssen, gleich, nachdem sie Magier auch unter den Feinden entdeckt hatte. Tahmo fing gerade erst an, seine Magie zu entdecken. Er musste ja zwangsläufig zum Opfer seiner Kräfte werden!
"Ich bin so froh, dass es einigermaßen gut ausging", sagte Lua.
Tahmos Kopf fühlte sich wie Watte an. Zugleich pochte ein leichter Schmerz unablässig. Sein Bewusstsein hatte ihn in die Ohnmacht gerettet, ehe der Ausbruch der Magie wirklich hätte gefährlich werden können. Außerdem hielt es die Erinnerungen zurück, ein natürlicher Reflex wie ein Instinkt, um die eigene Seele zu schützen. Daher fiel es Tahmo zunächst schwer, sich in die Situation zu finden.
Aber dieser Schutz war nicht von langer Dauer.

Als Tahmo die Augen aufriss, entdeckte Lua es sofort. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter. Sie spürte, wie stark er zitterte. Wie Espenlaub, dachte sie, um sein Seelenheil besorgt. Seine Worte erreichten sie kaum und sie antwortete ihm auch nicht. Vielmehr reagierte sie, nämlich auf Samsons letzte Aussage. Zugleich zog Lua Tahmo in einer halben Umarmung an sich heran. Ihre Brüste boten weiche Polster für seinen geplagten Kopf. Sie drückte ihn an sich - schützend.
"Ihr habt den Jungen?!", stieß die Magierin allerdings nicht gerade freundlich heraus. "Wisst ihr überhaupt, was ihm widerfahren ist? Samson, bei aller Rücksichtnahme für euer Problem, ich kann Tahmo nicht in seinen eigenen Untergang laufen lassen! Auch wir stehen auf eurer Seite. Glaubt nicht, uns wäre am Schutz eurer Wälder nicht gelegen. Aber er ist ein frisch gebackener Magierschüler! Er lernt die Grundkenntnisse, er steht vollkommen am Anfang. Ja, es mag sein, dass Tahmo Potenzial hat - eine Menge sogar. Ihr habt den Windstoß gesehen."
Die Anwesenden nickten. Einige tuschelten miteinander. Es war heraus zu hören, dass Tahmos Zauber wohl auch nicht gerade der Umwelt dienlich gewesen war, aber offenkundig sah man darüber hinweg. Umgestürzte Bäume und ein vom Wind geschaffener Krater sollten angeblich Resultat seines magischen Ausbruchs gewesen sein. Ja, was hatte er nur getan?

"Ich kann ihm nicht innerhalb weniger Tage die Luftmagie beibringen. Dazu fehlen mit im Übrigen die Mittel."
"Innerhalb weniger Stunden, genau genommen dieser einen kommenden Nacht, wäre meine persönliche Bitte an Euch gewesen, Lua Chii", entgegnete Samson. Die Zeit reichte nicht einmal aus, dass Tahmos Knöchel heilen konnte. "Es ist beschlossene Sache", wandte sich der Waldläufer an die anderen. "Morgen, im Laufe des Tages, möchte ich Antwort darauf haben, wo sich diese Bastarde von Dunkelelfen aufhalten. Wir werden sie jagen und erlegen. Jegliche Alternativen sind ausgeschlossen. Und ich werde morgen den Jungen fragen, wie er dazu steht. Ich hoffe sehr, du unterstützt uns, Tahmo."
Lua seufzte. "Wirst du wirklich so schnell wieder kämpfen wollen, Tahmo?", fragte sie.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 7. November 2010, 15:03

Der Schock saß tief für Tahmo, als die Erinnerungen zurück kehrten und er realisierte was geschehen war. Seufzend sank er mit seinem Kopf zurück auf das weiche Kissen, gepeinigt von der Bildern der vergangenen Schlacht die nun vor seinem geistigen Auge erschienen. Er war zum Opfer der Magie geworden, er hatte das ganze völlig unterschätzt und... er würde in Zukunft sicherlich vorsichtiger mit all dem umgehen. Vielleicht war es jedoch ganz gut, dass er diese Lektion jetzt schon am Anfang seiner Ausbildung gelernt hatte. Das würde dem ruhelosen Freigeist sicherlich den nötigen Respekt vor Zauberei geben.
"Ich bin so froh, dass es einigermaßen gut ausging", erklang Luas Stimme neben seinem Bettlager. Beruhigend legte die Magierin ihre warme Hand auf seine Schulter, die aufgrund von Tahmos Erkenntniss zitterte wie Espenlaub. Der Blondschopf drehte seinen Kopf, sah Lua in die Augen, lächelte ermattend und wollte schon etwas sagen... wurde dabei jedoch unverhofft unterbrochen. Samson hatte sich mit seinen weiteren Plänen zu Wort gemeldet. Pläne die Lua ganz und gar nicht schmeckten.
"Ihr habt den Jungen?!" stieß die Magierin erbost aus. Auch Tahmo hätte dem Bärenmenschen gerne einen erbosten Blick geschenkt, immerhin war er Frei und keine Sache die man besitzen konnte. Dazu blieb aber keine Gelegenheit mehr, denn zu seiner Überaschung zog Lua ihn in eine schützende Umarmung indem sie ihre Arme um seinen Schultergürtel schlang und ihren Schüler dadurch an sich presste. "Wisst ihr überhaupt, was ihm widerfahren ist? Samson, bei aller Rücksichtnahme für euer Problem, ich kann Tahmo nicht in seinen eigenen Untergang laufen lassen! Auch wir stehen auf eurer Seite. Glaubt nicht, uns wäre am Schutz eurer Wälder nicht gelegen. Aber er ist ein frisch gebackener Magierschüler! Er lernt die Grundkenntnisse, er steht vollkommen am Anfang. Ja, es mag sein, dass Tahmo Potenzial hat - eine Menge sogar. Ihr habt den Windstoß gesehen."
Wetterte die Windmagierin weiter, während Tahmo seinen Kopf weich gepolstert zwischen den Brüsten seiner Meisterin wiederfand. Oh man... oha... weich Überrascht hob der Jungspund seine Arme, darauf war er absolut nicht vorbereitet gewesen. So bekam er nun zwar nichts mehr vom Gespräch mit, war Lua aber innerhalb kürzester Zeit näher gekommen als er es überhaupt zu träumen gewagt hätte. Nicht wissend wie er sich nun am besten verhalten sollte, lies Tahmo seine Arme wieder sinken und drehte sein Kopf ein klein wenig um nicht Nase voran mit seinem Gesicht auf Luas Brust zu liegen. Zögernd schielte er nach oben, auf seinen Wangen zeichnete sich ein leichtes rosé ab. Ein Glück das er nach wie vor recht blässlich wirkte, daran änderte auch seine momentante Position nichts.
"Ich kann ihm nicht innerhalb weniger Tage die Luftmagie beibringen. Dazu fehlen mit im Übrigen die Mittel." Argumentierte die Magierin weiter, deren Kinn nun von unten her von Tahmo beobachtet wurde. "Innerhalb weniger Stunden, genau genommen dieser einen kommenden Nacht, wäre meine persönliche Bitte an Euch gewesen, Lua Chii"
Wie immer erfüllte Samsons kräftige Stimme den warmen Holzraum im Nu. Es war jedesmal wie ein fernes grollen das den Zorn des Waldes wiederspiegelte. Tahmo musste sich selbst eingestehen das der Waldläufer einen ziemlichen Eindruck auf ihn machte. "Es ist beschlossene Sache. Morgen, im Laufe des Tages, möchte ich Antwort darauf haben, wo sich diese Bastarde von Dunkelelfen aufhalten. Wir werden sie jagen und erlegen. Jegliche Alternativen sind ausgeschlossen. Und ich werde morgen den Jungen fragen, wie er dazu steht. Ich hoffe sehr, du unterstützt uns, Tahmo." Der Blick des Hühnen traff den von Tahmo, welcher sich unmerklich schluckend kleiner machte. Mit lauten Schritten verlies Samson somit den Raum mitsamt seinem Gefolge. Nach dem Donnern der Eichentüre herschte zunächst Stille.

Tahmo blickte wieder hinauf zu Lua, in deren Umarmung er sich nach wie vor befand. "Wirst du wirklich so schnell wieder kämpfen wollen, Tahmo?"
"Ich... keine Ahnung Lua." seufzte er, "Weist jah was passiert is... Ständig passiert irgnsowas. Aber.. wir können jah schlecht gehn oder?" Jetzt da sie alleine im Raum waren legte Tahmo zögernd seine Arme um Luas Rücken, wie sie wohl darauf reagieren würde? Zur Not konnte er sagen das er sich sonst nicht lange aufrecht sitzend halten konnte, was auch ein wenig stimmte. Was für ein Glück das die Waldmenschen nicht denselben Hang zum Lendenschurz hatten wie die Namudus. Still und leise verharrte er in dieser Position, jederzeit bereit seine Hände weg zu nehmen und mit den Gedanken in nachdenkliche Überlegungen versunken.
Zuletzt geändert von Tahmo am Dienstag 9. November 2010, 21:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Gestalt » Dienstag 9. November 2010, 19:44

Tahmo hatte eine wichtige Lektion gelernt: Magie war kein Spielzeug. Wenn man sie entdeckte und förderte, dann musste man ihr auch mit dem nötigen Respekt entgegen treten und verantwortungsbewusst mit ihr umgehen. Sie konnte die Kontrolle übernehmen, konnte Gefahr für sich selbst und die Umwelt bedeuten. Dennoch durfte man nach einem Unfall, wie Tahmo ihn erlebt hatte, unter keinen Umständen Angst vor Magie entwickeln. Man musste sich weiterhin auf sie einlassen, sie kennen lernen und studieren, bis die gefahrvolle Nutzung dieser Gabe auf ein Minimum herab schrumpfte. Wenn man Angst hatte, mied man für gewöhnlich den Kontakt vor dem, was einem Furcht bereitete. Doch genau das sollte man im Fall von Magie nicht tun.

Lua Chii wusste das. Aber sie glaubte auch daran, dass Tahmo die Zauberanwendung nach diesem Schrecken trotz allem nicht scheuen würde. So viel Potenzial durfte nicht aufgrund eines unvorsichtigen Ausbruchs unzugänglich werden. Auch der Waldläufer Samson hatte erkannt, wie nützlich Tahmos Kräfte für den Kampf gegen die dunklen Völker sein könnten. Nur Lua allein berücksichtigte jedoch, wie ungeschult ihr Schützling noch mit dieser Kraft umging. Es war an ihr, ihm die nötige Verantwortung beizubringen, um zu erkennen, dass er noch lange nicht so weit war.

Ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht. Tahmo erinnerte sie sehr an sich selbst. Am Anfang ihrer Lehre war sie ungestüm an jede Herausforderung heran gegangen. Sie hatte in träumerischer Naivität geglaubt, mit ihren magischen Fähigkeiten alles bewältigen zu können - selbst Magie! Noch immer träumte sie gern davon, aber reale Probleme ließen sich nun einmal nicht so leicht lösen. Genauso wenig wie das, vor dem sie nun schon wieder standen.

Lua schaute Tahmo an. Noch immer drückte sie ihn an sich. Er wirkte blass und kränklich, Der Windstoß hatte ihn viel Kraft gekostet. Er war verletzt. Schon allein sein Knöchel verhinderte eine Hals über Kopf geplante Flucht. Vielleicht klappte es ja, wenn er von Faro getragen würde. Aber nein, solche Überlegungen waren fehl am Platz. Wie Tahmo bereits einräumte: sie konnten jetzt nicht einfach so gehen.
"Hm", raunte Lua, "eine richtige Idee habe ich ni..." Sie verstummte. Tahmo legte seine Arme um sie. Nun waren sie einander noch näher. Augenblicke vergingen, in denen Lua nur still auf Tahmo herab schaute. Sein Körper spendete angenehme Wärme. Hätte er jetzt in den Kopf seiner Lehrmeisterin schauen können, so hätte Tahmo vermutlich mit Freude entdeckt, dass Lua im Moment keinen noch so kleinen Gedanken an den Mann verschwendete, den sie stets träumerisch Westwind nannte.

"Es ist zwar noch Zeit bis morgen, aber wenn wir bedenken, was die Waldbewohner im Grunde von dir verlangen, ist es reichlich knapp. Nein, es ist unmöglich! Ich kann dich nicht in wenigen Stunden zum Meistermagier machen. Zudem wäre es im Moment einfach zu anstrengend für dich." Ihre Hand fuhr Tahmo durch das Haar. Noch einmal und nochmals. Lua streichelte ihn, trennte die blonden Strähnen mit ihren Fingern. Offenbar hatte sie nicht einmal Lust, Tahmo etwas Luftmagisches zu lehren. Aber es musste sein. Also löste sie sich nach einer Weile langsam von ihm. Lua räusperte sich. Ihre Wangen glänzten rötlich.
"Ich möchte mit dir Atem- und Windstromübungen machen. Nimm verschiedene Posen ein, sei ganz entspannt. Dann lass die Luft an deinem Körper entlang wandern. Lass dich von ihr massieren wie von den zarten Händen einer ... Frau. Fühle sie. Schöpfe Kraft und lerne die Luft dadurch nur noch besser kennen. Aber behalte die Kontrolle, das ist der wesentliche Sinn dieser Übungen."
Lua nahm die erste Position ein.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Mittwoch 10. November 2010, 18:00

Tahmo hatte inzwischen seine Augen geschlossen, wenn Lua seine Umarmung nicht gewollt hätte so hätte sie es ihm sicherlich schon längst verdeutlicht. Seine Gedanken kreisten nur noch hintergründig um eine Lösung für das Problem. In erster Linie war er einfach nur froh das Lua hier war, das es ihr gut ging und das er sie umarmen durfte. Still horchten seine Ohren nach dem Herzschlag der Magierin, was sie jedoch gerade dachte vermochte er nicht zu hören.
"Es ist zwar noch Zeit bis morgen, aber wenn wir bedenken, was die Waldbewohner im Grunde von dir verlangen, ist es reichlich knapp." Lua sprach mit ruhiger Stimme weiter während sie auf den Blondschopf hinab sah, "Nein, es ist unmöglich! Ich kann dich nicht in wenigen Stunden zum Meistermagier machen. Zudem wäre es im Moment einfach zu anstrengend für dich." Da hat sie recht Dachte Tahmo leise, er war momentan nicht wirlich in der Lage um große Zauber zu vollführen. Und dann war noch die neu gewonnene Vorsicht im Umgang mit Magie. Tahmo verspührte keinerlei Lust so schnell erneut seine Grenzen zu ereichen um sie zu überschreiten und die Kontrolle zu verlieren.

Überrascht spannte Tahmo seine Schultern an. Lua lies ihre Hand durch seine Haaren streicheln, er fühlte wie sein Herz schneller schlug um seinen Körper mit einer angenehmen Wärme zu füllen. Er genoss es wie Luas Hand durch sein Haar streichelte, die einzelnen blonden Strähnen sanft trennte und seine Kopfhaut zum Kribbeln brachte. Seine Gedanken kehrten zur Ruhe und sein Geist konzentrierte sich nur noch auf Luas Fingerspitzen. Am liebsten wäre er in alle Ewigkeit so verharrt, hätte Lua nie mehr losgelassen. Ob es der Magierin auch so erging?

Nach einiger Zeit löste sie sich langsam von ihm. Nahm ihre Hände aus seinen Haaren und lehnte sich weg von Tahmo. Rotwanging räusperte sie sich, während Tahmo nach hinten sank, sich mit den Ellbogen abstützte und ebenfalls leise räuspernd verstohlen zu seinem Fuß guckte. Man konnte fast meinen das er nun wieder deutlich mehr Farbe im Gesicht hatte. Das war toll, hoffentlich bin ich nicht rot im Gesicht... oh man was sag ich jetz nur?
Doch ehe Tahmo in Verlegenheit kam das Wort zu ergreifen, ergriff Lua die Initiative:
"Ich möchte mit dir Atem- und Windstromübungen machen. Nimm verschiedene Posen ein, sei ganz entspannt. Dann lass die Luft an deinem Körper entlang wandern. Lass dich von ihr massieren wie von den zarten Händen einer ... Frau. Fühle sie. Schöpfe Kraft und lerne die Luft dadurch nur noch besser kennen. Aber behalte die Kontrolle, das ist der wesentliche Sinn dieser Übungen."
Tahmo blickte mit leuchtenden Augen zu Lua, nickte zu ihren Worten und war ein wenig froh das sie gleich mit Untericht fortfuhr. Die erste Position bestand darin das sich Lua entspannt an die Bettkannte setzte, so als würde sie meditieren.

Vorsichtig zog Tahmo seinen Fuß aus der Schlinge, solange er den Knöchel nicht belastete schmerzte es auch nicht. Er rutschte ein Stück weit nach oben, bauschte sein Kopfkissen auf und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Der Blondschopf atmete durch, er war wirklich entkräftet denn schon allein das Hochrutschen und anders hinsetzen brachte ihn ein wenig ins schnaufen. Trotzdem, er wollte weiter machen. Ebenso wie Lua schloss er seine Augen, imitierte so gut er konnte die Sitzhaltung und fing an sich zu konzentrieren. Er atmete ruhiger und schneller als zuvor fühlte er die Luft auf seinen unbedeckten Hautstellen. Und da man ihm sein Hemd und Hose gelassen hatte, konnte er fühlen wie die Luft um seine Arme, über sein Gesicht und zwischen seine unbedeckten Zehen hindurch strich. Für jemanden der kein Luftmagier oder Magier im allgemeinen Sinne war, stand die Luft in diesem Raum still. Aber Luft war immer in Bewegung, auch wenn es nur kleine Bewegungen waren. Tahmo fühlte sie. Und auch wenn es ihm nun schnell gelungen war die Luft zu fühlen, so ging er äußerst vorsichtig vor. Mit gleichmäßiger Atmung verfolgte er zuerst den Weg der Luft auf seinem Gesicht, ohne diesen zu beeinflussen. Dann die Luft auf seinen Armen. Auf die restliche Luft an und unter seinen Kleidern konzentrierte er sich nicht, ebenso wenig wie auf die Luft die im restlichen Raum war. Er wollte es kontrolliert angehen, nichts überstürzen, die Kontrolle behalten. Es war schwierig für ihn die Gedanken bei sich zu halten und nicht an Lua zu denken. Was sie wohl von der Umarmung hielt? Hoffentlich war das im Nachhinein kein Fehler. Frauen waren für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Besser ich konzentrier mich auf die Luft... hoffentlich hab ich Lua nicht verstimmt.... Luft! Ich muss mich auf die Luft konzentrieren! ...und wenn mich Lua nun nur süß findet wie einen kleinen Bruder, oder einen Hund?... Luft! Tahmo! Luft!
Mit angestrengter Mimik atmete der Blondschopf tief durch, sein Kopf brummte wieder ein wenig, aber es ging noch. Konzentriert wartete er auf weitere Anweisungen von Lua.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Gestalt » Montag 15. November 2010, 19:27

Luas Herzschlag ging ruhig. Er vermochte zu hypnotisieren, denn nach jedem gedämpften Klang wurde ein leiser Nachhall erzeugt. Seefahrer mochte das Schlagen an das Rauschen des Meeres erinnern, wenn gigantische Wellen sich an vorstehenden Klippen brachen und die Könige der See auf diese Weise ihre Schaumkronen einbüßen mussten. Luftmagier – erfahrene gleichermaßen wie Lehrlinge – dachten hierbei wohl eher an die Schönheit der Berge. Luas Herzschlag erzeugte ein leichtes Vibrieren ihres Inneren, wie Donner in einer Höhle, und der leise Nachhall wiederum wandelte sich in ein bezauberndes Echo, getragen vom Wind selbst.
Tahmos Herzschlag hingegen beschleunigte sich, als sie ihm so zärtlich immer wieder durchs Haar strich. Ob Lua es hören konnte? Es schien so laut! Ein stetiges Hämmern, das offenbar mit jeder neuen Welle, in der die Finger der Magierin Tahmos Haar zerteilten, nur noch anwuchs. Der Moment hätte nie vergehen sollen, so angenehm war er. Aber schließlich unterbrach sie ihn.

Vielleicht fürchtete Lua, Samson oder ein anderer Dorfbewohner könnte sie ertappen. Es war leider keine Zeit für den Austausch von Zuneigung und Zärtlichkeit. Für die Bewohner dieses immergrünen Walddorfes stand einiges auf dem Spiel. Sie hatten sich für die Taktik entschieden, dass Angriff die beste Verteidigung war. Und auch Tahmo und Lua sollten sich dafür rüsten, obgleich Ersterer noch nicht einmal vollkommen genesen war.
Die Übungen verliefen dennoch gut und das meditative Atmen entspannte ungemein. Trotzdem konnte Lua erkennen, wie müde ihr Schützling noch war. Statt weiterer Übungen – ganz gleich welcher Art – benötigte er vor allen Dingen Schlaf. Sie öffnete ein Auge, um ihn zu mustern. Sein kurzes Schnaufen hatte ihn verraten und sie neugierig gemacht. Er konnte nicht anständig sitzen. Das Kissen im Rücken hinderte ihn nur. Seine Atmung mochte sich entspannt haben, aber sie war noch lange nicht tief genug, dass Tahmo den Sinn dieser Übung begriff. Er musste fühlen, wie sich seine Lungen blähten und welche Energie das Einatmen frischer Luft brachte. Oder das Abgeben gebrauchter Luft. Er musste mehr aus dem Bauch heraus atmen anstatt aus der Brust. So viele Nichtluftmagier atmeten falsch und gaben ihr Wissen an ihre Kinder weiter. Dabei war das Zentrum des Körpers umso viel wichtiger als jener Bereich, in dem sich das Herz aufhielt. Lua stockte. Was sagte ihr Herz? Nun öffnete sie auch noch das andere Auge, beobachtete Tahmo inzwischen schweigend. Mein Herz schlägt unendlich ruhig, so zufrieden ist es.

Sie schüttelte den Kopf. „Du machst das schon sehr gut, aber noch nicht ganz richtig. Warte, ich helfe dir.“ Lua erhob sich von der Bettkante und zog Tahmo das Kissen aus dem Rücken. Sie nahm nun dessen Platz ein. Von wegen Training! Für den Bruchteil einer Sekunde verweilten ihre Hände auf seinem Rücken. Sie strich seine Wirbelsäule entlang, bis zu den Hüften. Dort drückte sie mit den Daumen ein wenig, bis sich ihr Schüler etwas mehr aufrichtete. „Sitz gerade und am besten legst du deine Hände auf den Bauch. So spürst du dein Zentrum am besten. Als Anfänger ist das hilfreich, irgendwann brauchst du diese Methode nicht mehr so anzuwenden. Es geht dir in Fleisch und Blut über. Pass auf, ich zeige es dir.“ Ihre Hände glitten nun um seine Hüften nach vorn. Lua legte sie an Tahmos Bauch, die Daumen aneinander liegend, ebenso Zeige- und Mittelfinger. So formte sie ein Dreieck vor seinem Bauch. Dann wurde sie still, saß einfach nur in dieser Position. Schließlich senkte sich ihr Kinn auf Tahmos Schulter. Ihre Stimme war ein Flüstern, als sie sagte: „Positioniere deine Hände genau so und dann atme, aber nur aus dem Bauch heraus. Du wirst den Unterschied schnell bemerken.“

An dieser Stelle hätte es genügt, wenn sie sich zurückgezogen und abgewartet hätte, wie gut ihr Schützling die Anweisungen umsetzte. Aber Lua Chii blieb. Ihr Kopf lag weiterhin auf Tahmos linker Schulter auf, ihre Hände ruhten auf seinem Bauch. So würde er nur sie spüren, wenn er atmete. Warme Luft strömte aus ihrer Nase, traf sanft seinen Hals. Ihr Kopf folgte, als Lua ihn neigte und sich gegen Tahmo lehnte. So weich war ihre Wange.
Lua schloss die Augen. Sie sog seinen Duft ein, genoss seine spendende Wärme und dass sie an seinem Rücken lehnte, der trotz Tahmos schlaksiger Statur breiter als der ihre war. „Ich werde dir alle Geheimnisse zeigen und alles, was du wissen musst“, hauchte sie mit der bereits vertrauten Verträumtheit in ihrer Stimme. Wie ihre Worte nun allerdings auszulegen waren, musste Tahmo allein heraus finden.
Soviel zum Thema Austausch von Zuneigung…
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 18. November 2010, 20:26

Lua fing an ihren Schüler zu beobachten und erkannte dabei einen grundlegenden Fehler. Tahmo atmete aus der Brust und weniger aus dem Bauch heraus. Ein Umstand der wohl größtenteils seiner momentanen Sitzposition zu verdanken war. Denn Tahmo saß alles andere als aufrecht oder gerade. Mit dem dicken Kissen in seinem Rücken stauchte es ihm seinen Brustkorb zusammen, sodass ein richtig tiefes einatmen schon gar nicht möglich war. Zusätzlich lehnte sein Hinterkopf an dem harten Bettkopfteil aus massiver Eiche, was seinem geschundenen Hirn auch nicht richtig zu gute kam. Der Blondschopf seufzte mit geschlossenen Augen, seine Mimik war gezeichnet von Konzentration und Anstrengung. Es fiel ihm wohl nicht allzu leicht noch länger die Wege der Luft in diesem Raum nachzuvollziehen.

Weiterhin wurde er von Luas nachdenklichem Blick beobachtet. Solange bis die Magierin ihren ebenfalls blonden Schopf schüttelte. „Du machst das schon sehr gut, aber noch nicht ganz richtig. Warte, ich helfe dir.“ Erklang ihre Stimme von der Bettkante aus. Gesagt getan, Lua erhob sich von der Bettkante um zu ihrem jungen Schüler zu gelangen. Dieser war ein wenig aus der Konzentration gerissen worden als er plötzlich Luas Stimme vernommen hatte. Gerade noch trugen ihm die letzten Luftzüge zu das sich die Magierin ihm näherte, nach seinem Kopfkissen griff und....

„W-Woah!“ erschrocken riss Tahmo seine grünen Augen auf. Rudernd versuchte er mit seinen Händen irgendwo Halt zu finden um nicht mangels des nun fehlenden, stützenden Kopfkissen in seinem Rücken hart gegen das Eichenholz des Bettkopfteil's zu fallen. Er bekam die Decke zu fassen, die jedoch keinerlei Halt bot und aufgewirbelt zu Boden rutschte. Tahmo sah sich schon mit einer fetten Beule am Hinterkopf, als sein vermeintliches Kippen jedoch überraschenderweise sanft aufgefangen wurde. Sehr sanft. Was Tahmo nämlich nicht mehr mitbekommen hatte, war die Tatsache das sich Lua, statt des Kissens, hinter Ihn gesetzt hatte. Tahmo war also direkt in ihren Armen gelandet. Angespannt vor Überraschung und mit klopfendem Herzen schielte er seitlich auf die beiden Füße der Magierin, die nun rechts und links neben ihm waren. Ebenso überrascht blickte Tahmo nach vorne, als er Luas warme Hände auf seinem Rücken erfühlte. Was hat sie vor?
Sanft strichen die Hände der Magierin rechts und links neben seiner Wirbelsäule hinab. Tahmo spannte hier und da seinen Rücken an. Allgemein saß er recht verkrampft da... an was das nur lag?
Trotz allen dürfte Lua wohl bemerken das Tahmo trotz seiner schlaksig anmutenden Statur durchaus Kraft besaß. In diesem Fall in seinem Rücken. Die beiden Muskeln rechts und links der Wirbelsäule hatten zwar sicherlich keine Kämpferqualitäten, waren aber trotzdem stärker als bei manch anderem. Sie zeugten von einem Leben in dem man des öfteren weit laufen und vor allem, schnell klettern musste. Auf Bäume, kleinere Schuppen oder Dächer. Inzwischen waren Luas Finger bei Tahmos Hüfte angelangt. Der Blondschopf hielt die Luft an und machte schlagartig den Rücken gerade als Lua ihm mit einem leichten Druck den entsprechenden Impuls dazu gab.
„Sitz gerade und am besten legst du deine Hände auf den Bauch. So spürst du dein Zentrum am besten.“ kommentierte Lua ihre Aktion, ehe sie fortfuhr:“ Als Anfänger ist das hilfreich, irgendwann brauchst du diese Methode nicht mehr so anzuwenden. Es geht dir in Fleisch und Blut über. Pass auf, ich zeige es dir.“ Abermals staunte Tahmo nicht schlecht. Luas Hände strichen über seine Hüfte nach vorne auf seinen Bauch, um dort mit den Fingern ein Dreieck zu bilden. Langsam senkte sich ihr Kinn auf seine Schulter, „Positioniere deine Hände genau so und dann atme, aber nur aus dem Bauch heraus. Du wirst den Unterschied schnell bemerken.“ flüsterte sie ihm schließlich in sein Ohr. Tahmo bekam schlagartig eine Gänsehaut im Nacken sowie seinem gesamten Rücken hinab. Lua war ihm in den letzten Sekunden ziemlich schnell ziemlich nah gekommen und er saß da wie zur Salzsäule erstarrt während sein Hirn das Ganze immer noch am verarbeiten war. Oh man, ich glaubs nicht. So nah... ist das gut? Oder schlecht? Verdammt was mach ich nun nur? Am besten sollte ich ruhig bleiben, ja genau. Ruhig und entspannt und einfach machen was sie sagt. Da kann ich sicher nichts falsch machen, oder doch? Nein, wird schon alles stimmen. Also ruhig bleiben Tahmo... entspannen... ganz ruhig.
Tahmos Herz schlug ihm bis zu den Ohren, welche sich inzwischen in einem roten Farbton kleideten. Auch bei seiner schnellen Atmung war es schwierig ruhig durchzuatmen. Umstände die Lua sicherlich auffielen. Dennoch, Tahmo stand – im wahrsten Sinne des Wortes – seinen Mann und tat sein bestes wegen Blutmangels im Kopf nicht Ohnmächtig zu werden. Zum einen war das nämlich ein sicherlich schlechter Zeitpunkt aufgrund von Schüchternheit aufzuspringen und wegzurennen und zum Anderen konnte er es nicht leugnen Luas Nähe nicht, nicht zu mögen. Er legte seine warmen Hände in derselben Position auf Lua's und somit auch auf seinen Bauch. Dann entspannte er sich allmählich, mit der Geschwindigkeit eines alten Mannes der sich auf eine Bank setzen wollte und jeden Muskel und jedes Gelenk einzeln dazu dirigieren musste.

Das ist schonmal ein Anfang Tahmo, jetzt Augen schliesen und ruhig atmen...
Tahmo fing an konzentriert aus dem Bauch heraus zu atmen. Seine Lungen füllten sich mit Luft, nutzten den neu gewonnenen Raum und entfalteten sich zu voller Größe. Es war erstaunlich, Tahmo bemerkte das er es schaffte deutlich mehr Luft einzuatmen und dadurch auch gleichzeitig viel mehr Wahr nahm. Die Luft brachte ihm eine Vielzahl an Informationen, vielfache Düfte, Gerüche, darunter auch der von Lua den er durchaus als angenehm empfand. Er spührte jede einzelne Bewegung in seiner Nähe, jeder Luftpartikel der aufgewirbelt wurde erreichte seine Lungen. Tahmo fing an sich tiefer zu entspannen. Luas Nähe war inzwischen nicht mehr irritierend, sondern eher angenehm, faszinierend. So kam es das er seine Wange ebenfalls ein wenig gegen Luas drückte, während er seinen Rücken an ihre Vorderseite schmiegte. Fasziniert und umgeben von Wärme folgten seine Sinne einzelne Verwirbelungen der Luft die auf seinen Armen entstanden. Und es schien zu stimmen was Lua ihm gesagt hatte. Mit dieser Übung, dieser Meditation konnte man tatsächlich Kraft tanken. Jeder einzelne Atemzuge brachte ihm Entspannung, Ruhe sowie Zufriedenheit. Seine Gedanken schwebten träge durch seinen Kopf. Ein lauwarmer Sommerwind verscheuchte die geistigen Strapazen der Schlacht. Nur seinen schmerzenden Knöchel vermochte der Wind nicht zu heilen. Mhhhh... ist das schön... so entspannend... Ich werd ganz müd. Tahmo atmete kurz etwas tiefer, gähnte mit geschlossenem Mund. Er hörte noch wie Lua ihm etwas mit verträumter Stimme in sein linkes Ohr raunte, ohne über den Sinn des Satzes nachzudenken. Er war einfach nur froh das sie bei ihm war und er bei ihr sein konnte. Einfach so. Ja, man konnte mit Recht behaupten das sich Tahmo äußerst wohlfühlte und sein Vertrauen gegenüber Lua inzwischen unendliche Größe erreicht hatte. So kam es auch das er, schlaftrunken, müde von den Strapazen und unendlich entspannt von der meditativen Übung in einen tiefen Schlaf dämmerte. Sein Kopf kippte seitliche gegen den von Lua und seine Hände fielen ihm schläfrig in den Schoß. Was in Tahmo wohl vorging wenn er erwachte und sich erinnerte wie nah er Lua gekommen war, stand zu diesem Zeitpunkt wohl noch in den Sternen.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Dienstag 23. November 2010, 08:47

Er war etwas verkrampft. Lua spürte, wie ihr Schüler seinen Körper anspannte und kerzengerade im Bett saß. Seine Ohren hatten sich dunkelrot gefärbt. Sie schmunzelte. Er brauchte sich keine Sorgen machen. Lua besaß gewisse Erfahrenheit, außerdem würde sie Tahmo in diese zweite große Kunst genauso sanft einführen wie bereits in die Luftmagie. Verträumt schmiegte sie sich an. Er war angenehm warm. Es fühlte sich gut an, in seiner Nähe zu sein.
Tahmos Hände lagen auf ihren eigenen, sie genoss es. Sämtliche Gedanken an Übungen oder den Kampf vor wenigen Stunden waren vergessen. Für Lua gab es im Moment nur diesen Augenblick und er war wundervoll. Bis ...
"Was sagst du, Tahmo? Empfindest du ... auch so? Tahmo" Sie hob den Kopf von seiner Schulter. Er war leicht in sich zusammengesackt. Sein Gewicht lagerte nun auf ihr, außerdem antwortete er nicht. Aber seine Atmung ging entspannt ruhig. "Oh." Schon berührte seine Wange erneut ihre eigene. Der Kopf war zur Seite gekippt.
Lua schob sich vorischtig an ihm vorbei. Zum Glück lag das Kissen noch griffbereit. Es wanderte unter Tahmos Kopf, als sie seinen Körper langsam nach hinten gleiten ließ. Sie streckte seine Beine aus, deckte ihn bis zum Hals zu und dann beobachtete sie ihn. Er schlief ruhig, sah entspannt und so friedlich aus.
Lua strich über die Stirn ihres Schülers, dann durch sein Haar. Endete ihre Suche hier, weil der Wind gedreht und ein neues Ziel für sie aufgezeigt hatte? "Vielleicht", hauchte Lua ihm zu. Dann warf sie einen Blick zur Tür. Samson konnte jederzeit zurückkommen. Sie musste ihm mitteilen, dass Tahmo einfach zu erschöpft war, um selbst Atemübungen zu machen. Die Waldläufer konnten auf seine Kräfte noch nicht zurückgreifen. Es war zu viel für ihn und ... Lua verkniff sich, auch nur darüber zu denken, was sie noch vorhatte.
Sie verließ den Raum, um Samson zu suchen, jedoch blieb sie nicht lange fort.

Die Stunden zogen dahin und Tahmo erhielt die Möglichkeit, sich zu erholen. Sein Körper sammelte neue Kräfte, obwohl der Knöchel gelegentlich ziepte. Aber es war auch schön warm unter der Decke, wofür nicht nur sein eigener Körper sorgte. Als er erwachte, zwitscherten Vögel direkt vor dem runden Fenster, das wie ein Loch im Baum aus dem Raum gewachsen war. Sie sangen ihm ein Ständchen, begrüßten den neuen Tag. Sonnenstrahlen mochten zwar derzeit nicht in den Raum hinein scheinen, denn eine trübe Wolkendecke reichte über den gesamten Himmel, aber die Waldbewohner ließen sich dadurch nicht abschrecken, ihre Freude auszudrücken.
Sie trällerten einfach weiter, dass sich ihre natürlich harmonischen Klänge an Tahmos Ohr schmiegten. Und noch etwas - genauer gesagt: jemand - schmiegte sich an ihn. Ein Arm schob sich auf seine Brust. Jemand kuschelte sich eng an den Blondschopf. Ihr Duft hätte ihm bereits verraten können, dass es sich um Lua handelte. Sie lag mit ihm unter der Decke, im selben Bett. Sie trug nur ein Hemdchen und sie umarmte ihn. So nah, so dicht, so sanft, weich und warm!
Ihr Kopf ruhte an seinem Hals, die Lippen lagen wie zum Kuss bereit auf seiner Haut. Ein Bein hatte sich um Tahmos geschlungen. Das vertrieb selbst den leichten Schmerz im Knöchel.


Tahmos Lebensenergie steht nun wieder bei: Bild
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 28. November 2010, 11:54

Tahmo merkte nichts von seinem Gast. Der Blondschopf schwebte in einem erholsamen Schlaf. Tief versunken im Land der Träume fingen sein Körper und sein Geist an sich von den Strapazen der Schlacht loszusagen. Erst die ersten melodischen Gesänge der Waldmenschen und Vögel draußen vor dem Fenster vermochten den Blondschopf sanft zu erwecken. Tahmo hatte gut geschlafen, sehr gut sogar. Er fühlte sich erholt und regeneriert. Naja fast, nur sein Knöchel ziepte noch ein wenig wenn er ihn unter der Bettdecke bewegte. Unter der mollig warmen Bettdecke. Tahmo lag auf dem Rücken, den Kopf zur Seite in Richtung Fenster gedreht. Lua hatte er bisher noch nicht bemerkt. Gähnend öffnete Tahmo seinen Mund, kniff die Augen erst zusammen, wühlte seinen rechten Arm unter der Decke hervor, um sich den Schlaf aus seinen Augen zu reiben. Blinzelnd öffnete er erst eines, dann das Andere. Sein Blick traf zu aller erst das runde Fenster. Welches eher wie ein Astloch und weniger wie ein akkurat gezimmertes Fenster wirkte. Am Ende war es wohl auch nur ein Astloch das man als Fenster umgestaltet hatte. Leider hatte an diesem Tag die Sonne wohl keinerlei Lust ihre wärmenden Strahlen zu ihm hinein zu schicken. Naja, was solls. Dachte sich Tahmo und wollte aufstehen. Da wurde ihm zum ersten Mal das Gewicht bewusst das halb an seiner Seite lehnte und halb auf ihm lag. Verwirrt blinzelnd und sich deutlich wundernd wandte er seinen Kopf nach links und... guckte geradewegs in das schlafende Gesicht von Lua. Kurzzeitig erschrocken spannte er sich an, um dann mit klopfendem Herzen aus seiner Nase auszuatmen. Lua? Das... was... die... neben mir? Im Bett? Unter einer gleichen Decke? Tahmo konnte den Umstand kaum fassen. Er schluckte, die Magierin hatte sich ganz schön an ihn ran gekuschelt. Er fühlte ein fremdes Bein das sein eigenes umschlang, sowie einen Arm der über seine Brust gelegt war. Und dann war da noch Luas angenehm warmer Atem an seinem Hals... Das ihm das nicht schon früher aufgefallen war? Er lag tatsächlich mit Lua in einem Bett! Er musste definitiv noch träumen. Probeweise zwickte er sich in die Seite, um genau das Gegenteil festzustellen. Er war wach, hell wach sogar und das war kein Traum. Angespannt wie er war, atmete er langsam und gepresst aus.
Lua fühlte sich weich und warm an. Ihre Nähe erzeugte ein wohliges Gefühl von Zuneigung und Geborgenheit in ihm. Er hörte sein Herz pochen, musterte still ihr schlafendes Gesicht. Ihre Nase, ihre Lippen... und wusste nicht wie er nun am besten reagieren sollte.
Na toll.... verdammt... und jetzt? Weiterschlafen? Nicht bewegen? Und wenn sie aufwacht? Das wär irgendwie eine komische Sache dann...oh man.....Am besten... am besten lass ich sie schlafen und schleich mich leise raus. Dann... komm ich auch nich in seltsame Situationen
Tahmo biss sich hart auf seine Unterlippe, bis diese weiß wurde. Ein wenig überfordert mit der Situation, hatte er keine Ahnung wie er reagieren sollte. Der Blondschopf hielt seine Luft an, behutsam zog er sein Bein unter Luas Bein hervor. Sein Knöchel meldete sich ziepend zu Wort, als er seinen Fuß ein wenig anwinkelte. Er atmete abermals gespannt aus, nur um sofort zu erstarren. Lua murmelte leise im Schlaf. Hastig huschten seine Blicke wieder über ihr Gesicht. Er war ihr so nahe, nur einen Zentimeter näher und er hätte sie glatt küssen können. Tahmos Zunge strich über seine trockenen Lippen. ... Ob ich vielleicht sollte?... Ob sie das merken würde? Wieso denke ich über so etwas nach? Am Ende will sie das gar nicht. Vielleicht war nur kein anderes Bett frei... und wenn nicht? Zögernd rutschte Tahmo ein wenig Näher, sein Herz pochte Laut und deutlich. Das wäre eigentlich ein guter, einmaliger, jedoch waghalsiger Augenblick. Dennoch... Nein, lieber nicht. Das würd ich auch nicht wollen... ich... verschwinde lieber. Tahmo schluckte, ehe er sanft nach Luas Arm griff, der locker auf seiner Brust ruhte. Behutsam schob er diesen beiseite, vergewisserte sich mit einem Blick das die Magierin nach wie vor schlief und rutschte mit der Lautstärke einer Feder aus dem Bett. Seine nackten Fußsohlen berührten nacheinander den kühleren Holzboden. Tahmo verlagerte sein Gewicht bestmöglich auf den gesunden Knöchel, hielt sich an einem Bettpfosten ein und angelte nach seinem über einer Stuhllehne hängenden Gürtel. Die blaue Tunika sowie seine leichten Lederstiefel ruhten ebenfalls auf der Sitzfläche des Stuhls, aber Tahmo wollte nicht zuviel Krach verursachen. Zudem trug er seine Hose sowie sein Hemd. Zusammen mit dem Gürtel musste das reichen... dann rutschte wenigstens seine Hose nicht wenn er draußen war. Einzig und allein sein Stab, den er zur Gehstütze umfunktionierte, durfte ihn nach draußen begleiten. Langsam humpelnd schlich sich der Blondschopf aus der Holzhütte, wobei er die rundliche Türe fast geräuschlos zudrückte.
Aufatmend lehnte sich Tahmo mit dem Rücken an das Türholz. „Uff...“ Das wäre geschafft.
Sein Blick wanderte hinab zu den Zehen. Dumm das mit dem Knöchel, aber ich brauch erst einmal Luft. Durchatmend schloss Tahmo die Augen, lehnte seinen Hinterkopf an die Tür und umfasste das wärmende, von Magie durchdrungene Holz seines Stabes. Langsam schlug sein Herz wieder in einem normalen Rhythmus, seine Gedanken sammelten sich wieder. Bis er fordernd in den Bauch gestupst wurde. „Woah...“ riss Tahmo die Augen auf, „Oh... du bists... hey du komms genau richtig!“. Tahmo streckte seine Hand aus, um seinen Freund Faro den Nasenrücken zu kraulen. Das Pony durfte hier anscheinend noch frei herum laufen. Die Waldbewohner kannten vermutlich Faros Gefräßigkeit noch nicht... oder nahmen diese billigend in Kauf. Der Ponykopf drückte sich gegen Tahmos Brust, während der Blondschopf seinen freien Arm um Faros Kopf legte, sowie seine Wange an die Stirn seines Freundes schmiegte. „Hey... Lass uns bissl hier umsehn Faro. Nur wir Zwei... ich muss was nachdenken.“ Gesagt, getan. Ein paar Augenblicke später saß Tahmo auch schon auf dem Rücken des etwas dicklichen Ponys. Den Stab in seiner rechten Hand, lies er Faro einfach los trotten. Seine Augen weideten sich verträumt an der harmonisch wirkenden Umgebung. Die, trotz des grauen Wetters, einen freundlichen Eindruck machte. Ganz im Gegenteil lies das Wetter den Ort sogar ein wenig mystischer erscheinen. Und überall waren schon Bewohner auf den Beinen. Gingen mit einem frohen Lied auf den Lippen ihren täglichen Arbeiten nach wie das Zubereiten von Nahrung, dem Pflegen von Pflanzen, dem Unterrichten der Jüngeren oder dem Herstellen von Waffen und Munition. Die Vergangene sowie bevorstehende Schlacht war nicht wegzudenken. Zögernd legte sich Tahmo auf den Rücken, sodass er nun gen Blätterkrone sah. Dort wurde er wenigstens nicht an Schlachten erinnert. Davon hatte er nämlich momentan genug... obwohl ihn das wohl früher wieder einholen würde als ihm lieb war. Ein erneuter Seufzer entwich seine Kehle, warum musste alles nur so schwierig sein? Den Stab der Länge nach auf ihm ruhend lies er seine Gedanken schweifen. Das mit der Schlacht war dumm. Ich muss besser aufpassen und mehr lernen. Und das mit Lua? Hm... schwierig. Ich mag sie, oder? Ja doch ich mag sie, sehr sogar. Grübelnd kratzte sich Tahmo am Kopf. Und sie mich? Mag sie mich ebenso oder bin ich eher so etwas wie ein Bruder für sie? Immerhin bin ich ihr Schüler... das ist glaub ich keine so gute Sache um Chancen zu haben. Oder doch? Aber hätte sie sich dann zu mir gelegt? Warum hat sie das überhaupt? Ach verdammt... viel zu kompliziert das alles. Schnaufend setzte sich Tahmo wieder auf. Ja, Frauen waren absolut nicht sein Spezialgebiet. Er hatte in seinen bisherigen Lebensjahren auch nicht wirklich Chancen gehabt Erfahrung zu sammeln. Denn als Dorfsonderling war so etwas einfach unmöglich. Tahmo empfand durchaus etwas für Lua und dieses Gefühl schien auch immer stärker zu werden. Allerdings hatte er wohl ein wenig Panik davor das Lua das mitbekam, falsch deutete, nicht erwiderte oder er einfach wenn es drauf ankam keine Ahnung hatte wie er reagieren sollte und sich dann – wie schon öfters – absolut zum Affen machte. Mit einer Mimik die zum bewölkten Himmel passte, stützte er sich nach vorne gebeugt mit den Unterarmen auf den Schulterblättern von Faro ab um stur nach vorne zu gucken. Die flauschigen Pony Ohren wippten bei jedem Schritt gemächlich auf und ab. Faro hatte sich wohl entschieden direkt auf den Markt zuzuhalten, der sogar schon zu dieser Zeit und vor allem bei diesem Wetter einige Besucher aufwies. Tahmo hatte nichts dagegen. Ein wenig mit seinem Pony über den Markt zu wandern würde vielleicht seine Gedanken vertreiben und ihn somit ablenken. Zumal er sowieso sehr leicht zu begeistern und abzulenken war. Schnell wie der Wind konnte Tahmos Aufmerksamkeit von einem Punkt zum Anderen wechseln.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Montag 29. November 2010, 19:29

Der Knöchel ziepte und zwickte noch immer, aber der Schmerz hatte bereits beträchtlich nachgelassen. Tahmo gelang es sogar, mithilfe seines Stabes zu laufen. Es tat nicht einmal sehr weh. Dabei hätte diese Ablenkung möglicherweise gut getan. Tahmo grübelte zu sehr - über sich und Lua. Warum auch hatte seine Lehrmeisterin so dicht bei ihm gelegen? Und dann auch noch unter einer Decke!
Weil sein Herz noch immer klopfte, entschloss er sich, seine Unterkunft zu verlassen und traf draußen direkt auf Faro. Das Pony hätte eigentlich im Stall sein sollen, aber es war ein gewitztes Tier und hatte es geschafft, auszubrechen. Da die Bewohner der Dorfes und vor allem Samson mit den Vorbereitungen für den Kampf gegen die Dunkelelfen beschäftigt waren, kümmerte sich niemand um das frei herum trabende Pony. Aber Faro war auch nicht weit gegangen. Er wusste, wo sein bester Freund schlief und hatte die Nacht unter dem Astlochfenster verbracht. Erst als er das Geräusch der sich öffnenden Tür wahrgenommen hatte, war er sofort darauf los getrottet. Sein Glück hatte ihn zurück an Tahmos Seite gebracht.

Jetzt trug er seinen Freund auf dem breiten Rücken über den Rundweg. Dabei steuerte Faro die Marktstände an. Es roch hier an einigen Stellen so köstlich! Da konnte er nicht widerstehen.
Überall hing Nebel knapp über dem Boden. Es war kühl, aber die Bewohner schienen daran gewöhnt zu sein. Sie gingen ihrer Arbeit nach und das nicht zu knapp. Viele waren damit beschäftigt, ihre rindenartigen Rüstungen auszubessern oder Pfeile herzustellen. Es gab aber auch einige Gruppen, die vollkommen waffenlos Bewegungsübungen vollzogen, die Tahmo vermutlich an seine Meditationsübungen mit Lua erinnerten.
Ein hochgewachsener Elf schlenderte an ihm vorbei. Er grüßte mit einer angedeuteten Verbeugung, wohingegen zwei Frauen in waldgrüner Kleidung Tahmo direkt ansprachen.
"Guten Morgen, Windjüngling. Geht es deinem Fuß schon besser? Ich habe gehört, du bist dort verletzt worden gestern."
"Sag, wirst du wieder mit in die Schlacht ziehen?" Sie musterten Tahmo mit großen Augen. Dann schüttelte die eine den Kopf. "Ach nein, du solltest dich lieber noch schonen. Deinen Fuß und so, meine ich." Die andere nickte zustimmend. "Du hast uns auch so schon eine Menge geholfen. Unglaublich! Du bist noch jünger als mein Bruder!"
Sie verabschiedeten sich und spazierten weiter. Tahmo war Dank seines Luftzaubers nun bekannt wie ein bunter Hund - aber auch als kleiner Held des Dorfes angesehen. So wollte man, dass er sich wohl fühlte.

"Hierher, Luftmagier!", rief ein Händler. Er winkte mit einem in Honig getauchten Apfel am Stock. "Nein, zu mir. Süßes auf nüchternen Magen ist ungesund. Ihr braucht etwas Deftiges, Bursche." Er zeigte auf die herab hängenden Fasane, die wohl noch vor Morgengrauen erlegt worden waren. Auch andere Händler boten Tahmo ihre Köstlichkeiten an. Brot mit ganzen Haselnüssen, Früchtekompott, dampfende Kartoffeln, gegartes Gemüse, gesammelte Trüffel. Die Möglichkeiten schienen endlos.
Faro konnte sich natürlich nicht entscheiden. Er drehte den Kopf von einem zum nächsten, schnupperte, schnaubte und hätte am liebsten jeden einzelnen Stand abgeklappert. Nun stand er jedoch unentschlossen in deren Mitte und wusste nicht, wohin.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 2. Dezember 2010, 21:59

Tahmo drehte seinen Rücken um den grün gekleideten Frauen verwundert nachzusehen. Was?... Wer war das? Die kannten mich! Und vor allem... Tahmos Blick wanderte wieder vor, Windjüngling klingt doof, irgendwie und woher will die wissen wie alt ich bin? . Das war dem jungen Blondschopf neu, dass man von wildfremden Leuten die man noch nie gesehen hatte, gegrüßt und erkannt wurde. Ein seltsames Gefühl für jemanden der es eigentlich nicht gewohnt war von Fremden beachtet zu werden oder irgendwie im öffentlichen Interesse zu stehen – zumindest wenn das öffentliche Interesse positiv gestimmt war. Faro trottete indes mit gemächlicher Zielstrebigkeit weiter. Dem kleinen, dicken Pony waren derartige Dinge ziemlich schnuppe. Was ihm jedoch nicht schnuppe war, war der eindeutige Geruch von leckerem Essen in seinen Nüstern. Faro folgte der verlockenden Duftspur nun schon eine ganze Weile und es schien so, als käme sie direkt von dem großen Platz mit den vielen Ständen, auf dem sich immer ganz viele beschäftigt wirkende Zweibeiner tummelten. Hoffentlich liesen sie ihm und Tahmo noch etwas übrig. Das Pony war nämlich der Ansicht das sein Blondschopf seit einiger Zeit deutlich an Gewicht verloren hatte. Und er musste das ja wissen, immerhin trug er Tahmo auf seinem Rücken. Dieser hatte inzwischen sein gesundes Bein hoch an seinen Körper gezogen. Sodass seine Fußsohle nun auf Faros Rücken und er selbst mit seinem Bauch an seinem Oberschenkel lehnte. Der Stab befand sich in dessen Halterung auf Tahmos Rücken. Die Halterung bestand aus einem einfachen, stupiden Gürtel mit zwei Schlaufen die man beliebig verschieben und verstellen konnte. Wenn er den Stab bei sich hatte, trug Tahmo auch den Gürtel, um seinen Stock nicht ständig halten zu müssen. Sein Kinn senkte sich sanft auf sein Knie hinab. Schon längst dachte er nicht mehr über die Worte der beiden Frauen von eben nach – auch wenn ein beunruhigendes, stetig wachsendes, einer Vorahnung gleichkommendes Gefühl nun in seiner Magengegend vorherrschte. Aber Tahmo war eben ein Kind des Windes und dachte nie an einem Stück lange über ein und dieselbe Sache nach. Es gab allgemein nur wenige Themen die ihn dauerhaft in irgend einer Ecke seines Hirns beschäftigten. Und das war zum einen, ganz klar, seine wachsenden Gefühle für Lua, die Luftmagie und ihre Geheimnisse sowie Neugierde darauf wo es ihn als nächstes hin verschlagen sollte. Und so wie es aussah, war das in naher Zukunft der Markt des Walddorfes.

Faros Hufe klapperten über den Rundweg bei dem großen, alten Baum hinweg. Selbst bei nebligem Wetter schien es als wäre der Baum von Sonnenlicht umgeben. Ein fast schon mystischer Anblick dem Tahmo noch längere Zeit hinterher sah. Auch als er und Faro bereits zwischen den ersten Marktständen hindurch schritten. Wie schon zuvor spannten sich bunte Stoffe in ausladender Weise über die aus Holz gewachsenen Marktstände. Überall lagen Waren aus, mit geduldig wirkenden Händlern die nur darauf warteten einem potentiellen Kunden ihre Ware feil zu bieten.
Und so ein potentieller Kunde schien just in diesem Moment die Bühne zu betreten. Als hätte jemand ein unsichtbares Kommando gegeben brach eine Szene los die gut aus einem lustigen Theaterstück hätte stammen können.
"Hierher, Luftmagier!", brüllte ihn ein enthusiastisch wirkender Händler von der Seite an. Zeitgleich wurde Tahmo beinahe von einem in Honig getauchten Apfel am Spieß abgestochen – der nebenbei bemerkt, verführerisch duftete. Dennoch hätte es den 'Windjüngling' beinahe von Faros Rücken geworfen, so erschrocken war er. Gerade noch hielt er sich an dessen Mähne fest um sich mit klopfendem Herzen wieder normal auf das Pony zu setzen. Faro schnaubte nur kurz, gefolgt von einem sehr präzisen und von Erfolg gekrönten schnappen nach dem Apfelstück. Ganz nach der Devise: Wenn du's dir nicht nimmst, nehm' ich es mir. Tahmo wollte gerade etwas sagen, aber ein zweiter Händler war schneller – und lauter: "Nein, zu mir.“ rief der dickliche Mann “Süßes auf nüchternen Magen ist ungesund. Ihr braucht etwas Deftiges, Bursche." Da hatte er Recht. Süßes auf nüchternen Magen war wirklich nicht gut. Aber tote Fasane? Nein, da verzog es Tahmo nur die Mimik. Er mochte Fleisch nicht, ihm taten die Tiere leid. Und wenn man darauf achtete was man aß, dann konnte man auch als nicht-Fleischfresser ausgezeichnet überleben. Immer mehr Händler kamen und boten dem Blondschopf ihr Essen an. Bald war er umringt von kleinen und großen, dicken und dünnen, elfischen und menschlichen, jungen und alten sowie weiblichen und männlichen Händlern und Händlerinnen. Nur eines waren sie alle: Laut und sehr aufdringlich. „Woah.... woah...erm..ich....“ Tahmo schluckte, er haßte es – wie schon gesagt – im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen. Und das war momentan der absolute Mittelpunkt. „Ich.. hab kein Geld dabei. Tut mir Leid.“ Brachte er zu seiner Verteidigung hervor, während er abwehrend die Hände hob. So als würde man ihn mit einer Waffe bedrohen. Sein Magen fing leise an zu Grummeln. Die Händler schwenkten das Essen in erreichbarer Nähe vor ihm herum. War es umsonst? Nein, sicher nicht. Umsonst war ja selten was. Außer man nahm es sich.. so das es keiner mitbekam natürlich. Naja und man konnte Dinge auch zufällig finden. Aber das hier? Faro lies sich füttern, Tahmo aber beteuerte seine Mittellosigkeit während er hoffte hier so schnell wie möglich zu entkommen. Auch wenn sein Magen eher zum bleiben geneigt war.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Montag 6. Dezember 2010, 19:23

Normalerweise riefen die Händler des Dorfes der Waldmenschen nicht wild durcheinander, um einen Käufer anzulocken. Sie kannten sich allesamt untereinander und Fremden gegenüber zeigten sie in der Form Respekt, dass sie ihm die freie Wahl ließen, an welchem Stand er denn nun Genaueres über die Ware erfahren wollte. Es existierte demnach wenig Konkurrenzkampf untereinander, denn sie waren ja allesamt Nachbarn, Freunde oder gar Verwandte.
Bei Tahmo wurde jedoch eine Ausnahme gemacht. Auch unter jenen Männern und Frauen, die nicht mit Waffe oder Magie gegen die Dunkelelfen zogen, hatten sich Name und Beschreibung des jungen Blondschopfes herum gesprochen. Das ganze Dorf kannte inzwischen den mächtigen Windmagus Tahmo als auch seine geheimnisvolle wie gleichermaßen verträumte Lehrmeisterin Lua Chii. Verträumt traf es im Moment sehr gut, denn sie schlief höchstwahrscheinlich noch immer so, wie ihr Schüler sie zurückgelassen hatte. Tahmo hingegen blieb keine Zeit für Träumerei. Jeder Dorfbewohner entwickelte nun einen gerade lautstarken Hang für Konkurrenz. Jeder wollte, dass Tahmo – der Tahmo, welcher ein großer Luftmagier sein musste, denn schließlich hatten viele seine Macht miterlebt, den Krater gesehen oder zumindest davon gehört – seine Ware probierte und natürlich lobte. Dann konnte man sie anderen mit dem Hinweis verkaufen, dass auch der heldenhafte Luftmagier ein solches Objekt besaß, die Ware am liebsten nutzte oder aß. Je nachdem, worum es sich gerade handelte. Primär waren dies allerdings allerlei Köstlichkeiten, Leckereien oder ganze Mahlzeiten, deren Aromen Faro bereits das Wasser im Maul zusammenlaufen ließen.

Er konnte sich nicht länger zurückhalten. Schon war der Honigapfel vom Stock gerissen. Genüsslich kaute das Pony darauf herum, die Ohren in alle Richtungen drehend und die Nüstern immer wieder blähend. Es lauschte und schnupperte, wo sich das nächste Leckerli für ihn befand.
Doch darüber brauchte sich Faro keinerlei Sorgen zu machen. Menschen wie Elfen, aber allesamt Händler, kamen näher. Sie bildeten eine Traube um Tahmo und Faro, umringten beide, um ihnen von allen Seiten Nahrhaftes anbieten zu können. Faro wieherte ekstatisch. Er war im Paradies!
Tahmo hingegen wurde mehr und mehr die Luft knapp. Der Raum nahm ab und er fühlte sich nicht nur bedrängt, sondern auch überfordert beschämt. Er konnte schließlich nichts davon bezahlen. So machte er dies nur allzu schnell deutlich. Die Menschen und Elfen würden enttäuscht sein, aber wenigstens ließen sie ihm dann wieder mehr Platz, wenn sie sich abwandten.

Alle lauschten seinen Worten. Dann hielten die ersten in ihren unablässigen Bewegungen inne, ihre kleinen Häppchen so nah wie möglich an den Jungen zu bringen. Sie guckten nur noch. Und sie wurden schweigsam. Jetzt brüllte niemand mehr. Es war tatsächlich so ruhig, dass man ein Blatt von einem Ast hätte fallen hören können.
Ein altes Mütterchen mit weißer Haube und nur noch einem vorstehenden Zahn musterte die Umstehenden kritisch. Schließlich reichte sie ihren Gehstock an den Nebenmann weiter, um die Hände demonstrativ in die knochigen Hüften zu stemmen. „Aber, aber … was ist nur mit euch los?“, schalt sie die Dorfbewohner. „Ihr werdet dem Retter unserer Heimat doch wohl kein Geld abknöpfen wollen, egal ob er welches hat oder nicht! Der hat euch eure Hintern gerettet und so dankt ihr es ihm?“
Einen Moment blieb es still. Viele fanden plötzlich ihre Füße überaus interessant, denn es senkten sich einige Köpfe, um diese betreten anzustarren. Schließlich rief ein Mann: „Das Mütterchen hat Recht! Wir sollten uns schämen!“
Und er war es auch, der als erstes wieder Tahmo seine Speisen reichte: heiße Kastanien, die unter ihrem köstlichen Aroma dampften. „Nimm so viel wie du essen möchtest, Junge!“
„Von mir auch!“ Schon schob sich ein Tablett mit gerösteten Mandeln nach vorn.
„Und von mir!“
Es folgten weitere Speisen aus ziemlich allen Nahrungsbereichen, die Celcias Wälder kannten. Faro schnappte bereits erneut danach. Er würde noch Bauchschmerzen bekommen, wenn er weiterhin so wild durcheinander fraß.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 9. Dezember 2010, 21:14

Tahmo hatte das Gefühl immer kleiner zu werden auf Faros Rücken, während die Händler weiter auf ihn eindrangen. Wenn der Heldenstatus damit verbunden war das man derart bedrängt wurde, dann wollte Tahmo ganz sicher kein Held mehr sein. Immerhin wusste er nun weshalb man Helden nur aus Geschichten kannte – die waren alle damit beschäftigt sich vor Händlern zu verstecken. Erst als Tahmo wagemutig bekannt gab vollkommen Mittellos zu sein... kehrte schlagartige Ruhe ein. Die Gesichter der Händler zogen sich mit enttäuschten Blicken lang. Einer nach dem Anderen nahm seine Ware zurück, ehe Tahmo oder das gefräßige Pony – wohl vielmehr das Pony – noch mehr futtern konnten. Peinlich berührt biss sich Tahmo auf die Unterlippe. Nun war er nicht nur im Mittelpunkt des Geschehens, sondern hatte zu allem Überfluss auch noch eine peinliche Situation herbei beschwört. Oh man, das fühlt sich nun wirklich unangenehm an. Ich sollte mich am besten aus dem Staub machen.... hoffentlich spielt Faro mit Mit leichten Druck seiner Fersen wollte Tahmo seinem Freund das Zeichen geben sich in Bewegung zu setzen. Was mit seinem verletzten Knöchel ziemlich unangenehm war. Und Faro schien zu allem Überfluss auch gar nicht ans gehen zu denken! Aber die Erlösung lies zum Glück nicht lange auf sich warten. Glück im Unglück, sozusagen.
Die Rettung trat in Form einer alten, hutzelige Frau auf die Bildfläche deren Kopf von einer weißen Haube bedeckt war. „Aber, aber … was ist nur mit euch los?“, erklang ihre kratzige, alte Stimme. Demonstrativ stemmte sie ihre knochigen Hände in die Seiten, nachdem sie ihren Wurzelstock einem nichtsahnenden Händler in die Arme gedrückt hatte. Tahmo starrte auf die Alte. Sie machte einen seltsamen, ehrbaren und zugleich geheimnisvollen Eindruck und das wohl nicht nur auf ihn. Respektvoll wichen die Händler zurück, senkten bei den Worten beschämt ihre Häupter. „Ihr werdet dem Retter unserer Heimat doch wohl kein Geld abknöpfen wollen, egal ob er welches hat oder nicht!“ Tahmo kratzte sich beschämt am Hinterkopf, “der hat euch eure Hintern gerettet und so dankt ihr es ihm?“ Wie eine Dunstwolke hing nun die Scham der Händler über deren Betragen in der Luft. Schuldsame Blicken wurden ausgetauscht. Tahmo der 'Windjüngling' beobachtete schweigend die Gesichter der Leute und immer wieder – aus den Augenwinkeln hervor – die Alte Frau welche nun zwischen ihm und den Händlern in der Mitte stand. „Das Mütterchen hat Recht! Wir sollten uns schämen!“ Der Stock tragende Händler trat hervor um sich im nächsten Moment direkt an Tahmo zu wenden: „Nimm so viel wie du essen möchtest, Junge!“ Allgemeines Nicken sowie zustimmendes Geraune machte die Runde. Ein weiterer Händler trat hervor um dem Ersten laut zuzustimmen.

Ein Händler nach dem Anderen beschenkte den Blondschopf, bis dieser am Rand des Marktes, in der Wiese und mit dem Rücken an einen Baum gelegt endlich seine Ruhe fand. Faro hatte sich vollgefressen in dem satten Grün breit gemacht um nun einen tiefen Mittagsschlaf zu halten. Während Tahmo noch in aller Seelenruhe am Essen war. Hoffentlich hat das Ganze keinen Haken... Ging es ihm durch den Kopf. Er sollte in Zukunft achtsamer werden was seine Handlungen und vor allem die Folgen daraus anging. Aber nun schlug er sich erst einmal den Bauch mit den kost losen Köstlichkeiten voll. Schon bald trudelten seine Gedanken wieder um Lua. Er merkte das ein Teil von ihm im Nachhinein doch gerne neben Lua liegen geblieben wäre. Natürlich war das der Teil von ihm welcher nichts mehr zu melden hatte wenn Tahmo in derartige Situationen geriet und die Aufregung, Nervosität oder was auch immer überhand gewann. Seufzend schob er sich eine warme Kastanie in den Mund. Die schmeckten süß, fast wie Kartoffeln, nur um ein vielfaches besser. Und die Elfen konnten sie anscheinend besonders gut machen. Genüsslich kauend gestattete er seinen Gedanken ein wenig länger bei Lua zu verweilen. Deutlich konnte er das warme, wohlige Gefühl in seiner Magengegend spüren das sich inzwischen immer öfter breit machte wenn er an Lua dachte. Schon bei der ersten Begegnung mit ihr hatte er sie faszinierend gefunden. Dennoch würde er wohl nicht den nötigen Mut aufbringen ihr das irgendwie zu sagen. Ja, ihm fielen nicht einmal jetzt die nötigen Worte dafür ein. Es machte ihn nervös, er bekam schwitzige Hände, wurde rot und verfluchte sich selbst für sein Benehmen. Nach einem Schluck Punsch kam er schließlich auf die Idee das Ganze fürs Erste Ruhen zu lassen. Einfach Glücklich zu sein das sie in seiner Nähe war und gucken was da noch so auf ihn zukam.
Zu aller erst, wollte er nämlich die alte Frau suchen. Dieses geheimnisvolle, alte, respekteinflösende Mütterchen. Mit dem einzelnen Zahn und der weißen Haube. Tahmo wusste nicht warum, aber ihn beschlich das dumpfe Gefühl das er sich unbedingt bei ihr bedanken sollte. Also nahm er seinen Stab um sich empor zu stemmen. Faro schlief tief und fest seinen Verdauungsschlaf. Ihn jetzt zu wecken käme dem Versuch gleich einen Stein erwecken zu wollen. Gab es Magier die so etwas konnten? Egal. Den Fuß mit dem verletzten Knöchel ein wenig angezogen, humpelte der Windjüngling drauf los. Die Augen nach der alten Frau auf haltend.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Gestalt » Montag 13. Dezember 2010, 19:46

Der Baum spendete zu wärmeren Jahreszeiten sicherlich eine Menge Schatten. Jetzt hing nur noch wenig Laub an ihm. Es wurde schließlich von Tag zu Tag kühler. Tahmo sollte wohl noch einmal zur Zeit der Abendsonne das Dorf besuchen, wenn die meisten Bäume hier mit saftig grünem Laub behängt waren, dass ihre Äste vor Schwere bald den Boden berührten. Oder wenn das Gras ebenso saftig, frisch und weich war. Derzeit mischten sich schon einige braune Gräser darunter, außerdem bildete sich Reif an manchen Stellen. Bei Spinnennetzen sah es immer sehr beeindruckend aus. Was die Natur doch alles hervor brachte. Ein Künstler steckte in ihr, dem Kreativität anstatt Blut durch die Adern floss. Zauberhaft glitzerte ein Netz in der Nähe von Tahmos verletztem Knöchel. Die Tropfen daran besaßen eine fast kristallische Oberfläche. Sie konnten sich wohl für keinen Aggregatzustand entscheiden. Flüssig oder gefroren, es war ein Zwischending aus beidem. Dafür machte es einen umso zauberhafteren Eindruck. Die sonst fast unsichtbaren Fäden des Netzes wurden zu einer Leine, auf der sich eine Perlenkette aus glitzernden Kristalltropfen aufreihte. Überall hingen solche kleinen Silberkettchen zwischen den Gräsern. Nun, zwischen jenen, die Faro übrig gelassen hatte.

Das Pony war satt – ein Ding der Unmöglichkeit, sollte man meinen. Es schlief zufrieden auf der Wiese, hatte sich dazu sogar hingelegt. Die meisten pferdeartigen Tiere schliefen im Stehen, aber das hieß nicht, dass sie nicht auch andere Positionen einnehmen konnten. Bei Faro war es sogar so weit, dass er sich manchmal wie ein Hund auf die Seite warf, die Hinterhufe angewinkelt und genüsslich schnaubend, so dass man ihm nach Herzenslust den Bauch kraulen konnte. Etwas, das dem Pony, nebenbei bemerkt, überaus gefiel. Auch jetzt machte es keine Anstalten, aufzustehen. Nach Fressen kam Schlaf und in beiden Tätigkeiten ließ sich Faro nur ganz selten stören oder unterbrechen.
Da half erst einmal alles nichts, wie Tahmo wusste. Also konnte er sein Vorhaben in die Tat umsetzen, nach der alten Frau zu suchen. Er wollte sich nämlich bedanken, dazu war er gar nicht gekommen. Schon allein deshalb nicht, weil das Mütterchen wie vom Erdboden verschluckt gewesen war, kaum dass sich die Händler wieder auf Tahmo zu drängten, um ihm ihre Köstlichkeiten unentgeltlich zu übergeben.

Jetzt musste er sie suchen, aber wo sollte Tahmo damit anfangen? Noch ehe er sich die Frage stellen konnte, stand sie plötzlich vor ihm. Die kleinen, runzligen Augen schauten unter der weißen Haube zu ihm auf und der vorstehende Zahn hob sich durch seine nicht mehr ganz so weiße Farbe trotzdem deutlich vom faltigen Gesicht ab. Die Alte trug jetzt ein Leinenkleid, das ihr bis knapp zu den Knöcheln reichte. Es war dunkelbraun gefärbt und zum Schutz vor der Kälte hatte sie sich ein dreieckig geformtes, gestricktes Tuch umgeworfen. Die zotteligen Fransen endeten knapp unterhalb ihrer Schultern. Sie stützte sich auf ihren knorrig gewundenen Gehstock wie Tahmo sich auf seinen Stab. Der Unterschied bestand neben dem Alter darin, dass das Mütterchen nicht humpelte.
"Du wolltest zu mir." Es war keine Frage. Sie grinste. Ihre Augen schauten den Blondschopf überraschend aufmerksam an. Sie glänzten wach und es zeigte sich nicht die Spur von Milchigkeit darin wie man es bei älteren Augen manchmal bemerkte. Sie nahmen eine Trübheit an. Manche behaupteten, dies sei das erste Anzeichen für Weisheit, aber auch ein Hinweis darauf, dass der Gevatter bald dein Gast sein würde.
"Du brauchst mir nicht danken. Hab ich doch gern getan. Hab ja gesehen, wie eingeengt du warst." Sie kratzte sich an der Nase. "Die Händler haben dich aber auch bedrängt, mein alter Waldläufer! Ich habe schon befürchtet, gleich explodierst du wieder. So wie auf dem Schlachtfeld. Habe dich aus der Ferne gesehen. Naja, eigentlich kaum. Habe nur diesen gewaltigen Luftball gesehen, der sich um dich herum gebildet hat und dann auseinandergeflogen ist wie ein Maiskorn, das man zu lange über dem Lagerfeuer hält. BUMM!" Sie warf ihren Gehstock von sich, um ihren Ausruf noch zu unterstreichen. Einige Umstehende blickten sich erschrocken um. Die Alte grinste. "Ja, so haben die beim Kampf auch geguckt – jene, die weit genug weg waren. Hast ja einige der Feinde erwischt." Sie tippte sich an die Nase. "Hör mir zu, Jüngelchen. Die eine Dunkelelfe, dessen Haut gar nicht so dunkel ist wie man meinen könnte, schimpft deinen Namen durch den ganzen hohlen Baum, in dem die Waldläufer sie festhalten. Sie ist die einzige, die dich kennt. Nennt dich 'Tahmo, den Esel', warum auch immer. Hast du mit der grauen Elfe noch ein Hühnchen zu rupfen? Wenn ja, bring ich dich hin. Sie hat einigen Ärger bei der kleinen Waldschlacht verursacht. Mir würde es gefallen, wenn du ihr eine Lektion erteilst." Kratzig lachend machte sich die Alte auf die Suche nach ihrem Stock. Sie wirkte dabei ausgefallen munter. Nur als sie sich nach dem Holz bückte, landete eine Hand mit schmerzverzerrter Miene und einem Ächzen in ihrem Kreuz. "Ahhh, die alten Knochen wollen nicht mehr so wie ich will."
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Donnerstag 16. Dezember 2010, 22:56

Tahmo war noch keine zwei Schritte weit gegangen, da stand auch schon die Alte vor ihm. Wie aus heiterem Himmel war sie aufgetaucht, vollkommen lautlos! Im Gegensatz zu davor trug sie nun zum Schutz vor dem kühleren Wetter der anbrechenden Jahreszeit ein dickes, braunes Leinenkleid. Ja das diesige Wetter sowie der frühmorgentliche Nebel waren nur zwei von vielen Boten des anbrechenden Wechsels der Jahreszeiten. Schon bald würden sich das Laub der Bäume verfärben um wie ein bunter Regen auf den Boden hinab zu schweben und die Erde wie einen dichten Flickenteppich bedecken. Dann würden auch die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Vielleicht sollte Tahmo den Wald wirklich noch einmal besuchen wenn die Natur den Winterschlaf überstanden hatte und zu neuer Blüte erwachte. Aber wer sagte auch das Tahmo die kommende Jahreszeit nicht auch liebte? Immerhin war es die Windigste und stürmischste von allen. Die weiße Haube auf dem Kopf mit dem runzeligen Gesicht und dem markanten, einzelnen Zahn war jedoch gleich geblieben. Hellwache Augen denen eine große Weisheit innewohnte sahen zu Tahmo hinauf und nach dessen Gefühl sogar durch ihn hindurch. Grußelig! Überrascht hielt der Blondschopf mit großen Augen die Luft an. "Du wolltest zu mir." Die Stimme der Alten klang feststellend. Kein bischen vermutend oder gar fragend. Einfach so als hätte sie schon gewusst das Tahmo nach ihr suchte. Ohne das er etwas sprach oder eine Frage stellte gab ihm die Alte schon die nächste Antwort: "Du brauchst mir nicht danken. Hab ich doch gern getan. Hab ja gesehen, wie eingeengt du warst." Ihre Stimme klang knarzig, ein wenig amüsiert wohl über Tahmos erstaunen das sich in dessen grünen Augen widerspiegelte. Unwohlsein ergriff Tahmos Gefühlswelt. Die Alte war eigenartig, eine Eigenschaft die ihm schon am Anfang aufgefallen war. Sie hatte etwas mysthisches etwas... überlegenes. Eine innere Stimme mahnte den Blondschopf zur Vorsicht.

"Die Händler haben dich aber auch bedrängt, mein alter Waldläufer! Ich habe schon befürchtet, gleich explodierst du wieder. So wie auf dem Schlachtfeld. Habe dich aus der Ferne gesehen. Naja, eigentlich kaum. Habe nur diesen gewaltigen Luftball gesehen, der sich um dich herum gebildet hat und dann auseinandergeflogen ist wie ein Maiskorn, das man zu lange über dem Lagerfeuer hält. BUMM!" Fast wäre Tahmo mitsamt seines Stabes umgeflogen, so hatte er sich über den lebhaften Erzählstil der Alten erschrocken. Hastig und auf einem Bein hüpfend suchte er sein Gleichgewicht, während der Gehstock ein paar Meter weiter klappernd zum liegen kam. Die Alte grinste ein Zahnloses grinsen. Tahmo schluckte. "Ja, so haben die beim Kampf auch geguckt – jene, die weit genug weg waren. Hast ja einige der Feinde erwischt. Hör mir zu, Jüngelchen. Die eine Dunkelelfe, dessen Haut gar nicht so dunkel ist wie man meinen könnte, schimpft deinen Namen durch den ganzen hohlen Baum, in dem die Waldläufer sie festhalten. Sie ist die einzige, die dich kennt. Nennt dich 'Tahmo, den Esel', warum auch immer. Hast du mit der grauen Elfe noch ein Hühnchen zu rupfen?“ Tahmo nickte nur kurz, er kannte die Elfe und wusste genau das die Alte nur Vlune meinen konnte. Allein schon der Name lies ihn erschauern. “Wenn ja, bring ich dich hin. Sie hat einigen Ärger bei der kleinen Waldschlacht verursacht. Mir würde es gefallen, wenn du ihr eine Lektion erteilst." Mit einem kratzigen und – nach Tahmos Meinung – unheimlichen Lachen beendete die Frau ihren Satz. Tahmo zog nur kurz die Nase hoch, nach wie vor umklammerten seine Finger das wärmende, magische Holz seines Stabes. Seine Fingerknöchel zeichneten sich schon leicht weiß unter der Haut ab. Er erinnerte sich an den Moment der Schlacht. Er konnte sogar jetzt noch die Wut und die Lust nach Rache in seinen Adern pulsieren hören. Wie ein Sturm der unablässig sein Blut aufpeitschte. Wie eine Katze deren Schwanz gereizt auf und ab zuckt, darauf wartend loszuspringen und... Tahmo schüttelte seinen blonden Haarschopf. Nein, niemals. Das in der Schlacht war nicht er gewesen. Jedenfalls, nicht ganz er selbst. Er hatte die Kontrolle verlohren und... Niemals würde er derartigen Rachegefühlen nachgeben wenn er die Kontrolle hatte. Das war nicht er, er war ruhig, anständig, nett und fröhlich. Hier und da mochte er durch seine Verträumtheit ein wenig schrullig wirken. Aber im Ganzen würde er niemals an jemanden der Gefangen war Rache üben. Hoffentlich war ihm die Alte nun nicht gleich böse wenn er das Angebot ausschlug. Aber was sein musste, musste sein. Er war schon immer seinen Weg gegangen. Tahmo schluckte, sammelte seinen gesammten Mut aus jeglicher Zelle seines Körpers zusammen und gab Antwort. Am liebsten wäre es ihm gewesen wenn Lua bei ihm gewesen wäre...

„Nein... ich... es is' besser wenn ich nich' zu ihr geh. Ich... bin nich' stolz drauf was bei der Schlacht passiert is'... das war nich' gut.“ Er atmete durch, soviel hatte er noch nie an einem Stück mit einem fremden geredet, „Tut mir Leid.“ Stocksteif wandte sich der Blondschopf ab. Er spührte die Blicke der Alten in seinem Rücken, rechnete jeden Moment damit das sie ihm nun von hinten ihren Gehstock drüber zog. Aber er wollte wieder zurück zu Faro, auch wenn ein Teil von ihm – der Neugierige – mehr über die Alte herausfinden wollte.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Montag 20. Dezember 2010, 19:24

"Keine Angst, Bursche", sagte die Alte, als sie bemerkte wie es Tahmo eiskalt den Rücken hinunterlief, kaum dass sie jene Dunkelelfe erwähnte, die ihn Esel nannte. Es konnte sich nur um Vlune handeln. Verfolgte sie Tahmo denn, dass sie schon wieder in sein Leben schnitt? "Sie wird festgehalten und starke Waldläufer passen auf sie auf. Dir kann nichts passieren." Sie beäugte Tahmo kritisch. Dann gab sie eine wegwerfende Handbewegung zum Besten. "Dir passiert sowieso nichts. Junger Held des Dorfes." Gerade seinen eingeheimsten Titel betonte sie sehr deutlich. Offenbar wollte die Alte, dass sich Tahmo endgültig im Klaren darüber wurde, welche Stellung er durch seine Tat erhalten hatte. Die Dorfbewohner nannten ihn tatsächlich einen Helden.
Sie beobachtete ihn weiterhin. Man erkannte schnell, dass Tahmo eifrig nachdachte. Er besaß eine deutliche Mimik, zumindest die Alte wusste sie zu lesen. Ein zahnloses Schmunzeln huschte über ihr Gesicht. Jaja, der Bengel hat das Herz am rechten Fleck. Sie hatte bereits im Voraus geahnt, dass Tahmo sich an keinem der Dunkelelfen rächen würde. Er besaß nicht diesen heißblütigen Durst wie er sich derzeit bei vielen Waldbewohnern zeigte. Bei den menschlichen Waldläufern mehr noch als bei den Elfen, aber keiner von ihnen wollte das dunkle Volk ungeschoren davonkommen lassen. Orks respektierten den Wald nicht. Sie zertrampelten die Natur unter ihren ungewaschenen Sohlen. Die Dunkelelfen aber waren noch schlimmer. Wo man es den Orks als Dummheit anrechnen konnte, wussten die dunklen Verwandten der Waldelfen ganz genau, was sie mit ihrem Verhalten anstellten. Sie schändeten, was Florencia und Phaun liebevoll in die Hände aller gegeben hatten. Wenn die Bewohner des Dorfes der Waldmenschen dieses Geschenk nicht verteidigten, würde es niemand tun.
Aber Tahmo war kein Waldmensch. Im Grunde war es nicht einmal sein Kampf. Die Alte musterte ihn still.

Sie entgegnete erst wieder etwas, nachdem der junge Blondschopf seinerseits gesprochen hatte. Wie er sich abmühte, sich ein paar Worte abzuringen! "Schluck deine Verklemmtheit herunter!" Die alte Frau hob einen knochigen Zeigefinger. "Entspann dich und stehe zu deiner Meinung! Es muss dir nicht leid tun, ist deine Entscheidung und ich kann sie akzeptieren oder nicht. Aber ich tu's. Bist ein weiser junger Mann. Sich ab und zu überwinden hat noch niemandem geschadet und …" Sie unterbrach sich, als mehrere Reiter die beiden erreichten. Sie hielten zielstrebig auf Tahmo zu. Ihre Tiere waren keine Pferde. Sie ritten auf leibhaftigen Hirschen und großen Wölfen, ohne dass Letztere die anderen angriffen. Es gab Märchen, in denen sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten. So schien es auch hier zu sein. Die Wölfe tanzten nicht aus der Reihe, im Gegenteil. Sie liefen neben den Hirschen als gehörten sie beide demselben Rudel an – und Rudelgefährten fraß man im Allgemeinen nicht.
Sämtliche Reiter waren Elfen. Sie besaßen die typischen hohen Wangenknochen, leicht schräg stehenden Augen und natürlich die spitzen Ohren, von denen einige unter wallenden Mähnen braunen Haare hervor lugten.
Einer der Elfen – sein Reittier war ein Hirsch mit stolzem Geweih, an dem Federn befestigt worden waren – saß ab und hob die Hand. Die anderen Reiter bremsten ihre Tiere. Die Wölfe ließen hechelnd ihre langen Zungen aus den Mäulern hängen. Der Elf selbst trat an Tahmo heran, verbeugte sich tief.
Im Hintergrund grinste die Alte.
"Windjüngling, wir haben bereits nach dir gesucht. Wir bitten dich, uns beim Sturm auf Kosral zu begleiten. Die einstigen Ruinen stehen wieder. Eine blühende Stadt, wäre sie nicht von Dunkelelfen und orkischen Kriegern verseucht. Unsere Späher – Elfen, Menschen wie Vögel und andere Waldtiere – berichteten, dass unsere Verwandten, die Neldoreth-Elfen aus Neryan, vom dunklen Volk gefangen gehalten werden." Er sprach die alles während seiner Verbeugung aus, doch nun hob der Elf den Kopf und blickte Tahmo aus dunkelbraunen, flehenden Augen ernst an. "Bitte, Windbezwinger, begleite uns mit deiner Meisterin in die Schlacht. Wir brauchen einen Helden an unserer Seite."
Die anderen Reiter blickten ebenso bittend wie ihr Sprecher.
"Na, wer sagt dazu schon nein", hauchte die Alte hinter Tahmo. Die Spitze ihres Knorrenstabes jedoch legte sich sanft an seine Schulter, damit sie die Aufmerksamkeit des Jungen bekam. "Vergiss dennoch nicht, dass sie deine Entscheidung zu akzeptieren haben, wie auch immer sie ausfällt. Fühle dich zu nichts gedrängt, Jüngelchen."
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Sonntag 26. Dezember 2010, 16:31

"Schluck deine Verklemmtheit herunter!" Tahmo blieb auf seinem Weg rüber zu Faro stehen. Statt des von ihm befürchteten Stocks, traf ihn nun jedoch ein Fingerzeig der Alten. "Entspann dich und stehe zu deiner Meinung! Es muss dir nicht leid tun, ist deine Entscheidung und ich kann sie akzeptieren oder nicht. Aber ich tu's. Bist ein weiser junger Mann. Sich ab und zu überwinden hat noch niemandem geschadet und …" Die Alte stoppte ehe der Satz zu ende gesprochen war. Das Getrappel von Pfoten und kleinen Hufen war zu hören die immer nähe kamen. Tahmo drehte sich herum, blickte zu der Alten ehe seine Aufmerksamkeit auf die herannahenden Reiter fiel. Zielstrebig hielten diese auf Tahmo zu. Es war eine kleine Gruppe Elfen die auf kräftigen Hirschen und großen Wölfen ritt. Tahmo machte große Augen, sowas bekam man sehr selten zu sehen. Vollkommen friedlich trabten die Wölfe neben ihren Geweihtragenden Rudelgefährt her. Es waren große Tiere, ausgewachsen und kräftig. Was die einen an spitzen Geweihen besaßen, hatten die anderen an kräftigen Kiefern mit scharfen Zähnen. Der Blondschopf schluckte. Die Elfen auf den Rücken der Tiere sahen aus wie Krieger... hoffentlich hatte dieser Aufmarsch nichts schlechtes zu bedeuten.

Auf seinen Stab gestützt blieb der Windjüngling an Ort und Stelle stehen, auf halber Strecke zwischen der Alten und Faro, welcher bei dem Getrappel der herannahenden Reiter inzwischen sein Schläfchen beendet hatte um nun aufmerksam seine Ohren nach vorne zu drehen.
Ein Elf brachte seinen stolzen Hirsch vor Tahmo zum stehen, bunte Federn baumelten dem Tier vom Geweih. Mit großer Anmut schwang sich der Elf vom Rücken des Hirsches und hob die Hand.
Die Reiter bremsten nun nach einander ihre Tiere, bis sie alle im Halbkreis um Tahmo herum standen. Die Alte schenkte Tahmo ein zahnloses Grinsen aus dem Hintergrund.

"Windjüngling, wir haben bereits nach dir gesucht. Sprach nun der sich vor Tahmo tief verbeugende Elf, Wir bitten dich, uns beim Sturm auf Kosral zu begleiten. Die einstigen Ruinen stehen wieder. Eine blühende Stadt, wäre sie nicht von Dunkelelfen und orkischen Kriegern verseucht. Unsere Späher – Elfen, Menschen wie Vögel und andere Waldtiere – berichteten, dass unsere Verwandten, die Neldoreth-Elfen aus Neryan, vom dunklen Volk gefangen gehalten werden." Dunkelbraune, flehende Augen blickten Tahmo tief an, als der Elf seine Verbeugung beendet hatte. "Bitte, Windbezwinger, begleite uns mit deiner Meisterin in die Schlacht. Wir brauchen einen Helden an unserer Seite."
Tahmo sog tief Luft durch seine Nase ein, öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Nicht im stande irgend etwas zu sagen.
"Na, wer sagt dazu schon nein", hauchte ihm die Alte von hinten ins Ohr, sodass es Tahmo Schauer über den Rücken jagde. Er spührte die Spitze ihres knorrigen Stabes an seiner Schulter. "Vergiss dennoch nicht, dass sie deine Entscheidung zu akzeptieren haben, wie auch immer sie ausfällt. Fühle dich zu nichts gedrängt, Jüngelchen." Mit einem beklemmenden Gefühl im Magen drehte er sich langsam von der Alten Weg. Die wollen... das ich in eine Schlacht ziehe? Diese Elfen angreife? Oh mist... das Ganze wird ja immer schlimmer. Tahmo hatte keine Lust irgendwohin in irgend eine Schlacht zu ziehen. Sich zu Verteidigen wenn man angegriffen wurde war eine Sache. Aber irgendwohin zu gehen und selber anzugreifen eine völlig andere. Er war kein Krieger und seine magischen Kenntnisse waren für eine Schlacht bei weitem noch viel zu gering. Dennoch empfand er durchaus Mitgefühl für die Waldbewohner, sein schlechtes Gewissen meldete sich zu Wort und riet ihm den Leuten zu helfen. Es half nichts, er musste sich erst einmal aus der Sache raus reden und dann zurück zu Lua um ihr das zu erzählen. „Ihr wollt die also Angreifn'? Erm... das... muss ich vorher noch mit Lua beredn' ich bin jah nur'n Schüler. Also noch kein Magier, wisst ihr?“ Tahmo ging langsam auf seinen Stab gestützt Rückwärts. Faro kannte diese Methode des abhauens zum Glück schon und interpretierte Tahmos Rückwärtsgehen richtig indem er ein wenig nach unten ging, damit Tahmo gleich leichter aufsteigen konnte. „Ja, ich muss nomal mit Lua drüber redn'.“ Gewandter als es sein Knöchel eigentlich zu lies schwang sich Tahmo auf Faro's Rücken. „Bis später!“ Rief er noch, ehe sein Pony und er zügig den Rückzug zur Hütte an trabten. Dort angekommen stürmte Tahmo auf seinem Stab gestützt so schnell er konnte ins innere. „Lua? Lua wo bis' du... wir müssn' red'n!“ Rief er aufgeregt.

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Erzähler » Montag 27. Dezember 2010, 20:37

Verdutzt blieben die Reiter zurück. Tahmo rauschte zusammen mit seinem Pony davon. Sie hingegen tauschten verwirrte Blicke. "Ein Schüler mit solcher Macht? Und da braucht er die Erlaubnis seiner Meisterin?"
"Er hat eben Respekt vor ihr. Das ist nichts Verwerfliches."
"Ich hoffe, sie stimmt zu. Seine Magie können wir gut gebrauchen."

Die Alte raffte ihr Kopftuch. Eine kühle Brise hatte Tahmo begleitet und sie wollte sich keine Lungenentzündung holen. In ihrem Alter konnte das durchaus zur letzten Krankheit ihres Lebens werden. Trotzdem grinste sie. Der Bursche war ein guter Junge. Er würde es weit bringen, ob er den Dorfbewohnern nun half oder nicht. "Reitet einfach vor. Ich schick ihn euch, falls seine Lehrmeisterin einverstanden ist."

Tahmo bekam von alledem nichts mehr mit. Er hatte bereits die Hütte erreicht und stürmte das Schlafzimmer, auf der Suche nach Lua. Die Windmagierin befand sich dort, wo Tahmo sie verlassen hatte: im Bett. Selig schlummerte sie, aber nicht mehr tief, wie man es hätte erahnen können. Müde hob sie den Kopf an und auch die Augen. "Tahmo?" Sie rieb sich den Schlaf fort. "Warum so aufgeregt? Hast du schlecht geträumt?" Langsam kam Lua in die Gänge. Sie richtete sich auf, streckte sich. Unter ihrem dünnen Hemdchen, denn nicht mehr trug sie am Leib, zeichneten sich Konturen lieblicher Weiblichkeit ab. Ihr Haar stand ihr zerzaust zu allen Richtungen vom Kopf ab und auf ihrem Unterarm zeichnete sich ein wirres Muster ab, verursacht durch das Laken. Die Druckstellen würden im Laufe weniger Minuten verschwinden.
"Ouh, ich hab soooo schön geträumt. Es war warm und kuschelig, da wollte ich noch nicht aufstehen. Hast du denn schon gefrühstückt? Ich glaube, ich hätte jetzt gern ein gekochtes Ei und dazu etwas Milch. Ob es Kühe oder Ziegen hier im Dorf gibt?"
Endlich fiel auch der letzte Rest Schlaf von ihr ab. Sie betrachtete Tahmo mit verwirrtem Blick. Ihr Schüler war gestriegelt und angezogen - jedenfalls sah er besser aus als sie selbst. Faro stand hinter ihm. Das Pony linste ebenfalls nach einem Frühstück. Als hätten die vielen Angebote auf dem Markt und das Gras nicht genügt. Nein, Faro konnte immer fressen.
"W-was ist denn? Du schaust so gehetzt. Ist etwas passiert?", fragte Lua Chii.
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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Tahmo » Montag 27. Dezember 2010, 23:13

Lua? Lua wo bis' du... wir müssn' red'n!“ Wie ein Sturm polterte Tahmo in das Haus. Begleitet von dem tockenden Geräusch seines Stabes durchquerte der Blondschopf die Wohnstube um in das Gästezimmer zu gelangen. Schwungvoll öffnete er die Tür des Schlafgemaches, wo er Lua noch selig dösend im warmen Bett vorfand. „Lua! Lua wach auf!“ Tahmo trat an das Bett, lehnte sich mit der Hüfte an einen der Bettpfosten und musterte verschnaufend seine Meisterin. Ob ich sie wach stupsen sollte?... oh nein, halt.. sie bewegt sich!
"Tahmo?" Mit müdem Blick der noch deutlich nach mehr Schlaf verlangte, hob Lua ihren Kopf um augenreibend zu ihrem Schüler zu blicken, "Warum so aufgeregt? Hast du schlecht geträumt?" Mit der Behäbigkeit eines Trolls in der Sonne richtete sich die Windmagierin in aller Ruhe auf, um sich erst einmal nach allen Regeln der Kunst zu strecken. Tahmos Blick fiel unweigerlich auf die spärliche Bekleidung Luas die allem Anschein nach aus nur einem einzigen, etwas längeren Hemd bestand! Unter dem dünnen Stoff zeichneten sich sichtbar ihre weiblichen Konturen ab. Und das was sich nicht abzeichnete stellte sich Tahmos umtriebiger und lebhafter Kopf von ganz alleine vor. Er hörte augenblicklich das Blut in seinen Ohren rauschen und wie sein Herz vor Verzückung gleich einen ganzen Takt schneller schlug. So als wollte es beweisen das es nicht nur für Tahmo allein schlagen konnte. Erst langsam... dann aber etwas schneller wandte sich Tahmo diskret ab. "Ouh, ich hab soooo schön geträumt. Es war warm und kuschelig, da wollte ich noch nicht aufstehen. Hast du denn schon gefrühstückt? Ich glaube, ich hätte jetzt gern ein gekochtes Ei und dazu etwas Milch. Ob es Kühe oder Ziegen hier im Dorf gibt?" Plauderte Lua nach einiger Zeit los. Es war deutlich zu vernehmen das sie bestens ausgeruht und wohl auch guter Dinge war. Tahmo dachte jedoch nur an die Worte der Alten sowie das was die Elfen wollten. Und ja, ein Teil von ihm dachte auch daran das er vor wenigen Stunden noch neben einer derart unbekleideten Lua gelegen hatte. Und es eventuell besser gewesen wäre liegen zu bleiben – in vielerlei Hinsicht.
„Du... solltest dir was anziehn'“ Meinte Tahmo nach einiger Zeit vorsichtig, ehe er abermals teils zögernd, teils neugierig über eine seiner Schultern nach hinten linste. Ein verwirter Blick von Lua traf ihn. Anscheinend fiel ihr erst jetzt auf das Tahmo schon angezogen war... zumindest, schon mal seine Hose, Gürtel und sein kostbares, reisfestes Seidenhemnd trug. Letzteres hing locker lose über den Hosenbund hinweg. Der linke Ärmel war zumindest bis zum Ellbogen hochgekrempelt... der andere jedoch fiel haltlos bis zum Handgelenk vor. Nach wie vor lehnte Tahmo mit der Hüfte seitlich am vordersten Bettpfosten auf welchem auch seine linke Hand ruhte. Barfuß, den Fuß mit dem schmerzenden Knöchel entspannt angewinkelt, stand der Stab gehalten von seiner rechten Hand neben ihm.
"W-was ist denn? Du schaust so gehetzt. Ist etwas passiert?" fragte Lua nach einiger Zeit, woraufhin Tahmo wieder nach vorne guckte und Lua seinen blonden Hinterkopf zuwandte.
„Naja, ich war aufm' Markt hier. Da hab ich so'ne alte Vettel getroff'n die meinte die hätt'n diese Vlune gefang'n. Hab' dir ma' von der erzählt, oder? Jednfalls' kam'n dann 'n paar Elf'n daher die meint'n ich sollte bei so 'nem Angriff auf 'ne Stadt namens Kosrall mitmach'n. Wo ich aber nich' so Lust zu hab, ich mein...“ Tahmo pausierte, schnappte kurz nach Luft,“...Den Wald hier zu verteidig'n is' jah eine Sache... aber was anzugreif'n was völlig anderes! Wenn ma' angegriff'n wird muss ma' sich wehr'n aber selber was anzugreif'n is' dumm. Vor all'm bin ich noch kein Magier! Has' jah gesehn' was passiert is'....“ Wieder pausierte Tahmo um Luft zu holen,“Andererseits' halt'n die mich für nen' Helden!“ Ein gewisser Stolz schwang in Tahmos Stimme mit, „Ich will die nu' nich' enttäusch'n un' ich hab' echt keine Ahnung was ich tun soll.“ Ratlos senkte Tahmo seinen Blick gen Boden. Er hasste seine momentane Ratlosigkeit aus der sich bisher kein Ausweg bot. Sonst war ihm doch immer etwas eingefallen! Aber jetzt musste er Rat bei Lua suchen und das hasste er noch mehr. Was sollte die nur von ihm denken? Das er allein gar nix auf die Reihe bekam? Nun, er könnte einfach abhauen, klamheimliche weiterziehen, aber das wäre schlicht und ergreifend nicht nett. Und die Wahrheit sagen? Dann würde er die Bewohner ebenfalls im Stich lassen, nur halt ohne wortlos dabei abzuhauen. Aber war sein Gewissen dann dabei beruhigter? Er könnte auch in die Schlacht ziehen nur würde er seinen Stab drauf verwetten das dies sein Untergang wäre. Und während er mit dem unteren Stabende nachdenklich auf den Holzdielen schabte streckte Faro seinen Kopf herein. Das Pony hatte wohl irgendwann was von Frühstück gehört...

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Re: Unter Elfen und Menschen

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 29. Dezember 2010, 19:49

"Du ... solltest dir was anzieh'n." Lua blickte an sich herab. Das Hemdchen, das sie trug, war lang. Es reichte ihr bis über die Hälfte der Oberschenkel. Der Stoff bestand allerdings aus einem halbdurchlässigen Material, war dünn und zeigte so deutliche Konturen. Auch, dass Lua leicht fröstelte. Ihre Brüste hoben sich sichtbar ab - ein Traumbild für jeden Mann, ob jung oder alt. Sie schien das im Moment jedoch wenig zu stören. Ihre grauen Augen wanderten zurück zu Tahmo. Ein Schmunzeln umspielte ihren Mund.
"Ich habe die Nacht an deiner Seite geschlafen ... in diesem Hemdchen. Ich denke, es ist noch nicht nötig, dass ich mich umziehe." Sie zwinkerte. Vielleicht wollte sie sich auch noch nichts anziehen in der Hoffnung, Tahmo entledigte sich noch einmal seiner nötigsten Kleidungsstücke und kehrte in das warme Bett zurück. Die Nacht war für sie ein Traum aus Weichheit und seinen Muskeln gewesen, über die sie im Halbschlaf mit dem Finger Kreise gezogen hatte. Lua sehnte sich nach einer Wiederholung - oder Fortführung mit neuen Tiefen?

Doch Tahmo plagten Sorgen. Er teilte sie Lua mit, denn sie galt auch als seine Lehrmeisterin. Sie würde schon einen Rat für ihn haben. Er befand sich in einer Zwickmühle. Sollte er fortziehen und den Plan der Luftmagierin verfolgen, die eigentlich mit ihm die Luftmagie üben wollte? Oder sollte er sich den Waldbewohnern für einen Offensivschlag gegen die Dunkelelfen anschließen?
Lua schwang langsam ihre Beine aus dem Bett. Sie seufzte. Vorbei war der Traum.
"Das ist wirklich keine einfache Entscheidung", begann sie. "Ich glaube, ich ziehe mich jetzt doch erst einmal an." Sie wartete einen Moment, ob Tahmo sich höflich abdrehen würde. Da sie für ihn aber eine ganz neue Art der Nähe empfand und er sie ohnehin bereits einmal nackt gesehen hatte, begann sie, das Hemd über den Kopf zu streifen. Haare und Gesicht verschwanden hinter dem Stoff, dafür kam ihr flacher Bauch zum Vorschein. Es folgten die Brüste: klein, aber für eine Männerhand durchaus ausreichend. Sie besaß eine eher schlaksige Statur, die an einen jungen Burschen erinnerte. Aber sie war durch und durch eine Frau. Das trübe Licht des Morgens fiel auf ihre samtene Haut.
Lua schnappte sich ihre Magierhose, das Wams und das Hemd, welches sie am Tage zu tragen pflegte. Auf der Kommode lag ihre Unterwäsche. Schlicht, aber körperbetonend. Das hatte mit Sicherheit eine zyranische Schneiderin angefertigt.

Während Lua sich nach und nach ankleidete, dachte sie über ihre Situation nach. "Weshalb wollen die Waldbewohner denn angreifen? Vielleicht dient es der Verteidigung. Manche Kriegsherren sagen das, aber vom Krieg halte ich allgemein wenig. Es gibt keine Gewinner." Sie hielt inne, strich sich durch das zottelige Haar. "Ich brauche eine Bürste." Sie selbst hatte keine mitgenommen, aber im Zimmer würde sich schon eine finden. Vorher legte sich Lua allerdings den Gürtel an und streifte ihre Stiefel über.
"Du bist noch kein Magier", korrigierte sie Tahmo unterdessen. "Aber du bist auf dem besten Weg einer zu werden. Ein richtiger, nicht bloß ein Schüler. Du hast so viel Talent, du wirst die Luft schneller beherrschen als ich zu meiner Zeit." Sie sagte es sehr sanft und mit so viel Stolz in der Stimme. Es erinnerte an den Glanz in den Augen der vielen Waldläufer, die Tahmo einen Helden nannten. Auch für Lua Chii war er einer.
Endlich war sie vollends angezogen, umrundete das Bett. Ihre Hände legten sich auf Tahmos Schultern. Mit dem Daumen streichelte sie seinen Hals, ganz unverblümt. "Ich kann dir diese Entscheidung nicht abnehmen. Ich kann dir lediglich deine Möglichkeiten offenlegen. Eine wäre, jetzt mit den Waldbewohnern in einen Kampf zu ziehen. Jetzt, da du die Magie nur unkontrolliert beherrschst, zumindest die starken Zauber. Jetzt, da du zwar verheerende Wirkung erzielst, aber nicht vorhersagen kannst, wen diese Kraft ereilen wird. Trotzdem wärest du für das Dorf eine Unterstützung, allein schon für die bessere Moral der Truppe. Du bist ein Held und mit einem Helden in ihren Reihen kämpfen sie zuversichtlicher." Sie legte eine Pause ein, damit Tahmo über ihre Worte nachdenken konnte. Dann führte sie die zweite Möglichkeit auf. "Oder du lehnst ab, um ihnen nachfolgend zu Hilfe zu eilen. Sobald wir die Schriftrolle der Luftmagie gefunden haben, würde es dir wesentlich leichter fallen, die Mächte zu meistern, die durch deine Adern fließen. Wir könnten zurückkehren und dem Dorf helfen. Allerdings müssen sie bis dahin durchhalten."

Ihr grauer, verträumter Blick fing ihn ein. Längst waren ihre Hände von seinen Schultern nach oben gewandert. Lua hielt Tahmos Gesicht, seine Wangen, sie so warm waren. "Sei dir gewiss, dass ich dich bei deiner Entscheidung unterstützen werde, wie auch immer sie ausfällt. Der Westwind kann warten angesichts der Tatsache, dass du diesen schweren Konflikt lösen musst." Sie schob sich in seine Arme, schmiegte sich an und schenkte ihm neben einem heftig pochenden Herzschlag ihre Wärme als einzige Hilfestellungen für seine bevorstehende Entscheidung. Um die kam Tahmo wohl wirklich nicht herum.
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